Gästebuch

Grüße an die Kameraden

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Kommentar von Hörspiele |

Raymond Chandler: Heißer Wind (BR 1966)

Dalmas: Es war ein unerquicklicher Abend, der Wüstenwind fegte durch Los Angeles, einer jener heißen trockenen Santa Anas, die durch die Gebirgspässe der Sierra Nevada herunterstürmen, einem das Haar kräuseln, an den Nerven zerren, und auf der Haut jucken, an Abenden wie diesem artet die friedlichste Bierrunde gern in eine wilde Schlägerei aus, ich saß in der Kneipe im Haus gegenüber, der junge Mann hinter der Theke sah aus, als ob er noch nie in seinem Leben einen Schluck zuviel getrunken habe.

Dexter: Ihr Bier bitte.

Dalmas: Danke.

Dexter: Hoffentlich ist es zu ihrer Zufriedenheit eingeschenkt.

Dalmas: Ganz famos sogar, sie haben das Lokal erst vor kurzem eröffnet, nicht wahr.

Dexter: Vor knapp zwei Wochen, sie waren doch schon einmal hier, nicht.

Dalmas: Ja stimmt.

Dexter: Wohnen sie etwa in der Gegend.

Dalmas: Gleich gegenüber.

Dexter: Im Berglundhaus.

Dalmas: Ja, mein Name ist John Dalmas.

Dexter: Freut mich, Mr Dalmas, ich heiße Lew Dexter.

Dalmas: Freut mich.

Dalmas: Außer mir war nur noch ein Gast da, ein Trunkenbold, der mit dem Rücken zur Tür auf einem Barstuhl an der Theke hockte und aus kleinen Gläsern reinen Bourbon trank.

Dexter: Kennen sie den.

Dalmas: Nein.

Dexter: Er sollte nach hause gehen, er trinkt schon seine Ration für die nächste Woche.

Dalmas: An einem Abend wie heute, lassen sie ihn doch.

Dexter: Es wird ihm aber nicht gut tun.

Al Tessilore: Whisky, hey, noch ein Whisky.

Dexter: Soll ich.

Dalmas: Was gehts mich an, mein Magen ist es nicht.

Dalmas: Der junge Mann im weißen Kittel goß ihm einen weiteren Whisky ein, ich vermute, daß er den Whisky hinter der Bar ein bißchen mit Wasser behandelte, denn als er sich aufrichtete, sah er so schuldbewußt aus, als habe er seine Großmutter geschlagen, der Betrunkene merkte es nicht.

Dexter: Ich kann Betrunkene nicht ausstehen, wenn sie sich hier bei mir betrinken schon gar nicht.

Dalmas: Wissen sie was, schreiben sie das groß und deutlich auf ein Plakat und hängen sie es in ihre Auslage, was glauben sie, wie das ihren Umsatz steigert.

Al Tessilore: Wo bleibt denn der Whisky.

Dalmas: In diesem Augenblick kam der dritte Gast zur Tür herein, ein großer dunkler Bursche, der aussah, als habe er es ziemlich eilig, er ließ seine leuchtenden dunklen Augen schnell durch das Lokal wandern, sah gehetzt aus und irgendwie gespannt, wahrscheinlich machte auch ihm der heiße Wind zu schaffen, er blickte auf den Rücken des Betrunkenen, sah dann mich an, musterte die Halbnischen auf der anderen Seite des Raumes, die alle leer waren und wandte sich schließlich an den jungen Mann hinter der Theke.

Waldo: Hey, haben sie hier eine Dame gesehen.

Dexter: Eine Dame.

Waldo: Ja, groß, hübsch, braunes Haar, in einer buntbedruckten Bolerojacke über einem Kleid aus blauem Seidenkrepp, sie trug so einen breitrandigen Strohhut mit dunklem Samtband.

Dexter: Nein, die Dame war nicht hier.

Waldo: Ach, geben sie mir einen Scotch, aber schnell bitte.

Dalmas: Der junge Mann gab ihm den Scotch, der Gast bezahlte, stürzte den Whisky auf einen Zug hinunter, und wollte wieder gehen, machte 3 oder 4 Schritte, und erstarrte vor dem Betrunkenen, der Betrunkene grinste, zog von irgendwo her so schnell daß man nur einen Wischer wahrnahm, eine Pistole, und richtete die Waffe auf den großen dunklen, der regungslos dastand, dann den Kopf etwas zurücknahm und wieder verharrte, die Augen weit aufgerissen, es war eine Pistole mit einem großen Visier.

Waldo: Ah.

Al Tessilore: Machs gut, Waldo, haha, und ihr beiden, haltet gefälligst die Pfoten hoch, bis ich draußen bin, der arme Waldo, ich fürchte er hat sich die Nase blutig geschlagen.

Dalmas: Während der Betrunkene seitwärts zur Tür ging, hielt er seine Waffe immerzu auf uns gerichtet, so daß ich nichts unternehmen konnte, auch der junge Mann hinter der Theke bewegte sich nicht, und gab auch nicht den geringsten Laut von sich, erst als die Pendeltür ausgeschwungen hatte, hastete ich hinterher.

Dalmas: Verdammt.

Dalmas: Zu spät, ich sah nur noch die roten Rücklichter um die nächste Ecke verschwinden, die Nummer des Wagens bekam ich genauso mühelos wie meine erste Million, auf die ich immer noch warte, als ich wieder ins Lokal zurückkam, legte der junge Mann gerade den Telefonhörer auf, ich ging zu Waldo, wie ihn der Killer nannte, und drehte ihn um.

Dexter: Vielleicht ist er noch gar nicht tot.

Dalmas: Wenn einer mit einer 22er schießt, heißt das, daß er keine Fehler macht, da sehen sie die zwei kleinen Löcher in seiner Jacke genau über dem Herzen.

Dexter: Ja ganz deutlich und nur ein paar Tropfen Blut, der Betrunkene verstand sein Handwerk, als Killer mein ich, ah da kommen sie schon.

Dalmas: Ich zündete mir eine Zigarette an und beobachtete wie Waldos Gesicht toter und toter wurde, überlegte wer wohl die Frau in der buntbedruckten Bolerojacke sein konnte, warum Waldo den Motor seines Wagens hatte laufen lassen und weshalb er es so eilig gehabt haben mochte, die Mannschaft des Streifenwagens schwitzte, einer von ihnen hatte sich eine Blume hinters Ohr gesteckt und die Mütze etwas schief auf dem Kopf, er fühlte Waldos Puls.

Mann: Scheint tot zu sein, man sieht wo er getroffen wurde, saubere Arbeit, und sie beide haben gesehen, wer es war.

Dalmas: Ich beschrieb den Vorfall und sagte, daß der Killer mit Waldos Wagen geflohen zu sein schien, einer der Polizisten zog Waldos Brieftasche heraus.

Mann: Jede Menge Pinkepinke, aber kein Führerschein, kein Ausweis.

Dalmas: Eine Minute später kamen die Männer von der Mordkommission, zwei Inspektoren, der Polizeifotograf, und ein Kriminallaborant, die Inspektoren kannte ich nicht, der eine war ein kleiner lächelnder Mann mit sanften klugen Augen, der anderen dagegen groß, knochig, mit langem harten Kinn, während der kleinere Waldos Taschen leerte, zog mich der zähe harte in eine Nische.

ORyan: Ich bin Inspektor ORyan und sie.

Dalmas: John Dalmas.

ORyan: Mein Kollege dort ist Inspektor Jerry Miller.

Dalmas: Hier ist meine Karte.

ORyan: Privatdetektiv so so, einer von den Schleichern sind sie, waren sie denn im Auftrag hier.

Dalmas: Mein Auftrag war ein Bier zu trinken, Auftraggeber war ich, ich wohne gleich hier gegenüber im Berglundhaus.

ORyan: Ja, schießen sie los, erzählen sie wie das alles passiert ist.

Dalmas: Ich erzählte es ihm, nicht öfter als dreimal hintereinander, einmal damit er eine allgemeine Vorstellung von dem Vorfall bekam, zum zweiten mal daß er die Einzelheiten mitbekam und noch ein drittes mal damit er feststellen konnte, ob ich mir nicht widersprach.

ORyan: Hm, sieht aus wie ein Racheakt, nicht sehr planmäßig, die Flucht gelang nur durch Zufall, und der Killer arbeitete vor zwei guten Zeugen, wir werden den Burschen in der Kartei haben, Fingerabdrücke hat er ja genug hinterlassen.

Dalmas: Feststeht er hatte was mit Waldo, aber er wollte sich nicht heute mit Waldo treffen.

ORyan: Waldo ist nur hereingekommen um nach der Puppe zu suchen, mit der er sich verabredet hatte.

Dalmas: Die er vorher irgendwo verpaßt haben muß.

ORyan: Wahrscheinlich ist sie in ein anderes Lokal gegangen, um auf ihn zu warten, der Killer nahm die Gelegenheit wahr, verpaßte Waldo zwei an die richtige Stelle und türmte, ohne sich wegen ihnen und dem jungen Mann dort Sorgen zu machen.

Dalmas: Nur dieser.

ORyan: Was.

Dalmas: Dieser Waldo wußte genau, wie das Mädchen angezogen war, buntbedruckte Bolerojacke über einem Kleid aus blauem Seidenkrepp.

ORyan: Dazu ein breitrandiger Strohhut mit einem dunklen Samtband, muß er also heut schon mit ihr zusammengewesen sein.

Dalmas: Nach einer Weile kamen zwei Männer mit einem langen flachen Korb um den Toten abzuholen, dann fuhren wir alle zum Headquarter, auch der junge Barkeeper erwies sich als einwandfrei, man ließ ihn laufen und befahl ihm sein Lokal so lange geschlossen zu halten, bis man sicher war, daß sich keine weiteren Fingerabdrücke fänden, denn mit den bisher festgestellten war nichts anzufangen, sie waren unsauber und verschmiert, auch der Inhalt von Waldos Taschen, die grünen Geldscheine, die paar Schlüssel, die Zigaretten, das Taschentuch hatten keinen Hinweis ergeben, gegen 9 Uhr war ich wieder im Berglundhaus und fuhr mit dem Fahrstuhl in den 4. Stock, als ich die Schiebetür öffnete und heraustrat, stand vor mir eine gutaussehende Frau, die offenbar auf den Fahrstuhl wartete, ihre großen Augen waren blau und ihre Wimpern reichten nicht ganz bis ans Kinn, sie hatte braunes welliges Haar unter einem breitrandigen Hut mit einem dunklem Samtband.

Lola: Was glotzen sie mich denn so an.

Dalmas: Das ist doch, das ist doch eine Bolerojacke.

Lola: Ja doch, erlauben sie, ich habe es eilig.

Dalmas: Sie müssen sich noch einen Augenblick gedulden, der Lift ist bereits wieder unten, nur eines möchte ich ihnen noch sagen, bevor wir ihn wieder heraufholen, in der Jacke und mit dem Hut da zeigen sie sich besser nicht auf der Straße.

Lola: Was erlauben sie sich.

Dalmas: Sie sind in Gefahr, nehmen sie den Hut ab und ziehen sie sofort die Jacke aus.

Lola: Ich verstehe sie nicht.

Dalmas: Die Polizei ist hinter ihnen her, in diesem Kleid werden sie sofort erkannt, kommen sie mit, ich erkläre ihnen alles.

Lola: Wer sind sie überhaupt, ich bin Misses Leroy und wohne in Apartment 31, ich kann ihnen versichern daß.

Dalmas: Daß sie auf der falschen Etage sind, das hier ist die vierte, seien sie vernünftig, nehmen sie den Hut ab und ziehen sie die Jacke aus.

Lola: Tja und wohin damit.

Dalmas: Knüllen sie alles zusammen, kommen sie mit, ich wohne hier vorne im Apartment 42.

Lola: Sucht man denn nach mir.

Dalmas: Ja, die Polizei wird aber erst morgen früh anfangen hier in dem Block jeden Fetzen umzudrehen, und auch das nur wenn man nicht herausbekommt, wer Waldo ist.

Lola: Waldo.

Dalmas: Kennen sie etwa Waldo gar nicht.

Lola: Nein.

Dalmas: Wir kamen zur Tür meines Apartments, ich stieß den Schlüssel ins Schloß, drehte rasch um, drückte die Tür auf und griff nach dem Lichtschalter.

Dalmas: Kommen sie bitte, hier ist mein Wohnraum, gehen sie schon rein und machen sie es sich gemütlich, ihre Bolerojacke und den Hut, den leg ich hier in die Gardarobeschublade, bei mir sucht man die Sachen bestimmt nicht, wollen wir etwas trinken.

Lola: Ich weiß nicht.

Dalmas: Ich ging in die Küche, holte aus dem Kühlschrank einen Rest besonders guten Scotch, und mixte zwei Highballs, als ich mit den Gläsern ins Wohnzimmer kam, traute ich mein Augen nicht, mein hübscher Gast richtete nämlich eine Pistole auf mich, eine kleine automatische Waffe.

Lola: Rühren sie sich nicht von der Stelle.

Dalmas: Macht der heiße Wind auch sie verrückt, ich bin Privatdetektiv.

Lola: Ach.

Dalmas: Ich kann es ihnen beweisen, wenn sie mir Gelegenheit dazu geben.

Lola: Beweisen sie es.

Dalmas: Dazu müßte ich allerdings erst mal die Gläser.

Lola: Stellen sie sie da auf den Tisch.

Dalmas: Dankeschön, bitte hier meine Karte, aber lassen sie nie wieder niemand so nah an sich herankommen, schon gar nicht wenn sie es ernst meinen, außerdem ihre Pistole ist noch gesichert.

Dalmas: Sie schlug die Augen nieder, steckte die Pistole in ihre Handtasche zurück, trank ihr Glas halb aus, setzte es hart auf den Tisch, und prüfte meine Karte.

Lola: Wie sieht der Mensch aus, den sie Waldo nannten.

Dalmas: Ziemlich groß, ungefähr 180cm schlank, dunkel, hat braune Augen, er trug einen hellblauen Anzug mit einem weißen Tuch in der Brusttasche und er schien es sehr eilig zu haben, sie zu finden.

Lola: Ach, das ist also Waldo und was ist nun mit ihm.

Dalmas: Etwas sehr merkwürdiges ist mit ihm geschehen, gegenüber im Cocktail room da, wo waren sie übrigens den ganzen abend.

Lola: Ich, ich saß in meinem Wagen, die meiste Zeit jedenfalls.

Dalmas: Wie, und sie haben den Menschenauflauf auf der anderen Straßenseite nicht bemerkt.

Lola: Ich nahm an, daß dort irgendwas passiert sein mußte, wahrscheinlich ein Unfall.

Dalmas: So kann mans auch nennen und vorher suchte dieser Waldo nach ihnen, im Cocktailroom, sagte uns wie sie aussehen und beschrieb ihre Kleidung.

Lola: Wer war denn noch in dem Lokal.

Dalmas: Außer mir und dem jungen Mann dem es gehört nur noch ein Betrunkener, und dann kam Waldo herein und fragte nach ihnen, wir sagten ihm, wir hätten sie nicht gesehen, und als er dann wieder gehen wollte, drehte sich der Betrunkene um, nannte ihn Waldo, zog seine Pistole und schoß einfach so, tot.

Lola: Hahaha.

Dalmas: Was soll das, warum lachen sie.

Lola: Mein Mann hat sie engagiert, um mir hinterher zu spionieren, ich hätte mir denken können, daß das ganze nur Theater ist, sie mit ihrem Waldo, nie hätte ich geglaubt, daß Frank so eifersüchtig sein könnte, jedenfalls nicht auf einen, der einmal unser Chauffeur war, auf Stan vielleicht, das wäre zu verstehen, aber auf Josef.

Dalmas: Er heißt also Josef.

Lola: Ja, Josef, Josef Baker.

Dalmas: Und warum wollten sie diesen Josef treffen.

Lola: Ich, ich wollte etwas von ihm zurückkaufen, das er mir gestohlen hatte, etwas sehr wertvolles, kostete 2000 Dollar, es war ein Geschenk eines Mannes, den ich einmal liebte, er ist tot, er kam in einem brennenden Flugzeug ums leben, so jetzt können sie zu meinem Mann gehen und es ihm erzählen.

Dalmas: Ich denke ja gar nicht daran.

Lola: Frank bildet sich ein, ich treffe mich mit Josef, nun das ist richtig, ich wollte es, aber nicht weil ich ein Verhältnis mit ihm habe, ich habe es nicht nötig so weit unter mein Niveau zu gehen wenn ich mich amüsieren will.

Dalmas: Wozu haben sie das Apartment im 3. Stock gemietet.

Lola: Es, es ist nicht mein Apartment, ich habe sie angelogen, es ist sein Apartment.

Dalmas: Josef Bakers.

Lola: Ja.

Dalmas: Und paßt meine Beschreibung auf diesen Josef.

Lola: Ja.

Dalmas: Na dann hätten wir wenigstens einen Tatbestand aufgeklärt.

Lola: Josef sagte mir, wo er wohnt, er wollte mich unten auf der Straße treffen, aber ich verspätete mich, als ich dann kam, sah ich die Polizisten, so blieb ich in meinem Wagen und wartete, schließlich ging ich dann doch herauf, und klopfte an seiner Wohnungstür, dreimal war ich im Haus, bis ich dann ihnen begegnete, das ist alles.

Dalmas: Und wo ist ihr Mann.

Lola: Frank, Frank hat eine Sitzung.

Dalmas: Aha.

Lola: Ja, er ist sehr beschäftigt, er hat häufig Sitzungen, er ist Wasserkraftingenieur und schon in der ganzen Welt gewesen, sie müssen wissen.

Dalmas: Ich werde mich mal mit ihm treffen, dann kann er mir das alles selbst erzählen, aber womit Josef sie in der Hand hatte, das ist jetzt tot und vorbei genau wie Josef selbst.

Lola: Ja, ist er tatsächlich tot, ganz bestimmt.

Dalmas: Ja.

Lola: Da kommt jemand zu ihnen.

Dalmas: Gehen sie solange in meine Ankleidekammer, nehmen sie ihr Glas mit und die Handtasche. Ja doch, ich komme schon.

Dalmas: Ich ging zur Tür, ohne meine Pistole in der Hand, das war ein Fehler, denn als ich öffnete, stand der Mann vor mir, der in der Kneipe gegenüber dem anderen, den er Waldo nannte, zwei Kugeln ins Herz jagte, jetzt richtete er seine automatische 22er auf meine Wenigkeit.

Dalmas: Oh.

Al Tessilore: Ja ich bin es, gehen wir rein, los weiter weiter weiter zurück ins Zimmer, gut so, halten sie die Hände hübsch oben, ach Spieltisch was, irgendein Heini spielt hier Schach, sie.

Dalmas: Ich vertreibe mir die Zeit damit.

Al Tessilore: Dazu gehören aber zwei.

Dalmas: Das hier ist eine Schachaufgabe, kein Spiel, sehen sie sich die Stellung an.

Al Tessilore: Davon verstehe ich nichts.

Dalmas: Jedenfalls bin ich hier allein.

Al Tessilore: Umso besser, denn mit ihnen mein Freund gehts jetzt zu ende, das wissen sie wohl, was.

Dalmas: Was hat ihnen dieser Waldo denn getan.

Al Tessilore: Bei, bei einem Ding in einer Bank in Michigan stieg er aus und brauchte mir 4 Jahre Knast ein, als Kronzeuge wurde er selbst nicht unter Anklage gestellt, ist ein reiner Zufall, daß er mir heute in der Kneipe begegnete, hat die Polizei schon spitz wer ich bin.

Dalmas: Man hat ihre Fingerabdrücke, ich weiß nicht wie gut sie sind.

Al Tessilore: Was ist denn, was ist denn alter Freund.

Dalmas: Ich werde mich übergeben, wenn sie nicht die Pistole von meinem Hals wegnehmen.

Al Tessilore: Ich kann sie ihnen auch auf die Brust setzen, sagen sie nur wo es ihnen am liebsten ist.

Dalmas: Ich mußte lauter gesprochen haben als ich beabsichtigt hatte, an der Tür zur Ankleidekammer zeigte sich ein schmaler dunkler Spalt, ich sah Augen aber ich blickte nicht hin, starrte immerzu nur in die Augen des Killers, ich wollte nicht, daß er von mir wegsah, und ich begann zu zittern.

Al Tessilore: Angst wie.

Dalmas: Ja aber lassen sie nicht die ganze Nacht darüber vergehen, das ist ja nicht auszuhalten.

Al Tessilore: Mir gefällt es, ich bin nun mal so, nicht.

Dalmas: Die Frau kam jetzt durch die Tür, auch sie hatte ihre Pistole in der Hand, nichts geräuschloseres hat es je gegeben, als die Art in der sie sich bewegte, Schritt für Schritt, immer näher auf uns zu.

Al Tessilore: Wenn sie schreien wollen, alter Freund dann schreien sie doch.

Dalmas: Ja ja ja, jetzt jetzt schrei ich.

Dalmas: Als wenn das einen Zeichen gewesen wäre, rammte die Frau in diesem Augenblick ihre Pistole dem Killer hart gegen die kurze Rippe, ohne einen Laut hören zu lassen, er mußte darauf reagieren, riß unwillkürlich beide Arme seitlich hoch, ich knickte zusammen und stieß ihm mit meiner ganzen Kraft das Knie in den Unterleib, sein Kinn kam mir entgegen und ich schlug zu, schlug zu, als würde ich den letzten Nagel an den Schienen einer transkontinentalen Bahn in die Schwelle treiben, die Pistole glitt ihm aus der Hand, schlitterte über den Teppich unter einen Sessel, die Frau starrte entsetzt in meine Augen, damit gehöre ich ihnen alles alles was ich habe, gehört ihnen, jetzt und für immer, tut mir leid, alter Bursche, aber was konnte ich tun. Sein Gesicht war grünlich bleich, ich bückte mich und tastete ihn nach weiteren Waffen ab, aber er hatte keine mehr bei sich, ich holte aus meinem Schreibtisch ein paar Handschellen, zog seine Arme vorne zusammen und fesselte ihm die Gelenke, dann ging ich ans Telefon und wählte die Nr. der Mordkommission.

ORyan: Inspektor ORyan.

Dalmas: Hallo, Inspector, ich bins John Dalmas.

ORyan: Ah, sie, Dalmas.

Dalmas: Ja.

ORyan: Wetten, daß ihnen noch was eingefallen ist.

Dalmas: Haben sie schon raus, wer der Killer ist.

ORyan: Kann ich ihnen nicht sagen, tut mir furchtbar leid, über Ermittlungsarbeit dürfen wir nichts mitteilen.

Dalmas: Schön, ist mir auch egal, aber kommen sie her und holen sie ihn ab.

ORyan: Wen.

Dalmas: Den Killer.

ORyan: Was.

Dalmas: Ja liegt hier in meiner Wohnung auf dem Fußboden, ich mußte ihn ein wenig mit dem Knie behandeln.

ORyan: Heiliger Bimbam, schließen sie los, Dalmas.

Dalmas: Er ist gefesselt, er gehört ihnen, er kam her, um einen Zeugen um die Ecke zu bringen.

ORyan: Und wer ist noch bei ihnen.

Dalmas: Sonst niemand, ich bin allein.

ORyan: Gut ich komme, sie wohnen im Berglundhaus, nicht wahr.

Dalmas: Ja 4. Etage, Apartment 42.

ORyan: Bin praktisch schon bei ihnen.

Dalmas: Inspektor ORyan kam, weshalb er diesmal seinen freundlichen Kollegen Jerry Miller nicht mitbrachte, dämmerte mir erst später, ORyan drängte mich mit angespanntem Grinsen ins Zimmer und betrachtete mit kalten grausamen Augen den Mann auf dem Boden.

ORyan: Sind sie sicher, daß er es war.

Dalmas: Absolut sicher, wo ist denn ihr Kollege Inspektor Miller.

ORyan: Hat noch zu tun, sind das ihre Handschellen.

Dalmas: Ja.

ORyan: Schlüssel.

Dalmas: Ich gab ihm die Schlüssel, er ließ sich neben dem Killer auf die Knie nieder, nahm ihm meine Handschellen ab, zog seine eigenen aus der Tasche, drehte dem Kahlköpfigen die Arme auf den Rücken und schnappte die Handschellen zu.

Al Tessilore: Geschafft, sie Polyp sie.

Dalmas: ORyan grinste, ballte die Faust und gab dem Gefesselten einen Schlag ins Gesicht.

ORyan: Handtuch Dalmas.

Dalmas: Ich holte eines, er stopfte es dem Kahlköpfigen zwischen die Zähne und stand auf.

ORyan: So der schläft für ne halbe Stunde, also los berichten sie.

Dalmas: Ich berichtete ohne daß ich die Frau auch nur mit einem einzigen Wort erwähnte, es klang alles bißchen seltsam, ORyan sagte kein Wort und musterte mich unentwegt, ich reichte ihm die Waffe des Killers, er schob sie in die Tasche, in seinen Augen leuchtete etwas.

ORyan: Sie haben irgendetwas im Sinn Dalmas, wollen sie einen alten Polypen auf den Arm nehmen.

Dalmas: Ich schenk ihnen den Killer, Inspektor, er ist für sie ein fetter Brocken, was wollen sie mehr.

ORyan: Was soll das, worauf wollen sie hinaus.

Dalmas: Sie wissen recht gut, daß ich mit dem Burschen da allein nicht fertig werden konnte, er hatte mir seine Pistole auf die Brust gesetzt und brauchte nur den Finger krumm zu machen.

ORyan: Ja, und warum hat er das nicht getan?

Dalmas: Weil ihm ein anderer ein Schießeisen in die Rippen drückte.

ORyan: Welcher andere?

Dalmas: Ein junger Mensch, der versucht hatte in Beverly Hills sein Ding zu drehen, das aber schiefging, er wollte in einer kleinen Tankstelle die Kasse ausleeren, ich kenne seine Familie, er ist in Wirklichkeit kein übler Bursche, er war hier und wollte sich Fahrgeld von mir erbetteln, um abzuhauen, als der Killer klopfte, schlich er sich in meine Ankleidekammer.

ORyan: Hat er denn eine Waffe bei sich?

Dalmas: Ja, die stieß er dem da gerade noch im rechten Augenblick in aller Stille ins Kreuz, dazu gehört schon was, sie müssen dem Jungen eine Chance geben, Inspektor, lassen Sie ihn aus der Geschichte heraus.

ORyan: Liegt schon eine Anzeige gegen ihn vor?

Dalmas: Noch nicht, aber er hat Angst, daß sie noch kommt und das ließ sie sich doch verhindern, sie haben doch gute Freunde im Headquarter, tun sie es mir zu liebe Inspektor, schließlich verdanke ich dem Jungen, daß ich noch lebe, und was den Killer betrifft, den, den haben sie geschnappt.

ORyan: Wieso ich?

Dalmas: Sie kamen in meine Wohnung, um nachzusehen, was ich für Waffen habe, und während sie in der Ankleidekammer herumschnüffelten, kam der hier rein, um mich umzulegen, aber er kam nicht dazu, denn sie, mein guter Engel, rammten ihm noch rechtzeitig ihr Schießeisen ins Kreuz, klar.

ORyan: Hm, und das würden Sie zu Protokoll geben.

Dalmas: Ah worauf sie sich verlassen können.

ORyan: Okay.

Dalmas: Und der Junge, der mir geholfen hat.

ORyan: Um den machen Sie sich keine Sorgen, so wie er Hilfe braucht, geben Sie mir Bescheid.

Dalmas: Eine Viertelstunde später saßen wir im Headquarter im Zimmer des Superintendenten, wo Inspektor ORyan Bericht erstattete, draußen auf dem Korridor sind wir dann fotografiert worden, ORyan und ich, wie er mir mit strengem, nüchternen Blick die Hand schüttelt. Nach Hause kam ich gegen Mitternacht, die Haustür war verschlossen, als ich den Schlüssel heraussuchte, hörte ich hinter mir eine Frauenstimme.

Lola: Kommen Sie her, steigen Sie ein.

Dalmas: Sie hier, sind Sie wahnsinnig?

Lola: Steigen Sie ein, bitte.

Dalmas: Aber schnell weg von hier.

Dalmas: Wir fuhren anderthalb Blocks die Franklin Avenue entlang und bogen dann in den Kingsley Drive ein, wo wir hinter einem funkelnagelneuen Packard Cabriolet parkten, an dessen Heckfenster noch der Lieferschein des Händlers klebte.

Lola: Ich war nicht sehr freundlich zu ihnen, wie?

Dalmas: Sie haben mir nur das Leben gerettet, der Kerl, von dem sie mich befreit haben, der hat Waldo erschossen.

Lola: Und was geschah weiter?

Dalmas: Ich band einem Inspektor der Mordkommission, der mich nicht leiden kann, ein paar Lügen auf die Nase, gab ihm allein das Verdienst an der Festnahme des Killers und damit hatte es sich.

Lola: Und von mir haben Sie nichts gesagt?

Dalmas: Nein, kein Wort, im Übrigen weiß ich gar nicht, wer Sie sind.

Lola: Miss Frank Barsaly, Freemont Place 212 und sie können sich nicht denken, warum ich noch einmal zurückgekommen bin.

Dalmas: Ach ja, ja, ihr Hut und ihre Jacke, warten Sie, ich hole die Sachen.

Lola: Ich will auch meine Perlen.

Dalmas: Perlen?

Lola: Ich wollte sie für 2000 Dollar kaufen von dem Mann, den sie Waldo nennen, er hätte sie bei sich haben müssen.

Dalmas: Haben sich aber nicht gefunden.

Lola: Ach.

Dalmas: Ich sah, was aus seinen Taschen kam, ein Haufen Geld, aber keine Perlen.

Lola: Er wird sie in seiner Wohnung versteckt haben.

Dalmas: Ist möglich, oder sonst wo in Kalifornien.

Lola: Stan hat mir die Perlen geschenkt, sie haben 2000$ gekostet, sagte er, weiße Perlen, 41 Stück, und weil sie von Stan sind, bedeuten sie mir unendlich viel.

Dalmas: Wie heißen Sie eigentlich mit Vornamen?

Lola: Lola.

Dalmas: Erzählen Sie weiter, Lola.

Lola: Die Kette wurde durch eine einfache silberne Schließe in Form eines zweiflügeligen Propellers zusammengehalten, Frank, meinem Mann habe ich gesagt, ich hätte mir die Perlen selbst gekauft in einem Warenhaus, er merkte nicht, daß sie echt waren, Frank ist sehr eifersüchtig, als er drei Monate lang in Argentinien zu tun hatte, engagierte ich Joseph als meinen Chauffeur, wenn wir zusammen ausgefahren sind, haben wir manchmal ein Gläschen getrunken oder zwei, das war alles, ich hatte nichts mit Joseph.

Dalmas: Sie erzählten ihm aber von den Perlen, ja.

Lola: Ja.

Dalmas: Und als ihre 200 Pfund Lebendgewicht aus Argentinien zurückkamen, schmiß er Joseph raus.

Lola: Ja.

Dalmas: Und Joseph nahm die Perlen mit, weil er wußte, daß sie echt waren.

Lola: Ja.

Dalmas: Dann bot er sie ihnen für zwei Mille an und sie gingen nicht zur Polizei.

Lola: Unter diesen Umständen hatte Joseph natürlich keinerlei Befürchtungen, mir mitzuteilen, wo er wohnte.

Dalmas: Der arme Waldo, pardon Joseph, irgendwie tut er mir leid, trifft im ungeeigneten Augenblick einen alten Freund, der noch eine Rechnung mit ihm zu begleichen hat, und den Flieger lieben sie immer noch, wie?

Lola: Ja.

Dalmas: 2000$ sagten sie haben die Perlen gekostet, mhm, gut, ich werde nachsehen.

Lola: Das ist lieb von Ihnen.

Dalmas: Dritte Etage.

Lola: Apartment 31, ich werde hier warten.

Dalmas: Ist gut.

Dalmas: Ich ging zurück ins Berglundhaus und klopfte an die Tür des Apartment 31. Das alte vertraute Signal aus der Zeit der Alkoholschmuggler. Keine Antwort. Dann schob ich ein Stück festes Zelluloid langsam zwischen Schloß und Türrahmen, drückte gegen den Türknopf und trat ein. Ich untersuchte jede Schublade, jeden Winkel, jedes Regal. Erst als ich das Wandbett ein Stück herunterklappte, wußte ich, daß ich wirklich nicht länger nach Perlen zu suchen brauchte, denn ich hatte einen Toten vor mir, einen Mann mittleren Alters, klein mit grauen Schläfen und dunkler Haut. Er trug einen rehfarbenen Anzug mit einer weinroten Krawatte und hing mit einem Gürtel um den Hals am oberen Ende des Metallrahmens der Bettstelle. Ich durchsuchte den Toten. Keine Brieftasche. Waldo muß sie an sich genommen haben. Im Halfter auf der linken Brustseite steckte eine Mauser, eine Kanone, mit der man eine Mauer umlegen kann, die diesem professionellen aber nichts mehr nützte, denn Waldo schien schneller gewesen zu sein, hat ihn am Hals zu fassen gekriegt, gewürgt, bis er weg war und schließlich an den Bettrahmen gehängt. Ich durchsuchte die Taschen des Toten weiter und fand etwas Silbergeld, ein zusammengefaltetes parfümiertes Taschentuch und eine kleine neue Schlüsseltasche mit vier neuen Autoschlüsseln. In goldenen Buchstaben stand auf der Schlüsseltasche mit den besten Wünschen Richard Vogelsang Packardhaus. Ich ordnete alles wieder so, wie ich es vorgefunden hatte, wischte mit dem Taschentuch über alle Türgriffe, vorstehenden Ecken, glatten Oberflächen, die ich berührt haben konnte, löschte das Licht, zog die Apartmenttür hinter mir zu und ging zurück zum Kingsley Drive.

Lola: Nun, haben Sie die Perlen gefunden?

Dalmas: Nicht eine einzige.

Lola: Schade, dann muß ich mich also damit abfinden.

Dalmas: Tja, fahren Sie jetzt nach Hause und merken Sie sich eines, Sie haben mich nie in Ihrem Leben gesehen, egal was passiert, und wir werden uns vielleicht auch nie wiedersehen.

Lola: Ich fände es bedauerlich.

Dalmas: Viel Glück, Lola.

Lola: Good bye.

Dalmas: Nun stand ich da und starrte auf die Rückseite des vor mir stehenden Packard Cabriolet, das völlig neu zu sein schien, unter dessen Heckfenster noch der Lieferschein des Händlers klebte, ich ging näher heran, ließ den Strahl meiner kleinen Taschenlampe auf den Zettel fallen und las Richard Vogelsang Packardhaus, der gleiche Händlername, der in goldenen Buchstaben auf der Schlüsseltasche der aufgehängten Leiche stand, auf den Zettel war aber auch noch mit schwarzer Tinte der Name und die Adresse des Mieters vermerkt. A. Kolchenko, 413 Arvieda Street, West Los Angeles. Obgleich es mir zunächst verrückt schien, so ging ich doch noch mal zurück und holte die Schlüssel aus der Tasche des Toten im rehfarbenen Anzug, 5 Minuten später stand ich wieder auf der Straße neben dem Packard Cabriolet, die Schlüssel paßten und ich fuhr mit dem Wagen in die Arvieda Street.

Dalmas: Guten Abend.

Anja: Sie wünschen.

Dalmas: Sie sind Misses Kolchenko.

Anja: Nein, Miss Kolchenko.

Dalmas: Ich habe ihren Wagen gebracht.

Anja: Sie haben Sie haben meinen Wagen gebracht?

Dalmas: Ja, haben Sie ihn denn nicht vermisst?

Anja: Wer sind Sie?

Dalmas: John Dalmas, hier ist meine Karte.

Anja: Detektiv. Warten Sie. Sie bekommen Belohnung.

Dalmas: Danke, das ist nicht nötig, sagen Sie mir lieber, wer ist der Mann? Klein, so um die 40, schwarzes Haar, rehfarbener Anzug, dunkle Haut, weinrote Krawatte.

Anja: Was ist? Was ist mit ihm? Was ist?

Dalmas: Er ist tot.

Anja: Kommen Sie, kommen Sie herein.

Frank: Was ist los mein Schatz?

Anja: Hier, der Mann ist Detektiv.

Dalmas: Guten Abend.

Anja: Bitte mach Musik aus.

Frank: Na und?

Dalmas: Ich komme wegen Miss Kolchenkos Wagen.

Frank: Was ist mit dem Wagen?

Dalmas: Der Mann, der ihn sich ausgeliehen hat, konnte ihn nicht zurückbringen.

Frank: Und warum nicht? Warum nicht?

Dalmas: Weil ihn jemand umgebracht hat.

Frank: Verdammt noch mal.

Dalmas: Ich zündete mir eine Zigarette an und begann mit meiner Geschichte, erzählte vom Berglundhaus, daß ich dort wohnte, daß Waldo im Apartment 31 auf der Etage unter mir gewohnt hatte, schilderte den Vorfall im Cocktailroom, sagte aber nichts von der Bolerojacke und der Frau, die sie getragen hatte.

Frank: Also aus geschäftlichen Gründen haben sie diesen Waldo im Auge behalten, hm und was für geschäftliche Gründe waren es.

Dalmas: Lieber Herr? Haben Sie vor niemandem Geheimnisse.

Frank: Und im Headquarter?

Dalmas: Da sagte ich kein Wort davon, daß ich Waldo kenne, auch nicht, daß ich mir die Freiheit nahm, seine Wohnung zu durchsuchen.

Frank: Und wonach suchten Sie?

Dalmas: Nach Briefen, fand aber nichts als den Toten, erwürgt und mit einem Gürtel am Bettrahmen aufgehängt, ein kleiner Mann, etwa 45 Mexikaner vielleicht, gut angezogen in einem rehfarbenen Anzug und einer weinroten.

Frank: Das reicht, das reicht, das recht, ich beiße an, betraf ihr Auftrag eine Erpressung?

Dalmas: Man kann es so nennen, das Absonderliche daran ist, daß der kleine Mann eine dicke Kanone unter dem Arm trug.

Frank: Aber die 500$ in grünen Scheinen hatte er nicht in der Tasche, oder etwa doch?

Dalmas: Nein, dagegen hatte Waldo 500 bei sich in grünen Scheinen und noch 200 dazu, als er im Cocktailroom umgelegt wurde.

Frank: Sieht aus, als hätte ich diesen Waldo unterschätzt, er hat also meinen Mann erledigt und ihm das Geld abgenommen, gib uns was zu trinken, Goldschatz.

Anja: Hier habt ihr.

Frank: Zum Teufel, das Leben besteht aus nichts als Schwierigkeiten, wie man es auch ansieht, na, wenigstens habe ich diesen Goldschatz hier, sie ist Weißrussin, ich habe sie in Shanghai kennengelernt, sie ist so sicher wie ein Panzerschrank, wenn sie auch aussieht, als würde sie einem für ein Cent die Kehle durchschneiden, das gefällt mir so besonders an ihr, sie ist was fürs Herz oder das sonst übliche Risiko.

Anja: Ach du reden sehr dummes Zeug.

Frank: Sie sehen mir aus, als ob sie in Ordnung wären, gibt es einen Ausweg?

Dalmas: Ja, aber es wird eine Kleinigkeit kosten.

Frank: Wie viel?

Dalmas: Sagen wir noch mal 500.

Anja: Verdammt, dieser heiße Wind macht mich trocken wie Asche von Liebe.

Frank: 500, das wäre tragbar, was bekomme ich dafür?

Dalmas: Ihr Name wird nicht genannt. Sie bleiben unbehelligt.

Frank: Ja, sie werden den Mord nicht verschweigen können, den zweiten meine ich, und das, was ich kaufen wollte, habe ich nicht bekommen.

Dalmas: Sagen Sie, wer ist der Tote im Berglundhaus?

Frank: Ein Uruguayer, Leo Wallezanos, er arbeitete als Croupier beim Roulette im Spacia Club unten im Sunsetboulevard, ich gab ihn die 500, damit er zu Waldo geht und ihm ein paar Rechnungen abkauft, die mein Täubchen hier auf meinen Namen gemacht hatte, ich hatte die Rechnung in meiner Aktentasche und dieser Waldo hatte eine Chance sie herauszuholen.

Dalmas: Auf zwei Dinge muß ich sie noch aufmerksam machen.

Frank: Ja.

Dalmas: Waldo hatte seinen Wagen mit dem er fliehen wollte, unabgeschlossen und mit laufendem Motor vor dem Cocktailroom stehen lassen und der Killer ist damit fortgefahren, es besteht die Möglichkeit, daß von dieser Seite noch ein Rückschlag eintritt, denn in dem Wagen muß Waldos ganzes Gepäck gewesen sein, also auch die Rechnungen, die er ihnen gestohlen hat.

Frank: Verdammt.

Dalmas: Aber in diesen Dingen ist die Polizei meistens vernünftig, ich werde mit den Leuten vom Headquarter schon klar kommen, es sei denn, ihr Name ist so bekannt, daß sich die Zeitungsleute dafür interessieren, ja, dann sieht es wieder anders aus, wie sagten Sie noch, war Ihr Name? Na.

Frank: Frank Barsaly.

Dalmas: Als ich wieder ins Berglundhaus zurückkam, roch es nur so nach Polizei. Inspektor ORyan saß vor meinem Schreibtisch, sein Kollege, der freundliche Jerry Miller, schnitt eine Grimasse, die mir unangenehmes anzukündigen schien, Inspektor ORyan deutete mit träger Handbewegung auf die vor ihm liegende Bolerojacke und den Hut mit dem dunklen Samtband, stand langsam auf, ging auf mich zu und schlug mich mitten ins Gesicht, hart.

ORyan: Sie sollten sich schämen mit diesen kostbaren Dingern so achtlos umzugehen, wo haben Sie die Sachen her?

Dalmas: Sie gehören einer Dame.

ORyan: Was sie nicht sagen, einer Dame, ich will Ihnen sagen, welcher Dame die Sachen gehören, sie gehören der Puppe, nach der Kerl, der Waldo genannt wurde, in der Kneipe gegenüber gefragt hat, ungefähr zwei Minuten bevor er umgelegt wurde, und sie Dalmas, sie erbärmlicher Schleicher sie, sie selbst waren an dieser Dame interessiert und haben die Sachen in der Garderobenschublade versteckt, übel kann einem werden vor euch Schnüfflern, aber sie waren gerissen, Dalmas, sie haben mich getäuscht.

Dalmas: Gerissen? Daran ist doch nichts gerissen.

ORyan: Sie wußten, wer dieses Weibsbild war, wußten auch, wer Waldo war und wo er wohnte und daß er das Weibsbild treffen wollte, dazu hatte er allerdings keine Gelegenheit mehr.

Dalmas: Wer war er denn?

Miller: Er hieß Waldo Rettigan, wir bekamen seine Personalien über Fernschreiber aus Washington, ein Gelegenheitseinbrecher mit paar kleinen Vorstrafen.

Dalmas: Und der, der ihn umgebracht hat.

Miller: Ein gewisser Al Tessilore, Tessilore hatte mit Waldo noch eine Rechnung zu begleichen.

Dalmas: Danke Inspektor.

ORyan: Jerry hat was für Sie übrig, Dalmas, er mag sie, ich aber, ich habe von Anfang an gemerkt, daß an ihnen etwas stank, ja und wir haben sogar noch etwas wir haben den Wagen mit dem Waldo fliehen wollte und damit auch alles, was er mitnehmen wollte, hier bitte, sehen Sie sich das mal an, mit einer Schließe in Form eines zweiflügeligen Propellers, hübsch, wie?

Dalmas: ORyan zeigte mir Lolas Perlenkette, die ihr der Flieger geschenkt hatte, der bei einem Flugzeugabsturz verbrannte und den sie immer noch liebte.

ORyan: Sind Sie jetzt bereit uns zu sagen, was Sie in der Angelegenheit wissen, Mr. Dalmas.

Dalmas: Die Perlen müssen eine schöne Stange Geld wert sein.

Miller: Etwa 100 $, mehr sind, sie sind nämlich falsch.

Dalmas: Falsch?

Miller: Ja, glatt wie Glas, falsch.

Dalmas: Ja und und wenn sie wenn sie echt wären, würden sie dann 2000$ kosten?

Miller: Wenn nicht mehr.

Dalmas: Hmh, dieser Waldo war gar nicht so dumm, und Sie sagen, sie haben die Perlen in Waldos Wagen gefunden.

Miller: Ja.

Dalmas: Haben Sie auch Papiere gefunden?

Miller: Papiere? Keine.

ORyan: Sie haben hier nichts zu fragen, nur zu antworten, also, was wissen Sie?

Dalmas: Nicht mehr als das, was ich zu Protokoll gegeben habe.

ORyan: Und was die Dame anbelangt.

Dalmas: War ich überzeugt, daß gegen sie nichts vorlag, Waldo ist mal ihr Chauffeur gewesen.

ORyan: Ah, schon etwas.

Dalmas: Er nannte sich damals Joseph Baker.

ORyan: Ja, und die Dame, wer ist die Dame?

Dalmas: Miss Frank Barsaly, ihr Mann ist Ingenieur, ein Freund schenkte ihr vor langer Zeit mal die Perlen und ihrem Manne sagte sie, sie habe die Perlenkette in einem Warenhaus gekauft, Waldo erfuhr auf irgendeine Weise die romantische Vorgeschichte dieser Perlenkette und als Barsaly aus Südamerika zurückkam und ihn hinauswarf, weil er ihm so gut aussah, da ließ Waldo die Perlen mitgehen.

ORyan: Ja, wollen Sie damit sagen, er wußte nicht, daß die Perlen falsch waren?

Dalmas: Ich glaube, er hat die Echten verkauft und diese Imitation hier anfertigen lassen.

ORyan: Ja, möglich.

Dalmas: Er hat noch mehr mitgehen lassen, Papiere aus Barsalys Aktentasche, die beweisen, daß Barsaly eine andere Frau aushält, er erpresste beide, den Mann und die Frau.

ORyan: Ja, ich verstehe, na, berichten Sie weiter.

Dalmas: Ich erzählte, was sich in meinem und später in Waldos Apartment zugetragen hatte, auch, daß ich den Packard der Frau zurückbrachte, die von Barsaly ausgehalten wird, der einen Freund aus dem Spezialclub zu Waldo schickte, um ihm die gestohlenen Papiere abzukaufen, dieser Freund aber die Papiere mit der Pistole kaufen wollte, statt mit dem Geld, das ihm Barsaly mitgegeben hatte.

Miller: Waldo aber erwies sich als der Schnellere und erwischte ihn vorher.

Dalmas: Eben.

Miller: Ist das alles?

Dalmas: Ja.

Miller: Gut. Was verlangen Sie dafür?

Dalmas: Ich.

ORyan: Ist ja großartig, der dreckige Schleicher hier läßt sich mit einer vagabundierenden Schlampe ein, verstößt gegen jedes denkbare Gesetz und du fragst ihn noch, was er verlangt, ich werde ihm geben, was er braucht.

Miller: Das wirst du nicht Sam, du wirst ihm viel mehr bestätigen, daß er sich völlig einwandfrei verhalten hat und ihm geben was er fordert, schon als Lohn für die Lektion, die dir als Polizist erteilt, also, was verlangen Sie, Dalmas?

Dalmas: Was hier auf den Tisch liegt, die Jacke, den Hut und die falschen Perlen.

ORyan: So.

Dalmas: Und daß ein paar Namen nicht in die Zeitung kommen, ist das zu viel?

ORyan: Ja, das ist zu viel, mir gefällt es besser, wenn sie sich mit einem Stück Blei im Bauch zufrieden geben, weil sie bei der Verhaftung Widerstand leisteten.

Miller: Sam.

ORyan: Weil sie einen Bericht zu Protokoll gegeben haben, in dem steht, daß ich Al Tessilore festgenommen habe.

Miller: Steck die Waffe weg, Sam.

ORyan: Weil in den Morgenzeitungen ein paar Aufnahmen von mir erscheinen und es mir besser gefällt, wenn sie nicht mehr so lange leben, daß sie noch darüber dreckig lachen können.

Miller: Und wenn die Frau aussagt? Hä, was dann? Dann wirst du als ein Beamter entlarvt der Protokolle fälscht, der seinen eigenen Partner hintergangen hat. Dann werden sie im Amt nicht mal mehr deinen Namen nennen, Sam, den schlecht würde ihn werden.

Dalmas: Der Hahn an ORyans Revolver knackte und ich sah, wie sich sein knochiger Finger um den Abzug krümmte. Mein Nacken war naß wie eine Hundeschnauze. Inspektor Miller stand auf. Der Revolver zuckte auf ihn.

Miller: Ich sage dir, steck die Waffe weg.

Dalmas: Jerry Miller ging ruhig auf ORyan zu, die Waffe begann zu schwanken.

Miller: Steck sie weg, Sam, wenn du einen klaren Kopf behältst, geht alles in Ordnung, wenn nicht, ist es aus mit dir.

Dalmas: Miller ging noch einen Schritt näher, ORyan öffnete den Mund weit und ließ einen japsenden Laut hören, dann fiel er in den Sessel zurück, als sei er über den Kopf geschlagen worden, seine Augen klappten zu, Inspektor Miller riß ihm den Revolver aus der Hand.

Miller: Es ist der heiße Wind Sam, wir wollen das Ganze vergessen. Okay. Ich würde eine Frau, die mir das Leben gerettet hat, auch eine Menge tun.

Dalmas: Übrigens Inspektor, der Tote in Waldos Apartment hieß Leon Valessanos. Er war Croupier im Special Club.

Miller: Danke. Komm Sam gehen wir.

Dalmas: Die Barsalys wohnen Freeman Place 12, sie können ja Miss Barsaly die Perlen bringen, wenn Barsalys Name nicht in die Zeitungen kommt, erhalte ich 500$, aber mir geht es bei der Geschichte nicht um Geld, die 500 soll der Unterstützungsfonds kriegen.

Miller: Wie sie wollen, und bringen Sie Miss Barsaly die Perlen.

Dalmas: Okay.

Miller: Komm schon.

Lola: Hallo.

Dalmas: Hier John Dalmas, ist bei Ihnen alles klar, Lola?

Lola: Ja, ich bin allein.

Dalmas: Ich habe was gefunden oder richtiger, die Polizei hat was gefunden.

Lola: Was denn?

Dalmas: Die Perlen.

Lola: Ja.

Dalmas: Aber sie sind nicht echt, ihr Herr Chauffeur hat sie betrogen, die echten hat er verkauft.

Lola: Oh nein.

Dalmas: Nehme ich an, und den Verschluß den zweiflügligen Propeller an einer Kette mit falschen Perlen anbringen lassen.

Lola: Und wo hat die Polizei die Kette gefunden?

Dalmas: In Waldos Wagen, aber sie wird nichts darüber verlauten lassen, sie hat mit mir ein kleines Abkommen getroffen, lesen Sie die Morgenzeitungen, Lola, dann werden Sie es verstehen.

Lola: Kann ich die Schließe wieder bekommen?

Dalmas: Natürlich, sagen wir heute Nachmittag um 4 Uhr im Esquire Club in der Bar, einverstanden?

Lola: Es ist sehr freundlich von Ihnen, ich werde da sein, Frank ist noch auf einer Sitzung.

Dalmas: Diese Konferenzen haben es in sich, sie reiben einen auf.

Lola: Also um vier.

Mann: Ja. Was solls?

Dalmas: Mr. Barsaly, sie können mir morgen einen Scheck über 500$ schicken, stellen Sie ihn auf den Unterstützungsfonds aus, denn der bekommt die 500.

Mann: Okay, Mr. Dalmas.

Dalmas: Danke.

Dalmas: Nach dem Frühstück suchte ich ein Juwelier auf, ich zeigte ihm die Perlen.

Juwelier: Mhm. Ganz hübsch, aber natürlich Imitation, und was soll ich damit?

Dalmas: Ich möchte eine Kette wie diese hier mit dem Verschluß gearbeitet und zwar sehr schnell.

Juwelier: Bitte, können Sie haben, hier diese da z.B. nicht ganz die gleiche Kette, das Glas ist nicht so gut wie bei ihrer Kette, aber doch kaum zu unterscheiden.

Dalmas: Okay, aber mit dem Verschluß da, die anderen Perlen möchte ich gerne zurückhaben.

Juwelier: Aber bitte natürlich, um 2 Uhr ist die Kette fertig.

Dalmas: Danke.

Dalmas: Um 4 Uhr saß ich neben Miss Barsaly in der Bar des Esquire Clubs.

Lola: Schön Dalmas, daß Sie Wortgehalten haben.

Dalmas: Ich habe Ihnen noch die Bolerojacke und den Hut mitgebracht hier in dem Paket, am besten Sie werfen es so wie es ist in die Heizung.

Lola: Danke.

Dalmas: Haben Sie schon die Zeitungen gelesen?

Lola: Ja.

Dalmas: Verstehen Sie jetzt, wie das mit dem Inspektor ORyan war der ihnen ihren Auftritt gestohlen hat.

Lola: Natürlich.

Dalmas: Er muß den Mund halten.

Lola: Zeigen Sie mir die Perlen, bitte. Ja. Ja, sie haben recht, das sind nicht die Perlen von Stan.

Dalmas: Inspektor ORyan hat die Perlen in Waldos Wagen gefunden, ich sage ihn das nur für den Fall, daß Sie sich vergewissern wollen.

Lola: Reden Sie keinen Unsinn, Dalmas, es ist ohnehin alles vorbei, es war eine Erinnerung, Stan ist tot, schon lange tot, und ich ich bin noch zu jung, um von Erinnerungen zu leben.

Dalmas: Allerdings.

Lola: Heute morgen sagte mir mein Mann, wovon ich nichts geahnt habe, er will sich von mir trennen.

Dalmas: Oh, das tut mir leid. Tja. Tja, sonst ist nichts weiter zu sagen. Also vielleicht sehen wir uns gelegentlich, vielleicht auch nicht jedenfalls vielglück lola. Danke. Ich verließ die Bar ohne mich umzusehen, stieg in meinen Wagen und fuhr über den Sunset Boulevard nach Westen, bis zur Küste hinunter, überall in den Gärten waren die Blätter und Blüten vom heißen Wind verfärbt, verdorrt, verbrannt, der Ozean hatte sich wieder beruhigt, ich parkte und ging die Küste entlang, beobachtete eine weile die Wellen, zog die Schnur mit den falschen Perlen aus der Tasche und warf sie einzeln hinaus ins Meer und dachte dabei an Mr Stan Philips, den Flieger, der auch nur ein Schwindler war.

John Dalmas, Privatdetektiv: René Deltgen
Sam O'Ryan, Inspektor: Karl Renar
Jerry Miller, Inspektor: Georg Kostya
Frank Barsaly: Dietrich Thoms
Lola Barsaly, dessen Gattin: Elfie Petramer
Anja Kolchenko (Franks Geliebte): Anja Buczkowski
Lew Dexter (Barkeeper): Edwin Baumeister-Noel
Waldo Rattigan (Lolas Ex-Chauffeur): Manfred Spieß
Al Tessilore (Betrunkener): Werner Lieven
Juwelier: Alexander Malachovsky
Bearbeitung (Wort) und Regie: Edmund Steinberger

Kommentar von Hörspiele |

Edgar Wallace: Der Joker (SWF 1988)
(Ein Kriminalhörspiel nach Motiven von Edgar Wallace, Manuskript: Florian Pauer)

Higgins: Guten Morgen, Ann.

Ann Pattison: Ich darf Sie darauf hinweisen, daß es bereits viertel vor elf ist, haben Sie verschlafen, Inspektor?

Higgins: Und wenn es so wäre, ist Sir John schon da?

Ann Pattison: Allerdings.

Sir John: Ann Pattison, ist Higgins endlich da?

Ann Pattison: Ja, Sir John, er ist soeben gekommen.

Sir John: Dann schicken Sie ihn sofort rein.

Ann Pattison: Ja, Sir John. Sehen Sie, er wartet bereits seit zwei Stunden auf Sie. Und wenn ich Ihnen einen guten Rat geben darf, dann seien Sie heute freundlich zu ihm. Er ist nämlich gestern zum dritten Mal bei der Fahrprüfung durchgefallen und hat eine fürchterliche Laune.

Higgins: Ja, wie gewöhnlich. Also dann werde ich mich mal in die Höhle des Löwen wagen. Guten Morgen, Sir.

Sir John: Ah, da sind Sie ja endlich Higgins, guten Morgen, ja, jetzt beantworten Sie mir einmal eine Frage. Bin ich Verkehrspolizist oder Chef von Scotland Yard?

Higgins: Selbstverständlich der Chef von Scotland Yard, Sir.

Sir John: Schön, schön, dann erklären Sie mir einmal, wieso ein einfacher Verkehrsunfall auf meinem Schreibtisch landet.

Higgins: Ein Verkehrsunfall auf Ihrem Schreibtisch?

Sir John: Ja, ein Verkehrsunfall, sag ich doch. Ein Mann wurde vorgestern Nacht von einem wahrscheinlich betrunkenen Autofahrer angefahren und getötet, der anschließend Fahrerflucht beging, das übliche halt. Heutzutage fährt ja alles schon Auto, jeder Idiot bekommt ja einen Führerschein, und wenns kracht, belästigt man jetzt schon mich damit, als ob wir hier nicht genügend andere Probleme hätten.

Higgins: Ja, sehr bedauerlich, wirklich. Übrigens, haben Sie gestern Ihre Fahrprüfung bestanden, Sir John, darf man gratulieren?

Sir John: Äh nein, nein, nein, es gab da ein Mißverständnis, der Prüfer war so ein sturer Hund, äh, Sie kennen ja diese Sorte, aber im Moment beschäftigt mich diese andere Sache.

Higgins: Sir John, diese Angelegenheit ist keine Lappalie. Ich habe gestern abend diesen sogenannten Verkehrsunfall und seine Begleitumstände etwas genauer unter die Lupe genommen, ich habe den Eindruck, daß sich bereits einige Reporter unsere Köpfe zerbrechen.

Sir John: Was soll das heißen?

Higgins: Haben Sie schon die heutige Ausgabe des Daily Mirror gelesen?

Sir John: Nein, nein, nein.

Higgins: Ich darf zitieren: Wieder tödlicher Unfall mit Fahrerflucht, Experten glauben nicht mehr an Zufall.

Sir John: Und?

Higgins: Sir, ich habe mit den Kollegen vom Unfallkommando gesprochen, die Sache von vorgestern Nacht ist bereits der vierte Autounfall mit tödlichem Ausgang und anschließender Fahrerflucht innerhalb weniger Wochen, und das immer in der Nacht. Von Augenzeugen, so es welche gibt, wird zumeist eine dunkle Limousine erwähnt, und diesmal haben wir die Aussage einer Frau, die mir doch sehr zu denken gibt. Nach ihren Angaben hat die dunkle Limousine in einer Seitenstraße vom Kensington Park gewartet und war dann mit voller Absicht auf den Mann zugerast.

Sir John: Sind Sie sicher? Das wäre ein glatter Mordanschlag.

Higgins: Die Frau konnte nicht schlafen und stand am Fenster, dadurch bekam sie alles genau mit, wir haben ihre schriftliche Aussage.

Sir John: Ja, ist ja ungeheuerlich.

Higgins: Ja, es ist ungeheuerlich, aber es ist noch nicht alles. Der Mann von vorgestern Nacht hieß Jugent Pelford, ein alter Kunde von uns, wir haben ihn in unserer Kartei, er hat einige Jahre in Dartmoor abgesessen.

Sir John: Ja, ja, und?

Higgins: Das hat mich stutzig gemacht. Ich habe mir die Dossiers der anderen ungeklärten Autounfälle angesehen, wissen Sie, wer die Opfer waren? Mike Brett, Piet Fletcher, Derrick Hardley, allesamt schwere Jungs, hier ein Raubüberfall, da ein Todschlag, und so weiter und so weiter, man könnte meinen, hier hat jemand die halbe Londoner Unterwelt ins Visier genommen.

Sir John: Moment, Higgins, ich gebe ja zu, daß das alles sehr auffällig ist, aber ich würde keine voreiligen Schlüsse ziehen. Bei den vielen hundert Verkehrstoten, die wir Jahr aus Jahr ein haben, kann es auch nichts weiter als ein böser Zufall sein, vielleicht hat die Zeugin auch eine etwas lebhafte Fantasie.

Higgins: Möglich, Sir, aber nachdem, was ich bis jetzt in Erfahrung bringen konnte, kann ich nicht mehr an Zufall glauben, Sir John, aber das beste kommt noch. Bei Pelford, also dem Toten von vorgestern Nacht, fand man das.

Sir John: Was ist das?

Higgins: Eine Spielkarte, ein Jolly Joker, mit einem handschriftlichen Vermerk, Montag 22 Uhr, man fand sie in Pelfords Brieftasche. Fällt Ihnen etwas auf, Sir John?

Sir John: Sprechen Sie nicht in Rätseln, was meinen Sie damit?

Higgins: Vorgestern war Montag, und gegen 22 Uhr 30 wurde Pelford.

Sir John: Überfahren.

Higgins: Ich würde sagen, ermordet, Sir John, und das ist meine feste Überzeugung.

Sir John: Das ist bis jetzt nur eine Hypothese, und zwar Ihre Hypothese, Higgins, aber gut, bleiben Sie an dem Fall dran, Sie haben meine volle Unterstützung. Übrigens habe ich diesmal einen Assistenten für Sie.

Higgins: Wie bitte? Einen Assistenten für mich?

Sir John: Ja, Superintendant Lane, Sir Eric hat ihn uns geschickt, eine Leihgabe aus Nottingham sozusagen, gehen Sie nur ins Nebenzimmer, er wartet schon auf Sie.

Higgins: Einen Assistenten.

Lane: Hallo.

Higgins: Hallo. Sie sind Superintendant Lane.

Lane: Für Sie Barbara. Sind Sie sehr enttäuscht, Chiefinspektor?

Higgins: Nein, nein nein, keineswegs, so angenehme Überraschungen sind bei uns im Haus wahrlich nicht alltäglich, also kann ich nur sagen, willkommen in London.

Lane: Danke.

Higgins: Sagen Sie, wieso wurden Sie uns zugeteilt, Sir Eric konnte doch von unserem Problem noch nichts wissen.

Lane: Nein, das konnte er auch nicht, aber ich weiß eigentlich auch nicht, worum es geht. Nachdem ich diesen Ken Russel hinter Schloß und Riegel gebracht hatte, wurde es in Nottingham ein wenig langweilig, und Sir Eric meinte, ein Klimawechsel könnte mir sehr gut tun.

Higgins: Ken Russel, den haben Sie aus dem Verkehr gezogen, den Mann, der mit Computermanipulationen 8 Millionen Pfund ergaunert hat?

Lane: Genau den.

Higgins: Mein Kompliment.

Sir John: Na, haben Sie sich schon angefreundet?

Higgins: Danke Sir.

Ann Pattison: Sir John.

Sir John: Ja?

Ann Pattison: Entschuldigen Sie die Störung, Sir John, aber da draußen ist jemand, der Inspektor Higgins sprechen möchte.

Sir John: Wer denn?

Ann Pattison: Ein gewisser Mr. Reynolds.

Higgins: Etwa Billy Reynolds?

Ann Pattison: Ja.

Higgins: Rein mit ihm.

Ann Pattison: Ja. Sie sollen reinkommen.

Reynolds: Inspektor?

Higgins: Sieh mal einer an, daß Sie mir in meinem Leben noch einmal ohne Handschellen gegenüberstehen würden, hätte ich auch nicht gedacht, Reynolds.

Reynolds: Sehr witzig, Inspektor. Ich möchte das hier abliefern.

Higgins: Interessant. Sir, sehen Sie sich das einmal an.

Sir John: Was ist denn das, Higgins? Ist das die Beute aus dem Serapju-Coup?

Lane: Serapju-Coup?

Higgins: Ja. Sie sollten wissen, Kollegin, vor etwa zwei Monaten gab ein jordanischer Ölscheich eine Galaparty auf seinem Landsitz hier in der Nähe von London. Nachdem die Gäste gegangen waren, war er um Juwelen im Werte von 300.000 Pfund erleichtert. Dieser Gentleman, der jetzt so reumütig vor uns steht, war daran offenbar nicht ganz unbeteiligt. Saubere Arbeit, Reynolds, aber soweit ich das auf den ersten Blick sehe, ist das nur die Hälfte der Juwelen.

Reynolds: Mir wäre auch wohler in meiner Haut, Inspektor, wenn ich alles zurückgeben könnte.

Higgins: Mein lieber Reynolds, Sie werden mir doch zustimmen, wenn ich sage, daß Sie uns eine Erklärung schuldig sind, oder?

Reynolds: Ja. Sehen Sie sich das an, Inspektor.

Higgins: Das wäre also die Nummer zwei. Glauben Sie immer noch an Zufall, Sir John?

Lane: Ja was ist denn das? Eine Spielkarte, eine Jolly-Joker-Karte. Was steht da? Donnerstag 18 Uhr, bleiben Sie am Telefon, J.

Sir John: Ja und was soll dieses J. bedeuten?

Higgins: Reynolds, haben Sie das Diamanten-Ding etwa mit Pelford gedreht?

Reynolds: Ja, aber Pelford ist tot, und deshalb bin ich hier. Sie sind verpflichtet, mich zu schützen, Inspektor, mein Leben ist bedroht.

Ann Pattison: Sir John, es ist Zeit für Ihre Tabletten.

Sir John: Aber jetzt doch nicht, alles der Reihe nach.

Ann Pattison: Aber Sir John.

Sir John: Reynolds, was soll dieses J. bedeuten?

Reynolds: Das J steht für Joker. Noch nie von ihm gehört? Er terrorisiert seit Monaten die gesamte Londoner Unterwelt. Seine Methode ist einfach und sicher zugleich. Wenn irgendwo ein Ding gedreht wird, ist er der erste, der davon Wind bekommt, und mit Morddrohungen erpreßt er die Herausgabe von 90 Prozent der Beute. Keiner, der darauf nicht eingegangen ist, hat überlebt.

Higgins: Gehörten Mike Brett und Piet Fletcher auch dazu?

Reynolds: Fletcher? Hats den etwa auch erwischt? Von Brett wußte ichs, aber von Flechter...

Higgins: Fletcher wurde vor ungefähr 14 Tagen von einem Auto angefahren und tödlich verletzt.

Reynolds: Der also auch. Pelford und ich hatten noch vor nicht allzulanger Zeit im Montmartre mit ihm gesprochen. Allerdings verstehe ich das nicht ganz, Fletcher war doch bereit, auf die Forderung des Jokers einzugehen.

Sir John: Sie sagen, der Joker ist der erste, der von einem Coup erfährt, Mr. Reynolds, woher weiß er es?

Reynolds: Tja, er weiß es eben.

Lane: Tja, und seit dem Serapju-Coup hat er nun Sie im Visier.

Reynolds: Sie sagen es. Pelford war dagegen, den Erpressungen des Jokers nachzugeben, wir teilten die Beute und trennten uns, aber weit ist er ja nicht gekommen, und ich bin wahrscheinlich der nächste!

Higgins: Hören Sie zu, Reynolds, wir werden Ihnen helfen, in Ihrem Interesse, aber bevor wir das tun, eine Frage, da Sie ja mit der Londoner Unterwelt so intim befreundet sind, gibt es einen Anhaltspunkt, irgend ein Indiz, wer der Joker sein könnte?

Reynolds: Nein, das einzige, was wir wissen ist, daß er diese dunkle Limousine fährt, nen schwarzen Jaguar.

Lane: Wann will er mit Ihnen wieder Kontakt aufnehmen?

Reynolds: Donnerstag, also morgen um 18 Uhr, steht ja auf der Karte.

Higgins: Wo wohnen Sie?

Reynolds: Wir hatten ein Zimmer im Eastend gemietet.

Higgins: Schön, dann fahren Sie dorthin, Sie bekommen zwei Mann Begleitung, einen in die Wohnung, einer bleibt unauffällig vor Ihrem Haus. Wenn sich der Joker meldet, gehen Sie auf seine Forderung ein, den Rest erledigen wir.

Reynolds: Was haben Sie vor?

Higgins: Wahrscheinlich sollen Sie die Juwelen irgendwo deponieren, entweder an einem entlegenen Ort oder mitten in der Stadt, wo der Joker im Verkehrsgewühl rasch wieder untertauchen kann. Sie hinterlegen jedenfalls das Zeug, wo immer er will, und verschwinden dann so rasch wie möglich, wenn er es abholt, schnappen wir ihn uns.

Lane: Glauben Sie wirklich, daß er persönlich kommen wird?

Higgins: Auch wenn er nur einen Mittelsmann schickt, bringt uns das weiter. Nach unserer bisherigen Kenntnis seiner Arbeitsmethode dürfte er wohl kaum viele Mitarbeiter haben. Je weniger seine Identität kennen, desto sicherer kann er sich fühlen. Ihr Telefon, Reynolds, werden wir selbstverständlich auch abhören.

Reynolds: Und Sie können meinen absoluten Schutz garantieren?

Sir John: Ja ein bißchen was müssen Sie schon riskieren, Reynolds, wenn Sie aus der Sache mit einem blauen Auge rauskommen wollen. Bisher waren Sie ja auch nicht zimperlich.

Reynolds: Nein, aber der Joker...

Higgins: Der Joker, der Joker, der Joker. Der Joker ist auch nur ein gewöhnlicher Krimineller und kein Phantom. Und je schneller wir diesem Spuk ein Ende bereiten, um so besser für alle Beteiligten, ja ja, sonst macht Sir John seinen Führerschein nie.

Sir John: Nanananananana, untergraben Sie da nicht meine Autorität vor diesem Gaunerpack, Higgins, mein Führerschein geht nur mich etwas an.

Sir John: Reynolds ist tot? Higgins, wie konnte das passieren? Es war doch alles bis ins kleinste Detail vorbereitet!

Higgins: Richtig, Sir, Reynolds sollte die Juwelen in der Telefonzelle am Haymarket hinterlegen und sofort verschwinden.

Lane: Und daß dieser Reynolds 10 Meter vor der Telefonzelle niedergeschossen wird.

Higgins: Daß hat doch niemand erwarten können, Sir, daß der Joker die Beute sausen läßt und Reynolds liquidiert.

Sir John: Dieser Joker… was ist?

Ann Pattison: Es ist Zeit für Ihre Tabletten.

Sir John: Dieser Joker scheint allgegenwärtig zu sein.

Ann Pattison: Sir John.

Lane: Oder er hat einige brillant getarnte Spitzel.

Sir John: Sie sagen es, Miss Lane. Higgins, wir haben jetzt 5 Tote, und keinen einzigen brauchbaren Anhaltspunkt. Ich muß dem Minister Rede und Antwort stehen und Sie scheinen Jolly-Joker-Karten zu sammeln.

Higgins: Wir müssen dort weiterarbeiten, wo Reynolds aufgehört hat.

Sir John: Reynolds ist tot.

Higgins: Richtig Sir, Reynolds ist tot, auch Pelford und Fletcher. Sir John, können Sie sich erinnern, was Reynolds über Fletcher sagte, er und Pelford hätten zuletzt miteinander im Montmartre gesprochen, das scheint ein Pup zu sein oder irgendein Restaurant.

Sir John: Jaja, das ist so ein Nobelnachtklub irgendwo in Finsbury, wird ja nicht allzu schwierig sein, das herauszufinden.

Higgins: Ganz recht, Sir, also kommen Sie, Barbara, wir machen uns einen netten Abend. Sir John.

Lane: Sir.

Kellner: Was darfs sein?

Lane: Ein Wodka Martini mit viel Eis, bitte.

Higgins: Für mich einen doppelten Scotch.

Kellner: Jawohl Sir.

Higgins: Rauchen Sie?

Lane: Danke nein.

Higgins: Aber ich doch.

Lane: Ganz schön was los hier.

Higgins: Ja, aber lassen Sie sich von der Schickeria nicht täuschen, soweit ich es auf den ersten Blick gesehen habe, sitzen hier mindestens 300 Jahre Dartmoor auf einem Haufen.

Lane: Oh wie beruhigend.

Kellner: Ihre Getränke.

Higgins: Danke.

Lane: Und Sie meinen, daß hier ist die richtige Adresse, um an den Joker heranzukommen.

Higgins: Ich hoffe es. Immerhin verkehrten hier Reynolds, Pelford und Fletcher. Außerdem.

Lane: Ist was?

Higgins: In der rechten hinteren Ecke sitzen fünf Männer an einem Tisch, sehen Sie hin, aber unauffällig. Der Graumelierte mit dem Bürstenhaarschnitt, der sein Gesicht halb abgewandt hat, kennen Sie ihn?

Lane: Hm. Irgendwie kommt er mir bekannt vor.

Higgins: Ja, das ist Tom Silkwood. Hm, im Yard hat er den Spitznamen der Amerikaner.

Lane: Aha, und was wissen Sie noch über ihn?

Higgins: Ja, er wurde in den 50er Jahren aus England ausgewiesen, hat einige tolle Dinger gedreht, nur beweisen konnte man ihm nie etwas. Er ging dann nach Amerika, wo er mit der gleichen Methode arbeitete, gut ein halbes Dutzend Mal wurde Anklage gegen ihn erhoben, er wurde aber mangels Beweisen immer wieder freigesprochen. Man sagt ihm drüben übrigens gute Kontakte zur Mafia nach.

Lane: Und warum gibt es uns jetzt wieder die Ehre?

Higgins: Hm, wahrscheinlich ist er mit falschem Paß eingereist, aber wir werden das überprüfen. Wo Silkwood auftaucht, steckt meistens mehr dahinter als ein paar Tage Urlaub, er plant seine Coups generalstabsmäßig.

Lane: Schade, daß man nicht hören kann, was die da miteinander reden.

Higgins: Tja. Und wie gefällt Ihnen das Lokal sonst?

Lane: Hm, sonst, also der Martini Wodka ist passabel, die Einrichtung muß sündhaft teuer gewesen sein, also, so ganz recht mit ihren 300 Jahren Dartmoor haben Sie nicht, da kommt Sir Donald, Abgeordneter im Unterhaus.

Higgins: Bleiben wir bei der Einrichtung. Fällt Ihnen nichts auf?

Lane: Hm, die blaue Marmorkatze da an der Wand scheint mir ein wenig zu extravagant, die auffälligen Blumengestecke auf jedem Tisch.

Higgins: Eben. Man kann sie offenbar nicht verrücken.

Lane: Tatsächlich.

Higgins: Ich muß immer wieder an Reynolds denken, er hat eine Gaunerkarriere hinter sich, die sich wirklich sehen lassen konnte, und seine Komplizen waren auch mit allen Wassern gewaschen, aber auf die Frage, woher der Joker seine Informationen beziehen könnte, sagte er bloß, ja, er weiß es eben. Nein nein, dahinter muß ein ebenso einfacher wie raffinierter Trick stecken.

Lane: Ich beginne zu ahnen, was Sie meinen, Chiefinspektor.

Higgins: Tja, heute können wir hier sowieso nichts mehr tun, die beiden Streifen müssen ohnehin bald da sein, und Sie Barbara, sehen Sie bitte zu, daß Sie morgen etwas über diesen Laden hier in Erfahrung bringen können, wem er gehört, wie der Barmixer heißt, usw. usw.

Lane: Geht in Ordnung. Danke für den Drink, Chief.

Higgins: Oh, keine Ursache.

Ann Pattison: Verzeihen Sie die Störung, Sir John, hier ist jemand, der Chiefinspektor Higgins sprechen möchte.

Sir John: Wer ist das denn?

Ann Pattison: Ein gewisser Mr. Harras.

Higgins: Kenn ich nicht.

Sir John: Ja, soll hereinkommen.

Ann Pattison: Ja. Bitte, Mr. Harras.

Higgins: Mein Name ist Higgins, Sie wollten mich sprechen.

Harras: Ja, mein Name ist Harras, Josua Harras, ich bin Portier und Sekretär im Home of Peace, einem sehr angesehenen Pflegeheim für alte Leute in West Kensington.

Sir John: Ja, nehmen Sie doch bitte Platz, Mr. Harras.

Harras: Dankeschön.

Sir John: Was führt Sie zu uns?

Harras: Ja sehen Sie, in den letzten Tagen tauchten in den Zeitungen immer wieder Meldungen von äußerst mysteriösen Autounfällen auf, es wird das Gerücht kolportiert, daß es sich dabei nicht um gewöhnliche Unglücksfälle, sondern um Mordanschläge handelte.

Higgins: Erzählen Sie weiter, Mr. Harras.

Harras: Die Fotos der Opfer wurden in den Zeitungen abgebildet, und ich kenne zwei von ihnen. Äh, bei dem einen war ich mir erst nicht so sicher, sehen Sie, ich habe die betreffenden Artikel mitgenommen, von dem einen Mr. Pelford glaube ich, daß er einmal kurz bei uns zu Besuch gewesen ist, vom zweiten Mr. Fletcher, weiß ich es jedoch ganz bestimmt.

Higgins: Wann was das?

Harras: Das war vor ungefähr drei Wochen. Mr. Fletcher kam eines Vormittags zu uns und verlangte an der Rezeption ziemlich schroff Lady Smith zu sprechen. Sie müssen wissen, Lady Smith ist die Leiterin des Sanatoriums. Ich bat ihn also weiter ins Büro, nachdem ich Lady Smith von seinem Kommen informiert hatte, und sie ließ ihn kommentarlos eintreten. Ich konnte dann feststellen, daß hinter der verschlossenen Tür eine ziemlich heftige Debatte stattfand. Nach etwa 10 Minuten verließ Mr. Fletcher mit rotem Kopf das Büro und fuhr grußlos in seinem Wagen fort.

Higgins: Haben Sie mitbekommen, worum sich das Gespräch drehte?

Harras: Aber Mr. Higgins, ich pflege nicht an Türen zu lauschen.

Higgins: Ja, ja ja, ich bin davon überzeugt, Mr. Harras, aber da Sie selbst sagten, daß das Gespräch ziemlich heftig verlief, könnte es doch sein, daß Sie, ohne natürlich zu beabsichtigten, ein paar Worte aufgeschnappt haben.

Harras: Ja, ich glaube etwas von Unterbieten gehört zu haben und äh Schweinerei.

Sir John: Ja, das ist ja alles nicht sehr informativ.

Higgins: Namen fielen keine?

Harras: Ich habe keinen gehört, Inspektor.

Higgins: Sehr viel ist das nicht, was Sie uns zu berichten haben, Mr. Harras, aber wir werden der Sache auf den Grund gehen.

Sir John: Higgins, wenn Sie in jeder Bude nachsehen, wo die Kerle einmal vorbeigeschaut haben, kommen Sie nie ans Ziel.

Harras: Bude? Ich bitte Sie, Sir, ich habe nur getan, was ich für meine Pflicht hielt, nämlich Sie davon in Kenntnis zu setzen.

Higgins: Is ja gut, ist alles gut, wir sind Ihnen auch sehr dankbar. Guten Tag.

Sir John: Moment, Moment mal Mr. Harras, wo sagten Sie, liegt dieses Sanatorium?

Harras: In West Kensington, nahe der North End Road.

Sir John: Das ist eine noble Gegend.

Harras: Allerdings.

Sir John: Warum glauben Sie, kamen Pelford und Fletcher ins Sanatorium, hatten sie Verwandte im Heim oder wollten sie direkt zu Lady Smith?

Harras: Also, Pelford hab ich nur das eine Mal gesehen, was Mr. Fletcher betrifft, so kann ich das nicht beurteilen, äh, Sie müssen wissen, daß ich erst seit 5 Monaten im Home of Peace arbeite.

Sir John: Also, Mr. Harras, es war sehr freundlich von Ihnen, daß Sie zu uns gekommen sind, aber genaugenommen sind Ihre Angaben zu dürftig, Sie müßten uns schon eindeutigere Hinweise geben, daß die Besuche von Mr. Pelford und Mr. Fletcher in Zusammenhang mit deren ungewöhnlichem Ableben stehen, ich schlage vor, Sie verschaffen sich einen genaueren Einblick in die Akte, und wenn Sie etwas finden, wovon Sie glauben, daß es von Bedeutung ist, dann kommen Sie wieder zu uns.

Harras: Ich werde mein Bestes tun, Sir.

Sir John: Merkwürdig, das ganze, Higgins.

Higgins: Ja, wenn ich ehrlich bin, zu denken gibt mir die Sache schon. Hm, da jagen wir diesem verdammten Geisterwagen nach, dessen Fahrer wir nicht kennen, wir haben ein halbes Dutzend Tote, die wahrscheinlich alle auf sein Konto gehen, und dann kommt so eine lächerliche Figur wie Harras zum Yard und behauptet aus heiterem Himmel, er kenne Pelford und Fletcher.

Sir John: Jaja, Sie machen das schon, Higgins.

Higgins: Genau Sir John und ebendarüber muß ich mit Ihnen ein ernstes Wort reden.

Sir John: Aber Higgins, ich bin um halb sechs im Klub verabredet.

Higgins: Ich bitte Sie um 5 Minuten, Sir. Als Sie mir den Fall übertrugen, sagten Sie mir volle Unterstützung zu.

Sir John: Ja die haben Sie ja. Sonst noch was?

Higgins: Wie ich Ihnen schon berichtete, Sir, war ich gestern im Montmartre.

Sir John: Ja, und seitdem werden der Amerikaner, dieser...

Higgins: Silkwood.

Sir John: Silkwood, ganz recht, und seine Leute rund um die Uhr beobachtet, und das Lokal auch.

Higgins: Das genügt mir nicht, ich will einen Durchsuchungsbefehl.

Sir John: Was denn, Sie wollen mit meinen Beamten das Montmartre auf den Kopf stellen?

Higgins: Sir John, Pelford, Reynolds, Fletcher, sie alle verkehrten dort, und sie alle kamen auf die Abschußliste des Jokers.

Sir John: Jaja ich weiß, aber ihnen ist vielleicht entgangen, daß dort auch ehrenwerte Mitglieder unserer Londoner Gesellschaft ihre Abendstunden zu verbringen pflegen, Politiker, Richter, Anwälte. Mein guter Freund Sir Donald zum Beispiel.

Higgins: Ja, er war gestern abend auch dort, mir kommen die Tränen. Wenn wir wirklich etwas gegen den Joker unternehmen...

Sir John: Ich will kein Wort mehr hören, Higgins, tun Sie, was Sie nicht lassen können, aber ich werde es nicht zulassen, daß Sie dort Ihre Privatfete starten, bevor Sie mir handfeste Beweise auf den Tisch legen. Vorher sind das alles nur Vermutungen.

Higgins: Verstehe, Sir John, wenn ich erst mal auf meine Weise ein paar fette Indizien beschafft habe, dann stehen Sie ja ganz loyal zu Ihren Chiefinspektoren.

Sir John: Wie meinen Sie?

Higgins: Nein, nichts, ich wünsche einen schönen Abend.

Sir John: Ja wohin wollen Sie?

Higgins: Ich habe heute noch ein wichtiges Arbeitsessen vor mir, mit Superintendant Lane, man muß sich ja schließlich einmal kennen lernen, die Rechnung bekommen Sie morgen.

Lane: Hm, sagen Sie, Chiefinspektor, führen Sie Ihre Assistenten immer so vornehm aus?

Higgins: Bin ich Krösus? Hm, ich erinnere mich, wir hatten einmal einen Sergeant, Harvy hieß er, er bekam vom damaligen Chef Sir Artur immer die unangenehmsten Aufgaben übertragen, manchmal fuhren wir auch zusammen Streife, da waren Hamburger und Cola schon das allerhöchste der Gefühle.

Lane: Oh, das ist äußerst interessant. Heißt das, Sie wollen mich bei diesem schwierigen Fall nur bei Laune halten, hm mit diesem köstlichen Filet beispielsweise, bevor wir uns ernsthaft auf die Fährte des Jokers heften?

Higgins: Abgesehen von der Tatsache, daß ich noch nie einen so hübschen Assistenten hatte.

Lane: Noch nie?

Higgins: Fürchte ich, daß uns in der Tat noch schwere Tage bevorstehen, Wochen, Monate, was weiß ich.

Lane: Chiefinspektor...

Higgins: Higgins für Sie.

Lane: Oh, einen Vornamen haben Sie wohl nicht.

Higgins: Doch doch doch, nur verschweige ich ihn meistens. Meine Intimfeinde nennen mich Chiefinspektor Higgi.

Lane: Und Ihre Intimfreunde?

Higgins: Higgi.

Lane: Also gut, Higgi, erzählen Sie einmal, wie lange dauerte Ihr längster Fall, den Sie für den Yard gelöst haben, Sie haben einen legendären Ruf im Haus.

Higgins: Barbara, Sie wissen ja wohl selbst am besten, wie das so ist, oft dauern die Recherchen, die informelle Arbeit Monate, und die Aktion, wenn man einen hochgehen läßt, wenige Minuten.

Lane: Higgi, was denken Sie wirklich über den Joker?

Higgins: Reynolds war sein fünftes Opfer. Wie viele bisher aber tatsächlich auf sein Konto gehen, können wir nur schätzen. Ich könnte mir gut vorstellen, daß noch einige andere Unfälle vom Joker inszeniert wurden.

Lane: Von denen Sie gar nichts wissen.

Higgins: Noch nichts.

Lane: Und wie gehts also weiter?

Higgins: Eine Hoffnung ist dieser Harras.

Lane: Der Portier aus dem Pflegeheim.

Higgins: Ja, Portier und Sekretär im Home of Peace. Vielleicht findet er etwas heraus, womit wir etwas anfangen können, aber ich kann mich natürlich nicht darauf verlassen.

Lane: Bleibt also nur das Montmartre.

Higgins: Genau. Die Nase des Barkeepers gefällt mir ganz und gar nicht. Haben Sie etwas über ihn herausbekommen?

Lane: O ja, er heißt John Carpenter, 46 Jahre alt, geboren in London, es steht nichts besonderes über ihn in den Akten, keine Vorstrafen, allem Anschein nach ein unbeschriebenes Blatt. Er ist übrigens der Besitzer des Lokals.

Higgins: Besitzer und wäscht selbst die Gläser? Merkwürdig.

Lane: Vielleicht will er Personal sparen.

Higgins: Mag ja sein. Barbara, der Abend mit Ihnen war wunderschön, aber so leid es mir tut, muß ich ihn beenden.

Lane: Haben Sie noch etwas besseres vor?

Higgins: Naja nu, ich habe für das Montmartre keinen Durchsuchungsbefehl bekommen, also muß ich mich dort nochmals umsehen, auf meine Art.

Lane: Schau an schau an, wenn das Sir John erfährt.

Higgins: Darauf kann ich im Moment keine Rücksicht nehmen, wir können dem Joker nicht länger tatenlos zusehen. Kann ich Sie irgendwo absetzen?

Lane: Nein danke, ich geh zu Fuß, ein bißchen frische Luft wird mir jetzt sehr gut tun.

Higgins: Schon wieder so spät, o Mann o Mann... Wo sind denn diese Latschen wieder? – Dann wollen wir mal... Das darf doch nicht wahr sein. Was… was zum Teufel machen Sie denn in meinem Bett?

Lane: Sie sollten eigentlich wissen, daß ich von Natur aus sehr neugierig bin, bis morgen hätte ich das doch bestimmt nicht durchgehalten, die Neuigkeiten aus dem Montmartre zu erfahren. Und außerdem dachte ich mir, man könnte den angebrochenen Abend ein wenig äh… verlängern.

Higgins: Aja, das dachten Sie, meine Haustür war da überhaupt kein Hindernis.

Lane: Aber Higgi, ich bin ein Profi.

Higgins: Jaja.

Lane: Möchten Sie einen Drink?

Higgins: Ich hatte zwar schon einen, aber bekanntlich soll man auf zwei Füßen stehen. Schön, daß Sie sich mit meiner Hausbar so schnell angefreundet haben.

Lane: Auf den Joker.

Higgins: Nein, nein, eher auf den Tag, an dem wir ihn geschnappt haben werden. Cheers.

Lane: Cheers.

Higgins: Es gibt Neuigkeiten.

Lane: Hm, da bin ich aber gespannt.

Higgins: Carpenter hört die Gespräche seiner Gäste ab.

Lane: In den Blumengestecken sind Mikrophone eingebaut.

Higgins: Wunderbar, wie schnell Sie schalten. Jetzt ist mir auch klar, wie so jemand über so manches krumme Ding als erster Bescheid weiß.

Lane: Und mit diesem Jemand meinen Sie den Joker.

Higgins: Ohne jeden Zweifel. Das Montmartre ist jetzt für uns die heißeste Adresse.

Lane: Aha, und was ist unser nächster Schritt?

Higgins: Ich muß das morgen mit Sir John besprechen, auf keinen Fall möchte ich etwas überstürzen, überlegen Sie mal, angenommen, Carpenter arbeitet nur für den Joker, wenn wir da den Klub hochgehen lassen, ist der Joker auf Nimmerwiedersehen verschwunden.

Lane: Hm, und wenn Carpenter selbst der Joker ist?

Higgins: Ja, das wäre natürlich die einfachste Lösung. Hm, wissen Sie, daß das gar nicht so eine schlechte Idee war, die Sie da hatten?

Lane: Welche?

Higgins: Den Abend zu verlängern.

Lane: Hm.

Higgins: Rutschen Sie mal ein bißchen.

Lane: Möchtest du noch eine Tasse Tee, Darling?

Higgins: Nein danke. Barbara, hör zu, ich hab mir das anders überlegt, bevor ich Sir John meinen Besuch im Montmartre beichte, fahre ich hinaus ins Home of Peace.

Lane: In dieses Pflegeheim. Du willst nicht warten, bis dieser Portier, dieser Harras sich meldet.

Higgins: Nein nein, die Zeit drängt, sei so lieb und fahr schon voraus in den Yard und sag Sir John Bescheid. Ich komme gegen 12 Uhr nach.

Lane: Wie Sie befehlen, Chiefinspektor. Dank dir für die Nacht.

Higgins: Ich danke dir, Profi.

Lane: Also machs gut, bis später... Ah!

Higgins: Barbara, Barbara, was ist los?

Lane: Eine Jolly-Joker-Karte, sogar bis hierher ist er also schon gekommen.

Higgins: Aufgespießt mit diesem Jagdmesser.

Lane: Steht da irgend etwas drauf?

Higgins: Nein, das ist aber auch gar nicht nötig. Die Warnung ist eindeutig.

Lane: Ja aber wen von uns beiden hat er gemeint?

Higgins: Wahrscheinlich mich, mein Besuch im Montmartre hat sich schneller herumgesprochen als uns lieb ist.

Lane: Sag mal meinst du, daß Carpenter...

Higgins: Wir werden das gleich haben. Hallo Hooper, hören Sie mich, wo sind Sie?

Hooper: Inspektor Higgins, ich bin nach wie vor vor der Wohnung von Carpenter.

Higgins: Hat er heute Nacht das Haus noch einmal verlassen?

Hooper: Nein, Inspektor, er war die ganze Nacht über in seiner Wohnung. Sein Wagen steht ebenfalls vor der Haustür.

Higgins: OK Hooper danke. Ende. Verdammt, Carpenter kann es nicht gewesen sein.

Lane: Ja was wirst du jetzt tun?

Higgins: Wir lassen es wie besprochen, ich fahre ins Home of Peace, und du nimmst dir ein Taxi zum Yard, sie sollen im Labor das Messer und die Karte auf Fingerabdrücke untersuchen, wenn ich auch glaube, daß Sie auch kaum etwas finden werden. Komm, wir gehen.

Lane: OK.

Lady Smith: Was kann ich für Sie tun?

Higgins: Sie sind Lady Smith, die Leiterin dieses Sanatoriums, ist das richtig?

Lady Smith: Leiterin und Eigentümerin, ganz recht.

Higgins: Also Milady, ich bin mit der Aufklärung eines sehr ernsten und eines sehr mysteriösen Falles beauftragt, Scotland Yard untersucht zur Zeit einige rätselhafte Autounfälle, die in den letzten Wochen passiert sind. Wir sind dabei zu der Überzeugung gelangt, daß es sich nicht um Unglücksfälle, sondern durchweg um Mordanschläge handelte.

Lady Smith: Ah, Sie meinen jene Fälle, von denen auch schon die Zeitungen berichtet haben.

Higgins: So ist es.

Lady Smith: Und darf ich fragen, wieso Sie damit zu mir kommen?

Higgins: Sie dürfen. Bitte sehen Sie sich diese beiden Fotos einmal an.

Lady Smith: Ja.

Higgins: Sagen Ihnen diese beiden Fotos etwas, Milady?

Lady Smith: Nein, Inspektor.

Higgins: Die Fotos zeigen zwei Unfallopfer. Beide waren angeblich kurz bevor sie umkamen hier in diesem Sanatorium.

Lady Smith: Hier? Das kann ich nicht glauben. Ach, warten Sie bitte, dürfte ich die Fotos noch einmal sehen?

Higgins: Natürlich.

Lady Smith: Doch, den einen kenn ich, den mit der Narbe, das ist Mr. Fletcher. Wissen Sie, die Aufnahme ist nicht besondern gut.

Higgins: Bedauerlicherweise, Milady, entschuldigen Sie.

Lady Smith: Bitte?

Higgins: Ja.

Lady Smith: Ah ja. Sein Vater war bei uns bis zu seinem Tod in Pflege gewesen, und Mr. Fletcher ist so großzügig, uns von Zeit zu Zeit eine finanzielle Zuwendung zu machen, Sie müssen nämlich wissen, daß wir hier auf private Spenden sehr angewiesen sind.

Higgins: Ich verstehe.

Lady Smith: Ja, möglicherweise hat er uns wieder einmal einen Besuch abgestattet, aber da müßte er bei Mr. Harras vorgesprochen haben, hm, nein, den zweiten Mann kenn ich aber mit Sicherheit nicht.

Higgins: Ja. Ja, dann würde ich gerne einmal mit Mr. Harras sprechen.

Lady Smith: Das geht leider nicht. Harras hat heute seinen freien Tag.

Higgins: Achso.

Lady Smith: Aber ich kann Ihnen ja seine Privatnummer geben.

Higgins: Bitte, Milady, halten Sie es für denkbar, daß Mr. Fletcher, oder vielleicht auch Mr. Pelford, das ist der Mann hier auf dem anderen Foto, gar nicht zu Ihnen, sondern vielleicht zu einem der Heiminsassen wollte?

Lady Smith: Ja, das kann ich nicht beurteilen, Inspektor, ich glaube aber nicht, aber Sie können ja einmal meine Schützlinge fragen.

Higgins: Ich würde das sehr gerne tun. Fangen wir doch gleich mit dem älteren Herrn dahinten an, im Rollstuhl, wer ist das?

Lady Smith: Ja, ja, äh Miller?

Miller: Ja?

Lady Smith: Miller, könnten Sie mit Mr. Goldmann einen Augenblick herkommen.

Miller: Ja.

Lady Smith: Das ist Mr. Goldmann, Theodor Goldmann. Er ist erst seit wenigen Wochen bei uns.

Higgins: Mr. Goldmann, entschuldigen Sie, mein Name ist Higgins, Chiefinspektor Higgins.

Goldmann: Goldmann, Theodor Goldmann.

Lady Smith: Verzeihen Sie Mr. Goldmann, der Inspektor hier hätte eine Frage an Sie.

Goldmann: Ja, was kann ich für Sie tun?

Higgins: Sir, sehen Sie sich doch bitte diese beiden Fotos an. Kennen Sie einen der beiden?

Goldmann: Ja, den einen kenn ich.

Higgins: Den mit der Narbe?

Goldmann: Nein, den anderen, den mit der Brille.

Higgins: Pelford also, Mr. Goldmann, woher kennen Sie Pelford?

Goldmann: Er war einmal hier, vor ein paar Woche glaub ich, ich hab ihn nur kurz gesehen, was oder zu wem er wollte kann ich Ihnen auch nicht sagen, und jetzt entschuldigen Sie mich, Inspektor, Miller, fahren Sie mich ins Haus.

Higgins: Danke, Mr. Goldmann. Wie erklären Sie sich das, Milady?

Lady Smith: Ja, ich weiß auch nicht, ich kann meine Augen ja nicht überall haben.

Higgins: Natürlich nicht, Pelford muß also zu einem Ihrer Patienten gewollt haben.

Lady Smith: Ja vielleicht, was weiß ich.

Higgins: Na gut, Milady, das wärs fürs erste. Falls ich noch Fragen haben sollte, werde ich mir erlauben, nochmals bei Ihnen vorbeizusehen.

Lady Smith: Ja, tun Sie das, Inspektor. Inspektor?

Higgins: Milady?

Lady Smith: Ja, übrigens, wer sagte Ihnen eigentlich, daß diese beiden Herren bei mir gewesen sein sollen?

Higgins: Mr. Harras, er besuchte uns im Yard. Auf Wiedersehen, Milady.

Lady Smith: Auf Wiedersehen.

Sir John: Ja.

Higgins: Hallo, Sir John?

Sir John: Na endlich, Higgins, wo stecken Sie denn?

Higgins: In einer Telefonzelle in der Shaftsbury Avenue. Ich habe mich im Sanatorium umgesehen, Sir, und mit Lady Smith gesprochen.

Sir John: Ja, ja, was haben Sie für einen Eindruck?

Higgins: Einen sehr zwiespältigen. Sie kennt Fletcher, aber das gab sie nicht gleich zu, behauptet, er sei ein Förderer des Sanatoriums. Ein älterer Heiminsasse, ein gewisser Goldmann, bestätigte jedoch, daß auch Pelford dort einmal aufgetaucht ist. Im Moment kann ich mir aber noch keinen rechten Reim darauf machen. Übrigens, ist Superintendant Lane schon bei Ihnen, kann ich sie mal sprechen?

Sir John: Das können Sie nicht, sie ist nicht da, aber sie hat angerufen, sie wird sich etwas verspäten. Hören Sie mal, Miss Lane hat mir schon von Ihrem nächtlichen Ausflug ins Montmartre berichtet, also Higgins, Sie wissen, daß ich diese Eigenmächtigkeiten von Ihnen gar nicht schätze, ich repräsentiere als Chef den Yard auch nach außen, und wenn jeder meiner Inspektoren...

Higgins: Weg! Gehen Sie in Deckung!

Hooper: Hände hoch, keine Bewegung!

Higgins: Nur keine Panik, Jungs, Jungs.

Hooper: Tschuldigen Sie vielmals, Chiefinspektor.

Higgins: Ja ist ja schon gut. Geben Sie sofort eine Fahndung nach dem schwarzen Jaguar XJ 12 raus.

Hooper: Achtung, an alle Streifenwagen, gesucht wird ein schwarzer Jaguar XJ 12.

Higgins: Entfernt sich von der Shaftsbury Avenue nach Norden, wahrscheinlich Richtung Regents Park.

Higgins: Besondere Kennzeichen: Verdunkelte Scheiben. Bei Sichtkontakt anhalten und den Fahrer unverzüglich festnehmen.

Higgins: Vorsicht, der Mann ist bewaffnet und macht ohne Bedenken von der Schußwaffe Gebrauch. Ende. Hallo, Sir John, Sir John bitte kommen.

Sir John: Higgins, was war denn los?

Higgins: Sitzen Sie?

Sir John: Ja.

Higgins: Sie haben sich soeben die Begräbniskosten für einen Ihrer Chiefinspektoren erspart.

Sir John: Der Joker?

Higgins: Genau. Um ein Haar hätte er mich erwischt. Ich habe die Fahndung schon ausgegeben.

Sir John: Ja was sind denn das für Sachen, Higgins. Ich hab auch schlechte Nachrichten, der Amerikaner, wie hieß der noch?

Higgins: Silkwood, Sir.

Sir John: Ach ja, dieser Silkwood und seine Kumpanen haben unsere Leute abgehängt.

Higgins: Verdammt, heute geht aber auch alles schief. Ich komm in den Yard.

Sir John: Nein, nein, warten Sie, Mr. Harras hat heute früh noch mal angerufen, Sie sollen zu ihm in die Privatwohnung kommen, er wohnt in der Kingsroad Nummer 4.

Higgins: Ich bin schon unterwegs, Sir. - Mr. Harras, sind Sie zuhause? – Hallo, Mr. Harras? – Mr. Harras? – Mein Gott!

Lady Smith: Meine Herren, darf ich erfahren, welchem Umstand ich diese rüde Vorladung zu verdanken habe?

Higgins: Kam sie wirklich so unerwartet, Milady?

Sir John: Higgins, kommen Sie zur Sache.

Higgins: Sie verdanken die Vorladung dem Umstand, Milady, daß Ihr Portier seit gestern auf Eis liegt, im Leichenschauhaus.

Lady Smith: Harras? Wie ist das möglich?

Higgins: Man hat ihn in seinem Badezimmer solange unter Wasser getaucht, bis der Tod eintrat, seinen freien Tag hat er sich wahrscheinlich anders vorgestellt.

Lady Smith: Ja aber das ist ja entsetzlich.

Higgins: Da sind wir zufällig einer Meinung Milady, ich finde es aber auch entsetzlich, daß dieser scheußliche Mord keine zwei Stunden nach meinem Besuch in Ihrem Sanatorium von mir entdeckt wurde, nachdem ich Ihnen mitteilte, daß Harras uns wegen der Besuche von Pelford und Fletcher im Home of Peace aufgesucht hat. Sie werden sicherlich verstehen, welche Rückschlüsse für mich da naheliegend sind.

Lady Smith: Inspektor, soll das heißen, Sie unterstellen mir irgendeine Verbindung zu diesem Mord? Zwei Stunden dürften wohl ein wenig knapp bemessen sein, um einen Mordplan zu fassen und auszuführen.

Higgins: Das Argument klingt plausibel, haben Sie vielleicht schon Ihren Rechtsbeistand konsultiert?

Lady Smith: Ich verbitte mir diesen Ton.

Sir John: Higgins! Behalten Sie bitte Platz, Lady Smith.

Higgins: Sie haben mich nicht ausreden lassen. Ich sagte vorhin, daß zwischen meinem Besuch bei Ihnen und dem Entdecken der Leiche etwa zwei Stunden lagen, die Obduktion hat allerdings ergeben, daß der Mord in der Nacht passierte, so zwischen 1 und 2 Uhr morgens.

Lady Smith: Na also, sehen Sie.

Higgins: Ja, nur beweist das nichts. Harras hatte vorgestern gegen 15 Uhr Dienstschluß und war um ca. 16 Uhr bei uns. Einer ihrer Heiminsassen hat uns gegenüber bestätigt, daß kurz nach Harras auch Ihr Pfleger Mr. Miller das Heim verlassen hat.

Lady Smith: Wer hat das denn behauptet?

Higgins: Ich werde mich hüten, Ihnen das zu sagen, der Mord an Harras, der reicht mir fürs erste.

Lady Smith: Inspektor, ich werde mich an höchster Stelle über Sie beschweren, wenn Sie mir weiterhin in diesem Ton die Ermordung von Mr. Harras anlasten.

Higgins: Tun Sie das, Milady, und Sie können gleich damit anfangen. Ich hoffe, daß Ihr Pfleger ein stichfestes Alibi hat, denn wenn nicht, und wenn ich dahinterkommen sollte, daß er Harras zum Yard gefolgt ist, nehme ich ihn eigenhändig auseinander, das versichere ich Ihnen.

Lady Smith: Sie haben doch nicht den geringsten Beweis in der Hand, Inspektor, Sie tappen im Dunkeln und wollen mich belasten, weil das für Sie der einfachste Weg ist.

Higgins: Milady, wir haben eine ganze Reihe ungelöster Todesfälle, und wenn ich auf der Stelle trete, so verdirbt mir das die Laune.

Sir John: Higgins.

Higgins: Ich versichere Ihnen eines: Sollte ich nur ein einziges Indiz finden, das Sie und Ihr Sanatorium in Zusammenhang mit dieser Mordserie bringt, dann gnade Ihnen Gott.

Lady Smith: Ich sehe schon, ich werde das Gespräch über meinen Anwalt fortsetzen. Kann ich jetzt gehen?

Higgins: Sie können gehen, Lady Smith. Ich frage mich nur, ob der Joker auch so großzügig ist.

Lady Smith: Sir John, auf Ihren Inspektor, diesen Proleten, dürfen Sie sich wirklich etwas einbilden.

Lane: Eine temperamentvolle Lady.

Higgins: Blöde Kuh.

Sir John: Higgins, Sie sind wohl nicht ganz bei Trost, hier so eine Show abzuziehen. Auf die Interventionen von oben kann ich mich jetzt schon freuen.

Higgins: Ach, darauf kann ich keine Rücksicht nehmen. Überlegen Sie doch, Sir John, wir tappen im Dunkeln wegen dieser Mordserie, und da kommt dieser Portier daher, und identifiziert zwei der Opfer einwandfrei, und neun Stunden später ist er tot. Wollen Sie mir vielleicht weis machen, das sei Zufall?

Sir John: Nein, aber... Ja, Hallo? Ja, für Sie, Higgins.

Higgins: Danke. Ja. Ja, Higgins?

Stimme: Sie sind gestern noch einmal davongekommen, Chiefinspektor, das sollte Ihnen eine Warnung sein, ich gebe Ihnen einen guten Rat, lassen Sie mich in Ruhe arbeiten, sonst könnte es sein, daß Sie Ihre hübsche Freundin eines Tages nur noch anhand ihrer Ausweispapiere identifizieren können.

Higgins: Hallo? Hallo? Verdammt. Mist, verdammter.

Sir John: Wer war das?

Higgins: Na dreimal dürfen Sie raten.

Sir John: Bin ich allwissend?

Higgins: Unser Freund.

Sir John: Doch nicht etwa der Joker?

Higgins: Doch.

Sir John: Und was wollte er?

Higgins: Mir sicherlich kein langes Leben wünschen. Superintendant Lane hat er auch bedroht.

Sir John: Da haben Sies. Und Sie nehmen hier Lady Smith auseinander.

Higgins: Ja finden Sie das nicht merkwürdig?

Sir John: Was soll ich merkwürdig finden?

Higgins: Wir laden Lady Smith vor, und fast zur selben Zeit meldet sich der Joker telefonisch.

Lane: Du meinst, es war vielleicht nur ein Strohmann?

Higgins: Sicherlich natürlich, um uns zu verwirren.

Sir John: Sie duzen sich bereits. Das ist ja alles sehr hilfreich. Hören Sie zu, Higgins, hören Sie ein einziges Mal auf mich.

Higgins: Ich höre doch.

Sir John: Sie halten doch nicht etwa Lady Smith für den Joker? Das können Sie mir doch nicht antun, ein Jahr vor meiner Pensionierung.

Higgins: Sir John, ich versichere Ihnen, Ihre Pension ist in keinster Weise gefährdet.

Ann Pattison: Sir John, es ist Zeit für Ihre Tabletten.

Sir John: Aber jetzt nicht.

Ann Pattison: Sir John.

Higgins: Hören Sie, ich muß mir Klarheit verschaffen über die Vorgänge im Sanatorium, und das wäre ein Job für dich, Barbara, aber keineswegs ungefährlich.

Lane: Hm, könntest du dich etwas klarer ausdrücken?

Higgins: Hör zu, Lady Smith hat dich noch nicht von Angesicht zu Angesicht gesehen, das war auch der Grund, warum du nebenan warten solltest, nehmen wir jetzt einmal an, du bist Journalistin und schreibst einen Report über die Lebensverhältnisse unserer älteren Mitbürger, damit hättest du einen plausiblen Grund, ausführlich mit den Leuten im Home of Peace zu reden.

Lane: Und an welche Zeitung hast du gedacht?

Higgins: Ja nu mein Gott, den Daily Telegraf, ich kenne den Chefredakteur, der soll da selbst anrufen und deinen Besuch ankündigen, so halten wir das Risiko gering, sollte Lady Smith auf die Idee kommen, zurückzurufen. Wären Sie damit einverstanden, Sir John?

Sir John: Naja, wenn sich Miss Lane dazu bereiterklärt.

Higgins: Barbara.

Sir John: Ich werde dich nicht enttäuschen.

Higgins: Danke, Profi.

Higgins: Häh, 5 Uhr, wer zum Teufel, wem fällt... ja hier Higgins, was gibts?

Hooper: Mr. Higgins, hier Seargent Hooper.

Higgins: Ja?

Hooper: Tut mir leid, Sie so früh wecken zu müssen, aber Carpenter verläßt soeben seine Wohnung, und das ist reichlich ungewöhnlich, er nimmt den Range Rover.

Higgins: Was, so früh? Also gut, Hooper, hängen Sie sich dran, und melden Sie sich wieder, Ende.

Higgins: Ja, Higgins hier.

Hooper: Hier Seargent Hooper.

Higgins: Was gibts neues?

Hooper: Carpenter hat auf offener Landstraße gehalten und steht schon ne halbe Stunde da.

Higgins: Merkwürdig. Entweder wartet er auf jemand, oder er hat Sie entdeckt und will Sie nur in die Irre führen.

Hooper: Warten Sie, Inspektor, jetzt nähert sich dem Rover ein Wagen, ich glaube, ja, er verlangsamt sein Tempo. Tatsächlich, er bleibt neben dem Rover stehen.

Higgins: Können Sie die Marke erkennen?

Hooper: Das ist ne schwarze Limousine, ein Jaguar. Carpenter reicht ihm etwas durchs Fenster.

Higgins: Hören Sie zu Hooper, das ist unser Mann, vergessen Sie Carpenter und folgen Sie dem Jaguar. Verlieren Sie ihn nicht aus den Augen, ich komme sofort. Ende.

Hooper: Er war plötzlich wie von Erdboden verschluckt, ich hab so was noch nie erlebt, Chiefinspektor.

Higgins: Hier in diesem Planquadrat haben Sie ihn verloren.

Hooper: Ja, ich hatte noch die Kollegen verständigt, ein paar Augenblicke später hätten wir ihn einkreisen können, aber der fuhr plötzlich in eine Hauseinfahrt und auf der Hinterseite wieder raus, es war mir völlig unmöglich, ihm so rasch zu folgen.

Higgins: Hooper, nun beruhigen Sie sich doch, ich mache Ihnen ja keinen Vorwurf. Nur wäre es zu schön gewesen. Passen Sie auf, Sie legen sich aufs Ohr, Sie haben die letzten 48 Stunden nicht viel geschlafen.

Hooper: Vielen Dank, Chiefinspektor.

Higgins: Schon gut, ich werde mir diese Gegend mal ein wenig genauer ansehen.

Kommentar von Hörspiele |

Tankwirtin: Guten Morgen Sir.

Higgins: Guten Morgen.

Tankwirtin: Was soll’s sein?

Higgins: Sind Sie so nett und tanken Sie voll.

Tankwirtin: Ja.

Higgins: Nicht viel Betrieb hier heute, nicht.

Tankwirtin: Nein, ein Wunder, daß in dieser gottverlassenen Gegend überhaupt mal jemand stehen bleibt.

Higgins: In der alten Hochgarage dahinten, sind da noch viele Wagen abgestellt?

Tankwirtin: In dem alten Ding? Ja, zwei Dutzend vielleicht. Das ganze Gebäude sollte schon vor Jahren abgerissen werden. Ja, ich geh ja sowieso bald in Rente, dann sollen die doch sehen, wie sie zurechtkommen. Warum fragen Sie eigentlich.

Higgins: Ach ja, nur so. Wem gehört die Garage überhaupt?

Tankwirtin: Wem sie gehört, weiß ich gar nicht. Mr. Tanner macht hier das Geschäftliche. Den können Sie fragen.

Higgins: Mr. Tanner? Wissen Sie, ob er jetzt da ist?

Tankwirtin: Ja, er kommt meistens schon vor 7, bleibt bis in die Nacht. Auch so ein alter Spinner. Sein Büro ist in der 4. Etage.

Higgins: Hm, ich sag ihm mal guten Tag. Ach, kontrollieren Sie inzwischen bitte das Öl und die Reifen.

Tankwirtin: Ja, ja, Sie können den Aufzug hinten links benutzen, wenns das alte Ding überhaupt noch tut.

Higgins: Hoffen wirs.

Tanner: Ja.

Higgins: Mr. Tanner?

Tanner: Sie wünschen?

Higgins: Ich bin Inspektor Higgins von Scotland Yard.

Tanner: Was wollen Sie?

Higgins: Ich hätte gerne einige Auskünfte.

Tanner: Worüber?

Higgins: Ich suche ein Auto.

Tanner: Soso.

Higgins: Ja, eine Limousine Marke Jaguar, schwarz lackiert.

Tanner: Ja und warum kommen Sie da zu mir? Ich bin kein Gebrauchtwagenhändler.

Higgins: Mr. Tanner, ich wäre Ihnen wirklich sehr dankbar, wenn Sie sich ein paar Minuten von Ihrer Arbeit trennen und mir zuhören würden. Eine Frage, Mr. Tanner, lesen Sie Zeitung?

Tanner: Eigentlich nicht, viel Arbeit hier.

Higgins: Ja, dann haben Sie auch noch nie etwas vom Joker gehört.

Tanner: Nein, wer soll das sein?

Higgins: Mr. Tanner, um es kurz zu machen, Scotland Yard, und das bin in diesem Falle ich, wir versuchen einem der gefährlichsten Verbrecher auf die Spur zu kommen, aber wir haben nicht den geringsten Hinweis auf seine Identität. Wir wissen nur eines: Er fährt einen dunklen Jaguar aus der XJ 6er oder 12er Serie, deshalb meine Frage: Ist ein Fahrzeug dieses Typs in Ihrer Garage untergestellt?

Tanner: Jaguar? Warten Sie, natürlich, drei sogar, ein alter Sportwagen der Type E, ein weißer Vierzylinder, und dann natürlich Mr. Goldmanns Privatwagen.

Higgins: Privatwagen. Und wer bitte ist Mr. Goldmann?

Tanner: Ja der Eigentümer dieser Garage.

Higgins: Ich dachte, die Garage gehört Ihnen.

Tanner: Mir? Ich bin ein alter Mann, Inspektor, ich verdien mir hier ein paar Kröten zu meiner miesen Rente.

Higgins: Und Sie sagen, Mr. Goldmanns Wagen ist ein Jaguar.

Tanner: Ja, er wurde aber seit mehr als 2 Jahren nicht mehr gefahren. Seit Mr. Goldmann eben das letzte Mal in London war.

Higgins: Er lebt im Ausland?

Tanner: Ja, die Goldmann Industries haben ihren Sitz in Hongkong, und Mr. Goldmann...

Higgins: Wie heißt er mit Vornamen?

Tanner: Soviel ich weiß, Anton, also Mr. Goldmann kümmert sich wohl um alles, außer um diese alte Hochgarage und die Tankstelle. Hier bin ich Mädchen für alles.

Higgins: Ja, ja, ich verstehe. Auf diesem Bild hier, ist das Mr. Goldmann, Mr. Anton Goldmann?

Tanner: Ja, das ist Mr. Anton Goldmann.

Higgins: Mr. Tanner, ich danke Ihnen fürs erste und ich habe auch im Moment keine Fragen mehr. Aber ich würde mir gerne einmal diesen Jaguar von Mr. Goldmann ansehen.

Tanner: Tun Sie, was Sie nicht lassen können, er steht in der 3. Etage, ich nehme an, Sie finden den Weg alleine.

Higgins: Durchaus. Haben Sie nochmals vielen Dank, Mr. Tanner. – Verdammt.

Tanner: Was machen Sie da? Das ist eine Alarmanlage gegen Diebe. Darf ich wissen, was Sie da gemacht haben? Ich sagte, Sie können sich den Wagen einmal ansehen, von einer Spazierfahrt war nicht die Rede...

Higgins: Ich...Mister...

Tanner: Oder haben Sie einen Durchsuchungsbefehl?

Higgins: Noch nicht.

Tanner: Darf ich wissen, wer Ihr Vorgesetzter ist, Chiefinspektor?

Higgins: Wenn Sie Beschwerden haben, Mr. Tanner, und die haben Sie ja wohl, wenden Sie sich an Sir John.

Sir John: Und Sie halten diese Garage wirklich für einen Schlupfwinkel des Jokers?

Higgins: Hm, es sieht fast so aus. Überlegen Sie einmal, Sir John, Hooper hat den Wagen in der Nähe der Demmem-Road aus den Augen verloren. Weit und breit gibt es nichts als Abbruchhäuser, desolate Gebäude und geschlossene Geschäfte.

Sir John: Trotzdem. Trotzdem. Es ist ebenso gut denkbar, daß der Joker unseren guten Hooper genarrt hat und in eine völlig andere Richtung weitergefahren ist.

Higgins: Auf jeden Fall laß ich diese Hochgarage Tag und Nacht beobachten. Unsere Leute sollen vor allem darauf achten, ob ein schwarzer Jaguar die Garage verläßt.

Sir John: Ja was wollen Sie denn mit den beiden alten Herrschaften in der Garage anfangen, glauben Sie etwa, daß einer von den beiden der Joker ist?

Higgins: Nein, das nicht gerade, aber sie könnten mit ihm unter einer Decke stecken. Tanner war nicht gerade begeistert, als ich den Jaguar untersuchte.

Sir John: Wozu Sie im übrigen auch kein Recht hatten. Also ich finde, Sie sind im Moment nicht gerade sehr erfolgreich, Higgins.

Higgins: Danke, Sir.

Sir John: Ich habe mir zudem einige Zahlen geben lassen, die Sie nicht gerade begeistern werden. Da, in London sind derzeit rund 19.000 Leiland-Fahrzeuge der Marke Jaguar gemeldet, davon fast 6000 aus der XJ-Serie. Eine fast hoffnungslose Aufgabe, aufgrund des Fahrzeugtyps den Joker ausfindig zu machen.

Higgins: Eben, und deshalb meine ich, wir sollten uns lieber an die Fakten halten. Rekapitulieren wir einmal.

Sir John: Aber Higgings, wenn Sie mich fragen, Sie haben überhaupt nichts konkretes in der Hand.

Higgins: Sir John, bitte, jetzt hören Sie mir einmal zu. Wir haben zunächst einmal Lady Smith, von der erwiesen ist, daß sie von zwei späteren Opfern des Jokers besucht wurde, das ist immerhin ein Anhaltspunkt. Ich hoffe, daß uns Miss Lane weiterbringt. Und dann haben wir seit heute diesen merkwürdigen Tanner. Ich möchte nicht ausschließen, daß in seiner Garage der Wagen des Jokers steht.

Sir John: Naja. Wie alt, sagten Sie, ist Tanner?

Higgins: Einiges über 70, Sir.

Sir John: Naja, das spricht ja wohl für sich.

Ann Pattison: Sir John, es ist Zeit für Ihre Tabletten.

Sir John: Ja, aber nicht jetzt.

Ann Pattison: Sir John, bitte.

Higgins: Der nächste ist Carpenter. Ich bin überzeugt, daß er sich heute in den frühen Morgenstunden mit dem Joker getroffen hat. Ich habe schon einmal betont, daß ich Carpenter unter keinen Umständen zu früh festnehmen will, je weniger er sich beobachtet fühlt, um so besser für uns.

Sir John: Ja und dann wäre da noch der Amerikaner, dieser...

Higgins: Silkwood.

Sir John: Ja.

Higgins: Er scheint wie vom Erdboden verschluckt zu sein. Und jetzt frage ich mich, was hat er vor. Ich glaube, wir können davon ausgehen, daß Silkwood und der Joker nicht identisch sind.

Sir John: Bleibt auch noch die Frage, warum Harras ermordet wurde.

Higgins: Richtig, Sir. Darf ich mir einen Whisky nehmen?

Sir John: Ja, ich bitte darum.

Higgins: Sie auch?

Sir John: Ja, aber ohne Eis.

Higgins: Seit heute Vormittag hat sich noch ein völlig neuer Aspekt ergeben, dem wir nachgehen sollten. Wissen Sie, wer der Eigentümer der Garage ist?

Sir John: Nein.

Higgins: Ein gewisser Anton Goldmann.

Sir John: Ja und? Was ist daran so ungewöhnlich?

Higgins: Goldmann hieß auch der alte Mann im Rollstuhl in Lady Smith Sanatorium, Theodor Goldmann.

Sir John: A Goldmann, an dem Namen ist doch nichts ungewöhnliches. Ich kenne viele mit dem Namen Goldmann.

Higgins: Ja, aber die beiden haben deutsche Vornamen Sir, Anton und Theodor.

Sir John: Danke. Haben Sie mit diesem Anton Goldmann gesprochen?

Higgins: Nein, der sitzt angeblich in Hongkong, ist Inhaber der Goldmann Industries, offenbar ein größerer Konzern, in Tanners Büro hängt ein Bild von ihm.

Sir John: Ja und? Irgendwelche Ähnlichkeiten mit dem Mann im Sanatorium?

Higgins: Nein, leider nicht, nicht die geringste.

Sir John: Na sehen Sie, an Ihrer Stelle würde ich zusehen, den Amerikaner wiederzufinden, anstatt in dieser Garage irgendwelchen Hirngespinsten nachzulaufen.

Higgins: Cheers.

Sir John: Ja, zum Wohl.

Higgins: Aber irgend etwas macht mich stutzig. Ich stellte mich Tanner als Inspektor Higgins vor, irgendwann während des Gesprächs sagte Tanner Chiefinspektor zu mir, finden Sie das nicht etwas seltsam, Sir John?

Sir John: Kann doch Zufall sein.

Higgins: Aber trotzdem, der Sache mit den Goldmanns werd ich auf den Grund gehen, Miss Lane muß mir hier helfen, sie soll den Theodor Goldmann, den Mann im Rollstuhl, etwas genauer unter die Lupe nehmen.

Lane: Hallo Darling.

Higgins: Hallo. Na, wie wars, hast du was rausgekriegt in deinem Home of Peace?

Lane: Hm, du hattest recht mit deiner Vermutung, Goldmann hatte einen Bruder, er hatte. Maximilian starb vor Jahren an Krebs.

Higgins: Schon wieder so ein deutscher Name.

Lane: Ich habe mir hier ein Foto ausgeborgt, du, sieh dir das mal an, die beiden sind sich wie aus dem Gesicht geschnitten, findest du nicht?

Higgins: Die Ähnlichkeit ist wirklich verblüffend. Die beiden müssen Zwillingsbrüder gewesen sein. Eine Gewißheit haben wir jetzt, Goldmanns Bruder ist nicht der Mann in Tanners Büro. Ich fürchte, ich habe mich diesmal geirrt.

Lane: Mr. Goldmann ist viel in der Welt herumgekommen und will bei Lady Smith seinen Lebensabend verbringen, manchmal wirkt er ruhig und gemütlich, dann wieder höchst wachsam und mißtrauisch, schwer zu durchschauen. Ich habe mit ihm eine Partie Schach gespielt.

Higgins: A ja, wer hat gewonnen?

Lane: Remi.

Higgins: Aha. Hat Lady Smith Verdacht geschöpft?

Lane: Bestimmt nicht, sie war sehr zuvorkommend, ich habe mit nahezu allen Einsassen sprechen können, man hat den Eindruck, sie fühlen sich alle recht wohl dort.

Higgins: Hast du noch etwas über Pelford und Fletcher herausbekommen?

Lane: Nein, leider nein. Über interne Vorgänge im Sanatorium sind die Leute offenbar völlig ahnungslos, und an Lady Smiths Privatunterlagen, da kam ich noch nicht ran, sie bewahrt alles in einem Safe auf.

Higgins: Hm, ich geb was drum, wenn ich da mal reinkucken könnte.

Lane: Hm, ich werds für dich versuchen.

Higgins: Aber Darling, ich bitte dich.

Lane: Ich weiß, ich weiß, ich bin vorsichtig.

Higgins: Ein Durchsuchungsbefehl ist bei Lady Smith nicht drin, da spielt Sir John nicht mit, ich selbst muß mich noch um Tanner kümmern.

Lane: Tu das, Higgi.

Higgins: Der Mann geht mir einfach nicht aus dem Kopf.

Lane: Also, ich muß zurück in mein Altersheim. Machs gut.

Higgins: Sei vorsichtig, Profi.

Lane: Du auch, Profi.

Stimme: Achtung, Achtung, bewaffneter Überfall auf Juweliergeschäft am Eaton-Square, es gab ein Todesopfer, alle verfügbaren Einsatzkräfte bitte sofort an den Tatort.

Higgins: Das darf doch nicht wahr sein.

Sir John: Ah, Tag Higgins.

Higgins: Sir John.

Sir John: Nun sehen Sie sich das einmal an, das ist übrigens Mr. Short, der Besitzer.

Short: Guten Tag.

Higgins: Mr. Short, dann erzählen Sie mal.

Short: Ja, es ging alles furchtbar schnell, mein Angestellter und ich waren gerade hier im Laden, und berieten einige Kunden, als an der Hintertür eine Explosion erfolgte. Ich sah noch, wie der Wächter niedergeschlagen wurde, und dann stürmten sie auch schon herein, schwer bewaffnet, wir mußten alle die Hände in die Höhe nehmen.

Higgins: Wie sahen die Kerle aus?

Short: Ja, sie hatten dunkle Mäntel an und so weiße Gesichtsmasken aufgesetzt, als ich den Safe nicht sofort öffnen wollte, haben sie meinen Angestellten einfach über den Haufen geschossen.

Sir John: Ja hätte sich das nicht vermeiden lassen, Mr. Short, Sie sind doch versichert.

Short: Ich war im ersten Moment so überrascht, und ich wußte auch nicht, ob sie wirklich schießen würden, im Safe waren immerhin Rohdiamanten im Wert von einer halben Million Pfund.

Higgins: Konnten Sie erkennen, mit welchem Auto sie geflüchtet sind?

Short: Ja, den Fluchtwagen konnte ich sehr genau erkennen, es war ein brauner Chevrolet Kombi, Baujahr so 77/78, er fuhr vielleicht 2 Minuten, nachdem die Kerle das Lokal gestürmt hatten, vor.

Sir John: Die Fahndung ist bereits draußen.

Higgins: Gut. Sir John, ich muß Sie unter 4 Augen sprechen. Entschuldigen Sie uns, Mr. Short.

Short: Aber bitte schön.

Sir John: Nun?

Higgins: Ich gehe jede Wette ein, daß der Amerikaner hinter dem Überfall steckt. Das ist haargenau seine Arbeitsweise.

Sir John: Und was wollen Sie unternehmen?

Higgins: Der Amerikaner hat eine Beute von 500.000 Pfund gemacht, ab dieser Stunde, da gehe ich jede Wette ein, befindet er sich im Fadenkreuz des Jokers.

Sir John: Sie meinen, es kommt zur großen Konfrontation.

Higgins: Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder der Joker erledigt Silkwood und seine Leute, dann haben wir ein Problem weniger, oder der Amerikaner ist schlauer und trickst den Joker aus, dann hätte er geschafft, was uns bisher nicht gelungen ist. Ich glaube aber eher, daß Tom Silkwood und seine Leute noch ihr blaues Wunder erleben werden.

Sir John: Nun malen Sie mal nicht den Teufel an die Wand, Higgins.

Ann Pattison: Sie sollten sich nicht so viele Sorgen machen, Sir John.

Sir John: Sie haben leicht reden, Kindchen. Die Morde des Jokers, der Überfall auf Shorts Juweliergeschäft, und nicht zu vergessen der Anschlag auf Higgins, wissen Sie, Higgins hat bisher noch jeden seiner Fälle gelöst, und Miss Lane ist eine sehr tüchtige Mitarbeiterin.

Ann Pattison: Ja, sehr tüchtig.

Sir John: Aber ich fürchte, daß Higgins im Joker seinen Meister gefunden hat. Und wissen Sie, Ann, ein Gedanke beunruhigt mich zu tief.

Ann Pattison: Welcher, Sir John?

Sir John: Daß er sich diesmal irrt, daß keine der Personen, die er verdächtigt, der Joker ist, daß es jemand völlig unbekanntes ist, oder, was noch schlimmer wäre, daß es jemand ist, der unter uns weilt, jemand, den wir alle kennen.

Higgins: Guten Abend, Sir John.

Sir John: Ah, guten Abend, Higgins, daß Sie sich auch mal wieder blicken lassen, ja, gibts was Neues?

Higgins: Ja, das Telex aus Hongkong.

Sir John: Telex? Hongkong?

Higgins: Ich hatte in Hongkong Auskünfte über Goldmann eingeholt, hier ist die Antwort und ein Bild von ihm.

Sir John: Na, Ann, dann machen Sie uns bitte mal zwei Whisky, oder sagen wir besser drei, ich spendiere ihnen auch einen.

Ann Pattison: Vielen Dank, Sir John.

Sir John: Na, nun zeigen Sie schon her, Higgins, machen Sie es doch nicht immer so spannend. Anton Goldmann, geb. am 4. März 1921 in London, Goldmann liquidierte Industries Hongkong im Januar 1982, Verkaufserlös wahrscheinlich nach Europa transferiert, genauer Aufenthaltsort von Anton Goldmann unbekannt, vermutlich noch Hongkong. Weitere Daten nicht verfügbar.

Higgins: Ja, und das ist sein Foto.

Sir John: Ja und? Ist das identisch mit dem in Tanners Büro?

Higgins: Zweifellos, das ist er.

Sir John: Na sehen Sie.

Ann Pattison: Ihr Whisky, Sir.

Sir John: Danke.

Ann Pattison: Ohne Eis. Bitte Higgins.

Higgins: Danke.

Sir John: Ich habe Ihnen doch gleich gesagt, daß das nichts bringt, Ihre Wahnideen mit dem alten Tanner können Sie ein für alle mal begraben.

Higgins: Trotzdem hatte ich das Gefühl, daß an der Sache etwas faul ist, die Informationen aus Hongkong waren nicht gerade sehr ergiebig, und deshalb habe ich das Foto vorhin durch unseren Computer laufen lassen, zur Identifikation.

Sir John: Ja und?

Higgins: Das Foto zeigt nicht Anton Goldmann, sondern Guliano Montaldo.

Sir John: Guliano Montaldo?

Higgins: Geboren 1931 in Neapel.

Sir John: Ja was soll das heißen, Higgins?

Higgins: Das heißt, daß der Mann, dessen Bild in Tanners Büro hängt, nicht Anton Goldmann ist, und das heißt weiter, der Mann im Rollstuhl ist möglicherweise doch der Bruder des Eigentümers der Garage. Cheers.

Rogers: Sir John, Inspektor, würden Sie bitte mit mir kommen.

Higgins: Schießen Sie los, Rogers.

Rogers: Wir haben insgesamt 5 Tote. Einer von ihnen ist zweifelsfrei Tom Silkwood, den hats hier vorne erwischt.

Sir John: Ist ja grauenhaft.

Rogers: Die anderen vier dahinten, das waren höchstwahrscheinlich seine Komplizen. Wir konnten Sie aber noch nicht identifizieren, zwei von ihnen sind bis zur Unkenntlichkeit verkohlt.

Higgins: Sagen Sie, Rogers, weiß man schon, welche Waffe verwendet wurde?

Rogers: Alles deutet auf ein Maschinengewehr der Marke Remington hin, ein älteres Modell, wie es auch von den Amerikanern im Vietnam verwendet wurde, Kaliber 7,9 mm, Reichweite 4000 Meter bei 1000 Schuß pro Minute. Und so was eingesetzt aus einer Entfernung von nicht einmal 150 Metern. Die Leute wurden regelrecht abgeschlachtet. Der Wagen ist auch dementsprechend zugerichtet.

Higgins: Ich war Tom Silkwood zwar auf den Fersen, aber ein so grauenvolles Ende hätte ich ihm trotz allem lieber erspart.

Rogers: Ganz recht, Inspektor. Ich kann mich nicht erinnern, daß in England eine Waffe dieser Größenordnung bei einer Gangsterfehde je zum Einsatz kam.

Higgins: Wie hat dich das ganze Ihrer Meinung nach abgespielt im Detail?

Rogers: Also, Silkwood und seine Leute hatten hier, auf dieser Waldlichtung offenbar mit einer uns unbekannten Person ein Treffen vereinbart, eine Geldübergabe oder etwas ähnliches, wir haben neben Silkwoods Leiche einen leeren Koffer gefunden. Sie gerieten dann alle in den Kugelhagel einer Person, die mit einem Wagen, offenbar schon früher, da vorn hinter dem Gebüsch postiert war, in diesem Wagen muß sich auch das MG befunden haben. Ein weiterer Wagen muß aber vorne am Waldweg gestanden haben, sonst wäre nicht erklärbar, wieso Silkwood ausgerechnet an dieser Stelle erschossen wurde.

Higgins: Sonst irgendwelche Anhaltspunkte?

Rogers: Ja, also zunächst etwas sehr merkwürdiges. Bei dem Koffer neben Silkwood fanden wir diese Spielkarte.

Sir John: Aha, ein Jolly Joker, also doch, hätte mich ja gewundert, und sonst noch was?

Rogers: Ja, die Reifenspuren natürlich.

Higgins: Gibt es schon Hinweise auf die Fahrzeugtypen?

Rogers: Der hinterm Gebüsch war wahrscheinlich ein Jeep.

Higgins: Vielleicht ein Range Rover?

Rogers: Durchaus möglich.

Higgins: Und der andere?

Rogers: Ist im Moment schwer zu sagen.

Higgins: Könnte es ein Jaguar gewesen sein?

Rogers: Ich möchte es nicht ausschließen. Genaueres werden wir aber erst später wissen.

Higgins: Gut, Rogers, vielen Dank fürs erste, machen Sie hier weiter mit der Spurensicherung, und wenns die ganze Nacht dauert, informieren Sie mich umgehend, wenn Sie etwas neues haben.

Rogers: OK, Sir.

Sir John: Na, Higgins, was halten Sie davon?

Higgins: Meine These hat sich offenbar bestätigt. Es ist so gut wie sicher, daß Silkwood und seine Leute sich hier mit dem Joker ein Feuergefecht geliefert haben.

Sir John: Das ist ja unglaublich.

Higgins: Meine Geduld ist am Ende. Ich möchte noch heute Nacht das Montmartre hochgehen lassen. Die lange Leine hat nichts gebracht.

Sir John: Wie meinen Sie das?

Higgins: Der Wagen, von dem aus geschossen wurde, war möglicherweise ein Range Rover, und da ist die Verbindung zu Carpenter nicht mehr weit.

Sir John: Carpenter wird doch überwacht.

Higgins: Ja, wie er das gemacht hat, da bin ich im Moment auch überfragt, jedenfalls müssen wir ihn unschädlich machen, bevor noch mehr passiert.

Sir John: Ja jetzt, vor diesem Schlamassel wir hier haben, werden Sie plötzlich aktiv, etwas spät, finden Sie nicht, Higgins?

Higgins: Sir John, wenn Sie es für angebracht halten, können Sie ja einen anderen Chiefinspektor mit dem Fall betreuen.

Sir John: Das könnte Ihnen so passen. Ich sage Ihnen eines: Sie machen mir diesen verdammten Joker unschädlich, und zwar bald, sonst ist es mit meiner Gemütlichkeit aus.

Rogers: Inspektor Higgins.

Higgins: Rogers?

Rogers: Ich hab da einen Funkspruch von Superintendant Lane.

Higgins: Danke, geben Sie her. Hallo? Barbara?

Lane: Higi? Ich hatte bisher keine Möglichkeit, dich zu erreichen, ich kann auch nicht lange sprechen, Tom Silkwood war gestern Nacht hier im Sanatorium, das Home of Peace ist offenbar eine Anlaufstelle für irgendwelche ganz dunklen Geschäfte, außerdem wurden Patienten mit Barbituraten betäubt, irgend etwas ist da im Gange, hör zu, ich werde jetzt...

Higgins: Hallo? Barbara? Barbara? Sir John, wir müssen sofort ins Sanatorium, Barbara Lane hat Schwierigkeiten, Leutnant Rogers.

Rogers: Ja, Sir?

Higgins: Sie nehmen sich drei Mann und kommen mit. Beeilung.

Sir John: Ah, das ist aber auch stockdunkel hier.

Higgins: Leise.

Sir John: Man sieht die Hand vor Augen nicht.

Higgins: Sir John.

Lady Smith: Na los.

Higgins: Barbara?

Lady Smith: Sagen Sie Ihren Beamten, sie sollen die Waffen fallen lassen, sonst hat Miss Lane ein Loch in ihrem hübschen Köpfchen. Das gilt auch für Sie, Inspektor. Los, weg mit der Waffe.

Higgins: Ich warne, wenn Sie ihr auch nur ein Haar krümmen.

Lady Smith: Gehen Sie fünf Schritte zurück, Inspektor. – Miller, bringen Sie die Koffer zum Auto.

Miller: Is gut.

Higgins: Sie wollen verreisen, Lady Smith, was werden Ihre Schützlinge dazu sagen?

Lady Smith: Aber machen Sie sich doch um meine Schützlinge keine Sorgen, Inspektor.

Higgins: Sie haben nicht die geringste Chance, zu entkommen, Lady Smith. Oder sollte ich besser sagen: Joker?

Lady Smith: Sie halten mich für den Joker? Wie Sie sehen, fahre ich einen Rolls Royce und keinen Jaguar. Ihr Idioten, ich hatte die größte Hehlerorganisation Londons aufgebaut, ohne daß Scotland Yard auch nur den Schimmer einer Ahnung hatte, erst der Joker begann mich systematisch in meinen Geschäften zu behindern, er hat mir diesen Harras auf den Hals gehetzt, aber er hat dafür Gebühren bezahlt.

Higgins: Daß Harras auf Ihr Konto geht, war mir von Anfang an klar, von einem anderen aber glaube ich Ihnen kein Wort.

Lady Smith: Das ist ohne jeden Belang, was Sie glauben oder nicht, Inspektor, und Sie erfahren das alles auch nur, weil Sie mit diesem Wissen nichts mehr anfangen können. Der Joker verdankt mir einige der lukrativsten Geschäfte... Ah!

Lane: Mein Gott, Lady Smith!

Sir John: Wer hat denn da geschossen?

Rogers: Der Schuß kam da hinten vom Waldweg aus dem Auto.

Higgins: Rogers, kommen Sie zurück, den Wagen erreichen Sie nicht mehr.

Rogers: Wie gehts jetzt weiter?

Sir John: Sie und Miss Lane bleiben hier. Geben Sie mir das Funkgerät. Achtung, an Spezialeinheit 5, Razzia im Klub Montmartre.

Nick: Polizei. Polizei.

Higgins: Behalten Sie ruhig Ihre Plätze, Herrschaften, es handelt sich lediglich um eine kleine Razzia. Sie brauchen mich gar nicht so groß ansehen, Nick, hier der Durchsuchungsbefehl. Wo ist Carpenter?

Nick: Ich weiß nicht, Chiefinspektor, er rief mich an, daß ich ihn heute vertreten soll.

Higgins: Na schön, dann kommen Sie mit. Das Büro.

Nick: Ja und?

Higgins: Aufsperren.

Nick: Ja bitte sehr.

Sir John: Aha, das ist also Carpenters Büro. Suchen Sie hier des Rätsels Lösung, Higgins?

Higgins: Richtig, Sir, warten Sies ab.

Nick: Mr. Carpenter hält sich selten hier auf, höchstens wenn er mal ungestört telefonieren will. Die Abrechnung macht er meist drüben im Lokal.

Higgins: Wußten Sie, daß in den Tischen Mikrophone versteckt sind, die es einem erlauben, die Gespräche der Gäste mitzuhören bzw. aufzunehmen?

Nick: Nein, davon hör ich zum ersten Mal.

Sir John: Natürlich. Das ist ja unglaublich. Was suchen Sie denn da, Higgins?

Higgins: Nur Geduld, Sir, nur Geduld. Dacht ichs mir doch.

Sir John: Das ist ja interessant.

Higgins: Davon hatten Sie natürlich auch keine Ahnung.

Nick: Nein, nein, ich schwöre, Inspektor.

Higgins: Hier also ist es.

Sir John: Aber das ist ja...

Higgins: Sehen Sie, Sir John, wie ich vermutet habe, mit Hilfe dieser Geräte konnte jedes einzelne Gespräch an den Tischen mühelos aufgezeichnet werden, sogar ein eigenes Funkgerät ist dabei, und da der Bildschirm, ich wette, daß der nicht zur Unterhaltung dasteht. Über diesen Bildschirm konnte er in aller Ruhe die Vorgänge im Lokal beobachten. Das hier, Sir John, was zumindest ein Schlupfwinkel des Jokers. War er selbst mal nicht da, hat ihm wohl Carpenter die Bänder überbracht.

Sir John: Das ist ja allerhand.

Higgins: Carpenter dürfte die rechte Hand des Jokers sein. Allein den Bluff, Silkwood und seine Leute in die Falle zu locken, mußten mindestens zwei Personen inszeniert haben.

Sir John: Ja aber wer ist denn nun dieser ominöse Joker wirklich, Higgins, dieser Amerikaner, dieser...

Higgins: Silkwood, Sir.

Sir John: Ja, Silkwood, der ist tot, Lady Smith ist tot, Harras ist tot, Miller haben wir verhaftet.

Hooper: Chiefinspektor?

Higgins: Ja, aber war zum Teufel macht ihr denn hier?

Hooper: Nachdem Sie uns von der Garage abkommandiert und wir keine weitere Order hatten, erhielten wir die Nachricht, daß Sie hier zu finden seien.

Higgins: Ich habe was?

Hooper: Wir fanden es ja auch etwas merkwürdig.

Sir John: Was ist merkwürdig?

Higgins: Das ist doch nicht zu fassen, die beiden wurden mit einem fingierten Funkspruch herbeordert, diesem Trick wird wahrscheinlich auch Hooper auf den Leim gegangen sein.

Sir John: Die bringen ja unser gesamtes Observierungssystem durcheinander. Was werden Sie jetzt unternehmen, Higgins?

Higgins: Sir John, Sie haben mit Ihrer Aufzählung vorhin demonstriert, daß nicht mehr als zu viele Personen als Täter in Frage kommen.

Sir John: Jajaja. Und?

Higgins: Ich habe das dumpfe Gefühl, die Stunden des Jokers sind gezählt. Guten Abend, Sir.

Sir John: Ja wohin wollen Sie denn jetzt, mitten in der Nacht.

Higgins: Einen Ölwechsel machen lassen.

Higgins: Guten Abend, Mr. Tanner.

Tanner: Sie könnten wenigstens anklopfen, Inspektor.

Higgins: Kommen Sie oder gehen Sie, Mr. Tanner?

Tanner: Ich wollte gerade weggehen, es ist heute wieder sehr spät geworden.

Higgins: Jaja, ich glaube, heute ist es für uns alle sehr spät geworden, Mr. Tanner.

Tanner: Können Sie mir verraten, was Sie um diese Zeit überhaupt hier noch wollen?

Higgins: Ich bin gekommen, um Ihnen etwas zurückzugeben, das Ihnen gehört, Mr. Tanner.

Tanner: Was ist das?

Higgins: Ihre Visitenkarte. Eine Jolly-Joker-Karte.

Tanner: Was soll das?

Higgins: Hm, eigentlich hätte ich es früher wissen müssen. 6000 Wagen der XJ-Serie, die allein in London zugelassen sind, aber nur in einem sitzt der Joker, der seinen Opfern wahrlich keine Rosen ins Grab streut, sondern Jolly-Joker-Karten. Tja, und als Sergeant Hooper ausgerechnet in dieser Gegend den Wagen aus den Augen verlor, war ich schon nahe dran zu glauben, den Täter zu kennen, aber dann, nein, nein, ein alter gebrechlicher Mann, es mußte ein Zufall sein.

Tanner: Bald fertig, Inspektor?

Higgins: Die Ereignisse, Mr. Tanner, auf die ich im einzelnen noch zu sprechen kommen werde, beginnen sich dann plötzlich zu überstürzen, und die Observierungs-streife, die ich hierher beordert habe, wird mit einem fingierten Funkspruch weggelockt, und dann komme ich hierher, und siehe da, der Jaguar, der angeblich schon seit 2 Jahren nicht mehr benutzt wurde, hat einen warmen Motor, und an den Reifen finde ich Spuren von Erdreich. Ja nun, vielleicht wieder ein Zufall, daß ausgerechnet heute der Joker in der freien Natur seinem blutigen Handwerk nachging.

Tanner: Sie meinen, jemand hat den Wagen benutzt?

Higgins: Aber Mr. Tanner, lieber Mr. Tanner, das wissen Sie doch?

Tanner: Was wollen Sie eigentlich?

Higgins: Hören Sie zu, Tanner. Als ich Sie das letzte Mal aufsuchte, sagte ich Ihnen, daß ich einen ganz bestimmten Wagen suche, heute bin ich wieder hier und ich suche nicht mehr den Wagen, sondern nur noch den Fahrer. Sehen Sie, es wäre ja durchaus möglich, daß Sie wie John Carpenter...

Tanner: Wer ist das?

Higgins: Daß Sie wie John Carpenter den Handlanger für irgend jemand gespielt haben, mittlerweile bin ich aber zu der Erkenntnis gekommen, daß Sie für eine derartige Statistenrolle zu clever sind, Mr. Tanner, ich möchte sogar sagen, zu ambitioniert, und das bedeutet, daß ich am Ende meiner Suche angelangt bin.

Tanner: Sie fantasieren.

Higgins: Es ging gar nicht primär um Tom Silkwood...

Tanner: Kenn ich nicht.

Higgins: Den Amerikaner, der sich ein wenig überschätzt hat, auch nicht um Lady Smith, die lange Zeit sehr geschickt aus dem Hintergrund agiert hat, es ging nicht einmal so sehr um das Montmartre, obwohl es doch der Quell Ihres ergaunerten Reichtums ist. Die Lösung des Falles hing mit einem einzigen Namen zusammen: Mr. Goldmann.

Tanner: Was hat denn Mr. Goldmann damit zu tun?

Higgins: Eigentlich nichts. Jedenfalls nicht der Mann auf dem Foto hier an der Wand.

Tanner: Was meinen Sie?

Higgins: Ich meine, daß der Mann auf diesem Foto hier an der Wand gar nicht Mr. Goldman ist, der Mann auf diesem Foto heißt Julano Montaldo und stammt aus Neapel.

Tanner: Sie sind ja verrückt!

Higgins: Nun ja, das werden die Gerichtspsychiater sehr rasch herausgefunden haben, wer von uns beiden verrückt ist. Anton Goldmann verkaufte seine Firma in Hongkong, und dann verliert sich seine Spur, und an seine Stelle trat Guliano Montaldo, und mich würde brennend der Verbleib des echten Anton Goldmann interessieren. Packen Sie aus, Tanner, oder Sie sollen mich kennenlernen.

Tanner: Ich habe keine Ahnung, wovon Sie reden.

Higgins: Na gut, dann muß ich eben offenbar noch deutlicher werden... – Sie also, Sie sind der Joker...

Goldmann: Nein, er. Ohne mich wären Sie jetzt ein toter Mann, Chiefinspektor. Sehen Sie selbst: Er hatte unter dem Schreibtisch eine Pistole bereitliegen. Wird man beim Yard nicht auf so was vorbereitet?

Higgins: Ich bin tief in Ihrer Schuld, Mr. Goldmann.

Sir John: Na, Higgins?

Higgins: Sir?

Sir John: Ohne Mr. Goldmanns Hilfe säßen Sie jetzt nicht hier.

Goldmann: Es war mir ein ausgesprochenes Vergnügen, Chiefinspektor.

Higgins: Vielen Dank, Mr. Goldmann. Bei Ihnen war ich auf dem richtigen Weg, Ihr Bruder hieß Anton und nicht Maximilian, und er ist auch nicht an Krebs gestorben.

Goldmann: Ganz recht.

Sir John: Ich habe übrigens vor zwei Stunden die Meldung durchbekommen, daß auch Carpenter an einer Straßensperre gefaßt werden konnte. Wir können den Fall also abschließen. Mich würde nur eines interessieren, Mr. Goldmann, wann sind Sie eigentlich Tanner auf die Schliche gekommen?

Goldmann: Später, Sir John, beinahe zu spät. Sehen Sie, mein Bruder Anton, wir hatten uns ziemlich aus den Augen verloren, Anton hatte sich entschlossen, seine Firma in Hongkong, die Goldmann Industries aufzulösen und nach London zurückzukehren. Er schrieb mir diesbezüglich Briefe, doch dann riß der Kontakt ab, und obwohl er schon in London gewesen sein mußte, verlor ich seine Spur. Tanner hatte ihn beseitigt oder ihn beseitigen lassen und sich dann das Geld aus dem Verkaufserlös der Firma angeeignet, Hauptakteur bei diesem Coup war wohl dieser Guliano Montaldo, der als Double meines Bruders in Aktion trat. Ich hoffe, Interpol wird das erledigen.

Higgins: Das wird sie ganz bestimmt, Mr. Goldmann, nur mit einem komm ich nicht klar, warum und wieso quartierten Sie sich dann bei Lady Smith ein?

Goldmann: Ich hatte einen Tip aus der Unterwelt erhalten, und beschloß, mich für einige Zeit für einige Zeit im Home of Peace niederzulassen. Ich konnte natürlich nicht wissen, daß Lady Smith und Tanner Todfeinde waren. Ursprünglich habe ich ja sie für den Joker gehalten.

Higgins: Jaja, das war auch der Fehler, der uns unterlaufen ist.

Goldmann: Tanner wußte ja nichts von mir, sonst hätte er sicher versucht, auch mich zu beseitigen. Ich wiederum hatte keine Ahnung, daß mein Bruder Anton Eigentümer dieser Garage war, erst Miss Lane machte ganz nebenbei eine Bemerkung über Ihren Verdacht, Chiefinspektor, ich sah mich dann eines Nachts in Tanners Büro um, und als ich die Geschäftspapiere durchgesehen hatte und das Bild an der Wand entdeckte, wußte ich, daß Tanner unser Mann ist.

Higgins: Ja, Sir John, wir fanden bei Tanner den Schlüssel zu einem Banksafe, als wir ihn öffneten, glaubten wir vor einem Pharaonengrab zu stehen, der Kerl hatte ein Millionenvermögen angehäuft, vorwiegend in Schmuck. Wie lange seine Aktivitäten zurückreichen, werden wir wahrscheinlich nie genau rekonstruieren können.

Sir John: Ja und warum mußte Harras sterben?

Higgins: Harras war ein Spitzel des Jokers. Aber wahrscheinlich wußte er selbst nicht um die Identität seines Auftraggebers. Ich könnte mir vorstellen, daß Carpenter ihn angeheuert hat, Tanner wollte Lady Smith wohl auf subtile Weise loswerden, und beauftragte Harras, uns auf ihre Spur zu bringen. Lady Smith, na ja, sie war ja auch mit allen Wassern gewaschen.

Sir John: Ja, wie dieser Tanner seine wahre Identität verborgen hielt, das war ja richtig genial.

Higgins: Richtig, Sir, und was uns alle täuschte, war sein Alter. Der Joker, ein mehr als 70jähriger Mann.

Goldmann: Es waren in der Tat mehrere Personen als mögliche Täter in Betracht zu ziehen. Nur Miss Lane habe ich gleich durchschaut. Sie hat sich so rührend um mich bemüht, wir haben sogar Schach miteinander gespielt, und da wußte ich gleich, das ist ein Heinzelmännchen...pardon...frauchen von Scotland Yard.

Sir John: Apropos Miss Lane, ich habe sie nach Harvard geschickt.

Higgins: Nach Harvard?

Sir John: Ja, ich kenne da eine entzückende Pension.

Higgins: Entzückend.

Sir John: Ja, ich bat Miss Lane, sich persönlich dort zu erkundigen, ob noch Zimmer frei sind, und wenn ja, gleich welche zu reservieren. Ich denke, Sie haben sich einen Urlaub verdient, Higgins, irgendwelche Einwände?

Higgins: Wie? Was? Nein, nein, Sir John.

Sir John: Na, dann viel Glück, Higgins.

Goldmann: Ja, viel Glück.

Sir John: Miss Pattison, meine Tabletten.

Ann Pattison: Aber Sir John, jetzt?

Chefinspektor Higgins: Horst Frank
Superintendant Barbara Lane: Brigitte Frank
Sir John (Chef von Scotland Yard): Wolfgang Reinsch
Ann Pattison (seine Sekretärin): Angela Stark
Billy Reynolds: Frank Scholze
Josua Harras: Willi Schneider
Sergeant Hooper: Berth Wesselmann
Lady Smith: Ingeborg Steiert
Theodor Goldmann: Walter Laugwitz
Tankwirtin: Helene Elcka
Mr. Tanner: Josef Meinertzhagen
Mr. Short: Klaus Spürkel
Lieutenant Rogers: Gerd Andresen
Nick: Andreas Szerda
Regie: Rolf Dienewald

Kommentar von Hörspiele |

Shirley Jackson: Das Haus (BR 1994)

Montague: Institut für Parapsychologie Dr. John Montague, sehr geehrte Mrs Vance, sie kennen meinen Namen wahrscheinlich nicht, ich bin Wissenschaftler und dennoch oder gerade deshalb hat mich die Erforschung sog. übersinnlicher Phänomene immer beschäftigt, im Augenblick habe ich die Möglichkeit im Rahmen eines Forschungsprojekts einem immer noch skeptischen und überheblichen Kollegenkreis einen konkreten Zusammenhang zwischen Psychologie und Parapsychologie experimentell zu demonstrieren.

Schwester: Dr Montague, ist das überhaupt sein richtiger Name.

Elinor: Es gibt einen Dr John Montague, Dr der Philosophie und Anthropologie, Promotion in Oxford 1950.

Schwester: Das klingt doch alles ziemlich unseriös. Ein Forschungsprojekt und experimentell. Was für Experimente will er denn da machen und ausgerechnet mit jemand wie dir.

Montague: Für die Durchführung des Projekts brauche ich noch einige Assistenten, welche Intelligenz und Sensibilität mitbringen sowie genaue Beobachtungsgabe und die Fähigkeit das Wahrgenommene schriftlich zu fixieren.

Schwester: Elinor, ich bin verheiratet, ich kenne die Männer, als deine ältere Schwester habe ich eine gewisse Verantwortung für dich nachdem Mutter tot ist.

Elinor: Carrie, ich bin 31.

Schwester: Du bist eigentlich zu alt um noch so naiv zu sein, aber wohl immer noch jung genug für Dummheiten.

Montague: Sie, Miss Vance erschienen mir für die Mitarbeit geeignet, ich bin auf ihren Namen in den Akten des parapsychologischen Institutes gestoßen im Zusammenhang mit Zeitungsberichten über ein unaufgeklärtes Poltergeistphänomen.

Schwester: Poltergeist was ist denn das für ein Unsinn.

Elinor: Das muß die Sache mit den Steinen sein, erinnerst du dich.

Elinor: Vater war gerade 1 Monat tot.

Schwester: Das ist 20 Jahre her.

Elinor: Ja ich war gerade 12.

Schwester: Ah Steine die plötzlich auf unser Hausdach regneten, ins Fenster flogen von irgendwo her, das warst natürlich du um dich wichtig zu machen.

Elinor: Es waren die Nachbarn um uns zu ärgern, das hat Mutter damals den Reportern auch gesagt.

Montague: Mein Angebot für ihre Mitarbeit wäre Experiment und Urlaub in einem, vier Wochen in einem schönen alten Landhaus in ruhiger Lage das allerdings nur mit dem Auto erreichbar ist.

Schwester: Das Auto niemals.

Elinor: Es ist zur Hälfte auch mein Auto, wir haben es gemeinsam gekauft als ich noch.

Schwester: Aber ganze vier Wochen lang.

Elinor: Ich habs im letzten Jahr nicht einmal benutzt.

Schwester: Elenor, wenn du unbedingt Hals über Kopf einem wildfremden Mann nachrennen willst, ist das schlimm genug, aber nicht mit meinem Auto.

Elinor: Das kannst du ihm ruhig schreiben deinem Dr Montague.

Montague: Liebe Mr Vance, ich freue mich zu hören daß sie meiner Einladung folge leisten möchten, beigefügt finden sie eine genaue Wegbeschreibung die sie sicher zu Crains Hall unserem Hause führen wird.

Elinor: Zu Crains Hall unserem Haus, klopf klopf klopf.

Mrs Dudly: Was wollen sie?

Elinor: Ich entschuldigen Sie bitte mein Name ist Elinor Vance, ich werde hier erwartet.

Mrs Dudly: Von wem.

Elinor: Von Dr, ist denn Dr. Montague nicht da, wo sind denn die anderen Gäste.

Mrs Dudly: Hier sind keine Gäste.

Elinor: Aber sie sind doch Mrs Dudly die Haushälterin, ich meine das ist doch Crains Hall.

Mrs Dudly: Was sonst.

Elinor: Sehen sie, ich habe eine schriftliche Einladung von Dr. Montague oder hab ich mich im Datum geirrt, wo ist denn der Brief, ach wie dumm, ich hab den Brief im Auto liegen lassen ich kann ihn aber holen.

Mrs Dudly: Hier lang, ihren Koffer müssen sie selber tragen.

Elinor: Oh schwarze Holztäfelung bis zur Decke findet man selten.

Mrs Dudly: Das grüne Zimmer.

Elinor: Danke. Ein bißchen dunkel aber ja könnte man vielleicht das Fenster auf.

Mrs Dudly: Die Zimmer gehen mich nichts an, ich richte das Abendessen im Speisesaal her, Punkt 6, sie müssen sich selbst bedienen, ich räume am anderen morgen ab, Frühstück mach ich um 9, ich bleib hier nicht übernacht, ich gehe bevor es dunkel wird.

Elinor: Ich verstehe.

Mrs Dudly: Ich wohne im Ort, kein Angestellter würde hier im Haus übernachten.

Elinor: Ich verstehe.

Mrs Dudly: Es wird also niemand im Haus sein, falls sie Hilfe brauchen.

Elinor: Ich verstehe.

Mrs Dudly: Niemand, nachts wenn es dunkel ist.

Elinor: Mrs Dudly, Mrs Dudly, wo ist denn der Schlüssel hat das Zimmer keinen Schlüssel oh nein, nein nein.

Theodora: Das darf doch einfach nicht wahr sein nein, ha.

Elinor: Mein Gott bin ich froh daß sie da sind, geben sie mir doch die Tasche da.

Theo: Danke.

Elinor: Ich bin Elinor Vance.

Theo: Theodora, einfach Teo.

Elinor: Theo.

Theo: Puh dieses Monstrum von einem Haus, dieser häßliche.

Elinor: Sind sie auch so erschrocken als sie es das erste mal gesehen haben.

Theo: Hrm.

Elinor: Oh Mrs Dudly, geben sie ihr doch bitte das Zimmer neben meinem.

Mrs Dudly: Das blaue Zimmer.

Theo: Wunderbar, bestens geeignet als kleine private Aussegnungshalle.

Elinor: Mein Zimmer ist genau das gleiche in grün, ja wirklich dunkelgrün wie kalter Spinat.

Theo: Oh wie lecker.

Elinor: Und wir haben ein gemeinsames Badezimmer mit Durchgangstür.

Mrs Dudly: Ich richte das Abendessen im Speisesaal her, punkt sechs, sie müssen sich selbst bedienen, ich räum am andern Morgen ab, Frühstück mach ich um 9, ich bleibe hier nicht übernacht.

Elinor: Kein Angestellter würde hier im Haus übernachten.

Mrs Dudly: Es wird also niemand da sein falls sie Hilfe brauchen.

Elinor: Nachts wenn es dunkel ist.

Theo: Hab ich das richtig verstanden, diese reizende Dame wollte uns soeben klarmachen daß es völlig zwecklos ist nachts nach ihr zu rufen.

Elinor: So ist es.

Theo: Ehrlich gesagt ich kann mir im Moment keine noch so schlimme Situation vorstellen in der ich ausgerechnet Mrs Dudly zu hilfe rufen würde.

Elinor: Ich würde eher nach Graf Dracula klingeln, haha, was ist, wollen wir gemeinsam diesen Ort des Schreckens erkunden.

Theo: Ja aber nur wenn mich die große Schwester an die Hand nimmt. Oh eiskalt, sie hatten ja wirklich Angst, ganz ruhig, jetzt ist ja Theo da. Lehrerin, ich finde Kinder ja wunderbar, sie sind noch so spontan neugierig vital.

Elinor: Und eine Pest wenn man ihnen beibringen muß still zusitzen.

Theo: Du haßt deine Arbeit.

Elinor: Kann man denn leben von sowas wie Malerei.

Theo: Wir haben noch ein kleines Antiquitätengeschäft mein Freund und ich.

Elinor: Hättest du gedacht daß es nur ein paar hundert meter vom Haus entfernt ein so schönes Plätzchen gibt.

Theo: Wir haben uns gestritten, ich glaube sonst wäre ich gar nicht hergekommen, macht der mir einen Heiratsantrag.

Elinor: Und du haßt es geheiratet zu werden.

Theo: Ja aber jetzt gefällt es mir hier, in der Sonne, außer Sichtweite dieses häßlichen Hauses und mit dir an meiner Seite.

Elinor: Wenn ich mir die Wiese so anschaue.

Theo: Picknick ein Platz für ein Picknick.

Elinor: Genau das wollte ich sagen, kaltes Huhn und Schinkenbrote.

Theo: Schokoladenkuchen, Ameisen, Wespen.

Elinor: Harte Eier und das Salz vergessen, himmelblaue Plastikbecher.

Theo: Oh nein Horn und Silber meine liebe und im Weidenkörbchen wir werden.

Elinor: Was ist das da drüben zwischen den Bäumen.

Theo: Ein Werwolf was sonst.

Elinor: Wir sollten gehen, vielleicht sind die anderen schon da und warten auf uns.

Theo: Du hast immer noch Angst, das ist gefährlich mein Schatz.

Elinor: Aus welchem Grund bist du eingeladen worden.

Theo: Ich hab mal aus puren Spaß an einem Experiment teilgenommen, versteckte Karten erraten, ich hatte eine Trefferquote von 80 %.

Elinor: Und.

Theo: Purer Zufall was sonst, du hast immer noch kalte Hände.

Elinor: Ja, ist die Reise zu Ende reichen wir uns die Hände wenn der abend kommt.

Theo: Hübsch.

Elinor: An der nächsten Biegung sieht man es wieder.

Theo: Das gräßliche Haus, es hat ein Gesicht, es sieht dich an.

Elinor: Dieser große Turm, hab ich Sehstörung oder.

Theo: Er ist schief.

Elinor: Er ist schief nicht.

Theo: Und ich denke mit voller Absicht des Erbauers, hallo was ist denn da vorgefahren.

Elinor: Wo.

Theo: Nicht daß ich mich mit teuren Autos auskenne aber das ist bestimmt ein sehr teures.

Elinor: Jede Wette.

Theo: Entweder ist der Besitzer um die 50 glatzköpfig häßlich oder oder wenn er jung und attraktiv ist dann er hat das hier nicht mit seiner Hände Arbeit erworben, hab ich zu meiner Freundin gesagt.

Elinor: Theo.

Luke: Ja sie hat völlig recht ihre Freundin, das ist nur ein kleiner Vorschuß auf ein größeres Erbe.

Theo: Wie faszinierend.

Elinor: Und was werden sie erben Mr Sanderson.

Luke: Luc, bitte wie Theo und Elinor, nunja dies und das, diese exklusive Sommer-residenz zum Beispiel.

Theo: Ein guter Witz.

Luke: Leider nein, das Haus gehört meiner Tante Mord in London, genannt Erbtante und ihre Bedingung dafür es Dr Montague zu vermieten für sein Projekt war daß ich daran teilnehme, vielleicht hatte sie Angst die anderen könnten sich am Familiensilber vergreifen.

Theo: Und welche Farbe hat ihr Zimmer.

Luke: Sie werden es nicht glauben.

Theo: Nun.

Luke: Rosa.

Theo: Hahah.

Luke: Ja zugewiesen wurde es mir von einer Dame mit einem Gesicht, das ihr eine tragende Rolle in dem Film die Nacht der lebenden Toten garantieren würde.

Theo: Ja unsere gute Mrs Dudly.

Elinor: Und Dr Montague, wie ist der, kennen sie ihn.

Luke: Ehrlich gesagt, ich bin froh daß ich hier bin, ihrer Sicherheit wegen, er hat ja das muß man zugeben eine gewisse dämonische Faszination, etwas mephistofiles.

Montague: Hallo, schön daß sie schon alle da sind, das Abendessen wartet, kommen sie, ich bin Dr. Montague.

Theo: Mit blondem Bart.

Elinor: Und Goldrandbrille.

Montague: Es freut mich, wenn mein Erscheinen sie so fröhlich stimmt meine Damen auch wenn ich nicht ganz verstehe warum.

Luke: Jugendliche Gemüter Dr, die für ihre Heiterkeitsausbrüche keinen besonderen Anlaß brauchen.

Theo: Luke der Lügner, es wird spannend.

Montague: Der erste Abend. Mrs Elinor Vance, Mrs Theodora, Mr Luke Sanderson und ich, die beiden Frauen hoffentlich mit medialer Veranlagung, die Teilnehmer erhalten von mir die nötigen Informationen und lernen sich kennen.

Theo: Dr. erzählen sie weiter.

Montague: Wo war ich stehen geblieben.

Luke: Wir waren bei meinem legendären Urgroßonkel Henry Craine, dem Erbauer des Hauses und seinem naja sagen wir mal etwas seltsamen Charakter.

Montague: Ja, der arme Henry Craine, als seine Frau nach der Geburt des zweiten Kindes starb, verfiel er ganz der Melancholie.

Theo: Kinder, in dieser Plüschgruft sind Kinder aufgewachsen.

Montague: Zwei Mädchen, aber sie sind wohl auch nicht besonders glücklich geworden.

Luke: Das wundert mich nicht.

Montague: Die ältere Schwester blieb unverheiratet und wohnte im Haus und als sie krank und alt war nahm sie eine junge Frau aus dem Dorf als Pflegerin und Hausmädchen zu sich.

Theo: Grauenhafte Vorstellung so eine Arbeit machen zu müssen.

Montague: Nun ja die Leute hier waren sehr arm und es sah zunächst so aus, als bekäme dieses Hausmädchen für die verlorenen Jugendjahre wenigstens eine materielle Entschädigung, als die alte Dame starb vermachte sie ihr das Haus.

Theo: Wenn ich so was erben würde ich würd es sofort in die Luft jagen oh pardon Mr Sanderson.

Luke: Luke.

Theo: Luke.

Luke: Glauben Sie etwa ich habe die Absicht jemals hier zu wohnen, ich werde das Ding natürlich sofort verkaufen.

Theo: Falls sie einen Käufer dafür finden.

Elinor: Was wurde aus dem Hausmädchen, hat sie hier gelebt.

Montague: Ja aber nicht lange, die andere Schwester focht das Testament an und gewann, an dem Tag als sie den Brief mit dem Bescheid bekam erhängte sich die junge Frau.

Elinor: In dem Schiefen Turm.

Montague: Woher wissen sie das.

Elinor: Was, ich ich dachte es mir nur so, wenn wenn ich mich hier erhängen wollte, würde ich Gott entschuldigung ich rede dummes Zeug.

Luke: Nein nein sie hat völlig recht, der beste Ort hier für einen stilvollen Freitod ist der Turm, noch einen Martini für Elinor.

Elinor: Ja bitte danke.

Theo: Und, weiter.

Montague: Was bitte weiter.

Theo: Die Pointe ihrer Geschichte, die Leiche im Keller, der Mörder mit dem Beil.

Luke: Das Monster mit den spitzen Zähnen, naja was man so erwartet in einem Bauwerk wie diesem.

Montague: Sie spüren also auch die besondere Atmosphäre des Hauses.

Theo: Es ist besonders häßlich.

Luke: Naja, es ist nicht gerade ein architektonisches Glanzstück aber.

Elinor: Mir macht es Angst.

Montague: Angst wovor denn.

Elinor: Ich weiß nicht.

Theo: Gibt es noch einen Martini für Theo.

Luke: Aber gerne, oh nein, die Flasche ist leer.

Montague: Auf der Anrichte im Speisesaal steht noch eine.

Theo: Ich hole sie.

Montague: Nein.

Luke: Ich brauche noch ein bißchen Bewegung.

Montague: Nein Theodora, lassen sie mich lieber.

Theo: Ich habe keine Angst Dr.

Luke: Oder wir gehen zusammen.

Theo: Haha.

Elinor: Dr Montague, was sollen wir in diesem Haus, was erwarten sie von uns.

Luke: Tja Dr Schönheit und praktische Vernunft ein gefährliches Paar unsere Damen.

Montague: Glauben sie an Gespenster.

Elinor: Natürlich nicht.

Montague: Gut, das würde ich auch sagen wenn man mich so fragt, woran ich allerdings glaube ist daß bestimmte Kräfte die Psyche derart beeinflußen können, daß eine Art Rückwirkung auf deren Umgebung entsteht, können sie mir folgen.

Theo: Nein.

Montague: Tatsache ist, dieses Haus ist in all den Jahren seit dem Tod des Hausmädchens dutzende Male vermietet worden aber kein Mieter hat es hier lange ausgehalten und immer wieder mit den abenteuerlichsten Begründungen die Flucht ergriffen, zu trocken, zu feucht, zu stickig, zu zugig, magnetische Ströme, unterirdische Wasseradern usw ja und seit 10 Jahren steht das Haus leer.

Luke: Was ist denn jetzt. Also.

Theo: Elinor. Elinor.

Luke: Merkwürdige Hörspiele bringen die manchmal.

Elinor: Das ist kein Hörspiel.

Theo: Elinor, Luke.

Elinor: Theo.

Montague: Wir hätten sie nicht allein gehen lassen sollen. Wo sind sie.

Theo: Hier.

Montague: Wo denn.

Theo: Mach die Tür auf.

Luke: Da. Da da kommt die Stimme her. Hinter der Wand.

Elinor: Aber da führt kein Weg in den Nebenraum.

Theo: Kommt denn niemand.

Elinor: Theo. Theo.

Montague: Nein nein das ist der richtige Weg, hierhier, hierher.

Au.

Theo: Na endlich.

Luke: Alles in Ordnung.

Theo: Na klar mir gehts blendend.

Luke: Gut.

Theo: So gut wie es einem gehen kann wenn man gerade kopfüber in ein dunkles Zimmer gestürzt ist.

Luke: Also sowas, da sind ja Stufen zwischen den Zimmern, das ist aberwitzig.

Theo: Dann fällt diese verdammte Tür hinter mir zu und als ich sie endlich finde im Dunkeln ist sie abgeschlossen.

Montague: Das war sie nicht, sehen sie, dieses Zimmer hat 3 Türen mit Stufen, sie haben an der falschen gerüttelt, der Weg zum Speisesaal war das übrigens auch nicht.

Theo: Aber ich hätte schwören können, mein Ortssinn ist untrüglich.

Montague: Nein, sie haben schon im ersten Raum die falsche Tür erwischt.

Theo: Diese verdammte Haus, ich hasse es.

Montague: Ich habe den Weg erst mit dem Grundrißplan suchen müssen, tja liebe Freunde wir sollten eines daraus lernen, niemals alleine hier herumzustöbern.

Elinor: Vor allem Nachts, nachts wenn es dunkel ist.

Montague: Nach einigen weiteren Drinks haben sich alle zurückgezogen, erstaunlich wie still es hier draußen ist, auch bei offenem Fenster kaum ein Laut aus dem Park, es regnet wieder, auch fast lautlos, ich bin sicher, diese erste Nacht wird erwartungsgemäß verlaufen.

Elinor: Ist noch ein Schluck Kaffee da.

Luke: Ja gerne.

Montague: Nachdem wir alle ausgezeichnet geschlafen und nichts ungewöhnliches erlebt haben.

Luke: Nein halt ich protestiere, ich habe von Mrs Dudly geträumt, ja sie schwebte in einer grünlichen Aura auf mich herab und.

Mrs Dudly: Ich räume um 10 Uhr ab, es ist fünf nach 10.

Montague: Selbstverständlich Mrs Dudly, es war ein ausgezeichnetes Frühstück.

Luke: Und auch das Abendessen wirklich, war ausgezeichnet.

Theo: Ja wirklich wunderbar.

Elinor: Wir können heute abend das Geschirr auch selbst in die Küche zurücktragen.

Mrs Dudly: Ich räume am anderen Morgen ab, ich kenne den richtigen Platz für alles.

Montague: Also dann, auf zur Hausbesichtigung.

Theo: Unglaublich, Räume ganz ohne Fenster.

Montague: Davon gibt es noch vier, nein hier entlang, das ist eine Sackgasse. Luke wo sind sie.

Luke: Hier komme.

Elinor: Warum so viele verwinkelte und verdunkelte Räume.

Theo: Viktorianisch, damit man sich besser verstecken kann.

Luke: Verstecken und erschrecken.

Montague: Bitte kommen sie.

Elinor: Was war das.

Montague: Merkwürdig, ich hab alle Türen hinter uns offen gelassen.

Theo: Da schon wieder, ganz von selbst.

Luke: Ich werd jetzt überall Stühle in die Türen stellen.

Montague: Ich habe den Verdacht, daß die Türstöcke von anfang an etwas schief konstruiert sind, ja damit genau dieser Effekt eintritt.

Luke: Mit einer Wasserwaage könnte man das nachprüfen.

Theo: Elinor.

Montague: Alles in Ordnung mit ihnen.

Elinor: Ja, ich bin über den Schemel gestolpert, brauner Teppich, brauner Samt, ich hab ihn einfach nicht gesehen.

Theo: Ein tückisches Miststück von einem Haus.

Elinor: Ich will hier raus.

Luke: Als hätte ich Gleichgewichtsstörungen.

Theo: Meine Eltern haben mich mal auf dem Rummelplatz in so eine verrückte Hütte mitgenommen, da waren alle Wände ein bißchen schief und die Fußböden auch.

Luke: Gibt es da nicht eine Stelle, wo ein Luftzug den Damen unter die Röcke weht.

Theo: Mr Sanderson, mir war jedenfalls sterbenselend als ich wieder herauskam.

Montague: Wenn unsere Erwartungshaltung an Architektur, klare Linien, rechte Winkel, Aufteilung nach den Gesetzen von Symmetrie und Proportionen ständig enttäuscht wird, das erzeugt auch so etwas wie ein Schwindelgefühl.

Theo: Da haben wir es doch, dieses ganze Haus ist ein einziger Jahrmarktscherz.

Luke: Still hab ich Halluzinationen oder.

Theo: Nein, ich hörs auch.

Luke: Wo kommt denn das her.

Theo: Dr Montague was ist das.

Luke: Warten Sie, machen sie mal diese Türe auf und zu, auf und zu.

Theo: Luke bleiben sie hier.

Montague: Ich glaube ich weiß was er tun wird er nimmt die Stühle in den Türen weg.

Luke: Türen zu, kein Zugluft mehr, kein Geheul, Henry Craine der Irre hat sein Horrorkabinett mit allen Tricks ausgestattet.

Montague: Es könnte von den geschnitzten Gesichtern über den Türen herkommen, die Mundöffnungen als Schalltrichter.

Luke: Möglich, Metallzungen vielleicht.

Theo: Elenor, Elenor, wo ist Elenor.

Elinor: Mein Gott, haben sie mich erschreckt.

Luke: Also wer hier wen erschreckt hat darüber sollten wir jetzt lieber nicht streiten ja.

Elinor: Ich hab nur den Turm angeschaut, hier vom Balkon aus, er ist schief, ganz schief.

Luke: Sie hingen auch schon halb über der Brüstung.

Elinor: Mir ist ein bißchen schwindlig, sie müssen mich nicht festhalten, sie müssen nicht den edlen Lebensretter spielen.

Theo: Elinor, was war denn plötzlich.

Montague: Warum befolgen sie nicht meinen Rat und bleiben beisammen.

Theo: Ich werde dich heute nicht mehr aus den Augen lassen, das versprech ich dir mein Schatz.

Theo: Elinor bist du noch da.

Elinor: Natürlich.

Theo: Was machst du.

Elinor: Ich denke nach.

Theo: Über etwas erfreuliches hoffe ich.

Elinor: Ja über dich.

Theo: Sehr gut.

Elinor: Du bist hinreißend, zart und wunderschön, ich hasse dich.

Theo: Was hast du gesagt.

Elinor: Nichts.

Theo: Verdammt ich hab meinen Nagellack vergessen, hast du vielleicht welchen dabei, Burgunderrot.

Elinor: Nein.

Theo: Du benutzt auch kein Maskcara, Makeup, Lippenstift.

Elinor: Nein.

Theo: Das solltest du aber, du würdest gleich viel hübscher aussehen.

Elinor: Hübscher.

Theo: Nicht für einen Mann für dich selbst es ist ein gutes Gefühl sich zu schmücken, naja ich gebs ja zu ich übertreibs manchmal ein bißchen, schau nur an was ich alles mitgeschleppt habe, eine handbemalte Seidenbluse und das hier maßgeschneidert, meine schönsten Sachen zusammengerafft nur für diese blöde Haus, du warst viel vernünftiger, hast nur was schlichtes und praktisches mitgenommen.

Elinor: Du wirst es nicht glauben, ich hab auch meine schönsten Sachen zusammen.

Theo: Was sagst du. So und jetzt werde ich mir als erstes den Grundriß von Crains Hall abzeichnen, ich werde überhaupt so viel wie möglich zeichnen von den Abartigkeiten dieses Hauses und dich auch.

Elinor: Elinor zwischen Drachen, Furien, Chimären.

Theo: Nymphen, Putten, Grazien, bleib also stehen.

Elinor: Nein Theo.

Theo: Halt mal still. Du magst dich selbst nicht, warum.

Elinor: Bitte hör auf.

Theo: Ich hab das Gefühl, du solltest abreisen, so schnell wie möglich.

Elinor: Warum, mir gefällt es hier.

Theo: Eben, deshalb.

Montague: Der zweite Abend, die Teilnehmer beginnen sich an das Haus zu gewöhnen, auch Mrs Vance, die zu Beginn hochgradig verspannt und nervös war, wenn die mir bekannten Berichte über Crains Halls der Wahrheit entsprechen, müßte die zweite Nacht.

Elinor: Na Mutter ich hör dich, ja, ja, ich hör dich ja.

Theo: Elinor, Elinor, hast du es auch gehört, komm rüber zu mir.

Elinor: Was ist.

Theo: Pst. Da da ist es wieder, ich dachte ich hätte es nur geträumt, es ist kalt hier, es ist eiskalt, vielleicht der Dr oder Luke, gib mir noch ne Decke. Es kommt näher. Ist die Tür abgeschlossen. Ja. Es ist nur ein Geräusch. Geh weg. Ist mir kalt.

Elinor: Mir auch.

Theo: Wo ist Luke, wo ist der Doktor.

Elinor: Ich glaube. O Gott es weiß jetzt, daß wir hier sind. Du kommst hier nicht rein.

Montague: Da war doch Elenors Stimme.

Luke: Ja aber aus Teos Zimmer.

Montague: Hallo wir sinds.

Theo: Doctor, Luke, gott sei dank.

Luke: Ist alles in Ordnung.

Montague: Ist irgendwas passiert während wir weg waren.

Theo: Ja eigentlich nichts besonders, es hat nur irgendwas mit einem Brecheisen an unsere Tür geklopft weil es uns gern fressen wollte, und wo wart ihr, ihr furchtlosen Beschützer.

Montague: Wir haben einen Hund gejagt.

Theo: Einen Hund hier im Haus.

Luke. Ja einen Hund oder so was ähnliches, es war ein großes schwarzes Tier, ich habs nicht genau gesehen unten in der Halle, dann war es plötzlich weg.

Theo: Haben Sie denn das Klopfen nicht gehört.

Montague: Keinen Laut.

Luke: Wir dachten sie schlafen friedlich da oben bis wir sie schreien hörten.

Montague: Moment, Moment, sieht das nicht so aus, als wären ob Luke und ich mit Absicht weggelockt worden weg von ihnen, Freunde wir müssen auf der Hut sein.

Montague: Irgendetwas kommt in Bewegung, prompt oder fast ein wenig zu prompt, aber wichtig ist nur den Überblick zu behalten. Der dritte Tag.

Luke: Fällt ihnen nichts auf an unseren beiden Damen, Doktor.

Montague: Nein.

Luke: Sehen sie doch mal, unsere schöne Theo gleicht heute einer müden Rosenblüte, guten Morgen Theo, Eleinor dagegen sieht sie nicht ausgesprochen frisch ja geradezu stahlend aus, gar nicht wie jemand der so eine aufregende Nacht hinter sich hat.

Theo: Tu mir jetzt bloß nicht den Gefallen rot zu werden.

Luke: Doch, doch aufregende Nächte scheinen ihnen zu bekommen, Mrs Vance, ich finde sie sollten sich mehr davon gönnen.

Montague: Na ich hoffe wir haben einen ruhigen Tag. Ich will ihnen noch eine kleine Spezialität des Hauses zeigen, etwas das es in alten Gemäuern öfter gibt.

Theo: Die Falltür zur geheimen Folterkammer hoffe ich.

Montague: Lassen sie sich überraschen.

Elinor: Huch, kalt wie in einer Gruft.

Montague: Jetzt treten sie wieder einen Schritt zurück.

Elinor: Es ist weg, tatsächlich, kalt warm.

Montague: Für diese kalten Stellen in geschlossenen Räumen gibt es keine naturwissenschaftliche Erklärung.

Luke: Also wenn ich das Thermometer hinhalte zeigt es keine Veränderung.

Montague: Ja das sagte ich ja.

Luke: Dann ist diese Kälte hier ein ganz subjektives Empfinden.

Theo: Seien Sie mir nicht böse, aber ihre kalten Stellen lassen mich ziemlich kalt, ich möchte lieber eine Skizze von Haus machen.

Montague: Aber sie dürfen nicht allein gehen.

Luke: Ich würde sie gern begleiten aber Dr Montague braucht mich als Helfer.

Elinor: Das kann ich auch tun falls sie mir das zutrauen.

Montague: Selbstverständlich.

Elinor: Praktische Vernunft.

Theo: Ich habe nichts gegen Begleitung, ich brauche in den Räumen extra Licht.

Luke: Ich werde mein bestes tun.

Theo: Sie brauchen nur ihr Taschenlampe gerade zu halten.

Elinor: Es ist nicht einfach kalt, es ist, ich habe das Gefühl jemand will mir was antun.

Montague: Gehen sie raus aus der Kälte.

Elinor: Es ist ein ganz ähnliche Kälte wie gestern nacht als es an der Tür geklopft hat.

Montague: Haben sie das alles aufgeschrieben, nicht nur die Vorgänge auch ihre Empfindungen dabei und evt. Veränderungen die sie an sich selbst spüren, wissen sie, die Einfallpforte für Geister ist unsere eigene Psyche und wenn es da Schwachstellen gibt.

Luke: Doktor Montague, da ist etwas, das sie sich ansehen sollten.

Montague: Luke alleine, wo ist Theorora.

Luke: Sie ist auf ihrem Zimmer, kommen Sie.

Theo: Da, sehen sie sich das an, alles beschmiert, da, es ist eine Schweinerei.

Luke: Was ist das Dr, Blut.

Montague: Das glaube ich nicht.

Theo: Was soll ich denn jetzt anziehen.

Elinor: Das ist Farbe, rote Farbe aus deinem Malkasten.

Theo: Was, glaubst du etwa, ich verdrecke mir meine eigenen Sachen, da ist kein einziges Stück mehr heil. Du warst es, ja genau du warst es.

Elinor: Du bist ja verrückt.

Montague: Unsinn, Elinor war doch den ganzen Morgen mit uns zusammen oder.

Luke: Ich glaube schon.

Theo: Die Bluse kann ich wegwerfen, das krieg ich nie wieder raus.

Luke: Ich könnte mein Kashmirpulover anbieten oder den Seidenpyjama.

Elinor: Ich kann ihr auch was geben, allerdings nur was schlichtes und praktisches.

Montague: Schade, in der Stadt könnte ich diese rote Substanz chemisch analysieren lassen aber hier.

Elinor: Da an der Wand seht doch, das ist ein E.

Luke: Die ist ja auch beschmiert bis zu Decke.

Elinor: Der Buchstabe E, E wie Elenor.

Montague: Es könnte ein E sein, ja, sehr schief zwar.

Elinor: Wissen Sie, was das bedeutet, es kennt meinen Namen.

Montague: Es kennt die Namen von uns allen.

Elinor: Aber es meint mich, es steht da nicht T wie Theo oder L wie Luke sondern E wie Elinor.

Luke: Sie könnten sich ja gerade geschmeichelt fühlen von der Aufmerksamkeit dieses Haus.

Elinor: Ihr billiger Zynismus ist widerwärtig, ich würde ihnen zutrauen, daß sie das getan haben.

Luke: Was denn E wie Elenor an die Wand pinseln, ist das vielleicht eine geheime Wunschvorstellung von ihnen, soll ich E wie Elinor an alle Wände pinseln.

Montague: Ruhe Freunde, beruhigen Sie sich, merken sie nicht, Theo gegen Elinor, Elinor gegen Luke, wohin soll das führen.

Luke: Alle gegen Dr Montague, wohin denn sonst.

Elinor: Das ist ja ekelhaft, richtig widerwärtig, warum zeigen sie mir das.

Luke: Ich mußte es einfach jemandem zeigen, ich habs hier im Regal gefunden, die sieben Todsünden und ihre Bestrafung.

Elinor: Für meine beiden Töchter zu Belehrung und Abschreckung, eigenhändig illustriert von Henry Craine.

Luke: Diese Bilder, ein kranker.

Elinor: Glaubt mir, das alles tu ich nur zu eurem besten und aus tief empfundener Liebe für euch meine Kinder, ein Alptraum von einem Vater.

Luke: Tja besser so aufzuwachsen wie ich von einem Internat ins andere.

Elinor: Ich war zuhause bei meiner Mutter.

Luke: Sie glückliche, hab mir immer gewünscht.

Elinor: Ich brauche Luft.

Luke: Halt warten sie doch.

Elinor: Hat der arme kleine Junge etwa Angst allein mit Urgroßonkel Henry.

Luke: Immer schön zusammenbleiben, Befehl von Onkel Doktor, jetzt machen wir gemeinsam einen Spaziergang.

Montague: Der dritte Abend, Spannungen in der Gruppe, nur Mrs Vance wirkt erstaunlich ausgeglichen.

Elinor: Für mich war das Alptraum, dies Klopfen an der Tür.

Montague: Aber ein Alptraum, den sie mit Theo geteilt haben.

Theo: Allerdings.

Luke: Und das mit Theos Kleidern, ein Alptraum von uns allen.

Elinor: Die Flasche ist leer, ich hol uns eine neue.

Luke: Ach Elinor soll nicht ich.

Theo: Sie haben sich ganz schön Zeit gelassen Mr Sanderson, sie fürchten sich doch nicht etwa vor ihrem eigenen Haus.

Luke: Erwarten sie immer Heldentaten von Männern.

Theo: Nicht von jedem.

Luke: Wissen Sie, ich hatte ein paar Freunde, tollkühne Jungs, Teufelskerle, na ja, ich bin noch am leben.

Montague: Aha, heute haben wir Theo gegen Luke.

Mrs Dudly: Suchen Sie eine neue Flasche.

Elinor: Oh Mrs Dudley, sie sind noch da.

Mrs Dudly: Da steht sie.

Elinor: Ich werd die Auflaufform heute abend gleich saubermachen.

Mrs Dudly: Sie sind Drecksarbeit gewohnt, man sieht es an ihren Händen.

Elinor: Ich.

Mrs Dudly: Sie haben nie dumme Witze über das Haus gemacht.

Elinor: Nein.

Mrs Dudly: Aber sie fürchten es auch nicht mehr.

Elinor: Nein, ich fühle mich hier wie.

Mrs Dudly: Sie sollten gehen.

Elinor: Warum.

Mrs Dudly: Bevor es zu spät ist, gute Nacht.

Luke: Ich möchte jetzt einen Mozart zu Mrs Dudlys exzellenten Souffle naja oder.

Radio: Über die Rolle der Ilusion in unserem Leben.

Montague: Halt warten Sie Luke.

Radio: Daß sich kein Mensch längere Zeit dem Bewußtsein seiner reinen Realität aussetzen kann ohne Schaden zu nehmen. Träume, Tagträume, Illusionen sind unentbehrliche Schutzmechanismen der Psyche, schon bei höherentwickelten.

Luke: Scheiß Kasten.

Theo: Aber Mr Sanderson, wo bleiben denn ihre Manieren, die teure Erziehung.

Luke: Das ist doch unglaublich, kein einziger Sender geht mehr rein.

Montague: Eine atmosphärische Störung vielleicht.

Elinor: Nein.

Theo: Elinor, jetzt schleichst du dich schon an wie Mrs Dudley.

Elinor: Es ist das Haus, es isoliert uns von der Außenwelt, es will nicht daß wir etwas anderes hören als seine eigene Stimme.

Montague: Wenn ich den Eindruck bekäme, daß das Haus irgendeinem von ihnen gefährlich werden könnte würde ich ihn sofort nach Hause schicken.

Radio: Elenor Rigby.

Theo: Sie sagt immer zu Elinor. Elinor.

Montague: Der vierte Tag, ja es ist etwas in Bewegung geraten, ich spüre es, obwohl die Nacht ruhig verlaufen ist wie erfahrungsgemäß jede zweite Nacht in einem Haus mit übersinnlichen Erscheinungen, es gibt hier Manifestationen, aber anders als ich es erwartet habe, die Ahnung einer kühnen Theorie, Elinor Vance, wirklich bedauderlich daß ich mich ihr heute nicht gründlicher werde widmen können.

Theo: Elinor du hast dir die letzte Tasse Kaffee genommen.

Elinor: Ach entschuldigung, ich überlasse sie selbstverständlich dir.

Luke: Vorsicht, Mrs Vance, ist doch mein bestes Service.

Elinor: Ach Gott Luke plötzlich peinlich kleinlich.

Montague: Ja Mr Dudly ist leider etwas sparsam mit dem Kaffee.

Theo: Unerschrockener Luke könnten sie nicht in die Küche gehen und.

Luke: Abgelehnt, als ich gestern Mrs Dudly um eine zweite Kanne bat, da hat sie mich gemustert wie einen Schmutzfleck auf ihrer Sonntagsbluse.

Elinor: Ein Auto ist vorgefahren.

Theo: Nur eine Sinnestäuschung im Schatten des Hauses.

Montague: Ah das wird meine Frau sein.

Luke: Ihre Frau.

Montague: Ja, habe ich etwa vergessen ihnen zu sagen daß sie heute kommt, sie ist Spiritistin aus Leidenschaft, sie arbeitet mit einem Spezialgerät, um die Stimmen der Verstorbenen aufzunehmen, eigentlich wollte sie von Anfang an dabei sein.

Frau: John wo bist du.

Montague: Aber das konnte ich ihr ausreden. Hier meine Liebe.

Frau: Was für ein wunderbares Haus, ideal für übersinnliche Manifestationen.

Montague: Darf ich vorstellen, Mrs Vance, Mrs Theoroda, Mr Sandson.

Frau: Hatten sie denn schon Erfolge, na das macht nichts, mit meiner medialen Veranlagung werden wir die Geister der hier verstorbenen schon zum Reden bringen, ja das gelbe Zimmer hat diese Mrs Dudly gesagt, aber mein Gepäck steht noch immer da.

Montague: Ich bring es gleich nach oben.

Frau: Nein John, denk an deine Bandscheiben.

Luke: Darf ich vielleicht behilflich sein.

Frau: Ja, laß den jungen Mann das machen, oh vorsicht mit dieser Tasche, da ist mein Tonband drin, ein ausgesprochen sensibles Gerät, sie glauben ja gar nicht, wie es diese armen Seelen drängt sich uns mitzuteilen, ich sage immer, nichts ist kindischer als vor ihnen Angst zu haben.

Montague: Ja meine Frau, Spiritismus wie gesagt ihre Leidenschaft.

Frau: Wir könnten schon heute abend die erste richtige Seance abhalten.

Montague: Sonst ist wirklich wunderbar, eine wunderbare Hausfrau, Köchin, wirklich.

Elinor: Und keinen Pfennig Förderung bekommt unser Dr Montague für das Projekt, nicht mal vom Institut für Parapsychologie, er finanziert es ganz aus eigener Tasche, oder mit der Erbschaft seiner Frau, hat mir Luke erzählt.

Theo: Hat er dir auch erzählt, wie traurig es ist ohne Mutter aufzuwachsen.

Elinor: Du bist doch nicht etwa eifersüchtig.

Theo: Ich kann es nicht mitansehen, wenn eine Frau mit Verstand sich zum Narren macht, es tut mir weh.

Montague: Der vierte Abend, die Entwicklung ist an einem kritischen Punkt angelangt, zum ersten Mal habe ich das Gefühl, es könnte scheitern.

Montague: Danke Elinor.

Theo: Luke sie machen mich nervös.

Luke: Wahrscheinlich ist der Aparat kaputt.

Frau: John hab ichs dir nicht gleich gesagt es liegt nur an den richtigen Schwingungen, da, ich hab mich heute nachmittag intensiv konzentriert und ein paar Fragen an die Verstorbenen auf dieses Band gesprochen und wie ich es mir jetzt abhöre sind Antworten drauf, moment.

Frau: Was willst du, was willst du.

Frau: Sie antworten nicht immer gleich.

Frau: Was willst du.

Frau: Sie hat nach Hause gesagt, ganz deutlich.

Frau: Leidest du und worunter, leidest du.

Frau: Mutter, sagt sie das arme Ding.

Frau: Können wir dir helfen.

Frau: Ja das war das Ende der Aufzeichnung, John hieß eine der hier Verstorbenen das Hausmädchen vielleicht Helen oder Helena.

Montague: Nicht das ich wüßte.

Frau: Unsere Stimme, sie nennt sich Nelly.

Theo: Nelly ist auch eine Kurzform für Elenor, hat dich mal jemand Nelly genannt.

Elinor: Ja Vater aber das ist schon sehr lange her.

Frau: Haben sie denn Botschaften aus dem Jenseits empfangen, sind sie medial.

Theo: Also unsere Nelly braucht keine Botschaften aus dem Jenseits sondern einen Cognac und ein warmes Bett.

Montague: Ich schlage vor, Elinor schläft sicherheitshalber bei Theo und ich und Luke wir campieren nebenan, ich weiß nur nicht Ann ob du.

Frau: Mach dir kein Sorgen um mich, ich bleibe in meinem Zimmer, einem wirklich positiv denkenden Menschen kann nichts böses von diesen armen gequälten Seelen widerfahren.

Elinor: Wie lange geht das schon, eine viertel Stunde, eine Stunde.

Theo: Hör auf damit, hör auf. Was war das.

Luke: Das war die Vase im Gang, Ming Dynastie.

Theo: Bald sprengt es die Tür.

Montague: Sie haben immer noch nicht verstanden, solange wir ihm widerstehen wird auch die Tür standhalten.

Elinor: Es will mich, es will nur mich.

Theo: Kalt, Luke, bitte noch eine Bettdecke.

Luke: Besser so.

Theo: Nein.

Montague: Ganz ruhig.

Theo: Das Haus spielt verrückt.

Luke: Das Biest, das ist bestimmt mein bestes Service.

Elinor: Ich halts nicht mehr aus.

Montague: Nicht nachgeben, Elinor.

Montague: Ich glaube es ist vorbei, Luke ein Cocnag für Elenor.

Luke: Zuerst ein Cocnag für Luke.

Theo: Und bitte für Theo.

Montague: Und sie schreiben das auf, was sie erlebt haben, alle drei.

Theo: Was heute noch.

Luke: Sie haben vielleicht Nerven Doktor.

Montague: Der fünfte Tag, ich habe mich getäuscht, erfreulicherweise, die Manifestationen gehen weiter, also heute wieder ein Tag der Ruhe nach dem Sturm.

Frau: Gibt es noch Kaffee.

Montague: Ja hier meine liebste.

Frau: Ziemlich dünn, das hättest du dieser Mrs Dudly schon längst sagen sollen, aber ist das nicht merkwürdig, dieses Haus, von dem wir uns so viel versprochen haben, es war die ganze Nacht totenstill.

Theo: Hahah.

Frau: Ich finde die Erheiterung deine Assistenten ziemlich unpassend, ich fürchte du hast dir da recht oberflächliche Charaktere ausgesucht, dabei ist es doch deine These daß nur mit ganz besonderen Persönlichkeiten übernatürliche Erscheinungen.

Montague: Oh Mrs Dudley, guten Morgen.

Luke: Offensichtlich haben sie noch genügend heiles Geschirr für uns gefunden.

Mrs Dudly: Ich weiß nicht wovon sie reden.

Frau: Da geht es ihnen wie mir, Mrs Dudly, es ist kein Kaffee mehr da.

Luke: Mrs Dudly räumt um 10 Uhr ab, es ist fünf nach zehn.

Mrs Dudly: Ich bringe ihnen gleich noch eine Kanne.

Frau: Bißchen stärker bitte, wir zahlen nicht gerade wenig für die Pension hier.

Theo: Elinor, wir sollten endlich unser Picknick organisieren als Abschiedsessen, ich fahre morgen, ich mag nicht mehr, ich will nach Hause.

Elinor: Theo, was hältst du davon, wenn ich mitkomme zu dir, in deine Wohnung, ich hause in einer Abstellkammer bei meiner Schwester mit ihrem vulgären Mann und mit ihrem verzogenen Sohn ich hasse sie.

Theo: Dann zieh doch aus.

Elinor: Wie denn.

Theo: Du hast doch ein Beruf.

Elinor: Ich bin schon seit Jahren arbeitslos. Bitte nimm mich mit.

Theo: Das geht nicht.

Elinor: Ich brauch nicht viel, ein Klappbett in deinem Laden, ich werd mich nützlich machen, ich hab das Auto ohne Erlaubnis genommen, ich kann nicht zurück zu meiner Schwester.

Theo: Elenor.

Luke: Eleonor ist doch ein wunderhübscher Name, das eignet sich dazu mit Pathos ausgesprochen zu werden, stör ich irgendein Zerwürfnis zwischen den Schwestern.

Theo: Das kann man wohl sagen, ich frage Elinor, ob sie mit mir Picknick unten am Bach machen möchte, und sie sagt, sie haßt Picknick.

Luke: Picknick ich liebe Picknicks, ich weiß nicht ob sie mich als Ersatz akzeptieren.

Theo: Ich kann es ja mal probieren. Was besorgen wir uns denn zu essen.

Luke: Kaltes Huhn und Schinkenbrote.

Theo: Schololadenkuchen.

Luke: Ja. Harte Eier. Das Salz vergessen. Aber keine Plastikbecher.

Elinor: Ist die Reise zu Ende reichen wir uns die Hände, wenn der Abend kommt.

Elinor: Was ist das. Wach nur auf Theo Tausendschön. Aus dem Bett Leo Lügner, Dr. Montague, Poltergeist für Mrs Montague.

Theo: Eleonor ist weg.

Montague: Da da ist sie.

Luke: Im schiefen Turm natürlich.

Frau: Was in aller Welt tut diese verrückte Person da oben.

Theo: Elinor warte, nicht weitergehen, ich komme.

Montague: Bleiben Sie hier, sie kann gar nicht weiter nach oben klettern, die Treppe zum Turm ist auf halber Höhe zusammengebrochen, ja, ich hab es nur vergessen es ihnen allen zu sagen.

Luke: Der Rest der Treppe auch noch runter.

Montague: Klettern sie zurück Elenor aber vorsichtig.

Theo: Du mußt sie holen Luke.

Montague: Ich bin dafür verantwortlich, ich hole sie.

Theo: Luke bitte.

Luke: Ihre Frau hat recht, ich mach das.

Frau: Du hast dich ja geweigert, die charakterliche Eignung zu prüfen.

Theo: Bleib ruhig Elenor ganz ruhig.

Luke: Elinor, Elinor, schau mich an, so jetzt gib mir die Hand, ja.

Elinor: Ich hatte doch nur einen Alptraum, das hätte jedem passieren können.

Luke: Der Koffer ist im Auto.

Montague: Steigen sie ein, Mrs Vance.

Elinor: Aber sie können mich doch nicht wegschicken.

Frau: Fahren sie vorsichtig. Ich habe mit ihrer Schwester telefoniert, sie war schon sehr in Sorge wegen des Autos.

Elinor: Dr Montague.

Montague: Verstehen sie denn nicht, sie sind hier in Gefahr.

Elinor: Das ist Unsinn, das wissen sie doch, ohne mich läuft ihr Projekt nicht mehr, außerdem ist es nicht ihr Haus, sie können mich nicht wegschicken.

Luke: Dr Montague handelt im Einvernehmen mit mir als Hausherr.

Theo: Du brauchst Abstand.

Elinor: Nein.

Theo: Du mußt das alles erst mal vergessen, dann können wir später irgendwann.

Elinor: Aber ich kann hier nicht weg, ich war glücklich hier, ich bin seit 20 Jahren nicht mehr glücklich gewesen.

Montague: Glauben Sie mir, es ist zu ihrem besten.

Elinor: Aber wohin.

Mrs Dudly: Fürchten sie sich nicht, fahren sie nach Hause.

Elinor: Ja wohin denn sonst, danke Mrs Dudley danke, danke.

Theo: Verdammt, ich hätte sie nicht alleine fahren lassen sollen.

Montague: Ich hatte mir auch schon überlegt ob ich sie nicht.

Frau: Was macht denn diese Person jetzt schon wieder.

Luke: Sie hat gewendet, sie kommt zurück, zurück zum Haus.

Mrs Dudly: Nach Hause.

Montague: An das Institut für Parapsychologie, das Experiment, das so viel versprechend begann, ist leider mit einem gewaltsamen Ende gescheitert, es ist mir nicht gelungen, die übernatürlichen Manifestationen auf Crains Hall wissenschaftlich zweifelsfrei zu dokumentieren, poetisch ausgedrückt könnte man sagen, das Haus hat sein Geheimnis bewahrt, man kann wohl wirklich nicht vorsichtig genug bei der Auswahl der Mitarbeiter sein, meine Frau und ich werden das beim nächsten Projekt noch stärker berücksichtigen, Sittley Rectory in Suffolk, ein Pfarrhaus aus dem 18 Jahrhundert...

Elinor: Esther Hausmann
Theodora: Renan Demirkan
Dr. Montague: Rudolf Wessely
Mrs. Montague: Doris Schade
Luke: Ingo Hülsmann
Mrs. Dudley: Ruth Hausmeister
Elinors Schwester: Sibylle Nicolai
Bearbeitung (Wort): Marina Dietz
Regie: Barbara Plensat

Kommentar von Hörspiele |

Roter Stern (BR/SFB 1992)
Hörspiel von Simone Schneider

Liebste Lilina, 50.000 Tonnen schwer und höher als das Warenhaus Die Welt des Kindes in den Himmel über Moskau ragt, Lilina, mein erster Wolkenkratzer naht. Vor den Ufern Sewastopols schwimmt New World New York, zwei Klassen und zwei Schornsteine, bunt geflaggt zu Blasmusik auf schwarzem Meer tanzt Roter Stern. Pack deine Tränen in einen Sack und schick Sie mir nach Amerika. Ozean der Fanatiker, reißt sich die blaue Bluse auf, um mich in eine andere Welt zu schaukeln, Lilina, adieu, dein Hündchen.

Wladimir auf dem Weg in seine Bordkabine.

Tief ist der Ozean. Der Ozean ist eine Sache der Vorstellung. Was unterscheidet ein Ufo von einer schwebenden Ikone? In Moskau setzt man ganze Häuserblöcke auf Räder. Auch das ist eine Sache der Stadtplanung. Im 30. Jahrhundert sind wir die Metropole im Kosmos. Bis dahin wird gearbeitet. Haben Sie Metropolis gesehen? Ich träume oft von Grenzüberschreitung. Zur linken der Nordpol, zur rechten der Südpol, vor uns eine neue Welt und unter uns das versunkene Atlantis. Diese Vorstellung heißt Ozean. Gibt es hier Ungeziefer? Ohne das Wasser wäre es fad. Ich sehe lange Wellen, kurze Wellen, lange Wellen. Wanzen sind wasserscheu. Man wird sich die Zeit vertreiben müssen. Kotzen zum Beispiel. Die erste Klasse kotzt wohin sie will, das ist ja klar. Die zweite kotzt auf die dritte und die dritte bekotzt sich selbst. Seit wann gibts hier Klassen?

Ja bitte?

Ein Brief für Wladimir Bombrowitsch.

Vielen Dank.

Liebster Freund, durch dieses Loch betrachtet sieht unser Rußland so klein aus. Wer schwimmt hier eigentlich? Ich oder der Kontinent? Ja, ich bin ein Schwärmer, wenns ums Reisen geht. Mit einer Schiffsreise ist selbst die Reise durch den Tod bei weitem nicht zu vergleichen. Wie unbeschreiblich schön muß erst die Reise zu den Sternen sein, dorthin, wo der neue Mensch die Fesseln der Schwerkraft auch noch abschütteln kann.

Können Sie mir den Weg ins Bordkasino erklären?

Man sagt, die Kosmofuturologie sei realistische Phantastik. Die Tür zum All sei längst schon aufgestoßen, doch ist der Durchgang noch nicht öffentlich.

Nein.

Wieviel grenzenloser darf sich da bereits die Tierwelt fühlen? Affen, Katzen, Hunden, Meerschweinchen, ist der Weg zu den Sternen von Geburt an frei.

Vielen Dank.

Während die Maschinen arbeiten, fliegen die Tiere durchs All. Fast alle Hunde kommen in den Himmel und wollen aus diesem auch nicht mehr zurück.

Wladimir auf dem Weg ins Bordkasino.

Bei den Aristokraten verhält es sich nicht anders. Auch sie bleiben lieber an der Riviera. Sogar aus Sibirien kommen nicht alle wieder. Die übrigen stehen vorerst über den Wodka in den Tourismus ein. Festlich und glücklich die sorglose Existenz des Menschen im 30. Jahrhundert. Bis dahin werden wir uns die Zeit vertreiben müssen. Ich warte im Bordkasino auf Sie. Ihr Michael Svoboda.

Bitte einen Wodka.

Wir schließen.

Aber all die Leute.

Personal.

Haben Sie sonst noch etwas anzubieten?

Einmal muß der Erlöser kommen. Sein Bild hängt lang genug schon neben der Ikone. Wie so oft bei ähnlichen Anlässen bleibt da die Ernüchterung nicht aus.

Vielen Dank.

Wladimir auf dem Weg in seine Bordkabine.

Davos sucht eine Persönlichkeit. Was ist das? Mit Führungsqualitäten und guten Verbindungen. Lenin kam auch aus Zürich damals. Kein Regentröpfchen weit und breit. Voraussetzungen sind Durchsetzungsvermögen, Verhandlungsgewandtheit und Kreativität. Der Forschungsbereich Schnee und Lawinen umfaßt die Sektionen Wetter, Lawinen und Schnee. Ein Fluß fließt in die Richtung des geringsten Widerstandes, spült weg, was er wegspülen kann, umgeht, was er umgehen kann, selbst wenn es nur ein Misthaufen ist.

Liebste Lilina, sei nicht traurig, ich nehme an.

Was verstehen die unter Persönlichkeit.

Man hat mir vertraglich zugesichert, daß ich nicht zu sterben brauche. Die erste Allunionsversammlung wird in einem schwimmenden Palast vor den Kulissen des Uralsees stattfinden.

Schneedecken, Wetter und Lawinenwarnung sowie Kenntnis in der Physik von Schnee und Eis sind erwünscht.

Wladimir nennt sich erster Präsident des Erdballs. Als Rangabzeichen mag man ihm ein kleines Flugzeug auf die Stirn. Ich, ich werde den Vize machen und male mir ein Hündchen auf die Wange.

Die einzig unverpfuschte Revolution war die Sintflut.

In meinem Antrittsreferat behandle ich zentrale Themen unserer neuen Politik. Punkt eins: Man muß den Hunger in der Welt abschaffen.

Ausgeschrieben von der eidgenössischen Anstalt für Wetter, Schnee und Lawinenforschung.

Dazu sind alle fischreichen Seen zum Kochen zu bringen und die Suppe wird im eingefrorenen Zustand in die ganze Welt verschickt. Punkt zwei: Die Affen müssen in die Menschenfamilie eingegliedert werden mit vollem Bürgerrecht. Ja bitte?

Ein Brief für Wladimir Bombrowitsch.

Vielen Dank.

Liebster Freund, ich ließ Sie warten, das tut mir leid. Auf dem Weg zu Ihnen traf ich Anne Kellermann und ihre Nixen, doch die Begegnung war im speziellen Fall auch eine bittere Enttäuschung. Diese Amerikanerinnen. Aber die Freiheitsstatue ist ja auch keine Frau. Aus ihren Augen kann man sich bestenfalls hinunterstürzen.

Möchten Sie einen Wodka?

Ich hörte allerdings, daß den wirklich mutigen Sekunden vor dem Aufprall aus Dollarscheinen Flügel wachsen. Mit jeder Leiche steigt der Kurs.

O ja bitte.

Man sollte auf Liberta setzen.

Ohne Wodka wäre Rußland ein Land ohne Lächeln.

Ich für meinen Teil halte mich vorerst an das Duplikat, ein reizendes Geschöpf, mit einem Variete reist sie als Statue of Liberty durch die Allillusionsländer, so nennt sie unseren neuen Staat.

Ja. Können Sie mir sagen, wie ich zur Kabine von Dr. Svoboda komme?

Sie redet wie eine Maschine und ist dabei anhänglich wie der Lieblingshund von Dr. Pavlo, das verrückte Tier.

Nein.

Kommen Sie mich besuchen. Ich warte in meiner Bordkabine auf sie.

Vielen Dank.

Ihr Michael Svoboda.

Wladimir auf dem Weg in die Bordkabine von Dr. Svoboda.

Gehen Sie ins Hypodrom. Eine Million Dollar im Jahr. Chaplin verdient mehr. Sucht man dort Persönlichkeiten. Ein Riesensaal, 5000 Menschen, die Bühne ist breiter als die Rampe im Theater der Nationalen Volksarmee. Wie viele 100.000 Dollar kostet so eine Show? Für Provinzler ist es billiger. Die berühmte Schwimmerin Anne Kellermann zeigt mit ihrer Truppe das Unterseereich. Die Bühne wird in ein riesiges Aquarium verwandelt und in grünes Trikot gekleidete Frauen stellen spielende Nixen dar. Danach kommt die Nummer mit den gelehrten Hunden. Die hat Sladilaswki einstudiert.

Entschuldigen Sie, ich glaube, ich habe mich verirrt.

Na so was.

Von außen sieht es aus wie ein Zementwerk. Aber drinnen, da tobt das pralle Leben. Mit unserem Sowjetclub ist das gar nicht zu vergleichen.

Ich suche die Bordkabine von Dr. Svoboda.

Realistisch betrachtet habe ich den Anschluß da schon verpaßt. So richtig ungezwungen kann ich mich eigentlich nicht mehr freuen.

Wer sind Sie denn?

Wladimir Bombrowitsch.

Horrende Eintrittspreise, denk ich mal.

Ich bin der Heizer.

Sind Sie nicht der Kellner?

Manchmal wird die Bühne auch in eine alpine Eisbahn verwandelt. 4 bis 5000 Arbeiter zeigen ihre Meisterschaft im Schlittschuhlaufen, Rodeln oder Skifahren.

Sie sind hier in der Bodenversenkung Nummero 15, stellen Sie also keine Fragen.

Wie bitte?

Vor der Wirklichkeit gibt es die Symbole. Sie verstehen schon? Alles falscher Zauber.

Ach so.

Kennen Sie die berühmte Melodie der amerikanischen Soldaten: Its a long way to Tipperary?

Alles läuft nach Plan. Wenn Ilan Illnitsch die letzten Takte seiner Heimatschnulze abgepfiffen hat, ertönt das Nebelhorn und der Inspizient gibt den Jungs auf der Seitenbühne das rote Zeichen, die stürmen von links und besetzen die Rampe, währenddessen fährt mein Podest hoch und von der Brücke fällt ein roter Lichtkegel auf mich, Wladimir wirft mir vom rechten Portal aus eine Schaufel zu, sie fliegt im hohen Bogen durch die Luft, im Orchestergraben ertönt ein Trommelwirbel, ich fange die Schaufel auf und eine Sekunde lang herrscht Totenstille, dann gebe ich den Auftakt zur 38. Heizerinternationale.

Hello, bourgeois, nice to see you, you volkstümlicher Spießer.

Träum ich? Wer bist du denn?

Wladimir folgt der Amerikanerin. Ihm folgt der Kellner.

Zwischen Erlöserturm und Kathedrale kriecht eine Schlange über den roten Platz. Hipp Hipp Bolschewik. I’m a Bolschewik. Hipp Hipp. Alle Macht den Sowjets. Ein gewürfeltes Wort des Herrn unter der Tribüne wie König Mauselos von Halikanas, die Zukunft im Reich der roten Sternchen, kein Mensch zahlt hier Wegzoll, die Welt ist groß genug für alle Lebenden, einschließlich der Toten. Die Moskauer Metro saust um die Erdball, sieben Quader ineinander gesteckt um daraus den babylonischen Turm zu bauen, 400 Meter plus 70 Meter, Lenin hieß es später dann, der Anfang war fast ebenerdig, roter Granit, rosa Marmor, schwarzer Labrador, aus Armenien Karfunkelstein, davon steht Wache Nummer Eins. Adamsäpfel hüpfen zwei Treppen in die Tiefe hinunter ins Grab. Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik. Hipp Hipp. Woher kommt das Licht? Aus Wachsen Pergament ein Kopf, Triumph der Technik an dem die Schlange vorbeikriecht.

Darf ich Sie ein Stück begleiten?

Woher nur dieses Leuchten? Ha, die Kleine war.

Haben Sie einen Brief für mich?

Ein Kopf und zwei Hände über einer dunklen Decke, fordern die strikte Einhaltung aller Temperatur und Feuchtigkeitsfaktoren.

Nein, ich folge Ihnen ganz privat.

Die Schlange kriecht durch das Gewebe, irgendwas zwischen gelb und grau.

Warum?

Die Mumifizierung des Mussek. Die Methode der Konservierung ist Staatsgeheimnis. Kein über das Gesicht gelegtes Brustbild, ganz ohne Eingeweide wird er täglich zur Ikone gespritzt. Wo also ist dein Herz, Genosse Parteiführer? Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik. Hipp Hipp. Im roten Trauerzug marschieren schon Hammer und Meisel, der Steinhauer schnauft, da freut sich der Steinmetz, Bulgarien, Kuba, Smolensk, Boltera, Kimeroko, Berbia und in der Ukraine, 9 Meter hoch, 12 Meter breit, und 6 Meter tief, aus weisem Granit, dassehrseht.

Irgendwann muß der Erlöser kommen.

Über die kleinen redet er erst gar nicht.

Das sagten Sie bereits.

Alle aus weißem Marmor und ähneln einer Sphinx mit ausgebreiteten Flügeln, das Bilestal aus Bronze, blicklose Augen und schattenhaftes Lächeln, das Lächeln verwittert.

Sind Sie sicher, daß Dr. Svoboda Sie heute noch treffen?

Rotarmist vor Sonnenaufgang. An einer Brust klingeln die Orden, auf dem Schreibtisch zwei Telefone. 8 Meter hoch, 8 Meter breit, und 9 Meter tief.

Ich betrachte die jetzige Lösung nicht als endgültig.

Ich fürchte, mein Marx wird das nicht überleben.

Bald stirbt der Apparat. Was wird nach ihm kommen?

Im Kirchenschiff aus weißem Marmor riecht es nach Weihrauch und Knoblauchzehen, nach gerechtem und nach Ungerechtem Gewinn, am Kiosk verkauft der Pope Weihwasser, wir haben schwer gesündigt.

Trägheit, Schlendrian und Sabotage vielleicht.

Am Horizont die Wohnmaschinen der Vorstädte.

Denken Sie, ich bekämpfe das Kapital.

Vor ihnen blüht der Stammbaum der Romanows.

Das ist falsch.

Die Schlange windet sich wund um diese grauen Äste.

Ich begreife es nicht.

Da knallt der eiserne Rollvorhang im Kongreßpalast runter, Parteiführer und Goldgrund blicken in die Zukunft, ohne Gnade, wir leben nicht im Paradies, nur im Wunschland gibt es Ordnung, Reichtum, Zivilisation.

Dem Christus Dostojewskis gehört das nächste Jahrtausend.

Ihre Sorgen möchte ich haben. Auf den roten Läufern herrscht Geschäftigkeit, wie eh und je. Etwas kann ganz plötzlich verschwinden.

Auch ich nehme kein Trinkgeld.

Daraus schlagen die Devotionalienhändler Gewinn. Die Schlange kriecht so lange zu Boden.

Gibt es hier einen Postkasten?

Seit Rosengedenken haben wir noch nie einen Gärtner sterben gesehen, rufen die Rosen.

Meine Seele wurzelt in jener Tiefe, die nicht rechnet.

Und wer schnitt sich die Adern auf, um mit seinem Blut das Beet zu tränken? Ich bin ich, weil mein Hund mich kennt, sagt da die Dame aus Amerika und gleichzeitig stellt sich die Frage: Hat irgendein Franklin Roosevelt irgendeine Identität?

Und was machen Sie hauptberuflich?

Nebenan wird gehämmert, ein arbeitendes Parlament, kein Dokument belegt den Wunsch nach Einäscherung, wir enthüllen täglich Fälschungen.

Revolutionär. Kellner mach ich nur als Aushilfe.

Zwölf Bände in roten Leder gleich neben der großen Allillusionsausstellung, in der der Mensch das Maß aller Dinge ist.

Was unterscheidet ein Ufo von einer schwebenden Ikone?

Lenin hat es am Anfang auch nicht abgelehnt.

Der Treibstoff, nehm ich an.

Damals tagte hier die Kommintern. Zwei Molotowcocktails für eine Leiche, der Mann war nicht geistesgestört, sagt Prawda. Arme aller Länder, vereinigt euch. Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik, Hipp Hipp. Exuntropia liegt in einem gläsernen Sarg an der Kremlmauer, über die Bühne des Mausoleums jagt die Führung fluchtartig, wer spielt schon gern auf einem Totenschrein Theater. Wachablösung auf dem roten Platz, Blondinen mit knatternden Fahnen.

Sie wirken schlecht ernährt und unterbezahlt.

Hinter ihnen torkelt die Maiparade. An goldenen Schnüren hängen die flaschengrünen Uniformen.

So als hätten Sie schon lange keinen guten Film mehr gesehen.

Schwankend tanzen sie den Trauermarsch. Einmal zu jeder vollen Stunde, seit 1924 bis die Glocke vom Erlöserturm endlich die letzte Stunde schlägt, seit 37 Jahren 24 mal täglich bleibt die Leiche eine halbe Sekunde unbewacht, 112 Tage im freien Totenbett nach neuer Zeit, och was sollen mir die roten Sterne auch.

Auch der Sputnik hat der seelischen Perspektive der allgemeinen Weltsicht nichts geändert.

Auf einer gerippten Säule steht in 46 Meter Höhe der erste Mensch im Kosmos, ganz Titan, zu seinen Füßen der Müllcontainer.

Ganz im Gegenteil.

Stehen die Denkmäler vergangener Epochen.

Sie verstehen mich.

Bald reiten Blauhelme den Labrador, das ist das 30. Jahrhundert.

Ich suche einen Postkasten.

Die Gottesdienstzeiten sind an der Tür angeschlagen, soweit die Kirchen arbeiten, dahinter fliegende Ikone auf mehreren Etagen der Erde, Rolltreppen in Überschallgeschwindigkeit, aber auch wunderbar erhaltene Bären und Mammuts aus der Eiszone werden gezeigt.

Wladimir schließt sich dem roten Trauerzug an. Es endet in einer Katastrophe.

Die Schlange steht vor dem Lebensmittelmagazin. Hier herrscht der wahre Kommunismus. Die Straßen werden von 20 auf 60 Meter verbreitert, und auf dem Marx-Prospekt endete der Trauerzug in einer Katastrophe, mit Tausenden von Toten und Verletzen, und die Schlange frißt sich durch den göttlichen Supermarkt. Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik, Hipp Hipp.

Liebste Lilina, die Dreharbeiten richten hier größeren Schaden an als die Revolution selber. Es gibt Tote und Verletzte, die umliegenden Hospitäler sind überfüllt. Heute fing die Arbeit mit einem Radrennen über die Dächer Moskaus an, danach brachte ich eine Zarenstatue mit Stricken und Seilen zum Umstürz, die sich aber wenig später von selber wieder in ihrer ursprünglichen Gestalt aufrichtete, der Gulag schnarcht auf seinem Lager, währenddessen verhungert die Kuh, und ich spanne mich selber vor den Pflug. Später schlendern Wladimir und ich durch die Zurareskaja, der Zauberverkäufer begegnet uns wieder und stellt erneut eine Denkaufgabe.

Haben Sie den letzten Film mit Selinski gesehen?

In seiner kleinen Flasche sitzt jetzt ein großer Affe.

Das Leben eines Hundes.

Wie ist er wohl hineingekommen?

Die Szene mit den Würstchen rührte mich zutiefst.

Endlich muß ich sagen: Dieses Rätsel wird Geschichte machen. Da werden wir auf dem Weg zum Kreml von einem roten Leichenzug überfallen.

Der echte Chaplin ist um Klassen besser.

Gefesselt wachen wir im Lesesaal der Rotarmisten wieder auf.

Aber zu teuer.

An der Wand hängt als hölzernes Relief die Karte Europas. Dreht man an einer Kurbel, so leuchten in chronologischer Reihenfolge rot die Punkte auf, an denen Lenin gelebt hat.

Danach grub er die von den Räubern vergrabene Brieftasche aus. Zum Glück.

Doch der Apparat funktioniert nicht, alle Punkte leuchten gleichzeitig.

Die Regierung kauft nur Ramsch ein. Alles Verschnitt.

Das ist der Geist der Revolution. Sagt der Kellner. Ja bitte.

Ein Brief, für Wladimir Bombrowitsch.

Aber zum Beispiel dieser Film über die Torfgewinnung als Sieg über den Brennstoffhunger.

Vielen Dank.

Sieh da, wie der Zug mit den rebellierenden Gefangenen nach Überschreiten der sowjetischen Grenze senkrecht nach oben durch das Bild fährt, direkt in die Sonne? Das ist aus Die Schöne und der Bolschewik. Ach ja, als der dekadente Graf seiner Geliebten nachts die Zähne in die Halsschlagader haut, zünden die Bauern sein Gut an. Moskau steht in Flammen.

Liebster Freund, sahen Sie den Walfisch an uns vorbeiziehen?

Ja, der kleine Hund verteidigt seine Knochen also mutig kläffend gegen die anderen Arbeitslosen.

Auf seiner Atemfontäne tanzte eine Funkelfee. Ihr weises Haar legte sich wie ein Schleier vor meine Perspektive, der Horizont verlor seine Umrisse und ich steckte im dicksten Nebel.

Es endet jedenfalls damit, daß drei sowjetische Bürger zum Mars fliegen und dort eine Revolution auslösen. Dort fand ich ein altägyptisches Rezeptbuch, es enthält eine Anleitung zur Mumifizierung der Pharaonen.

Billigste Exportartikel.

Drei blies das Horn und über den roten Stern zog ein Sternenbanner, ich sah die Sinfonie der Welten.

Aber danach fällt der kleine Hund dann leider selber in die Wurstmaschine.

Als der Himmel wieder klar war, erreichte mich ein Funkspruch aus Moskau, der Erdball ist rund, willkommen in der Steinzeit, lautete die verschlüsselte Botschaft. Vergessen Sie Hollywood, kommen Sie in den Funkelraum, unser Sternenreich ist doch die schönste reinste Illusion, beeilen Sie sich, ihr Michael Svoboda.

Wladimir auf dem Weg in den Funkelraum.

Halt, keinen Schritt. Hier sind Sie im Maschinenraum.

Ach ja, Sie sind der Heizer.

Ich bin Schauspieler.

In welchem Stück?

Ich bin ein Diener des Proletkults, unser Stück heißt Geschichte, ich spiele die Rolle der Zeit.

Kommt in ihrem Stück ein Postkasten vor?

Wenn Moskau in Flammen steht, brennen auch die Briefe.

Moskau in Flammen?

So heißt unser Stück.

Fackeln Sie die Bühne ab?

Wir spielen auf einem gläsernem Sarg, vier Personen treten auf, auf ihren Gewändern liest man die Leuchtziffern 1 9 0 und 5.

Hipp Hipp Bolschewik.

Sie nehmen nebeneinander Aufstellung und bilden so das Jahr 1905.

Sie ruft mich. Liberta, Süße.

Über die Längsseite des Sarkophags marschieren Soldaten auf und tragen eine der Länge nach gestreckte Rose, das Band ohne Ende verschwindet im Schloßportal. Darüber die Aufschrift: Waschfrau seiner Majestät. Auf der Szene erscheint ein überaus musikalischer Clown mit einer großangelegten, schief aufgesetzten Krone.

Hipp Hipp, Bolschewik.

Er singt, auf einer leeren Wodkaflasche klimpern. Den Clown verdeckend erscheint ein Manifest, von Gottes Gnaden, Wir Nikolaus der zweite usw. Polizeigeneral.

Sie folgt mir, will sich mit mir verabreden.

Der Justizminister schwingt seine riesenhafte Tatze und stempelt mit allen fünf Fingern übers Manifest. Auf dem Sarg spielt sich ein Tanzfest ab. Die Militärkappelle schmettern, Studenten, Fräuleins, Frauen, Weiber, Krankenschwestern, Serviererinnen, Amerikanerinnen, haben Sie nicht einen Termin bei Dr. Svoboda?

Dr. Svoboda kennt meine Prioritäten.

Wie Sie meinen. Zwei Tische voller Weinflaschen sind so aufgestellt, daß zwischen ihnen ein Zug von Häftlingen samt Eskorte hindurchmarschieren kann. Die Gesichter der Begleitsoldaten sind Hundeschnauzen. Die Häftlinge ziehen vorbei, wieder spielt die Musik, dann stellen sie die Gläser ab und bauen aus Kartonmanifesten ein riesiges Kartenhaus.

Was sagt sie nur?

Auf der ganzen Sargeslänge erscheinen Polizisten. Es zeigen sich der zwergenhafte Zar, die Zarin, und etliche Minister. Alle blasen die Backen auf und beginnen aus Leibeskräften zu pusten. In diesem Moment fliegt eine Bombe auf die Szene. Die Bombe explodiert und streut Flugblätter mit einer Proklamation, von verschiedenen Ecken und Enden laufen verschiedene Leute auf verschiedene Art durcheinander.

Ich bin ich, weil mein Hund mich kennt?

Ein Arbeiter klebt dem Schutzmann ein Flugblatt auf den Rücken. Gelächter. Die Polizisten klettern plump mit Säbeln und Revolvertaschen. Auf langen mageren stelzenhaften Beinen kommt riesenhaft ein Arbeiter heran. Flügelartig sind an seinen Ärmeln breite Bänder befestigt, mit der Aufschrift Streik. Die Maschinen stehen still.

Wau? Wau? Wau? Wau Wau Wau Wau Wau. Wau Wau Wau Wau Wau Wau Wau...

Streik. Die Maschinen stehen still. Nur die Amerikanerin spricht. Moskau in Flammen. Ganz Rußland spielt Theater. Von links nach rechts bewegen sich alle zwischen den stelzenhaften Beinen des Arbeiters hindurch. In der Mitte die Büste Napoleons, das Bett der Zarin ist überfüllt von bewaffneten Rotgardisten: unterste Lage der in Ketten gelegte Arbeiter, zweite Lage, das habgierige Beamtentum, dritte Lage die Popen, Mullas, Rabbiner, vierte Lage die Regierung, fünfte Lage Bourgeoisie und Grundbesitzer, an der Spitze der zwergenhafte Zar und einer riesenhaften Krone, darauf tanzt die Gestalt des Intelligenzlers, das Pferd galoppiert neben einem fahrenden Eisenbahnzug, dahinter raucht eine Fabrik, der Arbeiter hebt die Hand, völlige Finsternis. Und noch eine Salve. Über dem Sarg erschient nur die Karte des Fünfjahreplans, darüber das Bild von Waldimir Illisch Juloanow, später genannt Lenins Gestalt mit wegweisend ausgestreckter Hand. Auf den Ausrufern blühen jetzt die Leuchtziffern 1917. Riesenhafte Schatten eines Händepaars, das seine Fesseln zerbricht. Wir haben nichts zu verlieren. Auf dem Diwan räkeln sich Liberale mit ihren Teetassen, sie halten Resolutionen bereit, der Pope segnet Gummiknüppel, Holzknüppel, Schlagringe, Maschinenpistolen der Schwarzhundertschaften. Rings um seine Werkbank Patronen und Waffen, der Passionsplatz in Moskau, hinter dem kümmerlichen Kirchlein kauern die Schauspieler, mit vergoldeten Zwiebeltürmen statt Köpfen, rundherum Betrunkene in Form von schwankenden Flaschen. Von beiden Seiten nähern sich Bergleute mit Lämpchen, Grubenhacke, Hammerschmiede und dem Vorschlaghammer, 2000 Schneidereiarbeiter tragen 1 Nähnadel, 5000 Holzfäller 1 Axt, unter ihren Schritten flüchten die Kirchlein und die Flaschen nach allen Seiten auseinander. Auf dem Sarg erscheint der Sowjetclown, hinter ihm zieht ein Arbeiter mit Radau und Geklapper die Denkmäler Rußlands an einem Halfterband, in der Mitte das Puschkindenkmal, die Volksmenge überflutet den Platz, ein Arbeiter mit einem Knaben bahnt sich einen Weg zum Monument und erklimmt es, berittene Kossacken springen auf den Sarg, die letzte Kugel trifft den Knaben, ein Gulack mit dem Tragbrett kommt herein, sein Bauchladen klappt auf und klafft blutig, die Arbeiter schließen sich in Reihen zusammen, die Werkzeuge ebenfalls, in einer Lücke zwängt sich Traktor, allen voran das Reiterbild Peter des Großen mit einem großangelegten Siegeskranz, er gleitet vom Kopf, hinter ihm die steinerne Katarina, Zar Paul der Erste springt vom Postament herunter und sichert sich einen großen Abgang, aus den Häusern fliegen Matratzen, Stühle, Tische, Passanten auf die Straße, sie reißen die Geschäftsschilder herunter, sie sägen die Leitungsmasten ab, die Gegenstände häufen sich zur Barrikade, auf der Barrikade wird eine rote Fahne gehißt, von Ferne härt man die Marseilles. Dem in Bedrängnis geratenen Gulacken kommen vier Mann zur Hilfe: der römische Papst, McDonald, Peter Stewesant, Jicky der Platase und Beate Use bilden einen Kreis, die Männer des Enteuzirkels entblößen ihre Schwänze und zeichnen mit Säbeln und Revolver Hakenkreuze in die Luft, ihnen folgt Alexander der zweite, statt des Reichsapfels trägt er seinen Kopf auf dem Zepter. Der winzige Nikolaus sitzt auf einem störrischen Gaul. Senkt das Tier den Kopf, so erfolgt eine Detonation von hinten, Gaswolken und Schlammfluten überziehen das Reich, schließlich und endlich an den Schwanz des letzten zaristischen Hengstes geklammert, die Zarin, angeführt von schnurbärtigen Generalen, strömen marschierend paradestrammgedrillte Oberbefehlshaber auf den Sarg, zu beiden Seiten der militärischen Formation Marketender und Schnapsflasche, die Dornenkrone aus Würsten gebunden windet sich singend um den Hauptmann voll Blut und Wunden. In den Kreis fällt eine Bombe, der Kreis bricht auseinander, die Bombe verstreut bunte Flugzettel mit Proklamationen, der ganze Zug setzt sich in Bewegung, die Fabrik brennt, die Kinder zählen die Kanonen, getroffene Arbeiter fallen, die ganze Rossaherde ab, voran der Führer mit dem Sprachrohr, ein Arbeiter schwing an einem Stab ein weißes...

Wladimir endlich im Funkelraum.

Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik, Hipp Hipp. Hello. Nice to see you.

Sind Sie der Sohn Schliemanns, auf den wir warten?

Wer sind Sie?

Die Admiralin.

Ich sehe vier.

Wir sind eins.

Ich suche einen Postkasten.

Schliemann hinterließ in Rußland einen Sohn, dem war es verboten, über den Atlantik zu reisen.

Warum?

Im Besitz des Knaben fand man eine Ikone, darauf war der Tempel Poseidons abgebildet. Sie trug die Inschrift: Die Ruinen von Atlantis sehen aus wie das Stadtzentrum von Nowosibirsk.

Ein Brief für Wladimir Bombrowitsch.

Jetzt nicht. Was machte der Arme in Punkto Atlantiküberquerung dann?

Er schwamm.

Verstehe.

Vier herrliche Wochen. So viele glückliche Stunden, und wir haben noch so viele vor uns. Wir dürfen und nicht verlieren.

Schon gut.

Ein Stern erlosch und zog das Sterben nach sich, der Mittelpunkt unserer Erde wurde von einem riesigen Planetoiden versenkt, hinter ihm die Reißnaht in der Atmosphäre, 4000km lang, 3000m breit und über 1000m tief trennt sie die alte und die neue Welt, der Himmel verfinsterte sich, jahrelanger Regen mit Schlamm vermischt, die Erde torkelte und jedermann lachte. Die Verhältnisse waren schon von der Sintflut bekannt. Und dennoch, der Planet hat ein Loch in die Erinnerung der Menschen geschlagen.

Das tut mir leid.

Bald bildete sich eine neue Sozietät. Ausgangspunkt des neuen Reiches ist eine großartige Metropole, von außen fast unüberwindlich, konzentriert sich alle Macht in ihrem innersten Kern, im Sitz des obersten Sowjet. Dort gibt es neben dem religiösen Zentrum auch eines der astronomischen und nautischen Wissenschaft. Das Reich war schon im Ursprung vielgestaltig. Man kolonisierte die Anrainer und errichtete so das erste Gebilde menschlicher Weltallmacht, in dem die Sonne nicht mehr untergehen kann.

Was bleibt dann noch zu wünschen übrig?

Ja. Doch bewegen sich die Aale bei ihren Leichzügen im Saragossameer so, als sei Atlantis nicht versunken, und auch die Vögel kennen kein Vergessen. Auf ihren Luftwanderungen umgehen sie unsichtbare Berge.

Der Brief.

Still.

Flugzeuge schützen die Fundstelle vor Neugierigen. Die UNO-Sondersitzung verlangt den freien Zugang für die Blockfreien. Doch haben moslimische Fundamentalisten bereits das Untersuchungszentrum in die Luft gejagt, und drohen mit einem Anschlag auf die Radiostation. Eine europäische Trophäenkommission versucht, die Fundstücke vor dem Paul-Ghetty-Museum zu retten. Die Satelliten übertragungsrechte hat ein Berliner Sender vor Jahren zu einem symbolischen Preis erworben. Sie hörten die letzte Meldung des enzyklopädistischen Weltfunks. Vergeßt die Apokalypse, beginnen wir mit der Genesis.

Liebster Freund, der Funkelraum ist besetzt, von Meeresjungfrauen. Da erreichte mich ein Telegramm. Der Parteiführer ist tot. Was passiert mit seiner Leiche? Die Witwe besteht auf Beisetzung, doch unser neuer Staat braucht Zeit.

Ich muß zurück nach Moskau.

Tief bewegt schaue ich auf die Gipfel des versunkenen Atlantis. Auch ist das Liebesspiel der Seepferdchen mit keinem menschlichen Akt an Poesie vergleichbar. Wie sie sich an den Schwänzen haltend, taumelnd auf den Meeresgrund sinken lassen. Ich warte auf dem Sonnendeck auf Sie. Ihr Michael Svoboda.

Jetzt können Sie funken.

Liebste Lilina, hört du die Wellen an den Seiten zupfen, die wie ein Netz gespannt sind, zwischen Europa und Amerika. Der Ozean sinkt, wir sinken, Trennung ist Dehnung. Und ehe das Band zwischen uns zerreißt, verschwinden Kontinente.

Back in the USSA.

Wladimir, die Amerikanerin, der Kellner und die Revolutionäre in der Menschenschlange.

Moskau-news. Science oder Fiction. Die Schlange kriecht über die Mitte des roten Platzes, wie immer pünktlich, Herr Gorbatschow schaut auf die Uhr, aus seinem Mantelfutter strickt Nikita Chrutschow das Haupt voll Blut und Wunden, und in einem Dorf im Gebiet Welograd umarmt Genosse Lenin ein rotbäckiges Mädchenkind. Unter ihm zwei Uhren und ein kleiner Enkel, die Ikone am Herzen. In Sarago bei Moskau stehen bärtige Orthodoxe zur Tausendjahrsfeier der Taufe Rußlands an einer langen Tafel. Die Schlange kriecht über das Abendmahl, während ein junges Paar aus Leningrad sich zärtlich in die Arme fällt, und das Arbeiterwohnheim für Zwangserholung in Gorki das Testbild auf Farbe schaltet. Auf dem Rücken des Mannes eine bunte Tätowierung. Christus am Kreuze, links die Engel, besonders rechts, auf kleine Wölkchen, darüber kyrillisch das Banner des Herrn.

Ich habe eine Botschaft.

Dank der Heimat für die glückliche Jugend. In Jerewan trägt der Milizionär den Schutzhelm über seiner Pelzmütze.

Ja, es ist wahr.

Seinen dicken Mantel schützt die kugelsichere Bleiweste. Und das Plexiglasschild widerspiegelt einen Stahlpfosten. Die Demonstranten sperren vor der russischen Stadt die Mäuler auf wie hungrige Jungvögel, und der offizielle Kandidat für den Posten des Generaldirektors blinzelt über die Ränder seiner Brille in zwei Mikrophone.

Mir ist der Heilige Rochus erschienen.

Die Mode von Tschernobyl.

Ich sah ein wundersam erleuchtetes Amphitheater.

In langer Gummikutte streckt ein Schwarzbebrillter das rote Lotsenfähnchen in den strahlenden Himmel. Die Räder des Lastkraftwagens sind mannshoch.

Auf einem Holzbrett stand er in seinem roten Pilgerkleid.

In Block vier stützt sich Mütterchen Rußland schon vor der Revolution auf einen Stock und Hauptplatz der Stadt Pripjad ist heute bereits ein Denkmal.

Darüber trug er einen goldenen Königsmantel.

Neun Meter hoch, zwölf Meter breit und sechs Meter tief.

Schaute ein kleines Hündchen hervor.

Das Aussichtsfernrohr blickt zurück auf Tschernobyl.

Auf der Kommandobrücke wütete der Ozean gegen eine Wasserwand mit Luftlöchern. So stark war der Regen.

Weiterhin optimistisch streckt der Kran den Arm in den Fünfjahresplan. Pelzbemützte Bauern beugen sich über einen Suppentopf. Auch Traktor steht an mit rauchendem Schornstein. Im Hintergrund versinkt vom Strommast kaum gehalten das Elektrizitätswerk im Schlamm. Im 30. Jahrhundert 50 Millionen Glühbirnen.

Der heilige Rochus wurde mit dem roten Kreuz auf der Brust geboren. In Rom heilt er Pestkranke.

Ein weißer Wolga besetzt mit 5 Personen transportiert zwei schwarze Särge auf seinem Dach, vor ihm die Kurve. Dezember.

Und ich sah lange Wellen.

Tage später ist es umgekehrt.

Kurze Wellen.

Särge im Überfluß.

Lange Wellen.

Nicht alle Opfer kann man bergen. Eine Frau schiebt einen Kinderwagen mit gebündeltem Inhalt über eine aufgeweichte Straße und der Säugling schwenkt seinen Blechnapf aus dem geschlossenen Sarg. Auf dem Fußballfeld des Stadions von Spitasx suchen die Menschen nach Angehörigen. Über den Rasen gebeugt hält sich ein Lebendiger das Haupt voll Blut und Wunden.

Als er selber von der Krankheit befallen war, flüchtete er in den Wald.

Die Kinderkadaver sind weiß, in einem bunten Kopftuch hält die zahnlose Frau in ihren Händen die zehn Brote, hinter ihr geht die Treppe bergab und mehrere Stockwerke sind ineinander gestürzt. Die Schlange kriecht durch die Trümmer.

Plötzlich dieses Wellental. Eine seltsame Vertiefung.

Der Militärhubschrauber in warmen Kinderkleidern streift die Hochspannungsleitung.

Wie die Aushöhlung eines Steinbruchs.

70 Millionen Glühbirnen bereits heute in Amerika. Gebrochen steht der Propeller in der verschneiten Landschaft, aus schlohweißen Engelshaarnestern blicken Altgläubige vorsichtig hervor, wir bestenfalls Geduldeten. Jelena streichelt über den kahlen Kopf des toten Sacharows.

Bald war er dem Hungertod nahe.

Alle Hunde kommen in den Himmel. Eine schwarze Schlange mit Pelz oder Strickmütze folgt einer rollenden Blechdose. Links außen der Mann mit dem Funkgerät, während zwei Träger den Verstorbenen im Rahmen halten, hält ein unbemützter Mensch einen Regenschirm über den offenen Sarg.

Aber dieses Licht.

Nagorni Karabach in folkloristischen Bleischürzen.

Stufen blinken unzählige Lichtchen übereinander, leuchteten lebhaft, sie blendeten mich.

Über ihre Pelzmützen trägt die Miliz Helme und ihre Salutschüsse treffen den Bärtigen direkt ins Gesicht. Ach, wie er so da liegt im Schnee, unter den Kettenrädern der Panzer.

Da schnappte ein sonst wohlerzogener Hund ein Brot vom Tisch des Herrn und lief davon.

Eskortiert von der Armee gelingt dem armenischen Dorfwang der Transit der Schafböcke, dem Soldaten wachsen stählerne Hörner und durch rote Sehschlitze blickt er auf das Ende seines Geweihs. Hinter dem Strommast detoniert die Blockade aus Glühbirnen.

Das wundersam erleuchtete Amphitheater schaukelte wie ein Luftschiff durch die Wogen.

In Kusbas streiken die Bergarbeiter. Schlafend träumen sie vom verschollenen Genossen. Über die Toten streckt Lenin den Arm vom Sockel. 14 Meter hoch, 12 Meter breit, 10 Meter tief. Rettet den Stalinismus.

Und am nächsten Tag wiederholte der Hund seinen Diebstahl. Machte sich glücklich mit der Beute auf den Weg.

Ein Mann in einer Pelzmütze hält rechts das Kreuz und links die Ikone.

Am dritten Tag schließlich folgte der Herr seinem Hund heimlich.

In Estland eine Kundgebung.

So entdeckte er den sterbenden Rochus unter einem Ahornbaum.

Ein junger Mann hält links das Hakenkreuz und rechts die Faust, ein altes Gemälde, die Kunstschätze Europas sichert die Trophäenkommission. Plakate brennen auf dem Scheiterhaufen.

Und was mich noch mehr verwunderte, war, daß die Lichter nicht etwa stillsaßen, sondern hin und wieder hüpften.

Zwei Kinder drehen sich um. Die halten runde Augen und lange Rüssel gegen den Ruß, aus dem Orenburger Kombinat tritt Gas aus, und Bagger walzen Ziegelhäuser nieder. Im Schattenriß galoppiert ein Pferd neben einer Lokomotive. Wer ist der schwarze Reiter, auf dem Fluß läßt sich die Schwerindustrie treiben. Bergarbeiter tragen den auf der Bahre gefesselten Barfüßler durch das Donezbecken.

Bunt bemalt wurde Rochus zum Heiligen der Pestkranken ernannt.

Auf einer Demonstration auf dem Puskinplatz berieten die Bürger mit der Miliz ihre Standpunkte, während am Kursker Bahnhof die Schlange durch Moskau kriecht für die Wurst.

Es blinkte wie aus einem Raumschiff. Mit einer Besatzung aus lauter leuchtenden Gestalten.

Das ist kein Straflager, nur die Kantine von Kolchos. Is the tragedy of reality.

Und er sagte: Heller als der rote Stern scheint mir der Sichelmond wahrhaftig.

Unter ihm sah ich Wladimir leibhaftig. Mit wegweisend ausgestreckter Hand zeigte er wie Pitomkin auf seine blühenden Dörfer, ganz Herr im Feldzug der fantastischen Täuschung. Der Liebhaber der Luftspiegelung gab so seine eigene Vorstellung. Noch bevor der rote Stern glühen konnte, war schon das rote Kreuz in die Erde gebrannt, und nach dem Engel Sibiriens zogen bald die internationalen Hilfsorganisationen durch das Land. Ich blicke auf die Ruinen von Atlantis. Sie sehen aus wie das Stadt-zentrum von Novosibirsk. Utopia ist fest in den Händen der Katastrophendienste. Das wundersam erleuchtete Amphitheater verschwand und mit ihm Wladimir, danach war mir, als würde ich im Stehen schlafen. Lilina, wo bist du, wo ist unser Sternen-städtchen?

Aus blauen Freizeitkleidern tritt Mütterchen Rußland mit einem Huhn unter dem Arm hervor.

Das Kino entführt uns nach anderswo.

Hoch lebe Wladimir Majakowski.

Tief darin wurzelt das Wesen ritueller Wiederkehr.

Unter ihr die Stiefel der Soldaten. Am Baikalsee liegt eine alte Frau im Tuch auf einem staatlichen Kopfkissen.

Wo bin ich?

Die weise Greise rollte Strümpfe über ihre Strümpfe. Unter ihr der numerierte Nachttopf.

Im Inneren der Kathedrale mit den 46 Sarkophagen. Darin haben 54 Zaren, Großfürsten und Fürsten ihre letzte Ruhestätte gefunden, wie die bunten diamantbesetzten Eier, die den Zarenkindern in die Osternester gelegt wurden. Auch in die Mütze des Monarchen.
Zwei Milizen führen in Milisee eine Frau unterm Arm ab, barfuß am Morgen nach den Ausschreitungen kommt sie den Stiefelschritten gar nicht nach. Die Verletzten reißen sich den Verband vom Kopf, damit die Wahrheit ans Tageslicht kommt.

Ein sozialistisches Wunder. Man filmt die Filme mehrmals von der Leinwand ab, und stellt in den entsprechenden Szenen neue Gesichter vor die alten Köpfe. Die Massenszenen kann man meist behalten.

Kreuzförmig schwebt über der Menschenschlange ein weißer Sarg. Der Leichnam wechselt im Verlauf von drei Tagen mehrmals die Farbe. Ein Katholikus hält die Totenmesse für eine Heilige, und der Milizionär streckt die Hände schuldlos in den Himmel, der Platz in Baku wurde aus hygienischen Gründen um 4 Uhr morgens geräumt. Tote gibt es keine. In schwarzen Stein gehauen streckt Lenin wegweisend die Hand von seinem Sockel, über die städtische Reinigungsequick. 19 Meter hoch, 14 Meter breit, 12 Meter tief.

In Amerika gibt es ein Kino für Automobile. Im Kreml gibt es weiße Wölfe.

In kugelsicheren Westen erfolgt die Wachablösung der Milizen vor dem Müllcontainer.

Der erste Panrussische Kongreß der Zukunftsrapsoden. Die Brüste der Frauen werden von Luftballons gehalten. Die Männer tragen Sprungfedern unter ihren Schuhen.

Hach, was sollen mir Sichermond und rote Sterne auch. Hungerstreikende zelten unter einem Puschkinzitat.

Aber was passiert mit den Analphabeten?

Laßet uns beten.

Eine weiße Schwester schüttelt fassungslos den Kopf und ein anderer Mann kann gar nicht hinsehen. Der abgeschlagene Arm steckt noch im Mantel. Das Innenfutter ist aus reiner Schafwolle gegen die Kälte, zwischen Marx, Engels und Lenin nimmt die Haarpracht zunehmend ab, und ein Junge mit einem Fahrrad hütet die Gänse unter der strengen Aufsicht der Zentralregierung.

Schließlich hat Kino etwas mit Reisen zu tun. Nur gehen nicht wir auf Reisen, sondern über die Leinwand kommt die Reise zu uns. Immenser Materialbedarf denk ich mal. Gibt es da keinen Rohfilmzufuhrmangel?

Die Arme des beinamputierten Vaters stützen sich auf zwei Krücken. In seiner Hand trägt er das Einkaufsnetz. Der Sohn trägt die Kalaschnikow über die Schulter. Der große vaterländische Krieg war das Erlebnis seines Lebens.

Landschaft ist ein Strahlenbündel, das Universum eine Bühne der Planeten, und der Staub der Stadt verwandelt sich in einen hundertfarbigen Regenbogen.

An der Brust des Alten haften circa 30 Orden. Die Schlange kriecht zur 1000Jahrfeier der Taufe Rußlands in ein Kloster.

Och, der Radiotrust strahlt bis exantrope. Silberstaub.

Auf der Lacktasche der pilgernden Genossin tanzt ein Husar.

Neuerdings haben Kurzfilme Konjunktur. Der kürzeste war: Proletarier aller Länder, vereinigt euch.

Gottes Narren haben unter jedem Regime ein hohes Ansehen. Vitorta Landsbergis hält an jedes Ohr einen Telefonhörer und marschiert über die erste Strophe der Nationalhymne nach Hause. Er hat die Melodie im Kopf. Räumung des Leninplatzes.

Wo ist Dr. Svoboda?

Seit 1925 bleibt das Kloster am Baikalsee den Kühen überlassen, sich selbst die Jugend in Leningrad, Hände umklammern den Rand eines Gullys.

Marx in einem gotischen Lehnstuhl vor einer Europakarte sitzend. Bei uns gibt es die breitesten Leinwände der Welt. Die in Amerika sind breiter.

Im Stollen der Fernheizung wärmen sich die Kinder in der Tripperbar. Die neueingelieferten Säuglinge erstarren hinter den Gittern vor dem numerierten Nachttopf.

An den Küsten leben die Futuristen. Wie sie sich in die Brandung stürzen.

Jetzt darf der Stacheldraht allerdings nicht mehr fotografiert werden.

Hoch hebe Wladimir Majakowski.

Reißt ihm nicht die Gasmaske vom Gesicht. Mit runden Augen und langen Rüssel hebt der Mensch auf der städtischen Müllhalde Schneehöhlen aus, als Heizung dient ihm die Wärme des sich zersetzenden Abfalls.

Filme über die Geschichte der Sowjetunion sind dafür um so länger. Der Trauerzug der Bevölkerung vor dem toten Lenin endete mit einem Kilometer langen schwarzen Klebestreifen.

Auf dem Aralsee sitzen die Karakalpaken-Kinder im Trockenen.

Im Sternenstädten der Revolution ist sogar die Zeit rückläufig.

An der afghanischen Grenze sitzt ein Vater, vor ihm auf einem Pappschild die Zahl 51 8 63. Die letzten Einheiten ziehen vorüber, sein Sohn ist nicht dabei.

Und weil das Kino eine Reise ist, halten die Paare auch in den Sesseln Händchen. Was sie im Theater beispielsweise nicht tun.

Aus dem Hals des Mannes kriecht eine Schlange, ohne Gehirn hielt er 6 Tage durch.

Sie halten Hündchen?

In seinen Taschen steckte tonnenweise Kriegsgerät. Darunter auch ein Bündel Briefe. Hipp Hipp Bolschewik, I’m am Bolschewik. Hipp Hipp.

Ich suche einen Postkasten.

Wir spannen ein Segel vor das Planetensystem mitsamt Zentralgestirn und werden unser Erde wie ein Schiff im Sonnenwind durch das Universum schaukeln. Eine jahrmillionenlange Reise dorthin, wo ein neuer Stern Licht und Wärme für das Weiterleben spendet.

Wieviel Tonnen Tuch, wieviel Meter Nähmaterial?

Still.

Und hier eine Meldung des enzyklopädistischen Weltfunks. Das Erbe des sozialistischen Trojas ist gefunden.

Eine Explosion.

Augenzeugen berichten von der Landung einer prähistorischen Flugmaschine auf dem roten Platz. Die Trophäenkommission hat unter der Oberaufsicht der roten Armee den Schatz des Priamos sichergestellt. Das Gold Schliemanns befindet sich jetzt im staatlichen Museum der schönen Künste. Auf einer Bergwiese im Zweistromland wurde der Flügel einer sowjetischen Fliegerbombe entdeckt. Heller als der rote Stern scheint hier der Sichelmond wahrhaftig. Vier herrliche Wochen und so viele glückliche Stunden und wir haben noch so viel vor uns.

Roter Stern. Hörspiel von Simone Schneider. Regie: Ulrich Gerhardt. Eine Produktion des Bayerischen Rundfunks mit dem Sender Freies Berlin aus dem Jahre 1992. Redaktion: Herbert Kapfer.

Ulrich Matthes Wladimir Bombrowitsch
Michael König Doktor Michael Svoboda
Krista Posch Die Amerikanerin
Gustl Halenke Die Admiralin
Traudl Haas Nixen
Gunter Berger Der Kellner
Joachim Höppner Der Lautsprecher
Detlef Kügow 1. Berufsrevolutionär
Hans Wyprächtiger 2. Berufsrevolutionär
Lorenz Meyboden 3. Berufsrevolutionär
Jan Eberwein 4. Berufsrevolutionär

Kommentar von Hörspiele |

Ray Bradbury: Ein langer Weg nach Hause (NDR/SDR 1989)

Charles: Es war ein langer heißer Tag gewesen, die Rechenmaschinen im Büro hatten gesungen wie Millionen metallischer Grillen, ein schrecklicher Tag, Mr Sternwall hatte mich angebrüllt, ich hätte Sternwall am liebsten umgebracht, eines Tages dachte ich auf dem Nachhauseweg, eines Tages wirst du diesen Mr Sternwall vom 10. Stock aus dem Fenster werfen, mein Herz ratterte wie eine aus dem Tritt geratene kaputte Rechenmaschine als ich endlich vor der Wohnungstür stand, was hatte doch der Doktor gesagt, ihr Herz hat ein bißchen Ruhe nötig, gönnen sie sich einen Urlaub, Urlaub, es war völlig unmöglich mit Lydia über Urlaub zu reden, jedes Mal wenn ich auf mein Herz zu sprechen kam, klappte ihr Mund zu wie eine Falle, nein, hinter der Wohnungstür hörte ich das Radio plärren wie immer und ich wußte, drinnen wartet sie, die Frau die ich einmal geliebt hatte, o mein gott, dieses ewige einerlei, rein in die Straßenbahn, raus aus der Straßenbahn, das Büro, die Arbeit, diese unendlich langweiligen Gespräche mit Lydia über halbgarem Essen, es war zum verrückt werden, manchmal dachte ich sogar daran Lydia umzubringen, die art und weise wie sie allen jüngeren Männern im Haus nachsah mit starren fibrigen Blick als ob sie Spielzeug wären das nur darauf wartete benutzt zu werden.

Travis: Oh hi Mr Guidney, hab gerade ihr Radio in Ordnung gebracht.

Charles: Radio, ich wußte gar nicht daß.

Travis: Ist wieder alles ok, auf wiedersehen, Mr Guidney.

Charles: Ich sah Travis nach, wie er den Flur hinunterging, dann trat ich in die Wohnung, Lydia saß breit hingefläzt auf dem Sofa geschmückt mit ihrer schreienden Rothaarperücke.

Lydia: Du bist aber spät dran.

Charles: Es ist doch erst fünf nach 6.

Lydia: Und morgen ist es 10 nach 6, und am abend drauf zwanzig nach, und es wird später und später und später.

Charles: Mein Herz Lydia.

Lydia: Dein Herz wieder mal dein verdammtes Herz, du bist kerngesund, Charly, das einzige was dir fehlt ist ein bißchen mehr Nachtschlaf.

Charles: Der Doktor sagt aber.

Lydia: Also ich kann zu meinen großen leidwesen nicht erkennen daß du nah daran bist tot umzufallen gott hab mich selig.

Charles: Ach du du willst doch nur ablenken, mich an der Nase rumführen, der junge Radiobursche dieser Travis ist wieder mal zu besuch da gewesen.

Lydia: Mach dich nicht lächerlich, Charli.

Charles: Das war zu viel, ihre Kälte brachte mich auf.

Charles: Kuck mal da eine Maus.

Lydia: Hi, wo.

Charles: Guck doch mal hin.

Lydia: Wo Charli.

Charles: Ihre schreckgeweiteten Augen irrten suchend umher, ich hatte wieder zum alten Trick gegriffen.

Lydia: Dafür zieh ich dir diese Woche 10 Dollar mehr von deinem Gehaltsscheck ab 10 Dollar oder du kochst du dir eine Woche lang dein Abendessen selbst wie letzten Monat.

Charles: Was sollte ich darauf antworten, die Ehe hat uns gemein und kleinlich werden lassen, das hätte ich vielleicht sagen können und komm Lydia wir verschwinden aus Los Angeles laß uns ein neues Leben beginnen, aber ich wußte ja es hatte kein Sinn, Lydia gehörte zu jener Sorte Frauen die einem aus purer Bosheit Sahne in den Kaffee schütten wenn man ihn am liebsten schwarz mag, und das Radio auf Orkanstärke stellen, wenn einem der Schädel brummt, wie hätte ich ihr meine Sehnsucht nach Ruhe, nach Urlaub, eingestehen können, sie hätte gesagt daß wir uns eine Reise um meiner Gesundheit willen gar nicht leisten können, da saß ich schon lieber da und sah mir beim sterben zu.

Lydia: Mach schon die Tür zu und häng deinen speckigen Hut auf.

Charles: Wozu, das nutzt jetzt auch nichts mehr, ich hab nämlich gerade jemand umgebracht.

Lydia: So wie heißt er denn.

Charles: Du scheint mich nicht zu verstehen, ich sagte ich hab gerade jemand umgebracht, umgebracht, abgemurkst, gekillt.

Lydia: Gekillt, wirklich.

Charles: Nun hatte ich die Sache angefangen, jetzt mußte ich sie auch zuende bringen, ein Rückzieher war nicht mehr drin, machs gut, redete ich mir zu, machts gut, gibs ihr, mach weiter.

Charles: Ich hab ihn direkt ins Herz getroffen, ganze Arbeit, ich konnte nicht anders, ich mochte seine Visage nicht, es war einer von diesen Leuten ohne Kinn, ich hab ihm das Herz durchs Rückgrat gepustet, er hat ganz verwundert geguckt.

Lydia: Ach nein.

Charles: Es war beinahe so, als hätte ich wirklich jemand umgebracht, ich stellte mir den Knall vor, das Blut, die Erregung, mein Herz pochte, und Lydia, ihren Mr Trevis und ihr Radio und ihre niederträchtige Grausamkeit hatte sie total vergessen, sie sah mir zu wie einem Roboter dessen Schlüssel sie verloren hatte, eins war mir klar, wenn ich mich jetzt verplapperte, konnte ich himmlischen Beistand brauchen.

Charles: Peng und ab in die Hölle, das hättest du sehen sollen, er knickte über meiner Knarre ein, wie eine Marionette, gott war das aufregend.

Lydia: Charlie.

Charles: Der Einfall kam mir heute morgen im Büro, Mr Sternwall brüllte mich an, und da hab ich mir gedacht, er sollte nicht so laut brüllen, ich kann das nämlich gar nicht leiden, und dann hab ich mir gedacht wozu ist er eigentlich noch auf der Welt, der wird allmählich alt und irgendjemand muß doch mal dafür sorgen daß er aufhört so herumzubrüllen irgendjemand aber wer, auf einmal ist mir dann die Idee gekommen.

Lydia: Du.

Charles: Ja ich, Mr Charles Guidney, der kleine ordentliche feige und blaße Angestellte Charles C. Guidney, Blut überall Blut.

Charles: Lydias Gesicht war wie es in 10 Jahren nicht mehr gewesen war, alle Gemeinheit war in diesem Augenblick aus ihm gewichen, sie war erschüttert, plötzlich war Lügen die schönste Sache der Welt.

Lydia: Aber die Waffe Charly, die Pistole du hast doch gar keine.

Charles: Och nichts einfacher als das, ich hab heute früher feierabend gemacht, auf der Main street kann man sich keine Waffe kaufen ohne Waffenschein, also hab ich mir eine geklaut, ne 22er, als der Händler einen Augenblick nach hinten ging hab sie mir geschnappt, dann ging ich zurück ins Büro und folgte Mr Sternwell die Treppe runter, in einer Seitenstraße hab ich ihn dann kaltgemacht, ja und nun bin ich auf der Flucht, wir müssen aus der Stadt verschwinden, Lydia verreisen.

Lydia: Wir.

Charles: Ja wir beide, natürlich oder.

Charles: Sie gab keine Antwort, wenn sie mich wirklich haßte, würde sie mich jetzt der Polizei übergeben, auf der Stelle, mein gott die Peinlichkeit wenn sie wirklich die Polizei riefe, ich würde in ihrer Gegenwart mit der Wahrheit herausrücken müssen und sie würde keifen und kochen und mich noch mehr hassen.

Lydia: Und was soll ich deiner Meinung nach tun.

Charles: Du meinst du willst mir helfen, du liebst mich noch so sehr daß du mit mir gehst.

Lydia: Was soll ich deiner Meinung nach tun.

Charles: Vielleicht durchschaute sie mich, vielleicht sah sie ganz neue Seiten an mir weil ich genug Fantasie bewiesen hatte mir eine derartige Geschichte auszudenken, vielleicht spielte sie dieses Spiel selbst gerne mit, ich mußte fast lachen.

Lydia: Also Charli, was soll ich deiner Meinung nach tun.

Charles: Ich packe die Koffer, du reservierst Plätze im Nachtbus nach San Diego, wir vergessen die ganze Geschichte in Mexiko 6 Monate lang, das wird toll Lydia.

Lydia: Wie du meinst Charly.

Charles: Und spute dich, viel Zeit haben wir nicht zu verlieren.

Lydia: Natürlich Charlie ich geh ja schon.

Charles: Etwas verblüfft war ich doch, sie liebt mich, sie hilft mir tatsächlich, sie geht mit mir, singend und lachend suchte ich Kleider zusammen und stopfte sie in die Koffer, dann rasierte ich mich, in aller Ruhe, die Rasiercremetube ließ ich absichtlich offen und gab mir auch gar nicht erst Mühe das Waschbecken zu säubern oder das Handtuch gerade aufzuhängen.

Lydia: Hier sind die Fahrkarten.

Charles: Du hast aber lange gebraucht.

Lydia: Tut mir leid.

Charles: Mach das nicht noch mal.

Lydia: Es waren zu viel Leute da.

Charles: Und bloß keine Ausreden.

Lydia: Wirklich ich kann von Glück sagen daß ich überhaupt Karten gekriegt habe.

Charles: Lydia.

Lydia: Der Bus fährt punkt 9.

Charles: Lydia du weißt nicht was das für mich bedeutet, daß du zu mir stehst.

Lydia: Ja Charly, ja.

Charles: Hörst du mein gott sie umstellen das Haus, wo ist mein Mantel, die Koffer, schnell die Hintertreppe runter, und ab durch die Seitenstraße.

Lydia: Der Streifenwagen ist vorbeigefahren Charly.

Charles: Ah so ja dann gehen wir wohl doch besser vorne raus, was ich nehme an es sieht ziemlich eigenartig aus wenn wir durch die Seitenstraße türmen.

Charles: Es ging schneller als ich gedacht hatte, 123 und wir waren unten trotz der schweren Koffer.

Lydia: Mr Kelly.

Kelly: Ah sieh an Mr und Mrs Guidney, schönen Tag auch.

Charles: Tag Officier.

Lydia: Oh bitte, bitte Mr Kelly, Charley wollte den Mann doch gar nicht umbringen.

Charles: Was soll das, nimm dich gefälligst zusammen.

Lydia: Er wußte nicht was er tat, bitte, bitte erschießen sie ihn nicht.

Kelly: Er wußte nicht was er tat, was denn.

Charles: Nichts Kelly nichts, das verstehen sie nicht.

Lydia: Charly er wird uns erschießen.

Kelly: Jetzt aber mal langsam.

Charles: Geh rein Lydia, geh rein, ist schon gut Lydia, o gott.

Kelly: Wovon reden sie eigentlich.

Lydia: Es ist Mr Sternwall, er war alt und gemein, und jemand mußte ihn mal erschießen und Charly hat es getan.

Charles: Jetzt ist es aber genug, Lydia du gehst rein und wartest bis ich komme.

Kelly: Also Mr Guidney.

Charles: Meine Frau hat es mit den Nerven, verstehen sie, sie sie sie glaubt ich hätte einen Mann erschossen, hab ich aber nicht.

Kelly: So.

Charles: Nein Sir hab ich nicht, war alles nur ein Witz.

Kelly: Nur ein Witz, aha und das hier, natürlich schaffen sie die Klamotten gerade zum trocknen in die Wäscherei rüber.

Charles: Klamotten.

Kelly: In ihren Koffern natürlich und dieses kleine grüne Papier das aus ihrer Tasche guckt, da wär also keine Busfahrkarte nach San Diego.

Charles: Officer ich sag ihnen doch meine Frau bringt alles komplett durcheinander.

Kelly: Darf ich dann vorschlagen, daß sie mich aufklären.

Charles: Rufen sie doch auf dem Revier an, fragen sie doch mal nach, ob in den letzten 3 Stunden irgendwelchen alten Männer getötet wurden.

Kelly: Also so beknackt bin ich nun auch wieder nicht Mr Guidney, vielleicht haben sie die sterblichen Überreste versteckt.

Charles: Also bitte Kelly sehe ich denn wie ein Verbrecher aus, kommen sie mal her.

Kelly: Aha.

Charles: Verstehen sie jetzt, wenn sie herauskriegt, daß alles ein ausgemachter Schwindel ist, trag ich den Kopf nie wieder oben, die zieht mir bei lebendigem Leib die Haut ab.

Kelly: Das ist natürlich eine andere Sache, aber keine Angst, ich werde ich Katze schon nicht aus dem Sack lassen.

Charles: Danke Kelly.

Kelly: Ich weiß genau wie ihnen zu mute ist, also meine Frau manchmal, naja, ich hoffe es macht ihnen nichts aus Mr Guidney, wenn ich trotzdem mal anrufe.

Charles: Na klar doch klar.

Kelly: Nur ne Frage, liegt was besonderes vor.

Charles: Was ist.

Kelly: Was, ein Mord natürlich, ja, was, wirklich, tatsächlich.

Charles: Na was ist denn nun Kelly.

Kelly: Ach hat er.

Charles: Es ist doch nichts oder.

Kelly: Ja wenn das so ist, mach ich.

Charles: Was denn Kelly.

Kelly: Er steht direkt neben mir, ok.

Charles: Nein Kelly nein, sehen sie mich nicht so an.

Kelly: Oh doch Mr Guidney, ich verhafte sie hiermit wegen Mordes an einem gewissen John Pastor, der vor einer halben Stunde an einer Schußwunde verblutend aufgefunden worden ist, erschossen mit einer 22 Pistole in einer Toreinfahrt, hinter ein paar Kehrrichtkübeln drüben in der Tempelstreet, das ist gerade mal 8 Ecken von hier, nah genug also um mich an, verdammt.

Charles: Was blieb mir anderes übrig, ich trat Mr Kelly genau in dem moment vors Schienbein als er die Handschellen hervorholte, dann gab ich ihm noch eins mit der Faust, Kelly blieb regungslos liegen, dann rannte ich zurück über die straße ins haus.

Lydia: Charly, wir können nicht entkommen, wir schaffen es nie.

Charles: Glaubst du.

Lydia: Wir waren verrückt es zu versuchen.

Charles: Jetzt ist alles ganz anders, warte auch mich Lydia, ich bin gleich zurück.

Lydia: Und die Busfahrkarten.

Charles: Die brauchen wir jetzt nicht mehr, bis nachher Lydia.

Lydia: Wo gehst du hin.

Charles: Ich weiß es nicht.

Lydia: Charly komm zurück, Charly.

Charles: Ein leben lang sture Mittelmäßigkeit, und nun auf einmal bum krach peng Jack the Ripper, die kalte Hand des Schicksals, ich blickte mich um, hier war es also passiert, vor einer halben Stunde, in diesem schäbigen Einkaufsviertel, in dem Lydia und ich oft einen Bummel gemacht hatten, Schnapsläden, Waffenläden, kleine Cafes, leere Parkplätze und dunkle Seitenstraßen, betrunkene Männer die ziellos umher torkelten du Narr sagte ich mir, die Bullen werden dir deine Geschichte jetzt auf keinen Fall mehr abkaufen, wie willst du die Busfahrkarten erklären, die gepackten Koffer, deine Flucht, die meisten Läden hatten ihre Schutzgitter schon geschlossen, nur ein paar Geschäfte hatten noch Licht.

Charles: Ich hörte hier solls ein bißchen Ärger gegeben haben.

Mann: Ja da drüben in der Seitenstraße.

Charles: Ein alter Mann, was, wer war er, wer hat ihn denn umgebracht.

Mann: Ich weiß nicht, ein oller Penner, was geht mich das an.

Charles: Haben sie irgendwas gesehen.

Mann: Ne, nichts hab bloß blaue Hemden und Sheriffsterne gesehen und Sirenen gehört.

Charles: Ich ging weiter und dachte angestrengt nach, du suchst einen alten Mann den du nie zuvor gesehen hast und den der ihn umgebracht hat, du mußt den wahren Mörder finden, bei einer Bevölkerung von anderthalb Millionen kann das doch kein Kunststück sein, mir war danach die Leute die mir entgegen kamen anzuhalten ihnen ins Gesicht zu sehen und sie zu fragen, haben sie etwa zufällig vor einer Stunde jemand umgebracht, nein na dann besten dank auch und den nächsten, Mister sind sie ein Mörder, ich ging in jeden Laden der noch offen war, aber niemand hatte was gesehen.

Verkäufer: Der tote, Jonny, nein, hat ne menge gesoffen, hat die ganze Zeit hier in den Einfahrten rumgelungert, hat da nachts auch geschlafen aber Grund den kalt zu machen hatte keiner hatte doch kein bißchen Geld, sagen sie haben sie ihn gekannt.

Charles: Ich, ich bin sehr nah mit ihm verwandt.

Verkäufer: Achso.

Charles: Da hatte ich mir ja was schönes eingebrockt, während ich nur so auf dem Nachhauseweg mit dem Gedanken gespielt hatte, Mr Sternwill, meinen Boß umzubringen, hatte ich meinem eigenen geregelten arbeitsamen Leben eine unvorhersehbare Wendung ins Chaos gegeben, dabei hatte ich doch niemand umgebracht, ich ärgerte mich über meine Schnappsidee, ja nun du Schlauberger, sagte ich mir, wenn du nicht der Mörder bist, wer ist es dann.

Charles: Mr hat ihnen jemand heute ne Waffe abgekauft, ne 22.

Händler: Sie machen wohl nen Witz.

Charles: Ich meine es ernst.

Händler: Gehen sie mir doch nicht mit sowas auf den Geist, die Leute kaufen sich doch nicht jeden Tag eine Waffe, außerdem man braucht einen Waffenschein.

Charles: Vielleicht hat jemand darum gebeten, ihre Waffen ansehen zu dürfen, und wenns nur einer ist.

Händler: Ein Kunde oder zwei, ich weiß nicht mehr so genau.

Charles: Vermissen sie vielleicht eine Waffe.

Händler: Nein wieso denn, überhaupt nicht.

Charles: Allmählich wurde ich müde, immer die gleiche Antwort.

Charles: Vermissen sie vielleicht eine Waffe Mr.

Händler: Warten sie mal einen Moment, glaube nicht, aber 123456, nur 8, es müssen doch 9 sein, 1234 verdammt eine fehlt, eine 22er.

Charles: Erinnern sie sich noch, wer sie sich heute angesehen hat.

Händler: Klar doch sicher, nur eine Person, konnte die Waffe nicht kaufen, hatte keine Erlaubnis, ich bin dort hinten in den kleinen Raum gegangen und als ich wieder rauskam war niemand mehr da, muß die Waffe gebraucht haben, hat sie einfach geklaut.

Charles: Können sie die Person beschreiben.

Händler: Natürlich, natürlich kann ich das.

Charles: Und der Ladenbesitzer verbreitete sich in größter Ausführlichkeit über die Besonderheiten jener Person, die für das Verschwinden der Pistole verantwortlich war, ich weiß nicht, was plötzlich mit mir loswar, die Knie gaben unter mir nach, der Laden um mich herum löste sich auf, erst nach einiger Zeit gelang es mir, den Händler wieder klar ins Auge zu fassen.

Charles: Ein Mörder könnte also ihre Waffe stehlen, jemanden ein paar Ecken weiter erschießen und die Waffe zurückbringen, bevor sie merken, daß sie fehlt oder.

Händler: Sicher sicher ich nehm sie fast an, aber sie ist ja nicht zurück gebracht worden, ist immer noch weg.

Charles: Auf diese Weise könnte also jemand an eine Waffe kommen und sie benutzen, die Polizei würde sie nie und nimmer aufspüren, und der Waffenhändler würde ebenfalls nie und nimmer Verdacht schöpfen, die Polizei würde nicht auf den Gedanken kommen, Waffen zu überprüfen, die sie schon jahrelang hier haben, sie würde wahrscheinlich fragen, ob eine fehlt, oder ob sie irgendeine 22er verkauft haben, aber das wäre auch alles nicht wahr.

Händler: Ja ja vielleicht möglich wäre es ja fast.

Charles: Völlig erledigt machte ich mich auf den Heimweg, unterwegs fiel mir ein kleiner Laden auf, dessen Lichter noch an waren und in seinem Schaufenster befand sie etwas bestimmtes, Waffen für die man keine Lizenz benötigte, ich ging hinein, legte etwa Geld auf den Kassentisch und als ich wieder herauskam liebkoste meine Hand in der rechten Manteltasche eine Pistole.

Kelly: Ah das sind sie ja wieder.

Charles: Ich nehme an, sie kriegen ihren Mörder noch heute abend Kelly.

Kelly: Ein Glück für sie Freundchen daß sie aus eigenem Entschluß zurückgekommen sind, noch einmal entkommen sie mir nicht.

Charles: Darf ich mich zuerst noch von meiner Frau verabschieden.

Kelly: Naja meinetwegen, ich denke ich kann sie adieu sagen lassen.

Charles: Könnten sie draußen warten Kelly.

Kelly: Gut, Mr Guidney.

Lydia: Ach Charly, gut daß dir nichts passiert ist, ich hatte schon Angst, sie hätten dich erschossen.

Charles: Beinahe hätten sies und sie tuns vielleicht auch noch.

Lydia: Wir kommen bestimmt nicht davon, oh Charly warum hast du es nur getan.

Charles: Ich habs gar nicht getan.

Lydia: Was.

Charles: Ich habe gelogen, hast du denn nicht gemerkt daß ich von anfang an gelogen habe.

Lydia: Ich wieso nein nein hab ich nicht.

Charles: Und ist dir da nicht ein toller Einfall gekommen, meine teure Gattin.

Lydia: Ich verstehe nicht Charly.

Charles: Ich hab dich losgeschickt, Fahrkarten besorgen, du mußtest nur in diesem Laden vorbeischauen, der auch Waffen führt, nach einem bestimmten Artikel fragen, so daß der Besitzer für einen Augenblick den Raum verlassen mußte, die Waffe stehlen, die Tempelstreet entlanglaufen, einen von den dutzenden Säufern und Pennern aussuchen die dort in den Eingängen schlafen, den Mann erschießen, zum Busbahnhof weitergehen, die Fahrkarten kaufen und wieder heimkommen.

Lydia: Was redest du da.

Charles: Als du dann den Polizisten gesehen hast, hast du einen hysterischen Anfall vorgetäuscht, um mich ans Messer zu liefern, ein guter Plan, du hattest nur nicht bedacht, daß ich entkommen und mich bei den Waffenhändlern umtuen könnte, du hattest wahrscheinlich die Absicht, die Waffe morgen zurückzubringen, deine Aussage gegen mich wäre vernichtend gewesen, ich sei heimgekommen, hättest du gesagt und hätte dir erzählt, ich hätte jemanden umgebracht, du hast gehofft daß mich die Polizei bei der Festnahme vielleicht sogar erschießt, die Busfahrkarten, unsere gepackten Koffer, meine Vorgesetzten, die von nichts wußten, unsere Freunde, denen unsere Reisepläne nicht bekannt waren, all das wären verdammt gute Beweise gegen mich gewesen.

Lydia: Du fantasierst.

Charles: Ich auf Jahre im Gefängnis, womöglich sogar hingerichtet und du frei, frei mit deinen Busfahrkarten hinzufahren wo immer du willst, natürlich in Begleitung deines Freundes Travis, keine Langeweile mehr, was Lydia.

Lydia: Du bist verrückt, verrückt, total übergeschnappt.

Charles: Tut mir leid daß es so ausgegangen ist, wir hätten glücklich sein können, hätten noch mal von vorne anfangen können, selbst wenn dir klar war, daß ich dir das mit dem Mord nur vorgelogen hatte, du hättest mitspielen sollen, es wäre schön gewesen, aufregend, hast du mich all die Jahre so sehr gehaßt.

Lydia: Du bist ja wahnsinnig.

Charles: Dann Lydia komm her, dann sieh dir doch erstmal das hier an.

Lydia: Nein Charly.

Charles: Scharf geladen, so scharf wie deine 22er.

Lydia: Du willst.

Charles: Es ist aus Lydia.

Lydia: Charlie.

Charles: Aus, endgültig aus.

Lydia: Ja Charly, ja ich habs getan, ich habs getan, ich hab ihn umgebracht, aber nimm das Ding weg, nimm es weg bitte, bitte.

Kelly: Ok Mr Guidney, lassen sie ihre Frau in ruhe, ab jetzt kümmere ich mich um sie, geben sie ihre Waffe her.

Charles: Ist nichts wert Kelly, nur eine Spielzeugpistole.

Lydia: Du Schwein, du Miststück.

Kelly: Ruhig Mrs. Guidney, ganz ruhig.

Charles: Balduin Baas
Travis: Adolphos Sowah
Lydia: Evelyn Hamann
Kelly: Franz-Josef Steffens
Mann: Douglas Welbat
Verkäufer: Hans Irle
1. Händler: Gerd Samariter
2. Händler: Gerlach Fiedler
Bearbeitung (Wort): Erwin Neuner
Regie: Norbert Schaeffer

Kommentar von Hörspiele |

Henry Slesar: Genau die richtige Art von Haus (WDR 1965)

Sally: Dadadabadada, hu-la…

Hacker: Sally.

Sally: Hu-la, lalala...

Hacker: Sally, bitte hören Sie gefälligst mit dem Geplärre auf, das macht einen ganz krank.

Sally: Ja, Mr. Hacker.

Hacker: Machen Sie mal ein Fenster auf, die Luft ist ja zum schneiden.

Sally: Das kommt von Ihrer Zigarre, Mr. Hacker.

Hacker: Reden Sie nicht, reden Sie nicht, bedienen Sie lieber das Telefon.

Sally: Ja, Mr. Hacker, hier Maklerbüro Hacker…ja…ja…bei 30 Grad im Schatten, nein, nein, Idiot.

Hacker: Sind Sie immer so höflich zu meinen Kunden?

Sally: War kein Kunde.

Hacker: Wer wars denn?

Sally: Heizölfirma.

Hacker: Was wollte die denn?

Sally: Öl verkaufen.

Hacker: Was, Heizöl bei der Hitze, Idiot.

Sally: Hab ich doch gesagt, hida...badadada...

Hacker: Ein fremder Wagen.

Sally: Häh?

Hacker: Fährt ganz langsam, sehen Sie mal, New Yorker Nummer dem gelben Rechteck nach zu urteilen.

Sally: Sagen Sie bloß, wir kriegen Kundschaft.

Hacker: Sieht fast so aus, der, der scheint jemand zu suchen, tatsächlich, der hält vor unserm Haus.

Sally: Auch das noch.

Hacker: Na los, Sally, tun Sie so, als hätten Sie was zu tun.

Sally: Was denn Mr. Hacker, Whisky holen oder.

Hacker: Nein, was geschäftliches natürlich, spannen Sie einen Bogen in die Maschine und tippen Sie.

Sally: Was denn, richtig arbeiten.

Hacker: Und machen Sie das Radio aus, los, los.

Sally: Jajajajaja...

Hacker: Bewegen Sie sich ein bißchen.

Sally: Schön, schön spielen gut gehendes Geschäft.

Hacker: Ja, na, etwas schneller.

Sally: Was soll ich denn nur tippen, Mr. Hacker?

Hacker: Von mir aus das Alphabet vorwärts und rückwärts, Hauptsache, es hört sich nach Arbeit an.

Sally: OK.

Hacker: Na schneller, können Sie nicht ein bißchen schneller.

Sally: Ja.

Hacker: Ja.

Waterbury: Mr. Hacker?

Hacker: Ja, Sir. Hacker, Haus- und Grundstücksmakler, was kann ich für Sie tun?

Waterbury: Ich hab hier in dieser Zeitung Ihre Anzeige gefunden.

Hacker: Ja, ich setze jede Woche ein Inserat ein, hin und wieder inseriere ich sogar in der Times.

Waterbury: Soso.

Hacker: Ja, die, eine Menge Leute aus der Großstadt interessieren sich nämlich für Städte wie, wie unser kleines Ivy Corners, Mr.

Waterbury: Waterbury, darf ich mich setzen.

Hacker: Bitteschön.

Waterbury: Danke.

Hacker: Nehmen Sie Platz, Mr. Waterbury, ja, gerade diese kleinen idyllischen Städte sind jetzt sehr beliebt, hehehe, nicht wahr, stimmts Sally.

Sally: Sagten Sie was, Mr. Hacker?

Hacker: Ja, ich sagte was, ich sagte, daß grade Leute aus der Großstadt solche kleinen idyllischen Städtchen wie unseres sehr lieben.

Sally: O ja, Mr. Hacker, die Leute sind ganz versessen drauf.

Hacker: Ja, schon gut, Sally, schreiben Sie weiter.

Waterbury: Ich hab nicht viel Zeit, kommen wir gleich zum Geschäftlichen.

Hacker: Ist mir recht, Sir, ähm, Sally, Sally?

Sally: Ja, Mr. Hacker?

Hacker: Hören Sie endlich mit dem verdammten Geklapper auf.

Sally: Ja, Mr. Hacker.

Hacker: Also, ist es irgend ein spezielles Grundstück, für das Sie sich interessieren, Mr. W...

Waterbury: Waterbury, ja, es handelt sich um ein Haus, das am südlichen Stadtrand liegt, ganz genau gegenüber einem alten Bau.

Sally: Ach, das Kühlhaus.

Waterbury: Ja, was dieser Bau darstellt, weiß ich nicht, es steht leer.

Hacker: Südlicher Stadt, Sie meinen sicher das Kühlhaus, ja dieses, äh dieser leerstehend, leerstehende Bau ist das Kühlhaus, nicht wahr, Sally.

Sally: Ja, richtig.

Hacker: Und das andere, sagen Sie, war das ein Haus, etwa so ein altes Haus mit Säulen und.

Waterbury: Ja, es hatte Säulen.

Hacker: Und eine Veranda davor, so eine alte hölzerne Veranda und rund herum so ein verwilderten Garten, meinen Sie das Haus.

Waterbury: Die Beschreibung paßt genau, das ist das Haus, das ich meine, also, wie steht es damit, soweit ich mich erinnere, habe ich irgendwo eine Tafel „Zu verkaufen“ gesehen, aber 100prozentig weiß ich es nicht.

Hacker: Doch doch, da können Sie schon recht haben, also so ein Haus möchten Sie haben.

Sally: Wie wärs denn mit dem Bungalow, Chef?

Hacker: Moment, gut, da könnte, da könnte ich Ihnen schon was anbieten, beispielsweise 6 Zimmer, 2 Bäder, Swimmingpool und einen sehr gepflegten Park.

Waterbury: Was faseln Sie da von Swimmingpool?

Hacker: Also kein Swimmingpool, bitte sehr, bitte, dann vielleicht äh ein Waldgrundstück, Blockhaus, 5 Zimmer, eigenes Jagd.

Waterbury: Mr. Hacker, hören Sie zu, ich habe Sie nicht nach irgendeinem Haus gefragt, sondern nach dem Haus mit den Säulen und der Veranda davor.

Hacker: Aber lieber Mr. Waterbury, das ist doch kein Haus für Sie.

Waterbury: Überlassen Sie das gefälligst mir.

Hacker: Bitte, bitte, schön, Sally, bitte die Akte Grimes, bitte bißchen schneller, ja, ich werde es Ihnen zeigen, Mr. Waterbury, aber ich garantiere Ihnen, daß Sie das Haus nicht kaufen werden.

Sally: Bitte sehr, Mr. Hacker, Grimes, hier ist die Akte.

Hacker: Na, dann wollen wir mal sehen. Aber vielleicht ist es am besten, Sie lesen es selber, Mr.

Waterbury: Ja gut, geben Sie her, aha, echter Kolonialstil, 8 Zimmer, 2 Bäder, automatische Ölheizung, geräumige Veranden, Bäume und Sträucher, Geschäfte und Schulen in der Nähe, aber was wollen Sie eigentlich, Mr. Hacker, hört sich doch alles wunderbar an.

Hacker: Ja, lesen Sie nur weiter.

Waterbury: Gepflegtes ruhiges Wohnviertel ohne Industrie, kein Gegenüber, Preis 75...75.000 Dollar, das, das, Sie sind wohl nicht recht bei Trost.

Hacker: Na, was habe ich gesagt, immer noch interessiert?

Waterbury: Steht das Haus auf einer Ölquelle oder was ist los damit.

Hacker: Ohoho, Sie meinen, weil es so teuer ist.

Waterbury: Na was wohl sonst, ja.

Hacker: Das ist es doch gerade, seit 5 Jahren habe ich das Haus an der Hand, nicht wahr, Sally.

Sally: Jaja.

Hacker: Seit 5 Jahren, ich will gern verkaufen, das ist doch mein Beruf, nur zu gern, davon leb ich doch, aber bisher hat sich noch kein Käufer gefunden, der bereit ist, ganze 75.000 Dollar für das Haus zu bieten.

Sally: Nicht einer.

Hacker: Keiner, mit einem Wort, aber Mrs. Grimes läßt einfach nicht mit sich reden.

Waterbury: So, sie läßt nicht mit sich reden, hat sie vielleicht einen besonderen Grund, wer ist diese Mrs. Grimes eigentlich.

Sally: Die Hausbesitzerin.

Hacker: Die Hausbesitzerin, ich glaube, ich glaube, es ist am besten, ich erzähle Ihnen mal alles von Anfang an.

Waterbury: Tun Sie das, Mister, wenn ich kaufen soll, muß ich alles genau wissen, ganz genau sogar.

Hacker: Mrs. Grimes, die Hausbesitzerin also, ist eine sehr nette alte Dame, vor 5 Jahren, als ihr Sohn starb, entschloß sie sich, das Haus zu verkaufen, nicht wahr, Sally, den Auftrag dazu gab sie mir, ich wollte gar nicht, wirklich nicht.

Sally: Das stimmt, das stimmt.

Hacker: Ich wollte gar nicht, nicht wahr, Sally, Mr. Waterbury, das hab ich ihr auch mitten ins Gesicht gesagt, der alte Kasten ist doch niemals 75.000 Dollar wert, Sie können es mir glauben, ich verstehe was von Häusern.

Sally: Also da können Sie ganz sicher sein, der Chef, der versteht was von Häusern.

Hacker: Ganz ganz sicher sein, keine 10.000 ist es wert.

Waterbury: So, keine 10, und sie will 75. haben.

Hacker: Ja, fragen Sie mich nicht, warum, das Haus ist nämlich wirklich alt.

Sally: Ein ziemlich alter Kasten, unter uns gesagt.

Hacker: Ja aber nicht so wie die anderen, die solide wie auf Fels gebaut sind, einfach alt ist es, nichts weiter, außerdem ist nie etwas gegen Termiten getan worden, in den nächsten paar Jahren kommt bestimmt ein Balken und dann klappt der nächste runter, zudem stehen die Kellerräume die halbe Zeit unter Wasser.

Sally: Na, da brauchen Sie keinen Swimmingpool, ne?

Hacker: Die erste Etage ist auf der einen Seite gut 20 cm abgesackt, und das Grundstück ist der reinste Urwald.

Waterbury: Ja, weshalb verlangt sie dann so viel dafür.

Hacker: Fragen Sie mich nicht, vielleicht Gefühl, für Tradition, seit dem großen Krieg ist das Haus im Besitz der Familie, kann sein, daß das der Grund ist.

Waterbury: Ja, das kann natürlich sein, ach, und dabei gefällt es mir so gut, es ist, ich weiß nicht, wie ich es erklären soll, es ist genau die richtige Art von Haus für mich.

Hacker. Ich weiß, was Sie meinen, ein freundliches altes Haus, und für 10.000 Dollar wäre es auch ein guter Kauf, aber 75, hahaha.

Waterbury: Ich fahr mal hin zu der alten, werd mal mit ihr reden.

Hacker: Ich werde bei Mrs. Grimes anrufen und sie auf Ihren Besuch vielleicht vorbereiten.

Waterbury: Meinetwegen, also bis später.

Waterbury: Genau die richtige Art von Haus ist das.

Grimes: Ah, Sie sind sicher Mr. Waterbury, Mr. Hacker hat Sie schon angekündigt.

Waterbury: Ja, der bin ich, guten Tag, Mrs. Grimes, wie geht es Ihnen?

Grimes: Ich bin zufrieden, wahrscheinlich möchten Sie hereinkommen.

Waterbury: Wenn ich darf, es ist nämlich schrecklich heiß hier draußen.

Grimes: Oh, aber bitte, mein lieber, bitte, kommen Sie, so, ich habe schon Limonade in den Kühlschrank gestellt, aber eins muß ich Ihnen gleich sagen, Mr. Waterbury, ich lasse mich auf keinen Handel ein, nein, zu diesen Leuten gehöre ich nicht.

Waterbury: Aber ich will doch gar nicht mit Ihnen handeln, Mrs. Grimes.

Grimes: So, bitte hier herein.

Waterbury: Danke.

Grimes: Bitte, Mr. Waterbury, nehmen Sie Platz, ich setze mich gleich wieder in meinen Schaukelstuhl, da sitze ich nämlich am bequemsten.

Waterbury: Darf ich Ihnen behilflich sein.

Grimes: Nein danke, das kann ich recht gut alleine, sonst ist ja auch niemand hier, der mit hilft.

Waterbury: Schön dunkel und kühl ist es hier, eine richtige Wohltat.

Grimes: Also, was führt Sie her, Mr. Waterbury.

Waterbury: Tja, ja da dann will ich es mal folgendermaßen ausdrücken, Mrs. Grimes, ich bin Geschäftsmann, Junggeselle dazu.

Grimes: O wie schön.

Waterbury: Ja, ich habe schwer gearbeitet und dabei ein hübsches kleines Vermögen gemacht, und jetzt möchte ich mich zur Ruhe setzen, am liebsten an einem Ort, wo es ganz ruhig ist, Ivy Corners gefällt mir, ja, vor einigen Jahren bin ich einmal hier durchgekommen, und zwar auf dem Wege nach, nach Albany, und damals habe ich mir gesagt, hier möchte ich leben, einmal so richtig ausspannen.

Grimes: Und.

Waterbury: Ja, und als ich heute durch diese Stadt fuhr und dieses Haus hier sah, da, da war ich begeistert, es scheint für mich genau richtig zu sein.

Grimes: Mir gefällt das Haus auch, Mr. Waterbury, und deshalb verlange ich auch einen angemessenen Preis dafür.

Waterbury: Einen angemessenen Preis, Sie müssen doch zugeben, Mrs. Grimes, daß ein Haus dieser Art heutzutage nicht mehr als.

Grimes: Mr. Waterbury, Sie schlimmer Sie, Sie sollen doch nicht mit mir streiten.

Waterbury: Aber liebe Mrs. Grimes.

Grimes: Jaja, Sie streiten mit mir, und in diesem Punkt, da bin ich nun etwas eigensinnig, ich habe einen Preis für das Haus festgesetzt, und wenn Sie den nicht bezahlen wollen, brauchen wir uns gar nicht mehr darüber zu unterhalten, dann sprechen wir vom Wetter.

Waterbury: Aber Mrs. Grimes, ich meinte doch nur, es wäre vielleicht.

Grimes: Kein Wort mehr von dem dummen Haus, mein Lieber, wollen wir ein bißchen in den Garten gehen?

Waterbury: Noch einen Moment, Mrs. Grimes, bitte, noch einen kleinen Moment, ich weiß, daß es verrückt ist, aber, also gut, Mrs. Grimes, ich bin einverstanden, ich zahle den Preis, ich zahle, was Sie verlangen.

Grimes: So, haben Sie sich das auch genau überlegt, Mr. Waterbury?

Waterbury: Ja, das habe ich, Geld habe ich genug, wenn Sie unbedingt Ihren Willen haben wollen, bitte, ich bin einverstanden.

Grimes: Sie wollen mir wirklich 75.000 Dollar bezahlen.

Waterbury: Da Sie darauf bestehen, nun gut, ich, das Haus gefällt mir nun mal, ja, es gefällt mir wirklich.

Grimes: Das freut mich, nun, die Limonade ist jetzt bestimmt kalt genug, ich hole Ihnen ein Glas.

Waterbury: Sehr freundlich.

Grimes: Und dann möchte ich Ihnen einiges über dieses Haus erzählen.

Waterbury: Puh, diese Affenhitze, auf die Dauer hält das kein Mensch aus.

Grimes: So, Mr. Waterbury, hier ist Ihre Limonade.

Waterbury: Vielen Dank.

Grimes: Ich habe noch Eiswürfel hinein getan.

Waterbury: Oh, danke, Mrs. Grimes, danke, sehr liebenswürdig, oh, das tat gut.

Grimes: Dieses Haus befindet sich seit 1802 im Besitz meiner Familie, rund 15 Jahre vorher war es gebaut worden, mit Ausnahme meines Sohnes Michel wurde jedes Mitglied meiner Familie in dem oben liegenden Schlafzimmer geboren.

Waterbury: Na ja, da hängt man natürlich an so einem Haus.

Grimes: Und außerdem liebe ich dieses Haus, verstehen Sie mich.

Waterbury: Natürlich, Mrs. Grimes, ich verstehe Sie ja so gut.

Grimes: Michels Vater starb, als Michel 9 war, damals hatten wir es sehr schwer, ich übernahm Näharbeiten, dann starb mein Vater, er hinterließ mir eine kleine Jahresrente, von der ich heute lebe, nicht gerade großartig, aber ich komme zurecht, Michel vermißte seinen Vater sehr, vielleicht sogar mehr als ich es tat, und im Laufe der Zeit wurde er, Gott ja, wild ist das einzige Wort, das einem dabei einfällt, verstehen Sie.

Waterbury: Die Jugend.

Grimes: Ja, als er das Examen an der Highschool gemacht hatte, verließ er Ivy Corners und ging in die Stadt, gegen meinen Willen, Mr. Waterbury, gegen meinen Willen, damit kein Irrtum entsteht.

Waterbury: In dem Alter weiß man das Gute meistens noch nicht zu schätzen.

Grimes: Er war wohl so, wie viele junge Leute in dem Alter sind, voller Ehrgeiz, aber noch ohne jedes Ziel, was er in der Stadt anfing, weiß ich nicht.

Waterbury: Ja hat er Sie denn nie besucht.

Grimes: Er schickte mir regelmäßig Geld, Erfolg muß er also gehabt haben, 9 Jahre lang sah ich ihn nicht.

Waterbury: Jajaja, 9 Jahre, das ist wirklich eine recht lange Zeit.

Grimes: Ja, es war für mich nicht leicht, aber noch viel schlimmer war es, als er wieder nach Hause kam, und zwar wegen irgendwelcher Schwierigkeiten.

Waterbury: Oh, er hatte Schwierigkeiten.

Grimes: Ich hatte keine Ahnung, wie groß diese Schwierigkeiten waren, mitten in der Nacht tauchte er plötzlich auf, er sah viel dünner und älter aus als ich es jemals für möglich gehalten hätte, Gepäck hatte er keines bei sich, bis auf einen kleinen schwarzen Koffer.

Waterbury: Ja, ja und.

Grimes: Als ich versuchte, ihm diesen kleinen Koffer aus der Hand zu nehmen, hat er mich fast geschlagen, mich, seine eigene Mutter.

Waterbury: Na, das war aber wirklich sehr unrecht von Ihnen.

Grimes: Ja, Sie haben recht, es war nicht richtig, aber der Junge war wohl sehr verwirrt, ich habe ihn nachher zu Bett gebracht, als wäre er wieder ein ganz kleiner Junge, und dann hat er geweint, die ganze Nacht habe ich ihn weinen gehört.

Waterbury: Ach, der arme arme Junge.

Grimes: Aber er ließ mich nicht zu sich herein, er hatte seine Tür verriegelt, am nächsten Tag schickte er mich aus dem Haus, nur für ein paar Stunden, er hätte irgend etwas vor, sagte er, was es war, verriet er nicht, als ich dann aber gegen Abend heim kam, merkte ich, daß der kleine schwarze Koffer verschwunden war.

Waterbury: Was soll das heißen.

Grimes: Damals wußte ich es noch nicht, aber gar nicht viel später bekam ich es heraus, schrecklich schnell, in der folgenden Nacht kam ein Mann in unser Haus, ich weiß heute noch nicht, wie er überhaupt herein kommen konnte, merken tat ich es erst, als ich in Michels Zimmer Stimmen hörte, ich schlich an die Tür und versuchte zu lauschen.

Waterbury: Was, Sie haben gelauscht, ja und?

Grimes: Ich wollte doch herausfinden, in welchen Schwierigkeiten mein Junge steckte, aber ich hörte nur Stimmen, laute und drohende Stimmen, und dann.

Waterbury: Und dann.

Grimes: Und dann ein Schuß, als ich ins Zimmer kam, stand das Fenster weit offen, der Fremde war verschwunden, und Michel, Michel lag auf dem Boden, er war tot, erschossen, das alles geschah vor 5 Jahren, vor 5 langen Jahren, es dauerte eine ganze Weile, bis ich erfuhr, was passiert war.

Waterbury: Was haben Sie denn herausgekriegt.

Grimes: Die Polizei hat mir die ganze Geschichte erzählt, Michel und der andere Mann hatten ein Verbrechen begangen, ein schweres Verbrechen, viele viele tausend Dollars hatten sie gestohlen, fast eine halbe Million, eine halbe Million, Michel hatte das Geld genommen und war damit weggelaufen, weil er es für sich behalten wollte, er versteckte es irgendwo in diesem Haus, wo, das weiß ich bis heute nicht, dann kam der andere Mann zu meinem Sohn, um seinen Anteil zu fordern, als er feststellte, daß das ganze Geld verschwunden war, brachte er meinen Jungen um, aus Rache.

Waterbury: Und, und Sie haben das Geld nicht gefunden.

Grimes: Nein, Mr. Waterbury, nein, sehen Sie, Mr. Waterbury, deshalb habe ich das Haus zum Verkauf ausgeschrieben und viel zu viel Geld dafür verlangt.

Waterbury: Ja, viel zu viel, wieso, das verstehe ich nicht.

Grimes: Nein, Mr. Waterbury, verstehen Sie wirklich nicht, ich wußte, daß der Mörder meines Sohnes zurückkommen wurde, irgendwann einmal, irgendwann würde er kommen, um sich das Geld zu holen, das viele Geld, das noch immer hier in diesem Haus versteckt sein muß, ich wußte, eines Tages würde ein Mann kommen, um dieses Haus zu kaufen, er würde sich nicht abweisen lassen, auch ein hoher Preis, ein viel zu hoher Preis würde ihn nicht abschrecken, und ich habe recht gehabt, nicht wahr, Mr. Waterbury, 75.000 Dollar sind Ihnen nicht zu viel?

Waterbury: Die Limonade...die...die Limo...

Mr. Waterbury: Günther Ungeheuer
Mrs. Grimes: Annemarie Rocke-Marks
Mr. Hacker: Alfred Balthoff
Sally: Ursula Langrock
Bearbeitung (Wort): Mi Jepsen-Föge
Komposition: Harald Banter
Regie: Otto Düben

Kommentar von Hörspiele |

Jack Ritchie: Der Mitternachtswürger (BR 1992)
(Kriminalhörspiel von Marina Dietz nach 3 Kurzgeschichten)

Brannigan: Ich frage sie, was hatten sie in der Tiefgarage zu suchen Mr.

Turnbuckle: Turnbuckle, Henry Turnbuckle, Privatdetektiv und nicht schwerhörig, Mrs Homa Schleidel hatte Grund zur Annahme, daß ihr Gatte nicht wie er behauptete, jeden Donnerstag abend im Kegelclub verbringt, er suchte in der Tat heute nicht diesen Ort auf, sondern das Hinterzimmer des Buchhandels nur für Erwachsene, wo er 1 Stunde und 23 Minuten bei einer Filmvorführung verweilte, gegen 21 Uhr 45 befand er sich dann auf dem Weg zurück zu seinem Wagen wo ich ihm meinem Auftrag gemäß unauffällig folgte, in der Tiefgarage richteten sich plötzlich ein halbes dutzend Taschenlampen auf meine Person, und mir wurde dringend geraten, keinen Mucks zu tun sonst würde man mir den Kopf wegpusten, gleich darauf war ich von mindestens 20 Mann in Polizeiuniform umringt, auf meine höfliche Frage was das zu bedeuten habe, erhielt ich keine Antwort sondern wurde unter erneuter Androhung von Gewalt hierher ins Polizeipräsidium verbracht.

Brannigan: Er will witzig sein, merken sies Wiggins, und er redet ganz schön viel.

Wiggins: Hat jemand schon Mr Turnbuckle über seine Rechte belehrt.

Brannigan: Eigentlich nicht in dem ganzen Trubel, also Sie haben das Recht zu schweigen, sie haben das recht, verdammt, wo ist denn diese Karte wo alles draufsteht, Wiggings, nun machen sie schon.

Wiggins: Sie haben das Recht.

Turnbuckle: Danke ich kenne meine Rechte.

Brannigan: Schau an, schau an.

Wiggins: Dann wollen sie sicher einen Anwalt Sir.

Turnbuckle: Ich bin sicher das wird nicht nötig sein.

Brannigan: Ein Spaßvogel.

Wiggins: Ich fürchte sie verkennen den Ernst der Lage.

Turnbuckle: Moment, lassen sie mich raten, sie meinen doch nicht etwa, ich sei der Mitternachtswürger.

Brannigan: Sie haben von ihm gehört.

Wiggins: Die Zeitungen waren ja voll davon.

Turnbuckle: Es gab bisher 6 Opfer, alles Männer zwischen 46 und 57 Jahre alt, sie wurden in der nähe ihrer geparkten Autos überfallen, in der Regel zwischen 20 und 22 Uhr, eigentlich wäre die Bezeichnung 21Uhr-Würger zutreffender, aber für die Presse nicht reißerisch genug.

Brannigan: Wiggins, die Reporter, gehen sie und halten sie uns die vom Leib, vorläufig noch.

Wiggins: Ich werde mich darum kümmern.

Brannigan: Ich versteh nicht, woher die so plötzlich Wind bekommen haben, ja was ist denn Wiggins, sind sie noch nicht weg, raus mit ihnen, sie Trauerweide.

Turnbuckle: Sünder müssen büßen, das find ich das faszinierendste, jeder Tote wurde mit diesen Worten auf der Stirn markiert, mit einem Gummistempel vermutlich.

Brannigan: Sie scheinen sich ja sehr für den Fall zu interessieren.

Turnbuckle: Es geht nichts über eine feine Mordserie.

Brannigan: Ja klar.

Turnbuckle: Ich meine natürlich das Rätsel, die Herausforderung, aber ich glaube ich rede zu viel.

Brannigan: Nein nein nein nein nein machen sie ruhig weiter.

Turnbuckle: Vor dem Mitternachtswürger hat die örtliche Polizei erstmal völligversagt.

Brannigan: He reiß dich zusammen Freundchen.

Turnbuckle: Verständlicherweise weil außer Geschlecht und ungefährem Alter kein Zusammenhang zwischen den Opfern sichtbar war, die verschiedensten Berufe, meistens verheiratet, respektable Bürger.

Brannigan: Sagen sie mal, sie sagen das so, als hätten sie was dagegen.

Turnbuckle: Aber nein, auch der Hersteller pornografischer Aufnahmen von kleinen Mädchen kann ein sehr respektabler Bürger sein, ebenso der Vertreiber dieser Literatur nur für Erwachsene, von so einem Geschäftsmann kam doch der Hinweis, er habe unter den ermordeten Männern 3 seiner Stammkunden wiedererkannt, wenn das mein Fall wäre, nur mal angenommen, würde ich in dieser Richtung weitere Nachforschungen anstellen, die vielleicht ergeben können, daß unter den Opfern 2 weitere Kunden.

Brannigan: Es waren drei.

Turnbuckle: Na sehen sie, ehrbare Bürger mit einer Neigung zu schmutzigen kleinen und in der Regel ungefährlichen Lastern, wenn sich nun aber der Mitternachtswürger, wenn er sich also berechtigt, möglicherweise sogar ausersehen fühlt, diese spezielle Sünde zu rächen.

Brannigan: Dann hält er jedenfalls die Polizei für verdammt dämlich, die einschlägigen Örtlichkeiten haben wir schon seit 2 Tagen unter Beobachtung und wir haben sie geschnappt.

Turnbuckle: Ja Sir, bitte wäre es vielleicht möglich das Fenster zu öffnen, also die Luft hier.

Brannigan: Ist ihnen doch nicht etwa zu heiß geworden.

Turnbuckle: Dürfte ich wenigstens mein Taschentuch, es steckt in meinem Mantel, der dahinten hängt, meine Rechte als Verhafteter.

Brannigan: Jajaja machen sie, machen sie, aber keine dummen Tricks.

Turnbuckle: Ich bitte sie Sir.

Brannigan: Was ist das, was haben sie denn da gerade so schnell wieder weggesteckt, holen sies wieder raus, raus raus raus und keine falsche Bewegung so und jetzt her zu mir.

Turnbuckle: Ja ich weiß wirklich nicht, ich bin sprachlos.

Brannigan: Das wäre aber glatt ein Wunder, geben sie mal her, ach schau an, schau an, ein Stempel, gehört das auch zur Ausrüstung eines Privatdetektivs, ach lesen sie doch das mal vor.

Turnbuckle: Sünder müssen büßen, darf ich mich setzen Sir.

Brannigan: Ja gute Idee setzen wir uns.

Turnbuckle: Ich muß ihnen wohl ein Geständnis machen, mein Name ist in der Tat Henry Turnbuckle, aber ich bin kein Privatdetektiv.

Brannigan: Das war mir klar.

Turnbuckle: In wirklichkeit gehöre ich der Polizei von Milwaukee an, wenn auch im Augenblick auf Fortbildungsurlaub und bevor sie mich wieder anbrüllen rufen sie bitte Captain Johnson an, das ist mein Vorgesetzter.

Turnbuckle: Natürlich wird jetzt Captain Brennigan mit dem reizbaren Temperament erst mal gehen und meine Angaben überprüfen, aber mein Problem ist damit nicht gelöst, mein Problem, vielleicht war es einfach das, Polizist sein und das in Milwaukee.

Ralph: Ist der Bericht da, ja und, ah Herzschlag ganz eindeutig, dann können wir Henrys raffinierte Giftmordtheorie vergessen, ist auch nicht der Stil der Leute hier, ok bis später, und was willst du mit diesen Zeitungsausschnitten, neue Kochrezepte.

Turnbuckle: Ralph, in den letzten 5 Monaten sind hier 4 Frauen eines gewaltsamen Todes gestorben, ich bin überzeugt, daß sie von ein und demselben Mann ermordet worden sind.

Ralph: Aber Henry, jedesmal wenn uns ein Serienmörder unterkam, dann ist er noch immer so aufmerksam gewesen, uns entweder vor oder nach dem Mord Briefe zu schicken.

Turnbuckle: Paß auf, jedes der Opfer war reich, nicht mehr ganz jung, verheiratet, und jedes mal hatte der Ehemann ein perfekte Alibi für die Tatzeit, Thompson ein Festessen, Whitecliff eine Bridgepartie, Kerny eine Vorstandssitzung und Tressel eine Partie Golf, diese Umstände werden in den Zeitungsberichten erwähnt, weil vermutlich im Fall von Gattenmord jeder automatisch den Ehemann verdächtigt und der Verdacht sollte wohl erst gar nicht aufkommen.

Ralph: Meine Frau ist beim Aquarellkurs und Henry hat mich zum Abendessen eingeladen ja machs gut.

Turnbuckle: Ralph, vier Morde an vier reichen Ehefrauen und vier Ehemänner mit perfekten Alibi das ist doch einfach vielzuviel zufall, um wahr zu sein.

Ralph: Und meinst du die sind alle von einem Verrückten umgebracht worden, der was gegen reiche Hausfrauen hat.

Turnbuckle: Aber nein Ralph, auch nicht von überraschten Einbrechern wie die Kollegen meinen, ich bin sicher dahinter steckt ein gekaufter, ein professioneller Mörder.

Ralph: Henry, mir ist auch etwas aufgefallen, jedes der Opfer wurde in einem Vorort ermordet, mit anderen Worten, das ist nicht unser Revier.

Turnbuckle: Ich rede mit Captain Johnson und zwar sofort.

Ralph: Gut, dann kannst mir heute abend erzählen was er gesagt hat.

Turnbuckle: Wir wollen doch den Kollegen auch noch ein bißchen Arbeit übriglassen, Henry hat er gesagt, haben wir vielleicht etwas gegen reiche Villenbesitzer, Eigentum ist Diebstahl, meint Marx, meint Turnbuckle das auch, hat er gesagt.

Ralph: Dein Gulasch schmeckt ausgezeichnet Henry.

Turnbuckle: Das hier ist kein Gulasch sondern ein Boeuf Stroganoff, und das Zitat ist nicht von Marx sondern von Trudeau, irgendwie tut er mir leid.

Ralph: Was wer.

Turnbuckle: Johnson ein Gefangener seiner Rolle als Vorgesetzter, vielleicht sogar heimlich hoffend, ein Mann wie ich bereit ganz allein.

Ralph: Was immer du vorhast Henry, erwarte nicht daß ich dir.

Turnbuckle: Ich sagte alleine Ralph, und morgen ist mein freier Tag.

Turnbuckle: Tja wie würde Henry Turnbuckel von Beruf Killer auf Mordkundenfang gehen, man platzt ja wohl nicht einfach in Büros oder Sitzungszimmer und erkundigt sich ob jemand seine Gattin aus dem weg geräumt haben möchte, zwangloser, privater muß das gehen, bei einem drink vielleicht, Männer unter sich, tja, hier Tresel hat sich zum Zeitpunkt als seine Frau ermordet wurde, auf dem Golfplatz des Radisoncountryclubs befunden, gibt es einen besseren ort fragt sich Henry der Killer, um sich bei den Reichen anzubiedern, ob so ganz zufällig alle betroffenen Gatten in dem selben Club, ach jetzt ist diese verflixte Pfeife schon wieder ausgegangen, 210.

Angestellter: Radison Country Club.

Turnbuckle: Ja guten abend, ich bin von außerhalb, ich sollte James Whiteclif in seinem Country Club treffen, nur hat Jimmy leider vergessen mir zu sagen welchem Club er angehört, ist denn bei ihnen ein James Whitecliff Mitglied.

Angestellter: Ja, soll ich ihn ausrufen lassen.

Turnbuckle: Nein danke, ich bin ja gleich da, ach übrigens ich glaube da ist noch einer meiner Freunde in ihrem Club, Franklin Coruny.

Angestellter: Ja den hab ich gerade an die Bar gehen sehen.

Turnbuckle: Ah vielen Dank, so jetzt haben wir schon drei, und morgen wird Henry der Polizist Henry den Detektiv direkt in die Höhle des Löwen schicken.

Barkeeper: Tut mir leid daß sie so lange warten müssen Mr.

Turnbuckle: Carsten, Edward Carsten.

Barkeeper: Carsten, unser Geschäftsführer müßte jeden Augenblick zurückkommen, möchten sie vielleicht was trinken in der Zwischenzeit.

Turnbuckle: Ja gern einen kleinen Sherry dry fino bitte.

Barkeeper: Oh da muß ich nachsehen, so was ist hier leider nicht sehr gefragt, nicht einmal mehr bei den Damen.

Turnbuckle: Ich glaube mich zu erinnern daß Mr Thompson gern einen Sherry nimmt.

Barkeeper: Matthew Thompson, nein der trinkt nur den feinsten Maltwhisky.

Turnbuckle: Aha Nr. vier.

Barkeeper: Was sagte sie.

Turnbuckle: Ach vielleicht können sie mir auch weiterhelfen, ich bin kein Mitglied, noch nicht aber es doch da bestimmt rigide Aufnahmebestimmungen.

Barkeeper: Oh nein keineswegs.

Turnbuckle: Nene, ich dachte eher, ich bin doch neu in der Gegend.

Barkeeper: Im Prinzip kommen nur alteingesessene Bewerber zum zug, aber ein bißchen müssen wir wohl auch mit der Zeit gehen, dieser Mr Netterly der letztes Jahr neu aufgenommen wurde, scheint schwer reich zu sein, war aber gerade erst von St Louis zugezogen, ist aber mittlerweile ein beliebter Gesellschafter und hält sich viel im Klub auf.

Turnbuckle: Im moment auch.

Barkeeper: Ja ich glaub er ist da drüben auf der Veranda, da haben wir sie ja unsere letzte Flasche, Cream Sherry.

Turnbuckle: Ach wenn sie doch lieber einen Malt Whisky.

Netterly: Ihnen liegt doch irgendwas auf der Seele alter Junge.

Turnbuckle: Wie kommen sie denn drauf.

Netterly: Sie starren zwischendurch ins leere, seufzen zum steinerweichen, und nicht mal ihr Drink scheint ihnen zu schmecken, immer noch der gleiche seit einer Stunde, also was ist los.

Turnbuckle: Wenn sie mich so direkt fragen, es ist wegen meiner Frau.

Netterly: Aja.

Turnbuckle: Sie treibt sich mit einem andern rum, ich weiß nicht wer er ist, ich weiß nur daß es ihn gibt, und es gibt wohl mehr als nur den einen.

Netterly: Haben sie schon mal an Scheidung gedacht.

Turnbuckle: Scheidung, sie kennen doch unsere Gesetze, das Aas würde mich ausnehmen wie eine Weihnachtsgans, als ich sie kennenlerne, habe ich sie praktisch in der Gosse aufgelesen, meine Familie mochte sie nicht, niemand mochte sie, ich wollte ja nicht hören, jetzt isses zu spät.

Netterly: Nanana.

Turnbuckle: Was würde ich nicht tun um sie wieder loszuwerden, manchmal kommen mir so wahnsinnige Ideen wie ein Gewehr zu nehmen und ihr eine Kugel durch den Kopf zu jagen.

Netterly: Das halte ich für keine gute Lösung ihres Problems, es sei denn sie sitzen gerne hinter Gitter.

Turnbuckle: Sie kennen nicht ganz zufällig so jemand den man anheuern könnte, daß er meine Frau umbringt.

Netterly: Das ist doch wohl nicht ihr ernst.

Turnbuckle: Und ob ich würde jedem glatt 50000 Dollar bezahlen, der das endlich besorgt, es muß doch irgendwo irgendsojemand geben und den werde ich weißgott ausfindig machen, schönen Tag noch.

Netterly: Moment, bleiben sie sitzen, sie sollten mit sowas kein scherz treiben.

Turnbuckle: Das tu ich auch nicht, weiß gott nicht.

Netterly: Der Alkohol kanns ja wohl nicht sein.

Turnbuckle: Nein, 50000 in bar.

Netterly: Tja vielleicht wüßte ich wirklich jemand.

Turnbuckle: Ausgezeichnet und wer.

Netterly: Ich.

Turnbuckle: Ich hab natürlich im moment leider nicht so viel Geld bei mir.

Netterly: Das hab ich auch nicht erwartet.

Turnbuckle: Aber ich kann es besorgen, wir treffen uns dann heute nachmittag um 2 wieder hier.

Netterly: Ich werde sie erwarten.

Ralph: Henry, ich sollte dir nicht helfen und eigentlich tu ich es ja auch nicht, aber ist das was du wolltest.

Turnbuckle: Genau ein Tonbandgerät das haarscharf und auffällig in die Brusttasche meiner Jacke paßt.

Ralph: Das Mikrophon steckt hier im Botton des internationalen Rotarylubs, gott schütze dich mein Sohn.

Turnbuckle: Ach Mr Netterly haben sie vielleicht die genaue Uhrzeit.

Netterly: Genau 2 Uhr und eine halbe Minute.

Turnbuckle: Danke, ach jetzt hab ich die Datumsanzeige erwischt, diese modernen Apparate aber auch, heute ist doch der 15. September.

Netterly: Der 15. September 1979.

Turnbuckle: Also dann zum geschäftlichen, sie haben es sich doch nicht etwa anders überlegt.

Netterly: Neinnein.

Turnbuckle: Sie haben immer noch vor, Mrs Edwarda Carston, meine Ehefrau für mich umbringen.

Netterly: Ja.

Turnbuckle: Und sie wollen dafür 50000 Dollar haben.

Netterly: 50000 sie sagen es.

Turnbuckle: Gut, Mr Netterly ich verhafte sie.

Mr Carston, ich verhafte sie wegen Anstiftung zum Mord an ihrer Ehefrau, widerstand ist zwecklos, hinter ihnen stehen noch zwei Kollegen in zivil, Mr Netterly hat mit einem versteckten Tonbandgerät die gesamte Unterhaltung aufgezeichnet, noch mal vielen dank für ihre Wachsamkeit und ihre mutige Mithilfe, Mr Netterly.

Netterly: War mir ein vergnügen, sowas darf doch nicht frei herumlaufen.

Turnbuckle: Meine Herren ich glaube wir sind alle Opfer eines Mißverständnisses, ich habe keine Frau und heiße auch nicht Carson, in wirklichkeit bin ich zufällig Sergeant bei der Kriminalpolizei von Milwaukee, ein Kollege also, hier meine Dienstmarke.

Interessant und wer sagt mir daß diese Brieftasche mit der Marke nicht gestohlen ist und selbst wenn sie wirklich dieser Turnbuckle sind, wieso treiben sie sich dann in unserem Revier herum, sind sie der Meinung daß wir mit unserer Arbeit allein nicht fertig werden.

Turnbuckle: Im moment sind ungefähr 3 dutzend neugierige Augen auf uns gerichtet, können wir das nicht an ein ruhigeren Plätzchen besprechen.

Turnbuckle: Ehrlich gesagt ich hatte von den Kollegen etwas mehr Selbstbewußtsein erwartet, aber anstatt mit mir zu verhandeln haben sie Captain Johnsen hergeholt.

Ralph: Henry mach bitte die Musik etwas leiser.

Turnbuckle: Und morgen melden sie sich zur Entgegennahme einer angemessenen Disziplinarstrafe in meinem Büro, Turnbuckel.

Ralph: Ach was Johnson wird dir schon nicht den Kopf abreißen, du hast schließlich auch gute Arbeit geleistet in der Vergangenheit, der Fall Derows, der Pizzamörder, die Carrtrid Juwelen.

Turnbuckle: Freut mich daß du das auch so siehst.

Ralph: Und du hast uns mit deiner art zu denken schon oft auf eine Spur gebracht, die haarscharf neben der richtigen lag, gibt Henry ein paar Fakten und etwas Zeit und er wird einen Sturm entfesseln, sag ich immer.

Turnbuckle: Du sagst auch immer, als Henry noch zu Schule ging hat er aus einem einzigen Knochen ein Dinosaurier rekonstruiert.

Ralph: Genau, nur daß das eigentlich ein Pterodactylus war.

Turnbuckle: Das mußtest du natürlich auch Vivian Derows erzählen.

Ralph: Bei der warst du doch sowieso untendurch nachdem du ihren Lieblingsonkel als Erpresser entlarvt hast oder beinahe hättest, er deduziert und deduziert 98% eines Sachverhalts und dann stolpert er immer über die restlichen 2 %.

Turnbuckle: Mein lieber Ralph, ein übersensibler Freund könnte jetzt glauben eine feine Ironie zu spüren.

Ralph: Ja Henry Turnbuckel Holmes und die restlichen 2 %

Turnbuckle: Ralph es wird kommen der Tag des Gerichts.

Ralph: Du erinnerst mich an etwas, meine Frau wartet mit dem abendessen.

Turnbuckle: Henry der killer.

Ralph: Was.

Turnbuckle: Turnbuckle.

Ralph: Henry du hast es wieder mal geschafft.

Turnbuckle: Nicht so laut, weißt du eigentlich wie spät es ist.

Ralph: Henry, der Ehefrauenmörder du hast ihn uns ans Messer geliefert.

Turnbuckle: Also doch dieser widerliche Natterly.

Ralph: Nein, Ben Casterbridge.

Turnbuckle: Ben Casterbringe.

Ralph: Also paß auf, also du im country club abgezogen warst, ging Captain Johnson noch mal schnell an die Bar, er erkannte den Barkeeper, und es fiel ihm ein, daß er immer noch auf Bewährung draußen war, und wenn du unter bewährung stehst gibt es einen job den du nicht annehmen darfst.

Turnbuckle: Nämlich Barkeeper.

Ralph: Johnson gab sich also zu erkennen, der Barkeeper wurde weiß wie die Wand, fing an zu zittern, ne richtige überreaktion, also dachte johnson, da könnte noch mehr dahinter stecken und knöpfte ihn sich vor, der Mann verhaspelte sich von hinten bis vorne, rutsche ihm sein paar sachen raus und zum guten schluß plauderte er.

Turnbuckle: Alles klar und der Barkeeper heißt Ben Casterbridge.

Ralph: Nein Charly Stevens.

Turnbuckle: Und wer bitte ist Ben Casterbridge.

Ralph: Er und Steven waren Zellenachbarn in Wooto und kamen ungefähr zur gleichen Zeit raus, sieht so aus als erzählten die Leute gewöhnlich ihrem Barkeeper mehr als ihrem Psychiater, also Steven sammelte die Informationen und gab sie an Casterbridge weiter, der erledigte den Rest, genau wie du es vermutet hast, ach übrigens der Captain sagt, du kannst die Meldung morgen früh in seinem Büro vergessen, es ist alles vergeben, Henry, hey freust du dich gar nicht, Henry, Henry antworte wenn ich mit die rede, ich habe sie etwas gefragt, Mr Turnbuckle.

Wiggins: Mr Turnbuckle, Mr Turnbuckel ich frage sie ob sie etwas möchten, Kaffee, Zigaretten.

Turnbuckle: Nein nein nein danke.

Wiggins: Wie haben sie das eigentlich mit dem Tag des Gerichts gemeint.

Turnbuckle: Wie bitte.

Wiggins: Sie sagten doch oder sollte ich mich verhört haben.

Turnbuckle: Ausgezeichnet Henry jetzt sitzt du also auf dem Kommissariat unter dem dringenden Verdacht 6 Liebhaber von pornografischer Literatur liquidiert zu haben und redest auch noch mit dir selbst.

Wiggins: Ich glaube ich öffne mal das Fenster, die Luft hier.

Turnbuckle: Vielen dank Sergeant Wiggins.

Turnbuckle: Armer Kerl, sein Blick läßt auf Neigung zu nervösen Kopfschmerzen schließen, irgendwie erinnert er mich, auch einer von den getretenen und beleidigten, die irgendwann wenn das maß voll ist.

Wiggins: Ja wenn das maß voll ist.

Turnbuckle: Ach nichts, könnten sie vielleicht das Radio einschalten.

Wiggins: Gern bis Captain Brannigan zurück ist.

Turnbuckle: Simon und Garfunkel hört man heute nicht mehr oft.

Wiggins: Musik für Tunten und Haschbrüder.

Turnbuckle: Bitte.

Wiggins: Sagt Captain Brannigan, er hält nicht viel von Poesie.

Turnbuckle: Finden sie nicht auch daß das Leben oft eine ganz schön krumme Sache ist und es in Versuchung bringt es gerade zu biegen.

Wiggins: Ein gefährlicher Gedanke finden sie nicht auch.

Turnbuckle: Jetzt reiß dich bloß zusammen, Henry sonst erzählst du ihm noch alles, aber angefangen hat das wirklich ganz harmlos, damals vor einem viertel Jahr, Ralph und ich im Frühdienst dann der Anruf.

Ralph: Danke Doc nur ein einziger Messerstich hat den sofortigen Tot herbeigeführt.

Turnbuckle: Fingerabdrücke auf der Mordwaffe.

Ralph: Keine.

Turnbuckle: Wiliam, Morison, sie können ihn dann wegtragen.

Ralph: Ums Geld scheint es nicht gegangen zu sein, Ringe, Uhr, volle Brieftasche, alles da.

Turnbuckle: Jetzt war ein Kaffee recht 6 Uhr 30, da schau her was da unter der Leiche gelegen hat.

Ralph: Ein Zahnstocher, na ausgezeichnet, es hat schon Fälle gegeben, wo Einbrecher überführt werden konnten weil sie in Äpfel Gebißabdrücke hinterlassen.

Turnbuckle: Hier sind keine solchen Abdrücke drauf, Ralph dieser Zahnstocher wird uns zu unserem Mörder führen.

Ralph: Warum nimmst du an daß er dem Mörder gehört.

Turnbuckle: Ralf das ist alles ein Sache von Beobachtung und Schlußfolgerung, hast du dir die Leiche gut ansehen.

Ralph: Also bitte komm.

Turnbuckle: Ist dir da nicht aufgefallen, daß das Opfer entweder makellose Zähne hatte oder.

Ralph: Bei seinem Alter von 57 wird wohl ein künstliches Gebiß gewesen sein.

Turnbuckle: Und verhält es sich nicht so daß Menschen die künstliches Gebiß tragen auf die Hilfe von Zahnstochern verzichten können.

Ralph: Henry du erschließt mir das völlig neue Welten.

Turnbuckle: Ralf, dein Witz hat was verzweifeltes.

Ralph: Wir müssen jetzt die Küchenchefin des Hotels vernehmen eine Mrs.

Henderson: Henderson, Maggie Henderson, stört es sie wenn ich schon mit dem Kuchenbacken anfange.

Turnbuckle: Nein nein das leben geht weiter.

Henderson: Unsere Gäste stehen früh auf.

Ralph: Wieviele Gäste haben sie hier im Hotel.

Henderson: 28, im moment alles Stammgäste.

Ralph: Sie fanden den Toten als sie heute morgen in die Küche kamen.

Henderson: Ja.

Ralph: Bis wann haben sie gestern abend gearbeitet.

Henderson: Bis um 8 bis alles wieder sauber ist wird es so spät.

Turnbuckle: Moment ihr arbeitstag hat 15 stunden.

Henderson: Nein, nach dem frühstück und mittagessen hab ich ein paar stunden frei.

Turnbuckle: Ich darf wohl annehmen daß gestern als sie nach hause gingen noch keine leiche auf dem boden lag.

Henderson: Ich hab im vierten Stock ein Zimmer ich kam um halb 6 uhr und da hab ich es gesehen.

Ralph: Haben sie was angefaßt.

Henderson: Nein nein ich hab gleich die polizei gerufen.

Ralph: Wie lange arbeiten sie schon für Mr Latimer und sein Hotel.

Henderson: 22 Jahre.

Turnbuckle: Und was wird das wenn fertig ist.

Henderson: Rosinenkuchen mit Zimt.

Ralph: Wer bekommt eigentlich das Hotel nachdem der Besitzer tot ist.

Henderson: Mein Bruder denke ich, er hatte sonst keine Verwandten.

Ralph: Und wo ist dieser Bruder.

Henderson: In der Pension nebenan.

Turnbuckle: Warum wohnt er nicht hier.

Henderson: Wir sind belegt.

Turnbuckle: Nur deshalb.

Henderson: Mr Latimer und sein Bruder kamen nicht besonders gut miteinander aus.

Turnbuckle: Wenn sie sich nicht vertrugen, warum hat sich der Bruder dann ausgerechnet im Nebenhaus eingemietet.

Henderson: Das weiß ich nicht.

Ralph: Hatte Mr Latimer auch seine Wohnung hier im Haus.

Henderson: Ja er bewohnt eine Suite im 3 Stock.

Ralph: Aus welchem Grund könnte er nach 8 uhr abend noch mal in die Küche gegangen sein.

Henderson: Das hat er oft gemacht, er sieht gern nach dem rechten.

Turnbuckle: Latimer kam also nach 8 herunter, wir haben weder Einbruchspuren noch die Spuren eines Kampfes gefunden, Latimer muß den Besucher gekannt haben, und es spricht einiges dafür, daß unser Mörder jemand aus diesem Hotel ist.

Henderson: Haben sie noch Fragen an mich, das Frühstück, die Gäste warten.

Ralph: Frühstück und wer serviert uns Rührei mit Schinken.

Turnbuckle: Du hättest Maggie Henderson nicht so anzustarren brauchen, sie trägt auch eine Zahnprothese, also muß es einer der Gäste sein.

Ralph: Ich seh aber keinen mit nem Zahnstocher im Mund.

Turnbuckle: Ralph.

Ralph: Toast mit Butter wäre auch was.

Turnbuckle: Ralf was geht mit einem Zahnstock einher.

Ralph: Kleines Steak, echte Zähne.

Turnbuckle: Davon abgesehen.

Ralph: Ich gebs auf.

Turnbuckle: Weitere Zahnstocher, ein regelmäßiger Benutzer von hölzernen Zahnstochern muß ständig einen Vorrat bei sich haben.

Ralph: Du meist also wir sollen alle durchsuchen und wer Zahnstocher hat ist unser Kandidat.

Turnbuckle: Nein Ralph, das wäre ziemlich mühselig, wir könnten rein logisch die Anzahl der Verdächtigen weiter verringern, im Zeitalter der Gleichberechtigung sieht man auch Damen bei dieser unästhetischen Beschäftigung, aber kannst du dir eine Frau vorstellen die ein Bündel Zahnstocher bei sich trägt.

Ralph: Na gut, dann scheiden Frauen und Männer mit Zahnprothesen aus, was machen wir jetzt, allen Männern in den mund schauen.

Turnbuckle: Das wird nicht nötig sein, tatsächlich kann ich in diesem moment schon unseren Mörder bestimmen, Ralph beiß jetzt bitte nicht in das Tischtuch, sondern hör mir zu wenn du einzelne Zahnstocher mit dir führest wo würdest du sie aufbewahren.

Ralph: Also wenn ich mirs gründlich überlegen in der Tasche.

Turnbuckle: Richtig aber nicht in der Gesäßtasche, denn das würde das hinsetzen zu einem gefährlichen Abenteuer machen, bei den vorderen Hosentaschen würde man noch traumatischere Verletzungen riskieren, bei den Jackettaschen zerstochene Fingerkuppen, also was ist der ideale Aufbewahrungsort für eine chaotische Horde Zahnstocher.

Ralph: Ich hab Hunger.

Turnbuckle: Die Weste, Ralph, ihre Taschen sind ausreichend eng, so daß diese kleinen Schlingel weder durcheinandergeraten noch herausfallen können, außer vielleicht bei einer ungewöhnlichen heftigen Bewegung.

Ralph: Ich verstehe und da nur einer von den Gästen eine Weste trägt, nämlich dieser große Kerl mit den gelben Zähnen und dem ausgesprochen unangenehmen Grinsen, nehme ich an, daß wir ihm jetzt ein paar Fragen stellen müssen ok.

Latimer: Horace Latimer, ich bin sein Bruder, als ich die Polizeiautos hier reinkurven sah, kam ich natürlich rüber um zu sehen was los ist.

Turnbuckle: Wie kamen sie und ihr Bruder miteinander aus.

Latimer: Gar nicht.

Turnbuckle: Sie sind recht offen.

Latimer: Sie hätten ja doch gemerkt, tatsächlich haben wir vergangene Woche das erste mal seit 20 Jahren wieder miteinander geredet.

Turnbuckle: Wieso gerade letzte Woche.

Latimer: Ich war pleite ich hab meine Anstellung verloren und hätte ein kleines Darlehen gebraucht.

Turnbuckle: Und.

Latimer: Er gab mir 50 Dollar und den Rat auf weitere 20 Jahre verschütt zu gehen.

Ralph: Sie verloren ihre Stelle, sagten sie, was war das für eine Tätigkeit.

Latimer: Ich hab bei einer Bootslinie auf dem See gearbeitet, hatte da ne kleine Auseinandersetzung mit einem 3.Offizier und hab ihn versehentlich bißchen angeritzt

Ralph: Sie haben ihren Bruder 20 Jahre lang nicht gesehen, und wurden von ihm nicht mit offenen Armen empfangen, warum haben sie dann sich ausgerechnet in der Pension gegenüber eingemietet.

Latimer: Als ich von Vik wegging, wollte ich noch einen trinken in einer Bar hier in der Nähe, da hab ich gehört daß die einen Barkeeper zur Aushilfe suchen und nahm den Job, und die Pension dadrüben ist die billigste weit und breit.

Turnbuckle: Hatten sie schon mal Probleme mit der Polizei.

Latimer: Ein oder zweimal.

Turnbuckle: Irgendwas schwerwiegendes als angeritzte dritte Offiziere.

Latimer: Vor ein paar Jahren wurde ein Freund von mir erstochen, sie wollten es mir anhängen, aber mein Alibi war bombensicher, ich war bei meiner Freundin Elsie als Jack getötet wurde, sie war bereit das vor Gericht zu beschwören.

Ralph: Und wo waren sie gestern abend, Bier zapfen.

Latimer: Ich hatte Tagschicht, ich war im Bett.

Ralph: Allein.

Latimer: Nein mit Elsie.

Turnbuckle: Oh mir steckt ein Sesamkorn zwischen den Zähnen, sie haben nicht zufällig einen Zahnstocher bei sich.

Latimer: Doch hab ich, geht aufs Haus.

Turnbuckle: Danke Mr Latimer.

Ralph: Verdammt, ich glaub auch daß er es war, wahrscheinlich um das Hotel zu kriegen, aber wenn wir gegen einen Verdächtigen nichts anders in der Hand haben als deine Zahnstocher, schauen wir ziemlich alt aus.

Turnbuckle: Warte, ich gehe noch mal in die Küche, ich hab das Gefühl da finde ich was.

Ralph: Kombination.

Turnbuckle: Intuition.

Ralph: Na prima.

Turnbuckle: O Mrs Henderson, ihr Kuchen duftet ja köstlich, ist er schon fertig.

Henderson: Sie können gerne nachschauen, aber wenn sies genau wissen wollen, müssen sie ihn anpieken.

Turnbuckle: Stimmt, mit einer Stricknadel, haben sie eine.

Henderson: Hygienischer ist es mit einem Zahnstocher, nehmen sie den.

Turnbuckle: Mrs Henderson.

Henderson: Ich hab deswegen immer ein paar in der Schürzentasche.

Turnbuckle: Au verdammt, jetzt hab ich mir die Finger verbrannt.

Henderson: Geben sie her, geben sie her, ja ich hab gesehen, wie sie vorhin den Zahnstocher untersuchen, ihr polizisten und wissenschaftler findet doch sowieso alles raus, also kann ichs gleich hinter mich bringen.

Turnbuckle: Aber warum, warum haben sie ihn umgebracht.

Henderson: Viktor wollte ein Mädchen heiraten, daß er bei der Hoteliertagung in Shyboygan kennengelernt hat, sie ist Kellnerin in einer oben ohne Bar, ich bin seit 22 Jahren hier Köchin und seit 21 Jahren mit Viktor verlobt, gestern abend spülte ich noch ein paar Sachen, als er in die Küche kam, er hatte was getrunken, wie immer wenn er sich Mut machen will, und kam sofort zur Sache, und sagte er wird sie heiraten, weil er verrückt nach ihr ist.

Turnbuckle: Und da griffen sie in einem Anfall wahnsinniger Eifersucht nach dem Brotmesser.

Henderson: Oh entschuldigung, nein nein ich glaub ich hab ihn umgebracht weil er wollte daß ich das Hotel verlasse, er wollte mich nicht mehr in seiner nähe haben, nicht mal als Köchin, er hatte Angst sie könnte das mit uns erfahren und böse werden.

Turnbuckle: 22 Jahre, hat er ihnen nie einen Heiratsantrag gemacht.

Henderson: Nein, er sagte immer er wird mich heiraten wenn ich schwanger bin, an mein 40 Geb als er wieder mal ein bißchen zu viel getrunken hatte da verplapperte er sich und es kam heraus daß er sich vor Jahren sterilisieren hatte.

Turnbuckle: Sie hätten auf der stelle gehen sollen.

Henderson: Ich weiß o der Kaffee ist fertig, es ist mir wirklich zimlich egal was mit mir wird, schlimm ist nur daß ich gegenüber Mandy versagt habe.

Turnbuckle: Wendy.

Henderson: Meine Nichte, die Tochter meiner Schwester, ich hab ihr seit ihr Mann gestorben war die ganze zeit mit geld ausgeholfen damit sie ein bißchen besser leben kann, Mandy war wirklich gut in der Schule, sie hat jetzt angefangen Sexualmedizin zu studieren, Andrologie, nein Männerleiden, ach das Kind, jetzt wird sie nie Ärztin werden, weil ich nichts mehr für sie tun kann, Kaffee, darf ich ihnen einschenken.

Turnbuckle: Sehr gern vielen dank, tja wirklich schade, ich denke aufgrund ihres langjährigen eheähnlichen Verhältnisses mit Viktor sind sie nach unserem Gewohnheitsrecht seine Frau mit allen Konsequenzen gewesen, und hätten demnach gute Chancen das Hotel zu erben auch gegen die Ansprüche eines entfremdeten Bruders.

Henderson: Ach so, ja was solls, ich habe Viktor getötet und ich glaube nicht daß ein Mörder von seiner Tat auch noch profitieren darf.

Turnbuckle: Wie schrecklich wahr, und so wird Viktors Bruder das Hotel bekommen, Mandy wird sich am besten gleich auf eine Ausbildung als Krankenschwester vorbereiten, und während sie in Taschita hinter Gitter sitzen wird Viktors Bruder 5 Dollar Zigaretten rauchen und sich an die neue Köchin ranmachen.

Henderson: Ja das Leben ist manchmal eine zimlich krumme Sache.

Turnbuckle: Dann muß ich sie jetzt aufs Polizeipräsidium mitnehmen, ein Glück für uns daß sie geständig sind, wir haben nämlich keine brauchbaren Beweise gegen sie.

Henderson: Keine Sorge ich werde behilflich sein.

Turnbuckle: Das sagen sie jetzt, aber ich frage mich, was passieren wird wenn wir erst im Präsidium sind, dort widerrufen sie möglich ihr Geständnis, sie könnten behaupten, durch Einschüchterung dazu gezwungen worden zu sein, oder noch schlimmer, sie hätten überhaupt nie jemanden gegenüber irgendwas gestanden, sie könnten auf den Gedanken verfallen angesichts der Beweislage einfach abzuwarten und ihre Zahnstocher loszuwerden, also dann machen wir uns auf den Weg und nehmen ihr Geständnis auf.

Henderson: Was für ein Geständnis.

Turnbuckle: Sehen sie, ich wußte doch daß es so kommen würde.

Henderson: Möchten sie ein Stückchen Kuchen.

Turnbuckle: Drei wenn sich das machen läßt, eins für mich.

Henderson: Und zwei für ihren hungrigen Freund da draußen.

Turnbuckle: Unlösbare Fälle machen ihn besonders hungrig.

Wiggins: Hungrig, sagten sie hungrig Mr Turnbuckle, ich kann ihnen selbstverständlich belegte Brote holen lassen.

Turnbuckle: Was, nein danke Sergeant Wiggins.

Wiggins: Und sie wollen immer noch keinen Anwalt.

Brannigan: So Wiggums, ich brauch sie jetzt nicht mehr, und nun zu ihnen, ja nun gehen sie schon Wiggums, machen sie sich woanders nützlich, tja ihr Captain Johnson nimmts wohl eher von der humorigen Seite, zur rechten zeit am unrechten Ort und immer in Schlamassel, das ist typisch Henry, und er hat bestätigt, daß sie sich vor einem viertel Jahr auf eigenen Wunsch vom Dienst beurlauben ließen um wieder Student zu spielen.

Turnbuckle: Ich beabsichtige eine Arbeit über polizeiähnliche Organisationen zu schreiben, die Tätigkeit als Privatdetektiv war so eine Art Praktikum.

Brannigan: Ja sehr erfolgreich wie man sieht, gehört das auch zum Praktikum einen Stempel wo draufsteht Sünder müssen büßen in der Tasche rumzutragen.

Turnbuckle: Weiß hier noch jemand außer ihnen daß sie vorhin das ding bei mir gefunden haben.

Brannigan: Nein.

Turnbuckle: Sehr gut, vielleicht glauben sie jetzt einem ehemaligen Kollegen, dieser Stempel war nicht in meiner Manteltasche, bevor ihre Leute mich in der Garage abgefangen haben, danach wurde ich von ihnen allerdings dauernd rumgeschubst und befingert.

Brannigan: Wollen sie sich beschweren.

Turnbuckle: Gott behüte nein, ich ziehe daraus lediglich die Schlußfolgerung, daß nur ein Angehöriger dieser Personengruppe mir den Stempel in die Tasche praktiziert haben kann.

Brannigan: Aber warum sollte jemand auf so eine Schnappsidee kommen.

Turnbuckle: Der Mitternachtswürger hat bemerkt daß sie ihm auf den Fersen sind, und er nutzte die durch meine Verhaftung gebotene Gelegenheit einen anderen zu belasten.

Brannigan: Wollen sie etwa damit sagen daß einer meiner Leute.

Turnbuckle: Die Logik erlaubt leider nur diesen einen Schluß Captain Brennigan.

Brannigan: Wie wärs denn dann mit mir.

Turnbuckle: Nein sie muß ich ausschließen, sie hatten keinerlei Gelegenheit.

Brennigan: Wegen ihrer Logik soll ich also jetzt ein dutzend diensttuender polizisten überprüfen.

Turnbuckle: Das wird nicht nötig sein, ich habe einen anderen Vorschlag, machen sie jetzt so schnell und so gründlich wie möglich im ganzen Haus bekannt, daß man statt des Würgers versehentlich einen Kollegen geschnappt hat, dann laden sie mich als Entschädigung in die Kantine ein, nur zum schein, ich zahle mein Sherry natürlich selbst, meinen Mantel lassen wir hier hängen, und ich stecke den Stempel jetzt wieder in die Tasche, einen kleinen Privatdetektiv zum Sündenbock zu machen ist eine sache, einen polizisten eine andere, ich bin sicher während unserer abwesenheit wird derjenige der mir den Stempel in die Tasche getan hat, versuchen ihn unbemerkt wieder herauszuholen.

Brannigan: Ok aber nur weil Captain Johnson gesagt hat trotz allem hätten sie manchmal so einen Riecher, Higgings, Mccarseon, Endemy, wißt ihr wen ihr mir da eingefangen habt, der Kerl ist polizist, ja polizist, sagt es ihn nur weiter den anderen Kollegen, diesen Pfeifen die an diesem Einsatz beteiligt waren, ein Kollege.

Turnbuckle: Mein Kopf.

Wiggins: Mr Turnbuckle.

Turnbuckle: O Sergeant Wiggums.

Wiggins: Ich wollte ihnen nur gratulieren, sie sind ja jetzt ein freier Mann, hier ihr Mantel, ich darf ihnen hineinhelfen.

Turnbuckle: O danke nein, ich wollte ja eigentlich nur.

Wiggins: Bittesehr, moment ihr Gürtel, er hat sich verdreht.

Turnbuckle: Sergeant Wiggums, oh nein.

Wiggins: Was bitte sir.

Turnbuckle: Ich gestehe daß ich eine Sekunde lang noch glauben wollte, es bereite ihnen vielleicht ein kleines Vergnügen unter dem vorwand, seinen Mantel zurechtzurücken, einen andern Mann heimlich zu befingern.

Wiggins: Was erlauben sie sich.

Brannigan: Keine falsche Bewegung Wiggums und den Stempel da auf den Tisch schau an, Wiggins die alte Trauerweide, manchmal hab auch ich so einen Riecher.

Wiggins: Sünder müssen büßen, oja es wird kommen der Tag des Gerichts, der Herr ließ Pech und Schwefel regnen über Sodom und Gomorra.

Eben und diese Drecksarbeit sollte man ihm besser selbst überlassen.

Brannigan: Sonst noch was Wiggums.

Wiggins: Ja einen Anwalt.

Ralph: Und Henry, Captain Johnson ist völlig aus dem Häuschen, wegen deinem Erfolg mit dem Mitternachtswürger, er hat gemeint, nachdem dein incognito als Privatdetektiv sowieso geplatzt ist, ob du dir das noch mal überlegen willst mit dem studieren.

Turnbuckle: Es gibt Zeiten da denke ich das ganze Universum ist eine Illusion, und ich bin der einzige dem man nichts davon gesagt hat.

Ralph: Weißt du was, meine Frau ist dieses Wochenende auf einem Yogakurs, ich bin in einer halben Stunde bei dir, dann erklärst du mir das noch mal in aller Ruhe.

Henry Turnbuckle: Jochen Busse
Ralph: Michael Hinz
Captain Brannigan: Michael Mendl
Sergeant Wiggins: Herbert Weicker
Barkeeper: Michael Schwarzmeier
Netterly: Jochen Striebeck
Maggie Henderson: Ilse Neubauer
Horace Latimer: Hartmut Becker
Kriminalpolizist und Angestellter: Hubert Mulzer
An- und Absage: Beate Himmelstoß
Bearbeitung (Wort) und Regie: Marina Dietz

Kommentar von Hörspiele |

Interview mit Michael Koser, Deutschlandfunk, 28.01.2006 (Lange Nacht über die Geschichte des RIAS):
Horst Wendt: Hörspielproduktionen spielen seit Jahrzehnten eine große Rolle, der RIAS hatte sehr viele Preise dafür erhalten. Und eines der berühmtesten Hörspiele hat den etwas barocken Titel „Prof. Dr. Dr. van Dusen“, genannt die Denkmaschine. Autor: Michael Koser. Wir haben ihn am Telefon. Guten Abend, Herr Koser.
Michael Koser: Guten Abend.
Horst Wendt: Ich grüße Sie. Hatte diese Sendereihe, also "Dr. Dr. van Dusen", ein literarisches Vorbild?
Michael Koser: Sie hatte tatsächlich ein literarisches Vorbild, nämlich eine Figur, die von einem amerikanischen Autor um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert erfunden wurde. Die ganze Geschichte fing damit an, daß ich ein paar Geschichten von diesem Jacques Futrelle, so hieß er, bearbeitet habe, für den RIAS, und sollte eigentlich gar keine Erweiterung haben, aber die hatte es denn, weil die Hörer sich an dieser Figur sehr interessiert zeigten. Es gab keine Geschichten mehr von Futrelle die für die Funkbearbeitung geeignet waren und so hab ich mich also hingesetzt und eigene Geschichten geschrieben und insgesamt wurden es dann glaub ich, 77 Stück.
Horst Wendt: Was ist nun eigentlich der Anlaß und der Inhalt dieser Sendereihe, ist das mehr eine Persiflage auf historische Detektivberühmtheiten, auf Geschichten, der Titel läßt das ja fast vermuten.
Michael Koser: Es balanciert so ein bißchen zwischen der Persiflage oder der Parodie auf den klassischen Detektiv, der alles kann und alles weiß, und echten Krimigeschichten, damit die Spannung nicht verloren geht.
Horst Wendt: Und wie ist der Erfolg zu erklären, was denken Sie?
Michael Koser: Das… das erste ist mit Sicherheit so diese Seriengeschichte. Da ist eine Figur, zwei Figuren, denn der große Detektiv hat seinen Schlappenschamis immer bei sich, den Reporter Hatch, der von nichts ne Ahnung hat, und diese Figuren werden den Hörern dann nach einiger Zeit sehr vertraut. Außerdem muß, denke ich, die Machart auch den Leuten gefallen haben.
Horst Wendt: Wie würden Sie die charakterisieren?
Michael Koser: Ja, nicht so ganz ernst, immer mit etwas Ironie, und manchmal auch mit doppeltem Boden.
Horst Wendt: Schreiben Sie noch?
Michael Koser: Ja.
Horst Wendt: Weiter an dieser Reihe?
Michael Koser: Äh, indirekt ja, denn, äh, aus Prof. van Dusen ist inzwischen eine Comicreihe geworden, und da habe ich dann einiges zu tun, denn man kann natürlich Hörspiele nicht 1:1 in ein ganz neues Medium übersetzen, das heißt also, ich muß die Texte neu durchgehen, mit dem Zeichner besprechen, und das ist einiges Interessante.
Horst Wendt: Nun sind Sie ja seit Jahrzehnten ein sehr renommierter Hörspielautor, haben Sie den Eindruck, daß für das Hörspiel nach wie vor sehr großes Interesse besteht, und vielleicht auch gar wächst?
Michael Koser: Hörspiel ist so eine Art Kult, denke ich, und insofern kann es sich auch gut behaupten.

Radiobericht über Michael Koser, Deutschlandradio Kultur, 21.10.2010 (youtube.com/watch?v=ojvAdewmItk):
Sprecher: So, wir kommen zu den Hörspielmachern und unter diesen ist der Bremer Autor Michael Koser einer der Altstars. 150 Hörspiele hat er für verschiedene öffentlich-rechtliche Hörfunksender geschrieben, Jonas der letzte Detektiv, Cocktail für Zwei, und die sog. Generation der Kassettenkinder, die ist mit seinen unterhaltsamen Krimis abends eingeschlafen und hat dabei auch noch viel gelernt über Geschichte, Geografie, Physik und Chemie, und jetzt wird seine erfolgreichste und längste Radiokrimireihe Prof. Dr Dr Dr Augustus van Dusen neu aufgelegt, und Lars Rosentreter bringt uns nun diese Serie nahe, eine historische Hörspielgröße.
Van Dusen: Um mich her sehe ich nur verständnislose Gesichter, mit einer Ausnahme, der Mörder versteht mich aufs Wort.
Sprecher: Der Mörder ist Michael Koser, Jahrgang 1938, er lebt in Bremen, die Tatwaffe: Kugelschreiber, Papier und Schreibmaschine, das Opfer ist Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, Kosers Lebenswerk.
Koser: Der hat schon einen großen und erheblichen Teil meines Lebens bestimmt und er hat auch in dieser Zeit und auch jetzt noch dafür gesorgt, daß auf den Brötchen immer Butter ist.
Sprecher: Zu Kosers Profil läßt sich so viel sagen: Er hat nie in seinen Hörspielen gesprochen, anders als Hitchcock in seinen Filmen, er schreibt heute Kinderbücher und textet für Comics, er trinkt Wasser zum Interview, sammelt Hüte und hat ein Haus voller Bücher. Das sollte reichen.
Koser: Ich bin eher zurückhaltend und ich habe auch nie viel Wind um mich gemacht.
Sprecher: Ganz anders als seine selbstgefällige Figur van Dusen, seit 1978 spielt er bei Koser die Hauptrolle. Die Denkmaschine, für die nichts unmöglich ist.
Van Dusen: Sie meinen, ob ich mich allein durch die Kraft meines Geistes aus einem Gefängnis befreien kann, selbstverständlich mein Guter.
Sprecher: Der amerikanische Schriftsteller Jacques Futrelle, der 1912 beim Untergang der Titanic starb, hat sich den Professor ausgedacht. Rücksprung.
Van Dusen: Einige dunkle Punkte, die ihnen eigentlich ins Auge springen sollten, harren nämlich noch der Aufklärung.
Sprecher: 1961 wohnt Michael Koser am Prenzlauer Berg in Berlin, er studiert Geschichte und erlebt sie plötzlich selber mit.
Koser: Ich saß also im Osten und meine Uni war im Westen, das war kein guter Zustand und deswegen bin ich mit Hilfe von Freunden über die Mauer und nach West-berlin gegangen, weil mir klar war, das wird eine Geschichte, die lange dauern wird.
Sprecher: Schon während des Studiums arbeitet Koser als Radioautor, erst für den Schulfunk, dann Feature. 1973 erhält er den renommierten Kurt Magnus Preis.
Meine Damen, meine Herren, hochverehrtes Publikum. Vor ihrem Ohr und ihrem Geiste wird sich nunmehr entrollen: Ein weltgeschichtliches Spektakel.
Koser: Es hieß das neue Hörspiel, und war sehr beliebt, nicht bei den Hörern aber bei den Machern und dann war mir das doch ein bißchen zu windig.
Sprecher: Michael Koser sammelt alte Krimis, auf Entdeckungstour durch Berliner Trödelläden findet er die van Dusen Geschichte von Jacques Futrelle, er schreibt sie als Hörspiel um.
Crippen: Ja wer ist denn nun der Gaslichtmörder.
Van Dusen: Da sie es nicht sind, Mr. Crippen, bleibt nur noch einer übrig. Achtung Caruso, er will zur Tür.
Caruso: Keine Sorge, Prof. an mir kommt er nicht vorbei.
Sprecher: 77 Folgen sind es geworden, alle spielen um 1900, historisch korrekt recherchiert bis ins kleinste Detail.
Hatch: Ja moment ich muß erst den Satz zuende schreiben.
Sprecher: Vor 10 Jahren, mit 62, macht Koser dann Schluß mit van Dusen.
Van Dusen: Er hat mich unterschätzt, und das, meine Herren, brach ihm buchstäblich das Genick.
Sprecher: Im Internet leben Kosers Figuren weiter, die Fans schreiben Kompendien über Plots, Sprecher, Musik. Prof. van Dusen ist ein Widergänger, was zum anfangs erwähnten Mord zurückführt. Ja die Denkmaschine starb, durch die Hand von Koser, nicht in der letzten Folge, sehr viel früher.
Koser: Wir wußten überhaupt nicht genau, wie kommt die ganze Geschichte an, und daraufhin habe ich, auch damit ich das nun endlich mal weiß hab ich ihn umgebracht.
Sprecher: Es hagelte Protest, also mußte Koser weitere Fälle aus dem Hut zaubern. Jetzt da die Serie wieder aufgelegt wurde, können neue Hörer in den Van Dusen Kosmos vordringen.
Sprecher: Und wenn sie Lust haben mit vorzudringen in diesen Kosmos von Prof Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, morgen den 22. Oktober erscheinen die ersten 4 Fälle bei Folgenreich Highscore Music, also zugreifen.

Gespräch mit Michael Koser anläßlich seines 65. Geburtstags (24.04.2003):
Held einer vergangenen Welt
... oder warum Augustus van Dusen Kult ist
von Ulrich Griebel (MDR-Kultur - Triangel 4/2003, das Kulturmagazin von MDR FIGARO)
Professor Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen ist ein Universalgenie. Nicht nur, daß er einer der größten Wissenschaftler seiner Zeit ist - seine Zeit, das ist die um 1900 - er ist auch ein berühmter Detektiv und gehört in eine Reihe mit Sherlock Holmes, Hercule Poirot oder Lord Peter Wimsey. Seine universellen Kenntnisse in den Naturwissenschaften - außer Physik, Biologie, Chemie hat er auch sämtliche Bereiche der Humanmedizin studiert, kennt sich in Geologie, Archäologie, Ägyptologie sehr gut aus - wendet er gezielt zur Klärung der unterschiedlichsten Kriminalfälle an. Wobei der die Bezeichnung „Detektiv“ als zu profan ablehnt und sich lieber “Kriminologe, Amateurkriminologe“ nennt. Er ist die Titelfigur in der Kriminalhörspiel-Reihe von Michael Koser, die im „Krimi zur guten Nacht“ bei MDR KULTUR einmal im Monat, meist am letzten Sonntag, zu hören ist. Am 24. April feiert Michael Koser seinen 65. Geburtstag. Bis zu seinem 23. Lebensjahr war er DDR-Bürger, lebte ab 1961 in Westberlin, nun seit vielen Jahren in Wilhelmshaven. Studiert hat Koser Geschichte, Germanistik und Politische Wissenschaften, danach begann er zu schreiben. Neben der van-Dusen-Reihe haben ihn vor allem die Hörspielserien „Der letzte Detektiv“ und „Cocktail für Zwei“ bekannt gemacht. Aus Anlass seines Geburtstages führte Ulrich Griebel das folgende Gespräch mit ihm.
Griebel: Herr Koser, die van-Dusen-Hörspiele spielen um 1900. Historische Krimis sind ja relativ selten, wie sind Sie darauf gekommen, gerade solche Krimis zu schreiben? Und war die Idee für die Serie gleich da?
Koser: Ich muss ein bisschen ausholen. Ich habe mich immer für Krimis interessiert, habe alte Krimis gesammelt, nicht nur Conan Doyle, sondern auch unbekanntere Autoren, und hatte auf einmal in den siebziger Jahren die Idee, aus dieser Sammlung irgendetwas Radiomäßiges zu machen, weil ich ja beim Radio gearbeitet habe. Ich suchte ein paar alte Krimigeschichten aus, die mir gut gefielen, und habe dann dem RIAS Berlin angeboten, aus diesen Geschichten Krimi-Hörspiele zu machen. Eine dieser Geschichten ging um Professor van Dusen. Professor van Dusen ist ja nicht auf meinem eigenen Mist gewachsen, sondern der ist Produkt des amerikanischen Autors Jacques Futrelle. Und ich habe eine van-Dusen-Geschichte zu einem Krimi-Hörspiel verarbeitet, ziemlich frei. Ich war nie ein guter Bearbeiter. Und ich habe nie die Sachen genau übernommen, sondern habe das dann so gemacht, wie ich das für gut und für richtig hielt. Und diese eine Geschichte kam sehr gut an. Und daraufhin habe ich dann weitere van-Dusen-Geschichten bearbeitet, insgesamt fünf, die von Futrelle geschrieben wurden. Dann gingen die Geschichten aus. Futrelle hat zwar eine ganze Menge Geschichten geschrieben, aber die allermeisten sind entweder generell nicht gut oder nicht gut audiomäßig umzusetzen. Und dann habe ich angefangen, mit der Figur, die ja nun schon mal da war, zu spielen und ihr eigene Geschichten zu schreiben. Und auf einmal hatten wir eine Hörspiel-Reihe, ohne daß das irgendwie von Anfang an jemand wollte oder geplant hatte.
Griebel: Aber es fällt ja auf, daß jede einzelne Folge sich ganz konkret an einem ganz gestimmten Handlungstag oder an zwei Tagen abspielt und das Bezug genommen wird auf frühere Folgen. Das heißt, man hat den Eindruck, sie sind in chronologischer Reihenfolge geschrieben worden. Das ist offenbar aber nicht der Fall.
Koser: Es war so: Die ersten 24 Folgen sind chronologisch geschrieben und hintereinander produziert und gesendet worden. Mit der 24. Folge starb Prof. van Dusen in San Francisco 1906 beim Erdbeben. Er versank in die Erde, und seine letzten Worte waren: „2 + 2 ist 4“. Und das war ein so schöner Tod, daß ich den nicht wieder rückgängig machen wollte. Diese 24. Folge war überhaupt als Testfolge gedacht. Nicht nur ich, auch der Sender, die Redakteurin, der Regisseur, wir wussten nicht so gut, wie die ganze Geschichte überhaupt ankommt. Sie war damals ungefähr drei Jahre gelaufen. Und daraufhin hatte ich die Idee, die mein großer Kollege Conan Doyle ja auch schon mal hatte, den Helden einfach umzubringen. Und ich wollte sehen und hören, ob es darauf irgendwelche Reaktionen bei den Hörern gibt. Ich dachte, wenn die Serie bisher gut angekommen ist, dann müssen sie sich melden und müssen sich irgendwie dazu äußern. Das taten sie dann wie wir es nie geglaubt und für möglich gehalten hatten. Und der Haupttenor war: „So geht das nicht! Die Serie darf nicht aufhören, sie muss weiter laufen. Und da nun aber van Dusen tot war, blieb mir nichts anderes übrig, als ihm neue Geschichten zu schreiben, die zeitlich vorher passiert sind. Das war ziemlich eng, denn der erste Fall, der auch so betitelt ist, „Professor van Dusens erster Fall“, spielte 1898, und der letzte Fall, der Tod von Dusens, wie gesagt 1906. Es waren also acht Jahre. Und da dacht ich, gut, dann machen wir noch ein paar Folgen, die kriegen wir noch irgendwo reingequetscht in diese Zeitspanne. Ja, und dann wurden es noch 53 Folgen, die alle in dieser eng umgrenzten Zeit spielen. Deswegen - nicht nur, weil der Professor so ein kluger Mensch ist, sondern auch, weil ich zeitlich etwas unter Druck war - muss er seine Fälle immer ganz furchtbar schnell lösen. Meist schafft er es ja in ein bis zwei Tagen, dann ist die Sache ausgestanden, und er kann sich wieder anderen Dingen widmen, vor allen Dingen seiner atomarem Strukturtheorie, an der er immerzu herumknabbelt. Ich weiß übrigens selbst nicht, was das ist. Ich bin schon von den Hörern gefragt worden, worum es da geht. Ich kann immer nur auf den Professor selber verweisen.
Griebel: Eine immer wieder interessierende und irritierende Frage: Was ist nun eigentlich an den wissenschaftlichen, kriminologischen, kriminaltechnischen und naturwissenschaftlichen Problemen und Lösungswegen, die er da benutzt, fiktiv, und was ist real?
Koser: Also normalerweise sind die wissenschaftlichen und vor allem die kriminologischen Dinge, die vorkommen, real, Das heißt, sie beziehen sich auf tatsächlich wissenschaftliche Dinge, die zu dieser Zeit gerade im Schwange waren bzw. erfunden wurden. Manchmal eilt der Professor ein bisschen voraus, so daß er schon den Computer erfindet, allerdings ohne es praktisch zu demonstrieren. Das ist ein Gag. Aber gerade die Kriminaltechnik, die darin vorkommt, beruht auf Tatsachen. Da habe ich also dann wirklich dicke Bücher gewälzt, damit das alles stimmt. Ein paar Fehler sind mir auch unterlaufen, naturwissenschaftliche Fehler. Ich bin selbst kein Naturwissenschaftler und schwimme eigentlich immer doch ziemlich herum und muss dann Fachleute fragen oder Bücher konsultieren. Und da kann es natürlich schon einmal passieren, daß die eine oder andere Sache daneben geht. Darauf haben mich die Hörer aber dann immer sofort aufmerksam gemacht.
Griebel: Die Sprache in der Van-Dusen-Serie ist anders als in anderen Krimis. Nun gut, die Handlung spielt nun fast schon eine oder zwei Generationen vor uns. Es ist der Versuch, die Sprache der damaligen Zeit einzufangen. Aber wo kriegt man die Sprache der Zeit her? Selbst wenn sie denn so gewesen wäre, was ich gar nicht glaube, sondern ich glaube, daß das auch eine Kunstebene ist.
Koser: Ganz sicher.
Griebel: Aber woher haben Sie den Grundtenor, den Grundton für die Sprache in den van-Dusen-Krimis?
Koser: Nun, ein bisschen aus alten Krimis, Krimis die so am Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts geschrieben wurden, wo die Detektive so etwas waren wie Supermänner und immer vom hohen Thron herab ihre Erkenntnis preisgaben. Da kommt das ein bisschen her, am Anfang jedenfalls. Auch der Prof. van Dusen bei Futrelle drückt sich etwas gestelzt aus. Aber das hat sich nachher selbständig gemacht. Und das liegt auch an Friedrich W. Bauschulte, der ihn spielt, ich habe mir immer ihn vorgestellt und habe ihm dann diese Sachen in den Mund geschrieben. Es ist dann einfach auch für mich ein Spaß geworden. Und die Sprache ist ja im Lauf der Folgen, glaube ich, immer elaborierter und gestelzter und künstlicher geworden. Ich hätte von Anfang an gedacht, daß die Hörer das gar nicht so gerne haben, aber gerade diese Sprache - das habe ich gemerkt - kommt gut an. Im Gegensatz dazu habe ich natürlich den Hutchinson Hatch gesetzt, der ja ein wenig anachronistisch ist. Also der spricht nun gar nicht die Sprache des beginnenden 20. Jahrhunderts, der Belle Époque, sondern er spricht eigentlich die Sprache von heute. Das sollte er auch ganz bewusst, damit der Professor so ein Gegengewicht bekommt, damit das nicht nur alles mit Fremdworten und furchtbar langen und komplizierten Sätzen gespickt ist - absolut rundfunkungeeignet, hätte man früher wahrscheinlich gesagt. Hatch ist an sich meine Lieblingsfigur. Prof. van Dusen habe ich nie leiden können. Und auch im Lauf der Jahre habe ich mich eigentlich nie richtig führ ihn erwärmen könne. Er ist so künstlich, und er ist so kalt und so weit weg und so distanziert. Also ich habe einfach keine Begeisterung für ihn entwickeln können. Dagegen Hatch ist ein Mensch wie du und ich. Er darf auch Angst haben. Er darf Hunger haben. Er darf sich beschweren. Er darf eigentlich ganz normal reagieren. Aber wenn Hatch alleine da wäre, wäre es natürlich keine Geschichte.
Griebel: Wie sehen Sie die Umsetzung Ihrer Manuskripte durch die Regie, die Schauspieler, den Einsatz von Musik und Geräuschen?
Koser: Was die Regie angeht, Rainer Clute war ja von Anfang an dabei - mit einer Ausnahme: Der erste van Dusen, der überhaupt produziert wurde, wurde von einem anderen Regisseur gemacht. Dann hat Rainer Clute übernommen und ist die ganze Zeit dabei geblieben. Und ich war eigentlich immer seht angetan von seiner Umsetzung. Daß er die ja auch etwas altmodischen Geschichten auch in einer altmodischen - im positiven Sinne - Verpackung serviert hat, daß er sich Zeit gelassen hat, den Schauspielern Zeit gelassen hat, daß er sehr viel Musik verwendet hat, sehr besondere Musik, was ja so eine Art Markenzeichen für ihn war. Also es gibt wenig Dinge, die ich auszusetzen habe. Wir haben uns, glaube ich, nie gestritten in dieser ganzen Zeit der Zusammenarbeit, hatten manchmal natürlich Meinungsverschiedenheiten. Wir haben alle Manuskripte besprochen, vor der Produktion gemeinsam besprochen, und auch die Besetzung. Ich habe mitgeredet, auch wenn das natürlich in erster Linie seine Sache war. Und ich fand, daß Rainer Clute ein Glücksfall für die ganze Reihe ist. Und van Dusen wäre nicht das, was er ist, wenn es diesen Regisseur nicht gegeben hätte.
Griebel: Die vielen Fälle, die Prof. Van Dusen zu lösen hat, sind von ganz unterschiedlicher Machart. Die sind mal logisch-kriminalistisch aufgebaut, mal sind sie mehr abenteuerlich angelegt. Aber was die Kreuzworträtselfälle betrifft, die also dem Hörer die Möglichkeit des Mitdenkens und des Mitkombinierens geben - Sie sind so aufgebaut, daß man auch wirklich drauf kommen könnte. Wollten Sie, daß der Hörer mitgehen kann, bestimmte Schritte mitvollziehen kann und vielleicht auch dem Professor schon mal - obwohl er ja der berühmteste Amateurkriminologe der Welt ist - ein bisschen vorauseilen kann?
Koser: Es gehört eigentlich zu den Spielregeln des klassischen Krimis, daß man dem Leser/Hörer nichts verschweigen darf. Also man darf, man kann ihn zwar auf eine falsche Fährte locken. Aber man muss ihm alle Fakten liefern, die auch der Detektiv hat. Und ich habe mich bemüht, das auch zu tun. Ich glaube, nicht in allen Fällen, manchmal habe ich ein wenig unterdrückt oder verheimlicht. Ich hoffe allerdings, daß niemand dem Professor so auf die Schliche gekommen ist, daß er vor ihm die Sache herausgekriegt hat. Im Grunde soll der Hörer sich zwischen dem Professor und Hatch befinden. Hatch ist ja ein netter Dussel. Also er kriegt so gut wie nie was raus und steht immer hilflos da, wenn der Professor irgendwo kryptisch irgendwas äußert. Und ich habe immer gehofft, daß der Hörer zwar dann besser ist als Hatch und schon so ein bisschen sieht, wo der Hase hinläuft, aber die genauen Dinge, die Einzelheiten, die Details, die Spuren und wie sie von wem gelegt wurden, dann doch als Überraschung erfährt. Mitarbeiten gerne, aber bitte nicht rauskriegen.
Griebel: Mich interessiert die Rolle von Satire und Ironie in den Stücken. Ist das von vornherein der Blickwinkel gewesen, unter dem Sie die Figuren gesehen haben, unter dem Sie die Geschichten gesehen haben? Oder ist das sukzessive im Laufe der Folgen hinzugekommen?
Koser: Das war von Anfang an da, auch beim Professor. Van Dusen bei Futrelle ist eine Figur, die der Autor tatsächlich ernst genommen hat. Er ist tatsächlich ein großer Wissenschaftler. Und ich habe ihn von Anfang an ein bisschen überzogen. Also es kommen parodistische Züge hinein. Allerdings habe ich mich bemüht, zu balancieren - das ist ganz schwer - einerseits zwischen dem Parodistischen und andererseits zwischen dem wirklichen Krimi. Also eine Parodie alleine ist nicht spannend, kann gar nicht spannend sein. Ein Krimi muss es sein. Aber die Umstände, die Figuren sind überzogen. Satire kommt auch hinein, „Dr. Tschu Man Fu“ ist eine antikolonialistische Satire. Das kommt immer wieder, habe ich jetzt gemerkt beim Weiterlesen, hatte ich gar nicht so beabsichtigt, war aber tatsächlich so. Also es kommen halt auch mal gesellschaftskritische Dinge rein. Im Grunde sollten die Geschichten für alles offen sein. Ich habe mich bemüht, sehr viele Mythen der Trivialliteratur - und ich habe mich damit immer beschäftigt, auch wissenschaftlich - in die van-Dusen-Reihe einzubauen, aber nicht ernst und gewichtig daherschreitend, sonder eben locker, ironisch, satirisch, parodistisch, ohne daß die Geschichte, der Krimi, der Plot darunter leidet.
Griebel: Häufig ist es ja so, daß Hörspielleute, Radioleute insgesamt, wenig über die Wirkung ihrer Arbeit erfahren. Das wird über den Sender ausgestrahlt und ist weg. Mal gibt es Umfragen, aber relativ selten. Was wissen Sie über die Wirkung der van-Dusen-Serie? Wenn man heutzutage, da die Serie eigentlich abgeschlossen ist und nur noch in einigen Sendern wie bei uns in der Wiederholung läuft, ins Internet guckt, findet man eine Menge. Auf das Stichwort van Dusen wirft die Suchmaschine sehr viele Seiten aus. Das bedeutet, irgendwie lebt die Serie noch. Und es muss Fans geben, die sich weiter damit beschäftigen und sogar Arbeit in solche Internet-Auftritte stecken. Allgemein gefragt, was wissen Sie über die Wirkung zu den Zeiten, als die Serie noch in Arbeit war, und über die Wirkung heute?
Koser: Es gab damals öffentliche Veranstaltungen, im großen Sendestudio des RIAS, das immer knüppeldicke voll war. Vorher hatte das auch keiner so richtig erwartet. Was kommt beim Hörspiel denn schon groß zusammen, aber es kamen Hunderte von Leuten. Dann wurde tatsächlich - und das hat es, glaube ich, beim Rundfunk, beim Hörspiel noch nie gegeben - ein Fan-Club gegründet, den es immer noch gibt, der im Internet sehr aktiv ist. Es gab Telefonate, es gab Post. Jetzt gibt es hauptsächlich E-Mails. Es gibt eine eigene van-Dusen-Website. Dann haben Fans, ohne mich vorher zu fragen, auch unter meinem Namen eine Website eingerichtet. Auch habe das dann hinterher sanktioniert. Das war schon in Ordnung. Es gab und gibt also erstaunlich viele Reaktionen. Der Seriencharakter hängt sicher damit zusammen. Auf ein einzelnes Hörspiel würde man so einen Response nicht kriegen, auch nicht erwarten können. Viele Fans haben mir gesagt, geschrieben, daß sie van Dusen als Lebenshilfe sehen, daß, wenn van Dusen sagt „Nichts ist unmöglich“, daß das für sie dann auch die Maxime ihres Handelns wurde. So habe ich das nie gedacht, an sich ist dieser Spruch natürlich rein überzogen. Oder sie sagen, sie hätten unglaublich viel gelernt über Geschichte und Geographie, weil ja diese Dinge immerzu eine Rolle spielen. Sie hätten dann nachgeschlagen. In van-Dusen-Kompendien, die man im Internet nachlesen und sich runterladen kann, ist dann jede einzelne Geschichte genau darauf untersucht worden, wo sie spielt, wann sie spielt, welche historischen Figuren darin vorkommen usw. usf. - eine Arbeit, die ich ganz erstaunlich finde, die das weit überschreitet, was ich vor diesen Sendungen gemacht habe, obwohl ich nun auch als Historiker anständig recherchiert habe, bevor ich irgendwas geschrieben habe.
Griebel: Würden Sie sagen, van Dusen ist unter den Krimis noch mal eine besondere Kategorie, was die Wirkung betrifft?
Koser: Ich glaube, daß es im modernen Rundfunk, also im Rundfunk noch dem 2. Weltkrieg, keine Reihe von 77 Folgen gegeben hat von jeweils einer Stunde oder einer knappen Stunde, die sich über einen so langen Zeitraum halten konnten. Das wäre nicht möglich gewesen, wenn es eben nicht diese Hörerbegeisterung gegeben hätte und immer noch gäbe. Ich weiß, daß Deutschland-Radio immer noch von den Fans betrommelt wird, van Dusen fortzusetzen oder doch wenigstens zu wiederholen.
Griebel: Und daß es ein großes Bedürfnis gibt, Folgen, die die Fans nicht mitschneiden konnten, als sie gesendet wurden, nun irgendwie veröffentlicht zu sehen auf käuflichen Tonträgern. Aber das hängt ja wohl immer noch an irgendwelchen rechtlichen Fragen?
Koser: Ja, das wird mir dann gesagt vom Deutschland Radio, die ja verantwortlich sind für Professor van Dusen als Nachfolgesender von RIAS Berlin. Ich habe natürlich darauf gedrückt, und die Fans verlangen das ja auch immer wieder, daß es van Dusen in einer Höredition gibt als CD-Sammlung zum Beispiel. Der Sender erklärt, daß es zu schwierig sei und zu teuer. Es gäbe zu viel recht abzulösen, speziell Musikrechte. Das sei nicht praktikabel. Und deswegen könne er leider keine CDs veröffentlichen, entweder allein oder zusammen mit einem Hörverlag. Ja, ich kann leider als Autor nichts dagegen machen. Ich würde mich freuen, wenn es nun endlich mal klappen würde.
Griebel: Ich würde gerne noch etwas zu Ihrer Biographie als Autor erfahren. Ich weiß, daß Sie hauptsächlich fürs Radio gearbeitet haben und nur ganz selten ausgebüxt sind in andere Bereiche.
Koser: Also ich bin zum Radio gekommen, ohne daß ich es selber unbedingt wollte. Das war eine Zufallsgeschichte. Ich hatte studiert, schrieb an meiner Doktorarbeit, und mein Doktorvater wurde angesprochen von einem Sender, dem Süddeutschen Rundfunk, ob er nicht über sein Fachgebiet Schulfunksendungen machen wolle. Und das wollte er nicht, aber er hat dann seine Doktoranden damit beauftragt. Und dann schrieb ich zwei Sendungen, und auch andere schrieben welche. Und die Redakteurin beim Süddeutschen Rundfunk sagte mir dann: „Was Sie geschrieben haben, war das weitaus Beste. Hätten Sie nicht Lust, noch mehr für uns zu machen?“ Ja, ich hatte schon Lust. Das war schönes Geld damals für einen Studenten, der vom Stipendium lebte und von Arbeiten in den Ferien. Und dann schrieb ich also Schulfunk, das machte mir Spaß, dann kam ich zu anderen Sendern, schrieb weiterhin Schulfunk, krempelte mit ein paar Autoren den Schulfunk beim RIAS total um. Wir haben da die alten Zöpfe abgeschnitten, rausgeschmissen und neue Sachen gemacht, neue Hörspielformen, Featureformen eingebracht. An Hörspiel dachte ich relativ spät. Das kam erst in den siebziger Jahren. Auf Aufforderung eigentlich von Redakteuren und Regisseuren schrieb ich dann mal ein Hörspiel, das war so ein Kunsthörspiel, wie es damals üblich war, mit Musik, eine Art Rock-Oper, die großen Erfolg hatte, bei fast allen Sendern lief. Und dann schrieb ich noch sowas. Und dann hatte ich keine Lust mehr. Das waren so Geschichten ohne richtigen Anfang, ohne richtiges Ende. Ich verstand sie selber nicht und die Hörer wahrscheinlich auch nicht. Aber das war damals das, was en vogue war im Hörspiel. Und dann schrieb ich eine Zeit lang überhaupt keine Hörspiele, nur Features, bis ich auf die Idee kam, Krimis zu schreiben. Das war Ende der Siebziger, da wurde van Dusen geboren. Dann habe ich in den achtziger Jahren den „Letzten Detektiv“ erschaffen, der seitdem im Bayerischen Rundfunk läuft und es auch schon auf 40 Folgen gebracht hat. Ich habe festgestellt, daß mir die Serienproduktion liegt. Das heißt, wenn ich mir Figuren ausdenke und Handlungsräume und Zeiten, daß ich es schade finde, mit einer Geschichte das ganze Pulver zu verschießen, und dann bemühe ich mich Dinge so zu entwickeln, daß sich mehrer Folgen tragen. Daß es allerdings 77 Folgen werden wie bei van Dusen, das war nie vorhersehbar.
Griebel: Sind Sie mit dem Medium Radio als Arbeitsfeld ausgelastet, ausgefüllt, zufrieden? Sie haben nicht die Absicht, irgendwann aufzuhören damit?
Koser: Nein, obwohl ich mich auch in anderen Medien ein bisschen umgesehen habe, z. B. beim Fernsehen. Ich habe eine Buchserie herausgegeben. Und gerade in diesem Jahr habe ich ein Buch zu Ende geschrieben, was ich gerade bei einem Verlag unterzubringen suchen, ein Jugendbuch übrigens. Aber ich war immer beim Radio. Ich war sehr gern beim Radio. Ich habe - das zeigen ja auch die van-Dusen-Geschichten -, ich habe so etwas wie eine Cinemascope-Phantasie. Das heißt, ich denke mir sehr komplizierte, sehr aufwändige Geschichten mit vielen Personen aus, die man im Film zum Beispiel nur mit großer Mühe vielleicht in Hollywood mit Computertricks umsetzen könnte. Und beim Rundfunk geht das alles ganz einfach. Mit ein paar Geräuschen im Hintergrund und ein paar Stimmen und ein bisschen Musik kann man die tollsten Dinge machen. Und die Hörer können sich das dann richtig vorstellen. Deswegen bin ich dabei geblieben, bis heute. Und ich will auch dabei bleiben, so lange der Rundfunk sich nicht so ändert, daß meine Geschichten nicht mehr gewollt werden.

Ich war nicht böse, daß die Reihe eingestellt wird (Hörwelt 9/98) (auf vandusen.de):
Michael Koser, Jahrgang 38, ist seit 20 Jahren Autor der van Dusen-Krimireihe. Im HÖRWELT-Gespräch äußert er sich über seine Zeit mit dem Superhirn – und seine neue Serie Cocktail für zwei.
Herr Koser, Sie sind derjenige, der es wissen muß: Was hält das Schicksal im 77. Fall für Prof. van Dusen bereit?
Koser: Ein großer Teil wird in Wilhelmshaven spielen, das habe ich mir schon lange vorgenommen. Seit 15 Jahren wohnte ich jetzt hier, und die Freude wollte ich mir einfach machen. Viel mehr möchte ich über die Handlung nicht sagen. Es sind einige Überraschungen drin, und die sollen auch Überraschungen bleiben. Den meisten Spaß werden sicher die haben, die die ganze Saga kennen. Einige alte Bekannte tauchen auf, und überhaupt zitiere ich mich fleißig selbst. Ich hatte ein bißchen Endzeitstimmung beim Schreiben, aber eine fröhliche.
Hat van Dusens letztes Stündlein nun unwiderruflich geschlagen?
Koser: Ja und nein, ich kann das schwer sagen. Ich bin nicht der Sender, und der bestimmt das im Endeffekt. Aber vermutlich ist Schluß – obwohl ich mich dieses Mal gehütet habe, ihn endgültig von der Szene zu nehmen. Wenn aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen van Dusen doch wiederauferstehen sollte, dann könnte er das tun.
Er fällt also nicht in die Schlucht?
Koser: Nein, dieses Mal geht er mit der Titanic unter.
Werden Sie ihn als regelmäßigen Begleiter nicht vermissen?
Koser: Das tue ich jetzt schon manchmal. Manchmal habe ich Ideen, die nur zu van Dusen passen, nicht zu Der letzte Detektiv und nicht zu Cocktail für Zwei. Aber mehr Folgen müssen es auch nicht unbedingt sein. Ich war nicht furchtbar böse, daß die Reihe eingestellt wird...
Sprechen wir also ein wenig über ihre neue Serie, die im September anlaufen wird, Cocktail für Zwei. Ihr Heldenduo ist dieses Mal ein Pärchen, und es erlebt seine Abenteuer in den zwanziger Jahren.
Koser. Ich hatte die Idee schon länger im Kopf, und die zwanziger Jahre schienen mir zu passen. Es sollte anders werden als die van Dusen-Reihe und Der letzte Detektiv, leichter und eleganter. Und ich bin dieses Mal auf die andere Seite gewechselt, auf die Täterseite. Die Helden sind Hochstapler, Ganoven, Glücksritter. Sie heißen Felix und Cora. So kann ihre Firma als Felix & Co auftreten.
Was mag das für eine Firma sein?
Koser: Sie sind Expropriateure en gros und en detail. Sie nehmen Menschen und Institutionen aus, die viel Geld haben, ein bißchen wie Robin Hood. Nur daß sie nicht daran denken, das Geld jemand anderem zu geben als sich selbst.
Gibt es typische Merkmale ihrer Gaunereien?
Koser: Die beiden spielen Rollenspiele, sie denken sich komplizierte Geschichten aus und übernehmen diverse Figuren, um ihre Opfer dazu zu bringen, ihr Geld herzugeben. In einer Folge der zweiten Staffel geben sie sich zum Beispiel als Coco Chanel und der Präsident der Französischen Republik aus. Und verkaufen einem amerikanischen Schrottkönig den Eifelturm.
Felix und Cora werden von Maren Kroymann und Cornelius Obonya gesprochen. Haben sie als Autor auch einen Einfluß auf die Auswahl der Sprecher?
Koser: Ja, ich habe schon mitgeredet, und es war auch nicht ganz leicht, die Richtigen zu finden. Das müssen ja Leute sein, die das Komödiantische allein mit der Stimme transportieren können, ohne Mimik, ohne Gestik, ohne Maske und Kostüme. Beiden macht es viel Spaß, in die jeweiligen Rollen zu schlüpfen. Und das merkt man.

Der letzte Detektiv (br-online.de/kultur-szene/thema/jonas/index.xml) (ca. 2003):
Er heißt Jonas. Nur Jonas. Er lebt im frühen 21. Jahrhundert in
Babylon, der Supermetropole der Vereinigten Staaten von Europa. Er
hat einen Beruf, den es eigentlich nicht mehr gibt. Er ist Privatdetektiv.
Er pflegt die Eigenschaften seiner klassischen Vorbilder:
Ehrenhaftigkeit. Sturheit. Unverschämtheit. Witz. Ein bißchen
Sentimentalität. Seine Fälle sind hart. Und wirklich. Es geht um kleine
Leute und große Interessen.

Dann ist da noch Sam. Jonas' Taschencomputer. Unentbehrliche Hilfe
und unausstehliche Plage. Sam spricht. Er redet und labert und
schnattert und bewegt sich quer durch alle Sprachprogramme.
Außerdem ist er ein Chaos-Pilot im Datennetz. Ein Geisterfahrer auf
der digitalen Autobahn.

Das ist "Der letzte Detektiv" - Michael Kosers SciFi-Krimiserie. Die
erfolgreichste Hörspielserie der Unterhaltungsabteilung nach der
"Dickie Dick Dickens" - Serie der 50er-Jahre. Seit 1984 im Krimi-
Programm in Bayern2Radio.

Der geistige Vater: Michael Koser
Der Autor und seine Ideen

Ich bin oft gefragt worden, welche Grundidee hinter
meiner Reihe "Der letzte Detektiv" steckt. Das ist
sehr schwer zu beantworten (und deshalb tue ich's
auch nicht). Aber es gibt für mich so eine Art Motto,
das über der ganzen Reihe steht. Korrektur: zwei
Mottos (oder heißt es Motti?).

1. "I've seen the future, brother - it is murder!" sang
Leonard Cohen 1992.

2. Sagte Bob Dylan 2001 in einem "Spiegel"-Interview: "Wir leben in
einer Welt, in der Science Fiction längst Realität geworden ist. Sie
wird beherrscht von Disney. Überall künstliche Shopping-Paradiese
und Themenparks."

Wer ist besser geeignet etwas zu Michael Koser zu sagen, als seine
"Kinder". Wir haben ein Gespräch zwischen Jonas und Sam
mitverfolgt, in dem sich die beiden zu ihrem geistigen Vater äußern.

Jonas: Ein Auftrag, Sammy. "Michael Koser". Sagt uns das was?
Sam, ich warte!
Sam: Moment, Chef. Alter Computer ist doch kein D-Zug, - PIEP
"Koser, Michael. Autor." PIEP
Jonas: Ein Schreiberling?
Sam: PIEP "Für das Radio. Spezialist für Krimi-Reihen. Professor van
Dusen', 1978 bis 1999, 77 Folgen. Ab 1984 Der letzte Detektiv" PI...
Jonas: Stopp, Sammy! Der letzte Detektiv bin ich! Jonas. Nur Jonas.
Sam: Woraus folgt, messerscharf und aschklar, daß es sich bei
besagtem Koser um den Papa meines innigst geliebten Jonas
handelt, n'est-ce pas?
Jonas: Mein Vater?
Sam: Strikt im geistigen Sinne. PIEP "Nachdem sein erstes
Reihenkind, Professor van Dusen mit Namen, sich als Erfolg erwiesen
hatte, entschloß sich sein Schöpfer, mit der Gegenwart auf Kriegsfuß
stehend, dem Amateur-Kriminologen aus der Vergangenheit den
letzten Detektiv der Zukunft zuzugesellen. Und so kam zur Welt
Jonas..." PIEP
Jonas: ...und Sam. Redender Computer. Assistent und Nervensäge.
Sam: Oooooh! Das tut weh!
Jonas: Mein Vater! Ich kann's nicht fassen! Ist er mir ähnlich, dieser
Koser? Ruhig? Ein bißchen melancholisch? Ironisch?
Sam: Könnte man sagen.
Jonas: Sportlich? Ein Mann der Tat?
Sam: Eher weniger. Ein Bücherwurm. Ein Stubenhocker. Er wohnt
nicht in Babylon, sondern in Babels-.., PIEP "Verzeihung" PIEP ...in
Wilhelmshaven, wo wenig passiert. Er erlebt nicht selbst, er läßt
erleben. Jonas und Sam zum Beispiel. Durch 40 bunte Abenteuer hat
er uns bisher gescheucht. Und damit ist es beileibe noch nicht
abgemacht.
Jonas: Von mir aus. Jonas ist bereit.
Sam: Sammy dito. - PIEP "Anmerkung: Michael Koser ist auch ein
Prophet! Hat er doch schon 1984 den EURO als europäisches
Zahlungsmittel ersonnen!" PIEP. Das war zu einer Zeit, als noch kein
Schwein und kein Finanzminister auch nur im Traum an so was
dachte! Ob er auch mit seinen anderen, manchmal recht düsteren
Zukunftsvorstellungen richtig liegt, wird sich zeigen.
Jonas: Bald.
Sam: Kann sich nur noch um ein paar Jahre handeln...

Die Sprecher der beiden Hauptfiguren
Wer leiht Sam und Jonas seine Stimme?

Jonas: Bodo Primus spielt die Rolle des
Detektivs seit der ersten Folge weg.

Sam: Seit der 5. Folge ist Peer Augustinski
für die Stimme des Computers Sam
verantwortlich. Zuvor wurde Sam von
Joachim Wiechmann gesprochen.

Wir haben die Figuren Jonas und Sam mit der Tatsache konfrontiert,
daß sie erst durch die Sprecher zum Leben erweckt werden. Aber
lesen Sie selbst, wie die beiden darüber denken, und was Sam und
Jonas über ihre Lebensspender wissen.

Sam: "Sozusagen: Der letzte Detektiv auf der Suche nach der
Sprachkultur im Kontinuum der Automedien, zur Zeit hart den
kriminellen Erstsilbenbetonern auf den Fersen. Den Konsens- und
Radikal- und ldealsprachbetonern und Banausen. Und all denen, die
die Schwingungen ihrer Stimmbänder für Sprechen halten."
Jonas: Versteh ich nicht. Jonas ist kein Intellektueller. Klingt aber
irgendwie bedeutsam. Wer hat das gesagt, Sammy?
Sam: Primus. Bodo Primus.
Jonas: Aha. Und wer ist Bodo Primus?
Sam: Ach, du mein armer, lieber Jonas. Null Ahnung von nix, wie
immer. So kenn ich ihn, so hab ich ihn gern. Bodo Primus - der bist
du!
Jonas: Waas?
Sam: Präziser: Derjenige, welcher meinem Herrn und Meister, der da
genannt wird "Der letzte Detektiv", durch seine stimmlichen und
schauspielerischen Talente Leben verleiht. Denn zunächst einmal,
nicht wahr, ist Jonas eine Figur auf dem Papier, ein Papier-Jonas
sozusagen. Dafür, daß Jonas lebt, spricht, sich bewegt, agiert - dafür
sorgt in erster Linie Bodo Primus. Und das macht er wunderbar.
Jonas: Glaub ich dir aufs Wort, Sammy. - Ich frag noch mal: Wer ist
Bodo Primus? Wenn er nicht Jonas ist, mein ich. Fakten, Sammy.
Daten. Kurzer Lebenslauf.
Sam: Bitte sehr, bitte gleich. Geboren 1938. In den 60er-Jahren vor
allem am Theater. Köln, Düsseldorf, anderswo. Seit 1962 auch im
Radio. Seit 1970 frei bei verschiedenen Hörfunk- und TV-Sendern im
deutschsprachigen Raum. So. Und jetzt - einen Tusch, Herr
Kapellmeister. Peer Augustinski. Ja, willst du denn nicht fragen, wer
das ist?
Jonas: Nicht nötig, Sammy. Peer Augustinski ist dein Bodo Primus.
Wie Bodo Primus mein Peer Augustinski ist. Sams Sprecher. Spieler.
Lebensspender. Verkörperer.
Sam: Zweites Ich.
Jonas: Hast du überhaupt ein erstes, Sammy? Du bist schließlich ein
Computer.
Sam: Na und? Ich hab vielleicht mehr Ich als du!
Jonas: Glaubst du? - Peer Augustinski , Sammy. Daten. Fakten.
Sam: Kurzer Lebenslauf. Okay, okay. Geboren 1940. Musikstudium.
Schauspielschule. Seit 1964 am Theater. Seit 1975 im Fernsehen.
Stichwort "Klimbim" - eins von vielen. Außerdem Synchronsprecher.
Und - last, but ganz und gar nicht im mindesten least - Sam. Sam der
Große. Der Einmalige.
Jonas: Weißt du was Sammy? Die Sprecher, die Jonas und Sam
verkörpern, müssen was ganz Besonderes sein. Große Könner. Tolle
Typen.
Sam: Da sprichst du ein wahres Wort gelassen aus, mein Alter.

Die Figur Jonas
Er lebt im 21. Jahrhundert. In einer Zeit der vorgegebenen Systeme
und festen Rahmen. Aber er paßt in kein System. Er fällt aus dem
Rahmen.

Er ist Nostalgiker. Er blickt zurück. Ins 20. Jahrhundert. Er hat einen
Beruf den es eigentlich nicht mehr gibt. Er ist Privatdetektiv. Er pflegt
die Eigenschaften seiner klassischen Vorbilder. Ehrenhaftigkeit.
Sturheit. Unverschämtheit. Witz. Ein bißchen Sentimentalität.

"Ich bin Jonas, nur Jonas"
Jonas über sich, seine Vorbilder, seine
Aufträge.

Aber er ist mehr als ein Anachronismus. Seine Fälle sind Fälle des 21.
Jahrhunderts. Zwischen kleinen Leuten und großen Interessen.
Zwischen Illusion und Realität. Und auch die Realität ist oft genug
falsch - Simulation, Manipulation. Jonas schlägt sich durch. Nicht
bravourös, selten erfolgreich. Aber so anständig wie möglich.

Steckbrief: Jonas, der letzte Detektiv
Nicht mehr jung. Um die 40. Groß, aber kein Riese.
Gutaussehend, aber kein Schönling.
Durchtrainiert, aber kein Bodybuilder.
Ansonsten eher unauffällig.
Oft melancholisch.
Lacht selten.
Kleidung: Trenchcoat
Waffen: Smith & Wesson. Laserstrahler.
Neurofreezer.

Seine Beziehungen
Viele - am Anfang gab es eine Dauerbeziehung: Judith Delgado.
Schön. Dunkel. Etwas jünger als Jonas. Hohes Tier bei der
Sicherheitsverwaltung. Er benutzt sie als Informationsquelle. Sie
benutzt ihn zur Förderung ihrer Karriere. Dennoch große Liebe. Als
Judith umgebracht wird nimmt Jonas Rache! Dann gabs da noch
Neon. Afroamerikanerin. Journalistin. Begleitet Jonas in Afrika. Und
Nofretete. Ägyptische Agentin. Mysteriös.

"Valerie, kurz Val"
Und dann gab es noch Valerie. Jonas bezieht Stellung zu
seiner Beziehung zu ihr.

Seine Gegner
Immer wieder neu. Großer Verschleiß ...
Frau Professor Caligari: Leiterin von ZIP. Zentral-Institut für
Populationsforschung. Tritt in mehreren Fällen auf. Alt. Kalt.
Professionell. Hat die Aufgabe, die Überbevölkerung zu reduzieren.
Mit allen Mitteln.
Generalissimus Stalin: Der Nomaden-Häuptling residiert in einem
alten T-54, den sein Stamm durchs Niemandsland schleppt.
Ines Lamour: Die schöne und gefährliche Nervenärztin und Memory-
Klauerin.
Artur Artus: Chef von Camelot Fashions und Mittelalter-Freak. Zieht
sich so an, hat sich so eingerichtet.

Der Computer des letzten Detektivs
Er ist zweiteilig: Ein fester Speicher im Büro und als ständiger
Begleiter ein Taschengerät. Und er fällt, wie sein Herr, aus dem
Rahmen.

Steckbrief: Der Computer Sam
Der Computer des letzten Detektivs. Ein
Taschengerät, etwa so groß wie ein Handy. Sieht
auch so aus. Jedenfalls wenn er abgeschaltet ist.

Angeschaltet fährt Sam aus, was so gebraucht
wird: Augen, Mund, Ohren, Arme, Hände, Beine,
Rollen, Kompaß, Teleskop, Sirene, Kneifzange
und vieles mehr.

In voller Aktion sieht Sam aus wie eine Hightec-
Puppe.

Sam kann mehr als reden. Vor allem kann er denken. Vor, zurück und
um die Ecke. Und Ratschläge geben. Ein unentbehrlicher Helfer in
kniffligen Situationen.

"Sam ist mehr als ein Witzbold"
Jonas beschreibt Sam, seinen Computer und unschätzbare
Hilfe in allen Situationen.

Meist ist Sam eher enervierend. Arrogant. Streitsüchtig.
Rechthaberisch. Von seiner geistigen Überlegenheit fest überzeugt
und abfällig, was menschliche Intelligenz betrifft. Ungeduldig. Nur zu
gern bereit, seinem Herrn über den Mund zu fahren. Still wird er nur,
wenn er sich tödlich beleidigt fühlt. Oder wenn Jonas droht, ihn
verschrotten zu lassen. Was er nie tun würde. Jonas und Sam, Akteur
und Denkmaschine, haben dafür ein zu enges, ein fast symbiotisches
Verhältnis.

"Besser klaren Kopf bewahren"
Ein Dialog zwischen Jonas und Sam gibt Aufschluß über
deren inniges Verhältnis.

Die Welt des letzten Detektivs

Jonas lebt irgendwann im 21.
Jahrhundert. Sein Büro-Apartment
(22 qm) liegt mitten in Babylon.
Babylon liegt mitten in Europa.
Babylon ist mehr als eine Stadt,
mehr als eine Metropole. Babylon
ist eine urbane Ballung. Ein
unübersehbares Konglomerat.
Eine fast apokalyptische
Wucherung.

Über endlosen Vorstädten, mehr oder weniger heruntergekommenen
Wohnvierteln, über Slums, Trümmerlandschaften und den
abgeschotteten Siedlungen der Reichen und Mächtigen, über
Geschäftsstraßen, Verwaltungszentren und den Wolkenkratzern der
Wirtschaft, über Illusions-Parks, über Lokalen wie dem "Armen
Schlucker" und dem "Casablanca" - Jonas Stammkneipe - wölbt sich
ein Klima-Dom, und der ist fast immer kaputt.

"Um uns, unter uns - Babylon"
Der Erzähler beschreibt die düstere Atmosphäre Europas
im 21. Jahrhundert.

"Die ehemaligen Servicesysteme unter dem Reservat"
Der Erzähler beschreibt die Entstehung der Unterwelt und
geht auf deren Bewohner ein.

Unter Babylon liegen industrielle Produktionsstätten, ausgedehnte
Schutzbunker-Systeme aus dem vorigen Jahrhundert und, noch tiefer,
gigantische Kloaken mit Recycling-Anlagen und Biogas-Generatoren.

Babylons Regierungsform
In Babylon leben viele Millionen
Menschen - zu viele Menschen,
für die es zu wenig Arbeit gibt.
Jeder kriegt die Volksrente, keiner
muß hungern. Aber der soziale
Nutzenstatus, der unter anderem
die Größe des Wohnraums
festlegt, bemißt sich nach Art und
Entlohnung der geleisteten
Tätigkeit. Ein Privatdetektiv hat
nur einen geringen Nutzenstatus.

Babylon wird regiert und reguliert von einer großen, aber nicht allzu
effizienten Bürokratie. Ihre Organe, in erster Linie die zahlreichen
Gliederungen der Polizei, konkurrieren mit den privaten Truppen von
Industrie und Wirtschaft - und mit der "Korporation", dem organisierten
Verbrechen.

"Die Korporation, früher mal Mafia"
Der Erzähler beschreibt die Entstehung der
Nachfolgeorganisation der Mafia: "Die Korporation".

Die Landschaft rund um Babylon
Außerhalb von Babylon liegt die Wildnis - ausgelaugt, unregierbar,
unreguliert, ohne Gesetz. Jenseits der Wildnis existieren kleinere
Städte, babylonische Ableger wie Babelshaven am völlig verseuchten
Nordmeer.

Die Mehrzahl seiner Fälle löst Jonas in und um Babylon. Ab und zu
muß er reisen: nach Afrika - ins Niemandsland an der Grenze zur
dritten Welt - nach Costuguana in Lateinamerika, Nachschub-Basis für
Kokain und Ersatzorganen - in die chaotischen Nahoststaaten
Merdistan und Kusbekistan.

Die Welt des letzten Detektivs ist unserer Welt in vielem ähnlich - und
in vielem anders als sie. Größer. Technischer. Elektronischer.
Komplizierter. Atmosphärisch grauer. Heruntergekommener. Vielleicht
ist die Welt des letzten Detektivs die letzte Welt.

Neue Fälle für Jonas und Sam:
Donaukurier 19.08.2008 (donaukurier.de/nachrichten/kultur/Neue-Faelle-fuer-Jonas-und-Sam-art598-1926865)
Bremen (DK) "Machen wir ein Ende." So klingt das Finale des "Letzten Detektivs". "Das sagt aber nicht Jonas, sondern ein Mitglied der Anti-Jonas-Koalition, die die ganze Zeit versucht hat, sich dieses lästigen Detektivs zu entledigen", erklärt Michael Koser (70), Autor von mehr als 150 Hörspielen und Schöpfer dieser Figur, die sich mit "Jonas. Nur Jonas. Besser einen guten Namen als drei miese" vorzustellen pflegt. Mitte der 80er Jahre hat Michael Koser seinen furchtlosen, melancholischen Privatermittler vom Schlage eines Philip Marlowe oder Sam Spade auf die Verbrecher Babylons losgelassen. Einer düsteren, seelenlosen Hightech-Metropole.
Geschwätziger Computer
Jonas lebt in der Zukunft. In einer Zukunft, in der das Ökosystem längst kollabiert ist, in der Bürgernummern die Namen abgelöst haben, der Sozialstatus (der Nutzen für den Staat) die Wohnklasse regelt, Großkonzerne regieren und man sich hauptsächlich von synthetischen Nahrungsmitteln ernährt. Im Jahr 2009 tritt Jonas erstmals in Erscheinung. Nur 25 Jahre lag diese Zukunft von der Gegenwart entfernt, als Michael Koser im Orwell-Jahr 1984 seinen Detektiv über dessen ersten Fall brüten ließ. Dabei lernte Jonas Judith kennen, die bald seine ZB ("zeitweilige Beziehung") werden sollte und bei Sam regelmäßig Eifersuchtsanfälle auslöste. Sam ist ein Computer. Ein Supercomputer. Leider wurde er mit zu vielen Sprachprogrammen gefüttert, was zu einer Überkonfiguration führte, sodass seine Genialität in Sachen Datenbank-Informationsbeschaffung bisweilen mit einer gewissen Schwatzhaftigkeit einhergeht.
40 Folgen lang klärte "der letzte Detektiv" von Babylon im Bayerischen Rundfunk kniffelige Fälle, recherchierte, deckte auf, überschritt gesetzliche und bisweilen moralische Grenzen – bis die Serie 2001 ein abruptes Ende fand. Und Autor Michael Koser die Entwürfe für vier Fortsetzungen plus Abschlussfolge verärgert in die Schublage legte.
Kurzzeitig spielte er mit dem Gedanken, diese Notizen ins Internet zu stellen, "damit die Fans sehen, wie es hätte weitergehen können", erzählt er. Er hat es nicht gemacht. Und hatte deshalb noch Material für neue Geschichten zur Verfügung. Denn: Es gibt zwei nigelnagelneue Folgen von Jonas. Auftraggeber ist diesmal allerdings nicht eine Rundfunkanstalt, sondern eine Privatperson. Martin Bahr ist ein großer Jonas-Fan, und seine Anwaltskanzlei hat bereits zwei Hörspiele ("Das Canossa Virus" und "Ixplorer 5003") produziert. Ihm gelang es, die Originalsprecher von Jonas, Sam und Judith, nämlich Bodo Primus, Peer Augustinski und Karin Anselm wie auch Regisseur Werner Klein, der die Serie ab Folge 17 begleitet hatte, für sein Herzens-Projekt zu gewinnen. "Das war schon wichtig", sagt Michael Koser. "Ein Hörspiel mit anderen Stimmen – das hätte ich mir nicht vorstellen können."
Er sagte zu – und holte seine Mappe mit den alten Aufzeichnungen hervor. "Comeback" und "Abgesang" heißen die beiden neuen Folgen, die Ende des Monats in Hamburg aufgenommen werden – und ab Mitte Oktober im Internet kostenlos downloadbar sind.
Wovon die Fälle handeln, will Michael Koser nicht verraten. Nur so viel: "Die Jonas-Saga wird tatsächlich weitergeschrieben." Beide Folgen finden nach den zuletzt im Bayerischen Rundfunk gesendeten statt – und werden auch mit früheren Krimis verknüpft. Mittlerweile schreibt man das Jahr 2016 und Jonas ist mit zunehmendem Alter auch resignierter geworden. Michael Koser: "Es stürzt furchtbar viel auf ihn ein. Negatives, mit dem er kaum fertig wird."
Ein eigenes Universum
War es schwer, nach einer Pause von acht Jahren das Duo wieder auf Fährtensuche zu schicken? "Ich hatte tatsächlich nach der Zusage ein bisschen Sorge, ob es überhaupt gehen würde nach dieser doch verhältnismäßig langen Zeit", gesteht der Autor. "Aber es klappte erstaunlich gut und schnell. Ich hatte ein eigenes Universum gebaut für meine Helden. Dort war noch Platz. Und ich fand die Tür, durch die ich gehen musste, um diesen Platz zu besetzen."
Er freut sich, dass er nun die Möglichkeit erhält, doch noch den Schlusspunkt zu setzen, den er sich vor einem knappen Jahrzehnt für seinen "letzten Detektiv" ausgedacht hat. "Die abschließende Folge hat sich fast von selbst geschrieben."
Und es sind definitiv die letzten Jonas-Fälle? Michael Koser lacht. "Mit solchen Aussagen bin ich inzwischen vorsichtig geworden. Es ist natürlich immer noch möglich, Zwischenräume auszufüllen in der Jonas-Saga." Bei einer anderen Hörspiel-Figur, Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, "Wissenschaftler von Weltruf und nicht minder renommierter Amateur-Kriminologe", der von 1978 bis 1999 Rätsel der Vergangenheit löste, hatte Michael Koser listenreich einen Weg für weitere Geschichten auch nach dessen Tod gefunden. "Außerdem ist nicht so ganz klar, was aus Jonas nun wird." Dann unterbricht er sich: "Ich glaube, ich verrate zu viel."
Ein bisschen Spannung muss schließlich sein. Mitte Oktober geht Jonas wieder auf Ganovenjagd: Unter jonas-nur-jonas-und-sam.de findet man Näheres über den nostalgischen Detektiv und seinen redseligen Computer Sam. Außerdem Bilder, Musik und ein Making-of-Video der Produktion.
Von Anja Witzke

ZDF heute Nachrichten: Hörspieldetektiv Jonas kehrt zurück - ins Internet. Private Produktionen online zu stellen, liegt im Trend. Von Stefan Gnad (2008):
In den 80er und 90er Jahren war Der letzte Detektiv eine Hörspielserie im Radio. Nun kehren Privatschnüffler Jonas und sein Computer Sam zurück- möglich macht dies ein Privatmann, der die Folgen kostenlos ins Netz stellt.

Martin Bahr ist langjähriger Fan der Serie, die sich bis heute anhaltender Beliebtheit erfreut. Die letzten beiden Teile zu produzieren und die düstere Science-Fiction-Reihe, die ihn und Tausende andere Hörspielfans vor den Radiogeräten fesselte, endlich abzuschließen, ist dem 36-Jährigen eine hohe Summe wert, die er aus eigener Tasche für die Produktion hinblättert.

Damit geht nun eine Radio-Legende zu Ende. Als akustischer Film Noir war die Hörspielreihe von Autor Michael Koser bewußt als Hommage an den Kinoklassiker „Casablanca“ und die großen hard boiled Krimiautoren Raymond Chandler und Dashiell Hammett („Der Malteser Falke“) angelegt.

Wie seine Vorbilder Sam Spade und Philip Marlowe arbeitet Joans als Privatdetektiv. In der fiktiven Großstadt Babylon des Jahres 2016 löst er als letzter seiner Zunft Kriminalfälle. Als Endzeit-Szenario war „Jonas“ nicht unblutig und schon beim Start im Orwell-Jahr 1984 visionär, nicht nur was die künftige Währung in den „Vereinigten Staaten von Europa“ anging: Euros. Nun folgt mit Verspätung die Fortsetzung, die zugleich das Finale ist.

Die Szenerie in den Hamburger Fährhaus-Tonstudios hat etwas von einem Familientreffen. Alle sind sie gekommen, um die Kult-Serie feierlich abzuschließen. Bodo Primus in der Rolle von Jonas und Peer Augustinski als Stimme seines so genialen wie schwatzhaften Taschencomputers Sam, Karin Anselm, („Tatort“) aber auch Größen der deutschen Sprecher und Synchronisationsszene... versprechen ein bis in die Nebenrollen hochkarätig besetztes Endspiel.

Sogar Michael Koser, Autor von „Jonas“ und der nicht minder erfolgreichen Hörspielreihe „Prof van Dusen, die Denkmaschine“ ist nach Hamburg gereist. Der 70-Jährige hat das Finale seit Jahren fertig in der Schublade liegen, jedoch selbst nicht mehr an ein Ende seiner Serie geglaubt. 2001 war er nach 40 Jonas Folgen im Streit vom Bayerischen Rundfunk geschieden.

„Plötzlich war da eine neue Leitung und hat als erstes den Jonas abgeschafft“, erzählt Koser. „Der ist uns zu teuer, hieß es, wir brauchen das Geld für unser Musil-Projekt, so etwas können wir uns leider nicht mehr leisten. Man hat mir zwar angeboten, den letzten Jonas noch zu produzieren, aber ich war so verärgert, daß ich das dann auch nicht mehr wollte.“

Entsprechend skeptisch war der Bremer, als letztes Jahr das Telefon klingelte und am anderen Ende der Anwalt aus Hamburg war, mit dem Vorschlag, die letzten Folgen aus eigener Tasche zu finanzieren. Den Autor zu überzeugen, war nur ein Problem, weitaus komplizierter war es, die Rechte vom Bayerischen Rundfunk zu bekommen.

Doch auch diese Hürde wurde genommen. Nun bringt das alte Team unter der bewährten Regie von Regisseur Werner Klein (Hessischer Rundfunk, Regisseur seit Folge 17) das zu Ende, was einst Aufgabe und Renommierprojekt des öffentlich rechtlichen Rundfunks war. Die Folge Comeback steht schon im Netz - am 1. November kann man sich die nächste Folge Abgesang der Kult-Saga samt „Making of“ kostenlos von der Seite... herunterladen.

Eine Nachricht von Michael Koser (pirg.bplaced.net/pvd/news.htm)
Jonas. Nur Jonas. Und Sam.
Zwei neue Hörspiele!
Diese frohe Botschaft verkünde ich fast gleichzeitig mit der offiziellen Presseinformation des Produzenten auf hoerspiele.de.

Produzent ist nicht der Bayerische Rundfunk, sondern ein privater Fan, Rechtsanwalt Dr. Bahr in Hamburg. Der BR war eingeladen, sich kostenfrei zu beteiligten, hat aber nach sehr, sehr langem Zögern beschlossen, dies nicht zu tun. Die beiden neuen Jonas-Hörspiele (COMEBACK und ABGESANG) laufen deshalb nicht unter dem bekannten Ober- und Reihentitel „Der letzte Detektiv“, den der BR für sich beansprucht, und werden auch nicht im BR gesendet.

Genauer und ausführlicher werde ich mich zu dem ganzen Komplex später äußern. Und ich werde natürlich auch von den Aufnahmen berichten, bei denen ich (was mich ganz besonders freut) nach langer Zeit Bodo Primus, Peer Augustinski und Werner Klein wiedersehen werde. Heute nur soviel: Jonas und Sam sind wieder da!
Bis bald!
Ihr/Euer Michael Koser

Hörspiele:
Prof. van Dusen: im Internet, z.B. https://www.deutschlandfunk.de/professor-van-dusen-104.html
Der letzte Detektiv: im Internet, z.B. https://archive.org/details/folge-42-abgesang oder https://www.youtube.com/@martinbraum7328/videos oder https://www.youtube.com/@rimebag666/videos

Texte:
Prof. van Dusen: Manuskripte im Internet, z.B. http://www.superweb.de/killerbabys/swgaestebuch/index.php?error=1
Der letzte Detektiv: Manuskripte im Internet, z.B. http://www.superweb.de/killerbabys/swgaestebuch/index.php?error=1

Musik:
Prof. van Dusen: https://www.barnick.de/vandusen/musik/ bzw. https://www-astro.physik.tu-berlin.de/~bolick/PvD/musik/pvd/0
Der letzte Detektiv: https://www.youtube.com/watch?v=W-S44V_PYE8&list=PLK7h0HSk4iahP_uX52j5lbclDnw9rivEL

Fanseiten im Internet (Auswahl):
Prof. van Dusen: https://www.vandusen.de/, http://pirg.bplaced.net/pvd/, https://www.michaelkoser.de/
Der letzte Detektiv: http://devnull.linux-future.de/~jonas/ bzw. http://www.trinks.net/jonas/, http://aurora.mud.at/~mjust/jonas/ bzw. http://salige.bplaced.net/jonas/home.htm, http://www.fan-forum.de/smf/index.php?board=25.0, https://www.facebook.com/groups/337980859222/?locale=de_DE

Hörerbewertungen:
Prof. van Dusen: https://www.youtube.com/@dervandusenpodcast3942/videos
Der letzte Detektiv: https://www.youtube.com/@dieletztendetektive/videos

Weitere Informationen zu Inhaltsangaben, Figuren und Sprechern gibt es im Hörspielarchiv im Internet unter: https://hoerspiele.dra.de/ oder http://www.xn--hrdat-jua.de/index.php

Kommentar von Hörspiele |

Der Fall van Dusen: Eine O-Ton-Collage (Deutschlandradio Berlin 1999)

Die einleitenden Worte des Regisseurs Rainer Clute zum Radio-Feature Der Fall van Dusen (deutschlandfunk.de/van-dusens-groesster-fall-100.html):

Seit dem Start der heiteren historischen Krimireihe 1978 hat Michael Kosers Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, genialer Wissenschaftler und leidenschaftlicher Amateur-Kriminologe, mit seinem treuen Begleiter und Chronisten Hutchinson Hatch rund um die Welt für die Lösung unlösbarer Fälle gesorgt und dabei Jahr für Jahr eine ständig wachsende Hörergemeinde in Atem gehalten.

Bevor Professor van Dusen in der zweiten Stunde der Langen Nacht mit seinem letzten und größten Fall endgültig in den verdienten radio-kriminologischen Ruhestand entlassen wird, hat Sylvia Rauer, die an der Seite von Regisseur Rainer Clute mehr als die Hälfte aller Fälle der „Denkmaschine“ als Regieassistentin betreute, noch einmal in offiziellen Archiven und privaten Erinnerungen gestöbert. In der Langen Nacht auf der Spur der Radiolegende August van Dusen sprach sie mit dem Autor und dem Regisseur, besuchte die Hauptdarsteller Friedrich W. Bauschulte und Klaus Herm, befragte die Taufpatin der Reihe, Ursula Drews, bemühte die Stimmen der Kritik und traf sich mit Fans der ersten Stunde.

Samstag, 24. Juni 1978: der erste Hörspiel-Produktionstag des ersten van Dusen-Krimis! Ein Tag, auf den sich die ganze Energie der Beteiligten konzentrierte, denn bis die Produktion beginnen konnte, galt es viel zu regeln. Das Vorspiel der geplanten Reihe verlief eher schleppend. Michael Koser, Autor dieser Hörspielreihe, fand keinen großen Anklang in der Hörspiel-Dramaturgie von RIAS Berlin. Sehr viel positiver reagierte dafür der damalige Abteilungsleiter des Unterhaltungs-Programm, Hans Rosenthal, dessen serienerprobte Redaktion sich dieses neuen Vorhabens sehr gerne annahm. Nun fehlte noch der geeignete und interessierte Regisseur. Michael Koser trat an mich heran und überzeugte mich sehr schnell von seiner Idee. Wir beide kannten uns als Autor/Regisseur-Gespann à la Holmes/Watson, Miss Marple/Mr. Stringer oder ähnliches.

Die Wahl fiel nach einiger Überlegung auf Friedrich W. Bauschulte, damals Ensemble-Mitglied des inzwischen geschlossenen Schiller-Theaters und außerdem „die Stimme“ einiger prominenter Schauspieler in der Synchronisations-Arbeit. Er wurde Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, genannt die „Denkmaschine“, Klaus Herm, zunächst tätig beim Schiller-Theater, dann als freier Schauspieler, wurde Hutchinson Hatch, der rasende Reporter des „Daily New Yorker“, van Dusens ständiger Begleiter und Assistent sowie – last but not least – akribischer Chronist der Abenteuer seines berühmten Professors.

Unser Produktions-Team wuchs nach relativ kurzer Zeit zu einem sehr gut eingespielten Ensemble zusammen, zu dem von Anfang an ein festes technisches Team gehörte, das im Laufe der Jahre nur wenig verändert wurde. Kurz nach Start der Serie stieß Silvia Rauer zu uns, zuerst als Regie-Assistentin und inzwischen als unentbehrliche Co-Regisseurin.

Einige der damals in der allerersten Zeit unter großem zeitlichen Streß und in Improvisationslaune produzierten Hörspiele gehören auch heute noch zu meinem Lieblingskrimis, so zum Beispiel „Whisky in den Wolken“ oder „Rotes Blut und weißer Käse“. Dieses Hörstück war auch der Beginn eines immer wichtiger werdenden Musikanteils. Der in den Schweizer Alpen spielende Krimi war ausschließlich mit Madrigal-Musik angereichert, für die damalige Zeit eine sehr ungewöhnliche Wahl, da die durchschnittliche Krimi-Musik sich eher im „Tatort“-Genre bediente.

Die van Dusen-Musik hat inzwischen eine eigene Fan-Gemeinde gefunden, die ihre Interessen Hand in Hand mit dem seit Jahren in Berlin bestehenden van Dusen-Fan-Club vertritt. Immer wieder wurde ich gebeten, für eingefleischte Fans die Quellen der „Soundtrack“-Musiken anzugeben oder Soundtracks zusammenzustellen. Leider: es gibt keine Soundtracks von van Dusen-Krimis. Die Quellen sind hingegen jedermann zugänglich: es ist das, was wir ganz allgemein mit „Klassischer Musik“ bezeichnen. Wir benutzen also keine eigens komponierte Musik, aber die ist immer, zumeist aufwendig, bearbeitet. Und sie gehört zum Text, der sie inspiriert hat. Ohne den Text verliert sie wahrscheinlich entscheidend an Wirkung.

Die Lange Nacht einer Radiolegende. Auf vielfachen Hörerwunsch wiederholen wir heute diese Sendung aus dem Jahre 1999.

Fan: Könnte man nicht mal ne ganze lange Nacht mit dem Prof. van Dusen machen.
Bauschulte: Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen ist ein großes, ein gewaltiges Thema.

Der Fall van Dusen: Eine O-Ton-Collage von Sylvia Rauer und Clarisse Cossais
Koser: Ich weiß gar nicht, wie ich drauf gekommen war, ich sammle ja selber Krimis, auch alte Krimis.
Sprecher: Michael Koser.
Koser: Und ich hatte die Idee, ob man nicht aus, aus alten Krimigeschichten, so aus der Sherlock Holmes Zeit, Hörspiele machen könnte.
Drews: Dann kam Koser mit seinem Krimi und die Hörspielabteilung wollte den Krimi nicht.
Sprecher: Ursula Drews, damals zuständige Redakteurin der Unterhaltungsabteilung
Drews: Und das hat denn Herr Rosenthal sofort zugegriffen und hat gesagt nun kann ich dir ne Planstelle bei mir besorgen und dann machste gleich den Krimi.
Clute: Obwohl ich schon 9 Jahre beim RIAS gearbeitet hab, war ich aber erst relativ kurze Zeit als Regisseur tätig, ungefähr 4 Jahre.
Sprecher: Rainer Clute
Clute: Und ich wurde angesprochen, von Robert Matejka und Michael Koser, die beide auf mich zukamen und fragen, ob denn möglich wäre diese neue Reihe, die Michael Koser plante, Professor van Dusen, zu produzieren.
Bauschulte: Ich glaube mich zu erinnern, daß die erste vom Auerbach gemacht worden ist, und dann in der nächsten Woche gleich drauf die vom Rainer Clute, in ganz kurzen Abständen.
Sprecher: Friedrich W. Bauschulte (1923-2003)
Bauschulte: Und dann war ich also eigentlich sehr verwundert was das nun sollte, ob das ein Probelauf war für die beiden oder was, ich weiß es nicht, es waren beide, nein, Auerbach war länger beim Sender als Rainer Clute.
Koser: Und beide, beides waren sehr gute und sehr schöne Produktionen, aber Rosenthal entschied sich dann für Clute als ständigen Regisseur, Rainer sagte damals ja.
Clute: Es war dann die interessante Frage zu entscheiden der Besetzung, und jeder kam mit zwei unterschiedlichen Besetzungsvorstellungen, die am Anfang ganz unvereinbar schienen, die aber immer näher rückten und schließlich haben wir auch da einen Kompromiss gefunden und am Ende der Reihe kann man es ja so sagen, auch ganz neidlos, der Professor van Dusen, Friedrich W. Bauschulte ist Dietrichs Auerbachs Eingabe in diese Serie und Klaus Herm, der Hutchinson Hatch ist mein Teil, was ich besetzungsmäßig dazugegeben habe.
Herm: Na für mich hat es wie immer angefangen.
Sprecher: Klaus Herm (1925-2014)
Herm: Daß sie mich angerufen haben, wir haben ein Hörspiel, ob ich Zeit hätte, und haben mir das Manuskript geschickt und ich fand es von vornherein also sehr witzig, muß ich sagen, also gleich von anfang an, dachte, das ist prima.
Koser: Ja, das wissen ja alle, das ist eine Figur von Futrelle, von Jacques Futrelle und der Professor van Dusen ist so was wie ein ganz kleiner Klassiker in der Krimigeschichte, in allen umfangreicheren Enzyklopädien und Geschichten steht er drin, also Futrelle mit seinem Professor van Dusen.
Clute: Michael Kosers Hintergrund als Autor, als Schriftsteller, ist die Geschichte, er ist studierter Historiker, und es ist sicherlich sein Anliegen gewesen und sein Spaß gewesen beim Schreiben auch historische Gegebenheiten zu verquicken, das heißt etwas, was in der Geschichte stattgefunden hat, ganz realistisch stattgefunden hat zu benutzen, um drumherum einen Krimifall zu stricken.
Koser: Und dann hab ich weitergemacht, noch 3 Geschichten, schöne Geschichten von Futrelle rausgesucht und geschrieben, und dann, Futrelle hat zwar eine ganze Menge Geschichten geschrieben, so etwa 50 oder 60 über Prof. van Dusen, aber die anderen kamen mir alle so als nicht geeignet zur Rundfunkbearbeitung vor, und wahrscheinlich hätte die ganze Geschichte dann aufgehört, wenn ich nicht bei irgend einem Ferienaufenthalt in Frankreich an der Atlantikküste plötzlich die Idee gehabt hätte, warum ich dann diesen Professor nicht nehmen sollte und ihm eigene Geschichten erfinden.
Clute: Ich glaube daß Michael Koser einfach saugute Manuskripte schreibt, daß er wirklich sehr gute Dialoge schreibt, das ist eine Kunst, die durchaus nicht jeder beherrscht und das ist ein Verdienst, das er ganz unbestritten hat, daß er Dialoge schreibt, die wirklich überhaupt nicht papieren klingen, nie, die sich einfach sehr gut spielen lassen im besten Sinne.
Koser: Da mußte erstmal die Rechtslage geklärt werden, das darf man ja nicht so ohne weiteres, die Figur eines anderen nehmen, aber da Futrelle mit der Titanic 1912 untergegangen war, war seine Figur rechtsfrei, als ich dann plötzlich merkte, Mensch ich kann das ja selbst machen, da hatte ich wieder richtig Spaß dran und in diesen Ferien in Frankreich am Atlantik in der Nähe von Bordeaux hatte ich schon so die Stationen der Weltreise im großen und ganzen schon alles aufgeschrieben.
Clute: Van Dusen war in Amerika, in New York tätig die ersten Folgen, hatte sich dann auf eine Weltreise begeben und diese Fälle, die Michael Koser geschrieben hat bewegten sich wirklich an einer Kette, die zwangsläufig entstand, er fuhr mit dem Schiff nach England, dort hat er einige Fälle erlebt, ist dann über Frankreich, über Westeuropa, war auch in Deutschland, hat auch Berlin kurz tangiert, bis nach Rußland, ist dann über Südeuropa, die Türkei, ganz kurz in Ägypten gewesen, ist über Fernost, Singapur wieder zum Pazifik gekommen, ist dann bei der Überfahrt über den Pazifik nach Amerika gestrandet, das Schiff ist untergegangen, man hat sich auf eine Insel gerettet, das war der vorletzte Krimi, Robinsons Insel, ist dann von dort natürlich auch irgendwann wieder gerettet worden, ist zurück gekommen in die Vereinigten Staaten nach San Francisco, und das war dann eben die Nr. 24, die Erde hat ihn wieder.
Koser: Bis zum Tod, den hatte ich mir damals auch schon ausgedacht, als eine Möglichkeit das zu beenden und daß es 1906 sein sollte mit dem Erdbeben von San Francisco, das stand also von Anfang an fest, weil ich immer gedacht habe, Gott, wie lange macht man so eine Reihe, und äh das wurde dann insgesamt auf 24 Folgen erst mal angepeilt, und ich dachte das wird wahrscheinlich reichen und wenn wir soweit kommen, dann lass ich ihn sterben und nicht nur um einen schönen Abschluß für die Reihe zu haben, sondern auch als Test, denn Rosenthal sagte mir, aber ja da kommen Anrufe, und den Leuten gefällt das soweit ich das feststellen kann und mir gefällt das auch, und, aber irgendwann reichte mir das auch nicht mehr, ich wollte gern mal wissen für wen man das eigentlich macht, und ich dachte wenn ich ihn jetzt sterben lasse und wenn tatsächlich Leute so was hören, vielleicht melden sie sich darauf hin, wenn sie so ein bißchen geschüttelt werden.
Krause: Gut erinnern kann ich mich noch an den Tod des Professors, als er im Januar 1982 für mich so überraschend starb.
Sprecher: Andreas Krause vom Prof Dr. van Dusen Fanclub
Krause: Ich hörte das Hörspiel und für mich war eigentlich klar, er wird nicht sterben, es wird ihm nichts passieren, aber dann passiere dann das für mich so unfaßbare, und ich kann mich noch gut erinnern, auch an die Gefühle, als ich in die Wohnstube ging, meine Mutter schaute fernsehen, und ich sagte zu ihr, Mutti, Professor van Dusen ist tot. Für mich war das unfaßbar.
Drews: Was glauben Sie, wie viele Hörer mir dann geschrieben haben, wie man das ändern könnte, wie man ihn wieder aufleben lassen könnte, da hatten die unheimlich viel Vorschläge wie man das machen kann.
Krause: Ich habe meinen ersten van Dusen mit 15 gehört und ich muß sagen daß mich nichts so lange in meinem Leben begleitet hat wie die Prof van Dusen Serie, ich habe keinen verpaßt, ich habe immer den Urlaub entsprechend gelegt, was nicht so schwer war, weil wir ein 6 Wochen Intervall damals hatten, da konnte man planen, aber über die Zeit jetzt, ich bin 32 Jahre, hat mich nichts so lange begleitet.
Drews: Wir hätten doch nie geglaubt, als er den hat sterben lassen, daß da Leute, sicher 1 2 3 vielleicht aber daß da über 300 Zuschriften kommen, also das hätte ich nie erwartet und auch so bösartig, also wirklich sehr böse, als sei ich schuld an dem ganzen, ja, ja ich wäre eine Mörderin, hat der eine geschrieben.
Koser: Ja, Tränen am Telefon, gab es wirklich, Beileidskarten in schwarz kamen an, Mütter riefen zornig an, ihre Kinder heulten und wollten nicht mehr schlafen gehen, weil Prof. van Dusen tot sei, also die wildesten Reaktionen, weit über alles hinaus, was wir uns vorgestellt oder erhofft haben, ich hab natürlich gehofft daß was kommt, nicht, aber nicht so viel und so individuell und so spezifisch, nicht nur daß Leute schrieben, schade, daß es nicht mehr weitergeht, sondern Briefe, seitenlange Briefe, die beschrieben, wie ganze Familie, immer, ich weiß gar nicht wann der damals lief, also zu der bestimmten festen Sendezeit immer am Radio saßen und sich das anhörten und sich schon dann freuten auf die nächste Folge.
Clute: Und das war eigentlich der Zeitpunkt, wo uns klar war, wir haben da eine Legende geschaffen.
Drews: Da haben wir dann überlegt, wie wir das machen und da fiel eben Koser ein, wir können ja eine Rückblende machen von dem Hatch.
Clute: Wir hatten schon den 25. Krimi produziert, genauso wie Hatch es als Erzähler vorbereitet hatte, wir gingen natürlich über diese Zeit 1906 nicht hinaus, van Dusen war auch tatsächlich gestorben, er wurde auch in der Weise nicht wiederbelebt daß man da einen Trick fand wie er dieses Erdbeben doch überlebt hatte, sondern Hatch erfüllte seine Ankündigung, daß er eben in der Zeit, in der Spanne, die die beiden gemeinsam erlebt hatten, 1899 bis 1906, immer wieder einzelne Fälle hervorholte und sie dann erzählte.
Koser: Und jetzt und das war mir sogar eigentlich noch lieber als vorher, jetzt war ich also tatsächlich frei, ich hatte also 8 Jahre in denen ich also herumirren konnte und den Professor auch platzieren konnte, wann und wo ich wollte.

14. November 1902, Freitag, ein Tag wie jeder andere. Am frühen Nachmittag verläßt Prof. van Dusen sein Haus in der 35. Straße West, Manhattan, New York City, wie an jedem anderen Tag, er sieht nicht nach rechts, er sieht nicht nach links, er sieht in das offene Buch vor seiner Nase, wie jeden Tag... (Es tickt bei Prof.v.D.)
London 16. November 1903, am frühen Abend, typisches englisches Herbstwetter. Regen, Kälte, Nebel. Während Big Ben die 6. Stunde schlägt, geschieht im vornehmen Hotel Savoy am Victoriaembankment folgendes: Ein Kellner, in der Hand ein Tablett mit einem Sektkühler, einer Flasche und einem Glas, stürzt in das Büro des Hoteldirektors, bleich wie der Tod... (Prof. v.D. Ein Mörder bei Madame Tussaud)
Mitten in Europa liegt das deutsche Kaiserreich, mitten in Deutschland liegt Berlin, mitten in Berlin liegt die Straße unter den Linden und mitten auf dieser Straße befanden sich am 24. Juni 1904 unter hunderten von Menschen zwei amerikanische Weltreisende, Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen die Denkmaschine zubenannt und meine Wenigkeit, Hutchinson Hatch, es war ein herrlicher Tag... (Prof. v.D. Zocker...)
Es war in Sofia im Herbst des Jahres 1904. Der Prof. hatte einen ungeheuerlichen Fall aufgeklärt, in den Kronprinz Boris verwickelt gewesen war und deshalb lebten wir als Ehrengäste des fürstlichen Hofes wie die Maden im Speck... (P.v.D... G.Dracula)
In der zweiten Januarhälfte des Jahres 1906 hatten wir, der Professor und ich, unsere Weltreise beendet und waren in San Francisco gelandet, van Dusen hatte sich gleich in seine wissenschaftlichen Forschungen verkrochen, nur zweimal war er daraus aufgetaucht, Mitte Februar, um mich vor dem Irrenhaus zu retten, siehe Fall Hatch und etwa 10 Tage später um Dampf abzulassen... (Prof.v.D. u.d. 7 Detektive)

Koser: Und dieses Echo auf den Tod von van Dusen führte dann auch dazu, daß wir eine öffentliche Veranstaltung machten wollten und zwar sollte die Reihe dann fortgesetzt werden, das heißt der nächste Fall sollte nicht zuerst im Radio laufen, sondern er sollte zuerst auf dieser öffentlichen Veranstaltung vorgeführt werden und wir haben das bekannt geben und haben dann mal gewartet, wer da kommt, der Sendesaal im RIAS war voll, das ging quer durch von Kindern bis Omas und Opas, und, aber jüngere Leute vorherrschend.
Herm: Ja das habe ich gar nicht für möglich gehalten, durch diese öffentliche Veranstaltung wurde mir das überhaupt erst bewußt, und natürlich freut einen das, das ist klar, dann war es, wie der Berliner sagt, nicht unbedingt in den Sand gepupt.
Hörer: Ich hätt gern gewußt, warum Sie den Professor so abrupt und plötzlich haben sterben lassen? Wie lange brauchen Sie ungefähr für so ein Drehbuch? Wo werden denn die Geräuschaufnahmen hergenommen, kommen die hier aus dem RIAS Archiv? Wie lange brauchen Sie, bis eine solche Sendung aufgenommen ist? Wer ist verantwortlich und werden diese Musikaufnahmen für die einzelnen Kriminalhörspiele extra produziert? Wie suchen Sie die Sprecher aus, sagen Sie einfach, der kann gut, so stell ich mir irgendwie die Sprecherrolle vor oder? Was mögen Sie so sehr an Prof van Dusen und seinen Fällen?
Brüning: Es ist eigentlich das beste daran, daß man ne ganze Menge aus der Zeit erfährt, in denen diese Geschichten spielen.
Sprecher: Jens Brüning, Autor und Hörspielkritiker.
Brüning: Es tauchen immer irgendwelche Figuren auf, die zu ihrer Zeit, so um die Jahrhundertwende 19 auf das 20. Jh. eine Rolle gespielt haben und berühmt waren oder berüchtigt, und da wird sehr viel Unterfutter gegeben, das finde ich immer sehr schön, das hat mir da am meisten Spaß gemacht dabei.
Hickethier: Es ist eine andere Form der Spannung.
Sprecher: Knut Hickethier, Medienwissenschaftler und Hörspielkritiker
Hickethier: Es ist nicht, daß man in irgendeine Erregung gerät, daß man also nicht mehr weiß was macht man denn jetzt sondern es ist eigentlich mehr dieses na wie kommt er denn da wieder aus und was passiert denn jetzt und wie kriegen sie denn nun den Bogen wieder, und die Spannung an dem wie der Erzählfaden geflochten wird, wie die Figuren sozusagen sich bewegen, wie das zwischen den Figuren abläuft, das ist dann viel interessanter und es ist nicht die normale Thriller Spannung, die man sich denken könnte.
Bauschulte. Na ja, das war ja das schöne an van Dusen, daß es eine so gewaltlose, was die Aktivitäten angeht, Serie war.
Sprecher: Friedrich W. Bauschulte, van Dusen Darsteller
Bauschulte: Es wurde immer nur davon geredet, daß da irgend jemand umgebracht worden ist oder daß das passiert ist oder daß das passieren könnte, nicht.
Drews: Es ist ja auch umgebracht worden schon.
Sprecher: Ursula Drews
Drews: Aber nicht so brutal und nicht so, aber umgebracht wurde da auch, das kann man nicht sagen, aber es war immer so, so appetitlich umgebracht, es war nie so sensationell umgebracht, es wurde nicht gesagt jetzt haben wir dem die Kehle durchgeschnitten oder so sondern es war immer...
Gemütliches Morden.
Drews: Die besondere Qualität war, daß es nicht ein üblicher Krimi war, sondern daß es ein Krimi war mit einer ganz besonderen Sprache, das hat mich so fasziniert.
Bauschulte: Da waren vielleicht ein paar Sätze dabei, mit denen ich, weil er nun auch eine besondere Diktion hatte, ja und das hat der Koser ja phänomenal durchgehalten über die ganzen Folgen ja, daß er so fast in gedrechselter Art sprach um auch die Zeit mitspielen zu lassen, in der das ganze spielte, das war ja sehr gut und dadurch entstanden natürlich einige Bandwurmsätze, die so einfach nicht aus dem Gehege meiner Zähne wollten und da habe ich schon zuhause gesessen und habe geübt hier, laut vor mich hin und hab geflucht und gesagt, muß er das denn so kompliziert schreiben, soll er es doch einfacher sagen, aber das sind äußerlichkeiten.
Bauschulte: Mein lieber Hatch, lassen Sie uns eine Pfingstexkursion nach... Gebiß im Gehege meiner Zähne sitzen geblieben. Exkursion. Wir müssen das leider noch mal machen. Mein lieber Hatch, lassen Sie uns eine Pfingstexkursion nach Greenwich Village unternehmen.
Herm: Das kann er aber nicht schneiden. Hoppla.
Bauschulte: Wieso kann er das nicht schneiden, das ist doch seine Sache. Trotzdem möchte ich die ganze Szene noch mal machen.
Herm: Nein, nein.
Leitner: Es ist einfach so die Mischung eigentlich aus Krimi also Spannung und Geschichte.
Sprecher: Gabriela Leitner, ein Fan.
Leitner: Und Humor, na und dieses Zweiergespann ist einfach göttlich.
Koser: Man hätte auch zum Beispiel die Geschichten so schreiben können, einen neutralen Erzähler für die Zwischentexte und, aber ich denke es war ein sehr guter Griff, den, den Hatch zu nehmen gerade so als, als Gegensatz, nicht, es ist ja so ein bißchen wie Don Quichotte und Sancho Panza, die beiden.
Leitner: Hatch ist einfach der, auf den man wahrscheinlich am ehesten steht, weil man sich mit dem auch am ehesten mit dem identifiziert mit dem kleinen Doofen, der eben nicht Prof Dr Dr sowas ist.
Koser: Der Hatch ist eigentlich ja nur reingeholt worden, weil ich dringend jemand brauchte, der die Sachen erzählt, nicht, das hatte rein praktische Gründe, van Dusen selbst konnte das nicht, natürlich, er mußte beleuchtet werden, er kann sich zwar ab und zu mal selbst beleuchten, aber nicht im Laufe einer Erzählung und dann hat einfach so der technische Fortgang erfordert, daß irgendjemand die Sachen erzählt, man kann nicht alles in Szenen bringen, das ist völlig unmöglich, das wird dann auch krampfhaft, gerade solche Geschichten wie die van Dusen Geschichten, wo sehr viel passiert, und auch manchmal Ort- und Zeitsprünge sind.

Sie sind doch Prof van Dusen dieser Superschnüffler aus Amerika. Sir. Stehen Sie auf Fremder, gehen Sie in sich und ziehen sie am besten auch gleich die Schuhe aus, sie befinden sich in Gegenwart von Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen, dem berühmten Wissenschaftler und großen Amateurkriminologen, der da genannt wird die Denkmaschine und ich bin sein Prophet, wollte sagen sein Assistent und Chronist, Hatch, Hutchinson Hatch... (Prof. v.D. läßt die Sau raus)

Herm: Diese etwas Begriffsstutzigkeit die er ja auch manchmal hat, och wo man sagt, naja, er ist ein bißchen bedeppert kann er sein, dann aber auch die Art von Pfiffigkeit, nicht, er hat ja dann eine ganz andere Art von Realität, na, und er ist, muß man sagen auch der Praktiker und das hat mich also gereizt, aber auch so daß man denkt och, das ist ein kleiner doofer, und das ist er gar nicht so sehr. Ich mag überhaupt Rollen, die der Hörer, der Zuschauer erstmal unterschätzt, sagt, das ist ein lieber oder der hat eine kleine Meise, das ist ja soweit ist es nicht mit seiner Intelligenz und plötzlich durch irgendne Situation ach mensch da ist ja doch was dran, also das sind sowieso immer die interessantesten Rollen.
Leitner: Ich denke wir sind eben auch keine Wissenschaftler und insofern identifizieren wir uns eher mit dem kleinen Trottel, der da immer gucken muß, zuerst wo er was zu essen her kriegt und wo er seinen Whiskey organisiert kriegt oder der sich eine dicke fette Havanna wünscht, also mehr so auf diese leiblichen Sachen abfährt.

In Paris hatte Prof. van Dusen sich was angewöhnt, jeden Morgen machte er einen kurzen Spaziergang im Bois de Boulogne, in aller Herrgottsfrühe, auf nüchternen Magen, und ich mußte natürlich mit, auch an diesem 8. März 1904, einem Dienstag, es war kühl, noch nicht richtig hell und mir knurrte der Magen. Ihre Gesichtszüge mein lieber Hatch weisen einen gewissen vergeistigten Ausdruck auf, ein höchst ungewöhnliches Phänomen, woran denken sie. Ich, an nichts, Prof, an gar nichts. Das glaube ich ihnen aufs Wort, mein lieber Hatch. Ich hatte doch an was gedacht, an Kaffee, heiß und duftend, an knusprigen Toast, an ein weichgekochtes Ei, frische Butter, goldgelben Honig, an normannischen Käse und Schinken aus Bayonne, kurz an ein ordentliches Frühstück und an die gute Havanna danach, aber das ging den Prof. nichts an, er macht sich bekanntlich nicht viel aus Frühstück, und aus Mittagbrot und Abendessen auch nichts, von Zigarren ganz zu schweigen, was er braucht sind Luft, Logik, Wissenschaft und ab und zu ein bißchen Kriminologie. Amateur-kriminologie, mein lieber Hatch. Ist recht Professor... (Prof. v. D. u. d. Fall Zola)

Koser: Der klassische Detektiv muß immer so einen leicht trotteligen Menschen neben sich haben, dem er sagen kann, mein lieber Hatch, oder mein lieber Watson, Sie kennen meine Methoden, zählen sie 2 und 2 zusammen, alle wichtigen Fakten sind in Ihrem Besitz, Sie müßten jetzt eigentlich wissen, wie es abgelaufen ist und wer es war, und das tun die großen Detektive ja so rasend gern, so was zu sagen und deswegen brauchen sie jemand, zu dem sie das sagen können.
Herm: Seine Arroganz ist ja auch so schön künstlich, nicht, das ist ja auch wunderbar von Koser geschrieben, nicht, in dem Sinne nimmt man ihn finde ich auch gar nicht so ernst, nicht, das ist ja auch der Reiz der Figur, wie das der Bauschulte macht.
Bauschulte: Kläuschen war ja überhaupt im Grunde die wichtigere Person für das Hörspiel, für die Geschichte, er hat ja den roten Faden gesprochen und dargestellt, van Dusen stand ja fest.

Herrliches Wetter, Professor. Mein lieber Hatch, obzwar sie sich seit nunmehr gut 5 Jahren der Ehre und des Vorzugs erfreuen dürfen, Umgang mit meiner Person zu pflegen, befleißigen sie sich, wie ich zu meinem Bedauern immer wieder konstatieren muß, weiterhin hartnäckig einer vagen durch und durch impräzisen und platterdings unwissenschaftlichen Ausdrucksweise. Aber Prof. ich habe doch bloß gesagt herrliches Wetter. Ganz recht, mein lieber Hatch und was hätten sie sagen sollen. Weiß ich doch nicht Prof., ich bin schließlich kein Meteorologe, na ja so einer der das Wetter vorhersagt und dann wird es doch ganz anders. Nicht nur ein Meteorologe, mein lieber Hatch, auch ein in wissenschaftlichen Belangen nicht gänzlich unaufgeschlossener Laie würde sich folgendermaßen ausdrücken: wir befinden uns im Wirkungsbereich eines sog. dynamischen oder auch warmen Hochdruckgebietes, durch welches aus subtropischen Breiten Warmluft in diese gewöhnlich vom Klima weniger begünstigten... (Prof. v. D. läßt die Sau raus)

Möller: Im Grunde genommen ist es eine Figur, in die man selber auch mal hinein schlüpfen möchte und vielleicht auch mal selber den Kotzbrocken raushängen lassen möchte.
Sprecher: Wolfgang Möller vom Prof. Dr. van Dusen Fanclub.
Möller: Aber man traut sich das nicht, oder man ist einfach nicht der Typ dafür, aber man kann das nachvollziehen.
Bauschulte: VanDusen war ein Kotzbrocken in meinen Augen ein richtiger Kotzbrocken.
Krause: Ja das ist es ja gerade, das konträre, nicht, der Professor weiß nun mal einfach mehr, und da kann man nun mal nicht standhalten, das wäre anmaßend, er ist nunmal Prof van Dusen, und Hatchinson Hatch, das haben wir alle so ein bißchen in uns, deshalb schlägt mein Herz mehr für den Professor.
Clute: Das wird daran liegen, daß er eigentlich ein richtiger gentleman ist, obwohl er aus den USA zu stammen scheint, da soll es aber auch solche geben, er hat Lebensformen, die, ja der kann mit Messer und Gabel essen, der hat wahrscheinlich immer einen Bowlerhat auf oder etwas vergleichbares, also auf keinen Fall eine Baseballcap und blickt durch, und das ist natürlich auch eine Identifikations-möglichkeit, so einen richtigen Durchblick hat, der für alles eigentlich einen Ausweg weiß, ist auch nicht schlecht zum identifizieren oder zum liebhaben.
Herm: Ist doch wunderbar, daß es so einen perfekten Menschen gibt, ist doch herrlich und deswegen lieben auch ihn die Hörer glaube ich, man sehnt sich doch nach Perfektheit, man sehnt sich doch danach, daß man so intelligent ist, daß man alles erforscht und erfaßt, und immer sich richtig benimmt, danach sehnt man sich doch, daß eine Figur entsteht, gott behüte im Hören, der das alles kann und das ist doch wunderbar.
Leitner: Vielleicht ist man auch ein bißchen neidisch, weil eben der Professor, im Prinzip weiß er ja alles.
Sprecher: Thomas Leitner, ein Fan
Leitner: Wenn er von dem Sachgebiet nicht so viel Ahnung hat, dann kann er sich das doch wieder zusammenreimen, und er hat ja so eine große Allgemeinbildung, daß da kaum Lücken entstehen, so daß er da, er hat im Prinzip auf alles eine Antwort zumindest solange es logisch und wissenschaftlich zu erklären ist.
Clute: Also ich glaube, ich würde mit dem nicht durch Berlin laufen, das wäre mir zu anstrengend, ich find ihn besser im Radio.
Koser: Wenn ich von Anfang an gewußt hätte, daß es 77 Folgen werden, frage ich mich manchmal ob ihm ich da nicht die Möglichkeit einer Entwicklung gegeben hätte, aber eigentlich denke ich darf das nicht passieren, daß so bestimmte mythische Figuren und das sind ja die großen Detektive, auch Sherlock Holmes oder Hercule Poirot oder so, die verändern sich ja auch so gut wie gar nicht, sie bleiben auf dem gleichen Level stehen, auf dem sie angetreten sind.

Koser: Das ist eigentlich das gute mit meiner Zusammenarbeit mit Rainer und mit euch, das ich immer das Vertrauen hatte, von Anfang an, und mir nie Sorgen gemacht habe, daß da was gutes bei rauskommt, ich hab das einfach losgeschickt und hab dann auf die Kassette gewartet.
Clute: Es hat sehr wenige technische Kollegen gegeben die sich in diesen 20 Jahren diese van Dusen Reihe geteilt haben, das war am Anfang Gerd Poolman und Sören Pehrs und ich hatte die Bitte geäußert, mit sanftem Druck, daß ich bereit bin, bei den Toningenieuren eine alternative zu haben, aber was den Techniker anging, da möchte ich daß wirklich durchgehend ein Techniker zur Verfügung steht und das war in dem Fall Manfred Rabbel, der ein unglaublicher Gewinn auch gewesen ist für diese Serie, er hat wirklich auch immer wieder eine sehr spezielle Form von Humor bewiesen, der immer wieder, was auch bei den besten freunden im Team oder auch entstehen kann, irgendwo ist immer mal Streß und irgendwann liegen Nerven blank und irgendwann hat man alle faxen dicke und möchte eigentlich nur einen Koller kriegen und das waren immer genau die Punkte wo Manfred Rabbel zur rechten Zeit am rechten Ort war und die Stimmung wieder aufs Normalmaß brachte, wo sie auch hingehörte, er ist vor einigen Jahren leider sehr, sehr jung und sehr plötzlich und unfaßbar für alle die ihn kannten, gestorben und auch das ist ein Grund vielleicht an dieser Stelle in Dankbarkeit an ihn einen ganz kleinen Augenblick zu denken. Nach Manfred Rabbel kam dann Inge Görgner als Technikerin, Inge Görgner ist ausschließlich dann auch die Technikerin gewesen die vanDusen betreut hat über viele Jahre.
Görgner: Ja das besondere war einfach so, ich betrachte das von meiner Arbeitsweise her, daß es einfach, so diese Arbeit in dem Team, das ich fest kannte, die einfach gut zusammengearbeitet haben, wo man gemerkt hat, jeder weiß genau was er machen soll, aber jeder kann auch übergreifend arbeiten.
Clute: Als Toningenieur kam Georg Fett neu ins Team.
Fett: Ich bin der Toningenieur von 47 Folgen, das ist bei einer Gesamtzahl von 77 Folgen also fast zwei drittel aller Folgen.
Clute: Georg Fett ist aus dem Team vor wenigen Jahren ausgeschieden, für ihn ist Thomas Monnerjahn nachgerückt und als jüngste Technikerin im Team kam dann Sabine Winkler dazu. Bei den Regieassistenten gabs am Anfang einen bunten Wechsel, das war eigentlich so ein momentanes Geschäft bis zum Eintritt von Sylvia Rauer in diese Serie.
Rauer: Ich hab 1983 zum ersten Mal als Regieassistentin einen van Dusen betreut.
Clute: Und Sylvia kam, sah und siegte, und blieb, sie kam und blieb.
Koser: Ja, es entsteht natürlich im Lauf der Jahre bei einer solchen Reihe so ein Zuhausegefühl, ist ein Gefühl der absoluten Vertrautheit, das bezieht sich nicht nur auf die Sprecher, sondern natürlich auch auf das Team und für mich ist das zumindest eine Zeit lang eine sehr angenehme Art zu arbeiten.
Clute: Was dann als erstes von meiner Seite aus sukzessive dazu kam und an Wichtigkeit gewann, das war Musik, das ist nun meine Möglichkeit mit Musik umzugehen, Musik dramaturgisch einzubringen, mit Musik Geschichten im Subtext zu erzählen, wenn man bei Musik von subtext sprechen kann. Dann erinnere ich mich an einen Krimi, das war rotes Blut und weißer Käse, das war so ein bißchen der Durchbruch einer eigenständigen Musik. Eine van Dusen Musik als solche gibt es nicht, es haben oft Leute gefragt, die fest davon ausgingen, daß die Musik zu den van Dusen Hörspielen natürlich komponiert wird und speziell hergestellt, das war für mich immer relativ ehrenvoll, weil dann ist das genau aufgegangen, was ich mir überlegt habe, mit den Musiken, daß sie natürlich, obwohl keine einzige Musik für van Dusen jemals komponiert worden ist, es so klingen soll und sich anhören soll, als sei es genau auf den Punkt abgestimmt, was es ja auch ist, und es sollte eben die Musik auch eine perfekte Ergänzung zum Wort sein.
Leitner: Was ich eigentlich auch wirklich ganz, ganz toll finde und das hat eher was mit denen im Studio zu tun, nicht mit dem Manuskript, ist die Auswahl der Musik, also die finde ich immer ganz toll, also da ist auch, wie heißt das mit dem weißen Käse, rotes Blut und weißer Käse, also die Musik ist, die find ich auch so passend, man kann sich wirklich vorstellen, wie die da auf den ich glaub in der Schweiz spielt das, auf irgendwelchen schweizer Wiesen elfengleich sich bewegen, das finde ich auch ein ganz besonderes Merkmal dieser Reihe.

Ah, das ist eine Luft, was meine Herren, weich wie Samt, klar wie ein Bergquell, rein wie ein frischgebadetes Baby. Kaum Kohlenmonoxid, keine Schwefelverbindungen. Die schiere Gesundheit, meine Herren, Natur... (Prof.v.D. rotes Blut u. weißer Käse)

Clute: Der Krimi spielte in der Schweiz auf irgendner Alm, mit skurrilen Typen und als Musik fiel mir dazu, was erstmal damit überhaupt nichts zu tun hat, Madrigale. Madrigale aus der Vorbarockzeit, teilweise, in einer etwas modern aufgepeppten Fassung durch die zweite Formation der swingels singers, das war irgendwie auch ein gewisses Wagnis, wo ich ziemlich sicher bin, ist, daß im klassischen im klischee sinne klassische Musik mit Krimi traditionell bis dahin nichts zu tun hatte, und das änderte sich ab diesem Moment, daß wirklich klassische Musik, ganz echt klassische Musik oder zumindest klassische Musik mit einem bißchen einem verschrägenen Arrangement oder wie mans nennen will, zum Markenzeichen wurde für die Untermalungen der van Dusen Krimis.
Brüning: Das war eigentlich dasjenige, was mich dafür sehr eingenommen hat, daß es nicht so eine 0815 Produktion ist, daß da nicht Papier in Ton umgesetzt wird, sondern da sehr viele unterschiedliche Ebenen noch mit dazukommen, die zwar auch schon auf dem Papier stehen, aber die dann teilweise auch noch durch die Regie ergänzt werden, die Musik zum Beispiel, die steht ja meistens überhaupt nicht auf dem Papier, wie ich gelernt habe, sondern die entsteht dann irgendwie im Verlauf der Produktion.
Hickethier: Mir hat die Art sehr gut gefallen, ich muß sagen, ich liebe vielleicht sogar mein Lieblingsgenre, ich liebe die konkreten Hörspiele am meisten, also Hörspiele, in denen einfach ganz realistische Szenen vorkommen, ich sage manchmal, der Laie könnte sich denken die haben einfach ein Mikrophon hingestellt und dann wurde das aufgenommen, und das wars dann, daß es so nicht ist in Wirklichkeit ist ja klar aber es soll hinterher so klingen, als wäre es einfach nur eine Beobachtung mit dem Mikrophon und alles ist so passiert wie mans hört.
Clute: Das war von Anfang natürlich an eine Schwierigkeit oder ein spezieller Anreiz auch für die Produktion, die Krimis um Prof. van Dusen sind alle historisch, das heißt die Produktion ist natürlich gehalten, sich was das drumherum angeht auch an diese Zeit zu halten, es geht natürlich nicht, daß wir jetzt irgendwelche Straßengeräusche haben, wo also beispielsweise ein Flugzeug über die Straße hinwegfliegt, das wäre anachronistisch, und da sind wir natürlich gehalten, genau zu sein, bei Eisenbahnfahrten wird natürlich Prof. van Dusen nicht im TEE durch die Lande donnern, sondern eben in der guten alten Dampflok allenfalls, und das war nun immer ein großer Anspruch.
Krause: Das ist eben der Vorteil bei den Hörspielen um diese Serie, daß ich die Augen schließen kann und ich bin dabei, ich bin mit Professor van Dusen auf Reisen.

1001 Nacht, das war das Stichwort, das Abenteuer, das vor uns lag, glitzerte tatsächlich wie ein buntes orientalisches Märchen und es war so fantastisch, daß ich es nicht glauben würde, wenn ich es nicht selber erlebt und mit eigenen Augen gesehen hätte. Wir stiegen das Fallreep herunter oder wie die Treppe am Schiff heißt und als wir die Füße auf festen Boden setzten, legte die Musik noch einen Zahn zu, jetzt fühlten wir uns doch ein bißchen genervt, und wollten gerade das weite suchen, bzw ein Rischka, als ein umfangreicher vollbärtiger Inder in Turban und rotem Seidengewand die Hand hob, die Musik brach ab... (Prof. v.D. u.d. Schatz des M.)

Clute: Bis zum vorletzten Krimi sind alle Krimis an einem einzigen Tag aufgenommen worden, alle Szenen zumindest, in seltenen Fällen ist Klaus Herm an einem anderen Tag noch mal gekommen, um den Erzähler aufzunehmen, was sich sehr ausgeweitet hat im Laufe der Geschichte dieser Krimireihe sind die Mischungen, die sehr viel komplizierter geworden.
Rauer: Wir sind eigentlich der Akribie des Autors im realistischen, manchmal sogar naturalistischen erzählen gefolgt, sowohl bei der Besetzung als auch bei der Musik als auch eben im Geräusch, so daß das Geräusch und die Atmosphären im Grunde sogar eine eigene Rolle gekriegt haben im Laufe der Zeit, und das war auch mal so ein Fall, bei dem spielte eine wichtige Rolle der Transport von kravonischen Hirschkäfern in einer Botanisiertrommel und in einer Szene oder bei einem Verschwinden mußten diese Hirschkäfer davonfliegen, und wie um Gottes Willen soll ich nun an das Geräusch von einem Flügelschlag von Hirschkäfern rankommen, das war ganz klar, daß es im Archiv nicht irgendwie unter 532 im Regal stehen würde, und eins wo ich mir am meisten vorstellen konnte, das habe ich dann auch mit ins Studio gebracht und das haben wir dann auch tatsächlich für diese Käfer verwendet, das war das Schnabelklappern eines Klapperstorches, der hat dann unsere Hirschkäferflügel abgegeben und es hat auch kein Mensch nachher gemerkt, daß das ein klappernder Klapperstorch war, sondern das klang in dem Moment, weil es szenisch so angedeutet angesprochen war, klang es so wie wegfliegende Hirschkäfer.
Clute: Und das war dann auch ein Verdienst von Silvia Rauer, daß sie zum Beispiel immer wieder Gelegenheit genommen hat, solche Geräusche zu archivieren in ihr sog. van Dusen Privatarchiv, und aus ihrem unendlich großen Karton immer wieder zur rechten Zeit die richtigen Geräusche herausgeholt, die wir sonst mühsam hätten herstellen müßten, auch das war sicherlich sehr hilfreich für die Produktion.

Clute: Van Dusen ist eine Legende geworden, innerhalb der Zeit, die er im Medium Rundfunk verbracht hat, in den 20 Jahren, und es schmeckt mir natürlich sehr und ich fühle mich geehrt auch, daß ich an dieser Legende einen vielleicht nicht unwesentlichen Anteil habe, aber eine Legende ist ja nicht etwas, was man herstellt, auch nicht etwas was man selbst definiert, ich denke eine Legende definiert sich durch die Rezipienten, und uns ist in der jetzt schon mehrfach erwähnten 24er Staffel, das heißt den ersten 24 Folgen bis zum Tod van Dusens beim Erdbeben in San Francisco 1906, nicht bewußt gewesen, daß wir eine Legende produzieren, wir haben auch nicht das Gefühl gehabt.
Hickethier: Und daß sich dann herausstellte, es gibt sogar einen Fanclub, daß da also Eigeninitiativen, nicht eben von unserem Funkhaus, damals noch RIAS, heute Deutschlandradio Berlin, initiiert wird, sondern daß die Hörer einen dazu zwingen das fortzusetzen, das war natürlich eine ganz besondere Freude, weiterhin solche Aufnahmen machen zu können, wenn man weiß, da gibt es welche, die warten schon auf die nächste Folge, dann macht es noch mehr Spaß.
Krause: Man war natürlich neugierig, gibt es auch andere, man selber war ja van Dusen Hörer, aber gibt es andere Hörer, mit denen man sich austauschen kann, die auch so akribisch sammeln, und Bescheid wissen, und dann gab es die 2. öffentliche Veranstaltung, damals noch vom RIAS Berlin, dort haben sich einige van Dusen Hörer abgestimmt, sich zu einer späteren Zeitpunkt noch einmal zu treffen und dieses Treffen hat dann auch stattgefunden und der erste van Dusen Fanclub wurde gegründet.
Görgner: Freut mich auch, daß es so eine riesen Fangemeinde hat und daß es halt so einfach 20 Jahre, das ist schon für die Rundfunkgeschichte eine ziemlich lange Zeit, aber ich glaube das liegt auch an der Kontinuität einfach, weil der Michael Koser da immer ganz genauso weiter geschrieben hat und weil die Machtart dann doch immer irgendwo immer ein bißchen gleich geblieben ist.
Koser: Ein paar Fehler sind auch drin, muß ich ja zugeben, wenn auch nicht alles, was die Fans da moniert haben, tatsächlich Fehler sind, da haben sie sich auch mal geirrt, die Fans haben sich ja überhaupt zum Teil eine furchtbare Arbeit gemacht, es gibt mehrere van Dusen Kompendien, die die Fans zusammengestellt haben, wo sie zu jedem Fall ganz haarklein und akribisch alle historischen, geografischen Fakten, die darin vorkommen, aufgelistet haben, Längen- und Breitengrade, wo die Geschichte spielt, die historischen Figuren, die drin vorkommen erläutert haben, mit lexikalischer Hilfe. Das find ich schon toll.
Krause: Wir haben uns da eine ganze Menge Mühe gegeben um diese Serie von Michael Koser.
Möller: Wir wollen ja eigentlich jetzt den van Dusen Fanclub in einen sog. Koser Fanclub umdirigieren, weil wir denken wir möchten eigentlich alle Aktivitäten, die Herr Koser so in seiner Vergangenheit und in seiner Zukunft beschreitet, möchten wir eigentlich begleiten, er hat sich also uns gegenüber immer als ein sehr fairer und vor allem williger Partner gezeigt und ich denk auch welcher Autor hat so einen Fanclub.
Krause: Ich denke, er weiß auch, was er an uns hat.

Hickethier: Ich glaube so eine Reihe muß irgendwann mal aufhören und wenn man sagt man hört am besten dann auf wenn es am schönsten ist, ist es sozusagen richtig aufzuhören, daß die Einfälle wirklich zuende sind, oder daß die Lust wirklich zu Ende ist, das glaube ich nicht.
Möller: Unser Ziel haben wir nicht erreicht, das Ziel war eigentlich 80 Folgen in 20 Jahre, denn damit wären wir einem Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde nicht vorbeigekommen, der wäre uns dann sicher gewesen, nun müssen wir mal schauen, was noch wird.
Koser: Ja das ist ein ganzer Sack voller Gefühle, voller gemischter Gefühle, eine gewisse Erleichterung gehört dazu, daß ich die beiden, und speziell natürlich den Professor tatsächlich los bin, auch bedauern natürlich, vorallendingen wenn ich jetzt eine schöne Idee habe für einen Fall und die kommen auch jetzt noch, die nur van Dusen lösen kann und sonst niemand auf der ganzen Welt und ich hab ihn nicht mehr und tatsächlich ja tatsächlich fehlt er mir doch, fehlen sie mir beide ein bißchen.
Herm: Ja wohlwissend daß alles irgendwann ein Ende hat, ne, ist es ja traurig, ist übertrieben, es ist schon ein kleiner Verlust ist es, würde ich sagen, es war diese ganzen Jahre durch irgendwo eine feste Größe, aber alles geht zu ende, nicht, das ist klar, ich bin froh und ich bin auch letztenendes dankbar, daß man sowas langes wieder durchziehen konnte.
Leitner: Also ich denk, die Spannung hat schon nachgelassen, es ist nicht mehr so, daß ich jetzt nun 5,6,7,8 neue Folgen im Jahr brauch.
Möller: Ich hätte es gut gefunden, wenn es noch mehr gegeben hätte.
Hickethier: Eigentlich könnte man sich nur wünschen, daß wenn nun wirklich die aller letzte van Dusen Sendung kommt, daß es vielleicht eine neue gibt, mit einer anderen Figur, die ähnlich erfolgreich und ähnlich langlebig ist, die sich wieder neu etabliert.
Clute: Autoren können ja sowieso nicht aufhören zu schreiben, das ist ja ein großes Problem für Autoren und wenn sie dann immer noch auf der Höhe ihrer Kunst bleiben, dann ist es ja um so besser und ich glaub der Michael Koser ist einer, da muß man den Bleistift extra noch totschlagen, wenn der mal gestorben sein sollte, was wahrscheinlich in den nächsten 50 Jahren nicht passiert, hoffe ich jedenfalls, und dann erst hört das auf, was da aus dem Mann rauskommt, also es wird schwierig sein, den abzuhalten, irgendwelche Dinge zu verfassen, die interessant und gut sind.
Drews: Das hat der Koser sich ja immer sehr hübsch ausgedacht, das muß ich sagen, es ist eigentlich schade, daß er nun aufhört.
Herm: Das ist besonders, über 20 Jahre, glaube ich, ist es noch nie gewesen, also gibt es auch nicht, ich will es nicht beschwören oder so, aber ich glaube das ist einmalig, das glaub ich schon.
Bauschulte: Ja van Dusen, das wars.
Herm: Und damit wollen wir schließen oder wie.
Bauschulte: Ein Leben für den Rundfunk oder ein stück vom Leben für den Rundfunk
Hatch: Prost Professor.
Prof. van Dusen: Prosit, mein lieber Hatch.

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