Wenn Sie sich hier bei uns vor Ort oder auf unseren Webseiten wohlgefühlt haben, dann hinterlassen Sie uns doch einen kurzen Gruß, ein kleines Feedback! Wir freuen uns darauf!
Michael Koser: Prof. van Dusen und die 7 Detektive (RIAS 1988)
Hatch: Happy birthday to you, happy birthday to you, happy birthday Professor…
vanDusen: Ich wäre Ihnen sehr verbunden, mein lieber Hatch, wenn Sie Ihren Gesang einstellten.
Hatch: Aber Prof, was haben Sie denn dagegen, daß ich ein bißchen singe, um mir Mut zu machen.
vanDusen: Wenn die Musik Ihnen als moralisches Tonikum unentbehrlich ist, so tun Sie mir doch wenigstens den Gefallen, ein anderes Lied zu wählen, ich habe nicht Geburtstag und ich.
Hatch: Aber gleich Prof, es ist zehn vor zwölf, seien Sie nicht so pingelig.
vanDusen: Und vor allem lege ich nicht den mindesten Wert auf die Anerkennung oder gar feierliche Begehung der jährlichen Wiederkehr eines lediglich vom Zufall bestimmten Datums wie es die Geburt eines Menschen darstellt und sei dieser auch eine so eminente Persönlichkeit wie ich, daß ich meinen Geburtstag weder selbst zu feiern noch von anderen feiern zu lassen gedenke, dies mein lieber Hatch sollten sie nun wirklich wissen.
Hatch: Und ob ich das wußte, weil Prof van Dusen ein so gewaltiger Geburtstags-muffel war, mußten wir ja Nachts bei Unwetter und klirrender Kälte durch die unwegsamen Felsen der Sierra Nevada irren, aber da sollte ich wohl ein bißchen ausführlicher erklären. In der zweiten Januarhälfte des Jahres 1906 hatten wir, der Prof und ich, unsere Weltreise beendet und waren in San Francisco gelandet, van Dusen hatte sich gleich in seine wissenschaftlichen Forschungen verkrochen, nur zweimal war er daraus aufgetaucht, Mitte Februar um mich vor dem Irrenhaus zu retten siehe Fall Hatch und etwa 10 Tage später, um Dampf abzulassen.
vanDusen: Haben sie die heutige Ausgabe des San Francisco Examiner schon gelesen.
Hatch: Nein steht was Interessantes drin.
vanDusen: Das kann man wohl sagen, Seite 3 unten.
Hatch: Bürgermeister eröffnet Schule, Großfeuer, ah hier, wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren wird Prof van Dusen der bekanntlich zurzeit in unseren Mauern weilt, in kürze, nämlich am 2. März seinen 60 Geburtstag begehen, Prof van Dusen, einer der größten Wissenschaftler unserer Zeit und auch als Amateurdetektiv von bedeutendem Ruf.
vanDusen: Kriminologe muß es heißen.
Hatch: Kann an diesem seinem Jubeltag Ehrungen in der Qualität und Quantität erwarten, wie sie seiner herausragenden Persönlichkeit.
vanDusen: Und so weiter, sie wissen was das bedeutet.
Hatch: Aber ja, in aller Früh ein Ständchen der freiwilligen Feuerwehr, Telegramme, Besuche und Reden, Reden, Reden.
vanDusen: Ach, es ist entsetzlich.
Hatch: Dafür müssen sie doch Verständnis haben.
vanDusen: Derartiges war mir schon immer ein Gräuel und ist es ganz besonders zum jetzigen Zeitpunkt, da ich von meinen aktuellen Forschungen voll und ganz in Anspruch genommen bin.
Hatch: Am besten verschwinden sie für ein paar Tage aus San Francisco, die Frage ist nur wohin.
vanDusen: Eine Frage, welche bereits beantwortet ist.
Hatch: Wieso.
vanDusen: Wie es der Zufall will, erhielt ich heute Morgen dieses Schreiben.
Hatch: Von wem.
vanDusen: Von einem alten bekannten, Mr Thomas Alva Edison.
Hatch: Sieh an, und was schreibt er.
vanDusen: Hören sie, sehr verehrter Prof van Dusen hochgeschätzter Kollege und Freund, ein wenig sehr vertraulich, finden sie nicht.
Hatch: Naja.
VanDusen: Oft habe ich mit Freude und Dankbarkeit an unser denkwürdiges Zusammentreffen im Canyon Delware zurückgedacht, an gemeinsam durchlebte Gefahren und an unsere Rettung, die wir großenteils ihrer Ingenuität verdanken, großenteils, der unmittelbare Anlaß meines Schreibens ist dieser, bereits vor geraumer Zeit habe ich das bekannte in der wildromantischen Landschaft des Yosemite Nationalparks gelegene Hotel Wawona ab 1. März exklusiv gemietet, um ungestört in winterlicher Einsamkeit erfinderisch zu wirken, nun sehe ich mich jedoch bis etwa mitte März anderweitig unaufschiebbar beschäftigt und erlaube mir daher ihnen besagtes Hotel als Refugium zu offerieren, sehr aufmerksam von Edison und hoch willkommen obendrein, sie erreichen das Hotel auf folgende weise.
Hatch: So kam es daß wir am Abend des 1. März im kleinen Ort Raymond am Fuß der Sierra Nevada aus dem Zug stiegen, der uns aus San Francisco hierher gebracht hatte, über Stockton, Merced und Berenda, Raymond war die Endstation, von hier ging es anders weiter und daß es weiterging dafür war gesorgt vor dem Bahnhof wartete ein Chauffeur mit einem Automobil, einem Pope Toledo. Wir fuhren nach Westen in die Berge, die Straße stieg immer mehr an, es wurde immer kälter, van Dusen saß zurückgelehnt, in Gedanken, abwesend, ich hatte ja keine Ahnung, was für eine Last auf seiner Seele lag, seine gewaltige Erfindung, die Nachstellungen des hinterhältigen Rüstungsindustriellen Cesselman, sie kennen ja die Hintergründe, und sie wissen, zu welch tragischem Ende sie im April führen sollten, Wind kam auf, es fing an zu schneien, plötzlich blieb der Wagen stehen.
vanDusen: Was ist, warum gehts nicht weiter.
Butler: Tut mir leid, Sir, die Straße ist zu steil, zu glatt durch den Schnee, der Wagen macht nicht mehr mit, dürfte ich die Herren vielleicht bitten kurz auszusteigen und ein bißchen zu schieben, wenn das nicht zu viel verlangt ist.
Hatch: Hören sie mal, ist das wirklich nötig, so schlimm sieht die Straße nicht aus, ich bin selbst Automobilist.
vanDusen: Hatch, der Mann kennt den Wagen und die Strecke, folgen sie seiner Anregung.
Hatch: OK Prof und jetzt hau ruck.
Butler: Vielen Dank meine Herren.
Hatch: He, halt, kommen Sie zurück, halt.
vanDusen: Lassen sie das fruchtlose Geschrei, sparen sie die Kraft ihrer Lungen, sie werden sie brauchen.
Hatch: Was sagen sie dazu Prof, setzt der Kerl uns hier einfach aus, mitten in der Wildnis, was sollen wir denn jetzt machen.
vanDusen: Laufen, mein lieber Hatch, laufen.
Hatch: Wir liefen über Stock und Stein, durch Busch und Wald, und wir stiegen durch Felsen, Gletscher und Schneefelder. Das Wetter wurde zum Unwetter, dann zum Schneesturm oder Blizzard wie der Fachmann sagt. Wir verloren den Weg, wußten nicht mehr wo wir waren und stapften eigentlich nur noch voran um nicht zu erfrieren.
Hatch: Ah das ist ja schlimmer als damals in Alaska. 12 Uhr, Mitternacht, 2. März, ihr Geburtstag Prof.
vanDusen Ich wäre ihnen äußerst dankbar, wenn sie den Tag meiner Geburt in Zukunft unerwähnt lassen würden.
Hatch: Moment mal wo schlägt denn mitten in der Wildnis in der Sierra Nevada eine Turmuhr.
vanDusen: Dort oben, auf jenem hohen Felsen.
Hatch: Und da brennt ja auch ein Licht, da oben muß ein Haus sein.
vanDusen: So scheint es, möglicherweise eine Jagdhütte, auf jeden Fall werden wir dort Obdach finden, kommen sie.
Hatch: Über einen steilen Pfad kraxelten wir auf das Licht zu und allmählich trat unser Ziel aus Schatten und dunkler Nacht, das war keine Jagdhütte, das war ein fantastisches Gebilde aus Mauern, Zacken, Zinnen und Türmen, eine Burg, eine richtige Burg, die aussah wie.
vanDusen: Wie Draculas Schloß in Transsylvanien.
Hatch: Ich dachte eher an Burg Glenmore oder die Mafiavilla Palermo oder Urganza in den Pyrenäen.
vanDusen: Ergehen sie sich nicht in unergiebigen Reminiszenzen, ziehen sie lieber die Torglocke.
Hatch: Machen wir. Schon nach wenigen Sekunden näherten sich gemessene Schritte, das Tor knarrte auf und dahinter erschien ein untadeliger Butler in gestreifter Weste und Schwalbenschwanz, und mit einer formvollendeten Verbeugung direkt aus dem höheren Lehrbuch für Butler und Kammerdiener von Reginald Geves, ansonsten hatte er eine verdächtige Ähnlichkeit mit dem Chauffeur, der uns sitzen gelassen hatte.
Butler: Treten Sie näher, meine Herren, sie werden erwartet.
Hatch: Erwartet.
Butler: Gewiß, sie sind doch Prof van Dusen und Mr Hatch.
Hatch: Ja aber.
Butler: Bitte folgen Sie mir.
Hatch: Das war wieder so eine mysteriöse Sache, eine richtige Hintertreppen-geschichte, der Prof zieht so etwas an, hätte ich geahnt, wie hintertreppig der Fall werden sollte, wäre ich gerannt, in die Wälder, in die Berge, ganz egal wohin, nur nicht in die Burg. Aber Hutchinson Hatch ist kein Hellseher, der Prof war offensichtlich nicht in Form und so folgten wir dem Butler durch einen kleinen Gang über einen Innenhof, vorbei an einem Brunnen, wieder durch einen Gang, bis zu einer geschnitzten Tür, der Butler öffnete beide Flügel weit und trat vor.
Butler: Ladies und Gentleman, Prof Augustus van Dusen, Mr. H. Hatch.
Prendergast: Oh aha, endlich unser Ehrengast ist erschienen, meine Dame, meine Herren ich darf also bitten, drei vier, happy birthday to you…van Dusen happy birthday to you, hahaha.
vanDusen: Was soll das bedeuten.
Prendergast: Eine Überraschung, verehrter Prof, Ihnen zu ehren und deshalb bin ich ganz besonders froh daß sie doch noch eingetroffen sind, Sie und natürlich auch Mr Hatch, treten Sie näher, meine Herren, Brimstome.
Butler: Madame befehlen.
Prendergast: Geleiten Sie die Herren zu ihren Plätzen.
Butler: Sehr wohl, Madame, folgen Sie mir bitte.
Prendergast: Meine übrigen Gäste dürften Sie kennen, Prof, Madame Maigret, private Detektivin aus Paris.
Maigret: Ich freue mich sehr Prof.
vanDusen: Ganz meinerseits Madame, wie geht es dem kleinen Jö.
Hatch: Mordfall Manulesco in Monte Carlo und die kuriose Affäre um die Rose von Kairo.
Prendergast: Mr. Sherlock Holmes.
Holmes: Ja Prof.
Hatch: Van Dusens Konkurrent beim großen Wettbewerb der Detektive 1903 in England.
Prendergast: Kommissär Gallimard.
Gallimard: Der Profi von der Surete na wie läufts denn so sie alter Amateur samas he
Hatch: Eins zwei, eins zwei, siehe den rätselhaften Korb der Venus von Milo.
Prendergast: Kommissar Möllhausen Berlin.
Möllhausen: Von Möllhausen ist mir eine kolossale Ehre sie wiederzusehen Herr Prof
Hatch: Laterna Magica Mord, Millionenraub aus dem Juliusturm.
Prendergast: Chefinspektor Smiley von Scotland Yard.
Smiley: How do you do Prof.
Hatch: Ballonexplosion über dem schottischen Hochland, diverse Fälle in London, die Sache bei Madame Tussauds zum Beispiel oder der mysteriöse Mord im Chinesenviertel.
Prendergast: Detective Sergeant Caruso, NewYork.
Caruso: Hi Prof, Leben noch frisch alles ok.
Hatch: Bestens Caruso.
Caruso: Sie hab ich nicht gefragt Mr Hatch.
Hatch: Gaslichtmordfall, Leichenräuber, Vampir von Brooklyn, Massaker im Zirkus Barnum und Bailey usw usw, sechs alte Bekannte, Polizisten und Privatdetektive aus aller Welt, Mitarbeiter und Konkurrenten des Prof, vorzugsweise Konkurrenten, noch dazu blamierte, und die hatten sich hier zusammengefunden in einer seltsamen Burg in der Sierra Nevada, um van Dusen zum Geburtstag zu gratulieren, merkwürdig, äußerst merkwürdig.
Hatch: Die wilden Delawaren versammeln sich in Scharen.
vanDusen: Bitte.
Hatch: Nur eine Reminiszenz Prof, unwichtig.
Prendergast: Brimstone, bedienen Sie die Herrschaften.
Butler: Sehr wohl, Madame.
Prendergast: Ich bin übrigens Mrs Prendergast, mein erster Mann, der selige Mr Falcon, war Millionär und fasziniert vom finsteren Mittelalter, deshalb hat er sich diese Burg gebaut und auf den Namen Falcon Crest getauft, jetzt gehört sie mir, und meinem zweiten Mann, Mr Prendergast, er sollte eigentlich hier sein, um die mystische Zahl von 7 Detektiven vollzumachen, doch ist er leider in Sacramento aufgehalten worden, ihn kennen Sie ja wohl auch noch.
Hatch: Prendergast, weiland Schiffsdetektiv auf der Columbia, auch einer der vom Prof blamierten, vielleicht erinnern sie sich noch an die Affäre um die schwarzen Perlen der Kali, die Sache kam mir immer merkwürdiger vor, was wurde hier gespielt.
Prendergast: Der Zufall, werter Prof, Mr Hatch, nur der Zufall hat uns an diesem Orte zusammengeführt und als wir in Erfahrung brachten, sie, der von uns allen so geschätzte so verehrte Prof van Dusen feiert nun heute am 2. März ihren 60. Geburtstag.
vanDusen: Dann gehe ich wohl nicht fehl in der Annahme daß Sie, Mrs Prendergast, mich hierhergelockt haben, Sie haben die Nachricht von meinem bevorstehenden Geburtstag in San Francisco verbreitet, Sie haben den angeblich von Mr Edison stammenden Brief verfaßt, ihr Chauffeur und Butler hat uns in Raymond erwartet.
Prendergast: Bitte Prof, diese unwichtigen Details haben doch sicher Zeit bis morgen, sie sind durchgefroren, müde, hungrig, greifen sie zu und feiern Sie, wenn schon nicht ihren Geburtstag, so doch das Wiedersehen mit den alten Freunden, die das Geschick ihnen in den Weg geführt hat. Jawohl.
Hatch: Eine schöne, eine wahrhaft herzerhebende Feier, abgesehen von ein paar freundlichen Worten zu Madame Maigret, für die er immer ein kleine Schwäche gehabt hatte, blieb der Prof stumm wie ein Fisch, Sherlock Holmes und Caruso guckten grimmig, ersterer auf van Dusen, letzterer auf meine Wenigkeit, er hatte mich ja nie ausstehen können der gute Detective Sergeant, alle schwiegen nur Mrs Predergast plauderte munter fürbaß.
Prendergast: Warum so schweigsam Prof beschäftigt Sie womöglich ein geheimnis-voller Fall oder eine epochale Erfindung, vielleicht fehlt Ihnen ja nur ein wenig Tafel-musik, bedauerlicherweise sind wir darauf nicht eingerichtet, Dudelsackkonzerte a la McMurdock können wir ihnen nicht bieten und essen tun sie auch nicht Prof, wünschen Sie ein anderes Menü, sollten wir den wackeren Caruso bitten Ihnen eine Portion Spaghetti zu servieren, sie sind alle so still, meine Herrschaften, hat denn niemand Lust zur Unterhaltung beizutragen, vielleicht sie Kommissar von Möllhausen.
Hatch: Und der ließ sich auch nicht lange bitten und gab die spannende Geschichte von der blutigen Botschaft zum besten, allerdings brachte er sie nicht zu Ende, es kam was dazwischen.
Möllhausen: Da standen wir also hoch auf der Zitadelle im schönen Spandau und plötzlich sahen wir einen Ballon, jawohl meine Herrschaften einen Ballon und da sagte ich zu Prof van Dusen, oh.
Prendergast: Entschuldigen Sie Herr Kommissar ich habe Sie nicht verstanden, was sagten Sie.
Möllhausen: Oh.
Holmes: Tot, oder was meinen Sie, Chefinspektor.
Smiley: Kein Zweifel, Mr Holmes, Kommissar von Möllhausen ist tot, allem Anschein nach vergiftet.
Prendergast: Oh wie schade, wo er gerade so schön am erzählen war, Brimston.
Butler: Madame.
Prendergast: Schaffen Sie ihn nach draußen.
Butler: Sehr wohl, Madame.
Hatch: Butler Brimstone, ein kräftiges Kerlchen, brach sich den reglosen Kommissar über die Schulter und trug ihn ohne Mühe aus dem Saal und das seltsame Dinner ging weiter, als ob nichts vorgefallen sei, war ich in einen Alptraum geraten, ich kniff mich kräftig, aber ich wachte nicht auf und van Dusen tat nichts, doch er legte die Serviette hin und stand auf.
vanDusen: Mrs Prendergast, meine Herrschaften, sie entschuldigen uns, wir hatten eine lange, sehr ermüdende Anreise.
Prendergast: Sie wünschen sich zurückzuziehen, Prof.
vanDusen: So ist es, Madame.
Hatch: Aber Prof, eben hat man Möllhausen vergiftet und Sie gehen seelenruhig ins Bett.
Prendergast: Geleiten Sie die Herren auf ihr Zimmer, Brimstone.
Butler: Sehr wohl Madame.
Hatch: Unser Zimmer lag im zweiten Stock und bestand hauptsächlich aus zwei Himmelbetten und einem Kamin, in dem ein müdes Feuerchen knisterte, an den Wänden hingen ein paar Portraits von abgrund tiefer Scheußlichkeit und zwei gekreuzte Säbel, das wars, abgesehen von unseren Koffern, die mitten im Raum standen, unsere Koffer, die waren doch im Automobil geblieben.
Butler: Sie haben sich eingefunden meine Herren, wünsche angenehme Ruhe.
Hatch: Ich verstehe Sie wirklich nicht, Prof hier ist doch alles oberfaul und Sie.
vanDusen: Mein lieber Hatch, bevor sie sich weiter echauffieren oder aufspulen, wie man sich wohl in ihren Kreisen ausdrückt, lesen Sie dies.
Hatch: Lieber Prof, bleiben Sie ruhig was auch geschieht werde ihnen später alles erklären ihre Madame Maigret.
vanDusen: Unsere alte Freundin hat mir den Zettel unter dem Tisch in die Hosentasche praktiziert.
Hatch: Ja und was soll das heißen.
vanDusen: Mein lieber Hatch, auch ohne diese uns zugespielte Information sollte selbst Ihnen klar sein, daß alle die rätselhaften Dinge, welche uns auf dem Weg hierher und dann in dieser Burg zugestoßen sind, zu einem Spiel gehören, zu einer, wenn sie so wollen kalkulierten Inszenierung, deren Publikum allem Anschein nach wir beide zu bilden haben.
Hatch: Aber Möllhausen, der ist doch tot.
vanDusen: Keineswegs mein lieber Hatch, der Kommissar hat die Leiche lediglich gespielt, nicht eben brillant wie ich mich hinzuzufügen genötigt sehe, trotz seiner großen kriminologischen Erfahrung.
Hatch: Wenn sie das sagen Prof, ja und was sollen wir jetzt tun.
vanDusen: Da wir uns den auf uns gezielten dummen Streichen vorerst wohl kaum entziehen können, bleibt uns nichts anders übrig als sie weiterhin mit Nichtachtung zu strafen und sie abzuwettern wenn sie mir den nautischen Terminus technicus gestatten, ich rate Ihnen jedoch sich nicht zu entkleiden und soweit ihnen das möglich ist wach und wachsam zu bleiben.
Hatch: Damit holte der Prof seelenruhig Papier und Bleistift aus der Tasche, er kann eben immer und überall arbeiten, ich döste ein bißchen vor mich hin, manchmal glaubte ich draußen Schritte zu hören oder ich hatte das Gefühl die Vorhänge bewegten sich (Kikeriki). Plötzlich wurde ich hellwach.
Smiley: Aah.
Hatch: Was war das?
vanDusen: Was schon, mein lieber Hatch, ein Schrei.
Hatch: Hört sich aber gar nicht gut an Prof, richtig kriminologisch, Prof.
vanDusen: Ja.
Hatch: Es hat geklopft.
vanDusen: Das ist mir nicht entgangen, öffnen Sie die Tür.
Smiley: Prof van Dusen, machen Sie auf.
Hatch: Meinen Sie wirklich Prof, wer weiß was das ist, vielleicht gibts hier ein Burggespenst.
Smiley: Aufmachen Prof schnell.
vanDusen: Ihr Burggespenst mein lieber Hatch ist Chefinspektor Smiley, nun öffnen Sie doch schon.
Smiley: Ich muß Ihnen was sagen, Prof, was wichtiges dringend, Möllhausen ist tot, wirklich tot obwohl das gar nicht geplant war und dahinter steckt ah…
Hatch: Ein Pfeil, Prof er hat einen Pfeil im Rücken.
vanDusen: Smiley ist tot.
Hatch: Sehen Sie mal Prof, am Pfeil hängt ein Zettel.
vanDusen: So ist es, mein lieber Hatch, folgen Sie dem Klang der Totenglocke.
Hatch: Was für eine Totenglocke, Prof, das ist kein Spiel mehr.
vanDusen: Mein lieber Hatch, sie haben recht die Situation hat sich grundlegend gewandelt, sie führen ihre elektrische Handlampe mit sich.
Hatch: Ja hier ist sie.
vanDusen: Auch ihren Revolver.
Hatch: Leider nicht, ich konnte ja nicht ahnen, daß wir ihn brauchen aber warten sie, ich hole mir einen Säbel von der Wand, besser als nichts, so Hutchinson Hatch ist zu allem bereit.
vanDusen: Sehr gut, mein lieber Hatch kommen Sie.
Hatch: Wohin Prof.
vanDusen: Wir folgen der Empfehlung unseres anonymen Korrespondenten und gehen dem Klang der Glocke nach.
Hatch: Die Morgendämmerung war schon angebrochen, als wir den Hof betraten und wir konnten die Anlage der Burg gut erkennen, ein Gebäudeviereck um einen Innenhof, an den Ecken Türme, drei kleine und ein hoher, an die 40-50 m, nichts zu sehen, nichts zu hören, bis auf das enervierende Gebimmel, das offenbar aus einem der kleinen Türme kam, in der Mauer darunter war eine Tür, ich klemmte den Säbel unter den Arm und drückte auf die Klinke, in diesem Augenblick wurde es still.
Hatch: Das Bimmeln hat aufgehört, Prof.
vanDusen: Halten Sie mich für taub, machen sie die Tür auf.
Hatch: Schwerer Brocken, oh Gott Prof, da drin hängt einer, am Glockenseil.
vanDusen: Anscheinend halten sie mich auch für blind, leuchten sie mir, es ist Kommissar von Möllhausen, und diesmal ohne jeden Zweifel tot.
Hatch: Kein Wunder, erst vergiften, dann aufhängen, das hält der stärkste Mann nicht aus.
vanDusen: Haben Sie die Güte, die Absonderungen weiterer Geschmacklosigkeiten zu unterlassen und stattdessen den Raum mit ihrer Lampe auszuleuchten, vor allem diese Ecke, ja dort.
Hatch: Prof, da steht eine Guillotine.
vanDusen: Wie recht sie schon wieder haben, mein lieber Hatch.
Hatch: Und auf dem Brett da liegt einer, angeschnallt.
vanDusen: Auch diese ihrer Feststellung trifft präzis ins Schwarze, lassen sie sehen, um wen es sich handelt.
Hatch: Es war Monsieur Gallimard, der zackige Kommissar von der Pariser Surete, jetzt war er gar nicht zackig, er war ganz still, weil er nämlich den Kopf verloren hatte, der lag vor ihm in einem Korb, in ganz kurzer Zeit drei Detektive tot, ermordet, Wahnsinn, und der Wahnsinn war anscheinend noch nicht zu Ende.
Maigret: Hilfe, hilfe.
vanDusen: Kommen sie, Hatch.
Hatch: Hört sich an wie Madame Maigret, wo steckt sie.
vanDusen: Hier, im Brunnen, hallo, Madame Maigret.
Maigret: Prof.
vanDusen: Kann ich etwas für sie tun.
Maigret: Ein Glück, das sie gekommen sind, retten sie mich, ich bin gefesselt, das Wasser steigt.
vanDusen: Halten sie noch einige wenige Augenblicke durch, Madame, Hatch, Errettung aus einem Brunnenschacht gehört fraglos zu den Aufgaben eines kriminologischen Assistenten, setzen sie sich in den Eimer, ich werde sie mittels der Winde nach unten befördern.
Hatch: Der armen Madame Maigret reichte das Wasser schon bis zur Taille, ich verlor keine Zeit und sägte mit dem Säbel an ihren Fesseln, als sich plötzlich oben am Brunnenrand ein Getümmel erhob, ehe ich ihn festhalten konnte, wurde der Eimer hochgenudelt, er kam aber gleich wieder runter, sehr schnell, mit dem abgeschnittenen Seil und mit einem Passagier.
Hatch: Der Prof, er ist doch nicht tot.
Maigret: Nur bewußtlos, das kalte Wasser wird ihn schnell wieder zu sich bringen, Prof, Prof van Dusen, wie fühlen Sie sich.
vanDusen: Danke Madame den Umständen entsprechend, jemand hat mir einen Schlag auf den Hinterkopf versetzt.
Hatch: Wer.
vanDusen: Verschonen Sie mich mit sinnlosen Fragen die ich ihnen nicht beantworten kann, lassen sie mich nachdenken und schalten sie die Lampe ein, so Wassertiefe bis dato, Durchmesser des Brunnens in etwa, dazu die fundiert geschätzte Steiggeschwindigkeit, Madame, mein lieber Hatch, uns bleibt noch eine gute Stunde bis das Wasser eine unser Leben gefährdende Höhe erreicht haben wird, nutzen wir diese Zeit, ziehen wir a Bilanz und schmieden wir b Pläne, ans Werk.
Hatch: Der Prof war wieder ganz der alte, nicht mehr trübe, abwesend, desinteressiert, sondern energisch, optimistisch, voller Elan, wozu ein Schlag auf den Schädel doch manchmal gut sein kann.
vanDusen: Hatch.
Hatch: Prof.
vanDusen: Zuerst zu ihnen, Madame Maigret, was steckt hinter der ungewöhnlichen Detektivansammlung, berichten sie, präzise detailliert.
Hatch: Und von Anfang an.
Maigret: Gern, Prof, aber ich weiß nicht alles.
vanDusen: Dafür Madame haben sie ja Prof van Dusen, bitte.
Maigret: Von Anfang an, sagten sie, Mr Hatch, nun angefangen hat die Sache im vergangenen Jahr um die Weihnachtszeit, da bekam ich einen Brief aus Amerika, von einem Mr Prendergast, er stellte sich vor als Ex Schiffsdetektiv auf der Atlantikroute, doch diese Beschäftigung gehört nun der Vergangenheit an, ich habe geheiratet und bin so Besitzer nicht nur eines Schloßes in Kalifornien geworden, sondern auch einiger Dollarmillionen, ein Teil dieses Vermögens will ich dazu benutzen, mir einen lange gehegten Wunsch zu erfüllen, sie kennen Prof van Dusen, die Denkmaschine, sie haben wie ich mit ihm zutun gehabt und ich bin sicher daß sie wie ich sich nichts schöneres vorstellen können als den großen Kriminologen einmal so richtig aufs Glatteis zu führen, sollten sie dem zustimmen und bereit sein, mir dabei zu helfen, so lassen sie es mich kurz wissen, ich werde ich ihnen dann die notwendigen Mittel für eine Reise nach San Francisco zukommen lassen, wo wir alles nähere besprechen werden und verbleibe. Ich bin nach San Francisco gefahren, nicht um sie aufs Glatteis zu führen.
vanDusen: Das höre ich mit Freuden Madame.
Maigret: Ich hatte gerade nichts besseres vor und ich war neugierig, ich wollte erfahren, was dieser Prendergast gegen sie ausheckte, um sie notfalls zu warnen, vor einer Woche bin ich in San Francisco angekommen, ich stieg weisungsgemäß im Farmont Hotel ab und hier traf ich am nächsten Abend Prendergast und die anderen fünf, Gallimard, Möllhausen, Smiley, Caruso und Holmes.
Prendergast: Leider hatten einige ihrer Kollegen mit denen ich ebenfalls in Kontakt trat, keine Zeit oder kein Interesse, Inspector Boggles aus Singapur etwa, Sheriff Burp, Superintendent Boomer, Sam Steel von den Mounties, Kommissar Bidet, Kriminalpolizeioberrat van Blümchen, die Inspectoren Lecoq und Poubelle etc etc, nun wir sind 7, 7 Detektive, eine durchaus hinreichende, eine sinnvolle Zahl für eine anti van Dusen Koalition.
Gallimard: Sie reden zu viel, Monsieur Prendergast, auf marsch marsch, das ist mein Motto.
Möllhausen: Immer feste druff, wie seine kaiserliche Majestät so feinsinnig zu bemerken pflegen.
Maigret: Aber Monsieur.
Smiley: Kurz, was haben sie uns vorzuschlagen, Prendergast.
Prendergast: Hören sie zu, Madame, meine Herren, am 2. März hat der Prof Geburtstag, den 60, wir locken ihn in meine Burg.
Holmes: Auf welche Weise. Ja wie denn.
Prendergast: Warten sie nur ab meine Herren und wenn er erstmal dort ist dann haha.
Maigret: Dann sollte ihnen Prof ein kriminologische Schauerstück vorgespielt werden, wir alle würden ermordet, auf möglichst bizarre Art und Weise, einer nach dem anderen, wie im Lied von den zehn kleinen Negerlein, wissen sie.
vanDusen: Nein ich weiß es nicht, Madame, volkstümliche Lyrik gehört nicht zu meinen vorrangigen Interessen.
Hatch: Das Lied geht so, Prof, zehn kleine Negerlein, die gingen mal ins Heu.
vanDusen: Schweigen Sie Hatch und sie Madame haben die Güte fortzufahren.
Maigret: Angesichts der mysteriösen Morde wären sie Prof völlig rat- und hilflos, meinte Predergast.
vanDusen: Meinte er, soso.
Maigret: Und schließlich würden wir alle aus unserem Versteck auftauchen, lebendig natürlich und sie auslachen, so wars geplant.
vanDusen: Doch es kam anders, aus dem albernen Spiel wurde tödlicher Ernst, Smiley, Möllhausen und Gallimard sind tot, wir drei befinden uns in größter Gefahr.
Hatch: Und was ist mit Caruso und mit Sherlock Holmes.
vanDusen: Das ist im Augenblick nicht von Belang, sie erwähnten, Madame, der angebliche Prendergast habe mit heiserer Stimme gesprochen.
Maigret: Fast tonlos, er sei erkältet, hat er behauptet.
vanDusen: Aha, der Fall ist klar.
Maigret: Sie wissen Bescheid, Prof.
vanDusen: Ja Madame.
Maigret: Sie kennen den wirklichen Hintermann.
vanDusen: Nur daß es nicht um einen Hintermann handelt, vielmehr verzeihen sie das ungelenke Wortspiel, um eine Hinterfrau, unser Gegner ist das Phantom.
Prendergast: Das Phantom, alias Mr Prendergast, alias Mrs Prendergast, bravo Prof.
Hatch: Das Phantom, die größte Verbrecherin unserer Zeit, die alles maskieren und verbergen konnte, ihr Geschlecht, ihr Aussehen, ihren Charakter, viermal hatte sie mit van Dusen die Klingen gekreuzt, in Biarritz und Berlin, am schwarzen Meer und in Kairo, viermal war sie entlarvt und besiegt worden.
Prendergast: Bravo Prof, brillant wie immer, leider zu spät, sie haben mich nicht erkannt, sie konnten mich nicht erkennen, ich hab mir ein neues Gesicht schneidern lassen, übrigens durch ihren Bruder Tiberius, jetzt sitzen sie da wo ich sie seit unserem ersten Zusammentreffen haben wollte, in der Fall, in spätestens eine halben Stunde werden die Wasser über ihrem genialen Schädel zusammenschlagen und mit ihn müssen neben Mr Hatch natürlich 6 kleinere kriminologische Lichter dran glauben, 7 wenn ich den guten Prendergast mitzähle, den ich schon vor Monaten aus dem Weg geräumt habe, damit er meinen wunderschönen Plan nicht stört, daß sie zusammen mit Madame Maigret aus der Welt scheiden, Prof, das freut mich ganz besonders, denn mit dieser Dame habe ich, sie wissen es, ein spezielles Hühnchen zu rupfen wegen der Affäre um die Rose von Kairo, genug geplaudert, Brimstone.
Butler: Chefin.
Prendergast: Du bleibst in der Nähe, guckst ab und zu über den Rand, und wenn sie am ersaufen sind, rufst du mich, das Schauspiel will ich mir nicht entgehen lassen, hahaha.
Hatch: Der Fall war klar aber hoffnungslos, Madame Maigret stand das Wasser an den Schultern, mir an den Achselhöhlen, dem Prof reichte es sogar schon bis ans Kinn, aber er verlor weder Mut noch Kombinationsgabe, er hatte eine Idee.
vanDusen: Helfen sie mir ihre Schulter zu erklimmen, mein lieber Hatch.
Hatch: Wenn sie ihr Leben dadurch ein bißchen verlängern wollen Prof.
vanDusen: Unsinn, nun heben sie mich schon hoch und richten sie den Strahl ihrer Lampe auf diese Stelle hier, sie sehen, ein kreisrundes Stück Mauerwerk, dessen Färbung sich auf eklatante Weise von seiner Umgebung abhebt, so stehen sie doch still Hatch.
Hatch: Nicht gerade ein Leichtgewicht, der Prof, erstaunlich, wo er doch so klein ist, wahrscheinlich der Kopf.
vanDusen: Wenn ich an diesem in die Mauer eingelassenen Haken drehe.
Maigret: Eine Tür.
vanDusen: Ja eine Geheimtür, hinter welcher sich ein Geheimgang erstreckt, in jeder Burg welche auf sich hält pflegen sich derartige bauliche Besonderheiten zu finden, wo bleiben ihre Manieren Hatch.
Hatch: Bitte.
vanDusen: Seien sie Madame Maigret behilflich.
Hatch: Der enge Gang führte schräg nach oben und endete in einem finsteren Kellerraum, wir krochen aus dem Loch im Boden, schüttelten uns und sahen uns um, zum Glück hatte die Lampe noch immer nicht den Geist aufgegeben.
Maigret: Wo sind wir Prof.
vanDusen: Nun vergegenwärtigen wir uns den Ausgangspunkt unseres Fluchtwegs, sodann den Neigungswinkel und die Länge der zurück gelegten Stecke, setzen wir dies alles ins rechte trigonometrische Verhältnis, eine höchst simple mathematische Operation.
Hatch: 2 plus 2 ist 4.
vanDusen: So stellen wir fest, wir befinden uns in der Nordwestecke der Burg, das heißt unter dem Rundturm, welchen wir meine ich durchaus Burg- oder Bergfried nennen dürfen, auch wenn er sich nicht in der Mitte, sondern am Rande der Anlage erhebt.
Caruso: Ah.
Maigret: Was ist das.
Hatch: Vorsicht, vielleicht spukt hier doch ein Burggespenst herum.
Maigret: Das kommt aus diesem Nebenraum, mondieu, kommen sie schnell, meine Herren.
Hatch: An der Wand hingen Ketten, in einer Ecke hockte ein staubgraues Gerippe, und auf dem Boden lag Detektiv Caruso von der New Yorker Kriminalpolizei in den letzten Zügen.
Caruso: Gestoßen und gestürzt durch eine Falltür, ich machs nicht mehr lange, Mr Hatch.
Hatch: Ja Caruso.
Caruso: Schreiben sie mir einen Nachruf.
Hatch: Ja Caruso sobald ich hier raus bin.
Caruso: Aber einen schönen, ohne ihr Spitzen und ohne ohne Ironie, bitte.
Hatch: Ich versprech es Ihnen, Caruso.
Caruso: Danke danke Mr Hatch, ach.
vanDusen: Er ist tot.
Butler: Hierher, Chefin, hier sind sie.
Maigret: Hier ist eine Treppe, schnell meine Herren, nach oben.
Hatch: In Windeseile kletterten wir aus dem Keller in den Turm, 10 Stockwerke mindestens, die Treppe wurde schmaler, steiler und hörte dann ganz auf, unter einer Falltür, wir quälten uns durch und schoben innen den Riegel vor, wir waren im obersten Stockwerk in einer Art Rumpelkammer oder besser in einem kleinen Museum ala Glastonbury, altmodische Möbel standen herum, eine Ritterrüstung, und in den Ecken lagen mittelalterliche Waffen, eine Leiter führte durch eine zweite Falltür in der Decke aufs Dach, viel Zeit zum Luftholen hatten wir nicht, auf Anordnung des Prof verrammelten Madame Maigret und ich die Klappe mit allem, was sich im Zimmer fand, Schränke, Kommoden, Stühle, ein Tisch.
vanDusen: Auch die Rüstung mein lieber Hatch.
Hatch: Ayai Sir, ist die schwer.
Holmes: Seien sie so freundlich Mr Hatch die Hände von meiner Person zu lassen.
Hatch: Da steckt ja einer drin.
vanDusen: In der Tat, Mr Sherlock Holmes, wenn ich nicht irre, sie haben sich in dies ungewöhnliche Versteck geflüchtet.
Holmes: Geflüchtet, ich muß doch sehr bitten, eine vorläufige strategische Absatz-bewegung.
vanDusen: Wenn sie es so bezeichnen wollen, Mr Holmes, entsteigen Sie nun gefälligst ihrem Harnisch, gehen sie Mr Hatch zu Hand.
Holmes: Ich verbitte mir diesen Ton, Prof, Sherlock Holmes nimmt von keinem Mensch Befehle entgegen und von ihnen schon gar nicht.
vanDusen: Wie sie wünschen Mr Holmes, es steht ihnen frei, dies Domizil zu verlassen.
Holmes: Ich denke nicht daran, ich war zu erst hier.
Butler: Die Tür ist zu Chefin.
Prendergast: Dann brich sie auf, du Idiot.
Butler: In Ordnung Chefin, es geht nicht Chefin.
Prendergast: Hören Sie Prof.
vanDusen: Madame.
Prendergast: Sie haben sich verbarrikadiert, aber das wird ihnen nichts nützen, ich werde warten, bis sie aufgeben oder verhungert sind oder sich vom Dach in den Abgrund stürzen, eine andere Wahl haben sie nicht.
vanDusen: Glauben Sie, Madame Maigret, sie haben, wie ich sehe, noch immer ihre Handtasche bei sich.
Maigret: Davon trenne ich mich nie Prof.
vanDusen: Ich vermute daß sich in der Tasche unter anderem Nadel und Faden kurz alle zum Nähen benötigten Utensilien befinden.
Maigret: Ja Prof aber.
vanDusen: Sehen sie dies hier.
Maigret: Die Fenstervorhänge, ziemlich schmutzig.
vanDusen: Aber aus reiner fester Seide.
Maigret: Ah sie denken.
vanDusen: An Leonardo da Vinci.
Hatch: Leonardo da Vinci, also jetzt versteh ich gar nichts mehr.
vanDusen: Das macht nichts, helfen sie Madame beim Zuschneiden und Nähen, sie ebenfalls, Mr Holmes, sofern sie es nicht vorziehen, allein hier zurückzubleiben.
Hatch: Die Nadeln qualmten, die Finger taten uns weh, wir nähten wie wild gewordene Putzmacherinnen und das war gut so, gerade als wir fertig waren, verlor das Phantom die Geduld.
Prendergast: Das dauert mir zu lange, Brimstone.
Butler: Chefin.
Prendergast: Lauf runter zur Pulverkammer im Erdgeschoß, hol eine Stange Dynamit, wir werden die Klappe aufsprengen.
Butler: Jawohl Chefin.
vanDusen: Die Pulverkammer im Erdgeschoß richtig, ich habe sie bei unserer eiligen Passage flüchtig zur Kenntnis genommen, ausgezeichnet, das was es uns zugedacht hat, werden wir dem Phantom zurückerstatten, mit Zins und Zinseszins, wir werden dafür sorgen, daß diese Massenmörderin die gerechte Strafe für ihre zahllosen Untaten erhält und daß sie keine Gelegenheit haben wird, weitere abscheuliche Verbrechen zu begehen, Madame Maigret, meine Herren, wer von ihnen ist der treffsicherste Schütze.
Hatch: Also mich können sie streichen Prof.
Holmes: Ich Prof.
Maigret: Nichts gegen sie, Mr Holmes, aber sehen sich doch ihre Finger an, die zittern ja, ich habe eine ruhigere Hand Prof.
vanDusen: Ich stimme ihnen zu, Madame, glauben sie, daß sie mit einer Armbrust umzugehen im Stande sind.
Maigret: Viv Professeur…
vanDusen: Tre bien Madame, mein lieber Hatch, ich gehe wohl nicht fehl in der Annahme, daß sie Zündhölzer bei sich tragen.
Hatch: Hab ich, Prof, ah schon wieder trocken.
vanDusen: Sehr schön, hören sie zu.
Hatch: Zehn Minuten später standen wir vier auf des Turmes Zinnen, die eigenhändig genähten Fallschirme aus roter Vorhangseide auf dem Rucken und spähten in die Tiefe, 50 m Turm und dann runde 300m steiler Felsen, schöne Aussichten, ich fühlte mich wie damals in Athen auf dem Hochseil nur womöglich noch schlimmer.
vanDusen: Wiederholen sie ihre Instruktionen Madame Maigret.
Maigret: Ich entzünde die Lunte, den mit der brennenden Lunte versehenen Armbrustbolzen werde ich beim Vorüberschweben in das von ihnen bezeichnete Fenster im Erdgeschoß schießen.
vanDusen: Exzellent Madame, und nun springen.
Maigret: Vive la France.
Holmes: God save the King.
vanDusen: 2 plus 2 gibt 4.
Hatch: Ach du dicker Pater.
Hatch: Madame schoß ins Fenster der Pulverkammer, das nehm ich jedenfalls an, wie immer in solchen unangenehmen Situationen hatte ich die Augen fest zugedrückt, wir kamen unten an, eine mittelweiche Landung, würde ich sagen, wir standen auf, rissen die Fallschirme runter und rannten so schnell wir konnten ins Gelände, weg von der Burg, die Pulverkammer flog in die Luft, wir blieben stehen und sah uns um, Feuer breitete sich aus, der Turm schwankte, in einer Fensteröffnung tauchte das Phantom auf, von Flammen eingehüllt, dann verschwand es, der Turm stürzte ein, die ganze Burg war ein Trümmerhaufen.
vanDusen: Der Götter Ende dämmert nun auf, oder auch finis phantomae und diesmal ohne jeden Zweifel endgültig.
Holmes: Ein Automobil, ein Pierce-Arrow.
Hatch: Schöner Wagen, ich habe selber einen zuhause in New York.
Maigret: Das Automobil kommt näher.
Holmes: Es hält.
Futrelle: Prof van Dusen nehm ich an.
vanDusen: So ist es.
Futrelle: Happy birthday to you...
vanDusen: Nein bitte, danke danke mein bester, danke sie würden mir eine größere Freude machen wenn sie mich und meine Begleiter auf schnellstem Weg nach San Francisco brächten.
Futrelle: OK Prof steigen sie ein.
Hatch: Es war ein langer Weg zurück zur Küste, Sherlock Holmes schmollte, er mußte mit dem hinteren Klappsitz vorlieb nehmen, was ihm sehr mißfiel, unser Fahrer redete.
Futrelle: Seit gestern bin ich hinter ihnen her, Prof, ich hab sie von Raymond aus verfolgt und dann aus den Augen verloren.
Holmes: Unangenehme Situation.
Maigret: Geben Sie doch Ruhe Holmes.
Futrelle: Seitdem kreuze ich in den Bergen herum wenn das kein glücklicher Zufall ist
vanDusen: Jaja.
Futrelle: Ich will sie nämlich interviewen, zu ihrem Geburtstag, exklusiv.
Hatch: Ach, sie sind auch Journalist.
Futrelle: Bin ich, Futrelle ist mein Name, Jack Futrelle.
Hatch: Was, sie sind dieser Typ, der die Frechheit hat, mir ins Handwerk pfuschen und auch über den Professor zu schreiben.
Futrelle: Ja ich habe mir erlaubt, einige Fälle der Denkmaschine journalistisch aufzuarbeiten.
Hatch: Dann will ich ihnen mal was sagen Mr. Futrelle, in Zukunft lassen sie ihre Finger davon, Prof. van Dusen hat nur einen Chronisten und der heißt Hutchinson Hatch.
Futrelle: Aber Mr Hatch, der Prof. ist eine Figur des öffentlichen Lebens und die Öffentlichkeit hat ein Recht darauf von mir.
Hatch: Außerdem haben sie keine Ahnung, was sie zum Beispiel aus dem Gaslichtmord gemacht haben, das ist alles falsch, das stimmt doch hinten und vorne nicht, Prof, warum sagen sie denn nichts.
vanDusen: Weil ich dem verbalen Wettbewerb der Schreiberlinge lausche, mein lieber Hatch, mit Interesse und äh ich muß es gestehen mit einem gewissen Amüsement, Sie mein lieber Hatch sind mein Assistent, mein Begleiter, und vor allem diejenigen Abenteuer, welche uns auf unseren ausgedehnten Reisen zustießen, können und dürfen nur sie adäquat beschreiben, doch was meine übrigen Fälle betrifft, so steht es selbstverständlich auch Mr Futrelle frei, sich an ihnen zu versuchen, Prof. DrDrDr Augustus van Dusen ist ein zu großes Thema für nur einen Biografen, möge der bessere gewinnen.
Professor van Dusen: Friedrich W. Bauschulte
Hutchinson Hatch: Klaus Herm
Mrs. Prendergast: Liane Rudolph
Mr. Prendergast: Liane Rudolph
Madame Maigret: Evamaria Miner
Shemlock Homes: Lothar Blumhagen
Detective-Sergeant Caruso: Heinz Giese
Commissaire Gallimard: Gerd Duwner
Chefinspektor Smiley: Rolf Marnitz
Kommissar von Möllhausen: Edgar Ott
Butler Brimstone: Till Hagen
Jacques Futrelle: Wolfgang Condrus
Kommentar von vanDusen |
Michael Koser: Prof. van Dusen läßt die Sau raus (RIAS 1988)
Erzählerin: Prof. van Dusen ist bekanntlich ein abgeklärter Mensch, der über den Dingen des Alltags steht, doch wenn er mal so richtig geärgert wird, dann, hören Sie Prof. van Dusen läßt die Sau raus, von Michael Koser.
Hatch: Wir machten ein paar Tage Ferien, Prof. van Dusen und ich und die hatten wir auch dringend nötig, hinter uns lag eine anstrengende Automobiltour durch England und nicht zu vergessen die mindestens genau so anstrengende Affäre um den Siegelring des Königs Artus und um den geheimnisvollen schwarzen Ritter. Es war Sonnabend der 6. Juni 1903, wir saßen beim Frühstück, und fühlten uns wohl, es war rundherumschön.
Hatch: Herrliches Wetter Prof.
vanDusen: Mein lieber Hatch, obzwar sie sich seit nunmehr gut 5 Jahren der Ehre und des Vorzugs erfreuen dürfen, Umgang mit meiner Person zu pflegen, befleißigen sie sich wie ich zu meinem Bedauern immer wieder konstatieren muß weiterhin hartnäckig einer vagen durch und durch impräzisen und platterdings unwissenschaftlichen Ausdrucksweise.
Hatch: Aber Prof, ich habe doch bloß gesagt herrliches Wetter.
vanDusen: Ganz recht, und was hätten sie sagen sollen.
Hatch: Weiß ich doch nicht, ich bin schließlich kein Metero Meteo na ja so einer der das Wetter vorhersagt und dann wirds doch ganz anders.
vanDusen: Nicht nur ein Meteorologe, auch ein in wissenschaftlichen Belangen nicht gänzlich unaufgeschlossener Laie würde sich folgendermaßen ausdrücken, wir befinden uns im Wirkungsbereich eines sog. dynamischen oder auch warmen Hochdruckgebietes, durch welches aus subtropischen Breiten Warmluft in diese gewöhnlich vom Klima weniger begünstigen Lokalitäten herangeführt wird, der wolkenlose oder allenfalls.
Hatch: Little Bacon ist ein idyllisches Dörfchen in Mittelengland, nicht weit von der Stadt Worchester, wo sie die berühmte Soße machen, da gibt es eine Kirche aus dem Mittelalter, einen soliden Gasthof mit ländlicher Küche und gepflegtem Bier, romantische Fachwerkhäuser, Efeu, Heckenrosen, ein richtiges kleines Paradies, und wenn sie noch nicht in Little Bacon waren, meine Damen und Herren, dann gebe ich ihnen einen guten Rat, lassen sie es auch in Zukunft bleiben.
Baconsfield: Morgen die Herren, herrliches Wetter heute, was?
Hatch: Sie meinen ein dynamisches Hochdruckgebiet wodurch Warmluft aus den Subtropen.
vanDusen: Hatch, und was sie betrifft, Sir, ich habe sie nicht aufgefordert, an meinem Tisch platzzunehmen.
Baconsfield: Ach wissen Sie, Prof, was brauchts der Formen unter artverwandten Seelen, Milton oder Shakespeare egal, sie sind doch Prof van Dusen, dieser Superschnüffler aus Amerika.
vanDusen: Sir.
Hatch: Stehen Sie auf Fremder, gehen sie in sich und ziehen sie am besten auch gleich die Schuhe aus, sie befinden sich in Gegenwart von Prof Dr.Dr.Dr. Augustus van Dusen dem berühmten Wissenschaftler und großen Amateurkriminologen der da genannt wird die Denkmaschine und ich bin sein Prophet äh wollte sagen sein Assistent und Chronist Hatch, Hutchinson Hatch.
Wirt: Herr Prof wünschen.
vanDusen: Haben sie die Güte, Herr Wirt dieses, dieses Subjekt von meinem Tisch zu entfernen.
Wirt: Aber Herr Prof, das geht nicht, das ist doch Mr Alastair.
vanDusen: So und wer oder was ist Mr Alastair.
Hatch: Mr Alastair war ein drahtiges Kerlchen ungefähr so alt und so groß wie der Prof, außerdem war er der ehrenwerte Alastair Baconsfield, der jüngere Bruder von Lord Hogsford und Lord Hogsford war in der Gegend die absolute Nr. 1, seit Jahrhunderten saß er d.h. seine Familie auf Schloß Hogsford, nur ein paar Minuten von Little Bacon entfernt, ihm gehörte fast alles Land um uns herum, sein Wort war Gesetz und darum war natürlich auch sein Bruder eine Respektsperson.
vanDusen: Das ist mir ganz und gar gleichgültig Sir, für mich sind sie ein Flegel.
Baconsfield: Regen Sie sich ab Prof und lassen sie mich auch mal zu Wort kommen, ich hab was für sie, ein Angebot.
vanDusen: Ich wünsche es nicht zu hören.
Baconsfield: Ein kriminologisches Angebot, auf Schloß Hogsford ist nämlich was passiert, das Verbrechen des Jahrhunderts könnte man sagen.
vanDusen: In der Tat Mr Baconsfield, äußern sie sich genauer, aber knapp, wenn ich bitten darf, präzise.
Hatch: Und von Anfang an.
Baconsfield: Ja also es geht um die Marquise von Hogsford.
vanDusen: Ein Mitglied ihrer Familie Mr Baconsfield.
Baconsfield: Das denn nun doch nicht, allerdings wenn sie meinen Bruder Cecil fragen, die Marquise gehört ihm müssen sie wissen.
vanDusen: Wie darf ich das verstehen Mr Baconsfield.
Baconsfield: Sie ist eine Sau, die Marquise.
vanDusen: Wie bitte.
Baconsfield: Ein Schwein, na kennen sie doch Prof, so ein dickes fettes Tier das grunzt und sich im Dreck suhlt.
vanDusen: Ja ich weiß was ein Schwein ist, Mr Baconsfield.
Baconsfield: Na wunderbar, dann wirds ihnen ja nicht schwer fallen die Marquise zu finden, sie ist nämlich verschwunden, aus ihrem Stall, wahrscheinlich geklaut von unserem Nachbar Sir Pelham Grenville auf Woodhouse.
vanDusen: Mr Baconsfield.
Baconsfield: Die Marquis ist der Augapfel meines Bruders, wissen Sie, eine Berkshiresau, edelste Rasse, schon dreimal hat sie den großen Preis auf der Landwirtschaftsausstellung gewonnen in Worcester und in diesem Sommer holt sie den Preis zum vierten Mal, deshalb ist ja Sir Pelham so sauer weil für sein Vieh immer nur der zweite Platz bleibt.
vanDusen: Mr Baconsfield, gehe ich fehl in der Annahme, daß sie mir zumuten, den unbekannten Aufenthaltsort eines verschwundenen womöglich entwendeten Hausschweins, sus scrofa domesticus zu eruieren.
Baconsfield: Spucken Sie doch nicht so große Töne Prof, sie sollen rauskriegen, wo die Marquise steckt und was mit ihr passiert ist, so was ist doch ihr Job wie sie da drüben in Amerika sagen oder.
vanDusen: Entfernen sie sich Sir, auf der Stelle.
Baconsfield: Ist das ihr Ernst.
vanDusen: Mein voller Ernst, das versichere ich ihnen, hinaus.
Baconsfield: Alright, aber ich sag ihnen was, wir sprechen uns wieder, und zwar bald, wissen sie die Menschen hier sind ein besonderer Schlag, kernig, ein bißchen schlicht, aber treu, und auf den Adel lassen sie nichts kommen und sie finden es gar nicht schön, wenn man seiner Lordschaft in die Suppe spuckt, das werden sie noch merken Prof.
vanDusen: Ein besonderer Menschenschlag, wie wahr, vor einer halben Stunde belästigt mich der hiesige Krämer mit dem Ansinnen einen des Nachts stattgehabten Einbruchs Diebstahl in seinem Laden aufzuklären, einen Einbruchdiebstahl bei welchem gestohlen worden sein soll, was wars noch gleich.
Hatch: Ein großer schwarzer Luftballon und ein Eimer mit Farbe.
vanDusen: Und nachdem ich dieser, ich kann es nicht anders ausdrücken unverfrorenen Dreistigkeit die gebührende Abfuhr habe zu teil werden lassen, wagt man es mir, eine noch wahnwitzige Anmutung zu unterbreiten, ich Prof van Dusen der größte Amateurkriminologe, den die Welt je gesehen hat, ich soll eine abhanden gekommene Sau wieder zur Stelle schaffen, in der Tat, in dieser rustikalen Abgeschiedenheit scheinen Degeneration, Debilität, Idiotie, kurz der blanke Schwachsinn zu grassieren, wir reisen ab, gleich morgen.
Wirt: Tut mir leid Herr Prof, aber sie reisen heute noch, sofort, ihr Gepäck steht schon auf der Straße, hier ist die Rechnung.
Hatch: Wir wurden vor die Tür gesetzt, kurz aber nicht schmerzlos und ohne Begründung von ein paar kräftigen Hausknechten, telefonieren durften wir übrigens auch nicht.
Wirt: Nur wenn sie auf Schloß Hogsford anrufen und mit Mr Alister sprechen wollen, nein, dann machen sie daß sie weiterkommen.
Hatch: Wir wanderten zum kleinen Bahnhof von Litte Bacon, finster beäugt von den Dorfbewohnern, sauer und schwer bepackt, letzteres bezog sich natürlich nur auf meine Wenigkeit, auf dem Bahnsteig erfuhren wir eine neue Hiobsbotschaft.
Bahnhofsvorstand: Der nächste Zug, keine Ahnung, vielleicht morgen, vielleicht übermorgen, vielleicht in einem Monat, vielleicht noch später, eine unvorhergesehene Fahrplanänderung, bis auf weiteres hält kein Zug in Little Bacon.
Hatch: Schöne Bescherung, wie sollen wir denn wegkommen.
vanDusen: Lassen sie das Lamentieren, tun sie etwas, mieten sie uns einen Wagen.
Bahnhofsvorstand: Ein Automobil, im Dorf gibts keins, nur auf Schloß Hogsford.
vanDusen: Dann von mir aus auch ein Pferdefuhrwerk.
Bahnhofsvorstand: Zwecklos keiner wird sie fahren.
Hatch: Ok gehen wir eben zu Fuß.
Bahnhofsvorstand: Können sie ja gern versuchen, aber ich würds nicht tun an ihrer Stelle, auf den Wiesen wimmelt es von wilden Bullen.
Hatch: Da standen wir nun und sahen uns an und ich hatte das Gefühl, auch Prof van Dusen wußte nicht, wie es weitergehen sollte, aber da hatte ich ihn unterschätzt.
vanDusen: Hören sie.
Hatch: Ja ein Zug, was solls, der fährt ja doch durch.
vanDusen: Nicht wenn sie sich quer über die Schienen legen.
Hatch: Was.
vanDusen: In diesem Falle sehe sich der Zugführer zum Halten genötigt, wir könnten zusteigen.
Hatch: Schwierig mit abgefahrenen Beinen.
vanDusen: Sie haben Bedenken.
Hatch: Das können sie laut sagen, zufällig ist mir heute gar nicht nach Selbstmord, wissen sie was, statt mit lebensgefährlichen Ideen zu jonglieren, sollten sie lieber diesen ulkigen Schweinefall lösen, das ist doch für sie ein Klacks und dann sehen wir zu, daß wir von hier verschwinden.
Baconsfield: Sehr gut Mr Hatch nicht wahr, und sie Prof inzwischen auch vernünftig geworden.
vanDusen: Angesichts der empörenden ja unglaublichen Verfolgungen und Beeinträchtigungen welchen wir meine Person und Mr Hatch uns ausgesetzt sehen, auf ihre Veranlassung Mr Baconsfield, daran kann ja wohl kein Zweifel bestehen, angesichts dieser Situation bleibt mir keine Wahl, ich übernehme den Fall.
Baconsfield: Na bitte Prof, nur ein bißchen gut zureden und schon klappt die Sache, Fahrplan wieder in Kraft, Kidney.
Bahnhofsvorstand: In Ordnung, Mr Alastair.
Baconsfield: Kommen Sie, meine Herren, mein Automobil steht auf dem Vorplatz, ihr Gepäck lassen sie am besten hier, in 5 Minuten sind wir im Schloß, gerade richtig zum Lunch.
Hatch: Lunch im Speisesaal von Schloß Hogsford war eine trübselige Angelegenheit, nicht nur was das Essen betraf, Cecil Baconsfield, Lord Hogsford, Schloßherr und Gastgeber, tränte vor sich hin, vermutlich sorgte er sich um sein geliebtes Borstenvieh, ein bißchen munterer wurde er nur, wenn die Rede auf Schweine kam zB als Bruder Alastair ihm den Professor vorstellte.
Lord: Zoologe ja.
vanDusen: Unter anderem Milord.
Lord: Großartig, verstehen Sie was von Schweinen.
vanDusen: In der Tat Milord.
Lord: Großartig, großartig, dann müssen sie sich meine Marquise ansehen, Prof, wundervolles Geschöpf, ganz wundervoll, nur leider momentan nicht da, sozusagen verschwunden, jawoll, traurige Sache.
vanDusen: So scheint es Milord.
Lord: Sie kennen Mr Whiffle, Prof, Augustus Whiffle, unseren großen britischen Schweineexperten.
vanDusen: Selbstverständlich ist Mr Whiffle Ruf mir bekannt, Milord, allerdings hatte ich noch nicht das Vergnügen.
Lord: Können Sie nachholen, auf der Stelle, hier sitzt er, direkt neben ihnen.
Hatch: Der große britische Schweinepapst mit dem interessanten Vornamen Augustus sah aus, als habe sein Spezialgebiet sehr intensiv auf ihn abgefärbt, fett, rund, rosa, borstig, außer ihm gab es noch 2 Gäste auf Schloß Hogsford.
Baconsfield: Mr Osgood P. Quackenbush, Millionär und ein Landsmann von ihnen.
vanDusen: Mr Quackenbush ist mir nicht unbekannt.
Hatch: Mir übrigens auch nicht, zweimal waren wir uns über den Weg gelaufen, in NewYork während der Affäre um das Auge des Zyklopen und erst vor ein paar Tagen im englischen Glastonbury beim Fall des unheimlichen Schwarzen Ritters, in dieser Sache hatte Quackenbush eine recht zwielichtige Rolle gespielt, vielleicht wirkte er deshalb wie das personifizierte schlechte Gewissen.
Baconsfield: Dann kennen Sie wohl auch seine reizende Tochter, Ms Iris Quackenbush.
Iris: Das hat sich bisher leider nicht ergeben, aber ich habe natürlich von ihnen gehört, Prof.
vanDusen: Wer hätte das nicht, Ms Quackenbush.
Baconsfield: Und der junge Mann an Ms Quackenbush Seite, ja der mit dem Monokel und dem eingeschlafenen Gesichtsausdruck, das ist mein Neffe, Cecils Sohn und Erbe, der ehrenwerte Ronald Baconsfield.
Ronny: Ronny, sagen Sie Ronny Prof, alle sagen Ronny.
Hatch: Van Dusen sagte nicht Ronny zu ihm, er sagte überhaupt nichts zu ihm, sondern unterhielt sich mit seinem schweinekundigen Nachbarn.
vanDusen: Wenn ich recht informiert bin, Mr Whiffle, empfehlen sie in ihrem Werk über die sachgerechte Aufzucht des Hausschweins die nicht unumstrittene Wolf-Lehmann-Kolimowski Diät.
Whiffle: Koli waas.
Lord: Großartige Diät, ganz großartig, gibt nichts besseres, was Whiffle.
Whiffle: Gewiß Milord, prima Diät, die Schweine nehmen ab wie ein geölter Blitz.
vanDusen: Sie nehmen ab?
Lord: Kleiner Scherz, was Whiffle, sie nehmen zu, dick und fett werden sie, wie meine Marquise, ach ja, die arme Marquise.
Whiffle: Natürlich, natürlich, sie nehmen zu.
Lord: Müssen sie ja auch, bei 50000 Kalorien.
vanDusen: Mrs Quackenbush, hätten sie wohl die Güte, mir das Salzfaß zu reichen.
Iris: Sicher Prof, wo, ah hier.
vanDusen: Das ist ihre Fingerschale, Mrs Quackenbush.
Quackenbush: Wie oft hab ichs dir schon gesagt, Iris, du brauchst eine Brille.
Hatch: Nach dem Lunch wanderten wir durch den Garten zum Schweinestall, es wurde langsam Zeit, den geheimnisvollen Fall der verschwundenen Marquise in Angriff zu nehmen und das tat der Prof denn auch, er verhörte den Schweinewart seiner Lordschaft.
vanDusen: Wann ist das ihrer Wartung anvertraute Tier verschwunden.
Wart: Jo, weiß ich nicht.
vanDusen: Dann lassen sie mich die Frage anders formulieren, wann und wo haben sie die Sau zuletzt gesehen.
Wart: Ja gestern beim Mittagessen, hier, dann bin ich eingeschlafen ja und wie ich aufgewacht bin, war sie weg die Marquise, ja.
Hatch: Wann war das.
Wart: Was.
vanDusen: Wann sind sie aufgewacht.
Wart: Gegen 5.
vanDusen: So, und pflegen sie jeden Tag einen so ausgedehnten Mittagschlaf zu halten.
Wart: Nö nie.
vanDusen: Und gestern.
Wart: Kann ich mir nicht erklären.
vanDusen: Hatten sie getrunken.
Wart: Ne, nur mein Dünnbier, wie immer, können sie die junge Dame aus Amerika fragen, die hat es mir nämlich gebracht, gestern, aus der Küche.
vanDusen: Mrs Quackenbush.
Wart: So heißt sie.
Quackenbush: Prof, hallo Prof.
vanDusen: Mr Quackenbush.
Hatch: Mr Quackenbush steckte hinter einer Hecke und winkte heftig, weil er unbedingt und sofort mit van Dusen sprechen wollte.
Quackenbush: Ich weiß Bescheid, Prof sie sind doch nicht als Zoologe auf Schloß Hogsford, so was können sie dem vertrottelten Lord erzählen oder seinem noch dämlicherem Sohn, also sie sind hier als Detektiv.
Quackenbush: Wie sie wollen Prof, jedenfalls sollen sie rauskriegen, wer sich an dieser gottverdammten Sau vergriffen hat.
vanDusen: Durchaus möglich, Mr Quackenbush.
Quackenbush: Ich weiß, was sie können Prof, ich hab ihnen schon zweimal zugesehen und darum will ich lieber gleich reinen Tisch machen.
vanDusen: Ja Mr Quackenbush.
Quackenbush: Also ich wars, ja ich hab das Unglücksvieh aus dem Stall geholt.
vanDusen: Sie setzen mich in Erstaunen, Mr Quackenbush.
Quackenbush: Ich hatte es nicht geplant, glauben Sie mir, aber als ich gestern hier vorbeikam, auf meinem üblichen Spaziergang nach dem Lunch.
vanDusen: Gestern, wann genau.
Quackenbush: Kurz vor zwei würde ich sagen, die Sonne schien, alles war still, dieser Kerl der Schweinewart schnarchte in seinem Schuppen und ja da hab ich einfach die Tür im Gatter aufgemacht und das Schwein rausgescheucht mit meinem Spazierstock.
Hatch: Nur so aus Jux und Dollerei, oder hatten sie einen bestimmten Grund.
Quackenbush: Natürlich hatte ich einen Grund, meine Tochter Iris hat sich verliebt, in Ronny Baconsfield, ja sie will ihn heiraten, das paßt mir gar nicht, gar nicht, sie haben Ronny ja kennengelernt, degeneriert, dumm wie Bohnenstroh, aber Iris besteht darauf, und wenn sie sich mal was in den Kopf setzt.
Hatch: Kann Daddy nicht nein sagen.
Quackenbush: So ist es, Mr Hatch, leider.
Hatch: Soweit alles klar, ich verstehe bloß nicht was Lord Hogsford Sau mit der Sache zu tun hat.
Quackenbush: Sehen Sie, ich kenne Lord Hogsford seit Jahren und ich weiß immer wenn was mit seinem geliebten Tier was nicht stimmt, ist er völlig daneben, übermorgen reisen wir ab, Iris und ich, und wenn die Marquise solange verschwunden bleibt, also hab ich mir gedacht, wird der Lord nicht ansprechbar sein, auch nicht für Ronny und seine Heiratspläne.
vanDusen: Ah ich verstehe, Mr Quackenbush, wo befindet sich die Marquise.
Quackenbush: Da drüben im Wäldchen, ich hab sie mit dem Stock hingetrieben und in eine leerstehende Holzfällerhütte gesperrt.
Hatch: Fall schon gelöst, so sah es aus. Als Quackenbush uns eine viertel Stunde später die Tür zur Hütte aufmachte, erlebten wir eine Überraschung.
Quackenbush: Leer, das Schwein ist weg.
Hatch: Aber es hat was hinterlassen, auf dem Boden, das heißt, es war da.
vanDusen: Jedoch nur sehr kurze Zeit, mein lieber Hatch, ansonsten wäre die von ihnen konstatierte Hinterlassenschaft wesentlich umfangreicher, Moment, was ist denn das hier.
Hatch: Ein Monokel, sagen sie mal, Quackenbush, die Marquise hat doch wohl kein Monokel getragen.
Quackenbush: Unsinn, es gibt nur einen auf Schloß Hogsford, der mit so einem Stück Glas im Auge rumläuft, der ehrenwerte Ronny, ja, den sollten sie sich mal vorknöpfen Prof.
Hatch: Auf seinem Zimmer im Schloß nahm van Dusen den edlen Sproß aus blauem britischem Blut ins Gebet, der versuchte zuerst, sich noch dümmer zu stellen, als er schon war, aber damit kam er beim Prof natürlich nicht weit, bald fing er an zu beichten.
Ronny: Es war Iris Idee, Prof, bestimmt, ich wär nie auf so was gekommen.
Hatch: Glaub ich ihnen unbesehen.
VanDusen: Hatch, weiter Mr Baconsfield.
Ronny: Wir klauen Papas Sau, hat Iris gesagt, wir verstecken sie ein zwei Tage ja und dann finden wir sie, hat Iris gesagt, und bringen sie Papa zurück, der ist selig, hat Iris gesagt und wenn ich ihm klarmache, daß Iris mich heiraten will, ich meine daß ich Iris daß wir.
vanDusen: Schon gut, um ihren Plan ungestört durchführen zu können, haben sie gestern ein Schlafmittel in das mittägliche Dünnbier des Schweinewarts praktiziert.
Ronny: Ich nicht Prof, das war Iris, deshalb hat sie ihm es ja gebracht das Bier, ja und wie wir uns zum Stall schleichen, so eine Stunde später, wen sehn wir da.
vanDusen: Mr Quackenbush.
Ronny: Genau, Prof, Iris alten Herrn, woher wissen sie.
vanDusen: Die Quelle meiner Erkenntnis ist im Augenblick ohne jeden Belag, Mr Baconsfield, fahren sie fort.
Ronny: Stellen Sie sich vor, der alte Quackenbush holt Papas Marquise aus den Stall und treibt sie weg.
vanDusen: In einen nahen Wald zu einer Hütte.
Ronny: Genau, und wie er weg ist der alte.
vanDusen: Haben Sie das Schwein anderswo hingebracht.
Ronny: In einer Schubkarre, schweres Stück Arbeit, gottseidank ist sie nicht weit weg, die Villa Waldeslust.
vanDusen: Villa Waldeslust.
Ronny: Ja, die hatten wir uns ausgeguckt, als Versteck für die Marquise, weil sie leersteht, die Villa, sie gehört nämlich dem alten Admiral Malenspeik und der segelt gerade in der Nordsee, oder wars die Ostsee.
vanDusen: Sie verbargen also das Schwein in der Villa Waldeslust.
Ronny: Im Bad, und wenn sie es ganz genau wissen wollen, in der Badewanne, sicherheitshalber.
vanDusen: Worauf sie wie ich annehme ins Schloß zurückkehrten.
Ronny: Ja Prof und da war der Teufel los, Papa hat inzwischen spitzgekriegt, daß die Marquise weg war, er hat getobt wie, wie tausend nackte Kannibalen, da wollte ich lieber nicht mehr mitmachen und Iris hat auch getobt und gesagt, ich soll mich schämen und sie zieht die Sache alleine durch, Iris hat ihren eigenen Kopf wissen Sie.
Hatch: Ja und sie sind ein richtiger Held, tapfer, furchtlos wagemutig.
Ronny: Finden Sie, Mr Hatch.
vanDusen: Holen Sie Hut und Stock, Mr Baconsfield, führen sie mich zu Villa Waldeslust.
Ronny: Wenn sie wollen Prof gern, aber es hat keinen Zweck, das Schwein ist nicht mehr da.
vanDusen: Was sie nicht sagen, und wo ist die Sau.
Ronny: Keinen Schimmer, Prof, großes Ehrenwort, da müssen sie schon Iris fragen, die ist nämlich heute ganz früh zur Villa, praktisch zu nachtschlafender Zeit, um die Marquise zu füttern und als sie zurückkam war sie ganz durcheinander, eine unglaubliche Geschichte hat sie erzählt.
Hatch: Und die erzählte sie van Dusen gleich nochmal, ich mußte dem ehrenwerten Ronny recht geben, es war wirklich eine ganz und gar unglaubliche Geschichte, am frühen Morgen kurz vor 6 war Iris Quackenbush zur Villa Waldeslust geschlichen mit einem Eimer gekochter Kartoffeln, die sie in der Schloßküche organisiert hatte, sie hatte die Haustür geöffnet, war über den Korridor gegangen, hatte die Tür zum Bad aufgemacht und das Schwein.
Iris: Lag ganz ruhig in der Wanne, ich denke, es schlief noch, als ich dann die Kartoffeln reinschüttete, wurde es wach, es fing an sich zu bewegen, grunzte ein bißchen, alles in Ordnung, und wie ich gerade vorsichtig die Haustür aufmache höre ich was, im Bad, ein lautes Geräusch, eine Art Knall, ich sofort zurück ins Bad, und was soll ich ihnen sagen Prof, das Schwein war verschwunden.
vanDusen: In der Tat Mrs Quackenbush.
Iris: Die Wanne war leer, bis auf die Kartoffeln und den Dreck natürlich, das ganze Bad war leer, nirgends ein Schwein.
vanDusen: Fenster, Mrs Quackenbush.
Iris: Eins, Prof, ca 20 mal 30 cm, unmöglich und durch die Tür ist auch kein Schwein gekommen, ich war ja direkt davor, im Korridor.
vanDusen: Sie hörten einen Knall, Mrs Quackenbush, sind sie sicher.
Iris: Ja Prof, einen lauten scharfen kurzen Knall.
Hatch: Vielleicht ist das Vieh geplatzt.
vanDusen: Mein lieber Hatch, gestatten sie mir die Bemerkung daß gerade in diesem Augenblick sie mich an ein wie sie sich auszudrücken belieben Vieh gemahnen.
Hatch: Zu gütig Prof.
vanDusen: Ich meine jenes sprichwörtliche Huhn, welchem es trotz seiner mangelnden Sehfähigkeit gelegentlich doch gelingt, ein Körnlein zu entdecken, das kleine Fenster im Bad, Mrs Quackenbush, stand es offen.
Iris: Warten sie, Prof, es war angelehnt.
vanDusen: Soso, gestern Nachmittag hatten sie, sofern ich recht unterrichtet bin, bin eine verbale Auseinandersetzung mit Mr Ronald Baconsfield.
Iris: Auseinandersetzung, gestritten haben wir uns, daß die Fetzen flogen, ich hätte nie gedacht, daß Ronny so ein Feigling ist.
vanDusen: Sie haben sich also gestritten.
Iris: Ja.
vanDusen: Laut.
Iris: Sehr laut, aber wieso.
vanDusen: Wo.
Iris: Wenn sie es unbedingt wissen wollen, Prof, in der Bibliothek.
vanDusen: Waren sie beide allein.
Iris: Moment, hinten in der Ecke saß einer, aber der schlief.
vanDusen: Wer.
Iris: Dieser Schweinemensch glaub ich, Whaffle oder wie heißt er.
vanDusen: Whiffle, danke Ms Quackenbush, wenn sie mich nunmehr zur Villa Waldeslust geleiten wollten, ich wünsche den Ort in Augenschein zu nehmen, an welchem die Marquise von Hogsford sich auf so mysteriöse Weise in Luft auflöste, was sie betrifft, mein lieber Hatch.
Hatch: Ich komme natürlich mit, Prof.
vanDusen: Mit nichten mein lieber Hatch, erheischt die Notwendigkeit gebieterisch den Einsatz des kriminologischen Assistenten, so hat der Chronist und Begleiter zurückzustehen, für sie habe ich einen Sonderauftrag, sie werden sich ins Dorf Little Bacon begeben, dortselbst den Krämer aufsuchen und ihm folgenden Fragen stellen.
Hatch: Anfangs war der Krämer ja etwas muffig, weil van Dusen ihn morgens im Gasthof so heftig abgebürstet hatte, aber er beruhigte sich wieder und erzählte mir was ich bzw. der Prof wissen wollte.
Krämer: Der Ballon, schwarz und groß, größer als ein normaler Luftballon, haben sie ihn nicht gesehen Mister, er hat doch wochenlang hier gehangen, da über dem Regal, seit der Kirmes, da ist er übriggeblieben.
Hatch: Und der Einbrecher hat ihn mitgenommen.
Krämer: So wie er war, Mr. und einen kleinen Eimer Farbe, weiße Farbe, damit ist er raus auf die Straße zu seinem Automobil und ist.
Hatch: Haben sie den Einbrecher gesehen.
Krämer: Aber ja doch Mr, von meinem Schlafzimmerfenster im 1. Stock, bloß erkennen konnte ich ihn nicht, weil er sich ein Tuch vors Gesicht gebunden hat, wie im wilden Westen Mr.
Hatch: Wie sah er aus.
Krämer: Dick, sehr dick.
Hatch: Das Automobil, welche Marke.
Krämer: Gott Mr, von so neumodischen Sachen versteh ich nichts, ich weiß bloß, daß er damit weggefahren ist.
Hatch: Welche Richtung, Schloß Hogsford.
Krämer: Genau anderslang, da wos zum Wald geht.
Hatch: Wie wir es verabredet hatten, traf ich den Prof vor der Villa Waldeslust, er hörte sich meinen Bericht an und war offensichtlich zufrieden.
vanDusen: Sehr schön, mein lieber Hatch, dank ihrer Tätigkeit zeichnet sich die von mir zunächst rein theoretisch konzipierte und postulierte Lösung des Falles nunmehr immer präziser, immer schärfer konturiert ab, sie sehen die Fußspuren, direkt am Mauerwerk, unter dem Fenster zum Badezimmer.
Hatch: Groß und breit.
vanDusen: Und tief eingesunken, die Spuren eines gewichtigen Mannes, welcher sich geraume Zeit vor dem Fenster aufhielt, weitere Spuren allerdings ganz anderer Art stellen wir vor dem Tor fest.
Hatch: Reifeneindrücke von einem Automobil.
vanDusen: Wohin führt dieser Weg, Mrs Quackenbush.
Iris: Nach Woodhouse, Prof, das ist das Anwesen von Sir Pelham Grenville.
vanDusen: Ah, der neidische Nachbar, welchen Mr Alastair Baconsfield als den Hintermann, die graue Eminenz der Affäre verdächtigt, mein lieber Hatch, wohin treibt es sie.
Hatch: Nach Woodhouse, Prof, den Reifenspuren nach.
vanDusen: Später, mein lieber Hatch, später, zunächst gilt es nach Schloß Hogsford zurückzukehren, um durch die nur dort zu entdeckenden bislang noch fehlenden Mosaiksteine das Bild einfürallemal zu komplettieren, während ich einige Worte mit Mr Whiffle, dem sog. Schweineexperten zu wechseln gedenke, werden sie, lieber Hatch einen zweiten speziellen Auftrag auszuführen haben.
Hatch: Worum es dabei ging, werden sie jetzt noch nicht erfahren, meine Damen und Herren, wegen der Spannung, und weil es ein Geheimauftrag war, hier nur soviel, alles ging glatt, ich machte Meldung, der Prof rieb sich die Hände.
vanDusen: Mein lieber Hatch, der Fall ist gelöst.
Hatch: So.
vanDusen: Sie zweifeln, mein lieber Hatch.
Hatch: Das würde ich mir nie erlauben, Prof aber wenn sie mich fragen, mir ist noch längst nicht alles klar.
vanDusen: Das ist nicht mehr als recht und billig, sie sind der Assistent, ein in diesem Falle recht zufriedenstellender ja lobenswerter Assistent, doch doch, ich möchte nicht versäumen das hinzuzufügen.
Hatch: Danke, ich weiß selber daß ich kein kriminologischer Großmeister bin, aber ein bißchen weiß ich doch, ich weiß, wer das Vieh aus der Villa geklaut hat und wo es jetzt steckt, aber was ich nicht weiß ist, wie hat der Kerl das Ding gedreht, wie hat er das fette Vieh in wenigen Sekunden mit einem Knall verschwinden lassen.
vanDusen: Ein im Prinzip höchst simpler Trick.
Hatch: Den sie natürlich durchschauen.
vanDusen: Natürlich.
Hatch: Und wie ich sie kenne, wollen sie ihn mir auch nicht verraten.
vanDusen: Dies mein lieber Hatch wäre ein krasser Verstoß gegen jede kriminologische Tradition, aufgeklärt wird bekanntlich erst zum guten Schluß in Anwesenheit aller Beteiligten.
Hatch: Das weiß ich.
vanDusen: Warum lösen sie das Rätsel nicht selber, sie kennen alle Indizien, prüfen sie sie, werten sie sie, nach dem Grundsatz.
Hatch: 2 plus 2 geschenkt Prof, sagen sie mir lieber was für Indizien ich prüfen und werten soll.
vanDusen: In aller kürze diese, mein lieber Hatch, a Mrs Quackenbush ist stark kurzsichtig, weigert sich jedoch aus Eitelkeit eine Brille zu tragen, b die Marquise von Hogsford gehört der Rasse der Berkshireschweine an, c beim Krämer von Little Bacon wurde ein großer schwarzer Luftballon entwendet, wenn sie ferner die Spuren an der Villa Waldeslust in Betracht ziehen.
Hatch: Dann weiß ich ehrlich gesagt immer noch nichts.
vanDusen: Auch wenn ich in der Regel keine intellektuellen Meisterleistungen von ihnen erwarte, mein lieber Hatch, enttäuschen sie mich dieses mal doch ein wenig, nun gut, der eine hats, der andere nicht, kommen sie, wir werden Sir Pelham Grenville einen Besuch abstatten, präziser seinem Schweinstall, bitte verständigen sie Mr Quackenbush, ich wünsche seine Begleitung.
Hatch: Den alten, nicht Iris.
vanDusen: Mr Osgood P. Quackenbush, ich habe meine Gründe.
Hatch: Quackenbush wunderte sich, aber er wußte, wenn Prof van Dusen ruft, gilt kein Zögern und nein sagen erst recht nicht, eine knappe Stunde später, es war inzwischen 5 geworden, standen wir vor Sir Pelham Grenvilles Schweinestall am Zaun, alles war still, kein Mensch zu sehen, außer uns drei natürlich, im Koben suhlte sich ein Schwein.
Quackenbush: Aber das ist nie und nimmer die Marquise von Hogsford.
vanDusen: Meinen Sie, Mr. Quackenbush.
Quackenbush: Die Marquise ist ein Berkshireschwein und Berkshireschweine sind schwarz, von der Schnauze bis zum Ringelschwanz, das Vieh hier ist.
Hatch: OK Kopf ist schwarz, Hinterteil auch, aber dazwischen ist es weiß, eindeutig.
vanDusen: Wie es den Anschein hat, handelt es sich um ein Tier vom Typ Wessex Saddleback, ein Typ welcher gekennzeichnet ist durch einen großen weißen Sattel oder Ring um den Rumpf, wenn sie jedoch meine Herren an diesem weißen Ring mit dem Fingernagel kratzen, igitt, wie ich es jetzt tue, so werden sie feststellen.
Hatch: Die Farbe geht ab.
vanDusen: So ist es, erinnern sie sich, beim Krämer wurde nicht nur ein Ballon gestohlen sondern auch ein kleiner Eimer voller weißer Farbe und hier hier steht er auf der Fensterbrüstung, mitsamt dem noch feuchtem Pinsel, kein Zweifel, meine Herren, die Sau, welche wir hier sehen, ist ein mittels weißer Farbe in ein Wessexsaddleback transponiertes quasi verkleidetes oder auch maskiertes Barkshireschwein, kurz die Marquise von Hogsford.
Quackenbush: Bravo Professor, ja und was tun wir jetzt.
Hatch: Wir lassen die Sau raus und bringen sie zurück, nach Schloß Hogsford.
Quackenbush: Das müssen wir wohl Mr Hatch, ja dann mal los.
vanDusen: Bitte meine Herren vorsichtig, ich werde die Tür aufmachen, halten sie die Sau solange fest.
Hatch: Drei Stunden später, im Speisesaal von Schloß Hogsford hatten sich alle Beteiligten versammelt, um sich bester amateurkriminologischer Tradition entsprechend vom Prof über den sensationellen Schweinefall aufklären zu lassen, sie erfuhren erstaunt oder schuldbewußt, je nachdem, wie die Marquise zuerst von Quackenbush und dann von dessen Tochter Iris in Zusammenarbeit mit dem ehrenwerten Ronny geklaut worden war und warum die Diebe sich diesem in amerikanischen Millionärskreisen nicht gerade üblichen Tun hingegeben hatten.
vanDusen: Nach dem sie ihre Beute in der Villa Waldeslust verborgen hatten, kehrten Mrs Quackenbush und der ehrenwerte Ronald Baconsfield hierher zurück, in der Zwischenzeit war das Verschwinden der Marquise entdeckt worden, und Lord Hogsford gab seiner Empörung Ausdruck, auf so entschiedene so vehemente Weise, daß Mr Baconsfield kalte Füße bekam, so lautet das ja wohl volkstümlich, sein Entschluß fürderhin seine Hände in Unschuld zu waschen, führte zu einem heftigen Streit zwischen ihm und seiner Mitverschworenen, dieser Streit wurde belauscht, dabei erfuhr der Lauscher unter anderem zwei ihn höchstlich interessierende Tatsachen, daß das Schwein sich in der Villa Waldeslust befand und daß Mrs Quackenbush die Absicht hatte, es am kommenden Morgen zwecks Fütterung aufzusuchen, beide Tatsachen beschloß der geheime Mitwisser sich zunutze zu machen, hatte er doch ohnehin die Absicht, die Marquise von Hogsford zu stehlen.
Baconsfield: Und wer war nun dieser Lauscher an der Wand, Prof.
vanDusen: Kein anderer als der Mann, welcher sich Augustus Whiffel nennt.
Lord: Was, Mr. Whiffle, das ist doch blühender Blödsinn, Prof, so was würde Mr. Whiffle nie tun, was Mr Whiffle.
Whiffle: Niemals Milord.
vanDusen: Mr Whiffle, Milord ist nicht Mr Whiffle, um wen es sich bei dieser Person in Wahrheit handelt, hat dankenswerterweise mein Assistent ermittelt, indem er das Zimmer des Verdächtigen einer Durchsuchung unterzog, dabei entdeckte er zwei äußerst bemerkenswerte Dokumente, bitte Mr Hatch.
Hatch: Erstens eine Lizenz als Privatdetektiv, ausgestellt auf einen gewissen Blister, Percy Blister, wohnhaft in London, zweitens ein Schreiben worin Sir Pelham Grenville Blister 500 Pfund verspricht, wenn er für ihn die Marquise klaut.
Baconsfield: Sir Pelham, hab ich ja gleich gewußt, daß der dahinter steckt.
vanDusen: Danke mein lieber Hatch, ich fahre fort, dem falschen Mr Whiffle, welcher beiläufig bemerkt eine beklagenswerte Unkenntnis in Bezug auf Schweine an den Tag zu legen pflegt, bot sich nunmehr die heißersehnte Gelegenheit, er beschloß, die Marquise aus der Villa Waldeslust zu entführen und Sir Pelham Grenville zuzustellen, doch damit nicht genug, indem er in raffinierter Inszenierung die Sau auf quasi magische Weise verschwinden ließ, wollte er die Angelegenheit zusätzlich verwirren, komplizieren, einnebeln, wenn sie so wollen, um dieses sein Vorfahren durchzuführen entwickelte Mr Blister in der vergangenen Nacht eine bemerkenswerte geradezu hektische Aktivität, als erster unternahm er einen Einbruch in den Kramladen von Little Bacon, wobei er den wie ihm wohlbekannt war dort befindlichen großen schwarzen Ballon nebst einem Eimer weißer Farbe entwendete, sodann begab er sich in seinem Automobil zur Villa Waldeslust, er verschaffte sich Einlaß, wie ich vermute mittels eines sog Dietrichs, kein Problem für einen privaten Detektiv, praktizierte die Marquise in seinen Wagen und transportierte sie zum Schweinestall von Sir Pelham Grenville, wo er mit der gestohlenen Farbe das Berkshireschwein in ein Wessexsaddleback umwandelte.
vanDusen: Kurz vor dem Morgengrauen suchte Mr Blister zum zweiten Mal die Villa Waldeslust auf, er legte den schwarzen Ballon in die Badewanne, befestigte an ihm eine Schnur, deren zweites Ende er durch das leicht geöffnete Fenster nach draußen verlegte, bezog vor dem Fenster Posten und wartete, auf Mrs Iris Quackenbush, von der er wußte, wer auf Schloß Hogsford wußte dies nicht, daß sie sich trotz ihrer ungenügenden Sehfähigkeit weigerte, ein Brille zu benutzen, als Mrs Quackenbush im Bad erschien, gab Blister Grunztöne von sich und zog gleichzeitig an der Schnur, der Ballon bewegte sich, Mrs Quackenbush sah, was sie sehen sollte, eine lebendige Marquise von Hogsford, sie verließ das Badezimmer und Mr Blister kam zum Höhepunkt seiner Illusionsschau, er brachte den Ballon zum platzen.
Baconsfield: Wie Prof.
Iris: Besser gefragt womit.
vanDusen: Mittels seines Spazierstock, wie ich annehme, an dessen Ende er eine Nadel angebracht hatte, die schlaffe Ballonhülle zog er an der Schnur durchs Fenster, worauf er sich ungesehen entfernte, Iris Quackenbush stand vor einem Rätsel, das von ihr soeben noch wahrgenommene Schwein war in Sekunden-schnelle verschwunden, dies würde sie beschwören, und sich so, da niemand ihr glauben würde, selbst aufs schwerste belasten, alle Spuren, so glaubte Blister, welche auf ihn bzw seinen Auftraggeber Sir Pelham Grenville deuteten, seien verwischt, doch hat er, und damit, komme ich zum Ende meiner Ausführungen, doch hatte er Prof Dr.Dr.Dr. Augustus van Dusen nicht in seine Rechnung einbezogen.
Lord: Gut und schön, Prof, großartig kombiniert, alles was recht ist, aber das wichtigste, nichtwahr das fehlt doch noch.
vanDusen: Euer Lordschaft meinen.
Lord: Die Marquise, was denn sonst, wo ist sie, wo steckt sie.
Baconsfield: Hast du doch gehört, Cecil, bei Sir Pelham Grenville.
vanDusen: Sie irren, Mr Baconsfield.
Lord: Ja wo dann, sagen sies doch endlich Prof.
vanDusen: Ich werde sie zu ihrem Tier führen, Milord, folgen sie mir.
Hatch: Kurz darauf bewegte sich eine interessante Prozession durchs Gelände, vorneweg der fette Butler, dahinter van Dusen und wir anderen, der Lord nebst Bruder und Sohn, die beiden Quackenbushs und meine Wenigkeit, nur der unglückselige Blister alias Whiffle war nicht dabei, der saß im tiefsten Schloßverließ, nach einer guten viertel Stunde erreichten wir ein einsam gelegenes unschönes Gebäude, das Armenhaus von Little Bacon, wir traten ein, gingen über den Flur, dem immer stärker werdenden würzigen Duft nach und kamen schließlich in einen großen Raum, auf einem gewaltigen Herd brutzelten zahllose Töpfe und Pfannen, um den riesigen Holztisch beladen mit vollen Tellern und Schüsseln hockten die Dorfarmen und futterten wie die Scheunendrescher.
vanDusen: Milord, meine Herrschaften, wir sind am Ziel.
Lord: Am Ziel, ja wirklich, ja wo ist die Marquise.
vanDusen: Hier Milord.
Lord: Tatsächlich, Prof, ich seh sie nicht.
vanDusen: O doch, Milord, sie sehen sie bzw das, was von ihr übrig ist, sie sehen sie überall in diesem Raum, auf dem Herd, auf dem Tisch, in Töpfen, Schüsseln, Pfannen, Tellern, in Form von Wellfleisch, Blutwurst.
Lord: Meine Marquise.
vanDusen: Braten, Kotelett.
Lord: Geschlachtet.
vanDusen: Ja.
Arme: Wir danken dem edlen Spender. Rülps.
Lord: Rache, blutige Rache, alle festnehmen, alle festnehmen, einsperren, hinrichten, alle, diesen, diesen Blister auch und Sir Pelham Grenville.
Ronny: Aber Papa.
Lord: Und du Ronny, du wirst enterbt, was sie betrifft, Quack, Quackenbush, nehmen sie ihre Tochter und gehen sie mir aus den Augen.
Quackenbush: Mit Vergnügen.
Lord: Polizei.
Iris: Nichts lieber als das.
Lord: Scotland Yard.
Ronny: Aber Papa, Iris und ich wollen doch heiraten.
Lord: Die Feuerwehr, die Armee, die Marine.
Iris: Das ist vorbei, einen Schlappschwanz nehme ich nicht.
Lord: Der Henker, Henker seiner Majestät, aufhängen, alle miteinander, an den Kielern von Schloß Hogsford.
Hatch: Lord Hogsford wurde ohnmächtig, während die Verwandtschaft sich um ihn kümmerte und die Armen von Little Bacon nicht wußten, wie ihnen geschah, entfernten wir, van Dusen, Quackenbush und ich uns unbemerkt im Getümmel, wir hatten es eilig, der letzte Zug nach Worcester fuhr in einer halben Stunde, und während wir zum Bahnhof eilen, drehe ich für sie, meine Damen und Herren, die Uhr kurz zurück, sie erinnern sich, der Prof, Quackenbush und ich waren mit der Marquise unterwegs nach Schloß Hogsford, es war keine muntere Landpartie, vor allem van Dusen wirkte verkrätzt.
Baconsfield: Na los dumme Sau, sie sagen ja gar nichts, Prof.
vanDusen: Ich denke nach, Mr Quackenbush.
Hatch: Über ihre atomare Strukturtheorie.
vanDusen: Nein mein lieber Hatch, über den massiven Affront, welchen man meiner Person angetan hat, Prof Dr.Dr.Dr. Augustus van Dusen wurde durch die Anwendung hinterhältiger ja schändlicher Methoden gezwungen, einen tief unter seiner amateurkriminologischen Würde liegenden Fall zu übernehmen, dekadente Aristokraten haben mir morbide Spiele getrieben.
Baconsfield: Los jetzt.
Hatch: Müssen wir ihnen zu allem Überfluß das Vieh auch noch zurückerstatten, mit rosa Schleifchen und schönen Grüßen.
vanDusen: Müssen wir das, mein lieber Hatch.
Hatch: Naja, immerhin haben sie den Fall übernommen, Prof.
vanDusen: Und gelöst, mein lieber Hatch, ganz gleich was mit dem corpus delicti will sagen der Sau noch geschehen mag.
Baconsfield: Wissen sie, was ich denke, wenn das Schwein wieder da ist, wird Lord Hogsford einverstanden sein, daß Iris diesen Idioten Ronny heiratet, entsetzlich.
vanDusen: Andererseits käme das Tier nicht zurück, gäbe es keine Hochzeit.
Baconsfield: Ja, das wär eine Idee.
vanDusen: Sehen sie das Gebäude vor uns.
Hatch: Grau und häßlich.
vanDusen: Das Armenhaus von Little Bacon, man hat es weit außerhalb der Dorfgrenzen errichtet, weil man mit den Insassen möglichst wenig zu tun zu haben wünscht, diese führen, so fürchte ich, ein nicht eben angenehmes Leben, der zweifellos seltene Genuß einer reichhaltigen, schmackhaften Mahlzeit wäre ihnen von Herzen zu gönnen.
Hatch: Ah, ich habe eine Idee.
Baconsfield: Ich auch Mr Hatch.
Hatch: Gehen sie voraus, Prof, Quckenbush und ich kommen in ein paar Minuten nach.
Baconsfield: Sobald wir eine Kleinigkeit erledigt haben. Ja.
Hatch: Wir banden die Marquise an den Türpfosten des Armenhauses und dann malte Quackenbush ihr große weiße Buchstaben auf die schwarze Haut, Farbeimer und Pinsel hatten wir mitgenommen, um sie dem Krämer zurückzugeben, eine Spende, guten Appetit, so mein kleines dickes Etwas.
Baconsfield: Hatch, ziehen sie die Glocke, und jetzt nichts wie weg und um die Ecke, kommen Sie.
Hatch: So kam es, daß die Armen von Little Bacon ein fröhliches Schlachtefest feierten, daß Iris Quackenbush nicht Ronny Baconsfield heiratete und daß Lord Hogsford in Ohnmacht fiel, übrigens falls es sie interessiert, als er wieder zu sich kam, wurde er strenger Vegetarier und verlegte sich auf die Kürbiszucht, und noch ein Wort zum Schluß, meine Damen und Herren, Sie kennen Prof. van Dusen, Sie wissen, er ist ein abgeklärter Mensch, der über den Dingen des Alltags steht, aber wenn man ihn so richtig ärgert, dann kann es passieren, daß auch ein so bedeutender Zeitgenosse mal kurz die Sau rausläßt, in diesem Sinne, meine Damen und Herren, bis zu nächsten Mal.
Professor van Dusen: Friedrich W. Bauschulte
Hutchinson Hatch: Klaus Herm
Cecil Baconsfield, Lord Hogsford: Hans Madin
Alastair Baconsfield, sein Bruder: Klaus Jepsen
Ronald (Ronnie) Baconsfield, sein Sohn: Hubertus Bengsch
Osgood P. Quackenbush: Christian Rode
Iris Quackenbush, seine Tochter: Lisa Adler
Augustus Whiffle alias Percy Blister: Walter Pfeil
Bahnhofsvorstand: Krikor Melikyan
Schweinewart: Heinz Rolfing
Krämer: Gerd Holtenau
Wirt: Otto Czarski
Kommentar von Hörspiele |
Mickey Spillane: Ich, der Richter (WDR 1999)
(Hörspiel nach dem gleichnamigen Roman)
Velda: New York im Jahre 1950, schöne Frauen, harte Kerle und große Kaliber, das ist die Welt des berühmt-berüchtigten Privatdetektivs Mike Hammer, der gnadenlos wie ein schwarzer Ritter durch den Dschungel der Großstadt streift.
Mike: Niemand sagte etwas, als ich das Zimmer betrat, sie wichen beiseite und ich spürte, wie ihre Blicke auf mir lagen, Chief Detective Pat Chambers deutete auf die Schlafzimmertür.
Pat: Dort drin, Mike.
Mike: Dort drin, dort drin lag mein bester Freund tot auf dem Boden, der beste Freund, den ich jemals hatte.
Mike: Hast du den Stuhl verschoben, Pat.
Pat: Nein warum.
Mike: Normalerweise steht der Stuhl neben dem Bett.
Mike: Auf dem Stuhl lag seine 38er Pistole, es war klar, wie es sich abgespielt haben mußte.
Mike: Der Mörder hat den Stuhl mit der Pistole drauf immer ein Stück weitergezogen und dabei zugesehen wie Jack in Todesqualen hinterher gekrochen ist, bis er schließlich zusammenbrach.
Mike: Gestern war er noch Jack Williams gewesen, der Mann der im Krieg seinen Arm für mich geopfert hatte und heute klaffte ein faustgroßes Loch in seinem Bauch.
Mike: Er hat sein Opfer beobachtet er hat vielleicht sogar gelacht dabei, das war kein gewöhnlicher Mord, Pat, das war absolut kaltblütig und vorsätzlich, den Kerl krieg ich.
Pat: Du bist mit von der Partie.
Mike: Darauf kannst du Gift nehmen.
Mike: An Pats Gesichtsausdruck konnte ich ablesen, daß er nicht versuchen würde, mich von meinem Vorhaben abzubringen, er würde lediglich versuchen, mir zuvor zukommen.
Mike: Ich werde das Schwein kriegen, das Jack umgebracht hat, aber es wird nicht auf den elektr. Stuhl kommen, und es wird auch nicht hängen, es wird auch nicht in einem langwierigen Gerichtsverfahren wegen mangelnder Beweise freigesprochen werden, das Schwein wird genauso sterben wie Jack mit einer 45er Kugel im Gedärm, der Einschuß ein paar cm unter dem Bauchnabel, das ist mein Wort, und mein Wort gilt solange ich lebe.
Pat: Jack hat gestern eine Party gegeben, war aber nichts größeres.
Mike: Ich weiß, er hatte angerufen, aber ich war zu geschafft.
Pat: Myrna hat uns die Namen der Partygäste gegeben, hier ist die Aufstellung, sie haben ein paar Gläser getrunken, und ein wenig getanzt und sind dann gegen 1 gemeinsam gegangen.
Mike: Und Myrna hat ihn heute morgen gefunden.
Pat: Ja sie waren verabredet weil sie sich zusammen eine Wohnung anschauen wollten.
Mike: Hat jemand einen Schuß gehört.
Pat: Nein, der Mörder benutzte wahrscheinlich einen Schalldämpfer, aber der Gerichtsmediziner sagte es muß so gegen 3 Uhr passiert sein, siehst du ein Motiv.
Mike: Noch nicht, aber ich werde es finden, es muß etwas Großes dahinterstecken, darauf möchte ich wetten.
Pat: Ok Mike, ich will dich bei den Ermittlungen dabeihaben, du kannst mir von nutzen sein und ich dir, aber im entscheidenden Moment werde ich dir einen Schritt voraussein, die polizei ist nicht so dumm wie du denkst.
Mike: Keine Sorge ich unterschätze euch nicht, aber die Bullen können einem Typen nicht den Arm brechen damit er was ausspuckt, also versuch es Pat.
Velda: Ach du bist es.
Mike: Was heißt hier ach du bist es, du wirst dich doch wohl noch an mich erinnern, ich bin Mike Hammer, dein Chef.
Velda: Tss, du bist so lang nicht mehr hiergewesen daß ich dich kaum noch von irgendwelchen Schuldeneintreibern unterscheiden kann.
Mike: Ich folgte ihr in mein allerheiligstes, bildschöne Beine hatte sie, und trug ihr Kleid so eng, daß ich dabei an die Kurven des Pennsylvania Highway denken mußte.
Velda: Hier sind alle Infos, die ich über die Partygäste von gestern abend bekommen konnte.
Mike: Häh, wie bitte.
Mike: Als Sekretärin war sie eigentlich eine viel zu große Ablenkung.
Mike: Kannst du jetzt hellsehen, wie hast du von Jacks Tod erfahren.
Velda: Du vergißt, daß ich einen ganz guten Draht zu einigen Reportern vom Chronikel habe, John Dugan zB.
Mike: In den 3 Jahren, die sie für mich arbeitete, habe ich nie versucht, mich an sie ranzumachen.
Velda: Er wußte daß Jack ein enger Freund von dir war und ist eigentlich hier vorbei gekommen um von mir etwas zu erfahren aber zum Schluß war er es, der die ganzen Informationen ausgepackt hat.
Mike: Nicht daß ich kein Interesse an ihr gehabt hätte, aber es war mir einfach zu riskant, sie drückte mir ein paar Papiere in die Hand.
Velda: Hier haben wir zunächst George Kalecki.
Mike: Ich kannte ihn, er betrieb eine gutgehende Restaurantkette, war ein Mann der Gesellschaft, spendete für wohltätige Zwecke usw, aber George Kalecki war nicht der noble gentleman, für den ihn alle hielten, er hatte seine Finger in allen möglichen dunklen Geschäften drin, nur konnte ihm niemand etwas nachweisen.
Velda: Die Nr 2, Myrna.
Mike: Jacks Freundin, sie war süchtig gewesen, und Jack hatte sie buchstäblich im letzten Augenblick von der Brüstung der Brooklynbrücke gezogen gerade als sie sich in die Tiefe stürzen wollte, so hatten sich die beiden damals kennengelernt, danach hatte Jack dafür gesorgt daß Myrna in Behandlung kam, ein halbes Jahr später wurde sie als geheilt entlassen.
Velda: Dann haben wir hier noch die Bellemyzwillinge, 29, auf der Suche nach Ehemännern.
Mike: Natürlich, die Bellemyzwillinge, ich hatte sie mal bei Jack getroffen, sehen ganz passabel aus und verprassen ansonsten das Vermögen das ihnen ihr Vater hinterlassen hat.
Velda: Ach, und hier ist noch jemand, der dir gefallen wird, mein lieber.
Mike: Sie legte mir das Foto von einer tollen Blondine im Badeanzug vor, mir blieb fast die Spucke weg, als ich es sah, lange feste Beine, breite Schultern und dazwischen zwei Brüste, die sich gegen jede Beengung durch ein Kleidungsstück zu wehren schienen, mir fielen fast die Augen raus.
Mike: Wer, ist das.
Velda: Hm, vielleicht sollte ich es dir lieber nicht sagen, dein lüsterner Blick könnte dich da noch in echte Schwierigkeiten bringen, ihr Name ist Charlotte Manning, sie ist Psychiaterin und hat an der Parkavenue eine gutgehende Praxis, hier ist die Adresse.
Mike: Offenbar lag hier der angenehme Teil des Geschäfts vor mir, Velda band ich das nicht auf die Nase, vielleicht bin ich ja nur eingebildet, aber ich hatte eigentlich immer den Eindruck, daß sie ein Auge auf mich geworfen hat.
Velda: Wolltest du noch was ergänzen, Mike.
Mike: Charlotte Manning erhob sich von ihrem Stuhl hinter dem Schreibtisch.
Manning: Hallo Mr Hammer.
Mike: Sie sah in Natur noch schöner aus.
Mike: Hallo Mrs Manning.
Mike: Sie war einfach Spitzenklasse, langes blondes Haar, wunderschöne haselnussbraune Augen, von dem was sich unter ihrem dunklen enganliegenden Kleid verbarg, gar nicht zu reden.
Manning: Ich nehm an, es geht um den Tod von Mr. Williams.
Mike: Ja, wir waren enge Freunde, ich bin Privatdetektiv und würde ihnen gern einige Fragen stellen.
Manning: Nur zu.
Mike: Wann haben sie an dem abend die Party verlassen.
Manning: So gegen 1 Uhr, wir sind alle zusammen aufgebrochen.
Mike: Wo sind sie von dortaus hingegangen.
Manning: Ich bin mit Ester und Marry Bellemy noch in die Chickenbar, wo wir ein Sandwich gegessen haben, dann hab ich die beiden an ihrem Hotel abgesetzt und bin schnurstracks nach Hause gefahren, es muß so kurz nach 2 gewesen sein, als ich zuhause ankam.
Mike: Kann das jemand bezeugen.
Manning: Jawohl, mein Dienstmädchen, sie hat mich sogar zugedeckt, sonst noch was.
Mike: Ja, äh, wie haben sie Jack Williams eigentlich kennengelernt.
Manning: Über Myrna, sie wissen daß Myrna drogenabhängig war, Jack hatte mich seinerzeit als Myrna zur Behandlung in der Klinik war, zu rate gezogen, nachdem sie entlassen wurde, hab ich sie noch eine zeit lang nachbetreut, daraus ist dann ein persönlicher Kontakt geworden.
Mike: Ja, das wars dann wohl für erste.
Manning: Einem Mann bedeutet ein Freund viel mehr als einer Frau.
Mike: Charlotte stand auf, und kam auf mich zu, der Anblick ihrer Beine nahm mir fast den Atem.
Mike: Dieser Freund hat im Krieg seinen Arm geopfert, um mir das Leben zu retten.
Manning: Ich hoffe, sie erwischen den Mörder, das hoffe ich aufrichtig.
Mike: Ja, das werde ich.
Mike: Wir standen uns gegenüber und sahen uns an, ich wünschte, daß das leuchten in ihren Augen wirklich so verheißungsvoll war, wie ich mir einbildete.
Mike: Ich muß jetzt gehen, bis bald.
Manning: Sehr bald, hoffe ich.
Hubabuba.
Mike: Zwanzig Minuten später drückte ich die Klingel an einem Haus, das bestimmt so seine viertel Million Dollar gekostet hatte, ein korrekt gekleideter Butler öffnete die Tür, und führte mich in eine riesige Bibliothek, ich ließ mich in einen Armsessel fallen und wartete auf George Kalecki, es dauerte nicht lange bis er auftauchte.
Kalecki: Was wollen sie hier, ich habe der Polizei gegenüber alle meine Aussagen gemacht.
Mike: Die Platte brauchst du für mich nicht abzuspielen, Freundchen.
Kalecki: Wie reden sie mit mir, verlassen sie sofort mein Haus.
Mike: Ich sprang aus dem Sessel und packte ihn am Kragen.
Mike: Jetzt hör mal zu, du Drecksack, ich schere mich nicht um die Bullen, daß das klar ist ich suche denjenigen der Jack Williams umgebracht hat und wenn dabei noch ein paar miese Gesellen wie du mit hopps gehen soll mir das nur recht sein, hörst du.
Mike: In diesem Moment sah ich im Spiegel, wie mir gerade jemand von hinten mit einer Keramikvase den Schädel einschlagen wollte, ich duckte mich weg, dann schnellte ich herum und verpaßte dem Angreifer einen gezielten Schlag unter die Kinnspitze, der Mann ging zu Boden und blieb dort reglos liegen.
Mike: Sieh an, dein Gorilla vermute ich, ist ja ein ganz schlauer, will mir von hinten eins überziehen, wo ich gerade vor einem Spiegel stehe, irgendwie hast du den nicht richtig im Training, George.
Kalecki: Einen Moment mal, Mr Hammer, jetzt langt es, ich habe einflußreiche Freunde bei der Stadtverwaltung.
Mike: Das mag ja sein, du solltest dir nur vorher überlegen, wie dein Gesicht nachher aussieht.
Mike: Zur Bekräftigung rammte ich ihm eine Faust in die Magengegend, er rang nach Luft und fiel nach hinten in einen Sessel.
Mike: Ich denke, dann könnten wir mit der Befragung beginnen, also wann hast du die Party verlassen.
Kalecki: So gegen ein Uhr, ich hab Myrna noch nach hause gebracht und bin dann auf direktem weg nach hause gefahren.
Mike: Hast du ein Alibi.
Kalecki: Das Alibi liegt bewußtlos neben ihnen auf dem Boden.
Mike: Er hat dich sogar zugedeckt, ich weiß, wenn du glaubst, du bist damit aus dem Schneider, hast du dich ganz schön geschnitten, du hättest immer noch genügend Zeit gehabt nochmal in die Stadt zurückzufahren um Jack umzulegen, woher kanntest du Jack eigentlich.
Kalecki: Mrs Manning hat ihn mir empfohlen, hat für mich einige ermittlungen erledigt.
Mike: Der Gedanke, daß Charlotte und Kalecki etwas miteinander hatten, machte mich wahnsinnig.
Mike: Mrs Manning, die dürfte ja wohl eine Nummer zu groß für dich sein.
Kalecki: Ich hatte Mrs Manning wegen meiner Schlafstörungen in ihrer Praxis aufgesucht.
Mike: Wegen Schlafstörungen soso und hat sie dir helfen können.
Kalecki: Das kann man sagen, ich fühle mich wie ein neuer Mensch.
Mike: Ich hatte große Lust ihm noch eine zu verpassen, ließ es aber.
Bellemy: Kommen sie doch herein, Mr Hammer.
Mike: Sie sah gut aus, braungebrannt, sportlich.
Mike: Sie kennen mich.
Bellemy: Ich habe sie erwartet, ihr Kollege von der Polizei wie heißt er doch, Pat Chambers, er hat mich auf ihren Besuch vorbereitet.
Mike: Ich habe nur ein paar Fragen, aber vielleicht können sie mir erstmal verraten, mit wem von ihnen beiden ich das Vergnügen habe.
Bellemy: Ich bin Marry Bellemy.
Mike: Ist ihnen am abend der Party irgendwas Besonderes aufgefallen.
Bellemy: Eigentlich nicht, wir haben ein paar Gläser getrunken und ein bißchen getanzt, Jack und George Kalecki waren eine weile in der Küche und als sie herauskamen, schien George ziemlich bedrückt zu sein.
Mike: Ich weiß daß sie anschließend noch mit Charlotte Manning etwas essen waren, was passierte dann.
Bellemy: Sie setzte uns hier ab und wir sind gleich ins Bett gegangen, übrigens das mit der Uhrzeit, das kann der Hausmeister bestätigen, er hat uns nämlich die Tür aufmachen müssen weil wir unseren Schlüssel vergessen hatten, ach sie müssen mich einen Augenblick entschuldigen, ich fürchte, ich habe das Badewasser angelassen.
Mike: Sie lief hinaus auf den schmalen Korridor und verschwand im Badezimmer, vielleicht wurde ich langsam alt, aber ich hörte kein Wasser laufen, nach einer weile kam sie zurück, ihr Anblick verschlug mir fast den Atem, statt des grauen Kostüms von vorher trug sie jetzt ein hauchdünnes rosa Neglige, das nur das nötige verhüllte.
Bellemy: Tut mir leid, daß ich sie warten lassen mußte, aber das Wasser wäre sonst kalt geworden.
Mike: Sie lächelte und setzte sich mir direkt gegenüber.
Mike: Geht schon in Ordnung, die meisten Frauen hätten dafür Stunden gebraucht.
Mike: Dabei öffnete sich ihr Neglige und sie ließ sich Zeit damit, es wieder zuzuziehen.
Bellemy: Ich nicht, ich bin viel zu begierig darauf, mehr über ihren Fall zu erfahren.
Mike: Ihr Dekollete war trotzdem so weit geöffnet, daß ich ihr fast bis zum Bauchnabel schauen konnte.
Mike: Haben sie nicht außer dieser Stadtwohnung auch noch Landbesitz.
Bellemy: Ja natürlich in New Jersey, eine Villa mit 22 Zimmern, einem Swimming- pool und etlichen Tennisplätzen, wenn sies genau wissen wollen, würden sie mich gern einmal besuchen.
Mike: Klar, jederzeit.
Bellemy: Gut, diesen Samstag geben wir draußen eine große Party, Myrna und Charlotte Manning kommen auch, sie dürften sie beiden kennen.
Mike: Olala, das würde ein interessanter Abend werden.
Mike: Sagen sie, kann man sie beide eigentlich voneinander unterscheiden.
Bellemy: Tja, eine von uns hat ein kleines erdbeerfarbenes Muttermal auf der rechten Hüfte.
Mike: Ah, und wer von beiden.
Bellemy: Warum sehen sie nicht selbst nach.
Mike: Mann o mann.
Mike: Heute nicht, ich habe noch ein Haufen Arbeit vor mir.
Mike: Ich stand auf und streckte meine Glieder.
Bellemy: Oh, sei nicht feige.
Mike: Sie stand ebenfalls auf und trat auf mich zu, dabei machte sie keinerlei versuch mehr ihr Neglige festzuhalten, ich presste sie an mich und küsste sie, dann ergriff ich den Saum des Negliges und mit einer Handbewegung zog ich es weg, so daß sie nackt vor mir stand, ich trat zurück und sie ließ mich jeden cm ihres sonnen-gebräunten Körpers absuchen, dann nahm ich meinen Hut und ging zur Tür.
Mike: Es muß wohl doch deine Schwester sein, die das Muttermal hat, bis Samstag.
Mike: Als ich sah, daß im Büro noch Licht brannte, blieb ich vor einem Spiegel stehen und untersuchte mich gründlich nach Lippenstiftspuren, ich habe nie begreifen können, warum Lippenstift von Frauen so leicht abgeht, aber von Männern kaum zu entfernen ist.
Mike: Ist was.
Velda: Du hast noch was am Ohr.
Mike: Sie konnte wirklich tödlich sein diese Frau.
Velda: Übrigens, in deinem Zimmer wartet Besuch auf dich.
Mike: Pat saß hinter meinem Schreibtisch und schwenke mir zur Begrüßung eine Flasche Bourbon entgegen.
Pat: Willst du einen.
Mike: Ich kanns gebrauchen, was hast du auf dem Herzen, los raus mit der Sprache.
Mike: Als Antwort warf er mir eine Akte auf den Schreibtisch, ich konnte die Aufschrift lesen, Myrna Devlin.
Mike: Was soll das, Pat, willst du etwa Myrna mit der Sache in verbindung bringen.
Pat: Du weißt, daß Myrna Jack damals das Versprechen abgenommen hat, sie nie danach zufragen, wo sie den Stoff herhatte.
Mike: Stimmt, so wie er in Myrna verschossen war, hätte er alles für sie getan.
Pat: Ist dir eigentlich nie der Gedanke gekommen, daß Jack, der ja immerhin Privatdetektiv war, sein Versprechen gegenüber Myrna gebrochen haben könnte.
Mike: Möglich ist es schon, er haßte Gauner und Betrüger, aber noch verhasster waren ihm diese dreckigen Ratten, die sich an Leuten wie Myrna bereicherten.
Pat: Nur so viel, aus den Akten geht hervor, daß Jack doch in dem Fall ermittelte, allerdings bislang unergiebig, vielleicht hat er uns etwas verschwiegen, etwas das ihn schließlich das leben gekostet.
Mike: Was sagt Myrna.
Pat: Aus ihr ist nichts rauszukriegen.
Mike: Dann muß sie einen grund dafür haben.
Pat: Ach das hätt ich beinah vergessen, gestern nacht hat jemand versucht Kalecki durch die Scheibe seines Wohnzimmerfensters abzuknallen, hat ihn um haaresbreite verfehlt.
Mike: Das hättest du also beinahe vergessen.
Pat: Oh, da wäre noch etwas, er glaubt, du warst es.
Mike: Du glaubst es nicht.
Pat: Nein, erstens hat der Täter daneben geschossen, das wäre dir nicht passiert und zweitens haben wir die Kugel untersucht, auch eine 45er, wir haben sie mit der verglichen, die Jack getötet hat, die Kugeln stammen aus der derselben Waffe.
Mike: Ich mußte noch einmal in Jacks Wohnung, Jack hatte immer ein Notizbuch gehabt, mit Adressen und kurzen Eintragungen und die polizei hatte nichts dergleichen gefunden, vielleicht hatte es der Mörder an sich genommen, vielleicht aber lag es noch immer unentdeckt in Jacks Wohnung, es war jedenfalls einen Besuch wert, die Tür zu dem Apartment war noch immer versiegelt und da ich mich nicht mit der staatsanwaltschaft anlegen wollte, probierte ich es über die Feuerleiter, das Badezimmerfenster ließ sich ohne Probleme öffnen, die Wohnung war in einem guten zustand, man konnte sich kaum vorstellen, daß hier jedes Teil wahrscheinlich fünfmal hin und her gewendet worden war, es hatte also kein Sinn, die ganze Arbeit noch mal zu machen, was mich interessierte war die Kommode, ich tastete alles ab, auch unter der untersten Schublade auf dem Holzboden und tatsächlich da hielt ich es in Händen, Jacks kleines blaues Notizbuch.
Mike: Hallo Velda.
Velda: Hallo Mike.
Mike: Also der Lippenstift gestern, das war gewissermaßen wie soll ich sagen ein Arbeitsunfall.
Velda: Hast du schon deine Versicherung benachrichtigt.
Mike: Komm sieh dir lieber an was ich hier habe.
Velda: Was ist das.
Mike: Jacks Notizbuch.
Velda: Und, ist was drin.
Mike: Die älteste Eintragung reichte 3 Jahre zurück, Namen, Telefonnummern, Notizen, die alle schwarz durchgestrichen waren, das hieß, die Fälle waren aufgeklärt, interessant waren die letzten Seiten.
Mike: Am 20 Eilin Vickers gesehen, das war 2 Wochen vor seinem Tod.
Velda: Hier wieder, Eilin Vickers ist Pseudonym von fragezeichen fragezeichen fragezeichen.
Mike: Der letzte Eintrag einen Tag vor seinem Tod lautet schließlich.
Mike: Morgen Eilin anrufen LO 3605.
Velda: LO 3605 das kommt mir irgendwie bekannt vor, warte mal.
Mike: Sie ging zu ihrer Kartei und fischte eine Visitenkarte raus.
Velda: Ah, 20 schöne Mädchen laden sie zum verweilen ein, für jeden Geschmack die richtige, Anruf unter LO 3605.
Mike: Hey, the red baron, stadtbekannter Puff.
Velda: Na, du mußt es ja wissen.
Mike: Sie hatte sich schon das Telefon geangelt und die Nummer gewählt, dann reichte sie an mich weiter, am anderen ende meldete sich eine Stimme, der man die Zigarette im Mundwinkel schon durchs Telefon anhörte.
Frau: The red baron, hallo.
Mike: Ich würde gern Eilin Vickers sprechen.
Frau: Ist erst ab 22 uhr im hause.
Mike: Ah, na ich hoffe ich kann mich dann von zuhause loseisen.
Mike: Kann ich.
Velda: Klar Mike, du gehst heißen Kurven nach und ich heißen Spuren.
Mike: Zuhause nahm ich eine Wechseldusche, schabte mir den Bart ab, und putzte meine Zähne, einen Augenblick überlegte ich, ob es sich schickte eine Waffe zu tragen wenn man eine Dame besuchte.
Manning: Hallo, Mr Hammer.
Mike: Ihr Anblick überstieg meine kühnsten Erwartungen, sie hatte jetzt nichts mehr von einer Psychaterin an sich, sondern war nur noch Frau, bildschön und verführerisch, sie trug ein Kleid aus enganliegendem blauem Stoff, der sich an sie schmiegte, als sei ihre Haut naß, der alles verdeckte und gleichzeitig doch alles enthüllte, gerade und feste Brüste ragten daraus hervor, und ihre Beine stecken in Seidenstrümpfen und hochhakigen Schuhen, wunderbare Beine kräftig, wohlgeformt.
Manning: Was ist.
Mike: Sie warf ihre blonden Locken in den Nacken und sah mich aufreizend an.
Manning: Gefällt ihnen das Kleid.
Mike: Es ist bildschön und das wissen sie auch.
Manning: Ich hab es extra für sie angezogen.
Mike: Wie darf ich das verstehen.
Manning: Ich habe sie erwartet, das heißt ich hab es mir gewünscht und es hat auch geklappt.
Mike: Mit diesen Worten öffnete sie die Tür zur Küche, wo ein Tisch für zwei Personen gedeckt war, gebratenes Huhn und Pommes frites, mein Lieblingsessen.
Mike: Charlotte.
Manning: Sagen sie nichts, essen sie erstmal, ich habe ihnen ihr Abendessen schon eine Stunde warmgehalten.
Mike: Wie hab ich das verdient.
Manning: Wie, in meiner Praxis lern ich so viele Männer kennen, aber die meisten sind Schwächlinge, sie haben Komplexe oder Zwänge oder fixe Ideen, wenn man ständig nur Männern begegnet, die so gar nichts männliches mehr an sich haben, ist man froh, wenn einem mal wieder ein richtiger Mann begegnet.
Mike: Danke für die Blumen.
Manning: Ich meine es ernst, sie sind ein Mann der an das Leben gewöhnt ist und auch daran ihm seinen Regeln aufzuzwingen, sie sind stark, ihr Körper und ihr Verstand.
Mike: Eine fixe Idee habe ich allerdings schon, ich muß diesen Mörder erwischen, ich muß ihn umlegen.
Mike: Charlotte stand von ihrem Platz auf und setzte sich neben mich, sie legte ihre Hand in meine und unsere Blicke trafen sich.
Manning: Mike, tun sie mir einen gefallen, passen sie auf sich auf, passen sie auf, daß ihnen nichts passiert.
Mike: Das werde ich, ich verspreche ich, aber warum machen sie sich Sorgen.
Manning: Darum.
Mike: Sie beugte sich vor und ihre Lippen öffneten sich zu einem Kuß, ich zog sie an mich und drückte so fest daß sie das Feuer spüren konnte das in mir brannte, als sie sich von mir löste, leuchtete alles an ihr.
Manning: Du kennst auch in der Liebe kein Pardon, was Mike.
Mike: Es grenzte an ein Wunder, daß ich überhaupt heil aus der Tür und die Treppe herunter kam.
Mike: Als ich gegen mitternacht beim red baron auftauchte und das blaulicht vor dem Haus sah, wußte ich daß ich zuspät gekommen war, es war kein schöner anblick, das Mädchen lag nackt auf ihrem Bett, direkt über ihrem Herzen klaffte das Einschußloch, es stammte von einer Pistole Kaliber 45.
Mike: Eillin Vieckerts, ich habe ihren Namen in Jacks Notizbuch gefunden.
Pat: Der Mörder hat also wieder zugeschlagen.
Mike: Sieht ganz danach aus, hast du rausgekriegt, wie das ganze hier funktioniert.
Pat: Die Bordellwirtin sagt, die Mädchen arbeiten auf eigene Rechnung, sie müssen lediglich die Zimmer zahlen.
Mike: Sie hat natürlich keinen Schimmer wer bei Eilin Vickerts abkassiert hat.
Pat: Sie sagt nein.
Mike: Und sie hat natürlich auch niemand kommen und gehen sehen.
Pat: Erraten.
Mike: Soll ich sie mir vornehmen.
Pat: Im Moment nicht, ich will erst Myrna sehen, sie muß mehr wissen als sie sagt, diesmal muß sie reden.
Mike: Sie brachten Myrna aufs Präsidium, als Pat ihr erzählte, daß man eine gewisse Eilin Vickers tot aufgefunden hätte, brach sie zusammen, es dauerte lange bis sie wieder sprechen konnte, starr mit tränenlosem Blick erzähle sie dann ihre Geschichte, es war die Geschichte zweier Schwestern aus der Provinz, die nach New York gekommen waren auf der Suche nach Abenteuer und etwas Liebe, sie waren an Leute geraten, die ihre Unerfahrenheit ausnutzten und ihnen Rauschgift gaben, Eilin die ältere von beiden, war es dann die immer für Nachschub sorgte und dafür ihren Körper verkaufte, Myrna hatte Glück gehabt, sie hatte Jack kennengelernt, der ihr geholfen hatte von dem Zeug loszukommen, Eilin aber schaffte den Absprung nicht und verkaufte weiter ihren Körper. Am nächsten Morgen war ich mit Charlotte zu einem Spaziergang im Centralpark verabredet, es war ein schöner Tag und die Kindermädchen warfen mir Blicke zu, auch Charlotte schob einen Kinderwagen auf mich zu.
Mike: Hallo, kleines.
Manning: Eine Freundin hat mich gefragt, ob ich auf ihr Kind aufpassen könnte.
Mike: Magst du kinder.
Manning: Schrecklich gern, irgendwann werde ich 6 eigene haben.
Mike: 6 gleich, vielleicht kann ich ja gar nicht so viel Geld verdienen um 6 Mäuler auf einmal zu stopfen.
Manning: Ah, soll das etwa ein Heiratsantrag sein, Mr Hammer.
Mike: Es war keine zeit zum nachdenken, ich sah nur den häßlichen Lauf einer Pistole, die aus dem Seitenfenster eines dunkelblauen Cadillacs auf uns gerichtet war und warf mich auf Charlotte, im nächsten Moment schlug die Kugel hinter uns in einer Wand ein, daß das Mauerwerk auf uns herunterbröselte, für einen zweiten Schuß blieb dem Schützen keine zeit mehr, er warf den ersten Gang ein und schoß die fifth avenue hinunter, aus dem Sand vor der Mauer fischte ich die Kugel, es war eine 45er, Pat wartete im Schießkeller auf mich.
Pat: Jemand will dich offensichtlich aus dem Weg räumen.
Mike: Der Mörder scheint ein schießwütiges Monster zu sein.
Pat: Vielleicht, aber es ist schon merkwürdig, die Kugel mit der auf dich geschossen wurde, stammt nicht aus der Waffe, aus der auf Jack, Kalecki und Eilin geschossen wurde.
Mike: Bist du ganz sicher.
Pat: Vollkommen.
Mike: Apropos Kalecki, sollte man sich ihn nicht noch mal vornehmen.
Pat: Hab ich auch schon dran gedacht, aber er ist ausgeflogen der Vogel, wie vom Erdboden verschluckt.
Mike: Verdammt.
Mike: Myrna hatte der Polizei Eilins Adresse gegeben, sie hatten sich dort schon umgesehen aber irgendein komisches Gefühl sagte mir, daß das bißchen Heroin, das sie bei ihr gefunden hatten, nicht alles sein konnte, Eilins Wohnung lag im Erdgeschoß eines kleines Reihenhauses in Brooklyn, an der Tür prangte das Polizeisiegel, also probierte ich es auf meine bewährte Methode, eines der Fenster ging auf den Hof, ich schob meine Finger unter den Rahmen und es glitt geräuschlos wie von selbst nach oben, war schon vor mir jemand hier gewesen, ich hoffte im stillen daß ich nicht zu spät gekommen war, wir schossen fast gleichzeitig, dann war es still, nach einer langen weile schaltete ich das Licht an, George Kalecki war tot, meine drei Schüsse hatten ihn alle an der selben Stelle erwischt, direkt in der Herzgegend, in seiner Hand hielt er das, was er in Eilins Wohnung gesucht hatte, einen silbernen Schließfachschlüssel. Es kostete Pat 3 Telefonate, dann hatte er das zu dem Schlüssel passende Schließfach ausfindig gemacht, den Inhalt ließ er sich aufs Präsidium bringen.
Pat: Jede Menge Material, das beweist, in was George Kalecki alles verwickelt war.
Mike: Rauschgifthandel, Zuhälterei und in einem Fall nachweislich auch Mord, das hätte genügt, ihn für die nächsten 100 Jahre hinter Gitter zu bringen.
Pat: Und Eilin war eins seiner Mädchen, er versorgte sie mit Stoff und kassierte sie dafür ab.
Mike: Ach, ich wußte immer, daß er ein Schwein war, und ich bin froh, daß ich ihn erledigt habe.
Pat: Myrna hat erzählt, daß sie ihrer Schwester sogar ein paar Putzjobs vermittelt hat, weil Eilin es mit ehrlicher Arbeit versuchen wollte, es sieht so aus, als ob Eilin aussteigen wollte.
Mike: Ja, deshalb hat sie auch Kontakt mit Jack aufgenommen.
Pat: Ja, sie wollte ihm die Informationen über Kaletzki zukommen lassen, um ihn endlich dranzukriegen.
Mike: Und um das zu verhindern, hat Kalecki die beiden umgebracht.
Pat: Eine großartige Theorie, du vergißt nur, daß auf Kalecki selbst geschossen worden ist, und zwar mit der gleichen Waffe wie auf Jack und Eilin, aus der Waffe, die wir bei Kaletzki gefunden haben, wurde nur eine einzige Kugel abgefeuert, die Kugel, die dich im Park erwischen sollte.
Mike: Bis dahin hatte ich immer geglaubt, Kalecki wäre der große Boss, aber jetzt wurde mir klar, daß jemand anderer hinter ihm stand, jemand der größer war als er, und dieser jemand hatte das Beweismaterial besessen, das in dem Schließfach war, dieser jemand war der Killer, wie war Eilin an den Schlüssel gekommen, mir schwirrte der Kopf, ich versuchte es mit ein paar Whiskys in der Bar an der Ecke, dann fuhr ich zu Charlotte, sie war gerade dabei sich umzuziehen.
Manning: Komm rein Schatz du mußt die Unordnung entschuldigen ich habe meinem Mädchen freigegeben, damit sie sich um seine kranke Mutter kümmern kann.
Mike: Mach dir keine Gedanken.
Manning: Weißt du was, du mixt uns zwei highballs, und ich zieh mich inzwischen fertig um.
Mike: Gute Idee.
Mike: Während ich die drinks mixte, sah ich mir die Bücher an, die bei ihr rumlagen, Heilung durch Hypnose hieß eines und ein anderes, Psychologie der Ehe, sieh an, sie bereitete sich also offensichtlich schon vor.
Manning: Dein drink ist fertig Liebling.
Mike: Bring ihn mir.
Mike: Vielleicht hätte ich einen Moment warten oder vorher anklopfen sollen, als ich ins Zimmer trat, stand Charlotte völlig nackt vor mir, sie war noch schöner als ich es mir vorgestellt hatte, Charlotte war fast noch perplexer als ich, sie errötete, und warf sich rasch einen Bademantel über, wortlos stürzten wir beide unser drinks in einem Zug herunter aber selbst der Alkohol konnte mich kaum besänftigen.
Manning: Mike, ich will dich.
Mike: Nein, nein.
Manning: Aber warum nicht.
Mike: Unsere Zeit ist noch nicht gekommen.
Manning: Sag es mir Mike.
Mike: Ich liebe dich.
Manning: Laß uns heiraten, gleich morgen.
Mike: Morgen nicht, aber sehr bald, ich kann nicht mehr lange warten.
Mike: Im nächsten Augenblick lag sie in meinen Armen und küsste mich, ich presste sie so fest an mich, wie ich konnte, dann schob ich sie weg und ging zur Tür.
Mike: Bis morgen, Liebling, ich werde rechtzeitig da sein.
Mike: Noch einen Moment länger, und ich hätte den Verstand verloren, sie war eine wunderbare Frau und die ganze Herrlichkeit gehörte mir. Der Wecker rasselte um 6, ich drosch auf ihn ein, um den Lärm abzustellen, auf meinem Nachttisch stand eine halbvolle Flasche Bier und ich nahm einen Schluck daraus, es war abgestanden wie eine Litfaßsäule, als ich es bis zum Fenster geschafft hatte, sah ich, daß die Sonne schien, es war ein strahlend schöner Tag, genau der richtige Tag, um aufs Land zu fahren und eine hinreißende Blondine zu treffen, zuerst aber mußte ich mich unbedingt bei Velda melden.
Velda: So früh schon auf.
Mike: Ich habe heute eine wichtige Ermittlung.
Velda: Du solltest deine Sportklamotten mitnehmen.
Mike: Wiebitte.
Mike: Wahrscheinlich konnte sie wirklich hellsehen.
Velda: Marry Bellemy hat angerufen, als besondere Attraktion ist ein Tennismatch vorgesehen, zu diesem zweck haben die Zwillinge extra irgendwelche Tennisgrößen eingeflogen.
Mike: Ach ja.
Velda: Ach ja.
Mike: Sonst noch was.
Mike: Vielleicht wußte sie über die Sache zwischen mir und Charlotte ja auch schon bescheid, sie würde mir ordentlich die Hölle heiß machen.
Velda: Viel spaß, baby.
Mike: Ich war irgendwie erleichtert, als sie auflegte. Das Haus lag inmitten eines riesigen Grundstücks und machte einen prächtigen Eindruck, ich war kaum aus meinem Auto gestiegen, als ich eine wohlbekannte Stimme hinter mir hörte.
Bellemy: Hallo Feigling.
Mike: Hallo Marry.
Mike: Sie führte mich zu den Tennisplätzen, ich war froh unter den Zuschauern Charlotte zu entdecken, sie saß neben Myrna in der ersten Reihe, die beiden waren offensichtlich in ein ernstes Gespräch vertieft, als ich kam, presste Myrna ihre Hand an die Schläfen und sagte, sie müßte kurz ins Haus gehen und sich ein Aspirin holen, in dem Moment kam Ester Bellemy auf uns zu, äußerlich konnte ich kaum einen Unterschied erkennen, und doch war sie ganz anders als ihre Schwester, sie benahm sich höflich und reserviert.
Bellemy: Darf ich ihnen kurz Mr Hammer entführen, ich würde ihn gern einigen leuten vorstellen.
Manning: Aber natürlich.
Mike: Es wäre schön gewesen, einfach so neben Charlotte zu sitzen, ich wäre Ester am liebsten an die Gurgel gesprungen, aber da war etwas, das mich brennend interessierte, ich mußte unbedingt mehr über dieses rote Muttermal wissen.
Bellemy: Sie haben in dem Fall Jack Williams ermittelt, Mr Hammer.
Mike: Nennen sie mich Mike, ich bin nicht an Förmlichkeit gewöhnt.
Mike: Ester hatte ihr Haar zu einer Nackenrolle eingeschlagen, für mich sehen Mädchen mit eingerolltem Haar immer so aus, als bräuchten sie nur noch Eimer und Schrubber, um die Küche aufzuwischen.
Bellemy: Also gut Mike, ich habe mich schon gewundert, daß sie mich nie zu dem Fall befragt haben.
Mike: Das läßt sich ja nachholen.
Mike: Sie führte mich an den Tennisplätzen vorbei, in Richtung eines kleinen Wäldchens, ich fragte mich, wo die Leute waren, die mir vorstellen wollte.
Bellemy: Nun, beginnen sie mit der Befragung.
Mike: Der Wald wurde dichter, sie mußte ein Stück vorausgehen, als ich ihre Rückseite sah, fielen mir keine Fragen mehr ein, warum können Frauen einfach nicht aufhören, sich so zu bewegen, daß Männer auf abwegige Gedanken kommen.
Mike: Ähm, wovon leben sie eigentlich wenn ich mir die frage erlauben darf.
Bellemy: Unser Vater hat uns seine Anteile an ein paar Betrieben im Süden hinterlassen, wir kommen ganz gut zurecht.
Mike: Das sieht man.
Bellemy: Dafür ist man aber auch ständig von einem halben dutzend Verehrer umgeben, die einem erzählen, wie hübsch man ist, nur weil sie sich das alles hier unter den Nagel reißen wollen.
Mike: Dabei müssen ihre Verehrer nicht einmal lügen.
Bellemy: Sind sie etwa auch auf der Suche nach einer reichen Frau.
Mike: Man könnte glatt auf den Geschmack kommen.
Mike: Wir waren inzwischen auf einer lauschigen kleinen Lichtung angekommen.
Bellemy: Seien sie vorsichtig mit dem was sie sagen.
Mike: Warum.
Mike: Als Antwort hörte ich, wie die Druckverschlüsse an ihrem Kleid auseinander klickten, ich zog sie zu mir herüber und küsste sie, dieser Kuß war wie geschmolzene Lava, ich konnte sie nicht von mir stoßen und ich wollte es auch nicht mehr, wir waren allein, nur noch das Geräusch unseres heißen Atems, irgendwann öffnete ich wieder die Augen.
Mike: Schwindlerin, du bist nicht Ester, du bist Marry.
Bellemy: Wie hast du das bloß rausgekriegt.
Mike: Soviel ich sehe, ist da weit und breit kein erdbeerfarbenes Muttermal.
Bellemy: Oh baby, ich wußte es doch, du würdest es dir nicht nehmen lassen, selbst nachzuschauen.
Mike: Das Match war fast vorbei als wir zurückkamen, Charlotte saß immer noch auf ihrem Platz, nur war jetzt ein smarter Jüngling neben ihr, mit dem sie offensichtlich in ein intensives Gespräch verstrickt war, ich wollte gerade meinen Gefühlen freien lauf lassen, als aus dem Haus ein Schreien erklang, daß so schrecklich und mark erschütternd war, daß alle anwesenden erstarrten, ich rannte sofort zum Haus und fand das Hausmädchen am oberen Treppenabsatz, ihre schreckensgeweiteten Augen wiesen auf eines der Zimmer, es war die Garderobe, ich wußte, was mich erwartete, als ich den Raum betrat, auf dem Boden lag Myrna, und in ihrer Brust klaffte das Loch einer 45er.
Manning: Sie wollte sich doch nur kurz ein Aspirin holen.
Mike: Jetzt ist sie tot, und ich hab mit den Killer hier irgendwo direkt vor meiner Nase.
Mike: Es war passiert, während ich mit Marry im Wald gelegen hatte, der Mörder hatte wieder seinen Schalldämpfer benutzt.
Mike: Schaumal Charlotte was ich bei Mirnas Leiche auf dem Teppich gefunden habe.
Mike: Ich gab ihr den Umschlag, in dem ich das Pulver mit den Händen hineingekehrt hatte.
Manning: Es ist Heroin.
Mike: Es ist das gleiche Zeug das die polizei auch bei Eilin gefunden hat.
Manning: Vielleicht hat Myrna wieder damit angefangen.
Mike: Das glaub ich nicht, sie hat es gefunden, wahrscheinlich in der Gardarobe, und der Killer hat sie dabei überrascht.
Manning: Ist dir sonst noch etwas aufgefallen.
Mike: Nein, oder doch, unter Myrnas Fingernägeln hatte ich rote Wollfasern entdeckt, aber irgendetwas hielt mich davon ab, es Charlotte zu sagen. Es war weit nach Mitternacht, als ich Charlotte vor ihrem Haus absetzte, sie hatte immer noch Tränen in den Augen, verständlich, sie hatte Myrna gemocht, ich war den Tod gewöhnt, aber ihr mußte das ganze wie ein Alptraum vorkommen, wir küssten uns zum Abschied, dann sah ich ihr nach, wie sie zu ihrer Tür ging, ihr roter Mantel leuchtete in der Dunkelheit, sie drehte sich zu mir um.
Manning: Möchtest du nicht doch noch mit hinaufkommen.
Mike: Hatte ich Pat zuletzt doch geschlagen und ich war glücklich darüber, glücklich, wie könnte ich nur so glücklich sein, zu viele Menschen waren gestorben, ich mußte der Sache ein ende bereiten, jetzt oder nie.
Mike: Ja, Charlotte, warum nicht.
Mike: Ich setzte mich in den Sessel am Fenster und wartete, bis sie mit dem Eis aus der Küche zurückkam, dann sah sie die Magnum in meiner Hand, sie zielte genau auf ihren Bauch, selbst unter dem Makeup konnte ich sehen, wie ihr die Farbe aus dem Gesicht wich.
Mike: Es hat kein Zweck mehr Charlotte, ich weiß alles.
Mike: In ihren Augen spiegelte sich Verwirrung, niemand außer mir hätte bemerkt, daß sie schauspielerte.
Mike: Angefangen hat alles mit deinem Job, die Leute sind zu dir gekommen, weil sie deine Hilfe brauchten, und du hast ihnen geholfen, in dem du ihnen Drogen gegeben hast, sie wurden von dir abhängig und du hast mächtig abkassiert, über deine Praxis bist du zunächst problemlos an das Zeug rangekommen, aber allmählich gabs Probleme mit dem Nachschub, da lerntest du George Kalecki kennen, gerade zum richtigen Zeitpunkt, während deiner Hypnosebehandlung, vermutlich bist du eine Meisterin darin, hast du jedes schmutzige Detail seines Lebens ans Licht gebracht, damit hattest du ihn in der Hand, und von nun an sorgte er für den nötigen Nachschub an Drogen.
Mike: Ihre Augen waren angstvoll geweitet ich konnte förmlich sehen wie ihr verstand auf Hochtouren lief, sie suchte nach einem Ausweg und schließlich hatte sie ihn.
Mike: Die Informationen, die du über Kalecki hattest, hast du alle in einem Schließfach gesammelt und der Schlüssel war zuhause bei dir versteckt, wie ist Eilin nur in den Besitz dieses Schlüssels gekommen, ich habe lange drüber nachgedacht und es eigentlich erst heute kapiert, mußtest du in letzter zeit deinem Mädchen nicht dauernd frei geben, weil seine Mutter krank ist, da warst du froh, als dir von Myrna Eilin als Putzfrau empfohlen wurde und Eilin die von Kalecki vielleicht sogar dafür angeheuert war, entwendete den Schlüssel.
Mike: Der Schrecken war aus ihr gewichen und an seine Stelle trat etwas anders, jetzt kam es, der Ausweg.
Mike: Eilin wollte aussteigen und Kalecki drankriegen, deshalb hat sie Jack kontaktiert, wenn Kalecki auffliegen würde, würdest du auch auffliegen, also mußtest du handeln, nachdem dich dein Hausmädchen ins Bett gebracht hatte, bist du wieder aufgestanden und zu Jack zurück, dann hat du ihn im Schlafzimmer erwischt.
Mike: Ihre Hände glitten langsam an ihrem Körper entlang und umfaßten ihre Brüste, dann tasteten sie nach den Knöpfen ihrer Bluse, sie sprangen auf, einer nach dem anderen.
Mike: Damit hatte das Morden noch lange kein ende, denn George Kalecki blieb ein Unsicherheitsfaktor, also war er der nächste, aber du hast ihn verfehlt, er konnte der Polizei natürlich nicht sagen, daß du auf ihn geschossen hast, sonst wäre er ja mit aufgeflogen, aber an dem Morgen im Park, als ich dachte Kalecki, hätte es auf mich abgesehen, da hat er in Wirklichkeit auf dich gezielt, um sein Problem auf diese weise zu lösen.
Mike: Die Bluse rutschte über ihre Schultern zu Boden, sie trug keinen Büstenhalter, ihre Brüste, ihre festen, einladenden Brüste, reckten sich mir entgegen.
Mike: Dann kam Eilin an die Reihe, das war an dem Abend nach unserem ersten Kuß, erinnerst du dich noch.
Mike: Sie öffnete den Reißverschluß ihres Rocks, ganz langsam, um dabei die maximale erotische Wirkung zu entfalten, schälte sie sich aus dem Rock, jetzt blieb nur ein winziger Slip.
Mike: Du hast Glück gehabt, immer Glück, auch bei dem Mord an Myrna, ihr wart vor dem Tennisspiel in ein ernstes Gespräch verwickelt, dabei muß dir klar geworden sein, daß Myrna Verdacht geschöpft hat, sie ging dann hinauf ins Haus, aber nicht um sich ein Aspirin zu holen, sondern um einen Beweis zu finden, und den hat sie in der Tasche deines Mantels gefunden, ja.
Mike: Ihre Daumen schoben sich unter den Bund ihres Slips.
Mike: Dabei hast du sie überrascht, du hast sie erschossen, und versucht, so gut es ging das verstreute Heroin zu beseitigen, dann hast du ihr deinen Mantel aus den toten starren Händen gerissen und dabei sind die roten Wollfäden unter ihren Fingernägeln hängengeblieben.
Mike: Dann stieg sie so graziös aus dem Höschen, wie Venus aus dem Bade, sie war eine echte Blondine.
Mike: Nein Charlotte, kein Gericht würde dich je so verurteilen können, viel zu viel Indizienbeweise, deine Alibis waren zu perfekt.
Mike: Langsam, ganz langsam, kam sie auf mich zu.
Mike: Jetzt bin ich der Richter, und ich muß ein Versprechen einlösen, so schön du bist, und so sehr ich dich fast geliebt hätte, ich verurteile dich zum tode.
Mike: Der Duft, den sie verströmte, war atemberaubender als jedes Parfüm, sie war perfekt, sie streckte ihre Arme nach mir aus und wollte mich umarmen, das Donnern meiner Magnum erschütterte den Raum, Charlotte taumelte zurück, einen moment später und sie hätte mich mit ihrer 45er, die hinter mir auf der Fensterbank in Griffnähe lag getötet, aber ich war ihr zuvorgekommen, fassungslos starrte sie mich an.
Manning: Wie konntest du nur.
Mike: Mir blieb nur noch ein Augenblick, aber ich schaffte die Antwort gerade noch.
Mike: Es war leicht.
Mike Hammer (Privatdetektiv): Jürg Löw
Velda (seine Sekretärin): Lisa Adler
Charlotte Manning: Caroline Schreiber
Marry Bellemy: Myriam Gurland
Pat Chambers: Justus Fritzsche
George Kalecki: Horst Mendroch
Bobo Hopper: Steffen Schult
Bearbeitung (Wort): Regine Ahrem
Regie: Thomas Werner
Weitere Informationen zu den Hörspielen gibt es in der Hörspieldatenbank im Internet unter: https://hoerspiele.dra.de/
Kommentar von Hörspiele |
Ed McBain: Stirb, Kindchen, stirb (BR/WDR 1992)
(Kriminalhörspiel aus dem 87. Polizeirevier nach dem Roman Lullaby)
Sprecherin: Mit Detective Steve Carella, dem Gründlichen.
Carella: Nochmal von vorne, Minute für Minute, also du steigst die Feuerleiter runter, was siehst du, was hörst du, ich will alles wissen.
Sprecherin: Detective Bert Kling, dem Knallharten.
Kling: Oh mann als Cop bist du hier nur das Arschloch.
Sprecherin: Detective Meyer Meyer, dem Gemütlichen.
Meyer: Ich hab hier ne Hundemarke, Detective Meyer wau wau.
Sprecherin: Der aber auch anders kann.
Meyer: Hör mal zu du Kinderschänder, du verschaffst mir den Aufenthaltsort von Martin Proctor oder ich laß dich hochgehen ist das klar.
Sprecherin: Und Detective Ollie Weeks, dem Witzbold.
Weeks: Und denk an die vier großen w, nach dem wo und dem was jetzt das wer und vor allem das wie, hehehe.
Discjockey: Happy New Year Leute, hebt das Glas, amüsiert euch und tanzt, unser junges Jahr ist genau 1 Stunde 15 Minuten alt, jawohl 1 Uhr 15 und ihr hört die After Midnight Show in Radio BX Isola und hier baby, hier ist eine ganz heiße Nachricht von einer aufregenden Frau, und sie geht an dich Detective Steve Carella.
Carella: Seid doch mal still.
Discjockey: Ja wo immer du bist, was immer du tust, denk daran, deine Frau die dich liebt und ihr Name ist, du weißt es, denn es kann nur eine sein, deine Frau Teddy, prost Neujahr Steve und auch an euch Jungs vom 87 Polizeirevier hier in Isola, an die Detective Bert Kling, Meyer Meyer und Ollie Weeks, die folgende Nummer ist nur für euch Jungs, only you.
Radio: Only you...
Proctor: Fuck, ja was haben wir denn da, die Möpse, 50, 20.
Shirley Unger: Oh, nimm die Hand da raus, du Ferkel.
Proctor: Holy shit.
Shirley: Tony, rat mal, was ich jetzt mache.
Proctor: Pfoten hoch, und weg von der Tür.
Shirley: Ah.
Proctor: Schnauze.
Tony Unger: Um himmelswillen, Shirley, was ist denn.
Proctor: Bleib stehn, verdammt noch mal, bleib stehn, ich leg sie um.
Shirley: Tony.
Proctor: Halt deine gottverdammte Schnauze.
Tony: Komm laß doch, mach nicht so.
Proctor: Ab ins Bad mit euch.
Frau: Halt die Schnauze, du versoffenes Loch.
Discjockey: Ihr hört die After Midnight Show auf Radio Isola...
Hodding: Ah ah...
Proctor: Fucking bastards.
Scott: Lorraine wo steckst du, habt ihr lorraine gesehen, lorraine, lorraine bist du das.
Lorraine: Pst.
Scott: Ich dachte schon.
Lorraine: Ich hätte dich verlassen, bringst du mich dann auch um, Scott.
Scott: Ich.
Allan: Mr Hodding, alles in Ordnung da oben, Mr Hodding.
Hodding: Oh ja Allan, danke, Susan ist ok, ruhigen dienst und prost neujahr noch, ich geh wieder feiern.
Allan: Moment noch, Mr Hodding, ich hab noch einen guten.
Hodding: Einen was.
Allan: Spot, vielleicht können sie ihn gebrauchen, also sitzt einer mit ner Flasche und aufgeknüpfter Hose im Sessel, hinter ihm aus dem Schlafzimmer sieht man ne blaue Nonne, knöpft dir einmal die blaue Nonne vor gut was, können sie haben MrHodding.
Hodding: Danke, Lunar ist leider kein Kunde von uns.
Allan: Verdammich Allan, das ist ein guter, hahaha, du Allan, ich brauch eiscube und dann knöpf ich mir Laura vor.
Hammond: Oh shit.
Baby: Ah.
Annie: Peter, bist du das, Peter, wer sind sie, was wollen sie, ah ah ah.
Discjockey: 8 Uhr midnight, ich bin immer noch da, ihr seid auch noch da, hervorragend, Radio PX Isola.
Mann: Du alte Schlampe, mach diese gottverdammte Tür auf oder ich trete sie ein.
Gayle Hodding: Wird das heute noch was mit der Tür.
Peter Hodding: Moment Gayle, einen kleinen moment noch, ja, ich hab einen sitzen, aber schließlich ist das ja eine ganz besondere Nacht, nicht wahr, Annie, wir sinds, Annie wir sind zurück, Annie.
Gayle: Polizei, polizei, polizei.
Carella: Ich bin Det Steve Carella, erzählen sie ihre Geschichte nochmal Mr Hodding.
Meyer: Ok hast du sie, dann schreib, Annie Flinn, Babysitterin, 16 Jahre alt, aufgefunden in der Mitte des Korridors, Bluse zerfetzt, Rock bis zum Arsch hoch gestreift, Messer in der Brust.
Mann: Sie ist tot.
Meyer: Erschossen ja.
Mann: Arschloch.
Carella: Mr Hodding.
Hodding: Ja moment, kann mich noch nicht konzentrieren.
Meyer: Messer in der Brust, Tod amtlich festgestellt vom Gerichtsarzt Dr Turner.
Hodding: Darf ich mir eine anzünden.
Meyer: Jetzt das Baby, hast du es.
Carella: Ja bitte Mr Hodding.
Meyer: Name Susan Hodding, Alter 6 Monate, Gesicht blau, wahrscheinlich erstickt, Tot amtlich festgestellt von Gerichtsarzt Dr Turner, neben dem Bett wahrscheinlich von der Decke ein Mobile aus Metallstäben, äh Steve.
Carella: Moment ja, also Mr Hodding.
Hodding: Wir kamen.
Carella: Ja.
Hodding: Wie schon gesagt vor einer guten Stunde, halb drei Uhr etwa von der Party zurück.
Carella: Wo.
Hodding: Ein paar Blocks weiter, Ecke 12. und Grover.
Carella: Und die Wohnungstür.
Hodding: Abgeschlossen, ich brauchte ne Zeit reinzukommen, weil ich ziemlich blau war, nicht wahr Gayle.
Carella: Und dann.
Hodding: Hab ich Annie auf dem Korridor liegen sehen mit dem Messer in der Brust.
Meyer: Steve.
Hodding: Und dann.
Carella: Ja.
Hodding: Susan, das Kissen lag auf ihrem Gesicht, ich habs weggenommen, das Gesicht war ganz blau.
Carella: Können sie bestätigen, was ihr Mann ausgesagt hat, Mrs Hodding, Mrs Hodding.
Meyer: Hey Steve was ist jetzt, lassen wir das Messer drin oder wie.
Frau: Ah ah.
Discjockey: Goodmorning Isola, guten Morgen im neuen Jahr, 5 Uhr und 12 Minuten.
Mann: Detective Kling, Detective Kling, bitte kommen auf 3 bitte kommen.
Kling: Ich kündige.
Discjockey: Und er wünscht sich, was wir alle uns wünschen, a wonderful world.
Mann: Was ist los verdammt, Bert was ist eigentlich los gib doch mal ein Lebenzeichen.
Kling: Äh ja hier Detective Kling, ich höre.
Mann: Hast du den arsch endlich hochgekriegt du penner schaltauf 3 dagehts weiter.
Kling: Ok Detective Kling auf 3.
Mann: Also an der Kreuzung Concorde und Dow Street, muß direkt vor deiner Nase sein, sollen drei schwarze einen puertorico mit baseballschläger prügeln.
Kling: Na wer sagts denn.
Radio: What a wonderful world...
Mann: Ah ah.
Kling: Polizei aufhören auseinander, schmeiß das ding weg.
Mann: Oh.
Kling: Hank schmeiß das ding weg.
Mann: Hey laß los, laß das.
Kling: Schmeiß weg sag ich und jetzt schön die Pfoten auf den Kopf, hol nen Krankenwagen.
Herrera: Gracias pornada.
Carella: Polizei aufmachen, Polizei.
Shirley: Jaja Mann was ist denn schon wieder los, das hatten wir doch schonmal, ihr nervt.
Carella: Detective Carella von 87 Revier, Mrs Unger, ich hab ne scheiß Nacht hinter mir, könnte gut sein, daß mir bei so einem Ton der Geduldfaden reißt.
Shirley: Hör mal zu Schätzchen, wir sind heute nacht ausgenommen worden und ihr wißt alles von uns um eure gottverdammte Pflicht zu tun, unsere geklauten Sachen wieder beizuschaffen klar.
Carella: Ein Einbruch hier im 6. Stock, wer hat ihn aufgenommen.
Shirley: So ein Lockenköpfen, Willis oder so.
Carella: Willis, aha ok Mrs Unger, jetzt versteh wir uns, ich bin wegen des Doppelmordes bei Hoddings im vierten hier.
Shirley: Was.
Carella: Vielleicht besteht ein Zusammenhang, kann ich jetzt reinkommen.
Radio: Bleibt sauber.
Carella: Nein.
Meyer: Hier, Liebesgrüße vom Labor, Steve.
Carella: Und erzähl schon.
Meyer: Moment.
Mann: Was hast du denn da für ne Puppe Ollie.
Weeks: Ne gelbe, ne gelbe Nutte ohne bockschein.
Mann: Und wer sagt, daß sie eine ist.
Weeks: Ich sage das.
Meyer: Die Werkzeugspuren am Fenster im 4 und 6 Stock sind nicht identisch.
Carella: Was sagt uns das.
Meyer: Nichts, kann aber trotzdem dieselbe Person gewesen sein.
Carella: Jaja.
Weeks: Also unterstellen wir mal Mädchen, du möchtest weiterhin diese Bar in unserem Revier frequentieren, ja dann solltest du den Detektiven dieser schönen Stadt gegenüber ein gewisses Entgegenkommen zeigen, und mach ich mich verständlich, Schätzchen.
Carella: Komm weiter.
Meyer: Sie haben Annie Flinn abgesaugt und Schamhaare einer anderen Person gefunden.
Carella: Und Sperma.
Meyer: Auch das, warte mal.
Mann: Hey Bert, hat dich der Doc wieder auf freien Fuß gesetzt.
Kling: Schon rasiert heute, Tag Ollie.
Weeks: Spuck doch mal durch die Zahnlücke, Bert, Treffer.
Kling: Na Stevie, Meyer.
Meyer: Hi Bert, täusch ich mich oder ist bei dir im Mund bißchen luftiger geworden.
Kling: Paß auf, ich könnt immer noch in deinen feisten Arsch beißen du.
Carella: Was machst du für ne scheiße.
Kling: Was heißt hier scheiße.
Carella: Bert hör zu, hast du ne Aussage von dem Puertoricaner.
Kling: Ja natürlich nicht, der Spiekman, liegt doch im Krankenhaus, hängt an Schläuchen, da ist er auch gut aufgehoben, Stevie, die Sache ist doch klar oder.
Weeks: Vorsicht, Carella ist ein Itaker.
Carella: Bert, du hast zwei schwarze über den haufen geschossen und ich rate dir eine Aussage beizubringen, die deine bestätigt ok.
Kling: Ok ok ok kannst du haben, als cop ist man hier wirklich nur das arschloch.
Carella: Also was weiter.
Meyer: Sie haben frisches Sperma in ihrer Scheide gefunden, aber es hatte sich schon im Uterus und Eileiter ausgebreitet.
Carella: Das heißt.
Meyer: Daß Annie einen Orgasmus hatte, sonst würde die Ausbreitung bis zu 6 Stunden dauern.
Carella: Ja und, die Bluse war zerrissen und der Rock hochgestreift, das paßt auf ihren Exfreund Scott Handler.
Meyer: Das glaub ich nicht, Annie ist ich meine war 16, Scott Handler ist 18, sie gibt ihm den Laufpass ok aber die drohung sie umzubringen das war doch nur heiße Luft.
Carella: Annies Vater steht zu der Aussage.
Meyer: Na und, ein teenie im liebesschmerz.
Carella: Wir sollten Scott Handler trotzdem sehen ja, und sonst irgendwelche verwertbare Fingerabdrücke.
Mayer: Nur die von Annie auf dem Messer, das Messer gehört zum Haushalt der Hoddings, eine Gelegenheitswaffe.
Carella: Gut gut gut gut.
Weeks: Gottverdammtescheiße, warum sagt du nicht gleich, daß du von Henry zu kommst, los los verpiß dich, raus hier.
Meyer: Guck mal Treffer, zum schluß noch ein Treffer, das Labor hat die Finger-abdrücke auf dem Fensterbrett der Ungers im 6. Stock identifiziert.
Carella: Und wer ist es.
Meyer: Martin Proctor alias Snake alias Mr Smith, ein Junkie und Dopedealer.
Carella: Oh je kann es denn nicht mal ein einbeiniger Albino mit Versetzstimme oder sowas sein.
Meyer: Laß mal Steve, ich hab da ne Idee, Fats Donner ist uns noch was schuldig.
Donner: Snake, Mr Sniff, Dr Proctor, logo kenn ich, werf mir mal das Handtuch für meine Füße rüber, Meyer.
Meyer: Hier.
Donner: Danke.
Meyer: Und wo find ich ihn.
Donner: Du mußt mir nur sagen, welchen der 800 snakes du meinst, da fällt mir ein, im moment nennen ihn sie seine Freunde Rambo und er lebt unter dem Namen Smith in irgendeinem Hotel.
Meyer: Hör mal zu, du kinderschänder, du verschaffst mir den Aufenthaltsort von Martin Proctor oder ich laß dich hochgehen, klar.
Frau: Hi, ich bin Brenda, was kann ich dir bringen.
Kling: Nett, nett, Brenda, also ich brauche eine große Diätcola mit Eis, ein Thunfisch-Sandwich mit Majo, Gurke und Tomate ja und 2 Jellydonuts.
Herrera: Buenas noches, sie gestatten Senior Kling.
Kling: Ja du sitzt ja schon.
Herrera: Eh Kaffee.
Frau: Ok.
Kling: Sagt mal was soll eigentlich dieses Versteckspiel hier, Herrera, warum kommst du nicht zu mir aufs Revier.
Herrera: Hör zu Kling, ich hab beschlossen, ich helf dir.
Meyer: Komm stecks dir in den Arsch, vor 2 Tagen hätt ichs gebraucht, jetzt ist die Sache gelaufen.
Frau: So, laß es dir schmecken, ich hab dir 3 Donuts mitgebracht, wir haben gerade die Aktion 3 für 2 laufen.
Kling: Super super.
Herrera: Hey die Sache fängt es an, ich kann dir ein dickes Ding zuschieben.
Kling: Also mir genügt das dicke Ding hier zwischen den Zähnen.
Herrera: Paß auf, die Nigger, die mich plattmachen wollten, das waren Jakies, eine jamaikanische gang, die größte mann, Drogen Mädchen Waffen, kennst du Spengler.
Kling: Na klar.
Herrera: Größer, kennst du Schauer.
Kling: Hm.
Herrera: Noch größer.
Kling: O und wie nennen sich deine schwarzen Wunderboys.
Herrera: Hey langsam.
Kling: Hör zu, Herrera, ich stopf jetzt noch diese Donuts rein und dann bin ich weg, ist das klar.
Herrera: Langsam mann langsam, paß auf, am 23 Januar kommt hier ein Schiff an unter irgendeiner Flagge von Skandinavien mit 100 Kilo Koks an Bord, paar Kilo von dem Dope das tun die weg für Test von Qualität und wenn das gut geht, ja die Jakies geben 1 Mio Dollar.
Kling: So und kannst du jetzt deine ganze Story vielleicht noch als Reaggie singen, das kommt irgendwie besser, sag mal Herrera, was wilst du eigentlich vor mir.
Herrera: o gott, sag mal begreifst du das nicht, Kling, die jackis wollten mich umlegen weil ich von der Sache weiß, paß auf, ich geb dir ne chance, ja, ich biet dir die riesen sache, 100 kilo dafür krieg ich Personenschutz.
Kling: Ok kriegst du, bis nächste Woche teilst du mir mit, wo und wie die Sache über die Bühne geht, ja und dann verhandeln wir vielleicht neu über deinen Beschützer, bis dahin Hals- und Beinbruch Herrera, sie waren absolute Superklasse, Baby.
Herrera: Scheiß bulle.
Carella: Ja bitte, ich brauch noch nen Kaffee, also drei Schienen, verstehen sie, die erste, Einbruch Vergewaltigung oder beides, die Morde sind da nur der Nebeneffekt, die zweite, jemand wollte Annie aus dem weg haben, dann ist der Mord an Susan nur eine folge davon, der Einbruch läuft separat, jetzt die dritte schiene, der Mörder wollte das Baby töten.
Hodding: Ein 6 Monate altes Kind, warum denn.
Carella: Will ich ja von ihnen wissen, war mit Susan irgendwas Besonderes.
Hodding: Nein, das, ach was, Unsinn.
Carella: Was.
Hodding: Wir haben Susan adoptiert.
Carella: Und das sagen sie mir erst jetzt, wer sind die leiblichen Eltern.
Hodding: Weiß ich nicht, darf ich gar nicht wissen, ist Bedingung bei Cooper Andersen, der Agentur mit der wir das abgeschlossen haben.
Meyer: Ahoi Schwester, arbeitet Lorraine Greer hier an bord.
Lorraine: Sieht nicht so aus, als wären sie mit ihr verabredet.
Meyer: Ich hab hier ne Hundemarke, Detective Meyer wau wau.
Lorraine: Und wen wollen sie anpinkeln.
Meyer: Lorraine, ich suche Scott Handler.
Lorraine: Kenn ich nicht.
Meyer: Mach keine Dummheiten, Lorraine, Falschaussagen kommen teuer, er ist 10 Jahre jünger als du, ok wen kümmerts, aber die Morde.
Lorraine: Annie und das Baby, Scott hat damit nichts zu tun.
Meyer: Wenn er ein Alibi hätte.
Lorraine: Für wann.
Meyer: Anders rum, wo war er in der Silvesternacht.
Lorraine: Ok raus damit, was er vor Mitternacht gemacht hat, weiß ich nicht, und dann waren wir zusammen, von halb eins bis mindestens 4 Uhr.
Meyer: In Ordnung das genügt, sag Scott, er ist aus dem Schneider.
Nellie: Steve, ah da bist du ja, ok Steve wir sind hier komplett, Bezirksstaatsanwalt Bobby Mcananam, sein Assistent Ralph Riegelburger und ich, ich stell dich auf Konferrenz, schieß los Steve.
Carella: Danke Nelly, hi Bobby hi Ralph.
Ralph: Hi Steve, denk an die Baseballkarten.
Bobby: Hi.
Carella: Das mit den Karten geht klar Ralph, ok es geht um den Fall Susan Hodding und Annie Flinn.
Bobby: Irgendwelche Fortschritte.
Carella: Wir reißen uns den Arsch auf Bobby, mehr ist im moment nicht drin ok.
Bobby: Bullshit.
Carella: Ich versteh Bobby so schlecht.
Nellie: Bobby will daß du uns sagst worum es geht, Steve.
Carella: Also, Susan Hodding ist adoptiert worden über die cooper anderson agentur, wenn Susan vorsätzlich ermordet worden ist, dann hat das vielleicht was mit ihren leiblichen Eltern zu tun, ich brauche eine gerichtliche Verfügung um an die Namen zu kommen.
Bobby: Er soll sich verpissen.
Carella: Noch mal Bobby.
Nellie: Bobby meint daß eine solche Verfügung nur ausgeprochen werden kann, wenn Gefahr im Verzug ist.
Carella: Das ist es doch was ich meine, daß für die leiblichen Eltern gefahr an Leib und Leben bestehen könnte.
Mann: Ich hab FatsDonner am telefon mit ner heißen Information sagt er nur an dich.
Carella: Um dasrauszukriegen brauch ich die namen klar momentmal hauab mit dem scheiß, ich hab die ganze staatsanwaltschaft am anderen ende, ich bin wieder da.
Nellie: Reg dich ab, Steve, Bobby sagt, er hat es nicht so gemeint, du bekommst deine Verfügung, nächste Woche.
Carella: Ich brauch sie jetzt.
Nellie: Bobby sagt es ist ok, du bekommst sie nächste Woche, machs gut Steve.
Carella: Fickt euch ins Knie.
Mann: Ich stell Fats Donner durch.
Carella: Wichser.
Donner: Bist du noch dicht, Carella oder was ist los, wenn du was von mir wissen willst andern Ton ja.
Carella: Du bist in der falschen Vorstellung, tschuldige, was gibts.
Donner: 1146 Parkstreet, Apartment 34, alles klar.
Meyer: Aufmachen Proctor, polizei.
Proctor: Oh scheiße.
Meyer: Polizei.
Proctor: Die gottverdammten Bullen, wo ist mein Wumme.
Meyer: Tritt sie ein Bert.
Proctor: Ich komm sofort, ich noch unter der Dusche, ich bin nackt.
Kling: Das halten wir schon aus, wir haben nämlich starke Nerven, wir haben bloß keine Geduld, ist das klar Mann.
Proctor: Ich komm doch gleich, sofort Jungs.
Carella: Hey wohin Snake, Handtuch vergessen, runter von der leiter und rein mit dir.
Kling: Hände hinter den Kopf, und da rüber an die Wand.
Proctor: Ihr meint es ernst was.
Carella: Bitterernst, Snake.
Proctor: Nen Mord laß ich mir nicht anhängen von euch.
Kling: Steve gib mir ne viertel Stunde du und er wird singen wie ein Chorknabe.
Proctor: Ich hab doch alles gesagt, ich hab doch alles gesagt.
Carella: Noch mal von vorn.
Proctor: Oh mann.
Carella: Minute für Minute, also du steigst aus dem Fenster, die Feuerleiter runter.
Proctor: Ja die Feuerleiter runter.
Carella: Was siehst du, was hörst du.
Proctor: Ich steig runter, überall wird gefeiert, ich hör Musik, ach ja im vierten wird gerammelt.
Weeks: Nur zu, nur zu, und denk an die großen 4 w, nach dem wo und dem was jetzt das wer und vor allem das wie.
Carella: Hirnschiß oder was Ollie, hau ab wir sind mitten drin.
Weeks: Der Stik wärs nur gewesen, am Telefon für Bert, aber bitte.
Kling: Herrera, das ist mein Mann, den nehm ich mir selbst, wo ist er.
Weeks: Kanal 5.
Carella: Schau mich an Snake.
Proctor: Bitte tun sie mir nichts Chef bitte.
Carella: Ach was, wer wir denn, bist ein guter Junge wenn deine Geschichte stimmt, und das kriegen wir raus, verlaß dich drauf.
Proctor: Ich hab ein Alibi, Chef, fragen sie Games, er hat mir hinterher im Eagel noch ein Röhrchen Crack verkauft, fragen sie ihn.
Herrera: Ja hallo Kling, hören sie, Küßchen von Consuelo, meinen Freund Kling, geht uns hervorragend, dank ihrem Gorilla, also zur Sache Kling, ich hab da noch zu tun, ok sie kennen die leere Baracke bei El camino real, dort wird der deal über die Bühne gehen, freitag abend 8 Uhr, laß doch mal komm, der Stoff kommt aus Kolumbien und wird in Florida auf ein Schnellboot umgeladen, die Jackies und die Columbianer haben vereinbart, daß zwei von jeder Seite die Sache durchziehen.
Mann: Mit den müssen sie doch klarkommen, Mensch Kling.
Kling: Oh da freu ich mich aber schon drauf, hast du alles mitgekriegt Ollie.
Weeks: Bin ich taub.
Mann: Hat jemand Steve gesehen, Post von Bobby.
Kling: Bei der Vernehmungszelle, also wie ist denn deine geschätzte Meinung Ollie.
Weeks: Der Hurenbock lügt, kein Wort wahr, wenn überhaupt, dann machen so einen großen Deal keine Jackies, 100 kg, Bert 100 Kilo, Jackies handeln mit nem Pfund, so nen Deal macht hier nur einer, und das ist Henry zu.
Mann: Bidubidu.
Weeks: Ach halt die Schnauze hinten, ich sag dir nur eins, der spick ja, der will selber so ein Ding drehen oder er versucht irgendwo aufzuspringen oder arbeitet für ne ganz andere Gang oder.
Kling: Quack quack quack, du bist vielleicht ein Klugscheißer Ollie, mit Maul so groß wie ein Ochsenfrosch.
Carella: Ärger oder was, egal prügeln könnt ihr euch hinterher, ich brauch dich Bert, du fährst zu Cooper Anderson und besorgst mir den Namen von Susans leiblichen Eltern, hier ein sesam öffne dich.
Meyer: Unangenehm für sie, Hodding, ich habe mich eingehend mit Al, dem Portier unterhalten, sie waren in der Wohnung.
Hodding: Ich, ja.
Meyer: Soll ich raten, was sie da getrieben haben, es war nicht zu überhören, der Laborbefund sagt, daß in Annies Scheide Sperma war, ihr Sperma Hodding.
Hodding: Detective Mayer, sie müssen verstehen.
Meyer: Ich versteh nur Verführung Minderjähiger, das Mädchen war gerade mal 16 Jahre alt.
Hodding: Sie wollte es genauso wie ich, es war nicht das erstemal.
Meyer: Du gottverdammter Drecksack du.
Hodding: Ich hab Annie geliebt, ich hab sie wirklich geliebt.
Meyer: Ich nehm dich mit aufs Revier und dreh durch die Mangel.
Hodding: Warum sollte ich denn meine Tochter umbringen, sie Idiot, warum denn, warum sollte ich Annie umbringen, nennen sie mir einen, nur einen einzigen Grund.
Frau: Eins zwei drei vier, jawohl weiter, mehr Schwung, wunderbar, nein Schluß Schluß aus Pause, so geht das doch nicht, Herzchen du bist einfach zu pummelig, Luisa soll dir ein neues Kleid verschaffen.
Carella: Detective Carella, guten Tag Mam, oh, äh hallo ich äh Mrs Monroe ich äh.
Frau: Brauchen sie einen souffleur oder was ist.
Carella: Wo finde ich Joyce Chapman.
Frau: Nicht da, junger Mann, verreist, ja, fragen sie doch Angela Quist dahinten, ist ne Freundin von ihr, Angela komm doch mal her, jemand von der polizei möchte dich sprechen, tschuldigen sie mich, ja komm schon Herzchen.
Quist: Ich bin Angela Quist, worum geht es.
Carella: Um das Baby, das Joyce Chapman zur Adoption freigegeben hat, können wir uns irgendwo in Ruhe unterhalten. Warum.
Quist: Sie wollte nie ein Baby, sie ist begabt, hat ne Karriere vor sich, Abtreibung kam für sie nicht in frage, darum.
Carella: Und der Vater.
Quist: Weiß nicht, daß er es ist, sie hat ihn unten in Langs Disko kennengelernt, ein Seemann, Joyce war besoffen, hat ihn mit nach Hause geschleppt, das war auch schon, am nächsten Tag war er weg, auf See, hat ein Kind aber kein Nachnamen hinterlassen.
Carella: Ist das in Schauspielerkreisen so üblich.
Quist: Was geht denn sie das an, sie war blau, punkt.
Carella: Wer wußte von dem Kind.
Quist: Wußte.
Carella: Tja sie ist tot, ermordet, der Baby Susan Fall, wie die Zeitungen sagen also.
Quist: Ja wer noch, Melissa, Joyce Schwester und ihr Mann Dick, sie haben sich rührend um Joyce gekümmert, als sie schwanger war und haben ihr die Agentur verschafft.
Carella: Und wer sonst.
Quist: Ich glaub, sie wollte niemand einweihen, nicht mal ihren Vater.
Carella: Gut, und wo ist Joyce.
Quist: In Seattle, ihr vater liegt im sterben, Leberkrebs.
Carella: Telefon.
Quist: Weiß ich nicht, aber die Nummer müßte leicht rauszukriegen sein, die Chapmans haben dort ein großes Sägewerk.
Richard Hammond: Joyce, joyce.
Joyce: Ah.
Hammond: Pst ganz ruhig, Joyce, ganz ruhig, jetzt tut es dir leid, daß du dein Baby weggegeben hast, nicht wahr Joyce, sieh mal an, 1 mio dollar hätte Susan geerbt, aber Susan ist tot, Joyce, ich habe sie umgebracht und jetzt werde ich dich umbringen Joyce.
Joyce: Ah ah.
Mann: Hey Bert.
Carella: Ja Vermittlung, Seattle, ja Joyce Chapman, nein nicht wie Charlie, sondern wie Jonny, Chapman, ja ich warte.
Weeks: Herrera ist weg.
Kling: Was sagst du.
Weeks: Sammy hats gerade durchgegeben.
Kling: Du ich hau dir die Fresse blau wenn du scheiße erzählst.
Weeks: Hör zu Bert, wenn so ein erfahrener cop.
Kling: Ach du Arschgeige du, den kauf ich mir.
Carella: Endlich, ja genau, Detective Carella, Mrs Chapman bitte, wie, was sagen sie, Augenblick mal, Meyer schnell.
Meyer: Ja ich komme.
Carella: Einen moment, Mr Hammond, ich stell um, noch mal bitte.
Hammond: Meine Schwägerin Joyce Chapman wurde heute ermordet aufgefunden.
Meyer: Hier spricht Detective Meyer, Mr.
Hammond: Hammond, ich bin mit Joyce Schwester Melissa verheiratet.
Meyer: Ok danke, Mr Hammond, wir sind die zuständigen Beamten, die im Baby Susan Fall, dem ermordeten Kind von Mrs Chapman, ermitteln.
Hammond: Was sagen sie da, Kind von Joyce, sie irren sich, Joyce hatte kein Kind.
Herrera: 5 kg.
Mann: 50000, ok.
Herrera: Bueno.
Carella: Schaff ihn raus Meyer, ich will mit ihr allein sprechen.
Meyer: Komm Hamond.
Hammond: Melissa, du verweigerst die Aussage.
Carella: Ach Mr Hammond, das fbi bestätigt, daß die fingerabdrücke auf dem Messer identisch sind mit den von Richard Hammond in den Unterlagen der Army, danke das wars Meyer.
Hammond: Melissa, Melissa, das ist ein schmutziger Trick, Melissa.
Carella: Ihr Mann lügt Melissa, sie wußten von dem Baby und wir haben seine Fingerabdrücke, Melissa, wissen sie, was das bedeutet, warum hat er, Annie, warum Melissa.
Melissa Hammond: Das Mobile, er ist gegen das Mobile gestoßen, sie hat es gehört und kam ins Zimmer, sonst würde sie noch leben, es ging ja um das Baby.
Carella: Warum.
Melissa: Vaters testament wir wußten daß erstgeborene kind sollte 1mio dollar erben.
Carella: Ahja.
Melissa: Und als Joyce davon erfahren hat.
Carella: Dachten sie, sie würde ihrem Vater endlich doch von Susan erzählen und deshalb mußte sie sterben.
Melissa: Sie hätte Dick hingehängt.
Carella: Jetzt tun wirs.
Chinese: Alles glatt gegangen.
Mann: Hä.
Chinese: Soll sagen, viele Glüße von Henry Schuh.
Mann: Ah.
Kling: Halt stehenbleiben polizei, ah ich krieg euch noch ihr gottverdammten Chanes auch dich Harry zu, Harrera, hey Joe.
Herrera: Sie geben dir keine reele Chance in diesem verfluchten Land Kling, auch dir nicht, du kriegst sie nie, du Würstchen.
Mann: Oh.
Radio: And when I got to America, I say it blew my mind...
Steve Carella: Peter Voss
Meyer Meyer: Jochen Striebeck
Bert Kling: Michael Mendl
Ollie Weeks: Ralf Wolter
Discjockey: Jim Sampson
Shirley Unger: Saskia Vester
Tony Unger: Robert Flörke
Martin Proctor: Rufus Beck
Peter Hodding: Hubert Mulzer
Gayle Hodding: Barbara Zahn
Lorraine Greer: Katharina Müller-Elmau
Scott Handler: Marc Schulze
José Herrera: Jockel Tschiersch
Fats Donner: Mogens von Gadow
Nellie: Ilse Neubauer
Angela Quist: Esther Hausmann
Richard Allen Hammond: Peter Kremer
Melissa Hammond: Bettina von Websky
Joyce Chapman: Martina Boette-Sonner
Al / Bobby: Bruno W. Pantel
Annie: Julika Blum
Arzt: Detlef Kügow
Jamaikaner/Komparse: Matthias Klaussner
Ralph: Fred Maire
Chinesin: Marina Dietz
Chinese: Hubert Mulzer
1. u. 3. Frauenstimme: Martina Boette-Sonner
2. Frauenstimme: Ursula van der Wielen
4. Frauenstimme: Veronika von Quast
1. Männerstimme: Christoph Lindert
2. Männerstimme: Detlef Kügow
3. Männerstimme/Komparse: Julian Richter
1. Polizist: Bernd Dechamps
Sprecherin der An- und Absage: Ilse Neubauer
Komparse: Olaf Danner
Komparse: Stefan Wilkening
Bearbeitung (Wort): Franz-Maria Sonner
Regie: Barbara Plensat
Kommentar von Hörspiele |
Dashiell Hammett: Das Haus in der Turk Street (WDR 1974)
Tracy: Mein Name ist Tracy, dh es ist einer von vielen Namen, die ich mir zugelegt habe im Lauf der Jahre, ich gehöre zu den Leuten, die am liebsten incognito reisen der not gehorchend, wenn sie wissen was ich meine, ich könnte auch sagen es gehört ganz einfach zu meinem Beruf unter falscher Flagge zu segeln, also ich nannte mich Tracy an dem Tag, von dem hier die rede ist und ich war hinter einem jungen Mann her in San Francisco, er war seinen Eltern davongelaufen, sein Vater war Bürgermeister in Tacoma, einem kleinen Nest in Colorado, ich sollte den verlorenen Sohn aufstöbern und zur heimkehr bewegen, möglichst diskret, keine sehr dankbare Aufgabe für einen Detektiv, aber es lag gerade nichts anders vor, der junge Mann sollte in der Turk Street wohnen in einem ganz bestimmten Abschnitt, das hatte ich inzwischen herausbekommen, aber niemand war in der Lage, mir seine Hausnummer anzugeben, und so klapperte ich denn diesen Teil der Straße ab, klingelte an jeder Tür und sagte immer den selben Spruch auf.
Tracy: Entschuldigen sie Madame, ich komme vom Rechtsanwaltsbüro Wellington und Berkly, mein Name ist Tracy.
Frau: Und sie wünschen.
Tracy: Ach eine Klientin von uns eine ältere Dame ist vorige Woche von der hinteren Plattform einer Straßenbahn geschleudert worden und hat schwere Verletzungen davongetragen, wir suchen einen jungen Mann, der den Unfall mitangesehen hat, seinen Namen wissen wir nicht, aber man hat uns gesagt, daß er hier in der Gegend wohnt.
Frau: Tja hier gibts viele junge Leute, wie sieht er denn aus.
Tracy: Mittelgroß ungefähr 18 jahre, hellblond, blaue Augen, eine Narbe auf der Stirn.
Frau: Narbe auf der Stirn, hellblond, nein das sagt mir nichts, tut mir leid Sir, ich glaube nicht, daß ich den jungen Mann kenne, den sie suchen.
Tracy: Nachdem ich auf der einen Seite der Straßenabschnitts kein Glück gehabt hatte, ging ich auf die andere Seite hinüber, es wurde schon dunkel, kein Vergnügen unter diesen Umständen, diese blöde Sucherei, und wieder alles umsonst, im 1. Haus, im 2, im 3, im 4, niemand kannte den jungen Mann, den ich beschrieb, an der 5. Tür klingelte ich zweimal vergeblich, nichts rührte sich, niemand zu hause, dachte ich und wollte schon weitergehen, da hörte ich Schritte, eine kleine alte Dame öffnete die Tür, ein Strickzeug in der Hand, sie trug eine steifgestärkte weiße Schürze über einem schwarzen Kleid, ihre schon etwas verblichenen blauen Augen zwinkerten vergnügt hinter goldgefaßten Brillengläsern.
Mrs Quarre: Guten abend, ich hoffe sie sind mir nicht böse, daß ich sie so lange habe warten lassen, wissen sie, ich muß immer erst rausgucken und sehen, wer es ist, ehe ich die Tür aufmache, alte Frauen sind ängstlich.
Tracy: Tut mir leid, daß ich sie störe Madame, aber.
Mrs Quarre: Macht nichts, kommen sie herein.
Tracy: Nein nein, ich wollte nur um eine kleine Auskunft bitten, es dauert nicht lange.
Mrs Quarre: Aber doch nicht hier draußen im Regen, ich möchte, daß sie rein kommen, wenn sie eine Auskunft von mir wollen, mein Tee wird sonst kalt, das können sie nicht verantworten.
Tracy: Ja, das sehe ich ein.
Mrs Quarre: Also kommen sie und ziehen sie den Mantel aus, wir trinken eine Tasse Tee zusammen, dann können sie auch Mr. Quarre befragen, meinen Mann, wenn ich ihnen nicht sagen kann, was sie wissen wollen.
Tracy: Sie nahm mir meinen feuchten Hut ab, hängte ihn an die Garderobe, und wartete bis ich meinen Mantel ausgezogen hatte, dann führte sie mich durch einen schmalen Korridor in ein Zimmer, das nur spärlich beleuchtet war, es war ziemlich groß wie mir schien, aber vollgestopft mit Möbeln und viel Plüsch, eine altmodische Einrichtung mit wuchtigen Polstersesseln und dicken Portieren und in der Ofenecke eine pompöse Stehlampe, in ihrem gelben Lichtkreis saß ein alter Mann, der eine Zeitung las, als wir das Zimmer betraten, blickte er auf und erhob sich aus seinem Sessel, eine sehr würdige Erscheinung mit einem dünnen weißen Bart, der auf eine weiße Weste herabfiel, sie war genauso steif gestärkt wie die Schürze seiner Frau.
Mrs Quarre: Thomas, ich habe den Herrn gebeten, eine Tasse Tee mit uns zu trinken, er möchte uns etwas fragen, ich weiß nicht, worum es geht aber.
Mr Quarre: Bitte nehmen sie doch Platz Mr.
Tracy: Mein Name ist Tracy, ich komme vom RA Büro Wellington und Barkly, wir suchen einen jungen Mann, seinen Namen wissen wir nicht, aber er soll hier in der Gegend wohnen, vielleicht können sie mir weiterhelfen.
Mrs Quarre: Ja wenn sie uns sagen können, wie er aussieht, Mr Tracy vielleicht kennen wir ihn, hat er was ausgefressen.
Tracy: Nein, es handelt sich um einen Verkehrsunfall, er war dabei, wir brauchen ihn als Zeugen, eine alte Dame ist von der hinteren Plattform einer Straßenbahn geschleudert worden, sie liegt mit schweren Verletzungen im Krankenhaus.
Mrs Quarre: Schrecklich schrecklich die arme Frau, von der Plattform geschleudert, was sagst du dazu, Thomas.
Mr Quarre: Das wundert mich gar nicht, diese Straßenbahn, es ist einfach eine Schande.
Mrs Quarre: Ja, immer wieder passiert sowas, meistens in den Kurven, bitte greifen sie zu, Mr Tracy, die kleinen Gewürzkuchen schmecken ganz gut zum Tee.
Tracy: Oh danke, also er soll ungefähr 18 Jahre alt sein, mittelgroß, hellblond, blaue Augen, eine Narbe auf der Stirn.
Mrs Quarre: Sag mal Thomas, ob das nicht vielleicht der junge Mann ist, der im Haus mit dem Geländer wohnt, ich weiß nicht, ob er eine Narbe hat, aber mittelgroß, 18 Jahre, das könnte stimmen, meinst du nicht auch.
Mr Quarre: Warte mal, das Alter könnte wohl stimmen, die Größe auch, aber hellblond, irrst du dich da nicht meine liebe.
Mrs Quarre: Du hast recht, das hatte ich ganz vergessen, er hat dunkles Haar, na der kann es also nicht sein, ja mein Mann beobachtet alles sehr genau, Mr Tracy, bei ihm sind sie an der richtigen Adresse, wenn er sagt, er ist es, dann ist er es auch.
Mr Quarre: Keine Vorschußlorbeeren, meine liebe, noch haben wir ihn nicht, aber wenn er hier in der Gegend wohnt, müßte es uns eigentlich gelingen, ihn zu identifizieren, äh wir müssen mal überlegen, ach übrigens, wir wärs mit einer Zigarre, Mr Tracy, damit ihnen die Zeit nicht lang wird.
Tracy: Die Zigarre war gut, ich rauchte und trank meinen Tee, während die beiden sich über die jungen Leute aus der Nachbarschaft unterhielten, zwei waren hellblond, aber der eine war zu groß, und der andere zu alt, sie überlegten weiter, die Liste ihrer Kandidaten wollte kein Ende nehmen, sie gaben sich alle Mühe, wirklich reizende Leute, ich rechnete zwar nicht mehr damit, hier eine Auskunft zu bekommen, die mir weiterhelfen konnte, aber ich saß bequem in meinem Sessel und hatte es nicht eilig in den Regen hinauszugehen, ich war müde und döste vor mich hin, bis ich plötzlich zusammenzuckte, ich spürte etwas kaltes im Genick, dann hörte ich hinter mir eine Stimme.
Hook: Aufstehen, aber dreh dich nicht um.
Tracy: Das kann nicht wahr sein, dachte ich, ein böser Traum, ich war wie gelähmt, ich wollte aufstehen, aber ich konnte nicht, und warum auch, warum sollte ich aufstehen, wenn niemand da war, der mich dazu aufgefordert haben konnte, nein es war ganz unmöglich, die beiden alten Leute redeten immer weiter, sie hatten offenbar nichts gehört und nichts gesehen, ein klarer Fall, ich war eingedöst.
Hook: Los du sollst aufstehen, hab ich gesagt.
Tracy: Ich dachte.
Hook: Na was denn.
Tracy: Ich dachte ich hätte geträumt.
Hook: Du willst mich wohl für dumm verkaufen, was aber da hast du bei mir kein Glück, und jetzt sind sie dran Mr Quarre, filzen sie ihn, aber gründlich.
Tracy: Der Alte legte behutsam seine Zigarre in den Aschenbecher, dann erhob er sich und kam auf mich zu, ich starrte ihn an, ich war sprachlos, er führte den Befehl aus, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, seine Hände glitten über meinen Körper, er tastete mich sorgfältig ab, eine Leibesvisitation nach allen Regeln der Kunst, nachdem er sich überzeugt hatte, daß ich unbewaffnet war, durchsuchte er meine Taschen und warf alles, was ich bei mir trug in den Sessel, von dem ich mich gerade erhoben hatte.
Mr Quarre: So das wärs seine Taschen sind leer.
Hook: Dann dreh dich mal um, damit wir uns in die Augen sehen können, na du Schnüffler, kennst du mich.
Tracy: Nein ich kann mich nicht erinnern, sie jemals gesehen zu haben.
Hook: Ach was du nicht sagst.
Tracy: Bitte glauben sie mir, ich hab wirklich keine Ahnung, wer sie sind und was hier überhaupt gespielt wird.
Hook: Du lügst, aber das werd ich dir schon abgewöhnen, verlaß dich drauf, wirst bald merken, was hier gespielt wird, wenn du Sperenzchen machst, also raus mit der Sprache, was willst du hier, na los mach endlich den Mund auf.
Tracy: Er fuchtelte wütend mit seiner Kanone herum, ein großer hagerer grobknochiger Mann, ungefähr so alt wie ich, das heißt 35, sein hohlwangiges Gesicht war mit Sommersprossen übersät, er hatte ein schroff vorspringendes Kinn, eine schiefe Nase und wässrige blaue sehr gierige Augen wie mir schien, jedenfalls eine häßliche Visage, ein Bursche, dem alles zuzutrauen war, er schrie mich an und wurde immer lauter, als er von mir nicht die Antwort bekam, die er haben wollte, aber dann meldete sich plötzlich noch eine andere Stimme, irgendwo hinter einer der Portieren, es war die Stimme einer Frau, jung, hell und musikalisch.
Elvira: Hallo Hook, wie wärs, wenn du dich mal einen Augenblick beruhigen würdest.
Hook: Was denn, was soll das heißen.
Elvira: Der Chef ist gekommen, er will dich sprechen.
Hook: Ja schon gut, ich komme, also passen sie auf Mr Quarre, passen sie gut auf, daß dieser Schnüffler uns nicht durch die Lappen geht.
Tracy: Und schon holte der Alte irgendwo zwischen seinem weißen Bart und seiner weißen Weste einen großen schwarzen Revolver hervor, um mich in Schach zu halten, während Hook die Sachen zusammenraffte, die man mir abgenommen hatte, er verschwand mit ihnen durch eine Portiere, offenbar die selbe durch die er sich von hinten an mich herangeschlichen hatte und nun hörte ich auch die Stimme des Chefs, eine etwas gedehnte Baritonstimme, sehr kultiviert wie ich zu meiner Überraschung feststellte.
Tai: Was ist denn hier los, Hook.
Hook: Allerhand ist los, sag ich dir, sie sind uns auf der Spur.
Tai: Woraus schließt du das.
Hook: Als ich vorhin weggehen wollte, habe ich diesen Schnüffler gesehen, ich war kaum auf der Straße, da sah ich ihn auf der anderen Seite, den Typ kennst du doch, dachte ich gleich.
Tai: Bist du ganz sicher.
Hook: Kannst dich drauf verlassen, jemand hat ihn mir mal gezeigt vor ein paar Jahren, ich weiß nicht mehr wie er heißt, aber ich kann mich genau an seine Visage erinnern, er ist von der Continental, so ein kleiner dicker, ich bin gleich umgekehrt um Elvira zu warnen, wir haben ihn hier vom Fenster aus beobachtet, hat an jeder Haustür geklingelt und hat die Leute was gefragt oder so.
Elvira: Ja aber immer nur ganz kurz, sie haben ihn alle abgewimmelt, vielleicht einer von diesen Klinkenputzern, dachte ich, die den Leuten eine Versicherung andrehen wollen, so sieht er nämlich aus.
Hook: Ja dann ist er über die Straße gekommen, hat angefangen, unsere Seite durch zustöbern, wir haben uns überlegt, was wir machen sollen, wenn er hier klingelt.
Tai: Ja ja ich verstehe und wer hat ihn reingelassen.
Hook: Die alte natürlich, wir haben ihr gesagt, sie soll ihn ein bißchen aufhalten, und hören was er von selber sagt, er hat da so ein Verschen, daß er einen Kerl sucht der gesehen hat, wie eine alte Frau von der Straßenbahn runtergefallen ist, aber das ist natürlich Käse, glaub mir, er hats auf uns absehen.
Tai: Wenn das wahr sein sollte Hook, dann wäre es wohl besser gewesen, du hättest dich ihm nicht gezeigt, warum hast du das nicht den beiden alten überlassen.
Hook: Das ist doch jetzt ganz egal, ich schätze er kennt uns sowieso, hauptsache wir haben ihn beim wickel gekriegt und nicht umgekehrt, ich hatte schon Angst er könnte nervös werden, und abhuschen bevor du kommst, deshalb bin ich reingegangen, hab ihn mir geschnappt, hier seine Brieftasche und was er sonst noch bei sich hatte.
Tai: Zeig mal her.
Mrs Quarre: Bitte Mr Tracy, setzen sie sich doch, trinken sie ihren Tee oder schmeckt er ihnen nicht mehr.
Tracy: Er würde mir besser schmecken, Madam, wenn sie mir sagen würden, was hier eigentlich vorgeht, ich nehme an, das ganze beruht auf einer Verwechslung.
Mrs Quarre: Keine Sorge, es wird sich alles aufklären, wir sind ja schließlich auch noch da, nicht wahr Thomas.
Tracy: Der alte nickte nur, er hielt noch immer seinen Revolver auf mich gerichtet, ohne eine Mine zu verziehen während seine Frau hinter ihren Brillengläsern vergnügt zwinkerte, eine groteske Situation, die mir langsam ungemütlich wurde, und dann hörte ich nebenan wieder den Chef.
Tai: Ja, er ist wirklich Detektiv, hier ist sein Ausweis von der Continental.
Hook: Was hab ich gesagt.
Tai: Du hättest dich ihm nicht zeigen sollen Hook das war dumm von dir, sehr dumm.
Hook: Dumm so so, du jaulst immer, daß andere Leute dumm sind, rutsch mir doch den Buckel runter, wer macht die ganze Arbeit hier, wer ist der die ganzen Dinger schaukelt wer denn was.
Elvira: Ach Hook, halt doch nicht wieder diese Rede, die hab ich schon so oft gehört, daß ich sie auswendig kann.
Hook: Schon gut aber beleidigen lasse ich mich nicht.
Elvira: Und was passiert jetzt, was machen wir mit unserem Gast.
Hook: Das ist doch ganz einfach, wir legen ihn um, diesen verdammten Schnüffler.
Elvira: Und legen unseren Hals in die Schlinge, wie.
Hook: Als ob unsere Hälse nicht schon drin wären, auch wenn wirs nicht machen oder glaubst du etwa, der Bursche ist nicht wegen des Dings in Los Angeles hinter uns her.
Tai: Du bist ein Esel, Hook, ein ganz hoffnungsloser Esel, überlegt doch mal, wie die Sache läuft, wenn es wirklich um dieses Ding geht, kann ja sein, durchaus möglich, aber dann haben wir es doch nicht nur mit ihm zutun, er ist von der Continental, kaum anzunehmen, daß seine Firma nicht weiß, wo er hingegangen ist, oder meinst du die hätten keine Ahnung, daß er hierher kommen wollte, sie wissen vermutlich genauso viel über uns wie er, deshalb hat es keinen Sinn ihn umzubringen.
Elvira: Ganz meine Meinung, das würde die Sache nur noch schlimmer machen.
Tai: Das einzige was wir tun können wir fesseln ihn und verziehen uns, seine Kolleg- en werden ihn wohl kaum vor morgen früh vermissen, dann sind wir schon weit weg.
Tracy: Na ich atmete auf, dieser Mann war für mich, jedenfalls war er nicht dafür, mich umzubringen, und die Frau auch nicht, immerhin ein Hoffnungsschimmer in dieser verrückten Situation, in der sich alles um irgend ein Ding in Los Angeles drehte, von dem ich keine Ahnung hatte, und das mich gar nicht interessierte, wenn ich nur heil hier heraus kam, ich hatte Zutrauen zu dieser Baritonstimme gefaßt, es war die Stimme eines Mannes, der gewohnt ist, sich durchzusetzen, aber ich hatte mich zu früh gefreut, nach kurzer Pause ging nebenan der Streit von vorne los, ich spürte wie meine sonst nicht besonders empfindliche Kopfhaut zu prickeln begann.
Hook: Ich will dir mal was sagen, mein lieber der Bursche wird umgelegt, ich laß es nicht drauf ankommen, du kannst darüber winseln so viel du willst, mir geht es um meinen eigenen Hals und er wird wesentlich sicher sein wenn dieser Schnüffler nicht mehr reden kann.
Elvira: Hook sei doch vernünftig.
Tai: Es hat keinen Sinn mit dir zu diskutieren, Hook, du hast die Instinkte eines Höhlenbewohners, mehr ist in deinem Kopf nicht drin, es gibt nur eine Sprache, die du verstehst und in dieser Sprache werde ich jetzt mit dir reden mein Sohn, wenn du in Versuchung kommen solltest, irgendwelchen Unsinn zu machen, bevor wir dieses Haus verlassen, dann sagt dir zwei oder drei Mal vorher, wenn er stirbt sterbe ich auch, sag das als wenn es in der Bibel stünde, denn es ist genauso wahr, hast du mich verstanden.
Hook: Ja ich glaube schon und was nun, wie gehts weiter.
Tai: Wir schaffen erstmal die beiden alten weg, das übernehme ich, sage ihnen daß ich sie sprechen will, und du kümmerst dich um unseren Gast, ich hoffe du wirst alleine mit dem fertig Hook, am besten bindest du ihn vielleicht an einem Stuhl, aber das überlasse ich dir, ich hole inzwischen die Papiere, also los, ich denke in einer Viertelstunde sind wir soweit daß wir verschwinden können.
Tracy: Die Portieren teilte sich, es war wie im Theater der zweite Akt begann diesmal war der Mann mit der häßlichen Visage, der sein Revolver auf mich richtete gleich die Hauptperson, ein Wink von ihm genügt um die beiden alten hinaus zu befördern wie Statisten, sie schienen erleichtert zu sein, daß ihre Rolle beendet war, sie gönnten mir keinen Blick mehr und kein Wort, Hook hatte inzwischen ohne mich aus den Augen zu lassen einige Plüschkordeln von den Portieren gerissen, jetzt kann er auf mich zu und dirigierte mich mit vorgehaltenem Revolver zu einem hohen Lehnstuhl, in dem ich mich niederlassen mußte, dann trat er hinter mich und band mich fest, meine Arme an die Armlehnen, meine Beine an die Stuhlbeine, schließlich steckte er mir als Knebel auch noch die Ecke eines Kissens in den Mund, verdammt unangenehm das ganze, aber immerhin ich lebte noch, nebenan war es ganz still geworden, ich glaubte gehört zu haben, wie die beiden alten das Haus verließen, dann ging jemand die Treppe hinauf, offenbar der Chef, der die Papiere holen wollte, Hook hatte es auch gehört, er schien auf diesen Augenblick gewartet zu haben.
Hook: Elvira, komm doch mal her.
Elvira: Nein lieber nicht du weißt doch daß er das nicht will.
Hook: Der Teufel soll ihn holen komm her.
Elvira: Was willst du denn von mir.
Hook: Ich habe mir was überlegt, es geht um die Papiere, wie wäre es wenn wir mal das ganze abkassieren würden, wir beide.
Elvira: Du spinnst ja Hook, es sind 100.000$ ein Drittel davon gehört mir, glaubst du daß ich mich auf ein Risiko einlasse.
Hook: Keine Sorge das Risiko übernehme ich du brauchst nur Ja zu sagen.
Tracy: Die Portiere bauschte sich, ein rothaariges Mädchen steckte den Kopf herein sah mich an und lächelte, mein Anblick schien sie zu erheitern, sie war schön, das sah ich als sie näher kam, eine sehr aparte Erscheinung, schlank und geschmeidig ihre Augen fielen mir besonders auf, sie waren grau und lagen ziemlich weit aus einander aber gerade das macht ihr Gesicht nur noch reizvoller, sie lachte mich an, ihre Augen lachten und der rote Mund auch wobei sie ihre weißen Zähne entblößte, scharfe kleine Raubtierzähne, dann sprach sie über die Schulter hinweg mit Hook.
Elvira: Wie denn Hook, wie stellst du dir das vor, daß wir das ganze abkassieren.
Hook: Das kannst du mir überlassen Puppe, das kannst du mir überlassen, aber wenn ich das schaukel kommst du dann mit mir mit, du weißt ich werd gut zu dir sein.
Elvira: Und ob du gut sein wirst zu mir, da habe ich gar keine Bange, aber ich fürchte Hook wir kommen nicht weiter wenn du ihn nicht gründlich fertig machst, ich kenne ihn, er läßt sich so leicht nichts abnehmen, die Sache ist aussichtslos, wenn du ihn nicht so abservierst daß er nicht hinterher rennen kann.
Hook: Ich machs verlaß dich drauf, ich mach ihn fertig, und du kommst mit mir mit, wenn ich ihn abserviert habe, ist das dein Ernst Puppe.
Elvira: Ja wenn du das schaffst, dann komme ich mit.
Hook: Also paß auf, ich werde dir sagen wie wir es machen.
Elvira: Pst ich glaube er kommt.
Tai: Das geht doch wirklich zu weit, ich kann nicht einen Augenblick weggehen ohne daß alles falsch gemacht wird, was ist denn bloß in dich gefahren Elvira, daß du dich dann auch noch unserem Detektiv zur Schau stellst.
Elvira: Hör doch auf, immer diese Aufpasserei, du machst dir zu viel Sorgen um dei-nen kostbaren Hals du wirst vor lauter Angst noch gelber werden als du schon bist.
Tracy: Und wieder bauschte sich die Portiere und teilte sich, ich bekam endlich den Mann zu Gesicht, dem ich es verdankte, daß ich noch am Leben war, er kam herein in Hut und Mantel, eine braune Ledertasche in der Hand schon reisefertig, ein kleiner dicker Mann wie ich, aber gelb, mein Lebensretter war ein Chinese, ein kleiner dicker Chinese in untadeliger Garderobe, nachdem er mich kurz gemustert hatte, nicht ohne ein ironisches Lächeln, wandte er sich Elvira zu ruhig und gelassen wie ein Gentleman.
Tai: Wenn du glaubst meine Liebe dies sei der richtige Augenblick für Anspielungen auf meiner Hautfarbe dann irrst du dich, mir geht es ganz einfach um die gebotene Vorsicht, das gilt für euren Hals genauso wie für meinen, es wird auch wirklich kein Grund vorhanden für diesen Burschen eine Schau zu veranstalten, vielleicht hat er keinen von uns gekannt, nicht einmal aus einer Beschreibung, jetzt kennt er uns alle, du weißt was das Folgen haben kann Elvira, du bist doch nicht so borniert wie Hook.
Hook: Jetzt langts mir aber, das sage ich dir Tai, hör endlich auf mit dieser Jaulerei verdammt noch mal, was spielt das noch für eine Rolle, ob er uns kennt oder nicht, ich leg ihn um dann ist der Fall erledigt.
Tai: Hier wird niemand umgelegt, niemand, das gibt zweiten wenn das passiert, du verstehst mich doch Hook nicht wahr.
Elvira: Der gute Hook kommt doch immer mit Sachen, die er gar nicht wirklich machen will.
Tai: Dann soll er das Gerede gefälligst unterlassen.
Hook: Tai du tust so als ob du König wärst oder sowas aber damit ist vorbei.
Tracy: Hook triumphierte schon, er hatte gewaltig zugeschlagen, seine Faust landete mitten im Gesicht des Chinesen, der mit diesem Angriff nicht gerechnet hat, eine böse Überraschung auch für mich als ich sah daß mein Beschützer quer durch das Zimmer geschleudert wurde wie ein Gummiball aber er reagierte blitzschnell, er hatte schon seinen Revolver in der Hand bevor er zu Boden ging und er zielte bereits auf seinen Gegner als dieser in die Tasche griff um seine Waffe hervorzuholen.
Tai: Laß die Pistole fallen Hook und rühr dich nicht sonst bist du dran du bist erledigt, na also, das andere machen wir später ab, ich meine das was sich da zwischen uns angesammelt hat, sag mal Elvira, hast du unserem Hook etwa blödsinnige Ideen in den Kopf gesetzt.
Elvira: Na hör mal, wie kommst du denn auf sowas, kein Mensch kann dem doch überhaupt Ideen in den Kopf setzen.
Tai: Du kannst von Glück sagen Hook, daß ich eine Abneigung gegen Mord habe und außerdem der Meinung bin du könntest für Elvira und mich vielleicht doch noch von einigen Nutzen sein, sonst würde ich uns jetzt sicherlich von dem Hemmschuh deiner Dummheit befreien, aber nimm dich in acht mein lieber das rate ich dir, laß dich nicht doch einmal hinreißen von einem dieser gewalttätigen Impulse, wenn wir heil davon kommen wollen, darf es keinen Streit mehr zwischen uns geben, wir müssen zusammenhalten, hast du mich verstanden Hook.
Hook: Ja schon gut Chef, kannst dich auf mich verlassen.
Tai: Also hier hast du deinen Revolver Hook, sieh zu daß du dich vernünftig benimmst und jetzt können wir wohl gehen, ich will nur noch mal deinen Blick auf unseren Gast werfen.
Tracy: Der Mann der mir das Leben gerettet hatte kam auf mich zu, ich hätte mich gerne bei Ihnen bedankt aber ich konnte nicht, das Kissen das Hook mir in den Mund gestopft hatte macht es mir unmöglich und er sagte auch nichts, er wollte nur prüfen ob ich fest genug angebunden war und er schien zufrieden zu sein, von meiner Seite war vorläufig nichts zu befürchten, nachdem er das festgestellt hatte, nahm er seine Reisetasche und gab den beiden anderen einen Wink, sie ging hinaus er folgte ihn ich war allein, aber ich wußte daß die Sache noch immer nicht ausgestanden war, ich hatte nämlich etwas beobachtet, eine kleine Sonderaktion von Elvira, die Tai und Hook in der Hitze des Gefechtes entgangen war, sie hatte sich an die Reisetasche des Chinesen herangepirscht, die ganz in der Nähe des Tisches stand, nahm ein Bündel Papiere heraus und versteckte sie in einem der Sessel unter einem Kissen, dann stopfte sie einige Zeitungen und Zeitschriften, die auf dem Tisch lagen in die Tasche und machte sie wieder zu, ein sehr rasches und geschicktes Manöver, ich sagte mir das Mädchen kommt noch mal zurück, es fragt sich nur ob allein oder, während ich noch überlegte was sie wohl vorhaben mochte, war plötzlich der Chinese wieder da, ich erschrak als ich ihn sah, er hatte in der einen Hand ein blankes Messer, in der anderen einen Revolver, meine Überraschung war groß als er mir den Revolver vor die Füße legte und einen der Stricke durchschnitt mit denen ich an den Stuhl gefesselt war, dabei flüsterte er mir etwas ins Ohr.
Tai: Vorsicht ich glaube Hook wird zurückkommen.
Tracy: Das war alles was er sagte und schon war er wieder verschwunden, kein Wort über die Papiere, er wußte also noch gar nicht, daß sie nicht mehr seiner Reise- tasche waren, aber so viel stand fest, seine Warnung war ernst gemeint, ich mußte mich also beeilen an den Revolver heran zu kommen und das war gar nicht so einfach, weil er nur einem der Stricke durchschnitten hatte, um zu verhindern daß ich mich ganz befreite, bevor er selbst verschwinden konnte, dieser Chinese war ein vorsichtiger Mann, der sich alles ganz genau überlegte, ich vermutete sogar daß er bei dieser Rettungsaktion einen Hintergedanken hatte, nämlich mich als Werkzeug zu benutzen um Hook zu erledigen, für ihn die eleganteste Art den Dummkopf los zu werden, nun das mochte sein wie es wollte, ich war jedenfalls nicht gewillt mich hier einfach abknallen zu lassen, ich versuchte mit aller Kraft mich aus diesen lächerlichen Plüschelkordeln herauszuarbeiten mit denen ich festgebunden war und schließlich gelang es mir auch wenigstens den rechten Arm frei zu bekommen und mir das Kissen aus dem Mund zu reißen, an dem ich fast zu ersticken drohte, kaum hatte ich das geschafft, da hörte ich ein Geräusch an der Haustür, mir brach der Schweiß aus, ich konnte noch immer nicht an den Revolver heran was nun, in meiner Verzweiflung warf ich mich mit einem kräftigen Ruck nach vorne, fing den Sturz mit meinem freien Arm ab und landete auf dem Teppich, den schweren Lehnstuhl über mir, aber der Revolver war jetzt endlich in Reichweite, gerade noch rechtzeitig.
Hook: Na das hättest du wohl nicht gedacht, daß ich doch noch komme und dich umlege du verdammter Schnüffler.
Tracy: Noch mal davongekommen, reiner Zufall, ich glaube er ist tot, ja er war tot, das stelle ich fest als ich endlich die letzten Knoten gelöst hatte die mich noch an dem Lehnstuhl festhielten und ich stellte noch etwas anderes fest, der Revolver den er in der Hand gehabt, als er hereinkam und mich bedrohte war gar nicht geladen, unglaublich der Chinese hat es also fertig gebracht alle Patronen herauszunehmen, bevor er sich zu der großzügigen Geste entschloß dem besiegten Gegner die Waffe zurückzugeben und Hook hatte nichts gemerkt, unwillkürlich fragte ich mich was Tai mir wohl an Munition bewilligt haben mochte, ich klappte meinen Revolver auf, das Magazin war leer, er hatte mir noch eine einzige Kugel gegeben, die Kugel mit der ich Hook niedergesteckt hatte, eine schöne Bescherung, ich mußte damit rechnen daß Tai zurückkam oder Elvira vielleicht auch beide um die Wertpapiere zu holen und ich war ihnen wehrlos ausgeliefert, am liebsten wäre ich einfach davongelaufen, aber dann besann ich mich, ich sagte mir daß sie es ja nicht auf mich sondern auf die 100.000 Dollar abgesehen hatten die in den Papieren steckten, das konnte für mich eine Chance sein, wenn ich es geschickt anstellte, die Papiere mußten verschwinden, ich mußte sie verstecken, dann waren sie gezwungen mit mir zu verhandeln, wenn sie ihre Beute nicht verlieren wollten, also ein gutes Versteck, das war jetzt die Hauptsache, ich nahm das Bündel unter den Arm und lief hin und her, kreuz und quer, aber ich fand kein Versteck das mir sicher genug war, deshalb lief ich schließlich die Treppe hinauf, bevor ich mich oben noch richtig umgesehen hatte, klapperte plötzlich ein Fenster, ich spürte Zugluft von unten, die Haustür, ich horchte und hörte Schritte, nun blieb mir nichts anderes mehr übrig als die 100 000 $ aus dem Fenster zu werfen und auf mein Glück zu vertrauen, ich griff mir ein Kopfkissen von einem Bett, stopfte die Papiere hinein und schleudert es in den dunklen Hinterhof, dort landet es zwischen den Mülltonnen und war nicht mehr zu sehen, dann machte ich alle Lichter im Zimmer an, setzte mich auf das Bett und rauche deine Zigarette, mir war eigentlich gar nicht danach zumute aber wir benehmen uns ja alle ab und zu ein bißchen großspurig, es dauerte nicht lange da hörte ich wie jemand angeschlichen kam und plötzlich stand das rothaarige Mädchen in der Tür, sie hat in jeder Hand einen Trommelrevolver.
Elvira: Komm her Tai, ich hab ihn.
Tai: Na, dann wollen wir mal hören, was er uns zu sagen hat, wo sind die Papiere die Hook sich angeeignet hat, ich nehme an, sie wissen was ich meine Sir, dieses Bündel Papier aus meiner Reise Tasche, er muß es herausgenommen haben als ich einen Augenblick mit ihnen beschäftigt war wo hat er es versteckt.
Tracy: Warum fragen Sie mich auch nicht das Mädchen, haben sie noch nicht rausgekriegt daß die beiden auf dem besten Wege waren sie auszubooten.
Elvira: Sie sind ein Lügner ein ganz gemeiner Lügner.
Tracy: Wer hier lügt das wird sich schnell genug herausstellen, ich habe alles gehört und gesehen.
Tai: Ah so ist das du warst daranbeteiligt ich hab mir schon sowasähnliches gedacht.
Elvira: Also gut ich will dir die Wahrheit sagen, ich hab es gemacht, ganz allein, ich wollte euch beiden durchgehen weil ich es satt hatte immer wieder diese Eifersucht, ich habe die Papiere aus deiner Tasche rausgenommen, als du dich mit Hook herumschlugst und habe sie in einem der Sessel da unten versteckt, aber da sind sie nicht mehr und nun mach mit mir, was du willst, mehr kann ich dir nicht sagen.
Tai: Schon gut, wir machen das später, jetzt möchte ich erstmal wissen, wo die Papiere geblieben sind.
Tracy: Das werden sie nie herausbekommen wenn sie der Dame nicht gründlich auf den Zahn fühlen.
Tai: Was soll das heißen.
Tracy: Sie sagt dir nur die halbe Wahrheit, die andere Hälfte sieht so aus daß sie mit Hook davonlaufen wollte.
Elvira: Das ist nicht wahr Tai, er lügt.
Tracy: Sie wollten sich die Beute teilen, das haben sie miteinander ausgemacht währ end sie hier oben waren ich hab genau zugehört, Hook sollte einen Krach vom Zaun brechen damit sie an die Tasche herankonnte und genauso ist es dann gelaufen.
Elvira: Sag ihm Tai, daß er aufhören soll mit diesen Lügen sonst passiert was.
Tai: Ja ja komm laß das, mach jetzt keine Dummheiten, gibt die beiden Revolver her los gib sie her.
Elvira: Bitte wie du meinst, aber ich sage dir du beginnst einen Fehler wenn du dir sein Geschwätz noch lange anhörst, er will nur verhindern daß du die Papiere findest
Tai: Ich glaube diesen Teil der Verhandlungen überlässt du wohl am besten mir, also wo sind die Papiere.
Tracy: Wenn das eine Frage an mich sein sollen, ich arbeite nicht mit ihnen zusammen Mister Tai, ich arbeite gegen sie.
Tai: Ich bin nicht für Gewalt, das wissen sie aber meistens erreiche ich doch was ich will und ich halte sie für einen Menschen der vernünftigen Argumenten zugänglich ist, wie wäre es, wenn wir ein kleines Geschäft machen würden, mein Freund.
Tracy: Ein Geschäft, da müssen sie sich schon etwas deutlicher ausdrücken.
Tai: Aber gern, nehmen wir mal an, daß sie die Papiere in einer Stelle versteckt haben, an der niemand anders sie finden kann und daß sie sich nun aber völlig in meiner Gewalt befinden, wie es in Groschenromanen zu heißen pflegt.
Tracy: Ja so ungefähr könnte man das sagen.
Tai: Mit anderen Worten, es besteht sozusagen ein Gleichgewicht der Kräfte, keiner von uns beiden ist im Vorteil, sie als Detektiv wollen uns haben aber wir haben sie.
Tracy: Ganz recht und wie sieht nun das Geschäft aus, das sie mir vorschlagen wollen.
Tai: IIch biete Ihnen das Mädchen im Austausch gegen die Papiere, das heißt sie sagen mir wo sie sind, was halten Sie davon.
Tracy: Hm, das Mädchen.
Elvira: Wenn du das tust Tai, wenn du das wirklich tust dann.
Tai: Was dann.
Elvira: Du weißt schon, ich werde auspacken aber gründlich.
Tai: Davon würde ich dir dringend abraten meine Liebe in deinem eigenen Interesse also mein Freund, wie denken sie darüber, wäre das nicht ein vernünftiges Angebot, ich hätte eine Chance mich abzusetzen und sie hätten einen beträchtlichen Erfolg als Detektiv vorzuweisen, den toten Hook und das lebendige Mädchen, es bliebe nichts weiter zu tun als mich und die Papiere wieder zu finden, für Sie doch keineswegs ein aussichtsloses Unternehmen, sie hätten eine Niederlage in einen halben Sieg verwandelt und hätten noch eine hervorragende Chance einen vollen Sieg zu gelangen, was wollen sie noch mehr.
Tracy: Woher soll ich wissen, ich meine, was für eine Garantie habe ich, daß sie mir das Mädchen wirklich ausliefern.
Tai: Nun eine Garantie in dem Sinne kann es natürlich nicht geben aber sie wissen ja schließlich was die Dame vorgehabt hat und sie werden doch wohl kaum annehmen daß ich ihr gegenüber noch besonders freundliche Gefühle hege, nachdem sie sich mit diesem Dreckskerl eingelassen hat der jetzt da unten liegt, vielen Dank daß Sie erledigt haben und es gibt noch ein weiteres Argument, ich müsste die Beute mit ihr teilen wenn ich sie mitnehmen wollte warum sollte ich das, finde ich vermeiden läßt.
Tracy: Wenn ich mir das ganze richtig überlege, sehe ich es folgendermaßen, sie sind kein Mördertyp, das spricht zunächst mal dafür, daß ich mit dem Leben davon komme was auch passiert, also warum sollte ich mich eigentlich auf diesen Tausch einlassen, den sie mir vorschlagen, wahrscheinlich sind sie und das Mädchen leichter wieder zu finden als die Wertpapiere, die bei dieser ganzen Angelegenheit doch wohl die Hauptsache sind, nein ich ziehe es vor die Papiere zu behalten, ich setze auf Nummer sicher wenn Sie nichts dagegen haben.
Tai: Ich bin kein Mördertyp da haben sie recht, aber vielleicht bin ich etwas anderes, woran sie noch gar nicht gedacht haben, Elvira komm doch mal her.
Elvira: Was willst du von mir.
Tai: Schau mal in die Kommode, da müssen irgendwo Bettlagen liegen, ich glaube in der unteren Schublade.
Elvira: Ja hier sind Sie.
Tai: Bitte zerreiße den Streifen die fest genug sind um unseren Freund damit zu fesseln.
Elvira: Da bin ich gespannt wie deine Methode sich diesmal bewährt.
Tracy: Das klang nicht gut, gar nicht gut, ich überlegte schon ob es vielleicht doch besser wäre die Verhandlung wieder aufzunehmen anstatt mich einer Folterung auszusetzen, darauf schien es nämlich hinauszulaufen, aber ich wußte nicht recht, wie ich mit Tai wieder ins Gespräch kommen sollte und dann hielt ich den Atem an, ich hörte ein Geräusch im Korridor, die ganze Situation veränderte sich von einem Augenblick zum anderen, Tai zog sich rasch hinter einem Schrank zurück um von einer sicheren Position aus die Tür zum beobachten zu können und gleichzeitig das Mädchen und mich im Auge zu behalten und der Revolver der in seiner kleinen fetten Hand vor Eifer zu beben schien genügt uns voll auf als Warnung keinen Laut von uns zu geben aber er hatte trotz aller Vorsicht etwas übersehen, das Zimmer hatte noch eine zweite Tür, durch diese Tür kam auf leisen Sohlen Misses Quarre herein, einen gewaltigen Revolver schußbereit in der dürren Hand.
Mrs Quarre: Lassen Sie das Ding los, sie heidnischer Unhold, aber sofort sonst.
Tracy: Tai ließ seine Pistole fallen, ehe er sich noch zu ihr umdrehte und hielt die Hände hoch, was alles sehr klug war, in diesem Augenblick kam Thomas Quarre durch die andere Tür herein, er hatte ebenfalls einen entsicherten Revolver in der Hand genauso an wie seine Frau, wenn er auch vor seinem massigen Körper nicht ganz so gewaltig wirkte, aber er sagte kein Wort, das überließ er seiner Frau, sie redete wie ein Wasserfall, sie schimpfte und tobte, ich erkannte sie kaum noch wieder, aus der freundlichen Greisin die mich zum Tee eingeladen und so bereitwillig über die jungen Leute aus der Nachbarschaft geplaudert hatte, war eine keifende Hexe geworden ebenso bösartig wie dürr am ganzen Leib bebend vor Haß.
Mrs Quarre: Ich habe es gewußt, ich habe gleich zu Thomas gesagt, die wollen uns übers Ohr hauen, sie haben uns nur weggeschickt um nicht mit uns teilen zu müssen, ja ich habe gewußt, daß dieser angebliche Detektiv in Wahrheit eurer Spießgeselle ist und das ganze nicht anders als ein Manöver um Thomas und mich um unseren Anteil zu prellen, den wir uns redlich verdient haben, allein schon für Kost und Logie, ihr verdammten Gauner, ihr glaubt wohl, daß ihr mit uns machen könnt was ihr wollt, weil wir alte Leute sind, aber da habt ihr euch geirrt, jetzt werden wir mal abkassieren, wo sind die Papiere, wo habt ihr sie versteckt.
Tai: Das kann unser gemeinsamer Freund ihnen vielleicht verraten, den sie so liebenswürdig bewirtet haben, das ist klar ich war gerade dabei die von Ihnen gewünschte Auskunft aus ihm herauszuquetschen als sie dazwischen kamen, ein bißchen reichlich theatralisch für meinen Geschmack, aber vielleicht macht das auf ihn mehr Eindruck.
Mrs Quarre: Er spielt sich schon wieder als Gentleman auf dieser gelbe Affe, was sagst du dazu Thomas.
Mr Quarre: Was soll ich sagen meine Liebe, ich glaube wir sollten die ganze Sache in Ruhe besprechen.
Mrs Quarre: Frau: Red doch nicht solchen Unsinn, Thomas, glaubst doch wohl nicht daß sie auch nur einen einzigen Cent freiwillig herausdrücken, wir müssen sie zwingen uns zu sagen, wo die Papiere sind, los komm her und fessel erstmal diesen Chinesen, ich traue ihm nicht, mir ist nicht wohl solange er sich noch bewegen kann.
Mr Quarre: Gut wie du meinst.
Mrs Quarre: Und wenn das erledigt ist dann nehmen wir uns die beiden anderen vor, ich paß schon auf daß keiner entwischt.
Tracy: Die Sache war mir nicht geheuer deshalb habe ich mich von meinem Platz auf dem Bettrand wo ich noch immer saß und verdrückte mich vorsichtig an eine Stelle von der ich annahm daß sie außerhalb der Schußlinie liegen würde, falls das geschah was ich erwartete und es geschah wirklich, der schwerfällige Thomas der den Befehl seiner Frau ausführen wollte verpatzte die Sache vollständig, er war mit seinem massigen Körper zwischen Tai und den Revolver der alten geraten, für den Chinesen der Augenblick auf den er gewartet hatte.
Mrs Quarre: Paß auf Thomas, geh mir aus dem Weg umgotteswillen.
Tracy: Es ging alles blitzschnell, der Chinese zog in dem Augenblick, in dem Thomas Quarre seiner Frau die Sicht versperrte die beiden Trommelrevolver aus der Tasche, die er Elvira abgenommen hatte und schoß wie wild um sich, als ich ihn von hinten ansprang und an seinem fetten Hals zu Boden riß, schoß er immer noch, die Chinesen sind ein gründliches Volk, sie hören nicht so bald wieder auf wenn sie erstmal angefangen haben, sie feuern bis zur letzten Patrone, um kein weiteres Risiko einzugehen, bearbeitete ich seinen Hals so lange bis seine Augen und seine Zunge mir verrieten, daß er für eine Weile außer Gefecht war, dann blickte ich mich um, Thomas Quarre in sitzender Stellung gegen das Bett gelehnt war offensichtlich tot, in seiner gesteiften weißen Weste waren drei runde Löcher, Misses Quarre auf dem Rücken kaum zwei Schritte von ihm entfernt, der Tod hatte ihrem Gesicht wieder den sanften freundlichen Ausdruck gegeben, den sie gehabt hatte, als sie mich zum Tee einlud, nach dem rothaarigen Mädchen Elvira suchte ich vergeblich, sie hatte sich aus dem Staub gemacht, bald darauf kam Tai wieder zu sich, den ich inzwischen gefesselt hatte, er sah sich verwundert um.
Tai: Wo ist Elvira.
Tracy: Entwischt, jedenfalls vorläufig.
Tai: Sie können trotzdem zufrieden sein, ein erfolgreiches Unternehmen, Hook und das Ehepaar Quarre tot, die Papiere und ich in ihrer Hand.
Tracy: Ja das Ergebnis ist nicht übel, aber wenn Sie mir vielleicht einen Gefallen tun.
Tai: Was denn, was für einen Gefallen.
Tracy: Bitte sagen Sie mir worum es hier verdammt noch mal eigentlich geht.
Tai: Warum es geht.
Tracy: Ganz recht, ich habe aus dem was hier so geflüstert wurde zwar herausgehört daß sie in Los Angeles irgendein Ding gedreht haben, bei dem es sich um diese Papiere handelte, diese 100.000$ aber ich kann mich nicht erinnern, daß dort in letzter Zeit sowas passiert wäre, ich meine eine Sache in dieser Größenordnung.
Tai: Ist doch unglaublich, ganz unglaublich, das darf doch nicht wahr, sie wissen doch ganz genau, worum worum es geht und deshalb sind sie doch hier.
Tracy: Nein, wirklich nicht, ich hatte keine Ahnung, ich habe hier nach einem jungen Mann gesucht, der seinen Eltern davon gelaufen ist, sein Vater ist Bürgermeister in Tacoma, er hat mich beauftragt den verlorenen Sohn aufzustöbern, möglichst diskret er heißt Fischer, man sagte mir, daß er hier in der Turk Street wohnt, aber ich wußte die Hausnummer nicht.
Tai: Schon wieder ein neues Märchen, zuerst die alte Frau, die von der Straßenbahn runtergefallen war und jetzt ein verlorener Sohn, ich weiß nicht warum sie mir durchaus einreden wollen, das Ganze sei nur ein Zufall gewesen.
Tracy: Er wollte mir absolut nicht glauben auch später nicht als er unter Mordanklage vor Gericht stand und ich als Zeuge aussagen mußte, es ging ihm einfach gegen die Ganoven Ehre, daß seine Verhaftung ein reiner Zufall war, für mich war die Sache eigentlich erledigt, nachdem ich Tai und die Wertpapiere der Polizei übergeben hatte aber dann hörte ich eine Nachricht im Radio, die mich aufhorchen ließ, ein Mord in Los Angeles, ein junger Mann angestellt bei einer Börsenmakler Firma war zwei Tage zuvor verschwunden, als er mit einem Bündel Wertpapiere zu einer Bank unterwegs war und er hatte die Nacht mit einer rothaarigen Frau in einem Hotel verbracht, die beiden hatten sich als Ehepaar ausgegeben, am nächsten Morgen war er in seinem Zimmer tot aufgefunden worden, man hatte ihn erwürgt, die Frau war fort und die Papiere auch, die Sache ließ mir keine Ruhe, ich ermittelte auf eigene Faust und stieß dabei auf einer Reihe ähnlicher Fälle, die schon etwas weiter zurücklagen, dabei war es zwar nie zu einem Mord gekommen, aber alles andere ließ sich leicht zusammenreimen, der Chinese der mit vollem Namen Tai zum Tao hieß hatte sich auf den sogenannten Köder Trick spezialisiert bei dem ein Mann erpresst und beraubt wird nachdem eine Frau Ihnen eine peinliche Situation gebracht hat, Tai pflegte sich irgendeinen jungen Mann auszusuchen, der bei einer Bank oder einer Maklerfirma beschäftigt war, einen jener Boten, die Bargeld oder Wertpapiere im Beutel hatten, das Mädchen Elvira übernahmen die Aufgabe sich an den jungen Burschen heranzumachen und ihm den Kopf zu verdrehen, was ihr sicherlich nicht schwer fiel, und ganz sachte flöste sie ihm den Wunsch ein, bei der nächsten Gelegenheit mit ihr und allem was er an Geld und Wertpapieren zusammenraffen konnte, durchzugehen und wenn es dann soweit war, gleich in der ersten gemeinsamen Nacht im Hotel tauchte Hook auf, Schaum vor dem Mund und nach Blut lechzend, ein wild empörter Ehemann, den sein schluchzendes Weib nur mit Mühe davon abhalten konnte, ihren Liebhaber zu schlachten, eine große Szene, die ihre Wirkung nur selten verfehlte und dann kam das böse erwachen, wieder einmal mußte ein zerknirschter junger Mann feststellen, daß er nicht nur seine Geliebte verloren hatte, sondern auch die veruntreuten Gelder oder Papiere, in einigen Fällen hatten diese armen Sünder sich der Polizei gestellt, einer hatte Selbstmord begangen, der letzte Fall, die Geschichte in Los Angeles war nicht planmäßig verlaufen, der junge Bursche hatte sich zur Wehr gesetzt, das war ihm schlecht bekommen, Hook hatte ihn kurzerhand erwürgt, danach verkroch sich die Bande in San Francisco, das Haus in der Turkstreet war schon seit längerer Zeit ihr Unterschlupf, dort fühlten sie sich sicher weil sie ihren Trick in dieser Stadt nie angewendet hatten, Huk und das Mädchen galten bei den Nachbarn als Sohn und Tochter des Ehepaares, Tai war der chinesische Koch, der gute Ruf der beiden alten und ihre würdige Erscheinung war außerdem von großen Nutzen gewesen wenn die Bande Wertpapiere abzusetzen hatte, Tai sah seiner Verurteilungen entgegen aber das Mädchen Elvira die Seele des Geschäftsführer wenn ich so sagen darf, lief noch immer frei herum, wir warfen ein großes und sehr feinmaschiges Schleppnetz nach ihr aus, wir gabelten Mädchen mit rotem Haar zu Dutzenden auf, doch Elvira war nicht darunter, nun du wirst sie eines Tages doch noch finden, sagte ich mir, aber ich suche sie immer noch.
Tracy (Detektiv): Michael Thomas
Mrs Quarre: Käthe Haack
Mr Quarre: Walter Bluhm
Hook: Horst Michael Neutze
Elvira: Eva Garg
Tai: Erik Schumann
Eine Frau: Annelie Jansen
Bearbeitung (Wort): Carl Dietrich Carls
Regie: Heinz Wilhelm Schwarz
Kommentar von Hörspiele |
Raymond Chandler: Heißer Wind (BR 1966)
Dalmas: Es war ein unerquicklicher Abend, der Wüstenwind fegte durch Los Angeles, einer jener heißen trockenen Santa Anas, die durch die Gebirgspässe der Sierra Nevada herunterstürmen, einem das Haar kräuseln, an den Nerven zerren, und auf der Haut jucken, an Abenden wie diesem artet die friedlichste Bierrunde gern in eine wilde Schlägerei aus, ich saß in der Kneipe im Haus gegenüber, der junge Mann hinter der Theke sah aus, als ob er noch nie in seinem Leben einen Schluck zuviel getrunken habe.
Dexter: Ihr Bier bitte.
Dalmas: Danke.
Dexter: Hoffentlich ist es zu ihrer Zufriedenheit eingeschenkt.
Dalmas: Ganz famos sogar, sie haben das Lokal erst vor kurzem eröffnet, nicht wahr.
Dexter: Vor knapp zwei Wochen, sie waren doch schon einmal hier, nicht.
Dalmas: Ja stimmt.
Dexter: Wohnen sie etwa in der Gegend.
Dalmas: Gleich gegenüber.
Dexter: Im Berglundhaus.
Dalmas: Ja, mein Name ist John Dalmas.
Dexter: Freut mich, Mr Dalmas, ich heiße Lew Dexter.
Dalmas: Freut mich.
Dalmas: Außer mir war nur noch ein Gast da, ein Trunkenbold, der mit dem Rücken zur Tür auf einem Barstuhl an der Theke hockte und aus kleinen Gläsern reinen Bourbon trank.
Dexter: Kennen sie den.
Dalmas: Nein.
Dexter: Er sollte nach hause gehen, er trinkt schon seine Ration für die nächste Woche.
Dalmas: An einem Abend wie heute, lassen sie ihn doch.
Dexter: Es wird ihm aber nicht gut tun.
Al Tessilore: Whisky, hey, noch ein Whisky.
Dexter: Soll ich.
Dalmas: Was gehts mich an, mein Magen ist es nicht.
Dalmas: Der junge Mann im weißen Kittel goß ihm einen weiteren Whisky ein, ich vermute, daß er den Whisky hinter der Bar ein bißchen mit Wasser behandelte, denn als er sich aufrichtete, sah er so schuldbewußt aus, als habe er seine Großmutter geschlagen, der Betrunkene merkte es nicht.
Dexter: Ich kann Betrunkene nicht ausstehen, wenn sie sich hier bei mir betrinken schon gar nicht.
Dalmas: Wissen sie was, schreiben sie das groß und deutlich auf ein Plakat und hängen sie es in ihre Auslage, was glauben sie, wie das ihren Umsatz steigert.
Al Tessilore: Wo bleibt denn der Whisky.
Dalmas: In diesem Augenblick kam der dritte Gast zur Tür herein, ein großer dunkler Bursche, der aussah, als habe er es ziemlich eilig, er ließ seine leuchtenden dunklen Augen schnell durch das Lokal wandern, sah gehetzt aus und irgendwie gespannt, wahrscheinlich machte auch ihm der heiße Wind zu schaffen, er blickte auf den Rücken des Betrunkenen, sah dann mich an, musterte die Halbnischen auf der anderen Seite des Raumes, die alle leer waren und wandte sich schließlich an den jungen Mann hinter der Theke.
Waldo: Hey, haben sie hier eine Dame gesehen.
Dexter: Eine Dame.
Waldo: Ja, groß, hübsch, braunes Haar, in einer buntbedruckten Bolerojacke über einem Kleid aus blauem Seidenkrepp, sie trug so einen breitrandigen Strohhut mit dunklem Samtband.
Dexter: Nein, die Dame war nicht hier.
Waldo: Ach, geben sie mir einen Scotch, aber schnell bitte.
Dalmas: Der junge Mann gab ihm den Scotch, der Gast bezahlte, stürzte den Whisky auf einen Zug hinunter, und wollte wieder gehen, machte 3 oder 4 Schritte, und erstarrte vor dem Betrunkenen, der Betrunkene grinste, zog von irgendwo her so schnell daß man nur einen Wischer wahrnahm, eine Pistole, und richtete die Waffe auf den großen dunklen, der regungslos dastand, dann den Kopf etwas zurücknahm und wieder verharrte, die Augen weit aufgerissen, es war eine Pistole mit einem großen Visier.
Waldo: Ah.
Al Tessilore: Machs gut, Waldo, haha, und ihr beiden, haltet gefälligst die Pfoten hoch, bis ich draußen bin, der arme Waldo, ich fürchte er hat sich die Nase blutig geschlagen.
Dalmas: Während der Betrunkene seitwärts zur Tür ging, hielt er seine Waffe immerzu auf uns gerichtet, so daß ich nichts unternehmen konnte, auch der junge Mann hinter der Theke bewegte sich nicht, und gab auch nicht den geringsten Laut von sich, erst als die Pendeltür ausgeschwungen hatte, hastete ich hinterher.
Dalmas: Verdammt.
Dalmas: Zu spät, ich sah nur noch die roten Rücklichter um die nächste Ecke verschwinden, die Nummer des Wagens bekam ich genauso mühelos wie meine erste Million, auf die ich immer noch warte, als ich wieder ins Lokal zurückkam, legte der junge Mann gerade den Telefonhörer auf, ich ging zu Waldo, wie ihn der Killer nannte, und drehte ihn um.
Dexter: Vielleicht ist er noch gar nicht tot.
Dalmas: Wenn einer mit einer 22er schießt, heißt das, daß er keine Fehler macht, da sehen sie die zwei kleinen Löcher in seiner Jacke genau über dem Herzen.
Dexter: Ja ganz deutlich und nur ein paar Tropfen Blut, der Betrunkene verstand sein Handwerk, als Killer mein ich, ah da kommen sie schon.
Dalmas: Ich zündete mir eine Zigarette an und beobachtete wie Waldos Gesicht toter und toter wurde, überlegte wer wohl die Frau in der buntbedruckten Bolerojacke sein konnte, warum Waldo den Motor seines Wagens hatte laufen lassen und weshalb er es so eilig gehabt haben mochte, die Mannschaft des Streifenwagens schwitzte, einer von ihnen hatte sich eine Blume hinters Ohr gesteckt und die Mütze etwas schief auf dem Kopf, er fühlte Waldos Puls.
Mann: Scheint tot zu sein, man sieht wo er getroffen wurde, saubere Arbeit, und sie beide haben gesehen, wer es war.
Dalmas: Ich beschrieb den Vorfall und sagte, daß der Killer mit Waldos Wagen geflohen zu sein schien, einer der Polizisten zog Waldos Brieftasche heraus.
Mann: Jede Menge Pinkepinke, aber kein Führerschein, kein Ausweis.
Dalmas: Eine Minute später kamen die Männer von der Mordkommission, zwei Inspektoren, der Polizeifotograf, und ein Kriminallaborant, die Inspektoren kannte ich nicht, der eine war ein kleiner lächelnder Mann mit sanften klugen Augen, der anderen dagegen groß, knochig, mit langem harten Kinn, während der kleinere Waldos Taschen leerte, zog mich der zähe harte in eine Nische.
ORyan: Ich bin Inspektor ORyan und sie.
Dalmas: John Dalmas.
ORyan: Mein Kollege dort ist Inspektor Jerry Miller.
Dalmas: Hier ist meine Karte.
ORyan: Privatdetektiv so so, einer von den Schleichern sind sie, waren sie denn im Auftrag hier.
Dalmas: Mein Auftrag war ein Bier zu trinken, Auftraggeber war ich, ich wohne gleich hier gegenüber im Berglundhaus.
ORyan: Ja, schießen sie los, erzählen sie wie das alles passiert ist.
Dalmas: Ich erzählte es ihm, nicht öfter als dreimal hintereinander, einmal damit er eine allgemeine Vorstellung von dem Vorfall bekam, zum zweiten mal daß er die Einzelheiten mitbekam und noch ein drittes mal damit er feststellen konnte, ob ich mir nicht widersprach.
ORyan: Hm, sieht aus wie ein Racheakt, nicht sehr planmäßig, die Flucht gelang nur durch Zufall, und der Killer arbeitete vor zwei guten Zeugen, wir werden den Burschen in der Kartei haben, Fingerabdrücke hat er ja genug hinterlassen.
Dalmas: Feststeht er hatte was mit Waldo, aber er wollte sich nicht heute mit Waldo treffen.
ORyan: Waldo ist nur hereingekommen um nach der Puppe zu suchen, mit der er sich verabredet hatte.
Dalmas: Die er vorher irgendwo verpaßt haben muß.
ORyan: Wahrscheinlich ist sie in ein anderes Lokal gegangen, um auf ihn zu warten, der Killer nahm die Gelegenheit wahr, verpaßte Waldo zwei an die richtige Stelle und türmte, ohne sich wegen ihnen und dem jungen Mann dort Sorgen zu machen.
Dalmas: Nur dieser.
ORyan: Was.
Dalmas: Dieser Waldo wußte genau, wie das Mädchen angezogen war, buntbedruckte Bolerojacke über einem Kleid aus blauem Seidenkrepp.
ORyan: Dazu ein breitrandiger Strohhut mit einem dunklen Samtband, muß er also heut schon mit ihr zusammengewesen sein.
Dalmas: Nach einer Weile kamen zwei Männer mit einem langen flachen Korb um den Toten abzuholen, dann fuhren wir alle zum Headquarter, auch der junge Barkeeper erwies sich als einwandfrei, man ließ ihn laufen und befahl ihm sein Lokal so lange geschlossen zu halten, bis man sicher war, daß sich keine weiteren Fingerabdrücke fänden, denn mit den bisher festgestellten war nichts anzufangen, sie waren unsauber und verschmiert, auch der Inhalt von Waldos Taschen, die grünen Geldscheine, die paar Schlüssel, die Zigaretten, das Taschentuch hatten keinen Hinweis ergeben, gegen 9 Uhr war ich wieder im Berglundhaus und fuhr mit dem Fahrstuhl in den 4. Stock, als ich die Schiebetür öffnete und heraustrat, stand vor mir eine gutaussehende Frau, die offenbar auf den Fahrstuhl wartete, ihre großen Augen waren blau und ihre Wimpern reichten nicht ganz bis ans Kinn, sie hatte braunes welliges Haar unter einem breitrandigen Hut mit einem dunklem Samtband.
Lola: Was glotzen sie mich denn so an.
Dalmas: Das ist doch, das ist doch eine Bolerojacke.
Lola: Ja doch, erlauben sie, ich habe es eilig.
Dalmas: Sie müssen sich noch einen Augenblick gedulden, der Lift ist bereits wieder unten, nur eines möchte ich ihnen noch sagen, bevor wir ihn wieder heraufholen, in der Jacke und mit dem Hut da zeigen sie sich besser nicht auf der Straße.
Lola: Was erlauben sie sich.
Dalmas: Sie sind in Gefahr, nehmen sie den Hut ab und ziehen sie sofort die Jacke aus.
Lola: Ich verstehe sie nicht.
Dalmas: Die Polizei ist hinter ihnen her, in diesem Kleid werden sie sofort erkannt, kommen sie mit, ich erkläre ihnen alles.
Lola: Wer sind sie überhaupt, ich bin Misses Leroy und wohne in Apartment 31, ich kann ihnen versichern daß.
Dalmas: Daß sie auf der falschen Etage sind, das hier ist die vierte, seien sie vernünftig, nehmen sie den Hut ab und ziehen sie die Jacke aus.
Lola: Tja und wohin damit.
Dalmas: Knüllen sie alles zusammen, kommen sie mit, ich wohne hier vorne im Apartment 42.
Lola: Sucht man denn nach mir.
Dalmas: Ja, die Polizei wird aber erst morgen früh anfangen hier in dem Block jeden Fetzen umzudrehen, und auch das nur wenn man nicht herausbekommt, wer Waldo ist.
Lola: Waldo.
Dalmas: Kennen sie etwa Waldo gar nicht.
Lola: Nein.
Dalmas: Wir kamen zur Tür meines Apartments, ich stieß den Schlüssel ins Schloß, drehte rasch um, drückte die Tür auf und griff nach dem Lichtschalter.
Dalmas: Kommen sie bitte, hier ist mein Wohnraum, gehen sie schon rein und machen sie es sich gemütlich, ihre Bolerojacke und den Hut, den leg ich hier in die Gardarobeschublade, bei mir sucht man die Sachen bestimmt nicht, wollen wir etwas trinken.
Lola: Ich weiß nicht.
Dalmas: Ich ging in die Küche, holte aus dem Kühlschrank einen Rest besonders guten Scotch, und mixte zwei Highballs, als ich mit den Gläsern ins Wohnzimmer kam, traute ich mein Augen nicht, mein hübscher Gast richtete nämlich eine Pistole auf mich, eine kleine automatische Waffe.
Lola: Rühren sie sich nicht von der Stelle.
Dalmas: Macht der heiße Wind auch sie verrückt, ich bin Privatdetektiv.
Lola: Ach.
Dalmas: Ich kann es ihnen beweisen, wenn sie mir Gelegenheit dazu geben.
Lola: Beweisen sie es.
Dalmas: Dazu müßte ich allerdings erst mal die Gläser.
Lola: Stellen sie sie da auf den Tisch.
Dalmas: Dankeschön, bitte hier meine Karte, aber lassen sie nie wieder niemand so nah an sich herankommen, schon gar nicht wenn sie es ernst meinen, außerdem ihre Pistole ist noch gesichert.
Dalmas: Sie schlug die Augen nieder, steckte die Pistole in ihre Handtasche zurück, trank ihr Glas halb aus, setzte es hart auf den Tisch, und prüfte meine Karte.
Lola: Wie sieht der Mensch aus, den sie Waldo nannten.
Dalmas: Ziemlich groß, ungefähr 180cm schlank, dunkel, hat braune Augen, er trug einen hellblauen Anzug mit einem weißen Tuch in der Brusttasche und er schien es sehr eilig zu haben, sie zu finden.
Lola: Ach, das ist also Waldo und was ist nun mit ihm.
Dalmas: Etwas sehr merkwürdiges ist mit ihm geschehen, gegenüber im Cocktail room da, wo waren sie übrigens den ganzen abend.
Lola: Ich, ich saß in meinem Wagen, die meiste Zeit jedenfalls.
Dalmas: Wie, und sie haben den Menschenauflauf auf der anderen Straßenseite nicht bemerkt.
Lola: Ich nahm an, daß dort irgendwas passiert sein mußte, wahrscheinlich ein Unfall.
Dalmas: So kann mans auch nennen und vorher suchte dieser Waldo nach ihnen, im Cocktailroom, sagte uns wie sie aussehen und beschrieb ihre Kleidung.
Lola: Wer war denn noch in dem Lokal.
Dalmas: Außer mir und dem jungen Mann dem es gehört nur noch ein Betrunkener, und dann kam Waldo herein und fragte nach ihnen, wir sagten ihm, wir hätten sie nicht gesehen, und als er dann wieder gehen wollte, drehte sich der Betrunkene um, nannte ihn Waldo, zog seine Pistole und schoß einfach so, tot.
Lola: Hahaha.
Dalmas: Was soll das, warum lachen sie.
Lola: Mein Mann hat sie engagiert, um mir hinterher zu spionieren, ich hätte mir denken können, daß das ganze nur Theater ist, sie mit ihrem Waldo, nie hätte ich geglaubt, daß Frank so eifersüchtig sein könnte, jedenfalls nicht auf einen, der einmal unser Chauffeur war, auf Stan vielleicht, das wäre zu verstehen, aber auf Josef.
Dalmas: Er heißt also Josef.
Lola: Ja, Josef, Josef Baker.
Dalmas: Und warum wollten sie diesen Josef treffen.
Lola: Ich, ich wollte etwas von ihm zurückkaufen, das er mir gestohlen hatte, etwas sehr wertvolles, kostete 2000 Dollar, es war ein Geschenk eines Mannes, den ich einmal liebte, er ist tot, er kam in einem brennenden Flugzeug ums leben, so jetzt können sie zu meinem Mann gehen und es ihm erzählen.
Dalmas: Ich denke ja gar nicht daran.
Lola: Frank bildet sich ein, ich treffe mich mit Josef, nun das ist richtig, ich wollte es, aber nicht weil ich ein Verhältnis mit ihm habe, ich habe es nicht nötig so weit unter mein Niveau zu gehen wenn ich mich amüsieren will.
Dalmas: Wozu haben sie das Apartment im 3. Stock gemietet.
Lola: Es, es ist nicht mein Apartment, ich habe sie angelogen, es ist sein Apartment.
Dalmas: Josef Bakers.
Lola: Ja.
Dalmas: Und paßt meine Beschreibung auf diesen Josef.
Lola: Ja.
Dalmas: Na dann hätten wir wenigstens einen Tatbestand aufgeklärt.
Lola: Josef sagte mir, wo er wohnt, er wollte mich unten auf der Straße treffen, aber ich verspätete mich, als ich dann kam, sah ich die Polizisten, so blieb ich in meinem Wagen und wartete, schließlich ging ich dann doch herauf, und klopfte an seiner Wohnungstür, dreimal war ich im Haus, bis ich dann ihnen begegnete, das ist alles.
Dalmas: Und wo ist ihr Mann.
Lola: Frank, Frank hat eine Sitzung.
Dalmas: Aha.
Lola: Ja, er ist sehr beschäftigt, er hat häufig Sitzungen, er ist Wasserkraftingenieur und schon in der ganzen Welt gewesen, sie müssen wissen.
Dalmas: Ich werde mich mal mit ihm treffen, dann kann er mir das alles selbst erzählen, aber womit Josef sie in der Hand hatte, das ist jetzt tot und vorbei genau wie Josef selbst.
Lola: Ja, ist er tatsächlich tot, ganz bestimmt.
Dalmas: Ja.
Lola: Da kommt jemand zu ihnen.
Dalmas: Gehen sie solange in meine Ankleidekammer, nehmen sie ihr Glas mit und die Handtasche. Ja doch, ich komme schon.
Dalmas: Ich ging zur Tür, ohne meine Pistole in der Hand, das war ein Fehler, denn als ich öffnete, stand der Mann vor mir, der in der Kneipe gegenüber dem anderen, den er Waldo nannte, zwei Kugeln ins Herz jagte, jetzt richtete er seine automatische 22er auf meine Wenigkeit.
Dalmas: Oh.
Al Tessilore: Ja ich bin es, gehen wir rein, los weiter weiter weiter zurück ins Zimmer, gut so, halten sie die Hände hübsch oben, ach Spieltisch was, irgendein Heini spielt hier Schach, sie.
Dalmas: Ich vertreibe mir die Zeit damit.
Al Tessilore: Dazu gehören aber zwei.
Dalmas: Das hier ist eine Schachaufgabe, kein Spiel, sehen sie sich die Stellung an.
Al Tessilore: Davon verstehe ich nichts.
Dalmas: Jedenfalls bin ich hier allein.
Al Tessilore: Umso besser, denn mit ihnen mein Freund gehts jetzt zu ende, das wissen sie wohl, was.
Dalmas: Was hat ihnen dieser Waldo denn getan.
Al Tessilore: Bei, bei einem Ding in einer Bank in Michigan stieg er aus und brauchte mir 4 Jahre Knast ein, als Kronzeuge wurde er selbst nicht unter Anklage gestellt, ist ein reiner Zufall, daß er mir heute in der Kneipe begegnete, hat die Polizei schon spitz wer ich bin.
Dalmas: Man hat ihre Fingerabdrücke, ich weiß nicht wie gut sie sind.
Al Tessilore: Was ist denn, was ist denn alter Freund.
Dalmas: Ich werde mich übergeben, wenn sie nicht die Pistole von meinem Hals wegnehmen.
Al Tessilore: Ich kann sie ihnen auch auf die Brust setzen, sagen sie nur wo es ihnen am liebsten ist.
Dalmas: Ich mußte lauter gesprochen haben als ich beabsichtigt hatte, an der Tür zur Ankleidekammer zeigte sich ein schmaler dunkler Spalt, ich sah Augen aber ich blickte nicht hin, starrte immerzu nur in die Augen des Killers, ich wollte nicht, daß er von mir wegsah, und ich begann zu zittern.
Al Tessilore: Angst wie.
Dalmas: Ja aber lassen sie nicht die ganze Nacht darüber vergehen, das ist ja nicht auszuhalten.
Al Tessilore: Mir gefällt es, ich bin nun mal so, nicht.
Dalmas: Die Frau kam jetzt durch die Tür, auch sie hatte ihre Pistole in der Hand, nichts geräuschloseres hat es je gegeben, als die Art in der sie sich bewegte, Schritt für Schritt, immer näher auf uns zu.
Al Tessilore: Wenn sie schreien wollen, alter Freund dann schreien sie doch.
Dalmas: Ja ja ja, jetzt jetzt schrei ich.
Dalmas: Als wenn das einen Zeichen gewesen wäre, rammte die Frau in diesem Augenblick ihre Pistole dem Killer hart gegen die kurze Rippe, ohne einen Laut hören zu lassen, er mußte darauf reagieren, riß unwillkürlich beide Arme seitlich hoch, ich knickte zusammen und stieß ihm mit meiner ganzen Kraft das Knie in den Unterleib, sein Kinn kam mir entgegen und ich schlug zu, schlug zu, als würde ich den letzten Nagel an den Schienen einer transkontinentalen Bahn in die Schwelle treiben, die Pistole glitt ihm aus der Hand, schlitterte über den Teppich unter einen Sessel, die Frau starrte entsetzt in meine Augen, damit gehöre ich ihnen alles alles was ich habe, gehört ihnen, jetzt und für immer, tut mir leid, alter Bursche, aber was konnte ich tun. Sein Gesicht war grünlich bleich, ich bückte mich und tastete ihn nach weiteren Waffen ab, aber er hatte keine mehr bei sich, ich holte aus meinem Schreibtisch ein paar Handschellen, zog seine Arme vorne zusammen und fesselte ihm die Gelenke, dann ging ich ans Telefon und wählte die Nr. der Mordkommission.
ORyan: Inspektor ORyan.
Dalmas: Hallo, Inspector, ich bins John Dalmas.
ORyan: Ah, sie, Dalmas.
Dalmas: Ja.
ORyan: Wetten, daß ihnen noch was eingefallen ist.
Dalmas: Haben sie schon raus, wer der Killer ist.
ORyan: Kann ich ihnen nicht sagen, tut mir furchtbar leid, über Ermittlungsarbeit dürfen wir nichts mitteilen.
Dalmas: Schön, ist mir auch egal, aber kommen sie her und holen sie ihn ab.
ORyan: Wen.
Dalmas: Den Killer.
ORyan: Was.
Dalmas: Ja liegt hier in meiner Wohnung auf dem Fußboden, ich mußte ihn ein wenig mit dem Knie behandeln.
ORyan: Heiliger Bimbam, schließen sie los, Dalmas.
Dalmas: Er ist gefesselt, er gehört ihnen, er kam her, um einen Zeugen um die Ecke zu bringen.
ORyan: Und wer ist noch bei ihnen.
Dalmas: Sonst niemand, ich bin allein.
ORyan: Gut ich komme, sie wohnen im Berglundhaus, nicht wahr.
Dalmas: Ja 4. Etage, Apartment 42.
ORyan: Bin praktisch schon bei ihnen.
Dalmas: Inspektor ORyan kam, weshalb er diesmal seinen freundlichen Kollegen Jerry Miller nicht mitbrachte, dämmerte mir erst später, ORyan drängte mich mit angespanntem Grinsen ins Zimmer und betrachtete mit kalten grausamen Augen den Mann auf dem Boden.
ORyan: Sind sie sicher, daß er es war.
Dalmas: Absolut sicher, wo ist denn ihr Kollege Inspektor Miller.
ORyan: Hat noch zu tun, sind das ihre Handschellen.
Dalmas: Ja.
ORyan: Schlüssel.
Dalmas: Ich gab ihm die Schlüssel, er ließ sich neben dem Killer auf die Knie nieder, nahm ihm meine Handschellen ab, zog seine eigenen aus der Tasche, drehte dem Kahlköpfigen die Arme auf den Rücken und schnappte die Handschellen zu.
Al Tessilore: Geschafft, sie Polyp sie.
Dalmas: ORyan grinste, ballte die Faust und gab dem Gefesselten einen Schlag ins Gesicht.
ORyan: Handtuch Dalmas.
Dalmas: Ich holte eines, er stopfte es dem Kahlköpfigen zwischen die Zähne und stand auf.
ORyan: So der schläft für ne halbe Stunde, also los berichten sie.
Dalmas: Ich berichtete ohne daß ich die Frau auch nur mit einem einzigen Wort erwähnte, es klang alles bißchen seltsam, ORyan sagte kein Wort und musterte mich unentwegt, ich reichte ihm die Waffe des Killers, er schob sie in die Tasche, in seinen Augen leuchtete etwas.
ORyan: Sie haben irgendetwas im Sinn Dalmas, wollen sie einen alten Polypen auf den Arm nehmen.
Dalmas: Ich schenk ihnen den Killer, Inspektor, er ist für sie ein fetter Brocken, was wollen sie mehr.
ORyan: Was soll das, worauf wollen sie hinaus.
Dalmas: Sie wissen recht gut, daß ich mit dem Burschen da allein nicht fertig werden konnte, er hatte mir seine Pistole auf die Brust gesetzt und brauchte nur den Finger krumm zu machen.
ORyan: Ja, und warum hat er das nicht getan?
Dalmas: Weil ihm ein anderer ein Schießeisen in die Rippen drückte.
ORyan: Welcher andere?
Dalmas: Ein junger Mensch, der versucht hatte in Beverly Hills sein Ding zu drehen, das aber schiefging, er wollte in einer kleinen Tankstelle die Kasse ausleeren, ich kenne seine Familie, er ist in Wirklichkeit kein übler Bursche, er war hier und wollte sich Fahrgeld von mir erbetteln, um abzuhauen, als der Killer klopfte, schlich er sich in meine Ankleidekammer.
ORyan: Hat er denn eine Waffe bei sich?
Dalmas: Ja, die stieß er dem da gerade noch im rechten Augenblick in aller Stille ins Kreuz, dazu gehört schon was, sie müssen dem Jungen eine Chance geben, Inspektor, lassen Sie ihn aus der Geschichte heraus.
ORyan: Liegt schon eine Anzeige gegen ihn vor?
Dalmas: Noch nicht, aber er hat Angst, daß sie noch kommt und das ließ sie sich doch verhindern, sie haben doch gute Freunde im Headquarter, tun sie es mir zu liebe Inspektor, schließlich verdanke ich dem Jungen, daß ich noch lebe, und was den Killer betrifft, den, den haben sie geschnappt.
ORyan: Wieso ich?
Dalmas: Sie kamen in meine Wohnung, um nachzusehen, was ich für Waffen habe, und während sie in der Ankleidekammer herumschnüffelten, kam der hier rein, um mich umzulegen, aber er kam nicht dazu, denn sie, mein guter Engel, rammten ihm noch rechtzeitig ihr Schießeisen ins Kreuz, klar.
ORyan: Hm, und das würden Sie zu Protokoll geben.
Dalmas: Ah worauf sie sich verlassen können.
ORyan: Okay.
Dalmas: Und der Junge, der mir geholfen hat.
ORyan: Um den machen Sie sich keine Sorgen, so wie er Hilfe braucht, geben Sie mir Bescheid.
Dalmas: Eine Viertelstunde später saßen wir im Headquarter im Zimmer des Superintendenten, wo Inspektor ORyan Bericht erstattete, draußen auf dem Korridor sind wir dann fotografiert worden, ORyan und ich, wie er mir mit strengem, nüchternen Blick die Hand schüttelt. Nach Hause kam ich gegen Mitternacht, die Haustür war verschlossen, als ich den Schlüssel heraussuchte, hörte ich hinter mir eine Frauenstimme.
Lola: Kommen Sie her, steigen Sie ein.
Dalmas: Sie hier, sind Sie wahnsinnig?
Lola: Steigen Sie ein, bitte.
Dalmas: Aber schnell weg von hier.
Dalmas: Wir fuhren anderthalb Blocks die Franklin Avenue entlang und bogen dann in den Kingsley Drive ein, wo wir hinter einem funkelnagelneuen Packard Cabriolet parkten, an dessen Heckfenster noch der Lieferschein des Händlers klebte.
Lola: Ich war nicht sehr freundlich zu ihnen, wie?
Dalmas: Sie haben mir nur das Leben gerettet, der Kerl, von dem sie mich befreit haben, der hat Waldo erschossen.
Lola: Und was geschah weiter?
Dalmas: Ich band einem Inspektor der Mordkommission, der mich nicht leiden kann, ein paar Lügen auf die Nase, gab ihm allein das Verdienst an der Festnahme des Killers und damit hatte es sich.
Lola: Und von mir haben Sie nichts gesagt?
Dalmas: Nein, kein Wort, im Übrigen weiß ich gar nicht, wer Sie sind.
Lola: Miss Frank Barsaly, Freemont Place 212 und sie können sich nicht denken, warum ich noch einmal zurückgekommen bin.
Dalmas: Ach ja, ja, ihr Hut und ihre Jacke, warten Sie, ich hole die Sachen.
Lola: Ich will auch meine Perlen.
Dalmas: Perlen?
Lola: Ich wollte sie für 2000 Dollar kaufen von dem Mann, den sie Waldo nennen, er hätte sie bei sich haben müssen.
Dalmas: Haben sich aber nicht gefunden.
Lola: Ach.
Dalmas: Ich sah, was aus seinen Taschen kam, ein Haufen Geld, aber keine Perlen.
Lola: Er wird sie in seiner Wohnung versteckt haben.
Dalmas: Ist möglich, oder sonst wo in Kalifornien.
Lola: Stan hat mir die Perlen geschenkt, sie haben 2000$ gekostet, sagte er, weiße Perlen, 41 Stück, und weil sie von Stan sind, bedeuten sie mir unendlich viel.
Dalmas: Wie heißen Sie eigentlich mit Vornamen?
Lola: Lola.
Dalmas: Erzählen Sie weiter, Lola.
Lola: Die Kette wurde durch eine einfache silberne Schließe in Form eines zweiflügeligen Propellers zusammengehalten, Frank, meinem Mann habe ich gesagt, ich hätte mir die Perlen selbst gekauft in einem Warenhaus, er merkte nicht, daß sie echt waren, Frank ist sehr eifersüchtig, als er drei Monate lang in Argentinien zu tun hatte, engagierte ich Joseph als meinen Chauffeur, wenn wir zusammen ausgefahren sind, haben wir manchmal ein Gläschen getrunken oder zwei, das war alles, ich hatte nichts mit Joseph.
Dalmas: Sie erzählten ihm aber von den Perlen, ja.
Lola: Ja.
Dalmas: Und als ihre 200 Pfund Lebendgewicht aus Argentinien zurückkamen, schmiß er Joseph raus.
Lola: Ja.
Dalmas: Und Joseph nahm die Perlen mit, weil er wußte, daß sie echt waren.
Lola: Ja.
Dalmas: Dann bot er sie ihnen für zwei Mille an und sie gingen nicht zur Polizei.
Lola: Unter diesen Umständen hatte Joseph natürlich keinerlei Befürchtungen, mir mitzuteilen, wo er wohnte.
Dalmas: Der arme Waldo, pardon Joseph, irgendwie tut er mir leid, trifft im ungeeigneten Augenblick einen alten Freund, der noch eine Rechnung mit ihm zu begleichen hat, und den Flieger lieben sie immer noch, wie?
Lola: Ja.
Dalmas: 2000$ sagten sie haben die Perlen gekostet, mhm, gut, ich werde nachsehen.
Lola: Das ist lieb von Ihnen.
Dalmas: Dritte Etage.
Lola: Apartment 31, ich werde hier warten.
Dalmas: Ist gut.
Dalmas: Ich ging zurück ins Berglundhaus und klopfte an die Tür des Apartment 31. Das alte vertraute Signal aus der Zeit der Alkoholschmuggler. Keine Antwort. Dann schob ich ein Stück festes Zelluloid langsam zwischen Schloß und Türrahmen, drückte gegen den Türknopf und trat ein. Ich untersuchte jede Schublade, jeden Winkel, jedes Regal. Erst als ich das Wandbett ein Stück herunterklappte, wußte ich, daß ich wirklich nicht länger nach Perlen zu suchen brauchte, denn ich hatte einen Toten vor mir, einen Mann mittleren Alters, klein mit grauen Schläfen und dunkler Haut. Er trug einen rehfarbenen Anzug mit einer weinroten Krawatte und hing mit einem Gürtel um den Hals am oberen Ende des Metallrahmens der Bettstelle. Ich durchsuchte den Toten. Keine Brieftasche. Waldo muß sie an sich genommen haben. Im Halfter auf der linken Brustseite steckte eine Mauser, eine Kanone, mit der man eine Mauer umlegen kann, die diesem professionellen aber nichts mehr nützte, denn Waldo schien schneller gewesen zu sein, hat ihn am Hals zu fassen gekriegt, gewürgt, bis er weg war und schließlich an den Bettrahmen gehängt. Ich durchsuchte die Taschen des Toten weiter und fand etwas Silbergeld, ein zusammengefaltetes parfümiertes Taschentuch und eine kleine neue Schlüsseltasche mit vier neuen Autoschlüsseln. In goldenen Buchstaben stand auf der Schlüsseltasche mit den besten Wünschen Richard Vogelsang Packardhaus. Ich ordnete alles wieder so, wie ich es vorgefunden hatte, wischte mit dem Taschentuch über alle Türgriffe, vorstehenden Ecken, glatten Oberflächen, die ich berührt haben konnte, löschte das Licht, zog die Apartmenttür hinter mir zu und ging zurück zum Kingsley Drive.
Lola: Nun, haben Sie die Perlen gefunden?
Dalmas: Nicht eine einzige.
Lola: Schade, dann muß ich mich also damit abfinden.
Dalmas: Tja, fahren Sie jetzt nach Hause und merken Sie sich eines, Sie haben mich nie in Ihrem Leben gesehen, egal was passiert, und wir werden uns vielleicht auch nie wiedersehen.
Lola: Ich fände es bedauerlich.
Dalmas: Viel Glück, Lola.
Lola: Good bye.
Dalmas: Nun stand ich da und starrte auf die Rückseite des vor mir stehenden Packard Cabriolet, das völlig neu zu sein schien, unter dessen Heckfenster noch der Lieferschein des Händlers klebte, ich ging näher heran, ließ den Strahl meiner kleinen Taschenlampe auf den Zettel fallen und las Richard Vogelsang Packardhaus, der gleiche Händlername, der in goldenen Buchstaben auf der Schlüsseltasche der aufgehängten Leiche stand, auf den Zettel war aber auch noch mit schwarzer Tinte der Name und die Adresse des Mieters vermerkt. A. Kolchenko, 413 Arvieda Street, West Los Angeles. Obgleich es mir zunächst verrückt schien, so ging ich doch noch mal zurück und holte die Schlüssel aus der Tasche des Toten im rehfarbenen Anzug, 5 Minuten später stand ich wieder auf der Straße neben dem Packard Cabriolet, die Schlüssel paßten und ich fuhr mit dem Wagen in die Arvieda Street.
Dalmas: Guten Abend.
Anja: Sie wünschen.
Dalmas: Sie sind Misses Kolchenko.
Anja: Nein, Miss Kolchenko.
Dalmas: Ich habe ihren Wagen gebracht.
Anja: Sie haben Sie haben meinen Wagen gebracht?
Dalmas: Ja, haben Sie ihn denn nicht vermisst?
Anja: Wer sind Sie?
Dalmas: John Dalmas, hier ist meine Karte.
Anja: Detektiv. Warten Sie. Sie bekommen Belohnung.
Dalmas: Danke, das ist nicht nötig, sagen Sie mir lieber, wer ist der Mann? Klein, so um die 40, schwarzes Haar, rehfarbener Anzug, dunkle Haut, weinrote Krawatte.
Anja: Was ist? Was ist mit ihm? Was ist?
Dalmas: Er ist tot.
Anja: Kommen Sie, kommen Sie herein.
Frank: Was ist los mein Schatz?
Anja: Hier, der Mann ist Detektiv.
Dalmas: Guten Abend.
Anja: Bitte mach Musik aus.
Frank: Na und?
Dalmas: Ich komme wegen Miss Kolchenkos Wagen.
Frank: Was ist mit dem Wagen?
Dalmas: Der Mann, der ihn sich ausgeliehen hat, konnte ihn nicht zurückbringen.
Frank: Und warum nicht? Warum nicht?
Dalmas: Weil ihn jemand umgebracht hat.
Frank: Verdammt noch mal.
Dalmas: Ich zündete mir eine Zigarette an und begann mit meiner Geschichte, erzählte vom Berglundhaus, daß ich dort wohnte, daß Waldo im Apartment 31 auf der Etage unter mir gewohnt hatte, schilderte den Vorfall im Cocktailroom, sagte aber nichts von der Bolerojacke und der Frau, die sie getragen hatte.
Frank: Also aus geschäftlichen Gründen haben sie diesen Waldo im Auge behalten, hm und was für geschäftliche Gründe waren es.
Dalmas: Lieber Herr? Haben Sie vor niemandem Geheimnisse.
Frank: Und im Headquarter?
Dalmas: Da sagte ich kein Wort davon, daß ich Waldo kenne, auch nicht, daß ich mir die Freiheit nahm, seine Wohnung zu durchsuchen.
Frank: Und wonach suchten Sie?
Dalmas: Nach Briefen, fand aber nichts als den Toten, erwürgt und mit einem Gürtel am Bettrahmen aufgehängt, ein kleiner Mann, etwa 45 Mexikaner vielleicht, gut angezogen in einem rehfarbenen Anzug und einer weinroten.
Frank: Das reicht, das reicht, das recht, ich beiße an, betraf ihr Auftrag eine Erpressung?
Dalmas: Man kann es so nennen, das Absonderliche daran ist, daß der kleine Mann eine dicke Kanone unter dem Arm trug.
Frank: Aber die 500$ in grünen Scheinen hatte er nicht in der Tasche, oder etwa doch?
Dalmas: Nein, dagegen hatte Waldo 500 bei sich in grünen Scheinen und noch 200 dazu, als er im Cocktailroom umgelegt wurde.
Frank: Sieht aus, als hätte ich diesen Waldo unterschätzt, er hat also meinen Mann erledigt und ihm das Geld abgenommen, gib uns was zu trinken, Goldschatz.
Anja: Hier habt ihr.
Frank: Zum Teufel, das Leben besteht aus nichts als Schwierigkeiten, wie man es auch ansieht, na, wenigstens habe ich diesen Goldschatz hier, sie ist Weißrussin, ich habe sie in Shanghai kennengelernt, sie ist so sicher wie ein Panzerschrank, wenn sie auch aussieht, als würde sie einem für ein Cent die Kehle durchschneiden, das gefällt mir so besonders an ihr, sie ist was fürs Herz oder das sonst übliche Risiko.
Anja: Ach du reden sehr dummes Zeug.
Frank: Sie sehen mir aus, als ob sie in Ordnung wären, gibt es einen Ausweg?
Dalmas: Ja, aber es wird eine Kleinigkeit kosten.
Frank: Wie viel?
Dalmas: Sagen wir noch mal 500.
Anja: Verdammt, dieser heiße Wind macht mich trocken wie Asche von Liebe.
Frank: 500, das wäre tragbar, was bekomme ich dafür?
Dalmas: Ihr Name wird nicht genannt. Sie bleiben unbehelligt.
Frank: Ja, sie werden den Mord nicht verschweigen können, den zweiten meine ich, und das, was ich kaufen wollte, habe ich nicht bekommen.
Dalmas: Sagen Sie, wer ist der Tote im Berglundhaus?
Frank: Ein Uruguayer, Leo Wallezanos, er arbeitete als Croupier beim Roulette im Spacia Club unten im Sunsetboulevard, ich gab ihn die 500, damit er zu Waldo geht und ihm ein paar Rechnungen abkauft, die mein Täubchen hier auf meinen Namen gemacht hatte, ich hatte die Rechnung in meiner Aktentasche und dieser Waldo hatte eine Chance sie herauszuholen.
Dalmas: Auf zwei Dinge muß ich sie noch aufmerksam machen.
Frank: Ja.
Dalmas: Waldo hatte seinen Wagen mit dem er fliehen wollte, unabgeschlossen und mit laufendem Motor vor dem Cocktailroom stehen lassen und der Killer ist damit fortgefahren, es besteht die Möglichkeit, daß von dieser Seite noch ein Rückschlag eintritt, denn in dem Wagen muß Waldos ganzes Gepäck gewesen sein, also auch die Rechnungen, die er ihnen gestohlen hat.
Frank: Verdammt.
Dalmas: Aber in diesen Dingen ist die Polizei meistens vernünftig, ich werde mit den Leuten vom Headquarter schon klar kommen, es sei denn, ihr Name ist so bekannt, daß sich die Zeitungsleute dafür interessieren, ja, dann sieht es wieder anders aus, wie sagten Sie noch, war Ihr Name? Na.
Frank: Frank Barsaly.
Dalmas: Als ich wieder ins Berglundhaus zurückkam, roch es nur so nach Polizei. Inspektor ORyan saß vor meinem Schreibtisch, sein Kollege, der freundliche Jerry Miller, schnitt eine Grimasse, die mir unangenehmes anzukündigen schien, Inspektor ORyan deutete mit träger Handbewegung auf die vor ihm liegende Bolerojacke und den Hut mit dem dunklen Samtband, stand langsam auf, ging auf mich zu und schlug mich mitten ins Gesicht, hart.
ORyan: Sie sollten sich schämen mit diesen kostbaren Dingern so achtlos umzugehen, wo haben Sie die Sachen her?
Dalmas: Sie gehören einer Dame.
ORyan: Was sie nicht sagen, einer Dame, ich will Ihnen sagen, welcher Dame die Sachen gehören, sie gehören der Puppe, nach der Kerl, der Waldo genannt wurde, in der Kneipe gegenüber gefragt hat, ungefähr zwei Minuten bevor er umgelegt wurde, und sie Dalmas, sie erbärmlicher Schleicher sie, sie selbst waren an dieser Dame interessiert und haben die Sachen in der Garderobenschublade versteckt, übel kann einem werden vor euch Schnüfflern, aber sie waren gerissen, Dalmas, sie haben mich getäuscht.
Dalmas: Gerissen? Daran ist doch nichts gerissen.
ORyan: Sie wußten, wer dieses Weibsbild war, wußten auch, wer Waldo war und wo er wohnte und daß er das Weibsbild treffen wollte, dazu hatte er allerdings keine Gelegenheit mehr.
Dalmas: Wer war er denn?
Miller: Er hieß Waldo Rettigan, wir bekamen seine Personalien über Fernschreiber aus Washington, ein Gelegenheitseinbrecher mit paar kleinen Vorstrafen.
Dalmas: Und der, der ihn umgebracht hat.
Miller: Ein gewisser Al Tessilore, Tessilore hatte mit Waldo noch eine Rechnung zu begleichen.
Dalmas: Danke Inspektor.
ORyan: Jerry hat was für Sie übrig, Dalmas, er mag sie, ich aber, ich habe von Anfang an gemerkt, daß an ihnen etwas stank, ja und wir haben sogar noch etwas wir haben den Wagen mit dem Waldo fliehen wollte und damit auch alles, was er mitnehmen wollte, hier bitte, sehen Sie sich das mal an, mit einer Schließe in Form eines zweiflügeligen Propellers, hübsch, wie?
Dalmas: ORyan zeigte mir Lolas Perlenkette, die ihr der Flieger geschenkt hatte, der bei einem Flugzeugabsturz verbrannte und den sie immer noch liebte.
ORyan: Sind Sie jetzt bereit uns zu sagen, was Sie in der Angelegenheit wissen, Mr. Dalmas.
Dalmas: Die Perlen müssen eine schöne Stange Geld wert sein.
Miller: Etwa 100 $, mehr sind, sie sind nämlich falsch.
Dalmas: Falsch?
Miller: Ja, glatt wie Glas, falsch.
Dalmas: Ja und und wenn sie wenn sie echt wären, würden sie dann 2000$ kosten?
Miller: Wenn nicht mehr.
Dalmas: Hmh, dieser Waldo war gar nicht so dumm, und Sie sagen, sie haben die Perlen in Waldos Wagen gefunden.
Miller: Ja.
Dalmas: Haben Sie auch Papiere gefunden?
Miller: Papiere? Keine.
ORyan: Sie haben hier nichts zu fragen, nur zu antworten, also, was wissen Sie?
Dalmas: Nicht mehr als das, was ich zu Protokoll gegeben habe.
ORyan: Und was die Dame anbelangt.
Dalmas: War ich überzeugt, daß gegen sie nichts vorlag, Waldo ist mal ihr Chauffeur gewesen.
ORyan: Ah, schon etwas.
Dalmas: Er nannte sich damals Joseph Baker.
ORyan: Ja, und die Dame, wer ist die Dame?
Dalmas: Miss Frank Barsaly, ihr Mann ist Ingenieur, ein Freund schenkte ihr vor langer Zeit mal die Perlen und ihrem Manne sagte sie, sie habe die Perlenkette in einem Warenhaus gekauft, Waldo erfuhr auf irgendeine Weise die romantische Vorgeschichte dieser Perlenkette und als Barsaly aus Südamerika zurückkam und ihn hinauswarf, weil er ihm so gut aussah, da ließ Waldo die Perlen mitgehen.
ORyan: Ja, wollen Sie damit sagen, er wußte nicht, daß die Perlen falsch waren?
Dalmas: Ich glaube, er hat die Echten verkauft und diese Imitation hier anfertigen lassen.
ORyan: Ja, möglich.
Dalmas: Er hat noch mehr mitgehen lassen, Papiere aus Barsalys Aktentasche, die beweisen, daß Barsaly eine andere Frau aushält, er erpresste beide, den Mann und die Frau.
ORyan: Ja, ich verstehe, na, berichten Sie weiter.
Dalmas: Ich erzählte, was sich in meinem und später in Waldos Apartment zugetragen hatte, auch, daß ich den Packard der Frau zurückbrachte, die von Barsaly ausgehalten wird, der einen Freund aus dem Spezialclub zu Waldo schickte, um ihm die gestohlenen Papiere abzukaufen, dieser Freund aber die Papiere mit der Pistole kaufen wollte, statt mit dem Geld, das ihm Barsaly mitgegeben hatte.
Miller: Waldo aber erwies sich als der Schnellere und erwischte ihn vorher.
Dalmas: Eben.
Miller: Ist das alles?
Dalmas: Ja.
Miller: Gut. Was verlangen Sie dafür?
Dalmas: Ich.
ORyan: Ist ja großartig, der dreckige Schleicher hier läßt sich mit einer vagabundierenden Schlampe ein, verstößt gegen jedes denkbare Gesetz und du fragst ihn noch, was er verlangt, ich werde ihm geben, was er braucht.
Miller: Das wirst du nicht Sam, du wirst ihm viel mehr bestätigen, daß er sich völlig einwandfrei verhalten hat und ihm geben was er fordert, schon als Lohn für die Lektion, die dir als Polizist erteilt, also, was verlangen Sie, Dalmas?
Dalmas: Was hier auf den Tisch liegt, die Jacke, den Hut und die falschen Perlen.
ORyan: So.
Dalmas: Und daß ein paar Namen nicht in die Zeitung kommen, ist das zu viel?
ORyan: Ja, das ist zu viel, mir gefällt es besser, wenn sie sich mit einem Stück Blei im Bauch zufrieden geben, weil sie bei der Verhaftung Widerstand leisteten.
Miller: Sam.
ORyan: Weil sie einen Bericht zu Protokoll gegeben haben, in dem steht, daß ich Al Tessilore festgenommen habe.
Miller: Steck die Waffe weg, Sam.
ORyan: Weil in den Morgenzeitungen ein paar Aufnahmen von mir erscheinen und es mir besser gefällt, wenn sie nicht mehr so lange leben, daß sie noch darüber dreckig lachen können.
Miller: Und wenn die Frau aussagt? Hä, was dann? Dann wirst du als ein Beamter entlarvt der Protokolle fälscht, der seinen eigenen Partner hintergangen hat. Dann werden sie im Amt nicht mal mehr deinen Namen nennen, Sam, den schlecht würde ihn werden.
Dalmas: Der Hahn an ORyans Revolver knackte und ich sah, wie sich sein knochiger Finger um den Abzug krümmte. Mein Nacken war naß wie eine Hundeschnauze. Inspektor Miller stand auf. Der Revolver zuckte auf ihn.
Miller: Ich sage dir, steck die Waffe weg.
Dalmas: Jerry Miller ging ruhig auf ORyan zu, die Waffe begann zu schwanken.
Miller: Steck sie weg, Sam, wenn du einen klaren Kopf behältst, geht alles in Ordnung, wenn nicht, ist es aus mit dir.
Dalmas: Miller ging noch einen Schritt näher, ORyan öffnete den Mund weit und ließ einen japsenden Laut hören, dann fiel er in den Sessel zurück, als sei er über den Kopf geschlagen worden, seine Augen klappten zu, Inspektor Miller riß ihm den Revolver aus der Hand.
Miller: Es ist der heiße Wind Sam, wir wollen das Ganze vergessen. Okay. Ich würde eine Frau, die mir das Leben gerettet hat, auch eine Menge tun.
Dalmas: Übrigens Inspektor, der Tote in Waldos Apartment hieß Leon Valessanos. Er war Croupier im Special Club.
Miller: Danke. Komm Sam gehen wir.
Dalmas: Die Barsalys wohnen Freeman Place 12, sie können ja Miss Barsaly die Perlen bringen, wenn Barsalys Name nicht in die Zeitungen kommt, erhalte ich 500$, aber mir geht es bei der Geschichte nicht um Geld, die 500 soll der Unterstützungsfonds kriegen.
Miller: Wie sie wollen, und bringen Sie Miss Barsaly die Perlen.
Dalmas: Okay.
Miller: Komm schon.
Lola: Hallo.
Dalmas: Hier John Dalmas, ist bei Ihnen alles klar, Lola?
Lola: Ja, ich bin allein.
Dalmas: Ich habe was gefunden oder richtiger, die Polizei hat was gefunden.
Lola: Was denn?
Dalmas: Die Perlen.
Lola: Ja.
Dalmas: Aber sie sind nicht echt, ihr Herr Chauffeur hat sie betrogen, die echten hat er verkauft.
Lola: Oh nein.
Dalmas: Nehme ich an, und den Verschluß den zweiflügligen Propeller an einer Kette mit falschen Perlen anbringen lassen.
Lola: Und wo hat die Polizei die Kette gefunden?
Dalmas: In Waldos Wagen, aber sie wird nichts darüber verlauten lassen, sie hat mit mir ein kleines Abkommen getroffen, lesen Sie die Morgenzeitungen, Lola, dann werden Sie es verstehen.
Lola: Kann ich die Schließe wieder bekommen?
Dalmas: Natürlich, sagen wir heute Nachmittag um 4 Uhr im Esquire Club in der Bar, einverstanden?
Lola: Es ist sehr freundlich von Ihnen, ich werde da sein, Frank ist noch auf einer Sitzung.
Dalmas: Diese Konferenzen haben es in sich, sie reiben einen auf.
Lola: Also um vier.
Mann: Ja. Was solls?
Dalmas: Mr. Barsaly, sie können mir morgen einen Scheck über 500$ schicken, stellen Sie ihn auf den Unterstützungsfonds aus, denn der bekommt die 500.
Mann: Okay, Mr. Dalmas.
Dalmas: Danke.
Dalmas: Nach dem Frühstück suchte ich ein Juwelier auf, ich zeigte ihm die Perlen.
Juwelier: Mhm. Ganz hübsch, aber natürlich Imitation, und was soll ich damit?
Dalmas: Ich möchte eine Kette wie diese hier mit dem Verschluß gearbeitet und zwar sehr schnell.
Juwelier: Bitte, können Sie haben, hier diese da z.B. nicht ganz die gleiche Kette, das Glas ist nicht so gut wie bei ihrer Kette, aber doch kaum zu unterscheiden.
Dalmas: Okay, aber mit dem Verschluß da, die anderen Perlen möchte ich gerne zurückhaben.
Juwelier: Aber bitte natürlich, um 2 Uhr ist die Kette fertig.
Dalmas: Danke.
Dalmas: Um 4 Uhr saß ich neben Miss Barsaly in der Bar des Esquire Clubs.
Lola: Schön Dalmas, daß Sie Wortgehalten haben.
Dalmas: Ich habe Ihnen noch die Bolerojacke und den Hut mitgebracht hier in dem Paket, am besten Sie werfen es so wie es ist in die Heizung.
Lola: Danke.
Dalmas: Haben Sie schon die Zeitungen gelesen?
Lola: Ja.
Dalmas: Verstehen Sie jetzt, wie das mit dem Inspektor ORyan war der ihnen ihren Auftritt gestohlen hat.
Lola: Natürlich.
Dalmas: Er muß den Mund halten.
Lola: Zeigen Sie mir die Perlen, bitte. Ja. Ja, sie haben recht, das sind nicht die Perlen von Stan.
Dalmas: Inspektor ORyan hat die Perlen in Waldos Wagen gefunden, ich sage ihn das nur für den Fall, daß Sie sich vergewissern wollen.
Lola: Reden Sie keinen Unsinn, Dalmas, es ist ohnehin alles vorbei, es war eine Erinnerung, Stan ist tot, schon lange tot, und ich ich bin noch zu jung, um von Erinnerungen zu leben.
Dalmas: Allerdings.
Lola: Heute morgen sagte mir mein Mann, wovon ich nichts geahnt habe, er will sich von mir trennen.
Dalmas: Oh, das tut mir leid. Tja. Tja, sonst ist nichts weiter zu sagen. Also vielleicht sehen wir uns gelegentlich, vielleicht auch nicht jedenfalls vielglück lola. Danke. Ich verließ die Bar ohne mich umzusehen, stieg in meinen Wagen und fuhr über den Sunset Boulevard nach Westen, bis zur Küste hinunter, überall in den Gärten waren die Blätter und Blüten vom heißen Wind verfärbt, verdorrt, verbrannt, der Ozean hatte sich wieder beruhigt, ich parkte und ging die Küste entlang, beobachtete eine weile die Wellen, zog die Schnur mit den falschen Perlen aus der Tasche und warf sie einzeln hinaus ins Meer und dachte dabei an Mr Stan Philips, den Flieger, der auch nur ein Schwindler war.
John Dalmas, Privatdetektiv: René Deltgen
Sam O'Ryan, Inspektor: Karl Renar
Jerry Miller, Inspektor: Georg Kostya
Frank Barsaly: Dietrich Thoms
Lola Barsaly, dessen Gattin: Elfie Petramer
Anja Kolchenko (Franks Geliebte): Anja Buczkowski
Lew Dexter (Barkeeper): Edwin Baumeister-Noel
Waldo Rattigan (Lolas Ex-Chauffeur): Manfred Spieß
Al Tessilore (Betrunkener): Werner Lieven
Juwelier: Alexander Malachovsky
Bearbeitung (Wort) und Regie: Edmund Steinberger
Kommentar von Hörspiele |
Edgar Wallace: Der Joker (SWF 1988)
(Ein Kriminalhörspiel nach Motiven von Edgar Wallace, Manuskript: Florian Pauer)
Higgins: Guten Morgen, Ann.
Ann Pattison: Ich darf Sie darauf hinweisen, daß es bereits viertel vor elf ist, haben Sie verschlafen, Inspektor?
Higgins: Und wenn es so wäre, ist Sir John schon da?
Ann Pattison: Allerdings.
Sir John: Ann Pattison, ist Higgins endlich da?
Ann Pattison: Ja, Sir John, er ist soeben gekommen.
Sir John: Dann schicken Sie ihn sofort rein.
Ann Pattison: Ja, Sir John. Sehen Sie, er wartet bereits seit zwei Stunden auf Sie. Und wenn ich Ihnen einen guten Rat geben darf, dann seien Sie heute freundlich zu ihm. Er ist nämlich gestern zum dritten Mal bei der Fahrprüfung durchgefallen und hat eine fürchterliche Laune.
Higgins: Ja, wie gewöhnlich. Also dann werde ich mich mal in die Höhle des Löwen wagen. Guten Morgen, Sir.
Sir John: Ah, da sind Sie ja endlich Higgins, guten Morgen, ja, jetzt beantworten Sie mir einmal eine Frage. Bin ich Verkehrspolizist oder Chef von Scotland Yard?
Higgins: Selbstverständlich der Chef von Scotland Yard, Sir.
Sir John: Schön, schön, dann erklären Sie mir einmal, wieso ein einfacher Verkehrsunfall auf meinem Schreibtisch landet.
Higgins: Ein Verkehrsunfall auf Ihrem Schreibtisch?
Sir John: Ja, ein Verkehrsunfall, sag ich doch. Ein Mann wurde vorgestern Nacht von einem wahrscheinlich betrunkenen Autofahrer angefahren und getötet, der anschließend Fahrerflucht beging, das übliche halt. Heutzutage fährt ja alles schon Auto, jeder Idiot bekommt ja einen Führerschein, und wenns kracht, belästigt man jetzt schon mich damit, als ob wir hier nicht genügend andere Probleme hätten.
Higgins: Ja, sehr bedauerlich, wirklich. Übrigens, haben Sie gestern Ihre Fahrprüfung bestanden, Sir John, darf man gratulieren?
Sir John: Äh nein, nein, nein, es gab da ein Mißverständnis, der Prüfer war so ein sturer Hund, äh, Sie kennen ja diese Sorte, aber im Moment beschäftigt mich diese andere Sache.
Higgins: Sir John, diese Angelegenheit ist keine Lappalie. Ich habe gestern abend diesen sogenannten Verkehrsunfall und seine Begleitumstände etwas genauer unter die Lupe genommen, ich habe den Eindruck, daß sich bereits einige Reporter unsere Köpfe zerbrechen.
Sir John: Was soll das heißen?
Higgins: Haben Sie schon die heutige Ausgabe des Daily Mirror gelesen?
Sir John: Nein, nein, nein.
Higgins: Ich darf zitieren: Wieder tödlicher Unfall mit Fahrerflucht, Experten glauben nicht mehr an Zufall.
Sir John: Und?
Higgins: Sir, ich habe mit den Kollegen vom Unfallkommando gesprochen, die Sache von vorgestern Nacht ist bereits der vierte Autounfall mit tödlichem Ausgang und anschließender Fahrerflucht innerhalb weniger Wochen, und das immer in der Nacht. Von Augenzeugen, so es welche gibt, wird zumeist eine dunkle Limousine erwähnt, und diesmal haben wir die Aussage einer Frau, die mir doch sehr zu denken gibt. Nach ihren Angaben hat die dunkle Limousine in einer Seitenstraße vom Kensington Park gewartet und war dann mit voller Absicht auf den Mann zugerast.
Sir John: Sind Sie sicher? Das wäre ein glatter Mordanschlag.
Higgins: Die Frau konnte nicht schlafen und stand am Fenster, dadurch bekam sie alles genau mit, wir haben ihre schriftliche Aussage.
Sir John: Ja, ist ja ungeheuerlich.
Higgins: Ja, es ist ungeheuerlich, aber es ist noch nicht alles. Der Mann von vorgestern Nacht hieß Jugent Pelford, ein alter Kunde von uns, wir haben ihn in unserer Kartei, er hat einige Jahre in Dartmoor abgesessen.
Sir John: Ja, ja, und?
Higgins: Das hat mich stutzig gemacht. Ich habe mir die Dossiers der anderen ungeklärten Autounfälle angesehen, wissen Sie, wer die Opfer waren? Mike Brett, Piet Fletcher, Derrick Hardley, allesamt schwere Jungs, hier ein Raubüberfall, da ein Todschlag, und so weiter und so weiter, man könnte meinen, hier hat jemand die halbe Londoner Unterwelt ins Visier genommen.
Sir John: Moment, Higgins, ich gebe ja zu, daß das alles sehr auffällig ist, aber ich würde keine voreiligen Schlüsse ziehen. Bei den vielen hundert Verkehrstoten, die wir Jahr aus Jahr ein haben, kann es auch nichts weiter als ein böser Zufall sein, vielleicht hat die Zeugin auch eine etwas lebhafte Fantasie.
Higgins: Möglich, Sir, aber nachdem, was ich bis jetzt in Erfahrung bringen konnte, kann ich nicht mehr an Zufall glauben, Sir John, aber das beste kommt noch. Bei Pelford, also dem Toten von vorgestern Nacht, fand man das.
Sir John: Was ist das?
Higgins: Eine Spielkarte, ein Jolly Joker, mit einem handschriftlichen Vermerk, Montag 22 Uhr, man fand sie in Pelfords Brieftasche. Fällt Ihnen etwas auf, Sir John?
Sir John: Sprechen Sie nicht in Rätseln, was meinen Sie damit?
Higgins: Vorgestern war Montag, und gegen 22 Uhr 30 wurde Pelford.
Sir John: Überfahren.
Higgins: Ich würde sagen, ermordet, Sir John, und das ist meine feste Überzeugung.
Sir John: Das ist bis jetzt nur eine Hypothese, und zwar Ihre Hypothese, Higgins, aber gut, bleiben Sie an dem Fall dran, Sie haben meine volle Unterstützung. Übrigens habe ich diesmal einen Assistenten für Sie.
Higgins: Wie bitte? Einen Assistenten für mich?
Sir John: Ja, Superintendant Lane, Sir Eric hat ihn uns geschickt, eine Leihgabe aus Nottingham sozusagen, gehen Sie nur ins Nebenzimmer, er wartet schon auf Sie.
Higgins: Einen Assistenten.
Lane: Hallo.
Higgins: Hallo. Sie sind Superintendant Lane.
Lane: Für Sie Barbara. Sind Sie sehr enttäuscht, Chiefinspektor?
Higgins: Nein, nein nein, keineswegs, so angenehme Überraschungen sind bei uns im Haus wahrlich nicht alltäglich, also kann ich nur sagen, willkommen in London.
Lane: Danke.
Higgins: Sagen Sie, wieso wurden Sie uns zugeteilt, Sir Eric konnte doch von unserem Problem noch nichts wissen.
Lane: Nein, das konnte er auch nicht, aber ich weiß eigentlich auch nicht, worum es geht. Nachdem ich diesen Ken Russel hinter Schloß und Riegel gebracht hatte, wurde es in Nottingham ein wenig langweilig, und Sir Eric meinte, ein Klimawechsel könnte mir sehr gut tun.
Higgins: Ken Russel, den haben Sie aus dem Verkehr gezogen, den Mann, der mit Computermanipulationen 8 Millionen Pfund ergaunert hat?
Lane: Genau den.
Higgins: Mein Kompliment.
Sir John: Na, haben Sie sich schon angefreundet?
Higgins: Danke Sir.
Ann Pattison: Sir John.
Sir John: Ja?
Ann Pattison: Entschuldigen Sie die Störung, Sir John, aber da draußen ist jemand, der Inspektor Higgins sprechen möchte.
Sir John: Wer denn?
Ann Pattison: Ein gewisser Mr. Reynolds.
Higgins: Etwa Billy Reynolds?
Ann Pattison: Ja.
Higgins: Rein mit ihm.
Ann Pattison: Ja. Sie sollen reinkommen.
Reynolds: Inspektor?
Higgins: Sieh mal einer an, daß Sie mir in meinem Leben noch einmal ohne Handschellen gegenüberstehen würden, hätte ich auch nicht gedacht, Reynolds.
Reynolds: Sehr witzig, Inspektor. Ich möchte das hier abliefern.
Higgins: Interessant. Sir, sehen Sie sich das einmal an.
Sir John: Was ist denn das, Higgins? Ist das die Beute aus dem Serapju-Coup?
Lane: Serapju-Coup?
Higgins: Ja. Sie sollten wissen, Kollegin, vor etwa zwei Monaten gab ein jordanischer Ölscheich eine Galaparty auf seinem Landsitz hier in der Nähe von London. Nachdem die Gäste gegangen waren, war er um Juwelen im Werte von 300.000 Pfund erleichtert. Dieser Gentleman, der jetzt so reumütig vor uns steht, war daran offenbar nicht ganz unbeteiligt. Saubere Arbeit, Reynolds, aber soweit ich das auf den ersten Blick sehe, ist das nur die Hälfte der Juwelen.
Reynolds: Mir wäre auch wohler in meiner Haut, Inspektor, wenn ich alles zurückgeben könnte.
Higgins: Mein lieber Reynolds, Sie werden mir doch zustimmen, wenn ich sage, daß Sie uns eine Erklärung schuldig sind, oder?
Reynolds: Ja. Sehen Sie sich das an, Inspektor.
Higgins: Das wäre also die Nummer zwei. Glauben Sie immer noch an Zufall, Sir John?
Lane: Ja was ist denn das? Eine Spielkarte, eine Jolly-Joker-Karte. Was steht da? Donnerstag 18 Uhr, bleiben Sie am Telefon, J.
Sir John: Ja und was soll dieses J. bedeuten?
Higgins: Reynolds, haben Sie das Diamanten-Ding etwa mit Pelford gedreht?
Reynolds: Ja, aber Pelford ist tot, und deshalb bin ich hier. Sie sind verpflichtet, mich zu schützen, Inspektor, mein Leben ist bedroht.
Ann Pattison: Sir John, es ist Zeit für Ihre Tabletten.
Sir John: Aber jetzt doch nicht, alles der Reihe nach.
Ann Pattison: Aber Sir John.
Sir John: Reynolds, was soll dieses J. bedeuten?
Reynolds: Das J steht für Joker. Noch nie von ihm gehört? Er terrorisiert seit Monaten die gesamte Londoner Unterwelt. Seine Methode ist einfach und sicher zugleich. Wenn irgendwo ein Ding gedreht wird, ist er der erste, der davon Wind bekommt, und mit Morddrohungen erpreßt er die Herausgabe von 90 Prozent der Beute. Keiner, der darauf nicht eingegangen ist, hat überlebt.
Higgins: Gehörten Mike Brett und Piet Fletcher auch dazu?
Reynolds: Fletcher? Hats den etwa auch erwischt? Von Brett wußte ichs, aber von Flechter...
Higgins: Fletcher wurde vor ungefähr 14 Tagen von einem Auto angefahren und tödlich verletzt.
Reynolds: Der also auch. Pelford und ich hatten noch vor nicht allzulanger Zeit im Montmartre mit ihm gesprochen. Allerdings verstehe ich das nicht ganz, Fletcher war doch bereit, auf die Forderung des Jokers einzugehen.
Sir John: Sie sagen, der Joker ist der erste, der von einem Coup erfährt, Mr. Reynolds, woher weiß er es?
Reynolds: Tja, er weiß es eben.
Lane: Tja, und seit dem Serapju-Coup hat er nun Sie im Visier.
Reynolds: Sie sagen es. Pelford war dagegen, den Erpressungen des Jokers nachzugeben, wir teilten die Beute und trennten uns, aber weit ist er ja nicht gekommen, und ich bin wahrscheinlich der nächste!
Higgins: Hören Sie zu, Reynolds, wir werden Ihnen helfen, in Ihrem Interesse, aber bevor wir das tun, eine Frage, da Sie ja mit der Londoner Unterwelt so intim befreundet sind, gibt es einen Anhaltspunkt, irgend ein Indiz, wer der Joker sein könnte?
Reynolds: Nein, das einzige, was wir wissen ist, daß er diese dunkle Limousine fährt, nen schwarzen Jaguar.
Lane: Wann will er mit Ihnen wieder Kontakt aufnehmen?
Reynolds: Donnerstag, also morgen um 18 Uhr, steht ja auf der Karte.
Higgins: Wo wohnen Sie?
Reynolds: Wir hatten ein Zimmer im Eastend gemietet.
Higgins: Schön, dann fahren Sie dorthin, Sie bekommen zwei Mann Begleitung, einen in die Wohnung, einer bleibt unauffällig vor Ihrem Haus. Wenn sich der Joker meldet, gehen Sie auf seine Forderung ein, den Rest erledigen wir.
Reynolds: Was haben Sie vor?
Higgins: Wahrscheinlich sollen Sie die Juwelen irgendwo deponieren, entweder an einem entlegenen Ort oder mitten in der Stadt, wo der Joker im Verkehrsgewühl rasch wieder untertauchen kann. Sie hinterlegen jedenfalls das Zeug, wo immer er will, und verschwinden dann so rasch wie möglich, wenn er es abholt, schnappen wir ihn uns.
Lane: Glauben Sie wirklich, daß er persönlich kommen wird?
Higgins: Auch wenn er nur einen Mittelsmann schickt, bringt uns das weiter. Nach unserer bisherigen Kenntnis seiner Arbeitsmethode dürfte er wohl kaum viele Mitarbeiter haben. Je weniger seine Identität kennen, desto sicherer kann er sich fühlen. Ihr Telefon, Reynolds, werden wir selbstverständlich auch abhören.
Reynolds: Und Sie können meinen absoluten Schutz garantieren?
Sir John: Ja ein bißchen was müssen Sie schon riskieren, Reynolds, wenn Sie aus der Sache mit einem blauen Auge rauskommen wollen. Bisher waren Sie ja auch nicht zimperlich.
Reynolds: Nein, aber der Joker...
Higgins: Der Joker, der Joker, der Joker. Der Joker ist auch nur ein gewöhnlicher Krimineller und kein Phantom. Und je schneller wir diesem Spuk ein Ende bereiten, um so besser für alle Beteiligten, ja ja, sonst macht Sir John seinen Führerschein nie.
Sir John: Nanananananana, untergraben Sie da nicht meine Autorität vor diesem Gaunerpack, Higgins, mein Führerschein geht nur mich etwas an.
Sir John: Reynolds ist tot? Higgins, wie konnte das passieren? Es war doch alles bis ins kleinste Detail vorbereitet!
Higgins: Richtig, Sir, Reynolds sollte die Juwelen in der Telefonzelle am Haymarket hinterlegen und sofort verschwinden.
Lane: Und daß dieser Reynolds 10 Meter vor der Telefonzelle niedergeschossen wird.
Higgins: Daß hat doch niemand erwarten können, Sir, daß der Joker die Beute sausen läßt und Reynolds liquidiert.
Sir John: Dieser Joker… was ist?
Ann Pattison: Es ist Zeit für Ihre Tabletten.
Sir John: Dieser Joker scheint allgegenwärtig zu sein.
Ann Pattison: Sir John.
Lane: Oder er hat einige brillant getarnte Spitzel.
Sir John: Sie sagen es, Miss Lane. Higgins, wir haben jetzt 5 Tote, und keinen einzigen brauchbaren Anhaltspunkt. Ich muß dem Minister Rede und Antwort stehen und Sie scheinen Jolly-Joker-Karten zu sammeln.
Higgins: Wir müssen dort weiterarbeiten, wo Reynolds aufgehört hat.
Sir John: Reynolds ist tot.
Higgins: Richtig Sir, Reynolds ist tot, auch Pelford und Fletcher. Sir John, können Sie sich erinnern, was Reynolds über Fletcher sagte, er und Pelford hätten zuletzt miteinander im Montmartre gesprochen, das scheint ein Pup zu sein oder irgendein Restaurant.
Sir John: Jaja, das ist so ein Nobelnachtklub irgendwo in Finsbury, wird ja nicht allzu schwierig sein, das herauszufinden.
Higgins: Ganz recht, Sir, also kommen Sie, Barbara, wir machen uns einen netten Abend. Sir John.
Lane: Sir.
Kellner: Was darfs sein?
Lane: Ein Wodka Martini mit viel Eis, bitte.
Higgins: Für mich einen doppelten Scotch.
Kellner: Jawohl Sir.
Higgins: Rauchen Sie?
Lane: Danke nein.
Higgins: Aber ich doch.
Lane: Ganz schön was los hier.
Higgins: Ja, aber lassen Sie sich von der Schickeria nicht täuschen, soweit ich es auf den ersten Blick gesehen habe, sitzen hier mindestens 300 Jahre Dartmoor auf einem Haufen.
Lane: Oh wie beruhigend.
Kellner: Ihre Getränke.
Higgins: Danke.
Lane: Und Sie meinen, daß hier ist die richtige Adresse, um an den Joker heranzukommen.
Higgins: Ich hoffe es. Immerhin verkehrten hier Reynolds, Pelford und Fletcher. Außerdem.
Lane: Ist was?
Higgins: In der rechten hinteren Ecke sitzen fünf Männer an einem Tisch, sehen Sie hin, aber unauffällig. Der Graumelierte mit dem Bürstenhaarschnitt, der sein Gesicht halb abgewandt hat, kennen Sie ihn?
Lane: Hm. Irgendwie kommt er mir bekannt vor.
Higgins: Ja, das ist Tom Silkwood. Hm, im Yard hat er den Spitznamen der Amerikaner.
Lane: Aha, und was wissen Sie noch über ihn?
Higgins: Ja, er wurde in den 50er Jahren aus England ausgewiesen, hat einige tolle Dinger gedreht, nur beweisen konnte man ihm nie etwas. Er ging dann nach Amerika, wo er mit der gleichen Methode arbeitete, gut ein halbes Dutzend Mal wurde Anklage gegen ihn erhoben, er wurde aber mangels Beweisen immer wieder freigesprochen. Man sagt ihm drüben übrigens gute Kontakte zur Mafia nach.
Lane: Und warum gibt es uns jetzt wieder die Ehre?
Higgins: Hm, wahrscheinlich ist er mit falschem Paß eingereist, aber wir werden das überprüfen. Wo Silkwood auftaucht, steckt meistens mehr dahinter als ein paar Tage Urlaub, er plant seine Coups generalstabsmäßig.
Lane: Schade, daß man nicht hören kann, was die da miteinander reden.
Higgins: Tja. Und wie gefällt Ihnen das Lokal sonst?
Lane: Hm, sonst, also der Martini Wodka ist passabel, die Einrichtung muß sündhaft teuer gewesen sein, also, so ganz recht mit ihren 300 Jahren Dartmoor haben Sie nicht, da kommt Sir Donald, Abgeordneter im Unterhaus.
Higgins: Bleiben wir bei der Einrichtung. Fällt Ihnen nichts auf?
Lane: Hm, die blaue Marmorkatze da an der Wand scheint mir ein wenig zu extravagant, die auffälligen Blumengestecke auf jedem Tisch.
Higgins: Eben. Man kann sie offenbar nicht verrücken.
Lane: Tatsächlich.
Higgins: Ich muß immer wieder an Reynolds denken, er hat eine Gaunerkarriere hinter sich, die sich wirklich sehen lassen konnte, und seine Komplizen waren auch mit allen Wassern gewaschen, aber auf die Frage, woher der Joker seine Informationen beziehen könnte, sagte er bloß, ja, er weiß es eben. Nein nein, dahinter muß ein ebenso einfacher wie raffinierter Trick stecken.
Lane: Ich beginne zu ahnen, was Sie meinen, Chiefinspektor.
Higgins: Tja, heute können wir hier sowieso nichts mehr tun, die beiden Streifen müssen ohnehin bald da sein, und Sie Barbara, sehen Sie bitte zu, daß Sie morgen etwas über diesen Laden hier in Erfahrung bringen können, wem er gehört, wie der Barmixer heißt, usw. usw.
Lane: Geht in Ordnung. Danke für den Drink, Chief.
Higgins: Oh, keine Ursache.
Ann Pattison: Verzeihen Sie die Störung, Sir John, hier ist jemand, der Chiefinspektor Higgins sprechen möchte.
Sir John: Wer ist das denn?
Ann Pattison: Ein gewisser Mr. Harras.
Higgins: Kenn ich nicht.
Sir John: Ja, soll hereinkommen.
Ann Pattison: Ja. Bitte, Mr. Harras.
Higgins: Mein Name ist Higgins, Sie wollten mich sprechen.
Harras: Ja, mein Name ist Harras, Josua Harras, ich bin Portier und Sekretär im Home of Peace, einem sehr angesehenen Pflegeheim für alte Leute in West Kensington.
Sir John: Ja, nehmen Sie doch bitte Platz, Mr. Harras.
Harras: Dankeschön.
Sir John: Was führt Sie zu uns?
Harras: Ja sehen Sie, in den letzten Tagen tauchten in den Zeitungen immer wieder Meldungen von äußerst mysteriösen Autounfällen auf, es wird das Gerücht kolportiert, daß es sich dabei nicht um gewöhnliche Unglücksfälle, sondern um Mordanschläge handelte.
Higgins: Erzählen Sie weiter, Mr. Harras.
Harras: Die Fotos der Opfer wurden in den Zeitungen abgebildet, und ich kenne zwei von ihnen. Äh, bei dem einen war ich mir erst nicht so sicher, sehen Sie, ich habe die betreffenden Artikel mitgenommen, von dem einen Mr. Pelford glaube ich, daß er einmal kurz bei uns zu Besuch gewesen ist, vom zweiten Mr. Fletcher, weiß ich es jedoch ganz bestimmt.
Higgins: Wann was das?
Harras: Das war vor ungefähr drei Wochen. Mr. Fletcher kam eines Vormittags zu uns und verlangte an der Rezeption ziemlich schroff Lady Smith zu sprechen. Sie müssen wissen, Lady Smith ist die Leiterin des Sanatoriums. Ich bat ihn also weiter ins Büro, nachdem ich Lady Smith von seinem Kommen informiert hatte, und sie ließ ihn kommentarlos eintreten. Ich konnte dann feststellen, daß hinter der verschlossenen Tür eine ziemlich heftige Debatte stattfand. Nach etwa 10 Minuten verließ Mr. Fletcher mit rotem Kopf das Büro und fuhr grußlos in seinem Wagen fort.
Higgins: Haben Sie mitbekommen, worum sich das Gespräch drehte?
Harras: Aber Mr. Higgins, ich pflege nicht an Türen zu lauschen.
Higgins: Ja, ja ja, ich bin davon überzeugt, Mr. Harras, aber da Sie selbst sagten, daß das Gespräch ziemlich heftig verlief, könnte es doch sein, daß Sie, ohne natürlich zu beabsichtigten, ein paar Worte aufgeschnappt haben.
Harras: Ja, ich glaube etwas von Unterbieten gehört zu haben und äh Schweinerei.
Sir John: Ja, das ist ja alles nicht sehr informativ.
Higgins: Namen fielen keine?
Harras: Ich habe keinen gehört, Inspektor.
Higgins: Sehr viel ist das nicht, was Sie uns zu berichten haben, Mr. Harras, aber wir werden der Sache auf den Grund gehen.
Sir John: Higgins, wenn Sie in jeder Bude nachsehen, wo die Kerle einmal vorbeigeschaut haben, kommen Sie nie ans Ziel.
Harras: Bude? Ich bitte Sie, Sir, ich habe nur getan, was ich für meine Pflicht hielt, nämlich Sie davon in Kenntnis zu setzen.
Higgins: Is ja gut, ist alles gut, wir sind Ihnen auch sehr dankbar. Guten Tag.
Sir John: Moment, Moment mal Mr. Harras, wo sagten Sie, liegt dieses Sanatorium?
Harras: In West Kensington, nahe der North End Road.
Sir John: Das ist eine noble Gegend.
Harras: Allerdings.
Sir John: Warum glauben Sie, kamen Pelford und Fletcher ins Sanatorium, hatten sie Verwandte im Heim oder wollten sie direkt zu Lady Smith?
Harras: Also, Pelford hab ich nur das eine Mal gesehen, was Mr. Fletcher betrifft, so kann ich das nicht beurteilen, äh, Sie müssen wissen, daß ich erst seit 5 Monaten im Home of Peace arbeite.
Sir John: Also, Mr. Harras, es war sehr freundlich von Ihnen, daß Sie zu uns gekommen sind, aber genaugenommen sind Ihre Angaben zu dürftig, Sie müßten uns schon eindeutigere Hinweise geben, daß die Besuche von Mr. Pelford und Mr. Fletcher in Zusammenhang mit deren ungewöhnlichem Ableben stehen, ich schlage vor, Sie verschaffen sich einen genaueren Einblick in die Akte, und wenn Sie etwas finden, wovon Sie glauben, daß es von Bedeutung ist, dann kommen Sie wieder zu uns.
Harras: Ich werde mein Bestes tun, Sir.
Sir John: Merkwürdig, das ganze, Higgins.
Higgins: Ja, wenn ich ehrlich bin, zu denken gibt mir die Sache schon. Hm, da jagen wir diesem verdammten Geisterwagen nach, dessen Fahrer wir nicht kennen, wir haben ein halbes Dutzend Tote, die wahrscheinlich alle auf sein Konto gehen, und dann kommt so eine lächerliche Figur wie Harras zum Yard und behauptet aus heiterem Himmel, er kenne Pelford und Fletcher.
Sir John: Jaja, Sie machen das schon, Higgins.
Higgins: Genau Sir John und ebendarüber muß ich mit Ihnen ein ernstes Wort reden.
Sir John: Aber Higgins, ich bin um halb sechs im Klub verabredet.
Higgins: Ich bitte Sie um 5 Minuten, Sir. Als Sie mir den Fall übertrugen, sagten Sie mir volle Unterstützung zu.
Sir John: Ja die haben Sie ja. Sonst noch was?
Higgins: Wie ich Ihnen schon berichtete, Sir, war ich gestern im Montmartre.
Sir John: Ja, und seitdem werden der Amerikaner, dieser...
Higgins: Silkwood.
Sir John: Silkwood, ganz recht, und seine Leute rund um die Uhr beobachtet, und das Lokal auch.
Higgins: Das genügt mir nicht, ich will einen Durchsuchungsbefehl.
Sir John: Was denn, Sie wollen mit meinen Beamten das Montmartre auf den Kopf stellen?
Higgins: Sir John, Pelford, Reynolds, Fletcher, sie alle verkehrten dort, und sie alle kamen auf die Abschußliste des Jokers.
Sir John: Jaja ich weiß, aber ihnen ist vielleicht entgangen, daß dort auch ehrenwerte Mitglieder unserer Londoner Gesellschaft ihre Abendstunden zu verbringen pflegen, Politiker, Richter, Anwälte. Mein guter Freund Sir Donald zum Beispiel.
Higgins: Ja, er war gestern abend auch dort, mir kommen die Tränen. Wenn wir wirklich etwas gegen den Joker unternehmen...
Sir John: Ich will kein Wort mehr hören, Higgins, tun Sie, was Sie nicht lassen können, aber ich werde es nicht zulassen, daß Sie dort Ihre Privatfete starten, bevor Sie mir handfeste Beweise auf den Tisch legen. Vorher sind das alles nur Vermutungen.
Higgins: Verstehe, Sir John, wenn ich erst mal auf meine Weise ein paar fette Indizien beschafft habe, dann stehen Sie ja ganz loyal zu Ihren Chiefinspektoren.
Sir John: Wie meinen Sie?
Higgins: Nein, nichts, ich wünsche einen schönen Abend.
Sir John: Ja wohin wollen Sie?
Higgins: Ich habe heute noch ein wichtiges Arbeitsessen vor mir, mit Superintendant Lane, man muß sich ja schließlich einmal kennen lernen, die Rechnung bekommen Sie morgen.
Lane: Hm, sagen Sie, Chiefinspektor, führen Sie Ihre Assistenten immer so vornehm aus?
Higgins: Bin ich Krösus? Hm, ich erinnere mich, wir hatten einmal einen Sergeant, Harvy hieß er, er bekam vom damaligen Chef Sir Artur immer die unangenehmsten Aufgaben übertragen, manchmal fuhren wir auch zusammen Streife, da waren Hamburger und Cola schon das allerhöchste der Gefühle.
Lane: Oh, das ist äußerst interessant. Heißt das, Sie wollen mich bei diesem schwierigen Fall nur bei Laune halten, hm mit diesem köstlichen Filet beispielsweise, bevor wir uns ernsthaft auf die Fährte des Jokers heften?
Higgins: Abgesehen von der Tatsache, daß ich noch nie einen so hübschen Assistenten hatte.
Lane: Noch nie?
Higgins: Fürchte ich, daß uns in der Tat noch schwere Tage bevorstehen, Wochen, Monate, was weiß ich.
Lane: Chiefinspektor...
Higgins: Higgins für Sie.
Lane: Oh, einen Vornamen haben Sie wohl nicht.
Higgins: Doch doch doch, nur verschweige ich ihn meistens. Meine Intimfeinde nennen mich Chiefinspektor Higgi.
Lane: Und Ihre Intimfreunde?
Higgins: Higgi.
Lane: Also gut, Higgi, erzählen Sie einmal, wie lange dauerte Ihr längster Fall, den Sie für den Yard gelöst haben, Sie haben einen legendären Ruf im Haus.
Higgins: Barbara, Sie wissen ja wohl selbst am besten, wie das so ist, oft dauern die Recherchen, die informelle Arbeit Monate, und die Aktion, wenn man einen hochgehen läßt, wenige Minuten.
Lane: Higgi, was denken Sie wirklich über den Joker?
Higgins: Reynolds war sein fünftes Opfer. Wie viele bisher aber tatsächlich auf sein Konto gehen, können wir nur schätzen. Ich könnte mir gut vorstellen, daß noch einige andere Unfälle vom Joker inszeniert wurden.
Lane: Von denen Sie gar nichts wissen.
Higgins: Noch nichts.
Lane: Und wie gehts also weiter?
Higgins: Eine Hoffnung ist dieser Harras.
Lane: Der Portier aus dem Pflegeheim.
Higgins: Ja, Portier und Sekretär im Home of Peace. Vielleicht findet er etwas heraus, womit wir etwas anfangen können, aber ich kann mich natürlich nicht darauf verlassen.
Lane: Bleibt also nur das Montmartre.
Higgins: Genau. Die Nase des Barkeepers gefällt mir ganz und gar nicht. Haben Sie etwas über ihn herausbekommen?
Lane: O ja, er heißt John Carpenter, 46 Jahre alt, geboren in London, es steht nichts besonderes über ihn in den Akten, keine Vorstrafen, allem Anschein nach ein unbeschriebenes Blatt. Er ist übrigens der Besitzer des Lokals.
Higgins: Besitzer und wäscht selbst die Gläser? Merkwürdig.
Lane: Vielleicht will er Personal sparen.
Higgins: Mag ja sein. Barbara, der Abend mit Ihnen war wunderschön, aber so leid es mir tut, muß ich ihn beenden.
Lane: Haben Sie noch etwas besseres vor?
Higgins: Naja nu, ich habe für das Montmartre keinen Durchsuchungsbefehl bekommen, also muß ich mich dort nochmals umsehen, auf meine Art.
Lane: Schau an schau an, wenn das Sir John erfährt.
Higgins: Darauf kann ich im Moment keine Rücksicht nehmen, wir können dem Joker nicht länger tatenlos zusehen. Kann ich Sie irgendwo absetzen?
Lane: Nein danke, ich geh zu Fuß, ein bißchen frische Luft wird mir jetzt sehr gut tun.
Higgins: Schon wieder so spät, o Mann o Mann... Wo sind denn diese Latschen wieder? – Dann wollen wir mal... Das darf doch nicht wahr sein. Was… was zum Teufel machen Sie denn in meinem Bett?
Lane: Sie sollten eigentlich wissen, daß ich von Natur aus sehr neugierig bin, bis morgen hätte ich das doch bestimmt nicht durchgehalten, die Neuigkeiten aus dem Montmartre zu erfahren. Und außerdem dachte ich mir, man könnte den angebrochenen Abend ein wenig äh… verlängern.
Higgins: Aja, das dachten Sie, meine Haustür war da überhaupt kein Hindernis.
Lane: Aber Higgi, ich bin ein Profi.
Higgins: Jaja.
Lane: Möchten Sie einen Drink?
Higgins: Ich hatte zwar schon einen, aber bekanntlich soll man auf zwei Füßen stehen. Schön, daß Sie sich mit meiner Hausbar so schnell angefreundet haben.
Lane: Auf den Joker.
Higgins: Nein, nein, eher auf den Tag, an dem wir ihn geschnappt haben werden. Cheers.
Lane: Cheers.
Higgins: Es gibt Neuigkeiten.
Lane: Hm, da bin ich aber gespannt.
Higgins: Carpenter hört die Gespräche seiner Gäste ab.
Lane: In den Blumengestecken sind Mikrophone eingebaut.
Higgins: Wunderbar, wie schnell Sie schalten. Jetzt ist mir auch klar, wie so jemand über so manches krumme Ding als erster Bescheid weiß.
Lane: Und mit diesem Jemand meinen Sie den Joker.
Higgins: Ohne jeden Zweifel. Das Montmartre ist jetzt für uns die heißeste Adresse.
Lane: Aha, und was ist unser nächster Schritt?
Higgins: Ich muß das morgen mit Sir John besprechen, auf keinen Fall möchte ich etwas überstürzen, überlegen Sie mal, angenommen, Carpenter arbeitet nur für den Joker, wenn wir da den Klub hochgehen lassen, ist der Joker auf Nimmerwiedersehen verschwunden.
Lane: Hm, und wenn Carpenter selbst der Joker ist?
Higgins: Ja, das wäre natürlich die einfachste Lösung. Hm, wissen Sie, daß das gar nicht so eine schlechte Idee war, die Sie da hatten?
Lane: Welche?
Higgins: Den Abend zu verlängern.
Lane: Hm.
Higgins: Rutschen Sie mal ein bißchen.
Lane: Möchtest du noch eine Tasse Tee, Darling?
Higgins: Nein danke. Barbara, hör zu, ich hab mir das anders überlegt, bevor ich Sir John meinen Besuch im Montmartre beichte, fahre ich hinaus ins Home of Peace.
Lane: In dieses Pflegeheim. Du willst nicht warten, bis dieser Portier, dieser Harras sich meldet.
Higgins: Nein nein, die Zeit drängt, sei so lieb und fahr schon voraus in den Yard und sag Sir John Bescheid. Ich komme gegen 12 Uhr nach.
Lane: Wie Sie befehlen, Chiefinspektor. Dank dir für die Nacht.
Higgins: Ich danke dir, Profi.
Lane: Also machs gut, bis später... Ah!
Higgins: Barbara, Barbara, was ist los?
Lane: Eine Jolly-Joker-Karte, sogar bis hierher ist er also schon gekommen.
Higgins: Aufgespießt mit diesem Jagdmesser.
Lane: Steht da irgend etwas drauf?
Higgins: Nein, das ist aber auch gar nicht nötig. Die Warnung ist eindeutig.
Lane: Ja aber wen von uns beiden hat er gemeint?
Higgins: Wahrscheinlich mich, mein Besuch im Montmartre hat sich schneller herumgesprochen als uns lieb ist.
Lane: Sag mal meinst du, daß Carpenter...
Higgins: Wir werden das gleich haben. Hallo Hooper, hören Sie mich, wo sind Sie?
Hooper: Inspektor Higgins, ich bin nach wie vor vor der Wohnung von Carpenter.
Higgins: Hat er heute Nacht das Haus noch einmal verlassen?
Hooper: Nein, Inspektor, er war die ganze Nacht über in seiner Wohnung. Sein Wagen steht ebenfalls vor der Haustür.
Higgins: OK Hooper danke. Ende. Verdammt, Carpenter kann es nicht gewesen sein.
Lane: Ja was wirst du jetzt tun?
Higgins: Wir lassen es wie besprochen, ich fahre ins Home of Peace, und du nimmst dir ein Taxi zum Yard, sie sollen im Labor das Messer und die Karte auf Fingerabdrücke untersuchen, wenn ich auch glaube, daß Sie auch kaum etwas finden werden. Komm, wir gehen.
Lane: OK.
Lady Smith: Was kann ich für Sie tun?
Higgins: Sie sind Lady Smith, die Leiterin dieses Sanatoriums, ist das richtig?
Lady Smith: Leiterin und Eigentümerin, ganz recht.
Higgins: Also Milady, ich bin mit der Aufklärung eines sehr ernsten und eines sehr mysteriösen Falles beauftragt, Scotland Yard untersucht zur Zeit einige rätselhafte Autounfälle, die in den letzten Wochen passiert sind. Wir sind dabei zu der Überzeugung gelangt, daß es sich nicht um Unglücksfälle, sondern durchweg um Mordanschläge handelte.
Lady Smith: Ah, Sie meinen jene Fälle, von denen auch schon die Zeitungen berichtet haben.
Higgins: So ist es.
Lady Smith: Und darf ich fragen, wieso Sie damit zu mir kommen?
Higgins: Sie dürfen. Bitte sehen Sie sich diese beiden Fotos einmal an.
Lady Smith: Ja.
Higgins: Sagen Ihnen diese beiden Fotos etwas, Milady?
Lady Smith: Nein, Inspektor.
Higgins: Die Fotos zeigen zwei Unfallopfer. Beide waren angeblich kurz bevor sie umkamen hier in diesem Sanatorium.
Lady Smith: Hier? Das kann ich nicht glauben. Ach, warten Sie bitte, dürfte ich die Fotos noch einmal sehen?
Higgins: Natürlich.
Lady Smith: Doch, den einen kenn ich, den mit der Narbe, das ist Mr. Fletcher. Wissen Sie, die Aufnahme ist nicht besondern gut.
Lady Smith: Ah ja. Sein Vater war bei uns bis zu seinem Tod in Pflege gewesen, und Mr. Fletcher ist so großzügig, uns von Zeit zu Zeit eine finanzielle Zuwendung zu machen, Sie müssen nämlich wissen, daß wir hier auf private Spenden sehr angewiesen sind.
Higgins: Ich verstehe.
Lady Smith: Ja, möglicherweise hat er uns wieder einmal einen Besuch abgestattet, aber da müßte er bei Mr. Harras vorgesprochen haben, hm, nein, den zweiten Mann kenn ich aber mit Sicherheit nicht.
Higgins: Ja. Ja, dann würde ich gerne einmal mit Mr. Harras sprechen.
Lady Smith: Das geht leider nicht. Harras hat heute seinen freien Tag.
Higgins: Achso.
Lady Smith: Aber ich kann Ihnen ja seine Privatnummer geben.
Higgins: Bitte, Milady, halten Sie es für denkbar, daß Mr. Fletcher, oder vielleicht auch Mr. Pelford, das ist der Mann hier auf dem anderen Foto, gar nicht zu Ihnen, sondern vielleicht zu einem der Heiminsassen wollte?
Lady Smith: Ja, das kann ich nicht beurteilen, Inspektor, ich glaube aber nicht, aber Sie können ja einmal meine Schützlinge fragen.
Higgins: Ich würde das sehr gerne tun. Fangen wir doch gleich mit dem älteren Herrn dahinten an, im Rollstuhl, wer ist das?
Lady Smith: Ja, ja, äh Miller?
Miller: Ja?
Lady Smith: Miller, könnten Sie mit Mr. Goldmann einen Augenblick herkommen.
Miller: Ja.
Lady Smith: Das ist Mr. Goldmann, Theodor Goldmann. Er ist erst seit wenigen Wochen bei uns.
Higgins: Mr. Goldmann, entschuldigen Sie, mein Name ist Higgins, Chiefinspektor Higgins.
Goldmann: Goldmann, Theodor Goldmann.
Lady Smith: Verzeihen Sie Mr. Goldmann, der Inspektor hier hätte eine Frage an Sie.
Goldmann: Ja, was kann ich für Sie tun?
Higgins: Sir, sehen Sie sich doch bitte diese beiden Fotos an. Kennen Sie einen der beiden?
Goldmann: Ja, den einen kenn ich.
Higgins: Den mit der Narbe?
Goldmann: Nein, den anderen, den mit der Brille.
Higgins: Pelford also, Mr. Goldmann, woher kennen Sie Pelford?
Goldmann: Er war einmal hier, vor ein paar Woche glaub ich, ich hab ihn nur kurz gesehen, was oder zu wem er wollte kann ich Ihnen auch nicht sagen, und jetzt entschuldigen Sie mich, Inspektor, Miller, fahren Sie mich ins Haus.
Higgins: Danke, Mr. Goldmann. Wie erklären Sie sich das, Milady?
Lady Smith: Ja, ich weiß auch nicht, ich kann meine Augen ja nicht überall haben.
Higgins: Natürlich nicht, Pelford muß also zu einem Ihrer Patienten gewollt haben.
Lady Smith: Ja vielleicht, was weiß ich.
Higgins: Na gut, Milady, das wärs fürs erste. Falls ich noch Fragen haben sollte, werde ich mir erlauben, nochmals bei Ihnen vorbeizusehen.
Lady Smith: Ja, tun Sie das, Inspektor. Inspektor?
Higgins: Milady?
Lady Smith: Ja, übrigens, wer sagte Ihnen eigentlich, daß diese beiden Herren bei mir gewesen sein sollen?
Higgins: Mr. Harras, er besuchte uns im Yard. Auf Wiedersehen, Milady.
Lady Smith: Auf Wiedersehen.
Sir John: Ja.
Higgins: Hallo, Sir John?
Sir John: Na endlich, Higgins, wo stecken Sie denn?
Higgins: In einer Telefonzelle in der Shaftsbury Avenue. Ich habe mich im Sanatorium umgesehen, Sir, und mit Lady Smith gesprochen.
Sir John: Ja, ja, was haben Sie für einen Eindruck?
Higgins: Einen sehr zwiespältigen. Sie kennt Fletcher, aber das gab sie nicht gleich zu, behauptet, er sei ein Förderer des Sanatoriums. Ein älterer Heiminsasse, ein gewisser Goldmann, bestätigte jedoch, daß auch Pelford dort einmal aufgetaucht ist. Im Moment kann ich mir aber noch keinen rechten Reim darauf machen. Übrigens, ist Superintendant Lane schon bei Ihnen, kann ich sie mal sprechen?
Sir John: Das können Sie nicht, sie ist nicht da, aber sie hat angerufen, sie wird sich etwas verspäten. Hören Sie mal, Miss Lane hat mir schon von Ihrem nächtlichen Ausflug ins Montmartre berichtet, also Higgins, Sie wissen, daß ich diese Eigenmächtigkeiten von Ihnen gar nicht schätze, ich repräsentiere als Chef den Yard auch nach außen, und wenn jeder meiner Inspektoren...
Higgins: Weg! Gehen Sie in Deckung!
Hooper: Hände hoch, keine Bewegung!
Higgins: Nur keine Panik, Jungs, Jungs.
Hooper: Tschuldigen Sie vielmals, Chiefinspektor.
Higgins: Ja ist ja schon gut. Geben Sie sofort eine Fahndung nach dem schwarzen Jaguar XJ 12 raus.
Hooper: Achtung, an alle Streifenwagen, gesucht wird ein schwarzer Jaguar XJ 12.
Higgins: Entfernt sich von der Shaftsbury Avenue nach Norden, wahrscheinlich Richtung Regents Park.
Higgins: Besondere Kennzeichen: Verdunkelte Scheiben. Bei Sichtkontakt anhalten und den Fahrer unverzüglich festnehmen.
Higgins: Vorsicht, der Mann ist bewaffnet und macht ohne Bedenken von der Schußwaffe Gebrauch. Ende. Hallo, Sir John, Sir John bitte kommen.
Sir John: Higgins, was war denn los?
Higgins: Sitzen Sie?
Sir John: Ja.
Higgins: Sie haben sich soeben die Begräbniskosten für einen Ihrer Chiefinspektoren erspart.
Sir John: Der Joker?
Higgins: Genau. Um ein Haar hätte er mich erwischt. Ich habe die Fahndung schon ausgegeben.
Sir John: Ja was sind denn das für Sachen, Higgins. Ich hab auch schlechte Nachrichten, der Amerikaner, wie hieß der noch?
Higgins: Silkwood, Sir.
Sir John: Ach ja, dieser Silkwood und seine Kumpanen haben unsere Leute abgehängt.
Higgins: Verdammt, heute geht aber auch alles schief. Ich komm in den Yard.
Sir John: Nein, nein, warten Sie, Mr. Harras hat heute früh noch mal angerufen, Sie sollen zu ihm in die Privatwohnung kommen, er wohnt in der Kingsroad Nummer 4.
Higgins: Ich bin schon unterwegs, Sir. - Mr. Harras, sind Sie zuhause? – Hallo, Mr. Harras? – Mr. Harras? – Mein Gott!
Lady Smith: Meine Herren, darf ich erfahren, welchem Umstand ich diese rüde Vorladung zu verdanken habe?
Higgins: Kam sie wirklich so unerwartet, Milady?
Sir John: Higgins, kommen Sie zur Sache.
Higgins: Sie verdanken die Vorladung dem Umstand, Milady, daß Ihr Portier seit gestern auf Eis liegt, im Leichenschauhaus.
Lady Smith: Harras? Wie ist das möglich?
Higgins: Man hat ihn in seinem Badezimmer solange unter Wasser getaucht, bis der Tod eintrat, seinen freien Tag hat er sich wahrscheinlich anders vorgestellt.
Lady Smith: Ja aber das ist ja entsetzlich.
Higgins: Da sind wir zufällig einer Meinung Milady, ich finde es aber auch entsetzlich, daß dieser scheußliche Mord keine zwei Stunden nach meinem Besuch in Ihrem Sanatorium von mir entdeckt wurde, nachdem ich Ihnen mitteilte, daß Harras uns wegen der Besuche von Pelford und Fletcher im Home of Peace aufgesucht hat. Sie werden sicherlich verstehen, welche Rückschlüsse für mich da naheliegend sind.
Lady Smith: Inspektor, soll das heißen, Sie unterstellen mir irgendeine Verbindung zu diesem Mord? Zwei Stunden dürften wohl ein wenig knapp bemessen sein, um einen Mordplan zu fassen und auszuführen.
Higgins: Das Argument klingt plausibel, haben Sie vielleicht schon Ihren Rechtsbeistand konsultiert?
Lady Smith: Ich verbitte mir diesen Ton.
Sir John: Higgins! Behalten Sie bitte Platz, Lady Smith.
Higgins: Sie haben mich nicht ausreden lassen. Ich sagte vorhin, daß zwischen meinem Besuch bei Ihnen und dem Entdecken der Leiche etwa zwei Stunden lagen, die Obduktion hat allerdings ergeben, daß der Mord in der Nacht passierte, so zwischen 1 und 2 Uhr morgens.
Lady Smith: Na also, sehen Sie.
Higgins: Ja, nur beweist das nichts. Harras hatte vorgestern gegen 15 Uhr Dienstschluß und war um ca. 16 Uhr bei uns. Einer ihrer Heiminsassen hat uns gegenüber bestätigt, daß kurz nach Harras auch Ihr Pfleger Mr. Miller das Heim verlassen hat.
Lady Smith: Wer hat das denn behauptet?
Higgins: Ich werde mich hüten, Ihnen das zu sagen, der Mord an Harras, der reicht mir fürs erste.
Lady Smith: Inspektor, ich werde mich an höchster Stelle über Sie beschweren, wenn Sie mir weiterhin in diesem Ton die Ermordung von Mr. Harras anlasten.
Higgins: Tun Sie das, Milady, und Sie können gleich damit anfangen. Ich hoffe, daß Ihr Pfleger ein stichfestes Alibi hat, denn wenn nicht, und wenn ich dahinterkommen sollte, daß er Harras zum Yard gefolgt ist, nehme ich ihn eigenhändig auseinander, das versichere ich Ihnen.
Lady Smith: Sie haben doch nicht den geringsten Beweis in der Hand, Inspektor, Sie tappen im Dunkeln und wollen mich belasten, weil das für Sie der einfachste Weg ist.
Higgins: Milady, wir haben eine ganze Reihe ungelöster Todesfälle, und wenn ich auf der Stelle trete, so verdirbt mir das die Laune.
Sir John: Higgins.
Higgins: Ich versichere Ihnen eines: Sollte ich nur ein einziges Indiz finden, das Sie und Ihr Sanatorium in Zusammenhang mit dieser Mordserie bringt, dann gnade Ihnen Gott.
Lady Smith: Ich sehe schon, ich werde das Gespräch über meinen Anwalt fortsetzen. Kann ich jetzt gehen?
Higgins: Sie können gehen, Lady Smith. Ich frage mich nur, ob der Joker auch so großzügig ist.
Lady Smith: Sir John, auf Ihren Inspektor, diesen Proleten, dürfen Sie sich wirklich etwas einbilden.
Lane: Eine temperamentvolle Lady.
Higgins: Blöde Kuh.
Sir John: Higgins, Sie sind wohl nicht ganz bei Trost, hier so eine Show abzuziehen. Auf die Interventionen von oben kann ich mich jetzt schon freuen.
Higgins: Ach, darauf kann ich keine Rücksicht nehmen. Überlegen Sie doch, Sir John, wir tappen im Dunkeln wegen dieser Mordserie, und da kommt dieser Portier daher, und identifiziert zwei der Opfer einwandfrei, und neun Stunden später ist er tot. Wollen Sie mir vielleicht weis machen, das sei Zufall?
Sir John: Nein, aber... Ja, Hallo? Ja, für Sie, Higgins.
Higgins: Danke. Ja. Ja, Higgins?
Stimme: Sie sind gestern noch einmal davongekommen, Chiefinspektor, das sollte Ihnen eine Warnung sein, ich gebe Ihnen einen guten Rat, lassen Sie mich in Ruhe arbeiten, sonst könnte es sein, daß Sie Ihre hübsche Freundin eines Tages nur noch anhand ihrer Ausweispapiere identifizieren können.
Higgins: Mir sicherlich kein langes Leben wünschen. Superintendant Lane hat er auch bedroht.
Sir John: Da haben Sies. Und Sie nehmen hier Lady Smith auseinander.
Higgins: Ja finden Sie das nicht merkwürdig?
Sir John: Was soll ich merkwürdig finden?
Higgins: Wir laden Lady Smith vor, und fast zur selben Zeit meldet sich der Joker telefonisch.
Lane: Du meinst, es war vielleicht nur ein Strohmann?
Higgins: Sicherlich natürlich, um uns zu verwirren.
Sir John: Sie duzen sich bereits. Das ist ja alles sehr hilfreich. Hören Sie zu, Higgins, hören Sie ein einziges Mal auf mich.
Higgins: Ich höre doch.
Sir John: Sie halten doch nicht etwa Lady Smith für den Joker? Das können Sie mir doch nicht antun, ein Jahr vor meiner Pensionierung.
Higgins: Sir John, ich versichere Ihnen, Ihre Pension ist in keinster Weise gefährdet.
Ann Pattison: Sir John, es ist Zeit für Ihre Tabletten.
Sir John: Aber jetzt nicht.
Ann Pattison: Sir John.
Higgins: Hören Sie, ich muß mir Klarheit verschaffen über die Vorgänge im Sanatorium, und das wäre ein Job für dich, Barbara, aber keineswegs ungefährlich.
Lane: Hm, könntest du dich etwas klarer ausdrücken?
Higgins: Hör zu, Lady Smith hat dich noch nicht von Angesicht zu Angesicht gesehen, das war auch der Grund, warum du nebenan warten solltest, nehmen wir jetzt einmal an, du bist Journalistin und schreibst einen Report über die Lebensverhältnisse unserer älteren Mitbürger, damit hättest du einen plausiblen Grund, ausführlich mit den Leuten im Home of Peace zu reden.
Lane: Und an welche Zeitung hast du gedacht?
Higgins: Ja nu mein Gott, den Daily Telegraf, ich kenne den Chefredakteur, der soll da selbst anrufen und deinen Besuch ankündigen, so halten wir das Risiko gering, sollte Lady Smith auf die Idee kommen, zurückzurufen. Wären Sie damit einverstanden, Sir John?
Sir John: Naja, wenn sich Miss Lane dazu bereiterklärt.
Higgins: Barbara.
Sir John: Ich werde dich nicht enttäuschen.
Higgins: Danke, Profi.
Higgins: Häh, 5 Uhr, wer zum Teufel, wem fällt... ja hier Higgins, was gibts?
Hooper: Mr. Higgins, hier Seargent Hooper.
Higgins: Ja?
Hooper: Tut mir leid, Sie so früh wecken zu müssen, aber Carpenter verläßt soeben seine Wohnung, und das ist reichlich ungewöhnlich, er nimmt den Range Rover.
Higgins: Was, so früh? Also gut, Hooper, hängen Sie sich dran, und melden Sie sich wieder, Ende.
Higgins: Ja, Higgins hier.
Hooper: Hier Seargent Hooper.
Higgins: Was gibts neues?
Hooper: Carpenter hat auf offener Landstraße gehalten und steht schon ne halbe Stunde da.
Higgins: Merkwürdig. Entweder wartet er auf jemand, oder er hat Sie entdeckt und will Sie nur in die Irre führen.
Hooper: Warten Sie, Inspektor, jetzt nähert sich dem Rover ein Wagen, ich glaube, ja, er verlangsamt sein Tempo. Tatsächlich, er bleibt neben dem Rover stehen.
Higgins: Können Sie die Marke erkennen?
Hooper: Das ist ne schwarze Limousine, ein Jaguar. Carpenter reicht ihm etwas durchs Fenster.
Higgins: Hören Sie zu Hooper, das ist unser Mann, vergessen Sie Carpenter und folgen Sie dem Jaguar. Verlieren Sie ihn nicht aus den Augen, ich komme sofort. Ende.
Hooper: Er war plötzlich wie von Erdboden verschluckt, ich hab so was noch nie erlebt, Chiefinspektor.
Higgins: Hier in diesem Planquadrat haben Sie ihn verloren.
Hooper: Ja, ich hatte noch die Kollegen verständigt, ein paar Augenblicke später hätten wir ihn einkreisen können, aber der fuhr plötzlich in eine Hauseinfahrt und auf der Hinterseite wieder raus, es war mir völlig unmöglich, ihm so rasch zu folgen.
Higgins: Hooper, nun beruhigen Sie sich doch, ich mache Ihnen ja keinen Vorwurf. Nur wäre es zu schön gewesen. Passen Sie auf, Sie legen sich aufs Ohr, Sie haben die letzten 48 Stunden nicht viel geschlafen.
Hooper: Vielen Dank, Chiefinspektor.
Higgins: Schon gut, ich werde mir diese Gegend mal ein wenig genauer ansehen.
Kommentar von Hörspiele |
Tankwirtin: Guten Morgen Sir.
Higgins: Guten Morgen.
Tankwirtin: Was soll’s sein?
Higgins: Sind Sie so nett und tanken Sie voll.
Tankwirtin: Ja.
Higgins: Nicht viel Betrieb hier heute, nicht.
Tankwirtin: Nein, ein Wunder, daß in dieser gottverlassenen Gegend überhaupt mal jemand stehen bleibt.
Higgins: In der alten Hochgarage dahinten, sind da noch viele Wagen abgestellt?
Tankwirtin: In dem alten Ding? Ja, zwei Dutzend vielleicht. Das ganze Gebäude sollte schon vor Jahren abgerissen werden. Ja, ich geh ja sowieso bald in Rente, dann sollen die doch sehen, wie sie zurechtkommen. Warum fragen Sie eigentlich.
Higgins: Ach ja, nur so. Wem gehört die Garage überhaupt?
Tankwirtin: Wem sie gehört, weiß ich gar nicht. Mr. Tanner macht hier das Geschäftliche. Den können Sie fragen.
Higgins: Mr. Tanner? Wissen Sie, ob er jetzt da ist?
Tankwirtin: Ja, er kommt meistens schon vor 7, bleibt bis in die Nacht. Auch so ein alter Spinner. Sein Büro ist in der 4. Etage.
Higgins: Hm, ich sag ihm mal guten Tag. Ach, kontrollieren Sie inzwischen bitte das Öl und die Reifen.
Tankwirtin: Ja, ja, Sie können den Aufzug hinten links benutzen, wenns das alte Ding überhaupt noch tut.
Higgins: Hoffen wirs.
Tanner: Ja.
Higgins: Mr. Tanner?
Tanner: Sie wünschen?
Higgins: Ich bin Inspektor Higgins von Scotland Yard.
Tanner: Was wollen Sie?
Higgins: Ich hätte gerne einige Auskünfte.
Tanner: Worüber?
Higgins: Ich suche ein Auto.
Tanner: Soso.
Higgins: Ja, eine Limousine Marke Jaguar, schwarz lackiert.
Tanner: Ja und warum kommen Sie da zu mir? Ich bin kein Gebrauchtwagenhändler.
Higgins: Mr. Tanner, ich wäre Ihnen wirklich sehr dankbar, wenn Sie sich ein paar Minuten von Ihrer Arbeit trennen und mir zuhören würden. Eine Frage, Mr. Tanner, lesen Sie Zeitung?
Tanner: Eigentlich nicht, viel Arbeit hier.
Higgins: Ja, dann haben Sie auch noch nie etwas vom Joker gehört.
Tanner: Nein, wer soll das sein?
Higgins: Mr. Tanner, um es kurz zu machen, Scotland Yard, und das bin in diesem Falle ich, wir versuchen einem der gefährlichsten Verbrecher auf die Spur zu kommen, aber wir haben nicht den geringsten Hinweis auf seine Identität. Wir wissen nur eines: Er fährt einen dunklen Jaguar aus der XJ 6er oder 12er Serie, deshalb meine Frage: Ist ein Fahrzeug dieses Typs in Ihrer Garage untergestellt?
Tanner: Jaguar? Warten Sie, natürlich, drei sogar, ein alter Sportwagen der Type E, ein weißer Vierzylinder, und dann natürlich Mr. Goldmanns Privatwagen.
Higgins: Privatwagen. Und wer bitte ist Mr. Goldmann?
Tanner: Ja der Eigentümer dieser Garage.
Higgins: Ich dachte, die Garage gehört Ihnen.
Tanner: Mir? Ich bin ein alter Mann, Inspektor, ich verdien mir hier ein paar Kröten zu meiner miesen Rente.
Higgins: Und Sie sagen, Mr. Goldmanns Wagen ist ein Jaguar.
Tanner: Ja, er wurde aber seit mehr als 2 Jahren nicht mehr gefahren. Seit Mr. Goldmann eben das letzte Mal in London war.
Higgins: Er lebt im Ausland?
Tanner: Ja, die Goldmann Industries haben ihren Sitz in Hongkong, und Mr. Goldmann...
Higgins: Wie heißt er mit Vornamen?
Tanner: Soviel ich weiß, Anton, also Mr. Goldmann kümmert sich wohl um alles, außer um diese alte Hochgarage und die Tankstelle. Hier bin ich Mädchen für alles.
Higgins: Ja, ja, ich verstehe. Auf diesem Bild hier, ist das Mr. Goldmann, Mr. Anton Goldmann?
Tanner: Ja, das ist Mr. Anton Goldmann.
Higgins: Mr. Tanner, ich danke Ihnen fürs erste und ich habe auch im Moment keine Fragen mehr. Aber ich würde mir gerne einmal diesen Jaguar von Mr. Goldmann ansehen.
Tanner: Tun Sie, was Sie nicht lassen können, er steht in der 3. Etage, ich nehme an, Sie finden den Weg alleine.
Higgins: Durchaus. Haben Sie nochmals vielen Dank, Mr. Tanner. – Verdammt.
Tanner: Was machen Sie da? Das ist eine Alarmanlage gegen Diebe. Darf ich wissen, was Sie da gemacht haben? Ich sagte, Sie können sich den Wagen einmal ansehen, von einer Spazierfahrt war nicht die Rede...
Higgins: Ich...Mister...
Tanner: Oder haben Sie einen Durchsuchungsbefehl?
Higgins: Noch nicht.
Tanner: Darf ich wissen, wer Ihr Vorgesetzter ist, Chiefinspektor?
Higgins: Wenn Sie Beschwerden haben, Mr. Tanner, und die haben Sie ja wohl, wenden Sie sich an Sir John.
Sir John: Und Sie halten diese Garage wirklich für einen Schlupfwinkel des Jokers?
Higgins: Hm, es sieht fast so aus. Überlegen Sie einmal, Sir John, Hooper hat den Wagen in der Nähe der Demmem-Road aus den Augen verloren. Weit und breit gibt es nichts als Abbruchhäuser, desolate Gebäude und geschlossene Geschäfte.
Sir John: Trotzdem. Trotzdem. Es ist ebenso gut denkbar, daß der Joker unseren guten Hooper genarrt hat und in eine völlig andere Richtung weitergefahren ist.
Higgins: Auf jeden Fall laß ich diese Hochgarage Tag und Nacht beobachten. Unsere Leute sollen vor allem darauf achten, ob ein schwarzer Jaguar die Garage verläßt.
Sir John: Ja was wollen Sie denn mit den beiden alten Herrschaften in der Garage anfangen, glauben Sie etwa, daß einer von den beiden der Joker ist?
Higgins: Nein, das nicht gerade, aber sie könnten mit ihm unter einer Decke stecken. Tanner war nicht gerade begeistert, als ich den Jaguar untersuchte.
Sir John: Wozu Sie im übrigen auch kein Recht hatten. Also ich finde, Sie sind im Moment nicht gerade sehr erfolgreich, Higgins.
Higgins: Danke, Sir.
Sir John: Ich habe mir zudem einige Zahlen geben lassen, die Sie nicht gerade begeistern werden. Da, in London sind derzeit rund 19.000 Leiland-Fahrzeuge der Marke Jaguar gemeldet, davon fast 6000 aus der XJ-Serie. Eine fast hoffnungslose Aufgabe, aufgrund des Fahrzeugtyps den Joker ausfindig zu machen.
Higgins: Eben, und deshalb meine ich, wir sollten uns lieber an die Fakten halten. Rekapitulieren wir einmal.
Sir John: Aber Higgings, wenn Sie mich fragen, Sie haben überhaupt nichts konkretes in der Hand.
Higgins: Sir John, bitte, jetzt hören Sie mir einmal zu. Wir haben zunächst einmal Lady Smith, von der erwiesen ist, daß sie von zwei späteren Opfern des Jokers besucht wurde, das ist immerhin ein Anhaltspunkt. Ich hoffe, daß uns Miss Lane weiterbringt. Und dann haben wir seit heute diesen merkwürdigen Tanner. Ich möchte nicht ausschließen, daß in seiner Garage der Wagen des Jokers steht.
Sir John: Naja. Wie alt, sagten Sie, ist Tanner?
Higgins: Einiges über 70, Sir.
Sir John: Naja, das spricht ja wohl für sich.
Ann Pattison: Sir John, es ist Zeit für Ihre Tabletten.
Sir John: Ja, aber nicht jetzt.
Ann Pattison: Sir John, bitte.
Higgins: Der nächste ist Carpenter. Ich bin überzeugt, daß er sich heute in den frühen Morgenstunden mit dem Joker getroffen hat. Ich habe schon einmal betont, daß ich Carpenter unter keinen Umständen zu früh festnehmen will, je weniger er sich beobachtet fühlt, um so besser für uns.
Sir John: Ja und dann wäre da noch der Amerikaner, dieser...
Higgins: Silkwood.
Sir John: Ja.
Higgins: Er scheint wie vom Erdboden verschluckt zu sein. Und jetzt frage ich mich, was hat er vor. Ich glaube, wir können davon ausgehen, daß Silkwood und der Joker nicht identisch sind.
Sir John: Bleibt auch noch die Frage, warum Harras ermordet wurde.
Higgins: Richtig, Sir. Darf ich mir einen Whisky nehmen?
Sir John: Ja, ich bitte darum.
Higgins: Sie auch?
Sir John: Ja, aber ohne Eis.
Higgins: Seit heute Vormittag hat sich noch ein völlig neuer Aspekt ergeben, dem wir nachgehen sollten. Wissen Sie, wer der Eigentümer der Garage ist?
Sir John: Nein.
Higgins: Ein gewisser Anton Goldmann.
Sir John: Ja und? Was ist daran so ungewöhnlich?
Higgins: Goldmann hieß auch der alte Mann im Rollstuhl in Lady Smith Sanatorium, Theodor Goldmann.
Sir John: A Goldmann, an dem Namen ist doch nichts ungewöhnliches. Ich kenne viele mit dem Namen Goldmann.
Higgins: Ja, aber die beiden haben deutsche Vornamen Sir, Anton und Theodor.
Sir John: Danke. Haben Sie mit diesem Anton Goldmann gesprochen?
Higgins: Nein, der sitzt angeblich in Hongkong, ist Inhaber der Goldmann Industries, offenbar ein größerer Konzern, in Tanners Büro hängt ein Bild von ihm.
Sir John: Ja und? Irgendwelche Ähnlichkeiten mit dem Mann im Sanatorium?
Higgins: Nein, leider nicht, nicht die geringste.
Sir John: Na sehen Sie, an Ihrer Stelle würde ich zusehen, den Amerikaner wiederzufinden, anstatt in dieser Garage irgendwelchen Hirngespinsten nachzulaufen.
Higgins: Cheers.
Sir John: Ja, zum Wohl.
Higgins: Aber irgend etwas macht mich stutzig. Ich stellte mich Tanner als Inspektor Higgins vor, irgendwann während des Gesprächs sagte Tanner Chiefinspektor zu mir, finden Sie das nicht etwas seltsam, Sir John?
Sir John: Kann doch Zufall sein.
Higgins: Aber trotzdem, der Sache mit den Goldmanns werd ich auf den Grund gehen, Miss Lane muß mir hier helfen, sie soll den Theodor Goldmann, den Mann im Rollstuhl, etwas genauer unter die Lupe nehmen.
Lane: Hallo Darling.
Higgins: Hallo. Na, wie wars, hast du was rausgekriegt in deinem Home of Peace?
Lane: Hm, du hattest recht mit deiner Vermutung, Goldmann hatte einen Bruder, er hatte. Maximilian starb vor Jahren an Krebs.
Higgins: Schon wieder so ein deutscher Name.
Lane: Ich habe mir hier ein Foto ausgeborgt, du, sieh dir das mal an, die beiden sind sich wie aus dem Gesicht geschnitten, findest du nicht?
Higgins: Die Ähnlichkeit ist wirklich verblüffend. Die beiden müssen Zwillingsbrüder gewesen sein. Eine Gewißheit haben wir jetzt, Goldmanns Bruder ist nicht der Mann in Tanners Büro. Ich fürchte, ich habe mich diesmal geirrt.
Lane: Mr. Goldmann ist viel in der Welt herumgekommen und will bei Lady Smith seinen Lebensabend verbringen, manchmal wirkt er ruhig und gemütlich, dann wieder höchst wachsam und mißtrauisch, schwer zu durchschauen. Ich habe mit ihm eine Partie Schach gespielt.
Higgins: A ja, wer hat gewonnen?
Lane: Remi.
Higgins: Aha. Hat Lady Smith Verdacht geschöpft?
Lane: Bestimmt nicht, sie war sehr zuvorkommend, ich habe mit nahezu allen Einsassen sprechen können, man hat den Eindruck, sie fühlen sich alle recht wohl dort.
Higgins: Hast du noch etwas über Pelford und Fletcher herausbekommen?
Lane: Nein, leider nein. Über interne Vorgänge im Sanatorium sind die Leute offenbar völlig ahnungslos, und an Lady Smiths Privatunterlagen, da kam ich noch nicht ran, sie bewahrt alles in einem Safe auf.
Higgins: Hm, ich geb was drum, wenn ich da mal reinkucken könnte.
Lane: Hm, ich werds für dich versuchen.
Higgins: Aber Darling, ich bitte dich.
Lane: Ich weiß, ich weiß, ich bin vorsichtig.
Higgins: Ein Durchsuchungsbefehl ist bei Lady Smith nicht drin, da spielt Sir John nicht mit, ich selbst muß mich noch um Tanner kümmern.
Lane: Tu das, Higgi.
Higgins: Der Mann geht mir einfach nicht aus dem Kopf.
Lane: Also, ich muß zurück in mein Altersheim. Machs gut.
Higgins: Sei vorsichtig, Profi.
Lane: Du auch, Profi.
Stimme: Achtung, Achtung, bewaffneter Überfall auf Juweliergeschäft am Eaton-Square, es gab ein Todesopfer, alle verfügbaren Einsatzkräfte bitte sofort an den Tatort.
Higgins: Das darf doch nicht wahr sein.
Sir John: Ah, Tag Higgins.
Higgins: Sir John.
Sir John: Nun sehen Sie sich das einmal an, das ist übrigens Mr. Short, der Besitzer.
Short: Guten Tag.
Higgins: Mr. Short, dann erzählen Sie mal.
Short: Ja, es ging alles furchtbar schnell, mein Angestellter und ich waren gerade hier im Laden, und berieten einige Kunden, als an der Hintertür eine Explosion erfolgte. Ich sah noch, wie der Wächter niedergeschlagen wurde, und dann stürmten sie auch schon herein, schwer bewaffnet, wir mußten alle die Hände in die Höhe nehmen.
Higgins: Wie sahen die Kerle aus?
Short: Ja, sie hatten dunkle Mäntel an und so weiße Gesichtsmasken aufgesetzt, als ich den Safe nicht sofort öffnen wollte, haben sie meinen Angestellten einfach über den Haufen geschossen.
Sir John: Ja hätte sich das nicht vermeiden lassen, Mr. Short, Sie sind doch versichert.
Short: Ich war im ersten Moment so überrascht, und ich wußte auch nicht, ob sie wirklich schießen würden, im Safe waren immerhin Rohdiamanten im Wert von einer halben Million Pfund.
Higgins: Konnten Sie erkennen, mit welchem Auto sie geflüchtet sind?
Short: Ja, den Fluchtwagen konnte ich sehr genau erkennen, es war ein brauner Chevrolet Kombi, Baujahr so 77/78, er fuhr vielleicht 2 Minuten, nachdem die Kerle das Lokal gestürmt hatten, vor.
Sir John: Die Fahndung ist bereits draußen.
Higgins: Gut. Sir John, ich muß Sie unter 4 Augen sprechen. Entschuldigen Sie uns, Mr. Short.
Short: Aber bitte schön.
Sir John: Nun?
Higgins: Ich gehe jede Wette ein, daß der Amerikaner hinter dem Überfall steckt. Das ist haargenau seine Arbeitsweise.
Sir John: Und was wollen Sie unternehmen?
Higgins: Der Amerikaner hat eine Beute von 500.000 Pfund gemacht, ab dieser Stunde, da gehe ich jede Wette ein, befindet er sich im Fadenkreuz des Jokers.
Sir John: Sie meinen, es kommt zur großen Konfrontation.
Higgins: Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder der Joker erledigt Silkwood und seine Leute, dann haben wir ein Problem weniger, oder der Amerikaner ist schlauer und trickst den Joker aus, dann hätte er geschafft, was uns bisher nicht gelungen ist. Ich glaube aber eher, daß Tom Silkwood und seine Leute noch ihr blaues Wunder erleben werden.
Sir John: Nun malen Sie mal nicht den Teufel an die Wand, Higgins.
Ann Pattison: Sie sollten sich nicht so viele Sorgen machen, Sir John.
Sir John: Sie haben leicht reden, Kindchen. Die Morde des Jokers, der Überfall auf Shorts Juweliergeschäft, und nicht zu vergessen der Anschlag auf Higgins, wissen Sie, Higgins hat bisher noch jeden seiner Fälle gelöst, und Miss Lane ist eine sehr tüchtige Mitarbeiterin.
Ann Pattison: Ja, sehr tüchtig.
Sir John: Aber ich fürchte, daß Higgins im Joker seinen Meister gefunden hat. Und wissen Sie, Ann, ein Gedanke beunruhigt mich zu tief.
Ann Pattison: Welcher, Sir John?
Sir John: Daß er sich diesmal irrt, daß keine der Personen, die er verdächtigt, der Joker ist, daß es jemand völlig unbekanntes ist, oder, was noch schlimmer wäre, daß es jemand ist, der unter uns weilt, jemand, den wir alle kennen.
Higgins: Guten Abend, Sir John.
Sir John: Ah, guten Abend, Higgins, daß Sie sich auch mal wieder blicken lassen, ja, gibts was Neues?
Higgins: Ja, das Telex aus Hongkong.
Sir John: Telex? Hongkong?
Higgins: Ich hatte in Hongkong Auskünfte über Goldmann eingeholt, hier ist die Antwort und ein Bild von ihm.
Sir John: Na, Ann, dann machen Sie uns bitte mal zwei Whisky, oder sagen wir besser drei, ich spendiere ihnen auch einen.
Ann Pattison: Vielen Dank, Sir John.
Sir John: Na, nun zeigen Sie schon her, Higgins, machen Sie es doch nicht immer so spannend. Anton Goldmann, geb. am 4. März 1921 in London, Goldmann liquidierte Industries Hongkong im Januar 1982, Verkaufserlös wahrscheinlich nach Europa transferiert, genauer Aufenthaltsort von Anton Goldmann unbekannt, vermutlich noch Hongkong. Weitere Daten nicht verfügbar.
Higgins: Ja, und das ist sein Foto.
Sir John: Ja und? Ist das identisch mit dem in Tanners Büro?
Higgins: Zweifellos, das ist er.
Sir John: Na sehen Sie.
Ann Pattison: Ihr Whisky, Sir.
Sir John: Danke.
Ann Pattison: Ohne Eis. Bitte Higgins.
Higgins: Danke.
Sir John: Ich habe Ihnen doch gleich gesagt, daß das nichts bringt, Ihre Wahnideen mit dem alten Tanner können Sie ein für alle mal begraben.
Higgins: Trotzdem hatte ich das Gefühl, daß an der Sache etwas faul ist, die Informationen aus Hongkong waren nicht gerade sehr ergiebig, und deshalb habe ich das Foto vorhin durch unseren Computer laufen lassen, zur Identifikation.
Sir John: Ja und?
Higgins: Das Foto zeigt nicht Anton Goldmann, sondern Guliano Montaldo.
Sir John: Guliano Montaldo?
Higgins: Geboren 1931 in Neapel.
Sir John: Ja was soll das heißen, Higgins?
Higgins: Das heißt, daß der Mann, dessen Bild in Tanners Büro hängt, nicht Anton Goldmann ist, und das heißt weiter, der Mann im Rollstuhl ist möglicherweise doch der Bruder des Eigentümers der Garage. Cheers.
Rogers: Sir John, Inspektor, würden Sie bitte mit mir kommen.
Higgins: Schießen Sie los, Rogers.
Rogers: Wir haben insgesamt 5 Tote. Einer von ihnen ist zweifelsfrei Tom Silkwood, den hats hier vorne erwischt.
Sir John: Ist ja grauenhaft.
Rogers: Die anderen vier dahinten, das waren höchstwahrscheinlich seine Komplizen. Wir konnten Sie aber noch nicht identifizieren, zwei von ihnen sind bis zur Unkenntlichkeit verkohlt.
Higgins: Sagen Sie, Rogers, weiß man schon, welche Waffe verwendet wurde?
Rogers: Alles deutet auf ein Maschinengewehr der Marke Remington hin, ein älteres Modell, wie es auch von den Amerikanern im Vietnam verwendet wurde, Kaliber 7,9 mm, Reichweite 4000 Meter bei 1000 Schuß pro Minute. Und so was eingesetzt aus einer Entfernung von nicht einmal 150 Metern. Die Leute wurden regelrecht abgeschlachtet. Der Wagen ist auch dementsprechend zugerichtet.
Higgins: Ich war Tom Silkwood zwar auf den Fersen, aber ein so grauenvolles Ende hätte ich ihm trotz allem lieber erspart.
Rogers: Ganz recht, Inspektor. Ich kann mich nicht erinnern, daß in England eine Waffe dieser Größenordnung bei einer Gangsterfehde je zum Einsatz kam.
Higgins: Wie hat dich das ganze Ihrer Meinung nach abgespielt im Detail?
Rogers: Also, Silkwood und seine Leute hatten hier, auf dieser Waldlichtung offenbar mit einer uns unbekannten Person ein Treffen vereinbart, eine Geldübergabe oder etwas ähnliches, wir haben neben Silkwoods Leiche einen leeren Koffer gefunden. Sie gerieten dann alle in den Kugelhagel einer Person, die mit einem Wagen, offenbar schon früher, da vorn hinter dem Gebüsch postiert war, in diesem Wagen muß sich auch das MG befunden haben. Ein weiterer Wagen muß aber vorne am Waldweg gestanden haben, sonst wäre nicht erklärbar, wieso Silkwood ausgerechnet an dieser Stelle erschossen wurde.
Higgins: Sonst irgendwelche Anhaltspunkte?
Rogers: Ja, also zunächst etwas sehr merkwürdiges. Bei dem Koffer neben Silkwood fanden wir diese Spielkarte.
Sir John: Aha, ein Jolly Joker, also doch, hätte mich ja gewundert, und sonst noch was?
Rogers: Ja, die Reifenspuren natürlich.
Higgins: Gibt es schon Hinweise auf die Fahrzeugtypen?
Rogers: Der hinterm Gebüsch war wahrscheinlich ein Jeep.
Higgins: Vielleicht ein Range Rover?
Rogers: Durchaus möglich.
Higgins: Und der andere?
Rogers: Ist im Moment schwer zu sagen.
Higgins: Könnte es ein Jaguar gewesen sein?
Rogers: Ich möchte es nicht ausschließen. Genaueres werden wir aber erst später wissen.
Higgins: Gut, Rogers, vielen Dank fürs erste, machen Sie hier weiter mit der Spurensicherung, und wenns die ganze Nacht dauert, informieren Sie mich umgehend, wenn Sie etwas neues haben.
Rogers: OK, Sir.
Sir John: Na, Higgins, was halten Sie davon?
Higgins: Meine These hat sich offenbar bestätigt. Es ist so gut wie sicher, daß Silkwood und seine Leute sich hier mit dem Joker ein Feuergefecht geliefert haben.
Sir John: Das ist ja unglaublich.
Higgins: Meine Geduld ist am Ende. Ich möchte noch heute Nacht das Montmartre hochgehen lassen. Die lange Leine hat nichts gebracht.
Sir John: Wie meinen Sie das?
Higgins: Der Wagen, von dem aus geschossen wurde, war möglicherweise ein Range Rover, und da ist die Verbindung zu Carpenter nicht mehr weit.
Sir John: Carpenter wird doch überwacht.
Higgins: Ja, wie er das gemacht hat, da bin ich im Moment auch überfragt, jedenfalls müssen wir ihn unschädlich machen, bevor noch mehr passiert.
Sir John: Ja jetzt, vor diesem Schlamassel wir hier haben, werden Sie plötzlich aktiv, etwas spät, finden Sie nicht, Higgins?
Higgins: Sir John, wenn Sie es für angebracht halten, können Sie ja einen anderen Chiefinspektor mit dem Fall betreuen.
Sir John: Das könnte Ihnen so passen. Ich sage Ihnen eines: Sie machen mir diesen verdammten Joker unschädlich, und zwar bald, sonst ist es mit meiner Gemütlichkeit aus.
Rogers: Inspektor Higgins.
Higgins: Rogers?
Rogers: Ich hab da einen Funkspruch von Superintendant Lane.
Higgins: Danke, geben Sie her. Hallo? Barbara?
Lane: Higi? Ich hatte bisher keine Möglichkeit, dich zu erreichen, ich kann auch nicht lange sprechen, Tom Silkwood war gestern Nacht hier im Sanatorium, das Home of Peace ist offenbar eine Anlaufstelle für irgendwelche ganz dunklen Geschäfte, außerdem wurden Patienten mit Barbituraten betäubt, irgend etwas ist da im Gange, hör zu, ich werde jetzt...
Higgins: Hallo? Barbara? Barbara? Sir John, wir müssen sofort ins Sanatorium, Barbara Lane hat Schwierigkeiten, Leutnant Rogers.
Rogers: Ja, Sir?
Higgins: Sie nehmen sich drei Mann und kommen mit. Beeilung.
Sir John: Ah, das ist aber auch stockdunkel hier.
Higgins: Leise.
Sir John: Man sieht die Hand vor Augen nicht.
Higgins: Sir John.
Lady Smith: Na los.
Higgins: Barbara?
Lady Smith: Sagen Sie Ihren Beamten, sie sollen die Waffen fallen lassen, sonst hat Miss Lane ein Loch in ihrem hübschen Köpfchen. Das gilt auch für Sie, Inspektor. Los, weg mit der Waffe.
Higgins: Ich warne, wenn Sie ihr auch nur ein Haar krümmen.
Lady Smith: Gehen Sie fünf Schritte zurück, Inspektor. – Miller, bringen Sie die Koffer zum Auto.
Miller: Is gut.
Higgins: Sie wollen verreisen, Lady Smith, was werden Ihre Schützlinge dazu sagen?
Lady Smith: Aber machen Sie sich doch um meine Schützlinge keine Sorgen, Inspektor.
Higgins: Sie haben nicht die geringste Chance, zu entkommen, Lady Smith. Oder sollte ich besser sagen: Joker?
Lady Smith: Sie halten mich für den Joker? Wie Sie sehen, fahre ich einen Rolls Royce und keinen Jaguar. Ihr Idioten, ich hatte die größte Hehlerorganisation Londons aufgebaut, ohne daß Scotland Yard auch nur den Schimmer einer Ahnung hatte, erst der Joker begann mich systematisch in meinen Geschäften zu behindern, er hat mir diesen Harras auf den Hals gehetzt, aber er hat dafür Gebühren bezahlt.
Higgins: Daß Harras auf Ihr Konto geht, war mir von Anfang an klar, von einem anderen aber glaube ich Ihnen kein Wort.
Lady Smith: Das ist ohne jeden Belang, was Sie glauben oder nicht, Inspektor, und Sie erfahren das alles auch nur, weil Sie mit diesem Wissen nichts mehr anfangen können. Der Joker verdankt mir einige der lukrativsten Geschäfte... Ah!
Lane: Mein Gott, Lady Smith!
Sir John: Wer hat denn da geschossen?
Rogers: Der Schuß kam da hinten vom Waldweg aus dem Auto.
Higgins: Rogers, kommen Sie zurück, den Wagen erreichen Sie nicht mehr.
Rogers: Wie gehts jetzt weiter?
Sir John: Sie und Miss Lane bleiben hier. Geben Sie mir das Funkgerät. Achtung, an Spezialeinheit 5, Razzia im Klub Montmartre.
Nick: Polizei. Polizei.
Higgins: Behalten Sie ruhig Ihre Plätze, Herrschaften, es handelt sich lediglich um eine kleine Razzia. Sie brauchen mich gar nicht so groß ansehen, Nick, hier der Durchsuchungsbefehl. Wo ist Carpenter?
Nick: Ich weiß nicht, Chiefinspektor, er rief mich an, daß ich ihn heute vertreten soll.
Higgins: Na schön, dann kommen Sie mit. Das Büro.
Nick: Ja und?
Higgins: Aufsperren.
Nick: Ja bitte sehr.
Sir John: Aha, das ist also Carpenters Büro. Suchen Sie hier des Rätsels Lösung, Higgins?
Higgins: Richtig, Sir, warten Sies ab.
Nick: Mr. Carpenter hält sich selten hier auf, höchstens wenn er mal ungestört telefonieren will. Die Abrechnung macht er meist drüben im Lokal.
Higgins: Wußten Sie, daß in den Tischen Mikrophone versteckt sind, die es einem erlauben, die Gespräche der Gäste mitzuhören bzw. aufzunehmen?
Nick: Nein, davon hör ich zum ersten Mal.
Sir John: Natürlich. Das ist ja unglaublich. Was suchen Sie denn da, Higgins?
Higgins: Nur Geduld, Sir, nur Geduld. Dacht ichs mir doch.
Sir John: Das ist ja interessant.
Higgins: Davon hatten Sie natürlich auch keine Ahnung.
Nick: Nein, nein, ich schwöre, Inspektor.
Higgins: Hier also ist es.
Sir John: Aber das ist ja...
Higgins: Sehen Sie, Sir John, wie ich vermutet habe, mit Hilfe dieser Geräte konnte jedes einzelne Gespräch an den Tischen mühelos aufgezeichnet werden, sogar ein eigenes Funkgerät ist dabei, und da der Bildschirm, ich wette, daß der nicht zur Unterhaltung dasteht. Über diesen Bildschirm konnte er in aller Ruhe die Vorgänge im Lokal beobachten. Das hier, Sir John, was zumindest ein Schlupfwinkel des Jokers. War er selbst mal nicht da, hat ihm wohl Carpenter die Bänder überbracht.
Sir John: Das ist ja allerhand.
Higgins: Carpenter dürfte die rechte Hand des Jokers sein. Allein den Bluff, Silkwood und seine Leute in die Falle zu locken, mußten mindestens zwei Personen inszeniert haben.
Sir John: Ja aber wer ist denn nun dieser ominöse Joker wirklich, Higgins, dieser Amerikaner, dieser...
Higgins: Silkwood, Sir.
Sir John: Ja, Silkwood, der ist tot, Lady Smith ist tot, Harras ist tot, Miller haben wir verhaftet.
Hooper: Chiefinspektor?
Higgins: Ja, aber war zum Teufel macht ihr denn hier?
Hooper: Nachdem Sie uns von der Garage abkommandiert und wir keine weitere Order hatten, erhielten wir die Nachricht, daß Sie hier zu finden seien.
Higgins: Ich habe was?
Hooper: Wir fanden es ja auch etwas merkwürdig.
Sir John: Was ist merkwürdig?
Higgins: Das ist doch nicht zu fassen, die beiden wurden mit einem fingierten Funkspruch herbeordert, diesem Trick wird wahrscheinlich auch Hooper auf den Leim gegangen sein.
Sir John: Die bringen ja unser gesamtes Observierungssystem durcheinander. Was werden Sie jetzt unternehmen, Higgins?
Higgins: Sir John, Sie haben mit Ihrer Aufzählung vorhin demonstriert, daß nicht mehr als zu viele Personen als Täter in Frage kommen.
Sir John: Jajaja. Und?
Higgins: Ich habe das dumpfe Gefühl, die Stunden des Jokers sind gezählt. Guten Abend, Sir.
Sir John: Ja wohin wollen Sie denn jetzt, mitten in der Nacht.
Higgins: Einen Ölwechsel machen lassen.
Higgins: Guten Abend, Mr. Tanner.
Tanner: Sie könnten wenigstens anklopfen, Inspektor.
Higgins: Kommen Sie oder gehen Sie, Mr. Tanner?
Tanner: Ich wollte gerade weggehen, es ist heute wieder sehr spät geworden.
Higgins: Jaja, ich glaube, heute ist es für uns alle sehr spät geworden, Mr. Tanner.
Tanner: Können Sie mir verraten, was Sie um diese Zeit überhaupt hier noch wollen?
Higgins: Ich bin gekommen, um Ihnen etwas zurückzugeben, das Ihnen gehört, Mr. Tanner.
Tanner: Was ist das?
Higgins: Ihre Visitenkarte. Eine Jolly-Joker-Karte.
Tanner: Was soll das?
Higgins: Hm, eigentlich hätte ich es früher wissen müssen. 6000 Wagen der XJ-Serie, die allein in London zugelassen sind, aber nur in einem sitzt der Joker, der seinen Opfern wahrlich keine Rosen ins Grab streut, sondern Jolly-Joker-Karten. Tja, und als Sergeant Hooper ausgerechnet in dieser Gegend den Wagen aus den Augen verlor, war ich schon nahe dran zu glauben, den Täter zu kennen, aber dann, nein, nein, ein alter gebrechlicher Mann, es mußte ein Zufall sein.
Tanner: Bald fertig, Inspektor?
Higgins: Die Ereignisse, Mr. Tanner, auf die ich im einzelnen noch zu sprechen kommen werde, beginnen sich dann plötzlich zu überstürzen, und die Observierungs-streife, die ich hierher beordert habe, wird mit einem fingierten Funkspruch weggelockt, und dann komme ich hierher, und siehe da, der Jaguar, der angeblich schon seit 2 Jahren nicht mehr benutzt wurde, hat einen warmen Motor, und an den Reifen finde ich Spuren von Erdreich. Ja nun, vielleicht wieder ein Zufall, daß ausgerechnet heute der Joker in der freien Natur seinem blutigen Handwerk nachging.
Tanner: Sie meinen, jemand hat den Wagen benutzt?
Higgins: Aber Mr. Tanner, lieber Mr. Tanner, das wissen Sie doch?
Tanner: Was wollen Sie eigentlich?
Higgins: Hören Sie zu, Tanner. Als ich Sie das letzte Mal aufsuchte, sagte ich Ihnen, daß ich einen ganz bestimmten Wagen suche, heute bin ich wieder hier und ich suche nicht mehr den Wagen, sondern nur noch den Fahrer. Sehen Sie, es wäre ja durchaus möglich, daß Sie wie John Carpenter...
Tanner: Wer ist das?
Higgins: Daß Sie wie John Carpenter den Handlanger für irgend jemand gespielt haben, mittlerweile bin ich aber zu der Erkenntnis gekommen, daß Sie für eine derartige Statistenrolle zu clever sind, Mr. Tanner, ich möchte sogar sagen, zu ambitioniert, und das bedeutet, daß ich am Ende meiner Suche angelangt bin.
Tanner: Sie fantasieren.
Higgins: Es ging gar nicht primär um Tom Silkwood...
Tanner: Kenn ich nicht.
Higgins: Den Amerikaner, der sich ein wenig überschätzt hat, auch nicht um Lady Smith, die lange Zeit sehr geschickt aus dem Hintergrund agiert hat, es ging nicht einmal so sehr um das Montmartre, obwohl es doch der Quell Ihres ergaunerten Reichtums ist. Die Lösung des Falles hing mit einem einzigen Namen zusammen: Mr. Goldmann.
Tanner: Was hat denn Mr. Goldmann damit zu tun?
Higgins: Eigentlich nichts. Jedenfalls nicht der Mann auf dem Foto hier an der Wand.
Tanner: Was meinen Sie?
Higgins: Ich meine, daß der Mann auf diesem Foto hier an der Wand gar nicht Mr. Goldman ist, der Mann auf diesem Foto heißt Julano Montaldo und stammt aus Neapel.
Tanner: Sie sind ja verrückt!
Higgins: Nun ja, das werden die Gerichtspsychiater sehr rasch herausgefunden haben, wer von uns beiden verrückt ist. Anton Goldmann verkaufte seine Firma in Hongkong, und dann verliert sich seine Spur, und an seine Stelle trat Guliano Montaldo, und mich würde brennend der Verbleib des echten Anton Goldmann interessieren. Packen Sie aus, Tanner, oder Sie sollen mich kennenlernen.
Tanner: Ich habe keine Ahnung, wovon Sie reden.
Higgins: Na gut, dann muß ich eben offenbar noch deutlicher werden... – Sie also, Sie sind der Joker...
Goldmann: Nein, er. Ohne mich wären Sie jetzt ein toter Mann, Chiefinspektor. Sehen Sie selbst: Er hatte unter dem Schreibtisch eine Pistole bereitliegen. Wird man beim Yard nicht auf so was vorbereitet?
Higgins: Ich bin tief in Ihrer Schuld, Mr. Goldmann.
Sir John: Na, Higgins?
Higgins: Sir?
Sir John: Ohne Mr. Goldmanns Hilfe säßen Sie jetzt nicht hier.
Goldmann: Es war mir ein ausgesprochenes Vergnügen, Chiefinspektor.
Higgins: Vielen Dank, Mr. Goldmann. Bei Ihnen war ich auf dem richtigen Weg, Ihr Bruder hieß Anton und nicht Maximilian, und er ist auch nicht an Krebs gestorben.
Goldmann: Ganz recht.
Sir John: Ich habe übrigens vor zwei Stunden die Meldung durchbekommen, daß auch Carpenter an einer Straßensperre gefaßt werden konnte. Wir können den Fall also abschließen. Mich würde nur eines interessieren, Mr. Goldmann, wann sind Sie eigentlich Tanner auf die Schliche gekommen?
Goldmann: Später, Sir John, beinahe zu spät. Sehen Sie, mein Bruder Anton, wir hatten uns ziemlich aus den Augen verloren, Anton hatte sich entschlossen, seine Firma in Hongkong, die Goldmann Industries aufzulösen und nach London zurückzukehren. Er schrieb mir diesbezüglich Briefe, doch dann riß der Kontakt ab, und obwohl er schon in London gewesen sein mußte, verlor ich seine Spur. Tanner hatte ihn beseitigt oder ihn beseitigen lassen und sich dann das Geld aus dem Verkaufserlös der Firma angeeignet, Hauptakteur bei diesem Coup war wohl dieser Guliano Montaldo, der als Double meines Bruders in Aktion trat. Ich hoffe, Interpol wird das erledigen.
Higgins: Das wird sie ganz bestimmt, Mr. Goldmann, nur mit einem komm ich nicht klar, warum und wieso quartierten Sie sich dann bei Lady Smith ein?
Goldmann: Ich hatte einen Tip aus der Unterwelt erhalten, und beschloß, mich für einige Zeit für einige Zeit im Home of Peace niederzulassen. Ich konnte natürlich nicht wissen, daß Lady Smith und Tanner Todfeinde waren. Ursprünglich habe ich ja sie für den Joker gehalten.
Higgins: Jaja, das war auch der Fehler, der uns unterlaufen ist.
Goldmann: Tanner wußte ja nichts von mir, sonst hätte er sicher versucht, auch mich zu beseitigen. Ich wiederum hatte keine Ahnung, daß mein Bruder Anton Eigentümer dieser Garage war, erst Miss Lane machte ganz nebenbei eine Bemerkung über Ihren Verdacht, Chiefinspektor, ich sah mich dann eines Nachts in Tanners Büro um, und als ich die Geschäftspapiere durchgesehen hatte und das Bild an der Wand entdeckte, wußte ich, daß Tanner unser Mann ist.
Higgins: Ja, Sir John, wir fanden bei Tanner den Schlüssel zu einem Banksafe, als wir ihn öffneten, glaubten wir vor einem Pharaonengrab zu stehen, der Kerl hatte ein Millionenvermögen angehäuft, vorwiegend in Schmuck. Wie lange seine Aktivitäten zurückreichen, werden wir wahrscheinlich nie genau rekonstruieren können.
Sir John: Ja und warum mußte Harras sterben?
Higgins: Harras war ein Spitzel des Jokers. Aber wahrscheinlich wußte er selbst nicht um die Identität seines Auftraggebers. Ich könnte mir vorstellen, daß Carpenter ihn angeheuert hat, Tanner wollte Lady Smith wohl auf subtile Weise loswerden, und beauftragte Harras, uns auf ihre Spur zu bringen. Lady Smith, na ja, sie war ja auch mit allen Wassern gewaschen.
Sir John: Ja, wie dieser Tanner seine wahre Identität verborgen hielt, das war ja richtig genial.
Higgins: Richtig, Sir, und was uns alle täuschte, war sein Alter. Der Joker, ein mehr als 70jähriger Mann.
Goldmann: Es waren in der Tat mehrere Personen als mögliche Täter in Betracht zu ziehen. Nur Miss Lane habe ich gleich durchschaut. Sie hat sich so rührend um mich bemüht, wir haben sogar Schach miteinander gespielt, und da wußte ich gleich, das ist ein Heinzelmännchen...pardon...frauchen von Scotland Yard.
Sir John: Apropos Miss Lane, ich habe sie nach Harvard geschickt.
Higgins: Nach Harvard?
Sir John: Ja, ich kenne da eine entzückende Pension.
Higgins: Entzückend.
Sir John: Ja, ich bat Miss Lane, sich persönlich dort zu erkundigen, ob noch Zimmer frei sind, und wenn ja, gleich welche zu reservieren. Ich denke, Sie haben sich einen Urlaub verdient, Higgins, irgendwelche Einwände?
Higgins: Wie? Was? Nein, nein, Sir John.
Sir John: Na, dann viel Glück, Higgins.
Goldmann: Ja, viel Glück.
Sir John: Miss Pattison, meine Tabletten.
Ann Pattison: Aber Sir John, jetzt?
Chefinspektor Higgins: Horst Frank
Superintendant Barbara Lane: Brigitte Frank
Sir John (Chef von Scotland Yard): Wolfgang Reinsch
Ann Pattison (seine Sekretärin): Angela Stark
Billy Reynolds: Frank Scholze
Josua Harras: Willi Schneider
Sergeant Hooper: Berth Wesselmann
Lady Smith: Ingeborg Steiert
Theodor Goldmann: Walter Laugwitz
Tankwirtin: Helene Elcka
Mr. Tanner: Josef Meinertzhagen
Mr. Short: Klaus Spürkel
Lieutenant Rogers: Gerd Andresen
Nick: Andreas Szerda
Regie: Rolf Dienewald
Kommentar von Hörspiele |
Shirley Jackson: Das Haus (BR 1994)
Montague: Institut für Parapsychologie Dr. John Montague, sehr geehrte Mrs Vance, sie kennen meinen Namen wahrscheinlich nicht, ich bin Wissenschaftler und dennoch oder gerade deshalb hat mich die Erforschung sog. übersinnlicher Phänomene immer beschäftigt, im Augenblick habe ich die Möglichkeit im Rahmen eines Forschungsprojekts einem immer noch skeptischen und überheblichen Kollegenkreis einen konkreten Zusammenhang zwischen Psychologie und Parapsychologie experimentell zu demonstrieren.
Schwester: Dr Montague, ist das überhaupt sein richtiger Name.
Elinor: Es gibt einen Dr John Montague, Dr der Philosophie und Anthropologie, Promotion in Oxford 1950.
Schwester: Das klingt doch alles ziemlich unseriös. Ein Forschungsprojekt und experimentell. Was für Experimente will er denn da machen und ausgerechnet mit jemand wie dir.
Montague: Für die Durchführung des Projekts brauche ich noch einige Assistenten, welche Intelligenz und Sensibilität mitbringen sowie genaue Beobachtungsgabe und die Fähigkeit das Wahrgenommene schriftlich zu fixieren.
Schwester: Elinor, ich bin verheiratet, ich kenne die Männer, als deine ältere Schwester habe ich eine gewisse Verantwortung für dich nachdem Mutter tot ist.
Elinor: Carrie, ich bin 31.
Schwester: Du bist eigentlich zu alt um noch so naiv zu sein, aber wohl immer noch jung genug für Dummheiten.
Montague: Sie, Miss Vance erschienen mir für die Mitarbeit geeignet, ich bin auf ihren Namen in den Akten des parapsychologischen Institutes gestoßen im Zusammenhang mit Zeitungsberichten über ein unaufgeklärtes Poltergeistphänomen.
Schwester: Poltergeist was ist denn das für ein Unsinn.
Elinor: Das muß die Sache mit den Steinen sein, erinnerst du dich.
Elinor: Vater war gerade 1 Monat tot.
Schwester: Das ist 20 Jahre her.
Elinor: Ja ich war gerade 12.
Schwester: Ah Steine die plötzlich auf unser Hausdach regneten, ins Fenster flogen von irgendwo her, das warst natürlich du um dich wichtig zu machen.
Elinor: Es waren die Nachbarn um uns zu ärgern, das hat Mutter damals den Reportern auch gesagt.
Montague: Mein Angebot für ihre Mitarbeit wäre Experiment und Urlaub in einem, vier Wochen in einem schönen alten Landhaus in ruhiger Lage das allerdings nur mit dem Auto erreichbar ist.
Schwester: Das Auto niemals.
Elinor: Es ist zur Hälfte auch mein Auto, wir haben es gemeinsam gekauft als ich noch.
Schwester: Aber ganze vier Wochen lang.
Elinor: Ich habs im letzten Jahr nicht einmal benutzt.
Schwester: Elenor, wenn du unbedingt Hals über Kopf einem wildfremden Mann nachrennen willst, ist das schlimm genug, aber nicht mit meinem Auto.
Elinor: Das kannst du ihm ruhig schreiben deinem Dr Montague.
Montague: Liebe Mr Vance, ich freue mich zu hören daß sie meiner Einladung folge leisten möchten, beigefügt finden sie eine genaue Wegbeschreibung die sie sicher zu Crains Hall unserem Hause führen wird.
Elinor: Zu Crains Hall unserem Haus, klopf klopf klopf.
Mrs Dudly: Was wollen sie?
Elinor: Ich entschuldigen Sie bitte mein Name ist Elinor Vance, ich werde hier erwartet.
Mrs Dudly: Von wem.
Elinor: Von Dr, ist denn Dr. Montague nicht da, wo sind denn die anderen Gäste.
Mrs Dudly: Hier sind keine Gäste.
Elinor: Aber sie sind doch Mrs Dudly die Haushälterin, ich meine das ist doch Crains Hall.
Mrs Dudly: Was sonst.
Elinor: Sehen sie, ich habe eine schriftliche Einladung von Dr. Montague oder hab ich mich im Datum geirrt, wo ist denn der Brief, ach wie dumm, ich hab den Brief im Auto liegen lassen ich kann ihn aber holen.
Mrs Dudly: Hier lang, ihren Koffer müssen sie selber tragen.
Elinor: Oh schwarze Holztäfelung bis zur Decke findet man selten.
Mrs Dudly: Das grüne Zimmer.
Elinor: Danke. Ein bißchen dunkel aber ja könnte man vielleicht das Fenster auf.
Mrs Dudly: Die Zimmer gehen mich nichts an, ich richte das Abendessen im Speisesaal her, Punkt 6, sie müssen sich selbst bedienen, ich räume am anderen morgen ab, Frühstück mach ich um 9, ich bleib hier nicht übernacht, ich gehe bevor es dunkel wird.
Elinor: Ich verstehe.
Mrs Dudly: Ich wohne im Ort, kein Angestellter würde hier im Haus übernachten.
Elinor: Ich verstehe.
Mrs Dudly: Es wird also niemand im Haus sein, falls sie Hilfe brauchen.
Elinor: Ich verstehe.
Mrs Dudly: Niemand, nachts wenn es dunkel ist.
Elinor: Mrs Dudly, Mrs Dudly, wo ist denn der Schlüssel hat das Zimmer keinen Schlüssel oh nein, nein nein.
Theodora: Das darf doch einfach nicht wahr sein nein, ha.
Elinor: Mein Gott bin ich froh daß sie da sind, geben sie mir doch die Tasche da.
Theo: Danke.
Elinor: Ich bin Elinor Vance.
Theo: Theodora, einfach Teo.
Elinor: Theo.
Theo: Puh dieses Monstrum von einem Haus, dieser häßliche.
Elinor: Sind sie auch so erschrocken als sie es das erste mal gesehen haben.
Theo: Hrm.
Elinor: Oh Mrs Dudly, geben sie ihr doch bitte das Zimmer neben meinem.
Mrs Dudly: Das blaue Zimmer.
Theo: Wunderbar, bestens geeignet als kleine private Aussegnungshalle.
Elinor: Mein Zimmer ist genau das gleiche in grün, ja wirklich dunkelgrün wie kalter Spinat.
Theo: Oh wie lecker.
Elinor: Und wir haben ein gemeinsames Badezimmer mit Durchgangstür.
Mrs Dudly: Ich richte das Abendessen im Speisesaal her, punkt sechs, sie müssen sich selbst bedienen, ich räum am andern Morgen ab, Frühstück mach ich um 9, ich bleibe hier nicht übernacht.
Elinor: Kein Angestellter würde hier im Haus übernachten.
Mrs Dudly: Es wird also niemand da sein falls sie Hilfe brauchen.
Elinor: Nachts wenn es dunkel ist.
Theo: Hab ich das richtig verstanden, diese reizende Dame wollte uns soeben klarmachen daß es völlig zwecklos ist nachts nach ihr zu rufen.
Elinor: So ist es.
Theo: Ehrlich gesagt ich kann mir im Moment keine noch so schlimme Situation vorstellen in der ich ausgerechnet Mrs Dudly zu hilfe rufen würde.
Elinor: Ich würde eher nach Graf Dracula klingeln, haha, was ist, wollen wir gemeinsam diesen Ort des Schreckens erkunden.
Theo: Ja aber nur wenn mich die große Schwester an die Hand nimmt. Oh eiskalt, sie hatten ja wirklich Angst, ganz ruhig, jetzt ist ja Theo da. Lehrerin, ich finde Kinder ja wunderbar, sie sind noch so spontan neugierig vital.
Elinor: Und eine Pest wenn man ihnen beibringen muß still zusitzen.
Theo: Du haßt deine Arbeit.
Elinor: Kann man denn leben von sowas wie Malerei.
Theo: Wir haben noch ein kleines Antiquitätengeschäft mein Freund und ich.
Elinor: Hättest du gedacht daß es nur ein paar hundert meter vom Haus entfernt ein so schönes Plätzchen gibt.
Theo: Wir haben uns gestritten, ich glaube sonst wäre ich gar nicht hergekommen, macht der mir einen Heiratsantrag.
Elinor: Und du haßt es geheiratet zu werden.
Theo: Ja aber jetzt gefällt es mir hier, in der Sonne, außer Sichtweite dieses häßlichen Hauses und mit dir an meiner Seite.
Elinor: Wenn ich mir die Wiese so anschaue.
Theo: Picknick ein Platz für ein Picknick.
Elinor: Genau das wollte ich sagen, kaltes Huhn und Schinkenbrote.
Theo: Schokoladenkuchen, Ameisen, Wespen.
Elinor: Harte Eier und das Salz vergessen, himmelblaue Plastikbecher.
Theo: Oh nein Horn und Silber meine liebe und im Weidenkörbchen wir werden.
Elinor: Was ist das da drüben zwischen den Bäumen.
Theo: Ein Werwolf was sonst.
Elinor: Wir sollten gehen, vielleicht sind die anderen schon da und warten auf uns.
Theo: Du hast immer noch Angst, das ist gefährlich mein Schatz.
Elinor: Aus welchem Grund bist du eingeladen worden.
Theo: Ich hab mal aus puren Spaß an einem Experiment teilgenommen, versteckte Karten erraten, ich hatte eine Trefferquote von 80 %.
Elinor: Und.
Theo: Purer Zufall was sonst, du hast immer noch kalte Hände.
Elinor: Ja, ist die Reise zu Ende reichen wir uns die Hände wenn der abend kommt.
Theo: Hübsch.
Elinor: An der nächsten Biegung sieht man es wieder.
Theo: Das gräßliche Haus, es hat ein Gesicht, es sieht dich an.
Elinor: Dieser große Turm, hab ich Sehstörung oder.
Theo: Er ist schief.
Elinor: Er ist schief nicht.
Theo: Und ich denke mit voller Absicht des Erbauers, hallo was ist denn da vorgefahren.
Elinor: Wo.
Theo: Nicht daß ich mich mit teuren Autos auskenne aber das ist bestimmt ein sehr teures.
Elinor: Jede Wette.
Theo: Entweder ist der Besitzer um die 50 glatzköpfig häßlich oder oder wenn er jung und attraktiv ist dann er hat das hier nicht mit seiner Hände Arbeit erworben, hab ich zu meiner Freundin gesagt.
Elinor: Theo.
Luke: Ja sie hat völlig recht ihre Freundin, das ist nur ein kleiner Vorschuß auf ein größeres Erbe.
Theo: Wie faszinierend.
Elinor: Und was werden sie erben Mr Sanderson.
Luke: Luc, bitte wie Theo und Elinor, nunja dies und das, diese exklusive Sommer-residenz zum Beispiel.
Theo: Ein guter Witz.
Luke: Leider nein, das Haus gehört meiner Tante Mord in London, genannt Erbtante und ihre Bedingung dafür es Dr Montague zu vermieten für sein Projekt war daß ich daran teilnehme, vielleicht hatte sie Angst die anderen könnten sich am Familiensilber vergreifen.
Theo: Und welche Farbe hat ihr Zimmer.
Luke: Sie werden es nicht glauben.
Theo: Nun.
Luke: Rosa.
Theo: Hahah.
Luke: Ja zugewiesen wurde es mir von einer Dame mit einem Gesicht, das ihr eine tragende Rolle in dem Film die Nacht der lebenden Toten garantieren würde.
Theo: Ja unsere gute Mrs Dudly.
Elinor: Und Dr Montague, wie ist der, kennen sie ihn.
Luke: Ehrlich gesagt, ich bin froh daß ich hier bin, ihrer Sicherheit wegen, er hat ja das muß man zugeben eine gewisse dämonische Faszination, etwas mephistofiles.
Montague: Hallo, schön daß sie schon alle da sind, das Abendessen wartet, kommen sie, ich bin Dr. Montague.
Theo: Mit blondem Bart.
Elinor: Und Goldrandbrille.
Montague: Es freut mich, wenn mein Erscheinen sie so fröhlich stimmt meine Damen auch wenn ich nicht ganz verstehe warum.
Luke: Jugendliche Gemüter Dr, die für ihre Heiterkeitsausbrüche keinen besonderen Anlaß brauchen.
Theo: Luke der Lügner, es wird spannend.
Montague: Der erste Abend. Mrs Elinor Vance, Mrs Theodora, Mr Luke Sanderson und ich, die beiden Frauen hoffentlich mit medialer Veranlagung, die Teilnehmer erhalten von mir die nötigen Informationen und lernen sich kennen.
Theo: Dr. erzählen sie weiter.
Montague: Wo war ich stehen geblieben.
Luke: Wir waren bei meinem legendären Urgroßonkel Henry Craine, dem Erbauer des Hauses und seinem naja sagen wir mal etwas seltsamen Charakter.
Montague: Ja, der arme Henry Craine, als seine Frau nach der Geburt des zweiten Kindes starb, verfiel er ganz der Melancholie.
Theo: Kinder, in dieser Plüschgruft sind Kinder aufgewachsen.
Montague: Zwei Mädchen, aber sie sind wohl auch nicht besonders glücklich geworden.
Luke: Das wundert mich nicht.
Montague: Die ältere Schwester blieb unverheiratet und wohnte im Haus und als sie krank und alt war nahm sie eine junge Frau aus dem Dorf als Pflegerin und Hausmädchen zu sich.
Theo: Grauenhafte Vorstellung so eine Arbeit machen zu müssen.
Montague: Nun ja die Leute hier waren sehr arm und es sah zunächst so aus, als bekäme dieses Hausmädchen für die verlorenen Jugendjahre wenigstens eine materielle Entschädigung, als die alte Dame starb vermachte sie ihr das Haus.
Theo: Wenn ich so was erben würde ich würd es sofort in die Luft jagen oh pardon Mr Sanderson.
Luke: Luke.
Theo: Luke.
Luke: Glauben Sie etwa ich habe die Absicht jemals hier zu wohnen, ich werde das Ding natürlich sofort verkaufen.
Theo: Falls sie einen Käufer dafür finden.
Elinor: Was wurde aus dem Hausmädchen, hat sie hier gelebt.
Montague: Ja aber nicht lange, die andere Schwester focht das Testament an und gewann, an dem Tag als sie den Brief mit dem Bescheid bekam erhängte sich die junge Frau.
Elinor: In dem Schiefen Turm.
Montague: Woher wissen sie das.
Elinor: Was, ich ich dachte es mir nur so, wenn wenn ich mich hier erhängen wollte, würde ich Gott entschuldigung ich rede dummes Zeug.
Luke: Nein nein sie hat völlig recht, der beste Ort hier für einen stilvollen Freitod ist der Turm, noch einen Martini für Elinor.
Elinor: Ja bitte danke.
Theo: Und, weiter.
Montague: Was bitte weiter.
Theo: Die Pointe ihrer Geschichte, die Leiche im Keller, der Mörder mit dem Beil.
Luke: Das Monster mit den spitzen Zähnen, naja was man so erwartet in einem Bauwerk wie diesem.
Montague: Sie spüren also auch die besondere Atmosphäre des Hauses.
Theo: Es ist besonders häßlich.
Luke: Naja, es ist nicht gerade ein architektonisches Glanzstück aber.
Elinor: Mir macht es Angst.
Montague: Angst wovor denn.
Elinor: Ich weiß nicht.
Theo: Gibt es noch einen Martini für Theo.
Luke: Aber gerne, oh nein, die Flasche ist leer.
Montague: Auf der Anrichte im Speisesaal steht noch eine.
Theo: Ich hole sie.
Montague: Nein.
Luke: Ich brauche noch ein bißchen Bewegung.
Montague: Nein Theodora, lassen sie mich lieber.
Theo: Ich habe keine Angst Dr.
Luke: Oder wir gehen zusammen.
Theo: Haha.
Elinor: Dr Montague, was sollen wir in diesem Haus, was erwarten sie von uns.
Luke: Tja Dr Schönheit und praktische Vernunft ein gefährliches Paar unsere Damen.
Montague: Glauben sie an Gespenster.
Elinor: Natürlich nicht.
Montague: Gut, das würde ich auch sagen wenn man mich so fragt, woran ich allerdings glaube ist daß bestimmte Kräfte die Psyche derart beeinflußen können, daß eine Art Rückwirkung auf deren Umgebung entsteht, können sie mir folgen.
Theo: Nein.
Montague: Tatsache ist, dieses Haus ist in all den Jahren seit dem Tod des Hausmädchens dutzende Male vermietet worden aber kein Mieter hat es hier lange ausgehalten und immer wieder mit den abenteuerlichsten Begründungen die Flucht ergriffen, zu trocken, zu feucht, zu stickig, zu zugig, magnetische Ströme, unterirdische Wasseradern usw ja und seit 10 Jahren steht das Haus leer.
Luke: Was ist denn jetzt. Also.
Theo: Elinor. Elinor.
Luke: Merkwürdige Hörspiele bringen die manchmal.
Elinor: Das ist kein Hörspiel.
Theo: Elinor, Luke.
Elinor: Theo.
Montague: Wir hätten sie nicht allein gehen lassen sollen. Wo sind sie.
Theo: Hier.
Montague: Wo denn.
Theo: Mach die Tür auf.
Luke: Da. Da da kommt die Stimme her. Hinter der Wand.
Elinor: Aber da führt kein Weg in den Nebenraum.
Theo: Kommt denn niemand.
Elinor: Theo. Theo.
Montague: Nein nein das ist der richtige Weg, hierhier, hierher.
Au.
Theo: Na endlich.
Luke: Alles in Ordnung.
Theo: Na klar mir gehts blendend.
Luke: Gut.
Theo: So gut wie es einem gehen kann wenn man gerade kopfüber in ein dunkles Zimmer gestürzt ist.
Luke: Also sowas, da sind ja Stufen zwischen den Zimmern, das ist aberwitzig.
Theo: Dann fällt diese verdammte Tür hinter mir zu und als ich sie endlich finde im Dunkeln ist sie abgeschlossen.
Montague: Das war sie nicht, sehen sie, dieses Zimmer hat 3 Türen mit Stufen, sie haben an der falschen gerüttelt, der Weg zum Speisesaal war das übrigens auch nicht.
Theo: Aber ich hätte schwören können, mein Ortssinn ist untrüglich.
Montague: Nein, sie haben schon im ersten Raum die falsche Tür erwischt.
Theo: Diese verdammte Haus, ich hasse es.
Montague: Ich habe den Weg erst mit dem Grundrißplan suchen müssen, tja liebe Freunde wir sollten eines daraus lernen, niemals alleine hier herumzustöbern.
Elinor: Vor allem Nachts, nachts wenn es dunkel ist.
Montague: Nach einigen weiteren Drinks haben sich alle zurückgezogen, erstaunlich wie still es hier draußen ist, auch bei offenem Fenster kaum ein Laut aus dem Park, es regnet wieder, auch fast lautlos, ich bin sicher, diese erste Nacht wird erwartungsgemäß verlaufen.
Elinor: Ist noch ein Schluck Kaffee da.
Luke: Ja gerne.
Montague: Nachdem wir alle ausgezeichnet geschlafen und nichts ungewöhnliches erlebt haben.
Luke: Nein halt ich protestiere, ich habe von Mrs Dudly geträumt, ja sie schwebte in einer grünlichen Aura auf mich herab und.
Mrs Dudly: Ich räume um 10 Uhr ab, es ist fünf nach 10.
Montague: Selbstverständlich Mrs Dudly, es war ein ausgezeichnetes Frühstück.
Luke: Und auch das Abendessen wirklich, war ausgezeichnet.
Theo: Ja wirklich wunderbar.
Elinor: Wir können heute abend das Geschirr auch selbst in die Küche zurücktragen.
Mrs Dudly: Ich räume am anderen Morgen ab, ich kenne den richtigen Platz für alles.
Montague: Also dann, auf zur Hausbesichtigung.
Theo: Unglaublich, Räume ganz ohne Fenster.
Montague: Davon gibt es noch vier, nein hier entlang, das ist eine Sackgasse. Luke wo sind sie.
Luke: Hier komme.
Elinor: Warum so viele verwinkelte und verdunkelte Räume.
Theo: Viktorianisch, damit man sich besser verstecken kann.
Luke: Verstecken und erschrecken.
Montague: Bitte kommen sie.
Elinor: Was war das.
Montague: Merkwürdig, ich hab alle Türen hinter uns offen gelassen.
Theo: Da schon wieder, ganz von selbst.
Luke: Ich werd jetzt überall Stühle in die Türen stellen.
Montague: Ich habe den Verdacht, daß die Türstöcke von anfang an etwas schief konstruiert sind, ja damit genau dieser Effekt eintritt.
Luke: Mit einer Wasserwaage könnte man das nachprüfen.
Theo: Elinor.
Montague: Alles in Ordnung mit ihnen.
Elinor: Ja, ich bin über den Schemel gestolpert, brauner Teppich, brauner Samt, ich hab ihn einfach nicht gesehen.
Theo: Ein tückisches Miststück von einem Haus.
Elinor: Ich will hier raus.
Luke: Als hätte ich Gleichgewichtsstörungen.
Theo: Meine Eltern haben mich mal auf dem Rummelplatz in so eine verrückte Hütte mitgenommen, da waren alle Wände ein bißchen schief und die Fußböden auch.
Luke: Gibt es da nicht eine Stelle, wo ein Luftzug den Damen unter die Röcke weht.
Theo: Mr Sanderson, mir war jedenfalls sterbenselend als ich wieder herauskam.
Montague: Wenn unsere Erwartungshaltung an Architektur, klare Linien, rechte Winkel, Aufteilung nach den Gesetzen von Symmetrie und Proportionen ständig enttäuscht wird, das erzeugt auch so etwas wie ein Schwindelgefühl.
Theo: Da haben wir es doch, dieses ganze Haus ist ein einziger Jahrmarktscherz.
Luke: Still hab ich Halluzinationen oder.
Theo: Nein, ich hörs auch.
Luke: Wo kommt denn das her.
Theo: Dr Montague was ist das.
Luke: Warten Sie, machen sie mal diese Türe auf und zu, auf und zu.
Theo: Luke bleiben sie hier.
Montague: Ich glaube ich weiß was er tun wird er nimmt die Stühle in den Türen weg.
Luke: Türen zu, kein Zugluft mehr, kein Geheul, Henry Craine der Irre hat sein Horrorkabinett mit allen Tricks ausgestattet.
Montague: Es könnte von den geschnitzten Gesichtern über den Türen herkommen, die Mundöffnungen als Schalltrichter.
Luke: Möglich, Metallzungen vielleicht.
Theo: Elenor, Elenor, wo ist Elenor.
Elinor: Mein Gott, haben sie mich erschreckt.
Luke: Also wer hier wen erschreckt hat darüber sollten wir jetzt lieber nicht streiten ja.
Elinor: Ich hab nur den Turm angeschaut, hier vom Balkon aus, er ist schief, ganz schief.
Luke: Sie hingen auch schon halb über der Brüstung.
Elinor: Mir ist ein bißchen schwindlig, sie müssen mich nicht festhalten, sie müssen nicht den edlen Lebensretter spielen.
Theo: Elinor, was war denn plötzlich.
Montague: Warum befolgen sie nicht meinen Rat und bleiben beisammen.
Theo: Ich werde dich heute nicht mehr aus den Augen lassen, das versprech ich dir mein Schatz.
Theo: Elinor bist du noch da.
Elinor: Natürlich.
Theo: Was machst du.
Elinor: Ich denke nach.
Theo: Über etwas erfreuliches hoffe ich.
Elinor: Ja über dich.
Theo: Sehr gut.
Elinor: Du bist hinreißend, zart und wunderschön, ich hasse dich.
Theo: Was hast du gesagt.
Elinor: Nichts.
Theo: Verdammt ich hab meinen Nagellack vergessen, hast du vielleicht welchen dabei, Burgunderrot.
Elinor: Nein.
Theo: Du benutzt auch kein Maskcara, Makeup, Lippenstift.
Elinor: Nein.
Theo: Das solltest du aber, du würdest gleich viel hübscher aussehen.
Elinor: Hübscher.
Theo: Nicht für einen Mann für dich selbst es ist ein gutes Gefühl sich zu schmücken, naja ich gebs ja zu ich übertreibs manchmal ein bißchen, schau nur an was ich alles mitgeschleppt habe, eine handbemalte Seidenbluse und das hier maßgeschneidert, meine schönsten Sachen zusammengerafft nur für diese blöde Haus, du warst viel vernünftiger, hast nur was schlichtes und praktisches mitgenommen.
Elinor: Du wirst es nicht glauben, ich hab auch meine schönsten Sachen zusammen.
Theo: Was sagst du. So und jetzt werde ich mir als erstes den Grundriß von Crains Hall abzeichnen, ich werde überhaupt so viel wie möglich zeichnen von den Abartigkeiten dieses Hauses und dich auch.
Elinor: Elinor zwischen Drachen, Furien, Chimären.
Theo: Nymphen, Putten, Grazien, bleib also stehen.
Elinor: Nein Theo.
Theo: Halt mal still. Du magst dich selbst nicht, warum.
Elinor: Bitte hör auf.
Theo: Ich hab das Gefühl, du solltest abreisen, so schnell wie möglich.
Elinor: Warum, mir gefällt es hier.
Theo: Eben, deshalb.
Montague: Der zweite Abend, die Teilnehmer beginnen sich an das Haus zu gewöhnen, auch Mrs Vance, die zu Beginn hochgradig verspannt und nervös war, wenn die mir bekannten Berichte über Crains Halls der Wahrheit entsprechen, müßte die zweite Nacht.
Elinor: Na Mutter ich hör dich, ja, ja, ich hör dich ja.
Theo: Elinor, Elinor, hast du es auch gehört, komm rüber zu mir.
Elinor: Was ist.
Theo: Pst. Da da ist es wieder, ich dachte ich hätte es nur geträumt, es ist kalt hier, es ist eiskalt, vielleicht der Dr oder Luke, gib mir noch ne Decke. Es kommt näher. Ist die Tür abgeschlossen. Ja. Es ist nur ein Geräusch. Geh weg. Ist mir kalt.
Elinor: Mir auch.
Theo: Wo ist Luke, wo ist der Doktor.
Elinor: Ich glaube. O Gott es weiß jetzt, daß wir hier sind. Du kommst hier nicht rein.
Montague: Da war doch Elenors Stimme.
Luke: Ja aber aus Teos Zimmer.
Montague: Hallo wir sinds.
Theo: Doctor, Luke, gott sei dank.
Luke: Ist alles in Ordnung.
Montague: Ist irgendwas passiert während wir weg waren.
Theo: Ja eigentlich nichts besonders, es hat nur irgendwas mit einem Brecheisen an unsere Tür geklopft weil es uns gern fressen wollte, und wo wart ihr, ihr furchtlosen Beschützer.
Montague: Wir haben einen Hund gejagt.
Theo: Einen Hund hier im Haus.
Luke. Ja einen Hund oder so was ähnliches, es war ein großes schwarzes Tier, ich habs nicht genau gesehen unten in der Halle, dann war es plötzlich weg.
Theo: Haben Sie denn das Klopfen nicht gehört.
Montague: Keinen Laut.
Luke: Wir dachten sie schlafen friedlich da oben bis wir sie schreien hörten.
Montague: Moment, Moment, sieht das nicht so aus, als wären ob Luke und ich mit Absicht weggelockt worden weg von ihnen, Freunde wir müssen auf der Hut sein.
Montague: Irgendetwas kommt in Bewegung, prompt oder fast ein wenig zu prompt, aber wichtig ist nur den Überblick zu behalten. Der dritte Tag.
Luke: Fällt ihnen nichts auf an unseren beiden Damen, Doktor.
Montague: Nein.
Luke: Sehen sie doch mal, unsere schöne Theo gleicht heute einer müden Rosenblüte, guten Morgen Theo, Eleinor dagegen sieht sie nicht ausgesprochen frisch ja geradezu stahlend aus, gar nicht wie jemand der so eine aufregende Nacht hinter sich hat.
Theo: Tu mir jetzt bloß nicht den Gefallen rot zu werden.
Luke: Doch, doch aufregende Nächte scheinen ihnen zu bekommen, Mrs Vance, ich finde sie sollten sich mehr davon gönnen.
Montague: Na ich hoffe wir haben einen ruhigen Tag. Ich will ihnen noch eine kleine Spezialität des Hauses zeigen, etwas das es in alten Gemäuern öfter gibt.
Theo: Die Falltür zur geheimen Folterkammer hoffe ich.
Montague: Lassen sie sich überraschen.
Elinor: Huch, kalt wie in einer Gruft.
Montague: Jetzt treten sie wieder einen Schritt zurück.
Elinor: Es ist weg, tatsächlich, kalt warm.
Montague: Für diese kalten Stellen in geschlossenen Räumen gibt es keine naturwissenschaftliche Erklärung.
Luke: Also wenn ich das Thermometer hinhalte zeigt es keine Veränderung.
Montague: Ja das sagte ich ja.
Luke: Dann ist diese Kälte hier ein ganz subjektives Empfinden.
Theo: Seien Sie mir nicht böse, aber ihre kalten Stellen lassen mich ziemlich kalt, ich möchte lieber eine Skizze von Haus machen.
Montague: Aber sie dürfen nicht allein gehen.
Luke: Ich würde sie gern begleiten aber Dr Montague braucht mich als Helfer.
Elinor: Das kann ich auch tun falls sie mir das zutrauen.
Montague: Selbstverständlich.
Elinor: Praktische Vernunft.
Theo: Ich habe nichts gegen Begleitung, ich brauche in den Räumen extra Licht.
Luke: Ich werde mein bestes tun.
Theo: Sie brauchen nur ihr Taschenlampe gerade zu halten.
Elinor: Es ist nicht einfach kalt, es ist, ich habe das Gefühl jemand will mir was antun.
Montague: Gehen sie raus aus der Kälte.
Elinor: Es ist ein ganz ähnliche Kälte wie gestern nacht als es an der Tür geklopft hat.
Montague: Haben sie das alles aufgeschrieben, nicht nur die Vorgänge auch ihre Empfindungen dabei und evt. Veränderungen die sie an sich selbst spüren, wissen sie, die Einfallpforte für Geister ist unsere eigene Psyche und wenn es da Schwachstellen gibt.
Luke: Doktor Montague, da ist etwas, das sie sich ansehen sollten.
Montague: Luke alleine, wo ist Theorora.
Luke: Sie ist auf ihrem Zimmer, kommen Sie.
Theo: Da, sehen sie sich das an, alles beschmiert, da, es ist eine Schweinerei.
Luke: Was ist das Dr, Blut.
Montague: Das glaube ich nicht.
Theo: Was soll ich denn jetzt anziehen.
Elinor: Das ist Farbe, rote Farbe aus deinem Malkasten.
Theo: Was, glaubst du etwa, ich verdrecke mir meine eigenen Sachen, da ist kein einziges Stück mehr heil. Du warst es, ja genau du warst es.
Elinor: Du bist ja verrückt.
Montague: Unsinn, Elinor war doch den ganzen Morgen mit uns zusammen oder.
Luke: Ich glaube schon.
Theo: Die Bluse kann ich wegwerfen, das krieg ich nie wieder raus.
Luke: Ich könnte mein Kashmirpulover anbieten oder den Seidenpyjama.
Elinor: Ich kann ihr auch was geben, allerdings nur was schlichtes und praktisches.
Montague: Schade, in der Stadt könnte ich diese rote Substanz chemisch analysieren lassen aber hier.
Elinor: Da an der Wand seht doch, das ist ein E.
Luke: Die ist ja auch beschmiert bis zu Decke.
Elinor: Der Buchstabe E, E wie Elenor.
Montague: Es könnte ein E sein, ja, sehr schief zwar.
Elinor: Wissen Sie, was das bedeutet, es kennt meinen Namen.
Montague: Es kennt die Namen von uns allen.
Elinor: Aber es meint mich, es steht da nicht T wie Theo oder L wie Luke sondern E wie Elinor.
Luke: Sie könnten sich ja gerade geschmeichelt fühlen von der Aufmerksamkeit dieses Haus.
Elinor: Ihr billiger Zynismus ist widerwärtig, ich würde ihnen zutrauen, daß sie das getan haben.
Luke: Was denn E wie Elenor an die Wand pinseln, ist das vielleicht eine geheime Wunschvorstellung von ihnen, soll ich E wie Elinor an alle Wände pinseln.
Montague: Ruhe Freunde, beruhigen Sie sich, merken sie nicht, Theo gegen Elinor, Elinor gegen Luke, wohin soll das führen.
Luke: Alle gegen Dr Montague, wohin denn sonst.
Elinor: Das ist ja ekelhaft, richtig widerwärtig, warum zeigen sie mir das.
Luke: Ich mußte es einfach jemandem zeigen, ich habs hier im Regal gefunden, die sieben Todsünden und ihre Bestrafung.
Elinor: Für meine beiden Töchter zu Belehrung und Abschreckung, eigenhändig illustriert von Henry Craine.
Luke: Diese Bilder, ein kranker.
Elinor: Glaubt mir, das alles tu ich nur zu eurem besten und aus tief empfundener Liebe für euch meine Kinder, ein Alptraum von einem Vater.
Luke: Tja besser so aufzuwachsen wie ich von einem Internat ins andere.
Elinor: Ich war zuhause bei meiner Mutter.
Luke: Sie glückliche, hab mir immer gewünscht.
Elinor: Ich brauche Luft.
Luke: Halt warten sie doch.
Elinor: Hat der arme kleine Junge etwa Angst allein mit Urgroßonkel Henry.
Luke: Immer schön zusammenbleiben, Befehl von Onkel Doktor, jetzt machen wir gemeinsam einen Spaziergang.
Montague: Der dritte Abend, Spannungen in der Gruppe, nur Mrs Vance wirkt erstaunlich ausgeglichen.
Elinor: Für mich war das Alptraum, dies Klopfen an der Tür.
Montague: Aber ein Alptraum, den sie mit Theo geteilt haben.
Theo: Allerdings.
Luke: Und das mit Theos Kleidern, ein Alptraum von uns allen.
Elinor: Die Flasche ist leer, ich hol uns eine neue.
Luke: Ach Elinor soll nicht ich.
Theo: Sie haben sich ganz schön Zeit gelassen Mr Sanderson, sie fürchten sich doch nicht etwa vor ihrem eigenen Haus.
Luke: Erwarten sie immer Heldentaten von Männern.
Theo: Nicht von jedem.
Luke: Wissen Sie, ich hatte ein paar Freunde, tollkühne Jungs, Teufelskerle, na ja, ich bin noch am leben.
Montague: Aha, heute haben wir Theo gegen Luke.
Mrs Dudly: Suchen Sie eine neue Flasche.
Elinor: Oh Mrs Dudley, sie sind noch da.
Mrs Dudly: Da steht sie.
Elinor: Ich werd die Auflaufform heute abend gleich saubermachen.
Mrs Dudly: Sie sind Drecksarbeit gewohnt, man sieht es an ihren Händen.
Elinor: Ich.
Mrs Dudly: Sie haben nie dumme Witze über das Haus gemacht.
Elinor: Nein.
Mrs Dudly: Aber sie fürchten es auch nicht mehr.
Elinor: Nein, ich fühle mich hier wie.
Mrs Dudly: Sie sollten gehen.
Elinor: Warum.
Mrs Dudly: Bevor es zu spät ist, gute Nacht.
Luke: Ich möchte jetzt einen Mozart zu Mrs Dudlys exzellenten Souffle naja oder.
Radio: Über die Rolle der Ilusion in unserem Leben.
Montague: Halt warten Sie Luke.
Radio: Daß sich kein Mensch längere Zeit dem Bewußtsein seiner reinen Realität aussetzen kann ohne Schaden zu nehmen. Träume, Tagträume, Illusionen sind unentbehrliche Schutzmechanismen der Psyche, schon bei höherentwickelten.
Luke: Scheiß Kasten.
Theo: Aber Mr Sanderson, wo bleiben denn ihre Manieren, die teure Erziehung.
Luke: Das ist doch unglaublich, kein einziger Sender geht mehr rein.
Montague: Eine atmosphärische Störung vielleicht.
Elinor: Nein.
Theo: Elinor, jetzt schleichst du dich schon an wie Mrs Dudley.
Elinor: Es ist das Haus, es isoliert uns von der Außenwelt, es will nicht daß wir etwas anderes hören als seine eigene Stimme.
Montague: Wenn ich den Eindruck bekäme, daß das Haus irgendeinem von ihnen gefährlich werden könnte würde ich ihn sofort nach Hause schicken.
Radio: Elenor Rigby.
Theo: Sie sagt immer zu Elinor. Elinor.
Montague: Der vierte Tag, ja es ist etwas in Bewegung geraten, ich spüre es, obwohl die Nacht ruhig verlaufen ist wie erfahrungsgemäß jede zweite Nacht in einem Haus mit übersinnlichen Erscheinungen, es gibt hier Manifestationen, aber anders als ich es erwartet habe, die Ahnung einer kühnen Theorie, Elinor Vance, wirklich bedauderlich daß ich mich ihr heute nicht gründlicher werde widmen können.
Theo: Elinor du hast dir die letzte Tasse Kaffee genommen.
Elinor: Ach entschuldigung, ich überlasse sie selbstverständlich dir.
Luke: Vorsicht, Mrs Vance, ist doch mein bestes Service.
Elinor: Ach Gott Luke plötzlich peinlich kleinlich.
Montague: Ja Mr Dudly ist leider etwas sparsam mit dem Kaffee.
Theo: Unerschrockener Luke könnten sie nicht in die Küche gehen und.
Luke: Abgelehnt, als ich gestern Mrs Dudly um eine zweite Kanne bat, da hat sie mich gemustert wie einen Schmutzfleck auf ihrer Sonntagsbluse.
Elinor: Ein Auto ist vorgefahren.
Theo: Nur eine Sinnestäuschung im Schatten des Hauses.
Montague: Ah das wird meine Frau sein.
Luke: Ihre Frau.
Montague: Ja, habe ich etwa vergessen ihnen zu sagen daß sie heute kommt, sie ist Spiritistin aus Leidenschaft, sie arbeitet mit einem Spezialgerät, um die Stimmen der Verstorbenen aufzunehmen, eigentlich wollte sie von Anfang an dabei sein.
Frau: John wo bist du.
Montague: Aber das konnte ich ihr ausreden. Hier meine Liebe.
Frau: Was für ein wunderbares Haus, ideal für übersinnliche Manifestationen.
Montague: Darf ich vorstellen, Mrs Vance, Mrs Theoroda, Mr Sandson.
Frau: Hatten sie denn schon Erfolge, na das macht nichts, mit meiner medialen Veranlagung werden wir die Geister der hier verstorbenen schon zum Reden bringen, ja das gelbe Zimmer hat diese Mrs Dudly gesagt, aber mein Gepäck steht noch immer da.
Montague: Ich bring es gleich nach oben.
Frau: Nein John, denk an deine Bandscheiben.
Luke: Darf ich vielleicht behilflich sein.
Frau: Ja, laß den jungen Mann das machen, oh vorsicht mit dieser Tasche, da ist mein Tonband drin, ein ausgesprochen sensibles Gerät, sie glauben ja gar nicht, wie es diese armen Seelen drängt sich uns mitzuteilen, ich sage immer, nichts ist kindischer als vor ihnen Angst zu haben.
Montague: Ja meine Frau, Spiritismus wie gesagt ihre Leidenschaft.
Frau: Wir könnten schon heute abend die erste richtige Seance abhalten.
Montague: Sonst ist wirklich wunderbar, eine wunderbare Hausfrau, Köchin, wirklich.
Elinor: Und keinen Pfennig Förderung bekommt unser Dr Montague für das Projekt, nicht mal vom Institut für Parapsychologie, er finanziert es ganz aus eigener Tasche, oder mit der Erbschaft seiner Frau, hat mir Luke erzählt.
Theo: Hat er dir auch erzählt, wie traurig es ist ohne Mutter aufzuwachsen.
Elinor: Du bist doch nicht etwa eifersüchtig.
Theo: Ich kann es nicht mitansehen, wenn eine Frau mit Verstand sich zum Narren macht, es tut mir weh.
Montague: Der vierte Abend, die Entwicklung ist an einem kritischen Punkt angelangt, zum ersten Mal habe ich das Gefühl, es könnte scheitern.
Montague: Danke Elinor.
Theo: Luke sie machen mich nervös.
Luke: Wahrscheinlich ist der Aparat kaputt.
Frau: John hab ichs dir nicht gleich gesagt es liegt nur an den richtigen Schwingungen, da, ich hab mich heute nachmittag intensiv konzentriert und ein paar Fragen an die Verstorbenen auf dieses Band gesprochen und wie ich es mir jetzt abhöre sind Antworten drauf, moment.
Frau: Was willst du, was willst du.
Frau: Sie antworten nicht immer gleich.
Frau: Was willst du.
Frau: Sie hat nach Hause gesagt, ganz deutlich.
Frau: Leidest du und worunter, leidest du.
Frau: Mutter, sagt sie das arme Ding.
Frau: Können wir dir helfen.
Frau: Ja das war das Ende der Aufzeichnung, John hieß eine der hier Verstorbenen das Hausmädchen vielleicht Helen oder Helena.
Montague: Nicht das ich wüßte.
Frau: Unsere Stimme, sie nennt sich Nelly.
Theo: Nelly ist auch eine Kurzform für Elenor, hat dich mal jemand Nelly genannt.
Elinor: Ja Vater aber das ist schon sehr lange her.
Frau: Haben sie denn Botschaften aus dem Jenseits empfangen, sind sie medial.
Theo: Also unsere Nelly braucht keine Botschaften aus dem Jenseits sondern einen Cognac und ein warmes Bett.
Montague: Ich schlage vor, Elinor schläft sicherheitshalber bei Theo und ich und Luke wir campieren nebenan, ich weiß nur nicht Ann ob du.
Frau: Mach dir kein Sorgen um mich, ich bleibe in meinem Zimmer, einem wirklich positiv denkenden Menschen kann nichts böses von diesen armen gequälten Seelen widerfahren.
Elinor: Wie lange geht das schon, eine viertel Stunde, eine Stunde.
Theo: Hör auf damit, hör auf. Was war das.
Luke: Das war die Vase im Gang, Ming Dynastie.
Theo: Bald sprengt es die Tür.
Montague: Sie haben immer noch nicht verstanden, solange wir ihm widerstehen wird auch die Tür standhalten.
Elinor: Es will mich, es will nur mich.
Theo: Kalt, Luke, bitte noch eine Bettdecke.
Luke: Besser so.
Theo: Nein.
Montague: Ganz ruhig.
Theo: Das Haus spielt verrückt.
Luke: Das Biest, das ist bestimmt mein bestes Service.
Elinor: Ich halts nicht mehr aus.
Montague: Nicht nachgeben, Elinor.
Montague: Ich glaube es ist vorbei, Luke ein Cocnag für Elenor.
Luke: Zuerst ein Cocnag für Luke.
Theo: Und bitte für Theo.
Montague: Und sie schreiben das auf, was sie erlebt haben, alle drei.
Theo: Was heute noch.
Luke: Sie haben vielleicht Nerven Doktor.
Montague: Der fünfte Tag, ich habe mich getäuscht, erfreulicherweise, die Manifestationen gehen weiter, also heute wieder ein Tag der Ruhe nach dem Sturm.
Frau: Gibt es noch Kaffee.
Montague: Ja hier meine liebste.
Frau: Ziemlich dünn, das hättest du dieser Mrs Dudly schon längst sagen sollen, aber ist das nicht merkwürdig, dieses Haus, von dem wir uns so viel versprochen haben, es war die ganze Nacht totenstill.
Theo: Hahah.
Frau: Ich finde die Erheiterung deine Assistenten ziemlich unpassend, ich fürchte du hast dir da recht oberflächliche Charaktere ausgesucht, dabei ist es doch deine These daß nur mit ganz besonderen Persönlichkeiten übernatürliche Erscheinungen.
Montague: Oh Mrs Dudley, guten Morgen.
Luke: Offensichtlich haben sie noch genügend heiles Geschirr für uns gefunden.
Mrs Dudly: Ich weiß nicht wovon sie reden.
Frau: Da geht es ihnen wie mir, Mrs Dudly, es ist kein Kaffee mehr da.
Luke: Mrs Dudly räumt um 10 Uhr ab, es ist fünf nach zehn.
Mrs Dudly: Ich bringe ihnen gleich noch eine Kanne.
Frau: Bißchen stärker bitte, wir zahlen nicht gerade wenig für die Pension hier.
Theo: Elinor, wir sollten endlich unser Picknick organisieren als Abschiedsessen, ich fahre morgen, ich mag nicht mehr, ich will nach Hause.
Elinor: Theo, was hältst du davon, wenn ich mitkomme zu dir, in deine Wohnung, ich hause in einer Abstellkammer bei meiner Schwester mit ihrem vulgären Mann und mit ihrem verzogenen Sohn ich hasse sie.
Theo: Dann zieh doch aus.
Elinor: Wie denn.
Theo: Du hast doch ein Beruf.
Elinor: Ich bin schon seit Jahren arbeitslos. Bitte nimm mich mit.
Theo: Das geht nicht.
Elinor: Ich brauch nicht viel, ein Klappbett in deinem Laden, ich werd mich nützlich machen, ich hab das Auto ohne Erlaubnis genommen, ich kann nicht zurück zu meiner Schwester.
Theo: Elenor.
Luke: Eleonor ist doch ein wunderhübscher Name, das eignet sich dazu mit Pathos ausgesprochen zu werden, stör ich irgendein Zerwürfnis zwischen den Schwestern.
Theo: Das kann man wohl sagen, ich frage Elinor, ob sie mit mir Picknick unten am Bach machen möchte, und sie sagt, sie haßt Picknick.
Luke: Picknick ich liebe Picknicks, ich weiß nicht ob sie mich als Ersatz akzeptieren.
Theo: Ich kann es ja mal probieren. Was besorgen wir uns denn zu essen.
Luke: Kaltes Huhn und Schinkenbrote.
Theo: Schololadenkuchen.
Luke: Ja. Harte Eier. Das Salz vergessen. Aber keine Plastikbecher.
Elinor: Ist die Reise zu Ende reichen wir uns die Hände, wenn der Abend kommt.
Elinor: Was ist das. Wach nur auf Theo Tausendschön. Aus dem Bett Leo Lügner, Dr. Montague, Poltergeist für Mrs Montague.
Theo: Eleonor ist weg.
Montague: Da da ist sie.
Luke: Im schiefen Turm natürlich.
Frau: Was in aller Welt tut diese verrückte Person da oben.
Theo: Elinor warte, nicht weitergehen, ich komme.
Montague: Bleiben Sie hier, sie kann gar nicht weiter nach oben klettern, die Treppe zum Turm ist auf halber Höhe zusammengebrochen, ja, ich hab es nur vergessen es ihnen allen zu sagen.
Luke: Der Rest der Treppe auch noch runter.
Montague: Klettern sie zurück Elenor aber vorsichtig.
Theo: Du mußt sie holen Luke.
Montague: Ich bin dafür verantwortlich, ich hole sie.
Theo: Luke bitte.
Luke: Ihre Frau hat recht, ich mach das.
Frau: Du hast dich ja geweigert, die charakterliche Eignung zu prüfen.
Theo: Bleib ruhig Elenor ganz ruhig.
Luke: Elinor, Elinor, schau mich an, so jetzt gib mir die Hand, ja.
Elinor: Ich hatte doch nur einen Alptraum, das hätte jedem passieren können.
Luke: Der Koffer ist im Auto.
Montague: Steigen sie ein, Mrs Vance.
Elinor: Aber sie können mich doch nicht wegschicken.
Frau: Fahren sie vorsichtig. Ich habe mit ihrer Schwester telefoniert, sie war schon sehr in Sorge wegen des Autos.
Elinor: Dr Montague.
Montague: Verstehen sie denn nicht, sie sind hier in Gefahr.
Elinor: Das ist Unsinn, das wissen sie doch, ohne mich läuft ihr Projekt nicht mehr, außerdem ist es nicht ihr Haus, sie können mich nicht wegschicken.
Luke: Dr Montague handelt im Einvernehmen mit mir als Hausherr.
Theo: Du brauchst Abstand.
Elinor: Nein.
Theo: Du mußt das alles erst mal vergessen, dann können wir später irgendwann.
Elinor: Aber ich kann hier nicht weg, ich war glücklich hier, ich bin seit 20 Jahren nicht mehr glücklich gewesen.
Montague: Glauben Sie mir, es ist zu ihrem besten.
Elinor: Aber wohin.
Mrs Dudly: Fürchten sie sich nicht, fahren sie nach Hause.
Elinor: Ja wohin denn sonst, danke Mrs Dudley danke, danke.
Theo: Verdammt, ich hätte sie nicht alleine fahren lassen sollen.
Montague: Ich hatte mir auch schon überlegt ob ich sie nicht.
Frau: Was macht denn diese Person jetzt schon wieder.
Luke: Sie hat gewendet, sie kommt zurück, zurück zum Haus.
Mrs Dudly: Nach Hause.
Montague: An das Institut für Parapsychologie, das Experiment, das so viel versprechend begann, ist leider mit einem gewaltsamen Ende gescheitert, es ist mir nicht gelungen, die übernatürlichen Manifestationen auf Crains Hall wissenschaftlich zweifelsfrei zu dokumentieren, poetisch ausgedrückt könnte man sagen, das Haus hat sein Geheimnis bewahrt, man kann wohl wirklich nicht vorsichtig genug bei der Auswahl der Mitarbeiter sein, meine Frau und ich werden das beim nächsten Projekt noch stärker berücksichtigen, Sittley Rectory in Suffolk, ein Pfarrhaus aus dem 18 Jahrhundert...
Roter Stern (BR/SFB 1992)
Hörspiel von Simone Schneider
Liebste Lilina, 50.000 Tonnen schwer und höher als das Warenhaus Die Welt des Kindes in den Himmel über Moskau ragt, Lilina, mein erster Wolkenkratzer naht. Vor den Ufern Sewastopols schwimmt New World New York, zwei Klassen und zwei Schornsteine, bunt geflaggt zu Blasmusik auf schwarzem Meer tanzt Roter Stern. Pack deine Tränen in einen Sack und schick Sie mir nach Amerika. Ozean der Fanatiker, reißt sich die blaue Bluse auf, um mich in eine andere Welt zu schaukeln, Lilina, adieu, dein Hündchen.
Wladimir auf dem Weg in seine Bordkabine.
Tief ist der Ozean. Der Ozean ist eine Sache der Vorstellung. Was unterscheidet ein Ufo von einer schwebenden Ikone? In Moskau setzt man ganze Häuserblöcke auf Räder. Auch das ist eine Sache der Stadtplanung. Im 30. Jahrhundert sind wir die Metropole im Kosmos. Bis dahin wird gearbeitet. Haben Sie Metropolis gesehen? Ich träume oft von Grenzüberschreitung. Zur linken der Nordpol, zur rechten der Südpol, vor uns eine neue Welt und unter uns das versunkene Atlantis. Diese Vorstellung heißt Ozean. Gibt es hier Ungeziefer? Ohne das Wasser wäre es fad. Ich sehe lange Wellen, kurze Wellen, lange Wellen. Wanzen sind wasserscheu. Man wird sich die Zeit vertreiben müssen. Kotzen zum Beispiel. Die erste Klasse kotzt wohin sie will, das ist ja klar. Die zweite kotzt auf die dritte und die dritte bekotzt sich selbst. Seit wann gibts hier Klassen?
Ja bitte?
Ein Brief für Wladimir Bombrowitsch.
Vielen Dank.
Liebster Freund, durch dieses Loch betrachtet sieht unser Rußland so klein aus. Wer schwimmt hier eigentlich? Ich oder der Kontinent? Ja, ich bin ein Schwärmer, wenns ums Reisen geht. Mit einer Schiffsreise ist selbst die Reise durch den Tod bei weitem nicht zu vergleichen. Wie unbeschreiblich schön muß erst die Reise zu den Sternen sein, dorthin, wo der neue Mensch die Fesseln der Schwerkraft auch noch abschütteln kann.
Können Sie mir den Weg ins Bordkasino erklären?
Man sagt, die Kosmofuturologie sei realistische Phantastik. Die Tür zum All sei längst schon aufgestoßen, doch ist der Durchgang noch nicht öffentlich.
Nein.
Wieviel grenzenloser darf sich da bereits die Tierwelt fühlen? Affen, Katzen, Hunden, Meerschweinchen, ist der Weg zu den Sternen von Geburt an frei.
Vielen Dank.
Während die Maschinen arbeiten, fliegen die Tiere durchs All. Fast alle Hunde kommen in den Himmel und wollen aus diesem auch nicht mehr zurück.
Wladimir auf dem Weg ins Bordkasino.
Bei den Aristokraten verhält es sich nicht anders. Auch sie bleiben lieber an der Riviera. Sogar aus Sibirien kommen nicht alle wieder. Die übrigen stehen vorerst über den Wodka in den Tourismus ein. Festlich und glücklich die sorglose Existenz des Menschen im 30. Jahrhundert. Bis dahin werden wir uns die Zeit vertreiben müssen. Ich warte im Bordkasino auf Sie. Ihr Michael Svoboda.
Bitte einen Wodka.
Wir schließen.
Aber all die Leute.
Personal.
Haben Sie sonst noch etwas anzubieten?
Einmal muß der Erlöser kommen. Sein Bild hängt lang genug schon neben der Ikone. Wie so oft bei ähnlichen Anlässen bleibt da die Ernüchterung nicht aus.
Vielen Dank.
Wladimir auf dem Weg in seine Bordkabine.
Davos sucht eine Persönlichkeit. Was ist das? Mit Führungsqualitäten und guten Verbindungen. Lenin kam auch aus Zürich damals. Kein Regentröpfchen weit und breit. Voraussetzungen sind Durchsetzungsvermögen, Verhandlungsgewandtheit und Kreativität. Der Forschungsbereich Schnee und Lawinen umfaßt die Sektionen Wetter, Lawinen und Schnee. Ein Fluß fließt in die Richtung des geringsten Widerstandes, spült weg, was er wegspülen kann, umgeht, was er umgehen kann, selbst wenn es nur ein Misthaufen ist.
Liebste Lilina, sei nicht traurig, ich nehme an.
Was verstehen die unter Persönlichkeit.
Man hat mir vertraglich zugesichert, daß ich nicht zu sterben brauche. Die erste Allunionsversammlung wird in einem schwimmenden Palast vor den Kulissen des Uralsees stattfinden.
Schneedecken, Wetter und Lawinenwarnung sowie Kenntnis in der Physik von Schnee und Eis sind erwünscht.
Wladimir nennt sich erster Präsident des Erdballs. Als Rangabzeichen mag man ihm ein kleines Flugzeug auf die Stirn. Ich, ich werde den Vize machen und male mir ein Hündchen auf die Wange.
Die einzig unverpfuschte Revolution war die Sintflut.
In meinem Antrittsreferat behandle ich zentrale Themen unserer neuen Politik. Punkt eins: Man muß den Hunger in der Welt abschaffen.
Ausgeschrieben von der eidgenössischen Anstalt für Wetter, Schnee und Lawinenforschung.
Dazu sind alle fischreichen Seen zum Kochen zu bringen und die Suppe wird im eingefrorenen Zustand in die ganze Welt verschickt. Punkt zwei: Die Affen müssen in die Menschenfamilie eingegliedert werden mit vollem Bürgerrecht. Ja bitte?
Ein Brief für Wladimir Bombrowitsch.
Vielen Dank.
Liebster Freund, ich ließ Sie warten, das tut mir leid. Auf dem Weg zu Ihnen traf ich Anne Kellermann und ihre Nixen, doch die Begegnung war im speziellen Fall auch eine bittere Enttäuschung. Diese Amerikanerinnen. Aber die Freiheitsstatue ist ja auch keine Frau. Aus ihren Augen kann man sich bestenfalls hinunterstürzen.
Möchten Sie einen Wodka?
Ich hörte allerdings, daß den wirklich mutigen Sekunden vor dem Aufprall aus Dollarscheinen Flügel wachsen. Mit jeder Leiche steigt der Kurs.
O ja bitte.
Man sollte auf Liberta setzen.
Ohne Wodka wäre Rußland ein Land ohne Lächeln.
Ich für meinen Teil halte mich vorerst an das Duplikat, ein reizendes Geschöpf, mit einem Variete reist sie als Statue of Liberty durch die Allillusionsländer, so nennt sie unseren neuen Staat.
Ja. Können Sie mir sagen, wie ich zur Kabine von Dr. Svoboda komme?
Sie redet wie eine Maschine und ist dabei anhänglich wie der Lieblingshund von Dr. Pavlo, das verrückte Tier.
Nein.
Kommen Sie mich besuchen. Ich warte in meiner Bordkabine auf sie.
Vielen Dank.
Ihr Michael Svoboda.
Wladimir auf dem Weg in die Bordkabine von Dr. Svoboda.
Gehen Sie ins Hypodrom. Eine Million Dollar im Jahr. Chaplin verdient mehr. Sucht man dort Persönlichkeiten. Ein Riesensaal, 5000 Menschen, die Bühne ist breiter als die Rampe im Theater der Nationalen Volksarmee. Wie viele 100.000 Dollar kostet so eine Show? Für Provinzler ist es billiger. Die berühmte Schwimmerin Anne Kellermann zeigt mit ihrer Truppe das Unterseereich. Die Bühne wird in ein riesiges Aquarium verwandelt und in grünes Trikot gekleidete Frauen stellen spielende Nixen dar. Danach kommt die Nummer mit den gelehrten Hunden. Die hat Sladilaswki einstudiert.
Entschuldigen Sie, ich glaube, ich habe mich verirrt.
Na so was.
Von außen sieht es aus wie ein Zementwerk. Aber drinnen, da tobt das pralle Leben. Mit unserem Sowjetclub ist das gar nicht zu vergleichen.
Ich suche die Bordkabine von Dr. Svoboda.
Realistisch betrachtet habe ich den Anschluß da schon verpaßt. So richtig ungezwungen kann ich mich eigentlich nicht mehr freuen.
Wer sind Sie denn?
Wladimir Bombrowitsch.
Horrende Eintrittspreise, denk ich mal.
Ich bin der Heizer.
Sind Sie nicht der Kellner?
Manchmal wird die Bühne auch in eine alpine Eisbahn verwandelt. 4 bis 5000 Arbeiter zeigen ihre Meisterschaft im Schlittschuhlaufen, Rodeln oder Skifahren.
Sie sind hier in der Bodenversenkung Nummero 15, stellen Sie also keine Fragen.
Wie bitte?
Vor der Wirklichkeit gibt es die Symbole. Sie verstehen schon? Alles falscher Zauber.
Ach so.
Kennen Sie die berühmte Melodie der amerikanischen Soldaten: Its a long way to Tipperary?
Alles läuft nach Plan. Wenn Ilan Illnitsch die letzten Takte seiner Heimatschnulze abgepfiffen hat, ertönt das Nebelhorn und der Inspizient gibt den Jungs auf der Seitenbühne das rote Zeichen, die stürmen von links und besetzen die Rampe, währenddessen fährt mein Podest hoch und von der Brücke fällt ein roter Lichtkegel auf mich, Wladimir wirft mir vom rechten Portal aus eine Schaufel zu, sie fliegt im hohen Bogen durch die Luft, im Orchestergraben ertönt ein Trommelwirbel, ich fange die Schaufel auf und eine Sekunde lang herrscht Totenstille, dann gebe ich den Auftakt zur 38. Heizerinternationale.
Hello, bourgeois, nice to see you, you volkstümlicher Spießer.
Träum ich? Wer bist du denn?
Wladimir folgt der Amerikanerin. Ihm folgt der Kellner.
Zwischen Erlöserturm und Kathedrale kriecht eine Schlange über den roten Platz. Hipp Hipp Bolschewik. I’m a Bolschewik. Hipp Hipp. Alle Macht den Sowjets. Ein gewürfeltes Wort des Herrn unter der Tribüne wie König Mauselos von Halikanas, die Zukunft im Reich der roten Sternchen, kein Mensch zahlt hier Wegzoll, die Welt ist groß genug für alle Lebenden, einschließlich der Toten. Die Moskauer Metro saust um die Erdball, sieben Quader ineinander gesteckt um daraus den babylonischen Turm zu bauen, 400 Meter plus 70 Meter, Lenin hieß es später dann, der Anfang war fast ebenerdig, roter Granit, rosa Marmor, schwarzer Labrador, aus Armenien Karfunkelstein, davon steht Wache Nummer Eins. Adamsäpfel hüpfen zwei Treppen in die Tiefe hinunter ins Grab. Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik. Hipp Hipp. Woher kommt das Licht? Aus Wachsen Pergament ein Kopf, Triumph der Technik an dem die Schlange vorbeikriecht.
Darf ich Sie ein Stück begleiten?
Woher nur dieses Leuchten? Ha, die Kleine war.
Haben Sie einen Brief für mich?
Ein Kopf und zwei Hände über einer dunklen Decke, fordern die strikte Einhaltung aller Temperatur und Feuchtigkeitsfaktoren.
Nein, ich folge Ihnen ganz privat.
Die Schlange kriecht durch das Gewebe, irgendwas zwischen gelb und grau.
Warum?
Die Mumifizierung des Mussek. Die Methode der Konservierung ist Staatsgeheimnis. Kein über das Gesicht gelegtes Brustbild, ganz ohne Eingeweide wird er täglich zur Ikone gespritzt. Wo also ist dein Herz, Genosse Parteiführer? Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik. Hipp Hipp. Im roten Trauerzug marschieren schon Hammer und Meisel, der Steinhauer schnauft, da freut sich der Steinmetz, Bulgarien, Kuba, Smolensk, Boltera, Kimeroko, Berbia und in der Ukraine, 9 Meter hoch, 12 Meter breit, und 6 Meter tief, aus weisem Granit, dassehrseht.
Irgendwann muß der Erlöser kommen.
Über die kleinen redet er erst gar nicht.
Das sagten Sie bereits.
Alle aus weißem Marmor und ähneln einer Sphinx mit ausgebreiteten Flügeln, das Bilestal aus Bronze, blicklose Augen und schattenhaftes Lächeln, das Lächeln verwittert.
Sind Sie sicher, daß Dr. Svoboda Sie heute noch treffen?
Rotarmist vor Sonnenaufgang. An einer Brust klingeln die Orden, auf dem Schreibtisch zwei Telefone. 8 Meter hoch, 8 Meter breit, und 9 Meter tief.
Ich betrachte die jetzige Lösung nicht als endgültig.
Ich fürchte, mein Marx wird das nicht überleben.
Bald stirbt der Apparat. Was wird nach ihm kommen?
Im Kirchenschiff aus weißem Marmor riecht es nach Weihrauch und Knoblauchzehen, nach gerechtem und nach Ungerechtem Gewinn, am Kiosk verkauft der Pope Weihwasser, wir haben schwer gesündigt.
Trägheit, Schlendrian und Sabotage vielleicht.
Am Horizont die Wohnmaschinen der Vorstädte.
Denken Sie, ich bekämpfe das Kapital.
Vor ihnen blüht der Stammbaum der Romanows.
Das ist falsch.
Die Schlange windet sich wund um diese grauen Äste.
Ich begreife es nicht.
Da knallt der eiserne Rollvorhang im Kongreßpalast runter, Parteiführer und Goldgrund blicken in die Zukunft, ohne Gnade, wir leben nicht im Paradies, nur im Wunschland gibt es Ordnung, Reichtum, Zivilisation.
Dem Christus Dostojewskis gehört das nächste Jahrtausend.
Ihre Sorgen möchte ich haben. Auf den roten Läufern herrscht Geschäftigkeit, wie eh und je. Etwas kann ganz plötzlich verschwinden.
Auch ich nehme kein Trinkgeld.
Daraus schlagen die Devotionalienhändler Gewinn. Die Schlange kriecht so lange zu Boden.
Gibt es hier einen Postkasten?
Seit Rosengedenken haben wir noch nie einen Gärtner sterben gesehen, rufen die Rosen.
Meine Seele wurzelt in jener Tiefe, die nicht rechnet.
Und wer schnitt sich die Adern auf, um mit seinem Blut das Beet zu tränken? Ich bin ich, weil mein Hund mich kennt, sagt da die Dame aus Amerika und gleichzeitig stellt sich die Frage: Hat irgendein Franklin Roosevelt irgendeine Identität?
Und was machen Sie hauptberuflich?
Nebenan wird gehämmert, ein arbeitendes Parlament, kein Dokument belegt den Wunsch nach Einäscherung, wir enthüllen täglich Fälschungen.
Revolutionär. Kellner mach ich nur als Aushilfe.
Zwölf Bände in roten Leder gleich neben der großen Allillusionsausstellung, in der der Mensch das Maß aller Dinge ist.
Was unterscheidet ein Ufo von einer schwebenden Ikone?
Lenin hat es am Anfang auch nicht abgelehnt.
Der Treibstoff, nehm ich an.
Damals tagte hier die Kommintern. Zwei Molotowcocktails für eine Leiche, der Mann war nicht geistesgestört, sagt Prawda. Arme aller Länder, vereinigt euch. Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik, Hipp Hipp. Exuntropia liegt in einem gläsernen Sarg an der Kremlmauer, über die Bühne des Mausoleums jagt die Führung fluchtartig, wer spielt schon gern auf einem Totenschrein Theater. Wachablösung auf dem roten Platz, Blondinen mit knatternden Fahnen.
Sie wirken schlecht ernährt und unterbezahlt.
Hinter ihnen torkelt die Maiparade. An goldenen Schnüren hängen die flaschengrünen Uniformen.
So als hätten Sie schon lange keinen guten Film mehr gesehen.
Schwankend tanzen sie den Trauermarsch. Einmal zu jeder vollen Stunde, seit 1924 bis die Glocke vom Erlöserturm endlich die letzte Stunde schlägt, seit 37 Jahren 24 mal täglich bleibt die Leiche eine halbe Sekunde unbewacht, 112 Tage im freien Totenbett nach neuer Zeit, och was sollen mir die roten Sterne auch.
Auch der Sputnik hat der seelischen Perspektive der allgemeinen Weltsicht nichts geändert.
Auf einer gerippten Säule steht in 46 Meter Höhe der erste Mensch im Kosmos, ganz Titan, zu seinen Füßen der Müllcontainer.
Ganz im Gegenteil.
Stehen die Denkmäler vergangener Epochen.
Sie verstehen mich.
Bald reiten Blauhelme den Labrador, das ist das 30. Jahrhundert.
Ich suche einen Postkasten.
Die Gottesdienstzeiten sind an der Tür angeschlagen, soweit die Kirchen arbeiten, dahinter fliegende Ikone auf mehreren Etagen der Erde, Rolltreppen in Überschallgeschwindigkeit, aber auch wunderbar erhaltene Bären und Mammuts aus der Eiszone werden gezeigt.
Wladimir schließt sich dem roten Trauerzug an. Es endet in einer Katastrophe.
Die Schlange steht vor dem Lebensmittelmagazin. Hier herrscht der wahre Kommunismus. Die Straßen werden von 20 auf 60 Meter verbreitert, und auf dem Marx-Prospekt endete der Trauerzug in einer Katastrophe, mit Tausenden von Toten und Verletzen, und die Schlange frißt sich durch den göttlichen Supermarkt. Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik, Hipp Hipp.
Liebste Lilina, die Dreharbeiten richten hier größeren Schaden an als die Revolution selber. Es gibt Tote und Verletzte, die umliegenden Hospitäler sind überfüllt. Heute fing die Arbeit mit einem Radrennen über die Dächer Moskaus an, danach brachte ich eine Zarenstatue mit Stricken und Seilen zum Umstürz, die sich aber wenig später von selber wieder in ihrer ursprünglichen Gestalt aufrichtete, der Gulag schnarcht auf seinem Lager, währenddessen verhungert die Kuh, und ich spanne mich selber vor den Pflug. Später schlendern Wladimir und ich durch die Zurareskaja, der Zauberverkäufer begegnet uns wieder und stellt erneut eine Denkaufgabe.
Haben Sie den letzten Film mit Selinski gesehen?
In seiner kleinen Flasche sitzt jetzt ein großer Affe.
Das Leben eines Hundes.
Wie ist er wohl hineingekommen?
Die Szene mit den Würstchen rührte mich zutiefst.
Endlich muß ich sagen: Dieses Rätsel wird Geschichte machen. Da werden wir auf dem Weg zum Kreml von einem roten Leichenzug überfallen.
Der echte Chaplin ist um Klassen besser.
Gefesselt wachen wir im Lesesaal der Rotarmisten wieder auf.
Aber zu teuer.
An der Wand hängt als hölzernes Relief die Karte Europas. Dreht man an einer Kurbel, so leuchten in chronologischer Reihenfolge rot die Punkte auf, an denen Lenin gelebt hat.
Danach grub er die von den Räubern vergrabene Brieftasche aus. Zum Glück.
Doch der Apparat funktioniert nicht, alle Punkte leuchten gleichzeitig.
Die Regierung kauft nur Ramsch ein. Alles Verschnitt.
Das ist der Geist der Revolution. Sagt der Kellner. Ja bitte.
Ein Brief, für Wladimir Bombrowitsch.
Aber zum Beispiel dieser Film über die Torfgewinnung als Sieg über den Brennstoffhunger.
Vielen Dank.
Sieh da, wie der Zug mit den rebellierenden Gefangenen nach Überschreiten der sowjetischen Grenze senkrecht nach oben durch das Bild fährt, direkt in die Sonne? Das ist aus Die Schöne und der Bolschewik. Ach ja, als der dekadente Graf seiner Geliebten nachts die Zähne in die Halsschlagader haut, zünden die Bauern sein Gut an. Moskau steht in Flammen.
Liebster Freund, sahen Sie den Walfisch an uns vorbeiziehen?
Ja, der kleine Hund verteidigt seine Knochen also mutig kläffend gegen die anderen Arbeitslosen.
Auf seiner Atemfontäne tanzte eine Funkelfee. Ihr weises Haar legte sich wie ein Schleier vor meine Perspektive, der Horizont verlor seine Umrisse und ich steckte im dicksten Nebel.
Es endet jedenfalls damit, daß drei sowjetische Bürger zum Mars fliegen und dort eine Revolution auslösen. Dort fand ich ein altägyptisches Rezeptbuch, es enthält eine Anleitung zur Mumifizierung der Pharaonen.
Billigste Exportartikel.
Drei blies das Horn und über den roten Stern zog ein Sternenbanner, ich sah die Sinfonie der Welten.
Aber danach fällt der kleine Hund dann leider selber in die Wurstmaschine.
Als der Himmel wieder klar war, erreichte mich ein Funkspruch aus Moskau, der Erdball ist rund, willkommen in der Steinzeit, lautete die verschlüsselte Botschaft. Vergessen Sie Hollywood, kommen Sie in den Funkelraum, unser Sternenreich ist doch die schönste reinste Illusion, beeilen Sie sich, ihr Michael Svoboda.
Wladimir auf dem Weg in den Funkelraum.
Halt, keinen Schritt. Hier sind Sie im Maschinenraum.
Ach ja, Sie sind der Heizer.
Ich bin Schauspieler.
In welchem Stück?
Ich bin ein Diener des Proletkults, unser Stück heißt Geschichte, ich spiele die Rolle der Zeit.
Kommt in ihrem Stück ein Postkasten vor?
Wenn Moskau in Flammen steht, brennen auch die Briefe.
Moskau in Flammen?
So heißt unser Stück.
Fackeln Sie die Bühne ab?
Wir spielen auf einem gläsernem Sarg, vier Personen treten auf, auf ihren Gewändern liest man die Leuchtziffern 1 9 0 und 5.
Hipp Hipp Bolschewik.
Sie nehmen nebeneinander Aufstellung und bilden so das Jahr 1905.
Sie ruft mich. Liberta, Süße.
Über die Längsseite des Sarkophags marschieren Soldaten auf und tragen eine der Länge nach gestreckte Rose, das Band ohne Ende verschwindet im Schloßportal. Darüber die Aufschrift: Waschfrau seiner Majestät. Auf der Szene erscheint ein überaus musikalischer Clown mit einer großangelegten, schief aufgesetzten Krone.
Hipp Hipp, Bolschewik.
Er singt, auf einer leeren Wodkaflasche klimpern. Den Clown verdeckend erscheint ein Manifest, von Gottes Gnaden, Wir Nikolaus der zweite usw. Polizeigeneral.
Sie folgt mir, will sich mit mir verabreden.
Der Justizminister schwingt seine riesenhafte Tatze und stempelt mit allen fünf Fingern übers Manifest. Auf dem Sarg spielt sich ein Tanzfest ab. Die Militärkappelle schmettern, Studenten, Fräuleins, Frauen, Weiber, Krankenschwestern, Serviererinnen, Amerikanerinnen, haben Sie nicht einen Termin bei Dr. Svoboda?
Dr. Svoboda kennt meine Prioritäten.
Wie Sie meinen. Zwei Tische voller Weinflaschen sind so aufgestellt, daß zwischen ihnen ein Zug von Häftlingen samt Eskorte hindurchmarschieren kann. Die Gesichter der Begleitsoldaten sind Hundeschnauzen. Die Häftlinge ziehen vorbei, wieder spielt die Musik, dann stellen sie die Gläser ab und bauen aus Kartonmanifesten ein riesiges Kartenhaus.
Was sagt sie nur?
Auf der ganzen Sargeslänge erscheinen Polizisten. Es zeigen sich der zwergenhafte Zar, die Zarin, und etliche Minister. Alle blasen die Backen auf und beginnen aus Leibeskräften zu pusten. In diesem Moment fliegt eine Bombe auf die Szene. Die Bombe explodiert und streut Flugblätter mit einer Proklamation, von verschiedenen Ecken und Enden laufen verschiedene Leute auf verschiedene Art durcheinander.
Ich bin ich, weil mein Hund mich kennt?
Ein Arbeiter klebt dem Schutzmann ein Flugblatt auf den Rücken. Gelächter. Die Polizisten klettern plump mit Säbeln und Revolvertaschen. Auf langen mageren stelzenhaften Beinen kommt riesenhaft ein Arbeiter heran. Flügelartig sind an seinen Ärmeln breite Bänder befestigt, mit der Aufschrift Streik. Die Maschinen stehen still.
Streik. Die Maschinen stehen still. Nur die Amerikanerin spricht. Moskau in Flammen. Ganz Rußland spielt Theater. Von links nach rechts bewegen sich alle zwischen den stelzenhaften Beinen des Arbeiters hindurch. In der Mitte die Büste Napoleons, das Bett der Zarin ist überfüllt von bewaffneten Rotgardisten: unterste Lage der in Ketten gelegte Arbeiter, zweite Lage, das habgierige Beamtentum, dritte Lage die Popen, Mullas, Rabbiner, vierte Lage die Regierung, fünfte Lage Bourgeoisie und Grundbesitzer, an der Spitze der zwergenhafte Zar und einer riesenhaften Krone, darauf tanzt die Gestalt des Intelligenzlers, das Pferd galoppiert neben einem fahrenden Eisenbahnzug, dahinter raucht eine Fabrik, der Arbeiter hebt die Hand, völlige Finsternis. Und noch eine Salve. Über dem Sarg erschient nur die Karte des Fünfjahreplans, darüber das Bild von Waldimir Illisch Juloanow, später genannt Lenins Gestalt mit wegweisend ausgestreckter Hand. Auf den Ausrufern blühen jetzt die Leuchtziffern 1917. Riesenhafte Schatten eines Händepaars, das seine Fesseln zerbricht. Wir haben nichts zu verlieren. Auf dem Diwan räkeln sich Liberale mit ihren Teetassen, sie halten Resolutionen bereit, der Pope segnet Gummiknüppel, Holzknüppel, Schlagringe, Maschinenpistolen der Schwarzhundertschaften. Rings um seine Werkbank Patronen und Waffen, der Passionsplatz in Moskau, hinter dem kümmerlichen Kirchlein kauern die Schauspieler, mit vergoldeten Zwiebeltürmen statt Köpfen, rundherum Betrunkene in Form von schwankenden Flaschen. Von beiden Seiten nähern sich Bergleute mit Lämpchen, Grubenhacke, Hammerschmiede und dem Vorschlaghammer, 2000 Schneidereiarbeiter tragen 1 Nähnadel, 5000 Holzfäller 1 Axt, unter ihren Schritten flüchten die Kirchlein und die Flaschen nach allen Seiten auseinander. Auf dem Sarg erscheint der Sowjetclown, hinter ihm zieht ein Arbeiter mit Radau und Geklapper die Denkmäler Rußlands an einem Halfterband, in der Mitte das Puschkindenkmal, die Volksmenge überflutet den Platz, ein Arbeiter mit einem Knaben bahnt sich einen Weg zum Monument und erklimmt es, berittene Kossacken springen auf den Sarg, die letzte Kugel trifft den Knaben, ein Gulack mit dem Tragbrett kommt herein, sein Bauchladen klappt auf und klafft blutig, die Arbeiter schließen sich in Reihen zusammen, die Werkzeuge ebenfalls, in einer Lücke zwängt sich Traktor, allen voran das Reiterbild Peter des Großen mit einem großangelegten Siegeskranz, er gleitet vom Kopf, hinter ihm die steinerne Katarina, Zar Paul der Erste springt vom Postament herunter und sichert sich einen großen Abgang, aus den Häusern fliegen Matratzen, Stühle, Tische, Passanten auf die Straße, sie reißen die Geschäftsschilder herunter, sie sägen die Leitungsmasten ab, die Gegenstände häufen sich zur Barrikade, auf der Barrikade wird eine rote Fahne gehißt, von Ferne härt man die Marseilles. Dem in Bedrängnis geratenen Gulacken kommen vier Mann zur Hilfe: der römische Papst, McDonald, Peter Stewesant, Jicky der Platase und Beate Use bilden einen Kreis, die Männer des Enteuzirkels entblößen ihre Schwänze und zeichnen mit Säbeln und Revolver Hakenkreuze in die Luft, ihnen folgt Alexander der zweite, statt des Reichsapfels trägt er seinen Kopf auf dem Zepter. Der winzige Nikolaus sitzt auf einem störrischen Gaul. Senkt das Tier den Kopf, so erfolgt eine Detonation von hinten, Gaswolken und Schlammfluten überziehen das Reich, schließlich und endlich an den Schwanz des letzten zaristischen Hengstes geklammert, die Zarin, angeführt von schnurbärtigen Generalen, strömen marschierend paradestrammgedrillte Oberbefehlshaber auf den Sarg, zu beiden Seiten der militärischen Formation Marketender und Schnapsflasche, die Dornenkrone aus Würsten gebunden windet sich singend um den Hauptmann voll Blut und Wunden. In den Kreis fällt eine Bombe, der Kreis bricht auseinander, die Bombe verstreut bunte Flugzettel mit Proklamationen, der ganze Zug setzt sich in Bewegung, die Fabrik brennt, die Kinder zählen die Kanonen, getroffene Arbeiter fallen, die ganze Rossaherde ab, voran der Führer mit dem Sprachrohr, ein Arbeiter schwing an einem Stab ein weißes...
Wladimir endlich im Funkelraum.
Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik, Hipp Hipp. Hello. Nice to see you.
Sind Sie der Sohn Schliemanns, auf den wir warten?
Wer sind Sie?
Die Admiralin.
Ich sehe vier.
Wir sind eins.
Ich suche einen Postkasten.
Schliemann hinterließ in Rußland einen Sohn, dem war es verboten, über den Atlantik zu reisen.
Warum?
Im Besitz des Knaben fand man eine Ikone, darauf war der Tempel Poseidons abgebildet. Sie trug die Inschrift: Die Ruinen von Atlantis sehen aus wie das Stadtzentrum von Nowosibirsk.
Ein Brief für Wladimir Bombrowitsch.
Jetzt nicht. Was machte der Arme in Punkto Atlantiküberquerung dann?
Er schwamm.
Verstehe.
Vier herrliche Wochen. So viele glückliche Stunden, und wir haben noch so viele vor uns. Wir dürfen und nicht verlieren.
Schon gut.
Ein Stern erlosch und zog das Sterben nach sich, der Mittelpunkt unserer Erde wurde von einem riesigen Planetoiden versenkt, hinter ihm die Reißnaht in der Atmosphäre, 4000km lang, 3000m breit und über 1000m tief trennt sie die alte und die neue Welt, der Himmel verfinsterte sich, jahrelanger Regen mit Schlamm vermischt, die Erde torkelte und jedermann lachte. Die Verhältnisse waren schon von der Sintflut bekannt. Und dennoch, der Planet hat ein Loch in die Erinnerung der Menschen geschlagen.
Das tut mir leid.
Bald bildete sich eine neue Sozietät. Ausgangspunkt des neuen Reiches ist eine großartige Metropole, von außen fast unüberwindlich, konzentriert sich alle Macht in ihrem innersten Kern, im Sitz des obersten Sowjet. Dort gibt es neben dem religiösen Zentrum auch eines der astronomischen und nautischen Wissenschaft. Das Reich war schon im Ursprung vielgestaltig. Man kolonisierte die Anrainer und errichtete so das erste Gebilde menschlicher Weltallmacht, in dem die Sonne nicht mehr untergehen kann.
Was bleibt dann noch zu wünschen übrig?
Ja. Doch bewegen sich die Aale bei ihren Leichzügen im Saragossameer so, als sei Atlantis nicht versunken, und auch die Vögel kennen kein Vergessen. Auf ihren Luftwanderungen umgehen sie unsichtbare Berge.
Der Brief.
Still.
Flugzeuge schützen die Fundstelle vor Neugierigen. Die UNO-Sondersitzung verlangt den freien Zugang für die Blockfreien. Doch haben moslimische Fundamentalisten bereits das Untersuchungszentrum in die Luft gejagt, und drohen mit einem Anschlag auf die Radiostation. Eine europäische Trophäenkommission versucht, die Fundstücke vor dem Paul-Ghetty-Museum zu retten. Die Satelliten übertragungsrechte hat ein Berliner Sender vor Jahren zu einem symbolischen Preis erworben. Sie hörten die letzte Meldung des enzyklopädistischen Weltfunks. Vergeßt die Apokalypse, beginnen wir mit der Genesis.
Liebster Freund, der Funkelraum ist besetzt, von Meeresjungfrauen. Da erreichte mich ein Telegramm. Der Parteiführer ist tot. Was passiert mit seiner Leiche? Die Witwe besteht auf Beisetzung, doch unser neuer Staat braucht Zeit.
Ich muß zurück nach Moskau.
Tief bewegt schaue ich auf die Gipfel des versunkenen Atlantis. Auch ist das Liebesspiel der Seepferdchen mit keinem menschlichen Akt an Poesie vergleichbar. Wie sie sich an den Schwänzen haltend, taumelnd auf den Meeresgrund sinken lassen. Ich warte auf dem Sonnendeck auf Sie. Ihr Michael Svoboda.
Jetzt können Sie funken.
Liebste Lilina, hört du die Wellen an den Seiten zupfen, die wie ein Netz gespannt sind, zwischen Europa und Amerika. Der Ozean sinkt, wir sinken, Trennung ist Dehnung. Und ehe das Band zwischen uns zerreißt, verschwinden Kontinente.
Back in the USSA.
Wladimir, die Amerikanerin, der Kellner und die Revolutionäre in der Menschenschlange.
Moskau-news. Science oder Fiction. Die Schlange kriecht über die Mitte des roten Platzes, wie immer pünktlich, Herr Gorbatschow schaut auf die Uhr, aus seinem Mantelfutter strickt Nikita Chrutschow das Haupt voll Blut und Wunden, und in einem Dorf im Gebiet Welograd umarmt Genosse Lenin ein rotbäckiges Mädchenkind. Unter ihm zwei Uhren und ein kleiner Enkel, die Ikone am Herzen. In Sarago bei Moskau stehen bärtige Orthodoxe zur Tausendjahrsfeier der Taufe Rußlands an einer langen Tafel. Die Schlange kriecht über das Abendmahl, während ein junges Paar aus Leningrad sich zärtlich in die Arme fällt, und das Arbeiterwohnheim für Zwangserholung in Gorki das Testbild auf Farbe schaltet. Auf dem Rücken des Mannes eine bunte Tätowierung. Christus am Kreuze, links die Engel, besonders rechts, auf kleine Wölkchen, darüber kyrillisch das Banner des Herrn.
Ich habe eine Botschaft.
Dank der Heimat für die glückliche Jugend. In Jerewan trägt der Milizionär den Schutzhelm über seiner Pelzmütze.
Ja, es ist wahr.
Seinen dicken Mantel schützt die kugelsichere Bleiweste. Und das Plexiglasschild widerspiegelt einen Stahlpfosten. Die Demonstranten sperren vor der russischen Stadt die Mäuler auf wie hungrige Jungvögel, und der offizielle Kandidat für den Posten des Generaldirektors blinzelt über die Ränder seiner Brille in zwei Mikrophone.
Mir ist der Heilige Rochus erschienen.
Die Mode von Tschernobyl.
Ich sah ein wundersam erleuchtetes Amphitheater.
In langer Gummikutte streckt ein Schwarzbebrillter das rote Lotsenfähnchen in den strahlenden Himmel. Die Räder des Lastkraftwagens sind mannshoch.
Auf einem Holzbrett stand er in seinem roten Pilgerkleid.
In Block vier stützt sich Mütterchen Rußland schon vor der Revolution auf einen Stock und Hauptplatz der Stadt Pripjad ist heute bereits ein Denkmal.
Darüber trug er einen goldenen Königsmantel.
Neun Meter hoch, zwölf Meter breit und sechs Meter tief.
Schaute ein kleines Hündchen hervor.
Das Aussichtsfernrohr blickt zurück auf Tschernobyl.
Auf der Kommandobrücke wütete der Ozean gegen eine Wasserwand mit Luftlöchern. So stark war der Regen.
Weiterhin optimistisch streckt der Kran den Arm in den Fünfjahresplan. Pelzbemützte Bauern beugen sich über einen Suppentopf. Auch Traktor steht an mit rauchendem Schornstein. Im Hintergrund versinkt vom Strommast kaum gehalten das Elektrizitätswerk im Schlamm. Im 30. Jahrhundert 50 Millionen Glühbirnen.
Der heilige Rochus wurde mit dem roten Kreuz auf der Brust geboren. In Rom heilt er Pestkranke.
Ein weißer Wolga besetzt mit 5 Personen transportiert zwei schwarze Särge auf seinem Dach, vor ihm die Kurve. Dezember.
Und ich sah lange Wellen.
Tage später ist es umgekehrt.
Kurze Wellen.
Särge im Überfluß.
Lange Wellen.
Nicht alle Opfer kann man bergen. Eine Frau schiebt einen Kinderwagen mit gebündeltem Inhalt über eine aufgeweichte Straße und der Säugling schwenkt seinen Blechnapf aus dem geschlossenen Sarg. Auf dem Fußballfeld des Stadions von Spitasx suchen die Menschen nach Angehörigen. Über den Rasen gebeugt hält sich ein Lebendiger das Haupt voll Blut und Wunden.
Als er selber von der Krankheit befallen war, flüchtete er in den Wald.
Die Kinderkadaver sind weiß, in einem bunten Kopftuch hält die zahnlose Frau in ihren Händen die zehn Brote, hinter ihr geht die Treppe bergab und mehrere Stockwerke sind ineinander gestürzt. Die Schlange kriecht durch die Trümmer.
Plötzlich dieses Wellental. Eine seltsame Vertiefung.
Der Militärhubschrauber in warmen Kinderkleidern streift die Hochspannungsleitung.
Wie die Aushöhlung eines Steinbruchs.
70 Millionen Glühbirnen bereits heute in Amerika. Gebrochen steht der Propeller in der verschneiten Landschaft, aus schlohweißen Engelshaarnestern blicken Altgläubige vorsichtig hervor, wir bestenfalls Geduldeten. Jelena streichelt über den kahlen Kopf des toten Sacharows.
Bald war er dem Hungertod nahe.
Alle Hunde kommen in den Himmel. Eine schwarze Schlange mit Pelz oder Strickmütze folgt einer rollenden Blechdose. Links außen der Mann mit dem Funkgerät, während zwei Träger den Verstorbenen im Rahmen halten, hält ein unbemützter Mensch einen Regenschirm über den offenen Sarg.
Aber dieses Licht.
Nagorni Karabach in folkloristischen Bleischürzen.
Stufen blinken unzählige Lichtchen übereinander, leuchteten lebhaft, sie blendeten mich.
Über ihre Pelzmützen trägt die Miliz Helme und ihre Salutschüsse treffen den Bärtigen direkt ins Gesicht. Ach, wie er so da liegt im Schnee, unter den Kettenrädern der Panzer.
Da schnappte ein sonst wohlerzogener Hund ein Brot vom Tisch des Herrn und lief davon.
Eskortiert von der Armee gelingt dem armenischen Dorfwang der Transit der Schafböcke, dem Soldaten wachsen stählerne Hörner und durch rote Sehschlitze blickt er auf das Ende seines Geweihs. Hinter dem Strommast detoniert die Blockade aus Glühbirnen.
Das wundersam erleuchtete Amphitheater schaukelte wie ein Luftschiff durch die Wogen.
In Kusbas streiken die Bergarbeiter. Schlafend träumen sie vom verschollenen Genossen. Über die Toten streckt Lenin den Arm vom Sockel. 14 Meter hoch, 12 Meter breit, 10 Meter tief. Rettet den Stalinismus.
Und am nächsten Tag wiederholte der Hund seinen Diebstahl. Machte sich glücklich mit der Beute auf den Weg.
Ein Mann in einer Pelzmütze hält rechts das Kreuz und links die Ikone.
Am dritten Tag schließlich folgte der Herr seinem Hund heimlich.
In Estland eine Kundgebung.
So entdeckte er den sterbenden Rochus unter einem Ahornbaum.
Ein junger Mann hält links das Hakenkreuz und rechts die Faust, ein altes Gemälde, die Kunstschätze Europas sichert die Trophäenkommission. Plakate brennen auf dem Scheiterhaufen.
Und was mich noch mehr verwunderte, war, daß die Lichter nicht etwa stillsaßen, sondern hin und wieder hüpften.
Zwei Kinder drehen sich um. Die halten runde Augen und lange Rüssel gegen den Ruß, aus dem Orenburger Kombinat tritt Gas aus, und Bagger walzen Ziegelhäuser nieder. Im Schattenriß galoppiert ein Pferd neben einer Lokomotive. Wer ist der schwarze Reiter, auf dem Fluß läßt sich die Schwerindustrie treiben. Bergarbeiter tragen den auf der Bahre gefesselten Barfüßler durch das Donezbecken.
Bunt bemalt wurde Rochus zum Heiligen der Pestkranken ernannt.
Auf einer Demonstration auf dem Puskinplatz berieten die Bürger mit der Miliz ihre Standpunkte, während am Kursker Bahnhof die Schlange durch Moskau kriecht für die Wurst.
Es blinkte wie aus einem Raumschiff. Mit einer Besatzung aus lauter leuchtenden Gestalten.
Das ist kein Straflager, nur die Kantine von Kolchos. Is the tragedy of reality.
Und er sagte: Heller als der rote Stern scheint mir der Sichelmond wahrhaftig.
Unter ihm sah ich Wladimir leibhaftig. Mit wegweisend ausgestreckter Hand zeigte er wie Pitomkin auf seine blühenden Dörfer, ganz Herr im Feldzug der fantastischen Täuschung. Der Liebhaber der Luftspiegelung gab so seine eigene Vorstellung. Noch bevor der rote Stern glühen konnte, war schon das rote Kreuz in die Erde gebrannt, und nach dem Engel Sibiriens zogen bald die internationalen Hilfsorganisationen durch das Land. Ich blicke auf die Ruinen von Atlantis. Sie sehen aus wie das Stadt-zentrum von Novosibirsk. Utopia ist fest in den Händen der Katastrophendienste. Das wundersam erleuchtete Amphitheater verschwand und mit ihm Wladimir, danach war mir, als würde ich im Stehen schlafen. Lilina, wo bist du, wo ist unser Sternen-städtchen?
Aus blauen Freizeitkleidern tritt Mütterchen Rußland mit einem Huhn unter dem Arm hervor.
Das Kino entführt uns nach anderswo.
Hoch lebe Wladimir Majakowski.
Tief darin wurzelt das Wesen ritueller Wiederkehr.
Unter ihr die Stiefel der Soldaten. Am Baikalsee liegt eine alte Frau im Tuch auf einem staatlichen Kopfkissen.
Wo bin ich?
Die weise Greise rollte Strümpfe über ihre Strümpfe. Unter ihr der numerierte Nachttopf.
Im Inneren der Kathedrale mit den 46 Sarkophagen. Darin haben 54 Zaren, Großfürsten und Fürsten ihre letzte Ruhestätte gefunden, wie die bunten diamantbesetzten Eier, die den Zarenkindern in die Osternester gelegt wurden. Auch in die Mütze des Monarchen.
Zwei Milizen führen in Milisee eine Frau unterm Arm ab, barfuß am Morgen nach den Ausschreitungen kommt sie den Stiefelschritten gar nicht nach. Die Verletzten reißen sich den Verband vom Kopf, damit die Wahrheit ans Tageslicht kommt.
Ein sozialistisches Wunder. Man filmt die Filme mehrmals von der Leinwand ab, und stellt in den entsprechenden Szenen neue Gesichter vor die alten Köpfe. Die Massenszenen kann man meist behalten.
Kreuzförmig schwebt über der Menschenschlange ein weißer Sarg. Der Leichnam wechselt im Verlauf von drei Tagen mehrmals die Farbe. Ein Katholikus hält die Totenmesse für eine Heilige, und der Milizionär streckt die Hände schuldlos in den Himmel, der Platz in Baku wurde aus hygienischen Gründen um 4 Uhr morgens geräumt. Tote gibt es keine. In schwarzen Stein gehauen streckt Lenin wegweisend die Hand von seinem Sockel, über die städtische Reinigungsequick. 19 Meter hoch, 14 Meter breit, 12 Meter tief.
In Amerika gibt es ein Kino für Automobile. Im Kreml gibt es weiße Wölfe.
In kugelsicheren Westen erfolgt die Wachablösung der Milizen vor dem Müllcontainer.
Der erste Panrussische Kongreß der Zukunftsrapsoden. Die Brüste der Frauen werden von Luftballons gehalten. Die Männer tragen Sprungfedern unter ihren Schuhen.
Hach, was sollen mir Sichermond und rote Sterne auch. Hungerstreikende zelten unter einem Puschkinzitat.
Aber was passiert mit den Analphabeten?
Laßet uns beten.
Eine weiße Schwester schüttelt fassungslos den Kopf und ein anderer Mann kann gar nicht hinsehen. Der abgeschlagene Arm steckt noch im Mantel. Das Innenfutter ist aus reiner Schafwolle gegen die Kälte, zwischen Marx, Engels und Lenin nimmt die Haarpracht zunehmend ab, und ein Junge mit einem Fahrrad hütet die Gänse unter der strengen Aufsicht der Zentralregierung.
Schließlich hat Kino etwas mit Reisen zu tun. Nur gehen nicht wir auf Reisen, sondern über die Leinwand kommt die Reise zu uns. Immenser Materialbedarf denk ich mal. Gibt es da keinen Rohfilmzufuhrmangel?
Die Arme des beinamputierten Vaters stützen sich auf zwei Krücken. In seiner Hand trägt er das Einkaufsnetz. Der Sohn trägt die Kalaschnikow über die Schulter. Der große vaterländische Krieg war das Erlebnis seines Lebens.
Landschaft ist ein Strahlenbündel, das Universum eine Bühne der Planeten, und der Staub der Stadt verwandelt sich in einen hundertfarbigen Regenbogen.
An der Brust des Alten haften circa 30 Orden. Die Schlange kriecht zur 1000Jahrfeier der Taufe Rußlands in ein Kloster.
Och, der Radiotrust strahlt bis exantrope. Silberstaub.
Auf der Lacktasche der pilgernden Genossin tanzt ein Husar.
Neuerdings haben Kurzfilme Konjunktur. Der kürzeste war: Proletarier aller Länder, vereinigt euch.
Gottes Narren haben unter jedem Regime ein hohes Ansehen. Vitorta Landsbergis hält an jedes Ohr einen Telefonhörer und marschiert über die erste Strophe der Nationalhymne nach Hause. Er hat die Melodie im Kopf. Räumung des Leninplatzes.
Wo ist Dr. Svoboda?
Seit 1925 bleibt das Kloster am Baikalsee den Kühen überlassen, sich selbst die Jugend in Leningrad, Hände umklammern den Rand eines Gullys.
Marx in einem gotischen Lehnstuhl vor einer Europakarte sitzend. Bei uns gibt es die breitesten Leinwände der Welt. Die in Amerika sind breiter.
Im Stollen der Fernheizung wärmen sich die Kinder in der Tripperbar. Die neueingelieferten Säuglinge erstarren hinter den Gittern vor dem numerierten Nachttopf.
An den Küsten leben die Futuristen. Wie sie sich in die Brandung stürzen.
Jetzt darf der Stacheldraht allerdings nicht mehr fotografiert werden.
Hoch hebe Wladimir Majakowski.
Reißt ihm nicht die Gasmaske vom Gesicht. Mit runden Augen und langen Rüssel hebt der Mensch auf der städtischen Müllhalde Schneehöhlen aus, als Heizung dient ihm die Wärme des sich zersetzenden Abfalls.
Filme über die Geschichte der Sowjetunion sind dafür um so länger. Der Trauerzug der Bevölkerung vor dem toten Lenin endete mit einem Kilometer langen schwarzen Klebestreifen.
Auf dem Aralsee sitzen die Karakalpaken-Kinder im Trockenen.
Im Sternenstädten der Revolution ist sogar die Zeit rückläufig.
An der afghanischen Grenze sitzt ein Vater, vor ihm auf einem Pappschild die Zahl 51 8 63. Die letzten Einheiten ziehen vorüber, sein Sohn ist nicht dabei.
Und weil das Kino eine Reise ist, halten die Paare auch in den Sesseln Händchen. Was sie im Theater beispielsweise nicht tun.
Aus dem Hals des Mannes kriecht eine Schlange, ohne Gehirn hielt er 6 Tage durch.
Sie halten Hündchen?
In seinen Taschen steckte tonnenweise Kriegsgerät. Darunter auch ein Bündel Briefe. Hipp Hipp Bolschewik, I’m am Bolschewik. Hipp Hipp.
Ich suche einen Postkasten.
Wir spannen ein Segel vor das Planetensystem mitsamt Zentralgestirn und werden unser Erde wie ein Schiff im Sonnenwind durch das Universum schaukeln. Eine jahrmillionenlange Reise dorthin, wo ein neuer Stern Licht und Wärme für das Weiterleben spendet.
Wieviel Tonnen Tuch, wieviel Meter Nähmaterial?
Still.
Und hier eine Meldung des enzyklopädistischen Weltfunks. Das Erbe des sozialistischen Trojas ist gefunden.
Eine Explosion.
Augenzeugen berichten von der Landung einer prähistorischen Flugmaschine auf dem roten Platz. Die Trophäenkommission hat unter der Oberaufsicht der roten Armee den Schatz des Priamos sichergestellt. Das Gold Schliemanns befindet sich jetzt im staatlichen Museum der schönen Künste. Auf einer Bergwiese im Zweistromland wurde der Flügel einer sowjetischen Fliegerbombe entdeckt. Heller als der rote Stern scheint hier der Sichelmond wahrhaftig. Vier herrliche Wochen und so viele glückliche Stunden und wir haben noch so viel vor uns.
Roter Stern. Hörspiel von Simone Schneider. Regie: Ulrich Gerhardt. Eine Produktion des Bayerischen Rundfunks mit dem Sender Freies Berlin aus dem Jahre 1992. Redaktion: Herbert Kapfer.
Ulrich Matthes Wladimir Bombrowitsch
Michael König Doktor Michael Svoboda
Krista Posch Die Amerikanerin
Gustl Halenke Die Admiralin
Traudl Haas Nixen
Gunter Berger Der Kellner
Joachim Höppner Der Lautsprecher
Detlef Kügow 1. Berufsrevolutionär
Hans Wyprächtiger 2. Berufsrevolutionär
Lorenz Meyboden 3. Berufsrevolutionär
Jan Eberwein 4. Berufsrevolutionär
Kommentar von vanDusen |
Michael Koser: Prof. van Dusen und die 7 Detektive (RIAS 1988)
Hatch: Happy birthday to you, happy birthday to you, happy birthday Professor…
vanDusen: Ich wäre Ihnen sehr verbunden, mein lieber Hatch, wenn Sie Ihren Gesang einstellten.
Hatch: Aber Prof, was haben Sie denn dagegen, daß ich ein bißchen singe, um mir Mut zu machen.
vanDusen: Wenn die Musik Ihnen als moralisches Tonikum unentbehrlich ist, so tun Sie mir doch wenigstens den Gefallen, ein anderes Lied zu wählen, ich habe nicht Geburtstag und ich.
Hatch: Aber gleich Prof, es ist zehn vor zwölf, seien Sie nicht so pingelig.
vanDusen: Und vor allem lege ich nicht den mindesten Wert auf die Anerkennung oder gar feierliche Begehung der jährlichen Wiederkehr eines lediglich vom Zufall bestimmten Datums wie es die Geburt eines Menschen darstellt und sei dieser auch eine so eminente Persönlichkeit wie ich, daß ich meinen Geburtstag weder selbst zu feiern noch von anderen feiern zu lassen gedenke, dies mein lieber Hatch sollten sie nun wirklich wissen.
Hatch: Und ob ich das wußte, weil Prof van Dusen ein so gewaltiger Geburtstags-muffel war, mußten wir ja Nachts bei Unwetter und klirrender Kälte durch die unwegsamen Felsen der Sierra Nevada irren, aber da sollte ich wohl ein bißchen ausführlicher erklären. In der zweiten Januarhälfte des Jahres 1906 hatten wir, der Prof und ich, unsere Weltreise beendet und waren in San Francisco gelandet, van Dusen hatte sich gleich in seine wissenschaftlichen Forschungen verkrochen, nur zweimal war er daraus aufgetaucht, Mitte Februar um mich vor dem Irrenhaus zu retten siehe Fall Hatch und etwa 10 Tage später, um Dampf abzulassen.
vanDusen: Haben sie die heutige Ausgabe des San Francisco Examiner schon gelesen.
Hatch: Nein steht was Interessantes drin.
vanDusen: Das kann man wohl sagen, Seite 3 unten.
Hatch: Bürgermeister eröffnet Schule, Großfeuer, ah hier, wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren wird Prof van Dusen der bekanntlich zurzeit in unseren Mauern weilt, in kürze, nämlich am 2. März seinen 60 Geburtstag begehen, Prof van Dusen, einer der größten Wissenschaftler unserer Zeit und auch als Amateurdetektiv von bedeutendem Ruf.
vanDusen: Kriminologe muß es heißen.
Hatch: Kann an diesem seinem Jubeltag Ehrungen in der Qualität und Quantität erwarten, wie sie seiner herausragenden Persönlichkeit.
vanDusen: Und so weiter, sie wissen was das bedeutet.
Hatch: Aber ja, in aller Früh ein Ständchen der freiwilligen Feuerwehr, Telegramme, Besuche und Reden, Reden, Reden.
vanDusen: Ach, es ist entsetzlich.
Hatch: Dafür müssen sie doch Verständnis haben.
vanDusen: Derartiges war mir schon immer ein Gräuel und ist es ganz besonders zum jetzigen Zeitpunkt, da ich von meinen aktuellen Forschungen voll und ganz in Anspruch genommen bin.
Hatch: Am besten verschwinden sie für ein paar Tage aus San Francisco, die Frage ist nur wohin.
vanDusen: Eine Frage, welche bereits beantwortet ist.
Hatch: Wieso.
vanDusen: Wie es der Zufall will, erhielt ich heute Morgen dieses Schreiben.
Hatch: Von wem.
vanDusen: Von einem alten bekannten, Mr Thomas Alva Edison.
Hatch: Sieh an, und was schreibt er.
vanDusen: Hören sie, sehr verehrter Prof van Dusen hochgeschätzter Kollege und Freund, ein wenig sehr vertraulich, finden sie nicht.
Hatch: Naja.
VanDusen: Oft habe ich mit Freude und Dankbarkeit an unser denkwürdiges Zusammentreffen im Canyon Delware zurückgedacht, an gemeinsam durchlebte Gefahren und an unsere Rettung, die wir großenteils ihrer Ingenuität verdanken, großenteils, der unmittelbare Anlaß meines Schreibens ist dieser, bereits vor geraumer Zeit habe ich das bekannte in der wildromantischen Landschaft des Yosemite Nationalparks gelegene Hotel Wawona ab 1. März exklusiv gemietet, um ungestört in winterlicher Einsamkeit erfinderisch zu wirken, nun sehe ich mich jedoch bis etwa mitte März anderweitig unaufschiebbar beschäftigt und erlaube mir daher ihnen besagtes Hotel als Refugium zu offerieren, sehr aufmerksam von Edison und hoch willkommen obendrein, sie erreichen das Hotel auf folgende weise.
Hatch: So kam es daß wir am Abend des 1. März im kleinen Ort Raymond am Fuß der Sierra Nevada aus dem Zug stiegen, der uns aus San Francisco hierher gebracht hatte, über Stockton, Merced und Berenda, Raymond war die Endstation, von hier ging es anders weiter und daß es weiterging dafür war gesorgt vor dem Bahnhof wartete ein Chauffeur mit einem Automobil, einem Pope Toledo. Wir fuhren nach Westen in die Berge, die Straße stieg immer mehr an, es wurde immer kälter, van Dusen saß zurückgelehnt, in Gedanken, abwesend, ich hatte ja keine Ahnung, was für eine Last auf seiner Seele lag, seine gewaltige Erfindung, die Nachstellungen des hinterhältigen Rüstungsindustriellen Cesselman, sie kennen ja die Hintergründe, und sie wissen, zu welch tragischem Ende sie im April führen sollten, Wind kam auf, es fing an zu schneien, plötzlich blieb der Wagen stehen.
vanDusen: Was ist, warum gehts nicht weiter.
Butler: Tut mir leid, Sir, die Straße ist zu steil, zu glatt durch den Schnee, der Wagen macht nicht mehr mit, dürfte ich die Herren vielleicht bitten kurz auszusteigen und ein bißchen zu schieben, wenn das nicht zu viel verlangt ist.
Hatch: Hören sie mal, ist das wirklich nötig, so schlimm sieht die Straße nicht aus, ich bin selbst Automobilist.
vanDusen: Hatch, der Mann kennt den Wagen und die Strecke, folgen sie seiner Anregung.
Hatch: OK Prof und jetzt hau ruck.
Butler: Vielen Dank meine Herren.
Hatch: He, halt, kommen Sie zurück, halt.
vanDusen: Lassen sie das fruchtlose Geschrei, sparen sie die Kraft ihrer Lungen, sie werden sie brauchen.
Hatch: Was sagen sie dazu Prof, setzt der Kerl uns hier einfach aus, mitten in der Wildnis, was sollen wir denn jetzt machen.
vanDusen: Laufen, mein lieber Hatch, laufen.
Hatch: Wir liefen über Stock und Stein, durch Busch und Wald, und wir stiegen durch Felsen, Gletscher und Schneefelder. Das Wetter wurde zum Unwetter, dann zum Schneesturm oder Blizzard wie der Fachmann sagt. Wir verloren den Weg, wußten nicht mehr wo wir waren und stapften eigentlich nur noch voran um nicht zu erfrieren.
Hatch: Ah das ist ja schlimmer als damals in Alaska. 12 Uhr, Mitternacht, 2. März, ihr Geburtstag Prof.
vanDusen Ich wäre ihnen äußerst dankbar, wenn sie den Tag meiner Geburt in Zukunft unerwähnt lassen würden.
Hatch: Moment mal wo schlägt denn mitten in der Wildnis in der Sierra Nevada eine Turmuhr.
vanDusen: Dort oben, auf jenem hohen Felsen.
Hatch: Und da brennt ja auch ein Licht, da oben muß ein Haus sein.
vanDusen: So scheint es, möglicherweise eine Jagdhütte, auf jeden Fall werden wir dort Obdach finden, kommen sie.
Hatch: Über einen steilen Pfad kraxelten wir auf das Licht zu und allmählich trat unser Ziel aus Schatten und dunkler Nacht, das war keine Jagdhütte, das war ein fantastisches Gebilde aus Mauern, Zacken, Zinnen und Türmen, eine Burg, eine richtige Burg, die aussah wie.
vanDusen: Wie Draculas Schloß in Transsylvanien.
Hatch: Ich dachte eher an Burg Glenmore oder die Mafiavilla Palermo oder Urganza in den Pyrenäen.
vanDusen: Ergehen sie sich nicht in unergiebigen Reminiszenzen, ziehen sie lieber die Torglocke.
Hatch: Machen wir. Schon nach wenigen Sekunden näherten sich gemessene Schritte, das Tor knarrte auf und dahinter erschien ein untadeliger Butler in gestreifter Weste und Schwalbenschwanz, und mit einer formvollendeten Verbeugung direkt aus dem höheren Lehrbuch für Butler und Kammerdiener von Reginald Geves, ansonsten hatte er eine verdächtige Ähnlichkeit mit dem Chauffeur, der uns sitzen gelassen hatte.
Butler: Treten Sie näher, meine Herren, sie werden erwartet.
Hatch: Erwartet.
Butler: Gewiß, sie sind doch Prof van Dusen und Mr Hatch.
Hatch: Ja aber.
Butler: Bitte folgen Sie mir.
Hatch: Das war wieder so eine mysteriöse Sache, eine richtige Hintertreppen-geschichte, der Prof zieht so etwas an, hätte ich geahnt, wie hintertreppig der Fall werden sollte, wäre ich gerannt, in die Wälder, in die Berge, ganz egal wohin, nur nicht in die Burg. Aber Hutchinson Hatch ist kein Hellseher, der Prof war offensichtlich nicht in Form und so folgten wir dem Butler durch einen kleinen Gang über einen Innenhof, vorbei an einem Brunnen, wieder durch einen Gang, bis zu einer geschnitzten Tür, der Butler öffnete beide Flügel weit und trat vor.
Butler: Ladies und Gentleman, Prof Augustus van Dusen, Mr. H. Hatch.
Prendergast: Oh aha, endlich unser Ehrengast ist erschienen, meine Dame, meine Herren ich darf also bitten, drei vier, happy birthday to you…van Dusen happy birthday to you, hahaha.
vanDusen: Was soll das bedeuten.
Prendergast: Eine Überraschung, verehrter Prof, Ihnen zu ehren und deshalb bin ich ganz besonders froh daß sie doch noch eingetroffen sind, Sie und natürlich auch Mr Hatch, treten Sie näher, meine Herren, Brimstome.
Butler: Madame befehlen.
Prendergast: Geleiten Sie die Herren zu ihren Plätzen.
Butler: Sehr wohl, Madame, folgen Sie mir bitte.
Prendergast: Meine übrigen Gäste dürften Sie kennen, Prof, Madame Maigret, private Detektivin aus Paris.
Maigret: Ich freue mich sehr Prof.
vanDusen: Ganz meinerseits Madame, wie geht es dem kleinen Jö.
Hatch: Mordfall Manulesco in Monte Carlo und die kuriose Affäre um die Rose von Kairo.
Prendergast: Mr. Sherlock Holmes.
Holmes: Ja Prof.
Hatch: Van Dusens Konkurrent beim großen Wettbewerb der Detektive 1903 in England.
Prendergast: Kommissär Gallimard.
Gallimard: Der Profi von der Surete na wie läufts denn so sie alter Amateur samas he
Hatch: Eins zwei, eins zwei, siehe den rätselhaften Korb der Venus von Milo.
Prendergast: Kommissar Möllhausen Berlin.
Möllhausen: Von Möllhausen ist mir eine kolossale Ehre sie wiederzusehen Herr Prof
Hatch: Laterna Magica Mord, Millionenraub aus dem Juliusturm.
Prendergast: Chefinspektor Smiley von Scotland Yard.
Smiley: How do you do Prof.
Hatch: Ballonexplosion über dem schottischen Hochland, diverse Fälle in London, die Sache bei Madame Tussauds zum Beispiel oder der mysteriöse Mord im Chinesenviertel.
Prendergast: Detective Sergeant Caruso, NewYork.
Caruso: Hi Prof, Leben noch frisch alles ok.
Hatch: Bestens Caruso.
Caruso: Sie hab ich nicht gefragt Mr Hatch.
Hatch: Gaslichtmordfall, Leichenräuber, Vampir von Brooklyn, Massaker im Zirkus Barnum und Bailey usw usw, sechs alte Bekannte, Polizisten und Privatdetektive aus aller Welt, Mitarbeiter und Konkurrenten des Prof, vorzugsweise Konkurrenten, noch dazu blamierte, und die hatten sich hier zusammengefunden in einer seltsamen Burg in der Sierra Nevada, um van Dusen zum Geburtstag zu gratulieren, merkwürdig, äußerst merkwürdig.
Hatch: Die wilden Delawaren versammeln sich in Scharen.
vanDusen: Bitte.
Hatch: Nur eine Reminiszenz Prof, unwichtig.
Prendergast: Brimstone, bedienen Sie die Herrschaften.
Butler: Sehr wohl, Madame.
Prendergast: Ich bin übrigens Mrs Prendergast, mein erster Mann, der selige Mr Falcon, war Millionär und fasziniert vom finsteren Mittelalter, deshalb hat er sich diese Burg gebaut und auf den Namen Falcon Crest getauft, jetzt gehört sie mir, und meinem zweiten Mann, Mr Prendergast, er sollte eigentlich hier sein, um die mystische Zahl von 7 Detektiven vollzumachen, doch ist er leider in Sacramento aufgehalten worden, ihn kennen Sie ja wohl auch noch.
Hatch: Prendergast, weiland Schiffsdetektiv auf der Columbia, auch einer der vom Prof blamierten, vielleicht erinnern sie sich noch an die Affäre um die schwarzen Perlen der Kali, die Sache kam mir immer merkwürdiger vor, was wurde hier gespielt.
Prendergast: Der Zufall, werter Prof, Mr Hatch, nur der Zufall hat uns an diesem Orte zusammengeführt und als wir in Erfahrung brachten, sie, der von uns allen so geschätzte so verehrte Prof van Dusen feiert nun heute am 2. März ihren 60. Geburtstag.
vanDusen: Dann gehe ich wohl nicht fehl in der Annahme daß Sie, Mrs Prendergast, mich hierhergelockt haben, Sie haben die Nachricht von meinem bevorstehenden Geburtstag in San Francisco verbreitet, Sie haben den angeblich von Mr Edison stammenden Brief verfaßt, ihr Chauffeur und Butler hat uns in Raymond erwartet.
Prendergast: Bitte Prof, diese unwichtigen Details haben doch sicher Zeit bis morgen, sie sind durchgefroren, müde, hungrig, greifen sie zu und feiern Sie, wenn schon nicht ihren Geburtstag, so doch das Wiedersehen mit den alten Freunden, die das Geschick ihnen in den Weg geführt hat. Jawohl.
Hatch: Eine schöne, eine wahrhaft herzerhebende Feier, abgesehen von ein paar freundlichen Worten zu Madame Maigret, für die er immer ein kleine Schwäche gehabt hatte, blieb der Prof stumm wie ein Fisch, Sherlock Holmes und Caruso guckten grimmig, ersterer auf van Dusen, letzterer auf meine Wenigkeit, er hatte mich ja nie ausstehen können der gute Detective Sergeant, alle schwiegen nur Mrs Predergast plauderte munter fürbaß.
Prendergast: Warum so schweigsam Prof beschäftigt Sie womöglich ein geheimnis-voller Fall oder eine epochale Erfindung, vielleicht fehlt Ihnen ja nur ein wenig Tafel-musik, bedauerlicherweise sind wir darauf nicht eingerichtet, Dudelsackkonzerte a la McMurdock können wir ihnen nicht bieten und essen tun sie auch nicht Prof, wünschen Sie ein anderes Menü, sollten wir den wackeren Caruso bitten Ihnen eine Portion Spaghetti zu servieren, sie sind alle so still, meine Herrschaften, hat denn niemand Lust zur Unterhaltung beizutragen, vielleicht sie Kommissar von Möllhausen.
Hatch: Und der ließ sich auch nicht lange bitten und gab die spannende Geschichte von der blutigen Botschaft zum besten, allerdings brachte er sie nicht zu Ende, es kam was dazwischen.
Möllhausen: Da standen wir also hoch auf der Zitadelle im schönen Spandau und plötzlich sahen wir einen Ballon, jawohl meine Herrschaften einen Ballon und da sagte ich zu Prof van Dusen, oh.
Prendergast: Entschuldigen Sie Herr Kommissar ich habe Sie nicht verstanden, was sagten Sie.
Möllhausen: Oh.
Holmes: Tot, oder was meinen Sie, Chefinspektor.
Smiley: Kein Zweifel, Mr Holmes, Kommissar von Möllhausen ist tot, allem Anschein nach vergiftet.
Prendergast: Oh wie schade, wo er gerade so schön am erzählen war, Brimston.
Butler: Madame.
Prendergast: Schaffen Sie ihn nach draußen.
Butler: Sehr wohl, Madame.
Hatch: Butler Brimstone, ein kräftiges Kerlchen, brach sich den reglosen Kommissar über die Schulter und trug ihn ohne Mühe aus dem Saal und das seltsame Dinner ging weiter, als ob nichts vorgefallen sei, war ich in einen Alptraum geraten, ich kniff mich kräftig, aber ich wachte nicht auf und van Dusen tat nichts, doch er legte die Serviette hin und stand auf.
vanDusen: Mrs Prendergast, meine Herrschaften, sie entschuldigen uns, wir hatten eine lange, sehr ermüdende Anreise.
Prendergast: Sie wünschen sich zurückzuziehen, Prof.
vanDusen: So ist es, Madame.
Hatch: Aber Prof, eben hat man Möllhausen vergiftet und Sie gehen seelenruhig ins Bett.
Prendergast: Geleiten Sie die Herren auf ihr Zimmer, Brimstone.
Butler: Sehr wohl Madame.
Hatch: Unser Zimmer lag im zweiten Stock und bestand hauptsächlich aus zwei Himmelbetten und einem Kamin, in dem ein müdes Feuerchen knisterte, an den Wänden hingen ein paar Portraits von abgrund tiefer Scheußlichkeit und zwei gekreuzte Säbel, das wars, abgesehen von unseren Koffern, die mitten im Raum standen, unsere Koffer, die waren doch im Automobil geblieben.
Butler: Sie haben sich eingefunden meine Herren, wünsche angenehme Ruhe.
Hatch: Ich verstehe Sie wirklich nicht, Prof hier ist doch alles oberfaul und Sie.
vanDusen: Mein lieber Hatch, bevor sie sich weiter echauffieren oder aufspulen, wie man sich wohl in ihren Kreisen ausdrückt, lesen Sie dies.
Hatch: Lieber Prof, bleiben Sie ruhig was auch geschieht werde ihnen später alles erklären ihre Madame Maigret.
vanDusen: Unsere alte Freundin hat mir den Zettel unter dem Tisch in die Hosentasche praktiziert.
Hatch: Ja und was soll das heißen.
vanDusen: Mein lieber Hatch, auch ohne diese uns zugespielte Information sollte selbst Ihnen klar sein, daß alle die rätselhaften Dinge, welche uns auf dem Weg hierher und dann in dieser Burg zugestoßen sind, zu einem Spiel gehören, zu einer, wenn sie so wollen kalkulierten Inszenierung, deren Publikum allem Anschein nach wir beide zu bilden haben.
Hatch: Aber Möllhausen, der ist doch tot.
vanDusen: Keineswegs mein lieber Hatch, der Kommissar hat die Leiche lediglich gespielt, nicht eben brillant wie ich mich hinzuzufügen genötigt sehe, trotz seiner großen kriminologischen Erfahrung.
Hatch: Wenn sie das sagen Prof, ja und was sollen wir jetzt tun.
vanDusen: Da wir uns den auf uns gezielten dummen Streichen vorerst wohl kaum entziehen können, bleibt uns nichts anders übrig als sie weiterhin mit Nichtachtung zu strafen und sie abzuwettern wenn sie mir den nautischen Terminus technicus gestatten, ich rate Ihnen jedoch sich nicht zu entkleiden und soweit ihnen das möglich ist wach und wachsam zu bleiben.
Hatch: Damit holte der Prof seelenruhig Papier und Bleistift aus der Tasche, er kann eben immer und überall arbeiten, ich döste ein bißchen vor mich hin, manchmal glaubte ich draußen Schritte zu hören oder ich hatte das Gefühl die Vorhänge bewegten sich (Kikeriki). Plötzlich wurde ich hellwach.
Smiley: Aah.
Hatch: Was war das?
vanDusen: Was schon, mein lieber Hatch, ein Schrei.
Hatch: Hört sich aber gar nicht gut an Prof, richtig kriminologisch, Prof.
vanDusen: Ja.
Hatch: Es hat geklopft.
vanDusen: Das ist mir nicht entgangen, öffnen Sie die Tür.
Smiley: Prof van Dusen, machen Sie auf.
Hatch: Meinen Sie wirklich Prof, wer weiß was das ist, vielleicht gibts hier ein Burggespenst.
Smiley: Aufmachen Prof schnell.
vanDusen: Ihr Burggespenst mein lieber Hatch ist Chefinspektor Smiley, nun öffnen Sie doch schon.
Smiley: Ich muß Ihnen was sagen, Prof, was wichtiges dringend, Möllhausen ist tot, wirklich tot obwohl das gar nicht geplant war und dahinter steckt ah…
Hatch: Ein Pfeil, Prof er hat einen Pfeil im Rücken.
vanDusen: Smiley ist tot.
Hatch: Sehen Sie mal Prof, am Pfeil hängt ein Zettel.
vanDusen: So ist es, mein lieber Hatch, folgen Sie dem Klang der Totenglocke.
Hatch: Was für eine Totenglocke, Prof, das ist kein Spiel mehr.
vanDusen: Mein lieber Hatch, sie haben recht die Situation hat sich grundlegend gewandelt, sie führen ihre elektrische Handlampe mit sich.
Hatch: Ja hier ist sie.
vanDusen: Auch ihren Revolver.
Hatch: Leider nicht, ich konnte ja nicht ahnen, daß wir ihn brauchen aber warten sie, ich hole mir einen Säbel von der Wand, besser als nichts, so Hutchinson Hatch ist zu allem bereit.
vanDusen: Sehr gut, mein lieber Hatch kommen Sie.
Hatch: Wohin Prof.
vanDusen: Wir folgen der Empfehlung unseres anonymen Korrespondenten und gehen dem Klang der Glocke nach.
Hatch: Die Morgendämmerung war schon angebrochen, als wir den Hof betraten und wir konnten die Anlage der Burg gut erkennen, ein Gebäudeviereck um einen Innenhof, an den Ecken Türme, drei kleine und ein hoher, an die 40-50 m, nichts zu sehen, nichts zu hören, bis auf das enervierende Gebimmel, das offenbar aus einem der kleinen Türme kam, in der Mauer darunter war eine Tür, ich klemmte den Säbel unter den Arm und drückte auf die Klinke, in diesem Augenblick wurde es still.
Hatch: Das Bimmeln hat aufgehört, Prof.
vanDusen: Halten Sie mich für taub, machen sie die Tür auf.
Hatch: Schwerer Brocken, oh Gott Prof, da drin hängt einer, am Glockenseil.
vanDusen: Anscheinend halten sie mich auch für blind, leuchten sie mir, es ist Kommissar von Möllhausen, und diesmal ohne jeden Zweifel tot.
Hatch: Kein Wunder, erst vergiften, dann aufhängen, das hält der stärkste Mann nicht aus.
vanDusen: Haben Sie die Güte, die Absonderungen weiterer Geschmacklosigkeiten zu unterlassen und stattdessen den Raum mit ihrer Lampe auszuleuchten, vor allem diese Ecke, ja dort.
Hatch: Prof, da steht eine Guillotine.
vanDusen: Wie recht sie schon wieder haben, mein lieber Hatch.
Hatch: Und auf dem Brett da liegt einer, angeschnallt.
vanDusen: Auch diese ihrer Feststellung trifft präzis ins Schwarze, lassen sie sehen, um wen es sich handelt.
Hatch: Es war Monsieur Gallimard, der zackige Kommissar von der Pariser Surete, jetzt war er gar nicht zackig, er war ganz still, weil er nämlich den Kopf verloren hatte, der lag vor ihm in einem Korb, in ganz kurzer Zeit drei Detektive tot, ermordet, Wahnsinn, und der Wahnsinn war anscheinend noch nicht zu Ende.
Maigret: Hilfe, hilfe.
vanDusen: Kommen sie, Hatch.
Hatch: Hört sich an wie Madame Maigret, wo steckt sie.
vanDusen: Hier, im Brunnen, hallo, Madame Maigret.
Maigret: Prof.
vanDusen: Kann ich etwas für sie tun.
Maigret: Ein Glück, das sie gekommen sind, retten sie mich, ich bin gefesselt, das Wasser steigt.
vanDusen: Halten sie noch einige wenige Augenblicke durch, Madame, Hatch, Errettung aus einem Brunnenschacht gehört fraglos zu den Aufgaben eines kriminologischen Assistenten, setzen sie sich in den Eimer, ich werde sie mittels der Winde nach unten befördern.
Hatch: Der armen Madame Maigret reichte das Wasser schon bis zur Taille, ich verlor keine Zeit und sägte mit dem Säbel an ihren Fesseln, als sich plötzlich oben am Brunnenrand ein Getümmel erhob, ehe ich ihn festhalten konnte, wurde der Eimer hochgenudelt, er kam aber gleich wieder runter, sehr schnell, mit dem abgeschnittenen Seil und mit einem Passagier.
Hatch: Der Prof, er ist doch nicht tot.
Maigret: Nur bewußtlos, das kalte Wasser wird ihn schnell wieder zu sich bringen, Prof, Prof van Dusen, wie fühlen Sie sich.
vanDusen: Danke Madame den Umständen entsprechend, jemand hat mir einen Schlag auf den Hinterkopf versetzt.
Hatch: Wer.
vanDusen: Verschonen Sie mich mit sinnlosen Fragen die ich ihnen nicht beantworten kann, lassen sie mich nachdenken und schalten sie die Lampe ein, so Wassertiefe bis dato, Durchmesser des Brunnens in etwa, dazu die fundiert geschätzte Steiggeschwindigkeit, Madame, mein lieber Hatch, uns bleibt noch eine gute Stunde bis das Wasser eine unser Leben gefährdende Höhe erreicht haben wird, nutzen wir diese Zeit, ziehen wir a Bilanz und schmieden wir b Pläne, ans Werk.
Hatch: Der Prof war wieder ganz der alte, nicht mehr trübe, abwesend, desinteressiert, sondern energisch, optimistisch, voller Elan, wozu ein Schlag auf den Schädel doch manchmal gut sein kann.
vanDusen: Hatch.
Hatch: Prof.
vanDusen: Zuerst zu ihnen, Madame Maigret, was steckt hinter der ungewöhnlichen Detektivansammlung, berichten sie, präzise detailliert.
Hatch: Und von Anfang an.
Maigret: Gern, Prof, aber ich weiß nicht alles.
vanDusen: Dafür Madame haben sie ja Prof van Dusen, bitte.
Maigret: Von Anfang an, sagten sie, Mr Hatch, nun angefangen hat die Sache im vergangenen Jahr um die Weihnachtszeit, da bekam ich einen Brief aus Amerika, von einem Mr Prendergast, er stellte sich vor als Ex Schiffsdetektiv auf der Atlantikroute, doch diese Beschäftigung gehört nun der Vergangenheit an, ich habe geheiratet und bin so Besitzer nicht nur eines Schloßes in Kalifornien geworden, sondern auch einiger Dollarmillionen, ein Teil dieses Vermögens will ich dazu benutzen, mir einen lange gehegten Wunsch zu erfüllen, sie kennen Prof van Dusen, die Denkmaschine, sie haben wie ich mit ihm zutun gehabt und ich bin sicher daß sie wie ich sich nichts schöneres vorstellen können als den großen Kriminologen einmal so richtig aufs Glatteis zu führen, sollten sie dem zustimmen und bereit sein, mir dabei zu helfen, so lassen sie es mich kurz wissen, ich werde ich ihnen dann die notwendigen Mittel für eine Reise nach San Francisco zukommen lassen, wo wir alles nähere besprechen werden und verbleibe. Ich bin nach San Francisco gefahren, nicht um sie aufs Glatteis zu führen.
vanDusen: Das höre ich mit Freuden Madame.
Maigret: Ich hatte gerade nichts besseres vor und ich war neugierig, ich wollte erfahren, was dieser Prendergast gegen sie ausheckte, um sie notfalls zu warnen, vor einer Woche bin ich in San Francisco angekommen, ich stieg weisungsgemäß im Farmont Hotel ab und hier traf ich am nächsten Abend Prendergast und die anderen fünf, Gallimard, Möllhausen, Smiley, Caruso und Holmes.
Prendergast: Leider hatten einige ihrer Kollegen mit denen ich ebenfalls in Kontakt trat, keine Zeit oder kein Interesse, Inspector Boggles aus Singapur etwa, Sheriff Burp, Superintendent Boomer, Sam Steel von den Mounties, Kommissar Bidet, Kriminalpolizeioberrat van Blümchen, die Inspectoren Lecoq und Poubelle etc etc, nun wir sind 7, 7 Detektive, eine durchaus hinreichende, eine sinnvolle Zahl für eine anti van Dusen Koalition.
Gallimard: Sie reden zu viel, Monsieur Prendergast, auf marsch marsch, das ist mein Motto.
Möllhausen: Immer feste druff, wie seine kaiserliche Majestät so feinsinnig zu bemerken pflegen.
Maigret: Aber Monsieur.
Smiley: Kurz, was haben sie uns vorzuschlagen, Prendergast.
Prendergast: Hören sie zu, Madame, meine Herren, am 2. März hat der Prof Geburtstag, den 60, wir locken ihn in meine Burg.
Holmes: Auf welche Weise. Ja wie denn.
Prendergast: Warten sie nur ab meine Herren und wenn er erstmal dort ist dann haha.
Maigret: Dann sollte ihnen Prof ein kriminologische Schauerstück vorgespielt werden, wir alle würden ermordet, auf möglichst bizarre Art und Weise, einer nach dem anderen, wie im Lied von den zehn kleinen Negerlein, wissen sie.
vanDusen: Nein ich weiß es nicht, Madame, volkstümliche Lyrik gehört nicht zu meinen vorrangigen Interessen.
Hatch: Das Lied geht so, Prof, zehn kleine Negerlein, die gingen mal ins Heu.
vanDusen: Schweigen Sie Hatch und sie Madame haben die Güte fortzufahren.
Maigret: Angesichts der mysteriösen Morde wären sie Prof völlig rat- und hilflos, meinte Predergast.
vanDusen: Meinte er, soso.
Maigret: Und schließlich würden wir alle aus unserem Versteck auftauchen, lebendig natürlich und sie auslachen, so wars geplant.
vanDusen: Doch es kam anders, aus dem albernen Spiel wurde tödlicher Ernst, Smiley, Möllhausen und Gallimard sind tot, wir drei befinden uns in größter Gefahr.
Hatch: Und was ist mit Caruso und mit Sherlock Holmes.
vanDusen: Das ist im Augenblick nicht von Belang, sie erwähnten, Madame, der angebliche Prendergast habe mit heiserer Stimme gesprochen.
Maigret: Fast tonlos, er sei erkältet, hat er behauptet.
vanDusen: Aha, der Fall ist klar.
Maigret: Sie wissen Bescheid, Prof.
vanDusen: Ja Madame.
Maigret: Sie kennen den wirklichen Hintermann.
vanDusen: Nur daß es nicht um einen Hintermann handelt, vielmehr verzeihen sie das ungelenke Wortspiel, um eine Hinterfrau, unser Gegner ist das Phantom.
Prendergast: Das Phantom, alias Mr Prendergast, alias Mrs Prendergast, bravo Prof.
Hatch: Das Phantom, die größte Verbrecherin unserer Zeit, die alles maskieren und verbergen konnte, ihr Geschlecht, ihr Aussehen, ihren Charakter, viermal hatte sie mit van Dusen die Klingen gekreuzt, in Biarritz und Berlin, am schwarzen Meer und in Kairo, viermal war sie entlarvt und besiegt worden.
Prendergast: Bravo Prof, brillant wie immer, leider zu spät, sie haben mich nicht erkannt, sie konnten mich nicht erkennen, ich hab mir ein neues Gesicht schneidern lassen, übrigens durch ihren Bruder Tiberius, jetzt sitzen sie da wo ich sie seit unserem ersten Zusammentreffen haben wollte, in der Fall, in spätestens eine halben Stunde werden die Wasser über ihrem genialen Schädel zusammenschlagen und mit ihn müssen neben Mr Hatch natürlich 6 kleinere kriminologische Lichter dran glauben, 7 wenn ich den guten Prendergast mitzähle, den ich schon vor Monaten aus dem Weg geräumt habe, damit er meinen wunderschönen Plan nicht stört, daß sie zusammen mit Madame Maigret aus der Welt scheiden, Prof, das freut mich ganz besonders, denn mit dieser Dame habe ich, sie wissen es, ein spezielles Hühnchen zu rupfen wegen der Affäre um die Rose von Kairo, genug geplaudert, Brimstone.
Butler: Chefin.
Prendergast: Du bleibst in der Nähe, guckst ab und zu über den Rand, und wenn sie am ersaufen sind, rufst du mich, das Schauspiel will ich mir nicht entgehen lassen, hahaha.
Hatch: Der Fall war klar aber hoffnungslos, Madame Maigret stand das Wasser an den Schultern, mir an den Achselhöhlen, dem Prof reichte es sogar schon bis ans Kinn, aber er verlor weder Mut noch Kombinationsgabe, er hatte eine Idee.
vanDusen: Helfen sie mir ihre Schulter zu erklimmen, mein lieber Hatch.
Hatch: Wenn sie ihr Leben dadurch ein bißchen verlängern wollen Prof.
vanDusen: Unsinn, nun heben sie mich schon hoch und richten sie den Strahl ihrer Lampe auf diese Stelle hier, sie sehen, ein kreisrundes Stück Mauerwerk, dessen Färbung sich auf eklatante Weise von seiner Umgebung abhebt, so stehen sie doch still Hatch.
Hatch: Nicht gerade ein Leichtgewicht, der Prof, erstaunlich, wo er doch so klein ist, wahrscheinlich der Kopf.
vanDusen: Wenn ich an diesem in die Mauer eingelassenen Haken drehe.
Maigret: Eine Tür.
vanDusen: Ja eine Geheimtür, hinter welcher sich ein Geheimgang erstreckt, in jeder Burg welche auf sich hält pflegen sich derartige bauliche Besonderheiten zu finden, wo bleiben ihre Manieren Hatch.
Hatch: Bitte.
vanDusen: Seien sie Madame Maigret behilflich.
Hatch: Der enge Gang führte schräg nach oben und endete in einem finsteren Kellerraum, wir krochen aus dem Loch im Boden, schüttelten uns und sahen uns um, zum Glück hatte die Lampe noch immer nicht den Geist aufgegeben.
Maigret: Wo sind wir Prof.
vanDusen: Nun vergegenwärtigen wir uns den Ausgangspunkt unseres Fluchtwegs, sodann den Neigungswinkel und die Länge der zurück gelegten Stecke, setzen wir dies alles ins rechte trigonometrische Verhältnis, eine höchst simple mathematische Operation.
Hatch: 2 plus 2 ist 4.
vanDusen: So stellen wir fest, wir befinden uns in der Nordwestecke der Burg, das heißt unter dem Rundturm, welchen wir meine ich durchaus Burg- oder Bergfried nennen dürfen, auch wenn er sich nicht in der Mitte, sondern am Rande der Anlage erhebt.
Caruso: Ah.
Maigret: Was ist das.
Hatch: Vorsicht, vielleicht spukt hier doch ein Burggespenst herum.
Maigret: Das kommt aus diesem Nebenraum, mondieu, kommen sie schnell, meine Herren.
Hatch: An der Wand hingen Ketten, in einer Ecke hockte ein staubgraues Gerippe, und auf dem Boden lag Detektiv Caruso von der New Yorker Kriminalpolizei in den letzten Zügen.
Caruso: Gestoßen und gestürzt durch eine Falltür, ich machs nicht mehr lange, Mr Hatch.
Hatch: Ja Caruso.
Caruso: Schreiben sie mir einen Nachruf.
Hatch: Ja Caruso sobald ich hier raus bin.
Caruso: Aber einen schönen, ohne ihr Spitzen und ohne ohne Ironie, bitte.
Hatch: Ich versprech es Ihnen, Caruso.
Caruso: Danke danke Mr Hatch, ach.
vanDusen: Er ist tot.
Butler: Hierher, Chefin, hier sind sie.
Maigret: Hier ist eine Treppe, schnell meine Herren, nach oben.
Hatch: In Windeseile kletterten wir aus dem Keller in den Turm, 10 Stockwerke mindestens, die Treppe wurde schmaler, steiler und hörte dann ganz auf, unter einer Falltür, wir quälten uns durch und schoben innen den Riegel vor, wir waren im obersten Stockwerk in einer Art Rumpelkammer oder besser in einem kleinen Museum ala Glastonbury, altmodische Möbel standen herum, eine Ritterrüstung, und in den Ecken lagen mittelalterliche Waffen, eine Leiter führte durch eine zweite Falltür in der Decke aufs Dach, viel Zeit zum Luftholen hatten wir nicht, auf Anordnung des Prof verrammelten Madame Maigret und ich die Klappe mit allem, was sich im Zimmer fand, Schränke, Kommoden, Stühle, ein Tisch.
vanDusen: Auch die Rüstung mein lieber Hatch.
Hatch: Ayai Sir, ist die schwer.
Holmes: Seien sie so freundlich Mr Hatch die Hände von meiner Person zu lassen.
Hatch: Da steckt ja einer drin.
vanDusen: In der Tat, Mr Sherlock Holmes, wenn ich nicht irre, sie haben sich in dies ungewöhnliche Versteck geflüchtet.
Holmes: Geflüchtet, ich muß doch sehr bitten, eine vorläufige strategische Absatz-bewegung.
vanDusen: Wenn sie es so bezeichnen wollen, Mr Holmes, entsteigen Sie nun gefälligst ihrem Harnisch, gehen sie Mr Hatch zu Hand.
Holmes: Ich verbitte mir diesen Ton, Prof, Sherlock Holmes nimmt von keinem Mensch Befehle entgegen und von ihnen schon gar nicht.
vanDusen: Wie sie wünschen Mr Holmes, es steht ihnen frei, dies Domizil zu verlassen.
Holmes: Ich denke nicht daran, ich war zu erst hier.
Butler: Die Tür ist zu Chefin.
Prendergast: Dann brich sie auf, du Idiot.
Butler: In Ordnung Chefin, es geht nicht Chefin.
Prendergast: Hören Sie Prof.
vanDusen: Madame.
Prendergast: Sie haben sich verbarrikadiert, aber das wird ihnen nichts nützen, ich werde warten, bis sie aufgeben oder verhungert sind oder sich vom Dach in den Abgrund stürzen, eine andere Wahl haben sie nicht.
vanDusen: Glauben Sie, Madame Maigret, sie haben, wie ich sehe, noch immer ihre Handtasche bei sich.
Maigret: Davon trenne ich mich nie Prof.
vanDusen: Ich vermute daß sich in der Tasche unter anderem Nadel und Faden kurz alle zum Nähen benötigten Utensilien befinden.
Maigret: Ja Prof aber.
vanDusen: Sehen sie dies hier.
Maigret: Die Fenstervorhänge, ziemlich schmutzig.
vanDusen: Aber aus reiner fester Seide.
Maigret: Ah sie denken.
vanDusen: An Leonardo da Vinci.
Hatch: Leonardo da Vinci, also jetzt versteh ich gar nichts mehr.
vanDusen: Das macht nichts, helfen sie Madame beim Zuschneiden und Nähen, sie ebenfalls, Mr Holmes, sofern sie es nicht vorziehen, allein hier zurückzubleiben.
Hatch: Die Nadeln qualmten, die Finger taten uns weh, wir nähten wie wild gewordene Putzmacherinnen und das war gut so, gerade als wir fertig waren, verlor das Phantom die Geduld.
Prendergast: Das dauert mir zu lange, Brimstone.
Butler: Chefin.
Prendergast: Lauf runter zur Pulverkammer im Erdgeschoß, hol eine Stange Dynamit, wir werden die Klappe aufsprengen.
Butler: Jawohl Chefin.
vanDusen: Die Pulverkammer im Erdgeschoß richtig, ich habe sie bei unserer eiligen Passage flüchtig zur Kenntnis genommen, ausgezeichnet, das was es uns zugedacht hat, werden wir dem Phantom zurückerstatten, mit Zins und Zinseszins, wir werden dafür sorgen, daß diese Massenmörderin die gerechte Strafe für ihre zahllosen Untaten erhält und daß sie keine Gelegenheit haben wird, weitere abscheuliche Verbrechen zu begehen, Madame Maigret, meine Herren, wer von ihnen ist der treffsicherste Schütze.
Hatch: Also mich können sie streichen Prof.
Holmes: Ich Prof.
Maigret: Nichts gegen sie, Mr Holmes, aber sehen sich doch ihre Finger an, die zittern ja, ich habe eine ruhigere Hand Prof.
vanDusen: Ich stimme ihnen zu, Madame, glauben sie, daß sie mit einer Armbrust umzugehen im Stande sind.
Maigret: Viv Professeur…
vanDusen: Tre bien Madame, mein lieber Hatch, ich gehe wohl nicht fehl in der Annahme, daß sie Zündhölzer bei sich tragen.
Hatch: Hab ich, Prof, ah schon wieder trocken.
vanDusen: Sehr schön, hören sie zu.
Hatch: Zehn Minuten später standen wir vier auf des Turmes Zinnen, die eigenhändig genähten Fallschirme aus roter Vorhangseide auf dem Rucken und spähten in die Tiefe, 50 m Turm und dann runde 300m steiler Felsen, schöne Aussichten, ich fühlte mich wie damals in Athen auf dem Hochseil nur womöglich noch schlimmer.
vanDusen: Wiederholen sie ihre Instruktionen Madame Maigret.
Maigret: Ich entzünde die Lunte, den mit der brennenden Lunte versehenen Armbrustbolzen werde ich beim Vorüberschweben in das von ihnen bezeichnete Fenster im Erdgeschoß schießen.
vanDusen: Exzellent Madame, und nun springen.
Maigret: Vive la France.
Holmes: God save the King.
vanDusen: 2 plus 2 gibt 4.
Hatch: Ach du dicker Pater.
Hatch: Madame schoß ins Fenster der Pulverkammer, das nehm ich jedenfalls an, wie immer in solchen unangenehmen Situationen hatte ich die Augen fest zugedrückt, wir kamen unten an, eine mittelweiche Landung, würde ich sagen, wir standen auf, rissen die Fallschirme runter und rannten so schnell wir konnten ins Gelände, weg von der Burg, die Pulverkammer flog in die Luft, wir blieben stehen und sah uns um, Feuer breitete sich aus, der Turm schwankte, in einer Fensteröffnung tauchte das Phantom auf, von Flammen eingehüllt, dann verschwand es, der Turm stürzte ein, die ganze Burg war ein Trümmerhaufen.
vanDusen: Der Götter Ende dämmert nun auf, oder auch finis phantomae und diesmal ohne jeden Zweifel endgültig.
Holmes: Ein Automobil, ein Pierce-Arrow.
Hatch: Schöner Wagen, ich habe selber einen zuhause in New York.
Maigret: Das Automobil kommt näher.
Holmes: Es hält.
Futrelle: Prof van Dusen nehm ich an.
vanDusen: So ist es.
Futrelle: Happy birthday to you...
vanDusen: Nein bitte, danke danke mein bester, danke sie würden mir eine größere Freude machen wenn sie mich und meine Begleiter auf schnellstem Weg nach San Francisco brächten.
Futrelle: OK Prof steigen sie ein.
Hatch: Es war ein langer Weg zurück zur Küste, Sherlock Holmes schmollte, er mußte mit dem hinteren Klappsitz vorlieb nehmen, was ihm sehr mißfiel, unser Fahrer redete.
Futrelle: Seit gestern bin ich hinter ihnen her, Prof, ich hab sie von Raymond aus verfolgt und dann aus den Augen verloren.
Holmes: Unangenehme Situation.
Maigret: Geben Sie doch Ruhe Holmes.
Futrelle: Seitdem kreuze ich in den Bergen herum wenn das kein glücklicher Zufall ist
vanDusen: Jaja.
Futrelle: Ich will sie nämlich interviewen, zu ihrem Geburtstag, exklusiv.
Hatch: Ach, sie sind auch Journalist.
Futrelle: Bin ich, Futrelle ist mein Name, Jack Futrelle.
Hatch: Was, sie sind dieser Typ, der die Frechheit hat, mir ins Handwerk pfuschen und auch über den Professor zu schreiben.
Futrelle: Ja ich habe mir erlaubt, einige Fälle der Denkmaschine journalistisch aufzuarbeiten.
Hatch: Dann will ich ihnen mal was sagen Mr. Futrelle, in Zukunft lassen sie ihre Finger davon, Prof. van Dusen hat nur einen Chronisten und der heißt Hutchinson Hatch.
Futrelle: Aber Mr Hatch, der Prof. ist eine Figur des öffentlichen Lebens und die Öffentlichkeit hat ein Recht darauf von mir.
Hatch: Außerdem haben sie keine Ahnung, was sie zum Beispiel aus dem Gaslichtmord gemacht haben, das ist alles falsch, das stimmt doch hinten und vorne nicht, Prof, warum sagen sie denn nichts.
vanDusen: Weil ich dem verbalen Wettbewerb der Schreiberlinge lausche, mein lieber Hatch, mit Interesse und äh ich muß es gestehen mit einem gewissen Amüsement, Sie mein lieber Hatch sind mein Assistent, mein Begleiter, und vor allem diejenigen Abenteuer, welche uns auf unseren ausgedehnten Reisen zustießen, können und dürfen nur sie adäquat beschreiben, doch was meine übrigen Fälle betrifft, so steht es selbstverständlich auch Mr Futrelle frei, sich an ihnen zu versuchen, Prof. DrDrDr Augustus van Dusen ist ein zu großes Thema für nur einen Biografen, möge der bessere gewinnen.
Professor van Dusen: Friedrich W. Bauschulte
Hutchinson Hatch: Klaus Herm
Mrs. Prendergast: Liane Rudolph
Mr. Prendergast: Liane Rudolph
Madame Maigret: Evamaria Miner
Shemlock Homes: Lothar Blumhagen
Detective-Sergeant Caruso: Heinz Giese
Commissaire Gallimard: Gerd Duwner
Chefinspektor Smiley: Rolf Marnitz
Kommissar von Möllhausen: Edgar Ott
Butler Brimstone: Till Hagen
Jacques Futrelle: Wolfgang Condrus
Kommentar von vanDusen |
Michael Koser: Prof. van Dusen läßt die Sau raus (RIAS 1988)
Erzählerin: Prof. van Dusen ist bekanntlich ein abgeklärter Mensch, der über den Dingen des Alltags steht, doch wenn er mal so richtig geärgert wird, dann, hören Sie Prof. van Dusen läßt die Sau raus, von Michael Koser.
Hatch: Wir machten ein paar Tage Ferien, Prof. van Dusen und ich und die hatten wir auch dringend nötig, hinter uns lag eine anstrengende Automobiltour durch England und nicht zu vergessen die mindestens genau so anstrengende Affäre um den Siegelring des Königs Artus und um den geheimnisvollen schwarzen Ritter. Es war Sonnabend der 6. Juni 1903, wir saßen beim Frühstück, und fühlten uns wohl, es war rundherumschön.
Hatch: Herrliches Wetter Prof.
vanDusen: Mein lieber Hatch, obzwar sie sich seit nunmehr gut 5 Jahren der Ehre und des Vorzugs erfreuen dürfen, Umgang mit meiner Person zu pflegen, befleißigen sie sich wie ich zu meinem Bedauern immer wieder konstatieren muß weiterhin hartnäckig einer vagen durch und durch impräzisen und platterdings unwissenschaftlichen Ausdrucksweise.
Hatch: Aber Prof, ich habe doch bloß gesagt herrliches Wetter.
vanDusen: Ganz recht, und was hätten sie sagen sollen.
Hatch: Weiß ich doch nicht, ich bin schließlich kein Metero Meteo na ja so einer der das Wetter vorhersagt und dann wirds doch ganz anders.
vanDusen: Nicht nur ein Meteorologe, auch ein in wissenschaftlichen Belangen nicht gänzlich unaufgeschlossener Laie würde sich folgendermaßen ausdrücken, wir befinden uns im Wirkungsbereich eines sog. dynamischen oder auch warmen Hochdruckgebietes, durch welches aus subtropischen Breiten Warmluft in diese gewöhnlich vom Klima weniger begünstigen Lokalitäten herangeführt wird, der wolkenlose oder allenfalls.
Hatch: Little Bacon ist ein idyllisches Dörfchen in Mittelengland, nicht weit von der Stadt Worchester, wo sie die berühmte Soße machen, da gibt es eine Kirche aus dem Mittelalter, einen soliden Gasthof mit ländlicher Küche und gepflegtem Bier, romantische Fachwerkhäuser, Efeu, Heckenrosen, ein richtiges kleines Paradies, und wenn sie noch nicht in Little Bacon waren, meine Damen und Herren, dann gebe ich ihnen einen guten Rat, lassen sie es auch in Zukunft bleiben.
Baconsfield: Morgen die Herren, herrliches Wetter heute, was?
Hatch: Sie meinen ein dynamisches Hochdruckgebiet wodurch Warmluft aus den Subtropen.
vanDusen: Hatch, und was sie betrifft, Sir, ich habe sie nicht aufgefordert, an meinem Tisch platzzunehmen.
Baconsfield: Ach wissen Sie, Prof, was brauchts der Formen unter artverwandten Seelen, Milton oder Shakespeare egal, sie sind doch Prof van Dusen, dieser Superschnüffler aus Amerika.
vanDusen: Sir.
Hatch: Stehen Sie auf Fremder, gehen sie in sich und ziehen sie am besten auch gleich die Schuhe aus, sie befinden sich in Gegenwart von Prof Dr.Dr.Dr. Augustus van Dusen dem berühmten Wissenschaftler und großen Amateurkriminologen der da genannt wird die Denkmaschine und ich bin sein Prophet äh wollte sagen sein Assistent und Chronist Hatch, Hutchinson Hatch.
Wirt: Herr Prof wünschen.
vanDusen: Haben sie die Güte, Herr Wirt dieses, dieses Subjekt von meinem Tisch zu entfernen.
Wirt: Aber Herr Prof, das geht nicht, das ist doch Mr Alastair.
vanDusen: So und wer oder was ist Mr Alastair.
Hatch: Mr Alastair war ein drahtiges Kerlchen ungefähr so alt und so groß wie der Prof, außerdem war er der ehrenwerte Alastair Baconsfield, der jüngere Bruder von Lord Hogsford und Lord Hogsford war in der Gegend die absolute Nr. 1, seit Jahrhunderten saß er d.h. seine Familie auf Schloß Hogsford, nur ein paar Minuten von Little Bacon entfernt, ihm gehörte fast alles Land um uns herum, sein Wort war Gesetz und darum war natürlich auch sein Bruder eine Respektsperson.
vanDusen: Das ist mir ganz und gar gleichgültig Sir, für mich sind sie ein Flegel.
Baconsfield: Regen Sie sich ab Prof und lassen sie mich auch mal zu Wort kommen, ich hab was für sie, ein Angebot.
vanDusen: Ich wünsche es nicht zu hören.
Baconsfield: Ein kriminologisches Angebot, auf Schloß Hogsford ist nämlich was passiert, das Verbrechen des Jahrhunderts könnte man sagen.
vanDusen: In der Tat Mr Baconsfield, äußern sie sich genauer, aber knapp, wenn ich bitten darf, präzise.
Hatch: Und von Anfang an.
Baconsfield: Ja also es geht um die Marquise von Hogsford.
vanDusen: Ein Mitglied ihrer Familie Mr Baconsfield.
Baconsfield: Das denn nun doch nicht, allerdings wenn sie meinen Bruder Cecil fragen, die Marquise gehört ihm müssen sie wissen.
vanDusen: Wie darf ich das verstehen Mr Baconsfield.
Baconsfield: Sie ist eine Sau, die Marquise.
vanDusen: Wie bitte.
Baconsfield: Ein Schwein, na kennen sie doch Prof, so ein dickes fettes Tier das grunzt und sich im Dreck suhlt.
vanDusen: Ja ich weiß was ein Schwein ist, Mr Baconsfield.
Baconsfield: Na wunderbar, dann wirds ihnen ja nicht schwer fallen die Marquise zu finden, sie ist nämlich verschwunden, aus ihrem Stall, wahrscheinlich geklaut von unserem Nachbar Sir Pelham Grenville auf Woodhouse.
vanDusen: Mr Baconsfield.
Baconsfield: Die Marquis ist der Augapfel meines Bruders, wissen Sie, eine Berkshiresau, edelste Rasse, schon dreimal hat sie den großen Preis auf der Landwirtschaftsausstellung gewonnen in Worcester und in diesem Sommer holt sie den Preis zum vierten Mal, deshalb ist ja Sir Pelham so sauer weil für sein Vieh immer nur der zweite Platz bleibt.
vanDusen: Mr Baconsfield, gehe ich fehl in der Annahme, daß sie mir zumuten, den unbekannten Aufenthaltsort eines verschwundenen womöglich entwendeten Hausschweins, sus scrofa domesticus zu eruieren.
Baconsfield: Spucken Sie doch nicht so große Töne Prof, sie sollen rauskriegen, wo die Marquise steckt und was mit ihr passiert ist, so was ist doch ihr Job wie sie da drüben in Amerika sagen oder.
vanDusen: Entfernen sie sich Sir, auf der Stelle.
Baconsfield: Ist das ihr Ernst.
vanDusen: Mein voller Ernst, das versichere ich ihnen, hinaus.
Baconsfield: Alright, aber ich sag ihnen was, wir sprechen uns wieder, und zwar bald, wissen sie die Menschen hier sind ein besonderer Schlag, kernig, ein bißchen schlicht, aber treu, und auf den Adel lassen sie nichts kommen und sie finden es gar nicht schön, wenn man seiner Lordschaft in die Suppe spuckt, das werden sie noch merken Prof.
vanDusen: Ein besonderer Menschenschlag, wie wahr, vor einer halben Stunde belästigt mich der hiesige Krämer mit dem Ansinnen einen des Nachts stattgehabten Einbruchs Diebstahl in seinem Laden aufzuklären, einen Einbruchdiebstahl bei welchem gestohlen worden sein soll, was wars noch gleich.
Hatch: Ein großer schwarzer Luftballon und ein Eimer mit Farbe.
vanDusen: Und nachdem ich dieser, ich kann es nicht anders ausdrücken unverfrorenen Dreistigkeit die gebührende Abfuhr habe zu teil werden lassen, wagt man es mir, eine noch wahnwitzige Anmutung zu unterbreiten, ich Prof van Dusen der größte Amateurkriminologe, den die Welt je gesehen hat, ich soll eine abhanden gekommene Sau wieder zur Stelle schaffen, in der Tat, in dieser rustikalen Abgeschiedenheit scheinen Degeneration, Debilität, Idiotie, kurz der blanke Schwachsinn zu grassieren, wir reisen ab, gleich morgen.
Wirt: Tut mir leid Herr Prof, aber sie reisen heute noch, sofort, ihr Gepäck steht schon auf der Straße, hier ist die Rechnung.
Hatch: Wir wurden vor die Tür gesetzt, kurz aber nicht schmerzlos und ohne Begründung von ein paar kräftigen Hausknechten, telefonieren durften wir übrigens auch nicht.
Wirt: Nur wenn sie auf Schloß Hogsford anrufen und mit Mr Alister sprechen wollen, nein, dann machen sie daß sie weiterkommen.
Hatch: Wir wanderten zum kleinen Bahnhof von Litte Bacon, finster beäugt von den Dorfbewohnern, sauer und schwer bepackt, letzteres bezog sich natürlich nur auf meine Wenigkeit, auf dem Bahnsteig erfuhren wir eine neue Hiobsbotschaft.
Bahnhofsvorstand: Der nächste Zug, keine Ahnung, vielleicht morgen, vielleicht übermorgen, vielleicht in einem Monat, vielleicht noch später, eine unvorhergesehene Fahrplanänderung, bis auf weiteres hält kein Zug in Little Bacon.
Hatch: Schöne Bescherung, wie sollen wir denn wegkommen.
vanDusen: Lassen sie das Lamentieren, tun sie etwas, mieten sie uns einen Wagen.
Bahnhofsvorstand: Ein Automobil, im Dorf gibts keins, nur auf Schloß Hogsford.
vanDusen: Dann von mir aus auch ein Pferdefuhrwerk.
Bahnhofsvorstand: Zwecklos keiner wird sie fahren.
Hatch: Ok gehen wir eben zu Fuß.
Bahnhofsvorstand: Können sie ja gern versuchen, aber ich würds nicht tun an ihrer Stelle, auf den Wiesen wimmelt es von wilden Bullen.
Hatch: Da standen wir nun und sahen uns an und ich hatte das Gefühl, auch Prof van Dusen wußte nicht, wie es weitergehen sollte, aber da hatte ich ihn unterschätzt.
vanDusen: Hören sie.
Hatch: Ja ein Zug, was solls, der fährt ja doch durch.
vanDusen: Nicht wenn sie sich quer über die Schienen legen.
Hatch: Was.
vanDusen: In diesem Falle sehe sich der Zugführer zum Halten genötigt, wir könnten zusteigen.
Hatch: Schwierig mit abgefahrenen Beinen.
vanDusen: Sie haben Bedenken.
Hatch: Das können sie laut sagen, zufällig ist mir heute gar nicht nach Selbstmord, wissen sie was, statt mit lebensgefährlichen Ideen zu jonglieren, sollten sie lieber diesen ulkigen Schweinefall lösen, das ist doch für sie ein Klacks und dann sehen wir zu, daß wir von hier verschwinden.
Baconsfield: Sehr gut Mr Hatch nicht wahr, und sie Prof inzwischen auch vernünftig geworden.
vanDusen: Angesichts der empörenden ja unglaublichen Verfolgungen und Beeinträchtigungen welchen wir meine Person und Mr Hatch uns ausgesetzt sehen, auf ihre Veranlassung Mr Baconsfield, daran kann ja wohl kein Zweifel bestehen, angesichts dieser Situation bleibt mir keine Wahl, ich übernehme den Fall.
Baconsfield: Na bitte Prof, nur ein bißchen gut zureden und schon klappt die Sache, Fahrplan wieder in Kraft, Kidney.
Bahnhofsvorstand: In Ordnung, Mr Alastair.
Baconsfield: Kommen Sie, meine Herren, mein Automobil steht auf dem Vorplatz, ihr Gepäck lassen sie am besten hier, in 5 Minuten sind wir im Schloß, gerade richtig zum Lunch.
Hatch: Lunch im Speisesaal von Schloß Hogsford war eine trübselige Angelegenheit, nicht nur was das Essen betraf, Cecil Baconsfield, Lord Hogsford, Schloßherr und Gastgeber, tränte vor sich hin, vermutlich sorgte er sich um sein geliebtes Borstenvieh, ein bißchen munterer wurde er nur, wenn die Rede auf Schweine kam zB als Bruder Alastair ihm den Professor vorstellte.
Lord: Zoologe ja.
vanDusen: Unter anderem Milord.
Lord: Großartig, verstehen Sie was von Schweinen.
vanDusen: In der Tat Milord.
Lord: Großartig, großartig, dann müssen sie sich meine Marquise ansehen, Prof, wundervolles Geschöpf, ganz wundervoll, nur leider momentan nicht da, sozusagen verschwunden, jawoll, traurige Sache.
vanDusen: So scheint es Milord.
Lord: Sie kennen Mr Whiffle, Prof, Augustus Whiffle, unseren großen britischen Schweineexperten.
vanDusen: Selbstverständlich ist Mr Whiffle Ruf mir bekannt, Milord, allerdings hatte ich noch nicht das Vergnügen.
Lord: Können Sie nachholen, auf der Stelle, hier sitzt er, direkt neben ihnen.
Hatch: Der große britische Schweinepapst mit dem interessanten Vornamen Augustus sah aus, als habe sein Spezialgebiet sehr intensiv auf ihn abgefärbt, fett, rund, rosa, borstig, außer ihm gab es noch 2 Gäste auf Schloß Hogsford.
Baconsfield: Mr Osgood P. Quackenbush, Millionär und ein Landsmann von ihnen.
vanDusen: Mr Quackenbush ist mir nicht unbekannt.
Hatch: Mir übrigens auch nicht, zweimal waren wir uns über den Weg gelaufen, in NewYork während der Affäre um das Auge des Zyklopen und erst vor ein paar Tagen im englischen Glastonbury beim Fall des unheimlichen Schwarzen Ritters, in dieser Sache hatte Quackenbush eine recht zwielichtige Rolle gespielt, vielleicht wirkte er deshalb wie das personifizierte schlechte Gewissen.
Baconsfield: Dann kennen Sie wohl auch seine reizende Tochter, Ms Iris Quackenbush.
Iris: Das hat sich bisher leider nicht ergeben, aber ich habe natürlich von ihnen gehört, Prof.
vanDusen: Wer hätte das nicht, Ms Quackenbush.
Baconsfield: Und der junge Mann an Ms Quackenbush Seite, ja der mit dem Monokel und dem eingeschlafenen Gesichtsausdruck, das ist mein Neffe, Cecils Sohn und Erbe, der ehrenwerte Ronald Baconsfield.
Ronny: Ronny, sagen Sie Ronny Prof, alle sagen Ronny.
Hatch: Van Dusen sagte nicht Ronny zu ihm, er sagte überhaupt nichts zu ihm, sondern unterhielt sich mit seinem schweinekundigen Nachbarn.
vanDusen: Wenn ich recht informiert bin, Mr Whiffle, empfehlen sie in ihrem Werk über die sachgerechte Aufzucht des Hausschweins die nicht unumstrittene Wolf-Lehmann-Kolimowski Diät.
Whiffle: Koli waas.
Lord: Großartige Diät, ganz großartig, gibt nichts besseres, was Whiffle.
Whiffle: Gewiß Milord, prima Diät, die Schweine nehmen ab wie ein geölter Blitz.
vanDusen: Sie nehmen ab?
Lord: Kleiner Scherz, was Whiffle, sie nehmen zu, dick und fett werden sie, wie meine Marquise, ach ja, die arme Marquise.
Whiffle: Natürlich, natürlich, sie nehmen zu.
Lord: Müssen sie ja auch, bei 50000 Kalorien.
vanDusen: Mrs Quackenbush, hätten sie wohl die Güte, mir das Salzfaß zu reichen.
Iris: Sicher Prof, wo, ah hier.
vanDusen: Das ist ihre Fingerschale, Mrs Quackenbush.
Quackenbush: Wie oft hab ichs dir schon gesagt, Iris, du brauchst eine Brille.
Hatch: Nach dem Lunch wanderten wir durch den Garten zum Schweinestall, es wurde langsam Zeit, den geheimnisvollen Fall der verschwundenen Marquise in Angriff zu nehmen und das tat der Prof denn auch, er verhörte den Schweinewart seiner Lordschaft.
vanDusen: Wann ist das ihrer Wartung anvertraute Tier verschwunden.
Wart: Jo, weiß ich nicht.
vanDusen: Dann lassen sie mich die Frage anders formulieren, wann und wo haben sie die Sau zuletzt gesehen.
Wart: Ja gestern beim Mittagessen, hier, dann bin ich eingeschlafen ja und wie ich aufgewacht bin, war sie weg die Marquise, ja.
Hatch: Wann war das.
Wart: Was.
vanDusen: Wann sind sie aufgewacht.
Wart: Gegen 5.
vanDusen: So, und pflegen sie jeden Tag einen so ausgedehnten Mittagschlaf zu halten.
Wart: Nö nie.
vanDusen: Und gestern.
Wart: Kann ich mir nicht erklären.
vanDusen: Hatten sie getrunken.
Wart: Ne, nur mein Dünnbier, wie immer, können sie die junge Dame aus Amerika fragen, die hat es mir nämlich gebracht, gestern, aus der Küche.
vanDusen: Mrs Quackenbush.
Wart: So heißt sie.
Quackenbush: Prof, hallo Prof.
vanDusen: Mr Quackenbush.
Hatch: Mr Quackenbush steckte hinter einer Hecke und winkte heftig, weil er unbedingt und sofort mit van Dusen sprechen wollte.
Quackenbush: Ich weiß Bescheid, Prof sie sind doch nicht als Zoologe auf Schloß Hogsford, so was können sie dem vertrottelten Lord erzählen oder seinem noch dämlicherem Sohn, also sie sind hier als Detektiv.
vanDusen: Kriminologe, Mr Quackenbush, Amateur-Kriminologe.
Quackenbush: Wie sie wollen Prof, jedenfalls sollen sie rauskriegen, wer sich an dieser gottverdammten Sau vergriffen hat.
vanDusen: Durchaus möglich, Mr Quackenbush.
Quackenbush: Ich weiß, was sie können Prof, ich hab ihnen schon zweimal zugesehen und darum will ich lieber gleich reinen Tisch machen.
vanDusen: Ja Mr Quackenbush.
Quackenbush: Also ich wars, ja ich hab das Unglücksvieh aus dem Stall geholt.
vanDusen: Sie setzen mich in Erstaunen, Mr Quackenbush.
Quackenbush: Ich hatte es nicht geplant, glauben Sie mir, aber als ich gestern hier vorbeikam, auf meinem üblichen Spaziergang nach dem Lunch.
vanDusen: Gestern, wann genau.
Quackenbush: Kurz vor zwei würde ich sagen, die Sonne schien, alles war still, dieser Kerl der Schweinewart schnarchte in seinem Schuppen und ja da hab ich einfach die Tür im Gatter aufgemacht und das Schwein rausgescheucht mit meinem Spazierstock.
Hatch: Nur so aus Jux und Dollerei, oder hatten sie einen bestimmten Grund.
Quackenbush: Natürlich hatte ich einen Grund, meine Tochter Iris hat sich verliebt, in Ronny Baconsfield, ja sie will ihn heiraten, das paßt mir gar nicht, gar nicht, sie haben Ronny ja kennengelernt, degeneriert, dumm wie Bohnenstroh, aber Iris besteht darauf, und wenn sie sich mal was in den Kopf setzt.
Hatch: Kann Daddy nicht nein sagen.
Quackenbush: So ist es, Mr Hatch, leider.
Hatch: Soweit alles klar, ich verstehe bloß nicht was Lord Hogsford Sau mit der Sache zu tun hat.
Quackenbush: Sehen Sie, ich kenne Lord Hogsford seit Jahren und ich weiß immer wenn was mit seinem geliebten Tier was nicht stimmt, ist er völlig daneben, übermorgen reisen wir ab, Iris und ich, und wenn die Marquise solange verschwunden bleibt, also hab ich mir gedacht, wird der Lord nicht ansprechbar sein, auch nicht für Ronny und seine Heiratspläne.
vanDusen: Ah ich verstehe, Mr Quackenbush, wo befindet sich die Marquise.
Quackenbush: Da drüben im Wäldchen, ich hab sie mit dem Stock hingetrieben und in eine leerstehende Holzfällerhütte gesperrt.
Hatch: Fall schon gelöst, so sah es aus. Als Quackenbush uns eine viertel Stunde später die Tür zur Hütte aufmachte, erlebten wir eine Überraschung.
Quackenbush: Leer, das Schwein ist weg.
Hatch: Aber es hat was hinterlassen, auf dem Boden, das heißt, es war da.
vanDusen: Jedoch nur sehr kurze Zeit, mein lieber Hatch, ansonsten wäre die von ihnen konstatierte Hinterlassenschaft wesentlich umfangreicher, Moment, was ist denn das hier.
Hatch: Ein Monokel, sagen sie mal, Quackenbush, die Marquise hat doch wohl kein Monokel getragen.
Quackenbush: Unsinn, es gibt nur einen auf Schloß Hogsford, der mit so einem Stück Glas im Auge rumläuft, der ehrenwerte Ronny, ja, den sollten sie sich mal vorknöpfen Prof.
Hatch: Auf seinem Zimmer im Schloß nahm van Dusen den edlen Sproß aus blauem britischem Blut ins Gebet, der versuchte zuerst, sich noch dümmer zu stellen, als er schon war, aber damit kam er beim Prof natürlich nicht weit, bald fing er an zu beichten.
Ronny: Es war Iris Idee, Prof, bestimmt, ich wär nie auf so was gekommen.
Hatch: Glaub ich ihnen unbesehen.
VanDusen: Hatch, weiter Mr Baconsfield.
Ronny: Wir klauen Papas Sau, hat Iris gesagt, wir verstecken sie ein zwei Tage ja und dann finden wir sie, hat Iris gesagt, und bringen sie Papa zurück, der ist selig, hat Iris gesagt und wenn ich ihm klarmache, daß Iris mich heiraten will, ich meine daß ich Iris daß wir.
vanDusen: Schon gut, um ihren Plan ungestört durchführen zu können, haben sie gestern ein Schlafmittel in das mittägliche Dünnbier des Schweinewarts praktiziert.
Ronny: Ich nicht Prof, das war Iris, deshalb hat sie ihm es ja gebracht das Bier, ja und wie wir uns zum Stall schleichen, so eine Stunde später, wen sehn wir da.
vanDusen: Mr Quackenbush.
Ronny: Genau, Prof, Iris alten Herrn, woher wissen sie.
vanDusen: Die Quelle meiner Erkenntnis ist im Augenblick ohne jeden Belag, Mr Baconsfield, fahren sie fort.
Ronny: Stellen Sie sich vor, der alte Quackenbush holt Papas Marquise aus den Stall und treibt sie weg.
vanDusen: In einen nahen Wald zu einer Hütte.
Ronny: Genau, und wie er weg ist der alte.
vanDusen: Haben Sie das Schwein anderswo hingebracht.
Ronny: In einer Schubkarre, schweres Stück Arbeit, gottseidank ist sie nicht weit weg, die Villa Waldeslust.
vanDusen: Villa Waldeslust.
Ronny: Ja, die hatten wir uns ausgeguckt, als Versteck für die Marquise, weil sie leersteht, die Villa, sie gehört nämlich dem alten Admiral Malenspeik und der segelt gerade in der Nordsee, oder wars die Ostsee.
vanDusen: Sie verbargen also das Schwein in der Villa Waldeslust.
Ronny: Im Bad, und wenn sie es ganz genau wissen wollen, in der Badewanne, sicherheitshalber.
vanDusen: Worauf sie wie ich annehme ins Schloß zurückkehrten.
Ronny: Ja Prof und da war der Teufel los, Papa hat inzwischen spitzgekriegt, daß die Marquise weg war, er hat getobt wie, wie tausend nackte Kannibalen, da wollte ich lieber nicht mehr mitmachen und Iris hat auch getobt und gesagt, ich soll mich schämen und sie zieht die Sache alleine durch, Iris hat ihren eigenen Kopf wissen Sie.
Hatch: Ja und sie sind ein richtiger Held, tapfer, furchtlos wagemutig.
Ronny: Finden Sie, Mr Hatch.
vanDusen: Holen Sie Hut und Stock, Mr Baconsfield, führen sie mich zu Villa Waldeslust.
Ronny: Wenn sie wollen Prof gern, aber es hat keinen Zweck, das Schwein ist nicht mehr da.
vanDusen: Was sie nicht sagen, und wo ist die Sau.
Ronny: Keinen Schimmer, Prof, großes Ehrenwort, da müssen sie schon Iris fragen, die ist nämlich heute ganz früh zur Villa, praktisch zu nachtschlafender Zeit, um die Marquise zu füttern und als sie zurückkam war sie ganz durcheinander, eine unglaubliche Geschichte hat sie erzählt.
Hatch: Und die erzählte sie van Dusen gleich nochmal, ich mußte dem ehrenwerten Ronny recht geben, es war wirklich eine ganz und gar unglaubliche Geschichte, am frühen Morgen kurz vor 6 war Iris Quackenbush zur Villa Waldeslust geschlichen mit einem Eimer gekochter Kartoffeln, die sie in der Schloßküche organisiert hatte, sie hatte die Haustür geöffnet, war über den Korridor gegangen, hatte die Tür zum Bad aufgemacht und das Schwein.
Iris: Lag ganz ruhig in der Wanne, ich denke, es schlief noch, als ich dann die Kartoffeln reinschüttete, wurde es wach, es fing an sich zu bewegen, grunzte ein bißchen, alles in Ordnung, und wie ich gerade vorsichtig die Haustür aufmache höre ich was, im Bad, ein lautes Geräusch, eine Art Knall, ich sofort zurück ins Bad, und was soll ich ihnen sagen Prof, das Schwein war verschwunden.
vanDusen: In der Tat Mrs Quackenbush.
Iris: Die Wanne war leer, bis auf die Kartoffeln und den Dreck natürlich, das ganze Bad war leer, nirgends ein Schwein.
vanDusen: Fenster, Mrs Quackenbush.
Iris: Eins, Prof, ca 20 mal 30 cm, unmöglich und durch die Tür ist auch kein Schwein gekommen, ich war ja direkt davor, im Korridor.
vanDusen: Sie hörten einen Knall, Mrs Quackenbush, sind sie sicher.
Iris: Ja Prof, einen lauten scharfen kurzen Knall.
Hatch: Vielleicht ist das Vieh geplatzt.
vanDusen: Mein lieber Hatch, gestatten sie mir die Bemerkung daß gerade in diesem Augenblick sie mich an ein wie sie sich auszudrücken belieben Vieh gemahnen.
Hatch: Zu gütig Prof.
vanDusen: Ich meine jenes sprichwörtliche Huhn, welchem es trotz seiner mangelnden Sehfähigkeit gelegentlich doch gelingt, ein Körnlein zu entdecken, das kleine Fenster im Bad, Mrs Quackenbush, stand es offen.
Iris: Warten sie, Prof, es war angelehnt.
vanDusen: Soso, gestern Nachmittag hatten sie, sofern ich recht unterrichtet bin, bin eine verbale Auseinandersetzung mit Mr Ronald Baconsfield.
Iris: Auseinandersetzung, gestritten haben wir uns, daß die Fetzen flogen, ich hätte nie gedacht, daß Ronny so ein Feigling ist.
vanDusen: Sie haben sich also gestritten.
Iris: Ja.
vanDusen: Laut.
Iris: Sehr laut, aber wieso.
vanDusen: Wo.
Iris: Wenn sie es unbedingt wissen wollen, Prof, in der Bibliothek.
vanDusen: Waren sie beide allein.
Iris: Moment, hinten in der Ecke saß einer, aber der schlief.
vanDusen: Wer.
Iris: Dieser Schweinemensch glaub ich, Whaffle oder wie heißt er.
vanDusen: Whiffle, danke Ms Quackenbush, wenn sie mich nunmehr zur Villa Waldeslust geleiten wollten, ich wünsche den Ort in Augenschein zu nehmen, an welchem die Marquise von Hogsford sich auf so mysteriöse Weise in Luft auflöste, was sie betrifft, mein lieber Hatch.
Hatch: Ich komme natürlich mit, Prof.
vanDusen: Mit nichten mein lieber Hatch, erheischt die Notwendigkeit gebieterisch den Einsatz des kriminologischen Assistenten, so hat der Chronist und Begleiter zurückzustehen, für sie habe ich einen Sonderauftrag, sie werden sich ins Dorf Little Bacon begeben, dortselbst den Krämer aufsuchen und ihm folgenden Fragen stellen.
Hatch: Anfangs war der Krämer ja etwas muffig, weil van Dusen ihn morgens im Gasthof so heftig abgebürstet hatte, aber er beruhigte sich wieder und erzählte mir was ich bzw. der Prof wissen wollte.
Krämer: Der Ballon, schwarz und groß, größer als ein normaler Luftballon, haben sie ihn nicht gesehen Mister, er hat doch wochenlang hier gehangen, da über dem Regal, seit der Kirmes, da ist er übriggeblieben.
Hatch: Und der Einbrecher hat ihn mitgenommen.
Krämer: So wie er war, Mr. und einen kleinen Eimer Farbe, weiße Farbe, damit ist er raus auf die Straße zu seinem Automobil und ist.
Hatch: Haben sie den Einbrecher gesehen.
Krämer: Aber ja doch Mr, von meinem Schlafzimmerfenster im 1. Stock, bloß erkennen konnte ich ihn nicht, weil er sich ein Tuch vors Gesicht gebunden hat, wie im wilden Westen Mr.
Hatch: Wie sah er aus.
Krämer: Dick, sehr dick.
Hatch: Das Automobil, welche Marke.
Krämer: Gott Mr, von so neumodischen Sachen versteh ich nichts, ich weiß bloß, daß er damit weggefahren ist.
Hatch: Welche Richtung, Schloß Hogsford.
Krämer: Genau anderslang, da wos zum Wald geht.
Hatch: Wie wir es verabredet hatten, traf ich den Prof vor der Villa Waldeslust, er hörte sich meinen Bericht an und war offensichtlich zufrieden.
vanDusen: Sehr schön, mein lieber Hatch, dank ihrer Tätigkeit zeichnet sich die von mir zunächst rein theoretisch konzipierte und postulierte Lösung des Falles nunmehr immer präziser, immer schärfer konturiert ab, sie sehen die Fußspuren, direkt am Mauerwerk, unter dem Fenster zum Badezimmer.
Hatch: Groß und breit.
vanDusen: Und tief eingesunken, die Spuren eines gewichtigen Mannes, welcher sich geraume Zeit vor dem Fenster aufhielt, weitere Spuren allerdings ganz anderer Art stellen wir vor dem Tor fest.
Hatch: Reifeneindrücke von einem Automobil.
vanDusen: Wohin führt dieser Weg, Mrs Quackenbush.
Iris: Nach Woodhouse, Prof, das ist das Anwesen von Sir Pelham Grenville.
vanDusen: Ah, der neidische Nachbar, welchen Mr Alastair Baconsfield als den Hintermann, die graue Eminenz der Affäre verdächtigt, mein lieber Hatch, wohin treibt es sie.
Hatch: Nach Woodhouse, Prof, den Reifenspuren nach.
vanDusen: Später, mein lieber Hatch, später, zunächst gilt es nach Schloß Hogsford zurückzukehren, um durch die nur dort zu entdeckenden bislang noch fehlenden Mosaiksteine das Bild einfürallemal zu komplettieren, während ich einige Worte mit Mr Whiffle, dem sog. Schweineexperten zu wechseln gedenke, werden sie, lieber Hatch einen zweiten speziellen Auftrag auszuführen haben.
Hatch: Worum es dabei ging, werden sie jetzt noch nicht erfahren, meine Damen und Herren, wegen der Spannung, und weil es ein Geheimauftrag war, hier nur soviel, alles ging glatt, ich machte Meldung, der Prof rieb sich die Hände.
vanDusen: Mein lieber Hatch, der Fall ist gelöst.
Hatch: So.
vanDusen: Sie zweifeln, mein lieber Hatch.
Hatch: Das würde ich mir nie erlauben, Prof aber wenn sie mich fragen, mir ist noch längst nicht alles klar.
vanDusen: Das ist nicht mehr als recht und billig, sie sind der Assistent, ein in diesem Falle recht zufriedenstellender ja lobenswerter Assistent, doch doch, ich möchte nicht versäumen das hinzuzufügen.
Hatch: Danke, ich weiß selber daß ich kein kriminologischer Großmeister bin, aber ein bißchen weiß ich doch, ich weiß, wer das Vieh aus der Villa geklaut hat und wo es jetzt steckt, aber was ich nicht weiß ist, wie hat der Kerl das Ding gedreht, wie hat er das fette Vieh in wenigen Sekunden mit einem Knall verschwinden lassen.
vanDusen: Ein im Prinzip höchst simpler Trick.
Hatch: Den sie natürlich durchschauen.
vanDusen: Natürlich.
Hatch: Und wie ich sie kenne, wollen sie ihn mir auch nicht verraten.
vanDusen: Dies mein lieber Hatch wäre ein krasser Verstoß gegen jede kriminologische Tradition, aufgeklärt wird bekanntlich erst zum guten Schluß in Anwesenheit aller Beteiligten.
Hatch: Das weiß ich.
vanDusen: Warum lösen sie das Rätsel nicht selber, sie kennen alle Indizien, prüfen sie sie, werten sie sie, nach dem Grundsatz.
Hatch: 2 plus 2 geschenkt Prof, sagen sie mir lieber was für Indizien ich prüfen und werten soll.
vanDusen: In aller kürze diese, mein lieber Hatch, a Mrs Quackenbush ist stark kurzsichtig, weigert sich jedoch aus Eitelkeit eine Brille zu tragen, b die Marquise von Hogsford gehört der Rasse der Berkshireschweine an, c beim Krämer von Little Bacon wurde ein großer schwarzer Luftballon entwendet, wenn sie ferner die Spuren an der Villa Waldeslust in Betracht ziehen.
Hatch: Dann weiß ich ehrlich gesagt immer noch nichts.
vanDusen: Auch wenn ich in der Regel keine intellektuellen Meisterleistungen von ihnen erwarte, mein lieber Hatch, enttäuschen sie mich dieses mal doch ein wenig, nun gut, der eine hats, der andere nicht, kommen sie, wir werden Sir Pelham Grenville einen Besuch abstatten, präziser seinem Schweinstall, bitte verständigen sie Mr Quackenbush, ich wünsche seine Begleitung.
Hatch: Den alten, nicht Iris.
vanDusen: Mr Osgood P. Quackenbush, ich habe meine Gründe.
Hatch: Quackenbush wunderte sich, aber er wußte, wenn Prof van Dusen ruft, gilt kein Zögern und nein sagen erst recht nicht, eine knappe Stunde später, es war inzwischen 5 geworden, standen wir vor Sir Pelham Grenvilles Schweinestall am Zaun, alles war still, kein Mensch zu sehen, außer uns drei natürlich, im Koben suhlte sich ein Schwein.
Quackenbush: Aber das ist nie und nimmer die Marquise von Hogsford.
vanDusen: Meinen Sie, Mr. Quackenbush.
Quackenbush: Die Marquise ist ein Berkshireschwein und Berkshireschweine sind schwarz, von der Schnauze bis zum Ringelschwanz, das Vieh hier ist.
Hatch: OK Kopf ist schwarz, Hinterteil auch, aber dazwischen ist es weiß, eindeutig.
vanDusen: Wie es den Anschein hat, handelt es sich um ein Tier vom Typ Wessex Saddleback, ein Typ welcher gekennzeichnet ist durch einen großen weißen Sattel oder Ring um den Rumpf, wenn sie jedoch meine Herren an diesem weißen Ring mit dem Fingernagel kratzen, igitt, wie ich es jetzt tue, so werden sie feststellen.
Hatch: Die Farbe geht ab.
vanDusen: So ist es, erinnern sie sich, beim Krämer wurde nicht nur ein Ballon gestohlen sondern auch ein kleiner Eimer voller weißer Farbe und hier hier steht er auf der Fensterbrüstung, mitsamt dem noch feuchtem Pinsel, kein Zweifel, meine Herren, die Sau, welche wir hier sehen, ist ein mittels weißer Farbe in ein Wessexsaddleback transponiertes quasi verkleidetes oder auch maskiertes Barkshireschwein, kurz die Marquise von Hogsford.
Quackenbush: Bravo Professor, ja und was tun wir jetzt.
Hatch: Wir lassen die Sau raus und bringen sie zurück, nach Schloß Hogsford.
Quackenbush: Das müssen wir wohl Mr Hatch, ja dann mal los.
vanDusen: Bitte meine Herren vorsichtig, ich werde die Tür aufmachen, halten sie die Sau solange fest.
Hatch: Drei Stunden später, im Speisesaal von Schloß Hogsford hatten sich alle Beteiligten versammelt, um sich bester amateurkriminologischer Tradition entsprechend vom Prof über den sensationellen Schweinefall aufklären zu lassen, sie erfuhren erstaunt oder schuldbewußt, je nachdem, wie die Marquise zuerst von Quackenbush und dann von dessen Tochter Iris in Zusammenarbeit mit dem ehrenwerten Ronny geklaut worden war und warum die Diebe sich diesem in amerikanischen Millionärskreisen nicht gerade üblichen Tun hingegeben hatten.
vanDusen: Nach dem sie ihre Beute in der Villa Waldeslust verborgen hatten, kehrten Mrs Quackenbush und der ehrenwerte Ronald Baconsfield hierher zurück, in der Zwischenzeit war das Verschwinden der Marquise entdeckt worden, und Lord Hogsford gab seiner Empörung Ausdruck, auf so entschiedene so vehemente Weise, daß Mr Baconsfield kalte Füße bekam, so lautet das ja wohl volkstümlich, sein Entschluß fürderhin seine Hände in Unschuld zu waschen, führte zu einem heftigen Streit zwischen ihm und seiner Mitverschworenen, dieser Streit wurde belauscht, dabei erfuhr der Lauscher unter anderem zwei ihn höchstlich interessierende Tatsachen, daß das Schwein sich in der Villa Waldeslust befand und daß Mrs Quackenbush die Absicht hatte, es am kommenden Morgen zwecks Fütterung aufzusuchen, beide Tatsachen beschloß der geheime Mitwisser sich zunutze zu machen, hatte er doch ohnehin die Absicht, die Marquise von Hogsford zu stehlen.
Baconsfield: Und wer war nun dieser Lauscher an der Wand, Prof.
vanDusen: Kein anderer als der Mann, welcher sich Augustus Whiffel nennt.
Lord: Was, Mr. Whiffle, das ist doch blühender Blödsinn, Prof, so was würde Mr. Whiffle nie tun, was Mr Whiffle.
Whiffle: Niemals Milord.
vanDusen: Mr Whiffle, Milord ist nicht Mr Whiffle, um wen es sich bei dieser Person in Wahrheit handelt, hat dankenswerterweise mein Assistent ermittelt, indem er das Zimmer des Verdächtigen einer Durchsuchung unterzog, dabei entdeckte er zwei äußerst bemerkenswerte Dokumente, bitte Mr Hatch.
Hatch: Erstens eine Lizenz als Privatdetektiv, ausgestellt auf einen gewissen Blister, Percy Blister, wohnhaft in London, zweitens ein Schreiben worin Sir Pelham Grenville Blister 500 Pfund verspricht, wenn er für ihn die Marquise klaut.
Baconsfield: Sir Pelham, hab ich ja gleich gewußt, daß der dahinter steckt.
vanDusen: Danke mein lieber Hatch, ich fahre fort, dem falschen Mr Whiffle, welcher beiläufig bemerkt eine beklagenswerte Unkenntnis in Bezug auf Schweine an den Tag zu legen pflegt, bot sich nunmehr die heißersehnte Gelegenheit, er beschloß, die Marquise aus der Villa Waldeslust zu entführen und Sir Pelham Grenville zuzustellen, doch damit nicht genug, indem er in raffinierter Inszenierung die Sau auf quasi magische Weise verschwinden ließ, wollte er die Angelegenheit zusätzlich verwirren, komplizieren, einnebeln, wenn sie so wollen, um dieses sein Vorfahren durchzuführen entwickelte Mr Blister in der vergangenen Nacht eine bemerkenswerte geradezu hektische Aktivität, als erster unternahm er einen Einbruch in den Kramladen von Little Bacon, wobei er den wie ihm wohlbekannt war dort befindlichen großen schwarzen Ballon nebst einem Eimer weißer Farbe entwendete, sodann begab er sich in seinem Automobil zur Villa Waldeslust, er verschaffte sich Einlaß, wie ich vermute mittels eines sog Dietrichs, kein Problem für einen privaten Detektiv, praktizierte die Marquise in seinen Wagen und transportierte sie zum Schweinestall von Sir Pelham Grenville, wo er mit der gestohlenen Farbe das Berkshireschwein in ein Wessexsaddleback umwandelte.
Lord: Wessexsaddleback, tatsächlich, inferiore Rasse.
vanDusen: Kurz vor dem Morgengrauen suchte Mr Blister zum zweiten Mal die Villa Waldeslust auf, er legte den schwarzen Ballon in die Badewanne, befestigte an ihm eine Schnur, deren zweites Ende er durch das leicht geöffnete Fenster nach draußen verlegte, bezog vor dem Fenster Posten und wartete, auf Mrs Iris Quackenbush, von der er wußte, wer auf Schloß Hogsford wußte dies nicht, daß sie sich trotz ihrer ungenügenden Sehfähigkeit weigerte, ein Brille zu benutzen, als Mrs Quackenbush im Bad erschien, gab Blister Grunztöne von sich und zog gleichzeitig an der Schnur, der Ballon bewegte sich, Mrs Quackenbush sah, was sie sehen sollte, eine lebendige Marquise von Hogsford, sie verließ das Badezimmer und Mr Blister kam zum Höhepunkt seiner Illusionsschau, er brachte den Ballon zum platzen.
Baconsfield: Wie Prof.
Iris: Besser gefragt womit.
vanDusen: Mittels seines Spazierstock, wie ich annehme, an dessen Ende er eine Nadel angebracht hatte, die schlaffe Ballonhülle zog er an der Schnur durchs Fenster, worauf er sich ungesehen entfernte, Iris Quackenbush stand vor einem Rätsel, das von ihr soeben noch wahrgenommene Schwein war in Sekunden-schnelle verschwunden, dies würde sie beschwören, und sich so, da niemand ihr glauben würde, selbst aufs schwerste belasten, alle Spuren, so glaubte Blister, welche auf ihn bzw seinen Auftraggeber Sir Pelham Grenville deuteten, seien verwischt, doch hat er, und damit, komme ich zum Ende meiner Ausführungen, doch hatte er Prof Dr.Dr.Dr. Augustus van Dusen nicht in seine Rechnung einbezogen.
Lord: Gut und schön, Prof, großartig kombiniert, alles was recht ist, aber das wichtigste, nichtwahr das fehlt doch noch.
vanDusen: Euer Lordschaft meinen.
Lord: Die Marquise, was denn sonst, wo ist sie, wo steckt sie.
Baconsfield: Hast du doch gehört, Cecil, bei Sir Pelham Grenville.
vanDusen: Sie irren, Mr Baconsfield.
Lord: Ja wo dann, sagen sies doch endlich Prof.
vanDusen: Ich werde sie zu ihrem Tier führen, Milord, folgen sie mir.
Hatch: Kurz darauf bewegte sich eine interessante Prozession durchs Gelände, vorneweg der fette Butler, dahinter van Dusen und wir anderen, der Lord nebst Bruder und Sohn, die beiden Quackenbushs und meine Wenigkeit, nur der unglückselige Blister alias Whiffle war nicht dabei, der saß im tiefsten Schloßverließ, nach einer guten viertel Stunde erreichten wir ein einsam gelegenes unschönes Gebäude, das Armenhaus von Little Bacon, wir traten ein, gingen über den Flur, dem immer stärker werdenden würzigen Duft nach und kamen schließlich in einen großen Raum, auf einem gewaltigen Herd brutzelten zahllose Töpfe und Pfannen, um den riesigen Holztisch beladen mit vollen Tellern und Schüsseln hockten die Dorfarmen und futterten wie die Scheunendrescher.
vanDusen: Milord, meine Herrschaften, wir sind am Ziel.
Lord: Am Ziel, ja wirklich, ja wo ist die Marquise.
vanDusen: Hier Milord.
Lord: Tatsächlich, Prof, ich seh sie nicht.
vanDusen: O doch, Milord, sie sehen sie bzw das, was von ihr übrig ist, sie sehen sie überall in diesem Raum, auf dem Herd, auf dem Tisch, in Töpfen, Schüsseln, Pfannen, Tellern, in Form von Wellfleisch, Blutwurst.
Lord: Meine Marquise.
vanDusen: Braten, Kotelett.
Lord: Geschlachtet.
vanDusen: Ja.
Arme: Wir danken dem edlen Spender. Rülps.
Lord: Rache, blutige Rache, alle festnehmen, alle festnehmen, einsperren, hinrichten, alle, diesen, diesen Blister auch und Sir Pelham Grenville.
Ronny: Aber Papa.
Lord: Und du Ronny, du wirst enterbt, was sie betrifft, Quack, Quackenbush, nehmen sie ihre Tochter und gehen sie mir aus den Augen.
Quackenbush: Mit Vergnügen.
Lord: Polizei.
Iris: Nichts lieber als das.
Lord: Scotland Yard.
Ronny: Aber Papa, Iris und ich wollen doch heiraten.
Lord: Die Feuerwehr, die Armee, die Marine.
Iris: Das ist vorbei, einen Schlappschwanz nehme ich nicht.
Lord: Der Henker, Henker seiner Majestät, aufhängen, alle miteinander, an den Kielern von Schloß Hogsford.
Hatch: Lord Hogsford wurde ohnmächtig, während die Verwandtschaft sich um ihn kümmerte und die Armen von Little Bacon nicht wußten, wie ihnen geschah, entfernten wir, van Dusen, Quackenbush und ich uns unbemerkt im Getümmel, wir hatten es eilig, der letzte Zug nach Worcester fuhr in einer halben Stunde, und während wir zum Bahnhof eilen, drehe ich für sie, meine Damen und Herren, die Uhr kurz zurück, sie erinnern sich, der Prof, Quackenbush und ich waren mit der Marquise unterwegs nach Schloß Hogsford, es war keine muntere Landpartie, vor allem van Dusen wirkte verkrätzt.
Baconsfield: Na los dumme Sau, sie sagen ja gar nichts, Prof.
vanDusen: Ich denke nach, Mr Quackenbush.
Hatch: Über ihre atomare Strukturtheorie.
vanDusen: Nein mein lieber Hatch, über den massiven Affront, welchen man meiner Person angetan hat, Prof Dr.Dr.Dr. Augustus van Dusen wurde durch die Anwendung hinterhältiger ja schändlicher Methoden gezwungen, einen tief unter seiner amateurkriminologischen Würde liegenden Fall zu übernehmen, dekadente Aristokraten haben mir morbide Spiele getrieben.
Baconsfield: Los jetzt.
Hatch: Müssen wir ihnen zu allem Überfluß das Vieh auch noch zurückerstatten, mit rosa Schleifchen und schönen Grüßen.
vanDusen: Müssen wir das, mein lieber Hatch.
Hatch: Naja, immerhin haben sie den Fall übernommen, Prof.
vanDusen: Und gelöst, mein lieber Hatch, ganz gleich was mit dem corpus delicti will sagen der Sau noch geschehen mag.
Baconsfield: Wissen sie, was ich denke, wenn das Schwein wieder da ist, wird Lord Hogsford einverstanden sein, daß Iris diesen Idioten Ronny heiratet, entsetzlich.
vanDusen: Andererseits käme das Tier nicht zurück, gäbe es keine Hochzeit.
Baconsfield: Ja, das wär eine Idee.
vanDusen: Sehen sie das Gebäude vor uns.
Hatch: Grau und häßlich.
vanDusen: Das Armenhaus von Little Bacon, man hat es weit außerhalb der Dorfgrenzen errichtet, weil man mit den Insassen möglichst wenig zu tun zu haben wünscht, diese führen, so fürchte ich, ein nicht eben angenehmes Leben, der zweifellos seltene Genuß einer reichhaltigen, schmackhaften Mahlzeit wäre ihnen von Herzen zu gönnen.
Hatch: Ah, ich habe eine Idee.
Baconsfield: Ich auch Mr Hatch.
Hatch: Gehen sie voraus, Prof, Quckenbush und ich kommen in ein paar Minuten nach.
Baconsfield: Sobald wir eine Kleinigkeit erledigt haben. Ja.
Hatch: Wir banden die Marquise an den Türpfosten des Armenhauses und dann malte Quackenbush ihr große weiße Buchstaben auf die schwarze Haut, Farbeimer und Pinsel hatten wir mitgenommen, um sie dem Krämer zurückzugeben, eine Spende, guten Appetit, so mein kleines dickes Etwas.
Baconsfield: Hatch, ziehen sie die Glocke, und jetzt nichts wie weg und um die Ecke, kommen Sie.
Hatch: So kam es, daß die Armen von Little Bacon ein fröhliches Schlachtefest feierten, daß Iris Quackenbush nicht Ronny Baconsfield heiratete und daß Lord Hogsford in Ohnmacht fiel, übrigens falls es sie interessiert, als er wieder zu sich kam, wurde er strenger Vegetarier und verlegte sich auf die Kürbiszucht, und noch ein Wort zum Schluß, meine Damen und Herren, Sie kennen Prof. van Dusen, Sie wissen, er ist ein abgeklärter Mensch, der über den Dingen des Alltags steht, aber wenn man ihn so richtig ärgert, dann kann es passieren, daß auch ein so bedeutender Zeitgenosse mal kurz die Sau rausläßt, in diesem Sinne, meine Damen und Herren, bis zu nächsten Mal.
Professor van Dusen: Friedrich W. Bauschulte
Hutchinson Hatch: Klaus Herm
Cecil Baconsfield, Lord Hogsford: Hans Madin
Alastair Baconsfield, sein Bruder: Klaus Jepsen
Ronald (Ronnie) Baconsfield, sein Sohn: Hubertus Bengsch
Osgood P. Quackenbush: Christian Rode
Iris Quackenbush, seine Tochter: Lisa Adler
Augustus Whiffle alias Percy Blister: Walter Pfeil
Bahnhofsvorstand: Krikor Melikyan
Schweinewart: Heinz Rolfing
Krämer: Gerd Holtenau
Wirt: Otto Czarski
Kommentar von Hörspiele |
Mickey Spillane: Ich, der Richter (WDR 1999)
(Hörspiel nach dem gleichnamigen Roman)
Velda: New York im Jahre 1950, schöne Frauen, harte Kerle und große Kaliber, das ist die Welt des berühmt-berüchtigten Privatdetektivs Mike Hammer, der gnadenlos wie ein schwarzer Ritter durch den Dschungel der Großstadt streift.
Mike: Niemand sagte etwas, als ich das Zimmer betrat, sie wichen beiseite und ich spürte, wie ihre Blicke auf mir lagen, Chief Detective Pat Chambers deutete auf die Schlafzimmertür.
Pat: Dort drin, Mike.
Mike: Dort drin, dort drin lag mein bester Freund tot auf dem Boden, der beste Freund, den ich jemals hatte.
Mike: Hast du den Stuhl verschoben, Pat.
Pat: Nein warum.
Mike: Normalerweise steht der Stuhl neben dem Bett.
Mike: Auf dem Stuhl lag seine 38er Pistole, es war klar, wie es sich abgespielt haben mußte.
Mike: Der Mörder hat den Stuhl mit der Pistole drauf immer ein Stück weitergezogen und dabei zugesehen wie Jack in Todesqualen hinterher gekrochen ist, bis er schließlich zusammenbrach.
Mike: Gestern war er noch Jack Williams gewesen, der Mann der im Krieg seinen Arm für mich geopfert hatte und heute klaffte ein faustgroßes Loch in seinem Bauch.
Mike: Er hat sein Opfer beobachtet er hat vielleicht sogar gelacht dabei, das war kein gewöhnlicher Mord, Pat, das war absolut kaltblütig und vorsätzlich, den Kerl krieg ich.
Pat: Du bist mit von der Partie.
Mike: Darauf kannst du Gift nehmen.
Mike: An Pats Gesichtsausdruck konnte ich ablesen, daß er nicht versuchen würde, mich von meinem Vorhaben abzubringen, er würde lediglich versuchen, mir zuvor zukommen.
Mike: Ich werde das Schwein kriegen, das Jack umgebracht hat, aber es wird nicht auf den elektr. Stuhl kommen, und es wird auch nicht hängen, es wird auch nicht in einem langwierigen Gerichtsverfahren wegen mangelnder Beweise freigesprochen werden, das Schwein wird genauso sterben wie Jack mit einer 45er Kugel im Gedärm, der Einschuß ein paar cm unter dem Bauchnabel, das ist mein Wort, und mein Wort gilt solange ich lebe.
Pat: Jack hat gestern eine Party gegeben, war aber nichts größeres.
Mike: Ich weiß, er hatte angerufen, aber ich war zu geschafft.
Pat: Myrna hat uns die Namen der Partygäste gegeben, hier ist die Aufstellung, sie haben ein paar Gläser getrunken, und ein wenig getanzt und sind dann gegen 1 gemeinsam gegangen.
Mike: Und Myrna hat ihn heute morgen gefunden.
Pat: Ja sie waren verabredet weil sie sich zusammen eine Wohnung anschauen wollten.
Mike: Hat jemand einen Schuß gehört.
Pat: Nein, der Mörder benutzte wahrscheinlich einen Schalldämpfer, aber der Gerichtsmediziner sagte es muß so gegen 3 Uhr passiert sein, siehst du ein Motiv.
Mike: Noch nicht, aber ich werde es finden, es muß etwas Großes dahinterstecken, darauf möchte ich wetten.
Pat: Ok Mike, ich will dich bei den Ermittlungen dabeihaben, du kannst mir von nutzen sein und ich dir, aber im entscheidenden Moment werde ich dir einen Schritt voraussein, die polizei ist nicht so dumm wie du denkst.
Mike: Keine Sorge ich unterschätze euch nicht, aber die Bullen können einem Typen nicht den Arm brechen damit er was ausspuckt, also versuch es Pat.
Velda: Ach du bist es.
Mike: Was heißt hier ach du bist es, du wirst dich doch wohl noch an mich erinnern, ich bin Mike Hammer, dein Chef.
Velda: Tss, du bist so lang nicht mehr hiergewesen daß ich dich kaum noch von irgendwelchen Schuldeneintreibern unterscheiden kann.
Mike: Ich folgte ihr in mein allerheiligstes, bildschöne Beine hatte sie, und trug ihr Kleid so eng, daß ich dabei an die Kurven des Pennsylvania Highway denken mußte.
Velda: Hier sind alle Infos, die ich über die Partygäste von gestern abend bekommen konnte.
Mike: Häh, wie bitte.
Mike: Als Sekretärin war sie eigentlich eine viel zu große Ablenkung.
Mike: Kannst du jetzt hellsehen, wie hast du von Jacks Tod erfahren.
Velda: Du vergißt, daß ich einen ganz guten Draht zu einigen Reportern vom Chronikel habe, John Dugan zB.
Mike: In den 3 Jahren, die sie für mich arbeitete, habe ich nie versucht, mich an sie ranzumachen.
Velda: Er wußte daß Jack ein enger Freund von dir war und ist eigentlich hier vorbei gekommen um von mir etwas zu erfahren aber zum Schluß war er es, der die ganzen Informationen ausgepackt hat.
Mike: Nicht daß ich kein Interesse an ihr gehabt hätte, aber es war mir einfach zu riskant, sie drückte mir ein paar Papiere in die Hand.
Velda: Hier haben wir zunächst George Kalecki.
Mike: Ich kannte ihn, er betrieb eine gutgehende Restaurantkette, war ein Mann der Gesellschaft, spendete für wohltätige Zwecke usw, aber George Kalecki war nicht der noble gentleman, für den ihn alle hielten, er hatte seine Finger in allen möglichen dunklen Geschäften drin, nur konnte ihm niemand etwas nachweisen.
Velda: Die Nr 2, Myrna.
Mike: Jacks Freundin, sie war süchtig gewesen, und Jack hatte sie buchstäblich im letzten Augenblick von der Brüstung der Brooklynbrücke gezogen gerade als sie sich in die Tiefe stürzen wollte, so hatten sich die beiden damals kennengelernt, danach hatte Jack dafür gesorgt daß Myrna in Behandlung kam, ein halbes Jahr später wurde sie als geheilt entlassen.
Velda: Dann haben wir hier noch die Bellemyzwillinge, 29, auf der Suche nach Ehemännern.
Mike: Natürlich, die Bellemyzwillinge, ich hatte sie mal bei Jack getroffen, sehen ganz passabel aus und verprassen ansonsten das Vermögen das ihnen ihr Vater hinterlassen hat.
Velda: Ach, und hier ist noch jemand, der dir gefallen wird, mein lieber.
Mike: Sie legte mir das Foto von einer tollen Blondine im Badeanzug vor, mir blieb fast die Spucke weg, als ich es sah, lange feste Beine, breite Schultern und dazwischen zwei Brüste, die sich gegen jede Beengung durch ein Kleidungsstück zu wehren schienen, mir fielen fast die Augen raus.
Mike: Wer, ist das.
Velda: Hm, vielleicht sollte ich es dir lieber nicht sagen, dein lüsterner Blick könnte dich da noch in echte Schwierigkeiten bringen, ihr Name ist Charlotte Manning, sie ist Psychiaterin und hat an der Parkavenue eine gutgehende Praxis, hier ist die Adresse.
Mike: Offenbar lag hier der angenehme Teil des Geschäfts vor mir, Velda band ich das nicht auf die Nase, vielleicht bin ich ja nur eingebildet, aber ich hatte eigentlich immer den Eindruck, daß sie ein Auge auf mich geworfen hat.
Velda: Wolltest du noch was ergänzen, Mike.
Mike: Charlotte Manning erhob sich von ihrem Stuhl hinter dem Schreibtisch.
Manning: Hallo Mr Hammer.
Mike: Sie sah in Natur noch schöner aus.
Mike: Hallo Mrs Manning.
Mike: Sie war einfach Spitzenklasse, langes blondes Haar, wunderschöne haselnussbraune Augen, von dem was sich unter ihrem dunklen enganliegenden Kleid verbarg, gar nicht zu reden.
Manning: Ich nehm an, es geht um den Tod von Mr. Williams.
Mike: Ja, wir waren enge Freunde, ich bin Privatdetektiv und würde ihnen gern einige Fragen stellen.
Manning: Nur zu.
Mike: Wann haben sie an dem abend die Party verlassen.
Manning: So gegen 1 Uhr, wir sind alle zusammen aufgebrochen.
Mike: Wo sind sie von dortaus hingegangen.
Manning: Ich bin mit Ester und Marry Bellemy noch in die Chickenbar, wo wir ein Sandwich gegessen haben, dann hab ich die beiden an ihrem Hotel abgesetzt und bin schnurstracks nach Hause gefahren, es muß so kurz nach 2 gewesen sein, als ich zuhause ankam.
Mike: Kann das jemand bezeugen.
Manning: Jawohl, mein Dienstmädchen, sie hat mich sogar zugedeckt, sonst noch was.
Mike: Ja, äh, wie haben sie Jack Williams eigentlich kennengelernt.
Manning: Über Myrna, sie wissen daß Myrna drogenabhängig war, Jack hatte mich seinerzeit als Myrna zur Behandlung in der Klinik war, zu rate gezogen, nachdem sie entlassen wurde, hab ich sie noch eine zeit lang nachbetreut, daraus ist dann ein persönlicher Kontakt geworden.
Mike: Ja, das wars dann wohl für erste.
Manning: Einem Mann bedeutet ein Freund viel mehr als einer Frau.
Mike: Charlotte stand auf, und kam auf mich zu, der Anblick ihrer Beine nahm mir fast den Atem.
Mike: Dieser Freund hat im Krieg seinen Arm geopfert, um mir das Leben zu retten.
Manning: Ich hoffe, sie erwischen den Mörder, das hoffe ich aufrichtig.
Mike: Ja, das werde ich.
Mike: Wir standen uns gegenüber und sahen uns an, ich wünschte, daß das leuchten in ihren Augen wirklich so verheißungsvoll war, wie ich mir einbildete.
Mike: Ich muß jetzt gehen, bis bald.
Manning: Sehr bald, hoffe ich.
Hubabuba.
Mike: Zwanzig Minuten später drückte ich die Klingel an einem Haus, das bestimmt so seine viertel Million Dollar gekostet hatte, ein korrekt gekleideter Butler öffnete die Tür, und führte mich in eine riesige Bibliothek, ich ließ mich in einen Armsessel fallen und wartete auf George Kalecki, es dauerte nicht lange bis er auftauchte.
Kalecki: Was wollen sie hier, ich habe der Polizei gegenüber alle meine Aussagen gemacht.
Mike: Die Platte brauchst du für mich nicht abzuspielen, Freundchen.
Kalecki: Wie reden sie mit mir, verlassen sie sofort mein Haus.
Mike: Ich sprang aus dem Sessel und packte ihn am Kragen.
Mike: Jetzt hör mal zu, du Drecksack, ich schere mich nicht um die Bullen, daß das klar ist ich suche denjenigen der Jack Williams umgebracht hat und wenn dabei noch ein paar miese Gesellen wie du mit hopps gehen soll mir das nur recht sein, hörst du.
Mike: In diesem Moment sah ich im Spiegel, wie mir gerade jemand von hinten mit einer Keramikvase den Schädel einschlagen wollte, ich duckte mich weg, dann schnellte ich herum und verpaßte dem Angreifer einen gezielten Schlag unter die Kinnspitze, der Mann ging zu Boden und blieb dort reglos liegen.
Mike: Sieh an, dein Gorilla vermute ich, ist ja ein ganz schlauer, will mir von hinten eins überziehen, wo ich gerade vor einem Spiegel stehe, irgendwie hast du den nicht richtig im Training, George.
Kalecki: Einen Moment mal, Mr Hammer, jetzt langt es, ich habe einflußreiche Freunde bei der Stadtverwaltung.
Mike: Das mag ja sein, du solltest dir nur vorher überlegen, wie dein Gesicht nachher aussieht.
Mike: Zur Bekräftigung rammte ich ihm eine Faust in die Magengegend, er rang nach Luft und fiel nach hinten in einen Sessel.
Mike: Ich denke, dann könnten wir mit der Befragung beginnen, also wann hast du die Party verlassen.
Kalecki: So gegen ein Uhr, ich hab Myrna noch nach hause gebracht und bin dann auf direktem weg nach hause gefahren.
Mike: Hast du ein Alibi.
Kalecki: Das Alibi liegt bewußtlos neben ihnen auf dem Boden.
Mike: Er hat dich sogar zugedeckt, ich weiß, wenn du glaubst, du bist damit aus dem Schneider, hast du dich ganz schön geschnitten, du hättest immer noch genügend Zeit gehabt nochmal in die Stadt zurückzufahren um Jack umzulegen, woher kanntest du Jack eigentlich.
Kalecki: Mrs Manning hat ihn mir empfohlen, hat für mich einige ermittlungen erledigt.
Mike: Der Gedanke, daß Charlotte und Kalecki etwas miteinander hatten, machte mich wahnsinnig.
Mike: Mrs Manning, die dürfte ja wohl eine Nummer zu groß für dich sein.
Kalecki: Ich hatte Mrs Manning wegen meiner Schlafstörungen in ihrer Praxis aufgesucht.
Mike: Wegen Schlafstörungen soso und hat sie dir helfen können.
Kalecki: Das kann man sagen, ich fühle mich wie ein neuer Mensch.
Mike: Ich hatte große Lust ihm noch eine zu verpassen, ließ es aber.
Bellemy: Kommen sie doch herein, Mr Hammer.
Mike: Sie sah gut aus, braungebrannt, sportlich.
Mike: Sie kennen mich.
Bellemy: Ich habe sie erwartet, ihr Kollege von der Polizei wie heißt er doch, Pat Chambers, er hat mich auf ihren Besuch vorbereitet.
Mike: Ich habe nur ein paar Fragen, aber vielleicht können sie mir erstmal verraten, mit wem von ihnen beiden ich das Vergnügen habe.
Bellemy: Ich bin Marry Bellemy.
Mike: Ist ihnen am abend der Party irgendwas Besonderes aufgefallen.
Bellemy: Eigentlich nicht, wir haben ein paar Gläser getrunken und ein bißchen getanzt, Jack und George Kalecki waren eine weile in der Küche und als sie herauskamen, schien George ziemlich bedrückt zu sein.
Mike: Ich weiß daß sie anschließend noch mit Charlotte Manning etwas essen waren, was passierte dann.
Bellemy: Sie setzte uns hier ab und wir sind gleich ins Bett gegangen, übrigens das mit der Uhrzeit, das kann der Hausmeister bestätigen, er hat uns nämlich die Tür aufmachen müssen weil wir unseren Schlüssel vergessen hatten, ach sie müssen mich einen Augenblick entschuldigen, ich fürchte, ich habe das Badewasser angelassen.
Mike: Sie lief hinaus auf den schmalen Korridor und verschwand im Badezimmer, vielleicht wurde ich langsam alt, aber ich hörte kein Wasser laufen, nach einer weile kam sie zurück, ihr Anblick verschlug mir fast den Atem, statt des grauen Kostüms von vorher trug sie jetzt ein hauchdünnes rosa Neglige, das nur das nötige verhüllte.
Bellemy: Tut mir leid, daß ich sie warten lassen mußte, aber das Wasser wäre sonst kalt geworden.
Mike: Sie lächelte und setzte sich mir direkt gegenüber.
Mike: Geht schon in Ordnung, die meisten Frauen hätten dafür Stunden gebraucht.
Mike: Dabei öffnete sich ihr Neglige und sie ließ sich Zeit damit, es wieder zuzuziehen.
Bellemy: Ich nicht, ich bin viel zu begierig darauf, mehr über ihren Fall zu erfahren.
Mike: Ihr Dekollete war trotzdem so weit geöffnet, daß ich ihr fast bis zum Bauchnabel schauen konnte.
Mike: Haben sie nicht außer dieser Stadtwohnung auch noch Landbesitz.
Bellemy: Ja natürlich in New Jersey, eine Villa mit 22 Zimmern, einem Swimming- pool und etlichen Tennisplätzen, wenn sies genau wissen wollen, würden sie mich gern einmal besuchen.
Mike: Klar, jederzeit.
Bellemy: Gut, diesen Samstag geben wir draußen eine große Party, Myrna und Charlotte Manning kommen auch, sie dürften sie beiden kennen.
Mike: Olala, das würde ein interessanter Abend werden.
Mike: Sagen sie, kann man sie beide eigentlich voneinander unterscheiden.
Bellemy: Tja, eine von uns hat ein kleines erdbeerfarbenes Muttermal auf der rechten Hüfte.
Mike: Ah, und wer von beiden.
Bellemy: Warum sehen sie nicht selbst nach.
Mike: Mann o mann.
Mike: Heute nicht, ich habe noch ein Haufen Arbeit vor mir.
Mike: Ich stand auf und streckte meine Glieder.
Bellemy: Oh, sei nicht feige.
Mike: Sie stand ebenfalls auf und trat auf mich zu, dabei machte sie keinerlei versuch mehr ihr Neglige festzuhalten, ich presste sie an mich und küsste sie, dann ergriff ich den Saum des Negliges und mit einer Handbewegung zog ich es weg, so daß sie nackt vor mir stand, ich trat zurück und sie ließ mich jeden cm ihres sonnen-gebräunten Körpers absuchen, dann nahm ich meinen Hut und ging zur Tür.
Mike: Es muß wohl doch deine Schwester sein, die das Muttermal hat, bis Samstag.
Mike: Als ich sah, daß im Büro noch Licht brannte, blieb ich vor einem Spiegel stehen und untersuchte mich gründlich nach Lippenstiftspuren, ich habe nie begreifen können, warum Lippenstift von Frauen so leicht abgeht, aber von Männern kaum zu entfernen ist.
Mike: Ist was.
Velda: Du hast noch was am Ohr.
Mike: Sie konnte wirklich tödlich sein diese Frau.
Velda: Übrigens, in deinem Zimmer wartet Besuch auf dich.
Mike: Pat saß hinter meinem Schreibtisch und schwenke mir zur Begrüßung eine Flasche Bourbon entgegen.
Pat: Willst du einen.
Mike: Ich kanns gebrauchen, was hast du auf dem Herzen, los raus mit der Sprache.
Mike: Als Antwort warf er mir eine Akte auf den Schreibtisch, ich konnte die Aufschrift lesen, Myrna Devlin.
Mike: Was soll das, Pat, willst du etwa Myrna mit der Sache in verbindung bringen.
Pat: Du weißt, daß Myrna Jack damals das Versprechen abgenommen hat, sie nie danach zufragen, wo sie den Stoff herhatte.
Mike: Stimmt, so wie er in Myrna verschossen war, hätte er alles für sie getan.
Pat: Ist dir eigentlich nie der Gedanke gekommen, daß Jack, der ja immerhin Privatdetektiv war, sein Versprechen gegenüber Myrna gebrochen haben könnte.
Mike: Möglich ist es schon, er haßte Gauner und Betrüger, aber noch verhasster waren ihm diese dreckigen Ratten, die sich an Leuten wie Myrna bereicherten.
Pat: Nur so viel, aus den Akten geht hervor, daß Jack doch in dem Fall ermittelte, allerdings bislang unergiebig, vielleicht hat er uns etwas verschwiegen, etwas das ihn schließlich das leben gekostet.
Mike: Was sagt Myrna.
Pat: Aus ihr ist nichts rauszukriegen.
Mike: Dann muß sie einen grund dafür haben.
Pat: Ach das hätt ich beinah vergessen, gestern nacht hat jemand versucht Kalecki durch die Scheibe seines Wohnzimmerfensters abzuknallen, hat ihn um haaresbreite verfehlt.
Mike: Das hättest du also beinahe vergessen.
Pat: Oh, da wäre noch etwas, er glaubt, du warst es.
Mike: Du glaubst es nicht.
Pat: Nein, erstens hat der Täter daneben geschossen, das wäre dir nicht passiert und zweitens haben wir die Kugel untersucht, auch eine 45er, wir haben sie mit der verglichen, die Jack getötet hat, die Kugeln stammen aus der derselben Waffe.
Mike: Ich mußte noch einmal in Jacks Wohnung, Jack hatte immer ein Notizbuch gehabt, mit Adressen und kurzen Eintragungen und die polizei hatte nichts dergleichen gefunden, vielleicht hatte es der Mörder an sich genommen, vielleicht aber lag es noch immer unentdeckt in Jacks Wohnung, es war jedenfalls einen Besuch wert, die Tür zu dem Apartment war noch immer versiegelt und da ich mich nicht mit der staatsanwaltschaft anlegen wollte, probierte ich es über die Feuerleiter, das Badezimmerfenster ließ sich ohne Probleme öffnen, die Wohnung war in einem guten zustand, man konnte sich kaum vorstellen, daß hier jedes Teil wahrscheinlich fünfmal hin und her gewendet worden war, es hatte also kein Sinn, die ganze Arbeit noch mal zu machen, was mich interessierte war die Kommode, ich tastete alles ab, auch unter der untersten Schublade auf dem Holzboden und tatsächlich da hielt ich es in Händen, Jacks kleines blaues Notizbuch.
Mike: Hallo Velda.
Velda: Hallo Mike.
Mike: Also der Lippenstift gestern, das war gewissermaßen wie soll ich sagen ein Arbeitsunfall.
Velda: Hast du schon deine Versicherung benachrichtigt.
Mike: Komm sieh dir lieber an was ich hier habe.
Velda: Was ist das.
Mike: Jacks Notizbuch.
Velda: Und, ist was drin.
Mike: Die älteste Eintragung reichte 3 Jahre zurück, Namen, Telefonnummern, Notizen, die alle schwarz durchgestrichen waren, das hieß, die Fälle waren aufgeklärt, interessant waren die letzten Seiten.
Mike: Am 20 Eilin Vickers gesehen, das war 2 Wochen vor seinem Tod.
Velda: Hier wieder, Eilin Vickers ist Pseudonym von fragezeichen fragezeichen fragezeichen.
Mike: Der letzte Eintrag einen Tag vor seinem Tod lautet schließlich.
Mike: Morgen Eilin anrufen LO 3605.
Velda: LO 3605 das kommt mir irgendwie bekannt vor, warte mal.
Mike: Sie ging zu ihrer Kartei und fischte eine Visitenkarte raus.
Velda: Ah, 20 schöne Mädchen laden sie zum verweilen ein, für jeden Geschmack die richtige, Anruf unter LO 3605.
Mike: Hey, the red baron, stadtbekannter Puff.
Velda: Na, du mußt es ja wissen.
Mike: Sie hatte sich schon das Telefon geangelt und die Nummer gewählt, dann reichte sie an mich weiter, am anderen ende meldete sich eine Stimme, der man die Zigarette im Mundwinkel schon durchs Telefon anhörte.
Frau: The red baron, hallo.
Mike: Ich würde gern Eilin Vickers sprechen.
Frau: Ist erst ab 22 uhr im hause.
Mike: Ah, na ich hoffe ich kann mich dann von zuhause loseisen.
Mike: Kann ich.
Velda: Klar Mike, du gehst heißen Kurven nach und ich heißen Spuren.
Mike: Zuhause nahm ich eine Wechseldusche, schabte mir den Bart ab, und putzte meine Zähne, einen Augenblick überlegte ich, ob es sich schickte eine Waffe zu tragen wenn man eine Dame besuchte.
Manning: Hallo, Mr Hammer.
Mike: Ihr Anblick überstieg meine kühnsten Erwartungen, sie hatte jetzt nichts mehr von einer Psychaterin an sich, sondern war nur noch Frau, bildschön und verführerisch, sie trug ein Kleid aus enganliegendem blauem Stoff, der sich an sie schmiegte, als sei ihre Haut naß, der alles verdeckte und gleichzeitig doch alles enthüllte, gerade und feste Brüste ragten daraus hervor, und ihre Beine stecken in Seidenstrümpfen und hochhakigen Schuhen, wunderbare Beine kräftig, wohlgeformt.
Manning: Was ist.
Mike: Sie warf ihre blonden Locken in den Nacken und sah mich aufreizend an.
Manning: Gefällt ihnen das Kleid.
Mike: Es ist bildschön und das wissen sie auch.
Manning: Ich hab es extra für sie angezogen.
Mike: Wie darf ich das verstehen.
Manning: Ich habe sie erwartet, das heißt ich hab es mir gewünscht und es hat auch geklappt.
Mike: Mit diesen Worten öffnete sie die Tür zur Küche, wo ein Tisch für zwei Personen gedeckt war, gebratenes Huhn und Pommes frites, mein Lieblingsessen.
Mike: Charlotte.
Manning: Sagen sie nichts, essen sie erstmal, ich habe ihnen ihr Abendessen schon eine Stunde warmgehalten.
Mike: Wie hab ich das verdient.
Manning: Wie, in meiner Praxis lern ich so viele Männer kennen, aber die meisten sind Schwächlinge, sie haben Komplexe oder Zwänge oder fixe Ideen, wenn man ständig nur Männern begegnet, die so gar nichts männliches mehr an sich haben, ist man froh, wenn einem mal wieder ein richtiger Mann begegnet.
Mike: Danke für die Blumen.
Manning: Ich meine es ernst, sie sind ein Mann der an das Leben gewöhnt ist und auch daran ihm seinen Regeln aufzuzwingen, sie sind stark, ihr Körper und ihr Verstand.
Mike: Eine fixe Idee habe ich allerdings schon, ich muß diesen Mörder erwischen, ich muß ihn umlegen.
Mike: Charlotte stand von ihrem Platz auf und setzte sich neben mich, sie legte ihre Hand in meine und unsere Blicke trafen sich.
Manning: Mike, tun sie mir einen gefallen, passen sie auf sich auf, passen sie auf, daß ihnen nichts passiert.
Mike: Das werde ich, ich verspreche ich, aber warum machen sie sich Sorgen.
Manning: Darum.
Mike: Sie beugte sich vor und ihre Lippen öffneten sich zu einem Kuß, ich zog sie an mich und drückte so fest daß sie das Feuer spüren konnte das in mir brannte, als sie sich von mir löste, leuchtete alles an ihr.
Manning: Du kennst auch in der Liebe kein Pardon, was Mike.
Mike: Es grenzte an ein Wunder, daß ich überhaupt heil aus der Tür und die Treppe herunter kam.
Mike: Als ich gegen mitternacht beim red baron auftauchte und das blaulicht vor dem Haus sah, wußte ich daß ich zuspät gekommen war, es war kein schöner anblick, das Mädchen lag nackt auf ihrem Bett, direkt über ihrem Herzen klaffte das Einschußloch, es stammte von einer Pistole Kaliber 45.
Mike: Eillin Vieckerts, ich habe ihren Namen in Jacks Notizbuch gefunden.
Pat: Der Mörder hat also wieder zugeschlagen.
Mike: Sieht ganz danach aus, hast du rausgekriegt, wie das ganze hier funktioniert.
Pat: Die Bordellwirtin sagt, die Mädchen arbeiten auf eigene Rechnung, sie müssen lediglich die Zimmer zahlen.
Mike: Sie hat natürlich keinen Schimmer wer bei Eilin Vickerts abkassiert hat.
Pat: Sie sagt nein.
Mike: Und sie hat natürlich auch niemand kommen und gehen sehen.
Pat: Erraten.
Mike: Soll ich sie mir vornehmen.
Pat: Im Moment nicht, ich will erst Myrna sehen, sie muß mehr wissen als sie sagt, diesmal muß sie reden.
Mike: Sie brachten Myrna aufs Präsidium, als Pat ihr erzählte, daß man eine gewisse Eilin Vickers tot aufgefunden hätte, brach sie zusammen, es dauerte lange bis sie wieder sprechen konnte, starr mit tränenlosem Blick erzähle sie dann ihre Geschichte, es war die Geschichte zweier Schwestern aus der Provinz, die nach New York gekommen waren auf der Suche nach Abenteuer und etwas Liebe, sie waren an Leute geraten, die ihre Unerfahrenheit ausnutzten und ihnen Rauschgift gaben, Eilin die ältere von beiden, war es dann die immer für Nachschub sorgte und dafür ihren Körper verkaufte, Myrna hatte Glück gehabt, sie hatte Jack kennengelernt, der ihr geholfen hatte von dem Zeug loszukommen, Eilin aber schaffte den Absprung nicht und verkaufte weiter ihren Körper. Am nächsten Morgen war ich mit Charlotte zu einem Spaziergang im Centralpark verabredet, es war ein schöner Tag und die Kindermädchen warfen mir Blicke zu, auch Charlotte schob einen Kinderwagen auf mich zu.
Mike: Hallo, kleines.
Manning: Eine Freundin hat mich gefragt, ob ich auf ihr Kind aufpassen könnte.
Mike: Magst du kinder.
Manning: Schrecklich gern, irgendwann werde ich 6 eigene haben.
Mike: 6 gleich, vielleicht kann ich ja gar nicht so viel Geld verdienen um 6 Mäuler auf einmal zu stopfen.
Manning: Ah, soll das etwa ein Heiratsantrag sein, Mr Hammer.
Mike: Es war keine zeit zum nachdenken, ich sah nur den häßlichen Lauf einer Pistole, die aus dem Seitenfenster eines dunkelblauen Cadillacs auf uns gerichtet war und warf mich auf Charlotte, im nächsten Moment schlug die Kugel hinter uns in einer Wand ein, daß das Mauerwerk auf uns herunterbröselte, für einen zweiten Schuß blieb dem Schützen keine zeit mehr, er warf den ersten Gang ein und schoß die fifth avenue hinunter, aus dem Sand vor der Mauer fischte ich die Kugel, es war eine 45er, Pat wartete im Schießkeller auf mich.
Pat: Jemand will dich offensichtlich aus dem Weg räumen.
Mike: Der Mörder scheint ein schießwütiges Monster zu sein.
Pat: Vielleicht, aber es ist schon merkwürdig, die Kugel mit der auf dich geschossen wurde, stammt nicht aus der Waffe, aus der auf Jack, Kalecki und Eilin geschossen wurde.
Mike: Bist du ganz sicher.
Pat: Vollkommen.
Mike: Apropos Kalecki, sollte man sich ihn nicht noch mal vornehmen.
Pat: Hab ich auch schon dran gedacht, aber er ist ausgeflogen der Vogel, wie vom Erdboden verschluckt.
Mike: Verdammt.
Mike: Myrna hatte der Polizei Eilins Adresse gegeben, sie hatten sich dort schon umgesehen aber irgendein komisches Gefühl sagte mir, daß das bißchen Heroin, das sie bei ihr gefunden hatten, nicht alles sein konnte, Eilins Wohnung lag im Erdgeschoß eines kleines Reihenhauses in Brooklyn, an der Tür prangte das Polizeisiegel, also probierte ich es auf meine bewährte Methode, eines der Fenster ging auf den Hof, ich schob meine Finger unter den Rahmen und es glitt geräuschlos wie von selbst nach oben, war schon vor mir jemand hier gewesen, ich hoffte im stillen daß ich nicht zu spät gekommen war, wir schossen fast gleichzeitig, dann war es still, nach einer langen weile schaltete ich das Licht an, George Kalecki war tot, meine drei Schüsse hatten ihn alle an der selben Stelle erwischt, direkt in der Herzgegend, in seiner Hand hielt er das, was er in Eilins Wohnung gesucht hatte, einen silbernen Schließfachschlüssel. Es kostete Pat 3 Telefonate, dann hatte er das zu dem Schlüssel passende Schließfach ausfindig gemacht, den Inhalt ließ er sich aufs Präsidium bringen.
Pat: Jede Menge Material, das beweist, in was George Kalecki alles verwickelt war.
Mike: Rauschgifthandel, Zuhälterei und in einem Fall nachweislich auch Mord, das hätte genügt, ihn für die nächsten 100 Jahre hinter Gitter zu bringen.
Pat: Und Eilin war eins seiner Mädchen, er versorgte sie mit Stoff und kassierte sie dafür ab.
Mike: Ach, ich wußte immer, daß er ein Schwein war, und ich bin froh, daß ich ihn erledigt habe.
Pat: Myrna hat erzählt, daß sie ihrer Schwester sogar ein paar Putzjobs vermittelt hat, weil Eilin es mit ehrlicher Arbeit versuchen wollte, es sieht so aus, als ob Eilin aussteigen wollte.
Mike: Ja, deshalb hat sie auch Kontakt mit Jack aufgenommen.
Pat: Ja, sie wollte ihm die Informationen über Kaletzki zukommen lassen, um ihn endlich dranzukriegen.
Mike: Und um das zu verhindern, hat Kalecki die beiden umgebracht.
Pat: Eine großartige Theorie, du vergißt nur, daß auf Kalecki selbst geschossen worden ist, und zwar mit der gleichen Waffe wie auf Jack und Eilin, aus der Waffe, die wir bei Kaletzki gefunden haben, wurde nur eine einzige Kugel abgefeuert, die Kugel, die dich im Park erwischen sollte.
Mike: Bis dahin hatte ich immer geglaubt, Kalecki wäre der große Boss, aber jetzt wurde mir klar, daß jemand anderer hinter ihm stand, jemand der größer war als er, und dieser jemand hatte das Beweismaterial besessen, das in dem Schließfach war, dieser jemand war der Killer, wie war Eilin an den Schlüssel gekommen, mir schwirrte der Kopf, ich versuchte es mit ein paar Whiskys in der Bar an der Ecke, dann fuhr ich zu Charlotte, sie war gerade dabei sich umzuziehen.
Manning: Komm rein Schatz du mußt die Unordnung entschuldigen ich habe meinem Mädchen freigegeben, damit sie sich um seine kranke Mutter kümmern kann.
Mike: Mach dir keine Gedanken.
Manning: Weißt du was, du mixt uns zwei highballs, und ich zieh mich inzwischen fertig um.
Mike: Gute Idee.
Mike: Während ich die drinks mixte, sah ich mir die Bücher an, die bei ihr rumlagen, Heilung durch Hypnose hieß eines und ein anderes, Psychologie der Ehe, sieh an, sie bereitete sich also offensichtlich schon vor.
Manning: Dein drink ist fertig Liebling.
Mike: Bring ihn mir.
Mike: Vielleicht hätte ich einen Moment warten oder vorher anklopfen sollen, als ich ins Zimmer trat, stand Charlotte völlig nackt vor mir, sie war noch schöner als ich es mir vorgestellt hatte, Charlotte war fast noch perplexer als ich, sie errötete, und warf sich rasch einen Bademantel über, wortlos stürzten wir beide unser drinks in einem Zug herunter aber selbst der Alkohol konnte mich kaum besänftigen.
Manning: Mike, ich will dich.
Mike: Nein, nein.
Manning: Aber warum nicht.
Mike: Unsere Zeit ist noch nicht gekommen.
Manning: Sag es mir Mike.
Mike: Ich liebe dich.
Manning: Laß uns heiraten, gleich morgen.
Mike: Morgen nicht, aber sehr bald, ich kann nicht mehr lange warten.
Mike: Im nächsten Augenblick lag sie in meinen Armen und küsste mich, ich presste sie so fest an mich, wie ich konnte, dann schob ich sie weg und ging zur Tür.
Mike: Bis morgen, Liebling, ich werde rechtzeitig da sein.
Mike: Noch einen Moment länger, und ich hätte den Verstand verloren, sie war eine wunderbare Frau und die ganze Herrlichkeit gehörte mir. Der Wecker rasselte um 6, ich drosch auf ihn ein, um den Lärm abzustellen, auf meinem Nachttisch stand eine halbvolle Flasche Bier und ich nahm einen Schluck daraus, es war abgestanden wie eine Litfaßsäule, als ich es bis zum Fenster geschafft hatte, sah ich, daß die Sonne schien, es war ein strahlend schöner Tag, genau der richtige Tag, um aufs Land zu fahren und eine hinreißende Blondine zu treffen, zuerst aber mußte ich mich unbedingt bei Velda melden.
Velda: So früh schon auf.
Mike: Ich habe heute eine wichtige Ermittlung.
Velda: Du solltest deine Sportklamotten mitnehmen.
Mike: Wiebitte.
Mike: Wahrscheinlich konnte sie wirklich hellsehen.
Velda: Marry Bellemy hat angerufen, als besondere Attraktion ist ein Tennismatch vorgesehen, zu diesem zweck haben die Zwillinge extra irgendwelche Tennisgrößen eingeflogen.
Mike: Ach ja.
Velda: Ach ja.
Mike: Sonst noch was.
Mike: Vielleicht wußte sie über die Sache zwischen mir und Charlotte ja auch schon bescheid, sie würde mir ordentlich die Hölle heiß machen.
Velda: Viel spaß, baby.
Mike: Ich war irgendwie erleichtert, als sie auflegte. Das Haus lag inmitten eines riesigen Grundstücks und machte einen prächtigen Eindruck, ich war kaum aus meinem Auto gestiegen, als ich eine wohlbekannte Stimme hinter mir hörte.
Bellemy: Hallo Feigling.
Mike: Hallo Marry.
Mike: Sie führte mich zu den Tennisplätzen, ich war froh unter den Zuschauern Charlotte zu entdecken, sie saß neben Myrna in der ersten Reihe, die beiden waren offensichtlich in ein ernstes Gespräch vertieft, als ich kam, presste Myrna ihre Hand an die Schläfen und sagte, sie müßte kurz ins Haus gehen und sich ein Aspirin holen, in dem Moment kam Ester Bellemy auf uns zu, äußerlich konnte ich kaum einen Unterschied erkennen, und doch war sie ganz anders als ihre Schwester, sie benahm sich höflich und reserviert.
Bellemy: Darf ich ihnen kurz Mr Hammer entführen, ich würde ihn gern einigen leuten vorstellen.
Manning: Aber natürlich.
Mike: Es wäre schön gewesen, einfach so neben Charlotte zu sitzen, ich wäre Ester am liebsten an die Gurgel gesprungen, aber da war etwas, das mich brennend interessierte, ich mußte unbedingt mehr über dieses rote Muttermal wissen.
Bellemy: Sie haben in dem Fall Jack Williams ermittelt, Mr Hammer.
Mike: Nennen sie mich Mike, ich bin nicht an Förmlichkeit gewöhnt.
Mike: Ester hatte ihr Haar zu einer Nackenrolle eingeschlagen, für mich sehen Mädchen mit eingerolltem Haar immer so aus, als bräuchten sie nur noch Eimer und Schrubber, um die Küche aufzuwischen.
Bellemy: Also gut Mike, ich habe mich schon gewundert, daß sie mich nie zu dem Fall befragt haben.
Mike: Das läßt sich ja nachholen.
Mike: Sie führte mich an den Tennisplätzen vorbei, in Richtung eines kleinen Wäldchens, ich fragte mich, wo die Leute waren, die mir vorstellen wollte.
Bellemy: Nun, beginnen sie mit der Befragung.
Mike: Der Wald wurde dichter, sie mußte ein Stück vorausgehen, als ich ihre Rückseite sah, fielen mir keine Fragen mehr ein, warum können Frauen einfach nicht aufhören, sich so zu bewegen, daß Männer auf abwegige Gedanken kommen.
Mike: Ähm, wovon leben sie eigentlich wenn ich mir die frage erlauben darf.
Bellemy: Unser Vater hat uns seine Anteile an ein paar Betrieben im Süden hinterlassen, wir kommen ganz gut zurecht.
Mike: Das sieht man.
Bellemy: Dafür ist man aber auch ständig von einem halben dutzend Verehrer umgeben, die einem erzählen, wie hübsch man ist, nur weil sie sich das alles hier unter den Nagel reißen wollen.
Mike: Dabei müssen ihre Verehrer nicht einmal lügen.
Bellemy: Sind sie etwa auch auf der Suche nach einer reichen Frau.
Mike: Man könnte glatt auf den Geschmack kommen.
Mike: Wir waren inzwischen auf einer lauschigen kleinen Lichtung angekommen.
Bellemy: Seien sie vorsichtig mit dem was sie sagen.
Mike: Warum.
Mike: Als Antwort hörte ich, wie die Druckverschlüsse an ihrem Kleid auseinander klickten, ich zog sie zu mir herüber und küsste sie, dieser Kuß war wie geschmolzene Lava, ich konnte sie nicht von mir stoßen und ich wollte es auch nicht mehr, wir waren allein, nur noch das Geräusch unseres heißen Atems, irgendwann öffnete ich wieder die Augen.
Mike: Schwindlerin, du bist nicht Ester, du bist Marry.
Bellemy: Wie hast du das bloß rausgekriegt.
Mike: Soviel ich sehe, ist da weit und breit kein erdbeerfarbenes Muttermal.
Bellemy: Oh baby, ich wußte es doch, du würdest es dir nicht nehmen lassen, selbst nachzuschauen.
Mike: Das Match war fast vorbei als wir zurückkamen, Charlotte saß immer noch auf ihrem Platz, nur war jetzt ein smarter Jüngling neben ihr, mit dem sie offensichtlich in ein intensives Gespräch verstrickt war, ich wollte gerade meinen Gefühlen freien lauf lassen, als aus dem Haus ein Schreien erklang, daß so schrecklich und mark erschütternd war, daß alle anwesenden erstarrten, ich rannte sofort zum Haus und fand das Hausmädchen am oberen Treppenabsatz, ihre schreckensgeweiteten Augen wiesen auf eines der Zimmer, es war die Garderobe, ich wußte, was mich erwartete, als ich den Raum betrat, auf dem Boden lag Myrna, und in ihrer Brust klaffte das Loch einer 45er.
Manning: Sie wollte sich doch nur kurz ein Aspirin holen.
Mike: Jetzt ist sie tot, und ich hab mit den Killer hier irgendwo direkt vor meiner Nase.
Mike: Es war passiert, während ich mit Marry im Wald gelegen hatte, der Mörder hatte wieder seinen Schalldämpfer benutzt.
Mike: Schaumal Charlotte was ich bei Mirnas Leiche auf dem Teppich gefunden habe.
Mike: Ich gab ihr den Umschlag, in dem ich das Pulver mit den Händen hineingekehrt hatte.
Manning: Es ist Heroin.
Mike: Es ist das gleiche Zeug das die polizei auch bei Eilin gefunden hat.
Manning: Vielleicht hat Myrna wieder damit angefangen.
Mike: Das glaub ich nicht, sie hat es gefunden, wahrscheinlich in der Gardarobe, und der Killer hat sie dabei überrascht.
Manning: Ist dir sonst noch etwas aufgefallen.
Mike: Nein, oder doch, unter Myrnas Fingernägeln hatte ich rote Wollfasern entdeckt, aber irgendetwas hielt mich davon ab, es Charlotte zu sagen. Es war weit nach Mitternacht, als ich Charlotte vor ihrem Haus absetzte, sie hatte immer noch Tränen in den Augen, verständlich, sie hatte Myrna gemocht, ich war den Tod gewöhnt, aber ihr mußte das ganze wie ein Alptraum vorkommen, wir küssten uns zum Abschied, dann sah ich ihr nach, wie sie zu ihrer Tür ging, ihr roter Mantel leuchtete in der Dunkelheit, sie drehte sich zu mir um.
Manning: Möchtest du nicht doch noch mit hinaufkommen.
Mike: Hatte ich Pat zuletzt doch geschlagen und ich war glücklich darüber, glücklich, wie könnte ich nur so glücklich sein, zu viele Menschen waren gestorben, ich mußte der Sache ein ende bereiten, jetzt oder nie.
Mike: Ja, Charlotte, warum nicht.
Mike: Ich setzte mich in den Sessel am Fenster und wartete, bis sie mit dem Eis aus der Küche zurückkam, dann sah sie die Magnum in meiner Hand, sie zielte genau auf ihren Bauch, selbst unter dem Makeup konnte ich sehen, wie ihr die Farbe aus dem Gesicht wich.
Mike: Es hat kein Zweck mehr Charlotte, ich weiß alles.
Mike: In ihren Augen spiegelte sich Verwirrung, niemand außer mir hätte bemerkt, daß sie schauspielerte.
Mike: Angefangen hat alles mit deinem Job, die Leute sind zu dir gekommen, weil sie deine Hilfe brauchten, und du hast ihnen geholfen, in dem du ihnen Drogen gegeben hast, sie wurden von dir abhängig und du hast mächtig abkassiert, über deine Praxis bist du zunächst problemlos an das Zeug rangekommen, aber allmählich gabs Probleme mit dem Nachschub, da lerntest du George Kalecki kennen, gerade zum richtigen Zeitpunkt, während deiner Hypnosebehandlung, vermutlich bist du eine Meisterin darin, hast du jedes schmutzige Detail seines Lebens ans Licht gebracht, damit hattest du ihn in der Hand, und von nun an sorgte er für den nötigen Nachschub an Drogen.
Mike: Ihre Augen waren angstvoll geweitet ich konnte förmlich sehen wie ihr verstand auf Hochtouren lief, sie suchte nach einem Ausweg und schließlich hatte sie ihn.
Mike: Die Informationen, die du über Kalecki hattest, hast du alle in einem Schließfach gesammelt und der Schlüssel war zuhause bei dir versteckt, wie ist Eilin nur in den Besitz dieses Schlüssels gekommen, ich habe lange drüber nachgedacht und es eigentlich erst heute kapiert, mußtest du in letzter zeit deinem Mädchen nicht dauernd frei geben, weil seine Mutter krank ist, da warst du froh, als dir von Myrna Eilin als Putzfrau empfohlen wurde und Eilin die von Kalecki vielleicht sogar dafür angeheuert war, entwendete den Schlüssel.
Mike: Der Schrecken war aus ihr gewichen und an seine Stelle trat etwas anders, jetzt kam es, der Ausweg.
Mike: Eilin wollte aussteigen und Kalecki drankriegen, deshalb hat sie Jack kontaktiert, wenn Kalecki auffliegen würde, würdest du auch auffliegen, also mußtest du handeln, nachdem dich dein Hausmädchen ins Bett gebracht hatte, bist du wieder aufgestanden und zu Jack zurück, dann hat du ihn im Schlafzimmer erwischt.
Mike: Ihre Hände glitten langsam an ihrem Körper entlang und umfaßten ihre Brüste, dann tasteten sie nach den Knöpfen ihrer Bluse, sie sprangen auf, einer nach dem anderen.
Mike: Damit hatte das Morden noch lange kein ende, denn George Kalecki blieb ein Unsicherheitsfaktor, also war er der nächste, aber du hast ihn verfehlt, er konnte der Polizei natürlich nicht sagen, daß du auf ihn geschossen hast, sonst wäre er ja mit aufgeflogen, aber an dem Morgen im Park, als ich dachte Kalecki, hätte es auf mich abgesehen, da hat er in Wirklichkeit auf dich gezielt, um sein Problem auf diese weise zu lösen.
Mike: Die Bluse rutschte über ihre Schultern zu Boden, sie trug keinen Büstenhalter, ihre Brüste, ihre festen, einladenden Brüste, reckten sich mir entgegen.
Mike: Dann kam Eilin an die Reihe, das war an dem Abend nach unserem ersten Kuß, erinnerst du dich noch.
Mike: Sie öffnete den Reißverschluß ihres Rocks, ganz langsam, um dabei die maximale erotische Wirkung zu entfalten, schälte sie sich aus dem Rock, jetzt blieb nur ein winziger Slip.
Mike: Du hast Glück gehabt, immer Glück, auch bei dem Mord an Myrna, ihr wart vor dem Tennisspiel in ein ernstes Gespräch verwickelt, dabei muß dir klar geworden sein, daß Myrna Verdacht geschöpft hat, sie ging dann hinauf ins Haus, aber nicht um sich ein Aspirin zu holen, sondern um einen Beweis zu finden, und den hat sie in der Tasche deines Mantels gefunden, ja.
Mike: Ihre Daumen schoben sich unter den Bund ihres Slips.
Mike: Dabei hast du sie überrascht, du hast sie erschossen, und versucht, so gut es ging das verstreute Heroin zu beseitigen, dann hast du ihr deinen Mantel aus den toten starren Händen gerissen und dabei sind die roten Wollfäden unter ihren Fingernägeln hängengeblieben.
Mike: Dann stieg sie so graziös aus dem Höschen, wie Venus aus dem Bade, sie war eine echte Blondine.
Mike: Nein Charlotte, kein Gericht würde dich je so verurteilen können, viel zu viel Indizienbeweise, deine Alibis waren zu perfekt.
Mike: Langsam, ganz langsam, kam sie auf mich zu.
Mike: Jetzt bin ich der Richter, und ich muß ein Versprechen einlösen, so schön du bist, und so sehr ich dich fast geliebt hätte, ich verurteile dich zum tode.
Mike: Der Duft, den sie verströmte, war atemberaubender als jedes Parfüm, sie war perfekt, sie streckte ihre Arme nach mir aus und wollte mich umarmen, das Donnern meiner Magnum erschütterte den Raum, Charlotte taumelte zurück, einen moment später und sie hätte mich mit ihrer 45er, die hinter mir auf der Fensterbank in Griffnähe lag getötet, aber ich war ihr zuvorgekommen, fassungslos starrte sie mich an.
Manning: Wie konntest du nur.
Mike: Mir blieb nur noch ein Augenblick, aber ich schaffte die Antwort gerade noch.
Mike: Es war leicht.
Mike Hammer (Privatdetektiv): Jürg Löw
Velda (seine Sekretärin): Lisa Adler
Charlotte Manning: Caroline Schreiber
Marry Bellemy: Myriam Gurland
Pat Chambers: Justus Fritzsche
George Kalecki: Horst Mendroch
Bobo Hopper: Steffen Schult
Bearbeitung (Wort): Regine Ahrem
Regie: Thomas Werner
Weitere Informationen zu den Hörspielen gibt es in der Hörspieldatenbank im Internet unter: https://hoerspiele.dra.de/
Kommentar von Hörspiele |
Ed McBain: Stirb, Kindchen, stirb (BR/WDR 1992)
(Kriminalhörspiel aus dem 87. Polizeirevier nach dem Roman Lullaby)
Sprecherin: Mit Detective Steve Carella, dem Gründlichen.
Carella: Nochmal von vorne, Minute für Minute, also du steigst die Feuerleiter runter, was siehst du, was hörst du, ich will alles wissen.
Sprecherin: Detective Bert Kling, dem Knallharten.
Kling: Oh mann als Cop bist du hier nur das Arschloch.
Sprecherin: Detective Meyer Meyer, dem Gemütlichen.
Meyer: Ich hab hier ne Hundemarke, Detective Meyer wau wau.
Sprecherin: Der aber auch anders kann.
Meyer: Hör mal zu du Kinderschänder, du verschaffst mir den Aufenthaltsort von Martin Proctor oder ich laß dich hochgehen ist das klar.
Sprecherin: Und Detective Ollie Weeks, dem Witzbold.
Weeks: Und denk an die vier großen w, nach dem wo und dem was jetzt das wer und vor allem das wie, hehehe.
Discjockey: Happy New Year Leute, hebt das Glas, amüsiert euch und tanzt, unser junges Jahr ist genau 1 Stunde 15 Minuten alt, jawohl 1 Uhr 15 und ihr hört die After Midnight Show in Radio BX Isola und hier baby, hier ist eine ganz heiße Nachricht von einer aufregenden Frau, und sie geht an dich Detective Steve Carella.
Carella: Seid doch mal still.
Discjockey: Ja wo immer du bist, was immer du tust, denk daran, deine Frau die dich liebt und ihr Name ist, du weißt es, denn es kann nur eine sein, deine Frau Teddy, prost Neujahr Steve und auch an euch Jungs vom 87 Polizeirevier hier in Isola, an die Detective Bert Kling, Meyer Meyer und Ollie Weeks, die folgende Nummer ist nur für euch Jungs, only you.
Radio: Only you...
Proctor: Fuck, ja was haben wir denn da, die Möpse, 50, 20.
Shirley Unger: Oh, nimm die Hand da raus, du Ferkel.
Proctor: Holy shit.
Shirley: Tony, rat mal, was ich jetzt mache.
Proctor: Pfoten hoch, und weg von der Tür.
Shirley: Ah.
Proctor: Schnauze.
Tony Unger: Um himmelswillen, Shirley, was ist denn.
Proctor: Bleib stehn, verdammt noch mal, bleib stehn, ich leg sie um.
Shirley: Tony.
Proctor: Halt deine gottverdammte Schnauze.
Tony: Komm laß doch, mach nicht so.
Proctor: Ab ins Bad mit euch.
Frau: Halt die Schnauze, du versoffenes Loch.
Discjockey: Ihr hört die After Midnight Show auf Radio Isola...
Hodding: Ah ah...
Proctor: Fucking bastards.
Scott: Lorraine wo steckst du, habt ihr lorraine gesehen, lorraine, lorraine bist du das.
Lorraine: Pst.
Scott: Ich dachte schon.
Lorraine: Ich hätte dich verlassen, bringst du mich dann auch um, Scott.
Scott: Ich.
Allan: Mr Hodding, alles in Ordnung da oben, Mr Hodding.
Hodding: Oh ja Allan, danke, Susan ist ok, ruhigen dienst und prost neujahr noch, ich geh wieder feiern.
Allan: Moment noch, Mr Hodding, ich hab noch einen guten.
Hodding: Einen was.
Allan: Spot, vielleicht können sie ihn gebrauchen, also sitzt einer mit ner Flasche und aufgeknüpfter Hose im Sessel, hinter ihm aus dem Schlafzimmer sieht man ne blaue Nonne, knöpft dir einmal die blaue Nonne vor gut was, können sie haben MrHodding.
Hodding: Danke, Lunar ist leider kein Kunde von uns.
Allan: Verdammich Allan, das ist ein guter, hahaha, du Allan, ich brauch eiscube und dann knöpf ich mir Laura vor.
Hammond: Oh shit.
Baby: Ah.
Annie: Peter, bist du das, Peter, wer sind sie, was wollen sie, ah ah ah.
Discjockey: 8 Uhr midnight, ich bin immer noch da, ihr seid auch noch da, hervorragend, Radio PX Isola.
Mann: Du alte Schlampe, mach diese gottverdammte Tür auf oder ich trete sie ein.
Gayle Hodding: Wird das heute noch was mit der Tür.
Peter Hodding: Moment Gayle, einen kleinen moment noch, ja, ich hab einen sitzen, aber schließlich ist das ja eine ganz besondere Nacht, nicht wahr, Annie, wir sinds, Annie wir sind zurück, Annie.
Gayle: Polizei, polizei, polizei.
Carella: Ich bin Det Steve Carella, erzählen sie ihre Geschichte nochmal Mr Hodding.
Meyer: Ok hast du sie, dann schreib, Annie Flinn, Babysitterin, 16 Jahre alt, aufgefunden in der Mitte des Korridors, Bluse zerfetzt, Rock bis zum Arsch hoch gestreift, Messer in der Brust.
Mann: Sie ist tot.
Meyer: Erschossen ja.
Mann: Arschloch.
Carella: Mr Hodding.
Hodding: Ja moment, kann mich noch nicht konzentrieren.
Meyer: Messer in der Brust, Tod amtlich festgestellt vom Gerichtsarzt Dr Turner.
Hodding: Darf ich mir eine anzünden.
Meyer: Jetzt das Baby, hast du es.
Carella: Ja bitte Mr Hodding.
Meyer: Name Susan Hodding, Alter 6 Monate, Gesicht blau, wahrscheinlich erstickt, Tot amtlich festgestellt von Gerichtsarzt Dr Turner, neben dem Bett wahrscheinlich von der Decke ein Mobile aus Metallstäben, äh Steve.
Carella: Moment ja, also Mr Hodding.
Hodding: Wir kamen.
Carella: Ja.
Hodding: Wie schon gesagt vor einer guten Stunde, halb drei Uhr etwa von der Party zurück.
Carella: Wo.
Hodding: Ein paar Blocks weiter, Ecke 12. und Grover.
Carella: Und die Wohnungstür.
Hodding: Abgeschlossen, ich brauchte ne Zeit reinzukommen, weil ich ziemlich blau war, nicht wahr Gayle.
Carella: Und dann.
Hodding: Hab ich Annie auf dem Korridor liegen sehen mit dem Messer in der Brust.
Meyer: Steve.
Hodding: Und dann.
Carella: Ja.
Hodding: Susan, das Kissen lag auf ihrem Gesicht, ich habs weggenommen, das Gesicht war ganz blau.
Carella: Können sie bestätigen, was ihr Mann ausgesagt hat, Mrs Hodding, Mrs Hodding.
Meyer: Hey Steve was ist jetzt, lassen wir das Messer drin oder wie.
Frau: Ah ah.
Discjockey: Goodmorning Isola, guten Morgen im neuen Jahr, 5 Uhr und 12 Minuten.
Mann: Detective Kling, Detective Kling, bitte kommen auf 3 bitte kommen.
Kling: Ich kündige.
Discjockey: Und er wünscht sich, was wir alle uns wünschen, a wonderful world.
Mann: Was ist los verdammt, Bert was ist eigentlich los gib doch mal ein Lebenzeichen.
Kling: Äh ja hier Detective Kling, ich höre.
Mann: Hast du den arsch endlich hochgekriegt du penner schaltauf 3 dagehts weiter.
Kling: Ok Detective Kling auf 3.
Mann: Also an der Kreuzung Concorde und Dow Street, muß direkt vor deiner Nase sein, sollen drei schwarze einen puertorico mit baseballschläger prügeln.
Kling: Na wer sagts denn.
Radio: What a wonderful world...
Mann: Ah ah.
Kling: Polizei aufhören auseinander, schmeiß das ding weg.
Mann: Oh.
Kling: Hank schmeiß das ding weg.
Mann: Hey laß los, laß das.
Kling: Schmeiß weg sag ich und jetzt schön die Pfoten auf den Kopf, hol nen Krankenwagen.
Herrera: Gracias pornada.
Carella: Polizei aufmachen, Polizei.
Shirley: Jaja Mann was ist denn schon wieder los, das hatten wir doch schonmal, ihr nervt.
Carella: Detective Carella von 87 Revier, Mrs Unger, ich hab ne scheiß Nacht hinter mir, könnte gut sein, daß mir bei so einem Ton der Geduldfaden reißt.
Shirley: Hör mal zu Schätzchen, wir sind heute nacht ausgenommen worden und ihr wißt alles von uns um eure gottverdammte Pflicht zu tun, unsere geklauten Sachen wieder beizuschaffen klar.
Carella: Ein Einbruch hier im 6. Stock, wer hat ihn aufgenommen.
Shirley: So ein Lockenköpfen, Willis oder so.
Carella: Willis, aha ok Mrs Unger, jetzt versteh wir uns, ich bin wegen des Doppelmordes bei Hoddings im vierten hier.
Shirley: Was.
Carella: Vielleicht besteht ein Zusammenhang, kann ich jetzt reinkommen.
Radio: Bleibt sauber.
Carella: Nein.
Meyer: Hier, Liebesgrüße vom Labor, Steve.
Carella: Und erzähl schon.
Meyer: Moment.
Mann: Was hast du denn da für ne Puppe Ollie.
Weeks: Ne gelbe, ne gelbe Nutte ohne bockschein.
Mann: Und wer sagt, daß sie eine ist.
Weeks: Ich sage das.
Meyer: Die Werkzeugspuren am Fenster im 4 und 6 Stock sind nicht identisch.
Carella: Was sagt uns das.
Meyer: Nichts, kann aber trotzdem dieselbe Person gewesen sein.
Carella: Jaja.
Weeks: Also unterstellen wir mal Mädchen, du möchtest weiterhin diese Bar in unserem Revier frequentieren, ja dann solltest du den Detektiven dieser schönen Stadt gegenüber ein gewisses Entgegenkommen zeigen, und mach ich mich verständlich, Schätzchen.
Carella: Komm weiter.
Meyer: Sie haben Annie Flinn abgesaugt und Schamhaare einer anderen Person gefunden.
Carella: Und Sperma.
Meyer: Auch das, warte mal.
Mann: Hey Bert, hat dich der Doc wieder auf freien Fuß gesetzt.
Kling: Schon rasiert heute, Tag Ollie.
Weeks: Spuck doch mal durch die Zahnlücke, Bert, Treffer.
Kling: Na Stevie, Meyer.
Meyer: Hi Bert, täusch ich mich oder ist bei dir im Mund bißchen luftiger geworden.
Kling: Paß auf, ich könnt immer noch in deinen feisten Arsch beißen du.
Carella: Was machst du für ne scheiße.
Kling: Was heißt hier scheiße.
Carella: Bert hör zu, hast du ne Aussage von dem Puertoricaner.
Kling: Ja natürlich nicht, der Spiekman, liegt doch im Krankenhaus, hängt an Schläuchen, da ist er auch gut aufgehoben, Stevie, die Sache ist doch klar oder.
Weeks: Vorsicht, Carella ist ein Itaker.
Carella: Bert, du hast zwei schwarze über den haufen geschossen und ich rate dir eine Aussage beizubringen, die deine bestätigt ok.
Kling: Ok ok ok kannst du haben, als cop ist man hier wirklich nur das arschloch.
Carella: Also was weiter.
Meyer: Sie haben frisches Sperma in ihrer Scheide gefunden, aber es hatte sich schon im Uterus und Eileiter ausgebreitet.
Carella: Das heißt.
Meyer: Daß Annie einen Orgasmus hatte, sonst würde die Ausbreitung bis zu 6 Stunden dauern.
Carella: Ja und, die Bluse war zerrissen und der Rock hochgestreift, das paßt auf ihren Exfreund Scott Handler.
Meyer: Das glaub ich nicht, Annie ist ich meine war 16, Scott Handler ist 18, sie gibt ihm den Laufpass ok aber die drohung sie umzubringen das war doch nur heiße Luft.
Carella: Annies Vater steht zu der Aussage.
Meyer: Na und, ein teenie im liebesschmerz.
Carella: Wir sollten Scott Handler trotzdem sehen ja, und sonst irgendwelche verwertbare Fingerabdrücke.
Mayer: Nur die von Annie auf dem Messer, das Messer gehört zum Haushalt der Hoddings, eine Gelegenheitswaffe.
Carella: Gut gut gut gut.
Weeks: Gottverdammtescheiße, warum sagt du nicht gleich, daß du von Henry zu kommst, los los verpiß dich, raus hier.
Meyer: Guck mal Treffer, zum schluß noch ein Treffer, das Labor hat die Finger-abdrücke auf dem Fensterbrett der Ungers im 6. Stock identifiziert.
Carella: Und wer ist es.
Meyer: Martin Proctor alias Snake alias Mr Smith, ein Junkie und Dopedealer.
Carella: Oh je kann es denn nicht mal ein einbeiniger Albino mit Versetzstimme oder sowas sein.
Meyer: Laß mal Steve, ich hab da ne Idee, Fats Donner ist uns noch was schuldig.
Donner: Snake, Mr Sniff, Dr Proctor, logo kenn ich, werf mir mal das Handtuch für meine Füße rüber, Meyer.
Meyer: Hier.
Donner: Danke.
Meyer: Und wo find ich ihn.
Donner: Du mußt mir nur sagen, welchen der 800 snakes du meinst, da fällt mir ein, im moment nennen ihn sie seine Freunde Rambo und er lebt unter dem Namen Smith in irgendeinem Hotel.
Meyer: Hör mal zu, du kinderschänder, du verschaffst mir den Aufenthaltsort von Martin Proctor oder ich laß dich hochgehen, klar.
Frau: Hi, ich bin Brenda, was kann ich dir bringen.
Kling: Nett, nett, Brenda, also ich brauche eine große Diätcola mit Eis, ein Thunfisch-Sandwich mit Majo, Gurke und Tomate ja und 2 Jellydonuts.
Herrera: Buenas noches, sie gestatten Senior Kling.
Kling: Ja du sitzt ja schon.
Herrera: Eh Kaffee.
Frau: Ok.
Kling: Sagt mal was soll eigentlich dieses Versteckspiel hier, Herrera, warum kommst du nicht zu mir aufs Revier.
Herrera: Hör zu Kling, ich hab beschlossen, ich helf dir.
Meyer: Komm stecks dir in den Arsch, vor 2 Tagen hätt ichs gebraucht, jetzt ist die Sache gelaufen.
Frau: So, laß es dir schmecken, ich hab dir 3 Donuts mitgebracht, wir haben gerade die Aktion 3 für 2 laufen.
Kling: Super super.
Herrera: Hey die Sache fängt es an, ich kann dir ein dickes Ding zuschieben.
Kling: Also mir genügt das dicke Ding hier zwischen den Zähnen.
Herrera: Paß auf, die Nigger, die mich plattmachen wollten, das waren Jakies, eine jamaikanische gang, die größte mann, Drogen Mädchen Waffen, kennst du Spengler.
Kling: Na klar.
Herrera: Größer, kennst du Schauer.
Kling: Hm.
Herrera: Noch größer.
Kling: O und wie nennen sich deine schwarzen Wunderboys.
Herrera: Hey langsam.
Kling: Hör zu, Herrera, ich stopf jetzt noch diese Donuts rein und dann bin ich weg, ist das klar.
Herrera: Langsam mann langsam, paß auf, am 23 Januar kommt hier ein Schiff an unter irgendeiner Flagge von Skandinavien mit 100 Kilo Koks an Bord, paar Kilo von dem Dope das tun die weg für Test von Qualität und wenn das gut geht, ja die Jakies geben 1 Mio Dollar.
Kling: So und kannst du jetzt deine ganze Story vielleicht noch als Reaggie singen, das kommt irgendwie besser, sag mal Herrera, was wilst du eigentlich vor mir.
Herrera: o gott, sag mal begreifst du das nicht, Kling, die jackis wollten mich umlegen weil ich von der Sache weiß, paß auf, ich geb dir ne chance, ja, ich biet dir die riesen sache, 100 kilo dafür krieg ich Personenschutz.
Kling: Ok kriegst du, bis nächste Woche teilst du mir mit, wo und wie die Sache über die Bühne geht, ja und dann verhandeln wir vielleicht neu über deinen Beschützer, bis dahin Hals- und Beinbruch Herrera, sie waren absolute Superklasse, Baby.
Herrera: Scheiß bulle.
Carella: Ja bitte, ich brauch noch nen Kaffee, also drei Schienen, verstehen sie, die erste, Einbruch Vergewaltigung oder beides, die Morde sind da nur der Nebeneffekt, die zweite, jemand wollte Annie aus dem weg haben, dann ist der Mord an Susan nur eine folge davon, der Einbruch läuft separat, jetzt die dritte schiene, der Mörder wollte das Baby töten.
Hodding: Ein 6 Monate altes Kind, warum denn.
Carella: Will ich ja von ihnen wissen, war mit Susan irgendwas Besonderes.
Hodding: Nein, das, ach was, Unsinn.
Carella: Was.
Hodding: Wir haben Susan adoptiert.
Carella: Und das sagen sie mir erst jetzt, wer sind die leiblichen Eltern.
Hodding: Weiß ich nicht, darf ich gar nicht wissen, ist Bedingung bei Cooper Andersen, der Agentur mit der wir das abgeschlossen haben.
Meyer: Ahoi Schwester, arbeitet Lorraine Greer hier an bord.
Lorraine: Sieht nicht so aus, als wären sie mit ihr verabredet.
Meyer: Ich hab hier ne Hundemarke, Detective Meyer wau wau.
Lorraine: Und wen wollen sie anpinkeln.
Meyer: Lorraine, ich suche Scott Handler.
Lorraine: Kenn ich nicht.
Meyer: Mach keine Dummheiten, Lorraine, Falschaussagen kommen teuer, er ist 10 Jahre jünger als du, ok wen kümmerts, aber die Morde.
Lorraine: Annie und das Baby, Scott hat damit nichts zu tun.
Meyer: Wenn er ein Alibi hätte.
Lorraine: Für wann.
Meyer: Anders rum, wo war er in der Silvesternacht.
Lorraine: Ok raus damit, was er vor Mitternacht gemacht hat, weiß ich nicht, und dann waren wir zusammen, von halb eins bis mindestens 4 Uhr.
Meyer: In Ordnung das genügt, sag Scott, er ist aus dem Schneider.
Nellie: Steve, ah da bist du ja, ok Steve wir sind hier komplett, Bezirksstaatsanwalt Bobby Mcananam, sein Assistent Ralph Riegelburger und ich, ich stell dich auf Konferrenz, schieß los Steve.
Carella: Danke Nelly, hi Bobby hi Ralph.
Ralph: Hi Steve, denk an die Baseballkarten.
Bobby: Hi.
Carella: Das mit den Karten geht klar Ralph, ok es geht um den Fall Susan Hodding und Annie Flinn.
Bobby: Irgendwelche Fortschritte.
Carella: Wir reißen uns den Arsch auf Bobby, mehr ist im moment nicht drin ok.
Bobby: Bullshit.
Carella: Ich versteh Bobby so schlecht.
Nellie: Bobby will daß du uns sagst worum es geht, Steve.
Carella: Also, Susan Hodding ist adoptiert worden über die cooper anderson agentur, wenn Susan vorsätzlich ermordet worden ist, dann hat das vielleicht was mit ihren leiblichen Eltern zu tun, ich brauche eine gerichtliche Verfügung um an die Namen zu kommen.
Bobby: Er soll sich verpissen.
Carella: Noch mal Bobby.
Nellie: Bobby meint daß eine solche Verfügung nur ausgeprochen werden kann, wenn Gefahr im Verzug ist.
Carella: Das ist es doch was ich meine, daß für die leiblichen Eltern gefahr an Leib und Leben bestehen könnte.
Mann: Ich hab FatsDonner am telefon mit ner heißen Information sagt er nur an dich.
Carella: Um dasrauszukriegen brauch ich die namen klar momentmal hauab mit dem scheiß, ich hab die ganze staatsanwaltschaft am anderen ende, ich bin wieder da.
Nellie: Reg dich ab, Steve, Bobby sagt, er hat es nicht so gemeint, du bekommst deine Verfügung, nächste Woche.
Carella: Ich brauch sie jetzt.
Nellie: Bobby sagt es ist ok, du bekommst sie nächste Woche, machs gut Steve.
Carella: Fickt euch ins Knie.
Mann: Ich stell Fats Donner durch.
Carella: Wichser.
Donner: Bist du noch dicht, Carella oder was ist los, wenn du was von mir wissen willst andern Ton ja.
Carella: Du bist in der falschen Vorstellung, tschuldige, was gibts.
Donner: 1146 Parkstreet, Apartment 34, alles klar.
Meyer: Aufmachen Proctor, polizei.
Proctor: Oh scheiße.
Meyer: Polizei.
Proctor: Die gottverdammten Bullen, wo ist mein Wumme.
Meyer: Tritt sie ein Bert.
Proctor: Ich komm sofort, ich noch unter der Dusche, ich bin nackt.
Kling: Das halten wir schon aus, wir haben nämlich starke Nerven, wir haben bloß keine Geduld, ist das klar Mann.
Proctor: Ich komm doch gleich, sofort Jungs.
Carella: Hey wohin Snake, Handtuch vergessen, runter von der leiter und rein mit dir.
Kling: Hände hinter den Kopf, und da rüber an die Wand.
Proctor: Ihr meint es ernst was.
Carella: Bitterernst, Snake.
Proctor: Nen Mord laß ich mir nicht anhängen von euch.
Kling: Steve gib mir ne viertel Stunde du und er wird singen wie ein Chorknabe.
Proctor: Ich hab doch alles gesagt, ich hab doch alles gesagt.
Carella: Noch mal von vorn.
Proctor: Oh mann.
Carella: Minute für Minute, also du steigst aus dem Fenster, die Feuerleiter runter.
Proctor: Ja die Feuerleiter runter.
Carella: Was siehst du, was hörst du.
Proctor: Ich steig runter, überall wird gefeiert, ich hör Musik, ach ja im vierten wird gerammelt.
Weeks: Nur zu, nur zu, und denk an die großen 4 w, nach dem wo und dem was jetzt das wer und vor allem das wie.
Carella: Hirnschiß oder was Ollie, hau ab wir sind mitten drin.
Weeks: Der Stik wärs nur gewesen, am Telefon für Bert, aber bitte.
Kling: Herrera, das ist mein Mann, den nehm ich mir selbst, wo ist er.
Weeks: Kanal 5.
Carella: Schau mich an Snake.
Proctor: Bitte tun sie mir nichts Chef bitte.
Carella: Ach was, wer wir denn, bist ein guter Junge wenn deine Geschichte stimmt, und das kriegen wir raus, verlaß dich drauf.
Proctor: Ich hab ein Alibi, Chef, fragen sie Games, er hat mir hinterher im Eagel noch ein Röhrchen Crack verkauft, fragen sie ihn.
Herrera: Ja hallo Kling, hören sie, Küßchen von Consuelo, meinen Freund Kling, geht uns hervorragend, dank ihrem Gorilla, also zur Sache Kling, ich hab da noch zu tun, ok sie kennen die leere Baracke bei El camino real, dort wird der deal über die Bühne gehen, freitag abend 8 Uhr, laß doch mal komm, der Stoff kommt aus Kolumbien und wird in Florida auf ein Schnellboot umgeladen, die Jackies und die Columbianer haben vereinbart, daß zwei von jeder Seite die Sache durchziehen.
Mann: Mit den müssen sie doch klarkommen, Mensch Kling.
Kling: Oh da freu ich mich aber schon drauf, hast du alles mitgekriegt Ollie.
Weeks: Bin ich taub.
Mann: Hat jemand Steve gesehen, Post von Bobby.
Kling: Bei der Vernehmungszelle, also wie ist denn deine geschätzte Meinung Ollie.
Weeks: Der Hurenbock lügt, kein Wort wahr, wenn überhaupt, dann machen so einen großen Deal keine Jackies, 100 kg, Bert 100 Kilo, Jackies handeln mit nem Pfund, so nen Deal macht hier nur einer, und das ist Henry zu.
Mann: Bidubidu.
Weeks: Ach halt die Schnauze hinten, ich sag dir nur eins, der spick ja, der will selber so ein Ding drehen oder er versucht irgendwo aufzuspringen oder arbeitet für ne ganz andere Gang oder.
Kling: Quack quack quack, du bist vielleicht ein Klugscheißer Ollie, mit Maul so groß wie ein Ochsenfrosch.
Carella: Ärger oder was, egal prügeln könnt ihr euch hinterher, ich brauch dich Bert, du fährst zu Cooper Anderson und besorgst mir den Namen von Susans leiblichen Eltern, hier ein sesam öffne dich.
Meyer: Unangenehm für sie, Hodding, ich habe mich eingehend mit Al, dem Portier unterhalten, sie waren in der Wohnung.
Hodding: Ich, ja.
Meyer: Soll ich raten, was sie da getrieben haben, es war nicht zu überhören, der Laborbefund sagt, daß in Annies Scheide Sperma war, ihr Sperma Hodding.
Hodding: Detective Mayer, sie müssen verstehen.
Meyer: Ich versteh nur Verführung Minderjähiger, das Mädchen war gerade mal 16 Jahre alt.
Hodding: Sie wollte es genauso wie ich, es war nicht das erstemal.
Meyer: Du gottverdammter Drecksack du.
Hodding: Ich hab Annie geliebt, ich hab sie wirklich geliebt.
Meyer: Ich nehm dich mit aufs Revier und dreh durch die Mangel.
Hodding: Warum sollte ich denn meine Tochter umbringen, sie Idiot, warum denn, warum sollte ich Annie umbringen, nennen sie mir einen, nur einen einzigen Grund.
Frau: Eins zwei drei vier, jawohl weiter, mehr Schwung, wunderbar, nein Schluß Schluß aus Pause, so geht das doch nicht, Herzchen du bist einfach zu pummelig, Luisa soll dir ein neues Kleid verschaffen.
Carella: Detective Carella, guten Tag Mam, oh, äh hallo ich äh Mrs Monroe ich äh.
Frau: Brauchen sie einen souffleur oder was ist.
Carella: Wo finde ich Joyce Chapman.
Frau: Nicht da, junger Mann, verreist, ja, fragen sie doch Angela Quist dahinten, ist ne Freundin von ihr, Angela komm doch mal her, jemand von der polizei möchte dich sprechen, tschuldigen sie mich, ja komm schon Herzchen.
Quist: Ich bin Angela Quist, worum geht es.
Carella: Um das Baby, das Joyce Chapman zur Adoption freigegeben hat, können wir uns irgendwo in Ruhe unterhalten. Warum.
Quist: Sie wollte nie ein Baby, sie ist begabt, hat ne Karriere vor sich, Abtreibung kam für sie nicht in frage, darum.
Carella: Und der Vater.
Quist: Weiß nicht, daß er es ist, sie hat ihn unten in Langs Disko kennengelernt, ein Seemann, Joyce war besoffen, hat ihn mit nach Hause geschleppt, das war auch schon, am nächsten Tag war er weg, auf See, hat ein Kind aber kein Nachnamen hinterlassen.
Carella: Ist das in Schauspielerkreisen so üblich.
Quist: Was geht denn sie das an, sie war blau, punkt.
Carella: Wer wußte von dem Kind.
Quist: Wußte.
Carella: Tja sie ist tot, ermordet, der Baby Susan Fall, wie die Zeitungen sagen also.
Quist: Ja wer noch, Melissa, Joyce Schwester und ihr Mann Dick, sie haben sich rührend um Joyce gekümmert, als sie schwanger war und haben ihr die Agentur verschafft.
Carella: Und wer sonst.
Quist: Ich glaub, sie wollte niemand einweihen, nicht mal ihren Vater.
Carella: Gut, und wo ist Joyce.
Quist: In Seattle, ihr vater liegt im sterben, Leberkrebs.
Carella: Telefon.
Quist: Weiß ich nicht, aber die Nummer müßte leicht rauszukriegen sein, die Chapmans haben dort ein großes Sägewerk.
Richard Hammond: Joyce, joyce.
Joyce: Ah.
Hammond: Pst ganz ruhig, Joyce, ganz ruhig, jetzt tut es dir leid, daß du dein Baby weggegeben hast, nicht wahr Joyce, sieh mal an, 1 mio dollar hätte Susan geerbt, aber Susan ist tot, Joyce, ich habe sie umgebracht und jetzt werde ich dich umbringen Joyce.
Joyce: Ah ah.
Mann: Hey Bert.
Carella: Ja Vermittlung, Seattle, ja Joyce Chapman, nein nicht wie Charlie, sondern wie Jonny, Chapman, ja ich warte.
Weeks: Herrera ist weg.
Kling: Was sagst du.
Weeks: Sammy hats gerade durchgegeben.
Kling: Du ich hau dir die Fresse blau wenn du scheiße erzählst.
Weeks: Hör zu Bert, wenn so ein erfahrener cop.
Kling: Ach du Arschgeige du, den kauf ich mir.
Carella: Endlich, ja genau, Detective Carella, Mrs Chapman bitte, wie, was sagen sie, Augenblick mal, Meyer schnell.
Meyer: Ja ich komme.
Carella: Einen moment, Mr Hammond, ich stell um, noch mal bitte.
Hammond: Meine Schwägerin Joyce Chapman wurde heute ermordet aufgefunden.
Meyer: Hier spricht Detective Meyer, Mr.
Hammond: Hammond, ich bin mit Joyce Schwester Melissa verheiratet.
Meyer: Ok danke, Mr Hammond, wir sind die zuständigen Beamten, die im Baby Susan Fall, dem ermordeten Kind von Mrs Chapman, ermitteln.
Hammond: Was sagen sie da, Kind von Joyce, sie irren sich, Joyce hatte kein Kind.
Herrera: 5 kg.
Mann: 50000, ok.
Herrera: Bueno.
Carella: Schaff ihn raus Meyer, ich will mit ihr allein sprechen.
Meyer: Komm Hamond.
Hammond: Melissa, du verweigerst die Aussage.
Carella: Ach Mr Hammond, das fbi bestätigt, daß die fingerabdrücke auf dem Messer identisch sind mit den von Richard Hammond in den Unterlagen der Army, danke das wars Meyer.
Hammond: Melissa, Melissa, das ist ein schmutziger Trick, Melissa.
Carella: Ihr Mann lügt Melissa, sie wußten von dem Baby und wir haben seine Fingerabdrücke, Melissa, wissen sie, was das bedeutet, warum hat er, Annie, warum Melissa.
Melissa Hammond: Das Mobile, er ist gegen das Mobile gestoßen, sie hat es gehört und kam ins Zimmer, sonst würde sie noch leben, es ging ja um das Baby.
Carella: Warum.
Melissa: Vaters testament wir wußten daß erstgeborene kind sollte 1mio dollar erben.
Carella: Ahja.
Melissa: Und als Joyce davon erfahren hat.
Carella: Dachten sie, sie würde ihrem Vater endlich doch von Susan erzählen und deshalb mußte sie sterben.
Melissa: Sie hätte Dick hingehängt.
Carella: Jetzt tun wirs.
Chinese: Alles glatt gegangen.
Mann: Hä.
Chinese: Soll sagen, viele Glüße von Henry Schuh.
Mann: Ah.
Kling: Halt stehenbleiben polizei, ah ich krieg euch noch ihr gottverdammten Chanes auch dich Harry zu, Harrera, hey Joe.
Herrera: Sie geben dir keine reele Chance in diesem verfluchten Land Kling, auch dir nicht, du kriegst sie nie, du Würstchen.
Mann: Oh.
Radio: And when I got to America, I say it blew my mind...
Steve Carella: Peter Voss
Meyer Meyer: Jochen Striebeck
Bert Kling: Michael Mendl
Ollie Weeks: Ralf Wolter
Discjockey: Jim Sampson
Shirley Unger: Saskia Vester
Tony Unger: Robert Flörke
Martin Proctor: Rufus Beck
Peter Hodding: Hubert Mulzer
Gayle Hodding: Barbara Zahn
Lorraine Greer: Katharina Müller-Elmau
Scott Handler: Marc Schulze
José Herrera: Jockel Tschiersch
Fats Donner: Mogens von Gadow
Nellie: Ilse Neubauer
Angela Quist: Esther Hausmann
Richard Allen Hammond: Peter Kremer
Melissa Hammond: Bettina von Websky
Joyce Chapman: Martina Boette-Sonner
Al / Bobby: Bruno W. Pantel
Annie: Julika Blum
Arzt: Detlef Kügow
Jamaikaner/Komparse: Matthias Klaussner
Ralph: Fred Maire
Chinesin: Marina Dietz
Chinese: Hubert Mulzer
1. u. 3. Frauenstimme: Martina Boette-Sonner
2. Frauenstimme: Ursula van der Wielen
4. Frauenstimme: Veronika von Quast
1. Männerstimme: Christoph Lindert
2. Männerstimme: Detlef Kügow
3. Männerstimme/Komparse: Julian Richter
1. Polizist: Bernd Dechamps
Sprecherin der An- und Absage: Ilse Neubauer
Komparse: Olaf Danner
Komparse: Stefan Wilkening
Bearbeitung (Wort): Franz-Maria Sonner
Regie: Barbara Plensat
Kommentar von Hörspiele |
Dashiell Hammett: Das Haus in der Turk Street (WDR 1974)
Tracy: Mein Name ist Tracy, dh es ist einer von vielen Namen, die ich mir zugelegt habe im Lauf der Jahre, ich gehöre zu den Leuten, die am liebsten incognito reisen der not gehorchend, wenn sie wissen was ich meine, ich könnte auch sagen es gehört ganz einfach zu meinem Beruf unter falscher Flagge zu segeln, also ich nannte mich Tracy an dem Tag, von dem hier die rede ist und ich war hinter einem jungen Mann her in San Francisco, er war seinen Eltern davongelaufen, sein Vater war Bürgermeister in Tacoma, einem kleinen Nest in Colorado, ich sollte den verlorenen Sohn aufstöbern und zur heimkehr bewegen, möglichst diskret, keine sehr dankbare Aufgabe für einen Detektiv, aber es lag gerade nichts anders vor, der junge Mann sollte in der Turk Street wohnen in einem ganz bestimmten Abschnitt, das hatte ich inzwischen herausbekommen, aber niemand war in der Lage, mir seine Hausnummer anzugeben, und so klapperte ich denn diesen Teil der Straße ab, klingelte an jeder Tür und sagte immer den selben Spruch auf.
Tracy: Entschuldigen sie Madame, ich komme vom Rechtsanwaltsbüro Wellington und Berkly, mein Name ist Tracy.
Frau: Und sie wünschen.
Tracy: Ach eine Klientin von uns eine ältere Dame ist vorige Woche von der hinteren Plattform einer Straßenbahn geschleudert worden und hat schwere Verletzungen davongetragen, wir suchen einen jungen Mann, der den Unfall mitangesehen hat, seinen Namen wissen wir nicht, aber man hat uns gesagt, daß er hier in der Gegend wohnt.
Frau: Tja hier gibts viele junge Leute, wie sieht er denn aus.
Tracy: Mittelgroß ungefähr 18 jahre, hellblond, blaue Augen, eine Narbe auf der Stirn.
Frau: Narbe auf der Stirn, hellblond, nein das sagt mir nichts, tut mir leid Sir, ich glaube nicht, daß ich den jungen Mann kenne, den sie suchen.
Tracy: Nachdem ich auf der einen Seite der Straßenabschnitts kein Glück gehabt hatte, ging ich auf die andere Seite hinüber, es wurde schon dunkel, kein Vergnügen unter diesen Umständen, diese blöde Sucherei, und wieder alles umsonst, im 1. Haus, im 2, im 3, im 4, niemand kannte den jungen Mann, den ich beschrieb, an der 5. Tür klingelte ich zweimal vergeblich, nichts rührte sich, niemand zu hause, dachte ich und wollte schon weitergehen, da hörte ich Schritte, eine kleine alte Dame öffnete die Tür, ein Strickzeug in der Hand, sie trug eine steifgestärkte weiße Schürze über einem schwarzen Kleid, ihre schon etwas verblichenen blauen Augen zwinkerten vergnügt hinter goldgefaßten Brillengläsern.
Mrs Quarre: Guten abend, ich hoffe sie sind mir nicht böse, daß ich sie so lange habe warten lassen, wissen sie, ich muß immer erst rausgucken und sehen, wer es ist, ehe ich die Tür aufmache, alte Frauen sind ängstlich.
Tracy: Tut mir leid, daß ich sie störe Madame, aber.
Mrs Quarre: Macht nichts, kommen sie herein.
Tracy: Nein nein, ich wollte nur um eine kleine Auskunft bitten, es dauert nicht lange.
Mrs Quarre: Aber doch nicht hier draußen im Regen, ich möchte, daß sie rein kommen, wenn sie eine Auskunft von mir wollen, mein Tee wird sonst kalt, das können sie nicht verantworten.
Tracy: Ja, das sehe ich ein.
Mrs Quarre: Also kommen sie und ziehen sie den Mantel aus, wir trinken eine Tasse Tee zusammen, dann können sie auch Mr. Quarre befragen, meinen Mann, wenn ich ihnen nicht sagen kann, was sie wissen wollen.
Tracy: Sie nahm mir meinen feuchten Hut ab, hängte ihn an die Garderobe, und wartete bis ich meinen Mantel ausgezogen hatte, dann führte sie mich durch einen schmalen Korridor in ein Zimmer, das nur spärlich beleuchtet war, es war ziemlich groß wie mir schien, aber vollgestopft mit Möbeln und viel Plüsch, eine altmodische Einrichtung mit wuchtigen Polstersesseln und dicken Portieren und in der Ofenecke eine pompöse Stehlampe, in ihrem gelben Lichtkreis saß ein alter Mann, der eine Zeitung las, als wir das Zimmer betraten, blickte er auf und erhob sich aus seinem Sessel, eine sehr würdige Erscheinung mit einem dünnen weißen Bart, der auf eine weiße Weste herabfiel, sie war genauso steif gestärkt wie die Schürze seiner Frau.
Mrs Quarre: Thomas, ich habe den Herrn gebeten, eine Tasse Tee mit uns zu trinken, er möchte uns etwas fragen, ich weiß nicht, worum es geht aber.
Mr Quarre: Bitte nehmen sie doch Platz Mr.
Tracy: Mein Name ist Tracy, ich komme vom RA Büro Wellington und Barkly, wir suchen einen jungen Mann, seinen Namen wissen wir nicht, aber er soll hier in der Gegend wohnen, vielleicht können sie mir weiterhelfen.
Mrs Quarre: Ja wenn sie uns sagen können, wie er aussieht, Mr Tracy vielleicht kennen wir ihn, hat er was ausgefressen.
Tracy: Nein, es handelt sich um einen Verkehrsunfall, er war dabei, wir brauchen ihn als Zeugen, eine alte Dame ist von der hinteren Plattform einer Straßenbahn geschleudert worden, sie liegt mit schweren Verletzungen im Krankenhaus.
Mrs Quarre: Schrecklich schrecklich die arme Frau, von der Plattform geschleudert, was sagst du dazu, Thomas.
Mr Quarre: Das wundert mich gar nicht, diese Straßenbahn, es ist einfach eine Schande.
Mrs Quarre: Ja, immer wieder passiert sowas, meistens in den Kurven, bitte greifen sie zu, Mr Tracy, die kleinen Gewürzkuchen schmecken ganz gut zum Tee.
Tracy: Oh danke, also er soll ungefähr 18 Jahre alt sein, mittelgroß, hellblond, blaue Augen, eine Narbe auf der Stirn.
Mrs Quarre: Sag mal Thomas, ob das nicht vielleicht der junge Mann ist, der im Haus mit dem Geländer wohnt, ich weiß nicht, ob er eine Narbe hat, aber mittelgroß, 18 Jahre, das könnte stimmen, meinst du nicht auch.
Mr Quarre: Warte mal, das Alter könnte wohl stimmen, die Größe auch, aber hellblond, irrst du dich da nicht meine liebe.
Mrs Quarre: Du hast recht, das hatte ich ganz vergessen, er hat dunkles Haar, na der kann es also nicht sein, ja mein Mann beobachtet alles sehr genau, Mr Tracy, bei ihm sind sie an der richtigen Adresse, wenn er sagt, er ist es, dann ist er es auch.
Mr Quarre: Keine Vorschußlorbeeren, meine liebe, noch haben wir ihn nicht, aber wenn er hier in der Gegend wohnt, müßte es uns eigentlich gelingen, ihn zu identifizieren, äh wir müssen mal überlegen, ach übrigens, wir wärs mit einer Zigarre, Mr Tracy, damit ihnen die Zeit nicht lang wird.
Tracy: Die Zigarre war gut, ich rauchte und trank meinen Tee, während die beiden sich über die jungen Leute aus der Nachbarschaft unterhielten, zwei waren hellblond, aber der eine war zu groß, und der andere zu alt, sie überlegten weiter, die Liste ihrer Kandidaten wollte kein Ende nehmen, sie gaben sich alle Mühe, wirklich reizende Leute, ich rechnete zwar nicht mehr damit, hier eine Auskunft zu bekommen, die mir weiterhelfen konnte, aber ich saß bequem in meinem Sessel und hatte es nicht eilig in den Regen hinauszugehen, ich war müde und döste vor mich hin, bis ich plötzlich zusammenzuckte, ich spürte etwas kaltes im Genick, dann hörte ich hinter mir eine Stimme.
Hook: Aufstehen, aber dreh dich nicht um.
Tracy: Das kann nicht wahr sein, dachte ich, ein böser Traum, ich war wie gelähmt, ich wollte aufstehen, aber ich konnte nicht, und warum auch, warum sollte ich aufstehen, wenn niemand da war, der mich dazu aufgefordert haben konnte, nein es war ganz unmöglich, die beiden alten Leute redeten immer weiter, sie hatten offenbar nichts gehört und nichts gesehen, ein klarer Fall, ich war eingedöst.
Hook: Los du sollst aufstehen, hab ich gesagt.
Tracy: Ich dachte.
Hook: Na was denn.
Tracy: Ich dachte ich hätte geträumt.
Hook: Du willst mich wohl für dumm verkaufen, was aber da hast du bei mir kein Glück, und jetzt sind sie dran Mr Quarre, filzen sie ihn, aber gründlich.
Tracy: Der Alte legte behutsam seine Zigarre in den Aschenbecher, dann erhob er sich und kam auf mich zu, ich starrte ihn an, ich war sprachlos, er führte den Befehl aus, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, seine Hände glitten über meinen Körper, er tastete mich sorgfältig ab, eine Leibesvisitation nach allen Regeln der Kunst, nachdem er sich überzeugt hatte, daß ich unbewaffnet war, durchsuchte er meine Taschen und warf alles, was ich bei mir trug in den Sessel, von dem ich mich gerade erhoben hatte.
Mr Quarre: So das wärs seine Taschen sind leer.
Hook: Dann dreh dich mal um, damit wir uns in die Augen sehen können, na du Schnüffler, kennst du mich.
Tracy: Nein ich kann mich nicht erinnern, sie jemals gesehen zu haben.
Hook: Ach was du nicht sagst.
Tracy: Bitte glauben sie mir, ich hab wirklich keine Ahnung, wer sie sind und was hier überhaupt gespielt wird.
Hook: Du lügst, aber das werd ich dir schon abgewöhnen, verlaß dich drauf, wirst bald merken, was hier gespielt wird, wenn du Sperenzchen machst, also raus mit der Sprache, was willst du hier, na los mach endlich den Mund auf.
Tracy: Er fuchtelte wütend mit seiner Kanone herum, ein großer hagerer grobknochiger Mann, ungefähr so alt wie ich, das heißt 35, sein hohlwangiges Gesicht war mit Sommersprossen übersät, er hatte ein schroff vorspringendes Kinn, eine schiefe Nase und wässrige blaue sehr gierige Augen wie mir schien, jedenfalls eine häßliche Visage, ein Bursche, dem alles zuzutrauen war, er schrie mich an und wurde immer lauter, als er von mir nicht die Antwort bekam, die er haben wollte, aber dann meldete sich plötzlich noch eine andere Stimme, irgendwo hinter einer der Portieren, es war die Stimme einer Frau, jung, hell und musikalisch.
Elvira: Hallo Hook, wie wärs, wenn du dich mal einen Augenblick beruhigen würdest.
Hook: Was denn, was soll das heißen.
Elvira: Der Chef ist gekommen, er will dich sprechen.
Hook: Ja schon gut, ich komme, also passen sie auf Mr Quarre, passen sie gut auf, daß dieser Schnüffler uns nicht durch die Lappen geht.
Tracy: Und schon holte der Alte irgendwo zwischen seinem weißen Bart und seiner weißen Weste einen großen schwarzen Revolver hervor, um mich in Schach zu halten, während Hook die Sachen zusammenraffte, die man mir abgenommen hatte, er verschwand mit ihnen durch eine Portiere, offenbar die selbe durch die er sich von hinten an mich herangeschlichen hatte und nun hörte ich auch die Stimme des Chefs, eine etwas gedehnte Baritonstimme, sehr kultiviert wie ich zu meiner Überraschung feststellte.
Tai: Was ist denn hier los, Hook.
Hook: Allerhand ist los, sag ich dir, sie sind uns auf der Spur.
Tai: Woraus schließt du das.
Hook: Als ich vorhin weggehen wollte, habe ich diesen Schnüffler gesehen, ich war kaum auf der Straße, da sah ich ihn auf der anderen Seite, den Typ kennst du doch, dachte ich gleich.
Tai: Bist du ganz sicher.
Hook: Kannst dich drauf verlassen, jemand hat ihn mir mal gezeigt vor ein paar Jahren, ich weiß nicht mehr wie er heißt, aber ich kann mich genau an seine Visage erinnern, er ist von der Continental, so ein kleiner dicker, ich bin gleich umgekehrt um Elvira zu warnen, wir haben ihn hier vom Fenster aus beobachtet, hat an jeder Haustür geklingelt und hat die Leute was gefragt oder so.
Elvira: Ja aber immer nur ganz kurz, sie haben ihn alle abgewimmelt, vielleicht einer von diesen Klinkenputzern, dachte ich, die den Leuten eine Versicherung andrehen wollen, so sieht er nämlich aus.
Hook: Ja dann ist er über die Straße gekommen, hat angefangen, unsere Seite durch zustöbern, wir haben uns überlegt, was wir machen sollen, wenn er hier klingelt.
Tai: Ja ja ich verstehe und wer hat ihn reingelassen.
Hook: Die alte natürlich, wir haben ihr gesagt, sie soll ihn ein bißchen aufhalten, und hören was er von selber sagt, er hat da so ein Verschen, daß er einen Kerl sucht der gesehen hat, wie eine alte Frau von der Straßenbahn runtergefallen ist, aber das ist natürlich Käse, glaub mir, er hats auf uns absehen.
Tai: Wenn das wahr sein sollte Hook, dann wäre es wohl besser gewesen, du hättest dich ihm nicht gezeigt, warum hast du das nicht den beiden alten überlassen.
Hook: Das ist doch jetzt ganz egal, ich schätze er kennt uns sowieso, hauptsache wir haben ihn beim wickel gekriegt und nicht umgekehrt, ich hatte schon Angst er könnte nervös werden, und abhuschen bevor du kommst, deshalb bin ich reingegangen, hab ihn mir geschnappt, hier seine Brieftasche und was er sonst noch bei sich hatte.
Tai: Zeig mal her.
Mrs Quarre: Bitte Mr Tracy, setzen sie sich doch, trinken sie ihren Tee oder schmeckt er ihnen nicht mehr.
Tracy: Er würde mir besser schmecken, Madam, wenn sie mir sagen würden, was hier eigentlich vorgeht, ich nehme an, das ganze beruht auf einer Verwechslung.
Mrs Quarre: Keine Sorge, es wird sich alles aufklären, wir sind ja schließlich auch noch da, nicht wahr Thomas.
Tracy: Der alte nickte nur, er hielt noch immer seinen Revolver auf mich gerichtet, ohne eine Mine zu verziehen während seine Frau hinter ihren Brillengläsern vergnügt zwinkerte, eine groteske Situation, die mir langsam ungemütlich wurde, und dann hörte ich nebenan wieder den Chef.
Tai: Ja, er ist wirklich Detektiv, hier ist sein Ausweis von der Continental.
Hook: Was hab ich gesagt.
Tai: Du hättest dich ihm nicht zeigen sollen Hook das war dumm von dir, sehr dumm.
Hook: Dumm so so, du jaulst immer, daß andere Leute dumm sind, rutsch mir doch den Buckel runter, wer macht die ganze Arbeit hier, wer ist der die ganzen Dinger schaukelt wer denn was.
Elvira: Ach Hook, halt doch nicht wieder diese Rede, die hab ich schon so oft gehört, daß ich sie auswendig kann.
Hook: Schon gut aber beleidigen lasse ich mich nicht.
Elvira: Und was passiert jetzt, was machen wir mit unserem Gast.
Hook: Das ist doch ganz einfach, wir legen ihn um, diesen verdammten Schnüffler.
Elvira: Und legen unseren Hals in die Schlinge, wie.
Hook: Als ob unsere Hälse nicht schon drin wären, auch wenn wirs nicht machen oder glaubst du etwa, der Bursche ist nicht wegen des Dings in Los Angeles hinter uns her.
Tai: Du bist ein Esel, Hook, ein ganz hoffnungsloser Esel, überlegt doch mal, wie die Sache läuft, wenn es wirklich um dieses Ding geht, kann ja sein, durchaus möglich, aber dann haben wir es doch nicht nur mit ihm zutun, er ist von der Continental, kaum anzunehmen, daß seine Firma nicht weiß, wo er hingegangen ist, oder meinst du die hätten keine Ahnung, daß er hierher kommen wollte, sie wissen vermutlich genauso viel über uns wie er, deshalb hat es keinen Sinn ihn umzubringen.
Elvira: Ganz meine Meinung, das würde die Sache nur noch schlimmer machen.
Tai: Das einzige was wir tun können wir fesseln ihn und verziehen uns, seine Kolleg- en werden ihn wohl kaum vor morgen früh vermissen, dann sind wir schon weit weg.
Tracy: Na ich atmete auf, dieser Mann war für mich, jedenfalls war er nicht dafür, mich umzubringen, und die Frau auch nicht, immerhin ein Hoffnungsschimmer in dieser verrückten Situation, in der sich alles um irgend ein Ding in Los Angeles drehte, von dem ich keine Ahnung hatte, und das mich gar nicht interessierte, wenn ich nur heil hier heraus kam, ich hatte Zutrauen zu dieser Baritonstimme gefaßt, es war die Stimme eines Mannes, der gewohnt ist, sich durchzusetzen, aber ich hatte mich zu früh gefreut, nach kurzer Pause ging nebenan der Streit von vorne los, ich spürte wie meine sonst nicht besonders empfindliche Kopfhaut zu prickeln begann.
Hook: Ich will dir mal was sagen, mein lieber der Bursche wird umgelegt, ich laß es nicht drauf ankommen, du kannst darüber winseln so viel du willst, mir geht es um meinen eigenen Hals und er wird wesentlich sicher sein wenn dieser Schnüffler nicht mehr reden kann.
Elvira: Hook sei doch vernünftig.
Tai: Es hat keinen Sinn mit dir zu diskutieren, Hook, du hast die Instinkte eines Höhlenbewohners, mehr ist in deinem Kopf nicht drin, es gibt nur eine Sprache, die du verstehst und in dieser Sprache werde ich jetzt mit dir reden mein Sohn, wenn du in Versuchung kommen solltest, irgendwelchen Unsinn zu machen, bevor wir dieses Haus verlassen, dann sagt dir zwei oder drei Mal vorher, wenn er stirbt sterbe ich auch, sag das als wenn es in der Bibel stünde, denn es ist genauso wahr, hast du mich verstanden.
Hook: Ja ich glaube schon und was nun, wie gehts weiter.
Tai: Wir schaffen erstmal die beiden alten weg, das übernehme ich, sage ihnen daß ich sie sprechen will, und du kümmerst dich um unseren Gast, ich hoffe du wirst alleine mit dem fertig Hook, am besten bindest du ihn vielleicht an einem Stuhl, aber das überlasse ich dir, ich hole inzwischen die Papiere, also los, ich denke in einer Viertelstunde sind wir soweit daß wir verschwinden können.
Tracy: Die Portieren teilte sich, es war wie im Theater der zweite Akt begann diesmal war der Mann mit der häßlichen Visage, der sein Revolver auf mich richtete gleich die Hauptperson, ein Wink von ihm genügt um die beiden alten hinaus zu befördern wie Statisten, sie schienen erleichtert zu sein, daß ihre Rolle beendet war, sie gönnten mir keinen Blick mehr und kein Wort, Hook hatte inzwischen ohne mich aus den Augen zu lassen einige Plüschkordeln von den Portieren gerissen, jetzt kann er auf mich zu und dirigierte mich mit vorgehaltenem Revolver zu einem hohen Lehnstuhl, in dem ich mich niederlassen mußte, dann trat er hinter mich und band mich fest, meine Arme an die Armlehnen, meine Beine an die Stuhlbeine, schließlich steckte er mir als Knebel auch noch die Ecke eines Kissens in den Mund, verdammt unangenehm das ganze, aber immerhin ich lebte noch, nebenan war es ganz still geworden, ich glaubte gehört zu haben, wie die beiden alten das Haus verließen, dann ging jemand die Treppe hinauf, offenbar der Chef, der die Papiere holen wollte, Hook hatte es auch gehört, er schien auf diesen Augenblick gewartet zu haben.
Hook: Elvira, komm doch mal her.
Elvira: Nein lieber nicht du weißt doch daß er das nicht will.
Hook: Der Teufel soll ihn holen komm her.
Elvira: Was willst du denn von mir.
Hook: Ich habe mir was überlegt, es geht um die Papiere, wie wäre es wenn wir mal das ganze abkassieren würden, wir beide.
Elvira: Du spinnst ja Hook, es sind 100.000$ ein Drittel davon gehört mir, glaubst du daß ich mich auf ein Risiko einlasse.
Hook: Keine Sorge das Risiko übernehme ich du brauchst nur Ja zu sagen.
Tracy: Die Portiere bauschte sich, ein rothaariges Mädchen steckte den Kopf herein sah mich an und lächelte, mein Anblick schien sie zu erheitern, sie war schön, das sah ich als sie näher kam, eine sehr aparte Erscheinung, schlank und geschmeidig ihre Augen fielen mir besonders auf, sie waren grau und lagen ziemlich weit aus einander aber gerade das macht ihr Gesicht nur noch reizvoller, sie lachte mich an, ihre Augen lachten und der rote Mund auch wobei sie ihre weißen Zähne entblößte, scharfe kleine Raubtierzähne, dann sprach sie über die Schulter hinweg mit Hook.
Elvira: Wie denn Hook, wie stellst du dir das vor, daß wir das ganze abkassieren.
Hook: Das kannst du mir überlassen Puppe, das kannst du mir überlassen, aber wenn ich das schaukel kommst du dann mit mir mit, du weißt ich werd gut zu dir sein.
Elvira: Und ob du gut sein wirst zu mir, da habe ich gar keine Bange, aber ich fürchte Hook wir kommen nicht weiter wenn du ihn nicht gründlich fertig machst, ich kenne ihn, er läßt sich so leicht nichts abnehmen, die Sache ist aussichtslos, wenn du ihn nicht so abservierst daß er nicht hinterher rennen kann.
Hook: Ich machs verlaß dich drauf, ich mach ihn fertig, und du kommst mit mir mit, wenn ich ihn abserviert habe, ist das dein Ernst Puppe.
Elvira: Ja wenn du das schaffst, dann komme ich mit.
Hook: Also paß auf, ich werde dir sagen wie wir es machen.
Elvira: Pst ich glaube er kommt.
Tai: Das geht doch wirklich zu weit, ich kann nicht einen Augenblick weggehen ohne daß alles falsch gemacht wird, was ist denn bloß in dich gefahren Elvira, daß du dich dann auch noch unserem Detektiv zur Schau stellst.
Elvira: Hör doch auf, immer diese Aufpasserei, du machst dir zu viel Sorgen um dei-nen kostbaren Hals du wirst vor lauter Angst noch gelber werden als du schon bist.
Tracy: Und wieder bauschte sich die Portiere und teilte sich, ich bekam endlich den Mann zu Gesicht, dem ich es verdankte, daß ich noch am Leben war, er kam herein in Hut und Mantel, eine braune Ledertasche in der Hand schon reisefertig, ein kleiner dicker Mann wie ich, aber gelb, mein Lebensretter war ein Chinese, ein kleiner dicker Chinese in untadeliger Garderobe, nachdem er mich kurz gemustert hatte, nicht ohne ein ironisches Lächeln, wandte er sich Elvira zu ruhig und gelassen wie ein Gentleman.
Tai: Wenn du glaubst meine Liebe dies sei der richtige Augenblick für Anspielungen auf meiner Hautfarbe dann irrst du dich, mir geht es ganz einfach um die gebotene Vorsicht, das gilt für euren Hals genauso wie für meinen, es wird auch wirklich kein Grund vorhanden für diesen Burschen eine Schau zu veranstalten, vielleicht hat er keinen von uns gekannt, nicht einmal aus einer Beschreibung, jetzt kennt er uns alle, du weißt was das Folgen haben kann Elvira, du bist doch nicht so borniert wie Hook.
Hook: Jetzt langts mir aber, das sage ich dir Tai, hör endlich auf mit dieser Jaulerei verdammt noch mal, was spielt das noch für eine Rolle, ob er uns kennt oder nicht, ich leg ihn um dann ist der Fall erledigt.
Tai: Hier wird niemand umgelegt, niemand, das gibt zweiten wenn das passiert, du verstehst mich doch Hook nicht wahr.
Elvira: Der gute Hook kommt doch immer mit Sachen, die er gar nicht wirklich machen will.
Tai: Dann soll er das Gerede gefälligst unterlassen.
Hook: Tai du tust so als ob du König wärst oder sowas aber damit ist vorbei.
Tracy: Hook triumphierte schon, er hatte gewaltig zugeschlagen, seine Faust landete mitten im Gesicht des Chinesen, der mit diesem Angriff nicht gerechnet hat, eine böse Überraschung auch für mich als ich sah daß mein Beschützer quer durch das Zimmer geschleudert wurde wie ein Gummiball aber er reagierte blitzschnell, er hatte schon seinen Revolver in der Hand bevor er zu Boden ging und er zielte bereits auf seinen Gegner als dieser in die Tasche griff um seine Waffe hervorzuholen.
Tai: Laß die Pistole fallen Hook und rühr dich nicht sonst bist du dran du bist erledigt, na also, das andere machen wir später ab, ich meine das was sich da zwischen uns angesammelt hat, sag mal Elvira, hast du unserem Hook etwa blödsinnige Ideen in den Kopf gesetzt.
Elvira: Na hör mal, wie kommst du denn auf sowas, kein Mensch kann dem doch überhaupt Ideen in den Kopf setzen.
Tai: Du kannst von Glück sagen Hook, daß ich eine Abneigung gegen Mord habe und außerdem der Meinung bin du könntest für Elvira und mich vielleicht doch noch von einigen Nutzen sein, sonst würde ich uns jetzt sicherlich von dem Hemmschuh deiner Dummheit befreien, aber nimm dich in acht mein lieber das rate ich dir, laß dich nicht doch einmal hinreißen von einem dieser gewalttätigen Impulse, wenn wir heil davon kommen wollen, darf es keinen Streit mehr zwischen uns geben, wir müssen zusammenhalten, hast du mich verstanden Hook.
Hook: Ja schon gut Chef, kannst dich auf mich verlassen.
Tai: Also hier hast du deinen Revolver Hook, sieh zu daß du dich vernünftig benimmst und jetzt können wir wohl gehen, ich will nur noch mal deinen Blick auf unseren Gast werfen.
Tracy: Der Mann der mir das Leben gerettet hatte kam auf mich zu, ich hätte mich gerne bei Ihnen bedankt aber ich konnte nicht, das Kissen das Hook mir in den Mund gestopft hatte macht es mir unmöglich und er sagte auch nichts, er wollte nur prüfen ob ich fest genug angebunden war und er schien zufrieden zu sein, von meiner Seite war vorläufig nichts zu befürchten, nachdem er das festgestellt hatte, nahm er seine Reisetasche und gab den beiden anderen einen Wink, sie ging hinaus er folgte ihn ich war allein, aber ich wußte daß die Sache noch immer nicht ausgestanden war, ich hatte nämlich etwas beobachtet, eine kleine Sonderaktion von Elvira, die Tai und Hook in der Hitze des Gefechtes entgangen war, sie hatte sich an die Reisetasche des Chinesen herangepirscht, die ganz in der Nähe des Tisches stand, nahm ein Bündel Papiere heraus und versteckte sie in einem der Sessel unter einem Kissen, dann stopfte sie einige Zeitungen und Zeitschriften, die auf dem Tisch lagen in die Tasche und machte sie wieder zu, ein sehr rasches und geschicktes Manöver, ich sagte mir das Mädchen kommt noch mal zurück, es fragt sich nur ob allein oder, während ich noch überlegte was sie wohl vorhaben mochte, war plötzlich der Chinese wieder da, ich erschrak als ich ihn sah, er hatte in der einen Hand ein blankes Messer, in der anderen einen Revolver, meine Überraschung war groß als er mir den Revolver vor die Füße legte und einen der Stricke durchschnitt mit denen ich an den Stuhl gefesselt war, dabei flüsterte er mir etwas ins Ohr.
Tai: Vorsicht ich glaube Hook wird zurückkommen.
Tracy: Das war alles was er sagte und schon war er wieder verschwunden, kein Wort über die Papiere, er wußte also noch gar nicht, daß sie nicht mehr seiner Reise- tasche waren, aber so viel stand fest, seine Warnung war ernst gemeint, ich mußte mich also beeilen an den Revolver heran zu kommen und das war gar nicht so einfach, weil er nur einem der Stricke durchschnitten hatte, um zu verhindern daß ich mich ganz befreite, bevor er selbst verschwinden konnte, dieser Chinese war ein vorsichtiger Mann, der sich alles ganz genau überlegte, ich vermutete sogar daß er bei dieser Rettungsaktion einen Hintergedanken hatte, nämlich mich als Werkzeug zu benutzen um Hook zu erledigen, für ihn die eleganteste Art den Dummkopf los zu werden, nun das mochte sein wie es wollte, ich war jedenfalls nicht gewillt mich hier einfach abknallen zu lassen, ich versuchte mit aller Kraft mich aus diesen lächerlichen Plüschelkordeln herauszuarbeiten mit denen ich festgebunden war und schließlich gelang es mir auch wenigstens den rechten Arm frei zu bekommen und mir das Kissen aus dem Mund zu reißen, an dem ich fast zu ersticken drohte, kaum hatte ich das geschafft, da hörte ich ein Geräusch an der Haustür, mir brach der Schweiß aus, ich konnte noch immer nicht an den Revolver heran was nun, in meiner Verzweiflung warf ich mich mit einem kräftigen Ruck nach vorne, fing den Sturz mit meinem freien Arm ab und landete auf dem Teppich, den schweren Lehnstuhl über mir, aber der Revolver war jetzt endlich in Reichweite, gerade noch rechtzeitig.
Hook: Na das hättest du wohl nicht gedacht, daß ich doch noch komme und dich umlege du verdammter Schnüffler.
Tracy: Noch mal davongekommen, reiner Zufall, ich glaube er ist tot, ja er war tot, das stelle ich fest als ich endlich die letzten Knoten gelöst hatte die mich noch an dem Lehnstuhl festhielten und ich stellte noch etwas anderes fest, der Revolver den er in der Hand gehabt, als er hereinkam und mich bedrohte war gar nicht geladen, unglaublich der Chinese hat es also fertig gebracht alle Patronen herauszunehmen, bevor er sich zu der großzügigen Geste entschloß dem besiegten Gegner die Waffe zurückzugeben und Hook hatte nichts gemerkt, unwillkürlich fragte ich mich was Tai mir wohl an Munition bewilligt haben mochte, ich klappte meinen Revolver auf, das Magazin war leer, er hatte mir noch eine einzige Kugel gegeben, die Kugel mit der ich Hook niedergesteckt hatte, eine schöne Bescherung, ich mußte damit rechnen daß Tai zurückkam oder Elvira vielleicht auch beide um die Wertpapiere zu holen und ich war ihnen wehrlos ausgeliefert, am liebsten wäre ich einfach davongelaufen, aber dann besann ich mich, ich sagte mir daß sie es ja nicht auf mich sondern auf die 100.000 Dollar abgesehen hatten die in den Papieren steckten, das konnte für mich eine Chance sein, wenn ich es geschickt anstellte, die Papiere mußten verschwinden, ich mußte sie verstecken, dann waren sie gezwungen mit mir zu verhandeln, wenn sie ihre Beute nicht verlieren wollten, also ein gutes Versteck, das war jetzt die Hauptsache, ich nahm das Bündel unter den Arm und lief hin und her, kreuz und quer, aber ich fand kein Versteck das mir sicher genug war, deshalb lief ich schließlich die Treppe hinauf, bevor ich mich oben noch richtig umgesehen hatte, klapperte plötzlich ein Fenster, ich spürte Zugluft von unten, die Haustür, ich horchte und hörte Schritte, nun blieb mir nichts anderes mehr übrig als die 100 000 $ aus dem Fenster zu werfen und auf mein Glück zu vertrauen, ich griff mir ein Kopfkissen von einem Bett, stopfte die Papiere hinein und schleudert es in den dunklen Hinterhof, dort landet es zwischen den Mülltonnen und war nicht mehr zu sehen, dann machte ich alle Lichter im Zimmer an, setzte mich auf das Bett und rauche deine Zigarette, mir war eigentlich gar nicht danach zumute aber wir benehmen uns ja alle ab und zu ein bißchen großspurig, es dauerte nicht lange da hörte ich wie jemand angeschlichen kam und plötzlich stand das rothaarige Mädchen in der Tür, sie hat in jeder Hand einen Trommelrevolver.
Elvira: Komm her Tai, ich hab ihn.
Tai: Na, dann wollen wir mal hören, was er uns zu sagen hat, wo sind die Papiere die Hook sich angeeignet hat, ich nehme an, sie wissen was ich meine Sir, dieses Bündel Papier aus meiner Reise Tasche, er muß es herausgenommen haben als ich einen Augenblick mit ihnen beschäftigt war wo hat er es versteckt.
Tracy: Warum fragen Sie mich auch nicht das Mädchen, haben sie noch nicht rausgekriegt daß die beiden auf dem besten Wege waren sie auszubooten.
Elvira: Sie sind ein Lügner ein ganz gemeiner Lügner.
Tracy: Wer hier lügt das wird sich schnell genug herausstellen, ich habe alles gehört und gesehen.
Tai: Ah so ist das du warst daranbeteiligt ich hab mir schon sowasähnliches gedacht.
Elvira: Also gut ich will dir die Wahrheit sagen, ich hab es gemacht, ganz allein, ich wollte euch beiden durchgehen weil ich es satt hatte immer wieder diese Eifersucht, ich habe die Papiere aus deiner Tasche rausgenommen, als du dich mit Hook herumschlugst und habe sie in einem der Sessel da unten versteckt, aber da sind sie nicht mehr und nun mach mit mir, was du willst, mehr kann ich dir nicht sagen.
Tai: Schon gut, wir machen das später, jetzt möchte ich erstmal wissen, wo die Papiere geblieben sind.
Tracy: Das werden sie nie herausbekommen wenn sie der Dame nicht gründlich auf den Zahn fühlen.
Tai: Was soll das heißen.
Tracy: Sie sagt dir nur die halbe Wahrheit, die andere Hälfte sieht so aus daß sie mit Hook davonlaufen wollte.
Elvira: Das ist nicht wahr Tai, er lügt.
Tracy: Sie wollten sich die Beute teilen, das haben sie miteinander ausgemacht währ end sie hier oben waren ich hab genau zugehört, Hook sollte einen Krach vom Zaun brechen damit sie an die Tasche herankonnte und genauso ist es dann gelaufen.
Elvira: Sag ihm Tai, daß er aufhören soll mit diesen Lügen sonst passiert was.
Tai: Ja ja komm laß das, mach jetzt keine Dummheiten, gibt die beiden Revolver her los gib sie her.
Elvira: Bitte wie du meinst, aber ich sage dir du beginnst einen Fehler wenn du dir sein Geschwätz noch lange anhörst, er will nur verhindern daß du die Papiere findest
Tai: Ich glaube diesen Teil der Verhandlungen überlässt du wohl am besten mir, also wo sind die Papiere.
Tracy: Wenn das eine Frage an mich sein sollen, ich arbeite nicht mit ihnen zusammen Mister Tai, ich arbeite gegen sie.
Tai: Ich bin nicht für Gewalt, das wissen sie aber meistens erreiche ich doch was ich will und ich halte sie für einen Menschen der vernünftigen Argumenten zugänglich ist, wie wäre es, wenn wir ein kleines Geschäft machen würden, mein Freund.
Tracy: Ein Geschäft, da müssen sie sich schon etwas deutlicher ausdrücken.
Tai: Aber gern, nehmen wir mal an, daß sie die Papiere in einer Stelle versteckt haben, an der niemand anders sie finden kann und daß sie sich nun aber völlig in meiner Gewalt befinden, wie es in Groschenromanen zu heißen pflegt.
Tracy: Ja so ungefähr könnte man das sagen.
Tai: Mit anderen Worten, es besteht sozusagen ein Gleichgewicht der Kräfte, keiner von uns beiden ist im Vorteil, sie als Detektiv wollen uns haben aber wir haben sie.
Tracy: Ganz recht und wie sieht nun das Geschäft aus, das sie mir vorschlagen wollen.
Tai: IIch biete Ihnen das Mädchen im Austausch gegen die Papiere, das heißt sie sagen mir wo sie sind, was halten Sie davon.
Tracy: Hm, das Mädchen.
Elvira: Wenn du das tust Tai, wenn du das wirklich tust dann.
Tai: Was dann.
Elvira: Du weißt schon, ich werde auspacken aber gründlich.
Tai: Davon würde ich dir dringend abraten meine Liebe in deinem eigenen Interesse also mein Freund, wie denken sie darüber, wäre das nicht ein vernünftiges Angebot, ich hätte eine Chance mich abzusetzen und sie hätten einen beträchtlichen Erfolg als Detektiv vorzuweisen, den toten Hook und das lebendige Mädchen, es bliebe nichts weiter zu tun als mich und die Papiere wieder zu finden, für Sie doch keineswegs ein aussichtsloses Unternehmen, sie hätten eine Niederlage in einen halben Sieg verwandelt und hätten noch eine hervorragende Chance einen vollen Sieg zu gelangen, was wollen sie noch mehr.
Tracy: Woher soll ich wissen, ich meine, was für eine Garantie habe ich, daß sie mir das Mädchen wirklich ausliefern.
Tai: Nun eine Garantie in dem Sinne kann es natürlich nicht geben aber sie wissen ja schließlich was die Dame vorgehabt hat und sie werden doch wohl kaum annehmen daß ich ihr gegenüber noch besonders freundliche Gefühle hege, nachdem sie sich mit diesem Dreckskerl eingelassen hat der jetzt da unten liegt, vielen Dank daß Sie erledigt haben und es gibt noch ein weiteres Argument, ich müsste die Beute mit ihr teilen wenn ich sie mitnehmen wollte warum sollte ich das, finde ich vermeiden läßt.
Tracy: Wenn ich mir das ganze richtig überlege, sehe ich es folgendermaßen, sie sind kein Mördertyp, das spricht zunächst mal dafür, daß ich mit dem Leben davon komme was auch passiert, also warum sollte ich mich eigentlich auf diesen Tausch einlassen, den sie mir vorschlagen, wahrscheinlich sind sie und das Mädchen leichter wieder zu finden als die Wertpapiere, die bei dieser ganzen Angelegenheit doch wohl die Hauptsache sind, nein ich ziehe es vor die Papiere zu behalten, ich setze auf Nummer sicher wenn Sie nichts dagegen haben.
Tai: Ich bin kein Mördertyp da haben sie recht, aber vielleicht bin ich etwas anderes, woran sie noch gar nicht gedacht haben, Elvira komm doch mal her.
Elvira: Was willst du von mir.
Tai: Schau mal in die Kommode, da müssen irgendwo Bettlagen liegen, ich glaube in der unteren Schublade.
Elvira: Ja hier sind Sie.
Tai: Bitte zerreiße den Streifen die fest genug sind um unseren Freund damit zu fesseln.
Elvira: Da bin ich gespannt wie deine Methode sich diesmal bewährt.
Tracy: Das klang nicht gut, gar nicht gut, ich überlegte schon ob es vielleicht doch besser wäre die Verhandlung wieder aufzunehmen anstatt mich einer Folterung auszusetzen, darauf schien es nämlich hinauszulaufen, aber ich wußte nicht recht, wie ich mit Tai wieder ins Gespräch kommen sollte und dann hielt ich den Atem an, ich hörte ein Geräusch im Korridor, die ganze Situation veränderte sich von einem Augenblick zum anderen, Tai zog sich rasch hinter einem Schrank zurück um von einer sicheren Position aus die Tür zum beobachten zu können und gleichzeitig das Mädchen und mich im Auge zu behalten und der Revolver der in seiner kleinen fetten Hand vor Eifer zu beben schien genügt uns voll auf als Warnung keinen Laut von uns zu geben aber er hatte trotz aller Vorsicht etwas übersehen, das Zimmer hatte noch eine zweite Tür, durch diese Tür kam auf leisen Sohlen Misses Quarre herein, einen gewaltigen Revolver schußbereit in der dürren Hand.
Mrs Quarre: Lassen Sie das Ding los, sie heidnischer Unhold, aber sofort sonst.
Tracy: Tai ließ seine Pistole fallen, ehe er sich noch zu ihr umdrehte und hielt die Hände hoch, was alles sehr klug war, in diesem Augenblick kam Thomas Quarre durch die andere Tür herein, er hatte ebenfalls einen entsicherten Revolver in der Hand genauso an wie seine Frau, wenn er auch vor seinem massigen Körper nicht ganz so gewaltig wirkte, aber er sagte kein Wort, das überließ er seiner Frau, sie redete wie ein Wasserfall, sie schimpfte und tobte, ich erkannte sie kaum noch wieder, aus der freundlichen Greisin die mich zum Tee eingeladen und so bereitwillig über die jungen Leute aus der Nachbarschaft geplaudert hatte, war eine keifende Hexe geworden ebenso bösartig wie dürr am ganzen Leib bebend vor Haß.
Mrs Quarre: Ich habe es gewußt, ich habe gleich zu Thomas gesagt, die wollen uns übers Ohr hauen, sie haben uns nur weggeschickt um nicht mit uns teilen zu müssen, ja ich habe gewußt, daß dieser angebliche Detektiv in Wahrheit eurer Spießgeselle ist und das ganze nicht anders als ein Manöver um Thomas und mich um unseren Anteil zu prellen, den wir uns redlich verdient haben, allein schon für Kost und Logie, ihr verdammten Gauner, ihr glaubt wohl, daß ihr mit uns machen könnt was ihr wollt, weil wir alte Leute sind, aber da habt ihr euch geirrt, jetzt werden wir mal abkassieren, wo sind die Papiere, wo habt ihr sie versteckt.
Tai: Das kann unser gemeinsamer Freund ihnen vielleicht verraten, den sie so liebenswürdig bewirtet haben, das ist klar ich war gerade dabei die von Ihnen gewünschte Auskunft aus ihm herauszuquetschen als sie dazwischen kamen, ein bißchen reichlich theatralisch für meinen Geschmack, aber vielleicht macht das auf ihn mehr Eindruck.
Mrs Quarre: Er spielt sich schon wieder als Gentleman auf dieser gelbe Affe, was sagst du dazu Thomas.
Mr Quarre: Was soll ich sagen meine Liebe, ich glaube wir sollten die ganze Sache in Ruhe besprechen.
Mrs Quarre: Frau: Red doch nicht solchen Unsinn, Thomas, glaubst doch wohl nicht daß sie auch nur einen einzigen Cent freiwillig herausdrücken, wir müssen sie zwingen uns zu sagen, wo die Papiere sind, los komm her und fessel erstmal diesen Chinesen, ich traue ihm nicht, mir ist nicht wohl solange er sich noch bewegen kann.
Mr Quarre: Gut wie du meinst.
Mrs Quarre: Und wenn das erledigt ist dann nehmen wir uns die beiden anderen vor, ich paß schon auf daß keiner entwischt.
Tracy: Die Sache war mir nicht geheuer deshalb habe ich mich von meinem Platz auf dem Bettrand wo ich noch immer saß und verdrückte mich vorsichtig an eine Stelle von der ich annahm daß sie außerhalb der Schußlinie liegen würde, falls das geschah was ich erwartete und es geschah wirklich, der schwerfällige Thomas der den Befehl seiner Frau ausführen wollte verpatzte die Sache vollständig, er war mit seinem massigen Körper zwischen Tai und den Revolver der alten geraten, für den Chinesen der Augenblick auf den er gewartet hatte.
Mrs Quarre: Paß auf Thomas, geh mir aus dem Weg umgotteswillen.
Tracy: Es ging alles blitzschnell, der Chinese zog in dem Augenblick, in dem Thomas Quarre seiner Frau die Sicht versperrte die beiden Trommelrevolver aus der Tasche, die er Elvira abgenommen hatte und schoß wie wild um sich, als ich ihn von hinten ansprang und an seinem fetten Hals zu Boden riß, schoß er immer noch, die Chinesen sind ein gründliches Volk, sie hören nicht so bald wieder auf wenn sie erstmal angefangen haben, sie feuern bis zur letzten Patrone, um kein weiteres Risiko einzugehen, bearbeitete ich seinen Hals so lange bis seine Augen und seine Zunge mir verrieten, daß er für eine Weile außer Gefecht war, dann blickte ich mich um, Thomas Quarre in sitzender Stellung gegen das Bett gelehnt war offensichtlich tot, in seiner gesteiften weißen Weste waren drei runde Löcher, Misses Quarre auf dem Rücken kaum zwei Schritte von ihm entfernt, der Tod hatte ihrem Gesicht wieder den sanften freundlichen Ausdruck gegeben, den sie gehabt hatte, als sie mich zum Tee einlud, nach dem rothaarigen Mädchen Elvira suchte ich vergeblich, sie hatte sich aus dem Staub gemacht, bald darauf kam Tai wieder zu sich, den ich inzwischen gefesselt hatte, er sah sich verwundert um.
Tai: Wo ist Elvira.
Tracy: Entwischt, jedenfalls vorläufig.
Tai: Sie können trotzdem zufrieden sein, ein erfolgreiches Unternehmen, Hook und das Ehepaar Quarre tot, die Papiere und ich in ihrer Hand.
Tracy: Ja das Ergebnis ist nicht übel, aber wenn Sie mir vielleicht einen Gefallen tun.
Tai: Was denn, was für einen Gefallen.
Tracy: Bitte sagen Sie mir worum es hier verdammt noch mal eigentlich geht.
Tai: Warum es geht.
Tracy: Ganz recht, ich habe aus dem was hier so geflüstert wurde zwar herausgehört daß sie in Los Angeles irgendein Ding gedreht haben, bei dem es sich um diese Papiere handelte, diese 100.000$ aber ich kann mich nicht erinnern, daß dort in letzter Zeit sowas passiert wäre, ich meine eine Sache in dieser Größenordnung.
Tai: Ist doch unglaublich, ganz unglaublich, das darf doch nicht wahr, sie wissen doch ganz genau, worum worum es geht und deshalb sind sie doch hier.
Tracy: Nein, wirklich nicht, ich hatte keine Ahnung, ich habe hier nach einem jungen Mann gesucht, der seinen Eltern davon gelaufen ist, sein Vater ist Bürgermeister in Tacoma, er hat mich beauftragt den verlorenen Sohn aufzustöbern, möglichst diskret er heißt Fischer, man sagte mir, daß er hier in der Turk Street wohnt, aber ich wußte die Hausnummer nicht.
Tai: Schon wieder ein neues Märchen, zuerst die alte Frau, die von der Straßenbahn runtergefallen war und jetzt ein verlorener Sohn, ich weiß nicht warum sie mir durchaus einreden wollen, das Ganze sei nur ein Zufall gewesen.
Tracy: Er wollte mir absolut nicht glauben auch später nicht als er unter Mordanklage vor Gericht stand und ich als Zeuge aussagen mußte, es ging ihm einfach gegen die Ganoven Ehre, daß seine Verhaftung ein reiner Zufall war, für mich war die Sache eigentlich erledigt, nachdem ich Tai und die Wertpapiere der Polizei übergeben hatte aber dann hörte ich eine Nachricht im Radio, die mich aufhorchen ließ, ein Mord in Los Angeles, ein junger Mann angestellt bei einer Börsenmakler Firma war zwei Tage zuvor verschwunden, als er mit einem Bündel Wertpapiere zu einer Bank unterwegs war und er hatte die Nacht mit einer rothaarigen Frau in einem Hotel verbracht, die beiden hatten sich als Ehepaar ausgegeben, am nächsten Morgen war er in seinem Zimmer tot aufgefunden worden, man hatte ihn erwürgt, die Frau war fort und die Papiere auch, die Sache ließ mir keine Ruhe, ich ermittelte auf eigene Faust und stieß dabei auf einer Reihe ähnlicher Fälle, die schon etwas weiter zurücklagen, dabei war es zwar nie zu einem Mord gekommen, aber alles andere ließ sich leicht zusammenreimen, der Chinese der mit vollem Namen Tai zum Tao hieß hatte sich auf den sogenannten Köder Trick spezialisiert bei dem ein Mann erpresst und beraubt wird nachdem eine Frau Ihnen eine peinliche Situation gebracht hat, Tai pflegte sich irgendeinen jungen Mann auszusuchen, der bei einer Bank oder einer Maklerfirma beschäftigt war, einen jener Boten, die Bargeld oder Wertpapiere im Beutel hatten, das Mädchen Elvira übernahmen die Aufgabe sich an den jungen Burschen heranzumachen und ihm den Kopf zu verdrehen, was ihr sicherlich nicht schwer fiel, und ganz sachte flöste sie ihm den Wunsch ein, bei der nächsten Gelegenheit mit ihr und allem was er an Geld und Wertpapieren zusammenraffen konnte, durchzugehen und wenn es dann soweit war, gleich in der ersten gemeinsamen Nacht im Hotel tauchte Hook auf, Schaum vor dem Mund und nach Blut lechzend, ein wild empörter Ehemann, den sein schluchzendes Weib nur mit Mühe davon abhalten konnte, ihren Liebhaber zu schlachten, eine große Szene, die ihre Wirkung nur selten verfehlte und dann kam das böse erwachen, wieder einmal mußte ein zerknirschter junger Mann feststellen, daß er nicht nur seine Geliebte verloren hatte, sondern auch die veruntreuten Gelder oder Papiere, in einigen Fällen hatten diese armen Sünder sich der Polizei gestellt, einer hatte Selbstmord begangen, der letzte Fall, die Geschichte in Los Angeles war nicht planmäßig verlaufen, der junge Bursche hatte sich zur Wehr gesetzt, das war ihm schlecht bekommen, Hook hatte ihn kurzerhand erwürgt, danach verkroch sich die Bande in San Francisco, das Haus in der Turkstreet war schon seit längerer Zeit ihr Unterschlupf, dort fühlten sie sich sicher weil sie ihren Trick in dieser Stadt nie angewendet hatten, Huk und das Mädchen galten bei den Nachbarn als Sohn und Tochter des Ehepaares, Tai war der chinesische Koch, der gute Ruf der beiden alten und ihre würdige Erscheinung war außerdem von großen Nutzen gewesen wenn die Bande Wertpapiere abzusetzen hatte, Tai sah seiner Verurteilungen entgegen aber das Mädchen Elvira die Seele des Geschäftsführer wenn ich so sagen darf, lief noch immer frei herum, wir warfen ein großes und sehr feinmaschiges Schleppnetz nach ihr aus, wir gabelten Mädchen mit rotem Haar zu Dutzenden auf, doch Elvira war nicht darunter, nun du wirst sie eines Tages doch noch finden, sagte ich mir, aber ich suche sie immer noch.
Tracy (Detektiv): Michael Thomas
Mrs Quarre: Käthe Haack
Mr Quarre: Walter Bluhm
Hook: Horst Michael Neutze
Elvira: Eva Garg
Tai: Erik Schumann
Eine Frau: Annelie Jansen
Bearbeitung (Wort): Carl Dietrich Carls
Regie: Heinz Wilhelm Schwarz
Kommentar von Hörspiele |
Raymond Chandler: Heißer Wind (BR 1966)
Dalmas: Es war ein unerquicklicher Abend, der Wüstenwind fegte durch Los Angeles, einer jener heißen trockenen Santa Anas, die durch die Gebirgspässe der Sierra Nevada herunterstürmen, einem das Haar kräuseln, an den Nerven zerren, und auf der Haut jucken, an Abenden wie diesem artet die friedlichste Bierrunde gern in eine wilde Schlägerei aus, ich saß in der Kneipe im Haus gegenüber, der junge Mann hinter der Theke sah aus, als ob er noch nie in seinem Leben einen Schluck zuviel getrunken habe.
Dexter: Ihr Bier bitte.
Dalmas: Danke.
Dexter: Hoffentlich ist es zu ihrer Zufriedenheit eingeschenkt.
Dalmas: Ganz famos sogar, sie haben das Lokal erst vor kurzem eröffnet, nicht wahr.
Dexter: Vor knapp zwei Wochen, sie waren doch schon einmal hier, nicht.
Dalmas: Ja stimmt.
Dexter: Wohnen sie etwa in der Gegend.
Dalmas: Gleich gegenüber.
Dexter: Im Berglundhaus.
Dalmas: Ja, mein Name ist John Dalmas.
Dexter: Freut mich, Mr Dalmas, ich heiße Lew Dexter.
Dalmas: Freut mich.
Dalmas: Außer mir war nur noch ein Gast da, ein Trunkenbold, der mit dem Rücken zur Tür auf einem Barstuhl an der Theke hockte und aus kleinen Gläsern reinen Bourbon trank.
Dexter: Kennen sie den.
Dalmas: Nein.
Dexter: Er sollte nach hause gehen, er trinkt schon seine Ration für die nächste Woche.
Dalmas: An einem Abend wie heute, lassen sie ihn doch.
Dexter: Es wird ihm aber nicht gut tun.
Al Tessilore: Whisky, hey, noch ein Whisky.
Dexter: Soll ich.
Dalmas: Was gehts mich an, mein Magen ist es nicht.
Dalmas: Der junge Mann im weißen Kittel goß ihm einen weiteren Whisky ein, ich vermute, daß er den Whisky hinter der Bar ein bißchen mit Wasser behandelte, denn als er sich aufrichtete, sah er so schuldbewußt aus, als habe er seine Großmutter geschlagen, der Betrunkene merkte es nicht.
Dexter: Ich kann Betrunkene nicht ausstehen, wenn sie sich hier bei mir betrinken schon gar nicht.
Dalmas: Wissen sie was, schreiben sie das groß und deutlich auf ein Plakat und hängen sie es in ihre Auslage, was glauben sie, wie das ihren Umsatz steigert.
Al Tessilore: Wo bleibt denn der Whisky.
Dalmas: In diesem Augenblick kam der dritte Gast zur Tür herein, ein großer dunkler Bursche, der aussah, als habe er es ziemlich eilig, er ließ seine leuchtenden dunklen Augen schnell durch das Lokal wandern, sah gehetzt aus und irgendwie gespannt, wahrscheinlich machte auch ihm der heiße Wind zu schaffen, er blickte auf den Rücken des Betrunkenen, sah dann mich an, musterte die Halbnischen auf der anderen Seite des Raumes, die alle leer waren und wandte sich schließlich an den jungen Mann hinter der Theke.
Waldo: Hey, haben sie hier eine Dame gesehen.
Dexter: Eine Dame.
Waldo: Ja, groß, hübsch, braunes Haar, in einer buntbedruckten Bolerojacke über einem Kleid aus blauem Seidenkrepp, sie trug so einen breitrandigen Strohhut mit dunklem Samtband.
Dexter: Nein, die Dame war nicht hier.
Waldo: Ach, geben sie mir einen Scotch, aber schnell bitte.
Dalmas: Der junge Mann gab ihm den Scotch, der Gast bezahlte, stürzte den Whisky auf einen Zug hinunter, und wollte wieder gehen, machte 3 oder 4 Schritte, und erstarrte vor dem Betrunkenen, der Betrunkene grinste, zog von irgendwo her so schnell daß man nur einen Wischer wahrnahm, eine Pistole, und richtete die Waffe auf den großen dunklen, der regungslos dastand, dann den Kopf etwas zurücknahm und wieder verharrte, die Augen weit aufgerissen, es war eine Pistole mit einem großen Visier.
Waldo: Ah.
Al Tessilore: Machs gut, Waldo, haha, und ihr beiden, haltet gefälligst die Pfoten hoch, bis ich draußen bin, der arme Waldo, ich fürchte er hat sich die Nase blutig geschlagen.
Dalmas: Während der Betrunkene seitwärts zur Tür ging, hielt er seine Waffe immerzu auf uns gerichtet, so daß ich nichts unternehmen konnte, auch der junge Mann hinter der Theke bewegte sich nicht, und gab auch nicht den geringsten Laut von sich, erst als die Pendeltür ausgeschwungen hatte, hastete ich hinterher.
Dalmas: Verdammt.
Dalmas: Zu spät, ich sah nur noch die roten Rücklichter um die nächste Ecke verschwinden, die Nummer des Wagens bekam ich genauso mühelos wie meine erste Million, auf die ich immer noch warte, als ich wieder ins Lokal zurückkam, legte der junge Mann gerade den Telefonhörer auf, ich ging zu Waldo, wie ihn der Killer nannte, und drehte ihn um.
Dexter: Vielleicht ist er noch gar nicht tot.
Dalmas: Wenn einer mit einer 22er schießt, heißt das, daß er keine Fehler macht, da sehen sie die zwei kleinen Löcher in seiner Jacke genau über dem Herzen.
Dexter: Ja ganz deutlich und nur ein paar Tropfen Blut, der Betrunkene verstand sein Handwerk, als Killer mein ich, ah da kommen sie schon.
Dalmas: Ich zündete mir eine Zigarette an und beobachtete wie Waldos Gesicht toter und toter wurde, überlegte wer wohl die Frau in der buntbedruckten Bolerojacke sein konnte, warum Waldo den Motor seines Wagens hatte laufen lassen und weshalb er es so eilig gehabt haben mochte, die Mannschaft des Streifenwagens schwitzte, einer von ihnen hatte sich eine Blume hinters Ohr gesteckt und die Mütze etwas schief auf dem Kopf, er fühlte Waldos Puls.
Mann: Scheint tot zu sein, man sieht wo er getroffen wurde, saubere Arbeit, und sie beide haben gesehen, wer es war.
Dalmas: Ich beschrieb den Vorfall und sagte, daß der Killer mit Waldos Wagen geflohen zu sein schien, einer der Polizisten zog Waldos Brieftasche heraus.
Mann: Jede Menge Pinkepinke, aber kein Führerschein, kein Ausweis.
Dalmas: Eine Minute später kamen die Männer von der Mordkommission, zwei Inspektoren, der Polizeifotograf, und ein Kriminallaborant, die Inspektoren kannte ich nicht, der eine war ein kleiner lächelnder Mann mit sanften klugen Augen, der anderen dagegen groß, knochig, mit langem harten Kinn, während der kleinere Waldos Taschen leerte, zog mich der zähe harte in eine Nische.
ORyan: Ich bin Inspektor ORyan und sie.
Dalmas: John Dalmas.
ORyan: Mein Kollege dort ist Inspektor Jerry Miller.
Dalmas: Hier ist meine Karte.
ORyan: Privatdetektiv so so, einer von den Schleichern sind sie, waren sie denn im Auftrag hier.
Dalmas: Mein Auftrag war ein Bier zu trinken, Auftraggeber war ich, ich wohne gleich hier gegenüber im Berglundhaus.
ORyan: Ja, schießen sie los, erzählen sie wie das alles passiert ist.
Dalmas: Ich erzählte es ihm, nicht öfter als dreimal hintereinander, einmal damit er eine allgemeine Vorstellung von dem Vorfall bekam, zum zweiten mal daß er die Einzelheiten mitbekam und noch ein drittes mal damit er feststellen konnte, ob ich mir nicht widersprach.
ORyan: Hm, sieht aus wie ein Racheakt, nicht sehr planmäßig, die Flucht gelang nur durch Zufall, und der Killer arbeitete vor zwei guten Zeugen, wir werden den Burschen in der Kartei haben, Fingerabdrücke hat er ja genug hinterlassen.
Dalmas: Feststeht er hatte was mit Waldo, aber er wollte sich nicht heute mit Waldo treffen.
ORyan: Waldo ist nur hereingekommen um nach der Puppe zu suchen, mit der er sich verabredet hatte.
Dalmas: Die er vorher irgendwo verpaßt haben muß.
ORyan: Wahrscheinlich ist sie in ein anderes Lokal gegangen, um auf ihn zu warten, der Killer nahm die Gelegenheit wahr, verpaßte Waldo zwei an die richtige Stelle und türmte, ohne sich wegen ihnen und dem jungen Mann dort Sorgen zu machen.
Dalmas: Nur dieser.
ORyan: Was.
Dalmas: Dieser Waldo wußte genau, wie das Mädchen angezogen war, buntbedruckte Bolerojacke über einem Kleid aus blauem Seidenkrepp.
ORyan: Dazu ein breitrandiger Strohhut mit einem dunklen Samtband, muß er also heut schon mit ihr zusammengewesen sein.
Dalmas: Nach einer Weile kamen zwei Männer mit einem langen flachen Korb um den Toten abzuholen, dann fuhren wir alle zum Headquarter, auch der junge Barkeeper erwies sich als einwandfrei, man ließ ihn laufen und befahl ihm sein Lokal so lange geschlossen zu halten, bis man sicher war, daß sich keine weiteren Fingerabdrücke fänden, denn mit den bisher festgestellten war nichts anzufangen, sie waren unsauber und verschmiert, auch der Inhalt von Waldos Taschen, die grünen Geldscheine, die paar Schlüssel, die Zigaretten, das Taschentuch hatten keinen Hinweis ergeben, gegen 9 Uhr war ich wieder im Berglundhaus und fuhr mit dem Fahrstuhl in den 4. Stock, als ich die Schiebetür öffnete und heraustrat, stand vor mir eine gutaussehende Frau, die offenbar auf den Fahrstuhl wartete, ihre großen Augen waren blau und ihre Wimpern reichten nicht ganz bis ans Kinn, sie hatte braunes welliges Haar unter einem breitrandigen Hut mit einem dunklem Samtband.
Lola: Was glotzen sie mich denn so an.
Dalmas: Das ist doch, das ist doch eine Bolerojacke.
Lola: Ja doch, erlauben sie, ich habe es eilig.
Dalmas: Sie müssen sich noch einen Augenblick gedulden, der Lift ist bereits wieder unten, nur eines möchte ich ihnen noch sagen, bevor wir ihn wieder heraufholen, in der Jacke und mit dem Hut da zeigen sie sich besser nicht auf der Straße.
Lola: Was erlauben sie sich.
Dalmas: Sie sind in Gefahr, nehmen sie den Hut ab und ziehen sie sofort die Jacke aus.
Lola: Ich verstehe sie nicht.
Dalmas: Die Polizei ist hinter ihnen her, in diesem Kleid werden sie sofort erkannt, kommen sie mit, ich erkläre ihnen alles.
Lola: Wer sind sie überhaupt, ich bin Misses Leroy und wohne in Apartment 31, ich kann ihnen versichern daß.
Dalmas: Daß sie auf der falschen Etage sind, das hier ist die vierte, seien sie vernünftig, nehmen sie den Hut ab und ziehen sie die Jacke aus.
Lola: Tja und wohin damit.
Dalmas: Knüllen sie alles zusammen, kommen sie mit, ich wohne hier vorne im Apartment 42.
Lola: Sucht man denn nach mir.
Dalmas: Ja, die Polizei wird aber erst morgen früh anfangen hier in dem Block jeden Fetzen umzudrehen, und auch das nur wenn man nicht herausbekommt, wer Waldo ist.
Lola: Waldo.
Dalmas: Kennen sie etwa Waldo gar nicht.
Lola: Nein.
Dalmas: Wir kamen zur Tür meines Apartments, ich stieß den Schlüssel ins Schloß, drehte rasch um, drückte die Tür auf und griff nach dem Lichtschalter.
Dalmas: Kommen sie bitte, hier ist mein Wohnraum, gehen sie schon rein und machen sie es sich gemütlich, ihre Bolerojacke und den Hut, den leg ich hier in die Gardarobeschublade, bei mir sucht man die Sachen bestimmt nicht, wollen wir etwas trinken.
Lola: Ich weiß nicht.
Dalmas: Ich ging in die Küche, holte aus dem Kühlschrank einen Rest besonders guten Scotch, und mixte zwei Highballs, als ich mit den Gläsern ins Wohnzimmer kam, traute ich mein Augen nicht, mein hübscher Gast richtete nämlich eine Pistole auf mich, eine kleine automatische Waffe.
Lola: Rühren sie sich nicht von der Stelle.
Dalmas: Macht der heiße Wind auch sie verrückt, ich bin Privatdetektiv.
Lola: Ach.
Dalmas: Ich kann es ihnen beweisen, wenn sie mir Gelegenheit dazu geben.
Lola: Beweisen sie es.
Dalmas: Dazu müßte ich allerdings erst mal die Gläser.
Lola: Stellen sie sie da auf den Tisch.
Dalmas: Dankeschön, bitte hier meine Karte, aber lassen sie nie wieder niemand so nah an sich herankommen, schon gar nicht wenn sie es ernst meinen, außerdem ihre Pistole ist noch gesichert.
Dalmas: Sie schlug die Augen nieder, steckte die Pistole in ihre Handtasche zurück, trank ihr Glas halb aus, setzte es hart auf den Tisch, und prüfte meine Karte.
Lola: Wie sieht der Mensch aus, den sie Waldo nannten.
Dalmas: Ziemlich groß, ungefähr 180cm schlank, dunkel, hat braune Augen, er trug einen hellblauen Anzug mit einem weißen Tuch in der Brusttasche und er schien es sehr eilig zu haben, sie zu finden.
Lola: Ach, das ist also Waldo und was ist nun mit ihm.
Dalmas: Etwas sehr merkwürdiges ist mit ihm geschehen, gegenüber im Cocktail room da, wo waren sie übrigens den ganzen abend.
Lola: Ich, ich saß in meinem Wagen, die meiste Zeit jedenfalls.
Dalmas: Wie, und sie haben den Menschenauflauf auf der anderen Straßenseite nicht bemerkt.
Lola: Ich nahm an, daß dort irgendwas passiert sein mußte, wahrscheinlich ein Unfall.
Dalmas: So kann mans auch nennen und vorher suchte dieser Waldo nach ihnen, im Cocktailroom, sagte uns wie sie aussehen und beschrieb ihre Kleidung.
Lola: Wer war denn noch in dem Lokal.
Dalmas: Außer mir und dem jungen Mann dem es gehört nur noch ein Betrunkener, und dann kam Waldo herein und fragte nach ihnen, wir sagten ihm, wir hätten sie nicht gesehen, und als er dann wieder gehen wollte, drehte sich der Betrunkene um, nannte ihn Waldo, zog seine Pistole und schoß einfach so, tot.
Lola: Hahaha.
Dalmas: Was soll das, warum lachen sie.
Lola: Mein Mann hat sie engagiert, um mir hinterher zu spionieren, ich hätte mir denken können, daß das ganze nur Theater ist, sie mit ihrem Waldo, nie hätte ich geglaubt, daß Frank so eifersüchtig sein könnte, jedenfalls nicht auf einen, der einmal unser Chauffeur war, auf Stan vielleicht, das wäre zu verstehen, aber auf Josef.
Dalmas: Er heißt also Josef.
Lola: Ja, Josef, Josef Baker.
Dalmas: Und warum wollten sie diesen Josef treffen.
Lola: Ich, ich wollte etwas von ihm zurückkaufen, das er mir gestohlen hatte, etwas sehr wertvolles, kostete 2000 Dollar, es war ein Geschenk eines Mannes, den ich einmal liebte, er ist tot, er kam in einem brennenden Flugzeug ums leben, so jetzt können sie zu meinem Mann gehen und es ihm erzählen.
Dalmas: Ich denke ja gar nicht daran.
Lola: Frank bildet sich ein, ich treffe mich mit Josef, nun das ist richtig, ich wollte es, aber nicht weil ich ein Verhältnis mit ihm habe, ich habe es nicht nötig so weit unter mein Niveau zu gehen wenn ich mich amüsieren will.
Dalmas: Wozu haben sie das Apartment im 3. Stock gemietet.
Lola: Es, es ist nicht mein Apartment, ich habe sie angelogen, es ist sein Apartment.
Dalmas: Josef Bakers.
Lola: Ja.
Dalmas: Und paßt meine Beschreibung auf diesen Josef.
Lola: Ja.
Dalmas: Na dann hätten wir wenigstens einen Tatbestand aufgeklärt.
Lola: Josef sagte mir, wo er wohnt, er wollte mich unten auf der Straße treffen, aber ich verspätete mich, als ich dann kam, sah ich die Polizisten, so blieb ich in meinem Wagen und wartete, schließlich ging ich dann doch herauf, und klopfte an seiner Wohnungstür, dreimal war ich im Haus, bis ich dann ihnen begegnete, das ist alles.
Dalmas: Und wo ist ihr Mann.
Lola: Frank, Frank hat eine Sitzung.
Dalmas: Aha.
Lola: Ja, er ist sehr beschäftigt, er hat häufig Sitzungen, er ist Wasserkraftingenieur und schon in der ganzen Welt gewesen, sie müssen wissen.
Dalmas: Ich werde mich mal mit ihm treffen, dann kann er mir das alles selbst erzählen, aber womit Josef sie in der Hand hatte, das ist jetzt tot und vorbei genau wie Josef selbst.
Lola: Ja, ist er tatsächlich tot, ganz bestimmt.
Dalmas: Ja.
Lola: Da kommt jemand zu ihnen.
Dalmas: Gehen sie solange in meine Ankleidekammer, nehmen sie ihr Glas mit und die Handtasche. Ja doch, ich komme schon.
Dalmas: Ich ging zur Tür, ohne meine Pistole in der Hand, das war ein Fehler, denn als ich öffnete, stand der Mann vor mir, der in der Kneipe gegenüber dem anderen, den er Waldo nannte, zwei Kugeln ins Herz jagte, jetzt richtete er seine automatische 22er auf meine Wenigkeit.
Dalmas: Oh.
Al Tessilore: Ja ich bin es, gehen wir rein, los weiter weiter weiter zurück ins Zimmer, gut so, halten sie die Hände hübsch oben, ach Spieltisch was, irgendein Heini spielt hier Schach, sie.
Dalmas: Ich vertreibe mir die Zeit damit.
Al Tessilore: Dazu gehören aber zwei.
Dalmas: Das hier ist eine Schachaufgabe, kein Spiel, sehen sie sich die Stellung an.
Al Tessilore: Davon verstehe ich nichts.
Dalmas: Jedenfalls bin ich hier allein.
Al Tessilore: Umso besser, denn mit ihnen mein Freund gehts jetzt zu ende, das wissen sie wohl, was.
Dalmas: Was hat ihnen dieser Waldo denn getan.
Al Tessilore: Bei, bei einem Ding in einer Bank in Michigan stieg er aus und brauchte mir 4 Jahre Knast ein, als Kronzeuge wurde er selbst nicht unter Anklage gestellt, ist ein reiner Zufall, daß er mir heute in der Kneipe begegnete, hat die Polizei schon spitz wer ich bin.
Dalmas: Man hat ihre Fingerabdrücke, ich weiß nicht wie gut sie sind.
Al Tessilore: Was ist denn, was ist denn alter Freund.
Dalmas: Ich werde mich übergeben, wenn sie nicht die Pistole von meinem Hals wegnehmen.
Al Tessilore: Ich kann sie ihnen auch auf die Brust setzen, sagen sie nur wo es ihnen am liebsten ist.
Dalmas: Ich mußte lauter gesprochen haben als ich beabsichtigt hatte, an der Tür zur Ankleidekammer zeigte sich ein schmaler dunkler Spalt, ich sah Augen aber ich blickte nicht hin, starrte immerzu nur in die Augen des Killers, ich wollte nicht, daß er von mir wegsah, und ich begann zu zittern.
Al Tessilore: Angst wie.
Dalmas: Ja aber lassen sie nicht die ganze Nacht darüber vergehen, das ist ja nicht auszuhalten.
Al Tessilore: Mir gefällt es, ich bin nun mal so, nicht.
Dalmas: Die Frau kam jetzt durch die Tür, auch sie hatte ihre Pistole in der Hand, nichts geräuschloseres hat es je gegeben, als die Art in der sie sich bewegte, Schritt für Schritt, immer näher auf uns zu.
Al Tessilore: Wenn sie schreien wollen, alter Freund dann schreien sie doch.
Dalmas: Ja ja ja, jetzt jetzt schrei ich.
Dalmas: Als wenn das einen Zeichen gewesen wäre, rammte die Frau in diesem Augenblick ihre Pistole dem Killer hart gegen die kurze Rippe, ohne einen Laut hören zu lassen, er mußte darauf reagieren, riß unwillkürlich beide Arme seitlich hoch, ich knickte zusammen und stieß ihm mit meiner ganzen Kraft das Knie in den Unterleib, sein Kinn kam mir entgegen und ich schlug zu, schlug zu, als würde ich den letzten Nagel an den Schienen einer transkontinentalen Bahn in die Schwelle treiben, die Pistole glitt ihm aus der Hand, schlitterte über den Teppich unter einen Sessel, die Frau starrte entsetzt in meine Augen, damit gehöre ich ihnen alles alles was ich habe, gehört ihnen, jetzt und für immer, tut mir leid, alter Bursche, aber was konnte ich tun. Sein Gesicht war grünlich bleich, ich bückte mich und tastete ihn nach weiteren Waffen ab, aber er hatte keine mehr bei sich, ich holte aus meinem Schreibtisch ein paar Handschellen, zog seine Arme vorne zusammen und fesselte ihm die Gelenke, dann ging ich ans Telefon und wählte die Nr. der Mordkommission.
ORyan: Inspektor ORyan.
Dalmas: Hallo, Inspector, ich bins John Dalmas.
ORyan: Ah, sie, Dalmas.
Dalmas: Ja.
ORyan: Wetten, daß ihnen noch was eingefallen ist.
Dalmas: Haben sie schon raus, wer der Killer ist.
ORyan: Kann ich ihnen nicht sagen, tut mir furchtbar leid, über Ermittlungsarbeit dürfen wir nichts mitteilen.
Dalmas: Schön, ist mir auch egal, aber kommen sie her und holen sie ihn ab.
ORyan: Wen.
Dalmas: Den Killer.
ORyan: Was.
Dalmas: Ja liegt hier in meiner Wohnung auf dem Fußboden, ich mußte ihn ein wenig mit dem Knie behandeln.
ORyan: Heiliger Bimbam, schließen sie los, Dalmas.
Dalmas: Er ist gefesselt, er gehört ihnen, er kam her, um einen Zeugen um die Ecke zu bringen.
ORyan: Und wer ist noch bei ihnen.
Dalmas: Sonst niemand, ich bin allein.
ORyan: Gut ich komme, sie wohnen im Berglundhaus, nicht wahr.
Dalmas: Ja 4. Etage, Apartment 42.
ORyan: Bin praktisch schon bei ihnen.
Dalmas: Inspektor ORyan kam, weshalb er diesmal seinen freundlichen Kollegen Jerry Miller nicht mitbrachte, dämmerte mir erst später, ORyan drängte mich mit angespanntem Grinsen ins Zimmer und betrachtete mit kalten grausamen Augen den Mann auf dem Boden.
ORyan: Sind sie sicher, daß er es war.
Dalmas: Absolut sicher, wo ist denn ihr Kollege Inspektor Miller.
ORyan: Hat noch zu tun, sind das ihre Handschellen.
Dalmas: Ja.
ORyan: Schlüssel.
Dalmas: Ich gab ihm die Schlüssel, er ließ sich neben dem Killer auf die Knie nieder, nahm ihm meine Handschellen ab, zog seine eigenen aus der Tasche, drehte dem Kahlköpfigen die Arme auf den Rücken und schnappte die Handschellen zu.
Al Tessilore: Geschafft, sie Polyp sie.
Dalmas: ORyan grinste, ballte die Faust und gab dem Gefesselten einen Schlag ins Gesicht.
ORyan: Handtuch Dalmas.
Dalmas: Ich holte eines, er stopfte es dem Kahlköpfigen zwischen die Zähne und stand auf.
ORyan: So der schläft für ne halbe Stunde, also los berichten sie.
Dalmas: Ich berichtete ohne daß ich die Frau auch nur mit einem einzigen Wort erwähnte, es klang alles bißchen seltsam, ORyan sagte kein Wort und musterte mich unentwegt, ich reichte ihm die Waffe des Killers, er schob sie in die Tasche, in seinen Augen leuchtete etwas.
ORyan: Sie haben irgendetwas im Sinn Dalmas, wollen sie einen alten Polypen auf den Arm nehmen.
Dalmas: Ich schenk ihnen den Killer, Inspektor, er ist für sie ein fetter Brocken, was wollen sie mehr.
ORyan: Was soll das, worauf wollen sie hinaus.
Dalmas: Sie wissen recht gut, daß ich mit dem Burschen da allein nicht fertig werden konnte, er hatte mir seine Pistole auf die Brust gesetzt und brauchte nur den Finger krumm zu machen.
ORyan: Ja, und warum hat er das nicht getan?
Dalmas: Weil ihm ein anderer ein Schießeisen in die Rippen drückte.
ORyan: Welcher andere?
Dalmas: Ein junger Mensch, der versucht hatte in Beverly Hills sein Ding zu drehen, das aber schiefging, er wollte in einer kleinen Tankstelle die Kasse ausleeren, ich kenne seine Familie, er ist in Wirklichkeit kein übler Bursche, er war hier und wollte sich Fahrgeld von mir erbetteln, um abzuhauen, als der Killer klopfte, schlich er sich in meine Ankleidekammer.
ORyan: Hat er denn eine Waffe bei sich?
Dalmas: Ja, die stieß er dem da gerade noch im rechten Augenblick in aller Stille ins Kreuz, dazu gehört schon was, sie müssen dem Jungen eine Chance geben, Inspektor, lassen Sie ihn aus der Geschichte heraus.
ORyan: Liegt schon eine Anzeige gegen ihn vor?
Dalmas: Noch nicht, aber er hat Angst, daß sie noch kommt und das ließ sie sich doch verhindern, sie haben doch gute Freunde im Headquarter, tun sie es mir zu liebe Inspektor, schließlich verdanke ich dem Jungen, daß ich noch lebe, und was den Killer betrifft, den, den haben sie geschnappt.
ORyan: Wieso ich?
Dalmas: Sie kamen in meine Wohnung, um nachzusehen, was ich für Waffen habe, und während sie in der Ankleidekammer herumschnüffelten, kam der hier rein, um mich umzulegen, aber er kam nicht dazu, denn sie, mein guter Engel, rammten ihm noch rechtzeitig ihr Schießeisen ins Kreuz, klar.
ORyan: Hm, und das würden Sie zu Protokoll geben.
Dalmas: Ah worauf sie sich verlassen können.
ORyan: Okay.
Dalmas: Und der Junge, der mir geholfen hat.
ORyan: Um den machen Sie sich keine Sorgen, so wie er Hilfe braucht, geben Sie mir Bescheid.
Dalmas: Eine Viertelstunde später saßen wir im Headquarter im Zimmer des Superintendenten, wo Inspektor ORyan Bericht erstattete, draußen auf dem Korridor sind wir dann fotografiert worden, ORyan und ich, wie er mir mit strengem, nüchternen Blick die Hand schüttelt. Nach Hause kam ich gegen Mitternacht, die Haustür war verschlossen, als ich den Schlüssel heraussuchte, hörte ich hinter mir eine Frauenstimme.
Lola: Kommen Sie her, steigen Sie ein.
Dalmas: Sie hier, sind Sie wahnsinnig?
Lola: Steigen Sie ein, bitte.
Dalmas: Aber schnell weg von hier.
Dalmas: Wir fuhren anderthalb Blocks die Franklin Avenue entlang und bogen dann in den Kingsley Drive ein, wo wir hinter einem funkelnagelneuen Packard Cabriolet parkten, an dessen Heckfenster noch der Lieferschein des Händlers klebte.
Lola: Ich war nicht sehr freundlich zu ihnen, wie?
Dalmas: Sie haben mir nur das Leben gerettet, der Kerl, von dem sie mich befreit haben, der hat Waldo erschossen.
Lola: Und was geschah weiter?
Dalmas: Ich band einem Inspektor der Mordkommission, der mich nicht leiden kann, ein paar Lügen auf die Nase, gab ihm allein das Verdienst an der Festnahme des Killers und damit hatte es sich.
Lola: Und von mir haben Sie nichts gesagt?
Dalmas: Nein, kein Wort, im Übrigen weiß ich gar nicht, wer Sie sind.
Lola: Miss Frank Barsaly, Freemont Place 212 und sie können sich nicht denken, warum ich noch einmal zurückgekommen bin.
Dalmas: Ach ja, ja, ihr Hut und ihre Jacke, warten Sie, ich hole die Sachen.
Lola: Ich will auch meine Perlen.
Dalmas: Perlen?
Lola: Ich wollte sie für 2000 Dollar kaufen von dem Mann, den sie Waldo nennen, er hätte sie bei sich haben müssen.
Dalmas: Haben sich aber nicht gefunden.
Lola: Ach.
Dalmas: Ich sah, was aus seinen Taschen kam, ein Haufen Geld, aber keine Perlen.
Lola: Er wird sie in seiner Wohnung versteckt haben.
Dalmas: Ist möglich, oder sonst wo in Kalifornien.
Lola: Stan hat mir die Perlen geschenkt, sie haben 2000$ gekostet, sagte er, weiße Perlen, 41 Stück, und weil sie von Stan sind, bedeuten sie mir unendlich viel.
Dalmas: Wie heißen Sie eigentlich mit Vornamen?
Lola: Lola.
Dalmas: Erzählen Sie weiter, Lola.
Lola: Die Kette wurde durch eine einfache silberne Schließe in Form eines zweiflügeligen Propellers zusammengehalten, Frank, meinem Mann habe ich gesagt, ich hätte mir die Perlen selbst gekauft in einem Warenhaus, er merkte nicht, daß sie echt waren, Frank ist sehr eifersüchtig, als er drei Monate lang in Argentinien zu tun hatte, engagierte ich Joseph als meinen Chauffeur, wenn wir zusammen ausgefahren sind, haben wir manchmal ein Gläschen getrunken oder zwei, das war alles, ich hatte nichts mit Joseph.
Dalmas: Sie erzählten ihm aber von den Perlen, ja.
Lola: Ja.
Dalmas: Und als ihre 200 Pfund Lebendgewicht aus Argentinien zurückkamen, schmiß er Joseph raus.
Lola: Ja.
Dalmas: Und Joseph nahm die Perlen mit, weil er wußte, daß sie echt waren.
Lola: Ja.
Dalmas: Dann bot er sie ihnen für zwei Mille an und sie gingen nicht zur Polizei.
Lola: Unter diesen Umständen hatte Joseph natürlich keinerlei Befürchtungen, mir mitzuteilen, wo er wohnte.
Dalmas: Der arme Waldo, pardon Joseph, irgendwie tut er mir leid, trifft im ungeeigneten Augenblick einen alten Freund, der noch eine Rechnung mit ihm zu begleichen hat, und den Flieger lieben sie immer noch, wie?
Lola: Ja.
Dalmas: 2000$ sagten sie haben die Perlen gekostet, mhm, gut, ich werde nachsehen.
Lola: Das ist lieb von Ihnen.
Dalmas: Dritte Etage.
Lola: Apartment 31, ich werde hier warten.
Dalmas: Ist gut.
Dalmas: Ich ging zurück ins Berglundhaus und klopfte an die Tür des Apartment 31. Das alte vertraute Signal aus der Zeit der Alkoholschmuggler. Keine Antwort. Dann schob ich ein Stück festes Zelluloid langsam zwischen Schloß und Türrahmen, drückte gegen den Türknopf und trat ein. Ich untersuchte jede Schublade, jeden Winkel, jedes Regal. Erst als ich das Wandbett ein Stück herunterklappte, wußte ich, daß ich wirklich nicht länger nach Perlen zu suchen brauchte, denn ich hatte einen Toten vor mir, einen Mann mittleren Alters, klein mit grauen Schläfen und dunkler Haut. Er trug einen rehfarbenen Anzug mit einer weinroten Krawatte und hing mit einem Gürtel um den Hals am oberen Ende des Metallrahmens der Bettstelle. Ich durchsuchte den Toten. Keine Brieftasche. Waldo muß sie an sich genommen haben. Im Halfter auf der linken Brustseite steckte eine Mauser, eine Kanone, mit der man eine Mauer umlegen kann, die diesem professionellen aber nichts mehr nützte, denn Waldo schien schneller gewesen zu sein, hat ihn am Hals zu fassen gekriegt, gewürgt, bis er weg war und schließlich an den Bettrahmen gehängt. Ich durchsuchte die Taschen des Toten weiter und fand etwas Silbergeld, ein zusammengefaltetes parfümiertes Taschentuch und eine kleine neue Schlüsseltasche mit vier neuen Autoschlüsseln. In goldenen Buchstaben stand auf der Schlüsseltasche mit den besten Wünschen Richard Vogelsang Packardhaus. Ich ordnete alles wieder so, wie ich es vorgefunden hatte, wischte mit dem Taschentuch über alle Türgriffe, vorstehenden Ecken, glatten Oberflächen, die ich berührt haben konnte, löschte das Licht, zog die Apartmenttür hinter mir zu und ging zurück zum Kingsley Drive.
Lola: Nun, haben Sie die Perlen gefunden?
Dalmas: Nicht eine einzige.
Lola: Schade, dann muß ich mich also damit abfinden.
Dalmas: Tja, fahren Sie jetzt nach Hause und merken Sie sich eines, Sie haben mich nie in Ihrem Leben gesehen, egal was passiert, und wir werden uns vielleicht auch nie wiedersehen.
Lola: Ich fände es bedauerlich.
Dalmas: Viel Glück, Lola.
Lola: Good bye.
Dalmas: Nun stand ich da und starrte auf die Rückseite des vor mir stehenden Packard Cabriolet, das völlig neu zu sein schien, unter dessen Heckfenster noch der Lieferschein des Händlers klebte, ich ging näher heran, ließ den Strahl meiner kleinen Taschenlampe auf den Zettel fallen und las Richard Vogelsang Packardhaus, der gleiche Händlername, der in goldenen Buchstaben auf der Schlüsseltasche der aufgehängten Leiche stand, auf den Zettel war aber auch noch mit schwarzer Tinte der Name und die Adresse des Mieters vermerkt. A. Kolchenko, 413 Arvieda Street, West Los Angeles. Obgleich es mir zunächst verrückt schien, so ging ich doch noch mal zurück und holte die Schlüssel aus der Tasche des Toten im rehfarbenen Anzug, 5 Minuten später stand ich wieder auf der Straße neben dem Packard Cabriolet, die Schlüssel paßten und ich fuhr mit dem Wagen in die Arvieda Street.
Dalmas: Guten Abend.
Anja: Sie wünschen.
Dalmas: Sie sind Misses Kolchenko.
Anja: Nein, Miss Kolchenko.
Dalmas: Ich habe ihren Wagen gebracht.
Anja: Sie haben Sie haben meinen Wagen gebracht?
Dalmas: Ja, haben Sie ihn denn nicht vermisst?
Anja: Wer sind Sie?
Dalmas: John Dalmas, hier ist meine Karte.
Anja: Detektiv. Warten Sie. Sie bekommen Belohnung.
Dalmas: Danke, das ist nicht nötig, sagen Sie mir lieber, wer ist der Mann? Klein, so um die 40, schwarzes Haar, rehfarbener Anzug, dunkle Haut, weinrote Krawatte.
Anja: Was ist? Was ist mit ihm? Was ist?
Dalmas: Er ist tot.
Anja: Kommen Sie, kommen Sie herein.
Frank: Was ist los mein Schatz?
Anja: Hier, der Mann ist Detektiv.
Dalmas: Guten Abend.
Anja: Bitte mach Musik aus.
Frank: Na und?
Dalmas: Ich komme wegen Miss Kolchenkos Wagen.
Frank: Was ist mit dem Wagen?
Dalmas: Der Mann, der ihn sich ausgeliehen hat, konnte ihn nicht zurückbringen.
Frank: Und warum nicht? Warum nicht?
Dalmas: Weil ihn jemand umgebracht hat.
Frank: Verdammt noch mal.
Dalmas: Ich zündete mir eine Zigarette an und begann mit meiner Geschichte, erzählte vom Berglundhaus, daß ich dort wohnte, daß Waldo im Apartment 31 auf der Etage unter mir gewohnt hatte, schilderte den Vorfall im Cocktailroom, sagte aber nichts von der Bolerojacke und der Frau, die sie getragen hatte.
Frank: Also aus geschäftlichen Gründen haben sie diesen Waldo im Auge behalten, hm und was für geschäftliche Gründe waren es.
Dalmas: Lieber Herr? Haben Sie vor niemandem Geheimnisse.
Frank: Und im Headquarter?
Dalmas: Da sagte ich kein Wort davon, daß ich Waldo kenne, auch nicht, daß ich mir die Freiheit nahm, seine Wohnung zu durchsuchen.
Frank: Und wonach suchten Sie?
Dalmas: Nach Briefen, fand aber nichts als den Toten, erwürgt und mit einem Gürtel am Bettrahmen aufgehängt, ein kleiner Mann, etwa 45 Mexikaner vielleicht, gut angezogen in einem rehfarbenen Anzug und einer weinroten.
Frank: Das reicht, das reicht, das recht, ich beiße an, betraf ihr Auftrag eine Erpressung?
Dalmas: Man kann es so nennen, das Absonderliche daran ist, daß der kleine Mann eine dicke Kanone unter dem Arm trug.
Frank: Aber die 500$ in grünen Scheinen hatte er nicht in der Tasche, oder etwa doch?
Dalmas: Nein, dagegen hatte Waldo 500 bei sich in grünen Scheinen und noch 200 dazu, als er im Cocktailroom umgelegt wurde.
Frank: Sieht aus, als hätte ich diesen Waldo unterschätzt, er hat also meinen Mann erledigt und ihm das Geld abgenommen, gib uns was zu trinken, Goldschatz.
Anja: Hier habt ihr.
Frank: Zum Teufel, das Leben besteht aus nichts als Schwierigkeiten, wie man es auch ansieht, na, wenigstens habe ich diesen Goldschatz hier, sie ist Weißrussin, ich habe sie in Shanghai kennengelernt, sie ist so sicher wie ein Panzerschrank, wenn sie auch aussieht, als würde sie einem für ein Cent die Kehle durchschneiden, das gefällt mir so besonders an ihr, sie ist was fürs Herz oder das sonst übliche Risiko.
Anja: Ach du reden sehr dummes Zeug.
Frank: Sie sehen mir aus, als ob sie in Ordnung wären, gibt es einen Ausweg?
Dalmas: Ja, aber es wird eine Kleinigkeit kosten.
Frank: Wie viel?
Dalmas: Sagen wir noch mal 500.
Anja: Verdammt, dieser heiße Wind macht mich trocken wie Asche von Liebe.
Frank: 500, das wäre tragbar, was bekomme ich dafür?
Dalmas: Ihr Name wird nicht genannt. Sie bleiben unbehelligt.
Frank: Ja, sie werden den Mord nicht verschweigen können, den zweiten meine ich, und das, was ich kaufen wollte, habe ich nicht bekommen.
Dalmas: Sagen Sie, wer ist der Tote im Berglundhaus?
Frank: Ein Uruguayer, Leo Wallezanos, er arbeitete als Croupier beim Roulette im Spacia Club unten im Sunsetboulevard, ich gab ihn die 500, damit er zu Waldo geht und ihm ein paar Rechnungen abkauft, die mein Täubchen hier auf meinen Namen gemacht hatte, ich hatte die Rechnung in meiner Aktentasche und dieser Waldo hatte eine Chance sie herauszuholen.
Dalmas: Auf zwei Dinge muß ich sie noch aufmerksam machen.
Frank: Ja.
Dalmas: Waldo hatte seinen Wagen mit dem er fliehen wollte, unabgeschlossen und mit laufendem Motor vor dem Cocktailroom stehen lassen und der Killer ist damit fortgefahren, es besteht die Möglichkeit, daß von dieser Seite noch ein Rückschlag eintritt, denn in dem Wagen muß Waldos ganzes Gepäck gewesen sein, also auch die Rechnungen, die er ihnen gestohlen hat.
Frank: Verdammt.
Dalmas: Aber in diesen Dingen ist die Polizei meistens vernünftig, ich werde mit den Leuten vom Headquarter schon klar kommen, es sei denn, ihr Name ist so bekannt, daß sich die Zeitungsleute dafür interessieren, ja, dann sieht es wieder anders aus, wie sagten Sie noch, war Ihr Name? Na.
Frank: Frank Barsaly.
Dalmas: Als ich wieder ins Berglundhaus zurückkam, roch es nur so nach Polizei. Inspektor ORyan saß vor meinem Schreibtisch, sein Kollege, der freundliche Jerry Miller, schnitt eine Grimasse, die mir unangenehmes anzukündigen schien, Inspektor ORyan deutete mit träger Handbewegung auf die vor ihm liegende Bolerojacke und den Hut mit dem dunklen Samtband, stand langsam auf, ging auf mich zu und schlug mich mitten ins Gesicht, hart.
ORyan: Sie sollten sich schämen mit diesen kostbaren Dingern so achtlos umzugehen, wo haben Sie die Sachen her?
Dalmas: Sie gehören einer Dame.
ORyan: Was sie nicht sagen, einer Dame, ich will Ihnen sagen, welcher Dame die Sachen gehören, sie gehören der Puppe, nach der Kerl, der Waldo genannt wurde, in der Kneipe gegenüber gefragt hat, ungefähr zwei Minuten bevor er umgelegt wurde, und sie Dalmas, sie erbärmlicher Schleicher sie, sie selbst waren an dieser Dame interessiert und haben die Sachen in der Garderobenschublade versteckt, übel kann einem werden vor euch Schnüfflern, aber sie waren gerissen, Dalmas, sie haben mich getäuscht.
Dalmas: Gerissen? Daran ist doch nichts gerissen.
ORyan: Sie wußten, wer dieses Weibsbild war, wußten auch, wer Waldo war und wo er wohnte und daß er das Weibsbild treffen wollte, dazu hatte er allerdings keine Gelegenheit mehr.
Dalmas: Wer war er denn?
Miller: Er hieß Waldo Rettigan, wir bekamen seine Personalien über Fernschreiber aus Washington, ein Gelegenheitseinbrecher mit paar kleinen Vorstrafen.
Dalmas: Und der, der ihn umgebracht hat.
Miller: Ein gewisser Al Tessilore, Tessilore hatte mit Waldo noch eine Rechnung zu begleichen.
Dalmas: Danke Inspektor.
ORyan: Jerry hat was für Sie übrig, Dalmas, er mag sie, ich aber, ich habe von Anfang an gemerkt, daß an ihnen etwas stank, ja und wir haben sogar noch etwas wir haben den Wagen mit dem Waldo fliehen wollte und damit auch alles, was er mitnehmen wollte, hier bitte, sehen Sie sich das mal an, mit einer Schließe in Form eines zweiflügeligen Propellers, hübsch, wie?
Dalmas: ORyan zeigte mir Lolas Perlenkette, die ihr der Flieger geschenkt hatte, der bei einem Flugzeugabsturz verbrannte und den sie immer noch liebte.
ORyan: Sind Sie jetzt bereit uns zu sagen, was Sie in der Angelegenheit wissen, Mr. Dalmas.
Dalmas: Die Perlen müssen eine schöne Stange Geld wert sein.
Miller: Etwa 100 $, mehr sind, sie sind nämlich falsch.
Dalmas: Falsch?
Miller: Ja, glatt wie Glas, falsch.
Dalmas: Ja und und wenn sie wenn sie echt wären, würden sie dann 2000$ kosten?
Miller: Wenn nicht mehr.
Dalmas: Hmh, dieser Waldo war gar nicht so dumm, und Sie sagen, sie haben die Perlen in Waldos Wagen gefunden.
Miller: Ja.
Dalmas: Haben Sie auch Papiere gefunden?
Miller: Papiere? Keine.
ORyan: Sie haben hier nichts zu fragen, nur zu antworten, also, was wissen Sie?
Dalmas: Nicht mehr als das, was ich zu Protokoll gegeben habe.
ORyan: Und was die Dame anbelangt.
Dalmas: War ich überzeugt, daß gegen sie nichts vorlag, Waldo ist mal ihr Chauffeur gewesen.
ORyan: Ah, schon etwas.
Dalmas: Er nannte sich damals Joseph Baker.
ORyan: Ja, und die Dame, wer ist die Dame?
Dalmas: Miss Frank Barsaly, ihr Mann ist Ingenieur, ein Freund schenkte ihr vor langer Zeit mal die Perlen und ihrem Manne sagte sie, sie habe die Perlenkette in einem Warenhaus gekauft, Waldo erfuhr auf irgendeine Weise die romantische Vorgeschichte dieser Perlenkette und als Barsaly aus Südamerika zurückkam und ihn hinauswarf, weil er ihm so gut aussah, da ließ Waldo die Perlen mitgehen.
ORyan: Ja, wollen Sie damit sagen, er wußte nicht, daß die Perlen falsch waren?
Dalmas: Ich glaube, er hat die Echten verkauft und diese Imitation hier anfertigen lassen.
ORyan: Ja, möglich.
Dalmas: Er hat noch mehr mitgehen lassen, Papiere aus Barsalys Aktentasche, die beweisen, daß Barsaly eine andere Frau aushält, er erpresste beide, den Mann und die Frau.
ORyan: Ja, ich verstehe, na, berichten Sie weiter.
Dalmas: Ich erzählte, was sich in meinem und später in Waldos Apartment zugetragen hatte, auch, daß ich den Packard der Frau zurückbrachte, die von Barsaly ausgehalten wird, der einen Freund aus dem Spezialclub zu Waldo schickte, um ihm die gestohlenen Papiere abzukaufen, dieser Freund aber die Papiere mit der Pistole kaufen wollte, statt mit dem Geld, das ihm Barsaly mitgegeben hatte.
Miller: Waldo aber erwies sich als der Schnellere und erwischte ihn vorher.
Dalmas: Eben.
Miller: Ist das alles?
Dalmas: Ja.
Miller: Gut. Was verlangen Sie dafür?
Dalmas: Ich.
ORyan: Ist ja großartig, der dreckige Schleicher hier läßt sich mit einer vagabundierenden Schlampe ein, verstößt gegen jedes denkbare Gesetz und du fragst ihn noch, was er verlangt, ich werde ihm geben, was er braucht.
Miller: Das wirst du nicht Sam, du wirst ihm viel mehr bestätigen, daß er sich völlig einwandfrei verhalten hat und ihm geben was er fordert, schon als Lohn für die Lektion, die dir als Polizist erteilt, also, was verlangen Sie, Dalmas?
Dalmas: Was hier auf den Tisch liegt, die Jacke, den Hut und die falschen Perlen.
ORyan: So.
Dalmas: Und daß ein paar Namen nicht in die Zeitung kommen, ist das zu viel?
ORyan: Ja, das ist zu viel, mir gefällt es besser, wenn sie sich mit einem Stück Blei im Bauch zufrieden geben, weil sie bei der Verhaftung Widerstand leisteten.
Miller: Sam.
ORyan: Weil sie einen Bericht zu Protokoll gegeben haben, in dem steht, daß ich Al Tessilore festgenommen habe.
Miller: Steck die Waffe weg, Sam.
ORyan: Weil in den Morgenzeitungen ein paar Aufnahmen von mir erscheinen und es mir besser gefällt, wenn sie nicht mehr so lange leben, daß sie noch darüber dreckig lachen können.
Miller: Und wenn die Frau aussagt? Hä, was dann? Dann wirst du als ein Beamter entlarvt der Protokolle fälscht, der seinen eigenen Partner hintergangen hat. Dann werden sie im Amt nicht mal mehr deinen Namen nennen, Sam, den schlecht würde ihn werden.
Dalmas: Der Hahn an ORyans Revolver knackte und ich sah, wie sich sein knochiger Finger um den Abzug krümmte. Mein Nacken war naß wie eine Hundeschnauze. Inspektor Miller stand auf. Der Revolver zuckte auf ihn.
Miller: Ich sage dir, steck die Waffe weg.
Dalmas: Jerry Miller ging ruhig auf ORyan zu, die Waffe begann zu schwanken.
Miller: Steck sie weg, Sam, wenn du einen klaren Kopf behältst, geht alles in Ordnung, wenn nicht, ist es aus mit dir.
Dalmas: Miller ging noch einen Schritt näher, ORyan öffnete den Mund weit und ließ einen japsenden Laut hören, dann fiel er in den Sessel zurück, als sei er über den Kopf geschlagen worden, seine Augen klappten zu, Inspektor Miller riß ihm den Revolver aus der Hand.
Miller: Es ist der heiße Wind Sam, wir wollen das Ganze vergessen. Okay. Ich würde eine Frau, die mir das Leben gerettet hat, auch eine Menge tun.
Dalmas: Übrigens Inspektor, der Tote in Waldos Apartment hieß Leon Valessanos. Er war Croupier im Special Club.
Miller: Danke. Komm Sam gehen wir.
Dalmas: Die Barsalys wohnen Freeman Place 12, sie können ja Miss Barsaly die Perlen bringen, wenn Barsalys Name nicht in die Zeitungen kommt, erhalte ich 500$, aber mir geht es bei der Geschichte nicht um Geld, die 500 soll der Unterstützungsfonds kriegen.
Miller: Wie sie wollen, und bringen Sie Miss Barsaly die Perlen.
Dalmas: Okay.
Miller: Komm schon.
Lola: Hallo.
Dalmas: Hier John Dalmas, ist bei Ihnen alles klar, Lola?
Lola: Ja, ich bin allein.
Dalmas: Ich habe was gefunden oder richtiger, die Polizei hat was gefunden.
Lola: Was denn?
Dalmas: Die Perlen.
Lola: Ja.
Dalmas: Aber sie sind nicht echt, ihr Herr Chauffeur hat sie betrogen, die echten hat er verkauft.
Lola: Oh nein.
Dalmas: Nehme ich an, und den Verschluß den zweiflügligen Propeller an einer Kette mit falschen Perlen anbringen lassen.
Lola: Und wo hat die Polizei die Kette gefunden?
Dalmas: In Waldos Wagen, aber sie wird nichts darüber verlauten lassen, sie hat mit mir ein kleines Abkommen getroffen, lesen Sie die Morgenzeitungen, Lola, dann werden Sie es verstehen.
Lola: Kann ich die Schließe wieder bekommen?
Dalmas: Natürlich, sagen wir heute Nachmittag um 4 Uhr im Esquire Club in der Bar, einverstanden?
Lola: Es ist sehr freundlich von Ihnen, ich werde da sein, Frank ist noch auf einer Sitzung.
Dalmas: Diese Konferenzen haben es in sich, sie reiben einen auf.
Lola: Also um vier.
Mann: Ja. Was solls?
Dalmas: Mr. Barsaly, sie können mir morgen einen Scheck über 500$ schicken, stellen Sie ihn auf den Unterstützungsfonds aus, denn der bekommt die 500.
Mann: Okay, Mr. Dalmas.
Dalmas: Danke.
Dalmas: Nach dem Frühstück suchte ich ein Juwelier auf, ich zeigte ihm die Perlen.
Juwelier: Mhm. Ganz hübsch, aber natürlich Imitation, und was soll ich damit?
Dalmas: Ich möchte eine Kette wie diese hier mit dem Verschluß gearbeitet und zwar sehr schnell.
Juwelier: Bitte, können Sie haben, hier diese da z.B. nicht ganz die gleiche Kette, das Glas ist nicht so gut wie bei ihrer Kette, aber doch kaum zu unterscheiden.
Dalmas: Okay, aber mit dem Verschluß da, die anderen Perlen möchte ich gerne zurückhaben.
Juwelier: Aber bitte natürlich, um 2 Uhr ist die Kette fertig.
Dalmas: Danke.
Dalmas: Um 4 Uhr saß ich neben Miss Barsaly in der Bar des Esquire Clubs.
Lola: Schön Dalmas, daß Sie Wortgehalten haben.
Dalmas: Ich habe Ihnen noch die Bolerojacke und den Hut mitgebracht hier in dem Paket, am besten Sie werfen es so wie es ist in die Heizung.
Lola: Danke.
Dalmas: Haben Sie schon die Zeitungen gelesen?
Lola: Ja.
Dalmas: Verstehen Sie jetzt, wie das mit dem Inspektor ORyan war der ihnen ihren Auftritt gestohlen hat.
Lola: Natürlich.
Dalmas: Er muß den Mund halten.
Lola: Zeigen Sie mir die Perlen, bitte. Ja. Ja, sie haben recht, das sind nicht die Perlen von Stan.
Dalmas: Inspektor ORyan hat die Perlen in Waldos Wagen gefunden, ich sage ihn das nur für den Fall, daß Sie sich vergewissern wollen.
Lola: Reden Sie keinen Unsinn, Dalmas, es ist ohnehin alles vorbei, es war eine Erinnerung, Stan ist tot, schon lange tot, und ich ich bin noch zu jung, um von Erinnerungen zu leben.
Dalmas: Allerdings.
Lola: Heute morgen sagte mir mein Mann, wovon ich nichts geahnt habe, er will sich von mir trennen.
Dalmas: Oh, das tut mir leid. Tja. Tja, sonst ist nichts weiter zu sagen. Also vielleicht sehen wir uns gelegentlich, vielleicht auch nicht jedenfalls vielglück lola. Danke. Ich verließ die Bar ohne mich umzusehen, stieg in meinen Wagen und fuhr über den Sunset Boulevard nach Westen, bis zur Küste hinunter, überall in den Gärten waren die Blätter und Blüten vom heißen Wind verfärbt, verdorrt, verbrannt, der Ozean hatte sich wieder beruhigt, ich parkte und ging die Küste entlang, beobachtete eine weile die Wellen, zog die Schnur mit den falschen Perlen aus der Tasche und warf sie einzeln hinaus ins Meer und dachte dabei an Mr Stan Philips, den Flieger, der auch nur ein Schwindler war.
John Dalmas, Privatdetektiv: René Deltgen
Sam O'Ryan, Inspektor: Karl Renar
Jerry Miller, Inspektor: Georg Kostya
Frank Barsaly: Dietrich Thoms
Lola Barsaly, dessen Gattin: Elfie Petramer
Anja Kolchenko (Franks Geliebte): Anja Buczkowski
Lew Dexter (Barkeeper): Edwin Baumeister-Noel
Waldo Rattigan (Lolas Ex-Chauffeur): Manfred Spieß
Al Tessilore (Betrunkener): Werner Lieven
Juwelier: Alexander Malachovsky
Bearbeitung (Wort) und Regie: Edmund Steinberger
Kommentar von Hörspiele |
Edgar Wallace: Der Joker (SWF 1988)
(Ein Kriminalhörspiel nach Motiven von Edgar Wallace, Manuskript: Florian Pauer)
Higgins: Guten Morgen, Ann.
Ann Pattison: Ich darf Sie darauf hinweisen, daß es bereits viertel vor elf ist, haben Sie verschlafen, Inspektor?
Higgins: Und wenn es so wäre, ist Sir John schon da?
Ann Pattison: Allerdings.
Sir John: Ann Pattison, ist Higgins endlich da?
Ann Pattison: Ja, Sir John, er ist soeben gekommen.
Sir John: Dann schicken Sie ihn sofort rein.
Ann Pattison: Ja, Sir John. Sehen Sie, er wartet bereits seit zwei Stunden auf Sie. Und wenn ich Ihnen einen guten Rat geben darf, dann seien Sie heute freundlich zu ihm. Er ist nämlich gestern zum dritten Mal bei der Fahrprüfung durchgefallen und hat eine fürchterliche Laune.
Higgins: Ja, wie gewöhnlich. Also dann werde ich mich mal in die Höhle des Löwen wagen. Guten Morgen, Sir.
Sir John: Ah, da sind Sie ja endlich Higgins, guten Morgen, ja, jetzt beantworten Sie mir einmal eine Frage. Bin ich Verkehrspolizist oder Chef von Scotland Yard?
Higgins: Selbstverständlich der Chef von Scotland Yard, Sir.
Sir John: Schön, schön, dann erklären Sie mir einmal, wieso ein einfacher Verkehrsunfall auf meinem Schreibtisch landet.
Higgins: Ein Verkehrsunfall auf Ihrem Schreibtisch?
Sir John: Ja, ein Verkehrsunfall, sag ich doch. Ein Mann wurde vorgestern Nacht von einem wahrscheinlich betrunkenen Autofahrer angefahren und getötet, der anschließend Fahrerflucht beging, das übliche halt. Heutzutage fährt ja alles schon Auto, jeder Idiot bekommt ja einen Führerschein, und wenns kracht, belästigt man jetzt schon mich damit, als ob wir hier nicht genügend andere Probleme hätten.
Higgins: Ja, sehr bedauerlich, wirklich. Übrigens, haben Sie gestern Ihre Fahrprüfung bestanden, Sir John, darf man gratulieren?
Sir John: Äh nein, nein, nein, es gab da ein Mißverständnis, der Prüfer war so ein sturer Hund, äh, Sie kennen ja diese Sorte, aber im Moment beschäftigt mich diese andere Sache.
Higgins: Sir John, diese Angelegenheit ist keine Lappalie. Ich habe gestern abend diesen sogenannten Verkehrsunfall und seine Begleitumstände etwas genauer unter die Lupe genommen, ich habe den Eindruck, daß sich bereits einige Reporter unsere Köpfe zerbrechen.
Sir John: Was soll das heißen?
Higgins: Haben Sie schon die heutige Ausgabe des Daily Mirror gelesen?
Sir John: Nein, nein, nein.
Higgins: Ich darf zitieren: Wieder tödlicher Unfall mit Fahrerflucht, Experten glauben nicht mehr an Zufall.
Sir John: Und?
Higgins: Sir, ich habe mit den Kollegen vom Unfallkommando gesprochen, die Sache von vorgestern Nacht ist bereits der vierte Autounfall mit tödlichem Ausgang und anschließender Fahrerflucht innerhalb weniger Wochen, und das immer in der Nacht. Von Augenzeugen, so es welche gibt, wird zumeist eine dunkle Limousine erwähnt, und diesmal haben wir die Aussage einer Frau, die mir doch sehr zu denken gibt. Nach ihren Angaben hat die dunkle Limousine in einer Seitenstraße vom Kensington Park gewartet und war dann mit voller Absicht auf den Mann zugerast.
Sir John: Sind Sie sicher? Das wäre ein glatter Mordanschlag.
Higgins: Die Frau konnte nicht schlafen und stand am Fenster, dadurch bekam sie alles genau mit, wir haben ihre schriftliche Aussage.
Sir John: Ja, ist ja ungeheuerlich.
Higgins: Ja, es ist ungeheuerlich, aber es ist noch nicht alles. Der Mann von vorgestern Nacht hieß Jugent Pelford, ein alter Kunde von uns, wir haben ihn in unserer Kartei, er hat einige Jahre in Dartmoor abgesessen.
Sir John: Ja, ja, und?
Higgins: Das hat mich stutzig gemacht. Ich habe mir die Dossiers der anderen ungeklärten Autounfälle angesehen, wissen Sie, wer die Opfer waren? Mike Brett, Piet Fletcher, Derrick Hardley, allesamt schwere Jungs, hier ein Raubüberfall, da ein Todschlag, und so weiter und so weiter, man könnte meinen, hier hat jemand die halbe Londoner Unterwelt ins Visier genommen.
Sir John: Moment, Higgins, ich gebe ja zu, daß das alles sehr auffällig ist, aber ich würde keine voreiligen Schlüsse ziehen. Bei den vielen hundert Verkehrstoten, die wir Jahr aus Jahr ein haben, kann es auch nichts weiter als ein böser Zufall sein, vielleicht hat die Zeugin auch eine etwas lebhafte Fantasie.
Higgins: Möglich, Sir, aber nachdem, was ich bis jetzt in Erfahrung bringen konnte, kann ich nicht mehr an Zufall glauben, Sir John, aber das beste kommt noch. Bei Pelford, also dem Toten von vorgestern Nacht, fand man das.
Sir John: Was ist das?
Higgins: Eine Spielkarte, ein Jolly Joker, mit einem handschriftlichen Vermerk, Montag 22 Uhr, man fand sie in Pelfords Brieftasche. Fällt Ihnen etwas auf, Sir John?
Sir John: Sprechen Sie nicht in Rätseln, was meinen Sie damit?
Higgins: Vorgestern war Montag, und gegen 22 Uhr 30 wurde Pelford.
Sir John: Überfahren.
Higgins: Ich würde sagen, ermordet, Sir John, und das ist meine feste Überzeugung.
Sir John: Das ist bis jetzt nur eine Hypothese, und zwar Ihre Hypothese, Higgins, aber gut, bleiben Sie an dem Fall dran, Sie haben meine volle Unterstützung. Übrigens habe ich diesmal einen Assistenten für Sie.
Higgins: Wie bitte? Einen Assistenten für mich?
Sir John: Ja, Superintendant Lane, Sir Eric hat ihn uns geschickt, eine Leihgabe aus Nottingham sozusagen, gehen Sie nur ins Nebenzimmer, er wartet schon auf Sie.
Higgins: Einen Assistenten.
Lane: Hallo.
Higgins: Hallo. Sie sind Superintendant Lane.
Lane: Für Sie Barbara. Sind Sie sehr enttäuscht, Chiefinspektor?
Higgins: Nein, nein nein, keineswegs, so angenehme Überraschungen sind bei uns im Haus wahrlich nicht alltäglich, also kann ich nur sagen, willkommen in London.
Lane: Danke.
Higgins: Sagen Sie, wieso wurden Sie uns zugeteilt, Sir Eric konnte doch von unserem Problem noch nichts wissen.
Lane: Nein, das konnte er auch nicht, aber ich weiß eigentlich auch nicht, worum es geht. Nachdem ich diesen Ken Russel hinter Schloß und Riegel gebracht hatte, wurde es in Nottingham ein wenig langweilig, und Sir Eric meinte, ein Klimawechsel könnte mir sehr gut tun.
Higgins: Ken Russel, den haben Sie aus dem Verkehr gezogen, den Mann, der mit Computermanipulationen 8 Millionen Pfund ergaunert hat?
Lane: Genau den.
Higgins: Mein Kompliment.
Sir John: Na, haben Sie sich schon angefreundet?
Higgins: Danke Sir.
Ann Pattison: Sir John.
Sir John: Ja?
Ann Pattison: Entschuldigen Sie die Störung, Sir John, aber da draußen ist jemand, der Inspektor Higgins sprechen möchte.
Sir John: Wer denn?
Ann Pattison: Ein gewisser Mr. Reynolds.
Higgins: Etwa Billy Reynolds?
Ann Pattison: Ja.
Higgins: Rein mit ihm.
Ann Pattison: Ja. Sie sollen reinkommen.
Reynolds: Inspektor?
Higgins: Sieh mal einer an, daß Sie mir in meinem Leben noch einmal ohne Handschellen gegenüberstehen würden, hätte ich auch nicht gedacht, Reynolds.
Reynolds: Sehr witzig, Inspektor. Ich möchte das hier abliefern.
Higgins: Interessant. Sir, sehen Sie sich das einmal an.
Sir John: Was ist denn das, Higgins? Ist das die Beute aus dem Serapju-Coup?
Lane: Serapju-Coup?
Higgins: Ja. Sie sollten wissen, Kollegin, vor etwa zwei Monaten gab ein jordanischer Ölscheich eine Galaparty auf seinem Landsitz hier in der Nähe von London. Nachdem die Gäste gegangen waren, war er um Juwelen im Werte von 300.000 Pfund erleichtert. Dieser Gentleman, der jetzt so reumütig vor uns steht, war daran offenbar nicht ganz unbeteiligt. Saubere Arbeit, Reynolds, aber soweit ich das auf den ersten Blick sehe, ist das nur die Hälfte der Juwelen.
Reynolds: Mir wäre auch wohler in meiner Haut, Inspektor, wenn ich alles zurückgeben könnte.
Higgins: Mein lieber Reynolds, Sie werden mir doch zustimmen, wenn ich sage, daß Sie uns eine Erklärung schuldig sind, oder?
Reynolds: Ja. Sehen Sie sich das an, Inspektor.
Higgins: Das wäre also die Nummer zwei. Glauben Sie immer noch an Zufall, Sir John?
Lane: Ja was ist denn das? Eine Spielkarte, eine Jolly-Joker-Karte. Was steht da? Donnerstag 18 Uhr, bleiben Sie am Telefon, J.
Sir John: Ja und was soll dieses J. bedeuten?
Higgins: Reynolds, haben Sie das Diamanten-Ding etwa mit Pelford gedreht?
Reynolds: Ja, aber Pelford ist tot, und deshalb bin ich hier. Sie sind verpflichtet, mich zu schützen, Inspektor, mein Leben ist bedroht.
Ann Pattison: Sir John, es ist Zeit für Ihre Tabletten.
Sir John: Aber jetzt doch nicht, alles der Reihe nach.
Ann Pattison: Aber Sir John.
Sir John: Reynolds, was soll dieses J. bedeuten?
Reynolds: Das J steht für Joker. Noch nie von ihm gehört? Er terrorisiert seit Monaten die gesamte Londoner Unterwelt. Seine Methode ist einfach und sicher zugleich. Wenn irgendwo ein Ding gedreht wird, ist er der erste, der davon Wind bekommt, und mit Morddrohungen erpreßt er die Herausgabe von 90 Prozent der Beute. Keiner, der darauf nicht eingegangen ist, hat überlebt.
Higgins: Gehörten Mike Brett und Piet Fletcher auch dazu?
Reynolds: Fletcher? Hats den etwa auch erwischt? Von Brett wußte ichs, aber von Flechter...
Higgins: Fletcher wurde vor ungefähr 14 Tagen von einem Auto angefahren und tödlich verletzt.
Reynolds: Der also auch. Pelford und ich hatten noch vor nicht allzulanger Zeit im Montmartre mit ihm gesprochen. Allerdings verstehe ich das nicht ganz, Fletcher war doch bereit, auf die Forderung des Jokers einzugehen.
Sir John: Sie sagen, der Joker ist der erste, der von einem Coup erfährt, Mr. Reynolds, woher weiß er es?
Reynolds: Tja, er weiß es eben.
Lane: Tja, und seit dem Serapju-Coup hat er nun Sie im Visier.
Reynolds: Sie sagen es. Pelford war dagegen, den Erpressungen des Jokers nachzugeben, wir teilten die Beute und trennten uns, aber weit ist er ja nicht gekommen, und ich bin wahrscheinlich der nächste!
Higgins: Hören Sie zu, Reynolds, wir werden Ihnen helfen, in Ihrem Interesse, aber bevor wir das tun, eine Frage, da Sie ja mit der Londoner Unterwelt so intim befreundet sind, gibt es einen Anhaltspunkt, irgend ein Indiz, wer der Joker sein könnte?
Reynolds: Nein, das einzige, was wir wissen ist, daß er diese dunkle Limousine fährt, nen schwarzen Jaguar.
Lane: Wann will er mit Ihnen wieder Kontakt aufnehmen?
Reynolds: Donnerstag, also morgen um 18 Uhr, steht ja auf der Karte.
Higgins: Wo wohnen Sie?
Reynolds: Wir hatten ein Zimmer im Eastend gemietet.
Higgins: Schön, dann fahren Sie dorthin, Sie bekommen zwei Mann Begleitung, einen in die Wohnung, einer bleibt unauffällig vor Ihrem Haus. Wenn sich der Joker meldet, gehen Sie auf seine Forderung ein, den Rest erledigen wir.
Reynolds: Was haben Sie vor?
Higgins: Wahrscheinlich sollen Sie die Juwelen irgendwo deponieren, entweder an einem entlegenen Ort oder mitten in der Stadt, wo der Joker im Verkehrsgewühl rasch wieder untertauchen kann. Sie hinterlegen jedenfalls das Zeug, wo immer er will, und verschwinden dann so rasch wie möglich, wenn er es abholt, schnappen wir ihn uns.
Lane: Glauben Sie wirklich, daß er persönlich kommen wird?
Higgins: Auch wenn er nur einen Mittelsmann schickt, bringt uns das weiter. Nach unserer bisherigen Kenntnis seiner Arbeitsmethode dürfte er wohl kaum viele Mitarbeiter haben. Je weniger seine Identität kennen, desto sicherer kann er sich fühlen. Ihr Telefon, Reynolds, werden wir selbstverständlich auch abhören.
Reynolds: Und Sie können meinen absoluten Schutz garantieren?
Sir John: Ja ein bißchen was müssen Sie schon riskieren, Reynolds, wenn Sie aus der Sache mit einem blauen Auge rauskommen wollen. Bisher waren Sie ja auch nicht zimperlich.
Reynolds: Nein, aber der Joker...
Higgins: Der Joker, der Joker, der Joker. Der Joker ist auch nur ein gewöhnlicher Krimineller und kein Phantom. Und je schneller wir diesem Spuk ein Ende bereiten, um so besser für alle Beteiligten, ja ja, sonst macht Sir John seinen Führerschein nie.
Sir John: Nanananananana, untergraben Sie da nicht meine Autorität vor diesem Gaunerpack, Higgins, mein Führerschein geht nur mich etwas an.
Sir John: Reynolds ist tot? Higgins, wie konnte das passieren? Es war doch alles bis ins kleinste Detail vorbereitet!
Higgins: Richtig, Sir, Reynolds sollte die Juwelen in der Telefonzelle am Haymarket hinterlegen und sofort verschwinden.
Lane: Und daß dieser Reynolds 10 Meter vor der Telefonzelle niedergeschossen wird.
Higgins: Daß hat doch niemand erwarten können, Sir, daß der Joker die Beute sausen läßt und Reynolds liquidiert.
Sir John: Dieser Joker… was ist?
Ann Pattison: Es ist Zeit für Ihre Tabletten.
Sir John: Dieser Joker scheint allgegenwärtig zu sein.
Ann Pattison: Sir John.
Lane: Oder er hat einige brillant getarnte Spitzel.
Sir John: Sie sagen es, Miss Lane. Higgins, wir haben jetzt 5 Tote, und keinen einzigen brauchbaren Anhaltspunkt. Ich muß dem Minister Rede und Antwort stehen und Sie scheinen Jolly-Joker-Karten zu sammeln.
Higgins: Wir müssen dort weiterarbeiten, wo Reynolds aufgehört hat.
Sir John: Reynolds ist tot.
Higgins: Richtig Sir, Reynolds ist tot, auch Pelford und Fletcher. Sir John, können Sie sich erinnern, was Reynolds über Fletcher sagte, er und Pelford hätten zuletzt miteinander im Montmartre gesprochen, das scheint ein Pup zu sein oder irgendein Restaurant.
Sir John: Jaja, das ist so ein Nobelnachtklub irgendwo in Finsbury, wird ja nicht allzu schwierig sein, das herauszufinden.
Higgins: Ganz recht, Sir, also kommen Sie, Barbara, wir machen uns einen netten Abend. Sir John.
Lane: Sir.
Kellner: Was darfs sein?
Lane: Ein Wodka Martini mit viel Eis, bitte.
Higgins: Für mich einen doppelten Scotch.
Kellner: Jawohl Sir.
Higgins: Rauchen Sie?
Lane: Danke nein.
Higgins: Aber ich doch.
Lane: Ganz schön was los hier.
Higgins: Ja, aber lassen Sie sich von der Schickeria nicht täuschen, soweit ich es auf den ersten Blick gesehen habe, sitzen hier mindestens 300 Jahre Dartmoor auf einem Haufen.
Lane: Oh wie beruhigend.
Kellner: Ihre Getränke.
Higgins: Danke.
Lane: Und Sie meinen, daß hier ist die richtige Adresse, um an den Joker heranzukommen.
Higgins: Ich hoffe es. Immerhin verkehrten hier Reynolds, Pelford und Fletcher. Außerdem.
Lane: Ist was?
Higgins: In der rechten hinteren Ecke sitzen fünf Männer an einem Tisch, sehen Sie hin, aber unauffällig. Der Graumelierte mit dem Bürstenhaarschnitt, der sein Gesicht halb abgewandt hat, kennen Sie ihn?
Lane: Hm. Irgendwie kommt er mir bekannt vor.
Higgins: Ja, das ist Tom Silkwood. Hm, im Yard hat er den Spitznamen der Amerikaner.
Lane: Aha, und was wissen Sie noch über ihn?
Higgins: Ja, er wurde in den 50er Jahren aus England ausgewiesen, hat einige tolle Dinger gedreht, nur beweisen konnte man ihm nie etwas. Er ging dann nach Amerika, wo er mit der gleichen Methode arbeitete, gut ein halbes Dutzend Mal wurde Anklage gegen ihn erhoben, er wurde aber mangels Beweisen immer wieder freigesprochen. Man sagt ihm drüben übrigens gute Kontakte zur Mafia nach.
Lane: Und warum gibt es uns jetzt wieder die Ehre?
Higgins: Hm, wahrscheinlich ist er mit falschem Paß eingereist, aber wir werden das überprüfen. Wo Silkwood auftaucht, steckt meistens mehr dahinter als ein paar Tage Urlaub, er plant seine Coups generalstabsmäßig.
Lane: Schade, daß man nicht hören kann, was die da miteinander reden.
Higgins: Tja. Und wie gefällt Ihnen das Lokal sonst?
Lane: Hm, sonst, also der Martini Wodka ist passabel, die Einrichtung muß sündhaft teuer gewesen sein, also, so ganz recht mit ihren 300 Jahren Dartmoor haben Sie nicht, da kommt Sir Donald, Abgeordneter im Unterhaus.
Higgins: Bleiben wir bei der Einrichtung. Fällt Ihnen nichts auf?
Lane: Hm, die blaue Marmorkatze da an der Wand scheint mir ein wenig zu extravagant, die auffälligen Blumengestecke auf jedem Tisch.
Higgins: Eben. Man kann sie offenbar nicht verrücken.
Lane: Tatsächlich.
Higgins: Ich muß immer wieder an Reynolds denken, er hat eine Gaunerkarriere hinter sich, die sich wirklich sehen lassen konnte, und seine Komplizen waren auch mit allen Wassern gewaschen, aber auf die Frage, woher der Joker seine Informationen beziehen könnte, sagte er bloß, ja, er weiß es eben. Nein nein, dahinter muß ein ebenso einfacher wie raffinierter Trick stecken.
Lane: Ich beginne zu ahnen, was Sie meinen, Chiefinspektor.
Higgins: Tja, heute können wir hier sowieso nichts mehr tun, die beiden Streifen müssen ohnehin bald da sein, und Sie Barbara, sehen Sie bitte zu, daß Sie morgen etwas über diesen Laden hier in Erfahrung bringen können, wem er gehört, wie der Barmixer heißt, usw. usw.
Lane: Geht in Ordnung. Danke für den Drink, Chief.
Higgins: Oh, keine Ursache.
Ann Pattison: Verzeihen Sie die Störung, Sir John, hier ist jemand, der Chiefinspektor Higgins sprechen möchte.
Sir John: Wer ist das denn?
Ann Pattison: Ein gewisser Mr. Harras.
Higgins: Kenn ich nicht.
Sir John: Ja, soll hereinkommen.
Ann Pattison: Ja. Bitte, Mr. Harras.
Higgins: Mein Name ist Higgins, Sie wollten mich sprechen.
Harras: Ja, mein Name ist Harras, Josua Harras, ich bin Portier und Sekretär im Home of Peace, einem sehr angesehenen Pflegeheim für alte Leute in West Kensington.
Sir John: Ja, nehmen Sie doch bitte Platz, Mr. Harras.
Harras: Dankeschön.
Sir John: Was führt Sie zu uns?
Harras: Ja sehen Sie, in den letzten Tagen tauchten in den Zeitungen immer wieder Meldungen von äußerst mysteriösen Autounfällen auf, es wird das Gerücht kolportiert, daß es sich dabei nicht um gewöhnliche Unglücksfälle, sondern um Mordanschläge handelte.
Higgins: Erzählen Sie weiter, Mr. Harras.
Harras: Die Fotos der Opfer wurden in den Zeitungen abgebildet, und ich kenne zwei von ihnen. Äh, bei dem einen war ich mir erst nicht so sicher, sehen Sie, ich habe die betreffenden Artikel mitgenommen, von dem einen Mr. Pelford glaube ich, daß er einmal kurz bei uns zu Besuch gewesen ist, vom zweiten Mr. Fletcher, weiß ich es jedoch ganz bestimmt.
Higgins: Wann was das?
Harras: Das war vor ungefähr drei Wochen. Mr. Fletcher kam eines Vormittags zu uns und verlangte an der Rezeption ziemlich schroff Lady Smith zu sprechen. Sie müssen wissen, Lady Smith ist die Leiterin des Sanatoriums. Ich bat ihn also weiter ins Büro, nachdem ich Lady Smith von seinem Kommen informiert hatte, und sie ließ ihn kommentarlos eintreten. Ich konnte dann feststellen, daß hinter der verschlossenen Tür eine ziemlich heftige Debatte stattfand. Nach etwa 10 Minuten verließ Mr. Fletcher mit rotem Kopf das Büro und fuhr grußlos in seinem Wagen fort.
Higgins: Haben Sie mitbekommen, worum sich das Gespräch drehte?
Harras: Aber Mr. Higgins, ich pflege nicht an Türen zu lauschen.
Higgins: Ja, ja ja, ich bin davon überzeugt, Mr. Harras, aber da Sie selbst sagten, daß das Gespräch ziemlich heftig verlief, könnte es doch sein, daß Sie, ohne natürlich zu beabsichtigten, ein paar Worte aufgeschnappt haben.
Harras: Ja, ich glaube etwas von Unterbieten gehört zu haben und äh Schweinerei.
Sir John: Ja, das ist ja alles nicht sehr informativ.
Higgins: Namen fielen keine?
Harras: Ich habe keinen gehört, Inspektor.
Higgins: Sehr viel ist das nicht, was Sie uns zu berichten haben, Mr. Harras, aber wir werden der Sache auf den Grund gehen.
Sir John: Higgins, wenn Sie in jeder Bude nachsehen, wo die Kerle einmal vorbeigeschaut haben, kommen Sie nie ans Ziel.
Harras: Bude? Ich bitte Sie, Sir, ich habe nur getan, was ich für meine Pflicht hielt, nämlich Sie davon in Kenntnis zu setzen.
Higgins: Is ja gut, ist alles gut, wir sind Ihnen auch sehr dankbar. Guten Tag.
Sir John: Moment, Moment mal Mr. Harras, wo sagten Sie, liegt dieses Sanatorium?
Harras: In West Kensington, nahe der North End Road.
Sir John: Das ist eine noble Gegend.
Harras: Allerdings.
Sir John: Warum glauben Sie, kamen Pelford und Fletcher ins Sanatorium, hatten sie Verwandte im Heim oder wollten sie direkt zu Lady Smith?
Harras: Also, Pelford hab ich nur das eine Mal gesehen, was Mr. Fletcher betrifft, so kann ich das nicht beurteilen, äh, Sie müssen wissen, daß ich erst seit 5 Monaten im Home of Peace arbeite.
Sir John: Also, Mr. Harras, es war sehr freundlich von Ihnen, daß Sie zu uns gekommen sind, aber genaugenommen sind Ihre Angaben zu dürftig, Sie müßten uns schon eindeutigere Hinweise geben, daß die Besuche von Mr. Pelford und Mr. Fletcher in Zusammenhang mit deren ungewöhnlichem Ableben stehen, ich schlage vor, Sie verschaffen sich einen genaueren Einblick in die Akte, und wenn Sie etwas finden, wovon Sie glauben, daß es von Bedeutung ist, dann kommen Sie wieder zu uns.
Harras: Ich werde mein Bestes tun, Sir.
Sir John: Merkwürdig, das ganze, Higgins.
Higgins: Ja, wenn ich ehrlich bin, zu denken gibt mir die Sache schon. Hm, da jagen wir diesem verdammten Geisterwagen nach, dessen Fahrer wir nicht kennen, wir haben ein halbes Dutzend Tote, die wahrscheinlich alle auf sein Konto gehen, und dann kommt so eine lächerliche Figur wie Harras zum Yard und behauptet aus heiterem Himmel, er kenne Pelford und Fletcher.
Sir John: Jaja, Sie machen das schon, Higgins.
Higgins: Genau Sir John und ebendarüber muß ich mit Ihnen ein ernstes Wort reden.
Sir John: Aber Higgins, ich bin um halb sechs im Klub verabredet.
Higgins: Ich bitte Sie um 5 Minuten, Sir. Als Sie mir den Fall übertrugen, sagten Sie mir volle Unterstützung zu.
Sir John: Ja die haben Sie ja. Sonst noch was?
Higgins: Wie ich Ihnen schon berichtete, Sir, war ich gestern im Montmartre.
Sir John: Ja, und seitdem werden der Amerikaner, dieser...
Higgins: Silkwood.
Sir John: Silkwood, ganz recht, und seine Leute rund um die Uhr beobachtet, und das Lokal auch.
Higgins: Das genügt mir nicht, ich will einen Durchsuchungsbefehl.
Sir John: Was denn, Sie wollen mit meinen Beamten das Montmartre auf den Kopf stellen?
Higgins: Sir John, Pelford, Reynolds, Fletcher, sie alle verkehrten dort, und sie alle kamen auf die Abschußliste des Jokers.
Sir John: Jaja ich weiß, aber ihnen ist vielleicht entgangen, daß dort auch ehrenwerte Mitglieder unserer Londoner Gesellschaft ihre Abendstunden zu verbringen pflegen, Politiker, Richter, Anwälte. Mein guter Freund Sir Donald zum Beispiel.
Higgins: Ja, er war gestern abend auch dort, mir kommen die Tränen. Wenn wir wirklich etwas gegen den Joker unternehmen...
Sir John: Ich will kein Wort mehr hören, Higgins, tun Sie, was Sie nicht lassen können, aber ich werde es nicht zulassen, daß Sie dort Ihre Privatfete starten, bevor Sie mir handfeste Beweise auf den Tisch legen. Vorher sind das alles nur Vermutungen.
Higgins: Verstehe, Sir John, wenn ich erst mal auf meine Weise ein paar fette Indizien beschafft habe, dann stehen Sie ja ganz loyal zu Ihren Chiefinspektoren.
Sir John: Wie meinen Sie?
Higgins: Nein, nichts, ich wünsche einen schönen Abend.
Sir John: Ja wohin wollen Sie?
Higgins: Ich habe heute noch ein wichtiges Arbeitsessen vor mir, mit Superintendant Lane, man muß sich ja schließlich einmal kennen lernen, die Rechnung bekommen Sie morgen.
Lane: Hm, sagen Sie, Chiefinspektor, führen Sie Ihre Assistenten immer so vornehm aus?
Higgins: Bin ich Krösus? Hm, ich erinnere mich, wir hatten einmal einen Sergeant, Harvy hieß er, er bekam vom damaligen Chef Sir Artur immer die unangenehmsten Aufgaben übertragen, manchmal fuhren wir auch zusammen Streife, da waren Hamburger und Cola schon das allerhöchste der Gefühle.
Lane: Oh, das ist äußerst interessant. Heißt das, Sie wollen mich bei diesem schwierigen Fall nur bei Laune halten, hm mit diesem köstlichen Filet beispielsweise, bevor wir uns ernsthaft auf die Fährte des Jokers heften?
Higgins: Abgesehen von der Tatsache, daß ich noch nie einen so hübschen Assistenten hatte.
Lane: Noch nie?
Higgins: Fürchte ich, daß uns in der Tat noch schwere Tage bevorstehen, Wochen, Monate, was weiß ich.
Lane: Chiefinspektor...
Higgins: Higgins für Sie.
Lane: Oh, einen Vornamen haben Sie wohl nicht.
Higgins: Doch doch doch, nur verschweige ich ihn meistens. Meine Intimfeinde nennen mich Chiefinspektor Higgi.
Lane: Und Ihre Intimfreunde?
Higgins: Higgi.
Lane: Also gut, Higgi, erzählen Sie einmal, wie lange dauerte Ihr längster Fall, den Sie für den Yard gelöst haben, Sie haben einen legendären Ruf im Haus.
Higgins: Barbara, Sie wissen ja wohl selbst am besten, wie das so ist, oft dauern die Recherchen, die informelle Arbeit Monate, und die Aktion, wenn man einen hochgehen läßt, wenige Minuten.
Lane: Higgi, was denken Sie wirklich über den Joker?
Higgins: Reynolds war sein fünftes Opfer. Wie viele bisher aber tatsächlich auf sein Konto gehen, können wir nur schätzen. Ich könnte mir gut vorstellen, daß noch einige andere Unfälle vom Joker inszeniert wurden.
Lane: Von denen Sie gar nichts wissen.
Higgins: Noch nichts.
Lane: Und wie gehts also weiter?
Higgins: Eine Hoffnung ist dieser Harras.
Lane: Der Portier aus dem Pflegeheim.
Higgins: Ja, Portier und Sekretär im Home of Peace. Vielleicht findet er etwas heraus, womit wir etwas anfangen können, aber ich kann mich natürlich nicht darauf verlassen.
Lane: Bleibt also nur das Montmartre.
Higgins: Genau. Die Nase des Barkeepers gefällt mir ganz und gar nicht. Haben Sie etwas über ihn herausbekommen?
Lane: O ja, er heißt John Carpenter, 46 Jahre alt, geboren in London, es steht nichts besonderes über ihn in den Akten, keine Vorstrafen, allem Anschein nach ein unbeschriebenes Blatt. Er ist übrigens der Besitzer des Lokals.
Higgins: Besitzer und wäscht selbst die Gläser? Merkwürdig.
Lane: Vielleicht will er Personal sparen.
Higgins: Mag ja sein. Barbara, der Abend mit Ihnen war wunderschön, aber so leid es mir tut, muß ich ihn beenden.
Lane: Haben Sie noch etwas besseres vor?
Higgins: Naja nu, ich habe für das Montmartre keinen Durchsuchungsbefehl bekommen, also muß ich mich dort nochmals umsehen, auf meine Art.
Lane: Schau an schau an, wenn das Sir John erfährt.
Higgins: Darauf kann ich im Moment keine Rücksicht nehmen, wir können dem Joker nicht länger tatenlos zusehen. Kann ich Sie irgendwo absetzen?
Lane: Nein danke, ich geh zu Fuß, ein bißchen frische Luft wird mir jetzt sehr gut tun.
Higgins: Schon wieder so spät, o Mann o Mann... Wo sind denn diese Latschen wieder? – Dann wollen wir mal... Das darf doch nicht wahr sein. Was… was zum Teufel machen Sie denn in meinem Bett?
Lane: Sie sollten eigentlich wissen, daß ich von Natur aus sehr neugierig bin, bis morgen hätte ich das doch bestimmt nicht durchgehalten, die Neuigkeiten aus dem Montmartre zu erfahren. Und außerdem dachte ich mir, man könnte den angebrochenen Abend ein wenig äh… verlängern.
Higgins: Aja, das dachten Sie, meine Haustür war da überhaupt kein Hindernis.
Lane: Aber Higgi, ich bin ein Profi.
Higgins: Jaja.
Lane: Möchten Sie einen Drink?
Higgins: Ich hatte zwar schon einen, aber bekanntlich soll man auf zwei Füßen stehen. Schön, daß Sie sich mit meiner Hausbar so schnell angefreundet haben.
Lane: Auf den Joker.
Higgins: Nein, nein, eher auf den Tag, an dem wir ihn geschnappt haben werden. Cheers.
Lane: Cheers.
Higgins: Es gibt Neuigkeiten.
Lane: Hm, da bin ich aber gespannt.
Higgins: Carpenter hört die Gespräche seiner Gäste ab.
Lane: In den Blumengestecken sind Mikrophone eingebaut.
Higgins: Wunderbar, wie schnell Sie schalten. Jetzt ist mir auch klar, wie so jemand über so manches krumme Ding als erster Bescheid weiß.
Lane: Und mit diesem Jemand meinen Sie den Joker.
Higgins: Ohne jeden Zweifel. Das Montmartre ist jetzt für uns die heißeste Adresse.
Lane: Aha, und was ist unser nächster Schritt?
Higgins: Ich muß das morgen mit Sir John besprechen, auf keinen Fall möchte ich etwas überstürzen, überlegen Sie mal, angenommen, Carpenter arbeitet nur für den Joker, wenn wir da den Klub hochgehen lassen, ist der Joker auf Nimmerwiedersehen verschwunden.
Lane: Hm, und wenn Carpenter selbst der Joker ist?
Higgins: Ja, das wäre natürlich die einfachste Lösung. Hm, wissen Sie, daß das gar nicht so eine schlechte Idee war, die Sie da hatten?
Lane: Welche?
Higgins: Den Abend zu verlängern.
Lane: Hm.
Higgins: Rutschen Sie mal ein bißchen.
Lane: Möchtest du noch eine Tasse Tee, Darling?
Higgins: Nein danke. Barbara, hör zu, ich hab mir das anders überlegt, bevor ich Sir John meinen Besuch im Montmartre beichte, fahre ich hinaus ins Home of Peace.
Lane: In dieses Pflegeheim. Du willst nicht warten, bis dieser Portier, dieser Harras sich meldet.
Higgins: Nein nein, die Zeit drängt, sei so lieb und fahr schon voraus in den Yard und sag Sir John Bescheid. Ich komme gegen 12 Uhr nach.
Lane: Wie Sie befehlen, Chiefinspektor. Dank dir für die Nacht.
Higgins: Ich danke dir, Profi.
Lane: Also machs gut, bis später... Ah!
Higgins: Barbara, Barbara, was ist los?
Lane: Eine Jolly-Joker-Karte, sogar bis hierher ist er also schon gekommen.
Higgins: Aufgespießt mit diesem Jagdmesser.
Lane: Steht da irgend etwas drauf?
Higgins: Nein, das ist aber auch gar nicht nötig. Die Warnung ist eindeutig.
Lane: Ja aber wen von uns beiden hat er gemeint?
Higgins: Wahrscheinlich mich, mein Besuch im Montmartre hat sich schneller herumgesprochen als uns lieb ist.
Lane: Sag mal meinst du, daß Carpenter...
Higgins: Wir werden das gleich haben. Hallo Hooper, hören Sie mich, wo sind Sie?
Hooper: Inspektor Higgins, ich bin nach wie vor vor der Wohnung von Carpenter.
Higgins: Hat er heute Nacht das Haus noch einmal verlassen?
Hooper: Nein, Inspektor, er war die ganze Nacht über in seiner Wohnung. Sein Wagen steht ebenfalls vor der Haustür.
Higgins: OK Hooper danke. Ende. Verdammt, Carpenter kann es nicht gewesen sein.
Lane: Ja was wirst du jetzt tun?
Higgins: Wir lassen es wie besprochen, ich fahre ins Home of Peace, und du nimmst dir ein Taxi zum Yard, sie sollen im Labor das Messer und die Karte auf Fingerabdrücke untersuchen, wenn ich auch glaube, daß Sie auch kaum etwas finden werden. Komm, wir gehen.
Lane: OK.
Lady Smith: Was kann ich für Sie tun?
Higgins: Sie sind Lady Smith, die Leiterin dieses Sanatoriums, ist das richtig?
Lady Smith: Leiterin und Eigentümerin, ganz recht.
Higgins: Also Milady, ich bin mit der Aufklärung eines sehr ernsten und eines sehr mysteriösen Falles beauftragt, Scotland Yard untersucht zur Zeit einige rätselhafte Autounfälle, die in den letzten Wochen passiert sind. Wir sind dabei zu der Überzeugung gelangt, daß es sich nicht um Unglücksfälle, sondern durchweg um Mordanschläge handelte.
Lady Smith: Ah, Sie meinen jene Fälle, von denen auch schon die Zeitungen berichtet haben.
Higgins: So ist es.
Lady Smith: Und darf ich fragen, wieso Sie damit zu mir kommen?
Higgins: Sie dürfen. Bitte sehen Sie sich diese beiden Fotos einmal an.
Lady Smith: Ja.
Higgins: Sagen Ihnen diese beiden Fotos etwas, Milady?
Lady Smith: Nein, Inspektor.
Higgins: Die Fotos zeigen zwei Unfallopfer. Beide waren angeblich kurz bevor sie umkamen hier in diesem Sanatorium.
Lady Smith: Hier? Das kann ich nicht glauben. Ach, warten Sie bitte, dürfte ich die Fotos noch einmal sehen?
Higgins: Natürlich.
Lady Smith: Doch, den einen kenn ich, den mit der Narbe, das ist Mr. Fletcher. Wissen Sie, die Aufnahme ist nicht besondern gut.
Higgins: Bedauerlicherweise, Milady, entschuldigen Sie.
Lady Smith: Bitte?
Higgins: Ja.
Lady Smith: Ah ja. Sein Vater war bei uns bis zu seinem Tod in Pflege gewesen, und Mr. Fletcher ist so großzügig, uns von Zeit zu Zeit eine finanzielle Zuwendung zu machen, Sie müssen nämlich wissen, daß wir hier auf private Spenden sehr angewiesen sind.
Higgins: Ich verstehe.
Lady Smith: Ja, möglicherweise hat er uns wieder einmal einen Besuch abgestattet, aber da müßte er bei Mr. Harras vorgesprochen haben, hm, nein, den zweiten Mann kenn ich aber mit Sicherheit nicht.
Higgins: Ja. Ja, dann würde ich gerne einmal mit Mr. Harras sprechen.
Lady Smith: Das geht leider nicht. Harras hat heute seinen freien Tag.
Higgins: Achso.
Lady Smith: Aber ich kann Ihnen ja seine Privatnummer geben.
Higgins: Bitte, Milady, halten Sie es für denkbar, daß Mr. Fletcher, oder vielleicht auch Mr. Pelford, das ist der Mann hier auf dem anderen Foto, gar nicht zu Ihnen, sondern vielleicht zu einem der Heiminsassen wollte?
Lady Smith: Ja, das kann ich nicht beurteilen, Inspektor, ich glaube aber nicht, aber Sie können ja einmal meine Schützlinge fragen.
Higgins: Ich würde das sehr gerne tun. Fangen wir doch gleich mit dem älteren Herrn dahinten an, im Rollstuhl, wer ist das?
Lady Smith: Ja, ja, äh Miller?
Miller: Ja?
Lady Smith: Miller, könnten Sie mit Mr. Goldmann einen Augenblick herkommen.
Miller: Ja.
Lady Smith: Das ist Mr. Goldmann, Theodor Goldmann. Er ist erst seit wenigen Wochen bei uns.
Higgins: Mr. Goldmann, entschuldigen Sie, mein Name ist Higgins, Chiefinspektor Higgins.
Goldmann: Goldmann, Theodor Goldmann.
Lady Smith: Verzeihen Sie Mr. Goldmann, der Inspektor hier hätte eine Frage an Sie.
Goldmann: Ja, was kann ich für Sie tun?
Higgins: Sir, sehen Sie sich doch bitte diese beiden Fotos an. Kennen Sie einen der beiden?
Goldmann: Ja, den einen kenn ich.
Higgins: Den mit der Narbe?
Goldmann: Nein, den anderen, den mit der Brille.
Higgins: Pelford also, Mr. Goldmann, woher kennen Sie Pelford?
Goldmann: Er war einmal hier, vor ein paar Woche glaub ich, ich hab ihn nur kurz gesehen, was oder zu wem er wollte kann ich Ihnen auch nicht sagen, und jetzt entschuldigen Sie mich, Inspektor, Miller, fahren Sie mich ins Haus.
Higgins: Danke, Mr. Goldmann. Wie erklären Sie sich das, Milady?
Lady Smith: Ja, ich weiß auch nicht, ich kann meine Augen ja nicht überall haben.
Higgins: Natürlich nicht, Pelford muß also zu einem Ihrer Patienten gewollt haben.
Lady Smith: Ja vielleicht, was weiß ich.
Higgins: Na gut, Milady, das wärs fürs erste. Falls ich noch Fragen haben sollte, werde ich mir erlauben, nochmals bei Ihnen vorbeizusehen.
Lady Smith: Ja, tun Sie das, Inspektor. Inspektor?
Higgins: Milady?
Lady Smith: Ja, übrigens, wer sagte Ihnen eigentlich, daß diese beiden Herren bei mir gewesen sein sollen?
Higgins: Mr. Harras, er besuchte uns im Yard. Auf Wiedersehen, Milady.
Lady Smith: Auf Wiedersehen.
Sir John: Ja.
Higgins: Hallo, Sir John?
Sir John: Na endlich, Higgins, wo stecken Sie denn?
Higgins: In einer Telefonzelle in der Shaftsbury Avenue. Ich habe mich im Sanatorium umgesehen, Sir, und mit Lady Smith gesprochen.
Sir John: Ja, ja, was haben Sie für einen Eindruck?
Higgins: Einen sehr zwiespältigen. Sie kennt Fletcher, aber das gab sie nicht gleich zu, behauptet, er sei ein Förderer des Sanatoriums. Ein älterer Heiminsasse, ein gewisser Goldmann, bestätigte jedoch, daß auch Pelford dort einmal aufgetaucht ist. Im Moment kann ich mir aber noch keinen rechten Reim darauf machen. Übrigens, ist Superintendant Lane schon bei Ihnen, kann ich sie mal sprechen?
Sir John: Das können Sie nicht, sie ist nicht da, aber sie hat angerufen, sie wird sich etwas verspäten. Hören Sie mal, Miss Lane hat mir schon von Ihrem nächtlichen Ausflug ins Montmartre berichtet, also Higgins, Sie wissen, daß ich diese Eigenmächtigkeiten von Ihnen gar nicht schätze, ich repräsentiere als Chef den Yard auch nach außen, und wenn jeder meiner Inspektoren...
Higgins: Weg! Gehen Sie in Deckung!
Hooper: Hände hoch, keine Bewegung!
Higgins: Nur keine Panik, Jungs, Jungs.
Hooper: Tschuldigen Sie vielmals, Chiefinspektor.
Higgins: Ja ist ja schon gut. Geben Sie sofort eine Fahndung nach dem schwarzen Jaguar XJ 12 raus.
Hooper: Achtung, an alle Streifenwagen, gesucht wird ein schwarzer Jaguar XJ 12.
Higgins: Entfernt sich von der Shaftsbury Avenue nach Norden, wahrscheinlich Richtung Regents Park.
Higgins: Besondere Kennzeichen: Verdunkelte Scheiben. Bei Sichtkontakt anhalten und den Fahrer unverzüglich festnehmen.
Higgins: Vorsicht, der Mann ist bewaffnet und macht ohne Bedenken von der Schußwaffe Gebrauch. Ende. Hallo, Sir John, Sir John bitte kommen.
Sir John: Higgins, was war denn los?
Higgins: Sitzen Sie?
Sir John: Ja.
Higgins: Sie haben sich soeben die Begräbniskosten für einen Ihrer Chiefinspektoren erspart.
Sir John: Der Joker?
Higgins: Genau. Um ein Haar hätte er mich erwischt. Ich habe die Fahndung schon ausgegeben.
Sir John: Ja was sind denn das für Sachen, Higgins. Ich hab auch schlechte Nachrichten, der Amerikaner, wie hieß der noch?
Higgins: Silkwood, Sir.
Sir John: Ach ja, dieser Silkwood und seine Kumpanen haben unsere Leute abgehängt.
Higgins: Verdammt, heute geht aber auch alles schief. Ich komm in den Yard.
Sir John: Nein, nein, warten Sie, Mr. Harras hat heute früh noch mal angerufen, Sie sollen zu ihm in die Privatwohnung kommen, er wohnt in der Kingsroad Nummer 4.
Higgins: Ich bin schon unterwegs, Sir. - Mr. Harras, sind Sie zuhause? – Hallo, Mr. Harras? – Mr. Harras? – Mein Gott!
Lady Smith: Meine Herren, darf ich erfahren, welchem Umstand ich diese rüde Vorladung zu verdanken habe?
Higgins: Kam sie wirklich so unerwartet, Milady?
Sir John: Higgins, kommen Sie zur Sache.
Higgins: Sie verdanken die Vorladung dem Umstand, Milady, daß Ihr Portier seit gestern auf Eis liegt, im Leichenschauhaus.
Lady Smith: Harras? Wie ist das möglich?
Higgins: Man hat ihn in seinem Badezimmer solange unter Wasser getaucht, bis der Tod eintrat, seinen freien Tag hat er sich wahrscheinlich anders vorgestellt.
Lady Smith: Ja aber das ist ja entsetzlich.
Higgins: Da sind wir zufällig einer Meinung Milady, ich finde es aber auch entsetzlich, daß dieser scheußliche Mord keine zwei Stunden nach meinem Besuch in Ihrem Sanatorium von mir entdeckt wurde, nachdem ich Ihnen mitteilte, daß Harras uns wegen der Besuche von Pelford und Fletcher im Home of Peace aufgesucht hat. Sie werden sicherlich verstehen, welche Rückschlüsse für mich da naheliegend sind.
Lady Smith: Inspektor, soll das heißen, Sie unterstellen mir irgendeine Verbindung zu diesem Mord? Zwei Stunden dürften wohl ein wenig knapp bemessen sein, um einen Mordplan zu fassen und auszuführen.
Higgins: Das Argument klingt plausibel, haben Sie vielleicht schon Ihren Rechtsbeistand konsultiert?
Lady Smith: Ich verbitte mir diesen Ton.
Sir John: Higgins! Behalten Sie bitte Platz, Lady Smith.
Higgins: Sie haben mich nicht ausreden lassen. Ich sagte vorhin, daß zwischen meinem Besuch bei Ihnen und dem Entdecken der Leiche etwa zwei Stunden lagen, die Obduktion hat allerdings ergeben, daß der Mord in der Nacht passierte, so zwischen 1 und 2 Uhr morgens.
Lady Smith: Na also, sehen Sie.
Higgins: Ja, nur beweist das nichts. Harras hatte vorgestern gegen 15 Uhr Dienstschluß und war um ca. 16 Uhr bei uns. Einer ihrer Heiminsassen hat uns gegenüber bestätigt, daß kurz nach Harras auch Ihr Pfleger Mr. Miller das Heim verlassen hat.
Lady Smith: Wer hat das denn behauptet?
Higgins: Ich werde mich hüten, Ihnen das zu sagen, der Mord an Harras, der reicht mir fürs erste.
Lady Smith: Inspektor, ich werde mich an höchster Stelle über Sie beschweren, wenn Sie mir weiterhin in diesem Ton die Ermordung von Mr. Harras anlasten.
Higgins: Tun Sie das, Milady, und Sie können gleich damit anfangen. Ich hoffe, daß Ihr Pfleger ein stichfestes Alibi hat, denn wenn nicht, und wenn ich dahinterkommen sollte, daß er Harras zum Yard gefolgt ist, nehme ich ihn eigenhändig auseinander, das versichere ich Ihnen.
Lady Smith: Sie haben doch nicht den geringsten Beweis in der Hand, Inspektor, Sie tappen im Dunkeln und wollen mich belasten, weil das für Sie der einfachste Weg ist.
Higgins: Milady, wir haben eine ganze Reihe ungelöster Todesfälle, und wenn ich auf der Stelle trete, so verdirbt mir das die Laune.
Sir John: Higgins.
Higgins: Ich versichere Ihnen eines: Sollte ich nur ein einziges Indiz finden, das Sie und Ihr Sanatorium in Zusammenhang mit dieser Mordserie bringt, dann gnade Ihnen Gott.
Lady Smith: Ich sehe schon, ich werde das Gespräch über meinen Anwalt fortsetzen. Kann ich jetzt gehen?
Higgins: Sie können gehen, Lady Smith. Ich frage mich nur, ob der Joker auch so großzügig ist.
Lady Smith: Sir John, auf Ihren Inspektor, diesen Proleten, dürfen Sie sich wirklich etwas einbilden.
Lane: Eine temperamentvolle Lady.
Higgins: Blöde Kuh.
Sir John: Higgins, Sie sind wohl nicht ganz bei Trost, hier so eine Show abzuziehen. Auf die Interventionen von oben kann ich mich jetzt schon freuen.
Higgins: Ach, darauf kann ich keine Rücksicht nehmen. Überlegen Sie doch, Sir John, wir tappen im Dunkeln wegen dieser Mordserie, und da kommt dieser Portier daher, und identifiziert zwei der Opfer einwandfrei, und neun Stunden später ist er tot. Wollen Sie mir vielleicht weis machen, das sei Zufall?
Sir John: Nein, aber... Ja, Hallo? Ja, für Sie, Higgins.
Higgins: Danke. Ja. Ja, Higgins?
Stimme: Sie sind gestern noch einmal davongekommen, Chiefinspektor, das sollte Ihnen eine Warnung sein, ich gebe Ihnen einen guten Rat, lassen Sie mich in Ruhe arbeiten, sonst könnte es sein, daß Sie Ihre hübsche Freundin eines Tages nur noch anhand ihrer Ausweispapiere identifizieren können.
Higgins: Hallo? Hallo? Verdammt. Mist, verdammter.
Sir John: Wer war das?
Higgins: Na dreimal dürfen Sie raten.
Sir John: Bin ich allwissend?
Higgins: Unser Freund.
Sir John: Doch nicht etwa der Joker?
Higgins: Doch.
Sir John: Und was wollte er?
Higgins: Mir sicherlich kein langes Leben wünschen. Superintendant Lane hat er auch bedroht.
Sir John: Da haben Sies. Und Sie nehmen hier Lady Smith auseinander.
Higgins: Ja finden Sie das nicht merkwürdig?
Sir John: Was soll ich merkwürdig finden?
Higgins: Wir laden Lady Smith vor, und fast zur selben Zeit meldet sich der Joker telefonisch.
Lane: Du meinst, es war vielleicht nur ein Strohmann?
Higgins: Sicherlich natürlich, um uns zu verwirren.
Sir John: Sie duzen sich bereits. Das ist ja alles sehr hilfreich. Hören Sie zu, Higgins, hören Sie ein einziges Mal auf mich.
Higgins: Ich höre doch.
Sir John: Sie halten doch nicht etwa Lady Smith für den Joker? Das können Sie mir doch nicht antun, ein Jahr vor meiner Pensionierung.
Higgins: Sir John, ich versichere Ihnen, Ihre Pension ist in keinster Weise gefährdet.
Ann Pattison: Sir John, es ist Zeit für Ihre Tabletten.
Sir John: Aber jetzt nicht.
Ann Pattison: Sir John.
Higgins: Hören Sie, ich muß mir Klarheit verschaffen über die Vorgänge im Sanatorium, und das wäre ein Job für dich, Barbara, aber keineswegs ungefährlich.
Lane: Hm, könntest du dich etwas klarer ausdrücken?
Higgins: Hör zu, Lady Smith hat dich noch nicht von Angesicht zu Angesicht gesehen, das war auch der Grund, warum du nebenan warten solltest, nehmen wir jetzt einmal an, du bist Journalistin und schreibst einen Report über die Lebensverhältnisse unserer älteren Mitbürger, damit hättest du einen plausiblen Grund, ausführlich mit den Leuten im Home of Peace zu reden.
Lane: Und an welche Zeitung hast du gedacht?
Higgins: Ja nu mein Gott, den Daily Telegraf, ich kenne den Chefredakteur, der soll da selbst anrufen und deinen Besuch ankündigen, so halten wir das Risiko gering, sollte Lady Smith auf die Idee kommen, zurückzurufen. Wären Sie damit einverstanden, Sir John?
Sir John: Naja, wenn sich Miss Lane dazu bereiterklärt.
Higgins: Barbara.
Sir John: Ich werde dich nicht enttäuschen.
Higgins: Danke, Profi.
Higgins: Häh, 5 Uhr, wer zum Teufel, wem fällt... ja hier Higgins, was gibts?
Hooper: Mr. Higgins, hier Seargent Hooper.
Higgins: Ja?
Hooper: Tut mir leid, Sie so früh wecken zu müssen, aber Carpenter verläßt soeben seine Wohnung, und das ist reichlich ungewöhnlich, er nimmt den Range Rover.
Higgins: Was, so früh? Also gut, Hooper, hängen Sie sich dran, und melden Sie sich wieder, Ende.
Higgins: Ja, Higgins hier.
Hooper: Hier Seargent Hooper.
Higgins: Was gibts neues?
Hooper: Carpenter hat auf offener Landstraße gehalten und steht schon ne halbe Stunde da.
Higgins: Merkwürdig. Entweder wartet er auf jemand, oder er hat Sie entdeckt und will Sie nur in die Irre führen.
Hooper: Warten Sie, Inspektor, jetzt nähert sich dem Rover ein Wagen, ich glaube, ja, er verlangsamt sein Tempo. Tatsächlich, er bleibt neben dem Rover stehen.
Higgins: Können Sie die Marke erkennen?
Hooper: Das ist ne schwarze Limousine, ein Jaguar. Carpenter reicht ihm etwas durchs Fenster.
Higgins: Hören Sie zu Hooper, das ist unser Mann, vergessen Sie Carpenter und folgen Sie dem Jaguar. Verlieren Sie ihn nicht aus den Augen, ich komme sofort. Ende.
Hooper: Er war plötzlich wie von Erdboden verschluckt, ich hab so was noch nie erlebt, Chiefinspektor.
Higgins: Hier in diesem Planquadrat haben Sie ihn verloren.
Hooper: Ja, ich hatte noch die Kollegen verständigt, ein paar Augenblicke später hätten wir ihn einkreisen können, aber der fuhr plötzlich in eine Hauseinfahrt und auf der Hinterseite wieder raus, es war mir völlig unmöglich, ihm so rasch zu folgen.
Higgins: Hooper, nun beruhigen Sie sich doch, ich mache Ihnen ja keinen Vorwurf. Nur wäre es zu schön gewesen. Passen Sie auf, Sie legen sich aufs Ohr, Sie haben die letzten 48 Stunden nicht viel geschlafen.
Hooper: Vielen Dank, Chiefinspektor.
Higgins: Schon gut, ich werde mir diese Gegend mal ein wenig genauer ansehen.
Kommentar von Hörspiele |
Tankwirtin: Guten Morgen Sir.
Higgins: Guten Morgen.
Tankwirtin: Was soll’s sein?
Higgins: Sind Sie so nett und tanken Sie voll.
Tankwirtin: Ja.
Higgins: Nicht viel Betrieb hier heute, nicht.
Tankwirtin: Nein, ein Wunder, daß in dieser gottverlassenen Gegend überhaupt mal jemand stehen bleibt.
Higgins: In der alten Hochgarage dahinten, sind da noch viele Wagen abgestellt?
Tankwirtin: In dem alten Ding? Ja, zwei Dutzend vielleicht. Das ganze Gebäude sollte schon vor Jahren abgerissen werden. Ja, ich geh ja sowieso bald in Rente, dann sollen die doch sehen, wie sie zurechtkommen. Warum fragen Sie eigentlich.
Higgins: Ach ja, nur so. Wem gehört die Garage überhaupt?
Tankwirtin: Wem sie gehört, weiß ich gar nicht. Mr. Tanner macht hier das Geschäftliche. Den können Sie fragen.
Higgins: Mr. Tanner? Wissen Sie, ob er jetzt da ist?
Tankwirtin: Ja, er kommt meistens schon vor 7, bleibt bis in die Nacht. Auch so ein alter Spinner. Sein Büro ist in der 4. Etage.
Higgins: Hm, ich sag ihm mal guten Tag. Ach, kontrollieren Sie inzwischen bitte das Öl und die Reifen.
Tankwirtin: Ja, ja, Sie können den Aufzug hinten links benutzen, wenns das alte Ding überhaupt noch tut.
Higgins: Hoffen wirs.
Tanner: Ja.
Higgins: Mr. Tanner?
Tanner: Sie wünschen?
Higgins: Ich bin Inspektor Higgins von Scotland Yard.
Tanner: Was wollen Sie?
Higgins: Ich hätte gerne einige Auskünfte.
Tanner: Worüber?
Higgins: Ich suche ein Auto.
Tanner: Soso.
Higgins: Ja, eine Limousine Marke Jaguar, schwarz lackiert.
Tanner: Ja und warum kommen Sie da zu mir? Ich bin kein Gebrauchtwagenhändler.
Higgins: Mr. Tanner, ich wäre Ihnen wirklich sehr dankbar, wenn Sie sich ein paar Minuten von Ihrer Arbeit trennen und mir zuhören würden. Eine Frage, Mr. Tanner, lesen Sie Zeitung?
Tanner: Eigentlich nicht, viel Arbeit hier.
Higgins: Ja, dann haben Sie auch noch nie etwas vom Joker gehört.
Tanner: Nein, wer soll das sein?
Higgins: Mr. Tanner, um es kurz zu machen, Scotland Yard, und das bin in diesem Falle ich, wir versuchen einem der gefährlichsten Verbrecher auf die Spur zu kommen, aber wir haben nicht den geringsten Hinweis auf seine Identität. Wir wissen nur eines: Er fährt einen dunklen Jaguar aus der XJ 6er oder 12er Serie, deshalb meine Frage: Ist ein Fahrzeug dieses Typs in Ihrer Garage untergestellt?
Tanner: Jaguar? Warten Sie, natürlich, drei sogar, ein alter Sportwagen der Type E, ein weißer Vierzylinder, und dann natürlich Mr. Goldmanns Privatwagen.
Higgins: Privatwagen. Und wer bitte ist Mr. Goldmann?
Tanner: Ja der Eigentümer dieser Garage.
Higgins: Ich dachte, die Garage gehört Ihnen.
Tanner: Mir? Ich bin ein alter Mann, Inspektor, ich verdien mir hier ein paar Kröten zu meiner miesen Rente.
Higgins: Und Sie sagen, Mr. Goldmanns Wagen ist ein Jaguar.
Tanner: Ja, er wurde aber seit mehr als 2 Jahren nicht mehr gefahren. Seit Mr. Goldmann eben das letzte Mal in London war.
Higgins: Er lebt im Ausland?
Tanner: Ja, die Goldmann Industries haben ihren Sitz in Hongkong, und Mr. Goldmann...
Higgins: Wie heißt er mit Vornamen?
Tanner: Soviel ich weiß, Anton, also Mr. Goldmann kümmert sich wohl um alles, außer um diese alte Hochgarage und die Tankstelle. Hier bin ich Mädchen für alles.
Higgins: Ja, ja, ich verstehe. Auf diesem Bild hier, ist das Mr. Goldmann, Mr. Anton Goldmann?
Tanner: Ja, das ist Mr. Anton Goldmann.
Higgins: Mr. Tanner, ich danke Ihnen fürs erste und ich habe auch im Moment keine Fragen mehr. Aber ich würde mir gerne einmal diesen Jaguar von Mr. Goldmann ansehen.
Tanner: Tun Sie, was Sie nicht lassen können, er steht in der 3. Etage, ich nehme an, Sie finden den Weg alleine.
Higgins: Durchaus. Haben Sie nochmals vielen Dank, Mr. Tanner. – Verdammt.
Tanner: Was machen Sie da? Das ist eine Alarmanlage gegen Diebe. Darf ich wissen, was Sie da gemacht haben? Ich sagte, Sie können sich den Wagen einmal ansehen, von einer Spazierfahrt war nicht die Rede...
Higgins: Ich...Mister...
Tanner: Oder haben Sie einen Durchsuchungsbefehl?
Higgins: Noch nicht.
Tanner: Darf ich wissen, wer Ihr Vorgesetzter ist, Chiefinspektor?
Higgins: Wenn Sie Beschwerden haben, Mr. Tanner, und die haben Sie ja wohl, wenden Sie sich an Sir John.
Sir John: Und Sie halten diese Garage wirklich für einen Schlupfwinkel des Jokers?
Higgins: Hm, es sieht fast so aus. Überlegen Sie einmal, Sir John, Hooper hat den Wagen in der Nähe der Demmem-Road aus den Augen verloren. Weit und breit gibt es nichts als Abbruchhäuser, desolate Gebäude und geschlossene Geschäfte.
Sir John: Trotzdem. Trotzdem. Es ist ebenso gut denkbar, daß der Joker unseren guten Hooper genarrt hat und in eine völlig andere Richtung weitergefahren ist.
Higgins: Auf jeden Fall laß ich diese Hochgarage Tag und Nacht beobachten. Unsere Leute sollen vor allem darauf achten, ob ein schwarzer Jaguar die Garage verläßt.
Sir John: Ja was wollen Sie denn mit den beiden alten Herrschaften in der Garage anfangen, glauben Sie etwa, daß einer von den beiden der Joker ist?
Higgins: Nein, das nicht gerade, aber sie könnten mit ihm unter einer Decke stecken. Tanner war nicht gerade begeistert, als ich den Jaguar untersuchte.
Sir John: Wozu Sie im übrigen auch kein Recht hatten. Also ich finde, Sie sind im Moment nicht gerade sehr erfolgreich, Higgins.
Higgins: Danke, Sir.
Sir John: Ich habe mir zudem einige Zahlen geben lassen, die Sie nicht gerade begeistern werden. Da, in London sind derzeit rund 19.000 Leiland-Fahrzeuge der Marke Jaguar gemeldet, davon fast 6000 aus der XJ-Serie. Eine fast hoffnungslose Aufgabe, aufgrund des Fahrzeugtyps den Joker ausfindig zu machen.
Higgins: Eben, und deshalb meine ich, wir sollten uns lieber an die Fakten halten. Rekapitulieren wir einmal.
Sir John: Aber Higgings, wenn Sie mich fragen, Sie haben überhaupt nichts konkretes in der Hand.
Higgins: Sir John, bitte, jetzt hören Sie mir einmal zu. Wir haben zunächst einmal Lady Smith, von der erwiesen ist, daß sie von zwei späteren Opfern des Jokers besucht wurde, das ist immerhin ein Anhaltspunkt. Ich hoffe, daß uns Miss Lane weiterbringt. Und dann haben wir seit heute diesen merkwürdigen Tanner. Ich möchte nicht ausschließen, daß in seiner Garage der Wagen des Jokers steht.
Sir John: Naja. Wie alt, sagten Sie, ist Tanner?
Higgins: Einiges über 70, Sir.
Sir John: Naja, das spricht ja wohl für sich.
Ann Pattison: Sir John, es ist Zeit für Ihre Tabletten.
Sir John: Ja, aber nicht jetzt.
Ann Pattison: Sir John, bitte.
Higgins: Der nächste ist Carpenter. Ich bin überzeugt, daß er sich heute in den frühen Morgenstunden mit dem Joker getroffen hat. Ich habe schon einmal betont, daß ich Carpenter unter keinen Umständen zu früh festnehmen will, je weniger er sich beobachtet fühlt, um so besser für uns.
Sir John: Ja und dann wäre da noch der Amerikaner, dieser...
Higgins: Silkwood.
Sir John: Ja.
Higgins: Er scheint wie vom Erdboden verschluckt zu sein. Und jetzt frage ich mich, was hat er vor. Ich glaube, wir können davon ausgehen, daß Silkwood und der Joker nicht identisch sind.
Sir John: Bleibt auch noch die Frage, warum Harras ermordet wurde.
Higgins: Richtig, Sir. Darf ich mir einen Whisky nehmen?
Sir John: Ja, ich bitte darum.
Higgins: Sie auch?
Sir John: Ja, aber ohne Eis.
Higgins: Seit heute Vormittag hat sich noch ein völlig neuer Aspekt ergeben, dem wir nachgehen sollten. Wissen Sie, wer der Eigentümer der Garage ist?
Sir John: Nein.
Higgins: Ein gewisser Anton Goldmann.
Sir John: Ja und? Was ist daran so ungewöhnlich?
Higgins: Goldmann hieß auch der alte Mann im Rollstuhl in Lady Smith Sanatorium, Theodor Goldmann.
Sir John: A Goldmann, an dem Namen ist doch nichts ungewöhnliches. Ich kenne viele mit dem Namen Goldmann.
Higgins: Ja, aber die beiden haben deutsche Vornamen Sir, Anton und Theodor.
Sir John: Danke. Haben Sie mit diesem Anton Goldmann gesprochen?
Higgins: Nein, der sitzt angeblich in Hongkong, ist Inhaber der Goldmann Industries, offenbar ein größerer Konzern, in Tanners Büro hängt ein Bild von ihm.
Sir John: Ja und? Irgendwelche Ähnlichkeiten mit dem Mann im Sanatorium?
Higgins: Nein, leider nicht, nicht die geringste.
Sir John: Na sehen Sie, an Ihrer Stelle würde ich zusehen, den Amerikaner wiederzufinden, anstatt in dieser Garage irgendwelchen Hirngespinsten nachzulaufen.
Higgins: Cheers.
Sir John: Ja, zum Wohl.
Higgins: Aber irgend etwas macht mich stutzig. Ich stellte mich Tanner als Inspektor Higgins vor, irgendwann während des Gesprächs sagte Tanner Chiefinspektor zu mir, finden Sie das nicht etwas seltsam, Sir John?
Sir John: Kann doch Zufall sein.
Higgins: Aber trotzdem, der Sache mit den Goldmanns werd ich auf den Grund gehen, Miss Lane muß mir hier helfen, sie soll den Theodor Goldmann, den Mann im Rollstuhl, etwas genauer unter die Lupe nehmen.
Lane: Hallo Darling.
Higgins: Hallo. Na, wie wars, hast du was rausgekriegt in deinem Home of Peace?
Lane: Hm, du hattest recht mit deiner Vermutung, Goldmann hatte einen Bruder, er hatte. Maximilian starb vor Jahren an Krebs.
Higgins: Schon wieder so ein deutscher Name.
Lane: Ich habe mir hier ein Foto ausgeborgt, du, sieh dir das mal an, die beiden sind sich wie aus dem Gesicht geschnitten, findest du nicht?
Higgins: Die Ähnlichkeit ist wirklich verblüffend. Die beiden müssen Zwillingsbrüder gewesen sein. Eine Gewißheit haben wir jetzt, Goldmanns Bruder ist nicht der Mann in Tanners Büro. Ich fürchte, ich habe mich diesmal geirrt.
Lane: Mr. Goldmann ist viel in der Welt herumgekommen und will bei Lady Smith seinen Lebensabend verbringen, manchmal wirkt er ruhig und gemütlich, dann wieder höchst wachsam und mißtrauisch, schwer zu durchschauen. Ich habe mit ihm eine Partie Schach gespielt.
Higgins: A ja, wer hat gewonnen?
Lane: Remi.
Higgins: Aha. Hat Lady Smith Verdacht geschöpft?
Lane: Bestimmt nicht, sie war sehr zuvorkommend, ich habe mit nahezu allen Einsassen sprechen können, man hat den Eindruck, sie fühlen sich alle recht wohl dort.
Higgins: Hast du noch etwas über Pelford und Fletcher herausbekommen?
Lane: Nein, leider nein. Über interne Vorgänge im Sanatorium sind die Leute offenbar völlig ahnungslos, und an Lady Smiths Privatunterlagen, da kam ich noch nicht ran, sie bewahrt alles in einem Safe auf.
Higgins: Hm, ich geb was drum, wenn ich da mal reinkucken könnte.
Lane: Hm, ich werds für dich versuchen.
Higgins: Aber Darling, ich bitte dich.
Lane: Ich weiß, ich weiß, ich bin vorsichtig.
Higgins: Ein Durchsuchungsbefehl ist bei Lady Smith nicht drin, da spielt Sir John nicht mit, ich selbst muß mich noch um Tanner kümmern.
Lane: Tu das, Higgi.
Higgins: Der Mann geht mir einfach nicht aus dem Kopf.
Lane: Also, ich muß zurück in mein Altersheim. Machs gut.
Higgins: Sei vorsichtig, Profi.
Lane: Du auch, Profi.
Stimme: Achtung, Achtung, bewaffneter Überfall auf Juweliergeschäft am Eaton-Square, es gab ein Todesopfer, alle verfügbaren Einsatzkräfte bitte sofort an den Tatort.
Higgins: Das darf doch nicht wahr sein.
Sir John: Ah, Tag Higgins.
Higgins: Sir John.
Sir John: Nun sehen Sie sich das einmal an, das ist übrigens Mr. Short, der Besitzer.
Short: Guten Tag.
Higgins: Mr. Short, dann erzählen Sie mal.
Short: Ja, es ging alles furchtbar schnell, mein Angestellter und ich waren gerade hier im Laden, und berieten einige Kunden, als an der Hintertür eine Explosion erfolgte. Ich sah noch, wie der Wächter niedergeschlagen wurde, und dann stürmten sie auch schon herein, schwer bewaffnet, wir mußten alle die Hände in die Höhe nehmen.
Higgins: Wie sahen die Kerle aus?
Short: Ja, sie hatten dunkle Mäntel an und so weiße Gesichtsmasken aufgesetzt, als ich den Safe nicht sofort öffnen wollte, haben sie meinen Angestellten einfach über den Haufen geschossen.
Sir John: Ja hätte sich das nicht vermeiden lassen, Mr. Short, Sie sind doch versichert.
Short: Ich war im ersten Moment so überrascht, und ich wußte auch nicht, ob sie wirklich schießen würden, im Safe waren immerhin Rohdiamanten im Wert von einer halben Million Pfund.
Higgins: Konnten Sie erkennen, mit welchem Auto sie geflüchtet sind?
Short: Ja, den Fluchtwagen konnte ich sehr genau erkennen, es war ein brauner Chevrolet Kombi, Baujahr so 77/78, er fuhr vielleicht 2 Minuten, nachdem die Kerle das Lokal gestürmt hatten, vor.
Sir John: Die Fahndung ist bereits draußen.
Higgins: Gut. Sir John, ich muß Sie unter 4 Augen sprechen. Entschuldigen Sie uns, Mr. Short.
Short: Aber bitte schön.
Sir John: Nun?
Higgins: Ich gehe jede Wette ein, daß der Amerikaner hinter dem Überfall steckt. Das ist haargenau seine Arbeitsweise.
Sir John: Und was wollen Sie unternehmen?
Higgins: Der Amerikaner hat eine Beute von 500.000 Pfund gemacht, ab dieser Stunde, da gehe ich jede Wette ein, befindet er sich im Fadenkreuz des Jokers.
Sir John: Sie meinen, es kommt zur großen Konfrontation.
Higgins: Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder der Joker erledigt Silkwood und seine Leute, dann haben wir ein Problem weniger, oder der Amerikaner ist schlauer und trickst den Joker aus, dann hätte er geschafft, was uns bisher nicht gelungen ist. Ich glaube aber eher, daß Tom Silkwood und seine Leute noch ihr blaues Wunder erleben werden.
Sir John: Nun malen Sie mal nicht den Teufel an die Wand, Higgins.
Ann Pattison: Sie sollten sich nicht so viele Sorgen machen, Sir John.
Sir John: Sie haben leicht reden, Kindchen. Die Morde des Jokers, der Überfall auf Shorts Juweliergeschäft, und nicht zu vergessen der Anschlag auf Higgins, wissen Sie, Higgins hat bisher noch jeden seiner Fälle gelöst, und Miss Lane ist eine sehr tüchtige Mitarbeiterin.
Ann Pattison: Ja, sehr tüchtig.
Sir John: Aber ich fürchte, daß Higgins im Joker seinen Meister gefunden hat. Und wissen Sie, Ann, ein Gedanke beunruhigt mich zu tief.
Ann Pattison: Welcher, Sir John?
Sir John: Daß er sich diesmal irrt, daß keine der Personen, die er verdächtigt, der Joker ist, daß es jemand völlig unbekanntes ist, oder, was noch schlimmer wäre, daß es jemand ist, der unter uns weilt, jemand, den wir alle kennen.
Higgins: Guten Abend, Sir John.
Sir John: Ah, guten Abend, Higgins, daß Sie sich auch mal wieder blicken lassen, ja, gibts was Neues?
Higgins: Ja, das Telex aus Hongkong.
Sir John: Telex? Hongkong?
Higgins: Ich hatte in Hongkong Auskünfte über Goldmann eingeholt, hier ist die Antwort und ein Bild von ihm.
Sir John: Na, Ann, dann machen Sie uns bitte mal zwei Whisky, oder sagen wir besser drei, ich spendiere ihnen auch einen.
Ann Pattison: Vielen Dank, Sir John.
Sir John: Na, nun zeigen Sie schon her, Higgins, machen Sie es doch nicht immer so spannend. Anton Goldmann, geb. am 4. März 1921 in London, Goldmann liquidierte Industries Hongkong im Januar 1982, Verkaufserlös wahrscheinlich nach Europa transferiert, genauer Aufenthaltsort von Anton Goldmann unbekannt, vermutlich noch Hongkong. Weitere Daten nicht verfügbar.
Higgins: Ja, und das ist sein Foto.
Sir John: Ja und? Ist das identisch mit dem in Tanners Büro?
Higgins: Zweifellos, das ist er.
Sir John: Na sehen Sie.
Ann Pattison: Ihr Whisky, Sir.
Sir John: Danke.
Ann Pattison: Ohne Eis. Bitte Higgins.
Higgins: Danke.
Sir John: Ich habe Ihnen doch gleich gesagt, daß das nichts bringt, Ihre Wahnideen mit dem alten Tanner können Sie ein für alle mal begraben.
Higgins: Trotzdem hatte ich das Gefühl, daß an der Sache etwas faul ist, die Informationen aus Hongkong waren nicht gerade sehr ergiebig, und deshalb habe ich das Foto vorhin durch unseren Computer laufen lassen, zur Identifikation.
Sir John: Ja und?
Higgins: Das Foto zeigt nicht Anton Goldmann, sondern Guliano Montaldo.
Sir John: Guliano Montaldo?
Higgins: Geboren 1931 in Neapel.
Sir John: Ja was soll das heißen, Higgins?
Higgins: Das heißt, daß der Mann, dessen Bild in Tanners Büro hängt, nicht Anton Goldmann ist, und das heißt weiter, der Mann im Rollstuhl ist möglicherweise doch der Bruder des Eigentümers der Garage. Cheers.
Rogers: Sir John, Inspektor, würden Sie bitte mit mir kommen.
Higgins: Schießen Sie los, Rogers.
Rogers: Wir haben insgesamt 5 Tote. Einer von ihnen ist zweifelsfrei Tom Silkwood, den hats hier vorne erwischt.
Sir John: Ist ja grauenhaft.
Rogers: Die anderen vier dahinten, das waren höchstwahrscheinlich seine Komplizen. Wir konnten Sie aber noch nicht identifizieren, zwei von ihnen sind bis zur Unkenntlichkeit verkohlt.
Higgins: Sagen Sie, Rogers, weiß man schon, welche Waffe verwendet wurde?
Rogers: Alles deutet auf ein Maschinengewehr der Marke Remington hin, ein älteres Modell, wie es auch von den Amerikanern im Vietnam verwendet wurde, Kaliber 7,9 mm, Reichweite 4000 Meter bei 1000 Schuß pro Minute. Und so was eingesetzt aus einer Entfernung von nicht einmal 150 Metern. Die Leute wurden regelrecht abgeschlachtet. Der Wagen ist auch dementsprechend zugerichtet.
Higgins: Ich war Tom Silkwood zwar auf den Fersen, aber ein so grauenvolles Ende hätte ich ihm trotz allem lieber erspart.
Rogers: Ganz recht, Inspektor. Ich kann mich nicht erinnern, daß in England eine Waffe dieser Größenordnung bei einer Gangsterfehde je zum Einsatz kam.
Higgins: Wie hat dich das ganze Ihrer Meinung nach abgespielt im Detail?
Rogers: Also, Silkwood und seine Leute hatten hier, auf dieser Waldlichtung offenbar mit einer uns unbekannten Person ein Treffen vereinbart, eine Geldübergabe oder etwas ähnliches, wir haben neben Silkwoods Leiche einen leeren Koffer gefunden. Sie gerieten dann alle in den Kugelhagel einer Person, die mit einem Wagen, offenbar schon früher, da vorn hinter dem Gebüsch postiert war, in diesem Wagen muß sich auch das MG befunden haben. Ein weiterer Wagen muß aber vorne am Waldweg gestanden haben, sonst wäre nicht erklärbar, wieso Silkwood ausgerechnet an dieser Stelle erschossen wurde.
Higgins: Sonst irgendwelche Anhaltspunkte?
Rogers: Ja, also zunächst etwas sehr merkwürdiges. Bei dem Koffer neben Silkwood fanden wir diese Spielkarte.
Sir John: Aha, ein Jolly Joker, also doch, hätte mich ja gewundert, und sonst noch was?
Rogers: Ja, die Reifenspuren natürlich.
Higgins: Gibt es schon Hinweise auf die Fahrzeugtypen?
Rogers: Der hinterm Gebüsch war wahrscheinlich ein Jeep.
Higgins: Vielleicht ein Range Rover?
Rogers: Durchaus möglich.
Higgins: Und der andere?
Rogers: Ist im Moment schwer zu sagen.
Higgins: Könnte es ein Jaguar gewesen sein?
Rogers: Ich möchte es nicht ausschließen. Genaueres werden wir aber erst später wissen.
Higgins: Gut, Rogers, vielen Dank fürs erste, machen Sie hier weiter mit der Spurensicherung, und wenns die ganze Nacht dauert, informieren Sie mich umgehend, wenn Sie etwas neues haben.
Rogers: OK, Sir.
Sir John: Na, Higgins, was halten Sie davon?
Higgins: Meine These hat sich offenbar bestätigt. Es ist so gut wie sicher, daß Silkwood und seine Leute sich hier mit dem Joker ein Feuergefecht geliefert haben.
Sir John: Das ist ja unglaublich.
Higgins: Meine Geduld ist am Ende. Ich möchte noch heute Nacht das Montmartre hochgehen lassen. Die lange Leine hat nichts gebracht.
Sir John: Wie meinen Sie das?
Higgins: Der Wagen, von dem aus geschossen wurde, war möglicherweise ein Range Rover, und da ist die Verbindung zu Carpenter nicht mehr weit.
Sir John: Carpenter wird doch überwacht.
Higgins: Ja, wie er das gemacht hat, da bin ich im Moment auch überfragt, jedenfalls müssen wir ihn unschädlich machen, bevor noch mehr passiert.
Sir John: Ja jetzt, vor diesem Schlamassel wir hier haben, werden Sie plötzlich aktiv, etwas spät, finden Sie nicht, Higgins?
Higgins: Sir John, wenn Sie es für angebracht halten, können Sie ja einen anderen Chiefinspektor mit dem Fall betreuen.
Sir John: Das könnte Ihnen so passen. Ich sage Ihnen eines: Sie machen mir diesen verdammten Joker unschädlich, und zwar bald, sonst ist es mit meiner Gemütlichkeit aus.
Rogers: Inspektor Higgins.
Higgins: Rogers?
Rogers: Ich hab da einen Funkspruch von Superintendant Lane.
Higgins: Danke, geben Sie her. Hallo? Barbara?
Lane: Higi? Ich hatte bisher keine Möglichkeit, dich zu erreichen, ich kann auch nicht lange sprechen, Tom Silkwood war gestern Nacht hier im Sanatorium, das Home of Peace ist offenbar eine Anlaufstelle für irgendwelche ganz dunklen Geschäfte, außerdem wurden Patienten mit Barbituraten betäubt, irgend etwas ist da im Gange, hör zu, ich werde jetzt...
Higgins: Hallo? Barbara? Barbara? Sir John, wir müssen sofort ins Sanatorium, Barbara Lane hat Schwierigkeiten, Leutnant Rogers.
Rogers: Ja, Sir?
Higgins: Sie nehmen sich drei Mann und kommen mit. Beeilung.
Sir John: Ah, das ist aber auch stockdunkel hier.
Higgins: Leise.
Sir John: Man sieht die Hand vor Augen nicht.
Higgins: Sir John.
Lady Smith: Na los.
Higgins: Barbara?
Lady Smith: Sagen Sie Ihren Beamten, sie sollen die Waffen fallen lassen, sonst hat Miss Lane ein Loch in ihrem hübschen Köpfchen. Das gilt auch für Sie, Inspektor. Los, weg mit der Waffe.
Higgins: Ich warne, wenn Sie ihr auch nur ein Haar krümmen.
Lady Smith: Gehen Sie fünf Schritte zurück, Inspektor. – Miller, bringen Sie die Koffer zum Auto.
Miller: Is gut.
Higgins: Sie wollen verreisen, Lady Smith, was werden Ihre Schützlinge dazu sagen?
Lady Smith: Aber machen Sie sich doch um meine Schützlinge keine Sorgen, Inspektor.
Higgins: Sie haben nicht die geringste Chance, zu entkommen, Lady Smith. Oder sollte ich besser sagen: Joker?
Lady Smith: Sie halten mich für den Joker? Wie Sie sehen, fahre ich einen Rolls Royce und keinen Jaguar. Ihr Idioten, ich hatte die größte Hehlerorganisation Londons aufgebaut, ohne daß Scotland Yard auch nur den Schimmer einer Ahnung hatte, erst der Joker begann mich systematisch in meinen Geschäften zu behindern, er hat mir diesen Harras auf den Hals gehetzt, aber er hat dafür Gebühren bezahlt.
Higgins: Daß Harras auf Ihr Konto geht, war mir von Anfang an klar, von einem anderen aber glaube ich Ihnen kein Wort.
Lady Smith: Das ist ohne jeden Belang, was Sie glauben oder nicht, Inspektor, und Sie erfahren das alles auch nur, weil Sie mit diesem Wissen nichts mehr anfangen können. Der Joker verdankt mir einige der lukrativsten Geschäfte... Ah!
Lane: Mein Gott, Lady Smith!
Sir John: Wer hat denn da geschossen?
Rogers: Der Schuß kam da hinten vom Waldweg aus dem Auto.
Higgins: Rogers, kommen Sie zurück, den Wagen erreichen Sie nicht mehr.
Rogers: Wie gehts jetzt weiter?
Sir John: Sie und Miss Lane bleiben hier. Geben Sie mir das Funkgerät. Achtung, an Spezialeinheit 5, Razzia im Klub Montmartre.
Nick: Polizei. Polizei.
Higgins: Behalten Sie ruhig Ihre Plätze, Herrschaften, es handelt sich lediglich um eine kleine Razzia. Sie brauchen mich gar nicht so groß ansehen, Nick, hier der Durchsuchungsbefehl. Wo ist Carpenter?
Nick: Ich weiß nicht, Chiefinspektor, er rief mich an, daß ich ihn heute vertreten soll.
Higgins: Na schön, dann kommen Sie mit. Das Büro.
Nick: Ja und?
Higgins: Aufsperren.
Nick: Ja bitte sehr.
Sir John: Aha, das ist also Carpenters Büro. Suchen Sie hier des Rätsels Lösung, Higgins?
Higgins: Richtig, Sir, warten Sies ab.
Nick: Mr. Carpenter hält sich selten hier auf, höchstens wenn er mal ungestört telefonieren will. Die Abrechnung macht er meist drüben im Lokal.
Higgins: Wußten Sie, daß in den Tischen Mikrophone versteckt sind, die es einem erlauben, die Gespräche der Gäste mitzuhören bzw. aufzunehmen?
Nick: Nein, davon hör ich zum ersten Mal.
Sir John: Natürlich. Das ist ja unglaublich. Was suchen Sie denn da, Higgins?
Higgins: Nur Geduld, Sir, nur Geduld. Dacht ichs mir doch.
Sir John: Das ist ja interessant.
Higgins: Davon hatten Sie natürlich auch keine Ahnung.
Nick: Nein, nein, ich schwöre, Inspektor.
Higgins: Hier also ist es.
Sir John: Aber das ist ja...
Higgins: Sehen Sie, Sir John, wie ich vermutet habe, mit Hilfe dieser Geräte konnte jedes einzelne Gespräch an den Tischen mühelos aufgezeichnet werden, sogar ein eigenes Funkgerät ist dabei, und da der Bildschirm, ich wette, daß der nicht zur Unterhaltung dasteht. Über diesen Bildschirm konnte er in aller Ruhe die Vorgänge im Lokal beobachten. Das hier, Sir John, was zumindest ein Schlupfwinkel des Jokers. War er selbst mal nicht da, hat ihm wohl Carpenter die Bänder überbracht.
Sir John: Das ist ja allerhand.
Higgins: Carpenter dürfte die rechte Hand des Jokers sein. Allein den Bluff, Silkwood und seine Leute in die Falle zu locken, mußten mindestens zwei Personen inszeniert haben.
Sir John: Ja aber wer ist denn nun dieser ominöse Joker wirklich, Higgins, dieser Amerikaner, dieser...
Higgins: Silkwood, Sir.
Sir John: Ja, Silkwood, der ist tot, Lady Smith ist tot, Harras ist tot, Miller haben wir verhaftet.
Hooper: Chiefinspektor?
Higgins: Ja, aber war zum Teufel macht ihr denn hier?
Hooper: Nachdem Sie uns von der Garage abkommandiert und wir keine weitere Order hatten, erhielten wir die Nachricht, daß Sie hier zu finden seien.
Higgins: Ich habe was?
Hooper: Wir fanden es ja auch etwas merkwürdig.
Sir John: Was ist merkwürdig?
Higgins: Das ist doch nicht zu fassen, die beiden wurden mit einem fingierten Funkspruch herbeordert, diesem Trick wird wahrscheinlich auch Hooper auf den Leim gegangen sein.
Sir John: Die bringen ja unser gesamtes Observierungssystem durcheinander. Was werden Sie jetzt unternehmen, Higgins?
Higgins: Sir John, Sie haben mit Ihrer Aufzählung vorhin demonstriert, daß nicht mehr als zu viele Personen als Täter in Frage kommen.
Sir John: Jajaja. Und?
Higgins: Ich habe das dumpfe Gefühl, die Stunden des Jokers sind gezählt. Guten Abend, Sir.
Sir John: Ja wohin wollen Sie denn jetzt, mitten in der Nacht.
Higgins: Einen Ölwechsel machen lassen.
Higgins: Guten Abend, Mr. Tanner.
Tanner: Sie könnten wenigstens anklopfen, Inspektor.
Higgins: Kommen Sie oder gehen Sie, Mr. Tanner?
Tanner: Ich wollte gerade weggehen, es ist heute wieder sehr spät geworden.
Higgins: Jaja, ich glaube, heute ist es für uns alle sehr spät geworden, Mr. Tanner.
Tanner: Können Sie mir verraten, was Sie um diese Zeit überhaupt hier noch wollen?
Higgins: Ich bin gekommen, um Ihnen etwas zurückzugeben, das Ihnen gehört, Mr. Tanner.
Tanner: Was ist das?
Higgins: Ihre Visitenkarte. Eine Jolly-Joker-Karte.
Tanner: Was soll das?
Higgins: Hm, eigentlich hätte ich es früher wissen müssen. 6000 Wagen der XJ-Serie, die allein in London zugelassen sind, aber nur in einem sitzt der Joker, der seinen Opfern wahrlich keine Rosen ins Grab streut, sondern Jolly-Joker-Karten. Tja, und als Sergeant Hooper ausgerechnet in dieser Gegend den Wagen aus den Augen verlor, war ich schon nahe dran zu glauben, den Täter zu kennen, aber dann, nein, nein, ein alter gebrechlicher Mann, es mußte ein Zufall sein.
Tanner: Bald fertig, Inspektor?
Higgins: Die Ereignisse, Mr. Tanner, auf die ich im einzelnen noch zu sprechen kommen werde, beginnen sich dann plötzlich zu überstürzen, und die Observierungs-streife, die ich hierher beordert habe, wird mit einem fingierten Funkspruch weggelockt, und dann komme ich hierher, und siehe da, der Jaguar, der angeblich schon seit 2 Jahren nicht mehr benutzt wurde, hat einen warmen Motor, und an den Reifen finde ich Spuren von Erdreich. Ja nun, vielleicht wieder ein Zufall, daß ausgerechnet heute der Joker in der freien Natur seinem blutigen Handwerk nachging.
Tanner: Sie meinen, jemand hat den Wagen benutzt?
Higgins: Aber Mr. Tanner, lieber Mr. Tanner, das wissen Sie doch?
Tanner: Was wollen Sie eigentlich?
Higgins: Hören Sie zu, Tanner. Als ich Sie das letzte Mal aufsuchte, sagte ich Ihnen, daß ich einen ganz bestimmten Wagen suche, heute bin ich wieder hier und ich suche nicht mehr den Wagen, sondern nur noch den Fahrer. Sehen Sie, es wäre ja durchaus möglich, daß Sie wie John Carpenter...
Tanner: Wer ist das?
Higgins: Daß Sie wie John Carpenter den Handlanger für irgend jemand gespielt haben, mittlerweile bin ich aber zu der Erkenntnis gekommen, daß Sie für eine derartige Statistenrolle zu clever sind, Mr. Tanner, ich möchte sogar sagen, zu ambitioniert, und das bedeutet, daß ich am Ende meiner Suche angelangt bin.
Tanner: Sie fantasieren.
Higgins: Es ging gar nicht primär um Tom Silkwood...
Tanner: Kenn ich nicht.
Higgins: Den Amerikaner, der sich ein wenig überschätzt hat, auch nicht um Lady Smith, die lange Zeit sehr geschickt aus dem Hintergrund agiert hat, es ging nicht einmal so sehr um das Montmartre, obwohl es doch der Quell Ihres ergaunerten Reichtums ist. Die Lösung des Falles hing mit einem einzigen Namen zusammen: Mr. Goldmann.
Tanner: Was hat denn Mr. Goldmann damit zu tun?
Higgins: Eigentlich nichts. Jedenfalls nicht der Mann auf dem Foto hier an der Wand.
Tanner: Was meinen Sie?
Higgins: Ich meine, daß der Mann auf diesem Foto hier an der Wand gar nicht Mr. Goldman ist, der Mann auf diesem Foto heißt Julano Montaldo und stammt aus Neapel.
Tanner: Sie sind ja verrückt!
Higgins: Nun ja, das werden die Gerichtspsychiater sehr rasch herausgefunden haben, wer von uns beiden verrückt ist. Anton Goldmann verkaufte seine Firma in Hongkong, und dann verliert sich seine Spur, und an seine Stelle trat Guliano Montaldo, und mich würde brennend der Verbleib des echten Anton Goldmann interessieren. Packen Sie aus, Tanner, oder Sie sollen mich kennenlernen.
Tanner: Ich habe keine Ahnung, wovon Sie reden.
Higgins: Na gut, dann muß ich eben offenbar noch deutlicher werden... – Sie also, Sie sind der Joker...
Goldmann: Nein, er. Ohne mich wären Sie jetzt ein toter Mann, Chiefinspektor. Sehen Sie selbst: Er hatte unter dem Schreibtisch eine Pistole bereitliegen. Wird man beim Yard nicht auf so was vorbereitet?
Higgins: Ich bin tief in Ihrer Schuld, Mr. Goldmann.
Sir John: Na, Higgins?
Higgins: Sir?
Sir John: Ohne Mr. Goldmanns Hilfe säßen Sie jetzt nicht hier.
Goldmann: Es war mir ein ausgesprochenes Vergnügen, Chiefinspektor.
Higgins: Vielen Dank, Mr. Goldmann. Bei Ihnen war ich auf dem richtigen Weg, Ihr Bruder hieß Anton und nicht Maximilian, und er ist auch nicht an Krebs gestorben.
Goldmann: Ganz recht.
Sir John: Ich habe übrigens vor zwei Stunden die Meldung durchbekommen, daß auch Carpenter an einer Straßensperre gefaßt werden konnte. Wir können den Fall also abschließen. Mich würde nur eines interessieren, Mr. Goldmann, wann sind Sie eigentlich Tanner auf die Schliche gekommen?
Goldmann: Später, Sir John, beinahe zu spät. Sehen Sie, mein Bruder Anton, wir hatten uns ziemlich aus den Augen verloren, Anton hatte sich entschlossen, seine Firma in Hongkong, die Goldmann Industries aufzulösen und nach London zurückzukehren. Er schrieb mir diesbezüglich Briefe, doch dann riß der Kontakt ab, und obwohl er schon in London gewesen sein mußte, verlor ich seine Spur. Tanner hatte ihn beseitigt oder ihn beseitigen lassen und sich dann das Geld aus dem Verkaufserlös der Firma angeeignet, Hauptakteur bei diesem Coup war wohl dieser Guliano Montaldo, der als Double meines Bruders in Aktion trat. Ich hoffe, Interpol wird das erledigen.
Higgins: Das wird sie ganz bestimmt, Mr. Goldmann, nur mit einem komm ich nicht klar, warum und wieso quartierten Sie sich dann bei Lady Smith ein?
Goldmann: Ich hatte einen Tip aus der Unterwelt erhalten, und beschloß, mich für einige Zeit für einige Zeit im Home of Peace niederzulassen. Ich konnte natürlich nicht wissen, daß Lady Smith und Tanner Todfeinde waren. Ursprünglich habe ich ja sie für den Joker gehalten.
Higgins: Jaja, das war auch der Fehler, der uns unterlaufen ist.
Goldmann: Tanner wußte ja nichts von mir, sonst hätte er sicher versucht, auch mich zu beseitigen. Ich wiederum hatte keine Ahnung, daß mein Bruder Anton Eigentümer dieser Garage war, erst Miss Lane machte ganz nebenbei eine Bemerkung über Ihren Verdacht, Chiefinspektor, ich sah mich dann eines Nachts in Tanners Büro um, und als ich die Geschäftspapiere durchgesehen hatte und das Bild an der Wand entdeckte, wußte ich, daß Tanner unser Mann ist.
Higgins: Ja, Sir John, wir fanden bei Tanner den Schlüssel zu einem Banksafe, als wir ihn öffneten, glaubten wir vor einem Pharaonengrab zu stehen, der Kerl hatte ein Millionenvermögen angehäuft, vorwiegend in Schmuck. Wie lange seine Aktivitäten zurückreichen, werden wir wahrscheinlich nie genau rekonstruieren können.
Sir John: Ja und warum mußte Harras sterben?
Higgins: Harras war ein Spitzel des Jokers. Aber wahrscheinlich wußte er selbst nicht um die Identität seines Auftraggebers. Ich könnte mir vorstellen, daß Carpenter ihn angeheuert hat, Tanner wollte Lady Smith wohl auf subtile Weise loswerden, und beauftragte Harras, uns auf ihre Spur zu bringen. Lady Smith, na ja, sie war ja auch mit allen Wassern gewaschen.
Sir John: Ja, wie dieser Tanner seine wahre Identität verborgen hielt, das war ja richtig genial.
Higgins: Richtig, Sir, und was uns alle täuschte, war sein Alter. Der Joker, ein mehr als 70jähriger Mann.
Goldmann: Es waren in der Tat mehrere Personen als mögliche Täter in Betracht zu ziehen. Nur Miss Lane habe ich gleich durchschaut. Sie hat sich so rührend um mich bemüht, wir haben sogar Schach miteinander gespielt, und da wußte ich gleich, das ist ein Heinzelmännchen...pardon...frauchen von Scotland Yard.
Sir John: Apropos Miss Lane, ich habe sie nach Harvard geschickt.
Higgins: Nach Harvard?
Sir John: Ja, ich kenne da eine entzückende Pension.
Higgins: Entzückend.
Sir John: Ja, ich bat Miss Lane, sich persönlich dort zu erkundigen, ob noch Zimmer frei sind, und wenn ja, gleich welche zu reservieren. Ich denke, Sie haben sich einen Urlaub verdient, Higgins, irgendwelche Einwände?
Higgins: Wie? Was? Nein, nein, Sir John.
Sir John: Na, dann viel Glück, Higgins.
Goldmann: Ja, viel Glück.
Sir John: Miss Pattison, meine Tabletten.
Ann Pattison: Aber Sir John, jetzt?
Chefinspektor Higgins: Horst Frank
Superintendant Barbara Lane: Brigitte Frank
Sir John (Chef von Scotland Yard): Wolfgang Reinsch
Ann Pattison (seine Sekretärin): Angela Stark
Billy Reynolds: Frank Scholze
Josua Harras: Willi Schneider
Sergeant Hooper: Berth Wesselmann
Lady Smith: Ingeborg Steiert
Theodor Goldmann: Walter Laugwitz
Tankwirtin: Helene Elcka
Mr. Tanner: Josef Meinertzhagen
Mr. Short: Klaus Spürkel
Lieutenant Rogers: Gerd Andresen
Nick: Andreas Szerda
Regie: Rolf Dienewald
Kommentar von Hörspiele |
Shirley Jackson: Das Haus (BR 1994)
Montague: Institut für Parapsychologie Dr. John Montague, sehr geehrte Mrs Vance, sie kennen meinen Namen wahrscheinlich nicht, ich bin Wissenschaftler und dennoch oder gerade deshalb hat mich die Erforschung sog. übersinnlicher Phänomene immer beschäftigt, im Augenblick habe ich die Möglichkeit im Rahmen eines Forschungsprojekts einem immer noch skeptischen und überheblichen Kollegenkreis einen konkreten Zusammenhang zwischen Psychologie und Parapsychologie experimentell zu demonstrieren.
Schwester: Dr Montague, ist das überhaupt sein richtiger Name.
Elinor: Es gibt einen Dr John Montague, Dr der Philosophie und Anthropologie, Promotion in Oxford 1950.
Schwester: Das klingt doch alles ziemlich unseriös. Ein Forschungsprojekt und experimentell. Was für Experimente will er denn da machen und ausgerechnet mit jemand wie dir.
Montague: Für die Durchführung des Projekts brauche ich noch einige Assistenten, welche Intelligenz und Sensibilität mitbringen sowie genaue Beobachtungsgabe und die Fähigkeit das Wahrgenommene schriftlich zu fixieren.
Schwester: Elinor, ich bin verheiratet, ich kenne die Männer, als deine ältere Schwester habe ich eine gewisse Verantwortung für dich nachdem Mutter tot ist.
Elinor: Carrie, ich bin 31.
Schwester: Du bist eigentlich zu alt um noch so naiv zu sein, aber wohl immer noch jung genug für Dummheiten.
Montague: Sie, Miss Vance erschienen mir für die Mitarbeit geeignet, ich bin auf ihren Namen in den Akten des parapsychologischen Institutes gestoßen im Zusammenhang mit Zeitungsberichten über ein unaufgeklärtes Poltergeistphänomen.
Schwester: Poltergeist was ist denn das für ein Unsinn.
Elinor: Das muß die Sache mit den Steinen sein, erinnerst du dich.
Elinor: Vater war gerade 1 Monat tot.
Schwester: Das ist 20 Jahre her.
Elinor: Ja ich war gerade 12.
Schwester: Ah Steine die plötzlich auf unser Hausdach regneten, ins Fenster flogen von irgendwo her, das warst natürlich du um dich wichtig zu machen.
Elinor: Es waren die Nachbarn um uns zu ärgern, das hat Mutter damals den Reportern auch gesagt.
Montague: Mein Angebot für ihre Mitarbeit wäre Experiment und Urlaub in einem, vier Wochen in einem schönen alten Landhaus in ruhiger Lage das allerdings nur mit dem Auto erreichbar ist.
Schwester: Das Auto niemals.
Elinor: Es ist zur Hälfte auch mein Auto, wir haben es gemeinsam gekauft als ich noch.
Schwester: Aber ganze vier Wochen lang.
Elinor: Ich habs im letzten Jahr nicht einmal benutzt.
Schwester: Elenor, wenn du unbedingt Hals über Kopf einem wildfremden Mann nachrennen willst, ist das schlimm genug, aber nicht mit meinem Auto.
Elinor: Das kannst du ihm ruhig schreiben deinem Dr Montague.
Montague: Liebe Mr Vance, ich freue mich zu hören daß sie meiner Einladung folge leisten möchten, beigefügt finden sie eine genaue Wegbeschreibung die sie sicher zu Crains Hall unserem Hause führen wird.
Elinor: Zu Crains Hall unserem Haus, klopf klopf klopf.
Mrs Dudly: Was wollen sie?
Elinor: Ich entschuldigen Sie bitte mein Name ist Elinor Vance, ich werde hier erwartet.
Mrs Dudly: Von wem.
Elinor: Von Dr, ist denn Dr. Montague nicht da, wo sind denn die anderen Gäste.
Mrs Dudly: Hier sind keine Gäste.
Elinor: Aber sie sind doch Mrs Dudly die Haushälterin, ich meine das ist doch Crains Hall.
Mrs Dudly: Was sonst.
Elinor: Sehen sie, ich habe eine schriftliche Einladung von Dr. Montague oder hab ich mich im Datum geirrt, wo ist denn der Brief, ach wie dumm, ich hab den Brief im Auto liegen lassen ich kann ihn aber holen.
Mrs Dudly: Hier lang, ihren Koffer müssen sie selber tragen.
Elinor: Oh schwarze Holztäfelung bis zur Decke findet man selten.
Mrs Dudly: Das grüne Zimmer.
Elinor: Danke. Ein bißchen dunkel aber ja könnte man vielleicht das Fenster auf.
Mrs Dudly: Die Zimmer gehen mich nichts an, ich richte das Abendessen im Speisesaal her, Punkt 6, sie müssen sich selbst bedienen, ich räume am anderen morgen ab, Frühstück mach ich um 9, ich bleib hier nicht übernacht, ich gehe bevor es dunkel wird.
Elinor: Ich verstehe.
Mrs Dudly: Ich wohne im Ort, kein Angestellter würde hier im Haus übernachten.
Elinor: Ich verstehe.
Mrs Dudly: Es wird also niemand im Haus sein, falls sie Hilfe brauchen.
Elinor: Ich verstehe.
Mrs Dudly: Niemand, nachts wenn es dunkel ist.
Elinor: Mrs Dudly, Mrs Dudly, wo ist denn der Schlüssel hat das Zimmer keinen Schlüssel oh nein, nein nein.
Theodora: Das darf doch einfach nicht wahr sein nein, ha.
Elinor: Mein Gott bin ich froh daß sie da sind, geben sie mir doch die Tasche da.
Theo: Danke.
Elinor: Ich bin Elinor Vance.
Theo: Theodora, einfach Teo.
Elinor: Theo.
Theo: Puh dieses Monstrum von einem Haus, dieser häßliche.
Elinor: Sind sie auch so erschrocken als sie es das erste mal gesehen haben.
Theo: Hrm.
Elinor: Oh Mrs Dudly, geben sie ihr doch bitte das Zimmer neben meinem.
Mrs Dudly: Das blaue Zimmer.
Theo: Wunderbar, bestens geeignet als kleine private Aussegnungshalle.
Elinor: Mein Zimmer ist genau das gleiche in grün, ja wirklich dunkelgrün wie kalter Spinat.
Theo: Oh wie lecker.
Elinor: Und wir haben ein gemeinsames Badezimmer mit Durchgangstür.
Mrs Dudly: Ich richte das Abendessen im Speisesaal her, punkt sechs, sie müssen sich selbst bedienen, ich räum am andern Morgen ab, Frühstück mach ich um 9, ich bleibe hier nicht übernacht.
Elinor: Kein Angestellter würde hier im Haus übernachten.
Mrs Dudly: Es wird also niemand da sein falls sie Hilfe brauchen.
Elinor: Nachts wenn es dunkel ist.
Theo: Hab ich das richtig verstanden, diese reizende Dame wollte uns soeben klarmachen daß es völlig zwecklos ist nachts nach ihr zu rufen.
Elinor: So ist es.
Theo: Ehrlich gesagt ich kann mir im Moment keine noch so schlimme Situation vorstellen in der ich ausgerechnet Mrs Dudly zu hilfe rufen würde.
Elinor: Ich würde eher nach Graf Dracula klingeln, haha, was ist, wollen wir gemeinsam diesen Ort des Schreckens erkunden.
Theo: Ja aber nur wenn mich die große Schwester an die Hand nimmt. Oh eiskalt, sie hatten ja wirklich Angst, ganz ruhig, jetzt ist ja Theo da. Lehrerin, ich finde Kinder ja wunderbar, sie sind noch so spontan neugierig vital.
Elinor: Und eine Pest wenn man ihnen beibringen muß still zusitzen.
Theo: Du haßt deine Arbeit.
Elinor: Kann man denn leben von sowas wie Malerei.
Theo: Wir haben noch ein kleines Antiquitätengeschäft mein Freund und ich.
Elinor: Hättest du gedacht daß es nur ein paar hundert meter vom Haus entfernt ein so schönes Plätzchen gibt.
Theo: Wir haben uns gestritten, ich glaube sonst wäre ich gar nicht hergekommen, macht der mir einen Heiratsantrag.
Elinor: Und du haßt es geheiratet zu werden.
Theo: Ja aber jetzt gefällt es mir hier, in der Sonne, außer Sichtweite dieses häßlichen Hauses und mit dir an meiner Seite.
Elinor: Wenn ich mir die Wiese so anschaue.
Theo: Picknick ein Platz für ein Picknick.
Elinor: Genau das wollte ich sagen, kaltes Huhn und Schinkenbrote.
Theo: Schokoladenkuchen, Ameisen, Wespen.
Elinor: Harte Eier und das Salz vergessen, himmelblaue Plastikbecher.
Theo: Oh nein Horn und Silber meine liebe und im Weidenkörbchen wir werden.
Elinor: Was ist das da drüben zwischen den Bäumen.
Theo: Ein Werwolf was sonst.
Elinor: Wir sollten gehen, vielleicht sind die anderen schon da und warten auf uns.
Theo: Du hast immer noch Angst, das ist gefährlich mein Schatz.
Elinor: Aus welchem Grund bist du eingeladen worden.
Theo: Ich hab mal aus puren Spaß an einem Experiment teilgenommen, versteckte Karten erraten, ich hatte eine Trefferquote von 80 %.
Elinor: Und.
Theo: Purer Zufall was sonst, du hast immer noch kalte Hände.
Elinor: Ja, ist die Reise zu Ende reichen wir uns die Hände wenn der abend kommt.
Theo: Hübsch.
Elinor: An der nächsten Biegung sieht man es wieder.
Theo: Das gräßliche Haus, es hat ein Gesicht, es sieht dich an.
Elinor: Dieser große Turm, hab ich Sehstörung oder.
Theo: Er ist schief.
Elinor: Er ist schief nicht.
Theo: Und ich denke mit voller Absicht des Erbauers, hallo was ist denn da vorgefahren.
Elinor: Wo.
Theo: Nicht daß ich mich mit teuren Autos auskenne aber das ist bestimmt ein sehr teures.
Elinor: Jede Wette.
Theo: Entweder ist der Besitzer um die 50 glatzköpfig häßlich oder oder wenn er jung und attraktiv ist dann er hat das hier nicht mit seiner Hände Arbeit erworben, hab ich zu meiner Freundin gesagt.
Elinor: Theo.
Luke: Ja sie hat völlig recht ihre Freundin, das ist nur ein kleiner Vorschuß auf ein größeres Erbe.
Theo: Wie faszinierend.
Elinor: Und was werden sie erben Mr Sanderson.
Luke: Luc, bitte wie Theo und Elinor, nunja dies und das, diese exklusive Sommer-residenz zum Beispiel.
Theo: Ein guter Witz.
Luke: Leider nein, das Haus gehört meiner Tante Mord in London, genannt Erbtante und ihre Bedingung dafür es Dr Montague zu vermieten für sein Projekt war daß ich daran teilnehme, vielleicht hatte sie Angst die anderen könnten sich am Familiensilber vergreifen.
Theo: Und welche Farbe hat ihr Zimmer.
Luke: Sie werden es nicht glauben.
Theo: Nun.
Luke: Rosa.
Theo: Hahah.
Luke: Ja zugewiesen wurde es mir von einer Dame mit einem Gesicht, das ihr eine tragende Rolle in dem Film die Nacht der lebenden Toten garantieren würde.
Theo: Ja unsere gute Mrs Dudly.
Elinor: Und Dr Montague, wie ist der, kennen sie ihn.
Luke: Ehrlich gesagt, ich bin froh daß ich hier bin, ihrer Sicherheit wegen, er hat ja das muß man zugeben eine gewisse dämonische Faszination, etwas mephistofiles.
Montague: Hallo, schön daß sie schon alle da sind, das Abendessen wartet, kommen sie, ich bin Dr. Montague.
Theo: Mit blondem Bart.
Elinor: Und Goldrandbrille.
Montague: Es freut mich, wenn mein Erscheinen sie so fröhlich stimmt meine Damen auch wenn ich nicht ganz verstehe warum.
Luke: Jugendliche Gemüter Dr, die für ihre Heiterkeitsausbrüche keinen besonderen Anlaß brauchen.
Theo: Luke der Lügner, es wird spannend.
Montague: Der erste Abend. Mrs Elinor Vance, Mrs Theodora, Mr Luke Sanderson und ich, die beiden Frauen hoffentlich mit medialer Veranlagung, die Teilnehmer erhalten von mir die nötigen Informationen und lernen sich kennen.
Theo: Dr. erzählen sie weiter.
Montague: Wo war ich stehen geblieben.
Luke: Wir waren bei meinem legendären Urgroßonkel Henry Craine, dem Erbauer des Hauses und seinem naja sagen wir mal etwas seltsamen Charakter.
Montague: Ja, der arme Henry Craine, als seine Frau nach der Geburt des zweiten Kindes starb, verfiel er ganz der Melancholie.
Theo: Kinder, in dieser Plüschgruft sind Kinder aufgewachsen.
Montague: Zwei Mädchen, aber sie sind wohl auch nicht besonders glücklich geworden.
Luke: Das wundert mich nicht.
Montague: Die ältere Schwester blieb unverheiratet und wohnte im Haus und als sie krank und alt war nahm sie eine junge Frau aus dem Dorf als Pflegerin und Hausmädchen zu sich.
Theo: Grauenhafte Vorstellung so eine Arbeit machen zu müssen.
Montague: Nun ja die Leute hier waren sehr arm und es sah zunächst so aus, als bekäme dieses Hausmädchen für die verlorenen Jugendjahre wenigstens eine materielle Entschädigung, als die alte Dame starb vermachte sie ihr das Haus.
Theo: Wenn ich so was erben würde ich würd es sofort in die Luft jagen oh pardon Mr Sanderson.
Luke: Luke.
Theo: Luke.
Luke: Glauben Sie etwa ich habe die Absicht jemals hier zu wohnen, ich werde das Ding natürlich sofort verkaufen.
Theo: Falls sie einen Käufer dafür finden.
Elinor: Was wurde aus dem Hausmädchen, hat sie hier gelebt.
Montague: Ja aber nicht lange, die andere Schwester focht das Testament an und gewann, an dem Tag als sie den Brief mit dem Bescheid bekam erhängte sich die junge Frau.
Elinor: In dem Schiefen Turm.
Montague: Woher wissen sie das.
Elinor: Was, ich ich dachte es mir nur so, wenn wenn ich mich hier erhängen wollte, würde ich Gott entschuldigung ich rede dummes Zeug.
Luke: Nein nein sie hat völlig recht, der beste Ort hier für einen stilvollen Freitod ist der Turm, noch einen Martini für Elinor.
Elinor: Ja bitte danke.
Theo: Und, weiter.
Montague: Was bitte weiter.
Theo: Die Pointe ihrer Geschichte, die Leiche im Keller, der Mörder mit dem Beil.
Luke: Das Monster mit den spitzen Zähnen, naja was man so erwartet in einem Bauwerk wie diesem.
Montague: Sie spüren also auch die besondere Atmosphäre des Hauses.
Theo: Es ist besonders häßlich.
Luke: Naja, es ist nicht gerade ein architektonisches Glanzstück aber.
Elinor: Mir macht es Angst.
Montague: Angst wovor denn.
Elinor: Ich weiß nicht.
Theo: Gibt es noch einen Martini für Theo.
Luke: Aber gerne, oh nein, die Flasche ist leer.
Montague: Auf der Anrichte im Speisesaal steht noch eine.
Theo: Ich hole sie.
Montague: Nein.
Luke: Ich brauche noch ein bißchen Bewegung.
Montague: Nein Theodora, lassen sie mich lieber.
Theo: Ich habe keine Angst Dr.
Luke: Oder wir gehen zusammen.
Theo: Haha.
Elinor: Dr Montague, was sollen wir in diesem Haus, was erwarten sie von uns.
Luke: Tja Dr Schönheit und praktische Vernunft ein gefährliches Paar unsere Damen.
Montague: Glauben sie an Gespenster.
Elinor: Natürlich nicht.
Montague: Gut, das würde ich auch sagen wenn man mich so fragt, woran ich allerdings glaube ist daß bestimmte Kräfte die Psyche derart beeinflußen können, daß eine Art Rückwirkung auf deren Umgebung entsteht, können sie mir folgen.
Theo: Nein.
Montague: Tatsache ist, dieses Haus ist in all den Jahren seit dem Tod des Hausmädchens dutzende Male vermietet worden aber kein Mieter hat es hier lange ausgehalten und immer wieder mit den abenteuerlichsten Begründungen die Flucht ergriffen, zu trocken, zu feucht, zu stickig, zu zugig, magnetische Ströme, unterirdische Wasseradern usw ja und seit 10 Jahren steht das Haus leer.
Luke: Was ist denn jetzt. Also.
Theo: Elinor. Elinor.
Luke: Merkwürdige Hörspiele bringen die manchmal.
Elinor: Das ist kein Hörspiel.
Theo: Elinor, Luke.
Elinor: Theo.
Montague: Wir hätten sie nicht allein gehen lassen sollen. Wo sind sie.
Theo: Hier.
Montague: Wo denn.
Theo: Mach die Tür auf.
Luke: Da. Da da kommt die Stimme her. Hinter der Wand.
Elinor: Aber da führt kein Weg in den Nebenraum.
Theo: Kommt denn niemand.
Elinor: Theo. Theo.
Montague: Nein nein das ist der richtige Weg, hierhier, hierher.
Au.
Theo: Na endlich.
Luke: Alles in Ordnung.
Theo: Na klar mir gehts blendend.
Luke: Gut.
Theo: So gut wie es einem gehen kann wenn man gerade kopfüber in ein dunkles Zimmer gestürzt ist.
Luke: Also sowas, da sind ja Stufen zwischen den Zimmern, das ist aberwitzig.
Theo: Dann fällt diese verdammte Tür hinter mir zu und als ich sie endlich finde im Dunkeln ist sie abgeschlossen.
Montague: Das war sie nicht, sehen sie, dieses Zimmer hat 3 Türen mit Stufen, sie haben an der falschen gerüttelt, der Weg zum Speisesaal war das übrigens auch nicht.
Theo: Aber ich hätte schwören können, mein Ortssinn ist untrüglich.
Montague: Nein, sie haben schon im ersten Raum die falsche Tür erwischt.
Theo: Diese verdammte Haus, ich hasse es.
Montague: Ich habe den Weg erst mit dem Grundrißplan suchen müssen, tja liebe Freunde wir sollten eines daraus lernen, niemals alleine hier herumzustöbern.
Elinor: Vor allem Nachts, nachts wenn es dunkel ist.
Montague: Nach einigen weiteren Drinks haben sich alle zurückgezogen, erstaunlich wie still es hier draußen ist, auch bei offenem Fenster kaum ein Laut aus dem Park, es regnet wieder, auch fast lautlos, ich bin sicher, diese erste Nacht wird erwartungsgemäß verlaufen.
Elinor: Ist noch ein Schluck Kaffee da.
Luke: Ja gerne.
Montague: Nachdem wir alle ausgezeichnet geschlafen und nichts ungewöhnliches erlebt haben.
Luke: Nein halt ich protestiere, ich habe von Mrs Dudly geträumt, ja sie schwebte in einer grünlichen Aura auf mich herab und.
Mrs Dudly: Ich räume um 10 Uhr ab, es ist fünf nach 10.
Montague: Selbstverständlich Mrs Dudly, es war ein ausgezeichnetes Frühstück.
Luke: Und auch das Abendessen wirklich, war ausgezeichnet.
Theo: Ja wirklich wunderbar.
Elinor: Wir können heute abend das Geschirr auch selbst in die Küche zurücktragen.
Mrs Dudly: Ich räume am anderen Morgen ab, ich kenne den richtigen Platz für alles.
Montague: Also dann, auf zur Hausbesichtigung.
Theo: Unglaublich, Räume ganz ohne Fenster.
Montague: Davon gibt es noch vier, nein hier entlang, das ist eine Sackgasse. Luke wo sind sie.
Luke: Hier komme.
Elinor: Warum so viele verwinkelte und verdunkelte Räume.
Theo: Viktorianisch, damit man sich besser verstecken kann.
Luke: Verstecken und erschrecken.
Montague: Bitte kommen sie.
Elinor: Was war das.
Montague: Merkwürdig, ich hab alle Türen hinter uns offen gelassen.
Theo: Da schon wieder, ganz von selbst.
Luke: Ich werd jetzt überall Stühle in die Türen stellen.
Montague: Ich habe den Verdacht, daß die Türstöcke von anfang an etwas schief konstruiert sind, ja damit genau dieser Effekt eintritt.
Luke: Mit einer Wasserwaage könnte man das nachprüfen.
Theo: Elinor.
Montague: Alles in Ordnung mit ihnen.
Elinor: Ja, ich bin über den Schemel gestolpert, brauner Teppich, brauner Samt, ich hab ihn einfach nicht gesehen.
Theo: Ein tückisches Miststück von einem Haus.
Elinor: Ich will hier raus.
Luke: Als hätte ich Gleichgewichtsstörungen.
Theo: Meine Eltern haben mich mal auf dem Rummelplatz in so eine verrückte Hütte mitgenommen, da waren alle Wände ein bißchen schief und die Fußböden auch.
Luke: Gibt es da nicht eine Stelle, wo ein Luftzug den Damen unter die Röcke weht.
Theo: Mr Sanderson, mir war jedenfalls sterbenselend als ich wieder herauskam.
Montague: Wenn unsere Erwartungshaltung an Architektur, klare Linien, rechte Winkel, Aufteilung nach den Gesetzen von Symmetrie und Proportionen ständig enttäuscht wird, das erzeugt auch so etwas wie ein Schwindelgefühl.
Theo: Da haben wir es doch, dieses ganze Haus ist ein einziger Jahrmarktscherz.
Luke: Still hab ich Halluzinationen oder.
Theo: Nein, ich hörs auch.
Luke: Wo kommt denn das her.
Theo: Dr Montague was ist das.
Luke: Warten Sie, machen sie mal diese Türe auf und zu, auf und zu.
Theo: Luke bleiben sie hier.
Montague: Ich glaube ich weiß was er tun wird er nimmt die Stühle in den Türen weg.
Luke: Türen zu, kein Zugluft mehr, kein Geheul, Henry Craine der Irre hat sein Horrorkabinett mit allen Tricks ausgestattet.
Montague: Es könnte von den geschnitzten Gesichtern über den Türen herkommen, die Mundöffnungen als Schalltrichter.
Luke: Möglich, Metallzungen vielleicht.
Theo: Elenor, Elenor, wo ist Elenor.
Elinor: Mein Gott, haben sie mich erschreckt.
Luke: Also wer hier wen erschreckt hat darüber sollten wir jetzt lieber nicht streiten ja.
Elinor: Ich hab nur den Turm angeschaut, hier vom Balkon aus, er ist schief, ganz schief.
Luke: Sie hingen auch schon halb über der Brüstung.
Elinor: Mir ist ein bißchen schwindlig, sie müssen mich nicht festhalten, sie müssen nicht den edlen Lebensretter spielen.
Theo: Elinor, was war denn plötzlich.
Montague: Warum befolgen sie nicht meinen Rat und bleiben beisammen.
Theo: Ich werde dich heute nicht mehr aus den Augen lassen, das versprech ich dir mein Schatz.
Theo: Elinor bist du noch da.
Elinor: Natürlich.
Theo: Was machst du.
Elinor: Ich denke nach.
Theo: Über etwas erfreuliches hoffe ich.
Elinor: Ja über dich.
Theo: Sehr gut.
Elinor: Du bist hinreißend, zart und wunderschön, ich hasse dich.
Theo: Was hast du gesagt.
Elinor: Nichts.
Theo: Verdammt ich hab meinen Nagellack vergessen, hast du vielleicht welchen dabei, Burgunderrot.
Elinor: Nein.
Theo: Du benutzt auch kein Maskcara, Makeup, Lippenstift.
Elinor: Nein.
Theo: Das solltest du aber, du würdest gleich viel hübscher aussehen.
Elinor: Hübscher.
Theo: Nicht für einen Mann für dich selbst es ist ein gutes Gefühl sich zu schmücken, naja ich gebs ja zu ich übertreibs manchmal ein bißchen, schau nur an was ich alles mitgeschleppt habe, eine handbemalte Seidenbluse und das hier maßgeschneidert, meine schönsten Sachen zusammengerafft nur für diese blöde Haus, du warst viel vernünftiger, hast nur was schlichtes und praktisches mitgenommen.
Elinor: Du wirst es nicht glauben, ich hab auch meine schönsten Sachen zusammen.
Theo: Was sagst du. So und jetzt werde ich mir als erstes den Grundriß von Crains Hall abzeichnen, ich werde überhaupt so viel wie möglich zeichnen von den Abartigkeiten dieses Hauses und dich auch.
Elinor: Elinor zwischen Drachen, Furien, Chimären.
Theo: Nymphen, Putten, Grazien, bleib also stehen.
Elinor: Nein Theo.
Theo: Halt mal still. Du magst dich selbst nicht, warum.
Elinor: Bitte hör auf.
Theo: Ich hab das Gefühl, du solltest abreisen, so schnell wie möglich.
Elinor: Warum, mir gefällt es hier.
Theo: Eben, deshalb.
Montague: Der zweite Abend, die Teilnehmer beginnen sich an das Haus zu gewöhnen, auch Mrs Vance, die zu Beginn hochgradig verspannt und nervös war, wenn die mir bekannten Berichte über Crains Halls der Wahrheit entsprechen, müßte die zweite Nacht.
Elinor: Na Mutter ich hör dich, ja, ja, ich hör dich ja.
Theo: Elinor, Elinor, hast du es auch gehört, komm rüber zu mir.
Elinor: Was ist.
Theo: Pst. Da da ist es wieder, ich dachte ich hätte es nur geträumt, es ist kalt hier, es ist eiskalt, vielleicht der Dr oder Luke, gib mir noch ne Decke. Es kommt näher. Ist die Tür abgeschlossen. Ja. Es ist nur ein Geräusch. Geh weg. Ist mir kalt.
Elinor: Mir auch.
Theo: Wo ist Luke, wo ist der Doktor.
Elinor: Ich glaube. O Gott es weiß jetzt, daß wir hier sind. Du kommst hier nicht rein.
Montague: Da war doch Elenors Stimme.
Luke: Ja aber aus Teos Zimmer.
Montague: Hallo wir sinds.
Theo: Doctor, Luke, gott sei dank.
Luke: Ist alles in Ordnung.
Montague: Ist irgendwas passiert während wir weg waren.
Theo: Ja eigentlich nichts besonders, es hat nur irgendwas mit einem Brecheisen an unsere Tür geklopft weil es uns gern fressen wollte, und wo wart ihr, ihr furchtlosen Beschützer.
Montague: Wir haben einen Hund gejagt.
Theo: Einen Hund hier im Haus.
Luke. Ja einen Hund oder so was ähnliches, es war ein großes schwarzes Tier, ich habs nicht genau gesehen unten in der Halle, dann war es plötzlich weg.
Theo: Haben Sie denn das Klopfen nicht gehört.
Montague: Keinen Laut.
Luke: Wir dachten sie schlafen friedlich da oben bis wir sie schreien hörten.
Montague: Moment, Moment, sieht das nicht so aus, als wären ob Luke und ich mit Absicht weggelockt worden weg von ihnen, Freunde wir müssen auf der Hut sein.
Montague: Irgendetwas kommt in Bewegung, prompt oder fast ein wenig zu prompt, aber wichtig ist nur den Überblick zu behalten. Der dritte Tag.
Luke: Fällt ihnen nichts auf an unseren beiden Damen, Doktor.
Montague: Nein.
Luke: Sehen sie doch mal, unsere schöne Theo gleicht heute einer müden Rosenblüte, guten Morgen Theo, Eleinor dagegen sieht sie nicht ausgesprochen frisch ja geradezu stahlend aus, gar nicht wie jemand der so eine aufregende Nacht hinter sich hat.
Theo: Tu mir jetzt bloß nicht den Gefallen rot zu werden.
Luke: Doch, doch aufregende Nächte scheinen ihnen zu bekommen, Mrs Vance, ich finde sie sollten sich mehr davon gönnen.
Montague: Na ich hoffe wir haben einen ruhigen Tag. Ich will ihnen noch eine kleine Spezialität des Hauses zeigen, etwas das es in alten Gemäuern öfter gibt.
Theo: Die Falltür zur geheimen Folterkammer hoffe ich.
Montague: Lassen sie sich überraschen.
Elinor: Huch, kalt wie in einer Gruft.
Montague: Jetzt treten sie wieder einen Schritt zurück.
Elinor: Es ist weg, tatsächlich, kalt warm.
Montague: Für diese kalten Stellen in geschlossenen Räumen gibt es keine naturwissenschaftliche Erklärung.
Luke: Also wenn ich das Thermometer hinhalte zeigt es keine Veränderung.
Montague: Ja das sagte ich ja.
Luke: Dann ist diese Kälte hier ein ganz subjektives Empfinden.
Theo: Seien Sie mir nicht böse, aber ihre kalten Stellen lassen mich ziemlich kalt, ich möchte lieber eine Skizze von Haus machen.
Montague: Aber sie dürfen nicht allein gehen.
Luke: Ich würde sie gern begleiten aber Dr Montague braucht mich als Helfer.
Elinor: Das kann ich auch tun falls sie mir das zutrauen.
Montague: Selbstverständlich.
Elinor: Praktische Vernunft.
Theo: Ich habe nichts gegen Begleitung, ich brauche in den Räumen extra Licht.
Luke: Ich werde mein bestes tun.
Theo: Sie brauchen nur ihr Taschenlampe gerade zu halten.
Elinor: Es ist nicht einfach kalt, es ist, ich habe das Gefühl jemand will mir was antun.
Montague: Gehen sie raus aus der Kälte.
Elinor: Es ist ein ganz ähnliche Kälte wie gestern nacht als es an der Tür geklopft hat.
Montague: Haben sie das alles aufgeschrieben, nicht nur die Vorgänge auch ihre Empfindungen dabei und evt. Veränderungen die sie an sich selbst spüren, wissen sie, die Einfallpforte für Geister ist unsere eigene Psyche und wenn es da Schwachstellen gibt.
Luke: Doktor Montague, da ist etwas, das sie sich ansehen sollten.
Montague: Luke alleine, wo ist Theorora.
Luke: Sie ist auf ihrem Zimmer, kommen Sie.
Theo: Da, sehen sie sich das an, alles beschmiert, da, es ist eine Schweinerei.
Luke: Was ist das Dr, Blut.
Montague: Das glaube ich nicht.
Theo: Was soll ich denn jetzt anziehen.
Elinor: Das ist Farbe, rote Farbe aus deinem Malkasten.
Theo: Was, glaubst du etwa, ich verdrecke mir meine eigenen Sachen, da ist kein einziges Stück mehr heil. Du warst es, ja genau du warst es.
Elinor: Du bist ja verrückt.
Montague: Unsinn, Elinor war doch den ganzen Morgen mit uns zusammen oder.
Luke: Ich glaube schon.
Theo: Die Bluse kann ich wegwerfen, das krieg ich nie wieder raus.
Luke: Ich könnte mein Kashmirpulover anbieten oder den Seidenpyjama.
Elinor: Ich kann ihr auch was geben, allerdings nur was schlichtes und praktisches.
Montague: Schade, in der Stadt könnte ich diese rote Substanz chemisch analysieren lassen aber hier.
Elinor: Da an der Wand seht doch, das ist ein E.
Luke: Die ist ja auch beschmiert bis zu Decke.
Elinor: Der Buchstabe E, E wie Elenor.
Montague: Es könnte ein E sein, ja, sehr schief zwar.
Elinor: Wissen Sie, was das bedeutet, es kennt meinen Namen.
Montague: Es kennt die Namen von uns allen.
Elinor: Aber es meint mich, es steht da nicht T wie Theo oder L wie Luke sondern E wie Elinor.
Luke: Sie könnten sich ja gerade geschmeichelt fühlen von der Aufmerksamkeit dieses Haus.
Elinor: Ihr billiger Zynismus ist widerwärtig, ich würde ihnen zutrauen, daß sie das getan haben.
Luke: Was denn E wie Elenor an die Wand pinseln, ist das vielleicht eine geheime Wunschvorstellung von ihnen, soll ich E wie Elinor an alle Wände pinseln.
Montague: Ruhe Freunde, beruhigen Sie sich, merken sie nicht, Theo gegen Elinor, Elinor gegen Luke, wohin soll das führen.
Luke: Alle gegen Dr Montague, wohin denn sonst.
Elinor: Das ist ja ekelhaft, richtig widerwärtig, warum zeigen sie mir das.
Luke: Ich mußte es einfach jemandem zeigen, ich habs hier im Regal gefunden, die sieben Todsünden und ihre Bestrafung.
Elinor: Für meine beiden Töchter zu Belehrung und Abschreckung, eigenhändig illustriert von Henry Craine.
Luke: Diese Bilder, ein kranker.
Elinor: Glaubt mir, das alles tu ich nur zu eurem besten und aus tief empfundener Liebe für euch meine Kinder, ein Alptraum von einem Vater.
Luke: Tja besser so aufzuwachsen wie ich von einem Internat ins andere.
Elinor: Ich war zuhause bei meiner Mutter.
Luke: Sie glückliche, hab mir immer gewünscht.
Elinor: Ich brauche Luft.
Luke: Halt warten sie doch.
Elinor: Hat der arme kleine Junge etwa Angst allein mit Urgroßonkel Henry.
Luke: Immer schön zusammenbleiben, Befehl von Onkel Doktor, jetzt machen wir gemeinsam einen Spaziergang.
Montague: Der dritte Abend, Spannungen in der Gruppe, nur Mrs Vance wirkt erstaunlich ausgeglichen.
Elinor: Für mich war das Alptraum, dies Klopfen an der Tür.
Montague: Aber ein Alptraum, den sie mit Theo geteilt haben.
Theo: Allerdings.
Luke: Und das mit Theos Kleidern, ein Alptraum von uns allen.
Elinor: Die Flasche ist leer, ich hol uns eine neue.
Luke: Ach Elinor soll nicht ich.
Theo: Sie haben sich ganz schön Zeit gelassen Mr Sanderson, sie fürchten sich doch nicht etwa vor ihrem eigenen Haus.
Luke: Erwarten sie immer Heldentaten von Männern.
Theo: Nicht von jedem.
Luke: Wissen Sie, ich hatte ein paar Freunde, tollkühne Jungs, Teufelskerle, na ja, ich bin noch am leben.
Montague: Aha, heute haben wir Theo gegen Luke.
Mrs Dudly: Suchen Sie eine neue Flasche.
Elinor: Oh Mrs Dudley, sie sind noch da.
Mrs Dudly: Da steht sie.
Elinor: Ich werd die Auflaufform heute abend gleich saubermachen.
Mrs Dudly: Sie sind Drecksarbeit gewohnt, man sieht es an ihren Händen.
Elinor: Ich.
Mrs Dudly: Sie haben nie dumme Witze über das Haus gemacht.
Elinor: Nein.
Mrs Dudly: Aber sie fürchten es auch nicht mehr.
Elinor: Nein, ich fühle mich hier wie.
Mrs Dudly: Sie sollten gehen.
Elinor: Warum.
Mrs Dudly: Bevor es zu spät ist, gute Nacht.
Luke: Ich möchte jetzt einen Mozart zu Mrs Dudlys exzellenten Souffle naja oder.
Radio: Über die Rolle der Ilusion in unserem Leben.
Montague: Halt warten Sie Luke.
Radio: Daß sich kein Mensch längere Zeit dem Bewußtsein seiner reinen Realität aussetzen kann ohne Schaden zu nehmen. Träume, Tagträume, Illusionen sind unentbehrliche Schutzmechanismen der Psyche, schon bei höherentwickelten.
Luke: Scheiß Kasten.
Theo: Aber Mr Sanderson, wo bleiben denn ihre Manieren, die teure Erziehung.
Luke: Das ist doch unglaublich, kein einziger Sender geht mehr rein.
Montague: Eine atmosphärische Störung vielleicht.
Elinor: Nein.
Theo: Elinor, jetzt schleichst du dich schon an wie Mrs Dudley.
Elinor: Es ist das Haus, es isoliert uns von der Außenwelt, es will nicht daß wir etwas anderes hören als seine eigene Stimme.
Montague: Wenn ich den Eindruck bekäme, daß das Haus irgendeinem von ihnen gefährlich werden könnte würde ich ihn sofort nach Hause schicken.
Radio: Elenor Rigby.
Theo: Sie sagt immer zu Elinor. Elinor.
Montague: Der vierte Tag, ja es ist etwas in Bewegung geraten, ich spüre es, obwohl die Nacht ruhig verlaufen ist wie erfahrungsgemäß jede zweite Nacht in einem Haus mit übersinnlichen Erscheinungen, es gibt hier Manifestationen, aber anders als ich es erwartet habe, die Ahnung einer kühnen Theorie, Elinor Vance, wirklich bedauderlich daß ich mich ihr heute nicht gründlicher werde widmen können.
Theo: Elinor du hast dir die letzte Tasse Kaffee genommen.
Elinor: Ach entschuldigung, ich überlasse sie selbstverständlich dir.
Luke: Vorsicht, Mrs Vance, ist doch mein bestes Service.
Elinor: Ach Gott Luke plötzlich peinlich kleinlich.
Montague: Ja Mr Dudly ist leider etwas sparsam mit dem Kaffee.
Theo: Unerschrockener Luke könnten sie nicht in die Küche gehen und.
Luke: Abgelehnt, als ich gestern Mrs Dudly um eine zweite Kanne bat, da hat sie mich gemustert wie einen Schmutzfleck auf ihrer Sonntagsbluse.
Elinor: Ein Auto ist vorgefahren.
Theo: Nur eine Sinnestäuschung im Schatten des Hauses.
Montague: Ah das wird meine Frau sein.
Luke: Ihre Frau.
Montague: Ja, habe ich etwa vergessen ihnen zu sagen daß sie heute kommt, sie ist Spiritistin aus Leidenschaft, sie arbeitet mit einem Spezialgerät, um die Stimmen der Verstorbenen aufzunehmen, eigentlich wollte sie von Anfang an dabei sein.
Frau: John wo bist du.
Montague: Aber das konnte ich ihr ausreden. Hier meine Liebe.
Frau: Was für ein wunderbares Haus, ideal für übersinnliche Manifestationen.
Montague: Darf ich vorstellen, Mrs Vance, Mrs Theoroda, Mr Sandson.
Frau: Hatten sie denn schon Erfolge, na das macht nichts, mit meiner medialen Veranlagung werden wir die Geister der hier verstorbenen schon zum Reden bringen, ja das gelbe Zimmer hat diese Mrs Dudly gesagt, aber mein Gepäck steht noch immer da.
Montague: Ich bring es gleich nach oben.
Frau: Nein John, denk an deine Bandscheiben.
Luke: Darf ich vielleicht behilflich sein.
Frau: Ja, laß den jungen Mann das machen, oh vorsicht mit dieser Tasche, da ist mein Tonband drin, ein ausgesprochen sensibles Gerät, sie glauben ja gar nicht, wie es diese armen Seelen drängt sich uns mitzuteilen, ich sage immer, nichts ist kindischer als vor ihnen Angst zu haben.
Montague: Ja meine Frau, Spiritismus wie gesagt ihre Leidenschaft.
Frau: Wir könnten schon heute abend die erste richtige Seance abhalten.
Montague: Sonst ist wirklich wunderbar, eine wunderbare Hausfrau, Köchin, wirklich.
Elinor: Und keinen Pfennig Förderung bekommt unser Dr Montague für das Projekt, nicht mal vom Institut für Parapsychologie, er finanziert es ganz aus eigener Tasche, oder mit der Erbschaft seiner Frau, hat mir Luke erzählt.
Theo: Hat er dir auch erzählt, wie traurig es ist ohne Mutter aufzuwachsen.
Elinor: Du bist doch nicht etwa eifersüchtig.
Theo: Ich kann es nicht mitansehen, wenn eine Frau mit Verstand sich zum Narren macht, es tut mir weh.
Montague: Der vierte Abend, die Entwicklung ist an einem kritischen Punkt angelangt, zum ersten Mal habe ich das Gefühl, es könnte scheitern.
Montague: Danke Elinor.
Theo: Luke sie machen mich nervös.
Luke: Wahrscheinlich ist der Aparat kaputt.
Frau: John hab ichs dir nicht gleich gesagt es liegt nur an den richtigen Schwingungen, da, ich hab mich heute nachmittag intensiv konzentriert und ein paar Fragen an die Verstorbenen auf dieses Band gesprochen und wie ich es mir jetzt abhöre sind Antworten drauf, moment.
Frau: Was willst du, was willst du.
Frau: Sie antworten nicht immer gleich.
Frau: Was willst du.
Frau: Sie hat nach Hause gesagt, ganz deutlich.
Frau: Leidest du und worunter, leidest du.
Frau: Mutter, sagt sie das arme Ding.
Frau: Können wir dir helfen.
Frau: Ja das war das Ende der Aufzeichnung, John hieß eine der hier Verstorbenen das Hausmädchen vielleicht Helen oder Helena.
Montague: Nicht das ich wüßte.
Frau: Unsere Stimme, sie nennt sich Nelly.
Theo: Nelly ist auch eine Kurzform für Elenor, hat dich mal jemand Nelly genannt.
Elinor: Ja Vater aber das ist schon sehr lange her.
Frau: Haben sie denn Botschaften aus dem Jenseits empfangen, sind sie medial.
Theo: Also unsere Nelly braucht keine Botschaften aus dem Jenseits sondern einen Cognac und ein warmes Bett.
Montague: Ich schlage vor, Elinor schläft sicherheitshalber bei Theo und ich und Luke wir campieren nebenan, ich weiß nur nicht Ann ob du.
Frau: Mach dir kein Sorgen um mich, ich bleibe in meinem Zimmer, einem wirklich positiv denkenden Menschen kann nichts böses von diesen armen gequälten Seelen widerfahren.
Elinor: Wie lange geht das schon, eine viertel Stunde, eine Stunde.
Theo: Hör auf damit, hör auf. Was war das.
Luke: Das war die Vase im Gang, Ming Dynastie.
Theo: Bald sprengt es die Tür.
Montague: Sie haben immer noch nicht verstanden, solange wir ihm widerstehen wird auch die Tür standhalten.
Elinor: Es will mich, es will nur mich.
Theo: Kalt, Luke, bitte noch eine Bettdecke.
Luke: Besser so.
Theo: Nein.
Montague: Ganz ruhig.
Theo: Das Haus spielt verrückt.
Luke: Das Biest, das ist bestimmt mein bestes Service.
Elinor: Ich halts nicht mehr aus.
Montague: Nicht nachgeben, Elinor.
Montague: Ich glaube es ist vorbei, Luke ein Cocnag für Elenor.
Luke: Zuerst ein Cocnag für Luke.
Theo: Und bitte für Theo.
Montague: Und sie schreiben das auf, was sie erlebt haben, alle drei.
Theo: Was heute noch.
Luke: Sie haben vielleicht Nerven Doktor.
Montague: Der fünfte Tag, ich habe mich getäuscht, erfreulicherweise, die Manifestationen gehen weiter, also heute wieder ein Tag der Ruhe nach dem Sturm.
Frau: Gibt es noch Kaffee.
Montague: Ja hier meine liebste.
Frau: Ziemlich dünn, das hättest du dieser Mrs Dudly schon längst sagen sollen, aber ist das nicht merkwürdig, dieses Haus, von dem wir uns so viel versprochen haben, es war die ganze Nacht totenstill.
Theo: Hahah.
Frau: Ich finde die Erheiterung deine Assistenten ziemlich unpassend, ich fürchte du hast dir da recht oberflächliche Charaktere ausgesucht, dabei ist es doch deine These daß nur mit ganz besonderen Persönlichkeiten übernatürliche Erscheinungen.
Montague: Oh Mrs Dudley, guten Morgen.
Luke: Offensichtlich haben sie noch genügend heiles Geschirr für uns gefunden.
Mrs Dudly: Ich weiß nicht wovon sie reden.
Frau: Da geht es ihnen wie mir, Mrs Dudly, es ist kein Kaffee mehr da.
Luke: Mrs Dudly räumt um 10 Uhr ab, es ist fünf nach zehn.
Mrs Dudly: Ich bringe ihnen gleich noch eine Kanne.
Frau: Bißchen stärker bitte, wir zahlen nicht gerade wenig für die Pension hier.
Theo: Elinor, wir sollten endlich unser Picknick organisieren als Abschiedsessen, ich fahre morgen, ich mag nicht mehr, ich will nach Hause.
Elinor: Theo, was hältst du davon, wenn ich mitkomme zu dir, in deine Wohnung, ich hause in einer Abstellkammer bei meiner Schwester mit ihrem vulgären Mann und mit ihrem verzogenen Sohn ich hasse sie.
Theo: Dann zieh doch aus.
Elinor: Wie denn.
Theo: Du hast doch ein Beruf.
Elinor: Ich bin schon seit Jahren arbeitslos. Bitte nimm mich mit.
Theo: Das geht nicht.
Elinor: Ich brauch nicht viel, ein Klappbett in deinem Laden, ich werd mich nützlich machen, ich hab das Auto ohne Erlaubnis genommen, ich kann nicht zurück zu meiner Schwester.
Theo: Elenor.
Luke: Eleonor ist doch ein wunderhübscher Name, das eignet sich dazu mit Pathos ausgesprochen zu werden, stör ich irgendein Zerwürfnis zwischen den Schwestern.
Theo: Das kann man wohl sagen, ich frage Elinor, ob sie mit mir Picknick unten am Bach machen möchte, und sie sagt, sie haßt Picknick.
Luke: Picknick ich liebe Picknicks, ich weiß nicht ob sie mich als Ersatz akzeptieren.
Theo: Ich kann es ja mal probieren. Was besorgen wir uns denn zu essen.
Luke: Kaltes Huhn und Schinkenbrote.
Theo: Schololadenkuchen.
Luke: Ja. Harte Eier. Das Salz vergessen. Aber keine Plastikbecher.
Elinor: Ist die Reise zu Ende reichen wir uns die Hände, wenn der Abend kommt.
Elinor: Was ist das. Wach nur auf Theo Tausendschön. Aus dem Bett Leo Lügner, Dr. Montague, Poltergeist für Mrs Montague.
Theo: Eleonor ist weg.
Montague: Da da ist sie.
Luke: Im schiefen Turm natürlich.
Frau: Was in aller Welt tut diese verrückte Person da oben.
Theo: Elinor warte, nicht weitergehen, ich komme.
Montague: Bleiben Sie hier, sie kann gar nicht weiter nach oben klettern, die Treppe zum Turm ist auf halber Höhe zusammengebrochen, ja, ich hab es nur vergessen es ihnen allen zu sagen.
Luke: Der Rest der Treppe auch noch runter.
Montague: Klettern sie zurück Elenor aber vorsichtig.
Theo: Du mußt sie holen Luke.
Montague: Ich bin dafür verantwortlich, ich hole sie.
Theo: Luke bitte.
Luke: Ihre Frau hat recht, ich mach das.
Frau: Du hast dich ja geweigert, die charakterliche Eignung zu prüfen.
Theo: Bleib ruhig Elenor ganz ruhig.
Luke: Elinor, Elinor, schau mich an, so jetzt gib mir die Hand, ja.
Elinor: Ich hatte doch nur einen Alptraum, das hätte jedem passieren können.
Luke: Der Koffer ist im Auto.
Montague: Steigen sie ein, Mrs Vance.
Elinor: Aber sie können mich doch nicht wegschicken.
Frau: Fahren sie vorsichtig. Ich habe mit ihrer Schwester telefoniert, sie war schon sehr in Sorge wegen des Autos.
Elinor: Dr Montague.
Montague: Verstehen sie denn nicht, sie sind hier in Gefahr.
Elinor: Das ist Unsinn, das wissen sie doch, ohne mich läuft ihr Projekt nicht mehr, außerdem ist es nicht ihr Haus, sie können mich nicht wegschicken.
Luke: Dr Montague handelt im Einvernehmen mit mir als Hausherr.
Theo: Du brauchst Abstand.
Elinor: Nein.
Theo: Du mußt das alles erst mal vergessen, dann können wir später irgendwann.
Elinor: Aber ich kann hier nicht weg, ich war glücklich hier, ich bin seit 20 Jahren nicht mehr glücklich gewesen.
Montague: Glauben Sie mir, es ist zu ihrem besten.
Elinor: Aber wohin.
Mrs Dudly: Fürchten sie sich nicht, fahren sie nach Hause.
Elinor: Ja wohin denn sonst, danke Mrs Dudley danke, danke.
Theo: Verdammt, ich hätte sie nicht alleine fahren lassen sollen.
Montague: Ich hatte mir auch schon überlegt ob ich sie nicht.
Frau: Was macht denn diese Person jetzt schon wieder.
Luke: Sie hat gewendet, sie kommt zurück, zurück zum Haus.
Mrs Dudly: Nach Hause.
Montague: An das Institut für Parapsychologie, das Experiment, das so viel versprechend begann, ist leider mit einem gewaltsamen Ende gescheitert, es ist mir nicht gelungen, die übernatürlichen Manifestationen auf Crains Hall wissenschaftlich zweifelsfrei zu dokumentieren, poetisch ausgedrückt könnte man sagen, das Haus hat sein Geheimnis bewahrt, man kann wohl wirklich nicht vorsichtig genug bei der Auswahl der Mitarbeiter sein, meine Frau und ich werden das beim nächsten Projekt noch stärker berücksichtigen, Sittley Rectory in Suffolk, ein Pfarrhaus aus dem 18 Jahrhundert...
Elinor: Esther Hausmann
Theodora: Renan Demirkan
Dr. Montague: Rudolf Wessely
Mrs. Montague: Doris Schade
Luke: Ingo Hülsmann
Mrs. Dudley: Ruth Hausmeister
Elinors Schwester: Sibylle Nicolai
Bearbeitung (Wort): Marina Dietz
Regie: Barbara Plensat
Kommentar von Hörspiele |
Roter Stern (BR/SFB 1992)
Hörspiel von Simone Schneider
Liebste Lilina, 50.000 Tonnen schwer und höher als das Warenhaus Die Welt des Kindes in den Himmel über Moskau ragt, Lilina, mein erster Wolkenkratzer naht. Vor den Ufern Sewastopols schwimmt New World New York, zwei Klassen und zwei Schornsteine, bunt geflaggt zu Blasmusik auf schwarzem Meer tanzt Roter Stern. Pack deine Tränen in einen Sack und schick Sie mir nach Amerika. Ozean der Fanatiker, reißt sich die blaue Bluse auf, um mich in eine andere Welt zu schaukeln, Lilina, adieu, dein Hündchen.
Wladimir auf dem Weg in seine Bordkabine.
Tief ist der Ozean. Der Ozean ist eine Sache der Vorstellung. Was unterscheidet ein Ufo von einer schwebenden Ikone? In Moskau setzt man ganze Häuserblöcke auf Räder. Auch das ist eine Sache der Stadtplanung. Im 30. Jahrhundert sind wir die Metropole im Kosmos. Bis dahin wird gearbeitet. Haben Sie Metropolis gesehen? Ich träume oft von Grenzüberschreitung. Zur linken der Nordpol, zur rechten der Südpol, vor uns eine neue Welt und unter uns das versunkene Atlantis. Diese Vorstellung heißt Ozean. Gibt es hier Ungeziefer? Ohne das Wasser wäre es fad. Ich sehe lange Wellen, kurze Wellen, lange Wellen. Wanzen sind wasserscheu. Man wird sich die Zeit vertreiben müssen. Kotzen zum Beispiel. Die erste Klasse kotzt wohin sie will, das ist ja klar. Die zweite kotzt auf die dritte und die dritte bekotzt sich selbst. Seit wann gibts hier Klassen?
Ja bitte?
Ein Brief für Wladimir Bombrowitsch.
Vielen Dank.
Liebster Freund, durch dieses Loch betrachtet sieht unser Rußland so klein aus. Wer schwimmt hier eigentlich? Ich oder der Kontinent? Ja, ich bin ein Schwärmer, wenns ums Reisen geht. Mit einer Schiffsreise ist selbst die Reise durch den Tod bei weitem nicht zu vergleichen. Wie unbeschreiblich schön muß erst die Reise zu den Sternen sein, dorthin, wo der neue Mensch die Fesseln der Schwerkraft auch noch abschütteln kann.
Können Sie mir den Weg ins Bordkasino erklären?
Man sagt, die Kosmofuturologie sei realistische Phantastik. Die Tür zum All sei längst schon aufgestoßen, doch ist der Durchgang noch nicht öffentlich.
Nein.
Wieviel grenzenloser darf sich da bereits die Tierwelt fühlen? Affen, Katzen, Hunden, Meerschweinchen, ist der Weg zu den Sternen von Geburt an frei.
Vielen Dank.
Während die Maschinen arbeiten, fliegen die Tiere durchs All. Fast alle Hunde kommen in den Himmel und wollen aus diesem auch nicht mehr zurück.
Wladimir auf dem Weg ins Bordkasino.
Bei den Aristokraten verhält es sich nicht anders. Auch sie bleiben lieber an der Riviera. Sogar aus Sibirien kommen nicht alle wieder. Die übrigen stehen vorerst über den Wodka in den Tourismus ein. Festlich und glücklich die sorglose Existenz des Menschen im 30. Jahrhundert. Bis dahin werden wir uns die Zeit vertreiben müssen. Ich warte im Bordkasino auf Sie. Ihr Michael Svoboda.
Bitte einen Wodka.
Wir schließen.
Aber all die Leute.
Personal.
Haben Sie sonst noch etwas anzubieten?
Einmal muß der Erlöser kommen. Sein Bild hängt lang genug schon neben der Ikone. Wie so oft bei ähnlichen Anlässen bleibt da die Ernüchterung nicht aus.
Vielen Dank.
Wladimir auf dem Weg in seine Bordkabine.
Davos sucht eine Persönlichkeit. Was ist das? Mit Führungsqualitäten und guten Verbindungen. Lenin kam auch aus Zürich damals. Kein Regentröpfchen weit und breit. Voraussetzungen sind Durchsetzungsvermögen, Verhandlungsgewandtheit und Kreativität. Der Forschungsbereich Schnee und Lawinen umfaßt die Sektionen Wetter, Lawinen und Schnee. Ein Fluß fließt in die Richtung des geringsten Widerstandes, spült weg, was er wegspülen kann, umgeht, was er umgehen kann, selbst wenn es nur ein Misthaufen ist.
Liebste Lilina, sei nicht traurig, ich nehme an.
Was verstehen die unter Persönlichkeit.
Man hat mir vertraglich zugesichert, daß ich nicht zu sterben brauche. Die erste Allunionsversammlung wird in einem schwimmenden Palast vor den Kulissen des Uralsees stattfinden.
Schneedecken, Wetter und Lawinenwarnung sowie Kenntnis in der Physik von Schnee und Eis sind erwünscht.
Wladimir nennt sich erster Präsident des Erdballs. Als Rangabzeichen mag man ihm ein kleines Flugzeug auf die Stirn. Ich, ich werde den Vize machen und male mir ein Hündchen auf die Wange.
Die einzig unverpfuschte Revolution war die Sintflut.
In meinem Antrittsreferat behandle ich zentrale Themen unserer neuen Politik. Punkt eins: Man muß den Hunger in der Welt abschaffen.
Ausgeschrieben von der eidgenössischen Anstalt für Wetter, Schnee und Lawinenforschung.
Dazu sind alle fischreichen Seen zum Kochen zu bringen und die Suppe wird im eingefrorenen Zustand in die ganze Welt verschickt. Punkt zwei: Die Affen müssen in die Menschenfamilie eingegliedert werden mit vollem Bürgerrecht. Ja bitte?
Ein Brief für Wladimir Bombrowitsch.
Vielen Dank.
Liebster Freund, ich ließ Sie warten, das tut mir leid. Auf dem Weg zu Ihnen traf ich Anne Kellermann und ihre Nixen, doch die Begegnung war im speziellen Fall auch eine bittere Enttäuschung. Diese Amerikanerinnen. Aber die Freiheitsstatue ist ja auch keine Frau. Aus ihren Augen kann man sich bestenfalls hinunterstürzen.
Möchten Sie einen Wodka?
Ich hörte allerdings, daß den wirklich mutigen Sekunden vor dem Aufprall aus Dollarscheinen Flügel wachsen. Mit jeder Leiche steigt der Kurs.
O ja bitte.
Man sollte auf Liberta setzen.
Ohne Wodka wäre Rußland ein Land ohne Lächeln.
Ich für meinen Teil halte mich vorerst an das Duplikat, ein reizendes Geschöpf, mit einem Variete reist sie als Statue of Liberty durch die Allillusionsländer, so nennt sie unseren neuen Staat.
Ja. Können Sie mir sagen, wie ich zur Kabine von Dr. Svoboda komme?
Sie redet wie eine Maschine und ist dabei anhänglich wie der Lieblingshund von Dr. Pavlo, das verrückte Tier.
Nein.
Kommen Sie mich besuchen. Ich warte in meiner Bordkabine auf sie.
Vielen Dank.
Ihr Michael Svoboda.
Wladimir auf dem Weg in die Bordkabine von Dr. Svoboda.
Gehen Sie ins Hypodrom. Eine Million Dollar im Jahr. Chaplin verdient mehr. Sucht man dort Persönlichkeiten. Ein Riesensaal, 5000 Menschen, die Bühne ist breiter als die Rampe im Theater der Nationalen Volksarmee. Wie viele 100.000 Dollar kostet so eine Show? Für Provinzler ist es billiger. Die berühmte Schwimmerin Anne Kellermann zeigt mit ihrer Truppe das Unterseereich. Die Bühne wird in ein riesiges Aquarium verwandelt und in grünes Trikot gekleidete Frauen stellen spielende Nixen dar. Danach kommt die Nummer mit den gelehrten Hunden. Die hat Sladilaswki einstudiert.
Entschuldigen Sie, ich glaube, ich habe mich verirrt.
Na so was.
Von außen sieht es aus wie ein Zementwerk. Aber drinnen, da tobt das pralle Leben. Mit unserem Sowjetclub ist das gar nicht zu vergleichen.
Ich suche die Bordkabine von Dr. Svoboda.
Realistisch betrachtet habe ich den Anschluß da schon verpaßt. So richtig ungezwungen kann ich mich eigentlich nicht mehr freuen.
Wer sind Sie denn?
Wladimir Bombrowitsch.
Horrende Eintrittspreise, denk ich mal.
Ich bin der Heizer.
Sind Sie nicht der Kellner?
Manchmal wird die Bühne auch in eine alpine Eisbahn verwandelt. 4 bis 5000 Arbeiter zeigen ihre Meisterschaft im Schlittschuhlaufen, Rodeln oder Skifahren.
Sie sind hier in der Bodenversenkung Nummero 15, stellen Sie also keine Fragen.
Wie bitte?
Vor der Wirklichkeit gibt es die Symbole. Sie verstehen schon? Alles falscher Zauber.
Ach so.
Kennen Sie die berühmte Melodie der amerikanischen Soldaten: Its a long way to Tipperary?
Alles läuft nach Plan. Wenn Ilan Illnitsch die letzten Takte seiner Heimatschnulze abgepfiffen hat, ertönt das Nebelhorn und der Inspizient gibt den Jungs auf der Seitenbühne das rote Zeichen, die stürmen von links und besetzen die Rampe, währenddessen fährt mein Podest hoch und von der Brücke fällt ein roter Lichtkegel auf mich, Wladimir wirft mir vom rechten Portal aus eine Schaufel zu, sie fliegt im hohen Bogen durch die Luft, im Orchestergraben ertönt ein Trommelwirbel, ich fange die Schaufel auf und eine Sekunde lang herrscht Totenstille, dann gebe ich den Auftakt zur 38. Heizerinternationale.
Hello, bourgeois, nice to see you, you volkstümlicher Spießer.
Träum ich? Wer bist du denn?
Wladimir folgt der Amerikanerin. Ihm folgt der Kellner.
Zwischen Erlöserturm und Kathedrale kriecht eine Schlange über den roten Platz. Hipp Hipp Bolschewik. I’m a Bolschewik. Hipp Hipp. Alle Macht den Sowjets. Ein gewürfeltes Wort des Herrn unter der Tribüne wie König Mauselos von Halikanas, die Zukunft im Reich der roten Sternchen, kein Mensch zahlt hier Wegzoll, die Welt ist groß genug für alle Lebenden, einschließlich der Toten. Die Moskauer Metro saust um die Erdball, sieben Quader ineinander gesteckt um daraus den babylonischen Turm zu bauen, 400 Meter plus 70 Meter, Lenin hieß es später dann, der Anfang war fast ebenerdig, roter Granit, rosa Marmor, schwarzer Labrador, aus Armenien Karfunkelstein, davon steht Wache Nummer Eins. Adamsäpfel hüpfen zwei Treppen in die Tiefe hinunter ins Grab. Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik. Hipp Hipp. Woher kommt das Licht? Aus Wachsen Pergament ein Kopf, Triumph der Technik an dem die Schlange vorbeikriecht.
Darf ich Sie ein Stück begleiten?
Woher nur dieses Leuchten? Ha, die Kleine war.
Haben Sie einen Brief für mich?
Ein Kopf und zwei Hände über einer dunklen Decke, fordern die strikte Einhaltung aller Temperatur und Feuchtigkeitsfaktoren.
Nein, ich folge Ihnen ganz privat.
Die Schlange kriecht durch das Gewebe, irgendwas zwischen gelb und grau.
Warum?
Die Mumifizierung des Mussek. Die Methode der Konservierung ist Staatsgeheimnis. Kein über das Gesicht gelegtes Brustbild, ganz ohne Eingeweide wird er täglich zur Ikone gespritzt. Wo also ist dein Herz, Genosse Parteiführer? Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik. Hipp Hipp. Im roten Trauerzug marschieren schon Hammer und Meisel, der Steinhauer schnauft, da freut sich der Steinmetz, Bulgarien, Kuba, Smolensk, Boltera, Kimeroko, Berbia und in der Ukraine, 9 Meter hoch, 12 Meter breit, und 6 Meter tief, aus weisem Granit, dassehrseht.
Irgendwann muß der Erlöser kommen.
Über die kleinen redet er erst gar nicht.
Das sagten Sie bereits.
Alle aus weißem Marmor und ähneln einer Sphinx mit ausgebreiteten Flügeln, das Bilestal aus Bronze, blicklose Augen und schattenhaftes Lächeln, das Lächeln verwittert.
Sind Sie sicher, daß Dr. Svoboda Sie heute noch treffen?
Rotarmist vor Sonnenaufgang. An einer Brust klingeln die Orden, auf dem Schreibtisch zwei Telefone. 8 Meter hoch, 8 Meter breit, und 9 Meter tief.
Ich betrachte die jetzige Lösung nicht als endgültig.
Ich fürchte, mein Marx wird das nicht überleben.
Bald stirbt der Apparat. Was wird nach ihm kommen?
Im Kirchenschiff aus weißem Marmor riecht es nach Weihrauch und Knoblauchzehen, nach gerechtem und nach Ungerechtem Gewinn, am Kiosk verkauft der Pope Weihwasser, wir haben schwer gesündigt.
Trägheit, Schlendrian und Sabotage vielleicht.
Am Horizont die Wohnmaschinen der Vorstädte.
Denken Sie, ich bekämpfe das Kapital.
Vor ihnen blüht der Stammbaum der Romanows.
Das ist falsch.
Die Schlange windet sich wund um diese grauen Äste.
Ich begreife es nicht.
Da knallt der eiserne Rollvorhang im Kongreßpalast runter, Parteiführer und Goldgrund blicken in die Zukunft, ohne Gnade, wir leben nicht im Paradies, nur im Wunschland gibt es Ordnung, Reichtum, Zivilisation.
Dem Christus Dostojewskis gehört das nächste Jahrtausend.
Ihre Sorgen möchte ich haben. Auf den roten Läufern herrscht Geschäftigkeit, wie eh und je. Etwas kann ganz plötzlich verschwinden.
Auch ich nehme kein Trinkgeld.
Daraus schlagen die Devotionalienhändler Gewinn. Die Schlange kriecht so lange zu Boden.
Gibt es hier einen Postkasten?
Seit Rosengedenken haben wir noch nie einen Gärtner sterben gesehen, rufen die Rosen.
Meine Seele wurzelt in jener Tiefe, die nicht rechnet.
Und wer schnitt sich die Adern auf, um mit seinem Blut das Beet zu tränken? Ich bin ich, weil mein Hund mich kennt, sagt da die Dame aus Amerika und gleichzeitig stellt sich die Frage: Hat irgendein Franklin Roosevelt irgendeine Identität?
Und was machen Sie hauptberuflich?
Nebenan wird gehämmert, ein arbeitendes Parlament, kein Dokument belegt den Wunsch nach Einäscherung, wir enthüllen täglich Fälschungen.
Revolutionär. Kellner mach ich nur als Aushilfe.
Zwölf Bände in roten Leder gleich neben der großen Allillusionsausstellung, in der der Mensch das Maß aller Dinge ist.
Was unterscheidet ein Ufo von einer schwebenden Ikone?
Lenin hat es am Anfang auch nicht abgelehnt.
Der Treibstoff, nehm ich an.
Damals tagte hier die Kommintern. Zwei Molotowcocktails für eine Leiche, der Mann war nicht geistesgestört, sagt Prawda. Arme aller Länder, vereinigt euch. Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik, Hipp Hipp. Exuntropia liegt in einem gläsernen Sarg an der Kremlmauer, über die Bühne des Mausoleums jagt die Führung fluchtartig, wer spielt schon gern auf einem Totenschrein Theater. Wachablösung auf dem roten Platz, Blondinen mit knatternden Fahnen.
Sie wirken schlecht ernährt und unterbezahlt.
Hinter ihnen torkelt die Maiparade. An goldenen Schnüren hängen die flaschengrünen Uniformen.
So als hätten Sie schon lange keinen guten Film mehr gesehen.
Schwankend tanzen sie den Trauermarsch. Einmal zu jeder vollen Stunde, seit 1924 bis die Glocke vom Erlöserturm endlich die letzte Stunde schlägt, seit 37 Jahren 24 mal täglich bleibt die Leiche eine halbe Sekunde unbewacht, 112 Tage im freien Totenbett nach neuer Zeit, och was sollen mir die roten Sterne auch.
Auch der Sputnik hat der seelischen Perspektive der allgemeinen Weltsicht nichts geändert.
Auf einer gerippten Säule steht in 46 Meter Höhe der erste Mensch im Kosmos, ganz Titan, zu seinen Füßen der Müllcontainer.
Ganz im Gegenteil.
Stehen die Denkmäler vergangener Epochen.
Sie verstehen mich.
Bald reiten Blauhelme den Labrador, das ist das 30. Jahrhundert.
Ich suche einen Postkasten.
Die Gottesdienstzeiten sind an der Tür angeschlagen, soweit die Kirchen arbeiten, dahinter fliegende Ikone auf mehreren Etagen der Erde, Rolltreppen in Überschallgeschwindigkeit, aber auch wunderbar erhaltene Bären und Mammuts aus der Eiszone werden gezeigt.
Wladimir schließt sich dem roten Trauerzug an. Es endet in einer Katastrophe.
Die Schlange steht vor dem Lebensmittelmagazin. Hier herrscht der wahre Kommunismus. Die Straßen werden von 20 auf 60 Meter verbreitert, und auf dem Marx-Prospekt endete der Trauerzug in einer Katastrophe, mit Tausenden von Toten und Verletzen, und die Schlange frißt sich durch den göttlichen Supermarkt. Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik, Hipp Hipp.
Liebste Lilina, die Dreharbeiten richten hier größeren Schaden an als die Revolution selber. Es gibt Tote und Verletzte, die umliegenden Hospitäler sind überfüllt. Heute fing die Arbeit mit einem Radrennen über die Dächer Moskaus an, danach brachte ich eine Zarenstatue mit Stricken und Seilen zum Umstürz, die sich aber wenig später von selber wieder in ihrer ursprünglichen Gestalt aufrichtete, der Gulag schnarcht auf seinem Lager, währenddessen verhungert die Kuh, und ich spanne mich selber vor den Pflug. Später schlendern Wladimir und ich durch die Zurareskaja, der Zauberverkäufer begegnet uns wieder und stellt erneut eine Denkaufgabe.
Haben Sie den letzten Film mit Selinski gesehen?
In seiner kleinen Flasche sitzt jetzt ein großer Affe.
Das Leben eines Hundes.
Wie ist er wohl hineingekommen?
Die Szene mit den Würstchen rührte mich zutiefst.
Endlich muß ich sagen: Dieses Rätsel wird Geschichte machen. Da werden wir auf dem Weg zum Kreml von einem roten Leichenzug überfallen.
Der echte Chaplin ist um Klassen besser.
Gefesselt wachen wir im Lesesaal der Rotarmisten wieder auf.
Aber zu teuer.
An der Wand hängt als hölzernes Relief die Karte Europas. Dreht man an einer Kurbel, so leuchten in chronologischer Reihenfolge rot die Punkte auf, an denen Lenin gelebt hat.
Danach grub er die von den Räubern vergrabene Brieftasche aus. Zum Glück.
Doch der Apparat funktioniert nicht, alle Punkte leuchten gleichzeitig.
Die Regierung kauft nur Ramsch ein. Alles Verschnitt.
Das ist der Geist der Revolution. Sagt der Kellner. Ja bitte.
Ein Brief, für Wladimir Bombrowitsch.
Aber zum Beispiel dieser Film über die Torfgewinnung als Sieg über den Brennstoffhunger.
Vielen Dank.
Sieh da, wie der Zug mit den rebellierenden Gefangenen nach Überschreiten der sowjetischen Grenze senkrecht nach oben durch das Bild fährt, direkt in die Sonne? Das ist aus Die Schöne und der Bolschewik. Ach ja, als der dekadente Graf seiner Geliebten nachts die Zähne in die Halsschlagader haut, zünden die Bauern sein Gut an. Moskau steht in Flammen.
Liebster Freund, sahen Sie den Walfisch an uns vorbeiziehen?
Ja, der kleine Hund verteidigt seine Knochen also mutig kläffend gegen die anderen Arbeitslosen.
Auf seiner Atemfontäne tanzte eine Funkelfee. Ihr weises Haar legte sich wie ein Schleier vor meine Perspektive, der Horizont verlor seine Umrisse und ich steckte im dicksten Nebel.
Es endet jedenfalls damit, daß drei sowjetische Bürger zum Mars fliegen und dort eine Revolution auslösen. Dort fand ich ein altägyptisches Rezeptbuch, es enthält eine Anleitung zur Mumifizierung der Pharaonen.
Billigste Exportartikel.
Drei blies das Horn und über den roten Stern zog ein Sternenbanner, ich sah die Sinfonie der Welten.
Aber danach fällt der kleine Hund dann leider selber in die Wurstmaschine.
Als der Himmel wieder klar war, erreichte mich ein Funkspruch aus Moskau, der Erdball ist rund, willkommen in der Steinzeit, lautete die verschlüsselte Botschaft. Vergessen Sie Hollywood, kommen Sie in den Funkelraum, unser Sternenreich ist doch die schönste reinste Illusion, beeilen Sie sich, ihr Michael Svoboda.
Wladimir auf dem Weg in den Funkelraum.
Halt, keinen Schritt. Hier sind Sie im Maschinenraum.
Ach ja, Sie sind der Heizer.
Ich bin Schauspieler.
In welchem Stück?
Ich bin ein Diener des Proletkults, unser Stück heißt Geschichte, ich spiele die Rolle der Zeit.
Kommt in ihrem Stück ein Postkasten vor?
Wenn Moskau in Flammen steht, brennen auch die Briefe.
Moskau in Flammen?
So heißt unser Stück.
Fackeln Sie die Bühne ab?
Wir spielen auf einem gläsernem Sarg, vier Personen treten auf, auf ihren Gewändern liest man die Leuchtziffern 1 9 0 und 5.
Hipp Hipp Bolschewik.
Sie nehmen nebeneinander Aufstellung und bilden so das Jahr 1905.
Sie ruft mich. Liberta, Süße.
Über die Längsseite des Sarkophags marschieren Soldaten auf und tragen eine der Länge nach gestreckte Rose, das Band ohne Ende verschwindet im Schloßportal. Darüber die Aufschrift: Waschfrau seiner Majestät. Auf der Szene erscheint ein überaus musikalischer Clown mit einer großangelegten, schief aufgesetzten Krone.
Hipp Hipp, Bolschewik.
Er singt, auf einer leeren Wodkaflasche klimpern. Den Clown verdeckend erscheint ein Manifest, von Gottes Gnaden, Wir Nikolaus der zweite usw. Polizeigeneral.
Sie folgt mir, will sich mit mir verabreden.
Der Justizminister schwingt seine riesenhafte Tatze und stempelt mit allen fünf Fingern übers Manifest. Auf dem Sarg spielt sich ein Tanzfest ab. Die Militärkappelle schmettern, Studenten, Fräuleins, Frauen, Weiber, Krankenschwestern, Serviererinnen, Amerikanerinnen, haben Sie nicht einen Termin bei Dr. Svoboda?
Dr. Svoboda kennt meine Prioritäten.
Wie Sie meinen. Zwei Tische voller Weinflaschen sind so aufgestellt, daß zwischen ihnen ein Zug von Häftlingen samt Eskorte hindurchmarschieren kann. Die Gesichter der Begleitsoldaten sind Hundeschnauzen. Die Häftlinge ziehen vorbei, wieder spielt die Musik, dann stellen sie die Gläser ab und bauen aus Kartonmanifesten ein riesiges Kartenhaus.
Was sagt sie nur?
Auf der ganzen Sargeslänge erscheinen Polizisten. Es zeigen sich der zwergenhafte Zar, die Zarin, und etliche Minister. Alle blasen die Backen auf und beginnen aus Leibeskräften zu pusten. In diesem Moment fliegt eine Bombe auf die Szene. Die Bombe explodiert und streut Flugblätter mit einer Proklamation, von verschiedenen Ecken und Enden laufen verschiedene Leute auf verschiedene Art durcheinander.
Ich bin ich, weil mein Hund mich kennt?
Ein Arbeiter klebt dem Schutzmann ein Flugblatt auf den Rücken. Gelächter. Die Polizisten klettern plump mit Säbeln und Revolvertaschen. Auf langen mageren stelzenhaften Beinen kommt riesenhaft ein Arbeiter heran. Flügelartig sind an seinen Ärmeln breite Bänder befestigt, mit der Aufschrift Streik. Die Maschinen stehen still.
Wau? Wau? Wau? Wau Wau Wau Wau Wau. Wau Wau Wau Wau Wau Wau Wau...
Streik. Die Maschinen stehen still. Nur die Amerikanerin spricht. Moskau in Flammen. Ganz Rußland spielt Theater. Von links nach rechts bewegen sich alle zwischen den stelzenhaften Beinen des Arbeiters hindurch. In der Mitte die Büste Napoleons, das Bett der Zarin ist überfüllt von bewaffneten Rotgardisten: unterste Lage der in Ketten gelegte Arbeiter, zweite Lage, das habgierige Beamtentum, dritte Lage die Popen, Mullas, Rabbiner, vierte Lage die Regierung, fünfte Lage Bourgeoisie und Grundbesitzer, an der Spitze der zwergenhafte Zar und einer riesenhaften Krone, darauf tanzt die Gestalt des Intelligenzlers, das Pferd galoppiert neben einem fahrenden Eisenbahnzug, dahinter raucht eine Fabrik, der Arbeiter hebt die Hand, völlige Finsternis. Und noch eine Salve. Über dem Sarg erschient nur die Karte des Fünfjahreplans, darüber das Bild von Waldimir Illisch Juloanow, später genannt Lenins Gestalt mit wegweisend ausgestreckter Hand. Auf den Ausrufern blühen jetzt die Leuchtziffern 1917. Riesenhafte Schatten eines Händepaars, das seine Fesseln zerbricht. Wir haben nichts zu verlieren. Auf dem Diwan räkeln sich Liberale mit ihren Teetassen, sie halten Resolutionen bereit, der Pope segnet Gummiknüppel, Holzknüppel, Schlagringe, Maschinenpistolen der Schwarzhundertschaften. Rings um seine Werkbank Patronen und Waffen, der Passionsplatz in Moskau, hinter dem kümmerlichen Kirchlein kauern die Schauspieler, mit vergoldeten Zwiebeltürmen statt Köpfen, rundherum Betrunkene in Form von schwankenden Flaschen. Von beiden Seiten nähern sich Bergleute mit Lämpchen, Grubenhacke, Hammerschmiede und dem Vorschlaghammer, 2000 Schneidereiarbeiter tragen 1 Nähnadel, 5000 Holzfäller 1 Axt, unter ihren Schritten flüchten die Kirchlein und die Flaschen nach allen Seiten auseinander. Auf dem Sarg erscheint der Sowjetclown, hinter ihm zieht ein Arbeiter mit Radau und Geklapper die Denkmäler Rußlands an einem Halfterband, in der Mitte das Puschkindenkmal, die Volksmenge überflutet den Platz, ein Arbeiter mit einem Knaben bahnt sich einen Weg zum Monument und erklimmt es, berittene Kossacken springen auf den Sarg, die letzte Kugel trifft den Knaben, ein Gulack mit dem Tragbrett kommt herein, sein Bauchladen klappt auf und klafft blutig, die Arbeiter schließen sich in Reihen zusammen, die Werkzeuge ebenfalls, in einer Lücke zwängt sich Traktor, allen voran das Reiterbild Peter des Großen mit einem großangelegten Siegeskranz, er gleitet vom Kopf, hinter ihm die steinerne Katarina, Zar Paul der Erste springt vom Postament herunter und sichert sich einen großen Abgang, aus den Häusern fliegen Matratzen, Stühle, Tische, Passanten auf die Straße, sie reißen die Geschäftsschilder herunter, sie sägen die Leitungsmasten ab, die Gegenstände häufen sich zur Barrikade, auf der Barrikade wird eine rote Fahne gehißt, von Ferne härt man die Marseilles. Dem in Bedrängnis geratenen Gulacken kommen vier Mann zur Hilfe: der römische Papst, McDonald, Peter Stewesant, Jicky der Platase und Beate Use bilden einen Kreis, die Männer des Enteuzirkels entblößen ihre Schwänze und zeichnen mit Säbeln und Revolver Hakenkreuze in die Luft, ihnen folgt Alexander der zweite, statt des Reichsapfels trägt er seinen Kopf auf dem Zepter. Der winzige Nikolaus sitzt auf einem störrischen Gaul. Senkt das Tier den Kopf, so erfolgt eine Detonation von hinten, Gaswolken und Schlammfluten überziehen das Reich, schließlich und endlich an den Schwanz des letzten zaristischen Hengstes geklammert, die Zarin, angeführt von schnurbärtigen Generalen, strömen marschierend paradestrammgedrillte Oberbefehlshaber auf den Sarg, zu beiden Seiten der militärischen Formation Marketender und Schnapsflasche, die Dornenkrone aus Würsten gebunden windet sich singend um den Hauptmann voll Blut und Wunden. In den Kreis fällt eine Bombe, der Kreis bricht auseinander, die Bombe verstreut bunte Flugzettel mit Proklamationen, der ganze Zug setzt sich in Bewegung, die Fabrik brennt, die Kinder zählen die Kanonen, getroffene Arbeiter fallen, die ganze Rossaherde ab, voran der Führer mit dem Sprachrohr, ein Arbeiter schwing an einem Stab ein weißes...
Wladimir endlich im Funkelraum.
Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik, Hipp Hipp. Hello. Nice to see you.
Sind Sie der Sohn Schliemanns, auf den wir warten?
Wer sind Sie?
Die Admiralin.
Ich sehe vier.
Wir sind eins.
Ich suche einen Postkasten.
Schliemann hinterließ in Rußland einen Sohn, dem war es verboten, über den Atlantik zu reisen.
Warum?
Im Besitz des Knaben fand man eine Ikone, darauf war der Tempel Poseidons abgebildet. Sie trug die Inschrift: Die Ruinen von Atlantis sehen aus wie das Stadtzentrum von Nowosibirsk.
Ein Brief für Wladimir Bombrowitsch.
Jetzt nicht. Was machte der Arme in Punkto Atlantiküberquerung dann?
Er schwamm.
Verstehe.
Vier herrliche Wochen. So viele glückliche Stunden, und wir haben noch so viele vor uns. Wir dürfen und nicht verlieren.
Schon gut.
Ein Stern erlosch und zog das Sterben nach sich, der Mittelpunkt unserer Erde wurde von einem riesigen Planetoiden versenkt, hinter ihm die Reißnaht in der Atmosphäre, 4000km lang, 3000m breit und über 1000m tief trennt sie die alte und die neue Welt, der Himmel verfinsterte sich, jahrelanger Regen mit Schlamm vermischt, die Erde torkelte und jedermann lachte. Die Verhältnisse waren schon von der Sintflut bekannt. Und dennoch, der Planet hat ein Loch in die Erinnerung der Menschen geschlagen.
Das tut mir leid.
Bald bildete sich eine neue Sozietät. Ausgangspunkt des neuen Reiches ist eine großartige Metropole, von außen fast unüberwindlich, konzentriert sich alle Macht in ihrem innersten Kern, im Sitz des obersten Sowjet. Dort gibt es neben dem religiösen Zentrum auch eines der astronomischen und nautischen Wissenschaft. Das Reich war schon im Ursprung vielgestaltig. Man kolonisierte die Anrainer und errichtete so das erste Gebilde menschlicher Weltallmacht, in dem die Sonne nicht mehr untergehen kann.
Was bleibt dann noch zu wünschen übrig?
Ja. Doch bewegen sich die Aale bei ihren Leichzügen im Saragossameer so, als sei Atlantis nicht versunken, und auch die Vögel kennen kein Vergessen. Auf ihren Luftwanderungen umgehen sie unsichtbare Berge.
Der Brief.
Still.
Flugzeuge schützen die Fundstelle vor Neugierigen. Die UNO-Sondersitzung verlangt den freien Zugang für die Blockfreien. Doch haben moslimische Fundamentalisten bereits das Untersuchungszentrum in die Luft gejagt, und drohen mit einem Anschlag auf die Radiostation. Eine europäische Trophäenkommission versucht, die Fundstücke vor dem Paul-Ghetty-Museum zu retten. Die Satelliten übertragungsrechte hat ein Berliner Sender vor Jahren zu einem symbolischen Preis erworben. Sie hörten die letzte Meldung des enzyklopädistischen Weltfunks. Vergeßt die Apokalypse, beginnen wir mit der Genesis.
Liebster Freund, der Funkelraum ist besetzt, von Meeresjungfrauen. Da erreichte mich ein Telegramm. Der Parteiführer ist tot. Was passiert mit seiner Leiche? Die Witwe besteht auf Beisetzung, doch unser neuer Staat braucht Zeit.
Ich muß zurück nach Moskau.
Tief bewegt schaue ich auf die Gipfel des versunkenen Atlantis. Auch ist das Liebesspiel der Seepferdchen mit keinem menschlichen Akt an Poesie vergleichbar. Wie sie sich an den Schwänzen haltend, taumelnd auf den Meeresgrund sinken lassen. Ich warte auf dem Sonnendeck auf Sie. Ihr Michael Svoboda.
Jetzt können Sie funken.
Liebste Lilina, hört du die Wellen an den Seiten zupfen, die wie ein Netz gespannt sind, zwischen Europa und Amerika. Der Ozean sinkt, wir sinken, Trennung ist Dehnung. Und ehe das Band zwischen uns zerreißt, verschwinden Kontinente.
Back in the USSA.
Wladimir, die Amerikanerin, der Kellner und die Revolutionäre in der Menschenschlange.
Moskau-news. Science oder Fiction. Die Schlange kriecht über die Mitte des roten Platzes, wie immer pünktlich, Herr Gorbatschow schaut auf die Uhr, aus seinem Mantelfutter strickt Nikita Chrutschow das Haupt voll Blut und Wunden, und in einem Dorf im Gebiet Welograd umarmt Genosse Lenin ein rotbäckiges Mädchenkind. Unter ihm zwei Uhren und ein kleiner Enkel, die Ikone am Herzen. In Sarago bei Moskau stehen bärtige Orthodoxe zur Tausendjahrsfeier der Taufe Rußlands an einer langen Tafel. Die Schlange kriecht über das Abendmahl, während ein junges Paar aus Leningrad sich zärtlich in die Arme fällt, und das Arbeiterwohnheim für Zwangserholung in Gorki das Testbild auf Farbe schaltet. Auf dem Rücken des Mannes eine bunte Tätowierung. Christus am Kreuze, links die Engel, besonders rechts, auf kleine Wölkchen, darüber kyrillisch das Banner des Herrn.
Ich habe eine Botschaft.
Dank der Heimat für die glückliche Jugend. In Jerewan trägt der Milizionär den Schutzhelm über seiner Pelzmütze.
Ja, es ist wahr.
Seinen dicken Mantel schützt die kugelsichere Bleiweste. Und das Plexiglasschild widerspiegelt einen Stahlpfosten. Die Demonstranten sperren vor der russischen Stadt die Mäuler auf wie hungrige Jungvögel, und der offizielle Kandidat für den Posten des Generaldirektors blinzelt über die Ränder seiner Brille in zwei Mikrophone.
Mir ist der Heilige Rochus erschienen.
Die Mode von Tschernobyl.
Ich sah ein wundersam erleuchtetes Amphitheater.
In langer Gummikutte streckt ein Schwarzbebrillter das rote Lotsenfähnchen in den strahlenden Himmel. Die Räder des Lastkraftwagens sind mannshoch.
Auf einem Holzbrett stand er in seinem roten Pilgerkleid.
In Block vier stützt sich Mütterchen Rußland schon vor der Revolution auf einen Stock und Hauptplatz der Stadt Pripjad ist heute bereits ein Denkmal.
Darüber trug er einen goldenen Königsmantel.
Neun Meter hoch, zwölf Meter breit und sechs Meter tief.
Schaute ein kleines Hündchen hervor.
Das Aussichtsfernrohr blickt zurück auf Tschernobyl.
Auf der Kommandobrücke wütete der Ozean gegen eine Wasserwand mit Luftlöchern. So stark war der Regen.
Weiterhin optimistisch streckt der Kran den Arm in den Fünfjahresplan. Pelzbemützte Bauern beugen sich über einen Suppentopf. Auch Traktor steht an mit rauchendem Schornstein. Im Hintergrund versinkt vom Strommast kaum gehalten das Elektrizitätswerk im Schlamm. Im 30. Jahrhundert 50 Millionen Glühbirnen.
Der heilige Rochus wurde mit dem roten Kreuz auf der Brust geboren. In Rom heilt er Pestkranke.
Ein weißer Wolga besetzt mit 5 Personen transportiert zwei schwarze Särge auf seinem Dach, vor ihm die Kurve. Dezember.
Und ich sah lange Wellen.
Tage später ist es umgekehrt.
Kurze Wellen.
Särge im Überfluß.
Lange Wellen.
Nicht alle Opfer kann man bergen. Eine Frau schiebt einen Kinderwagen mit gebündeltem Inhalt über eine aufgeweichte Straße und der Säugling schwenkt seinen Blechnapf aus dem geschlossenen Sarg. Auf dem Fußballfeld des Stadions von Spitasx suchen die Menschen nach Angehörigen. Über den Rasen gebeugt hält sich ein Lebendiger das Haupt voll Blut und Wunden.
Als er selber von der Krankheit befallen war, flüchtete er in den Wald.
Die Kinderkadaver sind weiß, in einem bunten Kopftuch hält die zahnlose Frau in ihren Händen die zehn Brote, hinter ihr geht die Treppe bergab und mehrere Stockwerke sind ineinander gestürzt. Die Schlange kriecht durch die Trümmer.
Plötzlich dieses Wellental. Eine seltsame Vertiefung.
Der Militärhubschrauber in warmen Kinderkleidern streift die Hochspannungsleitung.
Wie die Aushöhlung eines Steinbruchs.
70 Millionen Glühbirnen bereits heute in Amerika. Gebrochen steht der Propeller in der verschneiten Landschaft, aus schlohweißen Engelshaarnestern blicken Altgläubige vorsichtig hervor, wir bestenfalls Geduldeten. Jelena streichelt über den kahlen Kopf des toten Sacharows.
Bald war er dem Hungertod nahe.
Alle Hunde kommen in den Himmel. Eine schwarze Schlange mit Pelz oder Strickmütze folgt einer rollenden Blechdose. Links außen der Mann mit dem Funkgerät, während zwei Träger den Verstorbenen im Rahmen halten, hält ein unbemützter Mensch einen Regenschirm über den offenen Sarg.
Aber dieses Licht.
Nagorni Karabach in folkloristischen Bleischürzen.
Stufen blinken unzählige Lichtchen übereinander, leuchteten lebhaft, sie blendeten mich.
Über ihre Pelzmützen trägt die Miliz Helme und ihre Salutschüsse treffen den Bärtigen direkt ins Gesicht. Ach, wie er so da liegt im Schnee, unter den Kettenrädern der Panzer.
Da schnappte ein sonst wohlerzogener Hund ein Brot vom Tisch des Herrn und lief davon.
Eskortiert von der Armee gelingt dem armenischen Dorfwang der Transit der Schafböcke, dem Soldaten wachsen stählerne Hörner und durch rote Sehschlitze blickt er auf das Ende seines Geweihs. Hinter dem Strommast detoniert die Blockade aus Glühbirnen.
Das wundersam erleuchtete Amphitheater schaukelte wie ein Luftschiff durch die Wogen.
In Kusbas streiken die Bergarbeiter. Schlafend träumen sie vom verschollenen Genossen. Über die Toten streckt Lenin den Arm vom Sockel. 14 Meter hoch, 12 Meter breit, 10 Meter tief. Rettet den Stalinismus.
Und am nächsten Tag wiederholte der Hund seinen Diebstahl. Machte sich glücklich mit der Beute auf den Weg.
Ein Mann in einer Pelzmütze hält rechts das Kreuz und links die Ikone.
Am dritten Tag schließlich folgte der Herr seinem Hund heimlich.
In Estland eine Kundgebung.
So entdeckte er den sterbenden Rochus unter einem Ahornbaum.
Ein junger Mann hält links das Hakenkreuz und rechts die Faust, ein altes Gemälde, die Kunstschätze Europas sichert die Trophäenkommission. Plakate brennen auf dem Scheiterhaufen.
Und was mich noch mehr verwunderte, war, daß die Lichter nicht etwa stillsaßen, sondern hin und wieder hüpften.
Zwei Kinder drehen sich um. Die halten runde Augen und lange Rüssel gegen den Ruß, aus dem Orenburger Kombinat tritt Gas aus, und Bagger walzen Ziegelhäuser nieder. Im Schattenriß galoppiert ein Pferd neben einer Lokomotive. Wer ist der schwarze Reiter, auf dem Fluß läßt sich die Schwerindustrie treiben. Bergarbeiter tragen den auf der Bahre gefesselten Barfüßler durch das Donezbecken.
Bunt bemalt wurde Rochus zum Heiligen der Pestkranken ernannt.
Auf einer Demonstration auf dem Puskinplatz berieten die Bürger mit der Miliz ihre Standpunkte, während am Kursker Bahnhof die Schlange durch Moskau kriecht für die Wurst.
Es blinkte wie aus einem Raumschiff. Mit einer Besatzung aus lauter leuchtenden Gestalten.
Das ist kein Straflager, nur die Kantine von Kolchos. Is the tragedy of reality.
Und er sagte: Heller als der rote Stern scheint mir der Sichelmond wahrhaftig.
Unter ihm sah ich Wladimir leibhaftig. Mit wegweisend ausgestreckter Hand zeigte er wie Pitomkin auf seine blühenden Dörfer, ganz Herr im Feldzug der fantastischen Täuschung. Der Liebhaber der Luftspiegelung gab so seine eigene Vorstellung. Noch bevor der rote Stern glühen konnte, war schon das rote Kreuz in die Erde gebrannt, und nach dem Engel Sibiriens zogen bald die internationalen Hilfsorganisationen durch das Land. Ich blicke auf die Ruinen von Atlantis. Sie sehen aus wie das Stadt-zentrum von Novosibirsk. Utopia ist fest in den Händen der Katastrophendienste. Das wundersam erleuchtete Amphitheater verschwand und mit ihm Wladimir, danach war mir, als würde ich im Stehen schlafen. Lilina, wo bist du, wo ist unser Sternen-städtchen?
Aus blauen Freizeitkleidern tritt Mütterchen Rußland mit einem Huhn unter dem Arm hervor.
Das Kino entführt uns nach anderswo.
Hoch lebe Wladimir Majakowski.
Tief darin wurzelt das Wesen ritueller Wiederkehr.
Unter ihr die Stiefel der Soldaten. Am Baikalsee liegt eine alte Frau im Tuch auf einem staatlichen Kopfkissen.
Wo bin ich?
Die weise Greise rollte Strümpfe über ihre Strümpfe. Unter ihr der numerierte Nachttopf.
Im Inneren der Kathedrale mit den 46 Sarkophagen. Darin haben 54 Zaren, Großfürsten und Fürsten ihre letzte Ruhestätte gefunden, wie die bunten diamantbesetzten Eier, die den Zarenkindern in die Osternester gelegt wurden. Auch in die Mütze des Monarchen.
Zwei Milizen führen in Milisee eine Frau unterm Arm ab, barfuß am Morgen nach den Ausschreitungen kommt sie den Stiefelschritten gar nicht nach. Die Verletzten reißen sich den Verband vom Kopf, damit die Wahrheit ans Tageslicht kommt.
Ein sozialistisches Wunder. Man filmt die Filme mehrmals von der Leinwand ab, und stellt in den entsprechenden Szenen neue Gesichter vor die alten Köpfe. Die Massenszenen kann man meist behalten.
Kreuzförmig schwebt über der Menschenschlange ein weißer Sarg. Der Leichnam wechselt im Verlauf von drei Tagen mehrmals die Farbe. Ein Katholikus hält die Totenmesse für eine Heilige, und der Milizionär streckt die Hände schuldlos in den Himmel, der Platz in Baku wurde aus hygienischen Gründen um 4 Uhr morgens geräumt. Tote gibt es keine. In schwarzen Stein gehauen streckt Lenin wegweisend die Hand von seinem Sockel, über die städtische Reinigungsequick. 19 Meter hoch, 14 Meter breit, 12 Meter tief.
In Amerika gibt es ein Kino für Automobile. Im Kreml gibt es weiße Wölfe.
In kugelsicheren Westen erfolgt die Wachablösung der Milizen vor dem Müllcontainer.
Der erste Panrussische Kongreß der Zukunftsrapsoden. Die Brüste der Frauen werden von Luftballons gehalten. Die Männer tragen Sprungfedern unter ihren Schuhen.
Hach, was sollen mir Sichermond und rote Sterne auch. Hungerstreikende zelten unter einem Puschkinzitat.
Aber was passiert mit den Analphabeten?
Laßet uns beten.
Eine weiße Schwester schüttelt fassungslos den Kopf und ein anderer Mann kann gar nicht hinsehen. Der abgeschlagene Arm steckt noch im Mantel. Das Innenfutter ist aus reiner Schafwolle gegen die Kälte, zwischen Marx, Engels und Lenin nimmt die Haarpracht zunehmend ab, und ein Junge mit einem Fahrrad hütet die Gänse unter der strengen Aufsicht der Zentralregierung.
Schließlich hat Kino etwas mit Reisen zu tun. Nur gehen nicht wir auf Reisen, sondern über die Leinwand kommt die Reise zu uns. Immenser Materialbedarf denk ich mal. Gibt es da keinen Rohfilmzufuhrmangel?
Die Arme des beinamputierten Vaters stützen sich auf zwei Krücken. In seiner Hand trägt er das Einkaufsnetz. Der Sohn trägt die Kalaschnikow über die Schulter. Der große vaterländische Krieg war das Erlebnis seines Lebens.
Landschaft ist ein Strahlenbündel, das Universum eine Bühne der Planeten, und der Staub der Stadt verwandelt sich in einen hundertfarbigen Regenbogen.
An der Brust des Alten haften circa 30 Orden. Die Schlange kriecht zur 1000Jahrfeier der Taufe Rußlands in ein Kloster.
Och, der Radiotrust strahlt bis exantrope. Silberstaub.
Auf der Lacktasche der pilgernden Genossin tanzt ein Husar.
Neuerdings haben Kurzfilme Konjunktur. Der kürzeste war: Proletarier aller Länder, vereinigt euch.
Gottes Narren haben unter jedem Regime ein hohes Ansehen. Vitorta Landsbergis hält an jedes Ohr einen Telefonhörer und marschiert über die erste Strophe der Nationalhymne nach Hause. Er hat die Melodie im Kopf. Räumung des Leninplatzes.
Wo ist Dr. Svoboda?
Seit 1925 bleibt das Kloster am Baikalsee den Kühen überlassen, sich selbst die Jugend in Leningrad, Hände umklammern den Rand eines Gullys.
Marx in einem gotischen Lehnstuhl vor einer Europakarte sitzend. Bei uns gibt es die breitesten Leinwände der Welt. Die in Amerika sind breiter.
Im Stollen der Fernheizung wärmen sich die Kinder in der Tripperbar. Die neueingelieferten Säuglinge erstarren hinter den Gittern vor dem numerierten Nachttopf.
An den Küsten leben die Futuristen. Wie sie sich in die Brandung stürzen.
Jetzt darf der Stacheldraht allerdings nicht mehr fotografiert werden.
Hoch hebe Wladimir Majakowski.
Reißt ihm nicht die Gasmaske vom Gesicht. Mit runden Augen und langen Rüssel hebt der Mensch auf der städtischen Müllhalde Schneehöhlen aus, als Heizung dient ihm die Wärme des sich zersetzenden Abfalls.
Filme über die Geschichte der Sowjetunion sind dafür um so länger. Der Trauerzug der Bevölkerung vor dem toten Lenin endete mit einem Kilometer langen schwarzen Klebestreifen.
Auf dem Aralsee sitzen die Karakalpaken-Kinder im Trockenen.
Im Sternenstädten der Revolution ist sogar die Zeit rückläufig.
An der afghanischen Grenze sitzt ein Vater, vor ihm auf einem Pappschild die Zahl 51 8 63. Die letzten Einheiten ziehen vorüber, sein Sohn ist nicht dabei.
Und weil das Kino eine Reise ist, halten die Paare auch in den Sesseln Händchen. Was sie im Theater beispielsweise nicht tun.
Aus dem Hals des Mannes kriecht eine Schlange, ohne Gehirn hielt er 6 Tage durch.
Sie halten Hündchen?
In seinen Taschen steckte tonnenweise Kriegsgerät. Darunter auch ein Bündel Briefe. Hipp Hipp Bolschewik, I’m am Bolschewik. Hipp Hipp.
Ich suche einen Postkasten.
Wir spannen ein Segel vor das Planetensystem mitsamt Zentralgestirn und werden unser Erde wie ein Schiff im Sonnenwind durch das Universum schaukeln. Eine jahrmillionenlange Reise dorthin, wo ein neuer Stern Licht und Wärme für das Weiterleben spendet.
Wieviel Tonnen Tuch, wieviel Meter Nähmaterial?
Still.
Und hier eine Meldung des enzyklopädistischen Weltfunks. Das Erbe des sozialistischen Trojas ist gefunden.
Eine Explosion.
Augenzeugen berichten von der Landung einer prähistorischen Flugmaschine auf dem roten Platz. Die Trophäenkommission hat unter der Oberaufsicht der roten Armee den Schatz des Priamos sichergestellt. Das Gold Schliemanns befindet sich jetzt im staatlichen Museum der schönen Künste. Auf einer Bergwiese im Zweistromland wurde der Flügel einer sowjetischen Fliegerbombe entdeckt. Heller als der rote Stern scheint hier der Sichelmond wahrhaftig. Vier herrliche Wochen und so viele glückliche Stunden und wir haben noch so viel vor uns.
Roter Stern. Hörspiel von Simone Schneider. Regie: Ulrich Gerhardt. Eine Produktion des Bayerischen Rundfunks mit dem Sender Freies Berlin aus dem Jahre 1992. Redaktion: Herbert Kapfer.
Ulrich Matthes Wladimir Bombrowitsch
Michael König Doktor Michael Svoboda
Krista Posch Die Amerikanerin
Gustl Halenke Die Admiralin
Traudl Haas Nixen
Gunter Berger Der Kellner
Joachim Höppner Der Lautsprecher
Detlef Kügow 1. Berufsrevolutionär
Hans Wyprächtiger 2. Berufsrevolutionär
Lorenz Meyboden 3. Berufsrevolutionär
Jan Eberwein 4. Berufsrevolutionär
Seite 7 von 239