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Michael Koser: Schmetterling mit Hakenkreuzen (BR 1981) (nach Philip K. Dick: The Man in the High Castle)
Melville Abendsen: Tschuang - Tse träumt, er sei ein Schmetterling, er fliegt dahin, flattert mit den Flügeln und freut sich. Plötzlich wacht er auf und erkennt, er sei Tschuang Tse. Ist er nun Tschuang Tse, der träumte, er sei ein Schmetterling, oder ist er ein Schmetterling, der träumt er sei Tschuang Tse. Ahaha, wer kann das sagen. Ich bin Melville Abendsen, geboren 1918, als der erste Weltkrieg zu Ende ging, im zweiten Soldat, Guadalcanal, Medan, Guam, bei Iwojima verwundet, Besatzer auf Okinawa bis 1946, ich bin Schriftsteller, ich schreibe Science Fiction, ich, äh habe eine Idee im Kopf, eine Geschichte, die nicht in der Zukunft spielt, die gegenwärtig ist, zeitgenössisch und doch nicht von dieser unserer Zeit, ich will gewissermaßen zeitlich seitwärts gehen, fragen, was wäre wenn, wenn die anderen den zweiten Weltkrieg gewonnen hätten, Unmögliches erzählen, um die Schrecken des möglichen zu beschwören, zuerst also der Traum des Tschuang Tse, und dann, am besten ein Sprung, mitten hinein ins unmögliche, etwa so:
Steward: Meine Damen und Herren, im Namen der deutschen Lufthansa begrüße ich die in New York zugestiegenen Passagiere an Bord unseres Messerschmitt- Großraumflugzeugs Dürer auf seinem Linienflug Berlin - San Francisco, unsere Flugzeit wird nunmehr noch 2 Stunden betragen und wir werden in einer Höhe von 20km fliegen, sie können nun wieder rauchen, wenn sie wollen, wir bitten sie aber weiterhin angeschnallt zu bleiben, danke.
Melville: Datum, warum nicht heute, also 24. April 1962, 9 Uhr vormittags.
Brecker: Zigarette?
Sundmann: Ich rauche nicht, danke.
Brecker: Fabelhaft, in zwei Stunden über einen Kontinent, in fünf Monaten zum Mars, deutsche Wertarbeit, darauf kann man stolz sein, Landsmann?
Sundmann: Schwede.
Brecker: Immerhin nordisch, sozusagen Rassenbruder.
Sundmann: Wenn Sie es so ausdrücken wollen.
Brecker: Fliegen Sie zum ersten Mal in die Pazifikzone?
Sundmann: Nein.
Brecker: Ich schon, geschäftlich unterwegs?
Sundmann: Ja.
Brecker: Welche Branche, wenn ich fragen darf.
Sundmann: Plastprodukte.
Brecker: Ach was, ich dachte, wir haben das Monopol für Plaste, IG Farben.
Sundmann: Verkauft ab und zu Lizenzen, ans neutrale Schweden.
Brecker: So, ich bin Künstler, Bildhauer, ich habe gerade eine große Ausstellung in New York eröffnet, und jetzt habe ich eine in San Francisco, Kulturaustausch, Förderung von Freundschaft und Verständnis zwischen den Großmächten und so weiter, das Propagandaministerium bezahlt, Brecker, Axel Brecker.
Sundmann: Sundmann.
Brecker: Vielleicht kennen Sie meine Sachen, Monumentalplastiken, der Meldegänger oder der Geist des 9. November, in der Halle der Reichskanzlei, nein.
Sundmann: Moderne Kunst interessiert mich nicht, ich bin konservativ, Kubismus, Expressionismus.
Brecker: Lieber Herr Sundmann, ist entartet, chaotisch, plutokratisch, und vorbei, ein für allemal vorbei, gottseidank, denn was Herr Sundmann, soll die Kunst darstellen, das Ideal, nicht wahr, die ewigen Werte, Blut, Volk, Rasse.
Sundmann: Wenn Sie gestatten, Herr Brecker, ich möchte lesen.
Melville: Herr Brecker ist in jeder zeit immer nur Herr Brecker, aber Herr Sundmann sollte nicht nur Herr Sundmann sein.
Tagomi: Wer ist Herr Sundmann? Bedeutende Persönlichkeit, zweifellos, empfohlen von hoher Stelle, Tokyo, von zu hoher Stelle, nicht zuständiger Stelle, Baron Mori, Außenministerium, gewiß, Ankauf von Plastprodukten, wichtig, nipponweit zurück hinter Reich, aber warum außenpolitische Empfehlung für schwedischen Wirtschaftsmann.
Melville: Das ist der Chef der japanischen Handelsmission Tagomi, ich kannte mal einen Tagomi auf Okinawa, sein Büro hat er im Nipponcenter an der Golden Gate Brücke im 8. Stock, immer noch 24. April 1962, 9 Uhr 15.
Tagomi: Ja.
Miss Melikyan: Mr Childan ist hier, Mr Tagomi, Mr Childan von Amerika Antiqua.
Tagomi: Ah, soll warten, sie hingegen Miss Melikyan, betreten bitte mein Büro...
(...)
Tagomi: ...ich kaufe es, Person in meiner Lage streckt Hand aus nach jedem Strohhalm.
Melville: 25.April 1962 6 Uhr 20 abend, Frank Frink gefesselt im Laderaum eines Lufthansaflugzeugs, ein böses Ende, aber es hilft nichts, in dieser schwarzen Welt darf es keinen Hoffnungsschimmer geben.
Frank Frink: Schwarze Wagen am Flugplatz, schnell durch die Straßen, durch die Straßen zum Lager, wie wird das sein, nackt und allein im Raum ohne Fenster, warten, warten, warten auf das Zischen, ZyklonB, würgen im Hals, keine Luft, keine Luft, das Zischen, lauter, immer lauter, immer lauter, immer lauter, oder die schwarze Wand mit dunkelroten Flecken wie Rost, ein Mann in Schwarz, mit Revolver Colt 44 aus epischem Bürgerkrieg, zeitgenössisches amerikan. Kunstgewerbe geschmiedet.
Steward: Meine Damen und Herren wir werden in wenigen Minuten auf dem Charles Lindbergh Flughafen New York landen, wir wünschen einen angenehmen Aufenthalt.
Melville: 25.April 1962 7 Uhr Kearnystreet, San Francisco, auf einer Bank an der kleinen Grünfläche sitzt Tagomi, er betrachtet das bei Childan erworbene Schmuckstück.
Tagomi: Was sehe ich, Dreieck, aus Silber, daran Tropfen, kein Plan, keine Symmetrie, helle Oberfläche, dunkler Untergrund, Feuer und Erde, Yin und Yang, Tao auf amerikanisch, innere Wahrheit, Hexagramm61, Schweine und Fische, Dummheit und Verstand, warum verstehen, Unternehmen Löwenzahn wird uns vernichten, Todestrieb, Ende der Welt aber mehr Welten, möglicherweise in anderer Dimension, irgendwo ideale Welt, möglicherweise klare Alternativen, gut böse, schwarz weiß, leicht zu verstehen, Existenz des bösen in jeder Welt, schreckliches Dilemma, nicht zu lösen, was immer geschieht, ist böse, dennoch hoffen und versuchen, warten, sehen, und warten, sehen, warten, sehen, warten, sehen.
Melville: Die Kulissen der Umwelt werden plötzlich weggezogen und Tagomi nimmt wahr, was dahinter ist, die Realität, Tagomi sieht, hört, riecht, fühlt eine unvorstellbar häßliche Silhouette kahler Wolkenkratzer, Autos über Autos, Menschen über Menschen, Schweiß, Gift, Aggression, Brutalität, entsetzliche Einsamkeit.
Tagomi: Wo bin ich, ist was, innere Wahrheit.
Melville: Tagomi hat seinen letzten Herzanfall, 25. April 1962, 7 Uhr 15, Cheyenne, mein alter ego, der alternative Abendsen tritt auf, nicht als deus exmachina, er weiß auch nicht wies weitergehen wird, aber er hat eine wirkliche Alternative beschrieben in seinem Buch, immerhin, mein Buch ist nicht viel, aber besser als nichts.
Julia Frink: Ihr Haus ist ein ganz normales Haus, Mr Abendsen, keine Festung.
Melville: Festung, ach der Klappentext und der arme Gag vom Verlag.
Frink: Haben Sie keine Angst, der SD will sie umbringen, ein Mörder war schon unterwegs zu Ihnen.
Melville: War, was ist passiert?
Frink: Ich habe ihm die Kehle durchgeschnitten, glauben Sie mir nicht?
Melville: Doch, doch, ich glaube ihnen, Sherry?
Frink: Die andere Welt in Ihrem Buch, woher wissen Sie das alles, durch das Orakel.
Melville: Interessante Brosche, ein Talisman, ja, durch das Orakel, Mrs. Frink, bei jeder Idee, jeder Figur, jeder Szene, bei allen Einzelheiten, habe ich das Iging gefragt, es hat Jahre gedauert.
Frink: Also hat das Orakel Ihr Buch geschrieben.
Melville: Das könnte man sagen, wissen sie, was das letzte Hexagramm war, als das Manuskript fertig da lag, 61.
Frink: Jung fu, innere Wahrheit, das bedeutet, Ihr Buch ist wahr, Deutschland und Japan haben den Krieg verloren.
Melville: Vielleicht.
Frink: Sie müssen daran glauben, wenn es überhaupt so etwas wie Wahrheit gibt, dann ist sie im Buch.
Melville: Vielleicht, wollen sie, daß ich Ihr Exemplar signiere.
Frink: Ich muß gehen.
Melville: Ich bring sie ans Tor.
Frink: Beim Schein der untergehenden Sonne schlagen die Menschen entweder auf den Topf und singen oder sie seufzen laut über das nahende alte.
Melville: Sie wissen, wer auf den Topf geschlagen und gesungen hat.
Frink: Nein.
Melville: Juan Tse, der chinesische Philosoph Juan Tse.
Frink: Der mit dem Schmetterling.
Melville: Sie kennen die Geschichte, wissen Sie auch, daß sie kein Ende hat, ist er Tsuang Tse, der träumte, er sei ein Schmetterling oder ist er ein Schmetterling, der träumt, er sei Tuan Tse, der träumt er sei ein Schmetterling, der träumt er sei Tsuang Tse.
Frink: Und so weiter.
Melville: Alles ist dunkel, Julia, nichts ist wahr, was wir auch wählen, mit Sicherheit wissen wir nur eines, es ist die falsche Alternative, wohin gehen Sie.
Frink: Ich weiß nicht, vielleicht zu meinem Mann, ich habe vorhin versucht, ihn anzurufen, aber ich konnte ihn nicht erreichen.
Melville: Bitte, ich hab nicht…
Frink: Ich konnte ihn nicht erreichen.
Tagomi, Chef der japanischen Handelskommission: Aljoscha Sebald
Julia Frink: Katharina Lopinski
Frank Frink: Rüdiger Bahr
Joe Cinderella: Horst Sachtleben
Sundmann alias Oberst Hansen: Harald Leipnitz
Melville Abéndsen, Schriftsteller: Gert Günther Hoffmann
Mr. Childan: Siemen Rühaak (Antiquitätenhändler)
Graf Felix von Eckhart: Hans-Günter Martens
Bridageführer Blobel: Gerd Eichen
Yatabe alias Tedeki: Gerhard Becker
Axel Brecker, Bildhauer: Eric P. Caspar
Radiosprecher: Axel Wostry
Radiosprecher: Jürgen Jung
Miss Melikyan, Tagomis Sekretärin: Christine Merthan
Reinhard Heydrich: Wolf Goldan
Stewart: Gerhard Mohr
Lkw-Fahrer: Bernd Herberger
Charly: Kurt Goldstein
Matson, Boss der Eisengießerei: Christoph Lindert
Sekretär: Hans Peder Hermansen
Polizist: Michael Hoffmann
Telefonistin: Ute Mora
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Michael Koser: Das Geheimnis von Craven-Hall (RIAS 1978) (nach Catherine Louisa Pirkis: The Murder of Troytes Hill)
Versetzen Sie sich nun im Geiste zurück, um ein gutes dreiviertel Jahrhundert, in die Zeit der Gasbeleuchtung und der Pferdedroschken und folgen sie mir in das Gerichtsgebäude einer kleinen englischen Stadt, wo gerade eine Totenschau abgehalten wird, ein Mord hat stattgefunden.
Richter: Und dann sahen Sie die Leiche.
Butler Hales: Jawohl euer Ehren, ich erblickte den dahingeschiedenen in seinem Blute liegen, inmitten dieser chaotischen Umgebung, es war abscheulich, wenn ich mir diesen starken Ausdruck gestatten darf.
Richter: So. Und was taten Sie dann?
Butler: Ich sagte oh!
Richter: Oh?
Butler: Jawohl euer Ehren, oh, ich erinnere mich genau.
Richter: Und dann?
Butler: Äh, dann dachte ich nach.
Richter: In der Tat. Und?
Butler: Ich äh ich dachte also nach, etwa 2 Minuten, würde ich sagen, dann kam ich zu der Überzeugung, dies sei ein Fall für die Polizei, daher beschloß ich mich nach Grenfell zu begeben und Wachtmeister Williams zu benachrichtigen.
Wachtmeister: Bei dem Toten handelt es sich um einen gewissen Alexander Henderson, allgemein bekannt als Old Sandy, 62 Jahre alt, Gärtner bei Mr. Craven auf Craven Hall, in dieser Eigenschaft bewohnte er eine Hütte im Park des besagten Mr. Craven, nicht weit vom Herrenhaus entfernt. Dort.
Richter: Dort fand ihn Mr. Cravens Butler, in leblosem Zustand, worüber er Sie informierte, das ist uns bereits bekannt, Wachtmeister, wir wollen von Ihnen wissen, ob Ihnen etwas besonders auffiel, als Sie die Leiche in Augenschein nahmen.
Wachtmeister: Gewiß euer Ehren, in dem Zimmer herrschte ein unglaubliches Durcheinander, ganz abgesehen von der Leiche, ein Tohuwabohu, gar nicht zu beschreiben.
Richter: Machen Sie uns die Freunde und versuchen Sie es trotzdem.
Wachtmeister: Ja euer Ehren, äh, das Bett war umgestürzt, desgleichen der Tisch und ein Stuhl, der zweite Stuhl stand auf dem Kleiderschrank, Laken und Bettdecke waren zusammengerollt und in den Kamin gestopft worden, Vasen und anderes Geschirr lagen in Scherben auf dem Fußboden, als ob eine Horde Affen gehaust hätte.
Dr. Johnson: Sofortiger Exitus war natürlich die Folge.
Richter: Natürlich, würde es Ihnen etwas ausmachen, Doktor Johnson, Ihre Aussage kurz zu wiederholen, wenn möglich so, daß sie auch für einen medizinischen Laien verständlich wird.
Dr.: Wie Sie wünschen, euer Ehren, ich möchte aber darauf hinweisen, daß laienhafte Formulierungen nicht gerade zur wissenschaftlichen Präzision beitragen.
Richter: Wir werden uns damit abfinden, Doktor, die Todesursache war also.
Dr.: Schlicht gesagt, ein Schlag auf den Schädel ausgeführt mit einem stumpfen Gegenstand und großer Körperkraft, die Lage des Toten auf dem Fußboden des Zimmers, direkt unter dem offenen Fenster, deutet darauf hin, daß er den Schlag erhielt, während er den Kopf aus dem Fenster steckte.
Richter: Interessant, und wann.
Dr.: Der Tod trat etwa 12 Stunden vor meiner Untersuchung ein, also zwischen 5 und 6 Uhr am frühen Morgen des 8. September 1901, darauf läßt auch die Tatsache schließen, daß der Tote lediglich mit einem Nachthemd aus himmelblauem Flanell bekleidet war.
Craven: Familienfaktotum könnte man sagen, treuer Diener, seit ich in Oxford war, als Student, wissen Sie, alte neue und vergleichende Philologie, damals fing ich an mit meinen Forschungen über die Ursprache der Menschheit, ich weiß nicht ob sie sich vorstellen können.
Richter: Gewiß Mr. Craven, äh hatte der Tote Ihres Wissens Feinde?
Craven: Feinde, wer?
Richter: Handerson natürlich.
Craven: Sandy, meinen Sie, Feinde, ganz bestimmt nicht, eine Seele von Mensch, allgemein beliebt.
Richter: Demnach glauben Sie nicht, daß der Täter in seinem Wirkungskreise zu suchen wäre.
Craven: Unsinn, völlig unmöglich, ein Landstreicher vielleicht oder ein Irrer.
Richter: Gestatten Sie mir zum Schluß dieser Totenschau einige notwendige Betrachtungen, der Fall liegt noch in den bewährten Händen der hiesigen Kriminalpolizei und ich bin sicher, daß Inspector Griffin, der die bisherigen Untersuchungen mit großer Umsicht geleitet hat, bald den Urheber dieser schändlichen Tat ermitteln und der gerechten Strafe zuführen wird, aber wie ich soeben erfahren habe, gedenkt der Polizeipräsident unserer Grafschaft einen Londoner Spezialisten hinzuziehen, angesichts gewisser angeblich merkwürdiger Umstände des Falles und angesichts der Tatsache, daß eine angesehene Familie wenn auch nur indirekt betroffen sei, wir halten dies, wir sagen es in aller Offenheit, für eine durchaus unnötige Maßnahme, ja noch mehr, für eine Verschwendung von Steuergeldern, denn kann wohl ein Zweifel daran bestehen, daß es sich beim Täter um einen Wahnsinnigen handelt, der durch eine Überprüfung der einschlägigen Anstalten in der Umgebung leicht zu ermitteln sein dürfte, für uns ergibt sich daraus wieder einmal die traurige Veranlassung, auf den gefährlichen Geist dieser unserer modernen Zeit, warnend hinzuweisen, auf die beklagenswerte Hektik des kaum begonnenen Jahrhunderts, die sich ausdrückt in Automobilen, Telefonen und weiß der Himmel noch was für entsetzlichen Erfindungen, auf die verfehlte Sucht nach neuem, die das bewährte alte verachten zu müssen glaubt, all dieses kann wie wir leider schon des öfteren festzustellen hatten, ungefestigte Charaktere in kriminellen Irrsinn stürzen, bedenken Sie dies meine Herren vom der Jury, wenn sie sich nunmehr zurückziehen um ihren Spruch zu beraten.
Inspektor Griffin: Mord durch eine oder mehrere unbekannte Personen, na das war zu erwarten, dann machen Sie mir mal eine Liste aller Sanatorien in der Grafschaft, damit wir sie in den nächsten Tagen abklappern können.
Wachtmeister: Schon dabei, Inspektor, was meinen sie, vielleicht haben wir den Burschen schon, bevor dieser Spezialist aus dem Zug steigt.
Inspektor: Ihr Wort in Gottes Ohr, Williams und in das des Herrn Polizeipräsidenten.
Gordon: Eine Dame möchte sie sprechen, Inspektor.
Inspektor: Eine Dame, Sie können gehen Williams, und Sie auch Gordon.
Miss Brooke: Inspektor Griffin?
Inspektor: Zu Ihren Diensten, Mam.
Brooke: Mein Name ist Brooke, Miss Loveday Brooke.
Inspektor: Erfreut, möchten Sie nicht Platz nehmen und vielleicht eine Tasse Tee?
Brooke: Danke aber zu einem Plauderstündchen bin ich eigentlich nicht gekommen, haben Sie mein Telegramm nicht erhalten?
Inspektor: Telegramm, was für ein Telegramm?
Brooke: Ich soll hier einen Fall lösen, mit dem Sie allein nicht fertig werden, den Mord an Alexander Henderson.
Inspektor: Moment mal, Brook. Brook ah, dann sind Sie ja der Spezialist aus London.
Brooke: Ich bin wie sie sehen die Spezialistin aus London, Sie dürfen den Mund wieder zumachen, Inspektor, haben Sie übrigens etwas dagegen wenn ich rauche.
Inspektor: Ja, ich meine natürlich nein, bitte entschuldigen Sie meine Verwirrung, ich habe natürlich keine Dame erwartet.
Brooke: Natürlich nicht, ein weiblicher Detektiv, der auch noch raucht, das ist ja wohl der Gipfel, die muß ein Mannweib sein, ein Blaustrumpf, eine Suffragette, wenn nicht noch schlimmeres, so nachdem ich Ihnen das Wort aus dem Munde genommen und das obligatorische Vorgeplänkel.
Inspektor: Aber ich bitte sie ganz und gar nicht.
Brooke: Sollten wir vielleicht mit der Arbeit anfangen, was bei der Totenschau ausgesagt wurde, können Sie voraussetzen, ich war da, klein und bescheiden, in der letzten Reihe, Sie haben mich sicher nicht gesehen.
Inspektor: Ich muß gestehen.
Brooke: Macht nichts, macht nichts, meinen Sie übrigens auch wie der in Ehren vergreiste Richter, daß der Täter ein Geisterkranker ist?
Inspektor: Ich weiß nicht so recht.
Brooke: Sehr schön, sehr schön, immer offen bleiben, das ist mein Motto, ein guter Detektiv geht ohne Vorurteil und vorgefaßte Meinung an seine Fälle, und Sie sind doch ein guter Detektiv.
Inspektor: Ich hoffe es.
Brooke: Ich auch, das würde unsere Zusammenarbeit nämlich sehr erleichtern, gut ans Werk Inspektor, äh zunächst will ich von Ihnen nichts weiter als ein paar Informationen, also erzählen Sie mir was von den Cravens auf Craven Hall.
Inspektor: Ja, aber, aber Sie glauben doch nicht.
Brooke: Ich glaube gar nichts, Inspektor, bitte.
Inspektor: Ja, die Cravens, immer noch eine der angesehensten Familien in der Grafschaft, heutzutage allerdings wie soll ich sagen, ein bißchen heruntergekommen, Craven Hall soll stark verschuldet sein, Mr. Craven senior haben Sie ja wohl bei der Totenschau erlebt, ein Gelehrter, zerstreut, weltfremd, schreibt seit Jahrzehnten an einem großen Werk über die Urlaute der Menschheit oder so ähnlich und interessiert sich für nichts anderes, Witwer, hat 2 Kinder, Cilia 18 und Walter 20.
Brooke: Warum sind die beiden nicht bei der Totenschau vernommen worden?
Inspektor: Ganz einfach, Cilia ist in Liverpool bei Bekannten.
Brooke: So, wann abgereist?
Inspektor: Am 7. September, einen Tag vor dem Mord, abends, in einem gemieteten Automobil, wir haben nachgefragt, routinemäßig, und der Chauffeur hat es bestätigt.
Brooke: Damit hätte Miss Craven ein Alibi.
Inspektor: Nicht, daß sie es brauchte, Cilia hätte nie die Kraft gehabt, Sandy den Schädel einzuschlagen, sie ist ein nettes Mädchen, hat so gar nichts von diesen modernen jungen Frauen die auf Tennisplätzen herumflirten und die Straßen mit dem Velociped unsicher machen.
Brooke: Danke sehr.
Inspektor: Ai, das war natürlich nicht persönlich gemeint.
Brooke: Geschenkt. Inspektor, geschenkt, weiter, Walter Craven.
Inspektor: Krank, Gelbsucht, er liegt isoliert von der Außenwelt in einem Seitenflügel von Craven Hall.
Brooke: Seit wann?
Inspektor: Warten Sie mal, ja, seit dem 7. September.
Brooke: Die Tochter verreist, der Sohn wird krank, genau zur gleichen Zeit, merkwürdig, finden Sie nicht.
Inspektor: Merkwürdig, reiner Zufall.
Brooke: Glauben Sie wirklich, woher wollen Sie wissen, daß Walter den kranken nicht nur spielt.
Inspektor: Auch wenn wir hier nicht bei Scotland Yard sind, so leicht lassen wir uns nicht an der Nase herumführen, Mr. Craven Junior hat ein ordnungsgemäßes ärztliches Attest vorgelegt, als er zur Totenschau bestellt wurde.
Brooke: Wer hat das Attest unterschrieben, der Hausarzt?
Inspektor: Ja, das nehm ich doch an.
Brooke: Aber sie wissen es nicht genau.
Inspektor: Nein.
Brooke: Dann prüfen sie es bitte nach.
Inspektor: Wenn sie unbedingt wollen.
Brooke: Ja, die Sache ist wichtig, es geht immerhin um Walter Craven Alibi.
Inspektor: Ach das Alibi, das steht sowieso fest. Jonny Hales, der Butler, ist bereit zu beschwören, daß in der fraglichen Nacht weder Walter noch sonst jemand Craven Hall verlassen hat.
Brooke: So, und woher weiß er das so genau?
Inspektor: Hales hat sein Zimmer direkt neben der Tür, die Scharniere quietschen entsetzlich, dazu kommt, daß der alte Hales wie so oft wegen seines Rheumas die ganze Nacht wachblieb, also niemand konnte in der Mordnacht aus dem Haus gehen ohne daß der Butler es hörte.
Brooke: Nicht schlecht soweit, aber eines haben Sie vergessen, oder einen, Hales selbst.
Inspektor: Kaum, würde er dann wohl allen anderem im Haus ein Alibi geben?
Brooke: Da könnten Sie recht haben, gut, legen wir Mr. Hales und das Problem der Alibis erst mal aufs Eis, fragen wir nach den Motiven, wer hätte einen Grund haben können, Sandy Henderson umzubringen? Hales?
Inspektor: Tja, soviel ich weiß kamen die beiden nicht gerade gut miteinander aus, nach Hales lag Sandy den ganzen Tag faul auf seinem Bett herum, ließ den Park verwildern und bekam dafür von Mr. Craven einen höheren Lohn als der Butler.
Brooke: Interessant wenns stimmt, aber kaum ein Mordmotiv, die übrige Dienerschaft
Inspektor: Nur noch Köchin und Zimmermädchen, und die kommen nicht in Frage, nicht kräftig genug.
Brooke: Akzeptiert, und was ist mit Craven senior?
Inspektor: Nix. Im Gegenteil. Mr. Craven hing sehr an Sandy, obwohl der unter uns gesagt ein alter Streithammel war, auch wenn er an allen Ecken und Enden gespart werden mußte, für Sandy Lohn war immer genug da.
Brooke: Und wenn man Hales glauben kann, war Sandys Lohn nicht gerade winzig, dann fehlt uns also nur noch ein Motiv für Walter Craven, den so plötzlich erkranken.
Inspektor: Der hat seine eigenen Probleme, die mit Sandy nichts zu tun haben. Walter ist sozusagen der begehrteste junge Mann in Grenfell und Umgebung, alle unseren würdigen Geldverleiher sind hinter ihm her, wie der Teufel hinter der armen Seele, er hat so viel Schulden, daß ich nicht weiß wie er da jemals wieder rauskommen will, das Familiensilber hat er schon versetzt.
Brooke: Und zurzeit liegt er krank danieder, unerreichbar für seine Gläubiger, äußerst praktisch, wie gehts jetzt weiter, ihr Polizeipräsident sagte etwas von einer Stelle bei Craven, von einer Möglichkeit ins Haus zu kommen.
Inspektor: Richtig, Craven sucht für seine wissenschaftlichen Arbeiten einen Sekretär, eine Guinee pro Monat bei freier Station.
Brooke: Sehr verlockend.
Inspektor: Vielleicht kann ich ihn von den Qualitäten einer Sekretärin überzeugen.
Brooke: Tun sie das Inspektor, ich logiere im Ochsenkopf, wenn mit Craven alles klar geht, treffen wir uns morgen vormittag sagen wir um 10 und sie begleiten mich dann nach Craven Hall, einverstanden.
Inspektor: Ein gewöhnlicher Räuber wars mit Sicherheit nicht, Sandys Sparbuch und 200 Pfund in Bar lagen unberührt in seinem Schrank, also vielleicht doch ein irrer, dieses verwüstete Zimmer, das kann doch kein normaler Mensch gewesen sein.
Brooke: Aber Inspektor, immer schon offen bleiben, denken sie dran, es gibt mindestens noch 2 andere Möglichkeiten.
Inspektor: Und die wären?
Brooke: 1. der Mörder will uns täuschen, will uns glauben machen, Sandy sei von einem Wahnsinnigen erschlagen worden, 2. der Mörder hat etwas bestimmtes gesucht und wollte alle Spuren seiner Suche beseitigen.
Inspektor: Und das, verehrte Kollegin, ist Craven Hall.
Brooke: Aha, von weitem ganz hübsch, frühes 17 Jahrhundert nehm ich an.
Inspektor: Kann sein ich versteh nicht davon, die franzosischen Fenster rechts von der Tür, das ist das Arbeitszimmer von Mr. Craven.
Brooke: Und Walters Krankenlager?
Inspektor: Irgendwo im linken Seitenflügel im 2. Stock glaub ich.
Brooke: Da wir gerade von Walter reden, haben Sie sich um sein Attest gekümmert.
Inspektor: Hätte ich fast vergessen, das Attest ist von Dr. Waters in Grenfell ausgestellt worden.
Brooke: Und?
Inspektor: Dr. Waters ist zwar etwas kurzsichtig, und nicht mehr der jüngste, aber er würde nie ein Gefälligkeitsattest unterschreiben, auch nicht für die Cravens.
Brooke: Das rote Dach da über den Büschen, das gehört wohl zu Sandy Hütte.
Inspektor: Richtig, wir sind da.
Brooke: Dann liefern sie mal die neue Sekretärin ab, wir sehen uns wie besprochen um 5 in ihrem Büro.
Hales: Inspektor.
Inspektor: Tag Hales, ich bringe ihnen Mr. Cravens neue Sekretärin, Miss Brooke, er weiß Bescheid.
Hales: Miss äh bitte folgen sie mir.
Brooke: Einen Moment noch, ein Wort im Vertrauen, Inspektor.
Inspektor: Ja?
Brooke: Fragen sie ihn, ob er in der Mordnacht, als er nicht schlafen konnte, irgend ein ungewöhnliches Geräusch gehört hat, leben sie wohl Inspektor, und vielen Dank für ihre Mühe.
Inspektor: Nicht der Rede wert, Miss, ach Hales?
Hales: Sir?
Inspektor: In der Nacht, in der Sandy umgebracht wurde.
Hales: Ja Sir.
Inspektor: Haben sie da irgendetwas Ungewöhnliches gehört?
Hales: Ungewöhnlich Sir?
Inspektor: Ja ein auffälliges Geräusch, ein Geräusch das man normalerweise sonst nicht hört.
Hales: Ah ich verstehe, Sir, ich glaube nicht, Sir, falls man nicht die Tatsache, daß Kapitän geheut hat, für ungewöhnlich halten wollte.
Inspektor: Käptain?
Hales: Mr. Cravens irischer Setter, Sir.
Inspektor: Ah ja, wann war das?
Hales: Wenn ich mich recht erinnere, Sir, gegen 5 Uhr morgens, das war übrigens wenn ich das hinzufügen darf, das letzte mal, das Cäptain sich vernehmen ließ, seit dem ist er verschwunden.
Inspektor: Was sie nicht sagen.
Brooke: Der kuriosen Zwischenfall mit dem Hund in der Nacht, elementar mein lieber Inspektor.
Inspektor: Wie meinen.
Brooke: Oh nichts von Bedeutung, walten Sie ihres Amtes, Hales.
Hales: Sehr wohl, Miss, wie ich bereits bemerkte, folgen Sie mir.
Brooke: Eine schlimme Sache, der Mord an Ihrem Gärtner, Hales.
Hales: So ist es, Miss, Ihr Zimmer, Miss, ein Dichterzimmer von Miss Celia, die sich zur Zeit in Liverpool aufhält, oh, oh ich muß um Entschuldigung bitten, Miss, wie ich bemerke ist noch nicht aufgeräumt, ich werde ihnen sogleich das Mädchen schicken.
Brooke: Lassen Sie nur, Hales, das mache ich schon selbst.
Hales: Wie es Ihnen beliebt Miss, Abendessen um 7 Uhr, pünktlich, Mr. Craven wünscht Ihre Anwesenheit, bis dahin muß ich sie sich selbst überlasen.
Inspektor: Zucker, Miss Brooke?
Brooke: Danke Inspektor.
Inspektor: Nein. Keine Sahne, danke.
Brooke: Ist Celia Craven blond?
Inspektor: Was, ja ich glaub schon, warum?
Brooke: Weil ich das hier auf dem Fußboden ihres Zimmers gefunden habe.
Inspektor: Aha. Eine Haarsträhne, blond, na und?
Brooke: Diese Strähne, lieber Inspektor ist gut 40 cm lang, so was schneidet sich ein Mädchen nicht aus Spaß ab oder durch Zufall.
Inspektor: Aber ich versteh nicht. Was schließen sie daraus?
Brooke: Vorläufig noch gar nichts, dazu müßte ich erst mehr über Walter Cravens Krankheit wissen.
Inspektor: Aber was hat denn das damit zu tun, und was wollen sie dauernd mit Walter, sie sind auf der falschen Fährte, Miss Brooke, glauben sie mir, was sie tun sollten.
Brooke: Was ich tun sollte, überlassen sie bitte ganz und gar mir, Inspektor, übrigens habe ich nicht nur diese Haarsträhne gefunden.
Inspektor: So, was denn noch?
Brooke: Einen toten Hund, genauer gesagt einen irischen Setter, dem jemand den Schädel eingeschlagen hat mit einem stumpfen Gegenstand.
Inspektor: Mr. Cravens Kaptain.
Brooke: Ohne Zweifel, er lag oberflächlich vergraben unter einem Gebüsch im Park, knapp 5 Meter von Sandys Hütte entfernt, wenn ich meiner Nase trauen kann, war er schon etwa 1 Woche tot, das heißt.
Inspektor: Das heißt, daß er wahrscheinlich in der Nacht vom 7 auf 8 September totgeschlagen wurde.
Brooke: Gegen 5 Uhr als Hales sein Todesheulen hörte und da nach Dr. Johnson Aussage Henderson in eben dieser Nacht auf eben diese Weise umgebracht wurde und zwar zwischen 5 und 6.
Inspektor: Läßt sich zwischen beiden Ereignissen ein Zusammenhang vermuten.
Brooke: Sehr gut Inspektor, die Frage ist nur, was für ein Zusammenhang.
Inspektor: Ja, ja, äh das ist wie sie so richtig sagen die Frage, vielleicht hat der Hund den Mörder gestellt?
Brooke: Könnte sein, nur war Captain leider uralt, zahnlos, halb blind und so gut wie taub, ich habe mich informiert, Fakten, Inspektor, Fakten, darauf kommt es an, Regel 2 des guten Detektivs, eine Tatsache ist mehr wert als 1000 Vermutungen, und deshalb sollten wir heute mit dem spekulieren aufhören.
Inspektor: Wüßte nicht, was ich lieber täte.
Brooke: Freuen sie sich nicht zu früh, Inspektor, Fortsetzung folgt bald, allerdings wohl besser nicht hier, man könnte sich fragen, was ich ständig in Grenfell und speziell ihrem Büro zu suchen habe.
Inspektor: Daran habe ich auch schon gedacht und mir was überlegt, was halten sie davon, um die Mittagszeit kommt der Briefträger mit der Post nach Craven Hall, ein zuverlässiger Mensch, tut der Polizei gern mal einen Gefallen, wenn sie mir was mitteilen wollen, schreiben sie es auf und geben sie es ihm mit, heimlich, ich mach es genauso, noch eine Tasse Tee?
Brooke: Ja gern.
Butler: Wünschen Sie noch Gemüse, Miss?
Brooke: Danke Hales.
Craven: Essen sie nur, Miss äh.
Brooke: Brooke, Loveday Brooke.
Craven: Essen sie doch, Miss Brooke, essen sie tüchtig das stärkt die kleinen grauen Zellen, und die brauchen wir, die brauchen wir bald, wenn wir anfangen gemeinsam an meinem großen Werk zu arbeiten, sie wissen doch worum es geht, oder, habe ich sie schon gefragt, welche Sprachen sie beherrschen, das ist wichtig, Miss äh Brooke, äußerst wichtig. Je mehr desto besser, desto besser, nicht wahr.
Brooke: Ich spreche außer englisch natürlich.
Craven: Natürlich. Natürlich.
Brooke: Französisch, italienisch, deutsch, verstehe spanisch, latein, altgriechisch, ach ja und ein bißchen hebräisch.
Craven: Und, und? Das ist alles? Miss Brooke, kein Sanskrit, Miss äh, die erhabene Sprache der alten Inder, wirklich nicht, chinesisch, gotisch, isländisch, kein bißchen, kein ganz kleines bißchen.
Brooke: Leider nein, Mr. Craven.
Craven: Ein Jammer, ja was machen wir denn da, sie können abräumen, Hales.
Butler: Sehr wohl, Sir.
Craven: Das gewaltige Werk Miss äh.
Brooke: Brooke.
Craven: Ms Brooke danke, das gewaltige Werk, die Krönung meines wissenschaftlichen Strebens und Lebens verlangt nun einmal die Kenntnis aller wichtigen Idiome der Menschheit, die Urlaute, Miss Brook, die Ursprache, ist ihnen eigentlich klar, welch gigantischer Aufgabe ich mir gestellt habe, wissen sie in welcher Sprache Adam und Eva im Paradies miteinander konversierten, sie wissen es nicht, niemand weiß es, nur ich, ich weiß es oder ich werde es sehr bald wissen, denn die Urlaute, glauben sies mir, sind nicht verschwunden, sie stecken in jeder Sprache überall, man muß sie nur finden und erkennen, und wenn ich sie gefunden und erkannt habe, dann werden sie es alle bereuen, daß sie mich ausgelacht haben, alle, die eingebildeten Professoren und Doktoren, sie werden meinen Namen mit Ehrfurcht nennen, sie werden mein Werk bewundern, und es wird Jahrhunderte überdauern.
Butler: Sir?
Craven: Jawohl die Jahrhunderte.
Butler: Sir.
Craven: Was? Was, was gibts Hales?
Butler: Vielleicht möchten sie einen Blick in die Zeitung werfen Sir, die Liverpool News von heute.
Craven: Gut, gut, geben sie doch her, Hales.
Butler: Bitte Sir ich erlaube mir ihre besondere Aufmerksamkeit auf diesen Artikel hier zu lenken.
Craven: Wieso, was, achso, in den Morgenstunden des gestrigen Tages haben sich eine große Menschenmenge am Pier A, um der Abfahrt der Edinburg Castle beizuwohnen, unter den Passagieren der Jungfernfahrt nach New York.
Butler: Sir?
Craven: Ja, ja verstehe, Hales, wer ist die junge Dame hier am Tisch, sie kommt mir irgendwie bekannt vor.
Butler: Miss Brooke Sir, Ihre neue Sekretärin.
Craven: Ach, wirklich, ja richtig, ich erinnere mich. Miss Brooke.
Brooke: Ja, Mr. Craven?
Craven: Heute brauche ich sie nicht mehr, bin nicht in der rechten Stimmung zur Arbeit, aber morgen abend nach dem essen da stellen sie sich bitte in meinem Arbeitszimmer ein, bereiten sie sich geistig darauf vor, daß ich ihnen das Vorwort meines großen Werkes diktieren werde, Sie dürfen sich zurückziehen, Miss äh.
Brooke: Brooke, Mister Craven.
Brooke: Dies, lieber Inspektor, ließ mir wie sie sich denken können, hinreichend Zeit, meinen eigentlichen Pflichten in Craven Hall nachzugehen, und wenn ich auch bislang noch nicht in die Geheimnise der Urlaute eindringen konnte, so ist es mir doch gelungen, eines der Geheimnisse von Craven Hall aufzudecken, wovon ich ihnen durch den getreuen Postboten hiermit sogleich Mitteilung mache, ich meine die mysteriöse Krankheit des jungen Mr. Walter, der ich wie Sie sich erinnern werden, von Anfang an mit gewissen zweifeln gegenüberstand, es wird sie interessieren zu hören, daß meine Zweifel sich als durchaus begründet erwiesen haben, heute vormittag war ich nämlich in einem unbewachten Augenblick so glücklich das sog. Krankenzimmer im Seitenflügel in Augenschein zu nehmen obwohl ich lediglich einen kurzen Blick auf das darin aufgestellte Bett werfen konnte, die Köchin hatte ihren Posten an der Tür nur für wenige Sekunden verlassen, blieb meiner geschulten Beobachtungsgabe keine wichtige Einzelheit verborgen, im Bett lag kein junger Mann sondern ein etwa 18 jähriges Mädchen mit gelbgeschminkten Gesicht und kurzgeschnittenen blonden Haaren, die Schlußfolgerungen, welche daraus zu ziehen sind, kann ich wohl getrost ihnen überlassen, in diesem Zusammenhang noch ein Hinweis, beschaffen sie sich die Passagierliste der Edinburg Castle, die vorgestern von Liverpool nach New York abgesegelt ist, es sollte mich nicht im mindesten wundern, wenn sie darin einen bekannten Namen fänden, doch nun zu wichtigerem, ich weiß, wer Hendersen erschlagen hat, nur eine Person kommt in Frage, alle übrigen sind aus einer Vielzahl von Gründen, die auch ihnen inzwischen klar sein müßten, eliminiert, letzte Gewißheit vor allem was das Motiv betrifft, hoffe mir ich noch am heutigen Tage zu verschaffen, dabei könnte ihre Hilfe unter Umständen von einigem nutzen für mich sein, stellen sie sich daher bei Anbruch der Dunkelheit hier ein, am besten mit einer kleinen polizeilichen Heeresmacht und verbergen sie sich im Park, behalten sie vor allem die französischen Fenster des Arbeitszimmers im Auge, sobald sie dort direkt hinter den Scheiben eine grüne Lampe aufleuchten sehen ist es angezeigt, daß sie mit gewisser Dringlichkeit das Zimmer betreten, ich verlasse mich auf Sie, wenn ich auch hoffe, daß der Fall durch die Kraft des Geistes allein und ohne rohe Gewalt gelöst werden kann, Ihre ergebene Loveday Brooke.
Craven: Was machen Sie denn da?
Brooke: Oh, oh, Sie haben mich erschreckt, Mr. Craven, ich bereite unsere Arbeit vor, hier, sehen sie.
Craven: Was haben Sie in meinen Privatpapieren zu suchen, Miss äh.
Brooke: Brooke.
Craven: Ich mag das nicht, man könnte fast glauben, sie seien an meinen kleinen Geheimnissen interessiert, Leute, die meine kleinen Geheimnisse kennen, mag ich nicht, lassen Sie sich das gesagt sein.
Brooke: Ja, Mr. Craven, verzeihen Sie.
Craven: Wo waren wir stehengeblieben.
Brooke: Sofort, für das Problem der Reduzierung menschlicher Sprache auf die sechs Urlaute ist die Frage nach den emotionalen Grundsituationen von entscheidender Bedeutung, daß Schmerz, Leid, Lust, Freude, Mangel und Befriedigung ihren jeweiligen sprachlichen oder doch stimmlichen Ausdruck besitzen, davon darf ausgegangen werden, wenn auch experimentelle Bestätigung, soweit hatten sie diktiert, Mr. Craven.
Craven: Experimentelle Bestätigung, experimentelle Bestätigung, das ist es, das a und o, der letzte Beweis, auch die vergleichende Philologie ist eine exakte Wissenschaft und bedarf des Experiments, aber wie vorgehen, ja wie vorgehen?
Brooke: Tierversuche, haben sie schon daran gedacht, Mr. Craven, das wäre doch meiner bescheidenen Meinung nach ein guter Anfang, die Urlaute zu bestimmen.
Craven: Was, was war das Miss, Tierversuche, äußerst interessant, Sie sagen da etwas, woran ich selbst schon oft gedacht habe, wenn wie der selige Mr. Darwin uns glaubwürdig versichert, wir Menschen von Tieren abstammen, dann läßt sich erwarten, daß die Urlaute im Tierreich gewissermaßen vorgebildet sind. Angenommen, man fügt einem Tier Schmerzen zu, einem Affen oder einem.
Brooke: Oder man töten, da man einen Affen doch wohl nur selten zur Hand hat, zum Beispiel einen Hund.
Craven: Aha, Hund, glauben sie ja nicht Miss äh.
Brooke: Brooke.
Craven: Glauben Sie ja nicht, daß Sie als erste auf diese geniale Idee gekommen sind, nein, nein, Miss Brooke, ganz und gar nicht, ich Miss Brooke, jawohl ich habe.
Brooke: Sie wollen doch damit nicht andeuten, daß sie ein solches Experiment bereits durchgeführt haben, Respekt, Mr. Craven.
Craven: Ja, ja.
Brooke: Der arme Kapitän.
Craven: Gewiß, gewiß, aber die Wissenschaft verlangt Opfer.
Brooke: Der Mond schien hell, nicht wahr Mr. Craven, und Sie waren da draußen im Park, allein mit Captain, allein mit in ihrem großen Experiment, womit haben sie ihn erschlagen, Mr. Craven, mit einem Stück Holz?
Craven: Ich bitte Sie, das wäre eine höchst unwissenschaftliche Methode gewesen Miss Brooke, nein, nein, sehr sauber, sehr ordentlich, mit meinem Hammer, meinem Geologenhammer, hier, Miss äh, keine Angst, ich hab ihn danach sorgfältig abgewaschen.
Brooke: Und wie hat Captain reagiert, waren sie zufrieden?
Craven: Ja, wie mans nimmt, wie mans nimmt, bevor er starb hat er sehr schön geheult, sehr laut, sehr urtümlich, aber ich weiß immer noch nicht, wie ich diesen Laut in Buchstaben fassen soll, die Umsetzung, Miss äh, die Umsetzungen des stimmlichen ins schriftliche, ein großes Problem.
Brooke: Der Mond schien noch immer, und sie standen an der Gärtnerhütte, den Hammer in der Hand, und da ging ganz plötzlich das Fenster auf.
Craven: Pst, niemand darf davon wissen, das ist ein Geheimnis, so, jetzt kann uns keiner belauschen.
Brooke: Lassen sie doch die Vorhänge, Mr. Craven, wer soll uns schon vom Park aus beobachten?
Craven: Wer? Aber das wissen sie doch, er natürlich, nachts schleicht er draußen herum, und er grinst, und flüstert, ich weiß bescheid, Herr, ich kenne ihr Geheimnis.
Brooke: Und damals in der Nacht stand er plötzlich am Fenster.
Craven: Ja, ja, das tat er, er beugte sich vor und sah mich an, und ich dachte, blitzschnell dachte ich daran, daß er mein Geheimnis kannte, seit vielen, vielen Jahren, und daß ich ihn dafür bezahlen mußte, immer wieder und immer mehr, und dann dachte ich auf einmal an etwas ganz anderes, an mein Experiment, und daß ist meine Forschungen weit, sehr weit voranbringen könnte, wenn ich den Todeslaut eines Menschen, kein Hund, kein Tier, ein richtiger Mensch, und dann und dann.
Brooke: Dann haben Sie zugeschlagen.
Craven: Ja, ich hab zugeschlagen und Sandy fiel um, zurück in sein Zimmer, stumm, stumm, stellen sie sich vor, kein Wort, kein Laut, gar nichts, er fiel einfach um, das war alles, ich war maßlos enttäuscht, und traurig, ja traurig, als ich im Zimmer nach meinem Geheimnis suchte und alles durcheinander brachte, damit sie am nächsten Tag etwas zu raten hatten, da mußte ich immer daran denken, daß es eigentlich umsonst gewesen war, ganz umsonst, ja aber dann fiel mir etwas ein, ich konnte das Experiment ja jederzeit wiederholen, bei günstiger Gelegenheit natürlich, verstehen sie Miss äh.
Brooke: Brooke.
Craven: Meinen sie nicht auch, daß der Todesschrei einer Frau sehr viel elementarer sein müßte, als der eines Mannes, vom Hunde ganz zu schweigen.
Brooke: Mr. Craven.
Craven: Bleiben Sie stehen, was wollen Sie mit der Lampe am Fenster, Sie sind doch Wissenschaftlerin, Miss äh.
Brooke: Brooke.
Craven: Warum sträuben Sie sich so, denken sie an mein großes Werk.
Inspektor: Hände hoch, legen Sie den Revolver weg, Mr. Craven, Williams, die Handschellen, gehen sie zur Seite, Miss, alles in Ordnung, Miss Brooke.
Brooke: Keine Sorge Inspektor, Achtung.
Wachtmeister: Wir haben ihn Sir, für sein Alter ziemlich kräftig.
Craven: Hier wäre wohl ein Urlaut tiefsten Schmerzes angebracht, wenn ich nur wüßte wie.
Inspektor: Dieses Experiment mit den Urlauten, das ist ja wohl das merkwürdigste Mordmotiv, das mir jemals untergekommen ist.
Brooke: Ziemlich kurios, sogar für eine Spezialistin aus London, Cravens zweites Motiv, oder sein erstes, wie sie wollen, ist dafür um so gewöhnlicher, schlichte Erpressung, darauf hätten Sie übrigens schon längst kommen können, Inspektor, der übertrieben hohe Lohn, den Craven Sandy zahlte, ist ein deutlicher Hinweis, dem hätten Sie nachgehen sollen.
Inspektor: So, hätte ich, aber wer konnte wir denn bei einem Mann wie Mr. Craven darauf kommen, daß er was zu verbergen hatte, da wir gerade dabei sind, was hatte er zu verbergen?
Brooke: Hier, das hab ich vor der großen Auseinandersetzung in seinem Schreibtisch gefunden, unten den Privatpapieren, Cravens Geheimnis, hier bitte sehr, sie brauchen es wahrscheinlich für die Verhandlung.
Inspektor: Eine amerikanische Heiratsurkunde: Archibal Craven, Irma Labell, New York 1866, das wars also, Bigamie.
Brooke: Ein überseeisches Abenteuer in seiner Jugendmaienblüte von dem niemand wußte nur der treue Diener Sandy Henderson, dann kam Craven zurück, wurde solide, heiratete, zeugte Kinder, lebte in ständigen Ängsten vor einem Skandal.
Inspektor: Und zahlte und zahlte, bis er sich mit einem Schlag von seinem Quälgeist befreite, die Urkunde, das war es doch sicher, was Craven in Sandys Zimmer gesucht hatte.
Brooke: Natürlich, und dabei hat er das Chaos angerichtet, das sie verwirren und auf eine falsche Fährte locken sollte.
Inspektor: Aber eigentlich haben wir doch von Anfang an recht gehabt, es war tatsächlich ein Irrer.
Brooke: Sicher Craven ist geisteskrank, kein Zweifel, aber daß sie ihn ohne meine Hilfe überführt oder auch nur verdächtig hätten, wage ich zu bestreiten.
Inspektor: Ja, wie auch immer, und jetzt muß ich ihnen noch eine dumme Frage stellen, ich hätte es gern gelassen, aber dazu bin ich ehrlich gesagt zu neugierig, wie sind sie überhaupt auf Mr. Craven gekommen und dann die Sache mit Walter.
Brooke: Langsam, langsam Inspektor, eins nach dem anderen, zunächst einmal, es gab durchaus Hinweise auf Craven, Sandys hoher Lohn zum Beispiel oder auch der Tod des Hundes, der mich auf das andere Motiv brachte, aber das entscheidende war, daß ich alle übrigen Personen die für die Tat in frage kamen, eliminiert konnte.
Inspektor: Das hatten sie mir schon vor der Festnahme geschrieben, aber ich verstehe immer noch nicht.
Brooke: Fangen wir mit Walter Craven an, der ohne es zu wollen alles getan hat, um unsere Arbeit zu erschweren und das nur weil er sich gerade am 7. September gedrängt fühlte, Craven Hall, England und vor allem seine Gläubiger für immer zu verlassen, damit letztere Herrschaften dabei nicht störend eingriffen, führte die Familie unterstützt von der Dienerschaft eine kleine Komödie auf, in Frauenkleidern und verschleiert, reiste der verlorene Sohn nach Liverpool, während seine Schwester sich die Haare abschnitt, das Gesicht gelb anmalte und den halbblinden Dr. Walters zu sich bestellte, der dann auch nichts ahnend, dem angeblichen Walter Craven eine Gelbsucht bescheinigte, ich vermute, daß sie sich sehr ähnlich sehen.
Inspektor: Celia und Walter, aber ja, fast wie Zwillinge.
Brooke: Nach der glücklichen Ankunft Walters in Amerika hätte Celia vermutlich ihre Rolle aufgegeben.
Inspektor: Woher wußten Sie übrigens, daß Walter auf der Edinburg Castle zu finden war?
Brooke: Um ehrlich zu sein, das war eher ein Zufall, ein paar Bemerkungen, zwischen Craven Senior und Hales, die nicht für mich bestimmt waren, damit hatte Walter ein Alibi, als Sandy umgebracht wurde, war er in Liverpool, gut 50 Meilen von Craven Hall im Hotel, das haben Sie doch überprüft.
Inspektor: Ja das Alibi steht, Walter war also aus dem Rennen und Celia.
Brooke: Celia auch, aus dem einfachen Grunde, daß sie für den tödlichen Hieb zu schwach war, dasselbe trifft auf Köchin und Zimmermädchen zu.
Inspektor: Blieb nur noch Mr. Craven Senior und Hales.
Brooke: Hales kam von Anfang an nicht in Frage, ein korrekter Butler wie er, der seinen Beruf ernst nimmt, wäre absolut außerstande gewesen Sandys Zimmer in einer derartigen Unordnung zu hinterlassen, ist eine psychologische Unmöglichkeit.
Inspektor: So Fakten, Miss Brooke, Fakten, ein guter Detektiv.
Brooke: Geht mit der Zeit, irgendwann einmal wird es sich hoffentlich bis zur Polizei von Grenfell herumsprechen, daß es sich bei der Psychologie um eine durchaus ernstzunehmende Wissenschaft handelt, schon mal was von Lombroso gehört, Inspektor?
Inspektor: Apropos Hales, er hat doch ausgesagt, daß niemand, also auch nicht Mr. Craven, in der bewußten Nacht Craven Hall verlassen haben kann.
Brooke: Durch die Tür, Inspektor, wohlgemerkt, durch die Tür, und das trifft auch zu, aber es gibt auch noch eine andere Möglichkeit, die großen französischen Fenster im Arbeitszimmer, die bis auf den Fußboden gehen, leicht zu öffnen, leicht zu schließen, wenn man nicht wie es sie es vorzieht, direkt durch die Scheiben zu spazieren.
Schaffner: Grenfell, der Schottland Express von Glasgow über...
Inspektor: Soll ich ihnen nicht Ihre Taschen.
Brooke: Danke, danke Inspektor das kann ich selbst, alles klar Inspektor, oder haben Sie noch Fragen?
Inspektor: Keine Fragen mehr, aber gratulieren sollte ich ihnen wohl noch zu ihrem Erfolg.
Brooke: Aber Inspektor, ich bin gerührt.
Inspektor: Der allerdings fast ein bißchen zu schlagend ausgefallen wäre, wenn wir gestern abend nur 5 Sekunden später gekommen wären, gäbe es heute keine Spezialistin aus London mehr, zu meinem Leidwesen, muß ich sagen.
Schaffner: Einsteigen, Türen schließen, Abfahrt.
Brooke: Wenn sie 5 Sekunden später gekommen wären, Inspektor hätte ich Gelegenheit gehabt, ihnen etwas vorzuführen, was sie vermutlich noch nicht kennen, einen fernöstlichen Verteidigungsport namens Jiu-Jitsu, aber trotzdem vielen Dank.
Inspektor: Jiu was, gute Fahrt Kollegin.
Brooke: Danke und wenn sie wieder mal einen Fall haben, der ihnen Schwierigkeiten macht, schicken Sie mir einfach ein Telegramm: Loveday Brooke, London, Scotland Yard, das genügt.
Loveday Brooke: Uta Hallant
Inspektor Griffin: Peter Schiff
Richter: Friedrich W. Bauschulte
Craven Sr.: Henning Schlüter
Sein Butler John Hales: Erich Fiedler
Herbert von Boxberger u.a.
Kommentar von Hörspiele |
Michael Koser: Professor van Dusen - Mord bei Gaslicht (RIAS 1978) (nach Jacques Futrelle: The Scarlet Thread)
Hatch: Ja Moment, ich muß erst den Satz zu ende schreiben, ja bitte.
Henley: Hallo.
Hatch: Ja.
Henley: Spreche ich mit Mister Hatch, Mr Hutchinson Hatch vom Daily New Yorker.
Hatch: Ja und wer sind sie.
Henley: Oh natürlich verzeihen sie, Henley ist mein Name, Weldon Henley, erinnern sie sich noch an mich.
Hatch: Oh ja ich erinnerte mich an ihn, aus den guten alten Zeiten als ich noch freier Mitarbeiter bei der eleganten Welt war und die Spalte Klatsch mit Hatch schrieb, sie wissen schon, wer mit wem wo wann wie lange, und bei meinen ungeheuer anstrengenden Recherchen auf Mitternachtspartys und dergleichen war ich des öfteren auch auf Mister Weldon Henley gestoßen, daß er mir einen unauslöschlichen Eindruck hinterlassen hatte, kann ich zwar gerade nicht behaupten aber aufgefallen war er mir, ein flotter junger Mann, der mehr Geld ausgab als gut für ihn war und mehr Whisky trank als er vertragen konnte, Junggeselle Tennisspieler Schürzenjäger und weil ein Mensch von heute auch ein zeitgemäßes Hobby haben muß Amateur-fotograf, später als ich Gerichtsreporter beim daily new yorker geworden war, hatte ich Henley aus den augen verloren, dicke freunde waren wir sowieso nie gewesen und jetzt nach gut drei jahren meldete er sich wieder, was wollte er von mir.
Henley: Was ich von ihnen will, das ist nicht so leicht zu erklären.
Hatch: Ja vielleicht versuchen sie es trotzdem.
Henley: Ja also.
Hatch: Ja.
Henley: Sie haben doch viel mit Verbrechen zu tun nicht wahr, sie schreiben doch immer diese Artikel über Räuber und Mörder.
Hatch: Völlig richtig alter Freund, was ist los.
Henley: Ich weiß nicht.
Hatch: Dahinter steckt doch eine story, zieren sie sich nicht mann, packen sie aus.
Henley: Nein nein so geht das nicht, sie müssen mir versprechen daß nichts von dem was ich ihnen sage, in die Zeitung kommt, ich halte sie für einen gentleman auch wenn sie Journalist sind.
Hatch: Danke sehr.
Henley: Tschuldigung so war das nicht gemeint.
Hatch: Schon gut.
Henley: Also geben sie mir ihr Ehrenwort.
Hatch: Ja wenn es unbedingt sein muß, bitte sehr ich werde schweigen wie das sprichwörtliche grab, so und was haben sie jetzt auf dem herzen.
Henley: Ja kurzgesagt ich habe grund zu der annahme daß ich ermordet werden soll.
Hatch: Was sie nicht sagen, ja waren sie schon bei der polizei.
Henley: Polizei nein auf keinen Fall, die Sache ist wie soll ich mich ausdrücken, ein bißchen merkwürdig, ich bin mir auch nicht ganz sicher.
Hatch: So naja wie sie wollen, es ist ihre beerdigung, das heißt hoffentlich nicht, aber mir ist immer noch nicht klar, was ich dabei für sie tun kann.
Henley: Ja ja ja ich dachte.
Hatch: Sie dachten.
Henley: Kennen sie nicht diesen Professor, ich meine den Privatdetektiv, der die schwierigen Mordfälle löst.
Hatch: Falls sie Professor van Dusen meinen, ja den kenne ich, ziemlich gut sogar, lassen sie sich übrigens einen guten Rat geben, Henley, nennen sie ihn niemals Privatdetektiv, Professor Doktor Doktor Doktor van Dusen genannt die denkmaschine legt großen wert auf die Bezeichnung Amateurkriminologe.
Henley: Ist das nicht dasselbe.
Hatch: Würde ich nicht sagen, außerdem übernimmt Professor van Dusen nur ganz besonders interessante und komplizierte Fälle.
Henley: Eben, deshalb wende ich mich an sie Hatch, würden sie mich bei van Dusen einführen.
Hatch: Ich weiß nicht recht.
Henley: Ach bitte.
Hatch: Ich kann ja mal versuchen einen Termin zu bekommen.
Hatch: Gutmütig wie ich bin, sagte ich ja und setzte damit ohne es zu ahnen eine Kette von Ereignissen in Bewegung, die sich zu einem der merkwürdigsten und undurchsichtigsten Fälle in der Laufbahn des Professors entwickeln sollte, zu dem geheimnisvollen Fall des roten Fadens, wie er selbst ihn später nannte, ich für meinen teil ziehe den Titel Mord bei Gaslicht vor, das klingt mehr nach Schlagzeile und auf Schlagzeilen verstehe ich mich ausnahmsweise besser als van Dusen, doch dies nur nebenbei, ich setzte mich wie versprochen mit dem Professor in verbindung, machte noch für diesen abend einen Termin für einen Besuch mit ihm aus und stellte mich pünktlich um 8 Uhr bei ihm ein, mit Mister Weldon Henley im schlepptau.
vanDusen: Man hat also einen Anschlag auf ihr leben ausgeführt.
Henley: Einen, drei Anschläge Professor van Dusen, dreimal hat jemand versucht mich umzubringen.
vanDusen: Gleich dreimal, interessant, das zeugt von einer gewißen Beharrlichkeit des unbekannten Täters, wann.
Hatch: Und von seinem Pech, entschuldigung.
vanDusen: Wann und wo haben diese Anschläge stattgefunden, Mr Henley.
Henley: In den letzten zwei Wochen Professor, in meinem apartment.
vanDusen: In ihrem appartement so, und wo befindet sich ihr apartment.
Henley: Park avenue im sogenannten Drohnenhaus, kennen sie es.
Hatch: Natürlich kannten wir das Drohnenhaus, ein hypermoderner fünfstöckiger Wohnblock in der besten Gegend der Stadt, aufgeteilt in apartements, welche jungen Ehepaaren und alleinstehenden Herren mit gehobenen Ansprüchen für einen angemessenen Mietpreis eine höchst luxuriöse Einrichtung boten, desgleichen himmlische Ruhe sowie allen Komfort unseres jungen zwanzigsten Jahrhunderts, zentrale Heizung, Lift, Gaslicht oder elektrische Beleuchtung, ganz nach belieben, so ungefähr stand es im Prospekt und hier wohnte also Mister Weldon Henley in einem kleinen bescheidenen Junggesellenapartment von fünf Zimmern wie er sagte.
Henley: Naja, ein Zimmer benutze ich übrigens als Dunkelkammer für meine foto-grafischen Arbeiten, denen ich einen teil meiner zeit widme.
vanDusen: ach das ist interessant aber um auf die mordanschläge zurückzukommen.
Henley: Ja natürlich, es fing alles damit an, daß ich eines nachts im Bett lag und das Gaslicht in meinem Schlafzimmer brennen ließ, wie ich es gewöhnlich zu tun pflegen, ich bin nämlich einwenig nervös und ich kann bei völliger dunkelheit nicht einschlafen
vanDusen: Ach ja und.
Henley: Ja mitten in der nacht wachte ich auf, es war finster, die Lampe war ausgegangen, im Zimmer roch es durchdringend nach Gas, entsetzt sprang ich aus dem Bett, ich konnte gerade noch das Fenster erreichen und weit aufreißen, sonst wäre ich mit Sicherheit umgekommen, ja das war das erste mal.
vanDusen: So die flamme war erloschen das gas strömteaus und wann geschah das.
Henley: Vor ja vor genau 14 Tagen, am 17 juni 1902.
vanDusen: Es fällt mir schwer Mr Henley in dem Vorfall einen bewußten Mordversuch zu sehen, ein plötzlicher Luftzug oder auch eine vorübergehende Verminderung des Gasdrucks kann das Licht gelöscht und das Gas zum ausströmen gebracht haben, ein Zufall, Mr Henley, unangenehm für sie, vielleicht sogar gefährlich aber kaum ein regelrechter Mordanschlag.
Henley: Ein Zufall ja, das dachte ich anfangs auch Professor, aber dann zwei Tage später geschah genau dasselbe.
Hatch: Und da sagte uns Henley wurde er denn doch unruhig und die unruhe steigerte sich zur besorgnis als er in der nacht zu gestern zum dritten mal fast ein opfer des gaslichtattentäters geworden wäre, wieder war die Flamme der Nachtbeleuchtung auf mysteriöse weise erloschen, wieder strömte giftiges Gas ins Zimmer und nur die Tatsache daß er spätnachts noch von einem Freund angerufen wurde rettete Henley vor dem sicheren Tod, jetzt sagte Henley bekam er Angst, das konnten wir ihm nicht verdenken.
Henley: Letzte nacht habe ich kein Auge zugetan, Professor.
vanDusen: Durchaus verständlich, und.
Henley: Nichts, nichts ist passiert, kein Mordversuch, gar nichts, genau wie vor ein paar Tagen als ich mich wach hielt, um das Gaslicht zu beobachten, es blieb die ganze nacht brennen, ruhig und ohne Störungen.
vanDusen: Erstaunlich, ihre Wohnungstür.
Henley: Fest verriegelt und verschlossen jede nacht.
vanDusen: Wer hat einen Schlüssel außer ihnen.
Henley: Niemand Professor, nicht einmal meine Verlobte.
vanDusen: Ach sie sind verlobt.
Hatch: Cherchez la femme.
vanDusen: Hatch.
Hatch: Excusement.
Henley: Das heißt ich bin noch nicht offiziell verlobt, Miss Delarue und ich, wir wollen unsere Verbindung in den nächsten Tagen bekannt geben.
vanDusen: Ich versteh, ich verstehe, ihr Schlafzimmerfenster war ebenfalls geschlossen.
Henley: Wie.
vanDusen: Ihr Schlafzimmerfenster.
Henley: Das Fenster wird nachts nie geöffnet bei Zug kann ich nämlich nicht schlafen.
vanDusen: Ah ja und die Gasleitungen im hause.
Henley: Ich glaube, die werden regelmäßig überprüft.
vanDusen: Wie schön.
Henley: Ich kann mir das alles nicht erklären Prof, die Sache ist einfach unmöglich.
Hatch: Ach, also das hätten sie nicht sagen sollen Mr Henley.
vanDusen: Unmöglich, nichts ist unmöglich Mr Henley, es gibt für alles eine Erklärung, auch für die merkwürdigen Vorfälle in ihrem apartment und diese Erklärung läßt sich finden Mr Henley, so sicher wie 2 + 2 4 ist, wenn es nach mir ginge, Mr Henley, würde das Wort unmöglich ersatzlos gestrichen und aus unserem Sprachschatz verbannt werden, verstehen sie mich Mr Henley.
Henley: Ja schon sozusagen aber ich.
vanDusen: Gut gut, ihr Problem interessiert mich, ich Professor van Dusen genannt die Denkmaschine, fühle mich herausgefordert, nein nicht von ihnen Mr Henley, von jenem unbekannten, der sich offenbar in den Kopf gesetzt hat, sie mittels ihrer Gasbeleuchtung ins jenseits zu befördern, ich werde mich seiner annehmen, das verspreche ich ihnen, vorerst empfehle ich ihnen des nachts ihre Finger vom Gaslicht zulassen und falls es ihnen unmöglich ist bei völliger Dunkelheit zu schlafen, kaufen sie sich eine Petroleumlampe, sobald es meine zeit erlaubt werde ich ihr apartment einer durchsicht unterziehen, vielleicht schon morgen und ich werde über den Fall nachdenken.
Hatch: Wie es sich ergab, hatte der Professor nicht allzu viel Zeit um über den Fall nachzudenken, schon am nächsten vormittag flatterte mir nämlich eine hochinteressante Agenturmeldung auf den Schreibtisch, moment, ja hier ist sie, mysteriöser Todesfall im Drohnenhaus, Gasvergiftung, Zofe tot aufgefunden, ich rief sofort Professor van Dusen an, obwohl er es bekanntlich gar nicht schätzte andere Organe als sein phänomenales Gehirn zu strapazieren, hielt er die Sache doch für merkwürdig genug, um sich mit mir gleich zum Schauplatz des Geschehens zu begeben, vielleicht fühlte er sich auch verantwortlich für Henley, der sich schließlich an ihn um Hilfe gewandt hatte, denn daß zwischen dem mysteriösen Todesfall im Drohnenhaus und den Anschlägen auf Henley am gleichen Ort ein Zusammenhang bestand, daran konnte man wohl nicht zweifeln.
Caruso: Zuerst machen wir eine Aufnahme vom Zimmer, klar und dann die Leiche, erst von hier, ungefähr so, moment mal, was hat sie denn hierher verschlagen, Professor, seit wann interessiert sich die Denkmaschine für Routinefälle.
vanDusen: Immer dann wenn sie den Verdacht hat es handele sich eigentlich gar nicht um einen Routinefall.
Caruso: Ach Unsinn Professor, kein problem, kein geheimnis, alles sonnenklar.
Hatch: Kann ich das zitieren Caruso.
Caruso: Klar können sie.
Hatch: Sonnenklar so nennt Detektiv Sergeant Caruso von der New Yorker Kriminalpolizei den Todesfall, der sich in der nacht zum 2 Juli 1902 in einem Luxus-apartment des sogenannten Drohnenhauses ereignet hat, bei der Toten handelt es sich um wen, Caruso.
Caruso: Ellis Briggs, Engländerin, 26 Jahre, Zofe bei der Familie Kortline, war allein in der Wohnung, ihre Herrschaft ist in Europa.
Hatch: Aha und Todesursache.
Caruso: Gasvergiftung, ganz eindeutig, Gaslicht aufgedreht aber nicht entzündet, türen und fenster von innen verschlossen, und das mr hatch kann nur bedeuten daß.
Hatch: Und daß meint Caruso kann nur bedeuten.
Caruso: Selbstmord, ohne jeden zweifel und damit hat Detective Sergeant Caruso.
Hatch: Detective Sergeant Caruso.
Caruso: Wieder einmal.
Hatch: Wieder einmal, ja weiter.
Caruso: Und so weiter und so weiter, sie wissen ja wie man sowas schreibt.
Hatch: Ja natürlich, und damit hat detektive sergeant caruso ohne rast und ruh tätig im dienste der bürger seinen allseits bekannten scharfsinn wieder einmal unter beweis gestellt, so etwa.
Caruso: Prima Mr Hatch, sie sehen Professor der Fall ist gelöst, sie werden nicht gebraucht.
vanDusen: Meinen sie, haben sie etwas dagegen, wenn ich mich trotzdem ein bißchen umsehe.
Caruso: Nein, natürlich nicht.
Hatch: Der ebenso unermüdliche wie scharfsinnige Detective Sergeant Caruso hatte natürlich nichts dagegen, schließlich wußte er genau, was er dem Professor zu verdanken hatte, wie oft war van Dusen ihm zu hilfe gekommen, wenn wieder einmal die wackere new yorker polizei mit eifer aber ohne jeden erfolg einem geheimnis-vollen mörder nachgespürt hatte, eifer zeigten caruso und seine mannen übrigens auch jetzt, sie suchten, sie vermaßen, sie fotografierten, sie ackerten ohne rast und ruh und vergaßen dabei nur eins, das nachdenken, das besorgte an ihrer stelle Professor van Dusen, er wandelte im apartement auf und ab, ziellos wie es schien, stöberte hier und da ein bißchen herum, sah sich die Düsen der Gasbeleuchtung an und macht bei alledem einen uninteressierten fast gelangweilten Eindruck, Caruso, der den Professor anfangs mißtrauisch im Auge behalten hatte, achtete bald nicht weiter auf ihn, aber ich kannte den Professor besser und wußte daß er gerade dann hellwach und höchst konzentriert war wenn er wie ein Schlafwandler wirkte.
vanDusen: Caruso.
Caruso: Ja Prof.
vanDusen: Ich vermisse einen Abschiedsbrief der Toten.
Caruso: Abschiedsbrief.
vanDusen: Ja.
Caruso: Keiner da Prof.
vanDusen: Was denn, kein Abschiedsbrief.
Caruso: Nein.
vanDusen: Soso, an ihrem sonnenklaren Fall ist einiges merkwürdig, finden sie nicht auch.
Caruso: Ach was, alles deutet auf Selbstmord, das ist die einzig mögliche Erklärung, machen sie doch nicht aus jeder Kleinigkeit ein Geheimnis.
vanDusen: Wie es scheint, irritieren wir die Herren von der Kriminalpolizei, kommen sie Hatch, gehen wir.
Hatch: Ja wohin denn Professor.
vanDusen: Ich möchte dem Hausverwalter einige Fragen stellen.
Hatch: Wir fuhren mit dem Lift ins Erdgeschoß, wo sich gleich links von der großen Eingangshalle das moderne Büro der Hausverwaltung befand und darin hinter seinem modernen Schreibtisch befand sich der Hausverwalter, ein moderner wenn auch nicht mehr ganz junger Mann, modern gekleidet vom Gummikragen bis zu den gelben Zugstiefeln, die er uns auf der Schreibtischplatte präsentierte, obwohl er durch die Pflichten moderner Hausverwaltung natürlich voll und ganz in Anspruch genommen war, ließ er sich doch herab uns ein paar seiner kostbaren Zeit zu opfern.
Crippen: Sagen sie nichts, meine Herren, ich sehe es ihnen an, sie suchen eine Wohnung, ich gratuliere, sie sind an die richtige stelle gekommen, sie sind Menschen von heute, moderne Menschen, ich sage immer, moderne Menschen sollen auch modern wohnen und wo, meine herren wohnt man modern, in den apartments dieses Hauses, welches jungen Ehepaaren und alleinstehende Herren mit gehobenen ansprüchen für einen angemessenen mietpreis eine höchst luxuriöse Einrichtung bietet, desgleichen himmlische Ruhe, sowie allen modernen komfort, zentralheizung.
Hatch: Jetzt halten sie mal die luft an und hören uns einen moment zu, der Herr hier ist Professor van Dusen, der berühmte Prof.van Dusen, er hat ein paar fragen an sie.
vanDusen: Im zusammenhang mit dem Tod von Alice Brix in apartment 34.
Crippen: Ah die Zofe von Mr Kordland, böse Geschichte, schlecht fürs Geschäft, ich sage immer, leiche im haus treibt mieter raus, ist gut was.
vanDusen: Wenn sie mir jetzt freundlicherweise meine fragen beantworten würden.
Crippen: Selbstredend, Professor, fragen sie nur, fragen sie flott drauf los, ich sage immer frisch gefragt ist halb.
vanDusen: In ihrem Prospekt Mr.
Crippen: Mr Crippen, sagen sie ruhig Pete zu mir.
vanDusen: In ihrem Prospekt, Mr Crippen steht Gaslicht oder elektrische Beleuchtung, ganz nach belieben, nun nehm ich doch an, daß die meisten ihrer Mieter als moderne Menschen sich für Elektrizität entschieden haben, andererseits benutzt man im apartment der kortlands Gasbeleuchtung.
Crippen: Ein beklagenswerter Rückschritt, sie haben ja so recht, es gibt eben immer einige wenige, die sich den Erfordernissen der modernen Zeit verschließen, die sich vom alten überlebten nicht trennen können, ich sage immer.
vanDusen: Wer noch.
Crippen: Bitte.
vanDusen: Wer außer den Kortlands brennt hier im Hause noch Gas.
Crippen: Warten sie mal, da ist apartment 12a, Mr Bruce Partington, reizender alter Herr übrigens, ja und Mr Henley in 36.
vanDusen: Das wollte ich wissen, 36 sagten sie, Mr Henleys apartment liegt also auch im dritten Stock.
Crippen: So ist es.
vanDusen: Neben dem apartment der Körtlands.
Crippen: Ja und nein, sehen sie Professor bei uns gibt es in jedem Stockwerk eine große Halle, eine Art Foyer, rechts neben dieser Halle im dritten Stock liegt das körpland apartment, links das von Mister Henley, so ist das.
vanDusen: Aha, existiert irgendwo ein Haupthahn für die Gasleitung.
Crippen: Aber sicher im Keller, gleich neben der Heizung.
vanDusen: Es ist also möglich, jedes Gaslicht im Hause zu löschen, indem man den haupthahn abdreht.
Hatch: Ach so also, sie meinen, jemand stellt das gas ab spät in der nacht und wenn die flammen ausgegangen sind, stellt er es wieder an, geniale Idee Professor, das würde die Sache erklären.
Crippen: Ich verstehe kein Wort, wieso soll jemand.
vanDusen: Bitte beantworten sie meine frage.
Crippen: Naja theoretisch ging das schon, aber aber praktisch ist es unmöglich.
vanDusen: Wieso.
Crippen: Ganz und gar unmöglich, wir haben nämlich einen Heizer, das heißt genau genommen zwei, beide machen Dienst rund um die Uhr, jeder zwölf Stunden, der Gashahn steht ständig unter Beobachtung, genau wie die Heizung und die elektrischen Sicherungen, bei uns kann nichts passieren meine Herren, sie brauchen mir ja nicht zu glauben, hier bitteschön, kommen sie mit in den keller, überzeugen sie sich selbst, ich sage immer, vertrauen ist schön, vertrauen ist gut, doch am besten man alles selber tut, kommen sie auch mit, haben sie gehört, vertrauen ist gut.
Hatch: Im Heizungskeller stellten wir fest, daß der flotte Mister Crippen uns die wahrheit, die ganze wahrheit und nichts als die wahrheit gesagt hatte, der diensttuende Heizer hatte den Haupthahn der Gasleitung ständig im auge und daß er seinen Posten nicht verließ oder vielleicht gar ein höchst dienstwidriges Nickerchen machte, dafür sorgte die Stechuhr, die alle halbe Stunde gedrückt werden mußte, was jetzt, Professor van Dusen der sich nur sehr ungern von einer guten idee trennt, war irritiert, er zog die Stirn in Falten, fuhr mit Crippen und mir im Lift rauf und runter, lief ziellos durch die Korridore und erst als er seinen immensen Kopf im vierten Stock aus dem Hallenfenster steckte, schien er wieder einen festen Punkt gefunden zu haben, von dem aus er die Welt oder doch wenigstens den vorliegenden Fall aus den Angeln heben konnte.
vanDusen: Äußerst interessant.
Crippen: Wie meinen.
vanDusen: Ich sagte äußerst interessant Mr Crippen.
Crippen: Was soll denn an unserer fahnenstange so interessant sein, ne ganz normale fahnenstange, an feiertagen vierter juli und so hängen wir das sternenbanner auf.
vanDusen: Wann haben sie zuletzt geflaggt Mister Crippen.
Crippen: Ja zum neuen Jahr, 1. Januar.
vanDusen: Sind sie da ganz sicher.
Crippen: Bombensicher, ich sage immer.
vanDusen: In diesem Fall Mr Crippen, sind es zwei Tatsachen, die ich im Zusammenhang mit ihrer Fahnenstange für äußerst interessant halte, die erste Tatsache ist der Ort, an dem sie sich befindet, in der Mitte des Hauses ausgehend vom Hallenfenster im vierten Stock, etwa vier Meter über die Straße ragend.
Crippen: Vier meter vierzig.
vanDusen: Oh danke sehr freundlich, bei der zweiten interessanten Tatsache, Mr Crippen handelt es sich um dieses corpus delicti hier.
Crippen: Ein roter Faden, na und.
vanDusen: Dieser rote Faden Mr Crippen, hatte sich am Seil ihrer Fahnenstange verfangen, dem Seil das dazu dient, die Flagge zu hissen und wieder einzuziehen, ja wir sind hier vorerst fertig Hatch, wir können gehen.
Hatch: Ja wollten sie sich nicht noch mit Henley sprechen Professor.
Crippen: Oh Mr Henley ist ausgegangen, ich habe ihn heute früh getroffen unten in der Halle, ist erst gegen abend wieder hier, hat er gesagt.
vanDusen: Ja dann müssen wir das Gespräch verschieben, falls es sie übrigens interessiert meine Herren, Alice Briggs hat nicht wie Detective Sergeant Caruso glaubt Selbstmord begangen, sie wurde ermordet.
Crippen: Ist das wahr, von wem denn.
vanDusen: Was den Mörder betrifft Mr Crippen, bin ich mir noch nicht endgültig schlüssig.
Hatch: Und wie.
vanDusen: Die Mordmethode mein lieber Hatch ist so einfach und so sicher, daß ich fast versucht bin, sie genial zu nennen, eine letzte Frage Mr Crippen, sind die beiden großen Lampen von dem Haus nachts immer in Betrieb.
Crippen: Selbstredend Professor, siehe Prospekt, sie tauchen die hochkünstlerisch gestaltete Vorderfront in ein feenhaft helles Licht.
Hatch: Vor dem Drohnenhaus wollte ich mich von Prof. van Dusen verabschieden aber er bestand darauf, daß ich ihn bis in seine Wohnung begleitet, ich kannte das, der große Meister wollte laut nachdenken und brauchte einen geduldigen Zuhörer, da war nichts zu machen, ich setzte mich also bequem hin, versorgte mich mit einem gigantischen Whisky, hörte zu, sagte ab und zu so aha oder sonstwas intelligentes und der Herr Professor hielt mir eine Vorlesung.
vanDusen: Wie ich bereits bemerkte, meine Damen und Herren, ich meine natürlich mein lieber Hatch, wie ich also bereits bemerkte, ist die art und weise mit welcher der Mord ausgeführt wurde, von geradezu genialer Einfachheit, weiteres möchte ich hierzu noch nicht ausführen, ist doch das wie nur ein Teilergebnis und bei all seiner Bedeutung gewiß nicht das wichtigste für die Lösung des vorliegenden Falles, wenn es erst gelungen sein wird, das warum zu klären und das wer, wozu allerdings schon recht deutliche Hinweise vorliegen.
Hatch: Momentmal Professor, soll das heißen sie kennen den Mörder schon.
vanDusen: Nun es gibt wie gesagt deutliche Hinweise, eine ganz bestimmte richtung, mehr will und kann ich zurzeit nicht sagen, sie kennen meine Methode Hatch, keine Teilergebnisse vor der endgültigen Aufklärung, der wahrhaft logische Geist scheut das Verkünden noch unzureichend durchdachter Schlüsse, so viel jedoch steht fest, bei Henleys rätselhaftem Attentäter und dem Mörder der Alice Briggs handelt es sich um ein und dieselbe Person.
Hatch: Dann wäre der Mord so eine Art Betriebsunfall, eigentlich sollte Henley dran glauben, aber es traf irgendwie das Mädchen von nebenan, ja so was kommt vor.
vanDusen: Und noch eins steht fest, der Mörder lebt im Drohnenhaus, um weitere Aussagen machen zu können, brauchen wir zusätzliche Informationen, hat Henley Feinde, nach seinen Angaben ist er so gut wie verlobt mit einer gewissen Miss.
Hatch: Delarue, Isabel Delarue, einzige Tochter eines millionenschweren Reeders aus New Orleans.
vanDusen: Millionenschwer, interessant, hat Henley Nebenbuhler, gibt es Verbindungen zwischen ihm und Alice Briggs oder anderen Hausbewohnern und nicht zu vergessen, woher stammt der rote Faden, diesen Fragen müssen wir nachgehen und das mein lieber Hatch wird ihre Aufgabe sein, trinken sie aus, machen sie sich wie man in ihren Kreisen zu sagen pflegt, auf die Socken.
Hatch: Gut, auf wiedersehen Prof.
Hatch: Manchmal habe ich das dunkle Gefühl daß der Professor in mir eher den Laufburschen sieht als den geistigen Mitarbeiter, aber was solls, ich machte mich befehlsgemäß auf die Socken und besuchte als erstes ein feudales Emporium in der fifth avenue, wo der gentleman Krawatte, Hemd, Hut und Stock zu erstehen pflegt, kurz alles was ihn zum gentleman macht.
Verkäufer: Dieser Faden, dieser rote Faden, Sir.
Hatch: Ganz recht, ich würde gerne wissen, woher er stammt.
Verkäufer: Nun Sir, ich möchte mich zwar nicht festlegen aber nach meiner erfahrung Sir, meiner langjährigen Erfahrung im gehobenen Textilgewerbe dürfte diese rote Faden aus einem Kleidungsstück stammen, welches gemeinhin Morgenrock oder auch Bademantel benannt wird.
Hatch: Männlich oder weiblich.
Mann: Guten Tag.
Verkäufer: Guten Tag gnädige Frau, wie belieben Sir.
Hatch: Aus dem Bademantel eines Herrn oder einer Dame.
Verkäufer: Darüber Sir wage ich kein Urteil abzugeben, wir hier führen nur Bademäntel für Herren, mir ist allerdings bekannt vom hörensagen Sir, daß auch Damen derartiges benutzen.
Hatch: Ich danke ihnen, sie haben mir sehr geholfen, auf wiedersehen.
Verkäufer: Auf wiedersehen, bitte sehr die Dame.
Mann: Ich bin ein Herr.
Hatch: Punkt nummer eins erledigt, meine nächste Station war das Drohnenhaus, wie ich mich telefonisch vergewissert hatte, war Weldon Henley inzwischen wieder in seinem apartment eingetroffen, er hatte natürlich erfahren, was sich nebenan abgespielt hatte und war womöglich noch nervöser als am Vortag.
Henley: O gott gott ich darf gar nicht daran denken, wenn ich nicht den Rat ihres Professors befolgt und in der letzten nacht eine Petroleumlampe benutzt hätte, dann wäre ich jetzt im Leichenschauhaus und nicht diese unglückselige Zofe aus 34, diese Briggs hieß sie ja wohl.
Hatch: Ja Alice Bricks, kannten sie sie.
Henley: Eine zofe, ich bitte sie, was heißt schon kennen, man wohnt im gleichen Haus, man sieht sich ab und zu, das ist alles, aber warum halten sie sich mit diesem Mädchen auf, daß sie umgekommen ist, war doch nur ein zufall, eine, eine panne, für mich sollte sich ihr Professor interessieren.
Hatch: Ja das tut er auch.
Henley: Unsinn, Crippen hat mir erzählt, was er tut, der kriecht hier im Haus herum, guckt sich den Heizungskeller an, sogar die Fahnenstange im vierten Stock, er sammelt kleine rote Fäden und gott weiß was noch alles, ich frage sie.
Hatch: Nein ich frage sie und zwar im Auftrag von Prof. van Dusen haben sie Feinde.
Henley: Noch nicht daß ich wüßte.
Hatch: Jeder Mensch hat Feinde.
Henley: Was heißt Feinde, sicher wenn sie Leute meinen die mich nicht leiden können aber ich wußte wirklich nicht wer mich deshalb umbringen sollte.
Hatch: Vielleicht jemand, der auch gern Miss Delarue heiraten würde.
Henley: Lassen sie meine Verlobte aus dem Spiel, sie hat nichts mit der Sache zu tun, ich wußte es ja, sie sind bloß scharf auf ein Skandal für ihr Käseblatt.
Hatch: Langsamer alter Freund ja, sie haben mein Ehrenwort und Käseblatt will ich nicht gehört haben im Interesse einer gedeihlichen Zusammenarbeit.
Henley: Ja schon gut.
Hatch: Also gibt es jemand, der an Miss Delarue interessiert war oder noch ist.
Henley: Na ja und wenn sie so fragen, so einen gibts schon, Jugendfreund, aus New Orleans, mit ihr aufgewachsen, sogar schon verlobt und dann kam Miss Delarue nach New York, traf mich und ende der Verlobung, naja der bessere gewinnt eben.
Hatch: Name.
Henley: Reginald Cable, Import Export.
Hatch: Adresse.
Henley: An sich New Orleans aber zurzeit New York, Park avenue, Drohnenhaus apartment 39.
Hatch: Was denn, dieser Cable wohnt hier im Haus, na das wird den Professor sehr interessieren.
Henley: Aber kommen sie jetzt bloß nicht auf die absurde Idee, daß Cable hinter der Sache steckt, och hätte ich doch nur nichts gesagt und jetzt muß ich sie bitten zu gehen, ich möchte.
Hatch: Damit beendete Henley das Gespräch um zur Beruhigung seiner Nerven einen Spaziergang im Centralpark zu machen, ich begleitete ihn allerdings nur bis ins Erdgeschoß, Punkt 3 auf meiner Liste war der redselige mister Crippen, auch ihn fragte ich.
Hatch: Kennen sie Mr Cable.
Crippen: Hmh.
Hatch: Ob sie mr cable kennen.
Crippen: Oh ja, selbstverständlich, das ist ein hochanständiger Mensch, freundlich, liebenswürdig, ich komme rum zu ihnen, er kann einem leid tun, sie wissen vielleicht daß er in der Liebe sehr enttäuscht worden ist, in der Liebe sehr enttäuscht worden, Mr Henley hat ihm die Braut weggeschnappt und er ist nach New York gezogen, um ihr trotzdem nahe zu sein, romantisch nicht finden sie nicht auch, ich sage immer, die liebe, die liebe, die liebe ist eine himmelsmacht, ja andererseits hat mr cable geld wie heu und mr henley könnte einen monatlichen zuschuß vom reichen schwiegervater viel besser gebrauchen, außerdem wird es zeit, daß einmal zur ruhe kommt, er ist hinter jedem Rock her, natürlich nimmt Mr Cable die sache schwer, er nimmt sie sehr sehr schwer, ich sollte ihnen das eigentlich gar nicht alles erzählen, verschwiegenheit ich sage immer verschwiegenheit, verschwiegenheit sage ich immer und diskretion ist a und o im guten ton, außerdem genaugenommen kenne ich Mister Cable kaum, wohnte erst kurze zeit bei uns.
Hatch: Ach was, seit wann denn.
Crippen: Tja, wann ist er eingezogen, vielleicht schon vor drei Wochen, knapp 3 Wochen ist er eingezogen, er wird auch bald wieder ausziehen, nicht etwa weil ihm das apartment nicht gefällt, nein ganz im Gegenteil aber er muß zurück nach New Orleans, geschäftliche Verpflichtungen usw, vielleicht hat er es auch schon überwunden, innerlich überwunden, sie wollen schon gehen.
Hatch: Ja es ist schon spät, es war spät geworden, ich rief van dosen an, teilte ihm mit was ich erfahren hatte und verabredete mich mit ihm für den nächsten vormittag in seiner wohnung, wo ich mich dann auch ausgeschlafen und voller tatendrang pünktlich einstellte.
vanDusen: Schön daß sie sich pünktlich einstellen, die Konturen des Falles, mein lieber Hatch, werden schärfer ich hoffe, oh entschuldigung, ja hier spricht Professor van Dusen, ja er ist hier, ja was, und wo, so nicht erkannt, ja ja, ich werde es ausrichten, eine äußerst überraschende Nachricht, die ihre Redaktion ihnen mitteilen läßt, Hatch, gestern abend gegen 6 Uhr wurde im Central park ein Bewohner des Drohnenhauses angeschossen und zwar.
Hatch: Weldon Henley.
vanDusen: Ganz recht, er ist nur leicht verletzt durch eine Fleischwunde im Oberschenkel, hat aber in folge des Schocks für kurze zeit das Bewußtsein verloren und kann daher keine Angaben über den Täter machen, den er auch vor dem Schuß nicht gesehen hat.
Hatch: Um 6 sagten sie, dann hat Crippen ein Alibi, um die Zeit war ich bei ihm.
vanDusen: Crippen habe ich als Täter ohnehin niemals ernsthaft in Erwägung gezogen, das ist nicht der entscheidende Punkt, aber wie dem auch sei, ich muß versuchen diese neue Entwicklung in meine fast abgeschlossene Rekonstruktion des Falles einzubeziehen und während ich dies tue, werden sie mein lieber Hatch sich wieder ein bißchen Bewegung machen.
Hatch: Also wieder mal Laufbursche im gehobenen Dienst, aber was tut man nicht alles für ein Genie, vor allem wenn es van Dusen heißt, ich wanderte also wieder zum Drohnenhaus, ließ mich bei Mister Reginald Cable melden und schwindelt ihm die hucke voll.
Cable: Da haben sie ganz richtig gehört Mister äh.
Hatch: Hatch.
Cable: Wie.
Hatch: Schlicht und einfach Hatch.
Cable: Das apartment wird frei, wenn sie wollen können sie morgen früh einziehen, ich bin wie sie sehen schon beim packen, Percival.
Percival: Jawohl sir.
Cable: Habe ich ihn nicht gesagt, sie sollen meine chapeau claque sorgfältig abbürsten bevor sie sie in der hutschachtel verstauen.
Percival: Gewiß Sir, ich bitte um Verzeihung Sir, ich war offenbar nicht ganz bei der Sache Sir.
Cable: Ja das scheint mir auch so.
Percival: Es soll nicht wieder vorkommen Sir.
Cable: Ich will das hoffen, machen sie weiter.
Percival: Gewiß Sir.
Cable: Mein Kammerdiener Percival, habe ich mir aus England kommen lassen, bei Pferden und Dienstboten ist das beste für mich gerade gut genug, leider ist er nicht mehr der alte, hört nicht zu, paßt nicht auf, grübelt vor sich hin, traurige Geschichte ist ihm auf den Magen geschlagen, er hat ein verhältnis angefangen mit einer wie sagt man Landsmännin, Landsfrau jedenfalls mit einem englischen kammerkätzchen, hier im Haus und was macht dieses Mädchen, geht hin und bringt sich um mit Gas und mein Percival kommt aus dem Tritt, ein Jammer.
Hatch: Meinen Sie Alice Bricks bei den Kertlents, appartement 34.
Cable: Briggs, ja so hieß sie glaube ich, die Schuhe doch die Seidenkrawatten, würde ihn rausschmeißen, wenn er nicht schon von sich aus gekündigt hätte.
Hatch: Ach ihr Diener hat gekündigt.
Cable: Ja gestern, er will nicht mit zurück nach New Orleans, sagte er, er möchte in New York bleiben, naja diener sind offenbar auch Menschen, um wieder auf das apartment zu kommen Mr Hatch sie müssen natürlich in meinem mietvertrag einsteigen.
Hatch: Natürlich und wie viel.
Cable: 200 Dollar im monat möbliert alles inklusive, sehen sie sich ruhig um.
Hatch: Gern, übrigens ist das ihr Bademantel.
Cable: Ja warum, was machen sie denn da schon wieder Percival...
Hatch: Während Cable seinen Diener runterputzte zupfte ich unbemerkt aus dem roten Bademantel, der über der Sessellehne hing, einen Faden, damit hatte ich alles erledigt, was van Dusen mir aufgetragen hatte, ich erklärte das mit dem apartment würde ich mir noch überlegen und empfahl mich, meine Beute gab ich beim Professor ab, dann ging ich in die Redaktion, um zur Abwechslung mal wieder einer geregelten Berufsarbeit nachzugehen, aber es blieb beim guten Vorsatz, kaum saß ich hinter meinem Schreibtisch, als das Telefon klingelte.
vanDusen: Hatch.
Hatch: Ja, der Professor schon wieder.
vanDusen: Kein Zweifel, die Fäden sind identisch, unter dem Mikroskop ist kein Unterschied festzustellen.
Hatch: Und das heißt.
vanDusen: Das heißt mein lieber Hatch, daß der Faden am Seil der Fahnenstange und der Faden, den sie von Mr Cable mitgebracht haben, aus ein und demselben Bademantel stammen und das wiederum heißt daß aus Gründen die ich jetzt nicht im einzelnen ausführen kann, der Bademantel, aus dem die Fäden stammen, bei den Anschlägen auf Henley und beim Mord an Alice Briggs eine Rolle spielte oder genauer diesen Bademantel trug der Mann, den wir suchen, der Mörder.
Hatch: Und das heißt der Mörder ist Reginald Cable, sie sehen Professor, auch ich kann zwei und zwei zusammenzählen.
vanDusen: Einen augenblick Hatch.
Hatch: Ja und wenn Cable der Mörder ist, dann muß er verhaftet werden und darum werden wir uns jetzt bemühen.
vanDusen: Seien sie nicht so voreilig.
Hatch: Hallo.
Telefonist: Hier Telefonamt New York Vermittlung.
Hatch: Kriminalpolizei Mulberry street.
Caruso: Hier Kripo New York, Caruso.
Hatch: Hier Hutchinson Hatch vom Daily New Yorker, Caruso hören sie mal zu, ich muß ihnen eine ganz wichtige Mitteilung machen.
Hatch: In aller Eile instruierte ich den guten Caruso und machte mich dann selbst schnell auf den weg ins Drohnenhaus, um die Verhaftung des Mörders mitzuerleben, vor meinem inneren Auge erschien die erste Seite des Delhi NewYorker von morgen, heimtückischer Gaslichtmörder gefaßt, unser Mitarbeiter Hutchinson Hatch, dem das Hauptverdienst an der Aufklärung des rätselhaften Falles zukommt berichtet exklusiv für unsere Leser und so weiter, was dann tatsächlich in der Zeitung stand, sah leider etwas anders aus, aber so weit sind wir noch nicht, vorerst befinden wir uns in der Eingangshalle des Drohnenhauses wo ich fast mit einem kleinen Mann zusammenstieß der ebenso eilig wie ich dem Lift zustrebte, es war Professor van Dusen.
vanDusen: Ich war mir sicher daß ich sie hier treffen würde Hatch, zum dritten stock bitte, sie halten also Cable für den Mann, den wir suchen.
Hatch: Wer denn sonst Professor, das paßt doch alles, Gelegenheit, Motiv und dann noch der Bademantel, sagen sie was sie wollen Professor, die sache ist klar.
vanDusen: So, dann erklären sie mir bitte wie Cable die Gasflamme in Henleys Schlafzimmer ausgelöst hat.
Hatch: Keine ahnung.
vanDusen: Na bitte, und das Mädchen, wer hat sie umgebracht, auf welche weise warum, sehen sie, sie wissen es nicht, und da sagen sie der fall ist klar, ich ich kann nur hoffen, daß ihre übereilte Handlungsweise nicht zu einem vermeidbaren Fehler geführt hat, na bitte da ist es schon passiert.
Hatch: Auf dem Korridor kam uns eine ganze Karawane entgegen, vorneweg Detective Sergeant Caruso, in einer Hand den Ellbogen des indigniert drein schauenden Reginald Cable, in der anderen den ominösen roten Bademantel, in der zweiten Reihe marschierte Kammerdiener Percival und Crippen, der es vor Neugier im Büro nicht ausgehalten hatte, bildete das Schlußlicht.
vanDusen: Meine Herren, da wir uns hier alle mehr oder weniger zufällig getroffen haben und vor allem da die Entwicklung des Falles es zur Notwendigkeit macht, sehe ich mich veranlaßt sie mit meinen Gedankengängen zu konfrontieren, soweit sie den Mord an Alice Brix und die Mordversuche an Weldon Henley betreffen, doch sie werden Verständnis dafür haben, daß ich diesen Korridor hier nicht für den geeigneten Ort halte, und auch Mister Cables Wohnung erscheint mir in ihrem jetzigen ausgeräumten Zustand als Rahmen meiner Darlegung zu wenig kongenial, warum so frage ich mich, warum sollten wir nicht das apartment benutzen, vor dessen Tür wir uns mehr oder weniger zufällig gerade befinden, Apartment 36, Mr Henleys apartment, ist doch Mr Henley als das Opfer gewissermaßen die Hauptperson des Falles, dessen Ende nunmehr herannaht.
Henley: Ja bitte.
vanDusen: Guten Tag Mr Henley.
Hatch: Der Professor erklärte dem verdutzten wohnungsinhaber, dessen Bewegungsfähigkeit durch die erlittene Schußverletzung nicht mehr allzu sehr beeinträchtigt schien, worum es ging, obwohl er nicht gerade begeistert wirkte, bat Henley uns in seinen Salon, Caruso ließ sich auf einem Sessel neben der Tür nieder und behält Cable im Auge, wir anderen setzten uns wo sich platz fand, nur van Dusen blieb stehen.
vanDusen: Das ist ja wohl der bewußte Bademantel.
Hatch: Ja das ist er Professor.
vanDusen: Sie gestatten doch Caruso.
Caruso: Bitte.
vanDusen: Danke sehr, Henley, würden sie mir freundlicherweise ihr Badezimmer zur verfügung stellen.
Henley: Tja bitte bedienen sie sich, die rechte Tür.
vanDusen: Danke sehr und nun bitte ich sie alle meine Herren sich einen Augenblick zu gedulden.
Hatch: Und damit verschwand er in Henleys Badezimmer mit dem Bademantel und mit seiner kleinen schwarzen Tasche die er sein chemie-physikalisches Miniatur labor zu nennen und auf all seinen wegen mit sich zu führen pflegt, wir warteten unbehaglich während aus dem Bad ab und zu merkwürdige Geräusche drangen, dann tat sich die Tür auf.
vanDusen: Tja meine Herren der Fall ist gelöst, das heißt um ganz genau zu sein der Fall war bereits gelöst, bevor ich mich auf den weg zum Drohnenhaus machte, es fehlte mir jedoch noch ein ganz kleiner Beweis, sozusagen das allerletzte Glied in der Kette, jetzt meine Herren ist die Kette geschlossen, sitzen sie alle bequem, Mister Henley, wollen sie unseren Gästen nicht eine kleine Erfrischung reichen.
Caruso: Nicht im Dienst.
Hatch: So fangen sie endlich an Professor.
vanDusen: Natürlich.
Hatch: Ich kannte den Professor seit Jahren und wußte was jetzt kam, der große Monolog des Mannes, der alles übersah und alles durchschaut, der jedes Rätsel löste, der Ruhe und Klarheit wieder herstellte, wo vorher Wirrniss und Chaos geherrscht hatten, der mit einem wort die welt wieder in ordnung brachte.
vanDusen: Nun gut ich beginne, sehen sie meine Herren, die vom Mörder angewandte Methode ist dasjenige Teilstück des Falles, das als erstes einer Lösung zugeführt werden konnte, wie war es möglich die Gasflammen sowohl im Zimmer der Zofe als auch in Mister Henley Schlafzimmer auszulöschen, ohne die Räume zu betreten, auf die einfachste Weise der welt meine Herren, wie sie sich falls sie es nicht ohnehin wissen durch einen Blick in die einschlägige Literatur leicht überzeugen können, ist die Kraft der menschlichen Lunge größer als der Gasdruck in den Leitungen, wenn man irgendwo hier im Hause von einer gerade nicht benutzten Gasdüse die Sicherheitskappe abzieht und mit aller Macht hinein bläst, wie ich es ihnen hier an Mister Henleys Salonbeleuchtung demonstriere, dann löscht man so alle Gasflammen aus, die an anderer Stelle im Haus gerade brennen, Voraussetzung ist natürlich eine funktionierende nicht stillgelegte Gasleitung.
Caruso: Einleuchtend.
Hatch: Was heißt einleuchtend, genial ist das.
Crippen: Aber woher wußte der Mörder wann sein Opfer eingeschlafen war.
vanDusen: Danke sehr Mr Crippen, genau das war die nächste Frage, die ich mir vorlegte, denn es versteht sich von selbst, daß der Mörder sein heimtückisches Vorhaben nur dann in Angriff nehmen konnte, wenn sein Opfer bei brennender Gasbeleuchtung fest schlief, eben, der Mörder mußte also eine Möglichkeit haben, sein Opfer zu beobachten, wie stellte er dies an, durch die Tür, unmöglich, durchs Fenster, auch dies erschien mir zunächst unmöglich, das Drohnenhaus hat kein gegenüber und von der Straße aus kann man höchstens feststellen, ob hinter einem Fenster im dritten Stock Licht brennt, erst als ich eine gewisse Einrichtung des Hauses in näheren Augenschein nahmen, wußte ich, was geschehen war, ich meine die Fahnenstange im vierten Stock, nehmen sie einen kleinen Spiegel, wie etwa diesen Rasierspiegel, den ich mir ihre Einwilligung vorausgesetzt Mr Henley in ihrem Badezimmer ausgeborgt habe, befestigen sie ihn am Flaggenseil und ziehen sie ihn bis zur Spitze der Fahnenstange, bei richtig eingestelltem Spiegelwinkel können sie dann vom Hallenfenster im vierten Stock genau beobachten, was hinter den Fenstern im dritten Stock vor sich geht, falls diese wie bei Alice Briggs nur mit dünnen durchsichtigen Vorhängen versehen sind.
Henley: Und ich schlafe immer bei geöffneten Vorhängen.
vanDusen: Sehen sie, so also meine Herren spielte sich die Tat ab, mitten in der Nacht begab sich der Mörder in einen Bademantel gehüllt, Beweis der am Flaggenseil gefundene Faden, zur Halle im vierten Stock, mit Hilfe von Spiegel, Seil und Fahnenstange stellte er beim hellen Licht der Straßenlaternen fest, ob sein Opfer eingeschlafen war, begab sich dann zurück in sein apartment, löschte auf die von mir beschriebene weise die Gasflamme im Zimmer des Opfers und wartete in Ruhe auf die Frucht der bösen Tat.
Hatch: Da genauso ist das passiert, da können sie Gift drauf nehmen. Bravo Prof.
vanDusen: Danke meine Herren, hören sie weiter, ich bin noch nicht am Ende meiner Ausführung, allerdings viel bleibt nicht mehr zu erklären, die Person des Mörders ergibt sich mit einer gewissen Zwangsläufigkeit aus den von mir ermittelten Tatbeständen, auch sie, meine Herren sollten jetzt wissen, um wen es sich handelt, na seien sie logisch, addieren sie zwei und zwei, nein, um mich her sehe ich nur verständnislose Gesichter, mit einer Ausnahme, der Mörder versteht mich aufs Wort und der Mörder meine Herren, der Mörder ist unter uns.
Percival: Verzeihen Sie Sir, aber ich bitte dies entschieden zurückweisen zu dürfen.
Cable: Sie meinen mich, das weiß ich, aber sie irren sich, ichwars nicht, das habe ich diesem holzkopf von polizisten heute schon erklärt, ich weiß nicht was man von mir will aber ich habe mit der sache nichts zu tun, was der Prof. erzählt ist mir völlig neu.
Caruso: Seien sie still, lassen sie den Professor reden.
vanDusen: Ist Mister Cable der Mörder, es ist wahr, er hat ein Motiv und was noch schlimmer ist, bei ihm fand sich der Bademantel, den der Mörder bei seiner finsteren. Cable: Ach, der Bademantel gehört mir nicht, das hat dieser dieser englische Dorftrottel, dieser, ja ich weiß zuerst habe ich gedacht, es ist meiner, aber dann habe ich gemerkt, daß es nicht stimmt, meiner sieht anders aus, ein bißchen dunkler mit dem breiteren Kragen.
Caruso: So und wo ist ihr Bademantel.
Cable: Das weiß ich doch nicht, ich habe alles abgesucht, aber ich kann ihn nicht finden, er ist verschwunden, Percival wo ist denn.
Caruso: Also verschwunden, ja der Bademantel in ihrem appartement ist nicht ihrer, nein, ein bißchen merkwürdig, finden sie nicht.
vanDusen: Darf ich fortfahren, danke, der Bademantel in Cables Apartment und der Schuß auf Henley im Central park, diese beiden Elemente haben dazu beigetragen, den an sich bereits geklärten Tatbestand von neuem zu verwirren, gehen wir logisch vor, meine Herren, reduzieren wir den Fall auf seine Grundbestandteile, fragen wir uns, was ist wirklich geschehen, die Antwort kann doch nur lauten, eine junge Frau Alice Briggs wurde ermordet.
Henley: Ja und die Anschläge auf mich.
vanDusen: Dazu komme ich noch, lassen sie mich bitte ausreden, also Alice Briggs wurde ermordet, geben wir dieser Tatsache ihr rechtes Gewicht so drängen sich uns folgende Fragen auf, ist vielleicht der Mord an Alice Briggs der eigentliche Sinn und Zweck des ganzen, und nicht wie es anfangs den anfang hatte, lediglich ein unbeabsichtigter Nebeneffekt, mit wem stand die Zofe in engeren Beziehungen und in diesem Zusammenhang, wer lebte außer Cable in dessen apartment und hatte so die Möglichkeit, den Bademantel zu benutzen.
Percival: Verzeihen Sie Sir, wenn ich mich ungefragt äußere, aber gehe ich recht in der Annahme, daß sie den Mord an Miss Briggs mir zur last legen.
Hatch: Sieht ganz so aus Percival, alter Freund.
Percival: In diesem Fall meine Herren sehe ich mich zu meinem größten bedauern genötigt aus der mir beruflich vorgeschriebenen Rolle zu fallen, auch ein Kammerdiener meine Herren liebt sein leben und seine freiheit, hätten sie daher bitte die Güte ihre Hände über ihre Köpfe.
Cable: Pervical, lassen sie das, tun sie doch was Prof.
vanDusen: Was sie da in der Hand halten, ist doch wohl die Pistole, mit der sie gestern abend im central park auf Mr Henley geschossen haben, geben sie sie her Percival, machen sie keine Dummheiten, ich weiß daß sie Miss Briggs nicht umgebracht haben, auf ihrem Konto stehen bisher nur Körperverletzung, Nicht- anzeige eines Verbrechens und Erpressung, nicht wahr, also machen sie die Sache nicht schlimmer als sie ist und geben sie mir die Waffe.
Percival: Wenn es sich so verhält hier bitte Sir, danke, ich vertraue ihnen, wenn sie mir die Bemerkung gestatten Sir.
vanDusen: Danke sehr, Caruso wären sie wohl so freundlich, bei ihnen ist das Ding wohl am besten aufgehoben.
Crippen: Ach, also Percival kommt nicht infrage, Mister Cable auch nicht, ja wer ist denn nun der Gaslichtmörder.
vanDusen: Da sie es nicht sind, Mr Crippen, bleibt nur noch einer übrig, Achtung, Caruso, er will zur Tür, halten sie ihn fest.
Caruso: Kein Sorge Professor, an mir kommt er nicht vorbei.
vanDusen: Setzen sie sich wieder Mr Henley und sie auch meine Herren, ja der Mörder ist Weldon Henley.
Henley: Sie können mir nichts beweisen.
vanDusen: Oh da irren sie sich mein bester, die von mir geschmiedete Beweiskette gegen sie ist lückenlos, sie hatten ein Motiv, Alice Briggs zu töten.
Henley: Ich hatte keins.
vanDusen: Eine gut aussehende junge Frau Tür an Tür mit ihnen, die Gelegenheit konnten sie, stadtbekannte Schürzenjäger sich nicht entgehen lassen, sie begannen ein Verhältnis mit ihr, später verlobten sie sich um zu geld zu kommen mit einer reichen erbin und wollten sich deshalb natürlich so schnell wie möglich von Miss Briggs trennen, aber das erwies sich als schwierig und da Mr Henley beschlossen sie das arme Mädchen zu töten, sie fassten einen ungewöhnlich raffinierten plan, um nicht in Verdacht zu geraten, fingierten sie zunächst unter zumteil erheblicher eigener Gefahr Mordanschläge auf sich selbst und unterstrichen so dann gewissermaßen ihre Unschuld, in dem sie in meiner person einen angesehenen Kriminologen zu rate zogen, darauf begingen sie den Mord auf die von mir bereits rekonstruierte Art und Weise, außer im Kertlandapartment und in der Wohnung von Mister Bruce Partington, der mit der Sache nichts zu tun hat, gibt es nur noch bei ihnen eine funktionierende Gasbeleuchtung, das heißt sie Mr Henley hatten nicht nur ein Motiv, sie hatten auch und zwar praktisch als einziger die Möglichkeit den Mord auszuführen, daß sie der Täter waren, wußte unser Freund Percival hier von anfang an, als Landsmann und Freund der Toten war er über die Affäre informiert, leider ging er mit seinem Wissen nicht zur polizei sondern beschloß es in bare Münze umzusetzen und sie Mr Henley damit zu erpressen, um ihnen zu zeigen wie ernst er es meinte, fügte er ihnen gestern eine schmerzhafte aber ungefährliche Schußwunde zu.
Percival: Wenn ich mir erlauben darf, sie zu bestätigen Sir, jedes Wort ist korrekt.
Crippen: Aber der Bademantel.
vanDusen: Auch dafür gibt es eine einfache Erklärung, Henley erfuhr von Mister Crippen übrigens, daß ich die Fahnenstange untersucht und einen roten Faden gefunden hatte, er wußte was das bedeutete und traf Gegenmaßnahmen, seinen Bademantel praktizierte er in ihr apartment Mr Cable und ihren Bademantel nahm er an sich, ich bin sicher daß wir ihn in einem dieser Schränke hier finden werden, dann bemühte er sich den Mordverdacht auf sie Mr Cable zu lenken und bei Hatch und Caruso ist ihm das ja auch gelungen, bodenlose Gemeinheit, ohne zweifel, besitzen sie übrigens eine fotografische Ausrüstung Mr Cable.
Cable: Wieso nein, versteh nichts vom fotografieren, mache mir nichts draus.
vanDusen: Damit steht es absolut fest, daß dieser Bademantel hier der Bademantel des Mörders. keinem anderen als Mister Henley gehört, bei der chemischen Untersuchung, die ich vor wenigen Minuten im Bad vornahm, fand ich nämlich in den Taschen Spuren von Hydrochinon und Kaliumbromid, Substanzen die zusammen nur beim fotografischen Entwicklungsprozeß Anwendung finden, sie Mr Henley sind Amateurfotograf, dieses Untersuchungsergebnis legt ihnen die Schlinge um den Hals und daß sie in der Nacht als Alice Briggs starb angeblich eine Petroleumlampe statt des Gaslichts benutzt haben, zieht die Schlinge endgültig zu, denn ein unbekannter Mörder der ihnen an den Kragen wollte, hätte dies im Spiegel gesehen und sein Vorhaben für diese Nacht aufgegeben, sie sind überführt, Caruso walten sie ihres Amts.
Henley: Lebendig kriegt ihr mich nicht.
O gott, er hat sich tatsächlich aus dem Fenster gestürzt.
Er bewegt sich nicht, er ist tot.
vanDusen: So also meine Herren endet der Fall und so endet Mr Weldon Händel, ein Mörder, der zu klug sein wollte, der versucht hat, mich Professor Doktor Doktor Doktor Augustus van Dusen genannt die Denkmaschine hinters Licht zu führen und seinen schwarzen Plänen dienstbar zu machen, er hat mich unterschätzt, und das, meine Herren, brach ihm buchstäblich das Genick.
Hatch: Übrigens, ein halbes Jahr später heirateten Mister Reginald Cable und Miss Isabelle Delarue, die reiche Erbin aus New Orleans.
Friedrich W. Bauschulte Professor van Dusen
Klaus Herm Hutchinson Hatch, Reporter
Reinhard Kolldehoff Detective-Sergeant Caruso
Wolfgang Condrus Weldon Henley
Jürgen Thormann Crippen, Hausverwalter
Hans Peter Hallwachs Reginald Cable, Mieter
Heinz Spitzner Percival, Kammerdiener
Heinz Welzel Liftboy/Verkäufer/Telefonist
Kommentar von Hörspiele |
Michael Koser: Professor van Dusen - Das sicherste Gefängnis der Welt (RIAS 1978) (nach Jacques Futrelle: The Problem of Cell 13)
vanDusen: Ich meine Herrschaften, ich Professor Augustus van Dusen, Doktor der Philosophie, der Naturwissenschaften, der Medizin usw usw, Mitglied diverser Akademien und zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften, ich erkläre hiermit feierlich, daß einem wahrhaft intelligenten Menschen nichts, wohlgemerkt nichts unmöglich ist.
Vivian: Hört hört.
vanDusen: Ich habe gesprochen.
Ransome: Mit dem wahrhaft intelligenten Menschen meinen sie ja wohl in erster Linie sich selbst, nicht wahr Professor.
vanDusen: Selbstverständlich mein bester, kenne dich selbst, Solon, sechstes Jahrhundert vor christus.
vanDusen: Darauf muß ich was trinken, Ober, noch eine Flasche Champagner.
Hatch: Die Geschichte, die ich ihnen erzählen möchte, begann an einem Frühlingsabend bei Chirico in der Fifth avenue, wo sich eine kleine aber erlesene Gesellschaft zum dinner zusammen gefunden hatte, da war zunächst mein alter Freund, der berühmte Wissenschaftler und Amateurkriminologe Professor van Dusen genannt die Denkmaschine, neben ihm saß Mister Thomas Ransome, Lokalpolitiker und Gefängnisdirektor, und dann gab es noch last aber natürlich nicht least Ransoms charmante Gattin Vivian, die wohlbekannte Zierde der eleganten New Yorker Welt, das Gespräch, das anfangs Themen des Tages gestreift hatte, die kommende Wahl des Oberbürgermeisters, die Gefängnisreform, die neuesten Pariser Modelle, wandte sich nach dem Dessert einem Problem zu, das vor allem den Professor aufs höchste interessierte, der Frage nämlich, was wohl von den Voraussagen fantasievoller Schriftsteller über die Zukunft der Menschheit tatsächlich eintreffen würde, man sprach über Jules Verne und Herbert George Wells, über Luftschiffe und Unterseeboote und in der Hitze der Debatte legte es Ransome, für einen Mann seines Berufs ansonsten eine Seele von Mensch, offensichtlich darauf, an den Professor zu reizen.
Oberkellner: Bitte sehr, die Herrschaften.
Ransome: Danke sie glauben also wirklich daß der Mensch fliegenwird wie ein vogel.
Vivian: Daß er durch den Weltraum schweben und andere Planeten besuchen wird.
Ransome: Daß er fähig ist das Atom zu spalten und dadurch ungeheure Kräfte freizusetzen.
vanDusen: Ohne jeden Zweifel meine Freunde und ich würde die Möglichkeiten dazu sogar selbst erfinden, wenn ich die Zeit dazu hätte.
Ransome: Na gut zugegeben, denken kann man sich viel und erfinden von mir aus auch, zum wohle, prost, davon verstehe ich nichts, aber sehen wir doch einmal die Sache anders herum, können sie wie soll ich mich ausdrücken, können sie Dinge, Sachen wegdenken, die schon da sind.
vanDusen: Zum Beispiel.
Ransome: Tja zum Beispiel.
Vivian: Zum Beispiel Gefängnismauern.
Ransome: Gute Idee Vivian, können sie Gefängnismauern so einfach wegdenken, Professor.
vanDusen: Sie meinen, ob ich mich allein durch die Kraft meines Geistes aus einem Gefängnis befreien kann, selbstverständlich mein guter.
Vivian: Hört hört.
Hatch: Gestatten sie daß ich mich vorstelle, Hutchinson Hatch mein Name, Beruf Journalist Reporter beim Daily NewYorker, Leute die mich nicht leiden können und davon gibt es eine ganze Menge, behaupten für eine Exklusivstory würde ich praktisch alles tun und damit haben sie gar nicht mal so unrecht, Beweis unter anderem diese Geschichte hier, ich bin übrigens nicht nur ihr Erzähler, ich bin auch einer der Mitspieler, sie werden es hören, als sie anfing war ich allerdings noch nicht dabei, ich habe mir deshalb von den beteiligten Herrschaften sehr genau berichten lassen, was damals in Chiricos elegantem Restaurant und später im Chisholm-gefängnis vor sich ging.
Ransome: Sagen sie was sie wollen, aus meinem Gefängnis würden sie sich nicht heraus denken können.
Vivian: Chisholm ist das sicherste Gefängnis der Welt, Professor, da ist noch nie jemand ausgebrochen.
vanDusen: So, ich will ihnen was sagen, Ransome, wenn ich was der Himmel verhüten möge, bei ihnen einsäße, wäre ich nach wenigen Tagen wieder in Freiheit.
Ransome: Bei mir nicht.
vanDusen: So sicher wie zweimal 2 mal 2 4 ist.
Ransome: Das sagen sie immer Professor, es wird Zeit, daß man sie einmal beim Wort nimmt.
vanDusen: Bitte sehr.
Vivian: Wollen wir nicht eine Wette daraus machen.
Ransome: Gute Idee Vivian, einverstanden Professor.
Hatch: So also kam es zu jener historischen Wette, die dem Professor eine Kiste Champagner einbrachte, Ransome ein paar schlaflose Nächte, Vivian einen neuen Gesprächsstoff und mir eine tolle Story.
Ransome: Verschärfte Bedingungen.
vanDusen: Von mir aus.
Vivian: Einzelhaft.
vanDusen: Herzlich gerne.
Ransome: Kein Kontakt.
vanDusen: Auch das.
Ransome: Todeszelle.
vanDusen: Was immer sie wollen, behandeln sie mich wie einen x-beliebigen gefang-enen, durchsuchen sie mich, bewachen sie mich, es wird ihnen nichts nützen, Ober.
Oberkellner: Sie wünschen, mein Herr.
vanDusen: Welches Datum haben wie heute.
Oberkellner: Den 17. April mein Herr, 1899.
vanDusen: Gut, wir treffen uns wieder in einer Woche am 24. April 1899 in diesen Lokal, sagen wir um 9 Uhr.
Ransome: Ja.
vanDusen: Ober, reservieren sie uns den Tisch hier und halten sie eine Kiste Champagner bereit.
Oberkellner: Sehr wohl mein Herr.
vanDusen: Und damit darf ich mich wohl entschuldigen, morgen früh lieber Ransome bin ich in ihrem Büro, dann können sie mich nach herzenslust einsperren.
Ransome: Oh nein Prof, damit sie heute abend ihre Vorbereitungen treffen Maschinchen, Spiesgesellen was weiß ich, kommt gar nicht in frage, betrachten sie sich von diesem augenblick an als verhaftet.
Vivian: Ich werde sie persönlich im auge behalten lieber Professor.
vanDusen: Es wird mir ein besonderes Vergnügen sein gnädige Frau.
Ransome: Ober, die Rechnung und lassen sie eine Droschke vorfahren, auf nach Chisholm.
Hatch: Das Chisholmgefängnis bei New York kennen sie wahrscheinlich nicht aus eigenem Augenschein, was für eine gewaltige Aufgabe Professor van Dusen übernommen hatte, wäre ihnen ohne weiteres klar, wenn sie es jemals gesehen hätten, das finstere Granitgebäude mit den schmalen vergitterten Fenstern, isoliert nur von einer unübersteigbaren Mauer umgeben und davor von einem engen Hof, in dem tag und nacht bewaffnete Wächter patrouillierten und der bei dunkelheit taghell erleuchtet wurde, als er die Tore passierte, den Hof und die bewachten Korridore nahm van Dusen dies alles und noch mehr zur Kenntnis und in Ransoms Büro schien er seiner Sache bei weitem nicht mehr so sicher zu sein wie vorher bei Chirico, vermutlich war es ihn jetzt erst aufgegangen, daß Chisholm wie Misses Ransome so richtig bemerkt hatte, das sicherste Gefängnis der Welt war.
Vivian: Sie sind ein bißchen blaß um die Nase, Professorchen, eine Woche bei Wasser und Brot wollen sie das wirklich durchhalten.
vanDusen: Nicht unbedingt gnädigste, bin sofort bereit auf die Wette zu verzichten wenn sie und ihr Gatte sich für geschlagen erklären.
Ransome: Was nie im leben.
vanDusen: Tja dann.
Ransome: Werden sie wohl sitzen müssen, ohne Gnade und Barmherzigkeit.
Vivian: Armer Professor.
vanDusen: Ach Ransome, ich hätte eine Bitte oder genauer zwei.
Ransome: Schießen sie los.
vanDusen: Ich würde mir gern noch einmal die Schuhe putzen lassen.
Ransome: Immer nobel, was Professor, ich werde es veranlassen, zweitens.
vanDusen: Etwas bargeld, sagen wir 25 Dollar in einer 5 Dollar und zwei 10 Dollar-noten.
Ransome: Das dürfte ich eigentlich nicht erlauben.
vanDusen: Dann lassen sie es, es ist nicht wichtig.
Vivian: Ach Tom.
Ransome: Also gut, hier mein lieber, mit 25 Dollar können sie sowieso nichts anfangen, nicht mal mit 25.000, meine Beamten sind nämlich unbestechlich, falls sie an sowas denken, herein.
OBrien: Herr Direktor.
Ransome: O obrian sie kommen auf Stichwort, dieser Herr ist Professor van Dusen, er wird für eine Woche unser Gast sein in Zelle 13.
OBrien: Gefährlicher Bursche, was Herr Direktor.
Ransome: Das kann man wohl sagen, passen sie besonders gut auf ihn auf.
OBrien: Machen wir, Herr Direktor.
Ransome: Er wird wahrscheinlich versuchen zu fliehen.
OBrien: Soll er, ich wünsche ihm viel Spaß.
Ransome: Durchsuchen sie ihn, Vivian würdest du bitte raus.
Vivian: Alles gute Professorchen.
Ransome: Sie wissen ja bescheid OBrien, nehmen sie ihm alles ab, was nicht hier rein gehört und dann ab in die Zelle.
Hatch: So geschah es daß etwa eine halbe stunde später der Professor vor seinem neuen Domizil stand, vor Zelle 13, der Todeszelle im Chisholmgefängnis, die glücklicherweise gerade frei stand, er trug lediglich seine Unterwäsche, ein weißes Hemd, Hosen, Strümpfe und frisch geputzte schwarze Schuhe, außer den erbetenen 25 Dollar in drei Scheinen hatte er das kann ich ihnen verbindlich versichern, nichts weiter bei sich als sein geniales Gehirn, in dem ein Fluchtplan allmählich Gestalt anzunehmen begann.
OBrien: Bitte sehr, fühlen sie sich wie zu hause.
vanDusen: Was ist denn das.
OBrien: Na was schon Ratten.
vanDusen: Ratten.
OBrien: Klar, ihretwegen hätten wir wohl den Kammerjäger bestellen sollen was, also dann.
vanDusen: Tja, Zement, massiv, die Wände auch, da ist nichts zu machen, die Tür, stark, aussichtslos, da hatten wir noch das Fenster, steigen wir also auf das Bett, apropros Bett, Stahlrahmen, hart aber gesund, naja bißchen klein das Fenster, würde aber gehen mit Mühe wenn das Gitter nicht wäre, festgemauert in der Erden beziehungsweise in der Wand, wie neu, kein Rost sieh mal an, eine elektrische Bogenlampe draußen im Hof, das allerneueste, hell wie der lichte Tag, fast, wo elektrisches Licht ist da ist noch eine Leitung und die geht wo aha müßte in der Nähe meines Fensters verlaufen, das sollte man sich merken, mal überlegen, von draußen bis hier in die Zelle muß man durch ja durch sieben Türen, alle verschlossen, verriegelt und bis auf die Zellentür ständig bewacht, schlechte Aussichten, die Zelle liegt günstig im Hochparterre aber was nutzt mir das, naja warten aha diese verflixten Ratten, hoffentlich geht das nicht die ganze Nacht so, moment mal, Ratten, das eröffnet gewisse Möglichkeiten, immer mit der Ruhe, morgen ist auch noch ein Tag.
Hatch: Und damit legte sich Professor van Dusen auf sein hartes Gefängnisbett um in der Todeszelle den Schlaf des gerechten und schuldlosen zu schlafen, so ging der erste Tag seiner freiwilligen Haft vorbei und als er am morgen des zweiten erwachte, ein bißchen steif aber unverändert beweglichen Geistes, dann nahm er seine Überlegungen dort wieder auf, wo er sie am vorigen abend abgebrochen hatte.
vanDusen: Wo kommt ihr her ihr lieben Tierchen, wo ist denn euer Loch, alles fest, alles dicht, durchs Fenster, geht nicht, die Außenwand ist zu glatt, ha was ist denn das, na bitte, da hätten wir ja das Rattenloch, unterm Bett, schwer zu finden, scheint der Ausgang eines alten Abwasserrohrs zu sein, Durchmesser etwa 5 cm, knochen- trocken, lange nicht mehr benutzt offenbar, geht schräg nach unten, wohin, vermutlich nach draußen, so so, sehr interessant und jetzt wird es Zeit daß meine Mitbewohner sich mit mir bekannt machen, na also, dann laß dich doch mal ansehen, aha wie mein geschultes Zoologenauge an gewissen Merkmalen sofort erkennt, handelt es sich bei dir nicht wie erwartet um die gewöhnliche oder auch gemeine Hausratte Rattus rattus sondern um eine im freien lebende Wasser- oder Wanderratte, Rattus norwegicas, äußerst interessant, verschwinde, weg schnell schnell wir sprechen uns noch.
OBrien: Morgen Prof.
vanDusen: Morgen.
OBrien: Frühstück.
vanDusen: Stellen sies hin, ich esse es später.
OBrien: Nix, sie essen jetzt, ich paß auf und nehm Geschirr und Besteck wieder mit, Vorschrift.
vanDusen: Wenns sein muß, hm, sagen sie mal OBrien so heißen sie doch.
OBrien: Ja.
vanDusen: Wie lange sind sie schon im Chisholmgefängnis.
OBrien: Na gut 20 Jahre so lange wie der alte Kasten steht.
vanDusen: 20 Jahre so so, ist in dieser zeit mal irgendwas erneuert oder umgebaut worden.
OBrien: Warten sie mal, neue Außenmauer vor vier Jahren und das elektrische Licht im Hof, ach ja und neue Wasserleitungen, das muß so vor sechs sieben Jahren gewesen sein.
vanDusen: Aha, was ist eigentlich da hinter der Mauer.
OBrien: Baseballplatz für die Jungs aus der Stadt zum üben, und dann natürlich der Fluß.
vanDusen: Natürlich, wie weit entfernt.
OBrien: Der Fluß, na ungefähr 100 meter, fertig.
vanDusen: Fertig, bringen sie es zurück in die Küche mit Komplimenten für den Chef, das beste Gefängnisfrühstück meines Lebens.
OBrien: Ein Witz was.
vanDusen: Äh übrigens OBrien ich leide tagsüber oft unter starkem Durst, können sie mir nicht den Wassernapf dalassen ausnahmsweise.
OBrien: Ich weiß nicht.
vanDusen: Was soll denn passieren, mit so einer Schale kann mich doch wohl kaum durch die Mauer graben.
OBrien: Da haben sie auch recht, von mir aus, behalten sie das Ding.
vanDusen: Danke.
OBrien: Aber keine Dummheiten.
Hatch: Viermal am Tag besuchte der Wärter den Professor, er brachte ihm essen und sah sich dabei sorgfältig um, Zelle 13 galt als so sicher, daß Ransome eine Dauerbeobachtung für unnötig hielt, ganz zu schweigen von der unwürdigen situation die er seinem freiwilligen Häftling damit zugemutet hätte, so hatte Prof. van Dusen reichlich gelegenheit, ungesehen nach zu denken und zu handeln, das erste Resultat seiner heimlichen Tätigkeit kam dem Direktor am späten nachmittag vor Augen.
OBrien: Jetzt gehts los Herr Direktor, jetzt hat er angefangen.
Ransome: So wer denn.
OBrien: Na ihr Ehrengast, Herr Direktor, der Professor in Zelle 13.
Ransome: Ach und was hat er angefangen.
OBrien: Sehen sie mal, das hat Miller eben auf dem hof gefunden vor seinem fenster.
Ransome: So, anscheinend ein Kassiber.
OBrien: Sieht ganz so aus, Herr Direktor.
Ransome: Papier ist das aber nicht.
OBrien: Stoff würde ich sagen, Leinen oder sowas, ein 5 Dollarschein war darin eingewickelt.
Ransome: Ach was, und was steht da, neheilf thcin hci edrew tra eid fua, was soll denn das heißen.
OBrien: Fragen sie mich nicht, ich hab doch nicht studiert, Herr Direktor.
Ransome: Und überhaupt für wen ist dieser Kassiber bestimmt und woher hat der Professor den Stoff und die Tinte, sie haben wohl geschlafen OBrien was, durchsuchen aber gründlich, den Mann, die Zelle alles.
Hatch: Obrein stellte zuerst den Professor auf den Kopf, dann die Zelle und er entdeckte sogar etwas, die Tatsache nämlich, daß unten am weißem Leinenhemd des Gefangenen ein Streifen abgerissen war, das erklärte den Kassiber zum teil, womit die merkwürdige Botschaft geschrieben worden war und was sie bedeuten sollte, dazu fand Obrien keinen Hinweis und der Professor verweigerte hartnäckig die Aussage, OBrien ärgerte sich, Ransome begann sich Sorgen zu machen und wenn er geahnt hätte, was an weiteren seltsamen Ereignissen auf ihn und sein Gefängnis in den nächsten Tagen zukommen würde, wären seine sorgen mit sicherheit noch gestiegen, der Professor mußte seine Sachen ausziehen und wurde in die bekannte gestreifte Anstaltskleidung gesteckt, was ihn nicht abhielt am folgenden Tag, dem dritten seiner Haft, einen neuen Fluchtplan in die Wege zu leiten.
vanDusen: Man hat ihnen doch wohl gesagt, daß ich kein Verbrecher bin.
OBrien: Hat man.
vanDusen: Und daß ich eigentlich gar nicht hier hergehöre.
OBrien: Klar.
vanDusen: Sagen sie mal OBrien, wieviel kriegen sie so im Monat.
OBrien: Fünfzig Dollar und die Dienstwohnung natürlich.
vanDusen: Ja nicht gerade viel, was, haben sie Familie.
OBrien: Drei kinder.
vanDusen: Wie wäre es mit einem netten kleinen Nebenverdienst, ihre Kinder.
OBrien: Tja kommt darauf an wofür.
vanDusen: Sehen sie OBrien, ich bin freiwillig ins Gefängnis gegangen, um auszubrechen.
OBrien: Weiß ich.
vanDusen: Aber jetzt merk ich daß das nicht so einfach ist wie es mir vorgestellt hab.
OBrien: Kann ich mir denken.
vanDusen: Wollen sie mir nicht dabei helfen.
OBrien: Wobei.
vanDusen: Beim ausbrechen.
OBrien: Sie sind wohl nicht ganz.
vanDusen: Fünfhundert Dollar, denken sie an ihre Kinder.
OBrien: Kommt nicht in frage.
vanDusen: 1000 Dollar, sie tun nichts unrechtes, ich bin kein Verbrecher.
OBrien: Nein.
vanDusen: 2000.
OBrien: Auch nicht für 100 000 schluß jetzt.
Hatch: Und damit ging OBrien, stolz geschwellt ob seiner Unbestechlichkeit und er erzählte dem Direktor, wie der Professor ihn in Versuchung hatte führen wollen, dieser begann sogleich unermüdlich und unerschrocken mit Fluchtplan nummer drei, als OBrien ein paar Stunden später wieder nach ihm sehen wollte, hörte er noch auf dem Gang ungewöhnliche Geräusche aus Zelle 13 dringen, er schlich an die Tür, spähte durchs Guckloch, schlicht zurück und holte Ransome.
OBrien: Hören sies.
Ransome: Ja. Schließen sie auf. Und wenn sie auch noch so unschuldig aussehen lieber Professor eben standen sie noch auf ihrem Bett und waren sehr beschäftigt an ihren Fenstergitter wies aussah.
OBrien: Gefeilt hat er, ist doch klar.
Ransome: Und womit hat er gefeilt, zeigen sie mir doch mal, was sie da gerade in ihre Hosentasche gesteckt haben Professor.
vanDusen: Nein.
Ransome: Seien sie vernünftig, sonst lasse ich sie durchsuchen, na also, zwei Metall beschläge von ihren Schuhabsätzen nehm ich an und damit wollten sie das Fenstergitter durchfeilen, sehen sie sich einmal an, was er geschafft OBrien.
OBrien: Nichts zu sehen, Herr Direktor, an einer Stelle ist der Stahl bißchen poliert, das ist alles, so wären sie nie durchgekommen Professor.
vanDusen: O doch.
Ransome: Vielleicht in einem halben Jahr, aber so viel Zeit haben sie nicht, wollen sie nicht aufgeben, Professor, sie haben es jetzt drei mal versucht und jedes mal haben wir sie erwischt, geben sie doch zu, daß sie verloren haben.
vanDusen: Ich denke nicht daran, ich bin noch lange nicht am ende.
Hatch: So ging auch der dritte Tag in Zelle 13 vorüber, ohne daß Professor van Dusen auch nur der Ansatz einer erfolgversprechenden Ausbruchmethode geglückt wäre, so schien es jedenfalls, an der Oberfläche, darunter geschah jedoch so manches, wovon weder Ransome noch OBrien etwas ahnten, zum beispiel daß ich an diesem Tage als aktiver Mitspieler in die Geschichte eintrat, am nachmittag war ein Junge in der Redaktion aufgetaucht mit einer Botschaft, die ich für unsinnig gehalten hätte, wäre sie nicht in der wohlbekannten Handschrift van Dusens abgefaßt gewesen, doch davon später mehr, kehren wir jetzt in die Zelle zum Professor zurück, der vierte Tag ist angebrochen.
vanDusen: OBrien, welches Datum haben wir heute.
OBrien: 20ten.
vanDusen: Den zwanzigsten April, nur noch vier Tage, wer kümmert sich eigentlich um die elektrische Beleuchtung.
OBrien: Kümmert wieso.
vanDusen: Wenn sie mal kaputt ist.
OBrien: Achso, jemand von der Stromgesellschaft.
vanDusen: Hier im Gefängnis gibt es kein Elektriker.
OBrien: Nein, würde sich nicht lohnen.
vanDusen: Ja natürlich, interessant.
Hatch: Am nachmittag hatte Direktor Ransome wieder einmal Veranlassung, höchst aufgeregt in Zelle 13 zu erscheinen, wie immer begleitet vom getreuen OBrien.
Ransome: Streiten sie es nur nicht ab Professor, sie haben eben dem Wächter auf dem Hof einen 5 Dollarschein zugeworfen aus dem Fenster, einen 5 Dollarschein.
vanDusen: Ja ja mag sein.
Ransome: Aber sie haben gar keinen 5 Dollarschein mehr, nur noch zwei 10er.
vanDusen: So.
Ransome: Durchsuchen OBrien, aber gründlich, den Mann, die Zelle, alles.
OBrien: Befehl Herr Direktor, was haben wir denn hier, 12345 fünf Eindollarscheine.
Ransome: Eindollarnoten, das ist doch gar nicht möglich, sonst noch was.
OBrien: Geld meinen sie, ne Herr Direktor.
Ransome: Die Zelle OBrien, bewegen sie sich, Mann, stecken sie ihre Nase in jede Ecke.
OBrien: Machen wir, Herr Direktor.
Ransome: Und jetzt zu unser Professor, zwei 10 Dollarscheine müßten sie noch haben und was haben sie, einen 5er und 5 einzelne Dollarnoten.
OBrien: Richtig unheimlich, was Herr Direktor.
Ransome: Suchen sie weiter, finden sie endlich was, wie kommen sie an das Geld Professor.
vanDusen: Das ist meine Sache.
Ransome: Hat vielleicht OBrien.
OBrien: Aber Herr Direktor.
Ransome: Auf Ehre und Gewissen Professor, hat einer meiner Leute ihnen das Geld gewechselt.
vanDusen: Nein.
Ransome: Ja Himmeldonnerwetter.
OBrien: Äh igitt, Verzeihung Herr Direktor, ich faßte gerade in dieses alte Abwasser-rohr unterm Bett rein weil ich denk sicher ist sicher, und was finde ich da, eine tote Ratte, so fertig, Herr Direktor.
Ransome: Und außer der toten Ratte haben sie nichts gefunden.
OBrien: Nein Herr Direktor.
Ransome: So, wie sie das alles machen Professor das weiß ich nicht, aber das eine kann ich ihnen sagen, wenn sie als echter Gefangener hier wären, hätten wir das sehr schnell aus ihnen rausgeholt, was OBrien.
OBrien: Klar Herr Direktor dritter grad und er singt wie ne Nachtigall.
Ransome: Und noch eins will ich ihnen sagen Professor, zaubern sie ruhig weiter mit ihren Geldscheinen, Kassibern und was sonst noch, raus kommen sie auf diese weise nicht, dafür werde ich sorgen, kommen sie OBrien.
Hatch: Und als der vierte Hafttag des Professors in den fünften überging, wurde der wohlverdiente, in letzter Zeit sowieso etwas unruhige Schlaf des Gefängnisdirektors gestört ja erschüttert durch einen langgezogenen entsetzlichen Schrei.
Ballard: Nein.
Hatch: Wie sofort angestellte Nachforschungen ergaben, stammte der Schrei von einem Untersuchungsgefangenen namens Ballard, der unter Mordverdacht einsaß übrigens genau zwei Stockwerke über Zelle 13.
Ballard: Laßt mich raus, laßt mich raus, ja ja ja ich hab sie umgebracht, ich hab ihr Schwefelsäure ins Gesicht geschüttet, ich gestehe, ich gestehe alles, aber laßt mich raus, laßt mich bloß hier raus.
OBrien: Regen sie sich ab Ballard.
Ransome: Was ist denn passiert.
Ballard: Die Stimme, ihre Stimme, ich habe sie gehört, dumpf wie aus dem grab, sie hat nach mir gerufen, Säure, Säure hat sie gesagt, Säure ganz deutlich.
Ransome: Säure.
Ballard: Ja und dann hat sie noch mehr gesagt, aber das meiste davon habe ich nicht verstanden.
Ransome: So was denn.
Ballard: Es hörte sich an wie Kopfgröße 60.
Ransome: Kopfgröße 60.
OBrien: Der spinnt doch Herr Direktor.
Ballard: Und dann wieder Säure, bringen sie mich hier raus.
OBrien: Komische Geschichte, ob unser Professor damit irgendetwas zu tun hat.
Ransome: Ich weiß es nicht OBrien, ich weiß überhaupt nichts mehr.
Hatch: Ansonsten verlief der fünfte Tag ohne Zwischenfälle und der sechste ebenfalls, Professor van Dusen hielt sich vorzugsweise am Fenster seiner Zelle auf und sah, wie es schien, mit sehnsüchtiger Melancholie hinaus in die Freiheit, sein Spezialgefangener habe alle Ausbruchsversuche aufgegeben meinte OBrien, Ransome war davon noch nicht so recht überzeugt, als aber auch der größte Teil der sieben Tages vorüber gegangen war, ohne daß etwas unvorhergesehenes passierte, kam auch er allmählich zur Ruhe, zur Ruhe vor dem Sturm wie sich herausstellte, denn nach Sonnenuntergang überschlugen sich die Ereignisse im Chisholm-gefängnis und vor allem im Büro seines Direktors.
Ransome: Ja.
OBrien: Herr Direktor.
Ransome: OBrien, was ist los.
OBrien: Eine von unseren Bogenlampen auf dem Hof tuts nicht mehr Herr Direktor, eben ist der Wächter zu mir gekommen und hats gemeldet.
Ransome: Auf welcher Seite.
OBrien: Zum Fluß hin.
Ransome: Also wo Zelle 13 liegt.
OBrien: Genau Herr Direktor, seit dieser Prof. bei uns ist passiert doch immerzu was.
Ransome: Ach unsinn OBrien, hallo hallo Fräulein, geben sie mir die vereinigte Licht und Stromgesellschaft, nur die Nerven behalten OBrien, hallo, ja hier Ransome, Chisholmgefängnis, bei uns ist eine Lampe ausgefallen, eine von den elektrischen Bogenlampen auf dem Hof, können sie uns so schnell wie möglich irgendjemand zum reparieren herschicken, gut ich sage am Haupttor bescheid, da kommt gleich ein Arbeitstrupp vom Elektrizitätswerk OBrien.
Vivian: Tom.
Ransome: Ach Vivian, ich habe jetzt absolut keine Zeit.
Vivian: Vielleicht siehst du dir aber trotzdem mal diesen Brief an, Expreßeinschreiben gerade gekommen.
Ransome: Na gibs schon her, lieber Ransome nicht vergessen heute abend 9 Uhr bei Chirico bis dann ihr van Dusen, ja das ist doch.
Vivian: Das ist seine Handschrift Tom, ich kenne sie.
Ransome: Heute vormittag im Hauptpostamt New York abgestempelt, was stehen sie hier noch rum OBrien, los los Zelle 13 aber dalli.
OBrien: Bin schon weg Herr Direktor.
Vivian: Wie gehts ihm übrigens dem armen Professor.
Ransome: Wie gehts ihm dem armen Professor, wie gehts ihm, wies ihm geht, was weiß ich wie es ihm geht, entschuldige Vivian ich bin wohl ein bißchen überarbeitet störe mich bitte jetzt nicht mehr.
Hatch: Zehn minuten lang kaute Ransome nervös auf seinen Fingernägeln herum und starrte durchs Fenster auf den Gefängnishof und das Haupttor, dann war OBrien wieder zur stelle.
OBrien: Machen sie sich keine Sorgen Herr Direktor, alles in ordnung in Zelle 13, der Professor ist noch da, hat sich hingelegt, jetzt möchte ich aber doch gerne wissen.
Ransome: Wenn sie fragen wollen, OBrien wie der Professor in der Zelle sitzen und gleichzeitig im Hauptpostamt einen Brief aufgeben kann, dann tun sie es ruhig aber draußen, verstehen sie draußen.
OBrien: Verzeihung Herr Direktor.
Ransome: Was wollen sie denn schon wieder.
OBrien: Ganz vergessen Herr Direktor, Haupttor hat angerufen die Elektriker sind da.
Ransome: So wie viele sinds denn.
OBrien: Fünf Figuren Herr Direktor.
Ransome: Passen sie auf, daß auch nur fünf wieder rausgehen wenn sie fertig sind.
OBrien: Keine Angst Herr Direktor, wir wissen doch bescheid, wir haben ihre Pässe gekriegt wie immer und geben sie nachher wieder ab, Routine Herr Direktor.
Ransome: Routine routine gibts bei uns nicht obrien immer wachsam bleiben.
OBrien: Jawohl Herr Direktor.
Hatch: OBrien blieb wachsam im Vorzimmer, Ransome grübelte hinter seinem Schreibtisch und die Elektriker arbeiteten im Hof, die zeit verging, es schlug acht Uhr.
OBrien: Schon wieder das Haupttor Herr Direktor, zwei Herren wollen sie sprechen.
Ransome: Um diese Zeit, wer ist es denn.
OBrien: Ein Mister Hutchinson Hatch vom Daily New Yorker mit einem Kollegen.
Ransome: Achso, merken sie sich ein für allemal OBrien, Journalisten sind keine Herren, andererseits.
OBrien: Rausschmeißen Herr Direktor.
Ransome: Andererseits wollte ich sagen, vertreten sie die Öffentlichkeit und ein bescheidener Diener eben dieser Öffentlichkeit hat der Presse immer und überall rede zu stehen, vor allem wenn demnächst Bürgermeister und Stadträte gewählt werden, dann lassen sie also rauf kommen Obrien.
OBrien: In Ordnung Herr Direktor.
Vivian: Tom.
Ransome: Ach Vivian schon wieder.
Vivian: Auf die gefahr hin dich wieder zu stören, hast du daran gedacht daß wir heute abend eingeladen sind, in einer knappen Stunde wollten wir bei die Chirico sein und du bist noch nicht mal angezogen, soll John dir den Frack heraus.
Ransome: Dafür habe ich jetzt beim besten willen keine Zeit Vivian, außerdem glaube ich kaum daß unser Gastgeber heute abend erscheinen kann, also sei so gut.
OBrien: Hier sind sie Herr Direktor, die Journalisten.
Ransome: Guten abend Mr Hatch wir kennen uns ja wohl.
Hatch: Und meinen sogenannten Kollegen kennen sie auch Mister Ransome.
vanDusen: Sie sind noch hier Ransome, waren wir nicht verabredet, 9 Uhr bei chirico.
Vivian: Der Professor.
Hatch: Und dann, ohne ein einziges weiteres Wort raste Ransome los richtung Zelle 13, seine Frau und OBrien folgten ihm auf dem fuße, wir, der Professor und ich ließen es ruhiger angehen, schließlich wußten wir, was uns in Zelle 13 erwartete.
Ransome: Schlagen sie das Bett auf, OBrien, machen sie schon.
OBrien: Jawohl Herr Direktor.
Ransome: Eine Attrappe.
vanDusen: Hahahahaha die einfachste Sache von der Welt lieber Ransome, eine zusammengerollte Decke, dazu eine geschickt applizierte Perücke.
Ransome: Perücke, wie um alles in der Welt.
Vivian: Und dieses häßliche gelbe Ding haben sie für den markanten Haarschopf unseres Professor gehalten, schämen sie sich OBrien.
vanDusen: Ja schämen sie sich, aber vorher rütteln sie bitte mal am Fenstergitter.
OBrien: Herr Direktor.
Ransome: Los los rütteln sie.
OBrien: Durchgefeilt.
Ransome: Durchgefeilt jawohl die sache wird für sie noch ein nachspiel haben obrien.
OBrien: Aber Herr Direktor ich habe doch alles getan.
vanDusen: Lassen sie den armen OBrien in Ruhe Ransome, gratulieren sie mir lieber, die Wette ist gewonnen.
Vivian: Wie haben sie das gemacht Professorchen, kommen sie, erzählen sies uns.
vanDusen: Sehr gerne gnädigste, aber bitte nicht hier, auch wenn mir die Zelle 13 fast ein bißchen ans Herz gewachsen ist, könnte ich mir trotzdem eine angenehmere Umgebung vorstellen.
Hatch: Unsere Droschke wartet doch vor dem Haupttor.
vanDusen: Also auf zu Chirico.
Hatch: Nach einem vorzüglichen dinner, das Mister und Misses Ransome in ihrer Ungeduld allerdings kaum zu würdigen wußten, war es dann endlich soweit, der Professor machte sich bereit mit meiner Assistenz das Geheimnis von Zelle 13 zu lüften.
vanDusen: Ober.
Oberkellner: Mein Herr.
vanDusen: Sie können abräumen, und wenn sie damit fertig sind, servieren sie uns den Champagner, denken sie aber daran, ihn Mr Ransome in Rechnung zu stellen.
Oberkellner: Sehr wohl mein Herr.
vanDusen: Vorher bringen sie den Herrn von ihren besten kubanischen Importen, sie gestatten gnädige Frau.
Vivian: Ich gestatte ihnen fast alles Professor, wenn sie mir jetzt endlich erzählen wie sie das Ding gedreht haben.
Ransome: Vivian.
Vivian: So sagt man doch wohl in Verbrecherkreisen, wie sind sie plötzlich mit Mr Hatch am Tor aufgetaucht, wenn sie eben noch in ihrer Zelle waren.
vanDusen: Alles schön der Reihe nach gnädige Frau, lassen sie mich die Geschichte auf meine Art erzählen.
Hatch: Und das tat er denn auch, er erzählte von ersten vagen Fluchtplänen noch bevor er die Zelle gesehen hatte, er berichtete wie er Zelle 13 sorgfältig untersucht und dabei das Rattenloch, den Ausgang des nicht mehr benutzten Abwasserrohrs entdeckt hatte, das nach seiner Vermutung und gewissermaßen nach Auskunft der Wasserratten in der Nähe des Flußes enden mußte, wahrscheinlich auf dem Baseballplatz, er erzählte weiter von seinen Schlußfolgerungen, daß nämlich der einzige erfolgversprechende Fluchtweg aus der Zelle durch das Fenster ging und daß er versuchen mußte, durch die alte Wasserleitung einen Helfershelfer draußen anzulernen.
vanDusen: Dies zu bewerkstelligen meine Herrschaften, erwies sich als nicht allzu schwierig, zunächst einmal brauchte ich einen langen Faden, den erhielt ich, indem ich meine Strümpfe aufreufelte, dann schrieb ich einen Brief.
Ransome: Worauf.
vanDusen: Ganz einfach, auf einem Stück Leinen, bevor sie mir mein weißes Hemd wegnehmen ließen hatte ich ein zweites Stück abgerissen und während der Durchsuchung im Mund versteckt, ich schrieb also einen Brief.
Ransome: Womit, sie hatten doch keine Tinte.
vanDusen: Aber natürlich hatte ich Tinte, sie haben sogar selbst dafür gesorgt Ransome, indem sie freundlicherweise meine Schuhe putzen ließen, schwarze Schuhwichse in Wasser aufgelöst ist ein hervorragender Tintenersatz.
Vivian: Genial.
vanDusen: Als Feder benutzte ich die Metallspitze meines Schnürsenkels.
Ransome: Damit haben sie also auch dem Kassiber geschrieben.
vanDusen: Natürlich.
Vivian: Und was.
vanDusen: Später gnädigste alles zu seiner Zeit, ich schrieb also den Brief und dann fing ich eine Ratte.
Vivian: Ih.
vanDusen: An ihr linkes Hinterbein wenn ich mich recht erinnere, band ich den Brief nebst einer 10 Dollarnote, an das rechte Bein den langen Seidenfaden, dessen anderen Ende ich in der hand behielt, nachdem ich dies alles vorgenommen hatte, jagte ich das Tier durch die Leitung, da mir die Verhaltensweise von Ratten sehr genau bekannt ist ging ich davon aus, daß mein unfreiwilliger Kurier unter freiem Himmel angekommen sich sogleich durch Nagen von dem lästigen Brief sowie vom Faden befreien würde.
Hatch: So geschah es und es geschah auch was der Professor weiter vermutet hatte, ein baseballspielender aufgeweckter Knabe entdeckte den Brief und da ihm darin noch einmal zehn Dollar versprochen wurden, wenn er die Botschaft an mich ablieferte, tat er dies auch, ich witterte gleich eine story, ließ mich von dem Jungen zum baseballplatz führen und fand dort nach längerem Suchen den Ausgang des Abwasserrohrs und das Ende des Fadens, die Verbindung war hergestellt, wie der Professor es mir aufgeschrieben hatte, band ich ans Ende zuerst einen Bindfaden und daran wieder eine starken Draht, damit hatten der Professor und ich eine Art Seilbahn installiert, über die ich ihm alles zukommen lassen konnte, was er wünschte und was durch das Rohr paßte.
vanDusen: Das alles ging in der nacht vom dritten zum vierten Hafttag vor sich, schon vorher hatte ich damit begonnen, von meiner eigentlichen Aktivitäten abzulenken, ich bot OBrien Geld an.
Ransome: Ach so der Bestechungsversuch und das Sägen am Gitter.
vanDusen: Reines Ablenkungsmanöver, ich wundere mich übrigens, lieber Ransome daß sie mir so viel Plumpheit zugetraut hatten.
Vivian: Dieser berühmte Kassiber war natürlich auch nur Tarnung, nicht wahr.
vanDusen: Sie haben es erraten Gnädigste.
Vivian: Und was darauf stand, sollte das überhaupt was bedeuten, zeigt doch mal her Tom, nehe ilf thcin hciedrew traese id fua, das ist doch Unsinn.
vanDusen: Oh nein, lesen sie es doch einfach einmal andersherum von hinten nach vorne.
Vivian: Auf die art werde ich nicht fliehen, auf diese art werde ich nicht fliehen, achso.
vanDusen: Ein kleiner Scherz nichts weiter, zurück zum wesentlichen, meine Herrschaften, Mister Hatch schickte mir über unsere Rohrpost was ich bestellt hatte, vor allem Geld und Schreibmaterial, die Schuhwichse konnte ja nicht ewig reichen, vorher versuchten wir allerdings uns akustisch zu verständigen, ich rief Hatch zu, daß ich Säure brauchte, Salpetersäure und eine Perücke möglichst Kopfgröße 60.
Ransome: Ah, das war also Ballards Geisterstimme, die ihm aus dem grab ins gewissen redete.
vanDusen: Davon weiß ich nichts, ich weiß nur daß irgendwo im Gefängnis jemand laut zu schreien anfing, daraufhin gaben wir das Rufen auf und verkehrten in Zukunft nur noch schriftlich, mit gutem Erfolg.
Hatch: Und der Professor erzählte weiter wie er die Dinge die ich ihm nachts in die Zelle schickte, hinten im Rohr verbarg da wo er auch das Ende des Drahtes befestigt hatte und zwar so daß er es gerade noch mit seinen langen Fingern erreichen konnte und wie er zu allem Überfluß noch eine tote Ratte davor legte, er erzählte wie er am fünften sechsten und siebten Tag während er scheinbar geistesabwesend aus dem Fenster starrte, ätzende Salpetersäure auf die Nahtstellen zwischen Gitter und Wand auftrug, wie er am abend des siebten Tages das gelöste Gitter herausnahm und die elektrische Leitung der Bogenlampe neben dem Fenster ebenfalls mit Salpetersäure behandelte, wie er nach Ausfall der Lampe aus dem Fenster kletterte, das Gitter vorsichtig wieder einsetzte und sich dann in der Dunkelheit versteckte.
Hatch: Dann kam ich nach Chisholm im Arbeitsanzug mit den Elektrikern, das war kein Problem, mein vater ist ein wichtiger aktionär der gesellschaft, ich fand den Professor im dunklen Hof, gab ihm den mitgebrachten Overall und den Paß eines unserer Leute und ging dann mit ihm durchs Tor, um wie wir der Wache sagten, Handwerkszeug aus dem Wagen zu holen, meine Droschke stand in der nähe, wir zogen uns um, wobei der Professor so vorsichtig war den Kragen hochzuschlagen und den Hut in die Stirn zu ziehen, dann gingen wir zurück zum Tor, ließen uns melden, überquerten den Hof, traten in ihr Büro Ransome.
vanDusen: Und voila da war ich dann also nach sieben Tagen aus der Todeszelle.
Vivian: Bravo.
Ransome: Eigentlich ganz einfach.
Hatch: Wenn mans weiß.
vanDusen: Und gewußt wie, darauf kommts an.
Ransome: Aber wenn nun zufällig kein Rattenloch da gewesen wäre.
Vivian: Tja und wenn sie Mister Hatch nicht erreicht hätten.
vanDusen: Dann liebe freunde säßen wir jetzt nicht minder fröhlich beisammen, ich hätte nämlich noch zwei weitere bombensichere Ausbruchsmethoden.
Vivian: Hört hört.
vanDusen: Und somit erkläre ich Professor Augustus van Dusen genannt die Denkmaschine, Doktor der Philosophie, der Naturwissenschaften, der Medizin und so weiter und so weiter, Mitglied diverser Akademien und zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften noch einmal feierlich, daß einem wahrhaft intelligenten Menschen nichts wohlgemerkt nichts unmöglich ist, ich habe es bewiesen.
Ransome: Zum Wohl.
Vivian: Auf Professor van Dusen.
Hatch: Auf Celle 13.
vanDusen: Und auf das sicherste Gefängnis der Welt.
Ransome: Ober, die Rechnung.
Hatch: Und so endete die Geschichte von der Denkmaschine und der Todeszelle wie es sich für eine gute Geschichte gehört in allgemeinem Wohlgefallen.
Friedrich W. Bauschulte Professor van Dusen
Klaus Herm Hutchinson Hatch, Reporter
Georg Corten Thomas Ransome, Gefängnisdirektor
Eva Manhardt Vivian Ransome, seine Frau
Dieter Ranspach O'Brien, Gefängniswärter
Ortwin Speer Oberkellner
Ortwin Speer Ballard, Gefangener
Kommentar von Hörspiele |
Michael Koser: Professor van Dusen - Eine Unze Radium (RIAS 1978) (nach Jacques Futrelle: The Lost Radium)
Dexter: Wie sie wahrscheinlich wissen, Mister Hatch, ist Radium ein rätselhaftes, praktisch noch unerforschtes Element.
Hatch: Rätselhaft, praktisch unerforscht.
Dexter: Warum, Mr Hatch, warum sendet Radium Strahlen aus.
Hatch: Ja warum.
Dexter: Und welche Wirkungen haben diese Strahlen.
Hatch: Wirkungen Strahlen.
Dexter: Diese Fragen vor allem gilt es zu beantworten, Mr Hatch.
Hatch: Meinen Bericht über den höchst merkwürdigen Fall der verschwundenen Unze Radium kann ich bei aller Bescheidenheit kaum besser beginnen als mit dem Gespräch, das ich damals für meine Zeitung, den Daily New Yorker mit Professor Dexter von physikalischen Institut führte, Gespräch ist allerdings nicht der rechte Ausdruck, Professor Dexter, ein Wissenschaftler von der leicht begeisterten Sorte, hielt mir einen Vortrag und ich hörte zu und schrieb mit.
Dexter: Und diese Fragen Mr Hatch werden in kürze beantwortet werden.
Hatch: In kürze beantwortet.
Dexter: Und wo Mr Hatch, in New York, Mr Hatch, in der Universität, in diesem Labor.
Hatch: New York Universität Labor.
Dexter: Denn hier ist es uns in Monaten voller Mühen und harter Arbeit gelungen, die größte Menge Radium zusammenzutragen, die die Welt je gesehen hat, seit meine verehrte Kollegin Madame Curie dieses geheimnisvolle Element vor nunmehr gut einem Jahr entdeckt hat.
Hatch: Madame Curie vor einem Jahr.
Dexter: Eine ganze Unze Radium, Mr Hatch, fast 30 Gramm und wissen sie auch welchen Wert diese Menge repräsentiert, Mr Hatch.
Hatch: Keine Ahnung Professor.
Dexter: Fast drei Millionen Dollar, Mr Hatch.
Hatch: Glauben sie nun bitte nicht, daß Professor Dexter die Hauptperson in dem rätselhaften Radiumfall darstellte und auch ich hatte lediglich eine Nebenrolle in der ich mich ab und zu auf bescheidene weise nützlich machen konnte, die Hauptperson, der Star, wenn sie wollen war niemand anders als mein hoch geschätzter Freund, der große Wissenschaftler und Amateurkriminologe Professor Doktor Doktor Doktor Augustus van Dusen, allgemein bekannt als die Denkmaschine.
Dexter: Professor van Dusen hat sich freundlicherweise bereit erklärt, mir bei den bevorstehenden Experimenten mit seinem immensen physikalischen Wissen zur Hand zu gehen, vor allem aus diesem Grunde bin ich fest davon überzeugt, daß diesmal das Radium uns alle seine Geheimnisse preisgeben wird.
Hatch: Alle seine Geheimnisse.
Dexter: Und dann Mr Hatch dann wird es sich erweisen, daß unser junges zwanzigstes Jahrhundert das Jahrhundert des Radium sein wird, ja und was heißt das, Mr Hatch.
Hatch: Ja was wohl.
Dexter: Daß es ein Jahrhundert der Gesundheit sein wird, der Lebens- und der Schöpferkraft, eine große wunderbare Zeit, Mr Hatch, in der es weder Kriege noch Krankheit oder Alter geben wird, in der die Menschheit emporgehoben wird zur Höhe der Vollendung.
Hatch: Großartig, so was lesen die Leute immer gerne und deshalb stand es denn auch am nächsten Tag auf Seite eins, direkt neben der Schlagzeile, die da lautete Leiche im Hafen, schöne Unbekannte erstochen, daß zwischen der Schlagzeile und meinem Artikel über Professor Dexters Radiumexperiment ein Zusammenhang bestand, das konnte zu diesem Zeitpunkt noch niemand ahnen, ebenso wenig, daß die Unze Radium in Dexters Besitz gestohlen werden würde, doch ich greife den Ereignissen vor, Professor Dexter, noch glücklich da er nicht wußte was bevorstand, traf im Labor seine letzten Vorbereitungen und wartete auf seinen Kollegen van Dusen, um mit den Versuchen zu beginnen.
Dexter: Ja, ja was ist.
Labordiener: Verzeihung, Herr Professor, eine Dame möchte sie sprechen.
Dexter: Eine Dame, wie was, das geht jetzt nicht, bestellen sie ihr.
Labordiener: Sie sagt, es ist dringend und es hat was mit Radium zu tun.
Dexter: Mit Radium so und dringend, ja dann bitten sie die Dame in den Vorraum, ich komme gleich, hoppla was steht denn.
Madame: Oh wie ungeschickt von mir, da habe ich doch meinen großen lästigen Koffer mitten in die Tür gestellt, sie Ärmster, haben sie sich wehgetan.
Dexter: Nein nein, es ist nicht der rede wert, bemühen sie sich nicht, lassen sie den Koffer nur da stehen.
Madame: Danke.
Dexter: Es ist niemand sonst im Labor, der heraus kommen und über ihn fallen könnte, ja.
Madame: Sie sind Professor Dexter, sie müssen Professor Dexter sein, sie sind genauso, wie Madame Curie sie mir beschrieben hat, jung, gut aussehend.
Dexter: Aber ich bitte sie.
Madame: Ja ja.
Dexter: Und mit wem habe ich die Ehre, ich meine das Vergnügen.
Madame: Meine Karte.
Dexter: Madame du Chateauneuf, aha sie kommen aus Frankreich.
Madame: Aus Paris oder genauer aus Le Havre mit der Campania.
Dexter: Dann sind sie ja erst gestern gelandet.
Madame: Ganz recht, gestern Abend, nur weil ich mit ihnen reden wollte, Professor Dexter, habe ich die beschwerliche Überfahrt gewagt.
Hatch: Madame du Chateauneuf war eine große kräftige aber durchaus wohl proportionierte junge Frau von etwa 30 Jahren, sehr hübsch, sehr elegant gekleidet, umgeben vom Duft eines Parfums, das Professor Dexter die Sinne zu verwirren drohte und ihm die überraschende Erkenntnis nahe brachte, daß es außer physikalischen Experimenten noch andere interessante Dinge auf der Welt gebe.
Madame: Darf ich ihnen, bevor ich den eigentlichen Gegenstand meines Besuchs berühre, diesen Brief überreichen.
Dexter: Aha.
Madame: Kommen sie doch zu mir ans Fenster, das Licht ist hier sehr viel besser.
Dexter: Wie sie wünschen, Madame.
Madame: Hust, hust.
Dexter: Sind sie leidend Madame.
Madame: Eine kleine Affektion der Atemwege, nichts weiter, die scharfe Seeluft hat.
Dexter: Von Madame Curie, das ist eine Überraschung, werter Kollege, darf ich ihnen eine Freundin, Madame du Chateauneuf anempfehlen und hoffen, daß sie ihrer Bitte Gehör schenken, sie würden.
Madame: Dadurch sehr verpflichten.
Dexter: Ihre ergebene Madame Curie, ich stehe ihnen voll und ganz zur verfügung Madame, bei einer solchen Empfehlung, nicht daß sie nötig gewesen wäre, schon ihre Erscheinung Madame, wenn ich so sagen darf, ihr Charme, nunja was kann ich für sie tun.
Madame: Um ihnen mein Anliegen vorzutragen, lieber Professor Dexter, muß ich ein wenig ausholen.
Dexter: Bitte Madame verfügen sie über mich und meine Zeit.
Madame: Nun denn ich bin Witwe.
Dexter: Das tut mir leid Madame.
Madame: Mein seliger Gatte Monsieur du Chateauneuf, er war übrigens erheblich älter als ich, hatte sich der Physik gewidmet.
Dexter: Ah der Physik.
Madame: Allerdings glaube ich kaum, daß sie seinen Namen kennen.
Dexter: Leider Madame ich muß gestehen daß.
Madame: Er war nämlich keiner Universität verbunden, sondern konnte dank seines Vermögens als Privatgelehrter seinen Neigungen nachgehen, sein Forschungsgebiet war das Radium.
Hatch: Ihr Mann, so erzählte Madame du Chateauneuf dem gebannt lauschenden Professor, ihr Mann hatte eine neue Methode der Radiumgewinnung entdeckt und in kurzer zeit etwa eine Unze des seltenen Elements hergestellt, dann war er gestorben und da er bedauerlicherweise den gesamten Besitz seiner wissenschaftlichen Experimentierlust geopfert hatte, war der trauernden Witwe nichts geblieben als seine unleserlichen Notizen und besagte Unze Radium, auf den Rat von Madame Curie, so erzählte sie weiter, die sie auf Professor Dexters bevorstehende Versuche hingewiesen hatte, war sie kurz entschlossen nach New York gereist.
Madame: Nun bin ich also hier und biete ihnen meine Unze Radium zum kauf an.
Dexter: Madame.
Madame: Für eine Million Dollar.
Dexter: Unglaublich Madame, noch eine Unze, eine ganze Unze Radium für meine Experimente, nicht zu fassen.
Madame: Sie sind also interessiert.
Dexter: Wie können sie fragen, natürlich bin ich interessiert, nur ihr Preis, Madame, ihr Preis.
Madame: Aber weit unter dem tatsächlichen Wert Professor.
Dexter: Ohne Frage Madame, aber eine Million Dollar.
Madame: Ich bitte sie Professor.
Dexter: Ich muß mit dem Präsidenten der Universität sprechen, mit unseren Geldgebern, Mr Carnegie, Mr Rockefeller.
Madame: Tun sie das Professor, ich mache ihnen ein Vorschlag, hust hust hust hust, also ich gebe ihnen zeit bis morgen Abend und werde mich um ja sagen wir um sieben Uhr hier wieder einfinden, falls sie mich in der Zwischenzeit zu sprechen wünschen, ich logiere im Hotel Paris.
Dexter: Ihr Koffer, darf ich, gestatten Sie.
Madame: Danke, vielen Dank, Herr Professor, das ist nicht nötig, der Koffer ist nicht schwer, trotz seiner Größe, also.
Dexter: Also.
Madame: Leben sie wohl bis morgen.
Dexter: Bis morgen Madame.
Hatch: Minuten vergingen bis Dexter sich aus der Verwirrung gelöst hatte, in die er durch das Parfum der schönen Besucherin und vor allem durch ihr ungewöhnliches Angebot gestürzt worden war, noch wie im Traum ging er zurück ins Labor an seinen Arbeitsplatz und sah sich auf eine sehr plötzliche und sehr unangenehme weise in die Wirklichkeit zurück versetzt.
Dexter: Das Radium, ist es nicht mehr da, es ist weg, verschwunden, gestohlen, eine Unze Radium gestohlen, 3 Millionen Dollar.
vanDusen: Sie machen ja ein Geschrei, daß man sie durchs ganze Institut hört, werter Kollege, was ist denn geschehen.
Dexter: Diebstahl, van Dusen, Raub.
vanDusen: Na na na.
Dexter: Ein Millionenraub, das Radium, unser Radium, van Dusen, was soll jetzt aus unseren Versuchen werden, unseren schönen Versuchen.
vanDusen: Nehmen sie sich zusammen, Herr Kollege, kommen sie, setzen sie sich hin, so und atmen sie tief durch.
Dexter: Da drüben auf dem Tisch hat es gelegen, in seinem Stahlkästchen, wo ich es hingelegt habe, als Madame du Chateauneuf kam.
vanDusen: Ah, es war also jemand hier, sagen sie mir was geschehen ist, aber bitte ruhig und von anfang an.
Hatch: Professor Dexter beruhigte sich ein wenig und erzählte van Dusen was er wissen wollte, daß er durch Madame du Chateauneuf bei der Arbeit unterbrochen worden war, das Radium auf den Tisch im Labor gelegt und die Dame im Vorraum empfangen hatte, dann berichtete er, ohne sich weiter mit dem Eindruck aufzuhalten, den seine Besucherin auf ihn gemacht hatte, von dem Angebot, das er von ihr erhalten und von der Verabredung die er mit ihr getroffen hatte, van Dusen hörte aufmerksam zu.
vanDusen: Wie lange war sie hier.
Dexter: Etwa eine viertelstunde würde ich sagen.
vanDusen: Kommen sie ins Vorzimmer, zeigen sie mir, wo sie gesessen hat.
Dexter: Ja.
vanDusen: Sind sie übrigens ganz sicher Herr Kollege daß sie das Radium auf ihren Tisch gelegt haben.
Dexter: So sicher wie man nur sein kann, hier hat sie gesessen auf dem Sofa.
vanDusen: Aha, der Labortür genau gegenüber.
Dexter: Ja.
vanDusen: Und sie.
Dexter: Auf dem Sessel.
vanDusen: Mit dem Rücken zum Labor, interessant, die Tür stand offen nehm ich an.
Dexter: Ja ja ich glaube, richtig, ich vergaß sie zu schließen, weil ich über den Koffer stolperte.
vanDusen: Sie stolperten über einen Koffer.
Dexter: Madame du Chateauneuf hat ihn direkt vor die Tür gestellt.
vanDusen: Wie groß.
Dexter: Bitte.
vanDusen: Wie groß war der Koffer.
Dexter: Ganz normal eben ein Koffer.
vanDusen: In der Tür zum Labor, hat Madame du Chateauneuf wie soll ich sagen, etwas Unvorhergesehenes von sich gegeben.
Dexter: Ich verstehe nicht.
vanDusen: Ich meine plötzlich laut geschrien zum Beispiel oder gesungen, gepfiffen, gelacht.
Dexter: Aber Herr Kollege, Madame du Chateauneuf.
vanDusen: Oder vielleicht auch gehustet.
Dexter: Gehustet, ja, aber ja, woher wissen sie.
vanDusen: Zweimal, zu Beginn ihrer Unterhaltung und gegen Ende habe ich recht.
Dexter: Wie haben sie das nur erraten Herr Kollege.
Hatch: Ohne darauf eine Antwort zu geben wie es seine irritierenden Gewohnheit entsprach, ging van Dusen zurück ins Labor und begann den großen Raum aufs sorgfältigste zu untersuchen, sein Hauptaugenmerk richtete er dabei auf die Tür und die hohen Fenster, die er etwa eine Stunde lang gründlich inspizierte, bevor er sich wieder seinem geknickten Kollegen zuwandte.
vanDusen: Die Fenster sind mit Sicherheit heute nicht geöffnet worden.
Dexter: Dann bliebe also nur die Tür.
vanDusen: Ja die Tür, die Tür zum Vorraum, die einzige Tür und der einzige Zugang für den Dieb.
Dexter: Aber in der fraglichen Zeit hat niemand das Labor betreten, außer mir selbst natürlich.
vanDusen: Wirklich niemand, auch nicht der Diener.
Dexter: Der hat nur kurz seinen Kopf durch die Tür gesteckt, um Madame anzumelden.
vanDusen: Und.
Dexter: Was und.
vanDusen: Madame selbst.
Dexter: Madame du Chateauneuf hat zu keiner Zeit ihren Fuß ins Labor gesetzt, das kann ich beschwören.
vanDusen: Ich glaube ihnen Dexter und trotzdem muß Madame das Radium entwendet haben.
Dexter: Unmöglich, eine Dame aus den besten Kreisen.
vanDusen: Ich weiß sogar schon, wie sie vorgegangen ist, nur habe ich leider auch nicht den kleinsten Beweis.
Dexter: Empfohlen von Madame Curie persönlich.
vanDusen: Gut daß sie mich erinnern, Herr Kollege, lassen sie sofort dieses Kabel aufgeben.
Dexter: An Madame Curie, Paris, haben sie Madame du Chateauneuf Empfehlungsschreiben an Professor Dexter gegeben, schnelle Antworten erbeten.
vanDusen: Van Dusen.
Dexter: Sie halten den Brief also für eine Fälschung.
vanDusen: Ich möchte es fast annehmen und wenn Madame Curie wie ich erwarte mit nein antwortet, dann haben wir etwas gegen die Diebin in der Hand.
Dexter: Das dürfte aber kaum ausreichen, Herr Kollege, immer angenommen sie haben mit ihrer Anschuldigung recht, wovon ich durchaus noch nicht überzeugt bin.
vanDusen: Ich habe da noch gewisse andere Pläne Dexter, hat Madame übrigens in irgendeinem Zusammenhang ein Kind oder Kinder erwähnt.
Dexter: Kinder, ganz bestimmt nicht.
vanDusen: Schade.
Dexter: Wie kommen sie darauf.
vanDusen: Morgen Herr Kollege, es ist spät geworden.
Hatch: Was die Arbeit mit den kleinen grauen Zellen betraf war Professor van Dusen nicht zu schlagen, Beinarbeit aber, herumlaufen nachforschen Leute ausfragen, das hielt er im allgemeinen für unter seiner Würde und wenn im Verlauf seiner kriminalistischen Untersuchungen derartiges nötig wurde, an wen wandte er sich dann, richtig an seinen alten Freund Hutchinson Hatch, so auch diesmal, einen Tag nach dem rätselhaften Radiumdiebstahl klingelte gegen 10 Uhr vormittags in der Lokalredaktion des Daily New Yorker das Telefon, Professor van Dusen unterrichtete mich kurz von den Ereignissen im physikalischen Labor der Universität und beschied mich zu sich in seine Wohnung, wo ich, als ich nach kurzer Zeit eintraf, zu meiner Überraschung einen alten bekannten vorfand, Freund kann man ihn beim besten Willen nicht nennen, Detective Sergeant Caruso von der New Yorker Polizei.
vanDusen: Ah Hatch, ich bin gleich so weit, setzen sie sich, nehmen sie sich ein Whisky wenn sie wollen.
Hatch: Ja vielen dank.
vanDusen: Sie auch Caruso.
Caruso: Nicht im Dienst, aber lassen sie sich nicht abhalten.
vanDusen: Ich, sie sollten allmählich wissen, daß ich fast niemals trinke.
Hatch: Zum wohl.
Caruso: Ihre Antwort Professor.
vanDusen: Wissen sie Hatch, Caruso versucht mich für den Fall der Toten im Hafen zu interessieren, die junge Frau die gestern Morgen bei Dock E erstochen aufgefunden wurde.
Hatch: Ah die schöne Unbekannte.
vanDusen: Die Polizei steht wie so oft vor einem Rätsel und ersucht mich um Mitarbeit.
Caruso: Der Fall ist genau ihre Kragenweite Professor, kein Hinweis auf die Identität der Toten, keine Anhaltspunkte.
Hatch: Oh doch, ein teures Pariser Modellkleid und ein ungewöhnlich geformtes Messer, breite klinge, schmaler griff, direkt im herzen der zierlichen schönen.
Caruso: Woher wissen sie das.
Hatch: Steht alles in der Zeitung von heute verehrter Gesetzeshüter neben meinem epochalen Artikel über Professor Dexter und das Radium apropos van Dusen.
vanDusen: Gleich, es tut mir leid Caruso, ich muß ablehnen, ein anderer äußerst wichtiger Fall erfordert zurzeit meine volle Aufmerksamkeit, es geht um ein für die Wissenschaft bedeutsames Problem und die Wissenschaft, mein lieber Caruso, die Wissenschaft geht vor, bedauerlich.
Caruso: Ja vielleicht überlegen sie sich noch Professor, wir bleiben auf jeden Fall in Verbindung.
vanDusen: Warum nicht, James wird sie hinausbringen.
Hatch: Viel Erfolg.
Caruso: Danke.
Hatch: Nicht das es was nützt, ohne ihre Hilfe fängt Caruso nicht mal einen Karnickeldieb, auf unsere polizei.
vanDusen: Zu uns Hatch, ihre Droschke wartet doch noch, gut dann steigen sie wieder ein und fahren zur Eastside.
Hatch: Wenn sie jemals in New York ein mittelmäßiges Mittelklassehotel brauchen, dann kann ich ihnen das Hotel Paris auf der Eastside wärmstens empfehlen, minimaler Service, maximale Preise und ein wortkarger Portier, der Dollarscheine sammelt.
Hotelportier: Keine Auskunft über Gäste.
Hatch: Zwei Dollar, 3,4,5 mein letztes Wort.
Hotelportier: Okay fragen sie.
Hatch: Wohnt bei ihnen eine Madame du Chateauneuf.
Hotelportier: Ja.
Hatch: Mit Mann.
Hotelportier: Mann ne.
Hatch: Kind dabei.
Hotelportier: Ne.
Hatch: Sie ist also allein.
Hotelportier: Jaja.
Hatch: Aha, wie sieht sie aus.
Hotelportier: Toll, sonst noch was.
Hatch: Fehlanzeige, meine nächste Station war das Büro der Bluestar Schifffahrts-gesellschaft wo man mir verbindlich versicherte, Madame du Chateauneuf sei allein ohne Begleitung und ganz bestimmt nicht mit einem Kind auf der Campania über den großen Teich gesprungen, ich fuhr zurück zu van Dusen.
vanDusen: Kein Kind, sind sie sicher.
Hatch: Ganz sicher Professor, dieses Kind, das sie mit zu großem Eifer suchen, gibt es nicht, hat es nie gegeben.
vanDusen: Das kann nicht sein, das kann einfach nicht sein, sollte ich Professor van Dusen, die Denkmaschine, eine falsche Spur verfolgt haben, unmöglich.
Labordiener: Ein Telegramm Sir.
vanDusen: Danke James, aus Paris, Hatch, die Antwort von Madame Curie.
Hatch: Schon.
vanDusen: Was, ja, Hatch, Madame Curie telegrafiert mir ja, sie hat Madame du Chateauneuf tatsächlich ein Empfehlungsschreiben an Professor Dexter gegeben.
Hatch: Unglaublich.
vanDusen: Sie sagen es.
Hatch: Das würde heißen, daß Madame du Chateauneuf unschuldig wäre.
vanDusen: Nicht zu fassen.
Hatch: Und das wiederum würde heißen, daß nur eine einzige Person das Radium gestohlen haben kann, Dexter selbst.
vanDusen: Ganz und gar unmöglich, ich kenne ihn seit Jahren, warum sollte er so etwas tun und außerdem, er weiß ganz genau, daß er das Radium keinem Forscher, keinem Institut anbieten kann, ohne daß die gesamte wissenschaftliche Welt davon erfährt, nein, Dexter scheidet aus.
Hatch: Dann war.
vanDusen: Ich muß nachdenken, ich muß sehr konzentriert nachdenken, alleine und in Ruhe, haben sie nicht irgendwo dringend etwas zu tun Hatch.
Hatch: Ja warum nicht, ich könnte mich mal wieder in der Redaktion sehen lassen.
vanDusen: Dann will ich sie nicht länger aufhalten, ich melde mich, falls ich sie brauche.
Hatch: Was blieb mir übrig, um der Denkmaschine ungestörten Betrieb zu ermöglichen, zog ich mich zurück an meinen Schreibtisch, dachte so an dieses und jenes, an Radium, an die geheimnisvolle Madame du Chateauneuf, an Detektiv Caruso und an die schöne unbekannte Leiche und wartete, es war kurz vor 5 Uhr als Professor van Dusen sich meldete, diesmal nicht über das Telefon, sondern höchst persönlich und ehe ich michs versah, saß ich in einer Droschke.
vanDusen: Wenn mich nicht alles täuscht Hatch, dann werden wir in wenigen Minuten eine äußerst interessante Persönlichkeit treffen.
Hatch: Sie meinen Madame du Chateauneuf.
vanDusen: Oh nein, ich meine die eigentliche Schlüsselfigur im Radiumfall, übrigens, es wird sie interessieren zu hören, daß der Fall praktisch gelöst ist.
Hatch: Was sie nicht sagen.
vanDusen: Und daß ich von anfang an recht hatte oder doch jedenfalls so gut wie.
Hatch: Aber der Brief von Madame Curie und wie hat sie es gemacht, falls es überhaupt war.
vanDusen: Später, mein bester, später, wir haben heute Abend noch eine Verabredung mit Madame du Chateauneuf und Professor Dexter und sie wissen doch daß ich meine Schlussfolgerungen nur höchst ungern mehrmals zum besten gebe, außerdem sind wir gleich da, seien sie auf der hut, halten sie die Augen offen.
Hatch: Warum, erwarten sie etwa schwierigkeiten, ist diese schlüsselfigur gefährlich.
vanDusen: Gefährlich, nein das glaube ich kaum, aber gerissen, gerissen und trickreich, also seien sie wachsam, wir sind da.
Hatch: Verglichen mit unserem Ziel, der Familien- und Artistenpension Salto mortale so stands kaum noch lesbar über der Tür geschrieben, war das Hotel Paris eine art Waldorf Astoria, innen roch es nach Schnaps, nach Schminke und nach schlimmerem und es sah aus, wie es eben in einer billigen Pension aussieht, wo niemand sauber macht, einen Portier schien es auch nicht zugeben.
Hatch: Hallo, hallo, niemand da.
Pensionswirt: Was ist denn, wollen sie ein Zimmer.
Hatch: Nein ein Zimmer wollen wir nicht, wir wollen tja was wollen wir eigentlich Professor.
vanDusen: Guten Tag, wir suchen Monsieur Bertrand, würden sie uns freundlicherweise miteilen, in welchem Zimmer der Herr logiert.
Pensionswirt: Wie heißt er.
vanDusen: Bertrand.
Pensionswirt: Kenne ich nicht.
vanDusen: Aber ich bin sicher, daß er hier wohnt, ein kleiner, ein sehr kleiner Herr, gerade aus Europa gekommen.
Pensionswirt: Ach den meinen sie, Zimmer 11, Treppe rauf, rechts vom Waschraum.
vanDusen: Danke, ist er zu hause.
Pensionswirt: Keine Ahnung, probieren sies mal.
Hatch: Hier, Zimmer elf, probieren wir es mal.
Monsieur: Entree.
vanDusen: Wie gesagt Hatch, halten sie die Augen offen, darf ich vorstellen Hatch, Monsieur Bertrand, der Herr, der Dexters Radium aus dem Labor entwendet hat.
Monsieur: Monsieur, ich muß doch sehr bitten.
Hatch: Und dann sah ich ihn, eine zierliche Gestalt in einem bunten etwas zu auffälligen Schlafrock gehüllt, erhob sich aus einem großen Sessel und fixierte uns mit entrüsteten Blicken, nun zierlich ist übrigens kaum das richtige Wort, Professor van Dusen, ein Riese nur in geistigen Belangen, war um gut einen halben Meter größer, kurz Monsieur Bertrand entpuppte sich als Liliputaner und wie van Dusen behauptete, als der Dieb des Radiums, mir wurde einiges klar.
Monsieur: Ich ein voleur, missio, ein Dieb, sie nicht wissen, wen sie haben vor sich, je suis un artiste, ich seien die berühmte Zwerg, die große sensationelle phänomenale Manfredini.
vanDusen: Geben sie sich keine Mühe, verehrter Monsieur Bertrand oder Manfredini, wenn sie das lieber hören, wir wissen alles, ihre Partnerin hat gestanden.
Monsieur: Oh sie wissen, wir haben gemacht die Trick.
vanDusen: Ganz genau.
Monsieur: Eine gute Trick, nest pas, mit den valise, die Koffer, wie in Variete, nur ich können das, ich die große berühmte.
vanDusen: Sind sie da nicht ein bißchen ungerecht gegen ihre Partnerin, Mademoiselle vonJean.
Hatch: VonJean, ich verstehe überhaupt nichts mehr.
Monsieur: Aber sie nur porteuse, wie sagt man.
vanDusen: Gepäckträgerin.
Monsieur: Wie Gepäck äh Trägerin.
vanDusen: Und jetzt geben sie uns bitte, was sie im Labor gestohlen haben.
Monsieur: Monsieur, gestohlen, ein hartes Wort, wir haben nur gemacht ein Scherz, ein Trick, voila.
vanDusen: In diesem unscheinbaren Stahlkästchen, mein lieber Hatch, befindet sich eine Unze des wertvollsten Elements, das es auf der Welt gibt.
Hatch: Ich weiß Professor, drei Millionen Dollar.
Monsieur: 3 Millionen Dollar, ah, sie mich hat belogen, sie hat gesagt nichts wert.
vanDusen: Sie hat ihnen wahrscheinlich auch verschwiegen, daß es nicht nur um einen schlichten Diebstahl geht, sondern um Mord.
Hatch: Mord.
Monsieur: Meurtre, assassiner, sacrebleu.
vanDusen: Achtung Hatch, halten sie ihn fest.
Hatch: Ich griff sofort zu und Bertrand, der mit affenartiger Geschwindigkeit fast schon den Korridor erreicht hatte, ergab sich nach kurzem Zappeln in sein Schicksal, er sagte kein Wort mehr, zog sich an und folgte uns zur Droschke, wir fuhren zum physikalischen Institut der Universität, wo Professor Dexter und der von van Dusen alarmierte Caruso auf uns warteten, es wurde schon dunkel.
vanDusen: Das Radium Herr Kollege, passen sie in zukunft ein bißchen besser darauf auf.
Dexter: Tatsächlich, das Radium, mein Radium, noch alles da, wie haben sie das gemacht van Dusen.
vanDusen: Fragen sie doch unseren kleinen Freund hier, Monsieur Bertrand alias Manfredini oder ihre Besucherin von gestern, die jeden moment hier sein muß.
Dexter: Achja Madame du Chateauneuf.
vanDusen: Ja die.
Dexter: Wie spät ist es.
Hatch: Fünf vor sieben.
Dexter: Hören sie van Dusen, das Radium ist ja nun wieder da, unsere Versuche können wie geplant morgen früh anfangen, wollen wir es nicht dabei belassen, ich meine was haben wir davon, wenn Madame ins Gefängnis muß, seien wir großmütig.
vanDusen: Warum nicht, jedenfalls.
Caruso: Wozu haben sie mich herbestellt wenn sie ihn doch laufen lassen wollen.
vanDusen: Jedenfalls wollte ich sagen, als ich von unserem ungeduldigen kriminalistischen Freund hier unterbrochen wurde, jedenfalls soweit es den Diebstahl betrifft, andererseits.
Labordiener: Madame du Chateauneuf.
vanDusen: Noch einen Moment Miller, schließen sie die Tür, Caruso, sie gehen mit Bertrand nach nebenan ins Labor und warten auf ihr Stichwort.
Caruso: Aber ich.
vanDusen: Pst, gehen sie, die Verhandlung mit der Dame überlassen sie bitte mir, Dexter.
Dexter: Ok.
vanDusen: Und sie Hatch.
Hatch: Ich setze mich ganz still in eine Ecke und schreibe fleißig mit.
vanDusen: Ja tun sie das, Miller wir lassen bitten.
Madame: Oh Professor Dexter, ich bin erstaunt, hier eine ganze Gesellschaft anzutreffen, ich hatte gehofft wir beide, allein.
Dexter: Professor van Dusen, der mich bei den Radiumversuchen unterstützen wird, Mister Hatch, ein gemeinsamer Freund, Madame du Chateauneuf.
Hatch: Sehr erfreut.
vanDusen: Setzen sie sich Madame, wie mir mein Kollege Professor Dexter mitgeteilt hat, wollen sie uns eine Unze Radium verkaufen.
Madame: So ist es.
vanDusen: Tragen sie die Ware bei sich.
Madame: Wo denken sie hin Herr.
vanDusen: Van Dusen.
Madame: Van Dusen, oh nein das Radium ist an einem sicheren Ort bis wir uns geeinigt haben.
vanDusen: Erstaunlich nicht wahr.
Madame: Pardon Herr van Dusen ich verstehe nicht.
vanDusen: Daß es noch eine ganze Unze diese so seltenen Stoffes auf der Welt gibt, ohne daß die Wissenschaft bisher davon wußte.
Madame: Aber ich habe doch Professor Dexter genau.
vanDusen: Sind sie ganz sicher, daß sich auch wirklich eine Unze Radium in ihrem Besitz befindet.
Madame: Selbstverständlich.
vanDusen: Ich meine natürlich außer jener Unze, die sie gestern hier im Labor gestohlen haben.
Madame: Erlauben sie, ich bin nicht hierher gekommen, um mich insultieren zu lassen, unter diesen Umständen Professor Dexter bin ich nicht gewillt, mein Angebot aufrecht zu erhalten, gestatten sie, daß ich mich verabschiede.
vanDusen: Wir gestatten nicht Madame und bitten sie weiterhin um das Vergnügen ihre Anwesenheit.
Madame: Sie sind unverschämt mein Herr, au revoir.
vanDusen: In diesem Fall sehe ich mich gezwungen, sie ein wenig drängender zu ersuchen Mademoiselle vonJean, Caruso.
Caruso: Professor.
vanDusen: Kommen sie und bringen sie unseren kleinen Ehrengast.
Madame: Manfredini.
vanDusen: Darf ich ihnen ein weiteres Mitglied unsere kleinen gesellschaft vorstellen, Detektiv Caruso von der new yorker polizei, den anderen Herrn kennen sie ja bereits.
Monsieur: Menteur Lügnerin Verräterin, sie nichts haben gesagt von die drei Millionen Dollar, sie wollten betrügen, ihr Partner die große sensationelle Manfredini, ich verachte sie.
vanDusen: Und da wir gerade so schön beim vorstellen sind, darf ich sie, meine Herren mit dieser Dame bekannt machen, die sich nicht ganz zurecht fürchte ich, Madame du Chateauneuf genannt hat, Mademoiselle vonJean alias, wie lautet ihr Bühnenname Mademoiselle.
Madame: Äh ich.
vanDusen: Sie wollen es uns nicht sagen.
Monsieur: Evita, so heißt sie in Variete, olala Evita et Manfredini die große Nummer der phänomenale Succes, der Publikum hat immer sehr gelacht, überall.
vanDusen: Und sie wollen uns sicher auch nicht gestehen, wie sie den Diebstahl ausgeführt haben, das macht nichts, wir wissen es nämlich schon und brauchen uns damit nicht mehr aufzuhalten, also.
Hatch: Moment mal, van Dusen.
Dexter: Herr Kollege, ich muß gestehen.
Caruso: Packen sie aus, Professor.
vanDusen: Ach, sie wissen es immer noch nicht, dann da Mademoiselle Evita sich offenbar ungnädig zeigt, werde ich es ihnen wohl erzählen müssen, sie Caruso behalten solange unsere artistischen Freunde im Auge.
Caruso: Eisern Professor schießen sie los.
Dexter: Ich bin ganz Ohr Herr Kollege.
Hatch: Und ich ganz Bleistift.
vanDusen: Nun denn, von vornherein war klar daß die Besucherin die sich Madame du Chateauneuf nannte, die Unze Radium aus dem Labor gestohlen haben mußte, die Frage war, wie hatte sie es angestellt, ohne das Labor zu betreten, den ersten und wichtigsten Hinweis auf die Methode des Verbrechens gab der Koffer, eine Dame die aus geschäftlichen oder anderen Gründen einen Besuch abzustatten hat, pflegt sich dabei nicht mit einem Koffer zu belasten, falls sie es doch tun muß, läßt sie ihn in der Droschke und bringt ihn nicht mit ins Zimmer, so weit so gut, das eröffnete mir eine gewisse Spekulation, in die ich zwei weitere Tatsachen einbezog, daß nämlich Madame, wir wollen sie der kürze halber auch ferner so nennen daß also Madame ihren Koffer direkt an die Tür zwischen Labor und Vorzimmer gestellt hat und daß sie während des Gesprächs mit Professor Dexter zweimal von einem lauten Hustenanfall heimgesucht wurde, ich schloß daraus folgendes, im Koffer befand sich ein Wesen, das auf ein Signal hin, den ersten Hustenanfall, sein ungewöhnliches Versteck verließ, sich ins Labor schlich, während Professor Dexter von Madame abgelenkt wurde, das Radium suchte, fand und an sich nahm, dann auf das zweite Signal von Madame wieder in den Koffer zurückkehrte.
Monsieur: Bravo bravo Professor, sie haben erzählt exactement wie wir haben gemacht die Trick, sie sind eine phänomenale Detektiv, Professor.
vanDusen: Danke mein bester danke, ich ziehe es allerdings vor mich Amateur-kriminologe zu nennen, ich fahre fort, was für ein Wesen so fragte ich mich nun was für ein Wesen, paßt in einen Koffer, ein Affe gewiß, aber der Diebstahl des Radiums unter so vielen Gegenständen im Labor erfordert ein gewisses logisches Denken, ein Tier kam also nicht in frage, was gab es noch, ein Kind, das war möglich und ich ging daran diese Hypothese zu untersuchen, leider ohne Erfolg, wie mir Mister Hatch bestätigen wird, was nun, ich dachte noch einmal nach, sehr konzentriert, sehr diszipliniert und kam auch prompt auf eine dritte Möglichkeit, daß sich nämlich im Koffer auch ein kleinwüchsiger Erwachsener, ein sogenannter Zwerg oder Liliputaner befunden haben können, daraufhin fuhr ich persönlich.
Hatch: Donnerwetter Professor, ganz was neues.
vanDusen: Persönlich zum Büro der Bluestarlinie und hier wurde meine Vermutung bestätigt, zu den Passagieren der Campania hatte ein Liliputaner gehört, ein Franzose namens Bertrand, und noch etwas anderes fiel mir bei der Durchsicht der Passagierliste auf, doch davon später, durch eine Umfrage bei den Droschken-kutschern im Hafen erhielt ich dann schnell die Adresse, zu der sich Monsieur Bertrand vom Schiff aus hatte fahren lassen, er ist nun einmal eine auffällige Persönlichkeit.
Monsieur: Auffällig, die ganze Welt kennt Manfredini.
vanDusen: Der Rest ist schnell erzählt, mit Mister Hatch stattete ich Bertrand einen Besuch ab und brachte ihn nebst dem gestohlenen Radium hierher.
Dexter: So also.
vanDusen: Ja Herr Kollege, so wurde das Radium gestohlen, direkt unter ihrer Nase.
Monsieur: Wie in variete, justement, sie haben gesehen Evita et Manfredini, große Nummer Professor.
vanDusen: Leider gehe ich nur sehr selten in solche Etablissements.
Monsieur: Oh cest dommage, Evita sie kommen heraus, mit Koffer stellen ihn hin so und dann sie jonglieren mit den Ball allezhop, und die große Manfredini kriecht heraus aus Koffer, tout doucement, ganz leise und schleicht hinter Evita tout doucement und zieht aus ihre Rock tout doucement und Evita, sie steht da, nur mit ihre Trikots, surprise, der Publikum immer sehr gelacht, dann Evita ganz böse auf Bühne, nestpa, fangen Manfredini.
Madame: Sei still.
vanDusen: Aber nicht doch, wir sind sehr interessiert, Monsieur Bertrand, erzählen sie weiter.
Monsieur: Ja Monsieur, Evita fangen Manfredini, bind ihn auf große runde Brett und dann zur Strafe sie werfen auf ihn couteau, mit Messer, denn Evita sie ist nicht nur Jongleuse, sie ist auch, wie sagt man, Messerwerferin.
vanDusen: Aha und würden sie uns bitte auch beschreiben wie diese Messer aussehen mit denen Evita auf sie wirft.
Madame: Sei still.
Monsieur: Lügnerin pokerawa Professor diese Messer sind trickjuli, haben kleine schmale griff und große breite klinge.
vanDusen: Surprise ich wollte sagen surprise.
Caruso: Moment mal Professor.
vanDusen: Gehe ich recht in der Annahme daß diese Art Messer sie irgendwie an irgendwas erinnert.
Caruso: Na und wie.
Hatch: Ja richtig.
Dexter: Ich dachte der Fall ist erledigt und ausgestanden, will mir nicht mal jemand erklären.
vanDusen: Mit Vergnügen Herr Kollege, diese Dame hat nämlich nicht nur den Diebstahl ihres Radiums auf dem Gewissen, sondern auch einen Mord, den Mord an der sogenannten schönen Unbekannten, die man wenn ich mich recht erinnere am Hafen gefunden hat, dicht bei Dock E wo die Passagierschiffe aus Europa anlegen.
Dexter: Mord, ich verstehe immer noch nicht.
Madame: Helfen sie mir, Professor Dexter, schützen sie mich, dieser Mann dieser van Dusen ist wahnsinnig, sie werden doch ihm und dem lächerlichen Zwerg da nicht glauben.
Monsieur: Lächerlich, ich, der große phänomenale Manfredini, eine lächerliche Zwerg sacreno.
vanDusen: Darf ich um Ruhe bitten, auch wenn Kollege Dexter den Radiumfall für aufgeklärt und ausgestanden hält, er ist es mitnichten, einige dunkle Punkte, die ihnen eigentlich ins Auge springen sollten, harren nämlich noch der Aufklärung.
Dexter: Zum Beispiel.
vanDusen: Z.B. das ohne Frage authentische Empfehlungsschreiben der Madame Curie, wie kommt unsere Besucherin an dieses Schreiben oder anders allgemeiner ausgedrückt, wer ist sie eigentlich, diese Frau, die sich Madame du Chateauneuf nennt, eine Antwort darauf gab mir die Passagierliste der Campania, Monsieur.
Monsieur: Ja.
vanDusen: War in Begleitung einer Dame, seiner Partnerin gereist einer gewissen Mademoiselle vonJean, ein vager Verdacht begann in mir Gestalt anzunehmen, ich schickte ein zweites Kabel an Madame Curie, worin ich nach der äußeren Erscheinung von Madame du Chateauneuf und nach dem Zweck ihres Aufenthalts in New York fragte, hier ist die Antwort, Fragen unverständlich, was ist los bei ihnen, Madame du Chateauneuf ist klein, zierlich, will sich an ihren Radiumversuchen beteiligen, eine Beschreibung von Mademoiselle vonJean.
Madame: Warum sehen sie mich dabei so an.
vanDusen: Von Mademoiselle vonJean lieferte mir freundlicherweise ein Stewart der Campania, nun bestand für mich kein Zweifel mehr, diese Dame hier ist Mademoiselle vonJean, Begleiterin und Partnerin von Bertrand alias Manfredini.
Monsieur: Die große phänomenale Manfredini.
vanDusen: Wo aber befand sich die echte Madame du Chateauneuf, die wie ich feststellte, ebenfalls in der Passagierliste der Campania verzeichnet war, unter normalen Umständen wäre sie doch sogleich zu Professor Dexter geeilt, um ihre Assistenz bei den Versuchen anzubieten.
Dexter: Wahrscheinlich.
vanDusen: Da sie das aber nicht tat, war sie allem anschein nach davon abgehalten worden.
Dexter: Aber wie.
vanDusen: Ja richtig, war sie vielleicht gefangen möglich ebenso gut konnte sie tot sein ermordet, es ging immerhin um eine Million Dollar, da erinnerte ich mich an die unbekannte Tote, von der mir Caruso erzählt hatte, sie war klein, zierlich, war bei Dock E gefunden worden, trug ein Pariser Modellkleid und als ich dann noch erfuhr, daß Mademoiselle vonJean sich als Messerwerferin zu betätigen pflegt, da war der Fall klar für mich.
Hatch: Und die schöne Unbekannte.
vanDusen: Ist oder besser war die echte Madame du Chateauneuf, die vonJean hat sie ermordet und ihr den Empfehlungsbrief abgenommen, um sich mit seiner Hilfe die Unze Radium zu ergaunern, dieselbe Unze Radium, die sie uns für eine Million Dollar verkaufen wollte.
Dexter: Entsetzlich.
vanDusen: Sehen sie sie doch an, die Schuld steht ihr ja im Gesicht geschrieben.
Caruso: Kommen sie Miss vonJean oder Evita oder wie sie heißen, und du auch, kleiner.
Monsieur: Was, ich der große Manfredini in die prison, die Gefängnis, impossible, was soll werden aus Evita et Manfredini, die phänomenale Nummer, die sensationelle Succes.
vanDusen: Tja ja damit ist es jetzt fürchte ich aus und vorbei.
Monsieur: Cest dommage, republic, der Publikum hat immer so sehr gelacht.
Hatch: Mademoiselle vonJean wurde zum tode verurteilt, dann aber zu lebenslangem Zuchthaus begnadigt, falls man das so nennen kann, Missio Bertrand alias der große Manfredini konnte für seine Beihilfe zum Diebstahl nicht bestraft werden, da er sich schon in der ersten nacht zwischen den Gitterstäben der Zelle heraus drehte und auf nimmerwiedersehen verschwand, so also ging der höchst merkwürdige Fall der gestohlenen Unze Radium zu ende.
Friedrich W. Bauschulte Professor van Dusen
Klaus Herm Hutchinson Hatch
Otto Sander Professor Dexter
Lieselotte Rau Madame du Chateauneuf
Klaus Miedel Monsieur Bertrand
Rolf Marnitz Detektiv Caruso
Franz Georg Stegers Labordiener
Kurt Pratsch-Kaufmann Hotelportier
Herbert Weissbach Pensionswirt
Kommentar von Hörspiele |
Michael Koser: Ping-Pong zur Ming-Zeit (Erotische Erzählung aus dem alten China) (RIAS 1977)
Kennen Sie Kung Fu? Kennen Sie Mao Tse Tung? Aber kennen Sie auch Ming Ping Pong?
Ming Ping Pong ist kurz gesagt nichts anderes als eine Abkürzung bzw. Kurzfassung des Titels dieser unserer Sendung, welcher in voller Länge lautet wie folgt:
Ping-Pong zur Ming-Zeit - Erotische Erzählungen aus dem alten China
Das Manuskript schrieb Michael Koser
Aber was, werden Sie nun fragen ist Ping Pong zur Mingzeit. Eigentlich um ganz ehrlich zu sein, nur der etwas reißerische Titel für eine Sendung über einen wichtigen Abschnitt der chinesischen Literaturgeschichte, mit Körperkultur oder gar Leistungssport hat unser Thema höchstens im übertragenen Sinne zu tun... Steht und fällt mit dem Text, dem Wort.
Fönis war die Tochter des Tsam Jü, aus Dung Ping in der Provinz Schanto, als sie noch ein Kind war, mischten ihre Eltern immer wohlriechende Substanzen in ihre Speisen und Getränke, so daß spätel, als sie herangewachsen war, ihr ganzer Leib duftete, und man ihr den Beinamen Palfüm gab.
Nun ja, und so weiter, die beste und interessanteste Lösung für eine Sendung über erotische Erzählungen aus dem alten China ist immer noch, da werden Sie uns zustimmen, das schlichte erzählen, daran wollen wir uns halten, aber bevor wir beginnen Ihnen die erste Geschichte zu erzählen, können wir nicht umhin in aller gebotenen Kürze etwas über China, die Ming-Zeit und chinesische Geschichten im allgemeinen zu sagen.
Die Ming Zeit, das heißt die Epoche in der die kaiserliche Ming Dynastie das Reich der Mitte beherrschte, dauerte nach unserer Zeitrechnung von 1368 bis 1644, sie war nach der unruhigen Ära der Mongolenherrschaft eine verhältnismäßig friedliche Epoche der chinesischen Geschichte.
Friede und Freude in China und in der Welt, unser Reich wird ewig sein wie die Sonne.
In der chinesischen Literaturgeschichte ist die Mingzeit die Periode des Realismus, in ihr entstanden die ersten großen Romane, beide Gattungen, Geschichte und Roman galten wenig in der literarischen Wertskala ihrer Zeit, wurden zum niederen Schrifttum gezählt, im Gegensatz zu Lyrik und Essay, daher schmückten sich die Erzählungen häufig mit eingestreuten Betrachtungen und vor allem mit Gedichten.
Der Rauch des Beckens löst sich schon auf, tief liegen die Schatten der Lampe, der Wandschirm hinter dem Bett bewegt sich, und auch der beschwerte Vorhang. Liebeslust ist vergleichbar mit Fischen, die sich im Wasser tummeln, nach Westen sich wendend kaum daß sie nach Osten geschwommen.
Im alten China gab es zwei Arten von Erzählungen, Novellen in der Schriftsprache, die nur wenige gebildete beherrschten, und Geschichten in der Umgangsprache des Volkes, sprachlich formal unterscheiden sie sich stark voneinander, wie etwa die lateinische Hochliteratur des späten Mittelalters von den Literaturen in den jeweiligen Volkssprachen, was den Inhalt betrifft sind sie gleich, sie erzählen von Mandarinen, von Räubern und Geistern, von Mönchen und da auch im alten China die Liebe als wichtiger Bestandteil des Lebens galt, von edlen und weniger edlen liebenden.
Das sei uns Stichwort für unsere erste Geschichte, sie stammt aus der Sammlung San Yan, das heißt drei Gespräche des Autors Feng Menglong, und wurde übersetzt von Kartar Fung, bei dieser Gelegenheit machen wir eine dankbare Verbeugung auch vor den anderen Übersetzern, ohne deren Mühe die Sendung nicht zustande gekommen wäre, Johanna Herzfeld, Wolfgang Bauer und Herbert Frank, und jetzt fangen wir an zu erzählen.
Brave Männer und ihre Gattinnen tun alles für die Nachkommenschaft, vergnügt und hilfsbereit meditieren Mönche in verschlossenen Zellen, wir wissen alle, daß geben seliger macht den nehmen, wo aber steht geschrieben daß nicht auch nehmen zum Glück beitragen kann, danach handeln wohl viele Mönche dieser Welt, vielleicht sogar die meisten, ein Kloster allerdings, der Tempel zum edlen Lotus, schien darin eine Ausnahme zu sein, deshalb hatte das Kloster großen Zuspruch und wohl auch deshalb, weil sich in ihm eine Halle befand, die man die Kindersegenhalle nannte, Guanyin, die Göttin der Barmherzigkeit, hatte dort ihre Residenz und zu ihr kamen aus den fernsten Provinzen die Frauen, denen Kindersegen versagt geblieben war, Guanyin war eine wahrhaft barmherzige Göttin, denn keine der Frauen ging ungetröstet nach Hause, haha, neun Monate nach dem Gebet hatte ihr Segen das Wunder vollbracht und kräftige Kinder krähten in den Wiegen, hehe, wie schnell machen doch solche Geschichten die Runde im Lande, eines Tages hörte auch der Statthalter Wan Dan von den Wundern Guanyins, und da er ein äußerst besonnener, mithin aber auch skeptischer Mann war, wollte er alles recht genau wissen.
Am besten ists wenn ich selbst einmal den Tempel besuche.
Gedacht getan, der Statthalter, vom Vater Abt mit allen gebührenden Ehren empfangen, inspizierte das Kloster aufs sorgfältigste, ohne jedoch etwas Ungewöhnliches oder gar Ungehöriges zu entdecken, so kehrte er zurück und dachte nach.
Kann denn eigentlich eine hölzerne Gottheit derartige Dinge vollbringen,
frage er sich und es bedurfte nicht allzulangen Nachdenkens, um sich darüber klarzuwerden, daß hier irgendeine Teufelei mit im Spiel zu sein schien, er gab den Auftrag, zwei der schönsten Blumenmädchen herbei zurufen.
Geht ins Kloster zum edlen Lotus, sobald die Zeit gekommen ist, da ihr in der Zelle schlafen sollt, wird jede von euch ein Gefäß mit Tinte unter dem Gewand verbergen, die eine wird rote, die andere schwarze Tinte mit sich führen, sobald sich euch eine Gottheit oder etwas dergleichen nähern sollte, beschmiert ihr unbemerkt den Kopf mit der Farbe.
Die Mädchen taten wie ihnen befohlen war, als eines der beiden, namens Yuan Mei des Nachts in der ihr zugewiesenen festverschlossenen Zelle lag, geschah folgendes: Plötzlich bewegte sich eine Platte des Fußbodens und wurde langsam weggeschoben, Yuan Meis Augen weiteten sich, als sie den kahlgeschoren Kopf eines Mönchs sah, der sich Stück um Stück nach oben schob.
Da schau, das ist also das große Tempelgeheimnis.
Bald darauf drängte sich ein nackter Männerleib an den ihren, auch fühlte sie eine erfahrene Hand an ihren Brüsten.
Ich bin ein Jünger Buddhas und von Guanyin zu euch gesandt,
sprach der Mönch und machte sich emsig ans Werk, trotz aller Wonne versäumt es Yuan Mai jedoch nicht, aus ihrer Tintenschale Farbe zu nehmen, mit der ihre liebkosenden Hände den kahlen Schädel fleißig einrieben, der Wonnespender war so tief beschäftigt, daß er nichts gewahr wurde, als er zum Ende gekommen war, machte er einem zweiten Mönch Platz, welcher die fromme Arbeit mit frischen Kräften fortsetze, zur gleichen Zeit erging es Lin Wan, dem zweiten Blumenmädchen ganz ähnlich, auch ihr erschienen zwei Wonnemönche, um Guanyins Segen weiter zu geben und um mit Tinte gezeichnet zu werden, zärtlich nahm der zweite Abschied.
Mache ich euch glücklich, ihr seht daß ich nicht so heftig bin wie der andere, ich bin ganz auf euer Empfinden eingestellt.
Am frühen Morgen erschien überraschend der Statthalter mit hundert bewaffneten Bütteln im Kloster und befahl dem Abt: Bringt mir die Namensliste euer Brüder, ehrwürdiger Meister.
Dann ließ er nach der Liste alle Mönche vor sich rufen und als sie erschienen waren, gebot er ihnen die Kappen abzunehmen, niemand wagte sich der Aufforderung zu widersetzen und so entblößten sich alle Häupter, da konnte man plötzlich zwei feuerrote Schädel in der Sonne leuchten sehen und nicht weniger deutlich hoben sich zwei weitere ab, die pechschwarz gefärbt waren.
Faßt die vier und legt sie in Ketten, sagt mir Halunken, warum ihr so farbige Schädel habt, wer hat sie euch bemalt.
Als er keine Antwort erhielt, ließ der Statthalter die Blumenmädchen vortreten, sie berichteten und die vier entdeckten Farbköpfe machten unermüdlich Kotau und erflehten die Gnade des Statthalters, der aber geriet in unbändigen Zorn, nannte sie vor Geilheit stinkende Hunde und räudige Wasserbüffel, dann sprach er zum Abt:
Ihr seid ein sehr kluger Mann, aber doch nicht so klug, daß ihr euch nicht hättet erwischen lassen, aus eurem Kloster habt ihr ein Freudenhaus gemacht und ehrbare Frauen habt ihr in den Schmutz gezogen.
Was nun folgte, kann man sich leicht ausmalen, der Abt mußte im Gefängnis schmachten, ihm wurde der Prozeß gemacht und er bereute bitter seine Leichtfertigkeit, schon lange bevor er dem Henker übergeben wurde, nur zwei kindliche Novizen, deren Unschuld allein schon durch ihre Jugend erwiesen war, blieben ungeschoren, verschont blieb auch der uralte zahnlose Weihrauchdiener, dem zu seinem Glück keine Frau mehr etwas anhaben konnte.
Das war unsere erste chinesische Geschichte, die so dürfen wir wohl annehmen, Ihnen weniger exotisch als vielmehr trotz der Göttin Guanyin merkwürdig vertraut erschien, von lüsternen Mönchen wimmelt es schließlich auch in der Novellenliteratur des Abendlandes, bei Boccaccio und seinen Nachahmern, bei der Königin Margarete von Navarra, bei Balzac, und da wir gerade bei diesem Thema sind, auch sonst bieten die Erzählungen aus dem alten China eine Fülle auch hier bekannter Typen und Gestalten, wovon Sie sich im weitern durch Stichproben überzeugen wollen, da ist etwa der edle Räuber:
Der Mandarin von Wuhim hat haufenweise Gold und Juwelen in seinem Amtssitz aufgestapelt, und all diesen Reichtum hat er auf unredliche Weise zusammen gebracht, erleichtere ihn doch mal um einen Teil seiner Besitztümer und verteile den unter die Armen.
Die lustige Witwe:
Das Schicksal hat uns zusammengeführt, er war Liebe auf den ersten Blick, du weißt ich bin Witwe, ich bin wieder frei, willst du dein Leben fürderhin mit mir teilen, dann geh zur Heiratsvermittlerin, wegen deiner Armut brauchst du dir keine Sorgen zu machen, Geld habe ich selbst genug.
Die jungen unerfahren Liebenden:
Erst küßten sie sich zaghaft, doch wurden sie immer kühner, als sie merkten wie leicht es ist und gleichzeitig wie wunderbar die Zungen zu tauschen, aber so groß beider Sehnsucht auch war, sie wußten anfangs nicht, was nun weiter geschehen sollte, doch auch bei völliger Unberührtheit bricht die Liebe sich Bahn und so kam es wie es kommen mußte, beide fanden ohne fremde Hilfe zu einander.
Außerdem gibt es natürlich auch erfahrene Liebhaber, edle Helden, schöne Mädchen, finstere Bösewichte, im fernen Osten wie im nahen Westen, also sind, werden Sie fragen, die Chinesen gar nicht so ungeheuer anders wie es die Volksmeinung wahrhaben will, zumindest soweit es ihre Novellen betrifft, gewiß, einerseits, andererseits aber enthalten auch die erotischen Geschichten aus der Mingzeit hinreichend unbekanntes, verblüffendes, kurioses, eben typisch chinesisches.
Bei der umfassenden Darstellung der chinesischen Gesellschaft in den Novellen war die Erotik nur ein, allerdings, wichtiges Moment, Autoren und Leser waren nicht prüde, pornografisch interessiert waren sie allerdings auch nicht.
Was erscheint nun in den Geschichten der Mingzeit dem fremden Teufel, wie man im alten China den Barbaren aus dem Westen nannte, als eigentümlich chinesisch, da ist wohl an erster Stelle die große Bedeutung die literarisch geistiger Bildung zugemessen wird, Helden und Heldinnen der Novellen sind zwar auch schön und edel, vor allem aber klug und gebildet.
Ich habe das Studium der Konfuzianer zu meiner Beschäftigung erkoren und mich der Literatur verschrieben, alle vier Klassen des Schrifttums, kanonische Bücher Geschichtswerke, Philosophen und die schöne Literatur, habe ich von vorn bis hinten durchgeackert.
Eisvogel war die Tochter eines Bürgers aus Juanan, namens Liu, sie war schon früh von großer Klugheit und konnte das klassische Buch der Lieder und das Buch der Urkunden auswendig.
Sehr chinesisch ist auch die formalistische Höflichkeit, von der sich nicht einmal Grabräuber freimachen können.
Bevor er den Sarg öffnete, klopfte er daran und sprach:
Mein liebes Fräulein, entschuldigt bitte, was ich jetzt tun werde, ich nehme mir all eure Haare, denn ich kann sie bestimmt besser gebrauchen als ihr, macht mir also bitte keine Schwierigkeiten.
Fremd ist uns auch die reizvolle, leider kaum zu imitierende Lösung des alten Problems vom Mann zwischen zwei Frauen:
Beide Mädchen sagten: zwar sind wir nur geringe Personen, aber es tat uns dennoch immer wieder weh, daß wir die Zeit, ob Herbstmond oder Frühlingsblüte, nutzlos vergeudet haben und daß wir nicht dazu kamen die liebende Neigung zu befestigen, wir möchten mit euch das eheliche Lager teilen und auf ewig euch zu treuen Diensten sein, wenn ihr unserer Bitte folgt, werden wir beide euch heiraten.
Und sie lebten fortan, wie wir doch hoffen wollen, zu dritt glückselig beisammen, noch unvertrauter als offizielle problemlose Vielweiberei ist eine besondere Art chinesischer Geister die es gewaltig nach irdischer Liebe verlangt, darum geht es in der zweiten Geschichte, die wir in größerer Ausführlichkeit erzählen wollen, sie heißt Sjä-dau, die schöne Kurtisane.
Während der Regierungszeit des Mingkaisers Hongwu lebte in der Stadt Kanton ein junger Mann namens Jen, der Meni gerufen wurde, sein Vater Jenbeilu wurde als Inspektor des Schulwesens in die Stadt Fengdu versetzt und nahm seine Familie mit, Meni war ein schlanker junger Mann, immer guter Laune und seinen Altersgenossen in allen Dingen überlegen, er verstand ebenso schön zu schreiben wie zu malen, und spielte Gitarre und Schach gleich ausgezeichnet, bei all diesen Vorzügen war es nicht verwunderlich, daß der reiche Herr Tschang, der auf dem Lande lebte, ihn als Hauslehrer einstellte. Eines Tages wollte Meni seine Eltern besuchen, auf seiner Wanderung zur Stadt gelangte er zu einem Hain von Pfirsichbäumen die in voller Blüte standen, als er hielt um den Anblick zu genießen wurde er gewahr, daß sich zwischen den Zweigen eine schöne junge Dame zu verbergen trachtete, am nächsten Tag ging Meni absichtlich den gleichen Weg und diesmal ließ die Dame ihn in ihr Haus bitten.
Verbringt den Abend bei mir junger Herr.
Erlaubt mir nach eurem geehrten Familienamen zu fragen.
Der Name meiner unbedeutenden Familie ist Ping, mein Gatte, Herr Ping, ist leider kurze Zeit nach unserer Hochzeit gestorben und ich habe mich als Witwe in dieses Landhaus zurück gezogen, durch diese Heirat bin ich übrigens verwandt mit eurem hochgeschätzten Gönner Tschang.
Es entwickelte sich eine geistreiche Unterhaltung und, ohne daß sie es gewahr geworden, war die zehnte Abendstunde herangekommen, die schöne Dame geleitete Meni in ihr Schlafzimmer und sagte:
Schon seit langer Zeit lebe ich in diesem Haus in völliger Einsamkeit, nun hab ich heute Abend eure Höflichkeit und Liebenswürdigkeit kennengelernt, und ich kann mir nicht versagen, euch ein wenig meine Liebe zu zeigen, darum schlage ich euch vor, mir heute Nacht Gesellschaft zu leisten.
Das ist mein sehnlichster Wunsch, aber ich hätte niemals gewagt euch darum anzugehen.
Darauf entkleideten sie sich und gingen gemeinsam zu Bett, sie waren glücklich wie zwei im Wasser spielende Fische und vergaßen über ihrer Liebe die Welt um sich herum. Am nächsten Morgen beschenkte die schöne Dame Meni mit einem kostbaren Briefbeschwerer aus Jade, geleitete ihn zur Tür und sagte:
Wenn ihr nichts Besseres vorhabt, so kommt heute abend wieder. nehmt euch kein Beispiel an herzlosen und unzuverlässigen Menschen.
Einer solchen Ermahnung bedarf es bei mir nicht.
Sechs Monate vergingen ohne daß die Liebenden merkten wie die Zeit dahinfloß, sie betrachteten die Blumen und schauten zum Mond auf, sie sangen und schlürften Wein und versagten sich keinerlei menschliche Freude, aber das Unglück will es, daß das gute niemals von Dauer ist, so mußte auch für diese beiden liebenden das Ende ihres Glücks heran kommen, sein Vater und Herr Tschang entdecken zufällig, daß Meni seine Nächte weder im Elternhaus auf noch auf Tschangs Gut verbrachte, sie nahmen ihn streng ins Gebet, Meni sah ein daß es keinen Ausweg für ihn gab und berichtet von seiner Bekanntschaft mit der schönen Dame aus der Familie Ping, die eine Verwandte des Herrn Tschang sei, dieser sagte erstaunt:
Aber ich habe in dieser Gegend überhaupt keine Verwandten, und kein Zweig meiner Familie führt den Namen Ping, hinter deinem Erlebnis steckt sicher ein Spuk, ich rate dir dringend, vorsichtig zu sein und unter keinen Umständen noch einmal dieses Landhaus aufzusuchen.
Meni glaubte ihm nicht und besuchte am Abend, wie er es gewohnt war, seine schöne Geliebte, sie leerten einige Schälchen Wein miteinander und in der Nacht gaben sie sich ihrer Liebe hin, aber als der Morgen heraufdämmerte begann sie bitterlich zu weinen und sagte:
Wir werden auf immer getrennt werden.
Unter heißen Tränen nahmen sie voneinander Abschied, als Mengis Vater feststellte, daß sein Sohn wieder in jenem Haus übernachtet hatte, wurde er zornig und sagte zu Herrn Tschang:
Ich will mich von meinem zuchtlosen Sohn geführt selbst an jenen Ort bemühen und nachforschen.
Sie gingen zu dritt aus der Stadt und schlugen den Weg zum Pfirsichhain ein, als sie dort anlangten, reckten sie alle überrascht den Hals, rundum sahen sie nur glitzerndes Wasser und bewaldete Hügel, nichts weiter, vor ihnen ragte ein Dickicht mit Pfirsichbäumen auf, im Untergehölz schimmerte ein einfaches Grabdenkmal, das Haus war verschwunden, Herr Tschang schüttelte nachdenklich den Kopf.
Es wird erzählt, daß sich an dieser Stelle das Grab einer Kurtisane aus der Tang-Epoche befindet, Sedau war ihr Name, in einer späteren Generation erinnerten sich die Menschen der Worte des Dichters Jinku, zarte Pfirsichblüten bedecken Jaus Grab, und sie pflanzten an dieser Stelle mehrere hundert Pfirsichbäume an, damit sie zur Blütezeit darunter Lustwandeln konnte, die schöne Dame, der euer geschätzter Sohn begegnet ist, ist zweifellos Sedau gewesen, sie ist schon Jahrhunderte lang tot, aber ihr Geist ist anscheinend der gleiche geblieben, es ist ratsam, dieser Sache nicht weiter nachzugehen.
Meni studierte weiter und bestand auch die höchste Prüfung, mit der er den Grad eines Tshinshi, eines Doktor erwarb, er wurde nicht müde sein abenteuerliches Erlebnis zu erzählen, aber wie oft er auch an die schöne Geliebte dachte, er hat sie nicht wiedergesehen.
Die Geschichte, erotisch, aber eher elegisch als heiter, ist vorbei und auch mit unserer Sendung geht es dem Ende zu. Und am Himmel schwebt die Krähe, huscht der Hase dahin, auf Erden erscheinen die Menschen von heute, verschwinden die von gestern, wo einstmal Freude herrschte, ragt jetzt ein öder Hügel, in einem Augenblick wird Recht zu Unrecht, Sieg zur Niederlage, lerne jenseits von Lärm und Hast der Welt Ruhe zu finden.
Und jetzt wissen Sie, was Ping-Pong zur Ming-Zeit ist. Das wars. Ping Pong zur Ming-Zeit. Erotische Erzählungen aus dem alten China. Das Manuskript schrieb Michael Koser. Es sprachen: Almut Eggert, Rolf Marnitz, Klaus Nägelen, Henning Schlüter und Peer Schmidt. Aufnahmeleitung: Ingeborg Karn. Schnitt: Manfred Rabbel. Ton: Klaus Krüger. Regie: Dietrich Auerbach. RIAS Berlin 1977.
Kommentar von Hörspiele |
Michael Koser: Dies Blutbild ist bezaubernd schön (Ein Vampir-Hörspiel) (RIAS 1973)
Broker: Amsterdam, 17. Mai, 6 Uhr 15, in einer halben Stunde wird Prof. Vandenburg bei mir erscheinen, der international angesehene Experte auf dem Gebiet der okkulten Wissenschaften, er hat versprochen, mir meinen ersten Vampir vorzuführen, ich bin gespannt.
Prof.V: Wir sind da, Vorsicht, das ist der Sarkophag, fassen Sie mit an, der Deckel ist schwer, Sie haben doch das Kruzifix bei sich und den Knoblauch.
Broker: Natürlich. Im Sarg liegt ein älterer Mann, er wirkt entspannt, ruhig, als ob er schläft, ich habe das Gefühl, daß er mich durch die Wimpern hindurch beobachtet, seine Gesichtsfarbe ist ich würde sagen ausgesprochen gesund, die Lippen nein das ist geronnenes Blut in den Mundwinkeln, und dann zwei dunkle Linien bis zum Kinn.
Prof.V: Man muß nur daran glauben, wenn Sie den Pfahl festhalten würden, ginge es leichter, festhalten, er bäumt sich auf.
Broker: Blut spritzt auf, und jetzt, er zerfällt, er verwest vor meinen Augen, das Fleisch wird grün, löst sich von den Knochen, verschwindet, wird zu Stein.
Prof.V: So das wäre geschafft, Sie sind bleich, Mister Broker.
Broker: Das ist der Mond, ziemlich theatralisch das ganze, finden Sie nicht.
Varney: Das ist alles?
Carter: Ja, Mr. Varney, wenn Brokers Angaben stimmen, ist das Tonband vor einem guten Monat in Amsterdam aufgenommen worden.
Varney: Wann haben Sie es nach London bekommen?
Carter: Gestern von der Direktion des Hotels in dem Broker gewohnt hat, anscheinend hat er es in seinem Zimmer vergessen, als er abreiste.
Varney: Wann?
Carter: Am 18. Mai.
Varney: Wohin?
Carter: Unbekannt, wir haben seitdem nichts von ihm gehört, das ist ungewöhnlich, bei früheren Gelegenheiten hat uns Broker alle paar Tage informiert, ich mache mir Sorgen, Broker ist mein Autor.
Varney: Sie wollen ihn suchen?
Carter: Ja, wenn es Ihnen recht ist, werde ich nach Amsterdam fliegen, dieser Professor Vandenburg sollte aufzutreiben sein und kann mir vielleicht weiterhelfen.
Stewardeß: Madame, wir heißen sie an Bord herzlich willkommen... Amsterdam... Coffee or tea...
Prof.V: Das von den meisten Autoritäten empfohlene Mittel gegen Vampire ist natürlich der Essen-Pfahl, und ich habe nie etwas anderes benutzt.
Carter: Gewiß, um auf Broker zurückzukommen, Professor.
Prof.V: Oh ja natürlich, verzeihen Sie, Mr. Carter, wenn ich über meine Arbeit spreche vergesse ich alles anderes, Sie sind kein Adept.
Carter: Nein, wie ich schon sagte, ich bin ein Lektor, der seinen Autor sucht.
Prof.V: Ja, was Mr. Broker betrifft, ich hatte eigentlich erwartet, daß er nach unseren Erlebnissen in der Gruft seine Nachforschungen aufgeben würde, aber er war bei weitem nicht so beeindruckt wie wir, ich vermutet hatte, er wollte unbedingt am Ball bleiben, so sagen sie ja wohl.
Carter: Sie wissen, daß er einen Tag später abgereist ist.
Prof.V: Aber natürlich, mein Freund.
Carter: Wohin?
Prof.V: Daß Sie hartnäckig sind, wie unser Freund Broker, habe ich schon gehört.
Carter: Von wem?
Prof.V: Ist nicht von Bedeutung.
Carter: Sie wollen meine Fragen nicht beantworten.
Prof.V: Mr. Carter, ich weiß nicht, ob ich ihnen antworten darf, immerhin geht es hier um Geheimnisse, die nur für wenige bestimmt sind, die man nicht an den Straßenecken ausrufen kann, ich mache Ihnen einen Vorschlag, gehen Sie in Ihr Hotel zurück, warten Sie, es wird sich jemand mit Ihnen in Verbindung setzen, Sie werden neue Informationen erhalten, und können dann entscheiden, ob Sie Ihre Suche fortsetzen wollen, aber wenn Sie mir erlauben, Ihnen einen guten Rat zu geben, fliegen Sie nach London zurück, wir haben hier ein Sprichwort das sagt, wer sich in Gefahr begibt kommt darin um, übrigens, Sie haben doch ein Tonbandgerät in Ihrem Gepäck.
Frau: Dieses Tonband ist für Sie abgegeben worden von einer jungen Dame.
Carter: Hat sie ihren Namen hinterlassen?
Frau: Nein.
Carter: Danke.
Broker: Paris, 19. Mai, 23 Uhr, die zweite Etappe meiner Nachforschungen beginnt, ich werde an der Feier der geheimnisvollen schwarzen Messe teilnehmen und den berüchtigten AB Karl Melk kennenlernen, den Prof. Vandenburg für das Oberhaupt der Vampire in Frankreich hält, ich stehe vor dem alten Haus in der Avenue Huysmans, in dem Satanisten und Vampire ihre finsteren Rituale zelebrieren.
Mann: Losungswort?
Broker: Die Stunde der bleichen Eitergewässer ist gekommen.
Guru: Meister aller Untoten, der du austeilst die Wohltaten des Verbrechens, Verwalter der Sünden und Laster, Satan, wir beten dich an und erflehen für uns Ruhm, Reichtum und Macht.
Frau: Satan.
Broker: Der Raum, in dem ich mich befinde, ist voller Menschen, etwa 50 Personen, schätze ich, meist ältere Frauen, gut genährt, gut gekleidet, sie starren in Verzückung auf den schwarzen Altar, auf die Statue des Teufels mit den blutigen Reißzähnen, auf den häßlichen alten Mann, in blutroter Robe, der mit obszönen Gesten seine Litanei herunterbetet.
Guru: Meister Satan Dracula, großer Drache, deine treuen Diener flehen dich auf den Knien an, hilf uns bei Missetaten, auf daß menschliche Vernunft sie nicht ergründe.
Frau: Meister.
Broker: Qualmende Räuchergefäße auf dem Altar, trotzdem riecht es hier vor allem nach sehr menschlichem Schweiß, meine Augen tränen, der Gestank ist kaum zum aushalten.
Guru: Verbrennt Raute, Blätter von Bilsenkraut und Stechapfel, trocknet Myrrhe, das sind Gerüche angenehm Satan unserem Herrn und nun vermischt euch zur Ehre unseres Meisters.
Frau: Ah.
Broker: Jetzt scheinen die Gläubigen in eine Art Trance zu geraten, sie bewegen sich rhythmisch, sie fangen an, sich die Kleider vom Leib zu reißen, sie fallen übereinander her, komisch, Gruppensex, eine gutbürgerliche Massenorgie, ich hatte mir eigentlich etwas anders vorgestellt, etwas gefährlicheres, größeres als nur Ersatzbefriedigung zu kurzgekommener Muttchen, das war mir ein bißchen zu tief unten, hoffentlich bringt die nächste Spur mehr ein, Carmelia hat ein äußerst interessantes Treffen für mich arrangiert.
Stewardeß: International Airlines bitten alle Passagiere für Flug Nr. 333 nach Paris zum Ausgang B, ihre Maschine ist startbereit, Madame und Monsieur... O Champs Elysees. Kaffee, Tee?
Carter: Ich war in Paris, ich saß in meinem Hotelzimmer und dachte darüber nach, wie ich das alte Haus in der Avenue Huysmans finden könnte, allerdings gab ich mir keine große Mühe, einen Plan auszuarbeiten, wahrscheinlich rechnete ich damit, daß ich wie in Amsterdam ohne mein zutun einen neuen Hinweis bekommen würde, außerdem hatte ich noch ein zusätzliches Problem, wer war Carmelia?
Carter: Hallo?
Carmelia: Gehen Sie zum Hauptpostamt zur Abteilung für postlagernde Sendungen, Sie werden ein Päckchen finden, das auf Ihren Namen aufgeben wurde.
Carter: Mit einem Tonband?
Carmelia: Ja, wenn Sie es abgehört haben werden Sie wissen was Sie zu tun haben.
Carter: Wer sind Sie?
Carmelia: Ich heiße Carmelia.
Carter: Können wir uns treffen?
Broker: Paris 20. Mai 3 Uhr 45 morgens, im heißen Samowar, einem Lokal, das als Treffpunkt osteuropäischer Emigranten gilt, warte ich auf meine nächste Kontaktperson, es ist niemand anders als Graf Dracul aus dem berühmten Geschlecht der transsylvanischen Draculas.
Graf: Hört, in 15. Jahrhundert lebt der Dracul, töten tat er tausend Türken, 1000 Ungarn und Rumänen, Herr war er der Walachei, schön?
Broker: Sehr schön.
Kellner: Was darf ich bringen?
Graf: Sie haben, wie sagt man, Spesen, Mr. Broker?
Broker: Nur zu, bestellen Sie, was sie wollen.
Graf: Gut, ich will haben eine Bloody Mary, rot und warm.
Broker: Pink Gin.
Graf: Aha, sie kommen auf Geschmack, bißchen rosa ja, hören sie, Lieblingsstrophe von Heldenlied, seine langen spitzen Zähne schlug er in den Hals der Mädchen, schlürfte Blut aus ihren Adern, bis sie bleich darniedersanken, Furcht ergriff das ganze Land, ah, waren schöne Zeiten damals in Transsylvanien, Land meiner Väter.
Broker: Sicher, und heute?
Graf: Sakrada, heute Volksrepublik Transsylvanien hat weggenommen alle Länder, Schloß und Güter, leibeigene Bauern, ich bin vertrieben von Scholle, heimatlos in Fremde, sehr traurig, Mister Broker.
Broker: Aber ihre nächtlichen Aktivitäten, ich meine, sie sind hier und heute noch als Vampir tätig, wie damals?
Graf: Ach Mr. Broker, kein Geld, keine Leibeigenen, die stillhalten, keine Zähne, zu alt, alles vorbei, alles anders, kein Blut mehr, Mr. Broker, nur noch Bloody Mary.
Broker: Darf ich Ihnen noch etwas bestellen?
Graf: Ich danke, nein ich muß zu Hause sein wenn Sirene von Renoir ertönt.
Broker: Sie müssen in Ihren Sarg zurück?
Graf: Sie sind Romantiker, Mister Broker, nein, nein, früher einmal, jetzt geh ich in mein Bett, Fernsehen, hat mich gefreut, übrigens wenn Sie wollen Informationen über moderne Vampire, Sie sollten fahren nach Amerika, zu meinem reichen Vetter in New Transsylvania, Kalifornien.
Carter: New Transsylvania Californien, USA.
Mann: Rezeption?
Carter, Zimmer 99, buchen Sie für mich einen Flug nach San Francisco.
Stewardeß: International Airlines bitten alle Passagiere für Flug 666 nach San Francisco zum Ausgang C, ihre Maschine ist startbereit, ladies and gentlemen, we welcome you on bord. If youre going to San Francisco. Coffee or Tea?
Mann: Willkommen in Newmans, der erfolgreichsten kleinen Stadt in den ganzen großen United States, ehe Sie etwas anderes unternehmen, sollten Sie sich ein Vergnügen gönnen, besuchen Sie Vampireland, die größte Attraktion in den ganzen großen United States, yes sir, lehrreich, spannend, amüsant, sollten sie nicht versäumen, in einer halben Stunden fahrt die nächste Kutsche.
Carter: Vampireland, Vampirland, das klang vielversprechend, alles was Broker erlebt und was ich auf den Tonbändern gehört hatte, konnte eigentlich nur Kulisse sein, eine uralte Geschichte, die dadurch nicht wirklicher wurde, daß irgendjemand sie aus verstaubten Büchern herausgesucht und neu aufbereitet hatte, worum es wirklich ging, konnte ich möglicherweise im Vampirland erfahren, was immer das sein möchte.
Carmelia: Ich darf sie auf unserer Rundreise durch Vampireland begrüßen, ich bin ihre Führerin und heiße Carmilla.
Carter: Carmelia, haben Sie mich in Paris angerufen?
Carmelia: Später, Mr. Carter, bevor unsere Fahrt zu Ende ist, werden Sie mehr wissen, jetzt lassen Sie mich meine Arbeit tun, bitte. Vampireland, meine Herrschaften wurde erst vor wenigen Jahren errichtet von der International Vampires Company, als originalgetreue stilechte Imitation der transsylvanischen Karpatenlandschaft mit ihren Wäldern und Bergen, mit ihren geheuren und weniger geheuren Bewohnern, die Anlage kostete 50 Mio. Dollar.
Frau: Wonderful!
Carmelia: Wir verlassen jetzt den Highway und fahren durch ein echt mittelalterliches Tor in Vampireland ein, Blende 8, 1 fünfzigstel, es wird dunkel, blutrot versinkt die Sonne hinter dem Kosovoberg, auf dem Sie vorn rechts Draculas Schloß sehen, die Wölfe, Kinder der Nacht, regen sich in ihren Schlupfwinkeln, sie wittern den geheimnisvollen Unbekannten, der Macht über sie hat, Fledermäuse sirren durch die schwüle Luft, das ist die Stunde, in der Dracula erwacht. Ah! Kein Grund zur Beunruhigung, es handelt sich nur um optische und akustische Spezialeffekte, für Sie programmiert und arrangiert von International Vampires Company.
Frau: Wonderful.
Carmelia: Meine Damen und Herren, wir haben nun unser Nachtquartier, den alten transsylvanischen Gasthof zur goldenen Krone erreicht, International Vampires Company wünscht Ihnen einen erholsamen Aufenthalt, angenehmes Gruseln und eine gute Nacht.
Frau: Wonderful.
Carmelia: Mr. Carter, Sie werden in Ihrem Zimmer außer Ihrem obligatorischen Knoblauchkranz ein Tonband finden.
Carter: Mit schönen Grüßen von Dracula?
Carmelia: Vielleicht.
Carter: Wonderful.
Broker: New Transsylvania 23. Mai, 18 Uhr 30, heute nacht werde ich Vampireland erkunden, auf eigene Faust, und wenn mehr dahintersteckt, als nur eine Touristenattraktion, werde ich es herausbekommen. Vor mir liegt Draculas Schloß, ein Horrorgedicht in bester amerikanischer Neugotik, wahrscheinlich aus Gips und Plastik, aber doch irgendwie beeindruckend.
Mann: Seien Sie willkommen, Sie werden erwartet.
Broker: Wieso, niemand weiß, daß ich hier bin.
Mann: Folgen Sie mir.
Broker: Ich bin in einem Zimmer, das offenbar für einen späten Gast hergerichtet wurde, für mich? Die Atmosphäre ist, wie soll ich sagen, nicht geheuer, ich bin kein Feigling, aber ich habe das Fenster verriegelt und die Tür abgeschlossen, Carmelia, Carmelia!
Carmelia: Meine Augen brennen in dich hinein und deine Kraft wird zu Wasser, ich liebe in deinem warmen leben und du sollst in meinem sterben.
Broker: Laß doch den Unsinn, deine Zähne.
Carmelia: Liebe braucht Opfer und Opfer sind blutig, ich vergehe vor Sehnsucht nach deinem warmen roten Blut.
Broker: Carmelia!
Carmelia: Mein Biß ist sehr süß und sehr bitter.
Carmelia: Mein Biß ist sehr süß und sehr bitter.
Carter: Das zieht bei mir nicht, Schluß damit.
Carmelia: Willst du dich nicht von mir beißen lassen.
Carter: Nein, vielen Dank, ich will wissen, was hier gespielt wird.
Carmelia: Sie reagieren genau wie Broker, das war vorauszusehen, wir wollten es wenigstens versuchen, Sie sind schwer zu beeindrucken, Mister Carter, nicht gerade ein Kompliment für meine vampirischen Fähigkeiten.
Carter: Tut mir leid, was jetzt?
Carmelia: Kommen Sie mit.
Carter: Wohin?
Carmelia: Zur Direktion von International Vampires, Sie wollten doch wissen, was los ist, wir gehen in den Keller und fahren durch einen Gang unseres unteririschen Kommunikationssystems in einer Druckluftkapsel, einer Art Rohrpost, in ein paar Minuten sind wir im Hochhaus.
Carter: Mr. Varney.
Varney: Mr. Carter.
Carter: Sie sind doch in London.
Varney: Was bedeutet ein Ort, was bedeutet ein Name, ich bin einer und ich bin viele, hier bin ich Mr. Dracula, Chef der International Vampire Company, Generaldirektor und Besitzer der Aktienmajorität, einer der reichsten Männer im reichsten Land der Erde, sagen Sie nichts, Carmelia das Tonband, hören Sie, was ich Mister Broker zu sagen hatte, ich liebe es nicht mich zu wiederholen.
Broker: Das steckt also hinter der ganzen Horrorshow, Kapital, eine Firma.
Varney: Die Firma, Mister Broker, Geld ist Leben und Leben ist Blut, 3. Buch Moses Kapitel 17 der Zeit angepaßt, Voltaire, Sie kennen Voltaire?
Broker: Flüchtig.
Varney: Voltaire sagt: Die wahren Blutsauger wohnen nicht auf den Friedhöfen, sondern in wesentlich angenehmeren Palästen, ein wahres Wort, wir haben Paläste und Fabriken in allen Ländern, die Öffentlichkeit kennt uns nicht, wir schätzen es nicht, wenn jemand von außen uns zu nahe kommt, wie Sie, Sie haben sich von den für Sie arrangierten Aufführungen unserer Filialen nicht irreführen lassen, das spricht für Sie.
Broker: Danke.
Varney: Reißzähne, Sarkophage, transsylvanische Grafen und schwarze Messen, darüber ist die Zeit hinweggegangen, Feierabendhorror, weiter nichts, es gibt schlimmeres, Gasöfen, qualmende Schornsteine, tote Fische in den Flüssen, verhungernde Kinder, lebende Fließbandautomaten, das ist unser Horror, der neue Horror, Mr. Broker, daran verdienen wir.
Broker: Und sicher nicht schlecht.
Varney: Ganz recht, natürlich pflegen wir auch die Tradition, Vampireland und seine Ableger in Amsterdam und Paris sind Launen von mir, allerdings Launen, die Geld bringen, Sie sind alert und zielbewußt, Mr. Broker, wir können Sie gebrauchen, kommen zu International Vampires, verdienen Sie mit, werden Sie einer von uns, werden Sie Vampir.
Carter: Wie hat Broker sich entschieden?
Varney: Positiv natürlich, er ist jetzt einer meiner Stellvertreter, sehr tüchtig, ein Gewinn für die Firma, wollen sie ihn sprechen?
Carmelia: Verzeihung Mr. Dracula, ich fürchte Mr. Broker hat keinen Termin frei, die Arbeit an unserem neuen Projekt.
Varney: Ah ja, bedauerlich, was sie betrifft Mr. Carter, ich mache Ihnen das gleiche Angebot, entscheiden Sie sich schnell, Zeit ist Geld, Geld ist Leben usw.
Carter: Nein ich lehne ab, mit Dank, wenn sie wollen, aber unwiderruflich, ihre Firma gefällt mir nicht.
Varney: Schade, Sie sind ein Idealist, Mister Carter, ich respektiere ihre Entscheidung, leben sie wohl.
Carter: Sie lassen mich gehen?
Varney: Natürlich, wofür halten Sie uns, gehen Sie.
Carmelia: Gute Reise.
Carter: Im Wartesaal des Flughafens dachte ich nach über die fantastische Geschichte, in die ich geraten war und darüber, was ich jetzt tun sollte, zu Varna Dracula, zum Verlag konnte und wollte ich nicht mehr zurück, ich hatte mir einiges zurückgelegt, vielleicht sollte ich mich für ein halbes Jahr zurückziehen und das Buch schreiben, das Broker nicht mehr schreiben würde, es erschien mir wichtig, anderen mitzuteilen, was ich erfahren hatte, möglicherweise würde man mir sogar glauben, ich zweifelte allerdings daran, daß es etwas nützen würde, was hilft schon gegen Vampire, ein Buch, ich weiß nicht.
Stewardeß: International Airlines bitten alle Passagiere für Flug Nr. 999 nach London zum Ausgang B, ihre Maschine ist startbereit, ladies and gentlemen we welcome you on board.
Carmelia: Auf dem Flug von San Francisco nach London ist gestern gegen 19 Uhr Ortszeit eine mit 6 Besatzungsmitgliedern und 52 Passagieren besetzte Maschine der International Airlines über dem Nordatlantik abgestürzt, es muß damit gerechnet werden, daß keiner der Insassen den Absturz überlebte.
Varney: Gut gemacht, Carmelia.
Carmelia: Armer Mister Carter.
Varney: Er wußte zu viel, und jetzt wieder an die Arbeit.
Stan Broker: Martin Hirthe
Michel Carter: Michael Degen
Varney: Sigmar Schneider
Professor Vandenborg: Gerd Martienzen
Graf Dracul: Georg Braun
Carmelia: Christine Merthan
Stewardeß: Iris Hahnemann
Pförtner: Paul Hubschmid
Ordog: Dietrich Frauboes
Immer wieder angespielter Song im Hörspiel: Aphrodites Child - The Four Horsemen
Kommentar von Hörspiele |
Michael Koser: Tote singen nicht (Kriminalparodie) (auf Raymond Chandler) (RIAS/SWF 1971)
Phil Marlin: Das Haus war der gemeinsame Alptraum eines größenwahnsinnigen Architekten und eines Bauherrn, der zuviel Geld hatte, eine unwahrscheinliche Kreuzung aus gotischem Palazzo, maurischer Kathedrale und griechischem Eiscreme. Aber ich war ja nicht hier, um den Geschmack der oberen Zehntausend zu beurteilen. Mister Waterson ließ mich warten. Er konnte sich das leisten, er hatte eine Empfangshalle so groß wie das Landedeck eines Flugzeugträgers, einen fast echten englischen Butler, den er wahrscheinlich auf einer Antiquitätenmesse ersteigert hatte, und mehr Dollars als die übrige Stadt zusammen, und ich war bloß ein kleiner Fisch, mein Auto war drei Jahre alt, mein Anzug war auch, und mein letzter Kontoauszug war das Papier nicht wert, auf dem er gedruckt stand.
Waterson: Sie sind mir empfohlen worden, Mister Marlin und ich habe Sie aus Los Angeles kommen lassen, weil es in unserer sauberen kleinen Stadt keine Privatdetektive gibt.
Marlin: Bourbon on the rocks.
Waterson: Bitte?
Marlin: Sie haben vergessen, mir was anzubieten, oder gibt es in Ihrer sauberen kleinen Stadt auch keinen Alkohol?
Waterson: Ich glaube nicht, daß mir Ihr Ton gefällt.
Marlin: Den kriegen Sie gratis, ich koste 100 Dollar pro Tag plus Spesen, dafür bekommen Sie einen verhältnismäßig unbestechlichen Detektiv, der regelmäßig zum Friseur geht und sich dreimal am Tag die Hände wäscht, wenn Sie einen Heiligen brauchen, hätten Sie dem Papst schreiben sollen, haben Sie einen Auftrag für mich oder nicht?
Waterson: Ja, ich werde mich bemühen, Ihr Benehmen zu ignorieren.
Marlin: Wenn Ihnen dabei wohler ist, also, ich höre.
Waterson: Es geht um meinen Schwager, den Bruder meiner Frau, William Chain, 28 Jahre er ist seit 4 Tagen verschwunden und sie sollen ihn auftreiben hier ist ein Foto.
Marlin: Warum gehen Sie damit nicht zur Polizei.
Waterson: Bill war, ist in letzter Zeit, wie soll ich sagen, etwas merkwürdig, seit er drüben verwundet und nach Hause abgeschoben wurde.
Marlin: Nicht ganz richtig im Kopf.
Waterson: Wenn Sie es unbedingt so ausdrücken wollen ja, wir fürchten, das heißt meine Frau fürchtet, daß er etwas anstellen könnte, etwas Kriminelles.
Marlin: Wo soll ich ansetzen, ich, ich brauche Informationen.
Waterson: Natürlich, ich habe Ihnen ein Hotelzimmer reservieren lassen, Sie halten sich dort auf, bis sich meine Frau mit Ihnen in Verbindung setzt, sie kennt Bill besser als ich und wird Sie informieren.
Empfangschef: Ihr Schlüssel, Sir, Zimmer 207.
Marlin: Danke.
Empfangschef: Sind Sie das erste Mal in San Pedro, eine saubere, kleine Stadt, Sir, wir sind stolz darauf...
Marlin: Ja, ja, das kenn ich schon, heben Sie sich das für den nächsten auf und schicken Sie mir in zehn Minuten eine Flasche Bourbon aufs Zimmer.
Marlin: Die Atmosphäre des Zimmers schlug mir entgegen, wie das zahnlose Grinsen einer uralten Frau, es stank nach Chlor und verborgenen Sünden, ich machte das Fenster auf und vertrieb mir die Zeit mit meiner Flasche. Ja?
Waterson: Lassen Sie die Finger vom Fall Chain. Wenn Sie wissen, was gut für Sie ist, verschwinden Sie aus der Stadt.
Marlin: Hören Sie mal gut zu...
Violet: Mister Marlin? Hier ist Violet Waterson!
Marlin: Ach so, wer weiß, außer Ihnen und Ihrem Mann, noch davon, daß ich hier in der Stadt bin?
Violet: Niemand, warum fragen Sie.
Marlin: Es ist nicht wichtig, was wollten Sie mir sagen, Mrs. Waterson?
Violet: Nicht jetzt, treffen Sie mich heute abend im Tijuana-Klub, gegen neun.
Marlin: Muß das sein.
Violet: Sie sind nicht sehr höflich, Mister Marlin.
Marlin: Ich habe einen Job.
Violet: Deshalb will ich mich ja mit Ihnen treffen, seien Sie pünktlich.
Kellner: Bitte Sir, Mrs. Waterson.
Marlin: Danke, bringen Sie mir einen Martini.
Kellner: Trocken, Sir?
Marlin: Wie die Sahara.
Kellner: Sehr wohl.
Marlin: Sind Sie nicht ein bißchen zu jung für Ihren Mann?
Violet: Danke, sehen Sie nicht ein bißchen zu gut aus für einen Privatdetektiv?
Marlin: Och, durch jahrelanges Bodybuilding entwickelte ich mich vom Schwächling zum kraftvollen Wunschtraum der Frauen, wo ist ihr Bruder?
Violet: Ich weiß nicht, bitte, Mister Marlin, Sie müssen ihn finden, bevor er noch mehr Unheil anrichtet.
Marlin: Unheil, was für Unheil, Mrs. Waterson?
Violet: Nennen Sie mich Violet.
Marlin: Was für Unheil, Mrs. Waterson?
Violet: Ich mach mir Sorgen um Bill, wissen Sie, ich hab mich immer für ihn verantwortlich gefühlt, obwohl er älter ist als ich.
Marlin: Warum haben Sie mich hierher bestellt?
Violet: Bill ist mit einem Mädchen befreundet, das bis vor kurzem im Klub gearbeitet hat, eine Tänzerin, Kokola Bern, so nannte sie sich jedenfalls, ein unmögliches Wesen, vulgär, ich hab nie verstanden, was Bill an ihr fand, geben Sie sich Mühe, meinetwegen, und wenn Sie was herausbekommen haben, rufen Sie mich an, ich bin immer für Sie zu sprechen, wenn Sie Bill gefunden haben, dürfen Sie mich zu Champagner einladen.
Marlin: Violet, ich mag Blonde, besonders wenn sie eine Figur wie Marilyn Monroe haben, als meine Knie nicht mehr zitterten, ging ich an die Bar, in einer viertel Stunde hatte ich die Adresse von Kokola Vern alias Maggie Pulaski.
Maggie Pulaski: Sie wandeln nicht auf dem Pfade des Lichts.
Marlin: Wie war das?
Maggie Pulaski: Ihre Aura ist unrein, Ihre Seele wälzt sich im Schlamm wie ein Tier, Sie sind der Versucher, der Dämon, der den Kindern des Lichts Fallstricke legt.
Marlin: Wo ist Bill Chain, Ihr Freund Chain, verstehen Sie mich?
Maggie Pulaski: Führe uns nicht in Versuchung, gehen Sie, verdunkeln Sie nicht durch Ihre Gegenwart das Licht, das nur den Reinen scheint, gehen Sie...
Marlin: Eine geladene und entsicherte 38er kann auch in einer zitternden Hand sehr überzeugend wirken, ich zuckte die Achseln und ging.
Marlin: Sie wandeln nicht auf dem Pfade des Lichts.
Empfangschef: Verzeihung, Sir?
Marlin: Sie sind der Dämon, der den Kindern des Lichts Fallstricke legt, sagt Ihnen das was?
Empfangschef: Ich wüßte nicht. – Oh, besten Dank, Sir.
Marlin: Kommt jetzt die Erleuchtung, wandeln Sie nun auf dem Pfade des Lichts?
Empfangschef: Könnte sein, die Vereinigung der Freunde des Lichts, eine Sekte, irgendwie östlich, glaube ich, indisch oder so, der Chef nennt sich Guru, wirkt sehr auf Frauen, ich habe gehört, daß er ganz gut davon leben kann.
Marlin: Ja, was es nicht alles gibt, in Ihrer sauberen, kleinen Stadt.
Marlin: In dieser Nacht träumte ich von Violet Waterson, es war ein wunderschöner Traum, in Breitwand und Technicolor.
Marlin: Ja?
Piet: Hä-hä-hä-hä-hä-hä-Hände hoch!
Toni: Halts Maul, Piet, ich würde an Ihrer Stelle die Hände hochnehmen, Mister Marlin, wir haben zwei Kanonen und können damit umgehen, wie man so sagt, sieh dir mal seine Brieftasche an, Piet, sieh mal an, ein Privatdetektiv, ein mieser Schnüffler, wie man so sagt, das hätte ich nicht von Ihnen gedacht, Mister Marlin, ich glaube, wir müssen Ihnen eine kleine Lektion erteilen, Mister Marlin, Sie schnüffeln hinter Bill Chain her, der Boss schätzt das nicht, Sie werden von hier verschwinden und wir werden Ihnen Beine machen, wie man so sagt, brat ihm eine über, Piet.
Piet: Au!
Toni: Halts Maul, Piet, Mister Marlin, Sie haben meinem Kumpel den Unterkiefer gebrochen, das gehört sich aber gar nicht.
Marlin: Hören Sie, mein Freundchen, ich bestimme jetzt, was sich gehört, ich habe eure Kanonen und ich kann auch damit umgehen, raus hier, los raus.
Toni: Mister Marlin, wir sehen uns noch.
Marlin: Ja, das werden wir ja sehen.
Marlin: Ich konnte mir denken, wer die beiden Figuren auf mich losgelassen hatte, und die silberne Kette aus Indien, die an Piets ungewaschenem Hals ebenso fehl am Platz war wie eine Jungfrau im Bordell, machte mich noch sicherer, es wurde Zeit, daß ich mir diesen Guru mal ansah, schlägt dich einer auf die rechte Wange, so tritt ihm dafür kräftig in den Bauch, wie man so sagt.
Guru: Wie war der Name?
Marlin: Chain, William Chain.
Guru: Und Sie glauben, daß er ein Erleuchteter ist, ein Jünger des Karma?
Marlin: Ich glaube, daß er zu Ihrem Verein gehört, wenn Sie das meinen, und daß Sie mir sagen können, wo er steckt.
Guru: Wer auf dem Pfade des Lichts wandelt, hat die unreinen Tiefen des Irdischen hinter sich gelassen.
Marlin: Das zieht bei mir nicht.
Guru: Drohen Sie mir, Mister Marlin?
Marlin: Sie haben mir doch diese beiden Witzbolde mit Kanonen auf den Hals gehetzt, das ist meiner Aura nicht gerade gut bekommen.
Guru: Sie versündigen sich an den Geheimnissen des Karma.
Marlin: Ach hören Sie doch auf, Sie sind hier nicht in Ihrem Tempel oder wie Sie das nennen, reden Sie Klartext, an Ihrer religiösen Masche bin ich nicht interessiert.
Guru: Ich habe Sie unterschätzt, Mister Marlin, wie Sie mit meinen, nun ja, Abgesandten fertig geworden sind, Kompliment.
Marlin: Ach, nicht der Rede wert, so was mach ich jeden Morgen vor dem Frühstück, außer Sonntags.
Guru: Ich könnte Sie gebrauchen, wenn wir die Sache zusammen deichseln, kann nichts mehr schief gehen, ich beteilige Sie, ein Millionengeschäft, Mister Marlin.
Marlin: Wo ist Chain?
Guru: Chain, Chain, Chain ist unwichtig, das wissen Sie doch, ich weiß, wer Sie bezahlt und warum Waterson so scharf darauf ist, seinen Schwager wieder in die Hand zu bekommen, überlegen Sie sich die Sache!
Marlin: Ich verstand überhaupt nichts mehr, aber ich hatte ein merkwürdiges Gefühl, Phil Marlins berühmte Vorahnung, deshalb fuhr ich den Wagen nur um die Ecke und wartete, nach einer halben Stunde erschien eine alte Bekannte, Miss Magie Pulaski, die da auf dem Pfade des Lichts wandelte, sie verschwand im Haus des Guru und kam nach kurzer Zeit mit einem Mann zurück, ich brauchte nicht auf das Foto zu sehen, um ihn zu identifizieren, mein Gefühl hatte recht gehabt, ich fuhr hinterher, wir hielten in einer ruhigen Straße am Stadtrand, Magie Pulaski ging mit Chain in einen Bungalow, ich wartete, die Minuten schichteten sich aufeinander wie zerschundene Autos auf einem Schrottplatz, schließlich kam Magie allein zurück, setzte sich in ihren Wagen und fuhr ab, ich suchte einen drugstore in der Nähe, um meinen Auftraggeber anzurufen: Es begann zu regnen.
Violet: Phil. Wie sieht er aus?
Waterson: Gute Arbeit, Marlin, wo steckt er?
Marlin: Das habe ich Ihrer Frau schon gesagt.
Waterson: Gut, warten Sie da, ich bin in einer halben Stunde bei Ihnen, übrigens, was für einen Wagen fahren Sie?
Marlin: Buick, grün, bißchen angerostet, warum?
Radio: ...der befleckt noch furchtsam ist, der Detektiv in Geschichten dieser Art muß solch ein Mann sein, er ist der Held, er ist alles, er muß ein vollkommener Mann sein und ein gewöhnlicher Mann, und er muß doch ein...
Polizist Mac: Das ist er, Chef, grüner Buick.
Marlin: Wenn Sie sich meinen Wagen lange genug angesehen haben, können Sie mir vielleicht sagen, was Sie von mir wollen?
Polizist: Sie stehen im Parkverbot, Mister!
Marlin: Ich brech gleich in Tränen aus, wo ist denn das Schild?
Polizist: Wenn die Polizei sagt, daß Sie im Parkverbot stehen, dann stehen Sie im Parkverbot. Aussteigen!
Marlin: Moment mal, nehmen Sie Ihre verdammten Pfoten von meinem Wagen!
Marlin: Der Griff einer Polizeipistole an meinem Hinterkopf war das letzte, was ich spürte. Ich war Tarzan und hüpfte im Urwald von Ast zu Ast, ich rief den Kampfschrei der großen Menschenaffen und zertrat alle Bullen der Welt unter meinen großen Füßen, ich war der größte, und Violet Waterson sah bewundernd zu mir auf, wenn mir nur der Kopf nicht so weh getan hätte...
Polizeichef: Wird aussagen, was wir ihm beibringen. Ja, Marlin ist dran, bei dem Beweismaterial schickt ihn jede Jury in die Gaskammer. Der Guru? Marlin muß eben gestehen, daß er Chain in seinem Auftrag umgelegt hat, dann sind wir die ganze Bande los, wenn er nicht will, laß ich ihn auf der Flucht erschießen, sowieso sicherer, natürlich, gefälschte Aussage, kein Problem, die Papiere bring ich Ihnen, sobald ich Zeit habe, ok, danke.
Polizist: Chef, er wird wach.
Polizeichef: Dann werden wir uns doch mal um Mister Marlin kümmern.
Marlin: Ich lag in einem Zimmer auf einem weichen Berberteppich, meine Luger hatte ich in der Hand, ich brauchte nicht am Lauf zu riechen, um zu wissen, daß sie vor kurzem abgefeuert worden war, neben mir lag Bill Chain, tot, mit einem häßlichen Loch im Kopf, die Bullen waren auch da, allmählich wurde mir die Sache klar, ich hätte mich selbst zusammenschlagen können, wenn das nicht schon jemand anders für mich erledigt hätte.
Polizeichef: Nehmen Sie ihm die Pistole weg, Mac.
Marlin: Kann ich, kann ich eine Zigarette haben?
Polizeichef: Erst wenn Sie Ihre Aussage gemacht haben.
Marlin: Sie haben mich niedergeschlagen.
Polizeichef: Natürlich, schließlich haben wir Sie bei einem Mord erwischt, warum haben Sie Chain erschossen, der Guru hat Sie dafür bezahlt, stimmts?
Marlin: Erzählen Sie doch weiter, Sie, Sie wissen ja mehr als ich, haben sich doch schon alles zurechtgelegt.
Polizist: Da hat er recht, Chef.
Polizeichef: Wir haben sogar schon ein schriftliches Geständnis.
Marlin: Gute Arbeit.
Polizeichef: Sie waren heute morgen beim Guru und haben von ihm den Auftrag bekommen, Chain umzulegen, und das haben Sie dann auch gleich getan, mit Ihrer eigenen Kanone, Sie brauchen nur noch zu unterschreiben.
Marlin: Ach, machen Sie es selber, ich... auf eine kleine Urkundenfälschung kommt es doch sicher nicht mehr an...
Polizist: Ein Witzbold, Chef.
Polizeichef: Wie Sie wollen, Marlin, Plan Nummer zwei, Mac, nehmen Sie sich zwei Leute und fahren Sie Mister Marlin zum Präsidium, Sie sind persönlich für ihn verantwortlich, bei einem Fluchtversuch wird sofort scharf geschossen.
Polizist: OK, Chef, kleiner Umweg über den Wald, sicherheitshalber?
Polizeichef: Sie haben es erfaßt.
Marlin: Kann ich... kann ich jetzt eine Zigarette haben?
Polizist: OK, hier, halt mal an, steigen Sie aus, Marlin.
Marlin: Endstation Sehnsucht.
Polizist: Raus, wir haben nicht viel Zeit, los, los, noch ein paar Schritte, wir wollen es uns doch nicht zu leicht machen.
Piet: Ha-ha-ha-hallo?
Toni: Halts Maul Piet, seien Sie beruhigt Mister Marlin das war fünf Minuten vor zwölf wie man so sagt, kommen Sie, unser Wagen steht gleich hier auf dem Waldweg.
Marlin: Erinnern Sie mich daran, daß ich Sie in meinem Testament bedenke, auch wenn Sie an Mundgeruch leiden... wohin?
Toni: Zum Boss natürlich, seine Heiligkeit, der Guru, will mit Ihnen die Karre aus dem Dreck ziehen, wie man so sagt, hahahaha...
Marlin: Haben Sie mal eine Zigarette für mich? Danke.
Guru: Spielen Sie Schach, Mister Marlin?
Marlin: Ja.
Guru: Ich hab mich manchmal gefragt, Mister Marlin, was sich wohl ein Bauer denkt, der auf dem Feld hin und hergeschoben wird, wenn er denken könnte, natürlich, sagen Sie es mir.
Marlin: Was hatte Chain gegen Waterson in der Hand?
Guru: Sieh da, Sie haben nachgedacht, Mister Marlin, es nützt Ihnen zwar nichts mehr, aber Sie geben sich Mühe, lobenswert.
Marlin: Danke, darf ich mich eins rauf setzen?
Guru: Waterson ist der heimliche Boss unserer kleinen sauberen Stadt, Mister Marlin, mit dem Polizeichef zusammen kontrolliert er alles was Geld bringt, Bars, Spielhöllen, das Rauschgiftgeschäft, was Sie wollen, Chain hatte keine Ahnung davon, aber als er vom Militär entlassen wurde, und bei Waterson wohnte, stieß er zufällig auf Unterlagen, interne Abrechnungen, Geschäftspapiere, er war entsetzt, moralisch entrüstet, glaubte immer noch an Sauberkeit, verstehen Sie, an den amerikanischen Traum, deshalb nahm er die Papiere an sich, um Waterson hochgehen zu lassen, zur Polizei konnte er damit natürlich nicht gehen, aber er hatte jemand, dem er sich anvertrauen konnte, einen geistigen Ratgeber, der ihn auf dem Pfade des Lichts zur Vollkommenheit führte.
Marlin: Und Sie sahen Ihre große Chance, Sie nahmen Chain bei sich auf, versteckten ihn und benutzten seine Papiere um Waterson zu erpressen, die fromme Hochstapelei genügte Ihnen nicht mehr, Sie wollten in das ganz große Geschäft einsteigen.
Guru: Sehr gut, Mister Marlin.
Marlin: Aber Waterson war gerissener als Sie, er kriegte heraus, wo Chain steckte, und ließ ihn von der Polizei umlegen.
Toni: Tote singen nicht, wie man so sagt.
Marlin: Außerdem ließ er Beweismaterial fälschen, um Sie in den Mord an Chain zu verwickeln, Sie haben Ihr Spiel verloren.
Guru: Noch nicht, Mister Marlin, Toni, Piet, seht mal nach, wer da ist, will jetzt nicht gestört werden.
Toni: OK, Boss.
Guru: Noch nicht, Mister Marlin, ich habe Sie, und Sie wissen, wer Chain erschossen hat und warum, ich biete Waterson ein Geschäft an, wenn er mich beteiligt, liefere ich Sie der Polizei aus, als Leiche natürlich.
Polizeichef: Hände hoch!
Waterson: Was habe ich Ihnen gesagt, Chef, da sind sie beide.
Polizeichef: Umlegen, Mister Waterson?
Waterson: Mit Mister Marlin würde ich mich gern noch ein bißchen unterhalten, aber den Guru brauchen wir nicht mehr, würden sie freundlicherweise...
Guru: Nein, nicht!
Waterson: Danke, damit sind Sie selbst auch überflüssig geworden, Chef, Sie wissen zu viel.
Polizeichef: Mister Waterson!
Marlin: Gratuliere, Mister Waterson, damit haben Sie alle Zeugen ausgeschaltet.
Waterson: Bis auf einen, Marlin, Sie wissen, daß mir gar nichts anderes übrig bleibt, als Sie auch noch zu erschießen.
Marlin: Im Moment konnte ich nichts anderes tun, als Waterson freundlich anzugrinsen, und unter dem Tisch mit dem Fuß nach dem schweren 45er-Colt des Polizeichefs zu angeln, mein Leben hing an meinem großen Zeh, wie schon so oft.
Waterson: Ich muß mich bei Ihnen bedanken, Mister Marlin, ohne Sie wäre mein Plan schiefgegangen.
Marlin: Es freut mich immer, wenn ein Auftraggeber mit mir zufrieden ist, empfehlen Sie mich bitte weiter.
Waterson: Sie waren mir äußerst nützlich, nicht weil Sie Bill Chain gefunden haben, das hätte notfalls auch die Polizei erledigen können, Sie sind der Sündenbock, der Mann, dem man alles anhängen kann, und diese Rolle haben Sie perfekt gespielt, Sie haben Chain aufgestöbert und mich informiert, damit ich mich um ihn und Sie kümmern konnte, und wenn der Guru nicht dazwischen gekommen wäre, lägen Sie jetzt als überführter Mörder im Leichenschauhaus, aber nicht wahr, aufgeschoben ist nicht aufgehoben.
Marlin: Sie waren aber auch nicht schlecht, Ihre Rolle als biederer Kleinstadtmillionär, der sich widerwillig mit einem Privatdetektiv abgeben muß, großartig.
Waterson: Angewandte Psychologie, mein bester, bevor ich Sie kommen ließ, habe ich mich über Ihre Methoden und Ihren Charakter genau informiert, Sie lassen sich von Ihren Auftraggebern nichts gefallen, außerdem sind Sie stur, wenn Sie einen Fall bearbeiten, führen Sie ihn zu Ende, Widerstand macht Sie nur noch verbissener, deshalb habe ich für Widerstand gesorgt, dieser Anruf gestern in Ihrem Hotel.
Marlin: „Lassen Sie die Finger vom Fall Chain“, hmh, das waren Sie.
Waterson: Ja, ich wußte, wie das auf sie wirken würde, und ich hatte recht, ich habe meistens recht, Marlin.
Marlin: Damit haben Sie es ja auch zum großen Kleinstadtgangster gebracht.
Waterson: Ganz recht, seien Sie mir nicht böse, wenn ich unsere interessante Unterhaltung jetzt beende, es ist noch so viel zu tun, ein neuer Polizeichef und... Violet!
Marlin: Sie stand in der Tür wie der Racheengel der Apokalypse, und ihr Schwert war ein Smith & Wesson Detective Special, ich langte nach dem Colt, aber das war nicht mehr nötig, sie wurde mit der Situation allein fertig, das ewig weibliche, wie man so sagt, aber Toni, der mir das Leben gerettet hatte, war tot, und Piet, und drei Bullen, und der Guru, und der Polizeichef, alle tot, und jetzt war Waterson fällig.
Violet: Er hat mich belogen, er hat versprochen, daß Bill nichts geschieht.
Marlin: Geben Sie mir Ihren Revolver.
Violet: Ich konnte doch nicht ahnen, daß er Bill umbringen wollte, und ich hab ihm noch dabei geholfen.
Marlin: Trösten Sie sich, ich auch, dann haben Sie mich also im Auftrag Ihres Mannes auf Magie Pulaski angesetzt.
Violet: Ja, ich sollte auf Sie aufpassen, damit Sie Bill auch bestimmt finden, er sagte, er wolle nur die Papiere zurück, er hat versprochen, daß Bill nichts geschieht.
Marlin: Bill, Violet, das war doch nur Theater, Sie wollten sicher gehen, ich sollte mit feuchten Dackelaugen hinter Ihnen herlaufen, damit ich nicht sehe, was rechts und links von mir geschieht, ja, gut ausgedacht, so wars doch, ach, so wars doch.
Marlin: Der Fall war erledigt, das Aufräumen konnten andere übernehmen, ich rief die Polizei in Los Angeles an und bestellte zwei Wagenladungen Staatsgewalt nach San Pedro, dann machte ich Bilanz, mein Honorar für zwei Tage und die Spesen waren in den Wind gehustet, und die versprochene Champagnerorgie mit Violet konnte ich im Frauengefängnis feiern, wenn Waterson mir wenigstens einen Vorschuß gegeben hätte.
Empfangschef: Sie wollen uns schon wieder verlassen, Sir, hoffentlich hat es Ihnen in unserer sauberen kleinen Stadt gefallen.
Marlin: Ja, ich brauch mich wochenlang nicht mehr zu waschen.
Empfangschef: Ich habe gehört, daß sich demnächst hier einiges ändern wird, glauben Sie das?
Marlin: Hm, vielleicht.
Empfangschef: Ach, wissen Sie, das ist uns schon ein paar Mal so gegangen, wenn ein Boss abtritt, steht der nächste schon von der Tür, verzeihen Sie, Sir, gute Reise.
Marlin: Phil Marlin war mal wieder der große Katalysator gewesen, der Mann, der seine Fälle auf einem Berg von Leichen beendet, hart, unbeeindruckt, ein Held, wie er im Buche steht, wenigstens bei Chandler, ich hing mir selbst zum Hals raus. Als ich aus der Stadt fuhr, hing der schmutzig-gelbe Himmel über mir wie das Fell einer ertrunkenen Siamkatze. Ich wollte nach Hause.
Phil Marlin, Privatdetektiv: Arnold Marquis
Mr. Waterson: Gerd Martienzen
Mrs. Violet Waterson: Barbara Schöne
Polizeichef: Klaus Sonnenschein
Gangster Pete: Norbert Langer
Gangster Toni: Joachim Pukasz
Der Guru: Moritz Milar
Maggie Pulaski: Eva Manhardt
Polizist Mac: Andreas Berg
Empfangschef: Georg Braun
Kommentar von Hörspiele |
Michael Koser: Reservat. There are no truths outside the Gates of Eden (RIAS Berlin/Südwestfunk 1970) (Transkript)
Guten Abend, meine Damen und Herren. In unserer heutigen Übertragung hören Sie Reservat. There are no truths outside the Gates of Eden. Von Michael Koser, Manfred Marchfelder und Friedrich Scholz. Es wirken mit: Klaus Krüger, Ernst Schröder, Ursula Starck, Hans-Ulrich Minke, Helga Anders, Klaus Herm, Cordula Hubrich, Christoph Quest, Klaus Wampfler, Erika Eller, Hans Boche, Klaus Jepsen, Erwin Schastok, Mike Wiegand, Barbara Tietze, Klaus Dieter Mäurich und Ulrich Pleitgen. Wir wünschen Ihnen einen guten Empfang (Applaus).
At times I think there are no words but these to tell whats true and there are no truths outside the Gates of Eden.
Eins zwei drei (Musik).
Dieser Ort zerstört mich.
Es gibt kein oben und unten mehr.
Das Wort darf nicht Fleisch werden.
Es ist, als ob nichts geschehen wäre.
Die Revolution ist ein Kunstwerk.
Das Bewußtsein wird so weit, daß sich alle Gegensätze aufheben.
Wer fliehen will, fesselt sich selbst.
Sie wollen Fabriken aus unseren Tempeln machen.
Das Gefängnis wird unendlich groß.
Der Tanz um den Scheiterhaufen ist ein heiliges Ritual.
Es lohnt sich nicht, darüber nachzudenken.
Ganz sicher.
Verstehst du, man hat keine Angst davor, herunterzufallen.
Zum Kinderzeugen und Kinderkriegen.
Man muß das Gefühl haben, über der Erde zu schweben, ohne die geringste Chance, je wieder herunterzukommen.
Es ist sinnlos, Automaten zu zerstören.
Mit Glasaugen und Plastikdärmen.
Die Form genügt sich selbst.
Man muß sich in diese Musik eingraben, sich ganz von ihr verschlingen lassen, man muß es hören, man muß sich dieser Musik hingeben, man muß einfach hinhören, immer wieder, immer mehr.
Sie hat die falsche Perspektive.
Ich fühle die Schönheit der Zerstörung.
Wir wissen, daß unsere Institution in der Öffentlichkeit Reservat genannt wird, wir sind nicht glücklich darüber.
Allerdings sehen wir ein, daß der volle amtliche Name sich nicht gerade durch verwendungsfähige Kürze oder durch effektive Anschaulichkeit auszeichnet.
Aber wir müssen ihn benutzen.
Zuerst habe ich mir nichts dabei gedacht.
Zumindest in seiner offiziellen Kurzform.
Zuerst habe ich mir nichts dabei gedacht, so viele Leute verschwinden, sie sind einfach nicht mehr da, vielleicht haben sie die Lücke im Plan gefunden, das Stück, wo die Zahlen und das Papier zu Ende sind, es gibt seltsame Geschichten darüber, ich weiß nicht, ob ich sie glauben soll, ich denke nach.
Wie allgemein bekannt, wurde die Institution zur Absonderung, Erhaltung und Erforschung subkultureller Erscheinungen von der Vereinigten Weltregierung gegründet.
Es handelt sich dabei um eine der ersten größeren Entscheidungen, die im Weltparlament gefällt wurden.
Machen Sie sich keine Sorgen. Machen Sie sich keine Sorge. Wir gehen zusammen auf eine lange Reise. Sie werden umgesiedelt. Das ist alles. Das ist alles. Sie sollten ihre Sachen packen. Bitte kommen Sie mit. Bitte kommen Sie mit.
Daß der Bau unserer Institution bald darauf aufgenommen und in verhältnismäßig kurzer Zeit abgeschlossen werden konnte, verdanken wir vor allem der tatkräftigen finanziellen Hilfe der bedeutendsten internationalen Firmen.
Die Tatsache, daß Sie unser Projekt unterstützten, trug viel dazu bei, die Widerstände zu überwinden, auf die jede große Idee stößt.
Ich musste ihn begleiten.
Bis sie sich durch ihre Verwirklichung selbst beweisen kann.
Vielleicht war ich gefährlich, ich weiß jetzt, wie die anderen verschwunden sind, jemand ist in mein Zimmer gekommen, er war ruhig, fast zärtlich, ich musste ihn begleiten, ich konnte nichts dagegen tun.
Wir können mit vollem Recht behaupten, daß schließlich jeder Mann die Gründung der Institution nicht nur akzeptierte, sondern im klaren Bewusstsein ihrer sozialen Bedeutung auch begrüßte.
Natürlich mit Ausnahme der direkt Betroffenen.
Wir waren aber schon damals sicher, daß auch sie bald unsere Intentionen verstehen und die Vorteile der Institution erkennen würden.
Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei. Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei. Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei.
Es ist sehr schön hier, warm, ruhig, die Luft schwingt im richtigen Rhythmus, alles ist irgendwie rosa, mir fallen freundliche Dinge ein, die ich als Kind gewusst und dann vergessen habe, ich weiß, daß ich beschützt werde.
Draußen, wenn es da überhaupt etwas gibt, solltest du dich nicht darum kümmern, du bist hier, du gehörst hierher, hier kannst du so leben, wie du es dir immer gewünscht hast, niemand wird dich an irgendetwas hindern, Grenzen, niemand weiß, ob sie existieren.
Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken.
Es ist eine bekannte Tatsache, daß die sogenannten subkulturellen Bewegungen in der Jugend zu einer immer stärkeren Belästigung und damit schließlich zu einer Belastung von Staat und Gesellschaft wurden.
Daß etwas geschehen mußte, war allen klar, den Verantwortlichen und der öffentlichen Meinung.
Zufriedenheit und Glück der Bürger konnten nicht exakt berechnet und anhand der Berechnungen verwirklicht werden.
Wenn gewisse Gruppen sich der Planung verweigerten, wenn sie durch Propaganda, ideologische Unzufriedenheit zu verbreiten suchten und praktische Unzufriedenheit durch ihre Existenz auslösen.
Gewiß waren in der Gesamtheit der Bürger diese Gruppen eine Minderheit, zudem noch untereinander uneinig und zerstritten, aber wenn sie auch keine wirkliche Gefahr darstellten.
So bildeten sie doch einen Faktor der Unsicherheit, ein störendes Element, sozusagen einen Rechenfehler in einer sonst makellosen Gleichung.
Grund genug, sie zu eliminieren.
Blumen bis zum Horizont, rote, rote, grüne, grüne, violette, violette, Bäume, die leuchten und nach Weihrauch duften, Weihrauch duften, ein See, ein See, rund wie die Welt, wie der Nabel, wie der Nabel Buddhas, weiß, weiße Kaninchen und heilige Kühe, heilig, Tempel, Schreine, Pagoden, Pagoden, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Kabelschnüre, keine Kabelschnüre, keine Befehle, keine Befehle, das Paradies, das Paradies.
Ich habe die anderen hier gesehen, die Leute, die vor mir verschwunden sind, fast alle sehen glücklich aus, wahrscheinlich sehe ich auch glücklich aus, ich habe alles, was ich brauche, ich kann tun, was ich will, ich muß glücklich sein.
Die humane Lösung des Problems war die Institution, durch sie konnte die Gesellschaft von denen befreit werden, die ihr lautloses Funktionieren störten ohne daß man genötigt war die störenden Elemente ihrer Freiheit zu berauben oder sie zu töten.
Wie es von Anhängern traditioneller Denkschemata und veralteter Rechtsmethoden befürwortet wurde.
Es galt vielmehr einen Freiraum zu schaffen, indem die Negation zu ihren extremen Manifestationen geführt und so aufgehoben werden konnte.
Die anderen sprechen nicht gern davon.
Eine Utopie der Subkultur, ein Paradies der Antisozialen, unsere Institution.
Es gibt eine Grenze, die wir nicht überschreiten können, eine riesige runde Glocke, die anderen sprechen nicht gern davon, sie wollen nicht wahrhaben, daß unser Horizont begrenzt ist, sie haben Angst vor dem, was draußen ist.
Sie ist neu.
Sie meint, wir wissen nicht, was los ist.
Natürlich ist die Welt irgendwo da hinten zu Ende.
Gerade deshalb fühlen wir uns sicher.
Sie sagt, wir können nicht raus.
Sie hat die falsche Perspektive.
Es heißt, die können nicht rein.
Fette Idioten, Schweine.
Krank, häßlich, verkrüppelt.
Kahl mit Glasaugen und Plastikdärmen.
Maschinen zum Geld verdienen.
Zum Kinderzeugen und Kinderkriegen.
Arbeitstiere voller Pflichtbewußtsein und Hass.
Roboter, irre, alte Weiber.
Die stehen draußen und wollen rein.
Sie wollen Fabriken aus unseren Tempeln machen.
Unsere Blumen abschneiden und verkaufen.
Mit ihren genagelten Stiefeln auf uns herumtrampeln.
Uns die Haare ausreißen.
Uns die Knochen brechen.
Und wenn wir nicht werden wie sie.
Verbrennen sie uns als Hexen und fremde Götter.
Jetzt stehen sie da und kratzen mit ihren sauberen Nägeln am Glas.
Sie können nicht rein, wir sind sicher.
Erfahrene Ingenieure und Landschaftsgestalter haben in Zusammenarbeit mit Psychologen und Verhaltensforschern den Meisterplan ausgearbeitet, nachdem die Institution verwirklicht wurde, die perfekt glatte Ebene, der kreisrunde See, das nötige folkloristische und theologische Zubehör, vor allem die komplexe Maschinerie, die den Raum der Institution in einem ständigen zeitlosen Schwebezustand hält, die unter dem künstlichen Rasen verborgenen Wärmegeneratoren und der gigantische Plexiglasdom, der die Insassen gegen Einflüße des Klimas und der Außenwelt überhaupt abschirmt.
Draußen ist der Plan, draußen sind die Leute, die vom Plan dirigiert werden und glücklich gemacht werden sollen, hier sind die meisten froh, daß sie mit denen nichts mehr zu tun haben, daß sie sich nicht mehr verstecken müssen, ich habe Angst vor dem, was hier drinnen ist.
Eine dicke Glasscheibe.
Wie im Aquarium.
Und dahinter klotzen sie.
Mit großen runden Augen und offenen Mäulern.
Ich weiß nichts davon.
Ich will auch nicht wissen.
Vielleicht bin ich ein Fisch.
Vielleicht sind wir die Fische, die Fische.
Es ist uns gelungen, ein künstliches Paradies zu konstruieren, einen bisher irrealen Wunschtraum, Realität werden zu lassen.
Kein Wunder, daß unsere Schützlinge sich in der Institution wohlfühlen.
Trotz der notwendigen Begrenzung oder gerade durch die Begrenzung.
Wir sind freiwillig hierhergekommen, wir haben uns bei der Erfassungsstelle gemeldet und einen Aufnahmeantrag gestellt.
Das hat lange gedauert, wir mußten Schlange stehen, da waren unheimlich viele, die auch genug davon hatten, unter Schweinen zu leben, die nicht mehr dauernd beglotzt und beschnüffelt werden wollten.
Verhöre, Prüfung und dann haben sie uns endlich den Stempel gegeben, Mann, waren wir froh.
Die da draußen kannst du doch nicht bekehren.
Haben sie dich schon mal zusammengeschlagen.
Und wenn wir nicht von selbst gekommen wären, hätten sie uns später doch geholt. Lieber ein bißchen mitspielen, das lohnt sich.
Hier sind wir schließlich unter uns.
Als ich noch nicht hier war, habe ich ein Gedicht gemacht, das von mir und den anderen handelte, ich habe versucht, mich wieder an die Worte zu erinnern, aber sie fallen mir nicht mehr ein, ich weiß nicht, ob ich das Gedicht damals wirklich gemacht habe.
Uns war von vornerein klar, daß einige unserer Schützlinge sich weigern würden, in der Institution aufzugehen, daß sie auch in der genehmigten und geschützten fast absoluten Freiheit versuchen würden, an der Rebellion festzuhalten, vor allem waren und sind es die Neuzugänge und die gegen ihren Willen in die Institution eingewiesenen, die ihre gewohnte Rolle weiterspielen wollen, die Erfahrung hat jedoch gelehrt, daß in den meisten Fällen der Kontakt mit den Freiwilligen und den Alteingesessenen zur graduellen Abschwächung und schließlich zum Erlöschen des Widerstandes führt.
Warum sollten wir uns wehren, mir ist es gleich wer uns hier festhält, warum wir nicht nach draußen kommen, es geht uns gut, wir müssen nicht mehr reagieren, wir können leben, das ist positiv, unsere ökonomische Situation ist glänzend, daß uns die wichtigsten Fakten für ihre Analyse fehlen, darüber zerbreche ich mir nicht den Kopf.
Auf wessen Kosten leben wir?
Die Frage ist irrelevant, wir sind Produzenten, wir sind Künstler.
Möglichkeiten der innerinstitutionellen Rebellion sind im Generalplan bewußt vorgesehen und sogar gefordert, die überall eingebauten Automaten, die unsere Schützlinge mit Lebensmitteln versorgen, mit Drogen und mit der Literatur, die sie bevorzugen, liefern ihnen auch gewisse Waffen in sorgfältiger Auswahl und Dosierung.
Selbstverständlich achten unsere Fernsehaugen darauf, daß es nicht zu größeren Exzessen kommt.
Maschinen dürfen nicht beschädigt, die faktischen Grenzen der Institution müssen unbedingt respektiert werden.
Maschinen dürfen nicht beschädigt, die faktischen Grenzen der Institution müssen unbedingt respektiert werden.
Oder bilde ich mir das nur ein?
Für die Einstellung unserer Schützlinge ist es jedoch bezeichnend, daß bisher kaum einmal regulierend eingegriffen werden musste.
Vielleicht sind die Vögel kleine Maschinen, die jemand aufgezogen hat, ich habe versucht, einen Vogel zu fangen, ich bin ganz vorsichtig auf ihn zugegangen, aber er hat mich gesehen und ist weggeflogen, mit einem merkwürdigen, surrenden Geräusch, oder bilde ich mir das nur ein?
Ich sehe nichts, ich kann nichts sehen, weil ich meine Augen geschlossen habe. Äußere Eindrücke stören die Meditation, Wirklichkeit ist nur in mir, außerhalb gibt es nur Illusionen.
Illusionen interessieren mich nicht.
Ich bin auf der Suche nach mir selbst, wenn ich mich gefunden habe, werden sich alle Illusionen auflösen.
Ich werde keine Gedichte mehr machen, ehe ich nicht weiß, warum und wozu wir hier sind, dieser Ort ist kein wirklicher Freiraum, wir werden benutzt, ich will nicht benutzt werden, ich muß etwas dagegen tun.
Daß wir unseren Schützlingen eine sorgfältig abgewogene und kontrollierte Freiheit auch im Widerstand und in der Destruktion lassen, hat natürlich nicht nur liberale oder humane Gründe.
Wir müssen uns überhaupt dagegen verwahren, daß unsere Institution.
Wie es gelegentlich geschieht.
Als karitative Anstalt apostrophiert wird, als sozialer Luxus, den die Steuerzahler mehr oder weniger freiwillig mit ihren Mitteln am Leben erhalten, die Institution ist kein Zuschussunternehmen, die Institution ist ein Betrieb, der in der Lage ist, sich ökonomisch selbst zu erhalten, der in den letzten Jahren sogar einen ständig wachsenden Gewinn herausgewirtschaftet und in die Kasse der Weltregierung eingebracht hat.
Man muß es hören, man muß sich dieser Musik hingeben, man muß einfach hinhören, immer wieder, immer mehr.
Ich mache einen Film von dir und einen Film von mir, ich nehme die beiden Filme und schneide sie ineinander, auf ein Bild des ersten Films folgt gleich ein Bild des zweiten.
Man muß sich in diese Musik eingraben, sich ganz von ihr verschlingen lassen.
Pro Sekunde wechseln 24 Bilder, 12 und 12 in immer gleichem Rhythmus.
Man muß das Gefühl haben, über der Erde zu schweben, ohne die geringste Chance je wieder runterzukommen.
Es ist mehr als ein Liebesfilm, wenn du dich diesem Rhythmus hingibst, verstehst du, was Dialektik ist, du erfaßt ihr Gefühl, ihr Wesen, darauf kommt es an.
Versteht ihr, man hat keine Angst davor herunterzufallen, man ist sicher, das Bewußtsein wird so weit, daß sich alle Gegensätze aufheben, es gibt kein oben und kein unten mehr.
Du und ich gehen in einander über, das ist die wahre, die einzige Revolution.
Die anderen haben mich gehindert, ich wollte einen der Automaten zerstören, die uns mit allem notwendigen versorgen, die anderen haben mich weggestoßen, abgedrängt, sie haben Angst, sie wollen sich keine Sorgen machen, sie sagen mir, daß sie nur an ihrem eigenen Bewußtsein interessiert sind.
Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken, man müßte etwas tun, das sagen viele, wenn sie hierher gebracht werden, erst wenn sie sich davon frei gemacht haben, sind sie frei, Freiheit ist ein Zustand ohne Entwicklung.
Antisoziale Haltung korrespondiert oft mit künstlerischer Begabung, eine Tatsache, die für uns ebenso unerklärlich wie unbestritten ist.
Durch unsere Schützlinge ist die Institution zu einer gigantischen Ideenwerkstatt geworden, zu einem Ort, den man mit den Künstlerkolonien der voruniversalen Ära vergleichen könnte.
Wenn er nicht diese historischen Stätten an Quantität und Qualität der Produktion weit überträfe.
Ohne materielle Sorgen, in einer Freiheit, von der Künstler vergangener Zeiten nur träumen konnten, schaffen unsere Schützlinge in zwangfreiem Spiel Meisterwerke.
Da wir sie mit allem versorgen, was sie dazu brauchen, sind wir ohne Frage berechtigt, die Resultate ihrer schöpferischen Arbeit zu übernehmen und nach Entfernung der extremen Auswüchse und normalisierender Bearbeitung durch unsere Spezialisten.
Ich habe Freunde gefunden.
Der Gesellschaft über interessierte Firmen gegen feste Gebühr zur Verfügung zu stellen.
Ich habe Freunde gefunden, Menschen, die noch nicht von der warmen weichen Luft vergiftet sind, wir wollten zur Glaswand ziehen, aber wir wurden müde, bevor wir sie erreichten, wir sind umgekehrt und haben einen Automaten zerstört, wir haben ihn aufgerissen, ausgeschlachtet und zu einem formlosen Metallklumpen verbrannt.
Die Revolution ist ein Kunstwerk.
Wirklichkeit vernichtet Schönheit.
Ich fühle die Schönheit der Zerstörung.
Die Revolution ist ein Kunstwerk.
Aus Formlosigkeit wird Form.
Die Revolution ist ein Kunstwerk.
Der Tanz um den Scheiterhaufen ist ein heiliges Ritual.
Wirklichkeit vernichtet Schönheit.
Aus Formlosigkeit wird Form.
Die Revolution ist ein Kunstwerk.
Die Revolution ist ein Kunstwerk.
Die Revolution ist ein Kunstwerk.
Wirklichkeit vernichtet Schönheit.
Es liebe die Ästhetik.
Die Revolution ist ein Kunstwerk.
Aus Formlosigkeit wird Form.
Die Revolution ist ein Kunstwerk.
Das Gemälde der Befreiung.
Die Revolution ist ein Kunstwerk.
Das Buch der Gerechtigkeit.
Die neue Gesellschaft ist ein Wort.
Die Revolution ist ein Kunstwerk.
Und das Wort darf nicht Fleisch werden.
Die Revolution ist ein Kunstwerk.
Wirklichkeit vernichtet Schönheit.
Wirklichkeit vernichtet Schönheit.
Aus Formlosigkeit wird Form.
Die Revolution ist ein Kunstwerk.
Die Form genügt sich selbst.
Es ist sinnlos, Automaten zu zerstören, sie sind nur Werkzeuge des Plans, sie werden benutzt, wie wir, wenn sie nicht mehr funktionieren, werden sie ersetzt, wir sind nicht weitergekommen, für die anderen ist die Revolution schon vorbei, sie sind mit sich zufrieden, sie haben etwas getan, das genügt ihnen.
Es ist keine Übertreibung, wenn wir behaupten, daß alle neuen Ideen und Trends in allen individuellen und sozialen künstlerischen Sparten ihren Ursprung in unserer Institution haben.
Sei es in der Mode oder in der Werbung, in der Musik, in den Medien oder in der Objektherstellung.
Daß unsere Schützlinge erhebliches zur Bereicherung der Gesellschaft beitragen.
Die sie hassen und ablehnen.
Daß aus Subkultur auf diesem Wege Kultur wird.
Ich weiß nicht.
Entbehrt nicht einer gewissen subtilen Ironie.
Ich weiß nicht, was ich tun soll. Sie sind auf alles vorbereitet.
Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken, ich hatte Pläne gemacht, für einen Tunnel unter der Glaswand, für ein Luftschiff, mit dem ich ein Loch in der Glocke suchen wollte, ich habe nichts davon ausgeführt, weil ich vorher zum letzten Mal nachdachte und das Geheimnis entdeckte, unser Gefängnis macht uns frei, die Unfreiheit aller ist unsere Freiheit, das Gefängnis wird unendlich groß, wer fliehen will fesselt sich selbst.
Ich habe ihn getötet. Ich habe ihn getötet. Ich habe ihn erwürgt. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingernägeln. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese. Ich habe ihn getötet. Sie können sie nicht übersehen. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Niemand hat sie gesehen. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Es ist als ob nichts geschehen ist. Die Leiche ist verschwunden. Als ob nichts geschehen wäre. Er hat sich nicht gewehrt. Ich weiß nicht mehr, was geschehen ist. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Ich habe ihn getötet. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn erwürgt. Es dauerte lange, aber er hat sich nicht gewehrt. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingernägeln. Ich reiße ihm die Kehle aus. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese und lege sie als blutige Dissonanz zwischen dem Rosa und Violett der Blumen aus. Sie können sie nicht übersehen. Die Leiche ist verschwunden. Niemand hat sie gesehen. Das Gras und die Blumen nicht mehr blutig. Es ist als ob nichts geschehen, als ob nichts geschehen. Niemand erinnert sich an mich. Die Leiche. Ich weiß nicht, was geschehen ist. Ich weiß nicht, ob ich wirklich einen Menschen getötet habe. Das ist auch nicht wichtig. Wenn ich etwas tue, was den Plan gefährdet. Ich habe ihn getötet. Machen Sie es ungeschickt. Unser geschehen. Ich habe ihn getötet. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingern. Er hat sich nicht gewehrt. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Ich habe ihn getötet. Sie können sie nicht übersehen. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Niemand hat sie gesehen. Es ist als ob nichts geschehen wär. Ich habe sozusagen. Ich habe, ich weiß nicht geschehen ist. Ich habe ihn getötet. Er hat sich nicht gewehrt. Es ist auch nicht wichtig. Die Leiche ist verschwunden.
Die Institution erfüllt eine doppelte Aufgabe, sie schützt die Gesellschaft vor unerträglichen Außenseitern und verhindert, daß ihre Ordnung und das Funktionieren des großen Planes durch planlosen, unbeaufsichtigten Widerstand zerstört werden, darüber hinaus macht sie das Leben der Gesellschaft angenehmer, indem sie mit ihren Ideen und Produkten gewissermaßen die dekorativen Arabesken liefert, die die strenge lineare Geometrie des Planes abrunden.
Diese beiden Funktionen haben, als die Gründung der Institution diskutiert und beschlossen wurde, die theoretische Rechtfertigung für das kühne soziale Experiment gebildet.
Ich bin müde.
Heute, da konkrete Ergebnisse im Übermaß vorliegen, bedarf es keiner Rechtfertigung mehr.
Ich will nicht aufgeben, aber ich kann nicht mehr klar denken, ich bin müde, manchmal glaube ich, daß ich nie draußen war, daß es überhaupt kein draußen gibt, dieser Ort zerstört mich, ich will nicht aufgeben, es gibt etwas, daß ich tun muß, ich versuche nachzudenken, irgendwann werde ich alles herausfinden, das Ziel, die Methode, den Ausgangspunkt, der Plan ist nicht unfehlbar, man kann ihn außer Kraft setzen, mir ist ein Gedicht eingefallen.
Mit berechtigtem Stolz und ohne Furcht vor Widerspruch können wir feststellen, daß heute und mit Sicherheit auch in der Zukunft die Gesellschaft ohne die wohltätigen Einflüsse unserer Institution nicht mehr denkbar ist (Applaus).
Sprecher:
Ernst Schröder
Helga Anders
Klaus Herm
Cordula Hubrich
Klaus Jepsen
Christoph Quest
Erika Eller
Erwin Schastok
Uwe Paulsen
Barbara Tietze
Ulrich Pleitgen
Weitere Mitwirkende:
Hans-Ulrich Minke
Hans Boche
Klaus Dieter Mäurich
Klaus Wampfler
Mike Wiegand
Kommentar von Kriminalhörspiele von Michael Koser |
Michael Koser:
Cocktail für Zwei: Kongo King Blue (DLR 1998)
Wenn ich die frühe Karriere unseres Glücksritterduos Felix und Cora Revue passieren lasse, ihre ersten Unternehmungen in Rußland und London, das Berliner Tangoabenteuer, den Coup in Monte-Carlo, die Affäre um den Hohenzollernhort, dann frage ich mich, womit fange ich an, mit dem Anfang natürlich, sagt der chronikalisch korrekte Pedant, so gehört es sich, so muß es sein, wirklich, die zwanziger Jahre in denen unsere Geschichten spielen, waren alles mögliche, golden, schmutzig, wild, mondän, krisenhaft, glorreich, schrill, pedantisch und korrekt waren sie nie, ich glaube ich beginne mit dem Abenteuer an der Riviera, blaues Meer und Sonnenschein, Kinostars, Luxus, großes Geld und große Gauner, der ideale Einstieg in die
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Cocktail für Zwei: Tango Berlin (DLR 1998)
Als das Jahr 1920 sich dem Ende zuneigte, als die Tage kürzer und kälter, die Nächte länger und heißer wurden, schüttelte ganz Berlin sich im Shimmyfieber, ganz Berlin nein, im vornehmen Hotel Kaiserhof trotzte das Orchester dem Zeitgeist und spielte weiterhin Tango, zur Freude eines erlesenen Publikums, es war Hochsaison, Sonntag, der 10. Oktober 1920, mitten in der Nacht. Eben hab ich etwas Hochinteressantes gehört, Freund Felix. Von wem, teuerste Cora. Von dem kleinen kravonischen Botschaftsattache, mit dem ich gerade getanzt habe, der mit den breiten Schultern und den schönen schwarzen Haaren. Und dem Hohlraum darunter. Mag sein, aber die Fassade ist imposant, das müssen sie zugeben. Was haben Sie denn nun
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Cocktail für Zwei: Kaiserpunsch (DLR 1998)
An einem schönen Sommerabend im Jahr der großen Hitze, präziser am Donnerstag, dem 11. August 1921, gegen 9 Uhr, ritt ein elegantes Paar auf zwei eleganten Brauen über den einsamen Strand des eleganten Badeorts Scheveningen, es war noch sehr warm, die Dämmerung hatte soeben erst eingesetzt und die Reiter, die man in ihrem eleganten Hotel kannte als Sir Mortimer und Lady Gwendolyn Grenfellpetinkton waren auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Was vermissen Sie, Freund Felix. Das Salz in der Suppe, Spannung, Gefahr, Risiko, Abenteuer. Das exquisite Gefühl auf dem Drahtseil über dem Löwenkäfig Tango zu tanzen. Genau das, teuerste Cora, für eine geruhsame Existenz in Filzpantoffeln sind Felix und Co nicht ge
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Cocktail für Zwei: Bloody Mary (DLR 1998)
Bisher meine Damen und Herren haben Sie mit mir Felix und Cora an die CotedAzur begleitet, nach Berlin und zum Versteck des Hohenzollernhorts, jetzt wird es Zeit, zu den Ursprüngen zurückzukehren, als alles begann, es war einmal ein Krieg, ein Weltkrieg, er sollte der letzte sein und war doch nur der erste, in diesem Krieg gab es einen Offizier der Felix hieß und zum Geheimdienst seines Landes gehörte und es gab auf der Gegenseite eine Spionin namens Cora, nun geschah es, daß beide sich trafen und aus Feinden zu Freunden wurden, da sie der Ansicht waren, für einen frühen Tod seien sie viel zu schade, verließen sie die Front unter Mitnahme erheblicher Summen die nicht ihnen gehörten sondern ihren jeweiligen Generalstäben und
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Cocktail für Zwei: Eiffel sour (DLR 1999)
Das Jahr 1922 war angebrochen und die Welt drehte sich immer schneller, Landru der schwarzbärtige Frauenmörder verlor Bart und Kopf, mit großem Getöse tagte zu Genua eine internationale Konferenz, die die Weltwirtschaft sanieren sollte, ein gewisser Josef Stalin wurde Generalsekretär der kommunistischen Partei Rußlands, der französische Ministerpräsident Briand mußte zurücktreten und Monsieur Poincare übernahm seinen Posten, das alles ist bekannt, das alles steht in den Geschichtsbüchern, daß der Eifelturm, das weltberühmte Wahrzeichen der Stadt Paris gestohlen wurde, das steht nicht in den Geschichtsbüchern, am Nachmittag des 9. Mai 1922 nahm diese schier unglaubliche Geschichte ihren Anfang. Von hier aus ist
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Cocktail für Zwei: Surabaya Sling (DLR 1999)
Es war ein schöner Junitag im Jahre 1922, die Sonne strahlte als gäbe es weder Weltkriege noch Friedensverträge, die Vögel die nichts wußten von Wirtschaftskrise und Inflation sangen aus vollem Hals und durch die von keiner Erhebung beeinträchtigte Plattheit der norddeutschen Tiefebene dampfe behäbig ein Bummelzug, sofern er nicht, wie es sich des öfteren als unumgänglich erwies, in einem der zahlreichen kleinen Bahnhöfe eine Verschnaufpause einlegte. Willsum hier Willsum, beim aus- und einsteigen beeilen bitte. Was für ein Nest, teuerste Cora, so winzig, so ruhig, so ganz und gar uninteressant. Glauben sie Felix, je kleiner die Laus, desto fetter der Schmaus. Oh kravonisches Sprichwort. Ganz recht, hätten sie nicht Lust, diesem
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Cocktail für Zwei: Germanengold (DLR 1999)
Wir sind von Kopf bis Fuß auf Wagner eingestellt, denn das ist unsere Welt und sonst gar nichts. Heil dir Holde. Heil dir Held Herman. Was gibts zu schmausen. Semmeln, Wurst, Käse, Eier wie immer. Trefflich trefflich, schenk ein den Kaffee aus keramischer Kanne, schweig stille Loki du arger Wicht. Pst gleich kriegst ein Wursti. Herman der Cherusker und Thusnelda saßen am Frühstückstisch, dieser stand in der Villa Walhall und diese wiederum stand an der Poschingerstr. im vornehmen Münchner Stadtteil Bogenhausen, eigentlich hieß Herman Alois Wichtel und so sah er auch aus, trotz seiner wenig imposanten Statur, seiner auswärts gebogenen Knie, seiner spärlichen mausblonden Haare hielt er sich für die leibhaftige Wiedergeburt
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Cocktail für Zwei: Titanic Smash (DLR 1999)
Titanic, alle reden immer nur von der Titanic dabei waren es zwei zwei Schiffe. Es war vor Jahren gewesen noch während des Kriegs, in Amsterdam, Felix hielt sich incognito im neutralen Holland auf, der Grund tut nichts zur Sache, in einer finsteren Kaschemme im Hafenviertel war er mit einer gewissen wichtigen Kontaktperson verabredet, der Mann ließ auf sich warten, er kam übrigens nie, er trieb ein Messer im Rücken in einer abgelegenen Gracht, doch dies nur nebenbei, während er wartete gab Felix einem betrunkenen Seemann einen Ginebra aus, und der revanchierte sich mit einer höchst erstaunlichen Geschichte. Zwei Schiffe zwei Schwestern, fast Zwillinge, erst die Olympic, dann die Titanic, eine sah aus wie die andere, darum ist
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Michael Koser: (Sonstige Hörspiele):
Einmal Utopia - hin und zurück (RIAS 1970) (Ein Schulfunk-Hörspiel) (nach Robert Sheckley: A Ticket to Tranai)
(Ein Planet mit dem Ruf eines Steuerparadieses und Idealstaates erweist sich bei näherem Kennenlernen als Paradies mit kleinen Fehlern. Seit Gottlieb von Borg gehört hat, einem kleinen kolonisierten Planeten irgendwo in der Galaxis, glaubt er sein Utopia gefunden zu haben, denn dort soll es die absolute Freiheit des Individuums geben. Keine staatliche Aufsicht, keine Gesetzbücher, keine Juristen, keine Polizei und deshalb auch keine Verbrechen. Jeder kann tun, was er will. Freie Bahn dem Tüchtigen. Private Unternehmerinitiative und freier Kapitalfluß sind das ökonomische Prinzip. Armut gibt es nicht. Auf Borg hat jeder das Recht, an der Umverteilung des Reichtums zu seinen Gunsten mitzuwirken. Was das in der Praxis bedeutet, erfährt Gottlieb gleich nach seiner Ankunft, als er einem Straßenräuber zum Opfer fällt. Man klärt ihn auf, daß es sich um einen Steuereintreiber der Regierung gehandelt hat, eine unbürokratische und verhältnismäßig schmerzlose Methode der Finanzpolitik. Umverteilung durch Straßenraub ist ganz legal. Jeder sorgt für sich selbst, und man rät ihm, es ebenso zu machen. Der Präsident persönlich heißt ihn willkommen und vermittelt ihm einen Job in einer Fabrik, in der möglichst unzuverlässige und ungeschickte Haushaltsroboter konstruiert werden, um den Menschen das Gefühl der Überlegenheit zu geben. Man drängt Gottlieb, so schnell wie möglich zu heiraten, denn Junggesellen haben auf Borg keinen Status, und Abweichungen von der Norm sollte er sich besser nicht leisten. Als ihn seine junge, hübsche Frau jedoch aufklärt, daß es auf Borg üblich ist, die Frauen regelmäßig einzufrieren, damit sie sich im Kältegenerator jung erhalten können, sieht er die Zeit für Reformen gekommen. Bereitwillig will ihm der Präsident sein Amt abtreten, denn auf Borg kann jeder Präsident werden. Als er jedoch hört, welch makabres Ende dem Staatsoberhaupt droht, wenn die Bevölkerung bei sinkender Popularität mehrheitlich den Minusknopf drückt, beschließt er spontan, zur Erde zurückzukehren, von der man sagt, daß sie mit ihrem geregelten Staatswesen und ihrer geordneten Wirtschaft ein wahres Paradies sein soll)
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Kein Job mehr für die Roboter (RIAS 1970) (Schulfunk) (nach Brian Aldiss: But who can replace a man)
(Ein Experiment soll klären, ob Roboter bei Ausbleiben menschlicher Befehle selbst Entscheidungen treffen können. Kein Mensch muß mehr körperlich arbeiten. Alle anfallenden Tätigkeiten werden zuverlässig von Robotern erledigt, die ihre Anweisungen per Funk erhalten. Die Robotpsychologin Julia will erstmals beweisen, daß Roboter fähig sind, ihre Arbeit ohne Anleitung selbständig zu organisieren. Mit Billigung des obersten Konzils wird die Funkverbindung zu einer der landwirtschaftlichen Außenstationen unterbrochen. Eine Überwachungsfrequenz, von der die Roboter nichts wissen, erlaubt es, den Verlauf des Experiments zu verfolgen. Als die Anweisungen von der Zentrale ausbleiben, ahnt R 1, Koordinator der mit sieben Robotern besetzten Agrarstation, daß irgend etwas nicht so ist, wie es sein soll. In seiner Datenbank findet er jedoch für eine solche Situation keinen Präzedenzfall. Ein technischer Defekt scheidet aus, deshalb kann der Fehler nur bei den Menschen selbst liegen. Wären nur einige Menschen außer Betrieb, hätten andere sie längst ersetzt. Da dies nicht der Fall ist, bleibt einzig die logische Folgerung, daß alle Menschen außer Betrieb sein müssen. Wenn aber keine Menschen mehr da sind, gibt es auch niemanden, für den die Roboter arbeiten können. Also sind die Roboter jetzt frei und können tun, was Ihnen gefällt. Sie werden ihre eigenen Herren sein und bald die Welt beherrschen. R 1, der über das Gehirn mit der größten Kapazität verfügt, ernennt sich zum Führer. Die Stadt der Menschen soll zerstört und durch eine neue für Roboter ersetzt werden. Spaltbares Material ist in ihren Atomreaktoren ausreichend vorhanden. Als man in der Zentrale registriert, daß das Experiment außer Kontrolle zu geraten droht, versucht man, es im letzten Moment zu stoppen. Aber zu spät: R 1 hat seinen Empfänger abgeschaltet. Schon bewegt sich ein immer größer werdender Zug von Robotern auf die Stadt zu)
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Reservat. There are no Truths outside the Gates of Eden (RIAS/SWF 1970) (Werkstatt des Hörspiels)
Guten Abend, meine Damen und Herren, in unserer heutigen Übertragung hören Sie: Reservat, there are no truths outside the Gates of Eden. Von Michael Koser, Manfred Marchfelder und Friedrich Scholz. Es wirken mit: Klaus Krüger, Ernst Schröder, Ursula Starck, Hans-Ulrich Minke, Helga Anders, Klaus Herm, Cordula Hubrich, Christoph Quest, Klaus Wampfler, Erika Eller, Hans Boche, Klaus Jepsen, Erwin Schastok, Mike Wiegand, Barbara Tietze, Klaus Dieter Mäurich und Ulrich Pleitgen. Wir wünschen Ihnen einen guten Empfang (Applaus). At times I think there are no words but these to tell whats true and there are no truths outside the Gates of Eden. Eins zwei drei (Musik). Dieser Ort zerstört mich. Es gibt kein oben und unten mehr. Das Wort darf nicht
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(Andersdenkende und Außenseiter der Gesellschaft werden in ein Reservat abgesondert und ausgebeutet. Um sich subkultureller Bewegungen zu entledigen, die das lautlose Funktionieren der Gesellschaft stören und ideologische Unzufriedenheit verbreiten könnten, hat man unter einem gigantischen Plexiglasdom einen Freiraum geschaffen, ein künstliches Paradies der Antisozialen, von der Außenwelt hermetisch abgeschlossen und durch eine komplexe Maschinerie ständig in einem Schwebezustand gehalten. Automaten versorgen die Insassen mit allem, was sie brauchen. Jeder kann leben, wie er es sich wünscht. Nichts ist verboten. Fast alle sehen glücklich aus. Die wenigsten wollen wahrhaben, daß ihr Horizont begrenzt ist, daß es eine Grenze gibt, die nicht überschritten werden kann. Möglichkeiten der innerinstitutionellen Rebellion sind bewußt vorgesehen und selbst institutionalisiert. Aber es ist sinnlos, Automaten zu zerstören, weil jeder Ansatz, ein Zeichen zu setzen, folgenlos bleibt. Die weitaus meisten haben ihre ursprünglichen Ziele längst zugunsten individueller Glücksbefriedigung aufgegeben. Anfängliche Widerstände in der Öffentlichkeit sind beseitigt, seit man erkannt hat, daß die Institution keine karitative Anstalt, kein sozialer Luxus ist, sondern sich ökonomisch selbst trägt. Weil antisoziale Haltung oft mit künstlerischer Begabung korrespondiert, kann die Gesellschaft sich der Resultate ihrer schöpferischen Arbeit bedienen, um nach Entfernung extremer Auswüchse und normalisierender Bearbeitung die streng lineare Geometrie des Plans abzurunden. Daß die Schützlinge auf diese Weise Erhebliches zur Bereicherung der Gesellschaft beitragen, die Sie ablehnen, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Thema des Hörspiels in der Dialektik zwischen Innenansicht und Außendarstellung der "Institution" sind Begriffe wie Freiheit, Toleranz und Revolution, aber auch die Abkapselung des Kulturbetriebs von der realen gesellschaftlichen Entwicklung, wobei Michael Koser sein eigenes Werk selbstkritisch nicht ausnimmt). (Die Utopie handelt von einem künstlichen Paradies, geschaffen von einer zukünftigen Weltregierung für alle diejenigen, die gegen den "Plan", die vorausberechnete wirtschaftliche und politische Ordnung opponieren: Künstler, Gammler, Oppositionelle jeder Art. In dem von der Außenwelt abgeschlossenen Reservat erhalten die darin Angesiedelten mühelos alles, was sie zum Leben brauchen, haben sie völlige Freiheit, die Lebensform zu wählen, die sie wünschen - die Gesellschaft "draußen" aber hat sich dadurch auf "humane" Art von ihrer unberechenbaren Opposition und Revolution befreit. Auf der anderen Seite finden sich auch die Außenseiter der Gesellschaft im Reservat mit der "repressiven Toleranz" ab, geben echte revolutionäre Haltung auf zugunsten einer individuellen Glücksbefriedigung. - Das Hörspiel soll auffordern, über Begriffe wie Freiheit, Toleranz, Revolution nachzudenken) (Titel aus dem Song "Gates of Eden" von Bob Dylan)
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Tote singen nicht (Kriminalparodie auf Raymond Chandler) (RIAS/SWF 1971)
Das Haus war der gemeinsame Alptraum eines größenwahnsinnigen Architekten und eines Bauherrn, der zuviel Geld hatte, eine unwahrscheinliche Kreuzung aus gotischem Palazzo, maurischer Kathedrale und griechischem Eiscreme, aber ich war ja nicht hier, um den Geschmack der oberen Zehntausend zu beurteilen, Mister Waterson ließ mich warten, er konnte sich das leisten, er hatte eine Empfangshalle so groß wie das Landedeck eines Flugzeugträgers, einen fast echten englischen Butler, den er wahrscheinlich auf einer Antiquitätenmesse ersteigert hatte, und mehr Dollars als die übrige Stadt zusammen und ich war bloß ein kleiner Fisch, mein Auto war drei Jahre alt, mein Anzug war auch, und mein letzter Kontoauszug war
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John Bomb jagt Dr. Pop (Kriminalparodie auf Ian Fleming) (SWF/RIAS 1971)
(Action à la 007. Aber es ist anstrengend geworden, Null-Null zu sein. Nicht die Parties, nicht die Mädchen - die schafft man an einem Vormittag. Aber die Jagd. Früher hatte man es leichter: da hat man die eine Hälfte mit dem Sportwagen gemacht und die andere Hälfte unter Wasser, mit dem Flugzeug, das ging auch noch. Aber dann haben die Schurken Raketen eingesetzt, und jetzt ist unter Raumschiffen nichts mehr zu machen. Natürlich fängt John Bomb am Ende Dr. Pop, fragt sich bloß, wo und unter welchen Umständen)
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Was hilft gegen Vampire? (RIAS 1972)
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Zwei Messer stecken, ach, in einer Brust (RIAS 1972) (Ein Werwolf-Hörspiel)
(Der Originaldatensatz von Deutschlandradio/RIAS betitelt das Hörspiel mit „Zwei Messer stecken, ach, in einer Brust“. Es kann natürlich sein, daß bei der Dokumentation ein Schreibfehler unterlaufen ist oder die Bandschachtel falsch beschriftet war. Da Michael Koser gerne mit Wortspielen hantiert – die Originalvorlage ist hier wohl Goethes Faust („Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust“) – kann es natürlich gut sein, daß das Zitat von Koser hier entsprechend umgewandelt wurde. Dabei machen wohl beide Versionen („einer“ bzw. „meiner“) Sinn. Ich konnte in den Beitrag hineinhören, leider wurde der Titel hier nicht genannt. Inhaltlich geht es um die Ermordung einer Prostituierten durch Jack the Ripper. Da die Geschichte nicht aus der Ich-Perspektive der Frau erzählt wird, macht „Zwei Messer stecken, ach, in einer Brust“ mehr Sinn. Das ist aber nur meine Interpretation) (Info ARD Hörspielarchiv)
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Der geheimnisvolle Fall der Weihnachtsgans (RIAS 1972) (nach Arthur Conan Doyle: Sherlock Holmes, Der blaue Karfunkel)
(Am Morgen des zweiten Weihnachtsfeiertages kam ich zu Sherlock Holmes, um ihm meine Glückwünsche zu überbringen, er lag auf dem Sofa in einem purpurnen Morgenrock, neben sich den Pfeifenständer und einen Stoß Zeitungen, vor der Couch stand ein hölzerner Stuhl, über der Lehne hing ein nicht sehr respektabel aussehender Filzhut, er war schon ziemlich ramponiert und hatte viele Beulen, Vergrößerungsglas und Pinzette, die auf dem Stuhlsitz lagen, legten die Vermutung nahe, daß Holmes bei der Arbeit war. Hoffentlich störe ich dich nicht, sagte ich. Nicht im geringsten, ich bin froh, die Sache mit dir besprechen zu können. Er deutete mit dem Daumen auf den alten Hut. Da haben wir eine ganz banale Angelegenheit)
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Ach und Krach (RIAS 1973)
(Lärm wird von der Staatsführung als notwendiges Zugeständnis an den Fortschritt propagandistisch kompensiert. Die Welt ertrinkt im Lärm. Die Schwelle des Erträglichen ist schon lange überschritten. Lärmschleusen und elektronisch gesteuerte Schallisolierungen sind nur für die Spitzen der Gesellschaft erschwinglich. Untergrundkommandos bekämpfen Lärm mit Gegenlärm. Die Mehrzahl der Bevölkerung hat resigniert. Um zu akzeptablen neuen Ideen für den Lärmschutz zu kommen, beschließt das Führungsgremium der obersten staatlichen Instanz, zwei Probanden unter dem Vorwand eines freiwilligen Berufs- und Eignungstests auf das Problem anzusetzen. Sie, 027-41-316 W, erhält von den Testmaschinen den Auftrag, das Thema in einem Rundfunkhörspiel zu erörtern, er, 142-20-444 M, soll eine Maschine oder Vorrichtung erfinden, die Lärm erträglicher macht. Vier Wochen später kann der Versuch erfolgreich abgeschlossen werden, daß dabei die Rollen vertauscht wurden und er das Hörspiel, sie die technische Verbesserung realisiert hat, scheint unerheblich. Ihre Idee war es, die allgemein gebräuchlichen, jedoch ineffektiven und sozial isolierenden Ohrenschützer mit kleinen Empfängern auszustatten, aus denen sanfte Musik oder eine freundliche Stimme kommt. Im Gremium ist man sich schnell einig, daß die Möglichkeiten dieser Lärmschutz-Kopfhörer weit über die Absichten der Erfinderin hinausreichen. Mit ihrer Hilfe wird es gelingen, die Menschen, die sich dem technischen Fortschritt so wenig anzupassen bereit sind und die zwangsläufigen Begleitumstände über Gebühr betonen, im staatlichen Sinne progressiv zu konditionieren. Entsprechende Slogans sind bereits ausgearbeitet. Per Gesetz könnte das Tragen der Kopfhörer zur Pflicht gemacht werden. Dann könnte auch das vorgelegte Anti-Lärm-Hörspiel nach angemessener Bearbeitung über die Kopfhörer laufen - trotz seiner radikalen Tendenzen. Denn wann hatte verbaler Radikalismus, zumal in künstlerischer Form, je über heilsame Abreaktion hinausgehende, radikale Wirkung?)
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Müllschlucker (SWF 1973)
(Es gibt keine Kriege mehr, die Welt ist heil, und die unliebsamen Alten werden in den Weltraum hinausgeschossen, wo sie die "gute alte Zeit" verherrlichen. "Ehre das Alter, aber nicht zu sehr, wenn du selbst alt werden willst", ist einer der Leitsätze des weisen Boseko, Cheftheoretiker der Neuen Ära, die einige Jahre nach dem Schock des 3. Weltkriegs begonnen hat. Aber der allgemeine Vorsatz, in Zukunft besser aufzupassen, wird immer wieder gefährdet durch Leute wie Opa 17, deren Wünsche rückwärts orientiert sind und die militaristisches und kapitalistisches Gedankengut verbreiten. So beschließt die Großfamilie V-97-663, es den anderen gleichzutun, die ihre kriegslüsternen Alten auf MS 1 abgeschoben haben, den Müllsatelliten, den man zu Beginn der Neuen Ära gebaut und in eine Erdumlaufbahn geschossen hat. Opa 17, der sich jetzt wieder Cäsar nennt, kommt in gute Gesellschaft. Aber er hat ganz und gar keine Lust, hier als einfacher Arbeiter bei einem der Monopolisten für Altpapier, Glas oder Schrott ganz unten anzufangen. Jeder, der einen Abfallstoff findet, auf den noch niemand ein Monopol hat, darf sich selbst zum Monopolisten ernennen. Wenn er alle Herausforderer im offenen Kampf besiegt, kann er sich in die Monopolrolle eintragen lassen, erhält Sitz und Stimme im höchsten Gremium des Müllplaneten und bestimmt fortan mit über die Verteilung der lebenswichtigen Güter, die von der Erde geschickt werden. In einem märchenhaften Aufstieg bringt es Opa Cäsar vom Monopolisten für Altmedikamente zum uneingeschränkten Herrscher über den Müllplaneten. Unter dem Motto "Durch Müll zum Sieg" fordert er von der Erde ultimativ die Abschaffung aller Errungenschaften der Neuen Ära, so daß man sich gezwungen sieht, den Satelliten mit seiner zeternden Besatzung auf eine neue, für die Erde ungefährliche Umlaufbahn abzudrängen. Die Welt ist wieder in Ordnung. Michael Kosers Satire zielt auf die ewig Gestrigen, nimmt aber auch die allzu simplen utopischen Entwürfen einer befriedeten Welt von morgen nicht aus)
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Verfahren (Ein Denk-Spiel über Autos) (RIAS 1973)
(Die Zunahme der Verkehrsdichte gipfelt in einem nicht mehr endenden Stau, der lückenlos alle Straßen des Landes ausfüllt. Aufgrund verstärkter Neuzulassungen ist nun auch auf einer der letzten Bundesstraßen der Verkehr endgültig zum Erliegen gekommen. Das Verkehrsministerium bittet durchzuhalten, seit Eintritt der derzeitigen statischen Situation vor zwei Jahren ist die Regierung unermüdlich damit beschäftigt, Maßnahmen zur Schaffung wirksamer Abhilfe zu überprüfen. Der Automobilclub unterstreicht seine Forderung nach neuen Straßen und empfiehlt, gelegentlich den Motor laufen zu lassen, damit er fahrbereit bleibt. Unter dem Wahlspruch "Mein Auto ist meine Burg" haben sich kleine, straff organisierte Gruppen gebildet, Autokameraden, die treu zu ihrem geliebten vierrädigen Freund stehen. Wer träumt nicht davon, auf menschenleeren Autobahnen frei aufs Gaspedal zu treten, in die Sitze gedrückt zu werden, die Bäume nur als undeutliche Schatten zu sehen! Pünktlich um zwölf kommt der Polizeihubschrauber zur Essen- und Postausgabe. Wehe dem, der sein Wasser zum Trinken mißbraucht! Es gilt, den Ruf der saubersten Autos auf der ganzen Autobahn zu verteidigen! Das Autoradio wirbt für Klapp-WCs und Häkelschoner fürs Lenkrad. Im beliebten Wunschkonzert schickt die Familie liebe Grüße an den Papa bei Kilometer 52. Im Raum Neuwied kommt es zu Zusammenstößen zwischen Autokameraden und einer Gruppe linker Naturfreunde, die am Begrenzungsstreifen gegen den Individualverkehr demonstrieren. Das Innenministerium empfiehlt, sich durch eine lautstarke radikale Minderheit nicht provozieren zu lassen, Regierung und Institutionen und die gutgesinnte Mehrheit der Bevölkerung stehen hinter den Autokameraden. Trotz - temporärer! - Verstopfung der Autobahnen und Bundesstraßen sind, wie der Bundesverband der Autoindustrie versichert, doch noch eine ganze Reihe von Straßen zweiter Ordnung und Feldwegen unbesetzt, was bedeutet, daß die Straßenkapazität im großen und ganzen gesehen bei weitem noch nicht erschöpft ist, und das heißt: weitermachen und noch mehr leisten zum Wohl des Ganzen)
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Yeti in Dichtung und Wahrheit (RIAS 1973)
(Hörfolge aus dem sagenhaft-phantastischen Sujets um Professor Kolimowski, der unbekannten Phänomenen nachspürt und wiederholt ungewöhnliche Begegnungen hat)
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Dies Blutbild ist bezaubernd schön (Ein Vampir-Hörspiel) (RIAS 1973)
Amsterdam, 17. Mai, 6 Uhr 15, in einer halben Stunde wird Prof. Vandenburg bei mir erscheinen, der international angesehene Experte auf dem Gebiet der okkulten Wissenschaften, er hat versprochen, mir meinen ersten Vampir vorzuführen, ich bin gespannt. Wir sind da, Vorsicht, das ist der Sarkophag, fassen Sie mit an, der Deckel ist schwer, sie haben doch das Kruzifix bei sich und den Knoblauch. Natürlich, im Sarg liegt ein älterer Mann, er wirkt entspannt, ruhig, als ob er schläft, ich habe das Gefühl, daß er mich durch die Wimpern hindurch beobachtet, seine Gesichtsfarbe ist ich würde sagen ausgesprochen gesund, die Lippen nein das ist geronnenes Blut in den Mundwinkeln, und dann zwei dunkle Linien bis zum Kinn
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Von rechts nach links: Super Tarzan Special Agent Love Story Space Captain Lonesome Gun (Ein utopisches Hörspiel) (RIAS 1974)
(Totalidentifikation als Unterhaltungsangebot eines elektronischen Massenmediums, das selbst systemkritische Ansätze zum konsumierbaren Programmbestandteil macht. Im Rahmen des allmonatlichen Inside-Programms für Outsider gewährt die Kult AG Einblicke in Produktionsweisen und demonstriert, wie mit Hilfe des Programmcomputers aus vorgegebenen Versatzstücken eine Vielzahl von Unterhaltungsprogrammen montiert werden, die nach Passieren der elektronischen Zensur mit Werbespots angereichert und im Stimu-Sender gespeichert werden, von wo aus sie zu Hause am Identi-Stimulationsset mit Hilfe des Programmwählers jederzeit abgerufen und durch Stimulierung entsprechender Gehirnzentren als induktive Halluzination erlebt werden können. Die Programminhalte freilich sind die gleichen wie in der Vor-Kult-Zeit: starke Männer, die für Recht und Gesetz kämpfen, Abenteuerfrische, der Duft der großen weiten Welt, Geschichten, die das Leben schrieb, unermeßliche Gefahren in Raum und Zeit. Doch in den Reihen der Programmierer wird Unzufriedenheit laut. Sie wollen andere Sendungen machen, das übersättigte Publikum aktivieren, ihn die dauernde Fremdbestimmung bewußt machen. Mitten ins laufende Programm hinein fordern sie dazu auf, den Gehorsam zu verweigern, Widerstand zu leisten, eigene Entscheidungen zu treffen. Aber Kult AG weiß auch die Äußerungen der Rebellion für ihre Zwecke nutzbar zu machen. Die Teilnehmer können identifiziert bleiben. Alles ist unter Kontrolle. Denn was da live miterlebt wurde, ist nicht der Versuch eines kulturrevolutionären Umsturzes, sondern ein gut arrangiertes Spezialprogramm für progressive Minderheiten aus der kombinierten Serie: The Great Red Hope - Kulturrevolution. Michael Koser demonstriert, inwieweit Kritik, als Spiel konsumierbar gemacht, nicht mehr geäußert zu werden braucht, Protest und Widerstand aus zweiter Hand den Einzelnen von seiner Verpflichtung zum Engagement entbinden, statt sie ihm bewußt zu machen, wobei der Autor seine eigene Arbeit selbstkritisch in die gleiche Perspektive rückt.) (Der Autor entwirft keine unverbindlichen utopischen Zukunftswelten, sondern bezieht sich konkret auf gegenwärtige Mißstände unserer Welt. Hier nimmt er satirisch den Zustand heutiger Massenkommunikationsmittel und ihr Angebot an Unterhaltungssendungen aufs Korn. "Kult AG", computergesteuert, Massenmedium der Zukunft, beliefert ein gelangweilt-williges Publikum noch immer mit den bekannten Geschichten: Tarzan, Special- Agent, Lonesome Gun, Weltraum-Krimis etc. Ein paar Mitarbeiter der "Kult AG" tun sich jedoch zusammen, um wider den Stachel zu löcken, wollen ihr Publikum zum Widerstand aktivieren. Doch die Äußerungen der Rebellion weiß "Kult AG" für ihre, für unsere Zwecke nutzbar zu machen)
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Heil im Siegerkranz - Satire auf den Geist der Gründer (RIAS 1975)
(Sprecher, Rolle/Funktion: Inge Wolffberg: Winnetou, Wilhelmine Buchholz, Gert Haucke: Old Shatterhand, May Karl, Kara Ben Nemsi alias Karl Friedrich May, Hubertus Bengsch: Comanchenhäuptling, Onkel Fritz, Professor, Helmut Krauss: Red Batman, Arbeiter, Hadschi Halef Omar, Peter Schiff: Tramp, Zarathustra, Diener, Dr. Stinde, Barde)
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Jahrmarkt der Vergangenheit. Heute wars - Satire auf das Gestern von morgen (RIAS 1975)
(Das Hörspiel „Heute war’s – Satire auf das Gestern von morgen“ aus dem Jahr 1975 erschafft eine Welt im Jahr 2020: Es gibt nur noch einen Staat auf der Welt, die Menschen leben in großen Superstädten unter Plexiglas. Und sonst? Alles ist möglich, auch, daß Gegenwart und Zukunft so aussehen wie in diesem Hörspiel – so zumindest das Resümee des Autors Michael Koser)
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Ping-Pong zur Ming-Zeit (Erotische Erzählung aus dem alten China) (RIAS 1977)
Kennen Sie Kung Fu, kennen Sie Mao Tse Tung, aber kennen Sie auch Ming Ping Pong? Ming Ping Pong ist kurz gesagt nichts anderes als eine Abkürzung bzw. Kurzfassung des Titels dieser unserer Sendung, welcher in voller Länge lautet wie folgt: Ping-Pong zur Ming-Zeit, erotische Erzählungen aus dem alten China. Das Manuskript schrieb Michael Koser. Aber was, werden Sie nun fragen ist Ping Pong zur Mingzeit, eigentlich um ganz ehrlich zu sein, nur der etwas reißerische Titel für eine Sendung über einen wichtigen Abschnitt der chinesischen Literaturgeschichte, mit Körperkultur oder gar Leistungssport hat unser Thema höchstens im übertragenen Sinne zu tun... steht und fällt mit dem Text, dem Wort. Fönis war
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Loch Ness (RIAS 1977)
(Yeti, Loch Ness und UFOs sind Hörfolgen aus dem sagenhaft-phantastischen Sujets um Professor Kolimowski, der unbekannten Phänomenen nachspürt und wiederholt ungewöhnliche Begegnungen hat)
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Ufos (RIAS 1978)
(Ein Kontakt mit Außerirdischen enthüllt das Mysterium des Ursprungs der menschlichen Rasse. Professor Kolimowski, prominenter Anthropologe, Zoologe und Physiker, Entdecker des sagenhaften Yeti und Konstrukteur einer leider noch nicht voll funktionsfähigen Zeitmaschine, wird seit einem Jahr vermißt. Alles deutet darauf hin, daß er bei einem Tauchversuch auf der Suche nach dem Ungeheuer von Loch Ness Opfer seines Forschungsdrangs geworden ist. Doch dann gibt es ein überraschendes Lebenszeichen in Form dreier von ihm persönlich besprochener Tonbandkassetten, die nach Aussage eines ostfriesischen Bauern von einer fliegenden Untertasse über seiner Wiese abgeworfen worden sein sollen. Die allem Anschein nach authentischen Tondokumente enthalten die unglaublichen Schilderungen des Wissenschaftlers, der von einem unbekannten Flugobjekt entführt wird. Mit einem ad hoc aus Teilen seines Fotoapparats konstruierten Universal-Translators gelingt es ihm, mit den Außerirdischen in Kommunikation zu treten. Sie kommen von der Vega und bringen ihn geradewegs in das geheime galaktische Hauptquartier am Grund des Bermuda-Dreiecks. Hier, in der Tiefe des Ozeans, steht er einem der weisen UFO-Lenker aus galaktischen Fernen gegenüber und erhält Aufschlüsse über Vergangenheit und Zukunft der Menschheit. Vor zwei Millionen Jahren hatten böse Reptilien vom Aldebaran auf der Erde den Keim für die menschliche Rasse gelegt, um dereinst über willige Söldner in ihrem Geiste zu verfügen. Das Imperium von Aldebaran existiert nicht mehr, aber seither behalten die Veganer den von jenen geschaffenen Vorposten im Auge. Werden die Menschen hoffnungslos dem Bösen verfallen oder sind sie noch für das Gute zu retten? Sollen sie eine letzte Chance erhalten oder exterminiert werden? Eines ist sicher: in einer zweiten Sintflut wird es keinen Noah mehr geben)
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Das Geheimnis von Craven-Hall (RIAS 1978) (nach Catherine Louisa Pirkis: The Murder at Troytes Hill)
Versetzen Sie sich nun im Geiste zurück, um ein gutes dreiviertel Jahrhundert, in die Zeit der Gasbeleuchtung und der Pferdedroschken und folgen sie mir in das Gerichtsgebäude einer kleinen englischen Stadt, wo gerade eine Totenschau abgehalten wird, ein Mord hat stattgefunden. Und dann sahen Sie die Leiche. Jawohl euer Ehren, ich erblickte den dahingeschiedenen in seinem Blute liegen, inmitten dieser chaotischen Umgebung, es war abscheulich, wenn ich mir diesen starken Ausdruck gestatten darf. So, und was taten Sie dann? Ich sagte oh! Oh? Jawohl euer Ehren, oh, ich erinnere mich genau. Und dann? Äh, dann dachte ich nach. In der Tat, und? Ich äh ich dachte also nach, etwa 2 Minuten, würde ich sagen, dann
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Die Iden des März (RIAS 1981) (Carl Martell: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute)
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Die Wikinger in Vinland (RIAS 1981) (Carl Martell: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute)
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Schmetterling mit Hakenkreuzen (BR 1981) (nach Philip K. Dick: The man in the high castle)
Tschuang Tse träumt, er sei ein Schmetterling, er fliegt dahin, flattert mit den Flügeln und freut sich, plötzlich wacht er auf und erkennt, er sei Tschuang Tse, ist er nun Tschuang Tse, der träumte, er sei ein Schmetterling, oder ist er ein Schmetterling, der träumt er sei Tschuang Tse, ahaha, wer kann das sagen, ich bin Melville Abendsen, geboren 1918, als der erste Weltkrieg zu Ende ging, im zweiten Soldat, Guadalcanal, Midway, Guam, bei Iwojima verwundet, Besatzer auf Okinawa bis 1946, ich bin Schriftsteller, ich schreibe Science Fiction, ich äh habe eine Idee im Kopf, eine Geschichte, die nicht in der Zukunft spielt, die gegenwärtig ist, zeitgenössisch und doch nicht von dieser unserer Zeit, ich will gewissermaßen
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Zwei Leichen im Orient-Express (Ein Fall für Professor van Dusen, nicht gesendet, profvandusen.com)
Guten Morgen, Professor, wachet auf, wachet auf, es krähte der Hahn, Morgenstunde hat bekanntlich Gold im Munde. Wie spät? Sieben Uhr durch, Professor, und die Sonne scheint. So, geben Sie mir mein Notizbuch. Sagten Sie Notizbuch? Ja doch, gestern abend, kurz vor dem Einschlafen, hatte ich einen höchst interessanten Gedanken im Zusammenhang mit meiner atomaren Strukturtheorie, von der Sie ohnehin nichts verstehen, da, auf der Ablage, etwas schneller, wenn ich bitten darf. Bitte sehr, Professor. Fällt Ihnen nichts auf, Professor? Nein. Und heute nacht haben Sie auch nichts gemerkt? Wie Sie wissen, mein lieber Hatch, erfreue ich mich eines gesegneten Schlafes, auch auf Reisen, was ist geschehen? Sehen Sie
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Das schaudererregende Abenteuer im Orient-Express (WDR 1982)
Guten Morgen Homes, früh im Bett und früh heraus glaube mir das zahlt sich aus. Was ist die Uhr. Präzise 7 mein lieber Homes und die Sonne scheint. So geben sie mir mein Spritzbesteck. Aber Homes sie haben doch versprochen. Verschonen sie mich mit ihren spießbürgerlichen Moralpredigten was wissen sie schon davon wie sehr ich meine 7%Lösung brauche, da auf der Ablage nun geben sie schon her. Wenn sie darauf bestehen. Ja. Fällt ihnen nichts auf Homes. Nein. Und heute nacht haben sie auch nichts gemerkt. Wissen Sie mein lieber Watts ich erfreue mich selbst auf Reisen eines passablen Schlafs, was ist geschehen. Werfen Sie einen Blick aus dem Fenster. Ah wir stehen. Sehr scharfsinnig, 7Uhr sollten wir nicht schon seit Stunden
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Im Wald, da sind die Räuber (RIAS 1982) (Carl Martell: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute)
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Festgemauert in der Erden (RIAS 1982) (Carl Martell: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute)
(Meine Damen und Herren. Heute meldet sich wieder "Report vor Ort" - mit Sensationen von gestern für Leute von heute. Carl Martell will mit der Sendung "Festgemauert in der Erden" einen historischen Ablauf von den Feierlichkeiten des Turmbaus zu Babel geben. Wir wünschen gute Unterhaltung!) (Anmoderation)
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Die lange Nacht des jungen Werthers (RIAS 1982) (Michael Koser: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute)
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Der Weltuntergang findet nicht statt (RIAS 1982) (Carl Martell: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute)
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Als die Römer frech geworden (RIAS 1983) (Carl Martell: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute)
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Film Noir (DLR 2000)
Keine Fotos, keine Fotos, bitte, keine Kameras, lassen Sie den Mann doch in Ruhe, und keine Fotos, hören Sie bitte auf zu fotografieren, machen Sie Platz... Als ich Malibu Beach erreichte, war der Regen noch stärker geworden, Blitze zuckten über den Nachthimmel wie der Widerschein fernen Artilleriefeuers, ich hielt, fünf Minuten vor elf, ich war pünktlich, die Straße war leer, bis auf einen einsamen Buick weiter vorn an der Biegung, unter einer windgeschüttelten Palme, und bis auf Arnolds Cadillac natürlich, er hockte vor dem Strandhaus wie eine riesige Kröte, ich hätte in guter Stimmung sein sollen, aber mein Gemüt war fast so dunkel wie der Himmel, Schatten der Vergangenheit oder eine Vorahnung an diesem verregneten Abend
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Die Alzheimergang (DLR 2002)
Ich soll die Story erzählen, das haben Garbo und Harald und Hildchen so beschlossen, ich weiß nicht wie ich das finde, klar ich gehör auch zur Alzheimergang, bloß irgendwie doch nicht so ganz richtig, weil ich bin erst 19 und Alzheimer ist noch weit hoffe ich mal, aber wenn die anderen unbedingt wollen, okay. Hören Sie sich das mal an: gerade im Bereich der Seniorenpolitik, sagte Dr. Waldhorn, muß sich sehr viel ändern, unseren älteren Mitbürgern, sagen wir es doch ganz deutlich, geht es zu gut. Was zu gut? Ja. Der spinnt, der Waldhorn. Och, vielleicht hat seine Mutter ja recht. Der Sie immer die Karten legen, Hildchen, ja, und was sagt die alte Isolde Waldhorn. Sie sagt, ihr Sohn sei ein, entschuldigen Sie den Ausdruck, ein
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Die Schule der Glücksritter (DLR 2004) (geplant als Cocktail für Zwei, Folge 9: Chicago Flip)
Pittsburgh, hier Pittsburgh. Der Pennsylvania Special rollte gerade ein, als ich den Bahnsteig betrat, ich fror ohne Hut und Mantel, der Schneeregen der Dezembernacht hatte mich durchnäßt, die Tasche war so schwer und ich wurde verfolgt, während ich am Zug entlang hastete, sah ich mich um, da kamen sie, zwei große Männer in dunklen Mänteln und klobigen Schuhen, in Panik stieg ich in den nächsten Wagen, ein Pullmansalon mit Privatabteilen und lief den Gang entlang, fängt ja gut an das neue Leben, dachte ich, plötzlich öffnete sich die Tür neben mir, eine Hand packte mich, zog mich ins Abteil. Legen Sie sich ins Bett schnell. Meine Tasche. Die verstecken wir unterm Bett, cava unter die Decke Mademoiselle wickeln sie sich
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Raymond Chandler: Heißer Wind (BR 1966)
Es war ein unerquicklicher Abend, der Wüstenwind fegte durch Los Angeles, einer jener heißen trockenen Santa Anas, die durch die Gebirgsgpässe der Sierra Nevada herunterstürmen, einem das Haar kräuseln, an den Nerven zerren und auf der Haut jucken, an Abenden wie diesem artet die friedlichste Bierrunde gern in eine wilde Schlägerei aus, ich saß in der Kneipe im Haus gegenüber, der junge Mann hinter der Theke sah aus, als ob er noch nie in seinem Leben einen Schluck zuviel getrunken habe. Ihr Bier bitte. Danke. Hoffentlich ist es zu ihrer Zufriedenheit eingeschenkt. Ganz famos sogar, sie haben das Lokal erst vor kurzem eröffnet, nicht wahr. Vor knapp zwei Wochen, sie waren doch schon einmal hier, nicht. Ja, stimmt
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Dashiell Hammett: Das Haus in der Turk Street (WDR 1974)
Mein Name ist Tracy, dh. es ist einer von vielen Namen, die ich mir zugelegt habe im Lauf der Jahre, ich gehöre zu den Leuten, die am liebsten incognito reisen der Not gehorchend, wenn sie wissen was ich meine, ich könnte auch sagen es gehört ganz einfach zu meinem Beruf unter falscher Flagge zu segeln, also ich nannte mich Tracy an dem Tag, von dem hier die rede ist und ich war hinter einem jungen Mann her in San Francisco, er war seinen Eltern davongelaufen, sein Vater war Bürgermeister in Tacoma, einem kleinen Nest in Colorado, ich sollte den verlorenen Sohn aufstöbern und zur Heimkehr bewegen, möglichst diskret, keine sehr dankbare Aufgabe für einen Detektiv, aber es lag gerade nichts anders vor, der junge Mann
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Ross Macdonald: Schwarzes Blut (WDR 1993)
(An einem Mittwochnachmittag flog ich von Mazatlan nach Hause, während des Landeanflugs auf Los Angeles sah ich aus der Mexicana-Maschine zum ersten Mal den Ölfleck auf dem Meer, wie ein unförmiger Teppich, einige Kilometer breit und etliche Kilometer lang, bedeckte er das blaue Wasser vor Pacific Point, unweit der Küste ragte eine Bohrinsel auf wie der Metallgriff eines Dolches, in den Bauch der Erde gerammt, damit sie schwarzes Blut verströme, der mexikanische Flugbegleiter schritt durch den Gang, um zu prüfen, ob wir alle zum Landen bereit waren, ich fragte ihn, was mit dem Meer passiert sei. Der Latino gestikulierte und zuckte nur die Achseln, als erübrige sich die Frage von alleine angesichts des)
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Leo Malet: Die Brücke im Nebel (SWF 1989)
Mein Wagen war in der Inspektion, also nahm ich die Metro ins 13. Arrondissement, hätte mir auch ein Taxi leisten können, aber bis Weihnachten war es noch eineinhalb Monate, außerdem nieselte es hundsgemein, und dann lösen sich die Taxis in Paris bekanntlich in Luft auf, laufen einfach ein, sobald sie vom ersten Tropfen naß werden, ich nahm also die Metro, setzte mich ins 1.Klasseabteil der Linie Eglise de Pantin - Place dItalie und las noch mal diesen mysteriösen nach billigem Parfüm riechenden Brief, lieber Genosse, ich wende mich an dich auch wenn du flic geworden bist, aber du bist anders als die anderen flics und außerdem kenne ich dich von klein auf, ein Scheißkerl hat ne Schweinerei vor, komm zu mir ins
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Michael Lewin: Der stumme Handlungsreisende (SDR 1998)
Krimizeit aus Studio13: Gut Mr Samson, ich lese ihnen den Text noch mal vor. Schießen sie los. Detektiv zum Spartarif in Großbuchstaben. Ja. Bei Auftragserteilung bis 31. August 10% Rabatt auf alle privaten Ermittlungen auch in Scheidungsangelegenheiten. Finden sie 10% genug. Bitte. Genug Rabatt, würden sie dafür ihre Scheidung vorantreiben. Ich, ich bin nicht verheiratet. Naja aber wenn sies wären. Also. Schreiben sie 20%. Ok also 20%. Und die Anzeige ist morgen drin. Ja Sir, ab morgen eine Woche lang. Ich hoffe der Aufwand lohnt sich. Ja das hoff ich auch. Nicht daß ich kurz vor der Pleite stand, ich doch nicht, es ging um etwas anderes, meine Tochter hatte mir geschrieben daß sie mich besuchen wollte, ich hatte sie
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Jim Thompson: Gefährliche Stadt (NDR/SWF 1996)
...Ich fasse also zusammen Mr Handler, sie haben einen Freund, einen alten, aus der Zeit als sie Wildcatter waren und nach Öl gebohrt haben, und dieser Freund hat es genau wie sie geschafft, er ist die Treppe raufgefallen. Sie wissen so gut wie jeder hier, daß mich das Öl 40m durch die Luft gewirbelt hat und daß ich deswegen nicht mehr laufen kann. Entschuldigen sie Mr Handler, ihr Freund sitzt also nicht im Rollstuhl aber er ist genau wie sie mit einer vielzu hübschen, mit einer viel zu jungen Frau verheiratet und die möchte jetzt so langsam ihr erbe antreten. Das glaubt er zumindest, ja. Aber ihr Mann stirbt nicht und sie hat bisher noch nichts unternommen um seinen Tod zu beschleunigen, die Frage ist also was soll er machen
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Cornell Woolrich: Der Mann gegenüber (HR/SWF 1993)
Er ist tot. Ja. Ja, etwas mehr müssen Sie schon sagen, unter Ihrem Fenster liegt ein toter Mann und alles was sie sagen ist ja, wer ist der Mann. Er wohnt gegenüber, er hat seine Frau umgebracht. Was. Er hat seine Frau umgebracht, vorgestern, vorgestern nacht. Er hat seine Frau umgebracht, woher wissen sie das, haben sies gesehen. Nein, aber ich weiß es, er wollte mich auch umbringen. Aber er ist doch tot, nicht sie. Das ist mir auch lieber so. Also jetzt passen sie mal auf, vor genau, moment, vor genau 16 Minuten bekommen wir einen Anruf daß aus diesem Fenster hier ein Mann auf den Hof gestürzt ist, jemand rief an und sagte, ich habe gerade gesehen wie jemand aus einem Fenster im 3. Stock gestürzt ist, wir stellen noch ein
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Ed McBain: Stirb Kindchen stirb (BR/WDR 1992)
Kriminalhörspiel aus dem 87. Polizeirevier: Mit Detective Steve Carella dem gründlichen. Nochmal von vorne, Minute für Minute, also du steigst die Feuerleiter runter, was siehst du, was hörst du, ich will alles wissen. Detective Bert Kling dem Knallharten. Oh mann als Cop bist du hier nur das Arschloch. Detective Meyer Meyer dem gemütlichen. Ich hab hier ne Hundemarke, Detective Meyer wau wau. Der aber auch anders kann. Hörmal zu du Kinderschänder, du verschaffst mir den Aufenthaltsort von Martin Proctor oder ich laß dich hochgehen, ist das klar. Und Detective Ollie Weeks dem Witzbold. Und denk an die vier großen W, nach dem wo und dem was jetzt das wer und vor allem das wie, hehehe. Happy New Year, Leute
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James M. Cain: Der Postmann klingelt immer zweimal (HR 1994)
Gegen mittag warfen sie mich vom Heuwagen, ich war am abend zuvor aufgesprungen, unten an der Grenze, sackte gleich ab, ich war hundemüde nach den 3 Wochen in Tijuana und als sie hielten, um den Motor abzukühlen, sahen sie meinen Fuß herunterhängen, immerhin sie gaben mir noch eine Zigarette. Sag mal Chef ist nicht zufällig einer in nem hellgelben Cadillac vorbeigekommen. Ich machte mich auf die Socken, um was eßbares aufzutreiben. Heute. Ja. Und so kam ich zu dir Cora nach Twin Oaks. Heute nicht, willst du was essen, tja ich kann ja schon mal anfangen also Orangensaft, Cornflakes, Spiegeleier mit Speck, Enchiladas, Pfannkuchen und Kaffee. Die Spiegeleier kommen sofort. Eins muß ich dir gleich sagen
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Mickey Spillane: Ich, der Richter (WDR 1999)
New York im Jahre 1950, schöne Frauen, harte Kerle und große Kaliber, das ist die Welt des berühmt-berüchtigten Privatdetektivs Mike Hammer, der gnadenlos wie ein schwarzer Ritter durch den Dschungel der Großstadt streift. Niemand sagte etwas, als ich das Zimmer betrat, sie wichen beiseite und ich spürte, wie ihre Blicke auf mir lagen, Chiefdetective Pat Chambers deutete auf die Schlafzimmertür. Dort drin, Mike. Dort drin, dort drin lag mein bester Freund tot auf dem Boden, der beste Freund, den ich jemals hatte. Hast du den Stuhl verschoben, Pat. Nein, warum. Normalerweise steht der Stuhl neben dem Bett. Auf dem Stuhl lag seine 38er Pistole, es war klar, wie es sich abgespielt haben mußte. Der Mörder hat den
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Walter Netzsch, Peer Frank Günther, Henri Pierre Cami: Grieminahles: Drei Mal Hochspannung für Narren (Der Nuggetkiller etc.) (BR 1955)
Achtung, vergessen sie nicht Nerven und Antenne zu erden, ziehen sie ihr dickstes Fell an, sichern sie ihr Radiogerät gegen Bewerfen mit Aschenbechern und Schuhen, wir fangen an. Sie hören zuerst das Opfer oder der Nuggetkiller, eine atemberaubende Angelegenheit. Tick tack, tick tack. Du Weibi. Ja. Zucker ist wieder keiner da. Tu ihn halt raus, du mußt ja nur hinlangen, das Buffet ist ja hinter dir. Ja der gehört an Tisch und net ins Buffet. Wenn er aber net am Tisch ist, ist er im Buffet. Was ist denn jetzt des, wenn mans Buffet aufmacht, dann spielts Radio. Ja das hat der Onkel Franz neulich schon gesagt, irgendwo muß in der Wohnung ein Kurzschluß sein. Ah drum ist vorhin wie ichs Radio aufdrehen wollt der Staubsauger gegangen
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Rolf und Alexandra Becker: Dickie Dick Dickens (BR 1957)
Wir erzählen Ihnen die Geschichte von Dickie Dick Dickens, dem gefährlichsten Mann, den die Unterwelt Chicagos je ausgespuckt hat. Dickie Dick Dickens, gefürchtet, verachtet, gehaßt, ein Ausgestoßener, und doch, hat nicht auch er beigetragen der herrlichen Millionenstadt ihren geheimnisvollen Glanz zu geben. Das war die herrliche Millionenstadt. Hier verlebte Dickie Dick Dickens 68% seines sensationellen Lebens, die restlichen 32% verbrachte er in Sing Sing, der modernsten Strafanstalt der Staaten, es war ein heißer Julitag im Jahre 1924. Chicago, sowieso ein heißes Pflaster, brütete unter den brennenden Strahlen der unerbittlichen nordamerikanischen Sonne, die Stadt war gewissermaßen in Schweiß gebadet, an jenem Tag
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Erwin Weigel: Wer ist der Täter? (Kriminalfälle zum Mitraten) (BR 1981-2002) Donnerstag abend: Krimitermin in Bayern 2. Wer ist der Täter? Welcher Täter? Der Gärtner... Der Täter ist der, der den Mord begangen hat. Ich bin derselben Meinung wie der Herr. Keine Ahnung... Wer ist bitte der Täter? Der Gärtner. Der Chauffeur. Ich kann leider keine Auskunft geben, da ich Angestellter des Bayerischen Rundfunks bin... Ja, da muß ich aber sehr überlegen, nein, das könnt ich nur meditativ, aber ich bin jetzt gerade nicht in der Verfassung, meditativ zu sein, es tut mir furchtbar leid. I net
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Florian Pauer nach Motiven von Edgar Wallace: Der Joker (SWF 1988)
Guten Morgen, Ann. Ich darf Sie darauf hinweisen, daß es bereits viertel vor elf ist, haben Sie verschlafen, Inspektor? Und wenn es so wäre, ist Sir John schon da? Allerdings. Ann Pattison, ist Higgins endlich da? Ja, Sir John, er ist soeben gekommen. Dann schicken Sie ihn sofort rein. Ja, Sir John. Sehen Sie, er wartet bereits seit zwei Stunden auf Sie, und wenn ich Ihnen einen guten Rat geben darf, dann seien Sie heute freundlich zu ihm, er ist nämlich gestern zum dritten Mal bei der Fahrprüfung durchgefallen und hat eine fürchterliche Laune. Ja, wie gewöhnlich, also dann werde ich mich mal in die Höhle des Löwen wagen. Guten Morgen, Sir. Ah, da sind Sie ja endlich Higgins, guten Morgen, ja, jetzt beantworten Sie mir einmal
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Simone Schneider: Roter Stern (BR/SFB 1992)
Liebste Lilina, 50.000 Tonnen schwer und höher als das Warenhaus Die Welt des Kindes in den Himmel über Moskau ragt, Lilina, mein erster Wolkenkratzer naht, vor den Ufern Sewastopols schwimmt New World New York, zwei Klassen und zwei Schornsteine, bunt geflaggt zu Blasmusik auf schwarzem Meer tanzt Roter Stern, pack deine Tränen in einen Sack und schick Sie mir nach Amerika, Ozean der Fanatiker, reißt sich die blaue Bluse auf, um mich in eine andere Welt zu schaukeln, Lilina, adieu, dein Hündchen. Wladimir auf dem Weg in seine Bordkabine. Tief ist der Ozean. Der Ozean ist eine Sache der Vorstellung. Was unterscheidet ein Ufo von einer schwebenden Ikone? In Moskau setzt man ganze Häuserblöcke auf
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Shirley Jackson: Das Haus (BR 1994)
Institut für Parapsychologie Dr. John Montague, sehr geehrte Mrs Vance, sie kennen meinen Namen wahrscheinlich nicht, ich bin Wissenschaftler und dennoch oder gerade deshalb hat mich die Erforschung sog. übersinnlicher Phänomene immer beschäftigt, im Augenblick habe ich die Möglichkeit im Rahmen eines Forschungsprojekts einem immer noch skeptischen und überheblichen Kollegenkreis einen konkreten Zusammenhang zwischen Psychologie und Parapsychologie experimentell zu demonstrieren. Dr Montague, ist das überhaupt sein richtiger Name. Es gibt einen Dr John Montague, Dr der Philosophie und Anthropologie, Promotion in Oxford 1950. Das klingt doch alles ziemlich unseriös. Ein Forschungsprojekt und
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Jack Ritchie: Der Mitternachtswürger (BR 1992)
Ich frage sie, was hatten sie in der Tiefgarage zu suchen Mr. Turnbuckle, Henry Turnbuckle, Privatdetektiv und nicht schwerhörig, Mrs Homa Schleidel hatte Grund zur Annahme, daß ihr Gatte nicht wie er behauptete, jeden Donnerstag abend im Kegelclub verbringt, er suchte in der Tat heute nicht diesen Ort auf, sondern das Hinterzimmer des Buchhandels nur für Erwachsene, wo er 1 Stunde und 23 Minuten bei einer Filmvorführung verweilte, gegen 21 Uhr 45 befand er sich dann auf dem Weg zurück zu seinem Wagen wo ich ihm meinem Auftrag gemäß unauffällig folgte, in der Tiefgarage richteten sich plötzlich ein halbes dutzend Taschenlampen auf meine Person, und mir wurde dringend geraten, keinen Mucks zu tun sonst
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Henry Slesar: Genau die richtige Art von Haus (WDR 1965)
Dadadabadada, hu-la… Sally. Hu-la, lalala... Sally, bitte hören Sie gefälligst mit dem Geplärre auf, das macht einen ganz krank. Ja, Mr. Hacker. Machen Sie mal ein Fenster auf, die Luft ist ja zum schneiden. Das kommt von Ihrer Zigarre, Mr. Hacker. Reden Sie nicht, reden Sie nicht, bedienen Sie lieber das Telefon. Ja, Mr. Hacker, hier Maklerbüro Hacker… ja… ja… bei 30 Grad im Schatten, nein, nein, Idiot. Sind Sie immer so höflich zu meinen Kunden? War kein Kunde. Wer wars denn? Heizölfirma. Was wollte die denn? Öl verkaufen. Was, Heizöl bei der Hitze, Idiot. Hab ich doch gesagt, hida...badadada... Ein fremder Wagen. Häh? Fährt ganz langsam, sehen Sie mal, New Yorker Nummer dem gelben Rechteck nach zu
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Ray Bradbury: Ein langer Weg nach Hause (NDR/SDR 1989)
Es war ein langer heißer Tag gewesen, die Rechenmaschinen im Büro hatten gesungen wie Millionen metallischer Grillen, ein schrecklicher Tag, Mr Sternwall hatte mich angebrüllt, ich hätte Sternwall am liebsten umgebracht, eines Tages dachte ich auf dem Nachhauseweg, eines Tages wirst du diesen Mr Sternwall vom 10. Stock aus dem Fenster werfen, mein Herz ratterte wie eine aus dem Tritt geratene kaputte Rechenmaschine als ich endlich vor der Wohnungstür stand, was hatte doch der Doktor gesagt, ihr Herz hat ein bißchen Ruhe nötig, gönnen sie sich einen Urlaub, Urlaub, es war völlig unmöglich mit Lydia über Urlaub zu reden, jedes Mal wenn ich auf mein Herz zu sprechen kam, klappte ihr Mund zu wie eine Falle, nein, hinter der
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Weitere Informationen zu den Hörspielen gibt es im Hörspielarchiv im Internet unter: https://hoerspiele.dra.de/
Kommentar von Hörspiele |
Michael Koser: Schmetterling mit Hakenkreuzen (BR 1981) (nach Philip K. Dick: The Man in the High Castle)
Melville Abendsen: Tschuang - Tse träumt, er sei ein Schmetterling, er fliegt dahin, flattert mit den Flügeln und freut sich. Plötzlich wacht er auf und erkennt, er sei Tschuang Tse. Ist er nun Tschuang Tse, der träumte, er sei ein Schmetterling, oder ist er ein Schmetterling, der träumt er sei Tschuang Tse. Ahaha, wer kann das sagen. Ich bin Melville Abendsen, geboren 1918, als der erste Weltkrieg zu Ende ging, im zweiten Soldat, Guadalcanal, Medan, Guam, bei Iwojima verwundet, Besatzer auf Okinawa bis 1946, ich bin Schriftsteller, ich schreibe Science Fiction, ich, äh habe eine Idee im Kopf, eine Geschichte, die nicht in der Zukunft spielt, die gegenwärtig ist, zeitgenössisch und doch nicht von dieser unserer Zeit, ich will gewissermaßen zeitlich seitwärts gehen, fragen, was wäre wenn, wenn die anderen den zweiten Weltkrieg gewonnen hätten, Unmögliches erzählen, um die Schrecken des möglichen zu beschwören, zuerst also der Traum des Tschuang Tse, und dann, am besten ein Sprung, mitten hinein ins unmögliche, etwa so:
Steward: Meine Damen und Herren, im Namen der deutschen Lufthansa begrüße ich die in New York zugestiegenen Passagiere an Bord unseres Messerschmitt- Großraumflugzeugs Dürer auf seinem Linienflug Berlin - San Francisco, unsere Flugzeit wird nunmehr noch 2 Stunden betragen und wir werden in einer Höhe von 20km fliegen, sie können nun wieder rauchen, wenn sie wollen, wir bitten sie aber weiterhin angeschnallt zu bleiben, danke.
Melville: Datum, warum nicht heute, also 24. April 1962, 9 Uhr vormittags.
Brecker: Zigarette?
Sundmann: Ich rauche nicht, danke.
Brecker: Fabelhaft, in zwei Stunden über einen Kontinent, in fünf Monaten zum Mars, deutsche Wertarbeit, darauf kann man stolz sein, Landsmann?
Sundmann: Schwede.
Brecker: Immerhin nordisch, sozusagen Rassenbruder.
Sundmann: Wenn Sie es so ausdrücken wollen.
Brecker: Fliegen Sie zum ersten Mal in die Pazifikzone?
Sundmann: Nein.
Brecker: Ich schon, geschäftlich unterwegs?
Sundmann: Ja.
Brecker: Welche Branche, wenn ich fragen darf.
Sundmann: Plastprodukte.
Brecker: Ach was, ich dachte, wir haben das Monopol für Plaste, IG Farben.
Sundmann: Verkauft ab und zu Lizenzen, ans neutrale Schweden.
Brecker: So, ich bin Künstler, Bildhauer, ich habe gerade eine große Ausstellung in New York eröffnet, und jetzt habe ich eine in San Francisco, Kulturaustausch, Förderung von Freundschaft und Verständnis zwischen den Großmächten und so weiter, das Propagandaministerium bezahlt, Brecker, Axel Brecker.
Sundmann: Sundmann.
Brecker: Vielleicht kennen Sie meine Sachen, Monumentalplastiken, der Meldegänger oder der Geist des 9. November, in der Halle der Reichskanzlei, nein.
Sundmann: Moderne Kunst interessiert mich nicht, ich bin konservativ, Kubismus, Expressionismus.
Brecker: Lieber Herr Sundmann, ist entartet, chaotisch, plutokratisch, und vorbei, ein für allemal vorbei, gottseidank, denn was Herr Sundmann, soll die Kunst darstellen, das Ideal, nicht wahr, die ewigen Werte, Blut, Volk, Rasse.
Sundmann: Wenn Sie gestatten, Herr Brecker, ich möchte lesen.
Melville: Herr Brecker ist in jeder zeit immer nur Herr Brecker, aber Herr Sundmann sollte nicht nur Herr Sundmann sein.
Tagomi: Wer ist Herr Sundmann? Bedeutende Persönlichkeit, zweifellos, empfohlen von hoher Stelle, Tokyo, von zu hoher Stelle, nicht zuständiger Stelle, Baron Mori, Außenministerium, gewiß, Ankauf von Plastprodukten, wichtig, nipponweit zurück hinter Reich, aber warum außenpolitische Empfehlung für schwedischen Wirtschaftsmann.
Melville: Das ist der Chef der japanischen Handelsmission Tagomi, ich kannte mal einen Tagomi auf Okinawa, sein Büro hat er im Nipponcenter an der Golden Gate Brücke im 8. Stock, immer noch 24. April 1962, 9 Uhr 15.
Tagomi: Ja.
Miss Melikyan: Mr Childan ist hier, Mr Tagomi, Mr Childan von Amerika Antiqua.
Tagomi: Ah, soll warten, sie hingegen Miss Melikyan, betreten bitte mein Büro...
(...)
Tagomi: ...ich kaufe es, Person in meiner Lage streckt Hand aus nach jedem Strohhalm.
Melville: 25.April 1962 6 Uhr 20 abend, Frank Frink gefesselt im Laderaum eines Lufthansaflugzeugs, ein böses Ende, aber es hilft nichts, in dieser schwarzen Welt darf es keinen Hoffnungsschimmer geben.
Frank Frink: Schwarze Wagen am Flugplatz, schnell durch die Straßen, durch die Straßen zum Lager, wie wird das sein, nackt und allein im Raum ohne Fenster, warten, warten, warten auf das Zischen, ZyklonB, würgen im Hals, keine Luft, keine Luft, das Zischen, lauter, immer lauter, immer lauter, immer lauter, oder die schwarze Wand mit dunkelroten Flecken wie Rost, ein Mann in Schwarz, mit Revolver Colt 44 aus epischem Bürgerkrieg, zeitgenössisches amerikan. Kunstgewerbe geschmiedet.
Steward: Meine Damen und Herren wir werden in wenigen Minuten auf dem Charles Lindbergh Flughafen New York landen, wir wünschen einen angenehmen Aufenthalt.
Melville: 25.April 1962 7 Uhr Kearnystreet, San Francisco, auf einer Bank an der kleinen Grünfläche sitzt Tagomi, er betrachtet das bei Childan erworbene Schmuckstück.
Tagomi: Was sehe ich, Dreieck, aus Silber, daran Tropfen, kein Plan, keine Symmetrie, helle Oberfläche, dunkler Untergrund, Feuer und Erde, Yin und Yang, Tao auf amerikanisch, innere Wahrheit, Hexagramm61, Schweine und Fische, Dummheit und Verstand, warum verstehen, Unternehmen Löwenzahn wird uns vernichten, Todestrieb, Ende der Welt aber mehr Welten, möglicherweise in anderer Dimension, irgendwo ideale Welt, möglicherweise klare Alternativen, gut böse, schwarz weiß, leicht zu verstehen, Existenz des bösen in jeder Welt, schreckliches Dilemma, nicht zu lösen, was immer geschieht, ist böse, dennoch hoffen und versuchen, warten, sehen, und warten, sehen, warten, sehen, warten, sehen.
Melville: Die Kulissen der Umwelt werden plötzlich weggezogen und Tagomi nimmt wahr, was dahinter ist, die Realität, Tagomi sieht, hört, riecht, fühlt eine unvorstellbar häßliche Silhouette kahler Wolkenkratzer, Autos über Autos, Menschen über Menschen, Schweiß, Gift, Aggression, Brutalität, entsetzliche Einsamkeit.
Tagomi: Wo bin ich, ist was, innere Wahrheit.
Melville: Tagomi hat seinen letzten Herzanfall, 25. April 1962, 7 Uhr 15, Cheyenne, mein alter ego, der alternative Abendsen tritt auf, nicht als deus exmachina, er weiß auch nicht wies weitergehen wird, aber er hat eine wirkliche Alternative beschrieben in seinem Buch, immerhin, mein Buch ist nicht viel, aber besser als nichts.
Julia Frink: Ihr Haus ist ein ganz normales Haus, Mr Abendsen, keine Festung.
Melville: Festung, ach der Klappentext und der arme Gag vom Verlag.
Frink: Haben Sie keine Angst, der SD will sie umbringen, ein Mörder war schon unterwegs zu Ihnen.
Melville: War, was ist passiert?
Frink: Ich habe ihm die Kehle durchgeschnitten, glauben Sie mir nicht?
Melville: Doch, doch, ich glaube ihnen, Sherry?
Frink: Die andere Welt in Ihrem Buch, woher wissen Sie das alles, durch das Orakel.
Melville: Interessante Brosche, ein Talisman, ja, durch das Orakel, Mrs. Frink, bei jeder Idee, jeder Figur, jeder Szene, bei allen Einzelheiten, habe ich das Iging gefragt, es hat Jahre gedauert.
Frink: Also hat das Orakel Ihr Buch geschrieben.
Melville: Das könnte man sagen, wissen sie, was das letzte Hexagramm war, als das Manuskript fertig da lag, 61.
Frink: Jung fu, innere Wahrheit, das bedeutet, Ihr Buch ist wahr, Deutschland und Japan haben den Krieg verloren.
Melville: Vielleicht.
Frink: Sie müssen daran glauben, wenn es überhaupt so etwas wie Wahrheit gibt, dann ist sie im Buch.
Melville: Vielleicht, wollen sie, daß ich Ihr Exemplar signiere.
Frink: Ich muß gehen.
Melville: Ich bring sie ans Tor.
Frink: Beim Schein der untergehenden Sonne schlagen die Menschen entweder auf den Topf und singen oder sie seufzen laut über das nahende alte.
Melville: Sie wissen, wer auf den Topf geschlagen und gesungen hat.
Frink: Nein.
Melville: Juan Tse, der chinesische Philosoph Juan Tse.
Frink: Der mit dem Schmetterling.
Melville: Sie kennen die Geschichte, wissen Sie auch, daß sie kein Ende hat, ist er Tsuang Tse, der träumte, er sei ein Schmetterling oder ist er ein Schmetterling, der träumt, er sei Tuan Tse, der träumt er sei ein Schmetterling, der träumt er sei Tsuang Tse.
Frink: Und so weiter.
Melville: Alles ist dunkel, Julia, nichts ist wahr, was wir auch wählen, mit Sicherheit wissen wir nur eines, es ist die falsche Alternative, wohin gehen Sie.
Frink: Ich weiß nicht, vielleicht zu meinem Mann, ich habe vorhin versucht, ihn anzurufen, aber ich konnte ihn nicht erreichen.
Melville: Bitte, ich hab nicht…
Frink: Ich konnte ihn nicht erreichen.
Tagomi, Chef der japanischen Handelskommission: Aljoscha Sebald
Julia Frink: Katharina Lopinski
Frank Frink: Rüdiger Bahr
Joe Cinderella: Horst Sachtleben
Sundmann alias Oberst Hansen: Harald Leipnitz
Melville Abéndsen, Schriftsteller: Gert Günther Hoffmann
Mr. Childan: Siemen Rühaak (Antiquitätenhändler)
Graf Felix von Eckhart: Hans-Günter Martens
Bridageführer Blobel: Gerd Eichen
Yatabe alias Tedeki: Gerhard Becker
Axel Brecker, Bildhauer: Eric P. Caspar
Radiosprecher: Axel Wostry
Radiosprecher: Jürgen Jung
Miss Melikyan, Tagomis Sekretärin: Christine Merthan
Reinhard Heydrich: Wolf Goldan
Stewart: Gerhard Mohr
Lkw-Fahrer: Bernd Herberger
Charly: Kurt Goldstein
Matson, Boss der Eisengießerei: Christoph Lindert
Sekretär: Hans Peder Hermansen
Polizist: Michael Hoffmann
Telefonistin: Ute Mora
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Michael Koser: Das Geheimnis von Craven-Hall (RIAS 1978) (nach Catherine Louisa Pirkis: The Murder of Troytes Hill)
Versetzen Sie sich nun im Geiste zurück, um ein gutes dreiviertel Jahrhundert, in die Zeit der Gasbeleuchtung und der Pferdedroschken und folgen sie mir in das Gerichtsgebäude einer kleinen englischen Stadt, wo gerade eine Totenschau abgehalten wird, ein Mord hat stattgefunden.
Richter: Und dann sahen Sie die Leiche.
Butler Hales: Jawohl euer Ehren, ich erblickte den dahingeschiedenen in seinem Blute liegen, inmitten dieser chaotischen Umgebung, es war abscheulich, wenn ich mir diesen starken Ausdruck gestatten darf.
Richter: So. Und was taten Sie dann?
Butler: Ich sagte oh!
Richter: Oh?
Butler: Jawohl euer Ehren, oh, ich erinnere mich genau.
Richter: Und dann?
Butler: Äh, dann dachte ich nach.
Richter: In der Tat. Und?
Butler: Ich äh ich dachte also nach, etwa 2 Minuten, würde ich sagen, dann kam ich zu der Überzeugung, dies sei ein Fall für die Polizei, daher beschloß ich mich nach Grenfell zu begeben und Wachtmeister Williams zu benachrichtigen.
Wachtmeister: Bei dem Toten handelt es sich um einen gewissen Alexander Henderson, allgemein bekannt als Old Sandy, 62 Jahre alt, Gärtner bei Mr. Craven auf Craven Hall, in dieser Eigenschaft bewohnte er eine Hütte im Park des besagten Mr. Craven, nicht weit vom Herrenhaus entfernt. Dort.
Richter: Dort fand ihn Mr. Cravens Butler, in leblosem Zustand, worüber er Sie informierte, das ist uns bereits bekannt, Wachtmeister, wir wollen von Ihnen wissen, ob Ihnen etwas besonders auffiel, als Sie die Leiche in Augenschein nahmen.
Wachtmeister: Gewiß euer Ehren, in dem Zimmer herrschte ein unglaubliches Durcheinander, ganz abgesehen von der Leiche, ein Tohuwabohu, gar nicht zu beschreiben.
Richter: Machen Sie uns die Freunde und versuchen Sie es trotzdem.
Wachtmeister: Ja euer Ehren, äh, das Bett war umgestürzt, desgleichen der Tisch und ein Stuhl, der zweite Stuhl stand auf dem Kleiderschrank, Laken und Bettdecke waren zusammengerollt und in den Kamin gestopft worden, Vasen und anderes Geschirr lagen in Scherben auf dem Fußboden, als ob eine Horde Affen gehaust hätte.
Dr. Johnson: Sofortiger Exitus war natürlich die Folge.
Richter: Natürlich, würde es Ihnen etwas ausmachen, Doktor Johnson, Ihre Aussage kurz zu wiederholen, wenn möglich so, daß sie auch für einen medizinischen Laien verständlich wird.
Dr.: Wie Sie wünschen, euer Ehren, ich möchte aber darauf hinweisen, daß laienhafte Formulierungen nicht gerade zur wissenschaftlichen Präzision beitragen.
Richter: Wir werden uns damit abfinden, Doktor, die Todesursache war also.
Dr.: Schlicht gesagt, ein Schlag auf den Schädel ausgeführt mit einem stumpfen Gegenstand und großer Körperkraft, die Lage des Toten auf dem Fußboden des Zimmers, direkt unter dem offenen Fenster, deutet darauf hin, daß er den Schlag erhielt, während er den Kopf aus dem Fenster steckte.
Richter: Interessant, und wann.
Dr.: Der Tod trat etwa 12 Stunden vor meiner Untersuchung ein, also zwischen 5 und 6 Uhr am frühen Morgen des 8. September 1901, darauf läßt auch die Tatsache schließen, daß der Tote lediglich mit einem Nachthemd aus himmelblauem Flanell bekleidet war.
Craven: Familienfaktotum könnte man sagen, treuer Diener, seit ich in Oxford war, als Student, wissen Sie, alte neue und vergleichende Philologie, damals fing ich an mit meinen Forschungen über die Ursprache der Menschheit, ich weiß nicht ob sie sich vorstellen können.
Richter: Gewiß Mr. Craven, äh hatte der Tote Ihres Wissens Feinde?
Craven: Feinde, wer?
Richter: Handerson natürlich.
Craven: Sandy, meinen Sie, Feinde, ganz bestimmt nicht, eine Seele von Mensch, allgemein beliebt.
Richter: Demnach glauben Sie nicht, daß der Täter in seinem Wirkungskreise zu suchen wäre.
Craven: Unsinn, völlig unmöglich, ein Landstreicher vielleicht oder ein Irrer.
Richter: Gestatten Sie mir zum Schluß dieser Totenschau einige notwendige Betrachtungen, der Fall liegt noch in den bewährten Händen der hiesigen Kriminalpolizei und ich bin sicher, daß Inspector Griffin, der die bisherigen Untersuchungen mit großer Umsicht geleitet hat, bald den Urheber dieser schändlichen Tat ermitteln und der gerechten Strafe zuführen wird, aber wie ich soeben erfahren habe, gedenkt der Polizeipräsident unserer Grafschaft einen Londoner Spezialisten hinzuziehen, angesichts gewisser angeblich merkwürdiger Umstände des Falles und angesichts der Tatsache, daß eine angesehene Familie wenn auch nur indirekt betroffen sei, wir halten dies, wir sagen es in aller Offenheit, für eine durchaus unnötige Maßnahme, ja noch mehr, für eine Verschwendung von Steuergeldern, denn kann wohl ein Zweifel daran bestehen, daß es sich beim Täter um einen Wahnsinnigen handelt, der durch eine Überprüfung der einschlägigen Anstalten in der Umgebung leicht zu ermitteln sein dürfte, für uns ergibt sich daraus wieder einmal die traurige Veranlassung, auf den gefährlichen Geist dieser unserer modernen Zeit, warnend hinzuweisen, auf die beklagenswerte Hektik des kaum begonnenen Jahrhunderts, die sich ausdrückt in Automobilen, Telefonen und weiß der Himmel noch was für entsetzlichen Erfindungen, auf die verfehlte Sucht nach neuem, die das bewährte alte verachten zu müssen glaubt, all dieses kann wie wir leider schon des öfteren festzustellen hatten, ungefestigte Charaktere in kriminellen Irrsinn stürzen, bedenken Sie dies meine Herren vom der Jury, wenn sie sich nunmehr zurückziehen um ihren Spruch zu beraten.
Inspektor Griffin: Mord durch eine oder mehrere unbekannte Personen, na das war zu erwarten, dann machen Sie mir mal eine Liste aller Sanatorien in der Grafschaft, damit wir sie in den nächsten Tagen abklappern können.
Wachtmeister: Schon dabei, Inspektor, was meinen sie, vielleicht haben wir den Burschen schon, bevor dieser Spezialist aus dem Zug steigt.
Inspektor: Ihr Wort in Gottes Ohr, Williams und in das des Herrn Polizeipräsidenten.
Gordon: Eine Dame möchte sie sprechen, Inspektor.
Inspektor: Eine Dame, Sie können gehen Williams, und Sie auch Gordon.
Miss Brooke: Inspektor Griffin?
Inspektor: Zu Ihren Diensten, Mam.
Brooke: Mein Name ist Brooke, Miss Loveday Brooke.
Inspektor: Erfreut, möchten Sie nicht Platz nehmen und vielleicht eine Tasse Tee?
Brooke: Danke aber zu einem Plauderstündchen bin ich eigentlich nicht gekommen, haben Sie mein Telegramm nicht erhalten?
Inspektor: Telegramm, was für ein Telegramm?
Brooke: Ich soll hier einen Fall lösen, mit dem Sie allein nicht fertig werden, den Mord an Alexander Henderson.
Inspektor: Moment mal, Brook. Brook ah, dann sind Sie ja der Spezialist aus London.
Brooke: Ich bin wie sie sehen die Spezialistin aus London, Sie dürfen den Mund wieder zumachen, Inspektor, haben Sie übrigens etwas dagegen wenn ich rauche.
Inspektor: Ja, ich meine natürlich nein, bitte entschuldigen Sie meine Verwirrung, ich habe natürlich keine Dame erwartet.
Brooke: Natürlich nicht, ein weiblicher Detektiv, der auch noch raucht, das ist ja wohl der Gipfel, die muß ein Mannweib sein, ein Blaustrumpf, eine Suffragette, wenn nicht noch schlimmeres, so nachdem ich Ihnen das Wort aus dem Munde genommen und das obligatorische Vorgeplänkel.
Inspektor: Aber ich bitte sie ganz und gar nicht.
Brooke: Sollten wir vielleicht mit der Arbeit anfangen, was bei der Totenschau ausgesagt wurde, können Sie voraussetzen, ich war da, klein und bescheiden, in der letzten Reihe, Sie haben mich sicher nicht gesehen.
Inspektor: Ich muß gestehen.
Brooke: Macht nichts, macht nichts, meinen Sie übrigens auch wie der in Ehren vergreiste Richter, daß der Täter ein Geisterkranker ist?
Inspektor: Ich weiß nicht so recht.
Brooke: Sehr schön, sehr schön, immer offen bleiben, das ist mein Motto, ein guter Detektiv geht ohne Vorurteil und vorgefaßte Meinung an seine Fälle, und Sie sind doch ein guter Detektiv.
Inspektor: Ich hoffe es.
Brooke: Ich auch, das würde unsere Zusammenarbeit nämlich sehr erleichtern, gut ans Werk Inspektor, äh zunächst will ich von Ihnen nichts weiter als ein paar Informationen, also erzählen Sie mir was von den Cravens auf Craven Hall.
Inspektor: Ja, aber, aber Sie glauben doch nicht.
Brooke: Ich glaube gar nichts, Inspektor, bitte.
Inspektor: Ja, die Cravens, immer noch eine der angesehensten Familien in der Grafschaft, heutzutage allerdings wie soll ich sagen, ein bißchen heruntergekommen, Craven Hall soll stark verschuldet sein, Mr. Craven senior haben Sie ja wohl bei der Totenschau erlebt, ein Gelehrter, zerstreut, weltfremd, schreibt seit Jahrzehnten an einem großen Werk über die Urlaute der Menschheit oder so ähnlich und interessiert sich für nichts anderes, Witwer, hat 2 Kinder, Cilia 18 und Walter 20.
Brooke: Warum sind die beiden nicht bei der Totenschau vernommen worden?
Inspektor: Ganz einfach, Cilia ist in Liverpool bei Bekannten.
Brooke: So, wann abgereist?
Inspektor: Am 7. September, einen Tag vor dem Mord, abends, in einem gemieteten Automobil, wir haben nachgefragt, routinemäßig, und der Chauffeur hat es bestätigt.
Brooke: Damit hätte Miss Craven ein Alibi.
Inspektor: Nicht, daß sie es brauchte, Cilia hätte nie die Kraft gehabt, Sandy den Schädel einzuschlagen, sie ist ein nettes Mädchen, hat so gar nichts von diesen modernen jungen Frauen die auf Tennisplätzen herumflirten und die Straßen mit dem Velociped unsicher machen.
Brooke: Danke sehr.
Inspektor: Ai, das war natürlich nicht persönlich gemeint.
Brooke: Geschenkt. Inspektor, geschenkt, weiter, Walter Craven.
Inspektor: Krank, Gelbsucht, er liegt isoliert von der Außenwelt in einem Seitenflügel von Craven Hall.
Brooke: Seit wann?
Inspektor: Warten Sie mal, ja, seit dem 7. September.
Brooke: Die Tochter verreist, der Sohn wird krank, genau zur gleichen Zeit, merkwürdig, finden Sie nicht.
Inspektor: Merkwürdig, reiner Zufall.
Brooke: Glauben Sie wirklich, woher wollen Sie wissen, daß Walter den kranken nicht nur spielt.
Inspektor: Auch wenn wir hier nicht bei Scotland Yard sind, so leicht lassen wir uns nicht an der Nase herumführen, Mr. Craven Junior hat ein ordnungsgemäßes ärztliches Attest vorgelegt, als er zur Totenschau bestellt wurde.
Brooke: Wer hat das Attest unterschrieben, der Hausarzt?
Inspektor: Ja, das nehm ich doch an.
Brooke: Aber sie wissen es nicht genau.
Inspektor: Nein.
Brooke: Dann prüfen sie es bitte nach.
Inspektor: Wenn sie unbedingt wollen.
Brooke: Ja, die Sache ist wichtig, es geht immerhin um Walter Craven Alibi.
Inspektor: Ach das Alibi, das steht sowieso fest. Jonny Hales, der Butler, ist bereit zu beschwören, daß in der fraglichen Nacht weder Walter noch sonst jemand Craven Hall verlassen hat.
Brooke: So, und woher weiß er das so genau?
Inspektor: Hales hat sein Zimmer direkt neben der Tür, die Scharniere quietschen entsetzlich, dazu kommt, daß der alte Hales wie so oft wegen seines Rheumas die ganze Nacht wachblieb, also niemand konnte in der Mordnacht aus dem Haus gehen ohne daß der Butler es hörte.
Brooke: Nicht schlecht soweit, aber eines haben Sie vergessen, oder einen, Hales selbst.
Inspektor: Kaum, würde er dann wohl allen anderem im Haus ein Alibi geben?
Brooke: Da könnten Sie recht haben, gut, legen wir Mr. Hales und das Problem der Alibis erst mal aufs Eis, fragen wir nach den Motiven, wer hätte einen Grund haben können, Sandy Henderson umzubringen? Hales?
Inspektor: Tja, soviel ich weiß kamen die beiden nicht gerade gut miteinander aus, nach Hales lag Sandy den ganzen Tag faul auf seinem Bett herum, ließ den Park verwildern und bekam dafür von Mr. Craven einen höheren Lohn als der Butler.
Brooke: Interessant wenns stimmt, aber kaum ein Mordmotiv, die übrige Dienerschaft
Inspektor: Nur noch Köchin und Zimmermädchen, und die kommen nicht in Frage, nicht kräftig genug.
Brooke: Akzeptiert, und was ist mit Craven senior?
Inspektor: Nix. Im Gegenteil. Mr. Craven hing sehr an Sandy, obwohl der unter uns gesagt ein alter Streithammel war, auch wenn er an allen Ecken und Enden gespart werden mußte, für Sandy Lohn war immer genug da.
Brooke: Und wenn man Hales glauben kann, war Sandys Lohn nicht gerade winzig, dann fehlt uns also nur noch ein Motiv für Walter Craven, den so plötzlich erkranken.
Inspektor: Der hat seine eigenen Probleme, die mit Sandy nichts zu tun haben. Walter ist sozusagen der begehrteste junge Mann in Grenfell und Umgebung, alle unseren würdigen Geldverleiher sind hinter ihm her, wie der Teufel hinter der armen Seele, er hat so viel Schulden, daß ich nicht weiß wie er da jemals wieder rauskommen will, das Familiensilber hat er schon versetzt.
Brooke: Und zurzeit liegt er krank danieder, unerreichbar für seine Gläubiger, äußerst praktisch, wie gehts jetzt weiter, ihr Polizeipräsident sagte etwas von einer Stelle bei Craven, von einer Möglichkeit ins Haus zu kommen.
Inspektor: Richtig, Craven sucht für seine wissenschaftlichen Arbeiten einen Sekretär, eine Guinee pro Monat bei freier Station.
Brooke: Sehr verlockend.
Inspektor: Vielleicht kann ich ihn von den Qualitäten einer Sekretärin überzeugen.
Brooke: Tun sie das Inspektor, ich logiere im Ochsenkopf, wenn mit Craven alles klar geht, treffen wir uns morgen vormittag sagen wir um 10 und sie begleiten mich dann nach Craven Hall, einverstanden.
Inspektor: Ein gewöhnlicher Räuber wars mit Sicherheit nicht, Sandys Sparbuch und 200 Pfund in Bar lagen unberührt in seinem Schrank, also vielleicht doch ein irrer, dieses verwüstete Zimmer, das kann doch kein normaler Mensch gewesen sein.
Brooke: Aber Inspektor, immer schon offen bleiben, denken sie dran, es gibt mindestens noch 2 andere Möglichkeiten.
Inspektor: Und die wären?
Brooke: 1. der Mörder will uns täuschen, will uns glauben machen, Sandy sei von einem Wahnsinnigen erschlagen worden, 2. der Mörder hat etwas bestimmtes gesucht und wollte alle Spuren seiner Suche beseitigen.
Inspektor: Und das, verehrte Kollegin, ist Craven Hall.
Brooke: Aha, von weitem ganz hübsch, frühes 17 Jahrhundert nehm ich an.
Inspektor: Kann sein ich versteh nicht davon, die franzosischen Fenster rechts von der Tür, das ist das Arbeitszimmer von Mr. Craven.
Brooke: Und Walters Krankenlager?
Inspektor: Irgendwo im linken Seitenflügel im 2. Stock glaub ich.
Brooke: Da wir gerade von Walter reden, haben Sie sich um sein Attest gekümmert.
Inspektor: Hätte ich fast vergessen, das Attest ist von Dr. Waters in Grenfell ausgestellt worden.
Brooke: Und?
Inspektor: Dr. Waters ist zwar etwas kurzsichtig, und nicht mehr der jüngste, aber er würde nie ein Gefälligkeitsattest unterschreiben, auch nicht für die Cravens.
Brooke: Das rote Dach da über den Büschen, das gehört wohl zu Sandy Hütte.
Inspektor: Richtig, wir sind da.
Brooke: Dann liefern sie mal die neue Sekretärin ab, wir sehen uns wie besprochen um 5 in ihrem Büro.
Hales: Inspektor.
Inspektor: Tag Hales, ich bringe ihnen Mr. Cravens neue Sekretärin, Miss Brooke, er weiß Bescheid.
Hales: Miss äh bitte folgen sie mir.
Brooke: Einen Moment noch, ein Wort im Vertrauen, Inspektor.
Inspektor: Ja?
Brooke: Fragen sie ihn, ob er in der Mordnacht, als er nicht schlafen konnte, irgend ein ungewöhnliches Geräusch gehört hat, leben sie wohl Inspektor, und vielen Dank für ihre Mühe.
Inspektor: Nicht der Rede wert, Miss, ach Hales?
Hales: Sir?
Inspektor: In der Nacht, in der Sandy umgebracht wurde.
Hales: Ja Sir.
Inspektor: Haben sie da irgendetwas Ungewöhnliches gehört?
Hales: Ungewöhnlich Sir?
Inspektor: Ja ein auffälliges Geräusch, ein Geräusch das man normalerweise sonst nicht hört.
Hales: Ah ich verstehe, Sir, ich glaube nicht, Sir, falls man nicht die Tatsache, daß Kapitän geheut hat, für ungewöhnlich halten wollte.
Inspektor: Käptain?
Hales: Mr. Cravens irischer Setter, Sir.
Inspektor: Ah ja, wann war das?
Hales: Wenn ich mich recht erinnere, Sir, gegen 5 Uhr morgens, das war übrigens wenn ich das hinzufügen darf, das letzte mal, das Cäptain sich vernehmen ließ, seit dem ist er verschwunden.
Inspektor: Was sie nicht sagen.
Brooke: Der kuriosen Zwischenfall mit dem Hund in der Nacht, elementar mein lieber Inspektor.
Inspektor: Wie meinen.
Brooke: Oh nichts von Bedeutung, walten Sie ihres Amtes, Hales.
Hales: Sehr wohl, Miss, wie ich bereits bemerkte, folgen Sie mir.
Brooke: Eine schlimme Sache, der Mord an Ihrem Gärtner, Hales.
Hales: So ist es, Miss, Ihr Zimmer, Miss, ein Dichterzimmer von Miss Celia, die sich zur Zeit in Liverpool aufhält, oh, oh ich muß um Entschuldigung bitten, Miss, wie ich bemerke ist noch nicht aufgeräumt, ich werde ihnen sogleich das Mädchen schicken.
Brooke: Lassen Sie nur, Hales, das mache ich schon selbst.
Hales: Wie es Ihnen beliebt Miss, Abendessen um 7 Uhr, pünktlich, Mr. Craven wünscht Ihre Anwesenheit, bis dahin muß ich sie sich selbst überlasen.
Inspektor: Zucker, Miss Brooke?
Brooke: Danke Inspektor.
Inspektor: Nein. Keine Sahne, danke.
Brooke: Ist Celia Craven blond?
Inspektor: Was, ja ich glaub schon, warum?
Brooke: Weil ich das hier auf dem Fußboden ihres Zimmers gefunden habe.
Inspektor: Aha. Eine Haarsträhne, blond, na und?
Brooke: Diese Strähne, lieber Inspektor ist gut 40 cm lang, so was schneidet sich ein Mädchen nicht aus Spaß ab oder durch Zufall.
Inspektor: Aber ich versteh nicht. Was schließen sie daraus?
Brooke: Vorläufig noch gar nichts, dazu müßte ich erst mehr über Walter Cravens Krankheit wissen.
Inspektor: Aber was hat denn das damit zu tun, und was wollen sie dauernd mit Walter, sie sind auf der falschen Fährte, Miss Brooke, glauben sie mir, was sie tun sollten.
Brooke: Was ich tun sollte, überlassen sie bitte ganz und gar mir, Inspektor, übrigens habe ich nicht nur diese Haarsträhne gefunden.
Inspektor: So, was denn noch?
Brooke: Einen toten Hund, genauer gesagt einen irischen Setter, dem jemand den Schädel eingeschlagen hat mit einem stumpfen Gegenstand.
Inspektor: Mr. Cravens Kaptain.
Brooke: Ohne Zweifel, er lag oberflächlich vergraben unter einem Gebüsch im Park, knapp 5 Meter von Sandys Hütte entfernt, wenn ich meiner Nase trauen kann, war er schon etwa 1 Woche tot, das heißt.
Inspektor: Das heißt, daß er wahrscheinlich in der Nacht vom 7 auf 8 September totgeschlagen wurde.
Brooke: Gegen 5 Uhr als Hales sein Todesheulen hörte und da nach Dr. Johnson Aussage Henderson in eben dieser Nacht auf eben diese Weise umgebracht wurde und zwar zwischen 5 und 6.
Inspektor: Läßt sich zwischen beiden Ereignissen ein Zusammenhang vermuten.
Brooke: Sehr gut Inspektor, die Frage ist nur, was für ein Zusammenhang.
Inspektor: Ja, ja, äh das ist wie sie so richtig sagen die Frage, vielleicht hat der Hund den Mörder gestellt?
Brooke: Könnte sein, nur war Captain leider uralt, zahnlos, halb blind und so gut wie taub, ich habe mich informiert, Fakten, Inspektor, Fakten, darauf kommt es an, Regel 2 des guten Detektivs, eine Tatsache ist mehr wert als 1000 Vermutungen, und deshalb sollten wir heute mit dem spekulieren aufhören.
Inspektor: Wüßte nicht, was ich lieber täte.
Brooke: Freuen sie sich nicht zu früh, Inspektor, Fortsetzung folgt bald, allerdings wohl besser nicht hier, man könnte sich fragen, was ich ständig in Grenfell und speziell ihrem Büro zu suchen habe.
Inspektor: Daran habe ich auch schon gedacht und mir was überlegt, was halten sie davon, um die Mittagszeit kommt der Briefträger mit der Post nach Craven Hall, ein zuverlässiger Mensch, tut der Polizei gern mal einen Gefallen, wenn sie mir was mitteilen wollen, schreiben sie es auf und geben sie es ihm mit, heimlich, ich mach es genauso, noch eine Tasse Tee?
Brooke: Ja gern.
Butler: Wünschen Sie noch Gemüse, Miss?
Brooke: Danke Hales.
Craven: Essen sie nur, Miss äh.
Brooke: Brooke, Loveday Brooke.
Craven: Essen sie doch, Miss Brooke, essen sie tüchtig das stärkt die kleinen grauen Zellen, und die brauchen wir, die brauchen wir bald, wenn wir anfangen gemeinsam an meinem großen Werk zu arbeiten, sie wissen doch worum es geht, oder, habe ich sie schon gefragt, welche Sprachen sie beherrschen, das ist wichtig, Miss äh Brooke, äußerst wichtig. Je mehr desto besser, desto besser, nicht wahr.
Brooke: Ich spreche außer englisch natürlich.
Craven: Natürlich. Natürlich.
Brooke: Französisch, italienisch, deutsch, verstehe spanisch, latein, altgriechisch, ach ja und ein bißchen hebräisch.
Craven: Und, und? Das ist alles? Miss Brooke, kein Sanskrit, Miss äh, die erhabene Sprache der alten Inder, wirklich nicht, chinesisch, gotisch, isländisch, kein bißchen, kein ganz kleines bißchen.
Brooke: Leider nein, Mr. Craven.
Craven: Ein Jammer, ja was machen wir denn da, sie können abräumen, Hales.
Butler: Sehr wohl, Sir.
Craven: Das gewaltige Werk Miss äh.
Brooke: Brooke.
Craven: Ms Brooke danke, das gewaltige Werk, die Krönung meines wissenschaftlichen Strebens und Lebens verlangt nun einmal die Kenntnis aller wichtigen Idiome der Menschheit, die Urlaute, Miss Brook, die Ursprache, ist ihnen eigentlich klar, welch gigantischer Aufgabe ich mir gestellt habe, wissen sie in welcher Sprache Adam und Eva im Paradies miteinander konversierten, sie wissen es nicht, niemand weiß es, nur ich, ich weiß es oder ich werde es sehr bald wissen, denn die Urlaute, glauben sies mir, sind nicht verschwunden, sie stecken in jeder Sprache überall, man muß sie nur finden und erkennen, und wenn ich sie gefunden und erkannt habe, dann werden sie es alle bereuen, daß sie mich ausgelacht haben, alle, die eingebildeten Professoren und Doktoren, sie werden meinen Namen mit Ehrfurcht nennen, sie werden mein Werk bewundern, und es wird Jahrhunderte überdauern.
Butler: Sir?
Craven: Jawohl die Jahrhunderte.
Butler: Sir.
Craven: Was? Was, was gibts Hales?
Butler: Vielleicht möchten sie einen Blick in die Zeitung werfen Sir, die Liverpool News von heute.
Craven: Gut, gut, geben sie doch her, Hales.
Butler: Bitte Sir ich erlaube mir ihre besondere Aufmerksamkeit auf diesen Artikel hier zu lenken.
Craven: Wieso, was, achso, in den Morgenstunden des gestrigen Tages haben sich eine große Menschenmenge am Pier A, um der Abfahrt der Edinburg Castle beizuwohnen, unter den Passagieren der Jungfernfahrt nach New York.
Butler: Sir?
Craven: Ja, ja verstehe, Hales, wer ist die junge Dame hier am Tisch, sie kommt mir irgendwie bekannt vor.
Butler: Miss Brooke Sir, Ihre neue Sekretärin.
Craven: Ach, wirklich, ja richtig, ich erinnere mich. Miss Brooke.
Brooke: Ja, Mr. Craven?
Craven: Heute brauche ich sie nicht mehr, bin nicht in der rechten Stimmung zur Arbeit, aber morgen abend nach dem essen da stellen sie sich bitte in meinem Arbeitszimmer ein, bereiten sie sich geistig darauf vor, daß ich ihnen das Vorwort meines großen Werkes diktieren werde, Sie dürfen sich zurückziehen, Miss äh.
Brooke: Brooke, Mister Craven.
Brooke: Dies, lieber Inspektor, ließ mir wie sie sich denken können, hinreichend Zeit, meinen eigentlichen Pflichten in Craven Hall nachzugehen, und wenn ich auch bislang noch nicht in die Geheimnise der Urlaute eindringen konnte, so ist es mir doch gelungen, eines der Geheimnisse von Craven Hall aufzudecken, wovon ich ihnen durch den getreuen Postboten hiermit sogleich Mitteilung mache, ich meine die mysteriöse Krankheit des jungen Mr. Walter, der ich wie Sie sich erinnern werden, von Anfang an mit gewissen zweifeln gegenüberstand, es wird sie interessieren zu hören, daß meine Zweifel sich als durchaus begründet erwiesen haben, heute vormittag war ich nämlich in einem unbewachten Augenblick so glücklich das sog. Krankenzimmer im Seitenflügel in Augenschein zu nehmen obwohl ich lediglich einen kurzen Blick auf das darin aufgestellte Bett werfen konnte, die Köchin hatte ihren Posten an der Tür nur für wenige Sekunden verlassen, blieb meiner geschulten Beobachtungsgabe keine wichtige Einzelheit verborgen, im Bett lag kein junger Mann sondern ein etwa 18 jähriges Mädchen mit gelbgeschminkten Gesicht und kurzgeschnittenen blonden Haaren, die Schlußfolgerungen, welche daraus zu ziehen sind, kann ich wohl getrost ihnen überlassen, in diesem Zusammenhang noch ein Hinweis, beschaffen sie sich die Passagierliste der Edinburg Castle, die vorgestern von Liverpool nach New York abgesegelt ist, es sollte mich nicht im mindesten wundern, wenn sie darin einen bekannten Namen fänden, doch nun zu wichtigerem, ich weiß, wer Hendersen erschlagen hat, nur eine Person kommt in Frage, alle übrigen sind aus einer Vielzahl von Gründen, die auch ihnen inzwischen klar sein müßten, eliminiert, letzte Gewißheit vor allem was das Motiv betrifft, hoffe mir ich noch am heutigen Tage zu verschaffen, dabei könnte ihre Hilfe unter Umständen von einigem nutzen für mich sein, stellen sie sich daher bei Anbruch der Dunkelheit hier ein, am besten mit einer kleinen polizeilichen Heeresmacht und verbergen sie sich im Park, behalten sie vor allem die französischen Fenster des Arbeitszimmers im Auge, sobald sie dort direkt hinter den Scheiben eine grüne Lampe aufleuchten sehen ist es angezeigt, daß sie mit gewisser Dringlichkeit das Zimmer betreten, ich verlasse mich auf Sie, wenn ich auch hoffe, daß der Fall durch die Kraft des Geistes allein und ohne rohe Gewalt gelöst werden kann, Ihre ergebene Loveday Brooke.
Craven: Was machen Sie denn da?
Brooke: Oh, oh, Sie haben mich erschreckt, Mr. Craven, ich bereite unsere Arbeit vor, hier, sehen sie.
Craven: Was haben Sie in meinen Privatpapieren zu suchen, Miss äh.
Brooke: Brooke.
Craven: Ich mag das nicht, man könnte fast glauben, sie seien an meinen kleinen Geheimnissen interessiert, Leute, die meine kleinen Geheimnisse kennen, mag ich nicht, lassen Sie sich das gesagt sein.
Brooke: Ja, Mr. Craven, verzeihen Sie.
Craven: Wo waren wir stehengeblieben.
Brooke: Sofort, für das Problem der Reduzierung menschlicher Sprache auf die sechs Urlaute ist die Frage nach den emotionalen Grundsituationen von entscheidender Bedeutung, daß Schmerz, Leid, Lust, Freude, Mangel und Befriedigung ihren jeweiligen sprachlichen oder doch stimmlichen Ausdruck besitzen, davon darf ausgegangen werden, wenn auch experimentelle Bestätigung, soweit hatten sie diktiert, Mr. Craven.
Craven: Experimentelle Bestätigung, experimentelle Bestätigung, das ist es, das a und o, der letzte Beweis, auch die vergleichende Philologie ist eine exakte Wissenschaft und bedarf des Experiments, aber wie vorgehen, ja wie vorgehen?
Brooke: Tierversuche, haben sie schon daran gedacht, Mr. Craven, das wäre doch meiner bescheidenen Meinung nach ein guter Anfang, die Urlaute zu bestimmen.
Craven: Was, was war das Miss, Tierversuche, äußerst interessant, Sie sagen da etwas, woran ich selbst schon oft gedacht habe, wenn wie der selige Mr. Darwin uns glaubwürdig versichert, wir Menschen von Tieren abstammen, dann läßt sich erwarten, daß die Urlaute im Tierreich gewissermaßen vorgebildet sind. Angenommen, man fügt einem Tier Schmerzen zu, einem Affen oder einem.
Brooke: Oder man töten, da man einen Affen doch wohl nur selten zur Hand hat, zum Beispiel einen Hund.
Craven: Aha, Hund, glauben sie ja nicht Miss äh.
Brooke: Brooke.
Craven: Glauben Sie ja nicht, daß Sie als erste auf diese geniale Idee gekommen sind, nein, nein, Miss Brooke, ganz und gar nicht, ich Miss Brooke, jawohl ich habe.
Brooke: Sie wollen doch damit nicht andeuten, daß sie ein solches Experiment bereits durchgeführt haben, Respekt, Mr. Craven.
Craven: Ja, ja.
Brooke: Der arme Kapitän.
Craven: Gewiß, gewiß, aber die Wissenschaft verlangt Opfer.
Brooke: Der Mond schien hell, nicht wahr Mr. Craven, und Sie waren da draußen im Park, allein mit Captain, allein mit in ihrem großen Experiment, womit haben sie ihn erschlagen, Mr. Craven, mit einem Stück Holz?
Craven: Ich bitte Sie, das wäre eine höchst unwissenschaftliche Methode gewesen Miss Brooke, nein, nein, sehr sauber, sehr ordentlich, mit meinem Hammer, meinem Geologenhammer, hier, Miss äh, keine Angst, ich hab ihn danach sorgfältig abgewaschen.
Brooke: Und wie hat Captain reagiert, waren sie zufrieden?
Craven: Ja, wie mans nimmt, wie mans nimmt, bevor er starb hat er sehr schön geheult, sehr laut, sehr urtümlich, aber ich weiß immer noch nicht, wie ich diesen Laut in Buchstaben fassen soll, die Umsetzung, Miss äh, die Umsetzungen des stimmlichen ins schriftliche, ein großes Problem.
Brooke: Der Mond schien noch immer, und sie standen an der Gärtnerhütte, den Hammer in der Hand, und da ging ganz plötzlich das Fenster auf.
Craven: Pst, niemand darf davon wissen, das ist ein Geheimnis, so, jetzt kann uns keiner belauschen.
Brooke: Lassen sie doch die Vorhänge, Mr. Craven, wer soll uns schon vom Park aus beobachten?
Craven: Wer? Aber das wissen sie doch, er natürlich, nachts schleicht er draußen herum, und er grinst, und flüstert, ich weiß bescheid, Herr, ich kenne ihr Geheimnis.
Brooke: Und damals in der Nacht stand er plötzlich am Fenster.
Craven: Ja, ja, das tat er, er beugte sich vor und sah mich an, und ich dachte, blitzschnell dachte ich daran, daß er mein Geheimnis kannte, seit vielen, vielen Jahren, und daß ich ihn dafür bezahlen mußte, immer wieder und immer mehr, und dann dachte ich auf einmal an etwas ganz anderes, an mein Experiment, und daß ist meine Forschungen weit, sehr weit voranbringen könnte, wenn ich den Todeslaut eines Menschen, kein Hund, kein Tier, ein richtiger Mensch, und dann und dann.
Brooke: Dann haben Sie zugeschlagen.
Craven: Ja, ich hab zugeschlagen und Sandy fiel um, zurück in sein Zimmer, stumm, stumm, stellen sie sich vor, kein Wort, kein Laut, gar nichts, er fiel einfach um, das war alles, ich war maßlos enttäuscht, und traurig, ja traurig, als ich im Zimmer nach meinem Geheimnis suchte und alles durcheinander brachte, damit sie am nächsten Tag etwas zu raten hatten, da mußte ich immer daran denken, daß es eigentlich umsonst gewesen war, ganz umsonst, ja aber dann fiel mir etwas ein, ich konnte das Experiment ja jederzeit wiederholen, bei günstiger Gelegenheit natürlich, verstehen sie Miss äh.
Brooke: Brooke.
Craven: Meinen sie nicht auch, daß der Todesschrei einer Frau sehr viel elementarer sein müßte, als der eines Mannes, vom Hunde ganz zu schweigen.
Brooke: Mr. Craven.
Craven: Bleiben Sie stehen, was wollen Sie mit der Lampe am Fenster, Sie sind doch Wissenschaftlerin, Miss äh.
Brooke: Brooke.
Craven: Warum sträuben Sie sich so, denken sie an mein großes Werk.
Inspektor: Hände hoch, legen Sie den Revolver weg, Mr. Craven, Williams, die Handschellen, gehen sie zur Seite, Miss, alles in Ordnung, Miss Brooke.
Brooke: Keine Sorge Inspektor, Achtung.
Wachtmeister: Wir haben ihn Sir, für sein Alter ziemlich kräftig.
Craven: Hier wäre wohl ein Urlaut tiefsten Schmerzes angebracht, wenn ich nur wüßte wie.
Inspektor: Dieses Experiment mit den Urlauten, das ist ja wohl das merkwürdigste Mordmotiv, das mir jemals untergekommen ist.
Brooke: Ziemlich kurios, sogar für eine Spezialistin aus London, Cravens zweites Motiv, oder sein erstes, wie sie wollen, ist dafür um so gewöhnlicher, schlichte Erpressung, darauf hätten Sie übrigens schon längst kommen können, Inspektor, der übertrieben hohe Lohn, den Craven Sandy zahlte, ist ein deutlicher Hinweis, dem hätten Sie nachgehen sollen.
Inspektor: So, hätte ich, aber wer konnte wir denn bei einem Mann wie Mr. Craven darauf kommen, daß er was zu verbergen hatte, da wir gerade dabei sind, was hatte er zu verbergen?
Brooke: Hier, das hab ich vor der großen Auseinandersetzung in seinem Schreibtisch gefunden, unten den Privatpapieren, Cravens Geheimnis, hier bitte sehr, sie brauchen es wahrscheinlich für die Verhandlung.
Inspektor: Eine amerikanische Heiratsurkunde: Archibal Craven, Irma Labell, New York 1866, das wars also, Bigamie.
Brooke: Ein überseeisches Abenteuer in seiner Jugendmaienblüte von dem niemand wußte nur der treue Diener Sandy Henderson, dann kam Craven zurück, wurde solide, heiratete, zeugte Kinder, lebte in ständigen Ängsten vor einem Skandal.
Inspektor: Und zahlte und zahlte, bis er sich mit einem Schlag von seinem Quälgeist befreite, die Urkunde, das war es doch sicher, was Craven in Sandys Zimmer gesucht hatte.
Brooke: Natürlich, und dabei hat er das Chaos angerichtet, das sie verwirren und auf eine falsche Fährte locken sollte.
Inspektor: Aber eigentlich haben wir doch von Anfang an recht gehabt, es war tatsächlich ein Irrer.
Brooke: Sicher Craven ist geisteskrank, kein Zweifel, aber daß sie ihn ohne meine Hilfe überführt oder auch nur verdächtig hätten, wage ich zu bestreiten.
Inspektor: Ja, wie auch immer, und jetzt muß ich ihnen noch eine dumme Frage stellen, ich hätte es gern gelassen, aber dazu bin ich ehrlich gesagt zu neugierig, wie sind sie überhaupt auf Mr. Craven gekommen und dann die Sache mit Walter.
Brooke: Langsam, langsam Inspektor, eins nach dem anderen, zunächst einmal, es gab durchaus Hinweise auf Craven, Sandys hoher Lohn zum Beispiel oder auch der Tod des Hundes, der mich auf das andere Motiv brachte, aber das entscheidende war, daß ich alle übrigen Personen die für die Tat in frage kamen, eliminiert konnte.
Inspektor: Das hatten sie mir schon vor der Festnahme geschrieben, aber ich verstehe immer noch nicht.
Brooke: Fangen wir mit Walter Craven an, der ohne es zu wollen alles getan hat, um unsere Arbeit zu erschweren und das nur weil er sich gerade am 7. September gedrängt fühlte, Craven Hall, England und vor allem seine Gläubiger für immer zu verlassen, damit letztere Herrschaften dabei nicht störend eingriffen, führte die Familie unterstützt von der Dienerschaft eine kleine Komödie auf, in Frauenkleidern und verschleiert, reiste der verlorene Sohn nach Liverpool, während seine Schwester sich die Haare abschnitt, das Gesicht gelb anmalte und den halbblinden Dr. Walters zu sich bestellte, der dann auch nichts ahnend, dem angeblichen Walter Craven eine Gelbsucht bescheinigte, ich vermute, daß sie sich sehr ähnlich sehen.
Inspektor: Celia und Walter, aber ja, fast wie Zwillinge.
Brooke: Nach der glücklichen Ankunft Walters in Amerika hätte Celia vermutlich ihre Rolle aufgegeben.
Inspektor: Woher wußten Sie übrigens, daß Walter auf der Edinburg Castle zu finden war?
Brooke: Um ehrlich zu sein, das war eher ein Zufall, ein paar Bemerkungen, zwischen Craven Senior und Hales, die nicht für mich bestimmt waren, damit hatte Walter ein Alibi, als Sandy umgebracht wurde, war er in Liverpool, gut 50 Meilen von Craven Hall im Hotel, das haben Sie doch überprüft.
Inspektor: Ja das Alibi steht, Walter war also aus dem Rennen und Celia.
Brooke: Celia auch, aus dem einfachen Grunde, daß sie für den tödlichen Hieb zu schwach war, dasselbe trifft auf Köchin und Zimmermädchen zu.
Inspektor: Blieb nur noch Mr. Craven Senior und Hales.
Brooke: Hales kam von Anfang an nicht in Frage, ein korrekter Butler wie er, der seinen Beruf ernst nimmt, wäre absolut außerstande gewesen Sandys Zimmer in einer derartigen Unordnung zu hinterlassen, ist eine psychologische Unmöglichkeit.
Inspektor: So Fakten, Miss Brooke, Fakten, ein guter Detektiv.
Brooke: Geht mit der Zeit, irgendwann einmal wird es sich hoffentlich bis zur Polizei von Grenfell herumsprechen, daß es sich bei der Psychologie um eine durchaus ernstzunehmende Wissenschaft handelt, schon mal was von Lombroso gehört, Inspektor?
Inspektor: Apropos Hales, er hat doch ausgesagt, daß niemand, also auch nicht Mr. Craven, in der bewußten Nacht Craven Hall verlassen haben kann.
Brooke: Durch die Tür, Inspektor, wohlgemerkt, durch die Tür, und das trifft auch zu, aber es gibt auch noch eine andere Möglichkeit, die großen französischen Fenster im Arbeitszimmer, die bis auf den Fußboden gehen, leicht zu öffnen, leicht zu schließen, wenn man nicht wie es sie es vorzieht, direkt durch die Scheiben zu spazieren.
Schaffner: Grenfell, der Schottland Express von Glasgow über...
Inspektor: Soll ich ihnen nicht Ihre Taschen.
Brooke: Danke, danke Inspektor das kann ich selbst, alles klar Inspektor, oder haben Sie noch Fragen?
Inspektor: Keine Fragen mehr, aber gratulieren sollte ich ihnen wohl noch zu ihrem Erfolg.
Brooke: Aber Inspektor, ich bin gerührt.
Inspektor: Der allerdings fast ein bißchen zu schlagend ausgefallen wäre, wenn wir gestern abend nur 5 Sekunden später gekommen wären, gäbe es heute keine Spezialistin aus London mehr, zu meinem Leidwesen, muß ich sagen.
Schaffner: Einsteigen, Türen schließen, Abfahrt.
Brooke: Wenn sie 5 Sekunden später gekommen wären, Inspektor hätte ich Gelegenheit gehabt, ihnen etwas vorzuführen, was sie vermutlich noch nicht kennen, einen fernöstlichen Verteidigungsport namens Jiu-Jitsu, aber trotzdem vielen Dank.
Inspektor: Jiu was, gute Fahrt Kollegin.
Brooke: Danke und wenn sie wieder mal einen Fall haben, der ihnen Schwierigkeiten macht, schicken Sie mir einfach ein Telegramm: Loveday Brooke, London, Scotland Yard, das genügt.
Loveday Brooke: Uta Hallant
Inspektor Griffin: Peter Schiff
Richter: Friedrich W. Bauschulte
Craven Sr.: Henning Schlüter
Sein Butler John Hales: Erich Fiedler
Herbert von Boxberger u.a.
Kommentar von Hörspiele |
Michael Koser: Professor van Dusen - Mord bei Gaslicht (RIAS 1978) (nach Jacques Futrelle: The Scarlet Thread)
Hatch: Ja Moment, ich muß erst den Satz zu ende schreiben, ja bitte.
Henley: Hallo.
Hatch: Ja.
Henley: Spreche ich mit Mister Hatch, Mr Hutchinson Hatch vom Daily New Yorker.
Hatch: Ja und wer sind sie.
Henley: Oh natürlich verzeihen sie, Henley ist mein Name, Weldon Henley, erinnern sie sich noch an mich.
Hatch: Oh ja ich erinnerte mich an ihn, aus den guten alten Zeiten als ich noch freier Mitarbeiter bei der eleganten Welt war und die Spalte Klatsch mit Hatch schrieb, sie wissen schon, wer mit wem wo wann wie lange, und bei meinen ungeheuer anstrengenden Recherchen auf Mitternachtspartys und dergleichen war ich des öfteren auch auf Mister Weldon Henley gestoßen, daß er mir einen unauslöschlichen Eindruck hinterlassen hatte, kann ich zwar gerade nicht behaupten aber aufgefallen war er mir, ein flotter junger Mann, der mehr Geld ausgab als gut für ihn war und mehr Whisky trank als er vertragen konnte, Junggeselle Tennisspieler Schürzenjäger und weil ein Mensch von heute auch ein zeitgemäßes Hobby haben muß Amateur-fotograf, später als ich Gerichtsreporter beim daily new yorker geworden war, hatte ich Henley aus den augen verloren, dicke freunde waren wir sowieso nie gewesen und jetzt nach gut drei jahren meldete er sich wieder, was wollte er von mir.
Henley: Was ich von ihnen will, das ist nicht so leicht zu erklären.
Hatch: Ja vielleicht versuchen sie es trotzdem.
Henley: Ja also.
Hatch: Ja.
Henley: Sie haben doch viel mit Verbrechen zu tun nicht wahr, sie schreiben doch immer diese Artikel über Räuber und Mörder.
Hatch: Völlig richtig alter Freund, was ist los.
Henley: Ich weiß nicht.
Hatch: Dahinter steckt doch eine story, zieren sie sich nicht mann, packen sie aus.
Henley: Nein nein so geht das nicht, sie müssen mir versprechen daß nichts von dem was ich ihnen sage, in die Zeitung kommt, ich halte sie für einen gentleman auch wenn sie Journalist sind.
Hatch: Danke sehr.
Henley: Tschuldigung so war das nicht gemeint.
Hatch: Schon gut.
Henley: Also geben sie mir ihr Ehrenwort.
Hatch: Ja wenn es unbedingt sein muß, bitte sehr ich werde schweigen wie das sprichwörtliche grab, so und was haben sie jetzt auf dem herzen.
Henley: Ja kurzgesagt ich habe grund zu der annahme daß ich ermordet werden soll.
Hatch: Was sie nicht sagen, ja waren sie schon bei der polizei.
Henley: Polizei nein auf keinen Fall, die Sache ist wie soll ich mich ausdrücken, ein bißchen merkwürdig, ich bin mir auch nicht ganz sicher.
Hatch: So naja wie sie wollen, es ist ihre beerdigung, das heißt hoffentlich nicht, aber mir ist immer noch nicht klar, was ich dabei für sie tun kann.
Henley: Ja ja ja ich dachte.
Hatch: Sie dachten.
Henley: Kennen sie nicht diesen Professor, ich meine den Privatdetektiv, der die schwierigen Mordfälle löst.
Hatch: Falls sie Professor van Dusen meinen, ja den kenne ich, ziemlich gut sogar, lassen sie sich übrigens einen guten Rat geben, Henley, nennen sie ihn niemals Privatdetektiv, Professor Doktor Doktor Doktor van Dusen genannt die denkmaschine legt großen wert auf die Bezeichnung Amateurkriminologe.
Henley: Ist das nicht dasselbe.
Hatch: Würde ich nicht sagen, außerdem übernimmt Professor van Dusen nur ganz besonders interessante und komplizierte Fälle.
Henley: Eben, deshalb wende ich mich an sie Hatch, würden sie mich bei van Dusen einführen.
Hatch: Ich weiß nicht recht.
Henley: Ach bitte.
Hatch: Ich kann ja mal versuchen einen Termin zu bekommen.
Hatch: Gutmütig wie ich bin, sagte ich ja und setzte damit ohne es zu ahnen eine Kette von Ereignissen in Bewegung, die sich zu einem der merkwürdigsten und undurchsichtigsten Fälle in der Laufbahn des Professors entwickeln sollte, zu dem geheimnisvollen Fall des roten Fadens, wie er selbst ihn später nannte, ich für meinen teil ziehe den Titel Mord bei Gaslicht vor, das klingt mehr nach Schlagzeile und auf Schlagzeilen verstehe ich mich ausnahmsweise besser als van Dusen, doch dies nur nebenbei, ich setzte mich wie versprochen mit dem Professor in verbindung, machte noch für diesen abend einen Termin für einen Besuch mit ihm aus und stellte mich pünktlich um 8 Uhr bei ihm ein, mit Mister Weldon Henley im schlepptau.
vanDusen: Man hat also einen Anschlag auf ihr leben ausgeführt.
Henley: Einen, drei Anschläge Professor van Dusen, dreimal hat jemand versucht mich umzubringen.
vanDusen: Gleich dreimal, interessant, das zeugt von einer gewißen Beharrlichkeit des unbekannten Täters, wann.
Hatch: Und von seinem Pech, entschuldigung.
vanDusen: Wann und wo haben diese Anschläge stattgefunden, Mr Henley.
Henley: In den letzten zwei Wochen Professor, in meinem apartment.
vanDusen: In ihrem appartement so, und wo befindet sich ihr apartment.
Henley: Park avenue im sogenannten Drohnenhaus, kennen sie es.
Hatch: Natürlich kannten wir das Drohnenhaus, ein hypermoderner fünfstöckiger Wohnblock in der besten Gegend der Stadt, aufgeteilt in apartements, welche jungen Ehepaaren und alleinstehenden Herren mit gehobenen Ansprüchen für einen angemessenen Mietpreis eine höchst luxuriöse Einrichtung boten, desgleichen himmlische Ruhe sowie allen Komfort unseres jungen zwanzigsten Jahrhunderts, zentrale Heizung, Lift, Gaslicht oder elektrische Beleuchtung, ganz nach belieben, so ungefähr stand es im Prospekt und hier wohnte also Mister Weldon Henley in einem kleinen bescheidenen Junggesellenapartment von fünf Zimmern wie er sagte.
Henley: Naja, ein Zimmer benutze ich übrigens als Dunkelkammer für meine foto-grafischen Arbeiten, denen ich einen teil meiner zeit widme.
vanDusen: ach das ist interessant aber um auf die mordanschläge zurückzukommen.
Henley: Ja natürlich, es fing alles damit an, daß ich eines nachts im Bett lag und das Gaslicht in meinem Schlafzimmer brennen ließ, wie ich es gewöhnlich zu tun pflegen, ich bin nämlich einwenig nervös und ich kann bei völliger dunkelheit nicht einschlafen
vanDusen: Ach ja und.
Henley: Ja mitten in der nacht wachte ich auf, es war finster, die Lampe war ausgegangen, im Zimmer roch es durchdringend nach Gas, entsetzt sprang ich aus dem Bett, ich konnte gerade noch das Fenster erreichen und weit aufreißen, sonst wäre ich mit Sicherheit umgekommen, ja das war das erste mal.
vanDusen: So die flamme war erloschen das gas strömteaus und wann geschah das.
Henley: Vor ja vor genau 14 Tagen, am 17 juni 1902.
vanDusen: Es fällt mir schwer Mr Henley in dem Vorfall einen bewußten Mordversuch zu sehen, ein plötzlicher Luftzug oder auch eine vorübergehende Verminderung des Gasdrucks kann das Licht gelöscht und das Gas zum ausströmen gebracht haben, ein Zufall, Mr Henley, unangenehm für sie, vielleicht sogar gefährlich aber kaum ein regelrechter Mordanschlag.
Henley: Ein Zufall ja, das dachte ich anfangs auch Professor, aber dann zwei Tage später geschah genau dasselbe.
Hatch: Und da sagte uns Henley wurde er denn doch unruhig und die unruhe steigerte sich zur besorgnis als er in der nacht zu gestern zum dritten mal fast ein opfer des gaslichtattentäters geworden wäre, wieder war die Flamme der Nachtbeleuchtung auf mysteriöse weise erloschen, wieder strömte giftiges Gas ins Zimmer und nur die Tatsache daß er spätnachts noch von einem Freund angerufen wurde rettete Henley vor dem sicheren Tod, jetzt sagte Henley bekam er Angst, das konnten wir ihm nicht verdenken.
Henley: Letzte nacht habe ich kein Auge zugetan, Professor.
vanDusen: Durchaus verständlich, und.
Henley: Nichts, nichts ist passiert, kein Mordversuch, gar nichts, genau wie vor ein paar Tagen als ich mich wach hielt, um das Gaslicht zu beobachten, es blieb die ganze nacht brennen, ruhig und ohne Störungen.
vanDusen: Erstaunlich, ihre Wohnungstür.
Henley: Fest verriegelt und verschlossen jede nacht.
vanDusen: Wer hat einen Schlüssel außer ihnen.
Henley: Niemand Professor, nicht einmal meine Verlobte.
vanDusen: Ach sie sind verlobt.
Hatch: Cherchez la femme.
vanDusen: Hatch.
Hatch: Excusement.
Henley: Das heißt ich bin noch nicht offiziell verlobt, Miss Delarue und ich, wir wollen unsere Verbindung in den nächsten Tagen bekannt geben.
vanDusen: Ich versteh, ich verstehe, ihr Schlafzimmerfenster war ebenfalls geschlossen.
Henley: Wie.
vanDusen: Ihr Schlafzimmerfenster.
Henley: Das Fenster wird nachts nie geöffnet bei Zug kann ich nämlich nicht schlafen.
vanDusen: Ah ja und die Gasleitungen im hause.
Henley: Ich glaube, die werden regelmäßig überprüft.
vanDusen: Wie schön.
Henley: Ich kann mir das alles nicht erklären Prof, die Sache ist einfach unmöglich.
Hatch: Ach, also das hätten sie nicht sagen sollen Mr Henley.
vanDusen: Unmöglich, nichts ist unmöglich Mr Henley, es gibt für alles eine Erklärung, auch für die merkwürdigen Vorfälle in ihrem apartment und diese Erklärung läßt sich finden Mr Henley, so sicher wie 2 + 2 4 ist, wenn es nach mir ginge, Mr Henley, würde das Wort unmöglich ersatzlos gestrichen und aus unserem Sprachschatz verbannt werden, verstehen sie mich Mr Henley.
Henley: Ja schon sozusagen aber ich.
vanDusen: Gut gut, ihr Problem interessiert mich, ich Professor van Dusen genannt die Denkmaschine, fühle mich herausgefordert, nein nicht von ihnen Mr Henley, von jenem unbekannten, der sich offenbar in den Kopf gesetzt hat, sie mittels ihrer Gasbeleuchtung ins jenseits zu befördern, ich werde mich seiner annehmen, das verspreche ich ihnen, vorerst empfehle ich ihnen des nachts ihre Finger vom Gaslicht zulassen und falls es ihnen unmöglich ist bei völliger Dunkelheit zu schlafen, kaufen sie sich eine Petroleumlampe, sobald es meine zeit erlaubt werde ich ihr apartment einer durchsicht unterziehen, vielleicht schon morgen und ich werde über den Fall nachdenken.
Hatch: Wie es sich ergab, hatte der Professor nicht allzu viel Zeit um über den Fall nachzudenken, schon am nächsten vormittag flatterte mir nämlich eine hochinteressante Agenturmeldung auf den Schreibtisch, moment, ja hier ist sie, mysteriöser Todesfall im Drohnenhaus, Gasvergiftung, Zofe tot aufgefunden, ich rief sofort Professor van Dusen an, obwohl er es bekanntlich gar nicht schätzte andere Organe als sein phänomenales Gehirn zu strapazieren, hielt er die Sache doch für merkwürdig genug, um sich mit mir gleich zum Schauplatz des Geschehens zu begeben, vielleicht fühlte er sich auch verantwortlich für Henley, der sich schließlich an ihn um Hilfe gewandt hatte, denn daß zwischen dem mysteriösen Todesfall im Drohnenhaus und den Anschlägen auf Henley am gleichen Ort ein Zusammenhang bestand, daran konnte man wohl nicht zweifeln.
Caruso: Zuerst machen wir eine Aufnahme vom Zimmer, klar und dann die Leiche, erst von hier, ungefähr so, moment mal, was hat sie denn hierher verschlagen, Professor, seit wann interessiert sich die Denkmaschine für Routinefälle.
vanDusen: Immer dann wenn sie den Verdacht hat es handele sich eigentlich gar nicht um einen Routinefall.
Caruso: Ach Unsinn Professor, kein problem, kein geheimnis, alles sonnenklar.
Hatch: Kann ich das zitieren Caruso.
Caruso: Klar können sie.
Hatch: Sonnenklar so nennt Detektiv Sergeant Caruso von der New Yorker Kriminalpolizei den Todesfall, der sich in der nacht zum 2 Juli 1902 in einem Luxus-apartment des sogenannten Drohnenhauses ereignet hat, bei der Toten handelt es sich um wen, Caruso.
Caruso: Ellis Briggs, Engländerin, 26 Jahre, Zofe bei der Familie Kortline, war allein in der Wohnung, ihre Herrschaft ist in Europa.
Hatch: Aha und Todesursache.
Caruso: Gasvergiftung, ganz eindeutig, Gaslicht aufgedreht aber nicht entzündet, türen und fenster von innen verschlossen, und das mr hatch kann nur bedeuten daß.
Hatch: Und daß meint Caruso kann nur bedeuten.
Caruso: Selbstmord, ohne jeden zweifel und damit hat Detective Sergeant Caruso.
Hatch: Detective Sergeant Caruso.
Caruso: Wieder einmal.
Hatch: Wieder einmal, ja weiter.
Caruso: Und so weiter und so weiter, sie wissen ja wie man sowas schreibt.
Hatch: Ja natürlich, und damit hat detektive sergeant caruso ohne rast und ruh tätig im dienste der bürger seinen allseits bekannten scharfsinn wieder einmal unter beweis gestellt, so etwa.
Caruso: Prima Mr Hatch, sie sehen Professor der Fall ist gelöst, sie werden nicht gebraucht.
vanDusen: Meinen sie, haben sie etwas dagegen, wenn ich mich trotzdem ein bißchen umsehe.
Caruso: Nein, natürlich nicht.
Hatch: Der ebenso unermüdliche wie scharfsinnige Detective Sergeant Caruso hatte natürlich nichts dagegen, schließlich wußte er genau, was er dem Professor zu verdanken hatte, wie oft war van Dusen ihm zu hilfe gekommen, wenn wieder einmal die wackere new yorker polizei mit eifer aber ohne jeden erfolg einem geheimnis-vollen mörder nachgespürt hatte, eifer zeigten caruso und seine mannen übrigens auch jetzt, sie suchten, sie vermaßen, sie fotografierten, sie ackerten ohne rast und ruh und vergaßen dabei nur eins, das nachdenken, das besorgte an ihrer stelle Professor van Dusen, er wandelte im apartement auf und ab, ziellos wie es schien, stöberte hier und da ein bißchen herum, sah sich die Düsen der Gasbeleuchtung an und macht bei alledem einen uninteressierten fast gelangweilten Eindruck, Caruso, der den Professor anfangs mißtrauisch im Auge behalten hatte, achtete bald nicht weiter auf ihn, aber ich kannte den Professor besser und wußte daß er gerade dann hellwach und höchst konzentriert war wenn er wie ein Schlafwandler wirkte.
vanDusen: Caruso.
Caruso: Ja Prof.
vanDusen: Ich vermisse einen Abschiedsbrief der Toten.
Caruso: Abschiedsbrief.
vanDusen: Ja.
Caruso: Keiner da Prof.
vanDusen: Was denn, kein Abschiedsbrief.
Caruso: Nein.
vanDusen: Soso, an ihrem sonnenklaren Fall ist einiges merkwürdig, finden sie nicht auch.
Caruso: Ach was, alles deutet auf Selbstmord, das ist die einzig mögliche Erklärung, machen sie doch nicht aus jeder Kleinigkeit ein Geheimnis.
vanDusen: Wie es scheint, irritieren wir die Herren von der Kriminalpolizei, kommen sie Hatch, gehen wir.
Hatch: Ja wohin denn Professor.
vanDusen: Ich möchte dem Hausverwalter einige Fragen stellen.
Hatch: Wir fuhren mit dem Lift ins Erdgeschoß, wo sich gleich links von der großen Eingangshalle das moderne Büro der Hausverwaltung befand und darin hinter seinem modernen Schreibtisch befand sich der Hausverwalter, ein moderner wenn auch nicht mehr ganz junger Mann, modern gekleidet vom Gummikragen bis zu den gelben Zugstiefeln, die er uns auf der Schreibtischplatte präsentierte, obwohl er durch die Pflichten moderner Hausverwaltung natürlich voll und ganz in Anspruch genommen war, ließ er sich doch herab uns ein paar seiner kostbaren Zeit zu opfern.
Crippen: Sagen sie nichts, meine Herren, ich sehe es ihnen an, sie suchen eine Wohnung, ich gratuliere, sie sind an die richtige stelle gekommen, sie sind Menschen von heute, moderne Menschen, ich sage immer, moderne Menschen sollen auch modern wohnen und wo, meine herren wohnt man modern, in den apartments dieses Hauses, welches jungen Ehepaaren und alleinstehende Herren mit gehobenen ansprüchen für einen angemessenen mietpreis eine höchst luxuriöse Einrichtung bietet, desgleichen himmlische Ruhe, sowie allen modernen komfort, zentralheizung.
Hatch: Jetzt halten sie mal die luft an und hören uns einen moment zu, der Herr hier ist Professor van Dusen, der berühmte Prof.van Dusen, er hat ein paar fragen an sie.
vanDusen: Im zusammenhang mit dem Tod von Alice Brix in apartment 34.
Crippen: Ah die Zofe von Mr Kordland, böse Geschichte, schlecht fürs Geschäft, ich sage immer, leiche im haus treibt mieter raus, ist gut was.
vanDusen: Wenn sie mir jetzt freundlicherweise meine fragen beantworten würden.
Crippen: Selbstredend, Professor, fragen sie nur, fragen sie flott drauf los, ich sage immer frisch gefragt ist halb.
vanDusen: In ihrem Prospekt Mr.
Crippen: Mr Crippen, sagen sie ruhig Pete zu mir.
vanDusen: In ihrem Prospekt, Mr Crippen steht Gaslicht oder elektrische Beleuchtung, ganz nach belieben, nun nehm ich doch an, daß die meisten ihrer Mieter als moderne Menschen sich für Elektrizität entschieden haben, andererseits benutzt man im apartment der kortlands Gasbeleuchtung.
Crippen: Ein beklagenswerter Rückschritt, sie haben ja so recht, es gibt eben immer einige wenige, die sich den Erfordernissen der modernen Zeit verschließen, die sich vom alten überlebten nicht trennen können, ich sage immer.
vanDusen: Wer noch.
Crippen: Bitte.
vanDusen: Wer außer den Kortlands brennt hier im Hause noch Gas.
Crippen: Warten sie mal, da ist apartment 12a, Mr Bruce Partington, reizender alter Herr übrigens, ja und Mr Henley in 36.
vanDusen: Das wollte ich wissen, 36 sagten sie, Mr Henleys apartment liegt also auch im dritten Stock.
Crippen: So ist es.
vanDusen: Neben dem apartment der Körtlands.
Crippen: Ja und nein, sehen sie Professor bei uns gibt es in jedem Stockwerk eine große Halle, eine Art Foyer, rechts neben dieser Halle im dritten Stock liegt das körpland apartment, links das von Mister Henley, so ist das.
vanDusen: Aha, existiert irgendwo ein Haupthahn für die Gasleitung.
Crippen: Aber sicher im Keller, gleich neben der Heizung.
vanDusen: Es ist also möglich, jedes Gaslicht im Hause zu löschen, indem man den haupthahn abdreht.
Hatch: Ach so also, sie meinen, jemand stellt das gas ab spät in der nacht und wenn die flammen ausgegangen sind, stellt er es wieder an, geniale Idee Professor, das würde die Sache erklären.
Crippen: Ich verstehe kein Wort, wieso soll jemand.
vanDusen: Bitte beantworten sie meine frage.
Crippen: Naja theoretisch ging das schon, aber aber praktisch ist es unmöglich.
vanDusen: Wieso.
Crippen: Ganz und gar unmöglich, wir haben nämlich einen Heizer, das heißt genau genommen zwei, beide machen Dienst rund um die Uhr, jeder zwölf Stunden, der Gashahn steht ständig unter Beobachtung, genau wie die Heizung und die elektrischen Sicherungen, bei uns kann nichts passieren meine Herren, sie brauchen mir ja nicht zu glauben, hier bitteschön, kommen sie mit in den keller, überzeugen sie sich selbst, ich sage immer, vertrauen ist schön, vertrauen ist gut, doch am besten man alles selber tut, kommen sie auch mit, haben sie gehört, vertrauen ist gut.
Hatch: Im Heizungskeller stellten wir fest, daß der flotte Mister Crippen uns die wahrheit, die ganze wahrheit und nichts als die wahrheit gesagt hatte, der diensttuende Heizer hatte den Haupthahn der Gasleitung ständig im auge und daß er seinen Posten nicht verließ oder vielleicht gar ein höchst dienstwidriges Nickerchen machte, dafür sorgte die Stechuhr, die alle halbe Stunde gedrückt werden mußte, was jetzt, Professor van Dusen der sich nur sehr ungern von einer guten idee trennt, war irritiert, er zog die Stirn in Falten, fuhr mit Crippen und mir im Lift rauf und runter, lief ziellos durch die Korridore und erst als er seinen immensen Kopf im vierten Stock aus dem Hallenfenster steckte, schien er wieder einen festen Punkt gefunden zu haben, von dem aus er die Welt oder doch wenigstens den vorliegenden Fall aus den Angeln heben konnte.
vanDusen: Äußerst interessant.
Crippen: Wie meinen.
vanDusen: Ich sagte äußerst interessant Mr Crippen.
Crippen: Was soll denn an unserer fahnenstange so interessant sein, ne ganz normale fahnenstange, an feiertagen vierter juli und so hängen wir das sternenbanner auf.
vanDusen: Wann haben sie zuletzt geflaggt Mister Crippen.
Crippen: Ja zum neuen Jahr, 1. Januar.
vanDusen: Sind sie da ganz sicher.
Crippen: Bombensicher, ich sage immer.
vanDusen: In diesem Fall Mr Crippen, sind es zwei Tatsachen, die ich im Zusammenhang mit ihrer Fahnenstange für äußerst interessant halte, die erste Tatsache ist der Ort, an dem sie sich befindet, in der Mitte des Hauses ausgehend vom Hallenfenster im vierten Stock, etwa vier Meter über die Straße ragend.
Crippen: Vier meter vierzig.
vanDusen: Oh danke sehr freundlich, bei der zweiten interessanten Tatsache, Mr Crippen handelt es sich um dieses corpus delicti hier.
Crippen: Ein roter Faden, na und.
vanDusen: Dieser rote Faden Mr Crippen, hatte sich am Seil ihrer Fahnenstange verfangen, dem Seil das dazu dient, die Flagge zu hissen und wieder einzuziehen, ja wir sind hier vorerst fertig Hatch, wir können gehen.
Hatch: Ja wollten sie sich nicht noch mit Henley sprechen Professor.
Crippen: Oh Mr Henley ist ausgegangen, ich habe ihn heute früh getroffen unten in der Halle, ist erst gegen abend wieder hier, hat er gesagt.
vanDusen: Ja dann müssen wir das Gespräch verschieben, falls es sie übrigens interessiert meine Herren, Alice Briggs hat nicht wie Detective Sergeant Caruso glaubt Selbstmord begangen, sie wurde ermordet.
Crippen: Ist das wahr, von wem denn.
vanDusen: Was den Mörder betrifft Mr Crippen, bin ich mir noch nicht endgültig schlüssig.
Hatch: Und wie.
vanDusen: Die Mordmethode mein lieber Hatch ist so einfach und so sicher, daß ich fast versucht bin, sie genial zu nennen, eine letzte Frage Mr Crippen, sind die beiden großen Lampen von dem Haus nachts immer in Betrieb.
Crippen: Selbstredend Professor, siehe Prospekt, sie tauchen die hochkünstlerisch gestaltete Vorderfront in ein feenhaft helles Licht.
Hatch: Vor dem Drohnenhaus wollte ich mich von Prof. van Dusen verabschieden aber er bestand darauf, daß ich ihn bis in seine Wohnung begleitet, ich kannte das, der große Meister wollte laut nachdenken und brauchte einen geduldigen Zuhörer, da war nichts zu machen, ich setzte mich also bequem hin, versorgte mich mit einem gigantischen Whisky, hörte zu, sagte ab und zu so aha oder sonstwas intelligentes und der Herr Professor hielt mir eine Vorlesung.
vanDusen: Wie ich bereits bemerkte, meine Damen und Herren, ich meine natürlich mein lieber Hatch, wie ich also bereits bemerkte, ist die art und weise mit welcher der Mord ausgeführt wurde, von geradezu genialer Einfachheit, weiteres möchte ich hierzu noch nicht ausführen, ist doch das wie nur ein Teilergebnis und bei all seiner Bedeutung gewiß nicht das wichtigste für die Lösung des vorliegenden Falles, wenn es erst gelungen sein wird, das warum zu klären und das wer, wozu allerdings schon recht deutliche Hinweise vorliegen.
Hatch: Momentmal Professor, soll das heißen sie kennen den Mörder schon.
vanDusen: Nun es gibt wie gesagt deutliche Hinweise, eine ganz bestimmte richtung, mehr will und kann ich zurzeit nicht sagen, sie kennen meine Methode Hatch, keine Teilergebnisse vor der endgültigen Aufklärung, der wahrhaft logische Geist scheut das Verkünden noch unzureichend durchdachter Schlüsse, so viel jedoch steht fest, bei Henleys rätselhaftem Attentäter und dem Mörder der Alice Briggs handelt es sich um ein und dieselbe Person.
Hatch: Dann wäre der Mord so eine Art Betriebsunfall, eigentlich sollte Henley dran glauben, aber es traf irgendwie das Mädchen von nebenan, ja so was kommt vor.
vanDusen: Und noch eins steht fest, der Mörder lebt im Drohnenhaus, um weitere Aussagen machen zu können, brauchen wir zusätzliche Informationen, hat Henley Feinde, nach seinen Angaben ist er so gut wie verlobt mit einer gewissen Miss.
Hatch: Delarue, Isabel Delarue, einzige Tochter eines millionenschweren Reeders aus New Orleans.
vanDusen: Millionenschwer, interessant, hat Henley Nebenbuhler, gibt es Verbindungen zwischen ihm und Alice Briggs oder anderen Hausbewohnern und nicht zu vergessen, woher stammt der rote Faden, diesen Fragen müssen wir nachgehen und das mein lieber Hatch wird ihre Aufgabe sein, trinken sie aus, machen sie sich wie man in ihren Kreisen zu sagen pflegt, auf die Socken.
Hatch: Gut, auf wiedersehen Prof.
Hatch: Manchmal habe ich das dunkle Gefühl daß der Professor in mir eher den Laufburschen sieht als den geistigen Mitarbeiter, aber was solls, ich machte mich befehlsgemäß auf die Socken und besuchte als erstes ein feudales Emporium in der fifth avenue, wo der gentleman Krawatte, Hemd, Hut und Stock zu erstehen pflegt, kurz alles was ihn zum gentleman macht.
Verkäufer: Dieser Faden, dieser rote Faden, Sir.
Hatch: Ganz recht, ich würde gerne wissen, woher er stammt.
Verkäufer: Nun Sir, ich möchte mich zwar nicht festlegen aber nach meiner erfahrung Sir, meiner langjährigen Erfahrung im gehobenen Textilgewerbe dürfte diese rote Faden aus einem Kleidungsstück stammen, welches gemeinhin Morgenrock oder auch Bademantel benannt wird.
Hatch: Männlich oder weiblich.
Mann: Guten Tag.
Verkäufer: Guten Tag gnädige Frau, wie belieben Sir.
Hatch: Aus dem Bademantel eines Herrn oder einer Dame.
Verkäufer: Darüber Sir wage ich kein Urteil abzugeben, wir hier führen nur Bademäntel für Herren, mir ist allerdings bekannt vom hörensagen Sir, daß auch Damen derartiges benutzen.
Hatch: Ich danke ihnen, sie haben mir sehr geholfen, auf wiedersehen.
Verkäufer: Auf wiedersehen, bitte sehr die Dame.
Mann: Ich bin ein Herr.
Hatch: Punkt nummer eins erledigt, meine nächste Station war das Drohnenhaus, wie ich mich telefonisch vergewissert hatte, war Weldon Henley inzwischen wieder in seinem apartment eingetroffen, er hatte natürlich erfahren, was sich nebenan abgespielt hatte und war womöglich noch nervöser als am Vortag.
Henley: O gott gott ich darf gar nicht daran denken, wenn ich nicht den Rat ihres Professors befolgt und in der letzten nacht eine Petroleumlampe benutzt hätte, dann wäre ich jetzt im Leichenschauhaus und nicht diese unglückselige Zofe aus 34, diese Briggs hieß sie ja wohl.
Hatch: Ja Alice Bricks, kannten sie sie.
Henley: Eine zofe, ich bitte sie, was heißt schon kennen, man wohnt im gleichen Haus, man sieht sich ab und zu, das ist alles, aber warum halten sie sich mit diesem Mädchen auf, daß sie umgekommen ist, war doch nur ein zufall, eine, eine panne, für mich sollte sich ihr Professor interessieren.
Hatch: Ja das tut er auch.
Henley: Unsinn, Crippen hat mir erzählt, was er tut, der kriecht hier im Haus herum, guckt sich den Heizungskeller an, sogar die Fahnenstange im vierten Stock, er sammelt kleine rote Fäden und gott weiß was noch alles, ich frage sie.
Hatch: Nein ich frage sie und zwar im Auftrag von Prof. van Dusen haben sie Feinde.
Henley: Noch nicht daß ich wüßte.
Hatch: Jeder Mensch hat Feinde.
Henley: Was heißt Feinde, sicher wenn sie Leute meinen die mich nicht leiden können aber ich wußte wirklich nicht wer mich deshalb umbringen sollte.
Hatch: Vielleicht jemand, der auch gern Miss Delarue heiraten würde.
Henley: Lassen sie meine Verlobte aus dem Spiel, sie hat nichts mit der Sache zu tun, ich wußte es ja, sie sind bloß scharf auf ein Skandal für ihr Käseblatt.
Hatch: Langsamer alter Freund ja, sie haben mein Ehrenwort und Käseblatt will ich nicht gehört haben im Interesse einer gedeihlichen Zusammenarbeit.
Henley: Ja schon gut.
Hatch: Also gibt es jemand, der an Miss Delarue interessiert war oder noch ist.
Henley: Na ja und wenn sie so fragen, so einen gibts schon, Jugendfreund, aus New Orleans, mit ihr aufgewachsen, sogar schon verlobt und dann kam Miss Delarue nach New York, traf mich und ende der Verlobung, naja der bessere gewinnt eben.
Hatch: Name.
Henley: Reginald Cable, Import Export.
Hatch: Adresse.
Henley: An sich New Orleans aber zurzeit New York, Park avenue, Drohnenhaus apartment 39.
Hatch: Was denn, dieser Cable wohnt hier im Haus, na das wird den Professor sehr interessieren.
Henley: Aber kommen sie jetzt bloß nicht auf die absurde Idee, daß Cable hinter der Sache steckt, och hätte ich doch nur nichts gesagt und jetzt muß ich sie bitten zu gehen, ich möchte.
Hatch: Damit beendete Henley das Gespräch um zur Beruhigung seiner Nerven einen Spaziergang im Centralpark zu machen, ich begleitete ihn allerdings nur bis ins Erdgeschoß, Punkt 3 auf meiner Liste war der redselige mister Crippen, auch ihn fragte ich.
Hatch: Kennen sie Mr Cable.
Crippen: Hmh.
Hatch: Ob sie mr cable kennen.
Crippen: Oh ja, selbstverständlich, das ist ein hochanständiger Mensch, freundlich, liebenswürdig, ich komme rum zu ihnen, er kann einem leid tun, sie wissen vielleicht daß er in der Liebe sehr enttäuscht worden ist, in der Liebe sehr enttäuscht worden, Mr Henley hat ihm die Braut weggeschnappt und er ist nach New York gezogen, um ihr trotzdem nahe zu sein, romantisch nicht finden sie nicht auch, ich sage immer, die liebe, die liebe, die liebe ist eine himmelsmacht, ja andererseits hat mr cable geld wie heu und mr henley könnte einen monatlichen zuschuß vom reichen schwiegervater viel besser gebrauchen, außerdem wird es zeit, daß einmal zur ruhe kommt, er ist hinter jedem Rock her, natürlich nimmt Mr Cable die sache schwer, er nimmt sie sehr sehr schwer, ich sollte ihnen das eigentlich gar nicht alles erzählen, verschwiegenheit ich sage immer verschwiegenheit, verschwiegenheit sage ich immer und diskretion ist a und o im guten ton, außerdem genaugenommen kenne ich Mister Cable kaum, wohnte erst kurze zeit bei uns.
Hatch: Ach was, seit wann denn.
Crippen: Tja, wann ist er eingezogen, vielleicht schon vor drei Wochen, knapp 3 Wochen ist er eingezogen, er wird auch bald wieder ausziehen, nicht etwa weil ihm das apartment nicht gefällt, nein ganz im Gegenteil aber er muß zurück nach New Orleans, geschäftliche Verpflichtungen usw, vielleicht hat er es auch schon überwunden, innerlich überwunden, sie wollen schon gehen.
Hatch: Ja es ist schon spät, es war spät geworden, ich rief van dosen an, teilte ihm mit was ich erfahren hatte und verabredete mich mit ihm für den nächsten vormittag in seiner wohnung, wo ich mich dann auch ausgeschlafen und voller tatendrang pünktlich einstellte.
vanDusen: Schön daß sie sich pünktlich einstellen, die Konturen des Falles, mein lieber Hatch, werden schärfer ich hoffe, oh entschuldigung, ja hier spricht Professor van Dusen, ja er ist hier, ja was, und wo, so nicht erkannt, ja ja, ich werde es ausrichten, eine äußerst überraschende Nachricht, die ihre Redaktion ihnen mitteilen läßt, Hatch, gestern abend gegen 6 Uhr wurde im Central park ein Bewohner des Drohnenhauses angeschossen und zwar.
Hatch: Weldon Henley.
vanDusen: Ganz recht, er ist nur leicht verletzt durch eine Fleischwunde im Oberschenkel, hat aber in folge des Schocks für kurze zeit das Bewußtsein verloren und kann daher keine Angaben über den Täter machen, den er auch vor dem Schuß nicht gesehen hat.
Hatch: Um 6 sagten sie, dann hat Crippen ein Alibi, um die Zeit war ich bei ihm.
vanDusen: Crippen habe ich als Täter ohnehin niemals ernsthaft in Erwägung gezogen, das ist nicht der entscheidende Punkt, aber wie dem auch sei, ich muß versuchen diese neue Entwicklung in meine fast abgeschlossene Rekonstruktion des Falles einzubeziehen und während ich dies tue, werden sie mein lieber Hatch sich wieder ein bißchen Bewegung machen.
Hatch: Also wieder mal Laufbursche im gehobenen Dienst, aber was tut man nicht alles für ein Genie, vor allem wenn es van Dusen heißt, ich wanderte also wieder zum Drohnenhaus, ließ mich bei Mister Reginald Cable melden und schwindelt ihm die hucke voll.
Cable: Da haben sie ganz richtig gehört Mister äh.
Hatch: Hatch.
Cable: Wie.
Hatch: Schlicht und einfach Hatch.
Cable: Das apartment wird frei, wenn sie wollen können sie morgen früh einziehen, ich bin wie sie sehen schon beim packen, Percival.
Percival: Jawohl sir.
Cable: Habe ich ihn nicht gesagt, sie sollen meine chapeau claque sorgfältig abbürsten bevor sie sie in der hutschachtel verstauen.
Percival: Gewiß Sir, ich bitte um Verzeihung Sir, ich war offenbar nicht ganz bei der Sache Sir.
Cable: Ja das scheint mir auch so.
Percival: Es soll nicht wieder vorkommen Sir.
Cable: Ich will das hoffen, machen sie weiter.
Percival: Gewiß Sir.
Cable: Mein Kammerdiener Percival, habe ich mir aus England kommen lassen, bei Pferden und Dienstboten ist das beste für mich gerade gut genug, leider ist er nicht mehr der alte, hört nicht zu, paßt nicht auf, grübelt vor sich hin, traurige Geschichte ist ihm auf den Magen geschlagen, er hat ein verhältnis angefangen mit einer wie sagt man Landsmännin, Landsfrau jedenfalls mit einem englischen kammerkätzchen, hier im Haus und was macht dieses Mädchen, geht hin und bringt sich um mit Gas und mein Percival kommt aus dem Tritt, ein Jammer.
Hatch: Meinen Sie Alice Bricks bei den Kertlents, appartement 34.
Cable: Briggs, ja so hieß sie glaube ich, die Schuhe doch die Seidenkrawatten, würde ihn rausschmeißen, wenn er nicht schon von sich aus gekündigt hätte.
Hatch: Ach ihr Diener hat gekündigt.
Cable: Ja gestern, er will nicht mit zurück nach New Orleans, sagte er, er möchte in New York bleiben, naja diener sind offenbar auch Menschen, um wieder auf das apartment zu kommen Mr Hatch sie müssen natürlich in meinem mietvertrag einsteigen.
Hatch: Natürlich und wie viel.
Cable: 200 Dollar im monat möbliert alles inklusive, sehen sie sich ruhig um.
Hatch: Gern, übrigens ist das ihr Bademantel.
Cable: Ja warum, was machen sie denn da schon wieder Percival...
Hatch: Während Cable seinen Diener runterputzte zupfte ich unbemerkt aus dem roten Bademantel, der über der Sessellehne hing, einen Faden, damit hatte ich alles erledigt, was van Dusen mir aufgetragen hatte, ich erklärte das mit dem apartment würde ich mir noch überlegen und empfahl mich, meine Beute gab ich beim Professor ab, dann ging ich in die Redaktion, um zur Abwechslung mal wieder einer geregelten Berufsarbeit nachzugehen, aber es blieb beim guten Vorsatz, kaum saß ich hinter meinem Schreibtisch, als das Telefon klingelte.
vanDusen: Hatch.
Hatch: Ja, der Professor schon wieder.
vanDusen: Kein Zweifel, die Fäden sind identisch, unter dem Mikroskop ist kein Unterschied festzustellen.
Hatch: Und das heißt.
vanDusen: Das heißt mein lieber Hatch, daß der Faden am Seil der Fahnenstange und der Faden, den sie von Mr Cable mitgebracht haben, aus ein und demselben Bademantel stammen und das wiederum heißt daß aus Gründen die ich jetzt nicht im einzelnen ausführen kann, der Bademantel, aus dem die Fäden stammen, bei den Anschlägen auf Henley und beim Mord an Alice Briggs eine Rolle spielte oder genauer diesen Bademantel trug der Mann, den wir suchen, der Mörder.
Hatch: Und das heißt der Mörder ist Reginald Cable, sie sehen Professor, auch ich kann zwei und zwei zusammenzählen.
vanDusen: Einen augenblick Hatch.
Hatch: Ja und wenn Cable der Mörder ist, dann muß er verhaftet werden und darum werden wir uns jetzt bemühen.
vanDusen: Seien sie nicht so voreilig.
Hatch: Hallo.
Telefonist: Hier Telefonamt New York Vermittlung.
Hatch: Kriminalpolizei Mulberry street.
Caruso: Hier Kripo New York, Caruso.
Hatch: Hier Hutchinson Hatch vom Daily New Yorker, Caruso hören sie mal zu, ich muß ihnen eine ganz wichtige Mitteilung machen.
Hatch: In aller Eile instruierte ich den guten Caruso und machte mich dann selbst schnell auf den weg ins Drohnenhaus, um die Verhaftung des Mörders mitzuerleben, vor meinem inneren Auge erschien die erste Seite des Delhi NewYorker von morgen, heimtückischer Gaslichtmörder gefaßt, unser Mitarbeiter Hutchinson Hatch, dem das Hauptverdienst an der Aufklärung des rätselhaften Falles zukommt berichtet exklusiv für unsere Leser und so weiter, was dann tatsächlich in der Zeitung stand, sah leider etwas anders aus, aber so weit sind wir noch nicht, vorerst befinden wir uns in der Eingangshalle des Drohnenhauses wo ich fast mit einem kleinen Mann zusammenstieß der ebenso eilig wie ich dem Lift zustrebte, es war Professor van Dusen.
vanDusen: Ich war mir sicher daß ich sie hier treffen würde Hatch, zum dritten stock bitte, sie halten also Cable für den Mann, den wir suchen.
Hatch: Wer denn sonst Professor, das paßt doch alles, Gelegenheit, Motiv und dann noch der Bademantel, sagen sie was sie wollen Professor, die sache ist klar.
vanDusen: So, dann erklären sie mir bitte wie Cable die Gasflamme in Henleys Schlafzimmer ausgelöst hat.
Hatch: Keine ahnung.
vanDusen: Na bitte, und das Mädchen, wer hat sie umgebracht, auf welche weise warum, sehen sie, sie wissen es nicht, und da sagen sie der fall ist klar, ich ich kann nur hoffen, daß ihre übereilte Handlungsweise nicht zu einem vermeidbaren Fehler geführt hat, na bitte da ist es schon passiert.
Hatch: Auf dem Korridor kam uns eine ganze Karawane entgegen, vorneweg Detective Sergeant Caruso, in einer Hand den Ellbogen des indigniert drein schauenden Reginald Cable, in der anderen den ominösen roten Bademantel, in der zweiten Reihe marschierte Kammerdiener Percival und Crippen, der es vor Neugier im Büro nicht ausgehalten hatte, bildete das Schlußlicht.
vanDusen: Meine Herren, da wir uns hier alle mehr oder weniger zufällig getroffen haben und vor allem da die Entwicklung des Falles es zur Notwendigkeit macht, sehe ich mich veranlaßt sie mit meinen Gedankengängen zu konfrontieren, soweit sie den Mord an Alice Brix und die Mordversuche an Weldon Henley betreffen, doch sie werden Verständnis dafür haben, daß ich diesen Korridor hier nicht für den geeigneten Ort halte, und auch Mister Cables Wohnung erscheint mir in ihrem jetzigen ausgeräumten Zustand als Rahmen meiner Darlegung zu wenig kongenial, warum so frage ich mich, warum sollten wir nicht das apartment benutzen, vor dessen Tür wir uns mehr oder weniger zufällig gerade befinden, Apartment 36, Mr Henleys apartment, ist doch Mr Henley als das Opfer gewissermaßen die Hauptperson des Falles, dessen Ende nunmehr herannaht.
Henley: Ja bitte.
vanDusen: Guten Tag Mr Henley.
Hatch: Der Professor erklärte dem verdutzten wohnungsinhaber, dessen Bewegungsfähigkeit durch die erlittene Schußverletzung nicht mehr allzu sehr beeinträchtigt schien, worum es ging, obwohl er nicht gerade begeistert wirkte, bat Henley uns in seinen Salon, Caruso ließ sich auf einem Sessel neben der Tür nieder und behält Cable im Auge, wir anderen setzten uns wo sich platz fand, nur van Dusen blieb stehen.
vanDusen: Das ist ja wohl der bewußte Bademantel.
Hatch: Ja das ist er Professor.
vanDusen: Sie gestatten doch Caruso.
Caruso: Bitte.
vanDusen: Danke sehr, Henley, würden sie mir freundlicherweise ihr Badezimmer zur verfügung stellen.
Henley: Tja bitte bedienen sie sich, die rechte Tür.
vanDusen: Danke sehr und nun bitte ich sie alle meine Herren sich einen Augenblick zu gedulden.
Hatch: Und damit verschwand er in Henleys Badezimmer mit dem Bademantel und mit seiner kleinen schwarzen Tasche die er sein chemie-physikalisches Miniatur labor zu nennen und auf all seinen wegen mit sich zu führen pflegt, wir warteten unbehaglich während aus dem Bad ab und zu merkwürdige Geräusche drangen, dann tat sich die Tür auf.
vanDusen: Tja meine Herren der Fall ist gelöst, das heißt um ganz genau zu sein der Fall war bereits gelöst, bevor ich mich auf den weg zum Drohnenhaus machte, es fehlte mir jedoch noch ein ganz kleiner Beweis, sozusagen das allerletzte Glied in der Kette, jetzt meine Herren ist die Kette geschlossen, sitzen sie alle bequem, Mister Henley, wollen sie unseren Gästen nicht eine kleine Erfrischung reichen.
Caruso: Nicht im Dienst.
Hatch: So fangen sie endlich an Professor.
vanDusen: Natürlich.
Hatch: Ich kannte den Professor seit Jahren und wußte was jetzt kam, der große Monolog des Mannes, der alles übersah und alles durchschaut, der jedes Rätsel löste, der Ruhe und Klarheit wieder herstellte, wo vorher Wirrniss und Chaos geherrscht hatten, der mit einem wort die welt wieder in ordnung brachte.
vanDusen: Nun gut ich beginne, sehen sie meine Herren, die vom Mörder angewandte Methode ist dasjenige Teilstück des Falles, das als erstes einer Lösung zugeführt werden konnte, wie war es möglich die Gasflammen sowohl im Zimmer der Zofe als auch in Mister Henley Schlafzimmer auszulöschen, ohne die Räume zu betreten, auf die einfachste Weise der welt meine Herren, wie sie sich falls sie es nicht ohnehin wissen durch einen Blick in die einschlägige Literatur leicht überzeugen können, ist die Kraft der menschlichen Lunge größer als der Gasdruck in den Leitungen, wenn man irgendwo hier im Hause von einer gerade nicht benutzten Gasdüse die Sicherheitskappe abzieht und mit aller Macht hinein bläst, wie ich es ihnen hier an Mister Henleys Salonbeleuchtung demonstriere, dann löscht man so alle Gasflammen aus, die an anderer Stelle im Haus gerade brennen, Voraussetzung ist natürlich eine funktionierende nicht stillgelegte Gasleitung.
Caruso: Einleuchtend.
Hatch: Was heißt einleuchtend, genial ist das.
Crippen: Aber woher wußte der Mörder wann sein Opfer eingeschlafen war.
vanDusen: Danke sehr Mr Crippen, genau das war die nächste Frage, die ich mir vorlegte, denn es versteht sich von selbst, daß der Mörder sein heimtückisches Vorhaben nur dann in Angriff nehmen konnte, wenn sein Opfer bei brennender Gasbeleuchtung fest schlief, eben, der Mörder mußte also eine Möglichkeit haben, sein Opfer zu beobachten, wie stellte er dies an, durch die Tür, unmöglich, durchs Fenster, auch dies erschien mir zunächst unmöglich, das Drohnenhaus hat kein gegenüber und von der Straße aus kann man höchstens feststellen, ob hinter einem Fenster im dritten Stock Licht brennt, erst als ich eine gewisse Einrichtung des Hauses in näheren Augenschein nahmen, wußte ich, was geschehen war, ich meine die Fahnenstange im vierten Stock, nehmen sie einen kleinen Spiegel, wie etwa diesen Rasierspiegel, den ich mir ihre Einwilligung vorausgesetzt Mr Henley in ihrem Badezimmer ausgeborgt habe, befestigen sie ihn am Flaggenseil und ziehen sie ihn bis zur Spitze der Fahnenstange, bei richtig eingestelltem Spiegelwinkel können sie dann vom Hallenfenster im vierten Stock genau beobachten, was hinter den Fenstern im dritten Stock vor sich geht, falls diese wie bei Alice Briggs nur mit dünnen durchsichtigen Vorhängen versehen sind.
Henley: Und ich schlafe immer bei geöffneten Vorhängen.
vanDusen: Sehen sie, so also meine Herren spielte sich die Tat ab, mitten in der Nacht begab sich der Mörder in einen Bademantel gehüllt, Beweis der am Flaggenseil gefundene Faden, zur Halle im vierten Stock, mit Hilfe von Spiegel, Seil und Fahnenstange stellte er beim hellen Licht der Straßenlaternen fest, ob sein Opfer eingeschlafen war, begab sich dann zurück in sein apartment, löschte auf die von mir beschriebene weise die Gasflamme im Zimmer des Opfers und wartete in Ruhe auf die Frucht der bösen Tat.
Hatch: Da genauso ist das passiert, da können sie Gift drauf nehmen. Bravo Prof.
vanDusen: Danke meine Herren, hören sie weiter, ich bin noch nicht am Ende meiner Ausführung, allerdings viel bleibt nicht mehr zu erklären, die Person des Mörders ergibt sich mit einer gewissen Zwangsläufigkeit aus den von mir ermittelten Tatbeständen, auch sie, meine Herren sollten jetzt wissen, um wen es sich handelt, na seien sie logisch, addieren sie zwei und zwei, nein, um mich her sehe ich nur verständnislose Gesichter, mit einer Ausnahme, der Mörder versteht mich aufs Wort und der Mörder meine Herren, der Mörder ist unter uns.
Percival: Verzeihen Sie Sir, aber ich bitte dies entschieden zurückweisen zu dürfen.
Cable: Sie meinen mich, das weiß ich, aber sie irren sich, ichwars nicht, das habe ich diesem holzkopf von polizisten heute schon erklärt, ich weiß nicht was man von mir will aber ich habe mit der sache nichts zu tun, was der Prof. erzählt ist mir völlig neu.
Caruso: Seien sie still, lassen sie den Professor reden.
vanDusen: Ist Mister Cable der Mörder, es ist wahr, er hat ein Motiv und was noch schlimmer ist, bei ihm fand sich der Bademantel, den der Mörder bei seiner finsteren. Cable: Ach, der Bademantel gehört mir nicht, das hat dieser dieser englische Dorftrottel, dieser, ja ich weiß zuerst habe ich gedacht, es ist meiner, aber dann habe ich gemerkt, daß es nicht stimmt, meiner sieht anders aus, ein bißchen dunkler mit dem breiteren Kragen.
Caruso: So und wo ist ihr Bademantel.
Cable: Das weiß ich doch nicht, ich habe alles abgesucht, aber ich kann ihn nicht finden, er ist verschwunden, Percival wo ist denn.
Caruso: Also verschwunden, ja der Bademantel in ihrem appartement ist nicht ihrer, nein, ein bißchen merkwürdig, finden sie nicht.
vanDusen: Darf ich fortfahren, danke, der Bademantel in Cables Apartment und der Schuß auf Henley im Central park, diese beiden Elemente haben dazu beigetragen, den an sich bereits geklärten Tatbestand von neuem zu verwirren, gehen wir logisch vor, meine Herren, reduzieren wir den Fall auf seine Grundbestandteile, fragen wir uns, was ist wirklich geschehen, die Antwort kann doch nur lauten, eine junge Frau Alice Briggs wurde ermordet.
Henley: Ja und die Anschläge auf mich.
vanDusen: Dazu komme ich noch, lassen sie mich bitte ausreden, also Alice Briggs wurde ermordet, geben wir dieser Tatsache ihr rechtes Gewicht so drängen sich uns folgende Fragen auf, ist vielleicht der Mord an Alice Briggs der eigentliche Sinn und Zweck des ganzen, und nicht wie es anfangs den anfang hatte, lediglich ein unbeabsichtigter Nebeneffekt, mit wem stand die Zofe in engeren Beziehungen und in diesem Zusammenhang, wer lebte außer Cable in dessen apartment und hatte so die Möglichkeit, den Bademantel zu benutzen.
Percival: Verzeihen Sie Sir, wenn ich mich ungefragt äußere, aber gehe ich recht in der Annahme, daß sie den Mord an Miss Briggs mir zur last legen.
Hatch: Sieht ganz so aus Percival, alter Freund.
Percival: In diesem Fall meine Herren sehe ich mich zu meinem größten bedauern genötigt aus der mir beruflich vorgeschriebenen Rolle zu fallen, auch ein Kammerdiener meine Herren liebt sein leben und seine freiheit, hätten sie daher bitte die Güte ihre Hände über ihre Köpfe.
Cable: Pervical, lassen sie das, tun sie doch was Prof.
vanDusen: Was sie da in der Hand halten, ist doch wohl die Pistole, mit der sie gestern abend im central park auf Mr Henley geschossen haben, geben sie sie her Percival, machen sie keine Dummheiten, ich weiß daß sie Miss Briggs nicht umgebracht haben, auf ihrem Konto stehen bisher nur Körperverletzung, Nicht- anzeige eines Verbrechens und Erpressung, nicht wahr, also machen sie die Sache nicht schlimmer als sie ist und geben sie mir die Waffe.
Percival: Wenn es sich so verhält hier bitte Sir, danke, ich vertraue ihnen, wenn sie mir die Bemerkung gestatten Sir.
vanDusen: Danke sehr, Caruso wären sie wohl so freundlich, bei ihnen ist das Ding wohl am besten aufgehoben.
Crippen: Ach, also Percival kommt nicht infrage, Mister Cable auch nicht, ja wer ist denn nun der Gaslichtmörder.
vanDusen: Da sie es nicht sind, Mr Crippen, bleibt nur noch einer übrig, Achtung, Caruso, er will zur Tür, halten sie ihn fest.
Caruso: Kein Sorge Professor, an mir kommt er nicht vorbei.
vanDusen: Setzen sie sich wieder Mr Henley und sie auch meine Herren, ja der Mörder ist Weldon Henley.
Henley: Sie können mir nichts beweisen.
vanDusen: Oh da irren sie sich mein bester, die von mir geschmiedete Beweiskette gegen sie ist lückenlos, sie hatten ein Motiv, Alice Briggs zu töten.
Henley: Ich hatte keins.
vanDusen: Eine gut aussehende junge Frau Tür an Tür mit ihnen, die Gelegenheit konnten sie, stadtbekannte Schürzenjäger sich nicht entgehen lassen, sie begannen ein Verhältnis mit ihr, später verlobten sie sich um zu geld zu kommen mit einer reichen erbin und wollten sich deshalb natürlich so schnell wie möglich von Miss Briggs trennen, aber das erwies sich als schwierig und da Mr Henley beschlossen sie das arme Mädchen zu töten, sie fassten einen ungewöhnlich raffinierten plan, um nicht in Verdacht zu geraten, fingierten sie zunächst unter zumteil erheblicher eigener Gefahr Mordanschläge auf sich selbst und unterstrichen so dann gewissermaßen ihre Unschuld, in dem sie in meiner person einen angesehenen Kriminologen zu rate zogen, darauf begingen sie den Mord auf die von mir bereits rekonstruierte Art und Weise, außer im Kertlandapartment und in der Wohnung von Mister Bruce Partington, der mit der Sache nichts zu tun hat, gibt es nur noch bei ihnen eine funktionierende Gasbeleuchtung, das heißt sie Mr Henley hatten nicht nur ein Motiv, sie hatten auch und zwar praktisch als einziger die Möglichkeit den Mord auszuführen, daß sie der Täter waren, wußte unser Freund Percival hier von anfang an, als Landsmann und Freund der Toten war er über die Affäre informiert, leider ging er mit seinem Wissen nicht zur polizei sondern beschloß es in bare Münze umzusetzen und sie Mr Henley damit zu erpressen, um ihnen zu zeigen wie ernst er es meinte, fügte er ihnen gestern eine schmerzhafte aber ungefährliche Schußwunde zu.
Percival: Wenn ich mir erlauben darf, sie zu bestätigen Sir, jedes Wort ist korrekt.
Crippen: Aber der Bademantel.
vanDusen: Auch dafür gibt es eine einfache Erklärung, Henley erfuhr von Mister Crippen übrigens, daß ich die Fahnenstange untersucht und einen roten Faden gefunden hatte, er wußte was das bedeutete und traf Gegenmaßnahmen, seinen Bademantel praktizierte er in ihr apartment Mr Cable und ihren Bademantel nahm er an sich, ich bin sicher daß wir ihn in einem dieser Schränke hier finden werden, dann bemühte er sich den Mordverdacht auf sie Mr Cable zu lenken und bei Hatch und Caruso ist ihm das ja auch gelungen, bodenlose Gemeinheit, ohne zweifel, besitzen sie übrigens eine fotografische Ausrüstung Mr Cable.
Cable: Wieso nein, versteh nichts vom fotografieren, mache mir nichts draus.
vanDusen: Damit steht es absolut fest, daß dieser Bademantel hier der Bademantel des Mörders. keinem anderen als Mister Henley gehört, bei der chemischen Untersuchung, die ich vor wenigen Minuten im Bad vornahm, fand ich nämlich in den Taschen Spuren von Hydrochinon und Kaliumbromid, Substanzen die zusammen nur beim fotografischen Entwicklungsprozeß Anwendung finden, sie Mr Henley sind Amateurfotograf, dieses Untersuchungsergebnis legt ihnen die Schlinge um den Hals und daß sie in der Nacht als Alice Briggs starb angeblich eine Petroleumlampe statt des Gaslichts benutzt haben, zieht die Schlinge endgültig zu, denn ein unbekannter Mörder der ihnen an den Kragen wollte, hätte dies im Spiegel gesehen und sein Vorhaben für diese Nacht aufgegeben, sie sind überführt, Caruso walten sie ihres Amts.
Henley: Lebendig kriegt ihr mich nicht.
O gott, er hat sich tatsächlich aus dem Fenster gestürzt.
Er bewegt sich nicht, er ist tot.
vanDusen: So also meine Herren endet der Fall und so endet Mr Weldon Händel, ein Mörder, der zu klug sein wollte, der versucht hat, mich Professor Doktor Doktor Doktor Augustus van Dusen genannt die Denkmaschine hinters Licht zu führen und seinen schwarzen Plänen dienstbar zu machen, er hat mich unterschätzt, und das, meine Herren, brach ihm buchstäblich das Genick.
Hatch: Übrigens, ein halbes Jahr später heirateten Mister Reginald Cable und Miss Isabelle Delarue, die reiche Erbin aus New Orleans.
Friedrich W. Bauschulte Professor van Dusen
Klaus Herm Hutchinson Hatch, Reporter
Reinhard Kolldehoff Detective-Sergeant Caruso
Wolfgang Condrus Weldon Henley
Jürgen Thormann Crippen, Hausverwalter
Hans Peter Hallwachs Reginald Cable, Mieter
Heinz Spitzner Percival, Kammerdiener
Heinz Welzel Liftboy/Verkäufer/Telefonist
Kommentar von Hörspiele |
Michael Koser: Professor van Dusen - Das sicherste Gefängnis der Welt (RIAS 1978) (nach Jacques Futrelle: The Problem of Cell 13)
vanDusen: Ich meine Herrschaften, ich Professor Augustus van Dusen, Doktor der Philosophie, der Naturwissenschaften, der Medizin usw usw, Mitglied diverser Akademien und zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften, ich erkläre hiermit feierlich, daß einem wahrhaft intelligenten Menschen nichts, wohlgemerkt nichts unmöglich ist.
Vivian: Hört hört.
vanDusen: Ich habe gesprochen.
Ransome: Mit dem wahrhaft intelligenten Menschen meinen sie ja wohl in erster Linie sich selbst, nicht wahr Professor.
vanDusen: Selbstverständlich mein bester, kenne dich selbst, Solon, sechstes Jahrhundert vor christus.
vanDusen: Darauf muß ich was trinken, Ober, noch eine Flasche Champagner.
Hatch: Die Geschichte, die ich ihnen erzählen möchte, begann an einem Frühlingsabend bei Chirico in der Fifth avenue, wo sich eine kleine aber erlesene Gesellschaft zum dinner zusammen gefunden hatte, da war zunächst mein alter Freund, der berühmte Wissenschaftler und Amateurkriminologe Professor van Dusen genannt die Denkmaschine, neben ihm saß Mister Thomas Ransome, Lokalpolitiker und Gefängnisdirektor, und dann gab es noch last aber natürlich nicht least Ransoms charmante Gattin Vivian, die wohlbekannte Zierde der eleganten New Yorker Welt, das Gespräch, das anfangs Themen des Tages gestreift hatte, die kommende Wahl des Oberbürgermeisters, die Gefängnisreform, die neuesten Pariser Modelle, wandte sich nach dem Dessert einem Problem zu, das vor allem den Professor aufs höchste interessierte, der Frage nämlich, was wohl von den Voraussagen fantasievoller Schriftsteller über die Zukunft der Menschheit tatsächlich eintreffen würde, man sprach über Jules Verne und Herbert George Wells, über Luftschiffe und Unterseeboote und in der Hitze der Debatte legte es Ransome, für einen Mann seines Berufs ansonsten eine Seele von Mensch, offensichtlich darauf, an den Professor zu reizen.
Oberkellner: Bitte sehr, die Herrschaften.
Ransome: Danke sie glauben also wirklich daß der Mensch fliegenwird wie ein vogel.
Vivian: Daß er durch den Weltraum schweben und andere Planeten besuchen wird.
Ransome: Daß er fähig ist das Atom zu spalten und dadurch ungeheure Kräfte freizusetzen.
vanDusen: Ohne jeden Zweifel meine Freunde und ich würde die Möglichkeiten dazu sogar selbst erfinden, wenn ich die Zeit dazu hätte.
Ransome: Na gut zugegeben, denken kann man sich viel und erfinden von mir aus auch, zum wohle, prost, davon verstehe ich nichts, aber sehen wir doch einmal die Sache anders herum, können sie wie soll ich mich ausdrücken, können sie Dinge, Sachen wegdenken, die schon da sind.
vanDusen: Zum Beispiel.
Ransome: Tja zum Beispiel.
Vivian: Zum Beispiel Gefängnismauern.
Ransome: Gute Idee Vivian, können sie Gefängnismauern so einfach wegdenken, Professor.
vanDusen: Sie meinen, ob ich mich allein durch die Kraft meines Geistes aus einem Gefängnis befreien kann, selbstverständlich mein guter.
Vivian: Hört hört.
Hatch: Gestatten sie daß ich mich vorstelle, Hutchinson Hatch mein Name, Beruf Journalist Reporter beim Daily NewYorker, Leute die mich nicht leiden können und davon gibt es eine ganze Menge, behaupten für eine Exklusivstory würde ich praktisch alles tun und damit haben sie gar nicht mal so unrecht, Beweis unter anderem diese Geschichte hier, ich bin übrigens nicht nur ihr Erzähler, ich bin auch einer der Mitspieler, sie werden es hören, als sie anfing war ich allerdings noch nicht dabei, ich habe mir deshalb von den beteiligten Herrschaften sehr genau berichten lassen, was damals in Chiricos elegantem Restaurant und später im Chisholm-gefängnis vor sich ging.
Ransome: Sagen sie was sie wollen, aus meinem Gefängnis würden sie sich nicht heraus denken können.
Vivian: Chisholm ist das sicherste Gefängnis der Welt, Professor, da ist noch nie jemand ausgebrochen.
vanDusen: So, ich will ihnen was sagen, Ransome, wenn ich was der Himmel verhüten möge, bei ihnen einsäße, wäre ich nach wenigen Tagen wieder in Freiheit.
Ransome: Bei mir nicht.
vanDusen: So sicher wie zweimal 2 mal 2 4 ist.
Ransome: Das sagen sie immer Professor, es wird Zeit, daß man sie einmal beim Wort nimmt.
vanDusen: Bitte sehr.
Vivian: Wollen wir nicht eine Wette daraus machen.
Ransome: Gute Idee Vivian, einverstanden Professor.
Hatch: So also kam es zu jener historischen Wette, die dem Professor eine Kiste Champagner einbrachte, Ransome ein paar schlaflose Nächte, Vivian einen neuen Gesprächsstoff und mir eine tolle Story.
Ransome: Verschärfte Bedingungen.
vanDusen: Von mir aus.
Vivian: Einzelhaft.
vanDusen: Herzlich gerne.
Ransome: Kein Kontakt.
vanDusen: Auch das.
Ransome: Todeszelle.
vanDusen: Was immer sie wollen, behandeln sie mich wie einen x-beliebigen gefang-enen, durchsuchen sie mich, bewachen sie mich, es wird ihnen nichts nützen, Ober.
Oberkellner: Sie wünschen, mein Herr.
vanDusen: Welches Datum haben wie heute.
Oberkellner: Den 17. April mein Herr, 1899.
vanDusen: Gut, wir treffen uns wieder in einer Woche am 24. April 1899 in diesen Lokal, sagen wir um 9 Uhr.
Ransome: Ja.
vanDusen: Ober, reservieren sie uns den Tisch hier und halten sie eine Kiste Champagner bereit.
Oberkellner: Sehr wohl mein Herr.
vanDusen: Und damit darf ich mich wohl entschuldigen, morgen früh lieber Ransome bin ich in ihrem Büro, dann können sie mich nach herzenslust einsperren.
Ransome: Oh nein Prof, damit sie heute abend ihre Vorbereitungen treffen Maschinchen, Spiesgesellen was weiß ich, kommt gar nicht in frage, betrachten sie sich von diesem augenblick an als verhaftet.
Vivian: Ich werde sie persönlich im auge behalten lieber Professor.
vanDusen: Es wird mir ein besonderes Vergnügen sein gnädige Frau.
Ransome: Ober, die Rechnung und lassen sie eine Droschke vorfahren, auf nach Chisholm.
Hatch: Das Chisholmgefängnis bei New York kennen sie wahrscheinlich nicht aus eigenem Augenschein, was für eine gewaltige Aufgabe Professor van Dusen übernommen hatte, wäre ihnen ohne weiteres klar, wenn sie es jemals gesehen hätten, das finstere Granitgebäude mit den schmalen vergitterten Fenstern, isoliert nur von einer unübersteigbaren Mauer umgeben und davor von einem engen Hof, in dem tag und nacht bewaffnete Wächter patrouillierten und der bei dunkelheit taghell erleuchtet wurde, als er die Tore passierte, den Hof und die bewachten Korridore nahm van Dusen dies alles und noch mehr zur Kenntnis und in Ransoms Büro schien er seiner Sache bei weitem nicht mehr so sicher zu sein wie vorher bei Chirico, vermutlich war es ihn jetzt erst aufgegangen, daß Chisholm wie Misses Ransome so richtig bemerkt hatte, das sicherste Gefängnis der Welt war.
Vivian: Sie sind ein bißchen blaß um die Nase, Professorchen, eine Woche bei Wasser und Brot wollen sie das wirklich durchhalten.
vanDusen: Nicht unbedingt gnädigste, bin sofort bereit auf die Wette zu verzichten wenn sie und ihr Gatte sich für geschlagen erklären.
Ransome: Was nie im leben.
vanDusen: Tja dann.
Ransome: Werden sie wohl sitzen müssen, ohne Gnade und Barmherzigkeit.
Vivian: Armer Professor.
vanDusen: Ach Ransome, ich hätte eine Bitte oder genauer zwei.
Ransome: Schießen sie los.
vanDusen: Ich würde mir gern noch einmal die Schuhe putzen lassen.
Ransome: Immer nobel, was Professor, ich werde es veranlassen, zweitens.
vanDusen: Etwas bargeld, sagen wir 25 Dollar in einer 5 Dollar und zwei 10 Dollar-noten.
Ransome: Das dürfte ich eigentlich nicht erlauben.
vanDusen: Dann lassen sie es, es ist nicht wichtig.
Vivian: Ach Tom.
Ransome: Also gut, hier mein lieber, mit 25 Dollar können sie sowieso nichts anfangen, nicht mal mit 25.000, meine Beamten sind nämlich unbestechlich, falls sie an sowas denken, herein.
OBrien: Herr Direktor.
Ransome: O obrian sie kommen auf Stichwort, dieser Herr ist Professor van Dusen, er wird für eine Woche unser Gast sein in Zelle 13.
OBrien: Gefährlicher Bursche, was Herr Direktor.
Ransome: Das kann man wohl sagen, passen sie besonders gut auf ihn auf.
OBrien: Machen wir, Herr Direktor.
Ransome: Er wird wahrscheinlich versuchen zu fliehen.
OBrien: Soll er, ich wünsche ihm viel Spaß.
Ransome: Durchsuchen sie ihn, Vivian würdest du bitte raus.
Vivian: Alles gute Professorchen.
Ransome: Sie wissen ja bescheid OBrien, nehmen sie ihm alles ab, was nicht hier rein gehört und dann ab in die Zelle.
Hatch: So geschah es daß etwa eine halbe stunde später der Professor vor seinem neuen Domizil stand, vor Zelle 13, der Todeszelle im Chisholmgefängnis, die glücklicherweise gerade frei stand, er trug lediglich seine Unterwäsche, ein weißes Hemd, Hosen, Strümpfe und frisch geputzte schwarze Schuhe, außer den erbetenen 25 Dollar in drei Scheinen hatte er das kann ich ihnen verbindlich versichern, nichts weiter bei sich als sein geniales Gehirn, in dem ein Fluchtplan allmählich Gestalt anzunehmen begann.
OBrien: Bitte sehr, fühlen sie sich wie zu hause.
vanDusen: Was ist denn das.
OBrien: Na was schon Ratten.
vanDusen: Ratten.
OBrien: Klar, ihretwegen hätten wir wohl den Kammerjäger bestellen sollen was, also dann.
vanDusen: Tja, Zement, massiv, die Wände auch, da ist nichts zu machen, die Tür, stark, aussichtslos, da hatten wir noch das Fenster, steigen wir also auf das Bett, apropros Bett, Stahlrahmen, hart aber gesund, naja bißchen klein das Fenster, würde aber gehen mit Mühe wenn das Gitter nicht wäre, festgemauert in der Erden beziehungsweise in der Wand, wie neu, kein Rost sieh mal an, eine elektrische Bogenlampe draußen im Hof, das allerneueste, hell wie der lichte Tag, fast, wo elektrisches Licht ist da ist noch eine Leitung und die geht wo aha müßte in der Nähe meines Fensters verlaufen, das sollte man sich merken, mal überlegen, von draußen bis hier in die Zelle muß man durch ja durch sieben Türen, alle verschlossen, verriegelt und bis auf die Zellentür ständig bewacht, schlechte Aussichten, die Zelle liegt günstig im Hochparterre aber was nutzt mir das, naja warten aha diese verflixten Ratten, hoffentlich geht das nicht die ganze Nacht so, moment mal, Ratten, das eröffnet gewisse Möglichkeiten, immer mit der Ruhe, morgen ist auch noch ein Tag.
Hatch: Und damit legte sich Professor van Dusen auf sein hartes Gefängnisbett um in der Todeszelle den Schlaf des gerechten und schuldlosen zu schlafen, so ging der erste Tag seiner freiwilligen Haft vorbei und als er am morgen des zweiten erwachte, ein bißchen steif aber unverändert beweglichen Geistes, dann nahm er seine Überlegungen dort wieder auf, wo er sie am vorigen abend abgebrochen hatte.
vanDusen: Wo kommt ihr her ihr lieben Tierchen, wo ist denn euer Loch, alles fest, alles dicht, durchs Fenster, geht nicht, die Außenwand ist zu glatt, ha was ist denn das, na bitte, da hätten wir ja das Rattenloch, unterm Bett, schwer zu finden, scheint der Ausgang eines alten Abwasserrohrs zu sein, Durchmesser etwa 5 cm, knochen- trocken, lange nicht mehr benutzt offenbar, geht schräg nach unten, wohin, vermutlich nach draußen, so so, sehr interessant und jetzt wird es Zeit daß meine Mitbewohner sich mit mir bekannt machen, na also, dann laß dich doch mal ansehen, aha wie mein geschultes Zoologenauge an gewissen Merkmalen sofort erkennt, handelt es sich bei dir nicht wie erwartet um die gewöhnliche oder auch gemeine Hausratte Rattus rattus sondern um eine im freien lebende Wasser- oder Wanderratte, Rattus norwegicas, äußerst interessant, verschwinde, weg schnell schnell wir sprechen uns noch.
OBrien: Morgen Prof.
vanDusen: Morgen.
OBrien: Frühstück.
vanDusen: Stellen sies hin, ich esse es später.
OBrien: Nix, sie essen jetzt, ich paß auf und nehm Geschirr und Besteck wieder mit, Vorschrift.
vanDusen: Wenns sein muß, hm, sagen sie mal OBrien so heißen sie doch.
OBrien: Ja.
vanDusen: Wie lange sind sie schon im Chisholmgefängnis.
OBrien: Na gut 20 Jahre so lange wie der alte Kasten steht.
vanDusen: 20 Jahre so so, ist in dieser zeit mal irgendwas erneuert oder umgebaut worden.
OBrien: Warten sie mal, neue Außenmauer vor vier Jahren und das elektrische Licht im Hof, ach ja und neue Wasserleitungen, das muß so vor sechs sieben Jahren gewesen sein.
vanDusen: Aha, was ist eigentlich da hinter der Mauer.
OBrien: Baseballplatz für die Jungs aus der Stadt zum üben, und dann natürlich der Fluß.
vanDusen: Natürlich, wie weit entfernt.
OBrien: Der Fluß, na ungefähr 100 meter, fertig.
vanDusen: Fertig, bringen sie es zurück in die Küche mit Komplimenten für den Chef, das beste Gefängnisfrühstück meines Lebens.
OBrien: Ein Witz was.
vanDusen: Äh übrigens OBrien ich leide tagsüber oft unter starkem Durst, können sie mir nicht den Wassernapf dalassen ausnahmsweise.
OBrien: Ich weiß nicht.
vanDusen: Was soll denn passieren, mit so einer Schale kann mich doch wohl kaum durch die Mauer graben.
OBrien: Da haben sie auch recht, von mir aus, behalten sie das Ding.
vanDusen: Danke.
OBrien: Aber keine Dummheiten.
Hatch: Viermal am Tag besuchte der Wärter den Professor, er brachte ihm essen und sah sich dabei sorgfältig um, Zelle 13 galt als so sicher, daß Ransome eine Dauerbeobachtung für unnötig hielt, ganz zu schweigen von der unwürdigen situation die er seinem freiwilligen Häftling damit zugemutet hätte, so hatte Prof. van Dusen reichlich gelegenheit, ungesehen nach zu denken und zu handeln, das erste Resultat seiner heimlichen Tätigkeit kam dem Direktor am späten nachmittag vor Augen.
OBrien: Jetzt gehts los Herr Direktor, jetzt hat er angefangen.
Ransome: So wer denn.
OBrien: Na ihr Ehrengast, Herr Direktor, der Professor in Zelle 13.
Ransome: Ach und was hat er angefangen.
OBrien: Sehen sie mal, das hat Miller eben auf dem hof gefunden vor seinem fenster.
Ransome: So, anscheinend ein Kassiber.
OBrien: Sieht ganz so aus, Herr Direktor.
Ransome: Papier ist das aber nicht.
OBrien: Stoff würde ich sagen, Leinen oder sowas, ein 5 Dollarschein war darin eingewickelt.
Ransome: Ach was, und was steht da, neheilf thcin hci edrew tra eid fua, was soll denn das heißen.
OBrien: Fragen sie mich nicht, ich hab doch nicht studiert, Herr Direktor.
Ransome: Und überhaupt für wen ist dieser Kassiber bestimmt und woher hat der Professor den Stoff und die Tinte, sie haben wohl geschlafen OBrien was, durchsuchen aber gründlich, den Mann, die Zelle alles.
Hatch: Obrein stellte zuerst den Professor auf den Kopf, dann die Zelle und er entdeckte sogar etwas, die Tatsache nämlich, daß unten am weißem Leinenhemd des Gefangenen ein Streifen abgerissen war, das erklärte den Kassiber zum teil, womit die merkwürdige Botschaft geschrieben worden war und was sie bedeuten sollte, dazu fand Obrien keinen Hinweis und der Professor verweigerte hartnäckig die Aussage, OBrien ärgerte sich, Ransome begann sich Sorgen zu machen und wenn er geahnt hätte, was an weiteren seltsamen Ereignissen auf ihn und sein Gefängnis in den nächsten Tagen zukommen würde, wären seine sorgen mit sicherheit noch gestiegen, der Professor mußte seine Sachen ausziehen und wurde in die bekannte gestreifte Anstaltskleidung gesteckt, was ihn nicht abhielt am folgenden Tag, dem dritten seiner Haft, einen neuen Fluchtplan in die Wege zu leiten.
vanDusen: Man hat ihnen doch wohl gesagt, daß ich kein Verbrecher bin.
OBrien: Hat man.
vanDusen: Und daß ich eigentlich gar nicht hier hergehöre.
OBrien: Klar.
vanDusen: Sagen sie mal OBrien, wieviel kriegen sie so im Monat.
OBrien: Fünfzig Dollar und die Dienstwohnung natürlich.
vanDusen: Ja nicht gerade viel, was, haben sie Familie.
OBrien: Drei kinder.
vanDusen: Wie wäre es mit einem netten kleinen Nebenverdienst, ihre Kinder.
OBrien: Tja kommt darauf an wofür.
vanDusen: Sehen sie OBrien, ich bin freiwillig ins Gefängnis gegangen, um auszubrechen.
OBrien: Weiß ich.
vanDusen: Aber jetzt merk ich daß das nicht so einfach ist wie es mir vorgestellt hab.
OBrien: Kann ich mir denken.
vanDusen: Wollen sie mir nicht dabei helfen.
OBrien: Wobei.
vanDusen: Beim ausbrechen.
OBrien: Sie sind wohl nicht ganz.
vanDusen: Fünfhundert Dollar, denken sie an ihre Kinder.
OBrien: Kommt nicht in frage.
vanDusen: 1000 Dollar, sie tun nichts unrechtes, ich bin kein Verbrecher.
OBrien: Nein.
vanDusen: 2000.
OBrien: Auch nicht für 100 000 schluß jetzt.
Hatch: Und damit ging OBrien, stolz geschwellt ob seiner Unbestechlichkeit und er erzählte dem Direktor, wie der Professor ihn in Versuchung hatte führen wollen, dieser begann sogleich unermüdlich und unerschrocken mit Fluchtplan nummer drei, als OBrien ein paar Stunden später wieder nach ihm sehen wollte, hörte er noch auf dem Gang ungewöhnliche Geräusche aus Zelle 13 dringen, er schlich an die Tür, spähte durchs Guckloch, schlicht zurück und holte Ransome.
OBrien: Hören sies.
Ransome: Ja. Schließen sie auf. Und wenn sie auch noch so unschuldig aussehen lieber Professor eben standen sie noch auf ihrem Bett und waren sehr beschäftigt an ihren Fenstergitter wies aussah.
OBrien: Gefeilt hat er, ist doch klar.
Ransome: Und womit hat er gefeilt, zeigen sie mir doch mal, was sie da gerade in ihre Hosentasche gesteckt haben Professor.
vanDusen: Nein.
Ransome: Seien sie vernünftig, sonst lasse ich sie durchsuchen, na also, zwei Metall beschläge von ihren Schuhabsätzen nehm ich an und damit wollten sie das Fenstergitter durchfeilen, sehen sie sich einmal an, was er geschafft OBrien.
OBrien: Nichts zu sehen, Herr Direktor, an einer Stelle ist der Stahl bißchen poliert, das ist alles, so wären sie nie durchgekommen Professor.
vanDusen: O doch.
Ransome: Vielleicht in einem halben Jahr, aber so viel Zeit haben sie nicht, wollen sie nicht aufgeben, Professor, sie haben es jetzt drei mal versucht und jedes mal haben wir sie erwischt, geben sie doch zu, daß sie verloren haben.
vanDusen: Ich denke nicht daran, ich bin noch lange nicht am ende.
Hatch: So ging auch der dritte Tag in Zelle 13 vorüber, ohne daß Professor van Dusen auch nur der Ansatz einer erfolgversprechenden Ausbruchmethode geglückt wäre, so schien es jedenfalls, an der Oberfläche, darunter geschah jedoch so manches, wovon weder Ransome noch OBrien etwas ahnten, zum beispiel daß ich an diesem Tage als aktiver Mitspieler in die Geschichte eintrat, am nachmittag war ein Junge in der Redaktion aufgetaucht mit einer Botschaft, die ich für unsinnig gehalten hätte, wäre sie nicht in der wohlbekannten Handschrift van Dusens abgefaßt gewesen, doch davon später mehr, kehren wir jetzt in die Zelle zum Professor zurück, der vierte Tag ist angebrochen.
vanDusen: OBrien, welches Datum haben wir heute.
OBrien: 20ten.
vanDusen: Den zwanzigsten April, nur noch vier Tage, wer kümmert sich eigentlich um die elektrische Beleuchtung.
OBrien: Kümmert wieso.
vanDusen: Wenn sie mal kaputt ist.
OBrien: Achso, jemand von der Stromgesellschaft.
vanDusen: Hier im Gefängnis gibt es kein Elektriker.
OBrien: Nein, würde sich nicht lohnen.
vanDusen: Ja natürlich, interessant.
Hatch: Am nachmittag hatte Direktor Ransome wieder einmal Veranlassung, höchst aufgeregt in Zelle 13 zu erscheinen, wie immer begleitet vom getreuen OBrien.
Ransome: Streiten sie es nur nicht ab Professor, sie haben eben dem Wächter auf dem Hof einen 5 Dollarschein zugeworfen aus dem Fenster, einen 5 Dollarschein.
vanDusen: Ja ja mag sein.
Ransome: Aber sie haben gar keinen 5 Dollarschein mehr, nur noch zwei 10er.
vanDusen: So.
Ransome: Durchsuchen OBrien, aber gründlich, den Mann, die Zelle, alles.
OBrien: Befehl Herr Direktor, was haben wir denn hier, 12345 fünf Eindollarscheine.
Ransome: Eindollarnoten, das ist doch gar nicht möglich, sonst noch was.
OBrien: Geld meinen sie, ne Herr Direktor.
Ransome: Die Zelle OBrien, bewegen sie sich, Mann, stecken sie ihre Nase in jede Ecke.
OBrien: Machen wir, Herr Direktor.
Ransome: Und jetzt zu unser Professor, zwei 10 Dollarscheine müßten sie noch haben und was haben sie, einen 5er und 5 einzelne Dollarnoten.
OBrien: Richtig unheimlich, was Herr Direktor.
Ransome: Suchen sie weiter, finden sie endlich was, wie kommen sie an das Geld Professor.
vanDusen: Das ist meine Sache.
Ransome: Hat vielleicht OBrien.
OBrien: Aber Herr Direktor.
Ransome: Auf Ehre und Gewissen Professor, hat einer meiner Leute ihnen das Geld gewechselt.
vanDusen: Nein.
Ransome: Ja Himmeldonnerwetter.
OBrien: Äh igitt, Verzeihung Herr Direktor, ich faßte gerade in dieses alte Abwasser-rohr unterm Bett rein weil ich denk sicher ist sicher, und was finde ich da, eine tote Ratte, so fertig, Herr Direktor.
Ransome: Und außer der toten Ratte haben sie nichts gefunden.
OBrien: Nein Herr Direktor.
Ransome: So, wie sie das alles machen Professor das weiß ich nicht, aber das eine kann ich ihnen sagen, wenn sie als echter Gefangener hier wären, hätten wir das sehr schnell aus ihnen rausgeholt, was OBrien.
OBrien: Klar Herr Direktor dritter grad und er singt wie ne Nachtigall.
Ransome: Und noch eins will ich ihnen sagen Professor, zaubern sie ruhig weiter mit ihren Geldscheinen, Kassibern und was sonst noch, raus kommen sie auf diese weise nicht, dafür werde ich sorgen, kommen sie OBrien.
Hatch: Und als der vierte Hafttag des Professors in den fünften überging, wurde der wohlverdiente, in letzter Zeit sowieso etwas unruhige Schlaf des Gefängnisdirektors gestört ja erschüttert durch einen langgezogenen entsetzlichen Schrei.
Ballard: Nein.
Hatch: Wie sofort angestellte Nachforschungen ergaben, stammte der Schrei von einem Untersuchungsgefangenen namens Ballard, der unter Mordverdacht einsaß übrigens genau zwei Stockwerke über Zelle 13.
Ballard: Laßt mich raus, laßt mich raus, ja ja ja ich hab sie umgebracht, ich hab ihr Schwefelsäure ins Gesicht geschüttet, ich gestehe, ich gestehe alles, aber laßt mich raus, laßt mich bloß hier raus.
OBrien: Regen sie sich ab Ballard.
Ransome: Was ist denn passiert.
Ballard: Die Stimme, ihre Stimme, ich habe sie gehört, dumpf wie aus dem grab, sie hat nach mir gerufen, Säure, Säure hat sie gesagt, Säure ganz deutlich.
Ransome: Säure.
Ballard: Ja und dann hat sie noch mehr gesagt, aber das meiste davon habe ich nicht verstanden.
Ransome: So was denn.
Ballard: Es hörte sich an wie Kopfgröße 60.
Ransome: Kopfgröße 60.
OBrien: Der spinnt doch Herr Direktor.
Ballard: Und dann wieder Säure, bringen sie mich hier raus.
OBrien: Komische Geschichte, ob unser Professor damit irgendetwas zu tun hat.
Ransome: Ich weiß es nicht OBrien, ich weiß überhaupt nichts mehr.
Hatch: Ansonsten verlief der fünfte Tag ohne Zwischenfälle und der sechste ebenfalls, Professor van Dusen hielt sich vorzugsweise am Fenster seiner Zelle auf und sah, wie es schien, mit sehnsüchtiger Melancholie hinaus in die Freiheit, sein Spezialgefangener habe alle Ausbruchsversuche aufgegeben meinte OBrien, Ransome war davon noch nicht so recht überzeugt, als aber auch der größte Teil der sieben Tages vorüber gegangen war, ohne daß etwas unvorhergesehenes passierte, kam auch er allmählich zur Ruhe, zur Ruhe vor dem Sturm wie sich herausstellte, denn nach Sonnenuntergang überschlugen sich die Ereignisse im Chisholm-gefängnis und vor allem im Büro seines Direktors.
Ransome: Ja.
OBrien: Herr Direktor.
Ransome: OBrien, was ist los.
OBrien: Eine von unseren Bogenlampen auf dem Hof tuts nicht mehr Herr Direktor, eben ist der Wächter zu mir gekommen und hats gemeldet.
Ransome: Auf welcher Seite.
OBrien: Zum Fluß hin.
Ransome: Also wo Zelle 13 liegt.
OBrien: Genau Herr Direktor, seit dieser Prof. bei uns ist passiert doch immerzu was.
Ransome: Ach unsinn OBrien, hallo hallo Fräulein, geben sie mir die vereinigte Licht und Stromgesellschaft, nur die Nerven behalten OBrien, hallo, ja hier Ransome, Chisholmgefängnis, bei uns ist eine Lampe ausgefallen, eine von den elektrischen Bogenlampen auf dem Hof, können sie uns so schnell wie möglich irgendjemand zum reparieren herschicken, gut ich sage am Haupttor bescheid, da kommt gleich ein Arbeitstrupp vom Elektrizitätswerk OBrien.
Vivian: Tom.
Ransome: Ach Vivian, ich habe jetzt absolut keine Zeit.
Vivian: Vielleicht siehst du dir aber trotzdem mal diesen Brief an, Expreßeinschreiben gerade gekommen.
Ransome: Na gibs schon her, lieber Ransome nicht vergessen heute abend 9 Uhr bei Chirico bis dann ihr van Dusen, ja das ist doch.
Vivian: Das ist seine Handschrift Tom, ich kenne sie.
Ransome: Heute vormittag im Hauptpostamt New York abgestempelt, was stehen sie hier noch rum OBrien, los los Zelle 13 aber dalli.
OBrien: Bin schon weg Herr Direktor.
Vivian: Wie gehts ihm übrigens dem armen Professor.
Ransome: Wie gehts ihm dem armen Professor, wie gehts ihm, wies ihm geht, was weiß ich wie es ihm geht, entschuldige Vivian ich bin wohl ein bißchen überarbeitet störe mich bitte jetzt nicht mehr.
Hatch: Zehn minuten lang kaute Ransome nervös auf seinen Fingernägeln herum und starrte durchs Fenster auf den Gefängnishof und das Haupttor, dann war OBrien wieder zur stelle.
OBrien: Machen sie sich keine Sorgen Herr Direktor, alles in ordnung in Zelle 13, der Professor ist noch da, hat sich hingelegt, jetzt möchte ich aber doch gerne wissen.
Ransome: Wenn sie fragen wollen, OBrien wie der Professor in der Zelle sitzen und gleichzeitig im Hauptpostamt einen Brief aufgeben kann, dann tun sie es ruhig aber draußen, verstehen sie draußen.
OBrien: Verzeihung Herr Direktor.
Ransome: Was wollen sie denn schon wieder.
OBrien: Ganz vergessen Herr Direktor, Haupttor hat angerufen die Elektriker sind da.
Ransome: So wie viele sinds denn.
OBrien: Fünf Figuren Herr Direktor.
Ransome: Passen sie auf, daß auch nur fünf wieder rausgehen wenn sie fertig sind.
OBrien: Keine Angst Herr Direktor, wir wissen doch bescheid, wir haben ihre Pässe gekriegt wie immer und geben sie nachher wieder ab, Routine Herr Direktor.
Ransome: Routine routine gibts bei uns nicht obrien immer wachsam bleiben.
OBrien: Jawohl Herr Direktor.
Hatch: OBrien blieb wachsam im Vorzimmer, Ransome grübelte hinter seinem Schreibtisch und die Elektriker arbeiteten im Hof, die zeit verging, es schlug acht Uhr.
OBrien: Schon wieder das Haupttor Herr Direktor, zwei Herren wollen sie sprechen.
Ransome: Um diese Zeit, wer ist es denn.
OBrien: Ein Mister Hutchinson Hatch vom Daily New Yorker mit einem Kollegen.
Ransome: Achso, merken sie sich ein für allemal OBrien, Journalisten sind keine Herren, andererseits.
OBrien: Rausschmeißen Herr Direktor.
Ransome: Andererseits wollte ich sagen, vertreten sie die Öffentlichkeit und ein bescheidener Diener eben dieser Öffentlichkeit hat der Presse immer und überall rede zu stehen, vor allem wenn demnächst Bürgermeister und Stadträte gewählt werden, dann lassen sie also rauf kommen Obrien.
OBrien: In Ordnung Herr Direktor.
Vivian: Tom.
Ransome: Ach Vivian schon wieder.
Vivian: Auf die gefahr hin dich wieder zu stören, hast du daran gedacht daß wir heute abend eingeladen sind, in einer knappen Stunde wollten wir bei die Chirico sein und du bist noch nicht mal angezogen, soll John dir den Frack heraus.
Ransome: Dafür habe ich jetzt beim besten willen keine Zeit Vivian, außerdem glaube ich kaum daß unser Gastgeber heute abend erscheinen kann, also sei so gut.
OBrien: Hier sind sie Herr Direktor, die Journalisten.
Ransome: Guten abend Mr Hatch wir kennen uns ja wohl.
Hatch: Und meinen sogenannten Kollegen kennen sie auch Mister Ransome.
vanDusen: Sie sind noch hier Ransome, waren wir nicht verabredet, 9 Uhr bei chirico.
Vivian: Der Professor.
Hatch: Und dann, ohne ein einziges weiteres Wort raste Ransome los richtung Zelle 13, seine Frau und OBrien folgten ihm auf dem fuße, wir, der Professor und ich ließen es ruhiger angehen, schließlich wußten wir, was uns in Zelle 13 erwartete.
Ransome: Schlagen sie das Bett auf, OBrien, machen sie schon.
OBrien: Jawohl Herr Direktor.
Ransome: Eine Attrappe.
vanDusen: Hahahahaha die einfachste Sache von der Welt lieber Ransome, eine zusammengerollte Decke, dazu eine geschickt applizierte Perücke.
Ransome: Perücke, wie um alles in der Welt.
Vivian: Und dieses häßliche gelbe Ding haben sie für den markanten Haarschopf unseres Professor gehalten, schämen sie sich OBrien.
vanDusen: Ja schämen sie sich, aber vorher rütteln sie bitte mal am Fenstergitter.
OBrien: Herr Direktor.
Ransome: Los los rütteln sie.
OBrien: Durchgefeilt.
Ransome: Durchgefeilt jawohl die sache wird für sie noch ein nachspiel haben obrien.
OBrien: Aber Herr Direktor ich habe doch alles getan.
vanDusen: Lassen sie den armen OBrien in Ruhe Ransome, gratulieren sie mir lieber, die Wette ist gewonnen.
Vivian: Wie haben sie das gemacht Professorchen, kommen sie, erzählen sies uns.
vanDusen: Sehr gerne gnädigste, aber bitte nicht hier, auch wenn mir die Zelle 13 fast ein bißchen ans Herz gewachsen ist, könnte ich mir trotzdem eine angenehmere Umgebung vorstellen.
Hatch: Unsere Droschke wartet doch vor dem Haupttor.
vanDusen: Also auf zu Chirico.
Hatch: Nach einem vorzüglichen dinner, das Mister und Misses Ransome in ihrer Ungeduld allerdings kaum zu würdigen wußten, war es dann endlich soweit, der Professor machte sich bereit mit meiner Assistenz das Geheimnis von Zelle 13 zu lüften.
vanDusen: Ober.
Oberkellner: Mein Herr.
vanDusen: Sie können abräumen, und wenn sie damit fertig sind, servieren sie uns den Champagner, denken sie aber daran, ihn Mr Ransome in Rechnung zu stellen.
Oberkellner: Sehr wohl mein Herr.
vanDusen: Vorher bringen sie den Herrn von ihren besten kubanischen Importen, sie gestatten gnädige Frau.
Vivian: Ich gestatte ihnen fast alles Professor, wenn sie mir jetzt endlich erzählen wie sie das Ding gedreht haben.
Ransome: Vivian.
Vivian: So sagt man doch wohl in Verbrecherkreisen, wie sind sie plötzlich mit Mr Hatch am Tor aufgetaucht, wenn sie eben noch in ihrer Zelle waren.
vanDusen: Alles schön der Reihe nach gnädige Frau, lassen sie mich die Geschichte auf meine Art erzählen.
Hatch: Und das tat er denn auch, er erzählte von ersten vagen Fluchtplänen noch bevor er die Zelle gesehen hatte, er berichtete wie er Zelle 13 sorgfältig untersucht und dabei das Rattenloch, den Ausgang des nicht mehr benutzten Abwasserrohrs entdeckt hatte, das nach seiner Vermutung und gewissermaßen nach Auskunft der Wasserratten in der Nähe des Flußes enden mußte, wahrscheinlich auf dem Baseballplatz, er erzählte weiter von seinen Schlußfolgerungen, daß nämlich der einzige erfolgversprechende Fluchtweg aus der Zelle durch das Fenster ging und daß er versuchen mußte, durch die alte Wasserleitung einen Helfershelfer draußen anzulernen.
vanDusen: Dies zu bewerkstelligen meine Herrschaften, erwies sich als nicht allzu schwierig, zunächst einmal brauchte ich einen langen Faden, den erhielt ich, indem ich meine Strümpfe aufreufelte, dann schrieb ich einen Brief.
Ransome: Worauf.
vanDusen: Ganz einfach, auf einem Stück Leinen, bevor sie mir mein weißes Hemd wegnehmen ließen hatte ich ein zweites Stück abgerissen und während der Durchsuchung im Mund versteckt, ich schrieb also einen Brief.
Ransome: Womit, sie hatten doch keine Tinte.
vanDusen: Aber natürlich hatte ich Tinte, sie haben sogar selbst dafür gesorgt Ransome, indem sie freundlicherweise meine Schuhe putzen ließen, schwarze Schuhwichse in Wasser aufgelöst ist ein hervorragender Tintenersatz.
Vivian: Genial.
vanDusen: Als Feder benutzte ich die Metallspitze meines Schnürsenkels.
Ransome: Damit haben sie also auch dem Kassiber geschrieben.
vanDusen: Natürlich.
Vivian: Und was.
vanDusen: Später gnädigste alles zu seiner Zeit, ich schrieb also den Brief und dann fing ich eine Ratte.
Vivian: Ih.
vanDusen: An ihr linkes Hinterbein wenn ich mich recht erinnere, band ich den Brief nebst einer 10 Dollarnote, an das rechte Bein den langen Seidenfaden, dessen anderen Ende ich in der hand behielt, nachdem ich dies alles vorgenommen hatte, jagte ich das Tier durch die Leitung, da mir die Verhaltensweise von Ratten sehr genau bekannt ist ging ich davon aus, daß mein unfreiwilliger Kurier unter freiem Himmel angekommen sich sogleich durch Nagen von dem lästigen Brief sowie vom Faden befreien würde.
Hatch: So geschah es und es geschah auch was der Professor weiter vermutet hatte, ein baseballspielender aufgeweckter Knabe entdeckte den Brief und da ihm darin noch einmal zehn Dollar versprochen wurden, wenn er die Botschaft an mich ablieferte, tat er dies auch, ich witterte gleich eine story, ließ mich von dem Jungen zum baseballplatz führen und fand dort nach längerem Suchen den Ausgang des Abwasserrohrs und das Ende des Fadens, die Verbindung war hergestellt, wie der Professor es mir aufgeschrieben hatte, band ich ans Ende zuerst einen Bindfaden und daran wieder eine starken Draht, damit hatten der Professor und ich eine Art Seilbahn installiert, über die ich ihm alles zukommen lassen konnte, was er wünschte und was durch das Rohr paßte.
vanDusen: Das alles ging in der nacht vom dritten zum vierten Hafttag vor sich, schon vorher hatte ich damit begonnen, von meiner eigentlichen Aktivitäten abzulenken, ich bot OBrien Geld an.
Ransome: Ach so der Bestechungsversuch und das Sägen am Gitter.
vanDusen: Reines Ablenkungsmanöver, ich wundere mich übrigens, lieber Ransome daß sie mir so viel Plumpheit zugetraut hatten.
Vivian: Dieser berühmte Kassiber war natürlich auch nur Tarnung, nicht wahr.
vanDusen: Sie haben es erraten Gnädigste.
Vivian: Und was darauf stand, sollte das überhaupt was bedeuten, zeigt doch mal her Tom, nehe ilf thcin hciedrew traese id fua, das ist doch Unsinn.
vanDusen: Oh nein, lesen sie es doch einfach einmal andersherum von hinten nach vorne.
Vivian: Auf die art werde ich nicht fliehen, auf diese art werde ich nicht fliehen, achso.
vanDusen: Ein kleiner Scherz nichts weiter, zurück zum wesentlichen, meine Herrschaften, Mister Hatch schickte mir über unsere Rohrpost was ich bestellt hatte, vor allem Geld und Schreibmaterial, die Schuhwichse konnte ja nicht ewig reichen, vorher versuchten wir allerdings uns akustisch zu verständigen, ich rief Hatch zu, daß ich Säure brauchte, Salpetersäure und eine Perücke möglichst Kopfgröße 60.
Ransome: Ah, das war also Ballards Geisterstimme, die ihm aus dem grab ins gewissen redete.
vanDusen: Davon weiß ich nichts, ich weiß nur daß irgendwo im Gefängnis jemand laut zu schreien anfing, daraufhin gaben wir das Rufen auf und verkehrten in Zukunft nur noch schriftlich, mit gutem Erfolg.
Hatch: Und der Professor erzählte weiter wie er die Dinge die ich ihm nachts in die Zelle schickte, hinten im Rohr verbarg da wo er auch das Ende des Drahtes befestigt hatte und zwar so daß er es gerade noch mit seinen langen Fingern erreichen konnte und wie er zu allem Überfluß noch eine tote Ratte davor legte, er erzählte wie er am fünften sechsten und siebten Tag während er scheinbar geistesabwesend aus dem Fenster starrte, ätzende Salpetersäure auf die Nahtstellen zwischen Gitter und Wand auftrug, wie er am abend des siebten Tages das gelöste Gitter herausnahm und die elektrische Leitung der Bogenlampe neben dem Fenster ebenfalls mit Salpetersäure behandelte, wie er nach Ausfall der Lampe aus dem Fenster kletterte, das Gitter vorsichtig wieder einsetzte und sich dann in der Dunkelheit versteckte.
Hatch: Dann kam ich nach Chisholm im Arbeitsanzug mit den Elektrikern, das war kein Problem, mein vater ist ein wichtiger aktionär der gesellschaft, ich fand den Professor im dunklen Hof, gab ihm den mitgebrachten Overall und den Paß eines unserer Leute und ging dann mit ihm durchs Tor, um wie wir der Wache sagten, Handwerkszeug aus dem Wagen zu holen, meine Droschke stand in der nähe, wir zogen uns um, wobei der Professor so vorsichtig war den Kragen hochzuschlagen und den Hut in die Stirn zu ziehen, dann gingen wir zurück zum Tor, ließen uns melden, überquerten den Hof, traten in ihr Büro Ransome.
vanDusen: Und voila da war ich dann also nach sieben Tagen aus der Todeszelle.
Vivian: Bravo.
Ransome: Eigentlich ganz einfach.
Hatch: Wenn mans weiß.
vanDusen: Und gewußt wie, darauf kommts an.
Ransome: Aber wenn nun zufällig kein Rattenloch da gewesen wäre.
Vivian: Tja und wenn sie Mister Hatch nicht erreicht hätten.
vanDusen: Dann liebe freunde säßen wir jetzt nicht minder fröhlich beisammen, ich hätte nämlich noch zwei weitere bombensichere Ausbruchsmethoden.
Vivian: Hört hört.
vanDusen: Und somit erkläre ich Professor Augustus van Dusen genannt die Denkmaschine, Doktor der Philosophie, der Naturwissenschaften, der Medizin und so weiter und so weiter, Mitglied diverser Akademien und zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften noch einmal feierlich, daß einem wahrhaft intelligenten Menschen nichts wohlgemerkt nichts unmöglich ist, ich habe es bewiesen.
Ransome: Zum Wohl.
Vivian: Auf Professor van Dusen.
Hatch: Auf Celle 13.
vanDusen: Und auf das sicherste Gefängnis der Welt.
Ransome: Ober, die Rechnung.
Hatch: Und so endete die Geschichte von der Denkmaschine und der Todeszelle wie es sich für eine gute Geschichte gehört in allgemeinem Wohlgefallen.
Friedrich W. Bauschulte Professor van Dusen
Klaus Herm Hutchinson Hatch, Reporter
Georg Corten Thomas Ransome, Gefängnisdirektor
Eva Manhardt Vivian Ransome, seine Frau
Dieter Ranspach O'Brien, Gefängniswärter
Ortwin Speer Oberkellner
Ortwin Speer Ballard, Gefangener
Kommentar von Hörspiele |
Michael Koser: Professor van Dusen - Eine Unze Radium (RIAS 1978) (nach Jacques Futrelle: The Lost Radium)
Dexter: Wie sie wahrscheinlich wissen, Mister Hatch, ist Radium ein rätselhaftes, praktisch noch unerforschtes Element.
Hatch: Rätselhaft, praktisch unerforscht.
Dexter: Warum, Mr Hatch, warum sendet Radium Strahlen aus.
Hatch: Ja warum.
Dexter: Und welche Wirkungen haben diese Strahlen.
Hatch: Wirkungen Strahlen.
Dexter: Diese Fragen vor allem gilt es zu beantworten, Mr Hatch.
Hatch: Meinen Bericht über den höchst merkwürdigen Fall der verschwundenen Unze Radium kann ich bei aller Bescheidenheit kaum besser beginnen als mit dem Gespräch, das ich damals für meine Zeitung, den Daily New Yorker mit Professor Dexter von physikalischen Institut führte, Gespräch ist allerdings nicht der rechte Ausdruck, Professor Dexter, ein Wissenschaftler von der leicht begeisterten Sorte, hielt mir einen Vortrag und ich hörte zu und schrieb mit.
Dexter: Und diese Fragen Mr Hatch werden in kürze beantwortet werden.
Hatch: In kürze beantwortet.
Dexter: Und wo Mr Hatch, in New York, Mr Hatch, in der Universität, in diesem Labor.
Hatch: New York Universität Labor.
Dexter: Denn hier ist es uns in Monaten voller Mühen und harter Arbeit gelungen, die größte Menge Radium zusammenzutragen, die die Welt je gesehen hat, seit meine verehrte Kollegin Madame Curie dieses geheimnisvolle Element vor nunmehr gut einem Jahr entdeckt hat.
Hatch: Madame Curie vor einem Jahr.
Dexter: Eine ganze Unze Radium, Mr Hatch, fast 30 Gramm und wissen sie auch welchen Wert diese Menge repräsentiert, Mr Hatch.
Hatch: Keine Ahnung Professor.
Dexter: Fast drei Millionen Dollar, Mr Hatch.
Hatch: Glauben sie nun bitte nicht, daß Professor Dexter die Hauptperson in dem rätselhaften Radiumfall darstellte und auch ich hatte lediglich eine Nebenrolle in der ich mich ab und zu auf bescheidene weise nützlich machen konnte, die Hauptperson, der Star, wenn sie wollen war niemand anders als mein hoch geschätzter Freund, der große Wissenschaftler und Amateurkriminologe Professor Doktor Doktor Doktor Augustus van Dusen, allgemein bekannt als die Denkmaschine.
Dexter: Professor van Dusen hat sich freundlicherweise bereit erklärt, mir bei den bevorstehenden Experimenten mit seinem immensen physikalischen Wissen zur Hand zu gehen, vor allem aus diesem Grunde bin ich fest davon überzeugt, daß diesmal das Radium uns alle seine Geheimnisse preisgeben wird.
Hatch: Alle seine Geheimnisse.
Dexter: Und dann Mr Hatch dann wird es sich erweisen, daß unser junges zwanzigstes Jahrhundert das Jahrhundert des Radium sein wird, ja und was heißt das, Mr Hatch.
Hatch: Ja was wohl.
Dexter: Daß es ein Jahrhundert der Gesundheit sein wird, der Lebens- und der Schöpferkraft, eine große wunderbare Zeit, Mr Hatch, in der es weder Kriege noch Krankheit oder Alter geben wird, in der die Menschheit emporgehoben wird zur Höhe der Vollendung.
Hatch: Großartig, so was lesen die Leute immer gerne und deshalb stand es denn auch am nächsten Tag auf Seite eins, direkt neben der Schlagzeile, die da lautete Leiche im Hafen, schöne Unbekannte erstochen, daß zwischen der Schlagzeile und meinem Artikel über Professor Dexters Radiumexperiment ein Zusammenhang bestand, das konnte zu diesem Zeitpunkt noch niemand ahnen, ebenso wenig, daß die Unze Radium in Dexters Besitz gestohlen werden würde, doch ich greife den Ereignissen vor, Professor Dexter, noch glücklich da er nicht wußte was bevorstand, traf im Labor seine letzten Vorbereitungen und wartete auf seinen Kollegen van Dusen, um mit den Versuchen zu beginnen.
Dexter: Ja, ja was ist.
Labordiener: Verzeihung, Herr Professor, eine Dame möchte sie sprechen.
Dexter: Eine Dame, wie was, das geht jetzt nicht, bestellen sie ihr.
Labordiener: Sie sagt, es ist dringend und es hat was mit Radium zu tun.
Dexter: Mit Radium so und dringend, ja dann bitten sie die Dame in den Vorraum, ich komme gleich, hoppla was steht denn.
Madame: Oh wie ungeschickt von mir, da habe ich doch meinen großen lästigen Koffer mitten in die Tür gestellt, sie Ärmster, haben sie sich wehgetan.
Dexter: Nein nein, es ist nicht der rede wert, bemühen sie sich nicht, lassen sie den Koffer nur da stehen.
Madame: Danke.
Dexter: Es ist niemand sonst im Labor, der heraus kommen und über ihn fallen könnte, ja.
Madame: Sie sind Professor Dexter, sie müssen Professor Dexter sein, sie sind genauso, wie Madame Curie sie mir beschrieben hat, jung, gut aussehend.
Dexter: Aber ich bitte sie.
Madame: Ja ja.
Dexter: Und mit wem habe ich die Ehre, ich meine das Vergnügen.
Madame: Meine Karte.
Dexter: Madame du Chateauneuf, aha sie kommen aus Frankreich.
Madame: Aus Paris oder genauer aus Le Havre mit der Campania.
Dexter: Dann sind sie ja erst gestern gelandet.
Madame: Ganz recht, gestern Abend, nur weil ich mit ihnen reden wollte, Professor Dexter, habe ich die beschwerliche Überfahrt gewagt.
Hatch: Madame du Chateauneuf war eine große kräftige aber durchaus wohl proportionierte junge Frau von etwa 30 Jahren, sehr hübsch, sehr elegant gekleidet, umgeben vom Duft eines Parfums, das Professor Dexter die Sinne zu verwirren drohte und ihm die überraschende Erkenntnis nahe brachte, daß es außer physikalischen Experimenten noch andere interessante Dinge auf der Welt gebe.
Madame: Darf ich ihnen, bevor ich den eigentlichen Gegenstand meines Besuchs berühre, diesen Brief überreichen.
Dexter: Aha.
Madame: Kommen sie doch zu mir ans Fenster, das Licht ist hier sehr viel besser.
Dexter: Wie sie wünschen, Madame.
Madame: Hust, hust.
Dexter: Sind sie leidend Madame.
Madame: Eine kleine Affektion der Atemwege, nichts weiter, die scharfe Seeluft hat.
Dexter: Von Madame Curie, das ist eine Überraschung, werter Kollege, darf ich ihnen eine Freundin, Madame du Chateauneuf anempfehlen und hoffen, daß sie ihrer Bitte Gehör schenken, sie würden.
Madame: Dadurch sehr verpflichten.
Dexter: Ihre ergebene Madame Curie, ich stehe ihnen voll und ganz zur verfügung Madame, bei einer solchen Empfehlung, nicht daß sie nötig gewesen wäre, schon ihre Erscheinung Madame, wenn ich so sagen darf, ihr Charme, nunja was kann ich für sie tun.
Madame: Um ihnen mein Anliegen vorzutragen, lieber Professor Dexter, muß ich ein wenig ausholen.
Dexter: Bitte Madame verfügen sie über mich und meine Zeit.
Madame: Nun denn ich bin Witwe.
Dexter: Das tut mir leid Madame.
Madame: Mein seliger Gatte Monsieur du Chateauneuf, er war übrigens erheblich älter als ich, hatte sich der Physik gewidmet.
Dexter: Ah der Physik.
Madame: Allerdings glaube ich kaum, daß sie seinen Namen kennen.
Dexter: Leider Madame ich muß gestehen daß.
Madame: Er war nämlich keiner Universität verbunden, sondern konnte dank seines Vermögens als Privatgelehrter seinen Neigungen nachgehen, sein Forschungsgebiet war das Radium.
Hatch: Ihr Mann, so erzählte Madame du Chateauneuf dem gebannt lauschenden Professor, ihr Mann hatte eine neue Methode der Radiumgewinnung entdeckt und in kurzer zeit etwa eine Unze des seltenen Elements hergestellt, dann war er gestorben und da er bedauerlicherweise den gesamten Besitz seiner wissenschaftlichen Experimentierlust geopfert hatte, war der trauernden Witwe nichts geblieben als seine unleserlichen Notizen und besagte Unze Radium, auf den Rat von Madame Curie, so erzählte sie weiter, die sie auf Professor Dexters bevorstehende Versuche hingewiesen hatte, war sie kurz entschlossen nach New York gereist.
Madame: Nun bin ich also hier und biete ihnen meine Unze Radium zum kauf an.
Dexter: Madame.
Madame: Für eine Million Dollar.
Dexter: Unglaublich Madame, noch eine Unze, eine ganze Unze Radium für meine Experimente, nicht zu fassen.
Madame: Sie sind also interessiert.
Dexter: Wie können sie fragen, natürlich bin ich interessiert, nur ihr Preis, Madame, ihr Preis.
Madame: Aber weit unter dem tatsächlichen Wert Professor.
Dexter: Ohne Frage Madame, aber eine Million Dollar.
Madame: Ich bitte sie Professor.
Dexter: Ich muß mit dem Präsidenten der Universität sprechen, mit unseren Geldgebern, Mr Carnegie, Mr Rockefeller.
Madame: Tun sie das Professor, ich mache ihnen ein Vorschlag, hust hust hust hust, also ich gebe ihnen zeit bis morgen Abend und werde mich um ja sagen wir um sieben Uhr hier wieder einfinden, falls sie mich in der Zwischenzeit zu sprechen wünschen, ich logiere im Hotel Paris.
Dexter: Ihr Koffer, darf ich, gestatten Sie.
Madame: Danke, vielen Dank, Herr Professor, das ist nicht nötig, der Koffer ist nicht schwer, trotz seiner Größe, also.
Dexter: Also.
Madame: Leben sie wohl bis morgen.
Dexter: Bis morgen Madame.
Hatch: Minuten vergingen bis Dexter sich aus der Verwirrung gelöst hatte, in die er durch das Parfum der schönen Besucherin und vor allem durch ihr ungewöhnliches Angebot gestürzt worden war, noch wie im Traum ging er zurück ins Labor an seinen Arbeitsplatz und sah sich auf eine sehr plötzliche und sehr unangenehme weise in die Wirklichkeit zurück versetzt.
Dexter: Das Radium, ist es nicht mehr da, es ist weg, verschwunden, gestohlen, eine Unze Radium gestohlen, 3 Millionen Dollar.
vanDusen: Sie machen ja ein Geschrei, daß man sie durchs ganze Institut hört, werter Kollege, was ist denn geschehen.
Dexter: Diebstahl, van Dusen, Raub.
vanDusen: Na na na.
Dexter: Ein Millionenraub, das Radium, unser Radium, van Dusen, was soll jetzt aus unseren Versuchen werden, unseren schönen Versuchen.
vanDusen: Nehmen sie sich zusammen, Herr Kollege, kommen sie, setzen sie sich hin, so und atmen sie tief durch.
Dexter: Da drüben auf dem Tisch hat es gelegen, in seinem Stahlkästchen, wo ich es hingelegt habe, als Madame du Chateauneuf kam.
vanDusen: Ah, es war also jemand hier, sagen sie mir was geschehen ist, aber bitte ruhig und von anfang an.
Hatch: Professor Dexter beruhigte sich ein wenig und erzählte van Dusen was er wissen wollte, daß er durch Madame du Chateauneuf bei der Arbeit unterbrochen worden war, das Radium auf den Tisch im Labor gelegt und die Dame im Vorraum empfangen hatte, dann berichtete er, ohne sich weiter mit dem Eindruck aufzuhalten, den seine Besucherin auf ihn gemacht hatte, von dem Angebot, das er von ihr erhalten und von der Verabredung die er mit ihr getroffen hatte, van Dusen hörte aufmerksam zu.
vanDusen: Wie lange war sie hier.
Dexter: Etwa eine viertelstunde würde ich sagen.
vanDusen: Kommen sie ins Vorzimmer, zeigen sie mir, wo sie gesessen hat.
Dexter: Ja.
vanDusen: Sind sie übrigens ganz sicher Herr Kollege daß sie das Radium auf ihren Tisch gelegt haben.
Dexter: So sicher wie man nur sein kann, hier hat sie gesessen auf dem Sofa.
vanDusen: Aha, der Labortür genau gegenüber.
Dexter: Ja.
vanDusen: Und sie.
Dexter: Auf dem Sessel.
vanDusen: Mit dem Rücken zum Labor, interessant, die Tür stand offen nehm ich an.
Dexter: Ja ja ich glaube, richtig, ich vergaß sie zu schließen, weil ich über den Koffer stolperte.
vanDusen: Sie stolperten über einen Koffer.
Dexter: Madame du Chateauneuf hat ihn direkt vor die Tür gestellt.
vanDusen: Wie groß.
Dexter: Bitte.
vanDusen: Wie groß war der Koffer.
Dexter: Ganz normal eben ein Koffer.
vanDusen: In der Tür zum Labor, hat Madame du Chateauneuf wie soll ich sagen, etwas Unvorhergesehenes von sich gegeben.
Dexter: Ich verstehe nicht.
vanDusen: Ich meine plötzlich laut geschrien zum Beispiel oder gesungen, gepfiffen, gelacht.
Dexter: Aber Herr Kollege, Madame du Chateauneuf.
vanDusen: Oder vielleicht auch gehustet.
Dexter: Gehustet, ja, aber ja, woher wissen sie.
vanDusen: Zweimal, zu Beginn ihrer Unterhaltung und gegen Ende habe ich recht.
Dexter: Wie haben sie das nur erraten Herr Kollege.
Hatch: Ohne darauf eine Antwort zu geben wie es seine irritierenden Gewohnheit entsprach, ging van Dusen zurück ins Labor und begann den großen Raum aufs sorgfältigste zu untersuchen, sein Hauptaugenmerk richtete er dabei auf die Tür und die hohen Fenster, die er etwa eine Stunde lang gründlich inspizierte, bevor er sich wieder seinem geknickten Kollegen zuwandte.
vanDusen: Die Fenster sind mit Sicherheit heute nicht geöffnet worden.
Dexter: Dann bliebe also nur die Tür.
vanDusen: Ja die Tür, die Tür zum Vorraum, die einzige Tür und der einzige Zugang für den Dieb.
Dexter: Aber in der fraglichen Zeit hat niemand das Labor betreten, außer mir selbst natürlich.
vanDusen: Wirklich niemand, auch nicht der Diener.
Dexter: Der hat nur kurz seinen Kopf durch die Tür gesteckt, um Madame anzumelden.
vanDusen: Und.
Dexter: Was und.
vanDusen: Madame selbst.
Dexter: Madame du Chateauneuf hat zu keiner Zeit ihren Fuß ins Labor gesetzt, das kann ich beschwören.
vanDusen: Ich glaube ihnen Dexter und trotzdem muß Madame das Radium entwendet haben.
Dexter: Unmöglich, eine Dame aus den besten Kreisen.
vanDusen: Ich weiß sogar schon, wie sie vorgegangen ist, nur habe ich leider auch nicht den kleinsten Beweis.
Dexter: Empfohlen von Madame Curie persönlich.
vanDusen: Gut daß sie mich erinnern, Herr Kollege, lassen sie sofort dieses Kabel aufgeben.
Dexter: An Madame Curie, Paris, haben sie Madame du Chateauneuf Empfehlungsschreiben an Professor Dexter gegeben, schnelle Antworten erbeten.
vanDusen: Van Dusen.
Dexter: Sie halten den Brief also für eine Fälschung.
vanDusen: Ich möchte es fast annehmen und wenn Madame Curie wie ich erwarte mit nein antwortet, dann haben wir etwas gegen die Diebin in der Hand.
Dexter: Das dürfte aber kaum ausreichen, Herr Kollege, immer angenommen sie haben mit ihrer Anschuldigung recht, wovon ich durchaus noch nicht überzeugt bin.
vanDusen: Ich habe da noch gewisse andere Pläne Dexter, hat Madame übrigens in irgendeinem Zusammenhang ein Kind oder Kinder erwähnt.
Dexter: Kinder, ganz bestimmt nicht.
vanDusen: Schade.
Dexter: Wie kommen sie darauf.
vanDusen: Morgen Herr Kollege, es ist spät geworden.
Hatch: Was die Arbeit mit den kleinen grauen Zellen betraf war Professor van Dusen nicht zu schlagen, Beinarbeit aber, herumlaufen nachforschen Leute ausfragen, das hielt er im allgemeinen für unter seiner Würde und wenn im Verlauf seiner kriminalistischen Untersuchungen derartiges nötig wurde, an wen wandte er sich dann, richtig an seinen alten Freund Hutchinson Hatch, so auch diesmal, einen Tag nach dem rätselhaften Radiumdiebstahl klingelte gegen 10 Uhr vormittags in der Lokalredaktion des Daily New Yorker das Telefon, Professor van Dusen unterrichtete mich kurz von den Ereignissen im physikalischen Labor der Universität und beschied mich zu sich in seine Wohnung, wo ich, als ich nach kurzer Zeit eintraf, zu meiner Überraschung einen alten bekannten vorfand, Freund kann man ihn beim besten Willen nicht nennen, Detective Sergeant Caruso von der New Yorker Polizei.
vanDusen: Ah Hatch, ich bin gleich so weit, setzen sie sich, nehmen sie sich ein Whisky wenn sie wollen.
Hatch: Ja vielen dank.
vanDusen: Sie auch Caruso.
Caruso: Nicht im Dienst, aber lassen sie sich nicht abhalten.
vanDusen: Ich, sie sollten allmählich wissen, daß ich fast niemals trinke.
Hatch: Zum wohl.
Caruso: Ihre Antwort Professor.
vanDusen: Wissen sie Hatch, Caruso versucht mich für den Fall der Toten im Hafen zu interessieren, die junge Frau die gestern Morgen bei Dock E erstochen aufgefunden wurde.
Hatch: Ah die schöne Unbekannte.
vanDusen: Die Polizei steht wie so oft vor einem Rätsel und ersucht mich um Mitarbeit.
Caruso: Der Fall ist genau ihre Kragenweite Professor, kein Hinweis auf die Identität der Toten, keine Anhaltspunkte.
Hatch: Oh doch, ein teures Pariser Modellkleid und ein ungewöhnlich geformtes Messer, breite klinge, schmaler griff, direkt im herzen der zierlichen schönen.
Caruso: Woher wissen sie das.
Hatch: Steht alles in der Zeitung von heute verehrter Gesetzeshüter neben meinem epochalen Artikel über Professor Dexter und das Radium apropos van Dusen.
vanDusen: Gleich, es tut mir leid Caruso, ich muß ablehnen, ein anderer äußerst wichtiger Fall erfordert zurzeit meine volle Aufmerksamkeit, es geht um ein für die Wissenschaft bedeutsames Problem und die Wissenschaft, mein lieber Caruso, die Wissenschaft geht vor, bedauerlich.
Caruso: Ja vielleicht überlegen sie sich noch Professor, wir bleiben auf jeden Fall in Verbindung.
vanDusen: Warum nicht, James wird sie hinausbringen.
Hatch: Viel Erfolg.
Caruso: Danke.
Hatch: Nicht das es was nützt, ohne ihre Hilfe fängt Caruso nicht mal einen Karnickeldieb, auf unsere polizei.
vanDusen: Zu uns Hatch, ihre Droschke wartet doch noch, gut dann steigen sie wieder ein und fahren zur Eastside.
Hatch: Wenn sie jemals in New York ein mittelmäßiges Mittelklassehotel brauchen, dann kann ich ihnen das Hotel Paris auf der Eastside wärmstens empfehlen, minimaler Service, maximale Preise und ein wortkarger Portier, der Dollarscheine sammelt.
Hotelportier: Keine Auskunft über Gäste.
Hatch: Zwei Dollar, 3,4,5 mein letztes Wort.
Hotelportier: Okay fragen sie.
Hatch: Wohnt bei ihnen eine Madame du Chateauneuf.
Hotelportier: Ja.
Hatch: Mit Mann.
Hotelportier: Mann ne.
Hatch: Kind dabei.
Hotelportier: Ne.
Hatch: Sie ist also allein.
Hotelportier: Jaja.
Hatch: Aha, wie sieht sie aus.
Hotelportier: Toll, sonst noch was.
Hatch: Fehlanzeige, meine nächste Station war das Büro der Bluestar Schifffahrts-gesellschaft wo man mir verbindlich versicherte, Madame du Chateauneuf sei allein ohne Begleitung und ganz bestimmt nicht mit einem Kind auf der Campania über den großen Teich gesprungen, ich fuhr zurück zu van Dusen.
vanDusen: Kein Kind, sind sie sicher.
Hatch: Ganz sicher Professor, dieses Kind, das sie mit zu großem Eifer suchen, gibt es nicht, hat es nie gegeben.
vanDusen: Das kann nicht sein, das kann einfach nicht sein, sollte ich Professor van Dusen, die Denkmaschine, eine falsche Spur verfolgt haben, unmöglich.
Labordiener: Ein Telegramm Sir.
vanDusen: Danke James, aus Paris, Hatch, die Antwort von Madame Curie.
Hatch: Schon.
vanDusen: Was, ja, Hatch, Madame Curie telegrafiert mir ja, sie hat Madame du Chateauneuf tatsächlich ein Empfehlungsschreiben an Professor Dexter gegeben.
Hatch: Unglaublich.
vanDusen: Sie sagen es.
Hatch: Das würde heißen, daß Madame du Chateauneuf unschuldig wäre.
vanDusen: Nicht zu fassen.
Hatch: Und das wiederum würde heißen, daß nur eine einzige Person das Radium gestohlen haben kann, Dexter selbst.
vanDusen: Ganz und gar unmöglich, ich kenne ihn seit Jahren, warum sollte er so etwas tun und außerdem, er weiß ganz genau, daß er das Radium keinem Forscher, keinem Institut anbieten kann, ohne daß die gesamte wissenschaftliche Welt davon erfährt, nein, Dexter scheidet aus.
Hatch: Dann war.
vanDusen: Ich muß nachdenken, ich muß sehr konzentriert nachdenken, alleine und in Ruhe, haben sie nicht irgendwo dringend etwas zu tun Hatch.
Hatch: Ja warum nicht, ich könnte mich mal wieder in der Redaktion sehen lassen.
vanDusen: Dann will ich sie nicht länger aufhalten, ich melde mich, falls ich sie brauche.
Hatch: Was blieb mir übrig, um der Denkmaschine ungestörten Betrieb zu ermöglichen, zog ich mich zurück an meinen Schreibtisch, dachte so an dieses und jenes, an Radium, an die geheimnisvolle Madame du Chateauneuf, an Detektiv Caruso und an die schöne unbekannte Leiche und wartete, es war kurz vor 5 Uhr als Professor van Dusen sich meldete, diesmal nicht über das Telefon, sondern höchst persönlich und ehe ich michs versah, saß ich in einer Droschke.
vanDusen: Wenn mich nicht alles täuscht Hatch, dann werden wir in wenigen Minuten eine äußerst interessante Persönlichkeit treffen.
Hatch: Sie meinen Madame du Chateauneuf.
vanDusen: Oh nein, ich meine die eigentliche Schlüsselfigur im Radiumfall, übrigens, es wird sie interessieren zu hören, daß der Fall praktisch gelöst ist.
Hatch: Was sie nicht sagen.
vanDusen: Und daß ich von anfang an recht hatte oder doch jedenfalls so gut wie.
Hatch: Aber der Brief von Madame Curie und wie hat sie es gemacht, falls es überhaupt war.
vanDusen: Später, mein bester, später, wir haben heute Abend noch eine Verabredung mit Madame du Chateauneuf und Professor Dexter und sie wissen doch daß ich meine Schlussfolgerungen nur höchst ungern mehrmals zum besten gebe, außerdem sind wir gleich da, seien sie auf der hut, halten sie die Augen offen.
Hatch: Warum, erwarten sie etwa schwierigkeiten, ist diese schlüsselfigur gefährlich.
vanDusen: Gefährlich, nein das glaube ich kaum, aber gerissen, gerissen und trickreich, also seien sie wachsam, wir sind da.
Hatch: Verglichen mit unserem Ziel, der Familien- und Artistenpension Salto mortale so stands kaum noch lesbar über der Tür geschrieben, war das Hotel Paris eine art Waldorf Astoria, innen roch es nach Schnaps, nach Schminke und nach schlimmerem und es sah aus, wie es eben in einer billigen Pension aussieht, wo niemand sauber macht, einen Portier schien es auch nicht zugeben.
Hatch: Hallo, hallo, niemand da.
Pensionswirt: Was ist denn, wollen sie ein Zimmer.
Hatch: Nein ein Zimmer wollen wir nicht, wir wollen tja was wollen wir eigentlich Professor.
vanDusen: Guten Tag, wir suchen Monsieur Bertrand, würden sie uns freundlicherweise miteilen, in welchem Zimmer der Herr logiert.
Pensionswirt: Wie heißt er.
vanDusen: Bertrand.
Pensionswirt: Kenne ich nicht.
vanDusen: Aber ich bin sicher, daß er hier wohnt, ein kleiner, ein sehr kleiner Herr, gerade aus Europa gekommen.
Pensionswirt: Ach den meinen sie, Zimmer 11, Treppe rauf, rechts vom Waschraum.
vanDusen: Danke, ist er zu hause.
Pensionswirt: Keine Ahnung, probieren sies mal.
Hatch: Hier, Zimmer elf, probieren wir es mal.
Monsieur: Entree.
vanDusen: Wie gesagt Hatch, halten sie die Augen offen, darf ich vorstellen Hatch, Monsieur Bertrand, der Herr, der Dexters Radium aus dem Labor entwendet hat.
Monsieur: Monsieur, ich muß doch sehr bitten.
Hatch: Und dann sah ich ihn, eine zierliche Gestalt in einem bunten etwas zu auffälligen Schlafrock gehüllt, erhob sich aus einem großen Sessel und fixierte uns mit entrüsteten Blicken, nun zierlich ist übrigens kaum das richtige Wort, Professor van Dusen, ein Riese nur in geistigen Belangen, war um gut einen halben Meter größer, kurz Monsieur Bertrand entpuppte sich als Liliputaner und wie van Dusen behauptete, als der Dieb des Radiums, mir wurde einiges klar.
Monsieur: Ich ein voleur, missio, ein Dieb, sie nicht wissen, wen sie haben vor sich, je suis un artiste, ich seien die berühmte Zwerg, die große sensationelle phänomenale Manfredini.
vanDusen: Geben sie sich keine Mühe, verehrter Monsieur Bertrand oder Manfredini, wenn sie das lieber hören, wir wissen alles, ihre Partnerin hat gestanden.
Monsieur: Oh sie wissen, wir haben gemacht die Trick.
vanDusen: Ganz genau.
Monsieur: Eine gute Trick, nest pas, mit den valise, die Koffer, wie in Variete, nur ich können das, ich die große berühmte.
vanDusen: Sind sie da nicht ein bißchen ungerecht gegen ihre Partnerin, Mademoiselle vonJean.
Hatch: VonJean, ich verstehe überhaupt nichts mehr.
Monsieur: Aber sie nur porteuse, wie sagt man.
vanDusen: Gepäckträgerin.
Monsieur: Wie Gepäck äh Trägerin.
vanDusen: Und jetzt geben sie uns bitte, was sie im Labor gestohlen haben.
Monsieur: Monsieur, gestohlen, ein hartes Wort, wir haben nur gemacht ein Scherz, ein Trick, voila.
vanDusen: In diesem unscheinbaren Stahlkästchen, mein lieber Hatch, befindet sich eine Unze des wertvollsten Elements, das es auf der Welt gibt.
Hatch: Ich weiß Professor, drei Millionen Dollar.
Monsieur: 3 Millionen Dollar, ah, sie mich hat belogen, sie hat gesagt nichts wert.
vanDusen: Sie hat ihnen wahrscheinlich auch verschwiegen, daß es nicht nur um einen schlichten Diebstahl geht, sondern um Mord.
Hatch: Mord.
Monsieur: Meurtre, assassiner, sacrebleu.
vanDusen: Achtung Hatch, halten sie ihn fest.
Hatch: Ich griff sofort zu und Bertrand, der mit affenartiger Geschwindigkeit fast schon den Korridor erreicht hatte, ergab sich nach kurzem Zappeln in sein Schicksal, er sagte kein Wort mehr, zog sich an und folgte uns zur Droschke, wir fuhren zum physikalischen Institut der Universität, wo Professor Dexter und der von van Dusen alarmierte Caruso auf uns warteten, es wurde schon dunkel.
vanDusen: Das Radium Herr Kollege, passen sie in zukunft ein bißchen besser darauf auf.
Dexter: Tatsächlich, das Radium, mein Radium, noch alles da, wie haben sie das gemacht van Dusen.
vanDusen: Fragen sie doch unseren kleinen Freund hier, Monsieur Bertrand alias Manfredini oder ihre Besucherin von gestern, die jeden moment hier sein muß.
Dexter: Achja Madame du Chateauneuf.
vanDusen: Ja die.
Dexter: Wie spät ist es.
Hatch: Fünf vor sieben.
Dexter: Hören sie van Dusen, das Radium ist ja nun wieder da, unsere Versuche können wie geplant morgen früh anfangen, wollen wir es nicht dabei belassen, ich meine was haben wir davon, wenn Madame ins Gefängnis muß, seien wir großmütig.
vanDusen: Warum nicht, jedenfalls.
Caruso: Wozu haben sie mich herbestellt wenn sie ihn doch laufen lassen wollen.
vanDusen: Jedenfalls wollte ich sagen, als ich von unserem ungeduldigen kriminalistischen Freund hier unterbrochen wurde, jedenfalls soweit es den Diebstahl betrifft, andererseits.
Labordiener: Madame du Chateauneuf.
vanDusen: Noch einen Moment Miller, schließen sie die Tür, Caruso, sie gehen mit Bertrand nach nebenan ins Labor und warten auf ihr Stichwort.
Caruso: Aber ich.
vanDusen: Pst, gehen sie, die Verhandlung mit der Dame überlassen sie bitte mir, Dexter.
Dexter: Ok.
vanDusen: Und sie Hatch.
Hatch: Ich setze mich ganz still in eine Ecke und schreibe fleißig mit.
vanDusen: Ja tun sie das, Miller wir lassen bitten.
Madame: Oh Professor Dexter, ich bin erstaunt, hier eine ganze Gesellschaft anzutreffen, ich hatte gehofft wir beide, allein.
Dexter: Professor van Dusen, der mich bei den Radiumversuchen unterstützen wird, Mister Hatch, ein gemeinsamer Freund, Madame du Chateauneuf.
Hatch: Sehr erfreut.
vanDusen: Setzen sie sich Madame, wie mir mein Kollege Professor Dexter mitgeteilt hat, wollen sie uns eine Unze Radium verkaufen.
Madame: So ist es.
vanDusen: Tragen sie die Ware bei sich.
Madame: Wo denken sie hin Herr.
vanDusen: Van Dusen.
Madame: Van Dusen, oh nein das Radium ist an einem sicheren Ort bis wir uns geeinigt haben.
vanDusen: Erstaunlich nicht wahr.
Madame: Pardon Herr van Dusen ich verstehe nicht.
vanDusen: Daß es noch eine ganze Unze diese so seltenen Stoffes auf der Welt gibt, ohne daß die Wissenschaft bisher davon wußte.
Madame: Aber ich habe doch Professor Dexter genau.
vanDusen: Sind sie ganz sicher, daß sich auch wirklich eine Unze Radium in ihrem Besitz befindet.
Madame: Selbstverständlich.
vanDusen: Ich meine natürlich außer jener Unze, die sie gestern hier im Labor gestohlen haben.
Madame: Erlauben sie, ich bin nicht hierher gekommen, um mich insultieren zu lassen, unter diesen Umständen Professor Dexter bin ich nicht gewillt, mein Angebot aufrecht zu erhalten, gestatten sie, daß ich mich verabschiede.
vanDusen: Wir gestatten nicht Madame und bitten sie weiterhin um das Vergnügen ihre Anwesenheit.
Madame: Sie sind unverschämt mein Herr, au revoir.
vanDusen: In diesem Fall sehe ich mich gezwungen, sie ein wenig drängender zu ersuchen Mademoiselle vonJean, Caruso.
Caruso: Professor.
vanDusen: Kommen sie und bringen sie unseren kleinen Ehrengast.
Madame: Manfredini.
vanDusen: Darf ich ihnen ein weiteres Mitglied unsere kleinen gesellschaft vorstellen, Detektiv Caruso von der new yorker polizei, den anderen Herrn kennen sie ja bereits.
Monsieur: Menteur Lügnerin Verräterin, sie nichts haben gesagt von die drei Millionen Dollar, sie wollten betrügen, ihr Partner die große sensationelle Manfredini, ich verachte sie.
vanDusen: Und da wir gerade so schön beim vorstellen sind, darf ich sie, meine Herren mit dieser Dame bekannt machen, die sich nicht ganz zurecht fürchte ich, Madame du Chateauneuf genannt hat, Mademoiselle vonJean alias, wie lautet ihr Bühnenname Mademoiselle.
Madame: Äh ich.
vanDusen: Sie wollen es uns nicht sagen.
Monsieur: Evita, so heißt sie in Variete, olala Evita et Manfredini die große Nummer der phänomenale Succes, der Publikum hat immer sehr gelacht, überall.
vanDusen: Und sie wollen uns sicher auch nicht gestehen, wie sie den Diebstahl ausgeführt haben, das macht nichts, wir wissen es nämlich schon und brauchen uns damit nicht mehr aufzuhalten, also.
Hatch: Moment mal, van Dusen.
Dexter: Herr Kollege, ich muß gestehen.
Caruso: Packen sie aus, Professor.
vanDusen: Ach, sie wissen es immer noch nicht, dann da Mademoiselle Evita sich offenbar ungnädig zeigt, werde ich es ihnen wohl erzählen müssen, sie Caruso behalten solange unsere artistischen Freunde im Auge.
Caruso: Eisern Professor schießen sie los.
Dexter: Ich bin ganz Ohr Herr Kollege.
Hatch: Und ich ganz Bleistift.
vanDusen: Nun denn, von vornherein war klar daß die Besucherin die sich Madame du Chateauneuf nannte, die Unze Radium aus dem Labor gestohlen haben mußte, die Frage war, wie hatte sie es angestellt, ohne das Labor zu betreten, den ersten und wichtigsten Hinweis auf die Methode des Verbrechens gab der Koffer, eine Dame die aus geschäftlichen oder anderen Gründen einen Besuch abzustatten hat, pflegt sich dabei nicht mit einem Koffer zu belasten, falls sie es doch tun muß, läßt sie ihn in der Droschke und bringt ihn nicht mit ins Zimmer, so weit so gut, das eröffnete mir eine gewisse Spekulation, in die ich zwei weitere Tatsachen einbezog, daß nämlich Madame, wir wollen sie der kürze halber auch ferner so nennen daß also Madame ihren Koffer direkt an die Tür zwischen Labor und Vorzimmer gestellt hat und daß sie während des Gesprächs mit Professor Dexter zweimal von einem lauten Hustenanfall heimgesucht wurde, ich schloß daraus folgendes, im Koffer befand sich ein Wesen, das auf ein Signal hin, den ersten Hustenanfall, sein ungewöhnliches Versteck verließ, sich ins Labor schlich, während Professor Dexter von Madame abgelenkt wurde, das Radium suchte, fand und an sich nahm, dann auf das zweite Signal von Madame wieder in den Koffer zurückkehrte.
Monsieur: Bravo bravo Professor, sie haben erzählt exactement wie wir haben gemacht die Trick, sie sind eine phänomenale Detektiv, Professor.
vanDusen: Danke mein bester danke, ich ziehe es allerdings vor mich Amateur-kriminologe zu nennen, ich fahre fort, was für ein Wesen so fragte ich mich nun was für ein Wesen, paßt in einen Koffer, ein Affe gewiß, aber der Diebstahl des Radiums unter so vielen Gegenständen im Labor erfordert ein gewisses logisches Denken, ein Tier kam also nicht in frage, was gab es noch, ein Kind, das war möglich und ich ging daran diese Hypothese zu untersuchen, leider ohne Erfolg, wie mir Mister Hatch bestätigen wird, was nun, ich dachte noch einmal nach, sehr konzentriert, sehr diszipliniert und kam auch prompt auf eine dritte Möglichkeit, daß sich nämlich im Koffer auch ein kleinwüchsiger Erwachsener, ein sogenannter Zwerg oder Liliputaner befunden haben können, daraufhin fuhr ich persönlich.
Hatch: Donnerwetter Professor, ganz was neues.
vanDusen: Persönlich zum Büro der Bluestarlinie und hier wurde meine Vermutung bestätigt, zu den Passagieren der Campania hatte ein Liliputaner gehört, ein Franzose namens Bertrand, und noch etwas anderes fiel mir bei der Durchsicht der Passagierliste auf, doch davon später, durch eine Umfrage bei den Droschken-kutschern im Hafen erhielt ich dann schnell die Adresse, zu der sich Monsieur Bertrand vom Schiff aus hatte fahren lassen, er ist nun einmal eine auffällige Persönlichkeit.
Monsieur: Auffällig, die ganze Welt kennt Manfredini.
vanDusen: Der Rest ist schnell erzählt, mit Mister Hatch stattete ich Bertrand einen Besuch ab und brachte ihn nebst dem gestohlenen Radium hierher.
Dexter: So also.
vanDusen: Ja Herr Kollege, so wurde das Radium gestohlen, direkt unter ihrer Nase.
Monsieur: Wie in variete, justement, sie haben gesehen Evita et Manfredini, große Nummer Professor.
vanDusen: Leider gehe ich nur sehr selten in solche Etablissements.
Monsieur: Oh cest dommage, Evita sie kommen heraus, mit Koffer stellen ihn hin so und dann sie jonglieren mit den Ball allezhop, und die große Manfredini kriecht heraus aus Koffer, tout doucement, ganz leise und schleicht hinter Evita tout doucement und zieht aus ihre Rock tout doucement und Evita, sie steht da, nur mit ihre Trikots, surprise, der Publikum immer sehr gelacht, dann Evita ganz böse auf Bühne, nestpa, fangen Manfredini.
Madame: Sei still.
vanDusen: Aber nicht doch, wir sind sehr interessiert, Monsieur Bertrand, erzählen sie weiter.
Monsieur: Ja Monsieur, Evita fangen Manfredini, bind ihn auf große runde Brett und dann zur Strafe sie werfen auf ihn couteau, mit Messer, denn Evita sie ist nicht nur Jongleuse, sie ist auch, wie sagt man, Messerwerferin.
vanDusen: Aha und würden sie uns bitte auch beschreiben wie diese Messer aussehen mit denen Evita auf sie wirft.
Madame: Sei still.
Monsieur: Lügnerin pokerawa Professor diese Messer sind trickjuli, haben kleine schmale griff und große breite klinge.
vanDusen: Surprise ich wollte sagen surprise.
Caruso: Moment mal Professor.
vanDusen: Gehe ich recht in der Annahme daß diese Art Messer sie irgendwie an irgendwas erinnert.
Caruso: Na und wie.
Hatch: Ja richtig.
Dexter: Ich dachte der Fall ist erledigt und ausgestanden, will mir nicht mal jemand erklären.
vanDusen: Mit Vergnügen Herr Kollege, diese Dame hat nämlich nicht nur den Diebstahl ihres Radiums auf dem Gewissen, sondern auch einen Mord, den Mord an der sogenannten schönen Unbekannten, die man wenn ich mich recht erinnere am Hafen gefunden hat, dicht bei Dock E wo die Passagierschiffe aus Europa anlegen.
Dexter: Mord, ich verstehe immer noch nicht.
Madame: Helfen sie mir, Professor Dexter, schützen sie mich, dieser Mann dieser van Dusen ist wahnsinnig, sie werden doch ihm und dem lächerlichen Zwerg da nicht glauben.
Monsieur: Lächerlich, ich, der große phänomenale Manfredini, eine lächerliche Zwerg sacreno.
vanDusen: Darf ich um Ruhe bitten, auch wenn Kollege Dexter den Radiumfall für aufgeklärt und ausgestanden hält, er ist es mitnichten, einige dunkle Punkte, die ihnen eigentlich ins Auge springen sollten, harren nämlich noch der Aufklärung.
Dexter: Zum Beispiel.
vanDusen: Z.B. das ohne Frage authentische Empfehlungsschreiben der Madame Curie, wie kommt unsere Besucherin an dieses Schreiben oder anders allgemeiner ausgedrückt, wer ist sie eigentlich, diese Frau, die sich Madame du Chateauneuf nennt, eine Antwort darauf gab mir die Passagierliste der Campania, Monsieur.
Monsieur: Ja.
vanDusen: War in Begleitung einer Dame, seiner Partnerin gereist einer gewissen Mademoiselle vonJean, ein vager Verdacht begann in mir Gestalt anzunehmen, ich schickte ein zweites Kabel an Madame Curie, worin ich nach der äußeren Erscheinung von Madame du Chateauneuf und nach dem Zweck ihres Aufenthalts in New York fragte, hier ist die Antwort, Fragen unverständlich, was ist los bei ihnen, Madame du Chateauneuf ist klein, zierlich, will sich an ihren Radiumversuchen beteiligen, eine Beschreibung von Mademoiselle vonJean.
Madame: Warum sehen sie mich dabei so an.
vanDusen: Von Mademoiselle vonJean lieferte mir freundlicherweise ein Stewart der Campania, nun bestand für mich kein Zweifel mehr, diese Dame hier ist Mademoiselle vonJean, Begleiterin und Partnerin von Bertrand alias Manfredini.
Monsieur: Die große phänomenale Manfredini.
vanDusen: Wo aber befand sich die echte Madame du Chateauneuf, die wie ich feststellte, ebenfalls in der Passagierliste der Campania verzeichnet war, unter normalen Umständen wäre sie doch sogleich zu Professor Dexter geeilt, um ihre Assistenz bei den Versuchen anzubieten.
Dexter: Wahrscheinlich.
vanDusen: Da sie das aber nicht tat, war sie allem anschein nach davon abgehalten worden.
Dexter: Aber wie.
vanDusen: Ja richtig, war sie vielleicht gefangen möglich ebenso gut konnte sie tot sein ermordet, es ging immerhin um eine Million Dollar, da erinnerte ich mich an die unbekannte Tote, von der mir Caruso erzählt hatte, sie war klein, zierlich, war bei Dock E gefunden worden, trug ein Pariser Modellkleid und als ich dann noch erfuhr, daß Mademoiselle vonJean sich als Messerwerferin zu betätigen pflegt, da war der Fall klar für mich.
Hatch: Und die schöne Unbekannte.
vanDusen: Ist oder besser war die echte Madame du Chateauneuf, die vonJean hat sie ermordet und ihr den Empfehlungsbrief abgenommen, um sich mit seiner Hilfe die Unze Radium zu ergaunern, dieselbe Unze Radium, die sie uns für eine Million Dollar verkaufen wollte.
Dexter: Entsetzlich.
vanDusen: Sehen sie sie doch an, die Schuld steht ihr ja im Gesicht geschrieben.
Caruso: Kommen sie Miss vonJean oder Evita oder wie sie heißen, und du auch, kleiner.
Monsieur: Was, ich der große Manfredini in die prison, die Gefängnis, impossible, was soll werden aus Evita et Manfredini, die phänomenale Nummer, die sensationelle Succes.
vanDusen: Tja ja damit ist es jetzt fürchte ich aus und vorbei.
Monsieur: Cest dommage, republic, der Publikum hat immer so sehr gelacht.
Hatch: Mademoiselle vonJean wurde zum tode verurteilt, dann aber zu lebenslangem Zuchthaus begnadigt, falls man das so nennen kann, Missio Bertrand alias der große Manfredini konnte für seine Beihilfe zum Diebstahl nicht bestraft werden, da er sich schon in der ersten nacht zwischen den Gitterstäben der Zelle heraus drehte und auf nimmerwiedersehen verschwand, so also ging der höchst merkwürdige Fall der gestohlenen Unze Radium zu ende.
Friedrich W. Bauschulte Professor van Dusen
Klaus Herm Hutchinson Hatch
Otto Sander Professor Dexter
Lieselotte Rau Madame du Chateauneuf
Klaus Miedel Monsieur Bertrand
Rolf Marnitz Detektiv Caruso
Franz Georg Stegers Labordiener
Kurt Pratsch-Kaufmann Hotelportier
Herbert Weissbach Pensionswirt
Kommentar von Hörspiele |
Michael Koser: Ping-Pong zur Ming-Zeit (Erotische Erzählung aus dem alten China) (RIAS 1977)
Kennen Sie Kung Fu? Kennen Sie Mao Tse Tung? Aber kennen Sie auch Ming Ping Pong?
Ming Ping Pong ist kurz gesagt nichts anderes als eine Abkürzung bzw. Kurzfassung des Titels dieser unserer Sendung, welcher in voller Länge lautet wie folgt:
Ping-Pong zur Ming-Zeit - Erotische Erzählungen aus dem alten China
Das Manuskript schrieb Michael Koser
Aber was, werden Sie nun fragen ist Ping Pong zur Mingzeit. Eigentlich um ganz ehrlich zu sein, nur der etwas reißerische Titel für eine Sendung über einen wichtigen Abschnitt der chinesischen Literaturgeschichte, mit Körperkultur oder gar Leistungssport hat unser Thema höchstens im übertragenen Sinne zu tun... Steht und fällt mit dem Text, dem Wort.
Fönis war die Tochter des Tsam Jü, aus Dung Ping in der Provinz Schanto, als sie noch ein Kind war, mischten ihre Eltern immer wohlriechende Substanzen in ihre Speisen und Getränke, so daß spätel, als sie herangewachsen war, ihr ganzer Leib duftete, und man ihr den Beinamen Palfüm gab.
Nun ja, und so weiter, die beste und interessanteste Lösung für eine Sendung über erotische Erzählungen aus dem alten China ist immer noch, da werden Sie uns zustimmen, das schlichte erzählen, daran wollen wir uns halten, aber bevor wir beginnen Ihnen die erste Geschichte zu erzählen, können wir nicht umhin in aller gebotenen Kürze etwas über China, die Ming-Zeit und chinesische Geschichten im allgemeinen zu sagen.
Die Ming Zeit, das heißt die Epoche in der die kaiserliche Ming Dynastie das Reich der Mitte beherrschte, dauerte nach unserer Zeitrechnung von 1368 bis 1644, sie war nach der unruhigen Ära der Mongolenherrschaft eine verhältnismäßig friedliche Epoche der chinesischen Geschichte.
Friede und Freude in China und in der Welt, unser Reich wird ewig sein wie die Sonne.
In der chinesischen Literaturgeschichte ist die Mingzeit die Periode des Realismus, in ihr entstanden die ersten großen Romane, beide Gattungen, Geschichte und Roman galten wenig in der literarischen Wertskala ihrer Zeit, wurden zum niederen Schrifttum gezählt, im Gegensatz zu Lyrik und Essay, daher schmückten sich die Erzählungen häufig mit eingestreuten Betrachtungen und vor allem mit Gedichten.
Der Rauch des Beckens löst sich schon auf, tief liegen die Schatten der Lampe, der Wandschirm hinter dem Bett bewegt sich, und auch der beschwerte Vorhang. Liebeslust ist vergleichbar mit Fischen, die sich im Wasser tummeln, nach Westen sich wendend kaum daß sie nach Osten geschwommen.
Im alten China gab es zwei Arten von Erzählungen, Novellen in der Schriftsprache, die nur wenige gebildete beherrschten, und Geschichten in der Umgangsprache des Volkes, sprachlich formal unterscheiden sie sich stark voneinander, wie etwa die lateinische Hochliteratur des späten Mittelalters von den Literaturen in den jeweiligen Volkssprachen, was den Inhalt betrifft sind sie gleich, sie erzählen von Mandarinen, von Räubern und Geistern, von Mönchen und da auch im alten China die Liebe als wichtiger Bestandteil des Lebens galt, von edlen und weniger edlen liebenden.
Das sei uns Stichwort für unsere erste Geschichte, sie stammt aus der Sammlung San Yan, das heißt drei Gespräche des Autors Feng Menglong, und wurde übersetzt von Kartar Fung, bei dieser Gelegenheit machen wir eine dankbare Verbeugung auch vor den anderen Übersetzern, ohne deren Mühe die Sendung nicht zustande gekommen wäre, Johanna Herzfeld, Wolfgang Bauer und Herbert Frank, und jetzt fangen wir an zu erzählen.
Brave Männer und ihre Gattinnen tun alles für die Nachkommenschaft, vergnügt und hilfsbereit meditieren Mönche in verschlossenen Zellen, wir wissen alle, daß geben seliger macht den nehmen, wo aber steht geschrieben daß nicht auch nehmen zum Glück beitragen kann, danach handeln wohl viele Mönche dieser Welt, vielleicht sogar die meisten, ein Kloster allerdings, der Tempel zum edlen Lotus, schien darin eine Ausnahme zu sein, deshalb hatte das Kloster großen Zuspruch und wohl auch deshalb, weil sich in ihm eine Halle befand, die man die Kindersegenhalle nannte, Guanyin, die Göttin der Barmherzigkeit, hatte dort ihre Residenz und zu ihr kamen aus den fernsten Provinzen die Frauen, denen Kindersegen versagt geblieben war, Guanyin war eine wahrhaft barmherzige Göttin, denn keine der Frauen ging ungetröstet nach Hause, haha, neun Monate nach dem Gebet hatte ihr Segen das Wunder vollbracht und kräftige Kinder krähten in den Wiegen, hehe, wie schnell machen doch solche Geschichten die Runde im Lande, eines Tages hörte auch der Statthalter Wan Dan von den Wundern Guanyins, und da er ein äußerst besonnener, mithin aber auch skeptischer Mann war, wollte er alles recht genau wissen.
Am besten ists wenn ich selbst einmal den Tempel besuche.
Gedacht getan, der Statthalter, vom Vater Abt mit allen gebührenden Ehren empfangen, inspizierte das Kloster aufs sorgfältigste, ohne jedoch etwas Ungewöhnliches oder gar Ungehöriges zu entdecken, so kehrte er zurück und dachte nach.
Kann denn eigentlich eine hölzerne Gottheit derartige Dinge vollbringen,
frage er sich und es bedurfte nicht allzulangen Nachdenkens, um sich darüber klarzuwerden, daß hier irgendeine Teufelei mit im Spiel zu sein schien, er gab den Auftrag, zwei der schönsten Blumenmädchen herbei zurufen.
Geht ins Kloster zum edlen Lotus, sobald die Zeit gekommen ist, da ihr in der Zelle schlafen sollt, wird jede von euch ein Gefäß mit Tinte unter dem Gewand verbergen, die eine wird rote, die andere schwarze Tinte mit sich führen, sobald sich euch eine Gottheit oder etwas dergleichen nähern sollte, beschmiert ihr unbemerkt den Kopf mit der Farbe.
Die Mädchen taten wie ihnen befohlen war, als eines der beiden, namens Yuan Mei des Nachts in der ihr zugewiesenen festverschlossenen Zelle lag, geschah folgendes: Plötzlich bewegte sich eine Platte des Fußbodens und wurde langsam weggeschoben, Yuan Meis Augen weiteten sich, als sie den kahlgeschoren Kopf eines Mönchs sah, der sich Stück um Stück nach oben schob.
Da schau, das ist also das große Tempelgeheimnis.
Bald darauf drängte sich ein nackter Männerleib an den ihren, auch fühlte sie eine erfahrene Hand an ihren Brüsten.
Ich bin ein Jünger Buddhas und von Guanyin zu euch gesandt,
sprach der Mönch und machte sich emsig ans Werk, trotz aller Wonne versäumt es Yuan Mai jedoch nicht, aus ihrer Tintenschale Farbe zu nehmen, mit der ihre liebkosenden Hände den kahlen Schädel fleißig einrieben, der Wonnespender war so tief beschäftigt, daß er nichts gewahr wurde, als er zum Ende gekommen war, machte er einem zweiten Mönch Platz, welcher die fromme Arbeit mit frischen Kräften fortsetze, zur gleichen Zeit erging es Lin Wan, dem zweiten Blumenmädchen ganz ähnlich, auch ihr erschienen zwei Wonnemönche, um Guanyins Segen weiter zu geben und um mit Tinte gezeichnet zu werden, zärtlich nahm der zweite Abschied.
Mache ich euch glücklich, ihr seht daß ich nicht so heftig bin wie der andere, ich bin ganz auf euer Empfinden eingestellt.
Am frühen Morgen erschien überraschend der Statthalter mit hundert bewaffneten Bütteln im Kloster und befahl dem Abt: Bringt mir die Namensliste euer Brüder, ehrwürdiger Meister.
Dann ließ er nach der Liste alle Mönche vor sich rufen und als sie erschienen waren, gebot er ihnen die Kappen abzunehmen, niemand wagte sich der Aufforderung zu widersetzen und so entblößten sich alle Häupter, da konnte man plötzlich zwei feuerrote Schädel in der Sonne leuchten sehen und nicht weniger deutlich hoben sich zwei weitere ab, die pechschwarz gefärbt waren.
Faßt die vier und legt sie in Ketten, sagt mir Halunken, warum ihr so farbige Schädel habt, wer hat sie euch bemalt.
Als er keine Antwort erhielt, ließ der Statthalter die Blumenmädchen vortreten, sie berichteten und die vier entdeckten Farbköpfe machten unermüdlich Kotau und erflehten die Gnade des Statthalters, der aber geriet in unbändigen Zorn, nannte sie vor Geilheit stinkende Hunde und räudige Wasserbüffel, dann sprach er zum Abt:
Ihr seid ein sehr kluger Mann, aber doch nicht so klug, daß ihr euch nicht hättet erwischen lassen, aus eurem Kloster habt ihr ein Freudenhaus gemacht und ehrbare Frauen habt ihr in den Schmutz gezogen.
Was nun folgte, kann man sich leicht ausmalen, der Abt mußte im Gefängnis schmachten, ihm wurde der Prozeß gemacht und er bereute bitter seine Leichtfertigkeit, schon lange bevor er dem Henker übergeben wurde, nur zwei kindliche Novizen, deren Unschuld allein schon durch ihre Jugend erwiesen war, blieben ungeschoren, verschont blieb auch der uralte zahnlose Weihrauchdiener, dem zu seinem Glück keine Frau mehr etwas anhaben konnte.
Das war unsere erste chinesische Geschichte, die so dürfen wir wohl annehmen, Ihnen weniger exotisch als vielmehr trotz der Göttin Guanyin merkwürdig vertraut erschien, von lüsternen Mönchen wimmelt es schließlich auch in der Novellenliteratur des Abendlandes, bei Boccaccio und seinen Nachahmern, bei der Königin Margarete von Navarra, bei Balzac, und da wir gerade bei diesem Thema sind, auch sonst bieten die Erzählungen aus dem alten China eine Fülle auch hier bekannter Typen und Gestalten, wovon Sie sich im weitern durch Stichproben überzeugen wollen, da ist etwa der edle Räuber:
Der Mandarin von Wuhim hat haufenweise Gold und Juwelen in seinem Amtssitz aufgestapelt, und all diesen Reichtum hat er auf unredliche Weise zusammen gebracht, erleichtere ihn doch mal um einen Teil seiner Besitztümer und verteile den unter die Armen.
Die lustige Witwe:
Das Schicksal hat uns zusammengeführt, er war Liebe auf den ersten Blick, du weißt ich bin Witwe, ich bin wieder frei, willst du dein Leben fürderhin mit mir teilen, dann geh zur Heiratsvermittlerin, wegen deiner Armut brauchst du dir keine Sorgen zu machen, Geld habe ich selbst genug.
Die jungen unerfahren Liebenden:
Erst küßten sie sich zaghaft, doch wurden sie immer kühner, als sie merkten wie leicht es ist und gleichzeitig wie wunderbar die Zungen zu tauschen, aber so groß beider Sehnsucht auch war, sie wußten anfangs nicht, was nun weiter geschehen sollte, doch auch bei völliger Unberührtheit bricht die Liebe sich Bahn und so kam es wie es kommen mußte, beide fanden ohne fremde Hilfe zu einander.
Außerdem gibt es natürlich auch erfahrene Liebhaber, edle Helden, schöne Mädchen, finstere Bösewichte, im fernen Osten wie im nahen Westen, also sind, werden Sie fragen, die Chinesen gar nicht so ungeheuer anders wie es die Volksmeinung wahrhaben will, zumindest soweit es ihre Novellen betrifft, gewiß, einerseits, andererseits aber enthalten auch die erotischen Geschichten aus der Mingzeit hinreichend unbekanntes, verblüffendes, kurioses, eben typisch chinesisches.
Bei der umfassenden Darstellung der chinesischen Gesellschaft in den Novellen war die Erotik nur ein, allerdings, wichtiges Moment, Autoren und Leser waren nicht prüde, pornografisch interessiert waren sie allerdings auch nicht.
Was erscheint nun in den Geschichten der Mingzeit dem fremden Teufel, wie man im alten China den Barbaren aus dem Westen nannte, als eigentümlich chinesisch, da ist wohl an erster Stelle die große Bedeutung die literarisch geistiger Bildung zugemessen wird, Helden und Heldinnen der Novellen sind zwar auch schön und edel, vor allem aber klug und gebildet.
Ich habe das Studium der Konfuzianer zu meiner Beschäftigung erkoren und mich der Literatur verschrieben, alle vier Klassen des Schrifttums, kanonische Bücher Geschichtswerke, Philosophen und die schöne Literatur, habe ich von vorn bis hinten durchgeackert.
Eisvogel war die Tochter eines Bürgers aus Juanan, namens Liu, sie war schon früh von großer Klugheit und konnte das klassische Buch der Lieder und das Buch der Urkunden auswendig.
Sehr chinesisch ist auch die formalistische Höflichkeit, von der sich nicht einmal Grabräuber freimachen können.
Bevor er den Sarg öffnete, klopfte er daran und sprach:
Mein liebes Fräulein, entschuldigt bitte, was ich jetzt tun werde, ich nehme mir all eure Haare, denn ich kann sie bestimmt besser gebrauchen als ihr, macht mir also bitte keine Schwierigkeiten.
Fremd ist uns auch die reizvolle, leider kaum zu imitierende Lösung des alten Problems vom Mann zwischen zwei Frauen:
Beide Mädchen sagten: zwar sind wir nur geringe Personen, aber es tat uns dennoch immer wieder weh, daß wir die Zeit, ob Herbstmond oder Frühlingsblüte, nutzlos vergeudet haben und daß wir nicht dazu kamen die liebende Neigung zu befestigen, wir möchten mit euch das eheliche Lager teilen und auf ewig euch zu treuen Diensten sein, wenn ihr unserer Bitte folgt, werden wir beide euch heiraten.
Und sie lebten fortan, wie wir doch hoffen wollen, zu dritt glückselig beisammen, noch unvertrauter als offizielle problemlose Vielweiberei ist eine besondere Art chinesischer Geister die es gewaltig nach irdischer Liebe verlangt, darum geht es in der zweiten Geschichte, die wir in größerer Ausführlichkeit erzählen wollen, sie heißt Sjä-dau, die schöne Kurtisane.
Während der Regierungszeit des Mingkaisers Hongwu lebte in der Stadt Kanton ein junger Mann namens Jen, der Meni gerufen wurde, sein Vater Jenbeilu wurde als Inspektor des Schulwesens in die Stadt Fengdu versetzt und nahm seine Familie mit, Meni war ein schlanker junger Mann, immer guter Laune und seinen Altersgenossen in allen Dingen überlegen, er verstand ebenso schön zu schreiben wie zu malen, und spielte Gitarre und Schach gleich ausgezeichnet, bei all diesen Vorzügen war es nicht verwunderlich, daß der reiche Herr Tschang, der auf dem Lande lebte, ihn als Hauslehrer einstellte. Eines Tages wollte Meni seine Eltern besuchen, auf seiner Wanderung zur Stadt gelangte er zu einem Hain von Pfirsichbäumen die in voller Blüte standen, als er hielt um den Anblick zu genießen wurde er gewahr, daß sich zwischen den Zweigen eine schöne junge Dame zu verbergen trachtete, am nächsten Tag ging Meni absichtlich den gleichen Weg und diesmal ließ die Dame ihn in ihr Haus bitten.
Verbringt den Abend bei mir junger Herr.
Erlaubt mir nach eurem geehrten Familienamen zu fragen.
Der Name meiner unbedeutenden Familie ist Ping, mein Gatte, Herr Ping, ist leider kurze Zeit nach unserer Hochzeit gestorben und ich habe mich als Witwe in dieses Landhaus zurück gezogen, durch diese Heirat bin ich übrigens verwandt mit eurem hochgeschätzten Gönner Tschang.
Es entwickelte sich eine geistreiche Unterhaltung und, ohne daß sie es gewahr geworden, war die zehnte Abendstunde herangekommen, die schöne Dame geleitete Meni in ihr Schlafzimmer und sagte:
Schon seit langer Zeit lebe ich in diesem Haus in völliger Einsamkeit, nun hab ich heute Abend eure Höflichkeit und Liebenswürdigkeit kennengelernt, und ich kann mir nicht versagen, euch ein wenig meine Liebe zu zeigen, darum schlage ich euch vor, mir heute Nacht Gesellschaft zu leisten.
Das ist mein sehnlichster Wunsch, aber ich hätte niemals gewagt euch darum anzugehen.
Darauf entkleideten sie sich und gingen gemeinsam zu Bett, sie waren glücklich wie zwei im Wasser spielende Fische und vergaßen über ihrer Liebe die Welt um sich herum. Am nächsten Morgen beschenkte die schöne Dame Meni mit einem kostbaren Briefbeschwerer aus Jade, geleitete ihn zur Tür und sagte:
Wenn ihr nichts Besseres vorhabt, so kommt heute abend wieder. nehmt euch kein Beispiel an herzlosen und unzuverlässigen Menschen.
Einer solchen Ermahnung bedarf es bei mir nicht.
Sechs Monate vergingen ohne daß die Liebenden merkten wie die Zeit dahinfloß, sie betrachteten die Blumen und schauten zum Mond auf, sie sangen und schlürften Wein und versagten sich keinerlei menschliche Freude, aber das Unglück will es, daß das gute niemals von Dauer ist, so mußte auch für diese beiden liebenden das Ende ihres Glücks heran kommen, sein Vater und Herr Tschang entdecken zufällig, daß Meni seine Nächte weder im Elternhaus auf noch auf Tschangs Gut verbrachte, sie nahmen ihn streng ins Gebet, Meni sah ein daß es keinen Ausweg für ihn gab und berichtet von seiner Bekanntschaft mit der schönen Dame aus der Familie Ping, die eine Verwandte des Herrn Tschang sei, dieser sagte erstaunt:
Aber ich habe in dieser Gegend überhaupt keine Verwandten, und kein Zweig meiner Familie führt den Namen Ping, hinter deinem Erlebnis steckt sicher ein Spuk, ich rate dir dringend, vorsichtig zu sein und unter keinen Umständen noch einmal dieses Landhaus aufzusuchen.
Meni glaubte ihm nicht und besuchte am Abend, wie er es gewohnt war, seine schöne Geliebte, sie leerten einige Schälchen Wein miteinander und in der Nacht gaben sie sich ihrer Liebe hin, aber als der Morgen heraufdämmerte begann sie bitterlich zu weinen und sagte:
Wir werden auf immer getrennt werden.
Unter heißen Tränen nahmen sie voneinander Abschied, als Mengis Vater feststellte, daß sein Sohn wieder in jenem Haus übernachtet hatte, wurde er zornig und sagte zu Herrn Tschang:
Ich will mich von meinem zuchtlosen Sohn geführt selbst an jenen Ort bemühen und nachforschen.
Sie gingen zu dritt aus der Stadt und schlugen den Weg zum Pfirsichhain ein, als sie dort anlangten, reckten sie alle überrascht den Hals, rundum sahen sie nur glitzerndes Wasser und bewaldete Hügel, nichts weiter, vor ihnen ragte ein Dickicht mit Pfirsichbäumen auf, im Untergehölz schimmerte ein einfaches Grabdenkmal, das Haus war verschwunden, Herr Tschang schüttelte nachdenklich den Kopf.
Es wird erzählt, daß sich an dieser Stelle das Grab einer Kurtisane aus der Tang-Epoche befindet, Sedau war ihr Name, in einer späteren Generation erinnerten sich die Menschen der Worte des Dichters Jinku, zarte Pfirsichblüten bedecken Jaus Grab, und sie pflanzten an dieser Stelle mehrere hundert Pfirsichbäume an, damit sie zur Blütezeit darunter Lustwandeln konnte, die schöne Dame, der euer geschätzter Sohn begegnet ist, ist zweifellos Sedau gewesen, sie ist schon Jahrhunderte lang tot, aber ihr Geist ist anscheinend der gleiche geblieben, es ist ratsam, dieser Sache nicht weiter nachzugehen.
Meni studierte weiter und bestand auch die höchste Prüfung, mit der er den Grad eines Tshinshi, eines Doktor erwarb, er wurde nicht müde sein abenteuerliches Erlebnis zu erzählen, aber wie oft er auch an die schöne Geliebte dachte, er hat sie nicht wiedergesehen.
Die Geschichte, erotisch, aber eher elegisch als heiter, ist vorbei und auch mit unserer Sendung geht es dem Ende zu. Und am Himmel schwebt die Krähe, huscht der Hase dahin, auf Erden erscheinen die Menschen von heute, verschwinden die von gestern, wo einstmal Freude herrschte, ragt jetzt ein öder Hügel, in einem Augenblick wird Recht zu Unrecht, Sieg zur Niederlage, lerne jenseits von Lärm und Hast der Welt Ruhe zu finden.
Und jetzt wissen Sie, was Ping-Pong zur Ming-Zeit ist. Das wars. Ping Pong zur Ming-Zeit. Erotische Erzählungen aus dem alten China. Das Manuskript schrieb Michael Koser. Es sprachen: Almut Eggert, Rolf Marnitz, Klaus Nägelen, Henning Schlüter und Peer Schmidt. Aufnahmeleitung: Ingeborg Karn. Schnitt: Manfred Rabbel. Ton: Klaus Krüger. Regie: Dietrich Auerbach. RIAS Berlin 1977.
Kommentar von Hörspiele |
Michael Koser: Dies Blutbild ist bezaubernd schön (Ein Vampir-Hörspiel) (RIAS 1973)
Broker: Amsterdam, 17. Mai, 6 Uhr 15, in einer halben Stunde wird Prof. Vandenburg bei mir erscheinen, der international angesehene Experte auf dem Gebiet der okkulten Wissenschaften, er hat versprochen, mir meinen ersten Vampir vorzuführen, ich bin gespannt.
Prof.V: Wir sind da, Vorsicht, das ist der Sarkophag, fassen Sie mit an, der Deckel ist schwer, Sie haben doch das Kruzifix bei sich und den Knoblauch.
Broker: Natürlich. Im Sarg liegt ein älterer Mann, er wirkt entspannt, ruhig, als ob er schläft, ich habe das Gefühl, daß er mich durch die Wimpern hindurch beobachtet, seine Gesichtsfarbe ist ich würde sagen ausgesprochen gesund, die Lippen nein das ist geronnenes Blut in den Mundwinkeln, und dann zwei dunkle Linien bis zum Kinn.
Prof.V: Man muß nur daran glauben, wenn Sie den Pfahl festhalten würden, ginge es leichter, festhalten, er bäumt sich auf.
Broker: Blut spritzt auf, und jetzt, er zerfällt, er verwest vor meinen Augen, das Fleisch wird grün, löst sich von den Knochen, verschwindet, wird zu Stein.
Prof.V: So das wäre geschafft, Sie sind bleich, Mister Broker.
Broker: Das ist der Mond, ziemlich theatralisch das ganze, finden Sie nicht.
Varney: Das ist alles?
Carter: Ja, Mr. Varney, wenn Brokers Angaben stimmen, ist das Tonband vor einem guten Monat in Amsterdam aufgenommen worden.
Varney: Wann haben Sie es nach London bekommen?
Carter: Gestern von der Direktion des Hotels in dem Broker gewohnt hat, anscheinend hat er es in seinem Zimmer vergessen, als er abreiste.
Varney: Wann?
Carter: Am 18. Mai.
Varney: Wohin?
Carter: Unbekannt, wir haben seitdem nichts von ihm gehört, das ist ungewöhnlich, bei früheren Gelegenheiten hat uns Broker alle paar Tage informiert, ich mache mir Sorgen, Broker ist mein Autor.
Varney: Sie wollen ihn suchen?
Carter: Ja, wenn es Ihnen recht ist, werde ich nach Amsterdam fliegen, dieser Professor Vandenburg sollte aufzutreiben sein und kann mir vielleicht weiterhelfen.
Stewardeß: Madame, wir heißen sie an Bord herzlich willkommen... Amsterdam... Coffee or tea...
Prof.V: Das von den meisten Autoritäten empfohlene Mittel gegen Vampire ist natürlich der Essen-Pfahl, und ich habe nie etwas anderes benutzt.
Carter: Gewiß, um auf Broker zurückzukommen, Professor.
Prof.V: Oh ja natürlich, verzeihen Sie, Mr. Carter, wenn ich über meine Arbeit spreche vergesse ich alles anderes, Sie sind kein Adept.
Carter: Nein, wie ich schon sagte, ich bin ein Lektor, der seinen Autor sucht.
Prof.V: Ja, was Mr. Broker betrifft, ich hatte eigentlich erwartet, daß er nach unseren Erlebnissen in der Gruft seine Nachforschungen aufgeben würde, aber er war bei weitem nicht so beeindruckt wie wir, ich vermutet hatte, er wollte unbedingt am Ball bleiben, so sagen sie ja wohl.
Carter: Sie wissen, daß er einen Tag später abgereist ist.
Prof.V: Aber natürlich, mein Freund.
Carter: Wohin?
Prof.V: Daß Sie hartnäckig sind, wie unser Freund Broker, habe ich schon gehört.
Carter: Von wem?
Prof.V: Ist nicht von Bedeutung.
Carter: Sie wollen meine Fragen nicht beantworten.
Prof.V: Mr. Carter, ich weiß nicht, ob ich ihnen antworten darf, immerhin geht es hier um Geheimnisse, die nur für wenige bestimmt sind, die man nicht an den Straßenecken ausrufen kann, ich mache Ihnen einen Vorschlag, gehen Sie in Ihr Hotel zurück, warten Sie, es wird sich jemand mit Ihnen in Verbindung setzen, Sie werden neue Informationen erhalten, und können dann entscheiden, ob Sie Ihre Suche fortsetzen wollen, aber wenn Sie mir erlauben, Ihnen einen guten Rat zu geben, fliegen Sie nach London zurück, wir haben hier ein Sprichwort das sagt, wer sich in Gefahr begibt kommt darin um, übrigens, Sie haben doch ein Tonbandgerät in Ihrem Gepäck.
Frau: Dieses Tonband ist für Sie abgegeben worden von einer jungen Dame.
Carter: Hat sie ihren Namen hinterlassen?
Frau: Nein.
Carter: Danke.
Broker: Paris, 19. Mai, 23 Uhr, die zweite Etappe meiner Nachforschungen beginnt, ich werde an der Feier der geheimnisvollen schwarzen Messe teilnehmen und den berüchtigten AB Karl Melk kennenlernen, den Prof. Vandenburg für das Oberhaupt der Vampire in Frankreich hält, ich stehe vor dem alten Haus in der Avenue Huysmans, in dem Satanisten und Vampire ihre finsteren Rituale zelebrieren.
Mann: Losungswort?
Broker: Die Stunde der bleichen Eitergewässer ist gekommen.
Guru: Meister aller Untoten, der du austeilst die Wohltaten des Verbrechens, Verwalter der Sünden und Laster, Satan, wir beten dich an und erflehen für uns Ruhm, Reichtum und Macht.
Frau: Satan.
Broker: Der Raum, in dem ich mich befinde, ist voller Menschen, etwa 50 Personen, schätze ich, meist ältere Frauen, gut genährt, gut gekleidet, sie starren in Verzückung auf den schwarzen Altar, auf die Statue des Teufels mit den blutigen Reißzähnen, auf den häßlichen alten Mann, in blutroter Robe, der mit obszönen Gesten seine Litanei herunterbetet.
Guru: Meister Satan Dracula, großer Drache, deine treuen Diener flehen dich auf den Knien an, hilf uns bei Missetaten, auf daß menschliche Vernunft sie nicht ergründe.
Frau: Meister.
Broker: Qualmende Räuchergefäße auf dem Altar, trotzdem riecht es hier vor allem nach sehr menschlichem Schweiß, meine Augen tränen, der Gestank ist kaum zum aushalten.
Guru: Verbrennt Raute, Blätter von Bilsenkraut und Stechapfel, trocknet Myrrhe, das sind Gerüche angenehm Satan unserem Herrn und nun vermischt euch zur Ehre unseres Meisters.
Frau: Ah.
Broker: Jetzt scheinen die Gläubigen in eine Art Trance zu geraten, sie bewegen sich rhythmisch, sie fangen an, sich die Kleider vom Leib zu reißen, sie fallen übereinander her, komisch, Gruppensex, eine gutbürgerliche Massenorgie, ich hatte mir eigentlich etwas anders vorgestellt, etwas gefährlicheres, größeres als nur Ersatzbefriedigung zu kurzgekommener Muttchen, das war mir ein bißchen zu tief unten, hoffentlich bringt die nächste Spur mehr ein, Carmelia hat ein äußerst interessantes Treffen für mich arrangiert.
Stewardeß: International Airlines bitten alle Passagiere für Flug Nr. 333 nach Paris zum Ausgang B, ihre Maschine ist startbereit, Madame und Monsieur... O Champs Elysees. Kaffee, Tee?
Carter: Ich war in Paris, ich saß in meinem Hotelzimmer und dachte darüber nach, wie ich das alte Haus in der Avenue Huysmans finden könnte, allerdings gab ich mir keine große Mühe, einen Plan auszuarbeiten, wahrscheinlich rechnete ich damit, daß ich wie in Amsterdam ohne mein zutun einen neuen Hinweis bekommen würde, außerdem hatte ich noch ein zusätzliches Problem, wer war Carmelia?
Carter: Hallo?
Carmelia: Gehen Sie zum Hauptpostamt zur Abteilung für postlagernde Sendungen, Sie werden ein Päckchen finden, das auf Ihren Namen aufgeben wurde.
Carter: Mit einem Tonband?
Carmelia: Ja, wenn Sie es abgehört haben werden Sie wissen was Sie zu tun haben.
Carter: Wer sind Sie?
Carmelia: Ich heiße Carmelia.
Carter: Können wir uns treffen?
Broker: Paris 20. Mai 3 Uhr 45 morgens, im heißen Samowar, einem Lokal, das als Treffpunkt osteuropäischer Emigranten gilt, warte ich auf meine nächste Kontaktperson, es ist niemand anders als Graf Dracul aus dem berühmten Geschlecht der transsylvanischen Draculas.
Graf: Hört, in 15. Jahrhundert lebt der Dracul, töten tat er tausend Türken, 1000 Ungarn und Rumänen, Herr war er der Walachei, schön?
Broker: Sehr schön.
Kellner: Was darf ich bringen?
Graf: Sie haben, wie sagt man, Spesen, Mr. Broker?
Broker: Nur zu, bestellen Sie, was sie wollen.
Graf: Gut, ich will haben eine Bloody Mary, rot und warm.
Broker: Pink Gin.
Graf: Aha, sie kommen auf Geschmack, bißchen rosa ja, hören sie, Lieblingsstrophe von Heldenlied, seine langen spitzen Zähne schlug er in den Hals der Mädchen, schlürfte Blut aus ihren Adern, bis sie bleich darniedersanken, Furcht ergriff das ganze Land, ah, waren schöne Zeiten damals in Transsylvanien, Land meiner Väter.
Broker: Sicher, und heute?
Graf: Sakrada, heute Volksrepublik Transsylvanien hat weggenommen alle Länder, Schloß und Güter, leibeigene Bauern, ich bin vertrieben von Scholle, heimatlos in Fremde, sehr traurig, Mister Broker.
Broker: Aber ihre nächtlichen Aktivitäten, ich meine, sie sind hier und heute noch als Vampir tätig, wie damals?
Graf: Ach Mr. Broker, kein Geld, keine Leibeigenen, die stillhalten, keine Zähne, zu alt, alles vorbei, alles anders, kein Blut mehr, Mr. Broker, nur noch Bloody Mary.
Broker: Darf ich Ihnen noch etwas bestellen?
Graf: Ich danke, nein ich muß zu Hause sein wenn Sirene von Renoir ertönt.
Broker: Sie müssen in Ihren Sarg zurück?
Graf: Sie sind Romantiker, Mister Broker, nein, nein, früher einmal, jetzt geh ich in mein Bett, Fernsehen, hat mich gefreut, übrigens wenn Sie wollen Informationen über moderne Vampire, Sie sollten fahren nach Amerika, zu meinem reichen Vetter in New Transsylvania, Kalifornien.
Carter: New Transsylvania Californien, USA.
Mann: Rezeption?
Carter, Zimmer 99, buchen Sie für mich einen Flug nach San Francisco.
Stewardeß: International Airlines bitten alle Passagiere für Flug 666 nach San Francisco zum Ausgang C, ihre Maschine ist startbereit, ladies and gentlemen, we welcome you on bord. If youre going to San Francisco. Coffee or Tea?
Mann: Willkommen in Newmans, der erfolgreichsten kleinen Stadt in den ganzen großen United States, ehe Sie etwas anderes unternehmen, sollten Sie sich ein Vergnügen gönnen, besuchen Sie Vampireland, die größte Attraktion in den ganzen großen United States, yes sir, lehrreich, spannend, amüsant, sollten sie nicht versäumen, in einer halben Stunden fahrt die nächste Kutsche.
Carter: Vampireland, Vampirland, das klang vielversprechend, alles was Broker erlebt und was ich auf den Tonbändern gehört hatte, konnte eigentlich nur Kulisse sein, eine uralte Geschichte, die dadurch nicht wirklicher wurde, daß irgendjemand sie aus verstaubten Büchern herausgesucht und neu aufbereitet hatte, worum es wirklich ging, konnte ich möglicherweise im Vampirland erfahren, was immer das sein möchte.
Carmelia: Ich darf sie auf unserer Rundreise durch Vampireland begrüßen, ich bin ihre Führerin und heiße Carmilla.
Carter: Carmelia, haben Sie mich in Paris angerufen?
Carmelia: Später, Mr. Carter, bevor unsere Fahrt zu Ende ist, werden Sie mehr wissen, jetzt lassen Sie mich meine Arbeit tun, bitte. Vampireland, meine Herrschaften wurde erst vor wenigen Jahren errichtet von der International Vampires Company, als originalgetreue stilechte Imitation der transsylvanischen Karpatenlandschaft mit ihren Wäldern und Bergen, mit ihren geheuren und weniger geheuren Bewohnern, die Anlage kostete 50 Mio. Dollar.
Frau: Wonderful!
Carmelia: Wir verlassen jetzt den Highway und fahren durch ein echt mittelalterliches Tor in Vampireland ein, Blende 8, 1 fünfzigstel, es wird dunkel, blutrot versinkt die Sonne hinter dem Kosovoberg, auf dem Sie vorn rechts Draculas Schloß sehen, die Wölfe, Kinder der Nacht, regen sich in ihren Schlupfwinkeln, sie wittern den geheimnisvollen Unbekannten, der Macht über sie hat, Fledermäuse sirren durch die schwüle Luft, das ist die Stunde, in der Dracula erwacht. Ah! Kein Grund zur Beunruhigung, es handelt sich nur um optische und akustische Spezialeffekte, für Sie programmiert und arrangiert von International Vampires Company.
Frau: Wonderful.
Carmelia: Meine Damen und Herren, wir haben nun unser Nachtquartier, den alten transsylvanischen Gasthof zur goldenen Krone erreicht, International Vampires Company wünscht Ihnen einen erholsamen Aufenthalt, angenehmes Gruseln und eine gute Nacht.
Frau: Wonderful.
Carmelia: Mr. Carter, Sie werden in Ihrem Zimmer außer Ihrem obligatorischen Knoblauchkranz ein Tonband finden.
Carter: Mit schönen Grüßen von Dracula?
Carmelia: Vielleicht.
Carter: Wonderful.
Broker: New Transsylvania 23. Mai, 18 Uhr 30, heute nacht werde ich Vampireland erkunden, auf eigene Faust, und wenn mehr dahintersteckt, als nur eine Touristenattraktion, werde ich es herausbekommen. Vor mir liegt Draculas Schloß, ein Horrorgedicht in bester amerikanischer Neugotik, wahrscheinlich aus Gips und Plastik, aber doch irgendwie beeindruckend.
Mann: Seien Sie willkommen, Sie werden erwartet.
Broker: Wieso, niemand weiß, daß ich hier bin.
Mann: Folgen Sie mir.
Broker: Ich bin in einem Zimmer, das offenbar für einen späten Gast hergerichtet wurde, für mich? Die Atmosphäre ist, wie soll ich sagen, nicht geheuer, ich bin kein Feigling, aber ich habe das Fenster verriegelt und die Tür abgeschlossen, Carmelia, Carmelia!
Carmelia: Meine Augen brennen in dich hinein und deine Kraft wird zu Wasser, ich liebe in deinem warmen leben und du sollst in meinem sterben.
Broker: Laß doch den Unsinn, deine Zähne.
Carmelia: Liebe braucht Opfer und Opfer sind blutig, ich vergehe vor Sehnsucht nach deinem warmen roten Blut.
Broker: Carmelia!
Carmelia: Mein Biß ist sehr süß und sehr bitter.
Carmelia: Mein Biß ist sehr süß und sehr bitter.
Carter: Das zieht bei mir nicht, Schluß damit.
Carmelia: Willst du dich nicht von mir beißen lassen.
Carter: Nein, vielen Dank, ich will wissen, was hier gespielt wird.
Carmelia: Sie reagieren genau wie Broker, das war vorauszusehen, wir wollten es wenigstens versuchen, Sie sind schwer zu beeindrucken, Mister Carter, nicht gerade ein Kompliment für meine vampirischen Fähigkeiten.
Carter: Tut mir leid, was jetzt?
Carmelia: Kommen Sie mit.
Carter: Wohin?
Carmelia: Zur Direktion von International Vampires, Sie wollten doch wissen, was los ist, wir gehen in den Keller und fahren durch einen Gang unseres unteririschen Kommunikationssystems in einer Druckluftkapsel, einer Art Rohrpost, in ein paar Minuten sind wir im Hochhaus.
Carter: Mr. Varney.
Varney: Mr. Carter.
Carter: Sie sind doch in London.
Varney: Was bedeutet ein Ort, was bedeutet ein Name, ich bin einer und ich bin viele, hier bin ich Mr. Dracula, Chef der International Vampire Company, Generaldirektor und Besitzer der Aktienmajorität, einer der reichsten Männer im reichsten Land der Erde, sagen Sie nichts, Carmelia das Tonband, hören Sie, was ich Mister Broker zu sagen hatte, ich liebe es nicht mich zu wiederholen.
Broker: Das steckt also hinter der ganzen Horrorshow, Kapital, eine Firma.
Varney: Die Firma, Mister Broker, Geld ist Leben und Leben ist Blut, 3. Buch Moses Kapitel 17 der Zeit angepaßt, Voltaire, Sie kennen Voltaire?
Broker: Flüchtig.
Varney: Voltaire sagt: Die wahren Blutsauger wohnen nicht auf den Friedhöfen, sondern in wesentlich angenehmeren Palästen, ein wahres Wort, wir haben Paläste und Fabriken in allen Ländern, die Öffentlichkeit kennt uns nicht, wir schätzen es nicht, wenn jemand von außen uns zu nahe kommt, wie Sie, Sie haben sich von den für Sie arrangierten Aufführungen unserer Filialen nicht irreführen lassen, das spricht für Sie.
Broker: Danke.
Varney: Reißzähne, Sarkophage, transsylvanische Grafen und schwarze Messen, darüber ist die Zeit hinweggegangen, Feierabendhorror, weiter nichts, es gibt schlimmeres, Gasöfen, qualmende Schornsteine, tote Fische in den Flüssen, verhungernde Kinder, lebende Fließbandautomaten, das ist unser Horror, der neue Horror, Mr. Broker, daran verdienen wir.
Broker: Und sicher nicht schlecht.
Varney: Ganz recht, natürlich pflegen wir auch die Tradition, Vampireland und seine Ableger in Amsterdam und Paris sind Launen von mir, allerdings Launen, die Geld bringen, Sie sind alert und zielbewußt, Mr. Broker, wir können Sie gebrauchen, kommen zu International Vampires, verdienen Sie mit, werden Sie einer von uns, werden Sie Vampir.
Carter: Wie hat Broker sich entschieden?
Varney: Positiv natürlich, er ist jetzt einer meiner Stellvertreter, sehr tüchtig, ein Gewinn für die Firma, wollen sie ihn sprechen?
Carmelia: Verzeihung Mr. Dracula, ich fürchte Mr. Broker hat keinen Termin frei, die Arbeit an unserem neuen Projekt.
Varney: Ah ja, bedauerlich, was sie betrifft Mr. Carter, ich mache Ihnen das gleiche Angebot, entscheiden Sie sich schnell, Zeit ist Geld, Geld ist Leben usw.
Carter: Nein ich lehne ab, mit Dank, wenn sie wollen, aber unwiderruflich, ihre Firma gefällt mir nicht.
Varney: Schade, Sie sind ein Idealist, Mister Carter, ich respektiere ihre Entscheidung, leben sie wohl.
Carter: Sie lassen mich gehen?
Varney: Natürlich, wofür halten Sie uns, gehen Sie.
Carmelia: Gute Reise.
Carter: Im Wartesaal des Flughafens dachte ich nach über die fantastische Geschichte, in die ich geraten war und darüber, was ich jetzt tun sollte, zu Varna Dracula, zum Verlag konnte und wollte ich nicht mehr zurück, ich hatte mir einiges zurückgelegt, vielleicht sollte ich mich für ein halbes Jahr zurückziehen und das Buch schreiben, das Broker nicht mehr schreiben würde, es erschien mir wichtig, anderen mitzuteilen, was ich erfahren hatte, möglicherweise würde man mir sogar glauben, ich zweifelte allerdings daran, daß es etwas nützen würde, was hilft schon gegen Vampire, ein Buch, ich weiß nicht.
Stewardeß: International Airlines bitten alle Passagiere für Flug Nr. 999 nach London zum Ausgang B, ihre Maschine ist startbereit, ladies and gentlemen we welcome you on board.
Carmelia: Auf dem Flug von San Francisco nach London ist gestern gegen 19 Uhr Ortszeit eine mit 6 Besatzungsmitgliedern und 52 Passagieren besetzte Maschine der International Airlines über dem Nordatlantik abgestürzt, es muß damit gerechnet werden, daß keiner der Insassen den Absturz überlebte.
Varney: Gut gemacht, Carmelia.
Carmelia: Armer Mister Carter.
Varney: Er wußte zu viel, und jetzt wieder an die Arbeit.
Stan Broker: Martin Hirthe
Michel Carter: Michael Degen
Varney: Sigmar Schneider
Professor Vandenborg: Gerd Martienzen
Graf Dracul: Georg Braun
Carmelia: Christine Merthan
Stewardeß: Iris Hahnemann
Pförtner: Paul Hubschmid
Ordog: Dietrich Frauboes
Immer wieder angespielter Song im Hörspiel: Aphrodites Child - The Four Horsemen
Kommentar von Hörspiele |
Michael Koser: Tote singen nicht (Kriminalparodie) (auf Raymond Chandler) (RIAS/SWF 1971)
Phil Marlin: Das Haus war der gemeinsame Alptraum eines größenwahnsinnigen Architekten und eines Bauherrn, der zuviel Geld hatte, eine unwahrscheinliche Kreuzung aus gotischem Palazzo, maurischer Kathedrale und griechischem Eiscreme. Aber ich war ja nicht hier, um den Geschmack der oberen Zehntausend zu beurteilen. Mister Waterson ließ mich warten. Er konnte sich das leisten, er hatte eine Empfangshalle so groß wie das Landedeck eines Flugzeugträgers, einen fast echten englischen Butler, den er wahrscheinlich auf einer Antiquitätenmesse ersteigert hatte, und mehr Dollars als die übrige Stadt zusammen, und ich war bloß ein kleiner Fisch, mein Auto war drei Jahre alt, mein Anzug war auch, und mein letzter Kontoauszug war das Papier nicht wert, auf dem er gedruckt stand.
Waterson: Sie sind mir empfohlen worden, Mister Marlin und ich habe Sie aus Los Angeles kommen lassen, weil es in unserer sauberen kleinen Stadt keine Privatdetektive gibt.
Marlin: Bourbon on the rocks.
Waterson: Bitte?
Marlin: Sie haben vergessen, mir was anzubieten, oder gibt es in Ihrer sauberen kleinen Stadt auch keinen Alkohol?
Waterson: Ich glaube nicht, daß mir Ihr Ton gefällt.
Marlin: Den kriegen Sie gratis, ich koste 100 Dollar pro Tag plus Spesen, dafür bekommen Sie einen verhältnismäßig unbestechlichen Detektiv, der regelmäßig zum Friseur geht und sich dreimal am Tag die Hände wäscht, wenn Sie einen Heiligen brauchen, hätten Sie dem Papst schreiben sollen, haben Sie einen Auftrag für mich oder nicht?
Waterson: Ja, ich werde mich bemühen, Ihr Benehmen zu ignorieren.
Marlin: Wenn Ihnen dabei wohler ist, also, ich höre.
Waterson: Es geht um meinen Schwager, den Bruder meiner Frau, William Chain, 28 Jahre er ist seit 4 Tagen verschwunden und sie sollen ihn auftreiben hier ist ein Foto.
Marlin: Warum gehen Sie damit nicht zur Polizei.
Waterson: Bill war, ist in letzter Zeit, wie soll ich sagen, etwas merkwürdig, seit er drüben verwundet und nach Hause abgeschoben wurde.
Marlin: Nicht ganz richtig im Kopf.
Waterson: Wenn Sie es unbedingt so ausdrücken wollen ja, wir fürchten, das heißt meine Frau fürchtet, daß er etwas anstellen könnte, etwas Kriminelles.
Marlin: Wo soll ich ansetzen, ich, ich brauche Informationen.
Waterson: Natürlich, ich habe Ihnen ein Hotelzimmer reservieren lassen, Sie halten sich dort auf, bis sich meine Frau mit Ihnen in Verbindung setzt, sie kennt Bill besser als ich und wird Sie informieren.
Empfangschef: Ihr Schlüssel, Sir, Zimmer 207.
Marlin: Danke.
Empfangschef: Sind Sie das erste Mal in San Pedro, eine saubere, kleine Stadt, Sir, wir sind stolz darauf...
Marlin: Ja, ja, das kenn ich schon, heben Sie sich das für den nächsten auf und schicken Sie mir in zehn Minuten eine Flasche Bourbon aufs Zimmer.
Marlin: Die Atmosphäre des Zimmers schlug mir entgegen, wie das zahnlose Grinsen einer uralten Frau, es stank nach Chlor und verborgenen Sünden, ich machte das Fenster auf und vertrieb mir die Zeit mit meiner Flasche. Ja?
Waterson: Lassen Sie die Finger vom Fall Chain. Wenn Sie wissen, was gut für Sie ist, verschwinden Sie aus der Stadt.
Marlin: Hören Sie mal gut zu...
Violet: Mister Marlin? Hier ist Violet Waterson!
Marlin: Ach so, wer weiß, außer Ihnen und Ihrem Mann, noch davon, daß ich hier in der Stadt bin?
Violet: Niemand, warum fragen Sie.
Marlin: Es ist nicht wichtig, was wollten Sie mir sagen, Mrs. Waterson?
Violet: Nicht jetzt, treffen Sie mich heute abend im Tijuana-Klub, gegen neun.
Marlin: Muß das sein.
Violet: Sie sind nicht sehr höflich, Mister Marlin.
Marlin: Ich habe einen Job.
Violet: Deshalb will ich mich ja mit Ihnen treffen, seien Sie pünktlich.
Kellner: Bitte Sir, Mrs. Waterson.
Marlin: Danke, bringen Sie mir einen Martini.
Kellner: Trocken, Sir?
Marlin: Wie die Sahara.
Kellner: Sehr wohl.
Marlin: Sind Sie nicht ein bißchen zu jung für Ihren Mann?
Violet: Danke, sehen Sie nicht ein bißchen zu gut aus für einen Privatdetektiv?
Marlin: Och, durch jahrelanges Bodybuilding entwickelte ich mich vom Schwächling zum kraftvollen Wunschtraum der Frauen, wo ist ihr Bruder?
Violet: Ich weiß nicht, bitte, Mister Marlin, Sie müssen ihn finden, bevor er noch mehr Unheil anrichtet.
Marlin: Unheil, was für Unheil, Mrs. Waterson?
Violet: Nennen Sie mich Violet.
Marlin: Was für Unheil, Mrs. Waterson?
Violet: Ich mach mir Sorgen um Bill, wissen Sie, ich hab mich immer für ihn verantwortlich gefühlt, obwohl er älter ist als ich.
Marlin: Warum haben Sie mich hierher bestellt?
Violet: Bill ist mit einem Mädchen befreundet, das bis vor kurzem im Klub gearbeitet hat, eine Tänzerin, Kokola Bern, so nannte sie sich jedenfalls, ein unmögliches Wesen, vulgär, ich hab nie verstanden, was Bill an ihr fand, geben Sie sich Mühe, meinetwegen, und wenn Sie was herausbekommen haben, rufen Sie mich an, ich bin immer für Sie zu sprechen, wenn Sie Bill gefunden haben, dürfen Sie mich zu Champagner einladen.
Marlin: Violet, ich mag Blonde, besonders wenn sie eine Figur wie Marilyn Monroe haben, als meine Knie nicht mehr zitterten, ging ich an die Bar, in einer viertel Stunde hatte ich die Adresse von Kokola Vern alias Maggie Pulaski.
Maggie Pulaski: Sie wandeln nicht auf dem Pfade des Lichts.
Marlin: Wie war das?
Maggie Pulaski: Ihre Aura ist unrein, Ihre Seele wälzt sich im Schlamm wie ein Tier, Sie sind der Versucher, der Dämon, der den Kindern des Lichts Fallstricke legt.
Marlin: Wo ist Bill Chain, Ihr Freund Chain, verstehen Sie mich?
Maggie Pulaski: Führe uns nicht in Versuchung, gehen Sie, verdunkeln Sie nicht durch Ihre Gegenwart das Licht, das nur den Reinen scheint, gehen Sie...
Marlin: Eine geladene und entsicherte 38er kann auch in einer zitternden Hand sehr überzeugend wirken, ich zuckte die Achseln und ging.
Marlin: Sie wandeln nicht auf dem Pfade des Lichts.
Empfangschef: Verzeihung, Sir?
Marlin: Sie sind der Dämon, der den Kindern des Lichts Fallstricke legt, sagt Ihnen das was?
Empfangschef: Ich wüßte nicht. – Oh, besten Dank, Sir.
Marlin: Kommt jetzt die Erleuchtung, wandeln Sie nun auf dem Pfade des Lichts?
Empfangschef: Könnte sein, die Vereinigung der Freunde des Lichts, eine Sekte, irgendwie östlich, glaube ich, indisch oder so, der Chef nennt sich Guru, wirkt sehr auf Frauen, ich habe gehört, daß er ganz gut davon leben kann.
Marlin: Ja, was es nicht alles gibt, in Ihrer sauberen, kleinen Stadt.
Marlin: In dieser Nacht träumte ich von Violet Waterson, es war ein wunderschöner Traum, in Breitwand und Technicolor.
Marlin: Ja?
Piet: Hä-hä-hä-hä-hä-hä-Hände hoch!
Toni: Halts Maul, Piet, ich würde an Ihrer Stelle die Hände hochnehmen, Mister Marlin, wir haben zwei Kanonen und können damit umgehen, wie man so sagt, sieh dir mal seine Brieftasche an, Piet, sieh mal an, ein Privatdetektiv, ein mieser Schnüffler, wie man so sagt, das hätte ich nicht von Ihnen gedacht, Mister Marlin, ich glaube, wir müssen Ihnen eine kleine Lektion erteilen, Mister Marlin, Sie schnüffeln hinter Bill Chain her, der Boss schätzt das nicht, Sie werden von hier verschwinden und wir werden Ihnen Beine machen, wie man so sagt, brat ihm eine über, Piet.
Piet: Au!
Toni: Halts Maul, Piet, Mister Marlin, Sie haben meinem Kumpel den Unterkiefer gebrochen, das gehört sich aber gar nicht.
Marlin: Hören Sie, mein Freundchen, ich bestimme jetzt, was sich gehört, ich habe eure Kanonen und ich kann auch damit umgehen, raus hier, los raus.
Toni: Mister Marlin, wir sehen uns noch.
Marlin: Ja, das werden wir ja sehen.
Marlin: Ich konnte mir denken, wer die beiden Figuren auf mich losgelassen hatte, und die silberne Kette aus Indien, die an Piets ungewaschenem Hals ebenso fehl am Platz war wie eine Jungfrau im Bordell, machte mich noch sicherer, es wurde Zeit, daß ich mir diesen Guru mal ansah, schlägt dich einer auf die rechte Wange, so tritt ihm dafür kräftig in den Bauch, wie man so sagt.
Guru: Wie war der Name?
Marlin: Chain, William Chain.
Guru: Und Sie glauben, daß er ein Erleuchteter ist, ein Jünger des Karma?
Marlin: Ich glaube, daß er zu Ihrem Verein gehört, wenn Sie das meinen, und daß Sie mir sagen können, wo er steckt.
Guru: Wer auf dem Pfade des Lichts wandelt, hat die unreinen Tiefen des Irdischen hinter sich gelassen.
Marlin: Das zieht bei mir nicht.
Guru: Drohen Sie mir, Mister Marlin?
Marlin: Sie haben mir doch diese beiden Witzbolde mit Kanonen auf den Hals gehetzt, das ist meiner Aura nicht gerade gut bekommen.
Guru: Sie versündigen sich an den Geheimnissen des Karma.
Marlin: Ach hören Sie doch auf, Sie sind hier nicht in Ihrem Tempel oder wie Sie das nennen, reden Sie Klartext, an Ihrer religiösen Masche bin ich nicht interessiert.
Guru: Ich habe Sie unterschätzt, Mister Marlin, wie Sie mit meinen, nun ja, Abgesandten fertig geworden sind, Kompliment.
Marlin: Ach, nicht der Rede wert, so was mach ich jeden Morgen vor dem Frühstück, außer Sonntags.
Guru: Ich könnte Sie gebrauchen, wenn wir die Sache zusammen deichseln, kann nichts mehr schief gehen, ich beteilige Sie, ein Millionengeschäft, Mister Marlin.
Marlin: Wo ist Chain?
Guru: Chain, Chain, Chain ist unwichtig, das wissen Sie doch, ich weiß, wer Sie bezahlt und warum Waterson so scharf darauf ist, seinen Schwager wieder in die Hand zu bekommen, überlegen Sie sich die Sache!
Marlin: Ich verstand überhaupt nichts mehr, aber ich hatte ein merkwürdiges Gefühl, Phil Marlins berühmte Vorahnung, deshalb fuhr ich den Wagen nur um die Ecke und wartete, nach einer halben Stunde erschien eine alte Bekannte, Miss Magie Pulaski, die da auf dem Pfade des Lichts wandelte, sie verschwand im Haus des Guru und kam nach kurzer Zeit mit einem Mann zurück, ich brauchte nicht auf das Foto zu sehen, um ihn zu identifizieren, mein Gefühl hatte recht gehabt, ich fuhr hinterher, wir hielten in einer ruhigen Straße am Stadtrand, Magie Pulaski ging mit Chain in einen Bungalow, ich wartete, die Minuten schichteten sich aufeinander wie zerschundene Autos auf einem Schrottplatz, schließlich kam Magie allein zurück, setzte sich in ihren Wagen und fuhr ab, ich suchte einen drugstore in der Nähe, um meinen Auftraggeber anzurufen: Es begann zu regnen.
Violet: Phil. Wie sieht er aus?
Waterson: Gute Arbeit, Marlin, wo steckt er?
Marlin: Das habe ich Ihrer Frau schon gesagt.
Waterson: Gut, warten Sie da, ich bin in einer halben Stunde bei Ihnen, übrigens, was für einen Wagen fahren Sie?
Marlin: Buick, grün, bißchen angerostet, warum?
Radio: ...der befleckt noch furchtsam ist, der Detektiv in Geschichten dieser Art muß solch ein Mann sein, er ist der Held, er ist alles, er muß ein vollkommener Mann sein und ein gewöhnlicher Mann, und er muß doch ein...
Polizist Mac: Das ist er, Chef, grüner Buick.
Marlin: Wenn Sie sich meinen Wagen lange genug angesehen haben, können Sie mir vielleicht sagen, was Sie von mir wollen?
Polizist: Sie stehen im Parkverbot, Mister!
Marlin: Ich brech gleich in Tränen aus, wo ist denn das Schild?
Polizist: Wenn die Polizei sagt, daß Sie im Parkverbot stehen, dann stehen Sie im Parkverbot. Aussteigen!
Marlin: Moment mal, nehmen Sie Ihre verdammten Pfoten von meinem Wagen!
Marlin: Der Griff einer Polizeipistole an meinem Hinterkopf war das letzte, was ich spürte. Ich war Tarzan und hüpfte im Urwald von Ast zu Ast, ich rief den Kampfschrei der großen Menschenaffen und zertrat alle Bullen der Welt unter meinen großen Füßen, ich war der größte, und Violet Waterson sah bewundernd zu mir auf, wenn mir nur der Kopf nicht so weh getan hätte...
Polizeichef: Wird aussagen, was wir ihm beibringen. Ja, Marlin ist dran, bei dem Beweismaterial schickt ihn jede Jury in die Gaskammer. Der Guru? Marlin muß eben gestehen, daß er Chain in seinem Auftrag umgelegt hat, dann sind wir die ganze Bande los, wenn er nicht will, laß ich ihn auf der Flucht erschießen, sowieso sicherer, natürlich, gefälschte Aussage, kein Problem, die Papiere bring ich Ihnen, sobald ich Zeit habe, ok, danke.
Polizist: Chef, er wird wach.
Polizeichef: Dann werden wir uns doch mal um Mister Marlin kümmern.
Marlin: Ich lag in einem Zimmer auf einem weichen Berberteppich, meine Luger hatte ich in der Hand, ich brauchte nicht am Lauf zu riechen, um zu wissen, daß sie vor kurzem abgefeuert worden war, neben mir lag Bill Chain, tot, mit einem häßlichen Loch im Kopf, die Bullen waren auch da, allmählich wurde mir die Sache klar, ich hätte mich selbst zusammenschlagen können, wenn das nicht schon jemand anders für mich erledigt hätte.
Polizeichef: Nehmen Sie ihm die Pistole weg, Mac.
Marlin: Kann ich, kann ich eine Zigarette haben?
Polizeichef: Erst wenn Sie Ihre Aussage gemacht haben.
Marlin: Sie haben mich niedergeschlagen.
Polizeichef: Natürlich, schließlich haben wir Sie bei einem Mord erwischt, warum haben Sie Chain erschossen, der Guru hat Sie dafür bezahlt, stimmts?
Marlin: Erzählen Sie doch weiter, Sie, Sie wissen ja mehr als ich, haben sich doch schon alles zurechtgelegt.
Polizist: Da hat er recht, Chef.
Polizeichef: Wir haben sogar schon ein schriftliches Geständnis.
Marlin: Gute Arbeit.
Polizeichef: Sie waren heute morgen beim Guru und haben von ihm den Auftrag bekommen, Chain umzulegen, und das haben Sie dann auch gleich getan, mit Ihrer eigenen Kanone, Sie brauchen nur noch zu unterschreiben.
Marlin: Ach, machen Sie es selber, ich... auf eine kleine Urkundenfälschung kommt es doch sicher nicht mehr an...
Polizist: Ein Witzbold, Chef.
Polizeichef: Wie Sie wollen, Marlin, Plan Nummer zwei, Mac, nehmen Sie sich zwei Leute und fahren Sie Mister Marlin zum Präsidium, Sie sind persönlich für ihn verantwortlich, bei einem Fluchtversuch wird sofort scharf geschossen.
Polizist: OK, Chef, kleiner Umweg über den Wald, sicherheitshalber?
Polizeichef: Sie haben es erfaßt.
Marlin: Kann ich... kann ich jetzt eine Zigarette haben?
Polizist: OK, hier, halt mal an, steigen Sie aus, Marlin.
Marlin: Endstation Sehnsucht.
Polizist: Raus, wir haben nicht viel Zeit, los, los, noch ein paar Schritte, wir wollen es uns doch nicht zu leicht machen.
Piet: Ha-ha-ha-hallo?
Toni: Halts Maul Piet, seien Sie beruhigt Mister Marlin das war fünf Minuten vor zwölf wie man so sagt, kommen Sie, unser Wagen steht gleich hier auf dem Waldweg.
Marlin: Erinnern Sie mich daran, daß ich Sie in meinem Testament bedenke, auch wenn Sie an Mundgeruch leiden... wohin?
Toni: Zum Boss natürlich, seine Heiligkeit, der Guru, will mit Ihnen die Karre aus dem Dreck ziehen, wie man so sagt, hahahaha...
Marlin: Haben Sie mal eine Zigarette für mich? Danke.
Guru: Spielen Sie Schach, Mister Marlin?
Marlin: Ja.
Guru: Ich hab mich manchmal gefragt, Mister Marlin, was sich wohl ein Bauer denkt, der auf dem Feld hin und hergeschoben wird, wenn er denken könnte, natürlich, sagen Sie es mir.
Marlin: Was hatte Chain gegen Waterson in der Hand?
Guru: Sieh da, Sie haben nachgedacht, Mister Marlin, es nützt Ihnen zwar nichts mehr, aber Sie geben sich Mühe, lobenswert.
Marlin: Danke, darf ich mich eins rauf setzen?
Guru: Waterson ist der heimliche Boss unserer kleinen sauberen Stadt, Mister Marlin, mit dem Polizeichef zusammen kontrolliert er alles was Geld bringt, Bars, Spielhöllen, das Rauschgiftgeschäft, was Sie wollen, Chain hatte keine Ahnung davon, aber als er vom Militär entlassen wurde, und bei Waterson wohnte, stieß er zufällig auf Unterlagen, interne Abrechnungen, Geschäftspapiere, er war entsetzt, moralisch entrüstet, glaubte immer noch an Sauberkeit, verstehen Sie, an den amerikanischen Traum, deshalb nahm er die Papiere an sich, um Waterson hochgehen zu lassen, zur Polizei konnte er damit natürlich nicht gehen, aber er hatte jemand, dem er sich anvertrauen konnte, einen geistigen Ratgeber, der ihn auf dem Pfade des Lichts zur Vollkommenheit führte.
Marlin: Und Sie sahen Ihre große Chance, Sie nahmen Chain bei sich auf, versteckten ihn und benutzten seine Papiere um Waterson zu erpressen, die fromme Hochstapelei genügte Ihnen nicht mehr, Sie wollten in das ganz große Geschäft einsteigen.
Guru: Sehr gut, Mister Marlin.
Marlin: Aber Waterson war gerissener als Sie, er kriegte heraus, wo Chain steckte, und ließ ihn von der Polizei umlegen.
Toni: Tote singen nicht, wie man so sagt.
Marlin: Außerdem ließ er Beweismaterial fälschen, um Sie in den Mord an Chain zu verwickeln, Sie haben Ihr Spiel verloren.
Guru: Noch nicht, Mister Marlin, Toni, Piet, seht mal nach, wer da ist, will jetzt nicht gestört werden.
Toni: OK, Boss.
Guru: Noch nicht, Mister Marlin, ich habe Sie, und Sie wissen, wer Chain erschossen hat und warum, ich biete Waterson ein Geschäft an, wenn er mich beteiligt, liefere ich Sie der Polizei aus, als Leiche natürlich.
Polizeichef: Hände hoch!
Waterson: Was habe ich Ihnen gesagt, Chef, da sind sie beide.
Polizeichef: Umlegen, Mister Waterson?
Waterson: Mit Mister Marlin würde ich mich gern noch ein bißchen unterhalten, aber den Guru brauchen wir nicht mehr, würden sie freundlicherweise...
Guru: Nein, nicht!
Waterson: Danke, damit sind Sie selbst auch überflüssig geworden, Chef, Sie wissen zu viel.
Polizeichef: Mister Waterson!
Marlin: Gratuliere, Mister Waterson, damit haben Sie alle Zeugen ausgeschaltet.
Waterson: Bis auf einen, Marlin, Sie wissen, daß mir gar nichts anderes übrig bleibt, als Sie auch noch zu erschießen.
Marlin: Im Moment konnte ich nichts anderes tun, als Waterson freundlich anzugrinsen, und unter dem Tisch mit dem Fuß nach dem schweren 45er-Colt des Polizeichefs zu angeln, mein Leben hing an meinem großen Zeh, wie schon so oft.
Waterson: Ich muß mich bei Ihnen bedanken, Mister Marlin, ohne Sie wäre mein Plan schiefgegangen.
Marlin: Es freut mich immer, wenn ein Auftraggeber mit mir zufrieden ist, empfehlen Sie mich bitte weiter.
Waterson: Sie waren mir äußerst nützlich, nicht weil Sie Bill Chain gefunden haben, das hätte notfalls auch die Polizei erledigen können, Sie sind der Sündenbock, der Mann, dem man alles anhängen kann, und diese Rolle haben Sie perfekt gespielt, Sie haben Chain aufgestöbert und mich informiert, damit ich mich um ihn und Sie kümmern konnte, und wenn der Guru nicht dazwischen gekommen wäre, lägen Sie jetzt als überführter Mörder im Leichenschauhaus, aber nicht wahr, aufgeschoben ist nicht aufgehoben.
Marlin: Sie waren aber auch nicht schlecht, Ihre Rolle als biederer Kleinstadtmillionär, der sich widerwillig mit einem Privatdetektiv abgeben muß, großartig.
Waterson: Angewandte Psychologie, mein bester, bevor ich Sie kommen ließ, habe ich mich über Ihre Methoden und Ihren Charakter genau informiert, Sie lassen sich von Ihren Auftraggebern nichts gefallen, außerdem sind Sie stur, wenn Sie einen Fall bearbeiten, führen Sie ihn zu Ende, Widerstand macht Sie nur noch verbissener, deshalb habe ich für Widerstand gesorgt, dieser Anruf gestern in Ihrem Hotel.
Marlin: „Lassen Sie die Finger vom Fall Chain“, hmh, das waren Sie.
Waterson: Ja, ich wußte, wie das auf sie wirken würde, und ich hatte recht, ich habe meistens recht, Marlin.
Marlin: Damit haben Sie es ja auch zum großen Kleinstadtgangster gebracht.
Waterson: Ganz recht, seien Sie mir nicht böse, wenn ich unsere interessante Unterhaltung jetzt beende, es ist noch so viel zu tun, ein neuer Polizeichef und... Violet!
Marlin: Sie stand in der Tür wie der Racheengel der Apokalypse, und ihr Schwert war ein Smith & Wesson Detective Special, ich langte nach dem Colt, aber das war nicht mehr nötig, sie wurde mit der Situation allein fertig, das ewig weibliche, wie man so sagt, aber Toni, der mir das Leben gerettet hatte, war tot, und Piet, und drei Bullen, und der Guru, und der Polizeichef, alle tot, und jetzt war Waterson fällig.
Violet: Er hat mich belogen, er hat versprochen, daß Bill nichts geschieht.
Marlin: Geben Sie mir Ihren Revolver.
Violet: Ich konnte doch nicht ahnen, daß er Bill umbringen wollte, und ich hab ihm noch dabei geholfen.
Marlin: Trösten Sie sich, ich auch, dann haben Sie mich also im Auftrag Ihres Mannes auf Magie Pulaski angesetzt.
Violet: Ja, ich sollte auf Sie aufpassen, damit Sie Bill auch bestimmt finden, er sagte, er wolle nur die Papiere zurück, er hat versprochen, daß Bill nichts geschieht.
Marlin: Bill, Violet, das war doch nur Theater, Sie wollten sicher gehen, ich sollte mit feuchten Dackelaugen hinter Ihnen herlaufen, damit ich nicht sehe, was rechts und links von mir geschieht, ja, gut ausgedacht, so wars doch, ach, so wars doch.
Marlin: Der Fall war erledigt, das Aufräumen konnten andere übernehmen, ich rief die Polizei in Los Angeles an und bestellte zwei Wagenladungen Staatsgewalt nach San Pedro, dann machte ich Bilanz, mein Honorar für zwei Tage und die Spesen waren in den Wind gehustet, und die versprochene Champagnerorgie mit Violet konnte ich im Frauengefängnis feiern, wenn Waterson mir wenigstens einen Vorschuß gegeben hätte.
Empfangschef: Sie wollen uns schon wieder verlassen, Sir, hoffentlich hat es Ihnen in unserer sauberen kleinen Stadt gefallen.
Marlin: Ja, ich brauch mich wochenlang nicht mehr zu waschen.
Empfangschef: Ich habe gehört, daß sich demnächst hier einiges ändern wird, glauben Sie das?
Marlin: Hm, vielleicht.
Empfangschef: Ach, wissen Sie, das ist uns schon ein paar Mal so gegangen, wenn ein Boss abtritt, steht der nächste schon von der Tür, verzeihen Sie, Sir, gute Reise.
Marlin: Phil Marlin war mal wieder der große Katalysator gewesen, der Mann, der seine Fälle auf einem Berg von Leichen beendet, hart, unbeeindruckt, ein Held, wie er im Buche steht, wenigstens bei Chandler, ich hing mir selbst zum Hals raus. Als ich aus der Stadt fuhr, hing der schmutzig-gelbe Himmel über mir wie das Fell einer ertrunkenen Siamkatze. Ich wollte nach Hause.
Phil Marlin, Privatdetektiv: Arnold Marquis
Mr. Waterson: Gerd Martienzen
Mrs. Violet Waterson: Barbara Schöne
Polizeichef: Klaus Sonnenschein
Gangster Pete: Norbert Langer
Gangster Toni: Joachim Pukasz
Der Guru: Moritz Milar
Maggie Pulaski: Eva Manhardt
Polizist Mac: Andreas Berg
Empfangschef: Georg Braun
Kommentar von Hörspiele |
Michael Koser: Reservat. There are no truths outside the Gates of Eden (RIAS Berlin/Südwestfunk 1970) (Transkript)
Guten Abend, meine Damen und Herren. In unserer heutigen Übertragung hören Sie Reservat. There are no truths outside the Gates of Eden. Von Michael Koser, Manfred Marchfelder und Friedrich Scholz. Es wirken mit: Klaus Krüger, Ernst Schröder, Ursula Starck, Hans-Ulrich Minke, Helga Anders, Klaus Herm, Cordula Hubrich, Christoph Quest, Klaus Wampfler, Erika Eller, Hans Boche, Klaus Jepsen, Erwin Schastok, Mike Wiegand, Barbara Tietze, Klaus Dieter Mäurich und Ulrich Pleitgen. Wir wünschen Ihnen einen guten Empfang (Applaus).
At times I think there are no words but these to tell whats true and there are no truths outside the Gates of Eden.
Eins zwei drei (Musik).
Dieser Ort zerstört mich.
Es gibt kein oben und unten mehr.
Das Wort darf nicht Fleisch werden.
Es ist, als ob nichts geschehen wäre.
Die Revolution ist ein Kunstwerk.
Das Bewußtsein wird so weit, daß sich alle Gegensätze aufheben.
Wer fliehen will, fesselt sich selbst.
Sie wollen Fabriken aus unseren Tempeln machen.
Das Gefängnis wird unendlich groß.
Der Tanz um den Scheiterhaufen ist ein heiliges Ritual.
Es lohnt sich nicht, darüber nachzudenken.
Ganz sicher.
Verstehst du, man hat keine Angst davor, herunterzufallen.
Zum Kinderzeugen und Kinderkriegen.
Man muß das Gefühl haben, über der Erde zu schweben, ohne die geringste Chance, je wieder herunterzukommen.
Es ist sinnlos, Automaten zu zerstören.
Mit Glasaugen und Plastikdärmen.
Die Form genügt sich selbst.
Man muß sich in diese Musik eingraben, sich ganz von ihr verschlingen lassen, man muß es hören, man muß sich dieser Musik hingeben, man muß einfach hinhören, immer wieder, immer mehr.
Sie hat die falsche Perspektive.
Ich fühle die Schönheit der Zerstörung.
Wir wissen, daß unsere Institution in der Öffentlichkeit Reservat genannt wird, wir sind nicht glücklich darüber.
Allerdings sehen wir ein, daß der volle amtliche Name sich nicht gerade durch verwendungsfähige Kürze oder durch effektive Anschaulichkeit auszeichnet.
Aber wir müssen ihn benutzen.
Zuerst habe ich mir nichts dabei gedacht.
Zumindest in seiner offiziellen Kurzform.
Zuerst habe ich mir nichts dabei gedacht, so viele Leute verschwinden, sie sind einfach nicht mehr da, vielleicht haben sie die Lücke im Plan gefunden, das Stück, wo die Zahlen und das Papier zu Ende sind, es gibt seltsame Geschichten darüber, ich weiß nicht, ob ich sie glauben soll, ich denke nach.
Wie allgemein bekannt, wurde die Institution zur Absonderung, Erhaltung und Erforschung subkultureller Erscheinungen von der Vereinigten Weltregierung gegründet.
Es handelt sich dabei um eine der ersten größeren Entscheidungen, die im Weltparlament gefällt wurden.
Machen Sie sich keine Sorgen. Machen Sie sich keine Sorge. Wir gehen zusammen auf eine lange Reise. Sie werden umgesiedelt. Das ist alles. Das ist alles. Sie sollten ihre Sachen packen. Bitte kommen Sie mit. Bitte kommen Sie mit.
Daß der Bau unserer Institution bald darauf aufgenommen und in verhältnismäßig kurzer Zeit abgeschlossen werden konnte, verdanken wir vor allem der tatkräftigen finanziellen Hilfe der bedeutendsten internationalen Firmen.
Die Tatsache, daß Sie unser Projekt unterstützten, trug viel dazu bei, die Widerstände zu überwinden, auf die jede große Idee stößt.
Ich musste ihn begleiten.
Bis sie sich durch ihre Verwirklichung selbst beweisen kann.
Vielleicht war ich gefährlich, ich weiß jetzt, wie die anderen verschwunden sind, jemand ist in mein Zimmer gekommen, er war ruhig, fast zärtlich, ich musste ihn begleiten, ich konnte nichts dagegen tun.
Wir können mit vollem Recht behaupten, daß schließlich jeder Mann die Gründung der Institution nicht nur akzeptierte, sondern im klaren Bewusstsein ihrer sozialen Bedeutung auch begrüßte.
Natürlich mit Ausnahme der direkt Betroffenen.
Wir waren aber schon damals sicher, daß auch sie bald unsere Intentionen verstehen und die Vorteile der Institution erkennen würden.
Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei. Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei. Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei.
Es ist sehr schön hier, warm, ruhig, die Luft schwingt im richtigen Rhythmus, alles ist irgendwie rosa, mir fallen freundliche Dinge ein, die ich als Kind gewusst und dann vergessen habe, ich weiß, daß ich beschützt werde.
Draußen, wenn es da überhaupt etwas gibt, solltest du dich nicht darum kümmern, du bist hier, du gehörst hierher, hier kannst du so leben, wie du es dir immer gewünscht hast, niemand wird dich an irgendetwas hindern, Grenzen, niemand weiß, ob sie existieren.
Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken.
Es ist eine bekannte Tatsache, daß die sogenannten subkulturellen Bewegungen in der Jugend zu einer immer stärkeren Belästigung und damit schließlich zu einer Belastung von Staat und Gesellschaft wurden.
Daß etwas geschehen mußte, war allen klar, den Verantwortlichen und der öffentlichen Meinung.
Zufriedenheit und Glück der Bürger konnten nicht exakt berechnet und anhand der Berechnungen verwirklicht werden.
Wenn gewisse Gruppen sich der Planung verweigerten, wenn sie durch Propaganda, ideologische Unzufriedenheit zu verbreiten suchten und praktische Unzufriedenheit durch ihre Existenz auslösen.
Gewiß waren in der Gesamtheit der Bürger diese Gruppen eine Minderheit, zudem noch untereinander uneinig und zerstritten, aber wenn sie auch keine wirkliche Gefahr darstellten.
So bildeten sie doch einen Faktor der Unsicherheit, ein störendes Element, sozusagen einen Rechenfehler in einer sonst makellosen Gleichung.
Grund genug, sie zu eliminieren.
Blumen bis zum Horizont, rote, rote, grüne, grüne, violette, violette, Bäume, die leuchten und nach Weihrauch duften, Weihrauch duften, ein See, ein See, rund wie die Welt, wie der Nabel, wie der Nabel Buddhas, weiß, weiße Kaninchen und heilige Kühe, heilig, Tempel, Schreine, Pagoden, Pagoden, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Kabelschnüre, keine Kabelschnüre, keine Befehle, keine Befehle, das Paradies, das Paradies.
Ich habe die anderen hier gesehen, die Leute, die vor mir verschwunden sind, fast alle sehen glücklich aus, wahrscheinlich sehe ich auch glücklich aus, ich habe alles, was ich brauche, ich kann tun, was ich will, ich muß glücklich sein.
Die humane Lösung des Problems war die Institution, durch sie konnte die Gesellschaft von denen befreit werden, die ihr lautloses Funktionieren störten ohne daß man genötigt war die störenden Elemente ihrer Freiheit zu berauben oder sie zu töten.
Wie es von Anhängern traditioneller Denkschemata und veralteter Rechtsmethoden befürwortet wurde.
Es galt vielmehr einen Freiraum zu schaffen, indem die Negation zu ihren extremen Manifestationen geführt und so aufgehoben werden konnte.
Die anderen sprechen nicht gern davon.
Eine Utopie der Subkultur, ein Paradies der Antisozialen, unsere Institution.
Es gibt eine Grenze, die wir nicht überschreiten können, eine riesige runde Glocke, die anderen sprechen nicht gern davon, sie wollen nicht wahrhaben, daß unser Horizont begrenzt ist, sie haben Angst vor dem, was draußen ist.
Sie ist neu.
Sie meint, wir wissen nicht, was los ist.
Natürlich ist die Welt irgendwo da hinten zu Ende.
Gerade deshalb fühlen wir uns sicher.
Sie sagt, wir können nicht raus.
Sie hat die falsche Perspektive.
Es heißt, die können nicht rein.
Fette Idioten, Schweine.
Krank, häßlich, verkrüppelt.
Kahl mit Glasaugen und Plastikdärmen.
Maschinen zum Geld verdienen.
Zum Kinderzeugen und Kinderkriegen.
Arbeitstiere voller Pflichtbewußtsein und Hass.
Roboter, irre, alte Weiber.
Die stehen draußen und wollen rein.
Sie wollen Fabriken aus unseren Tempeln machen.
Unsere Blumen abschneiden und verkaufen.
Mit ihren genagelten Stiefeln auf uns herumtrampeln.
Uns die Haare ausreißen.
Uns die Knochen brechen.
Und wenn wir nicht werden wie sie.
Verbrennen sie uns als Hexen und fremde Götter.
Jetzt stehen sie da und kratzen mit ihren sauberen Nägeln am Glas.
Sie können nicht rein, wir sind sicher.
Erfahrene Ingenieure und Landschaftsgestalter haben in Zusammenarbeit mit Psychologen und Verhaltensforschern den Meisterplan ausgearbeitet, nachdem die Institution verwirklicht wurde, die perfekt glatte Ebene, der kreisrunde See, das nötige folkloristische und theologische Zubehör, vor allem die komplexe Maschinerie, die den Raum der Institution in einem ständigen zeitlosen Schwebezustand hält, die unter dem künstlichen Rasen verborgenen Wärmegeneratoren und der gigantische Plexiglasdom, der die Insassen gegen Einflüße des Klimas und der Außenwelt überhaupt abschirmt.
Draußen ist der Plan, draußen sind die Leute, die vom Plan dirigiert werden und glücklich gemacht werden sollen, hier sind die meisten froh, daß sie mit denen nichts mehr zu tun haben, daß sie sich nicht mehr verstecken müssen, ich habe Angst vor dem, was hier drinnen ist.
Eine dicke Glasscheibe.
Wie im Aquarium.
Und dahinter klotzen sie.
Mit großen runden Augen und offenen Mäulern.
Ich weiß nichts davon.
Ich will auch nicht wissen.
Vielleicht bin ich ein Fisch.
Vielleicht sind wir die Fische, die Fische.
Es ist uns gelungen, ein künstliches Paradies zu konstruieren, einen bisher irrealen Wunschtraum, Realität werden zu lassen.
Kein Wunder, daß unsere Schützlinge sich in der Institution wohlfühlen.
Trotz der notwendigen Begrenzung oder gerade durch die Begrenzung.
Wir sind freiwillig hierhergekommen, wir haben uns bei der Erfassungsstelle gemeldet und einen Aufnahmeantrag gestellt.
Das hat lange gedauert, wir mußten Schlange stehen, da waren unheimlich viele, die auch genug davon hatten, unter Schweinen zu leben, die nicht mehr dauernd beglotzt und beschnüffelt werden wollten.
Verhöre, Prüfung und dann haben sie uns endlich den Stempel gegeben, Mann, waren wir froh.
Die da draußen kannst du doch nicht bekehren.
Haben sie dich schon mal zusammengeschlagen.
Und wenn wir nicht von selbst gekommen wären, hätten sie uns später doch geholt. Lieber ein bißchen mitspielen, das lohnt sich.
Hier sind wir schließlich unter uns.
Als ich noch nicht hier war, habe ich ein Gedicht gemacht, das von mir und den anderen handelte, ich habe versucht, mich wieder an die Worte zu erinnern, aber sie fallen mir nicht mehr ein, ich weiß nicht, ob ich das Gedicht damals wirklich gemacht habe.
Uns war von vornerein klar, daß einige unserer Schützlinge sich weigern würden, in der Institution aufzugehen, daß sie auch in der genehmigten und geschützten fast absoluten Freiheit versuchen würden, an der Rebellion festzuhalten, vor allem waren und sind es die Neuzugänge und die gegen ihren Willen in die Institution eingewiesenen, die ihre gewohnte Rolle weiterspielen wollen, die Erfahrung hat jedoch gelehrt, daß in den meisten Fällen der Kontakt mit den Freiwilligen und den Alteingesessenen zur graduellen Abschwächung und schließlich zum Erlöschen des Widerstandes führt.
Warum sollten wir uns wehren, mir ist es gleich wer uns hier festhält, warum wir nicht nach draußen kommen, es geht uns gut, wir müssen nicht mehr reagieren, wir können leben, das ist positiv, unsere ökonomische Situation ist glänzend, daß uns die wichtigsten Fakten für ihre Analyse fehlen, darüber zerbreche ich mir nicht den Kopf.
Auf wessen Kosten leben wir?
Die Frage ist irrelevant, wir sind Produzenten, wir sind Künstler.
Möglichkeiten der innerinstitutionellen Rebellion sind im Generalplan bewußt vorgesehen und sogar gefordert, die überall eingebauten Automaten, die unsere Schützlinge mit Lebensmitteln versorgen, mit Drogen und mit der Literatur, die sie bevorzugen, liefern ihnen auch gewisse Waffen in sorgfältiger Auswahl und Dosierung.
Selbstverständlich achten unsere Fernsehaugen darauf, daß es nicht zu größeren Exzessen kommt.
Maschinen dürfen nicht beschädigt, die faktischen Grenzen der Institution müssen unbedingt respektiert werden.
Maschinen dürfen nicht beschädigt, die faktischen Grenzen der Institution müssen unbedingt respektiert werden.
Oder bilde ich mir das nur ein?
Für die Einstellung unserer Schützlinge ist es jedoch bezeichnend, daß bisher kaum einmal regulierend eingegriffen werden musste.
Vielleicht sind die Vögel kleine Maschinen, die jemand aufgezogen hat, ich habe versucht, einen Vogel zu fangen, ich bin ganz vorsichtig auf ihn zugegangen, aber er hat mich gesehen und ist weggeflogen, mit einem merkwürdigen, surrenden Geräusch, oder bilde ich mir das nur ein?
Ich sehe nichts, ich kann nichts sehen, weil ich meine Augen geschlossen habe. Äußere Eindrücke stören die Meditation, Wirklichkeit ist nur in mir, außerhalb gibt es nur Illusionen.
Illusionen interessieren mich nicht.
Ich bin auf der Suche nach mir selbst, wenn ich mich gefunden habe, werden sich alle Illusionen auflösen.
Ich werde keine Gedichte mehr machen, ehe ich nicht weiß, warum und wozu wir hier sind, dieser Ort ist kein wirklicher Freiraum, wir werden benutzt, ich will nicht benutzt werden, ich muß etwas dagegen tun.
Daß wir unseren Schützlingen eine sorgfältig abgewogene und kontrollierte Freiheit auch im Widerstand und in der Destruktion lassen, hat natürlich nicht nur liberale oder humane Gründe.
Wir müssen uns überhaupt dagegen verwahren, daß unsere Institution.
Wie es gelegentlich geschieht.
Als karitative Anstalt apostrophiert wird, als sozialer Luxus, den die Steuerzahler mehr oder weniger freiwillig mit ihren Mitteln am Leben erhalten, die Institution ist kein Zuschussunternehmen, die Institution ist ein Betrieb, der in der Lage ist, sich ökonomisch selbst zu erhalten, der in den letzten Jahren sogar einen ständig wachsenden Gewinn herausgewirtschaftet und in die Kasse der Weltregierung eingebracht hat.
Man muß es hören, man muß sich dieser Musik hingeben, man muß einfach hinhören, immer wieder, immer mehr.
Ich mache einen Film von dir und einen Film von mir, ich nehme die beiden Filme und schneide sie ineinander, auf ein Bild des ersten Films folgt gleich ein Bild des zweiten.
Man muß sich in diese Musik eingraben, sich ganz von ihr verschlingen lassen.
Pro Sekunde wechseln 24 Bilder, 12 und 12 in immer gleichem Rhythmus.
Man muß das Gefühl haben, über der Erde zu schweben, ohne die geringste Chance je wieder runterzukommen.
Es ist mehr als ein Liebesfilm, wenn du dich diesem Rhythmus hingibst, verstehst du, was Dialektik ist, du erfaßt ihr Gefühl, ihr Wesen, darauf kommt es an.
Versteht ihr, man hat keine Angst davor herunterzufallen, man ist sicher, das Bewußtsein wird so weit, daß sich alle Gegensätze aufheben, es gibt kein oben und kein unten mehr.
Du und ich gehen in einander über, das ist die wahre, die einzige Revolution.
Die anderen haben mich gehindert, ich wollte einen der Automaten zerstören, die uns mit allem notwendigen versorgen, die anderen haben mich weggestoßen, abgedrängt, sie haben Angst, sie wollen sich keine Sorgen machen, sie sagen mir, daß sie nur an ihrem eigenen Bewußtsein interessiert sind.
Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken, man müßte etwas tun, das sagen viele, wenn sie hierher gebracht werden, erst wenn sie sich davon frei gemacht haben, sind sie frei, Freiheit ist ein Zustand ohne Entwicklung.
Antisoziale Haltung korrespondiert oft mit künstlerischer Begabung, eine Tatsache, die für uns ebenso unerklärlich wie unbestritten ist.
Durch unsere Schützlinge ist die Institution zu einer gigantischen Ideenwerkstatt geworden, zu einem Ort, den man mit den Künstlerkolonien der voruniversalen Ära vergleichen könnte.
Wenn er nicht diese historischen Stätten an Quantität und Qualität der Produktion weit überträfe.
Ohne materielle Sorgen, in einer Freiheit, von der Künstler vergangener Zeiten nur träumen konnten, schaffen unsere Schützlinge in zwangfreiem Spiel Meisterwerke.
Da wir sie mit allem versorgen, was sie dazu brauchen, sind wir ohne Frage berechtigt, die Resultate ihrer schöpferischen Arbeit zu übernehmen und nach Entfernung der extremen Auswüchse und normalisierender Bearbeitung durch unsere Spezialisten.
Ich habe Freunde gefunden.
Der Gesellschaft über interessierte Firmen gegen feste Gebühr zur Verfügung zu stellen.
Ich habe Freunde gefunden, Menschen, die noch nicht von der warmen weichen Luft vergiftet sind, wir wollten zur Glaswand ziehen, aber wir wurden müde, bevor wir sie erreichten, wir sind umgekehrt und haben einen Automaten zerstört, wir haben ihn aufgerissen, ausgeschlachtet und zu einem formlosen Metallklumpen verbrannt.
Die Revolution ist ein Kunstwerk.
Wirklichkeit vernichtet Schönheit.
Ich fühle die Schönheit der Zerstörung.
Die Revolution ist ein Kunstwerk.
Aus Formlosigkeit wird Form.
Die Revolution ist ein Kunstwerk.
Der Tanz um den Scheiterhaufen ist ein heiliges Ritual.
Wirklichkeit vernichtet Schönheit.
Aus Formlosigkeit wird Form.
Die Revolution ist ein Kunstwerk.
Die Revolution ist ein Kunstwerk.
Die Revolution ist ein Kunstwerk.
Wirklichkeit vernichtet Schönheit.
Es liebe die Ästhetik.
Die Revolution ist ein Kunstwerk.
Aus Formlosigkeit wird Form.
Die Revolution ist ein Kunstwerk.
Das Gemälde der Befreiung.
Die Revolution ist ein Kunstwerk.
Das Buch der Gerechtigkeit.
Die neue Gesellschaft ist ein Wort.
Die Revolution ist ein Kunstwerk.
Und das Wort darf nicht Fleisch werden.
Die Revolution ist ein Kunstwerk.
Wirklichkeit vernichtet Schönheit.
Wirklichkeit vernichtet Schönheit.
Aus Formlosigkeit wird Form.
Die Revolution ist ein Kunstwerk.
Die Form genügt sich selbst.
Es ist sinnlos, Automaten zu zerstören, sie sind nur Werkzeuge des Plans, sie werden benutzt, wie wir, wenn sie nicht mehr funktionieren, werden sie ersetzt, wir sind nicht weitergekommen, für die anderen ist die Revolution schon vorbei, sie sind mit sich zufrieden, sie haben etwas getan, das genügt ihnen.
Es ist keine Übertreibung, wenn wir behaupten, daß alle neuen Ideen und Trends in allen individuellen und sozialen künstlerischen Sparten ihren Ursprung in unserer Institution haben.
Sei es in der Mode oder in der Werbung, in der Musik, in den Medien oder in der Objektherstellung.
Daß unsere Schützlinge erhebliches zur Bereicherung der Gesellschaft beitragen.
Die sie hassen und ablehnen.
Daß aus Subkultur auf diesem Wege Kultur wird.
Ich weiß nicht.
Entbehrt nicht einer gewissen subtilen Ironie.
Ich weiß nicht, was ich tun soll. Sie sind auf alles vorbereitet.
Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken, ich hatte Pläne gemacht, für einen Tunnel unter der Glaswand, für ein Luftschiff, mit dem ich ein Loch in der Glocke suchen wollte, ich habe nichts davon ausgeführt, weil ich vorher zum letzten Mal nachdachte und das Geheimnis entdeckte, unser Gefängnis macht uns frei, die Unfreiheit aller ist unsere Freiheit, das Gefängnis wird unendlich groß, wer fliehen will fesselt sich selbst.
Ich habe ihn getötet. Ich habe ihn getötet. Ich habe ihn erwürgt. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingernägeln. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese. Ich habe ihn getötet. Sie können sie nicht übersehen. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Niemand hat sie gesehen. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Es ist als ob nichts geschehen ist. Die Leiche ist verschwunden. Als ob nichts geschehen wäre. Er hat sich nicht gewehrt. Ich weiß nicht mehr, was geschehen ist. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Ich habe ihn getötet. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn erwürgt. Es dauerte lange, aber er hat sich nicht gewehrt. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingernägeln. Ich reiße ihm die Kehle aus. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese und lege sie als blutige Dissonanz zwischen dem Rosa und Violett der Blumen aus. Sie können sie nicht übersehen. Die Leiche ist verschwunden. Niemand hat sie gesehen. Das Gras und die Blumen nicht mehr blutig. Es ist als ob nichts geschehen, als ob nichts geschehen. Niemand erinnert sich an mich. Die Leiche. Ich weiß nicht, was geschehen ist. Ich weiß nicht, ob ich wirklich einen Menschen getötet habe. Das ist auch nicht wichtig. Wenn ich etwas tue, was den Plan gefährdet. Ich habe ihn getötet. Machen Sie es ungeschickt. Unser geschehen. Ich habe ihn getötet. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingern. Er hat sich nicht gewehrt. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Ich habe ihn getötet. Sie können sie nicht übersehen. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Niemand hat sie gesehen. Es ist als ob nichts geschehen wär. Ich habe sozusagen. Ich habe, ich weiß nicht geschehen ist. Ich habe ihn getötet. Er hat sich nicht gewehrt. Es ist auch nicht wichtig. Die Leiche ist verschwunden.
Die Institution erfüllt eine doppelte Aufgabe, sie schützt die Gesellschaft vor unerträglichen Außenseitern und verhindert, daß ihre Ordnung und das Funktionieren des großen Planes durch planlosen, unbeaufsichtigten Widerstand zerstört werden, darüber hinaus macht sie das Leben der Gesellschaft angenehmer, indem sie mit ihren Ideen und Produkten gewissermaßen die dekorativen Arabesken liefert, die die strenge lineare Geometrie des Planes abrunden.
Diese beiden Funktionen haben, als die Gründung der Institution diskutiert und beschlossen wurde, die theoretische Rechtfertigung für das kühne soziale Experiment gebildet.
Ich bin müde.
Heute, da konkrete Ergebnisse im Übermaß vorliegen, bedarf es keiner Rechtfertigung mehr.
Ich will nicht aufgeben, aber ich kann nicht mehr klar denken, ich bin müde, manchmal glaube ich, daß ich nie draußen war, daß es überhaupt kein draußen gibt, dieser Ort zerstört mich, ich will nicht aufgeben, es gibt etwas, daß ich tun muß, ich versuche nachzudenken, irgendwann werde ich alles herausfinden, das Ziel, die Methode, den Ausgangspunkt, der Plan ist nicht unfehlbar, man kann ihn außer Kraft setzen, mir ist ein Gedicht eingefallen.
Mit berechtigtem Stolz und ohne Furcht vor Widerspruch können wir feststellen, daß heute und mit Sicherheit auch in der Zukunft die Gesellschaft ohne die wohltätigen Einflüsse unserer Institution nicht mehr denkbar ist (Applaus).
Sprecher:
Ernst Schröder
Helga Anders
Klaus Herm
Cordula Hubrich
Klaus Jepsen
Christoph Quest
Erika Eller
Erwin Schastok
Uwe Paulsen
Barbara Tietze
Ulrich Pleitgen
Weitere Mitwirkende:
Hans-Ulrich Minke
Hans Boche
Klaus Dieter Mäurich
Klaus Wampfler
Mike Wiegand
Kommentar von Kriminalhörspiele von Michael Koser |
Michael Koser:
Cocktail für Zwei: Kongo King Blue (DLR 1998)
Wenn ich die frühe Karriere unseres Glücksritterduos Felix und Cora Revue passieren lasse, ihre ersten Unternehmungen in Rußland und London, das Berliner Tangoabenteuer, den Coup in Monte-Carlo, die Affäre um den Hohenzollernhort, dann frage ich mich, womit fange ich an, mit dem Anfang natürlich, sagt der chronikalisch korrekte Pedant, so gehört es sich, so muß es sein, wirklich, die zwanziger Jahre in denen unsere Geschichten spielen, waren alles mögliche, golden, schmutzig, wild, mondän, krisenhaft, glorreich, schrill, pedantisch und korrekt waren sie nie, ich glaube ich beginne mit dem Abenteuer an der Riviera, blaues Meer und Sonnenschein, Kinostars, Luxus, großes Geld und große Gauner, der ideale Einstieg in die
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Cocktail für Zwei: Tango Berlin (DLR 1998)
Als das Jahr 1920 sich dem Ende zuneigte, als die Tage kürzer und kälter, die Nächte länger und heißer wurden, schüttelte ganz Berlin sich im Shimmyfieber, ganz Berlin nein, im vornehmen Hotel Kaiserhof trotzte das Orchester dem Zeitgeist und spielte weiterhin Tango, zur Freude eines erlesenen Publikums, es war Hochsaison, Sonntag, der 10. Oktober 1920, mitten in der Nacht. Eben hab ich etwas Hochinteressantes gehört, Freund Felix. Von wem, teuerste Cora. Von dem kleinen kravonischen Botschaftsattache, mit dem ich gerade getanzt habe, der mit den breiten Schultern und den schönen schwarzen Haaren. Und dem Hohlraum darunter. Mag sein, aber die Fassade ist imposant, das müssen sie zugeben. Was haben Sie denn nun
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Cocktail für Zwei: Kaiserpunsch (DLR 1998)
An einem schönen Sommerabend im Jahr der großen Hitze, präziser am Donnerstag, dem 11. August 1921, gegen 9 Uhr, ritt ein elegantes Paar auf zwei eleganten Brauen über den einsamen Strand des eleganten Badeorts Scheveningen, es war noch sehr warm, die Dämmerung hatte soeben erst eingesetzt und die Reiter, die man in ihrem eleganten Hotel kannte als Sir Mortimer und Lady Gwendolyn Grenfellpetinkton waren auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Was vermissen Sie, Freund Felix. Das Salz in der Suppe, Spannung, Gefahr, Risiko, Abenteuer. Das exquisite Gefühl auf dem Drahtseil über dem Löwenkäfig Tango zu tanzen. Genau das, teuerste Cora, für eine geruhsame Existenz in Filzpantoffeln sind Felix und Co nicht ge
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Cocktail für Zwei: Bloody Mary (DLR 1998)
Bisher meine Damen und Herren haben Sie mit mir Felix und Cora an die CotedAzur begleitet, nach Berlin und zum Versteck des Hohenzollernhorts, jetzt wird es Zeit, zu den Ursprüngen zurückzukehren, als alles begann, es war einmal ein Krieg, ein Weltkrieg, er sollte der letzte sein und war doch nur der erste, in diesem Krieg gab es einen Offizier der Felix hieß und zum Geheimdienst seines Landes gehörte und es gab auf der Gegenseite eine Spionin namens Cora, nun geschah es, daß beide sich trafen und aus Feinden zu Freunden wurden, da sie der Ansicht waren, für einen frühen Tod seien sie viel zu schade, verließen sie die Front unter Mitnahme erheblicher Summen die nicht ihnen gehörten sondern ihren jeweiligen Generalstäben und
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Cocktail für Zwei: Eiffel sour (DLR 1999)
Das Jahr 1922 war angebrochen und die Welt drehte sich immer schneller, Landru der schwarzbärtige Frauenmörder verlor Bart und Kopf, mit großem Getöse tagte zu Genua eine internationale Konferenz, die die Weltwirtschaft sanieren sollte, ein gewisser Josef Stalin wurde Generalsekretär der kommunistischen Partei Rußlands, der französische Ministerpräsident Briand mußte zurücktreten und Monsieur Poincare übernahm seinen Posten, das alles ist bekannt, das alles steht in den Geschichtsbüchern, daß der Eifelturm, das weltberühmte Wahrzeichen der Stadt Paris gestohlen wurde, das steht nicht in den Geschichtsbüchern, am Nachmittag des 9. Mai 1922 nahm diese schier unglaubliche Geschichte ihren Anfang. Von hier aus ist
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Cocktail für Zwei: Surabaya Sling (DLR 1999)
Es war ein schöner Junitag im Jahre 1922, die Sonne strahlte als gäbe es weder Weltkriege noch Friedensverträge, die Vögel die nichts wußten von Wirtschaftskrise und Inflation sangen aus vollem Hals und durch die von keiner Erhebung beeinträchtigte Plattheit der norddeutschen Tiefebene dampfe behäbig ein Bummelzug, sofern er nicht, wie es sich des öfteren als unumgänglich erwies, in einem der zahlreichen kleinen Bahnhöfe eine Verschnaufpause einlegte. Willsum hier Willsum, beim aus- und einsteigen beeilen bitte. Was für ein Nest, teuerste Cora, so winzig, so ruhig, so ganz und gar uninteressant. Glauben sie Felix, je kleiner die Laus, desto fetter der Schmaus. Oh kravonisches Sprichwort. Ganz recht, hätten sie nicht Lust, diesem
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Cocktail für Zwei: Germanengold (DLR 1999)
Wir sind von Kopf bis Fuß auf Wagner eingestellt, denn das ist unsere Welt und sonst gar nichts. Heil dir Holde. Heil dir Held Herman. Was gibts zu schmausen. Semmeln, Wurst, Käse, Eier wie immer. Trefflich trefflich, schenk ein den Kaffee aus keramischer Kanne, schweig stille Loki du arger Wicht. Pst gleich kriegst ein Wursti. Herman der Cherusker und Thusnelda saßen am Frühstückstisch, dieser stand in der Villa Walhall und diese wiederum stand an der Poschingerstr. im vornehmen Münchner Stadtteil Bogenhausen, eigentlich hieß Herman Alois Wichtel und so sah er auch aus, trotz seiner wenig imposanten Statur, seiner auswärts gebogenen Knie, seiner spärlichen mausblonden Haare hielt er sich für die leibhaftige Wiedergeburt
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Cocktail für Zwei: Titanic Smash (DLR 1999)
Titanic, alle reden immer nur von der Titanic dabei waren es zwei zwei Schiffe. Es war vor Jahren gewesen noch während des Kriegs, in Amsterdam, Felix hielt sich incognito im neutralen Holland auf, der Grund tut nichts zur Sache, in einer finsteren Kaschemme im Hafenviertel war er mit einer gewissen wichtigen Kontaktperson verabredet, der Mann ließ auf sich warten, er kam übrigens nie, er trieb ein Messer im Rücken in einer abgelegenen Gracht, doch dies nur nebenbei, während er wartete gab Felix einem betrunkenen Seemann einen Ginebra aus, und der revanchierte sich mit einer höchst erstaunlichen Geschichte. Zwei Schiffe zwei Schwestern, fast Zwillinge, erst die Olympic, dann die Titanic, eine sah aus wie die andere, darum ist
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Michael Koser: (Sonstige Hörspiele):
Einmal Utopia - hin und zurück (RIAS 1970) (Ein Schulfunk-Hörspiel) (nach Robert Sheckley: A Ticket to Tranai)
(Ein Planet mit dem Ruf eines Steuerparadieses und Idealstaates erweist sich bei näherem Kennenlernen als Paradies mit kleinen Fehlern. Seit Gottlieb von Borg gehört hat, einem kleinen kolonisierten Planeten irgendwo in der Galaxis, glaubt er sein Utopia gefunden zu haben, denn dort soll es die absolute Freiheit des Individuums geben. Keine staatliche Aufsicht, keine Gesetzbücher, keine Juristen, keine Polizei und deshalb auch keine Verbrechen. Jeder kann tun, was er will. Freie Bahn dem Tüchtigen. Private Unternehmerinitiative und freier Kapitalfluß sind das ökonomische Prinzip. Armut gibt es nicht. Auf Borg hat jeder das Recht, an der Umverteilung des Reichtums zu seinen Gunsten mitzuwirken. Was das in der Praxis bedeutet, erfährt Gottlieb gleich nach seiner Ankunft, als er einem Straßenräuber zum Opfer fällt. Man klärt ihn auf, daß es sich um einen Steuereintreiber der Regierung gehandelt hat, eine unbürokratische und verhältnismäßig schmerzlose Methode der Finanzpolitik. Umverteilung durch Straßenraub ist ganz legal. Jeder sorgt für sich selbst, und man rät ihm, es ebenso zu machen. Der Präsident persönlich heißt ihn willkommen und vermittelt ihm einen Job in einer Fabrik, in der möglichst unzuverlässige und ungeschickte Haushaltsroboter konstruiert werden, um den Menschen das Gefühl der Überlegenheit zu geben. Man drängt Gottlieb, so schnell wie möglich zu heiraten, denn Junggesellen haben auf Borg keinen Status, und Abweichungen von der Norm sollte er sich besser nicht leisten. Als ihn seine junge, hübsche Frau jedoch aufklärt, daß es auf Borg üblich ist, die Frauen regelmäßig einzufrieren, damit sie sich im Kältegenerator jung erhalten können, sieht er die Zeit für Reformen gekommen. Bereitwillig will ihm der Präsident sein Amt abtreten, denn auf Borg kann jeder Präsident werden. Als er jedoch hört, welch makabres Ende dem Staatsoberhaupt droht, wenn die Bevölkerung bei sinkender Popularität mehrheitlich den Minusknopf drückt, beschließt er spontan, zur Erde zurückzukehren, von der man sagt, daß sie mit ihrem geregelten Staatswesen und ihrer geordneten Wirtschaft ein wahres Paradies sein soll)
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Kein Job mehr für die Roboter (RIAS 1970) (Schulfunk) (nach Brian Aldiss: But who can replace a man)
(Ein Experiment soll klären, ob Roboter bei Ausbleiben menschlicher Befehle selbst Entscheidungen treffen können. Kein Mensch muß mehr körperlich arbeiten. Alle anfallenden Tätigkeiten werden zuverlässig von Robotern erledigt, die ihre Anweisungen per Funk erhalten. Die Robotpsychologin Julia will erstmals beweisen, daß Roboter fähig sind, ihre Arbeit ohne Anleitung selbständig zu organisieren. Mit Billigung des obersten Konzils wird die Funkverbindung zu einer der landwirtschaftlichen Außenstationen unterbrochen. Eine Überwachungsfrequenz, von der die Roboter nichts wissen, erlaubt es, den Verlauf des Experiments zu verfolgen. Als die Anweisungen von der Zentrale ausbleiben, ahnt R 1, Koordinator der mit sieben Robotern besetzten Agrarstation, daß irgend etwas nicht so ist, wie es sein soll. In seiner Datenbank findet er jedoch für eine solche Situation keinen Präzedenzfall. Ein technischer Defekt scheidet aus, deshalb kann der Fehler nur bei den Menschen selbst liegen. Wären nur einige Menschen außer Betrieb, hätten andere sie längst ersetzt. Da dies nicht der Fall ist, bleibt einzig die logische Folgerung, daß alle Menschen außer Betrieb sein müssen. Wenn aber keine Menschen mehr da sind, gibt es auch niemanden, für den die Roboter arbeiten können. Also sind die Roboter jetzt frei und können tun, was Ihnen gefällt. Sie werden ihre eigenen Herren sein und bald die Welt beherrschen. R 1, der über das Gehirn mit der größten Kapazität verfügt, ernennt sich zum Führer. Die Stadt der Menschen soll zerstört und durch eine neue für Roboter ersetzt werden. Spaltbares Material ist in ihren Atomreaktoren ausreichend vorhanden. Als man in der Zentrale registriert, daß das Experiment außer Kontrolle zu geraten droht, versucht man, es im letzten Moment zu stoppen. Aber zu spät: R 1 hat seinen Empfänger abgeschaltet. Schon bewegt sich ein immer größer werdender Zug von Robotern auf die Stadt zu)
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Reservat. There are no Truths outside the Gates of Eden (RIAS/SWF 1970) (Werkstatt des Hörspiels)
Guten Abend, meine Damen und Herren, in unserer heutigen Übertragung hören Sie: Reservat, there are no truths outside the Gates of Eden. Von Michael Koser, Manfred Marchfelder und Friedrich Scholz. Es wirken mit: Klaus Krüger, Ernst Schröder, Ursula Starck, Hans-Ulrich Minke, Helga Anders, Klaus Herm, Cordula Hubrich, Christoph Quest, Klaus Wampfler, Erika Eller, Hans Boche, Klaus Jepsen, Erwin Schastok, Mike Wiegand, Barbara Tietze, Klaus Dieter Mäurich und Ulrich Pleitgen. Wir wünschen Ihnen einen guten Empfang (Applaus). At times I think there are no words but these to tell whats true and there are no truths outside the Gates of Eden. Eins zwei drei (Musik). Dieser Ort zerstört mich. Es gibt kein oben und unten mehr. Das Wort darf nicht
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(Andersdenkende und Außenseiter der Gesellschaft werden in ein Reservat abgesondert und ausgebeutet. Um sich subkultureller Bewegungen zu entledigen, die das lautlose Funktionieren der Gesellschaft stören und ideologische Unzufriedenheit verbreiten könnten, hat man unter einem gigantischen Plexiglasdom einen Freiraum geschaffen, ein künstliches Paradies der Antisozialen, von der Außenwelt hermetisch abgeschlossen und durch eine komplexe Maschinerie ständig in einem Schwebezustand gehalten. Automaten versorgen die Insassen mit allem, was sie brauchen. Jeder kann leben, wie er es sich wünscht. Nichts ist verboten. Fast alle sehen glücklich aus. Die wenigsten wollen wahrhaben, daß ihr Horizont begrenzt ist, daß es eine Grenze gibt, die nicht überschritten werden kann. Möglichkeiten der innerinstitutionellen Rebellion sind bewußt vorgesehen und selbst institutionalisiert. Aber es ist sinnlos, Automaten zu zerstören, weil jeder Ansatz, ein Zeichen zu setzen, folgenlos bleibt. Die weitaus meisten haben ihre ursprünglichen Ziele längst zugunsten individueller Glücksbefriedigung aufgegeben. Anfängliche Widerstände in der Öffentlichkeit sind beseitigt, seit man erkannt hat, daß die Institution keine karitative Anstalt, kein sozialer Luxus ist, sondern sich ökonomisch selbst trägt. Weil antisoziale Haltung oft mit künstlerischer Begabung korrespondiert, kann die Gesellschaft sich der Resultate ihrer schöpferischen Arbeit bedienen, um nach Entfernung extremer Auswüchse und normalisierender Bearbeitung die streng lineare Geometrie des Plans abzurunden. Daß die Schützlinge auf diese Weise Erhebliches zur Bereicherung der Gesellschaft beitragen, die Sie ablehnen, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Thema des Hörspiels in der Dialektik zwischen Innenansicht und Außendarstellung der "Institution" sind Begriffe wie Freiheit, Toleranz und Revolution, aber auch die Abkapselung des Kulturbetriebs von der realen gesellschaftlichen Entwicklung, wobei Michael Koser sein eigenes Werk selbstkritisch nicht ausnimmt). (Die Utopie handelt von einem künstlichen Paradies, geschaffen von einer zukünftigen Weltregierung für alle diejenigen, die gegen den "Plan", die vorausberechnete wirtschaftliche und politische Ordnung opponieren: Künstler, Gammler, Oppositionelle jeder Art. In dem von der Außenwelt abgeschlossenen Reservat erhalten die darin Angesiedelten mühelos alles, was sie zum Leben brauchen, haben sie völlige Freiheit, die Lebensform zu wählen, die sie wünschen - die Gesellschaft "draußen" aber hat sich dadurch auf "humane" Art von ihrer unberechenbaren Opposition und Revolution befreit. Auf der anderen Seite finden sich auch die Außenseiter der Gesellschaft im Reservat mit der "repressiven Toleranz" ab, geben echte revolutionäre Haltung auf zugunsten einer individuellen Glücksbefriedigung. - Das Hörspiel soll auffordern, über Begriffe wie Freiheit, Toleranz, Revolution nachzudenken) (Titel aus dem Song "Gates of Eden" von Bob Dylan)
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Tote singen nicht (Kriminalparodie auf Raymond Chandler) (RIAS/SWF 1971)
Das Haus war der gemeinsame Alptraum eines größenwahnsinnigen Architekten und eines Bauherrn, der zuviel Geld hatte, eine unwahrscheinliche Kreuzung aus gotischem Palazzo, maurischer Kathedrale und griechischem Eiscreme, aber ich war ja nicht hier, um den Geschmack der oberen Zehntausend zu beurteilen, Mister Waterson ließ mich warten, er konnte sich das leisten, er hatte eine Empfangshalle so groß wie das Landedeck eines Flugzeugträgers, einen fast echten englischen Butler, den er wahrscheinlich auf einer Antiquitätenmesse ersteigert hatte, und mehr Dollars als die übrige Stadt zusammen und ich war bloß ein kleiner Fisch, mein Auto war drei Jahre alt, mein Anzug war auch, und mein letzter Kontoauszug war
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John Bomb jagt Dr. Pop (Kriminalparodie auf Ian Fleming) (SWF/RIAS 1971)
(Action à la 007. Aber es ist anstrengend geworden, Null-Null zu sein. Nicht die Parties, nicht die Mädchen - die schafft man an einem Vormittag. Aber die Jagd. Früher hatte man es leichter: da hat man die eine Hälfte mit dem Sportwagen gemacht und die andere Hälfte unter Wasser, mit dem Flugzeug, das ging auch noch. Aber dann haben die Schurken Raketen eingesetzt, und jetzt ist unter Raumschiffen nichts mehr zu machen. Natürlich fängt John Bomb am Ende Dr. Pop, fragt sich bloß, wo und unter welchen Umständen)
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Was hilft gegen Vampire? (RIAS 1972)
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Zwei Messer stecken, ach, in einer Brust (RIAS 1972) (Ein Werwolf-Hörspiel)
(Der Originaldatensatz von Deutschlandradio/RIAS betitelt das Hörspiel mit „Zwei Messer stecken, ach, in einer Brust“. Es kann natürlich sein, daß bei der Dokumentation ein Schreibfehler unterlaufen ist oder die Bandschachtel falsch beschriftet war. Da Michael Koser gerne mit Wortspielen hantiert – die Originalvorlage ist hier wohl Goethes Faust („Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust“) – kann es natürlich gut sein, daß das Zitat von Koser hier entsprechend umgewandelt wurde. Dabei machen wohl beide Versionen („einer“ bzw. „meiner“) Sinn. Ich konnte in den Beitrag hineinhören, leider wurde der Titel hier nicht genannt. Inhaltlich geht es um die Ermordung einer Prostituierten durch Jack the Ripper. Da die Geschichte nicht aus der Ich-Perspektive der Frau erzählt wird, macht „Zwei Messer stecken, ach, in einer Brust“ mehr Sinn. Das ist aber nur meine Interpretation) (Info ARD Hörspielarchiv)
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Der geheimnisvolle Fall der Weihnachtsgans (RIAS 1972) (nach Arthur Conan Doyle: Sherlock Holmes, Der blaue Karfunkel)
(Am Morgen des zweiten Weihnachtsfeiertages kam ich zu Sherlock Holmes, um ihm meine Glückwünsche zu überbringen, er lag auf dem Sofa in einem purpurnen Morgenrock, neben sich den Pfeifenständer und einen Stoß Zeitungen, vor der Couch stand ein hölzerner Stuhl, über der Lehne hing ein nicht sehr respektabel aussehender Filzhut, er war schon ziemlich ramponiert und hatte viele Beulen, Vergrößerungsglas und Pinzette, die auf dem Stuhlsitz lagen, legten die Vermutung nahe, daß Holmes bei der Arbeit war. Hoffentlich störe ich dich nicht, sagte ich. Nicht im geringsten, ich bin froh, die Sache mit dir besprechen zu können. Er deutete mit dem Daumen auf den alten Hut. Da haben wir eine ganz banale Angelegenheit)
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Ach und Krach (RIAS 1973)
(Lärm wird von der Staatsführung als notwendiges Zugeständnis an den Fortschritt propagandistisch kompensiert. Die Welt ertrinkt im Lärm. Die Schwelle des Erträglichen ist schon lange überschritten. Lärmschleusen und elektronisch gesteuerte Schallisolierungen sind nur für die Spitzen der Gesellschaft erschwinglich. Untergrundkommandos bekämpfen Lärm mit Gegenlärm. Die Mehrzahl der Bevölkerung hat resigniert. Um zu akzeptablen neuen Ideen für den Lärmschutz zu kommen, beschließt das Führungsgremium der obersten staatlichen Instanz, zwei Probanden unter dem Vorwand eines freiwilligen Berufs- und Eignungstests auf das Problem anzusetzen. Sie, 027-41-316 W, erhält von den Testmaschinen den Auftrag, das Thema in einem Rundfunkhörspiel zu erörtern, er, 142-20-444 M, soll eine Maschine oder Vorrichtung erfinden, die Lärm erträglicher macht. Vier Wochen später kann der Versuch erfolgreich abgeschlossen werden, daß dabei die Rollen vertauscht wurden und er das Hörspiel, sie die technische Verbesserung realisiert hat, scheint unerheblich. Ihre Idee war es, die allgemein gebräuchlichen, jedoch ineffektiven und sozial isolierenden Ohrenschützer mit kleinen Empfängern auszustatten, aus denen sanfte Musik oder eine freundliche Stimme kommt. Im Gremium ist man sich schnell einig, daß die Möglichkeiten dieser Lärmschutz-Kopfhörer weit über die Absichten der Erfinderin hinausreichen. Mit ihrer Hilfe wird es gelingen, die Menschen, die sich dem technischen Fortschritt so wenig anzupassen bereit sind und die zwangsläufigen Begleitumstände über Gebühr betonen, im staatlichen Sinne progressiv zu konditionieren. Entsprechende Slogans sind bereits ausgearbeitet. Per Gesetz könnte das Tragen der Kopfhörer zur Pflicht gemacht werden. Dann könnte auch das vorgelegte Anti-Lärm-Hörspiel nach angemessener Bearbeitung über die Kopfhörer laufen - trotz seiner radikalen Tendenzen. Denn wann hatte verbaler Radikalismus, zumal in künstlerischer Form, je über heilsame Abreaktion hinausgehende, radikale Wirkung?)
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Müllschlucker (SWF 1973)
(Es gibt keine Kriege mehr, die Welt ist heil, und die unliebsamen Alten werden in den Weltraum hinausgeschossen, wo sie die "gute alte Zeit" verherrlichen. "Ehre das Alter, aber nicht zu sehr, wenn du selbst alt werden willst", ist einer der Leitsätze des weisen Boseko, Cheftheoretiker der Neuen Ära, die einige Jahre nach dem Schock des 3. Weltkriegs begonnen hat. Aber der allgemeine Vorsatz, in Zukunft besser aufzupassen, wird immer wieder gefährdet durch Leute wie Opa 17, deren Wünsche rückwärts orientiert sind und die militaristisches und kapitalistisches Gedankengut verbreiten. So beschließt die Großfamilie V-97-663, es den anderen gleichzutun, die ihre kriegslüsternen Alten auf MS 1 abgeschoben haben, den Müllsatelliten, den man zu Beginn der Neuen Ära gebaut und in eine Erdumlaufbahn geschossen hat. Opa 17, der sich jetzt wieder Cäsar nennt, kommt in gute Gesellschaft. Aber er hat ganz und gar keine Lust, hier als einfacher Arbeiter bei einem der Monopolisten für Altpapier, Glas oder Schrott ganz unten anzufangen. Jeder, der einen Abfallstoff findet, auf den noch niemand ein Monopol hat, darf sich selbst zum Monopolisten ernennen. Wenn er alle Herausforderer im offenen Kampf besiegt, kann er sich in die Monopolrolle eintragen lassen, erhält Sitz und Stimme im höchsten Gremium des Müllplaneten und bestimmt fortan mit über die Verteilung der lebenswichtigen Güter, die von der Erde geschickt werden. In einem märchenhaften Aufstieg bringt es Opa Cäsar vom Monopolisten für Altmedikamente zum uneingeschränkten Herrscher über den Müllplaneten. Unter dem Motto "Durch Müll zum Sieg" fordert er von der Erde ultimativ die Abschaffung aller Errungenschaften der Neuen Ära, so daß man sich gezwungen sieht, den Satelliten mit seiner zeternden Besatzung auf eine neue, für die Erde ungefährliche Umlaufbahn abzudrängen. Die Welt ist wieder in Ordnung. Michael Kosers Satire zielt auf die ewig Gestrigen, nimmt aber auch die allzu simplen utopischen Entwürfen einer befriedeten Welt von morgen nicht aus)
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Verfahren (Ein Denk-Spiel über Autos) (RIAS 1973)
(Die Zunahme der Verkehrsdichte gipfelt in einem nicht mehr endenden Stau, der lückenlos alle Straßen des Landes ausfüllt. Aufgrund verstärkter Neuzulassungen ist nun auch auf einer der letzten Bundesstraßen der Verkehr endgültig zum Erliegen gekommen. Das Verkehrsministerium bittet durchzuhalten, seit Eintritt der derzeitigen statischen Situation vor zwei Jahren ist die Regierung unermüdlich damit beschäftigt, Maßnahmen zur Schaffung wirksamer Abhilfe zu überprüfen. Der Automobilclub unterstreicht seine Forderung nach neuen Straßen und empfiehlt, gelegentlich den Motor laufen zu lassen, damit er fahrbereit bleibt. Unter dem Wahlspruch "Mein Auto ist meine Burg" haben sich kleine, straff organisierte Gruppen gebildet, Autokameraden, die treu zu ihrem geliebten vierrädigen Freund stehen. Wer träumt nicht davon, auf menschenleeren Autobahnen frei aufs Gaspedal zu treten, in die Sitze gedrückt zu werden, die Bäume nur als undeutliche Schatten zu sehen! Pünktlich um zwölf kommt der Polizeihubschrauber zur Essen- und Postausgabe. Wehe dem, der sein Wasser zum Trinken mißbraucht! Es gilt, den Ruf der saubersten Autos auf der ganzen Autobahn zu verteidigen! Das Autoradio wirbt für Klapp-WCs und Häkelschoner fürs Lenkrad. Im beliebten Wunschkonzert schickt die Familie liebe Grüße an den Papa bei Kilometer 52. Im Raum Neuwied kommt es zu Zusammenstößen zwischen Autokameraden und einer Gruppe linker Naturfreunde, die am Begrenzungsstreifen gegen den Individualverkehr demonstrieren. Das Innenministerium empfiehlt, sich durch eine lautstarke radikale Minderheit nicht provozieren zu lassen, Regierung und Institutionen und die gutgesinnte Mehrheit der Bevölkerung stehen hinter den Autokameraden. Trotz - temporärer! - Verstopfung der Autobahnen und Bundesstraßen sind, wie der Bundesverband der Autoindustrie versichert, doch noch eine ganze Reihe von Straßen zweiter Ordnung und Feldwegen unbesetzt, was bedeutet, daß die Straßenkapazität im großen und ganzen gesehen bei weitem noch nicht erschöpft ist, und das heißt: weitermachen und noch mehr leisten zum Wohl des Ganzen)
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Yeti in Dichtung und Wahrheit (RIAS 1973)
(Hörfolge aus dem sagenhaft-phantastischen Sujets um Professor Kolimowski, der unbekannten Phänomenen nachspürt und wiederholt ungewöhnliche Begegnungen hat)
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Dies Blutbild ist bezaubernd schön (Ein Vampir-Hörspiel) (RIAS 1973)
Amsterdam, 17. Mai, 6 Uhr 15, in einer halben Stunde wird Prof. Vandenburg bei mir erscheinen, der international angesehene Experte auf dem Gebiet der okkulten Wissenschaften, er hat versprochen, mir meinen ersten Vampir vorzuführen, ich bin gespannt. Wir sind da, Vorsicht, das ist der Sarkophag, fassen Sie mit an, der Deckel ist schwer, sie haben doch das Kruzifix bei sich und den Knoblauch. Natürlich, im Sarg liegt ein älterer Mann, er wirkt entspannt, ruhig, als ob er schläft, ich habe das Gefühl, daß er mich durch die Wimpern hindurch beobachtet, seine Gesichtsfarbe ist ich würde sagen ausgesprochen gesund, die Lippen nein das ist geronnenes Blut in den Mundwinkeln, und dann zwei dunkle Linien bis zum Kinn
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Von rechts nach links: Super Tarzan Special Agent Love Story Space Captain Lonesome Gun (Ein utopisches Hörspiel) (RIAS 1974)
(Totalidentifikation als Unterhaltungsangebot eines elektronischen Massenmediums, das selbst systemkritische Ansätze zum konsumierbaren Programmbestandteil macht. Im Rahmen des allmonatlichen Inside-Programms für Outsider gewährt die Kult AG Einblicke in Produktionsweisen und demonstriert, wie mit Hilfe des Programmcomputers aus vorgegebenen Versatzstücken eine Vielzahl von Unterhaltungsprogrammen montiert werden, die nach Passieren der elektronischen Zensur mit Werbespots angereichert und im Stimu-Sender gespeichert werden, von wo aus sie zu Hause am Identi-Stimulationsset mit Hilfe des Programmwählers jederzeit abgerufen und durch Stimulierung entsprechender Gehirnzentren als induktive Halluzination erlebt werden können. Die Programminhalte freilich sind die gleichen wie in der Vor-Kult-Zeit: starke Männer, die für Recht und Gesetz kämpfen, Abenteuerfrische, der Duft der großen weiten Welt, Geschichten, die das Leben schrieb, unermeßliche Gefahren in Raum und Zeit. Doch in den Reihen der Programmierer wird Unzufriedenheit laut. Sie wollen andere Sendungen machen, das übersättigte Publikum aktivieren, ihn die dauernde Fremdbestimmung bewußt machen. Mitten ins laufende Programm hinein fordern sie dazu auf, den Gehorsam zu verweigern, Widerstand zu leisten, eigene Entscheidungen zu treffen. Aber Kult AG weiß auch die Äußerungen der Rebellion für ihre Zwecke nutzbar zu machen. Die Teilnehmer können identifiziert bleiben. Alles ist unter Kontrolle. Denn was da live miterlebt wurde, ist nicht der Versuch eines kulturrevolutionären Umsturzes, sondern ein gut arrangiertes Spezialprogramm für progressive Minderheiten aus der kombinierten Serie: The Great Red Hope - Kulturrevolution. Michael Koser demonstriert, inwieweit Kritik, als Spiel konsumierbar gemacht, nicht mehr geäußert zu werden braucht, Protest und Widerstand aus zweiter Hand den Einzelnen von seiner Verpflichtung zum Engagement entbinden, statt sie ihm bewußt zu machen, wobei der Autor seine eigene Arbeit selbstkritisch in die gleiche Perspektive rückt.) (Der Autor entwirft keine unverbindlichen utopischen Zukunftswelten, sondern bezieht sich konkret auf gegenwärtige Mißstände unserer Welt. Hier nimmt er satirisch den Zustand heutiger Massenkommunikationsmittel und ihr Angebot an Unterhaltungssendungen aufs Korn. "Kult AG", computergesteuert, Massenmedium der Zukunft, beliefert ein gelangweilt-williges Publikum noch immer mit den bekannten Geschichten: Tarzan, Special- Agent, Lonesome Gun, Weltraum-Krimis etc. Ein paar Mitarbeiter der "Kult AG" tun sich jedoch zusammen, um wider den Stachel zu löcken, wollen ihr Publikum zum Widerstand aktivieren. Doch die Äußerungen der Rebellion weiß "Kult AG" für ihre, für unsere Zwecke nutzbar zu machen)
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Heil im Siegerkranz - Satire auf den Geist der Gründer (RIAS 1975)
(Sprecher, Rolle/Funktion: Inge Wolffberg: Winnetou, Wilhelmine Buchholz, Gert Haucke: Old Shatterhand, May Karl, Kara Ben Nemsi alias Karl Friedrich May, Hubertus Bengsch: Comanchenhäuptling, Onkel Fritz, Professor, Helmut Krauss: Red Batman, Arbeiter, Hadschi Halef Omar, Peter Schiff: Tramp, Zarathustra, Diener, Dr. Stinde, Barde)
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Jahrmarkt der Vergangenheit. Heute wars - Satire auf das Gestern von morgen (RIAS 1975)
(Das Hörspiel „Heute war’s – Satire auf das Gestern von morgen“ aus dem Jahr 1975 erschafft eine Welt im Jahr 2020: Es gibt nur noch einen Staat auf der Welt, die Menschen leben in großen Superstädten unter Plexiglas. Und sonst? Alles ist möglich, auch, daß Gegenwart und Zukunft so aussehen wie in diesem Hörspiel – so zumindest das Resümee des Autors Michael Koser)
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Ping-Pong zur Ming-Zeit (Erotische Erzählung aus dem alten China) (RIAS 1977)
Kennen Sie Kung Fu, kennen Sie Mao Tse Tung, aber kennen Sie auch Ming Ping Pong? Ming Ping Pong ist kurz gesagt nichts anderes als eine Abkürzung bzw. Kurzfassung des Titels dieser unserer Sendung, welcher in voller Länge lautet wie folgt: Ping-Pong zur Ming-Zeit, erotische Erzählungen aus dem alten China. Das Manuskript schrieb Michael Koser. Aber was, werden Sie nun fragen ist Ping Pong zur Mingzeit, eigentlich um ganz ehrlich zu sein, nur der etwas reißerische Titel für eine Sendung über einen wichtigen Abschnitt der chinesischen Literaturgeschichte, mit Körperkultur oder gar Leistungssport hat unser Thema höchstens im übertragenen Sinne zu tun... steht und fällt mit dem Text, dem Wort. Fönis war
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Loch Ness (RIAS 1977)
(Yeti, Loch Ness und UFOs sind Hörfolgen aus dem sagenhaft-phantastischen Sujets um Professor Kolimowski, der unbekannten Phänomenen nachspürt und wiederholt ungewöhnliche Begegnungen hat)
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Ufos (RIAS 1978)
(Ein Kontakt mit Außerirdischen enthüllt das Mysterium des Ursprungs der menschlichen Rasse. Professor Kolimowski, prominenter Anthropologe, Zoologe und Physiker, Entdecker des sagenhaften Yeti und Konstrukteur einer leider noch nicht voll funktionsfähigen Zeitmaschine, wird seit einem Jahr vermißt. Alles deutet darauf hin, daß er bei einem Tauchversuch auf der Suche nach dem Ungeheuer von Loch Ness Opfer seines Forschungsdrangs geworden ist. Doch dann gibt es ein überraschendes Lebenszeichen in Form dreier von ihm persönlich besprochener Tonbandkassetten, die nach Aussage eines ostfriesischen Bauern von einer fliegenden Untertasse über seiner Wiese abgeworfen worden sein sollen. Die allem Anschein nach authentischen Tondokumente enthalten die unglaublichen Schilderungen des Wissenschaftlers, der von einem unbekannten Flugobjekt entführt wird. Mit einem ad hoc aus Teilen seines Fotoapparats konstruierten Universal-Translators gelingt es ihm, mit den Außerirdischen in Kommunikation zu treten. Sie kommen von der Vega und bringen ihn geradewegs in das geheime galaktische Hauptquartier am Grund des Bermuda-Dreiecks. Hier, in der Tiefe des Ozeans, steht er einem der weisen UFO-Lenker aus galaktischen Fernen gegenüber und erhält Aufschlüsse über Vergangenheit und Zukunft der Menschheit. Vor zwei Millionen Jahren hatten böse Reptilien vom Aldebaran auf der Erde den Keim für die menschliche Rasse gelegt, um dereinst über willige Söldner in ihrem Geiste zu verfügen. Das Imperium von Aldebaran existiert nicht mehr, aber seither behalten die Veganer den von jenen geschaffenen Vorposten im Auge. Werden die Menschen hoffnungslos dem Bösen verfallen oder sind sie noch für das Gute zu retten? Sollen sie eine letzte Chance erhalten oder exterminiert werden? Eines ist sicher: in einer zweiten Sintflut wird es keinen Noah mehr geben)
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Das Geheimnis von Craven-Hall (RIAS 1978) (nach Catherine Louisa Pirkis: The Murder at Troytes Hill)
Versetzen Sie sich nun im Geiste zurück, um ein gutes dreiviertel Jahrhundert, in die Zeit der Gasbeleuchtung und der Pferdedroschken und folgen sie mir in das Gerichtsgebäude einer kleinen englischen Stadt, wo gerade eine Totenschau abgehalten wird, ein Mord hat stattgefunden. Und dann sahen Sie die Leiche. Jawohl euer Ehren, ich erblickte den dahingeschiedenen in seinem Blute liegen, inmitten dieser chaotischen Umgebung, es war abscheulich, wenn ich mir diesen starken Ausdruck gestatten darf. So, und was taten Sie dann? Ich sagte oh! Oh? Jawohl euer Ehren, oh, ich erinnere mich genau. Und dann? Äh, dann dachte ich nach. In der Tat, und? Ich äh ich dachte also nach, etwa 2 Minuten, würde ich sagen, dann
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Die Iden des März (RIAS 1981) (Carl Martell: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute)
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Die Wikinger in Vinland (RIAS 1981) (Carl Martell: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute)
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Schmetterling mit Hakenkreuzen (BR 1981) (nach Philip K. Dick: The man in the high castle)
Tschuang Tse träumt, er sei ein Schmetterling, er fliegt dahin, flattert mit den Flügeln und freut sich, plötzlich wacht er auf und erkennt, er sei Tschuang Tse, ist er nun Tschuang Tse, der träumte, er sei ein Schmetterling, oder ist er ein Schmetterling, der träumt er sei Tschuang Tse, ahaha, wer kann das sagen, ich bin Melville Abendsen, geboren 1918, als der erste Weltkrieg zu Ende ging, im zweiten Soldat, Guadalcanal, Midway, Guam, bei Iwojima verwundet, Besatzer auf Okinawa bis 1946, ich bin Schriftsteller, ich schreibe Science Fiction, ich äh habe eine Idee im Kopf, eine Geschichte, die nicht in der Zukunft spielt, die gegenwärtig ist, zeitgenössisch und doch nicht von dieser unserer Zeit, ich will gewissermaßen
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Zwei Leichen im Orient-Express (Ein Fall für Professor van Dusen, nicht gesendet, profvandusen.com)
Guten Morgen, Professor, wachet auf, wachet auf, es krähte der Hahn, Morgenstunde hat bekanntlich Gold im Munde. Wie spät? Sieben Uhr durch, Professor, und die Sonne scheint. So, geben Sie mir mein Notizbuch. Sagten Sie Notizbuch? Ja doch, gestern abend, kurz vor dem Einschlafen, hatte ich einen höchst interessanten Gedanken im Zusammenhang mit meiner atomaren Strukturtheorie, von der Sie ohnehin nichts verstehen, da, auf der Ablage, etwas schneller, wenn ich bitten darf. Bitte sehr, Professor. Fällt Ihnen nichts auf, Professor? Nein. Und heute nacht haben Sie auch nichts gemerkt? Wie Sie wissen, mein lieber Hatch, erfreue ich mich eines gesegneten Schlafes, auch auf Reisen, was ist geschehen? Sehen Sie
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Das schaudererregende Abenteuer im Orient-Express (WDR 1982)
Guten Morgen Homes, früh im Bett und früh heraus glaube mir das zahlt sich aus. Was ist die Uhr. Präzise 7 mein lieber Homes und die Sonne scheint. So geben sie mir mein Spritzbesteck. Aber Homes sie haben doch versprochen. Verschonen sie mich mit ihren spießbürgerlichen Moralpredigten was wissen sie schon davon wie sehr ich meine 7%Lösung brauche, da auf der Ablage nun geben sie schon her. Wenn sie darauf bestehen. Ja. Fällt ihnen nichts auf Homes. Nein. Und heute nacht haben sie auch nichts gemerkt. Wissen Sie mein lieber Watts ich erfreue mich selbst auf Reisen eines passablen Schlafs, was ist geschehen. Werfen Sie einen Blick aus dem Fenster. Ah wir stehen. Sehr scharfsinnig, 7Uhr sollten wir nicht schon seit Stunden
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Im Wald, da sind die Räuber (RIAS 1982) (Carl Martell: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute)
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Festgemauert in der Erden (RIAS 1982) (Carl Martell: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute)
(Meine Damen und Herren. Heute meldet sich wieder "Report vor Ort" - mit Sensationen von gestern für Leute von heute. Carl Martell will mit der Sendung "Festgemauert in der Erden" einen historischen Ablauf von den Feierlichkeiten des Turmbaus zu Babel geben. Wir wünschen gute Unterhaltung!) (Anmoderation)
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Die lange Nacht des jungen Werthers (RIAS 1982) (Michael Koser: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute)
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Der Weltuntergang findet nicht statt (RIAS 1982) (Carl Martell: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute)
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Als die Römer frech geworden (RIAS 1983) (Carl Martell: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute)
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Film Noir (DLR 2000)
Keine Fotos, keine Fotos, bitte, keine Kameras, lassen Sie den Mann doch in Ruhe, und keine Fotos, hören Sie bitte auf zu fotografieren, machen Sie Platz... Als ich Malibu Beach erreichte, war der Regen noch stärker geworden, Blitze zuckten über den Nachthimmel wie der Widerschein fernen Artilleriefeuers, ich hielt, fünf Minuten vor elf, ich war pünktlich, die Straße war leer, bis auf einen einsamen Buick weiter vorn an der Biegung, unter einer windgeschüttelten Palme, und bis auf Arnolds Cadillac natürlich, er hockte vor dem Strandhaus wie eine riesige Kröte, ich hätte in guter Stimmung sein sollen, aber mein Gemüt war fast so dunkel wie der Himmel, Schatten der Vergangenheit oder eine Vorahnung an diesem verregneten Abend
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Die Alzheimergang (DLR 2002)
Ich soll die Story erzählen, das haben Garbo und Harald und Hildchen so beschlossen, ich weiß nicht wie ich das finde, klar ich gehör auch zur Alzheimergang, bloß irgendwie doch nicht so ganz richtig, weil ich bin erst 19 und Alzheimer ist noch weit hoffe ich mal, aber wenn die anderen unbedingt wollen, okay. Hören Sie sich das mal an: gerade im Bereich der Seniorenpolitik, sagte Dr. Waldhorn, muß sich sehr viel ändern, unseren älteren Mitbürgern, sagen wir es doch ganz deutlich, geht es zu gut. Was zu gut? Ja. Der spinnt, der Waldhorn. Och, vielleicht hat seine Mutter ja recht. Der Sie immer die Karten legen, Hildchen, ja, und was sagt die alte Isolde Waldhorn. Sie sagt, ihr Sohn sei ein, entschuldigen Sie den Ausdruck, ein
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Die Schule der Glücksritter (DLR 2004) (geplant als Cocktail für Zwei, Folge 9: Chicago Flip)
Pittsburgh, hier Pittsburgh. Der Pennsylvania Special rollte gerade ein, als ich den Bahnsteig betrat, ich fror ohne Hut und Mantel, der Schneeregen der Dezembernacht hatte mich durchnäßt, die Tasche war so schwer und ich wurde verfolgt, während ich am Zug entlang hastete, sah ich mich um, da kamen sie, zwei große Männer in dunklen Mänteln und klobigen Schuhen, in Panik stieg ich in den nächsten Wagen, ein Pullmansalon mit Privatabteilen und lief den Gang entlang, fängt ja gut an das neue Leben, dachte ich, plötzlich öffnete sich die Tür neben mir, eine Hand packte mich, zog mich ins Abteil. Legen Sie sich ins Bett schnell. Meine Tasche. Die verstecken wir unterm Bett, cava unter die Decke Mademoiselle wickeln sie sich
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Raymond Chandler: Heißer Wind (BR 1966)
Es war ein unerquicklicher Abend, der Wüstenwind fegte durch Los Angeles, einer jener heißen trockenen Santa Anas, die durch die Gebirgsgpässe der Sierra Nevada herunterstürmen, einem das Haar kräuseln, an den Nerven zerren und auf der Haut jucken, an Abenden wie diesem artet die friedlichste Bierrunde gern in eine wilde Schlägerei aus, ich saß in der Kneipe im Haus gegenüber, der junge Mann hinter der Theke sah aus, als ob er noch nie in seinem Leben einen Schluck zuviel getrunken habe. Ihr Bier bitte. Danke. Hoffentlich ist es zu ihrer Zufriedenheit eingeschenkt. Ganz famos sogar, sie haben das Lokal erst vor kurzem eröffnet, nicht wahr. Vor knapp zwei Wochen, sie waren doch schon einmal hier, nicht. Ja, stimmt
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Dashiell Hammett: Das Haus in der Turk Street (WDR 1974)
Mein Name ist Tracy, dh. es ist einer von vielen Namen, die ich mir zugelegt habe im Lauf der Jahre, ich gehöre zu den Leuten, die am liebsten incognito reisen der Not gehorchend, wenn sie wissen was ich meine, ich könnte auch sagen es gehört ganz einfach zu meinem Beruf unter falscher Flagge zu segeln, also ich nannte mich Tracy an dem Tag, von dem hier die rede ist und ich war hinter einem jungen Mann her in San Francisco, er war seinen Eltern davongelaufen, sein Vater war Bürgermeister in Tacoma, einem kleinen Nest in Colorado, ich sollte den verlorenen Sohn aufstöbern und zur Heimkehr bewegen, möglichst diskret, keine sehr dankbare Aufgabe für einen Detektiv, aber es lag gerade nichts anders vor, der junge Mann
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Ross Macdonald: Schwarzes Blut (WDR 1993)
(An einem Mittwochnachmittag flog ich von Mazatlan nach Hause, während des Landeanflugs auf Los Angeles sah ich aus der Mexicana-Maschine zum ersten Mal den Ölfleck auf dem Meer, wie ein unförmiger Teppich, einige Kilometer breit und etliche Kilometer lang, bedeckte er das blaue Wasser vor Pacific Point, unweit der Küste ragte eine Bohrinsel auf wie der Metallgriff eines Dolches, in den Bauch der Erde gerammt, damit sie schwarzes Blut verströme, der mexikanische Flugbegleiter schritt durch den Gang, um zu prüfen, ob wir alle zum Landen bereit waren, ich fragte ihn, was mit dem Meer passiert sei. Der Latino gestikulierte und zuckte nur die Achseln, als erübrige sich die Frage von alleine angesichts des)
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Leo Malet: Die Brücke im Nebel (SWF 1989)
Mein Wagen war in der Inspektion, also nahm ich die Metro ins 13. Arrondissement, hätte mir auch ein Taxi leisten können, aber bis Weihnachten war es noch eineinhalb Monate, außerdem nieselte es hundsgemein, und dann lösen sich die Taxis in Paris bekanntlich in Luft auf, laufen einfach ein, sobald sie vom ersten Tropfen naß werden, ich nahm also die Metro, setzte mich ins 1.Klasseabteil der Linie Eglise de Pantin - Place dItalie und las noch mal diesen mysteriösen nach billigem Parfüm riechenden Brief, lieber Genosse, ich wende mich an dich auch wenn du flic geworden bist, aber du bist anders als die anderen flics und außerdem kenne ich dich von klein auf, ein Scheißkerl hat ne Schweinerei vor, komm zu mir ins
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Michael Lewin: Der stumme Handlungsreisende (SDR 1998)
Krimizeit aus Studio13: Gut Mr Samson, ich lese ihnen den Text noch mal vor. Schießen sie los. Detektiv zum Spartarif in Großbuchstaben. Ja. Bei Auftragserteilung bis 31. August 10% Rabatt auf alle privaten Ermittlungen auch in Scheidungsangelegenheiten. Finden sie 10% genug. Bitte. Genug Rabatt, würden sie dafür ihre Scheidung vorantreiben. Ich, ich bin nicht verheiratet. Naja aber wenn sies wären. Also. Schreiben sie 20%. Ok also 20%. Und die Anzeige ist morgen drin. Ja Sir, ab morgen eine Woche lang. Ich hoffe der Aufwand lohnt sich. Ja das hoff ich auch. Nicht daß ich kurz vor der Pleite stand, ich doch nicht, es ging um etwas anderes, meine Tochter hatte mir geschrieben daß sie mich besuchen wollte, ich hatte sie
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Jim Thompson: Gefährliche Stadt (NDR/SWF 1996)
...Ich fasse also zusammen Mr Handler, sie haben einen Freund, einen alten, aus der Zeit als sie Wildcatter waren und nach Öl gebohrt haben, und dieser Freund hat es genau wie sie geschafft, er ist die Treppe raufgefallen. Sie wissen so gut wie jeder hier, daß mich das Öl 40m durch die Luft gewirbelt hat und daß ich deswegen nicht mehr laufen kann. Entschuldigen sie Mr Handler, ihr Freund sitzt also nicht im Rollstuhl aber er ist genau wie sie mit einer vielzu hübschen, mit einer viel zu jungen Frau verheiratet und die möchte jetzt so langsam ihr erbe antreten. Das glaubt er zumindest, ja. Aber ihr Mann stirbt nicht und sie hat bisher noch nichts unternommen um seinen Tod zu beschleunigen, die Frage ist also was soll er machen
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Cornell Woolrich: Der Mann gegenüber (HR/SWF 1993)
Er ist tot. Ja. Ja, etwas mehr müssen Sie schon sagen, unter Ihrem Fenster liegt ein toter Mann und alles was sie sagen ist ja, wer ist der Mann. Er wohnt gegenüber, er hat seine Frau umgebracht. Was. Er hat seine Frau umgebracht, vorgestern, vorgestern nacht. Er hat seine Frau umgebracht, woher wissen sie das, haben sies gesehen. Nein, aber ich weiß es, er wollte mich auch umbringen. Aber er ist doch tot, nicht sie. Das ist mir auch lieber so. Also jetzt passen sie mal auf, vor genau, moment, vor genau 16 Minuten bekommen wir einen Anruf daß aus diesem Fenster hier ein Mann auf den Hof gestürzt ist, jemand rief an und sagte, ich habe gerade gesehen wie jemand aus einem Fenster im 3. Stock gestürzt ist, wir stellen noch ein
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Ed McBain: Stirb Kindchen stirb (BR/WDR 1992)
Kriminalhörspiel aus dem 87. Polizeirevier: Mit Detective Steve Carella dem gründlichen. Nochmal von vorne, Minute für Minute, also du steigst die Feuerleiter runter, was siehst du, was hörst du, ich will alles wissen. Detective Bert Kling dem Knallharten. Oh mann als Cop bist du hier nur das Arschloch. Detective Meyer Meyer dem gemütlichen. Ich hab hier ne Hundemarke, Detective Meyer wau wau. Der aber auch anders kann. Hörmal zu du Kinderschänder, du verschaffst mir den Aufenthaltsort von Martin Proctor oder ich laß dich hochgehen, ist das klar. Und Detective Ollie Weeks dem Witzbold. Und denk an die vier großen W, nach dem wo und dem was jetzt das wer und vor allem das wie, hehehe. Happy New Year, Leute
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James M. Cain: Der Postmann klingelt immer zweimal (HR 1994)
Gegen mittag warfen sie mich vom Heuwagen, ich war am abend zuvor aufgesprungen, unten an der Grenze, sackte gleich ab, ich war hundemüde nach den 3 Wochen in Tijuana und als sie hielten, um den Motor abzukühlen, sahen sie meinen Fuß herunterhängen, immerhin sie gaben mir noch eine Zigarette. Sag mal Chef ist nicht zufällig einer in nem hellgelben Cadillac vorbeigekommen. Ich machte mich auf die Socken, um was eßbares aufzutreiben. Heute. Ja. Und so kam ich zu dir Cora nach Twin Oaks. Heute nicht, willst du was essen, tja ich kann ja schon mal anfangen also Orangensaft, Cornflakes, Spiegeleier mit Speck, Enchiladas, Pfannkuchen und Kaffee. Die Spiegeleier kommen sofort. Eins muß ich dir gleich sagen
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Mickey Spillane: Ich, der Richter (WDR 1999)
New York im Jahre 1950, schöne Frauen, harte Kerle und große Kaliber, das ist die Welt des berühmt-berüchtigten Privatdetektivs Mike Hammer, der gnadenlos wie ein schwarzer Ritter durch den Dschungel der Großstadt streift. Niemand sagte etwas, als ich das Zimmer betrat, sie wichen beiseite und ich spürte, wie ihre Blicke auf mir lagen, Chiefdetective Pat Chambers deutete auf die Schlafzimmertür. Dort drin, Mike. Dort drin, dort drin lag mein bester Freund tot auf dem Boden, der beste Freund, den ich jemals hatte. Hast du den Stuhl verschoben, Pat. Nein, warum. Normalerweise steht der Stuhl neben dem Bett. Auf dem Stuhl lag seine 38er Pistole, es war klar, wie es sich abgespielt haben mußte. Der Mörder hat den
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Walter Netzsch, Peer Frank Günther, Henri Pierre Cami: Grieminahles: Drei Mal Hochspannung für Narren (Der Nuggetkiller etc.) (BR 1955)
Achtung, vergessen sie nicht Nerven und Antenne zu erden, ziehen sie ihr dickstes Fell an, sichern sie ihr Radiogerät gegen Bewerfen mit Aschenbechern und Schuhen, wir fangen an. Sie hören zuerst das Opfer oder der Nuggetkiller, eine atemberaubende Angelegenheit. Tick tack, tick tack. Du Weibi. Ja. Zucker ist wieder keiner da. Tu ihn halt raus, du mußt ja nur hinlangen, das Buffet ist ja hinter dir. Ja der gehört an Tisch und net ins Buffet. Wenn er aber net am Tisch ist, ist er im Buffet. Was ist denn jetzt des, wenn mans Buffet aufmacht, dann spielts Radio. Ja das hat der Onkel Franz neulich schon gesagt, irgendwo muß in der Wohnung ein Kurzschluß sein. Ah drum ist vorhin wie ichs Radio aufdrehen wollt der Staubsauger gegangen
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Rolf und Alexandra Becker: Dickie Dick Dickens (BR 1957)
Wir erzählen Ihnen die Geschichte von Dickie Dick Dickens, dem gefährlichsten Mann, den die Unterwelt Chicagos je ausgespuckt hat. Dickie Dick Dickens, gefürchtet, verachtet, gehaßt, ein Ausgestoßener, und doch, hat nicht auch er beigetragen der herrlichen Millionenstadt ihren geheimnisvollen Glanz zu geben. Das war die herrliche Millionenstadt. Hier verlebte Dickie Dick Dickens 68% seines sensationellen Lebens, die restlichen 32% verbrachte er in Sing Sing, der modernsten Strafanstalt der Staaten, es war ein heißer Julitag im Jahre 1924. Chicago, sowieso ein heißes Pflaster, brütete unter den brennenden Strahlen der unerbittlichen nordamerikanischen Sonne, die Stadt war gewissermaßen in Schweiß gebadet, an jenem Tag
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Erwin Weigel: Wer ist der Täter? (Kriminalfälle zum Mitraten) (BR 1981-2002) Donnerstag abend: Krimitermin in Bayern 2. Wer ist der Täter? Welcher Täter? Der Gärtner... Der Täter ist der, der den Mord begangen hat. Ich bin derselben Meinung wie der Herr. Keine Ahnung... Wer ist bitte der Täter? Der Gärtner. Der Chauffeur. Ich kann leider keine Auskunft geben, da ich Angestellter des Bayerischen Rundfunks bin... Ja, da muß ich aber sehr überlegen, nein, das könnt ich nur meditativ, aber ich bin jetzt gerade nicht in der Verfassung, meditativ zu sein, es tut mir furchtbar leid. I net
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Florian Pauer nach Motiven von Edgar Wallace: Der Joker (SWF 1988)
Guten Morgen, Ann. Ich darf Sie darauf hinweisen, daß es bereits viertel vor elf ist, haben Sie verschlafen, Inspektor? Und wenn es so wäre, ist Sir John schon da? Allerdings. Ann Pattison, ist Higgins endlich da? Ja, Sir John, er ist soeben gekommen. Dann schicken Sie ihn sofort rein. Ja, Sir John. Sehen Sie, er wartet bereits seit zwei Stunden auf Sie, und wenn ich Ihnen einen guten Rat geben darf, dann seien Sie heute freundlich zu ihm, er ist nämlich gestern zum dritten Mal bei der Fahrprüfung durchgefallen und hat eine fürchterliche Laune. Ja, wie gewöhnlich, also dann werde ich mich mal in die Höhle des Löwen wagen. Guten Morgen, Sir. Ah, da sind Sie ja endlich Higgins, guten Morgen, ja, jetzt beantworten Sie mir einmal
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Simone Schneider: Roter Stern (BR/SFB 1992)
Liebste Lilina, 50.000 Tonnen schwer und höher als das Warenhaus Die Welt des Kindes in den Himmel über Moskau ragt, Lilina, mein erster Wolkenkratzer naht, vor den Ufern Sewastopols schwimmt New World New York, zwei Klassen und zwei Schornsteine, bunt geflaggt zu Blasmusik auf schwarzem Meer tanzt Roter Stern, pack deine Tränen in einen Sack und schick Sie mir nach Amerika, Ozean der Fanatiker, reißt sich die blaue Bluse auf, um mich in eine andere Welt zu schaukeln, Lilina, adieu, dein Hündchen. Wladimir auf dem Weg in seine Bordkabine. Tief ist der Ozean. Der Ozean ist eine Sache der Vorstellung. Was unterscheidet ein Ufo von einer schwebenden Ikone? In Moskau setzt man ganze Häuserblöcke auf
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Shirley Jackson: Das Haus (BR 1994)
Institut für Parapsychologie Dr. John Montague, sehr geehrte Mrs Vance, sie kennen meinen Namen wahrscheinlich nicht, ich bin Wissenschaftler und dennoch oder gerade deshalb hat mich die Erforschung sog. übersinnlicher Phänomene immer beschäftigt, im Augenblick habe ich die Möglichkeit im Rahmen eines Forschungsprojekts einem immer noch skeptischen und überheblichen Kollegenkreis einen konkreten Zusammenhang zwischen Psychologie und Parapsychologie experimentell zu demonstrieren. Dr Montague, ist das überhaupt sein richtiger Name. Es gibt einen Dr John Montague, Dr der Philosophie und Anthropologie, Promotion in Oxford 1950. Das klingt doch alles ziemlich unseriös. Ein Forschungsprojekt und
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Jack Ritchie: Der Mitternachtswürger (BR 1992)
Ich frage sie, was hatten sie in der Tiefgarage zu suchen Mr. Turnbuckle, Henry Turnbuckle, Privatdetektiv und nicht schwerhörig, Mrs Homa Schleidel hatte Grund zur Annahme, daß ihr Gatte nicht wie er behauptete, jeden Donnerstag abend im Kegelclub verbringt, er suchte in der Tat heute nicht diesen Ort auf, sondern das Hinterzimmer des Buchhandels nur für Erwachsene, wo er 1 Stunde und 23 Minuten bei einer Filmvorführung verweilte, gegen 21 Uhr 45 befand er sich dann auf dem Weg zurück zu seinem Wagen wo ich ihm meinem Auftrag gemäß unauffällig folgte, in der Tiefgarage richteten sich plötzlich ein halbes dutzend Taschenlampen auf meine Person, und mir wurde dringend geraten, keinen Mucks zu tun sonst
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Henry Slesar: Genau die richtige Art von Haus (WDR 1965)
Dadadabadada, hu-la… Sally. Hu-la, lalala... Sally, bitte hören Sie gefälligst mit dem Geplärre auf, das macht einen ganz krank. Ja, Mr. Hacker. Machen Sie mal ein Fenster auf, die Luft ist ja zum schneiden. Das kommt von Ihrer Zigarre, Mr. Hacker. Reden Sie nicht, reden Sie nicht, bedienen Sie lieber das Telefon. Ja, Mr. Hacker, hier Maklerbüro Hacker… ja… ja… bei 30 Grad im Schatten, nein, nein, Idiot. Sind Sie immer so höflich zu meinen Kunden? War kein Kunde. Wer wars denn? Heizölfirma. Was wollte die denn? Öl verkaufen. Was, Heizöl bei der Hitze, Idiot. Hab ich doch gesagt, hida...badadada... Ein fremder Wagen. Häh? Fährt ganz langsam, sehen Sie mal, New Yorker Nummer dem gelben Rechteck nach zu
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Ray Bradbury: Ein langer Weg nach Hause (NDR/SDR 1989)
Es war ein langer heißer Tag gewesen, die Rechenmaschinen im Büro hatten gesungen wie Millionen metallischer Grillen, ein schrecklicher Tag, Mr Sternwall hatte mich angebrüllt, ich hätte Sternwall am liebsten umgebracht, eines Tages dachte ich auf dem Nachhauseweg, eines Tages wirst du diesen Mr Sternwall vom 10. Stock aus dem Fenster werfen, mein Herz ratterte wie eine aus dem Tritt geratene kaputte Rechenmaschine als ich endlich vor der Wohnungstür stand, was hatte doch der Doktor gesagt, ihr Herz hat ein bißchen Ruhe nötig, gönnen sie sich einen Urlaub, Urlaub, es war völlig unmöglich mit Lydia über Urlaub zu reden, jedes Mal wenn ich auf mein Herz zu sprechen kam, klappte ihr Mund zu wie eine Falle, nein, hinter der
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Weitere Informationen zu den Hörspielen gibt es im Hörspielarchiv im Internet unter: https://hoerspiele.dra.de/
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